Freitag, 29. April 2011

2011.04.29: Unterricht

 

OTS0189 II 29.04.2011 11:58:54

 

Pflichtschullehrergewerkschaft wählt neuen Vorsitzenden und Bundesleitung

Utl.: Neben Forderungen zum Dienst- und Besoldungsrecht steht die Forderung nach Studium mit Masterabschluss im Blickpunkt des Interesses.

Gewerkschaften/Wien

Am 4. und 5. Mai findet in Wien der 16. Bundestag der Pflichtschullehrergewerkschaft statt. Das alle fünf Jahre tagende Gremium beschäftigt sich mit den von den Bundesländern eingebrachten Forderungen zum Dienst- und Besoldungsrecht. Aber auch Änderungen im Schulrecht, sowie die derzeit im Brennpunkt des Interesses stehende Lehrerbildung NEU, werden Thema der Beratungen sein.

Als erfreuliches Zeichen für die Wertschätzung der Leistungen, die die Bundesleitung in den zum Teil unruhigen letzten fünf Jahren erbracht hat, sieht Riegler, dass vor allem das Jahr 2009 ein gewaltiges Plus an neuen Mitgliedern gebracht hat. Viele wollen gerade jetzt ein Zeichen der Verbundenheit setzen und ihre Zufriedenheit mit unserer Arbeit für sie dokumentieren.

Ein wesentlicher Punkt dieser Tagung wird auch die Wahl des neuen Vorsitzenden, der beiden Stellvertreter sowie des Leitungsgremiums der Pflichtschullehrergewerkschaft sein. Der ausgebildete Volksschullehrer Walter Riegler stellt sich nach 10 jähriger Vorsitzführung nicht mehr der Wiederwahl zum Vorsitzenden der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer.

Zu seinem Nachfolger hat die Fraktion Christlicher Gewerkschafter den Delegierten des Bundestages den Oberösterreicher Paul Kimberger vorgeschlagen.

Rückfragehinweis: 0664/ 403 94 73 Walter Riegler

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APA0225 II, XI 29.04.2011 11:37:52

 

Lehrer-Dienstrecht: Was reformiert werden soll

Utl.: Aufgaben, Arbeitsort und -zeit sollen neu definiert werden - Mehr Geld für junge Lehrer - Mehr Unterstützungspersonal und bessere Umstiegsmöglichkeiten

Schulen/Lehrer/Reform/Arbeitszeit/Hintergrund

Rund die Hälfte der 120.000 Lehrer geht bis 2025 in Pension, schon jetzt gibt es zu wenige Pädagogen. Gleichzeitig steigt aber der Personalbedarf in den kommenden Jahren durch Regierungsprojekte wie die Neue Mittelschule (NMS), bei der in den Hauptfächern zwei Lehrer in der Klasse stehen (Team-Teaching) und den Ausbau der Nachmittagsbetreuung. Ein neues Lehrerdienstrecht soll den Beruf nun für Junge attraktiver machen und gleichzeitig dafür sorgen, dass erstmal seit 1948 für Bundes- und Landeslehrer die selben Regeln gelten. Im Folgenden die Eckpunkte der geplanten Reform, über die sich die Regierung bis Jahresende mit den Lehrervertretern einigen will.

AUFGABENPROFIL: Lehrerarbeit soll neu definiert und um jene Bereiche erweitert werden, die heute neben Unterricht und dessen Vor- und Nachbereitung zu den Aufgaben der Pädagogen gehören (Elternarbeit, Schulentwicklung, Team-Teaching etc.). Gleichzeitig sollen Lehrer in einigen Bereichen künftig durch Unterstützungspersonal (Schulsozialarbeiter, Psychologen etc.) entlastet werden.

Derzeit wird unter Lehrerarbeit vor allem der Unterricht, der laut einer Lehrer-Befragung nur rund ein Drittel des Jobs ausmacht, sowie Vor- und Nachbereitung verstanden. Dazu kommen Zusatzaufgaben außerhalb des Unterrichts wie Teamarbeit, Schüleraufsicht, Schülerbetreuung und administrative Aufgaben. Darüber hinausgehende Tätigkeiten werden über rund 70 verschiedene Zulagen entgolten.

ARBEITSZEIT: Die Regierung will künftig jene Zeit, die Lehrer mit Schülern verbringen, höher bewerten. Auch eine Erhöhung der Lehrverpflichtung ist für Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) "nicht tabu".

Aktuell gibt es zwei Arbeitszeitmodelle: Landeslehrer haben eine Normarbeitszeit von 1.776 Stunden pro Jahr, die auf verschiedene "Töpfe" (Unterricht, Vor- und Nachbereitung, sonstige Tätigkeiten) aufgeteilt ist. Bei Bundeslehrern ist nur die Wochenarbeitszeit definiert, die je nach Fach zwischen 18 und 22 Stunden liegt. Dazu kommt die nicht in Stunden angegebene Vor- und Nachbereitung des Unterrichts.

BEZAHLUNG: Die Einstiegsgehälter sollen deutlich angehoben werden, um den Beruf attraktiver zu machen, dafür soll die Gehaltskurve abgeflacht werden. Das Einkommen soll künftig außerdem an die Funktionen angepasst werden, die die Lehrer übernehmen (etwa Mentoring für Lehrer am Anfang ihrer Laufbahn). "Leistung muss sich auf für Lehrer lohnen", so die von Schmied ausgegebene Losung. Boni wie im Bankenwesen soll es nicht geben, der Verdienst soll an die Funktion gekoppelt sein.

Derzeit verdienen Landeslehrer (Volks-, Haupt- und Sonderschule), die an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden, rund 15 Prozent weniger als die Bundeslehrer mit ihrem Uni-Abschluss (AHS; berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS). Die Einstiegsgehälter sind im OECD-Vergleich niedrig (Landslehrer rund 2.000, Bundeslehrer rund 2.200 Euro), alle zwei Jahre rücken die Pädagogen um eine der je nach Lehrergruppe 17 bis 19 Gehaltsstufen vor. Bis zum Ende der Laufbahn ist das Einkommen mehr als doppelt so hoch wie beim Berufseinstieg und liegt damit über dem OECD-Schnitt.

ARBEITSPLATZ: Lehrer sollen künftig - nicht zuletzt wegen des geplanten Ausbaus ganztägiger Schulformen - mehr Zeit mit den Schülern verbringen. Die Regierung hat gleichzeitig die Schaffung adäquater Arbeitsräume versprochen.

Derzeit müssen Lehrer nur dann an der Schule sein, wenn sie unterrichten bzw. die Schüler beaufsichtigen. Wo und wann sie Vor- und Nachbereitung des Unterrichts erledigen, ist nicht genau geregelt. Allerdings sind sich Regierung wie Gewerkschaft einig, dass mehr Anwesenheit der Lehrer bessere Ausstattung der Schulen voraussetzt.

SCHULPERSONAL: An großen Schulstandorten mit mehr als 100 Lehrern soll künftig ein mittleres Management eingerichtet werden. Außerdem soll vor dem Hintergrund, dass immer mehr soziale Probleme in die Schule getragen werden, verstärkt Unterstützungspersonal eingesetzt werden. Auch in der Administration soll es mehr Hilfspersonal geben.

Laut der OECD-Lehrerstudie TALIS bekommen Pädagogen in Österreich nur sehr wenig Unterstützung. Pro 29 Lehrer gibt es eine "pädagogisch-unterstützende Kraft" (Beratungslehrer, Psychologe etc.), pro 25 Lehrer eine "administrative Kraft" (Administrator, Sekretärin etc.). Im Schnitt in den 23 untersuchten Ländern gibt es doppelt bzw. fast dreimal so viel Unterstützungspersonal.

EIN-, UM- UND AUSSTIEG: Quereinsteigern soll der Lehrerberuf - auch angesichts des Personalmangels - schmackhafter gemacht werden. Außerdem soll es für Lehrer mehr Möglichkeiten zum Umstieg in andere Schultypen und in die Privatwirtschaft geben.

Derzeit ist es für Interessenten aus der Privatwirtschaft nicht sehr attraktiv, in den Lehrberuf zu wechseln. Nur maximal 1,5 Jahre Berufserfahrung werden angerechnet. Der Mangel an Um- und Ausstiegsmöglichkeiten für Pädagogen, die nicht mehr in der Schule unterrichten können oder wollen, gilt als Erklärung für die vielen Burn-Out-Fälle im Schulbereich. Die neue Pädagogenausbildung soll einen unkomplizierten Wechsel in andere Schultypen ermöglichen.

(schluss) jle;cm;mk

APA0220 II, XI 29.04.2011 11:32:18

 

Lehrer-Dienstrecht: Verhandlungsstart mit Gewerkschaft am Montag

Utl.: Stillschweigen über Inhalt und Verlauf der Gespräche vereinbart - Riegler hofft auf "reinen Wein"

Lehrer/Reform/Regierung/Gewerkschaften

Am Montag (2. Mai) wird die Regierung die Verhandlungen mit Lehrervertretern zur Dienstrechts- und Besoldungsreform aufnehmen. Nach dem Auftaktgespräch mit GÖD-Chef Fritz Neugebauer (V) Anfang April soll die Steuerungsgruppe bestehend aus den SP-Ministerinnen Claudia Schmied (Unterricht) und Gabriele Heinisch-Hosek (Beamte) und VP-Bildungssprecher Werner Amon erstmals mit der Lehrergewerkschaft zusammentreffen, wie der APA aus mehreren Quellen bestätigt wurde.

Wer nach dem Abgang von Reinhold Lopatka (V) für das Finanzministerium teilnehmen wird, ist laut ÖVP "noch nicht entschieden". Über Inhalt und Verlauf der Verhandlungen, die nach Wunsch der Regierung bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen, wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Vorsitzende der ARGE Lehrer, Walter Riegler, erwartet sich von der Regierung, dass sie den Lehrervertretern bei diesem ersten Termin "reinen Wein einschenkt", wie weit das neue Dienstrecht bereits ausgearbeitet ist, "weil anders wird's nicht gehen". Immerhin sei in der Vergangenheit so getan worden, als ob ein fertiges Konzept in der Schublade liege. Im Unterrichtsministerium wollte man dazu keinen Kommentar abgeben.

Bei dem Gespräch wird Riegler von jenem Team begleitet, "das alle aus dem Fernsehen kennen", spielt der Chef der ARGE Lehrer auf die zahllosen Termine von Lehrervertretern im Unterrichtsministerium anlässlich des Streits um die Erhöhung der Lehrverpflichtung im Mai 2009 an. Damals waren das neben der Spitze der ARGE Lehrer, dem Zusammenschluss der Teilgewerkschaften der Lehrervertretung (Pflichtschulen; AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, Berufsschulen, Landwirtschaftslehrer), auch die Spitzen der diversen Lehrergewerkschaften. Mit Eva Scholik ist allerdings die langjährige Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft nicht mehr dabei, an ihre Stelle ist ihr früherer Stellvertreter und nunmehriger Vorsitzender Eckehard Quin dabei. Dominikus Plaschg hat Fritz Rinnhofer als Vorsitzender der Landwirtschaftslehrer abgelöst.

(schluss) jle;cm;mk

OTS0075 II, XI 29.04.2011 09:49:47

 

Experten fordern nationalen Konsens für Bildung

Utl.: Großer Andrang bei der Podiumsdiskussion "Welche Bildung braucht der Innovationsstandort Österreich?" veranstaltet vom Klub für Frauen

Forschung/Wissenschaft/Bildung/Innovationen/Politik

Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ist eng mit seiner Bildungspolitik verknüpft. Um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein, bedarf es aber eines Paradigmenwechsels im Bildungssystem. Soweit waren sich die Experten bei der Podiumsdiskussion "Welche Bildung braucht der Innovationsstandort Österreich?", am Mittwoch, den 27. April, in der Industriellenvereinigung einig.

Unter der Leitung von Gerhard Jelinek (ORF) diskutierten Hannes Androsch, Industrieller und Initiator des Volksbegehrens Bildungsinitiative, Katharina Cortolezis-Schlager, Nationalratsabgeordnete, und Andreas Salcher, Buchautor und Bildungsexperte. Organisiert wurde die Podiumsdiskussion vom Klub für Frauen in Kooperation mit der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und der Industriellenvereinigung.

In der Frage, wie das Ziel einer Qualitätsverbesserung des Bildungssystems erreicht werden kann, gingen die Meinungen auseinander. Während für den Bildungsexperten Andreas Salcher die Lehrerausbildung und die Rahmenbedingungen für Lehrer, einschließlich Dienstrecht und Gehaltssystem in den Schulen entscheidend sind, steht für den Industriellen Hannes Androsch die Schulautonomie an oberster Stelle. Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager wiederum betonte, dass sich in den letzten Jahren vieles zum Guten verändert hätte und die heimische Schulbildung zumindest im berufsbildenden Bereich im internationalen Vergleich durchaus gute Noten bekäme.

Bildungsexperte Andreas Salcher beschrieb die Situation aus seiner Sicht mit dramatischen Worten. Österreich habe eines der teuersten Bildungssysteme mit bescheidenen Ergebnissen. Jeder vierte 15-Jährige sei ein funktionaler Analphabet. Das österreichische Bildungssystem diskriminiere stark nach Herkunft und soziodemographischen Eigenschaften. Individuelle Schwächen stünden im Mittelpunkt, die Stärken würden vernachlässigt. "Wir haben eine Kultur der Mittelmäßigkeit etabliert."

Der Industrielle Hannes Androsch teilte die Kritik von Salcher. "Die beste Bildung wäre notwendig. Wir haben aber eines der teuersten und schlechtesten Systeme." Das Angebot an Ganztagesschulen müsse ausgebaut werden, die Schulbauten erneuert und eine Besoldungsreform durchgeführt werden. Massive Kritik äußerte Androsch auch am Finanzrahmengesetz 2012 - 2015, das am Mittwoch im Ministerrat beschlossen worden war und anstelle der notwendigen zusätzlichen Mittel sogar eine Reduktion des Budgets für Wissenschaft und Forschung von 3,81 auf 3,729 Milliarden Euro im Jahr 2015 vorsehe.

Nationalratsabgeordnete Katharina Cortolezis-Schlager brachte eine differenzierte Sicht ein. Man müsse die Stärken und Schwächen des österreichischen Systems genauer betrachten. Neben der Schulautonomie bräuchte es ihrer Meinung nach eine Offensive im Schulbau und wichtig sei es auch, die bestehenden Gesetze umzusetzen und einzuhalten. Und es sei wichtig, das Schlagwort des "lifelong learning" ernst zu nehmen und umzusetzen, ebenso wie das "forschende lernen" von Beginn an.

Rückfragehinweis:

Alexander Kosz
Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH
Sensengasse 1, 1090 Wien
Tel. +43 (0)5 7755 - 6012
Mobil +43 (0)664 85 69 010
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Andrea Steiner
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Mittwoch, 27. April 2011

2011.04.27: Bildung

 

APA0179 II, XI 27.04.2011 11:12:42

 

Bildung wird vererbt - Nur jeder Dritte schafft Aufstieg GRAFIK

Utl.: 70 Prozent der 15- bis 34-Jährigen erreicht gleichen oder niedrigeren Bildungsstand der Eltern GRAFIK 0509-11, Format 88x80mm

Bildung/Schulen/Universitäten/Statistik/Grafik

Welchen Bildungsabschluss man erreicht oder eben nicht erreicht, hängt noch immer davon ab, welche Bildung die Eltern genossen haben: Das bestätigt eine nun erfolgte vertiefende Erhebung aus der Analyse zum "Eintritt junger Menschen in den Arbeitsmarkt" (2009) der Statistik Austria. Demnach schafft es nur ein Drittel der 15- bis 34-Jährigen, einen höheren formalen Bildungsabschluss als seine Eltern zu erreichen, während 70 Prozent eine gleichwertige oder sogar niedrigere Ausbildung abschließen.

Laut der Erhebung besteht im Zehnjahresvergleich trotz allem Grund zur Hoffnung. So hat sich der Anteil an jungen Erwachsenen, denen ein Bildungsaufstieg gegenüber ihren Eltern gelang, erhöht. Vor allem die jungen Frauen haben aufgeholt und sind deutlich höher qualifiziert als ihre Mütter. Erreichten rund 40 Prozent der Mütter der heute 15- bis 34-Jährigen nur einen Pflichtabschluss, liegt dieser Prozentsatz bei jungen Frauen heute nur noch bei 15 Prozent. Bei den Vätern hat nur knapp jeder vierte (24 Prozent) höchstens einen Pflichtschulabschluss, unter den Söhnen kommt nur rund jeder zehnte (elf Prozent) nicht über diesen hinaus.

Umgekehrt zeigt sich das Geschlechterverhältnis an den Hochschulen: Generell schließen heute mehr junge Österreicher eine höhere Schule (z.B. AHS) oder Universitätsausbildung ab. Waren es früher noch mehr Männer (16 Prozent) als Frauen (14 Prozent), die eine höhere Schule oder Universitätsausbildung abgeschlossen haben, haben mittlerweile die Töchter (34 Prozent) die Söhne (27 Prozent) überflügelt. Die höchste Wahrscheinlichkeit, eine Uni zu absolvieren, haben aber mit deutlichem Abstand generell Kinder aus akademischen Elternhäusern: 41 Prozent von ihnen schlossen ebenfalls ein Unistudium ab, während es bei Kindern von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss lediglich fünf Prozent waren.

Knapp ein Drittel der Kinder aus ebenjenen "Pflichtschul-Elternhäusern" schließen selbst ebenfalls keine weiterführende Schul- oder Ausbildung ab, der Großteil (44 Prozent) geht in die Lehre. In Elternhäusern mit Lehrabschluss tun es mehr als die Hälfte der Kinder (55 Prozent) den Eltern gleich und schließen höchstens eine Lehre ab.

Unabhängig vom Elternhaus haben vor allem junge Erwachsene mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen: Während nur acht Prozent der 15- bis 34-Jährigen ohne Migrationshintergrund nur die Pflichtschule abgeschlossen haben, kommt knapp ein Drittel der ersten und zweiten Migrantengeneration nicht über die Pflichtschule hinaus.

(S E R V I C E - http://www.statistik.at)

(schluss) pra;cm;mk

 

 

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Dienstag, 26. April 2011

2011.04.27: Newsletter Unterricht

 

Salzburger Nachrichten – 27. April 2011

 

„Hauptschule ist etwas anderes, glauben Sie mir“

SN-Streitgespräch. Buchautor Niki Glattauer unterrichtet seit zwölf Jahren als Hauptschullehrer. Werner Amon ist seit über neun Jahren ÖVP-Bildungssprecher. Bildung ist beiden ein Anliegen.

Alexandra Parragh Könnten Sie sich einen Seitenwechsel vorstellen, dass Sie, Herr Amon, als Lehrer arbeiten?

Werner Amon: Ich kann mir sehr gut vorstellen, Lehrer zu sein. Ich habe fünf Jahre lang an einem Speziallehrgang für Management und Organisation an der HAK in Judenburg unterrichtet und drei Jahre lang ein Lektorat an der FH für Marketing in Graz innegehabt. Es ist mir also durchaus nicht fremd, vor einer Klasse zu stehen. Niki Glattauer: Glauben Sie mir, Hauptschule ist etwas anderes.Amon: Aber hineinversetzen kann ich mich. Ich hab im Unterrichten nicht meine Erfüllung gefunden, ich bin Politiker aus Leidenschaft.

Herr Glattauer, könnten Sie ÖVP-Bildungssprecher sein?

Glattauer: Ich glaub net. Die Politiker, die versuchen, etwas zu ändern, werden sofort wieder zurückgepfiffen.

Was würden Sie als Bildungssprecher verändern?

Glattauer: Grundsätzlich würde ich den Mittelstufenbereich ändern. Ich glaube, der ist das Zünglein an der Bildungswaage. Sind wir uns da einig?Amon: Nein. Ich glaube, dass die Frühkindpädagogik, die Grundschule, den Grundstein für das Lesen und die Sprache legt. Da müssen wir ansetzen. Bei allen Kindern, nicht nur jenen mit Migrationshintergrund. Glattauer: Genau da liegt das Missverständnis. Sicher ist bei der Frühkindpädagogik viel verbesserungswürdig. Aber das funktioniert nicht, weil wir Eltern haben, die nach der Mittelschule mit ungeheuren Defiziten in die Welt entlassen werden, weil sie nicht Deutsch können. Und die kriegen Kinder, denen sie das weitergeben. Amon: Aber da setzen wir ja an, mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr und unserer Forderung nach einer mittleren Reife. Schule hat auch die Aufgabe, soziale Unterschiede auszugleichen. Und das geht beispielsweise über qualifizierte Nachmittagsbetreuung, einen verschränkten Unterricht, individuelle Sprachförderung. Glattauer: Aber das Entscheidende ist doch die Mischung der Gesellschaftsschichten. Es nützen auch drei Lehrer nix, wenn sie die Einzigen in der Klasse sind, die Deutsch sprechen.

Wie kann man den Deutschanteil in den Klassen erhöhen?

Amon: Man muss die Kinder, die aufgrund ihres Migrationshintergrunde oder aus anderen Gründen sprachliche Defizite haben, speziell unterstützen. Um ihnen die Unterrichtssprache beizubringen, kann man sie auch stundenweise aus dem Regelunterricht nehmen.Glattauer: Ich finde es gescheiter, wir hätten diese Kinder schön durchmischt, in der Mittelstufe, sodass die guten Schüler den schlechten als Vorbild dienen. Das geht aber nicht, wenn die Kinder mit zehn Jahren voneinander getrennt werden.

Sie wollen also die Gesamtschule?

Glattauer: Natürlich. Ich bin aber gegen jeden Einheitsbrei, sondern für Leistungsdifferenzierung. Das Gymnasium kann bleiben, aber nur als Oberstufe und für die besten Schüler. Es soll ja nicht jeder Akademiker werden, aber jeder soll zumindest bis 15 in jede Schule gehen können.Amon: Das ist kein Widerspruch. Ich glaube nur nicht, dass die gemeinsame Schule per se die bessere Schule ist.Glattauer: Nicht per se. Amon: Wenn wir uns PISA anschauen, sind Länder, die die Gesamtschule haben, vor und hinter uns. PISA beweist nur, dass das Organisationskonzept für sich keine bessere Schule garantiert. Es ist die Testung der 15-Jährigen an einem Tag in drei Fächern.Glattauer: Das stimmt. PISA zeigt, dass man verschiedene internationale Schulsysteme nicht miteinander vergleichen kann. Aber es zeigt auch, wo auf nationaler Ebene die Schwachstellen liegen. Etwa dass 30 Prozent der Schüler nicht sinnerfassend lesen können und welche 30 Prozent das sind. Und da sind wir wieder beim Schulsystem, das trennt.Amon: Wieso trennt? Wir planen eine AHS-Langform und eine Neue Mittelschule (NMS) anstelle der Hauptschule, die alle den exakt gleichen Lehrplan haben.Glattauer: Wir haben in der Hauptschule schon heute exakt den gleichen Lehrplan. Die NMS ist doch ein Etikettenschwindel, die haben wir in Wien seit über 30 Jahren. Nur heißt sie hier Kooperative Mittelschule (KMS). Amon: Um Gottes Willen, dieses Modell wollen Sie? Die Hauptschulen in Wien hat man genau damit ruiniert, indem man sie KMS getauft und die Leistungsgruppen abgeschafft hat. Im Übrigen gibt es derzeit nur in der ersten Leistungsgruppe den gleichen Lehrplan.Glattauer: Früher hatte man den KMS auch mehr Geld zur Verfügung gestellt, bis sie ins Regelschulsystem überführt worden sind. Das Gleiche wird nun bei der Umwandlung der Hauptschulen in NMS passieren. Amon: Nein, die Finanzierung für die flächendeckende Einführung der Mittelschule bis 2020 ist gesichert.Glattauer: Aber wie viele AHS-Lehrer unterrichten freiwillig als Zweitlehrer an einer NMS? Momentan machen das fast nur Pflichtschullehrer. Wieso soll die neue Lehrerausbildung wieder an Pädagogischen Hochschulen und an den Unis stattfinden? Amon: Das soll ja nicht so bleiben. Es soll die gesamte Ausbildung auf universitärem Niveau stattfinden.Glattauer: Ob das an den PH stattfindet oder an den Unis, halte ich für sekundär. Entscheidend ist, dass Lehrer nicht in den Gegenständen ausgebildet werden, sondern als Lehrer. Es müsste eine eigene Studienrichtung Lehrer geben, in der man sich spezialisieren kann. Und nicht umgekehrt.Wenn Sie alle Lehrer gleich ausbilden, müssten Sie sie gleich bezahlen.

Amon: Die Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht haben gerade begonnen. Da sind die Sozialpartner am Zug. Aber das Wichtigste wird sein, dass künftig nicht nach Formalabschlüssen, sondern dass gleiche Aufgaben gleich bezahlt werden.Glattauer: Was wären gleiche Aufgaben?Amon: Dass der eine Gemeindesekretär genauso viel verdient wie der andere, unabhängig davon, ob er Akademiker ist oder nicht.Wieso ist das Lehrerimage so schlecht? Glattauer: Weil es der Politik und einigen Medien gelungen ist, den Lehrerberuf schlechtzureden.Hat die Lehrergewerkschaft nicht etwas dazu beigetragen? Amon: Schuldzuweisungen sind etwas Einfaches. Wenn ich mir die Beitrittszahlen anschaue, glaube ich nicht, dass die Lehrer mit ihrer Gewerkschaft unzufrieden sind. Im Übrigen halte ich nichts davon, dass ständig auf die Lehrerinnen und Lehrer hingeschlagen wird.Glattauer: Wir haben eine Lehrergewerkschaft, die sich für einen Teil der Lehrer besonders ins Zeug haut, nämlich für die AHS-Lehrer.Amon: Jetzt schlagen Sie aber auf die AHS-Lehrer ein.Glattauer: Im Gegenteil, ich schätze die AHS-Lehrerinnen und -Lehrer. Ich rede von der Lehrergewerkschaft. Die sollte sich weniger aufs Politisieren konzentrieren und mehr auf unsere Arbeitsbedingungen. Dann hätten wir inzwischen wenigstens eine artgerechte Haltung.

 

 

 

Andrea Steiner
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Montag, 18. April 2011

Mayer: Unterricht gesichert - Starker Studierendenanstieg an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten

OTS0137 II 18.04.2011 13:42:17

 

Mayer: Unterricht gesichert - Starker Studierendenanstieg an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten

Utl.: SPÖ-Bildungssprecher weist "Panikmache" in Sachen Lehrer zurück - 65 Prozent mehr Lehramtsstudierende an PH und 43 Prozent mehr an Unis

SPÖ/Mayer/Bildung/Schule/Lehrer

SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer hat kein Verständnis für heutige Aussagen von Elternvertretern in Sachen Lehrpersonal. "Ich weiß nicht, auf welche ominösen Zahlen sich diese Aussagen beziehen. Die Zahlen, die ich kenne und die auch öffentlich bekannt sind, sind absolut erfreulich und beweisen, dass die vielfältigen Maßnahmen des Bildungsministeriums Früchte tragen. Tatsächlich dürfen wir uns über eine starke Zunahme der Lehramtsstudierendenzahl freuen - und das sowohl an den Pädagogischen Hochschulen als auch an den Universitäten. Panikmache und Verunsicherung sind daher völlig unangebracht", so Mayer. Bereits im Februar habe das Ministerium klargestellt, dass der "Unterricht gesichert ist", bekräftigt Mayer heute, Montag, gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

An den PH ist die Zahl der Studierenden zwischen dem Studienjahr 2007/08 und 2010/11 um rund 65 Prozent auf 11.210 gestiegen. Und an den Unis gibt es ein Plus von 43 Prozent bei den Lehramtsstudierenden auf fast 17.000. Positiv habe sich, so Mayer, auch die Zahl der Absolventen entwickelt: 2007/08 haben 1.053 Menschen die Pädagogischen Hochschulen absolviert. Im Studienjahr 2008/09 waren es mit 2.257 mehr als doppelt so viele.

Zudem sorge Bildungsministerin Claudia Schmied mit einer guten Mischung aus kurz- und mittelfristigen Maßnahmen für die Sicherung des Unterrichts. Dazu zählen Sonderverträge genauso wie die Attraktivitätssteigerung des Lehramtsstudiums und das neue Dienst- und Besoldungsrecht mit attraktiven Einstiegsgehältern, so Mayer, der betont: "Bildungsministerin Claudia Schmied ist eine Garantin dafür, dass unsere Schülerinnen und Schüler auch weiterhin beste Bildung bekommen". (Schluss) mb/sc

Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien, Tel.: 01/53427-275 http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

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mb;sc

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Pressespiegel - Unterricht

Presse, 18. Apr. 2011

 

Härtetest für Spindelegger und Karl

REGINA PÖLL (Die Presse)

Analyse: Neo-Vizekanzler Spindelegger und Ministerin Karl werden sich bald der Konfrontation mit Lehrern und Rektoren stellen müssen.

Wien. Wie tickt der Bildungspolitiker Michael Spindelegger? Seit Übernahme des ÖAAB-Chefsessels 2009 mühte sich der Neo-Obmann des Arbeitnehmerbundes, sich als „Reformer“ zu präsentieren. Schon bald wird der nunmehrige designierte ÖVP-Chef und Vizekanzler Spindelegger die Probe aufs Exempel liefern müssen; noch in dieser Woche will er mit Kanzler Werner Faymann (SPÖ) über die bevorstehenden Bildungsreformen sprechen: vom Ausbau der Neuen Mittelschule, der bereits akkordiert ist, bis zum neuen Dienst- und Besoldungsrecht für die Lehrer. Die Bildung ist jedenfalls – neben der Justiz (siehe oben) – eine der größten Baustellen, der sich in der ÖVP neben Wissenschaftsministerin Beatrix Karl und Bildungssprecher Werner Amon nun federführend Michael Spindelegger widmen wird.

Eine Trendwende der ÖVP ist aber auch unter ihm nicht zu erwarten: Er gilt als erbitterter Kämpfer für das Gymnasium, die Trennung in AHS-Unterstufe und Neue Mittelschule wird mit ihm auf jeden Fall bleiben.

Allerdings ist Spindelegger einer, der in seiner Partei schon früh davon gesprochen hat, dass die echte „Selektion“ erst mit 14 passieren dürfe; bis dahin sollten alle Schüler individuell gefördert werden, damit sie die gleichen Chancen haben, in eine AHS-Oberstufe oder berufsbildende Schule weiterzugehen. Wie genau die Förderung funktionieren und woher das Geld dafür kommen soll, ist aber auch unter Spindelegger noch unklar.

Er müsste bei seinen Vorhaben unter Umständen auch die Lehrer stärker verpflichten; damit würde der scheidende ÖAAB-Chef einen Gutteil der Mitglieder „seines“ Bundes verprellen. Das droht auch bei den Verhandlungen über das neue Dienstrecht – so steht etwa Mehrarbeit der Lehrer im Raum, die Gespräche von Rot-Schwarz mit den Gewerkschaftern laufen erst an.

 

Karl unter Spindelegger wieder im Aufwind

Nachfolgerin Spindeleggers an der Spitze des ÖAAB könnte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl werden, so heißt es. Sie stünde für Öffnung: Schon im Vorjahr hat sie, allerdings mit heftiger Gegenreaktion aus der Partei, ein „Gymnasium für alle“ gefordert, eine Art gemeinsamer Schule aller 10- bis 14-Jährigen, auf die die SPÖ drängt. Ein solches Vorhaben würde Karl sicher nicht mehr angreifen. Man könnte sich aber doch noch auf moderne (schultypen-)übergreifende Projekte oder Lehr- und Lernmethoden einigen; Karl hätte dafür bereits aus den Vorjahren einen besonders guten Draht zu SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Für Karl ist der Aufstieg Spindeleggers ein Segen: Zuletzt in ihrer Partei eher in den Hintergrund gedrückt, gilt sie als enge Vertraute des neuen Parteichefs. Schwieriger als in der Schulpolitik dürfte es für sie schon demnächst in ihrem angestammten Revier werden: wenn sie mit dem Koalitionspartner eine Lösung bei der Uni-Finanzierung finden muss. Die ÖVP will Gebühren und teils begrenzte Studienplätze, die SPÖ lehnt das ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2011)

 

 

Presse, 18. Apr. 2011

 

Privatschulen: "Wir wollen Lehrer selbst auswählen"

ROSA SCHMIDT–VIERTHALER (Die Presse)

Der Bund soll endlich ihre Personalkosten tragen, fordern die Schulen in freier Trägerschaft. Sie wollen aber auch weiter autonom darüber entscheiden, wer unterrichten darf.

Wien. Ende April beginnen die Gespräche zwischen den alternativen Privatschulen und dem Unterrichtsministerium. Sie werden wohl mit harten Bandagen geführt, denn im Mittelpunkt stehen zwei essenzielle Punkte: die Personalkosten und die Frage, wer an einer privaten Schule überhaupt unterrichten soll und darf. Die Schulen in freier Trägerschaft fordern, dass das Unterrichtsministerium die Löhne ihrer Lehrer zahlt. Bisher wurde nur bei den konfessionellen Privatschulen der Löwenanteil der Personalkosten übernommen, die alternativen Schulen wurden in unterschiedlicher Höhe gefördert – was derzeit etwa 20 Prozent der Kosten ausgleicht. Zwar wünschen sie sich eine stärkere Finanzierung durch den Staat, in die Auswahl ihrer Lehrer wollen sie sich aber nicht dreinreden lassen.

Beschreibung: http://squid.diepresse.com/RealMedia/ads/Creatives/diepresse/default/empty.gif

Beschreibung: http://squid.diepresse.com/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/diepresse.com/bildung/schule/lehrerbildung/1738500697/Middle2/diepresse/default/empty.gif/77704777685532723251634141337266?_RM_EMPTY_&651185&width=1676

Momentan entscheiden diese Schulen autonom, wer in den Klassenzimmern steht – dabei muss es sich nicht unbedingt um staatlich ausgebildete Pädagogen handeln. „An unseren Schulen könnte auch jemand ohne Matura arbeiten, wenn er etwa eine Waldorf-Ausbildung hat“, sagt Momo Kreutz, Geschäftsführerin des „Bundesdachverbands für selbstbestimmtes Lernen“. „Wichtig ist, welche Zusatzqualifikationen jemand hat und ob er mit Kindern umgehen kann. Eine Gärtnerin könnte etwa im naturkundlichen Bereich arbeiten.“

Autonom zu entscheiden, wer unterrichtet, das gehört für diese alternativ-pädagogischen Schulen zum Selbstverständnis. Individualität ist den knapp hundert Initiativen wichtig, sie haben ein eigenes Organisationsstatut und damit keine Schulartbestimmung wie Volksschule oder Hauptschule. Ihre Namen lauten „Ätsch“, „Freiraum-Schule“ oder „Unser Kirschbaumhaus“, und eine entspannte Atmosphäre wird großgeschrieben.

Der Tagesablauf ist freier als in Regelschulen, fast alle Schulen bieten Nachmittagsbetreuung an. Oft gibt es keine Stundenpläne und auf beinahe jeder Homepage ist zu lesen, dass Lernen Spaß machen soll. Dafür sind die Eltern bereit, viel zu investieren. Im Schnitt 300 Euro beträgt die Gebühr der freien Privatschulen pro Monat, sagt Kreutz. Trotzdem müsse man sparsam mit den Ressourcen umgehen. Die Eltern leisten viel Arbeit. Das geht vom Putzen der Schulen über das Kochen bis hin zum Renovieren.

 

Sparen beim Lehrergehalt

Auch bei der Bezahlung der Lehrer wird gespart. Sie seien im Mindestlohntarif für außerschulische Kinderbetreuung, erklärt Kreutz; je nach Ausbildung gibt es hier verschiedene Kategorien. Von einem Gehalt wie dem der Pädagogen an öffentlichen Schulen können die Lehrer nur träumen. Falls es mehr Geld vom Bund gibt, will man Verbesserungen erreichen. Auch das Schulgeld soll dann reduziert werden. Dass der Bund die vollen Personalkosten übernimmt, ist jedoch unwahrscheinlich. Immerhin wurde seit 2007 der Betrag schon auf 4,5 Millionen Euro verdoppelt, heißt es aus dem Unterrichtsministerium. Allerdings muss der Kuchen auf immer mehr Schulen verteilt werden. Vor den Verhandlungen hält sich das Ministerium bedeckt – auch was die Frage der Lehrerauswahl betrifft. Man wolle künftig aber verstärkt auf die Qualifikation achten.

Kreutz selbst unterrichtet in einer der wenigen Privatschulen, die kein Öffentlichkeitsrecht haben: Die „Ätsch“-Schule in Mariahilf ist eine rechtliche Grauzone, die Kinder müssen von der Schule abgemeldet sein und sind offiziell in „häuslich organisiertem Unterricht“. Jährlich müssen sie externe Prüfungen machen, damit ihr Bildungserfolg sichergestellt ist. Das Öffentlichkeitsrecht blieb der „Ätsch“-Schule bisher aus baulichen Gründen verwehrt. Wie die anderen alternativen Privatschulen fordern auch die ohne Öffentlichkeitsrecht nun mehr Geld und mehr Rechte.

Verärgert sind die Schulen wegen des „Misstrauens“, das ihnen entgegengebracht werde, so Kreutz. Denn: Lesen, Schreiben und Rechnen hätte dort noch jeder Schüler gelernt. Sobald ein Kind die Externistenprüfung nicht schafft, muss es ins Regelschulwesen wechseln; auch das sorgt für Kritik. Gewünscht wird, dass die Zeugnisse der Schulen künftig anerkannt werden. Ein Korb voller Wünsche für das Ministerium. Die 15.000 Unterschriften der Anhänger wurden bereits an Nationalratspräsidentin Barbara Prammer übergeben.

Österreichs Privatschul-Typen im Überblick

Konfessionelle Privatschulen: Der weitaus größte private Schulerhalter ist die katholische Kirche. Sie führt knapp 300 Schulen, die evangelische Kirche nur 20. Die konfessionellen stellen wie die öffentlichen Schulen Lehrer mit einem PH- oder Uni-Abschluss ein, der Staat bezahlt sie. Freie Privatschulen: Zu den knapp hundert Schulen zählen etwa Montessori- oder Waldorfschulen. Die Personalkosten tragen sie selbst, der Staat subventioniert. Die Gebühren betragen im Schnitt 300 Euro im Monat. Bei der Personalauswahl sind die Schulen autonom. Privatschulen ohne Öffentlichkeitsrecht: Sie agieren in einer juristischen Grauzone, die Kinder befinden sich offiziell in häuslich organisiertem Unterricht. Die Schüler müssen deshalb jedes Jahr externe Prüfungen ablegen. Wie die freien Privatschulen fordern sie mehr Geld vom Staat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2011)

 

 

Presse, 18. Apr. 2011

 

„Eltern dürfen nicht ausgespart werden“

 (Die Presse)

Der wiedergewählte Elternvereinschef Theodor Saverschel fordert mehr Mitspracherechte.

Die Presse: Sie wurden als Vorsitzender der Elternvereine bestätigt. Werden Sie in dieser Position von der Politik überhaupt gehört?

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Theodor Saverschel: Wenn man nicht aktiv ist, ist es klar, dass einem der Gesprächspartner kein Gehör schenkt. Dadurch, dass wir diese Aktivität jetzt aber zeigen, zeigt auch die Ministerin (Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Anm.), dass sie diese Schulpartnerschaft sehr schätzt.

Dennoch fordern Sie ein eigenes „Elterngesetz“, das Ihnen auf gesetzlicher Ebene Gehör verschaffen soll.

Es geht darum, dass man Eltern derzeit, wenn es unangenehm wird, einfach aussparen kann. Das wollen wir so nicht hinnehmen.

Wie gefallen Ihnen die derzeitigen Entwicklungen im Bildungsbereich?

Die Tendenzen sind ganz gut. Aber: Die wirklichen Überlegungen dazu, wie man mehr Qualität in die Klasse bringt, scheinen immer noch unangenehm zu sein.

Wo muss Ihrer Meinung nach angesetzt werden?

Zuallererst müssten die überladenen Lehrpläne überarbeitet werden. Außerdem sollte über unterschiedliche Unterrichtsmethoden und einer Alternative zu den 50-minütigen Unterrichtseinheiten nachgedacht werden. Dabei wäre auch an den Schulstandorten mehr Kreativität gefragt. Manche Änderungen könnten die Schulleitungen schon jetzt vornehmen, sie tun es aber einfach nicht – da sie es nicht müssen.

Glauben Sie, dass die Direktoren und Lehrer den Zuruf der Eltern brauchen, um aktiv zu werden?

Ich bin überzeugt davon, dass sich die Eltern einbringen sollten. Denn bis jetzt hat es ja nicht so wirklich gut funktioniert.

Sie fordern auch mehr Mitsprache für die Schüler. Sie sollen im Zuge eines Qualitätsmanagements ihre Lehrer beurteilen können - inklusive Konsequenzen. Welche kämen infrage?

Es sollte durchaus möglich sein, dass ein Lehrer infolge einer schlechten Beurteilung durch die Schüler ausgetauscht wird.

Haben Sie ein negatives Lehrerbild?

Es gibt sehr viele Lehrer, die ihren Job gut machen. Das System setzt viele von ihnen unter einen großen Druck. Die haben es schwer genug. Wir wollen nicht noch zusätzlich ungeeignete Lehrer im System haben, wenn schon die guten überfordert sind. Denn die reagieren dann zumeist über.

Sie sind weitere zwei Jahre im Amt. Was soll sich in dieser Zeit ändern?

Wir müssen jetzt beginnen, Schritte zu setzen, und dürfen keine Angst vor der eigenen Courage haben. Denn Stillstand hatten wir lange genug. j.n.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2011)

 

 

Presse, 18. Apr. 2011

 

Sparen, staatliche Privatschulen und fehlende Disziplin

17.04.2011 | 18:13 |  HEIDI SCHRODT (Die Presse)

Impressionen aus der englischen Bildungslandschaft.

Nicht nur in Österreich, auch in England ist dieser Tage die Bildung Dauerthema. Im Gegensatz zu Österreich kann hier eine neue Regierung recht schnell Reformen in Gang setzen. Große Neuerungen gibt es nicht, es sei denn, man sieht die massiven Sparmaßnahmen als solche. Die wichtigste inhaltliche Reform sind die sogenannten „Free Schools“ – staatliche Schulen, die von privaten Trägern gegründet und geführt werden können. Vor dem Hintergrund des sozial streng selektiven englischen Schulsystems gewiss eine interessante Neuerung. Derzeit haben AbsolventInnen des exklusiven Privatschulsystems, in das sie bereits in der Vorschule eintreten, weitaus bessere Ausgangsbedingungen als die, die das staatliche Schulsystem durchlaufen. Kein Beispiel kann dies besser illustrieren als dieses: Aus der vermutlich exklusivsten Privatschule, Eton, kommt mit David Cameron, dem derzeitigen Premier, bereits der 19.(!) Premierminister. In welch anderem Land wäre das denkbar? Die „Free Schools“ sollen nun höchste Qualität bieten und doch auch Kinder und Jugendliche aus Arbeitermilieus anziehen. Ein paar Eckpunkte sind bereits auszumachen: strenge Disziplin ganz obenauf, darunter auch das konsequente Tragen von Schuluniformen. Auch der klassischen Erziehung soll breiter Raum gegeben werden, Latein wieder einen hohen Stellenwert erhalten. Der Direktor der ersten geplanten „Free School“ im bürgerlichen Westen Londons umschreibt es so: Eine Art „Grammar School“ (Gymnasium) für alle soll es werden.

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Indes stöhnen vor allem die Universitäten unter den massivsten Kürzungen seit Menschengedenken. Die Sparmaßnahmen wirken sich nicht nur beim Personal aus, sondern betreffen auch die Qualität der Lehre. Die meisten Universitäten sehen sich gezwungen, das Maximum an Studiengebühren einzuheben. Zwar wird das Studium allen durch staatliche Kredite ermöglicht. Doch dürfte die Höhe der Gebühren künftig für viele zur Hürde werden. 9000 Pfund pro Jahr (umgerechnet 11.000 Euro) sind wahrlich keine Kleinigkeit. Im Schulbereich wiederum treffen die Kürzungen vor allem Supportsysteme, wie StützlehrerInnen, FörderlehrerInnen, Sozialarbeiter oder Zuschüsse für Schulessen. Wir sehen: kein Sparprogramm für die Reichen.

Da verwundert es nicht, wenn LehrerInnen protestieren. Doch ganz andere Motive haben die Lehrer einer Sekundarschule in Nordengland dazu bewogen, in Streik zu treten: Sie sehen sich der Disziplinlosigkeit ihrer SchülerInnen nicht mehr gewachsen: Handys im Unterricht, freche und obszöne Bemerkungen, Nichtbefolgen von Anweisungen. Szenen, die vielen österreichischen LehrerInnen, zumal im städtischen Bereich, vertraut vorkommen werden. „Sind die SchülerInnen schuld?“, fragt man sich? Oder haben doch die LehrerInnen versagt? Streiken sie also gar gegen sich selbst? Das Thema füllt seit Tagen die Leserbriefseiten – die Antwort steht noch aus.

 

E-Mails an: lehrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2011)

 

 

Presse, 18. Apr. 2011

 

Interview: "Gemeinsame Schule sinnvoll umsetzen"

CHRISTOPH SCHWARZ (Die Presse)

OÖ-Landesschulratspräsident Enzenhofer über Lehrermangel, die Suche nach jungen Talenten und Probleme beim Ausbau der Neuen Mittelschule.

Die Presse: Uni-Ministerin Beatrix Karl, die in Ihrer Partei als fortschrittlich gilt, wurde als Bildungsverhandlerin abgelöst. Mit Michael Spindelegger kommt zudem ein neuer ÖVP-Parteichef, der in Sachen Bildungsreform bislang eher gebremst hat. Schaden diese Wechsel der heimischen Schulpolitik?

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Fritz Enzenhofer: Die Schulpolitik ist von der Rochade an der ÖVP-Spitze kaum betroffen. Wichtiger war da sicher der Wechsel von Ministerin Karl auf Bildungssprecher Werner Amon. Amon schätze ich, weil er große Erfahrung im bildungspolitischen Bereich hat. Die Verhandlungen werden für Unterrichtsministerin Claudia Schmied dadurch sicher nicht einfacher – aber vielleicht werden dadurch die Ergebnisse konkreter.

 

Sie haben sich 2010 für eine „seriöse“ gemeinsame Schule ausgesprochen, zu der es „keine Parallelstrukturen mehr geben“ dürfe. Mit der Einigung auf die Neue Mittelschule, die bestenfalls die Aufwertung der Hauptschulen bedeutet, können Sie angesichts dessen wohl nicht zufrieden sein.

Im Gegenteil. Ich bin sehr zufrieden. Aus pragmatischen Gründen. In Oberösterreich gibt es Gemeinden, in denen alle Schüler in die Hauptschule gehen. Damit ist die gemeinsame Schule de facto Realität. Anders – das ist richtig – ist das natürlich in städtischen Gebieten. Dort gehen verhältnismäßig wenige Schüler in Hauptschulen, und relativ viele Migranten. Solange es dort die AHS-Unterstufe und Privatschulen gibt, kann die gemeinsame Schule nicht Realität werden.

 

Welche Priorität hat für Sie die Umsetzung einer gemeinsamen Schule auch im städtischen Bereich noch?

Die Situation zeigt jedenfalls auf, dass die gemeinsame Schule kein pädagogisches Problem ist. Unsere Lehrer können eine gemeinsame Schule sinnvoll umsetzen – siehe Hauptschule am Land. Dort sitzen auch oft Kinder mit 27Nationalitäten, 17Sprachen und fünf Religionen in der Klasse. Generell bin ich aber der Meinung, dass wir Fragen der Schulorganisation irrtümlicherweise zu stark in den Mittelpunkt rücken. Die Schulorganisation ist nicht das Wesentliche.

Was ist das Wesentliche?

Etwa, dass in den nächsten zehn Jahren die Hälfte aller Pädagogen in Pension geht – das sind allein in Oberösterreich an die 10.000Lehrer. Wenn es jetzt gelingt, die Talentierten und Begabten dazu zu bringen, Lehrer zu werden, haben wir wesentlich mehr Schulqualität gewonnen, als wir durch organisatorische Maßnahmen je erreichen können.

 

Jeder hätte gerne, dass „die Besten“ Lehrer werden. Ob „die Besten“ das auch wollen, ist eine andere Frage.

Ich habe in Oberösterreich ein Programm gestartet, mit dem wir aktiv Menschen suchen, die jene Kriterien erfüllen, die ein guter Lehrer erfüllen muss – etwa Kommunikationsfähigkeiten, Führungsqualität, soziale Kompetenz. In Oberösterreich fordern wir AHS- und BMHS-Lehrer auf, bereits in den Klassen nach talentierten Schülern zu suchen, die für den Lehrerberuf geeignet wären. Die Lehrer sollen mit diesen Schülern den Beruf analysieren, sie in eine erste Klasse mitnehmen und dort hospitieren lassen oder ihnen sogar ein paar Tage lang Einblicke in andere Schultypen geben. So soll die Begeisterung für den Beruf geweckt werden.

 

Wie kann der Lehrerberuf attraktiver gestaltet werden? Nur durch eine bessere Bezahlung?

Sicher nicht nur. Aber die Forderung nach einer flacheren Gehaltskurve ist richtig.

 

Die BMHS-Gewerkschaft hat die Verkürzung der Wochenarbeitszeit gefordert. Schmied lässt anklingen, dass neu eintretende Lehrer mehr arbeiten sollen. Was ist der richtige Weg?

Die Realität zeigt uns, dass Junglehrer wegen der Engpässe in den kommenden Jahren einfach Überstunden halten werden müssen. Das wird sich erst in zwölf oder 13 Jahren wieder einpendeln. Wichtig ist, dass die dienstrechtlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Zuletzt wurde Kritik an der Umsetzung der Neuen Mittelschule laut: An 22Prozent aller Standorte werden anders als vorgesehen keine AHS-Lehrer, sondern nur Hauptschullehrer eingesetzt.

Wir sollten in dieser Diskussion ehrlich sein: Es sind sicher mehr als 22Prozent. Das Konzept mag noch so schön sein, die Realität sieht anders aus. Sobald wir die Zehn-Prozent-Grenze bei den Neuen Mittelschulen (NMS) anheben, bekommen wir Probleme. Ich hatte bereits heuer Schwierigkeiten, ausreichend AHS- und BMHS-Lehrer zu finden. Nicht nur, weil manche AHS-Lehrer zögern, an eine NMS zu gehen. Sondern, weil es die benötigten Lehrer zahlenmäßig gar nicht gibt. Und im nächsten Jahr wird es noch spannender. Aber, abseits all dessen: Ich habe kein Problem damit, wenn Hauptschullehrer unterrichten. Sie sind sehr gut dafür ausgebildet, eine breite Population zu unterrichten.

Zur Person

Fritz Enzenhofer (* 1956) ist seit dem Jahr 2001 Präsident des oberösterreichischen Landesschulrats. Zuvor war Enzenhofer Hauptschullehrer (unter anderem an der heutigen Jahnschule in Linz) sowie Personalvertreter. Im Juni des Vorjahres sorgte er ÖVP-intern mit einem Vorstoß für die gemeinsame Schule für Aufregung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2011)

 

 

Presse, 18. Apr. 2011

 

Niederlande: Schulferien nach Wunsch

HELMUT HETZEL (Die Presse)

In zehn Grundschulen sollen Eltern die Schulferien ihrer Kinder künftig selbst bestimmen. Lehrer sollen flexible und maßgeschneiderte Lernpläne für die Schüler entwickeln.

Den haag. Es ist jedes Jahr der Horror vieler schulpflichtiger Eltern. Sie können nur in den Urlaub fahren, wenn ihre schulpflichtigen Kinder Ferien haben. Außerhalb der offiziellen Schulferienzeit geht das nicht. Die Folgen: Staus auf den Autobahnen, überfüllte Flughäfen und volle Bahnhöfe. Außerdem: Wer zur Hauptferienzeit mit den Kindern Urlaub macht, der zahlt fast überall die Hochsaisonpreise. Urlaub wird also teurer für Eltern und Kinder – und in der Regel auch stressiger.

Die niederländische Regierung will die Eltern nun von diesem Stress befreien. Sie sollen die Schulferien ihrer Kinder künftig selbst bestimmen können. Wie Erziehungsministerin Marja van Bijsterveldt angekündigt hat, läuft ein entsprechendes Experiment in diesem Sommer an zehn niederländischen Grundschulen an. Das Pilotprojekt dauert drei Jahre; stellt es sich als brauchbar und praktikabel heraus, dann soll das neue Modell an allen niederländischen Grundschulen eingeführt werden. Die Eltern könnten die Ferienzeit ihrer Kinder dann überall selbst bestimmen.

 

Flexible Lernpläne für Schüler

Freilich müssen die Ferienzeiten der Kinder vorab zum Beginn eines jeden Schuljahrs mit der Schuldirektion abgestimmt werden. Schulleitung und Lehrer sind dazu angehalten, flexible Lernpläne für die jeweiligen Schülerinnen und Schüler zu entwickeln. Die Einhaltung der Schulpflicht soll über die Zahl der Unterrichtsstunden sichergestellt werden. Eltern und Schule müssen garantieren, dass die Kinder mindestens 940 Unterrichtsstunden pro Jahr haben. Für eine achtjährige Grundschulzeit gilt, dass die Schüler mindestens 7520 Schulstunden absolvieren müssen.

Eine solche Neuregelung der Ferien- und Schulzeiten erfordert jedoch auch hohe Flexibilität vom Lehrpersonal. Geplant ist daher, dass diejenigen Lehrer, die beispielsweise während der Hauptferienzeit die Kinder unterrichten, die das Angebot der flexiblen Ferien in Anspruch genommen haben, mit einer zusätzlichen finanziellen Vergütung rechnen können. So lohnt sich auch für sie das Unterrichten in den eigentlichen Ferienzeiten.

Letztendlich läuft das Experiment auch darauf hinaus, dass der Unterricht für die Schüler individualisiert wird. Schüler, die beispielsweise bestimmte Unterrichtseinheiten und Lehrstoffe versäumen, weil sie im März oder im Oktober in die Ferien fahren, müssen diese dann nachholen, wenn andere Schüler in den Ferien sind. Dass der Unterricht für einzelne Schüler „maßgeschneidert“ wird, bedeutet für die Lehrer einen Mehraufwand, der ebenfalls extra abgegolten werden soll.

Von der Flexibilisierung der Schulferien nach den individuellen Wünschen der Eltern erhofft sich die Haager Regierung weniger Staus auf den Autobahnen und Warteschlangen auf den Flughäfen, was auch ein Beitrag zum Umweltschutz wäre. Außerdem ist das Modell nach Meinung von Erziehungsministerin van Bijsterveldt auch die richtige Antwort auf den Wandel in der niederländischen Gesellschaft.

In immer mehr Familien seien beide Eltern berufstätig. Es gebe immer mehr Selbstständige und Kleinunternehmer, die flexibel arbeiten können müssten. Eine flexible Schulferienregelung sei ein Beitrag dazu, den Bedürfnissen und Wünschen dieser Bevölkerungsgruppen entgegenzukommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2011)