Dienstag, 31. Mai 2011

1.6.: Pressespiegel - Unterricht

Heute, 1. Juni 2011

 

Schwindel-Skandal bei Lesetest an Wiener Schulen

Aufregung um die Lesetests an Wiener Schulen! Kinder aus vier Volksschulen mussten den Anfang April durchgeführten Test wiederholen. Der Grund: Sie alle hatten den auf Lesegeschwindigkeit abzielenden Testteil vollständig ausgefüllt – was laut Experten nicht zu schaffen ist! Der Schwindel blieb auch dem Stadtschulrat nicht verborgen.

Beschreibung: http://www.heute.at/_CPiX/pic-277831-943/pixel.gifNachlesen: keine Begeisterung bei den Schülern

Zeitdruck, Stress und Prüfungssituation: Für zahlreiche Volksschüler an vier Wiener Schulen offenbar überhaupt kein Problem. Sie alle meisterten den vom Stadtschulrat verordneten Lesetest fehlerlos. Nun mussten sie „nachlesen“ und den Test wiederholen! Die Optik ist jedenfalls schief. Die Lehrer bekamen im Vorfeld der Tests mehrseitige Anweisungen zur Durchführung. Damit sollte die Gefahr des Schummelns verhindert werden. Offenbar haben einige Lehrer diese Anweisungen aber nicht durchgelesen und ihren Schülerinnen und Schülern deutlich mehr Zeit zur Beantwortung der Fragen gegeben als vorgesehen – bessere Ergebnisse garantiert!

Und genau diese Ergebnisse machten die Experten stutzig. In vier Volksschulen hatten alle Schüler alle Fragen vollständig beantwortet. „Das ist auf Grund des Test-Designs statistisch gar nicht möglich“, sagt Rupert Corazza, Leiter der „SOKO Lesen“ im Stadtschulrat, im „Heute“-Gespräch.

Sein Erklärungsversuch: „Offenbar gab es ein Missverständnis bei der Testdurchführung. Daher mussten die betroffenen Klassen den Test wiederholen.“ Auch Corazza kann nicht ausschließen, dass die Lehrer die strengen Zeitvorgaben nicht beachtet und damit gegen die Regeln des Tests verstoßen haben. Daher sei es nur seriös gewesen, den Test zu wiederholen. Der Lesetest wurde aufgrund der katastrophalen Ergebnisse beim Pisa-Test heuer in den vierten und achten Schulstufen zum ersten Mal durchgeführt. Abgetestet wurden grundlegende Lesefähigkeiten, Wortschatz, Informationsaufnahme, allgemeines Leseverständnis und Lesegeschwindigkeit.

Robert Zwickelsdorfer

 

 

Salzburger Nachrichten, 1. Juni 2011

 

Hilfen bei Schulverweigerung

SOS-Schoolbeaming. Grazer Projekt unterstützt Kinder, sich wieder in den Schulalltag zu integrieren und einen Abschluss zu schaffen.

MARTIN BEHR GrAZ (SN). Heinz ist neun Jahre alt. Wenn er in die Nähe seines Schulgebäudes kommt, erbleicht er, bekommt schwitzige Hände und hat Probleme mit dem Sprechen. Aus diesem Grund hat er vor einigen Wochen beschlossen, nicht mehr in den Unterricht zu gehen. Heinz ist ein Schulverweigerer.

Für alle jungen Menschen, die es, aus welchen Gründen auch immer, nicht schaffen, die Schule zu besuchen, gibt es Hilfe. Seit drei Jahren unterstützt das Grazer Projekt SOS-Schoolbeaming Betroffene. „Wir helfen Kindern und Jugendlichen auf ihrem oft schweren Weg zurück in die Regelschule und unterstützen sie dabei, die Schule positiv zu absolvieren“, erklärt Projektleiter Wolfram Pernjak vom SOS-Kinderdorf-Projekt Burschen-Wohnen in Graz. Bei ganz schweren Fällen wird der Unterricht von den Schoolbeaming-Pädagogen im SOS-Jugendhaus durchgeführt. Die Kinder müssen erst langsam wieder an die „normale“ Schule gewöhnt werden. Will heißen: In der ersten Woche wird das Schulhaus nur mit dem Auto umkreist: Stressabbau über Gespräche. In der zweiten Woche startet der Versuch, das Foyer der Schule zu betreten und dort Platz zu nehmen. Möglich ist auch ein Einzelunterricht in einem Extrazimmer. Das Klassenzimmer wird meist erst ab der dritten Woche wieder betreten. „Step by step“, lautet das Motto des von Pernjak gemeinsam mit Elisabeth Mock ausgearbeiteten Schoolbeaming-Konzepts.

Die Gründe für Schulverweigerung sind vielschichtig. Wolfram Pernjak: „Die Palette der Möglichkeiten reicht von der klassischen Schul- und Versagensangst bis zu traumatischen Erfahrungen und der Vermeidung von Überforderungssituationen.“ Wenn Kindern etwa wiederholt mitgeteilt wird, dass sie „für alles zu blöd sind“, ziehen diese eben irgendwann einmal die Konsequenzen. Verstecken sind in der Früh im Kleiderkasten oder sperren sich auf der Toilette ein. Das Ziel: Nie mehr Schule! Im in dieser Form österreichweit einzigartigen Projekt SOS-Schoolbeaming kümmern sich derzeit fünf Mitarbeiter um elf Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen zehn und 14 Jahren, die den Schulbesuch verweigert haben. „Wir arbeiten intensiv mit den jeweiligen Schulen zusammen, es gibt viel Verständnis von den Lehrerinnen und Lehrern“, sagt Pernjak. Etwa dann, wenn bei Betroffenen die Aufnahmefähigkeit begrenzt sei, und ab der vierten Schulstunde Riesenstress aufkomme: „Dann nehmen wir den Schüler nach der vierten Stunde heraus und betreuen ihn individuell. So lang, bis das Problem überwunden ist.“

Wenn es später im Unterricht wieder Probleme geben sollte, sind die SOS-Pädagogen binnen einer halben Stunde vor Ort. Das Projekt richtet sich nicht nur an Kinder aus SOS-Kinderdorf-Einrichtungen, sondern ist für alle Schüler offen.

Pano / 01.06.2011 01.06.2011 / Print

 

 

NEWS, 1. Juni 2011

 

Jedes Kind ist gleich wichtig –
außer derzeit in unseren Schulen

 

Michael Landau, Direktor der Caritas Wien, plädiert für Gesamt- und Ganztagsschule. Nicht aus ideologischen Gründen – sondern wegen der Chancengleichheit für alle Kinder.

Ist es akzeptabel, dass der Bildungsweg wesentlich stärker vom sozialen Hintergrund der Eltern bestimmt wird als von der Begabung der Kinder? Kann Österreich es sich als wissensbasierte Ökonomie leisten, dass jedes Jahr 10.000 junge Menschen nur einen Pflichtschulabschluss erreichen oder, noch schlimmer, ganz ohne Abschluss bleiben? Unser Schulsystem war zu Zeiten Maria Theresias sicher hochmodern, heute ist es das nicht.

Bildung ist weit mehr als Wissen. Bildung ermöglicht Selbstbestimmung. Sie ist Voraussetzung für die Bereitschaft und Fähigkeit des Menschen, kritisch zu denken und selbstverantwortlich zu urteilen und zu handeln. Das Ziel muss daher lauten, möglichst alle Menschen auf die Bildungsreise mitzunehmen.

Bildung braucht Chancengleichheit. Die Fakten zeigen, dass wir in Österreich davon weit entfernt sind. Bildungsforscher schätzen, dass es etwa 300.000 funktionelle Analphabeten gibt. Nur ein Drittel der 15- bis 34-Jährigen hat einen Bildungsabschluss, der über dem der Eltern liegt. Bildungsarmut wird vielfach vererbt – und damit auch Chancenarmut und ganz reale Not.

Wie können wir die aktuelle Krise unseres Bildungssystems durchbrechen?
Den Schatz der Talente heben und verhindern, dass das Einzige, was wächst, private Nachhilfeausgaben sind? Nur ein sozial nachhaltiges Bildungssystem kann einen Beitrag zum Aufstieg aus der Krise leisten. Es ist höchste Zeit, dass das Kind und seine Zukunftsperspektiven im Mittelpunkt einer echten Bildungsreform stehen. Denn jedes Kind hat ein Anrecht, umfassend unterstützt zu werden.

Die Struktur unseres Bildungssystems ist hierzu über weite Strecken unzulänglich. Das müssen auch viele engagierte LehrerInnen feststellen. Die frühe Aufteilung der Kinder auf unterschiedliche Schulformen erweist sich als nachteilig. Kinder haben individuelle Stärken und Defizite. Kinder defizitorientiert in einer Schulform zusammenzufassen, heißt, sie in der Entfaltung ihrer Stärken zu behindern. Das trifft real besonders den städtischen Raum. Was wir anstelle dessen brauchen, ist ein hohes Maß an Individualisierung in einer gemeinsamen Schulform bis zum Ende der Schulpflicht.

Ganzheitliche und -tägige Schulangebote sind keine Frage der Ideologie.
Sie ermöglichen den Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und ganztägige Schulformen haben das Potenzial, Kinder umfassend in ihren Begabungen zu fördern. Der Ausbau kostenloser Förderangebote führt zudem zu mehr Chancengerechtigkeit. Und warum sollen z. B. nur jene Kinder ein Musikinstrument lernen, deren Eltern sich das leisten können und auch wollen?

Schule muss mehr als ein Ort sein, wo sich Kinder gern und angstfrei aufhalten. Zum wichtigen Erhalt der Neugier braucht es etwa die Etablierung einer positiven Fehlerkultur. Kinder benötigen von Anfang
an die Besten als Lehrkräfte – nicht nur in fachlicher, sondern auch in pädagogischer, didaktischer, menschlicher Hinsicht. Dazu gehört auch eine höhere Eigenverantwortlichkeit der Schulen selbst. Ein unterstützendes sozialarbeiterisches, psychologisches, gesundheitsbezogenes Angebot muss ebenso selbstverständlich sein wie die enge, unbürokratische Vernetzung mit sozialen Diensten.

Nicht sitzenbleiben, sondern aufsteigen.
Ich wünsche dem Bildungsvolksbegehren, dass das Bildungsthema besser heute als morgen an Dynamik gewinnt. Ich danke für das Engagement und bin froh über die Debatte, die es auslöst. Derzeit bestimmen Kompetenzstreitigkeiten, einzelne Gruppeninteressen und Angst vor Veränderung die Bildungsdiskussion in Österreich. Das muss ein Ende haben. Was wirklich zählt sind die Interessen der Kinder – und damit letztlich auch die des Gemeinwohls. Denn Bildung ist – um der Kinder willen – nicht Holschuld der Eltern, sondern gesellschaftliche Bringschuld!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 30. Mai 2011

2011.05.31: Newsletter Unterricht

 

Die Presse – 31. Mai 2011

 

Schulpaket: Neue Mittelschule kommt flächendeckend

REGINA PÖLL 

Statt neuer Projekte präsentierte die Bundesregierung bei der Regierungsklausur am Semmering lediglich Details zu bereits bekannten Vorhaben: Die Neue Mittelschule, Ganztagsbetreuung und Lehrerausbildung neu.

Semmering/Wien. Wer sich am Montag bei der Regierungsklausur am Semmering neue Bildungsinitiativen erwartet hatte, wurde enttäuscht: Rot-Schwarz präsentierten lediglich, was sie sich schon in den Vormonaten vorgenommen hatten. Jetzt stellten sie – gesammelt – die Details zu den Vorhaben vor:
•Neue Mittelschule statt Hauptschule: Im Schuljahr 2018/19 werden die letzten Hauptschulklassen auslaufen, danach soll es nur noch Neue Mittelschulen statt Hauptschulen geben. Das soll den Schülern mehr Förderung sowie auch Unterricht durch AHS-Lehrer bringen. Schon jetzt gibt es 320 NMS, 2011/12 werden 114 weitere Standorte dazukommen. Im Endausbau werden es 1173 NMS neben 264 AHS sein. Das ist der Kompromiss zwischen der SPÖ, die eigentlich eine Gesamtschule aller Zehn- bis 14-Jährigen will, und der ÖVP, die an einer Trennung von AHS-Unterstufe und Haupt-/Neuer Mittelschule festhält.
•Mehr Tagesbetreuung: Wie bereits 2010 skizziert, wird es bis 2015 jährlich 80 Mio. Euro „Bildungsoffensivmittel" für mehr Tagesbetreuung in Schulen und Horten geben. Aktuell sind es 105.000 Betreuungsplätze, 2015 sollen es 210.000 in Schulen und Horten sein. Schon ab zwölf, nicht mehr ab 15 Schülern soll das Angebot dann verpflichtend sein. Betreuer sollen künftig die neue, zweisemestrige berufsbegleitende Ausbildung zum „Akademischen Freizeitpädagogen" an den Pädagogischen Hochschulen absolviert haben.
•Lehrerausbildung neu: Künftig soll es Eignungsprüfungen und Aufnahmeverfahren für alle geben, die Lehrer werden wollen. Für die Zeit ab 2013/14 außerdem geplant sind gemeinsame Studieneingangsphasen auf tertiärem Niveau für alle werdenden Volks-, NMS-, AHS- und BHS-Lehrer: Gemeinsame „Kernbereiche" sollen auch den Umstieg in der Lehrerausbildung erleichtern. Jeder Lehrer soll mindestens vier Jahre bis zum „Bachelor" studiert haben, ehe er (vorübergehend) unterrichten darf; für den dauerhaften Einsatz soll der Abschluss als „Master" Pflicht sein. Vorgesehen sind außerdem „Selbstreflexionsphasen" aller angehenden Lehrer.
•Investitionen in den Schulbau: Bereits 2009 präsentierte das Unterrichtsministerium ein „Schulentwicklungsprogramm": Bis 2018 gehen 1,8 Mrd. Euro in Schul-Infrastrukturprojekte (seit 2009/10: 688,6 Mio. Euro).

Heftige Kritik der Opposition

Weiters geplant sind bis zum Sommer Begutachtungsentwürfe zur „Oberstufe neu" mit Kurssystem (Sitzenbleiben als Ausnahme) sowie zur „Integration nach der achten Schulstufe", außerdem Expertengespräche zu einer aufgewerteten „Polytechnischen Schule" sowie ein runder Tisch zur „Stärkung der Schulpartnerschaft".

Die Opposition quittierte die Pläne der Regierung mit Häme: Von „Kurzurlaub" (FPÖ) bis „Inszenierung" (Grüne) reichte ihr Urteil – nicht nur – zum Schulpaket.

 

 

Salzburger Nachrichten – 31. Mai 2011

 

Keine Überraschungen in der Bildung

Neues hat sich die Regierung auf ihrer Klausur in der Bildung nicht vorgenommen. Dass alle Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen umgewandelt werden sollen, steht längst fest. Der neue Fahrplan konkretisiert nur, dass ab kommendem Schuljahr 114 und das Jahr darauf 704 Standorte der Neuen Mittelschule dazukommen sollen.

Auch der Ausbau der Ganztagsbetreuung war bereits beschlossene Sache. Allerdings hatte Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) gegen den Gesetzesentwurf ein Veto eingelegt. Das ist vom Tisch. Demnach sind ab kommendem Schuljahr 120.000 statt der bisherigen 105.000 Plätze vorgesehen. Den vollen Ausbau auf 210.000 Ganztagsplätze (inklusive Hort) soll es 2015 geben – unter einer neuen Regierung. Die jetzige Legislaturperiode läuft 2013 aus.

Um ein Dreivierteljahr verlängert hat die Regierung die Zeit für Verhandlungen über ein neues Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrer. Ursprünglich wollte die Regierung bis Jahresende Ergebnisse präsentieren. Jetzt ist im Fahrplan von Sommer 2012 die Rede.

Dafür will die Arbeitsgruppe zur neuen Lehrerbildung wie geplant im Herbst die Vorarbeiten dazu starten. Fix ist laut Gruppenleiter Andreas Schnider (ÖVP), dass alle Pädagogen – vom Kindergärntner bis zur AHS-Lehrerin – künftig ein vierjähriges Masterstudium werden absolvieren müssen, soweit sie das Aufnahmeverfahren und die gemeinsame Studieneingangsphase bestehen.

Apropos Studium: Bis Jahresende will die Regierung ihr neues Modell zur Studienplatzfinanzierung präsentieren, das ab 2013 im Testlauf angewendet werden soll. Ab 2015 sollen die Unis dann alle regulär so finanziert werden.

SN Prognose: Bildungsreförmchen: In der Bildung ist kein großer Wurf geplant. Daher kann die Umsetzung leicht gelingen. Knackpunkt ist und bleibt das neue Lehrerdienstrecht, das erst bis zum Sommer 2012 ausverhandelt wird. Die steht und fällt mit der Zustimmung der reformkritischen Lehrergewerkschaft. par

 

 

Österreich – 31. Mai 2011

 

 

Schulreform 

Neue Mittelschule: Höchster Migrantenanteil

Neue Mitteschule: 28 %, Hauptschule: 21 %.

Überraschendes Ergebnis einer Anfragebeantwortung von SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied an FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz: Der höchste Anteil an Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache findet sich nicht in der Hauptschule, sondern in der Neuen Mittelschule (NMS).

28 Prozent Migranten bei 16.848 Mittelschülern
Im Schuljahr 2009/2010 hatten von 16.848 Neuen Mittelschülern in ganz Österreich 27,5 Prozent Migrationshintergrund. Bei den 217.338 Hauptschülern waren es nur 20,9
%, von 114.693 Gymnasiasten in der Unterstufe nur 15,2%. Den höchsten Migrantenanteil in der NMS hatte Wien mit 47,4% allerdings ist Wien auch das einzige Land, in dem der Anteil an der Hauptschule mit 62,8% noch höher ist. "Der Migrantenanteil an der NMS ist höher, weil sie hauptsächlich in Ballungsräumen entstehen", heißt es aus Schmieds Büro.

Rosenkranz: „lntegrations- und nicht Bildungskosten"
Gestellt hatte Rosenkranz die Anfrage aus Verdacht, dass nur Schulen ohne Probleme zu NMS umgewidmet würden, damit die Evaluierung von Schmieds Prestigeprojekt ein gutes Ergebnis brächte. Dass dem nicht so ist, stellt den FPÖ-Mann nicht zufrieden. "Hier werden Integrationskosten verschleiert und der Bildung zugerechnet", so Rosenkranz zu ÖSTERREICH. "Die NMS ist durch das Teamteaching sehr teuer." Das doppelte Schulsystem mit Hauptschulen für schwächere und Gymnasien für bessere Schüler sei billiger.

Beschreibung: http://images05.oe24.at/Unbenannt-2.jpg/storySlideshow/27.313.204

 

 

Der Standard – 31. Mai 2011

 

 

Regierungsklausur

Die Regierung will etwas weiterbringen

Kanzler Werner Faymann verordnet sich und seinem Team Arbeit und Bewegung: Um den Vorwurf des Stillstands zu entkräften, wurde bei der Klausur der Bundesregierung ein umfangreiches Arbeitsprogramm aufgelistet

Das Motto lautete "Österreich weiterbringen", die Absicht war klar und wurde ständig wiederholt: Arbeiten. Hart Arbeiten. Etwas weiterbringen eben. Dazu wurde gute Laune, Gelassenheit und Harmonie demonstriert. Die Regierung war bei ihrer Klausur im Hotel Panhans am Semmering bei bestem Wetter zusammengetreten, um Arbeitseifer zu demonstrieren. Das Bild des Stillstands, das in den Medien und bei den Kommentatoren, auch bei jenen in den eigenen Reihen, ständig gezeichnet wird, sollte verwischt werden. "Harte Arbeit ist notwendig", sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ).

Insgesamt 90 Punkte hat sich die Regierung in ihr Pflichtenheft geschrieben, dazu auch einen konkreten Zeitplan, wann was umgesetzt und abgeschlossen werden soll. Das reicht von der Bildung über Pflege hin zu Reformen bei der Verwaltungsgerichtsbarkeit und einem neuen Bundesamt für Asyl und Migration, wie es bereits im Ministerrat beschlossen wurde.

Manches wurde recht konkret ausgeführt, bei anderen Themen merkte man die Dissonanz in der Regierung an der schwammigen Formulierung, Beispiel Bundesheer oder Steuerreform.

Eröffnet wurde die Klausur mit einem kommunikationstechnisch heiklen Thema: dem Euro, und wie er zu halten sei. Indirektes Gegenüber: die FPÖ, die ein Ende der Finanzhilfe für die "Pleitestaaten" wie Griechenland oder Portugal fordert und in Österreich bereits wieder die Rückkehr zum Schilling plakatiert.

Kanzler Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) ließen sich bei ihrer Eingangspressekonferenz von Wirtschaftsforscher Bernhard Felderer und Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny flankieren. Die Botschaft: wie wichtig und richtig der Euro sei. Faymann betonte immer wieder, dass er die Probleme gerade mit Griechenland nicht kleinreden wolle, zum Euro gebe es aber keine Alternative.

"Gefährliche Nostalgie"

Und zur Griechenland-Hilfe eben auch nicht: Es sei weder sinnvoll, dass sich Österreich selbst aus der Eurozone verabschiede, noch dass man Griechenland aus der Eurozone dränge. "Wir werden uns den Aufgaben, wie hart sie auch sein werden, offensiv stellen." Spindelegger warnte vor einer "gefährlichen Nostalgie". Es brächte keinen einzigen Vorteil, wieder zum Schilling zurückzukehren. Das müsse den "populistischen Phrasendreschern" mit aller Deutlichkeit entgegengehalten werden, beteuerte Faymann. Felderer und Nowotny assistierten nach Kräften: Fahrlässig und unverantwortlich sei es, für einen Austritt Österreichs aus der Eurozone zu plädieren.

Das gemeinsame Programm, das in den folgenden Stunden bearbeitet wurde, war durch den gemeinsamen Nenner geprägt, den SPÖ und ÖVP oft in der Kleinheit fanden. Auf 19 Seiten wurden Überschriften aneinandergereiht, oft sind es Absichtserklärungen.

Bei der geplanten Gesetzesregulierung zwischen Bund und Ländern, die heuer in Angriff genommen werden soll, werden 330 Vorschläge zur Diskussion gestellt. Beim geplanten Bankeninsolvenzrecht gibt es gar keine Details, bei der Spitalsreform nur gute Vorsätze. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird gefeiert, beschränkt sich aber weitgehend auf die Novelle des Ökostromgesetzes.

Hinlänglich bekannt sind der Pflegefonds, der bis 2014 mit 685 Millionen Euro dotiert wird, oder der Ausbau der Neuen Mittelschule: Im Herbst 2011 sollen 17 Prozent aller Zehn- bis 14-Jährigen eine Neue Mittelschule besuchen. Diese 17 Prozent zeigen gleichzeitig aber auch, wie weit die SPÖ von ihrem erklärten Ziel der Gesamtschule noch entfernt ist. Bei der Ausbildung der Pädagogen wird um Details gerungen, ein neues Lehrerdienstrecht steht überhaupt noch in den Sternen.

Konkrete Zahlen

Greifbar ist die Regierung bei Investitionen in die Infrastruktur und in die Forschung. Bis 2013 sollen 19,3 Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden. In die Forschungs- und Technologiepolitik sollen bis 2015 rund 3,8 Milliarden Euro investiert werden.

Interessant ist auch, was nicht angesprochen wird. Zur Heeresreform heißt es etwa: "Für die in der Sicherheitsstrategie definierten Zukunftsaufgaben braucht es ein gut ausgebildetes Bundesheer." Wehrpflicht? Kein Thema.

 

 

Der Standard – 31. Mai 2011

 

 

Bewegung in Trippelschritten

Die Regierung demonstriert bei ihrer Klausur Bescheidenheit

Niemand soll noch einmal "Stillstand" sagen! Sie bewegt sich nämlich doch, die Regierung. Gleich 90 Vorhaben wurden aufgelistet, und ein Zeitplan wurde auch hinzugefügt. "Harte Arbeit" kündigte der Kanzler an, und die wird jetzt ganz konkret festgelegt. Weil: "Je konkreter, desto besser." Sagt der Kanzler.

Wer dann einen genaueren Blick auf die Liste mit den 90 Punkten wirft, wird rasch feststellen: Ja, sie bewegt sich, die Regierung. In Trippelschritten. Manchmal nach vorne, manchmal auch um die eigene Achse.

Neuigkeiten gibt es von der Klausur kaum zu berichten. Es sind großteils bekannte Themen, die noch einmal präsentiert wurden. Der Ausbau der Neuen Mittelschule etwa. Mit dem bekannten Einwand der ÖVP: dass das Gymnasium erhalten bleiben muss. Damit wird es weiterhin keine flächendeckende Gesamtschule geben. Das ließe sich jetzt in mehreren Bereichen durchdeklinieren.

Was fehlt, ist der große Wurf. Eine Lösung der großen, drängenden Themen: eine Reform des Föderalismus und der Verwaltung. Eine Spitalsreform. Eine Steuerreform. Ein Heranführen des faktischen Pensionsalters an das gesetzliche. Eine Entscheidung über die Zukunft des Bundesheeres.

Die Regierung beschränkt sich bei ihrer Klausur aber erst einmal auf das, was sie selbst lösen kann. Wozu sie die Zustimmung der Länder nicht braucht. Wo sie sich selbst nicht im Wege steht. Also bleiben die "großen" Themen unangetastet.

Das ist schade - und eine vergebene Chance. Denn Zeit wäre dafür vorhanden: Ganze zwei Jahre lang finden keine Wahlen statt. Die Ausreden fielen weg. Aber zurzeit bräuchte es auch den Mut und die Vision. Und die sind in dieser Regierung: Mangelware. Es gehe auch darum, den Partner in der Regierung jeweils nicht zu überfordern, sagt Finanzministerin Maria Fekter, Koordinatorin auf ÖVP-Seite. Da ist die Latte tief gelegt.

Bei der Klausur muss es primär auch gar nicht darum gehen, in allen Sachfragen die Lösung aufzuzeigen. Es müsste auch darum gehen, ein Gefühl zu erzeugen. Dass diese Regierung kann und will. Es müsste darum gehen, den Zustand des sich selbst verselbstständigenden Stillstands zu überwinden, auch mental, in den eigenen Köpfen und in jenen des Publikums, und das sind die Bürger, gemeinhin auch Wähler genannt.

Da fehlt es Kanzler und Vizekanzler nicht nur an geeigneten Themen, es mangelt ihnen schlicht an Überzeugungskraft. Es reicht eben nicht aus, 90 Überschriften aneinanderzufügen und vergangene und zukünftige Vorhaben aufzulisten. Manches davon mag ja engagiert sein, aus vielen Vorhaben atmet aber die Kleinheit des mühsam erwirkten Kompromisses - die Grundlage dieser Regierung.

Das mag auch für die Koalitionspartner ernüchternd sein - für das Publikum aber entwickelt sich ein Bild der Trostlosigkeit. Dem haben Faymann und Spindelegger auch von der Inszenierung her nichts entgegenzusetzen. Es ist nicht so, dass die Regierung nicht arbeitet, da mag ja Fleiß zu erkennen sein, aber mit ein bisschen Anspruch vermisst man den großen Wurf, die Ambition, etwas zu bewegen - und nicht bloß das Land brav zu verwalten.

Die 19 Seiten mit 90 Maßnahmen, auf denen die Regierung ihre Innovationskraft und ihren politischen Willen zusammengefasst hat, sind ein Ausdruck der Bescheidenheit. Um Österreich weiterzubringen, wie es die Regierung suggeriert, braucht es mehr.

 

 

Kurier – 31. Mai 2011

 

Ganztagsbetreuung für jeden 2. Schüler

Bei der Regierungsklausur stand das Thema Bildung oben auf dem Tapet. Schmied soll bis 2013 Lehrerausbildung und Dienstrecht reformieren.

 

Blauer Himmel und Sonnenschein am Semmering. Um 9.45 Uhr steigt ein gut gelaunter Bundeskanzler vor dem Grandhotel Panhans samt Entourage aus einer schwarzen Limousine. Werner Faymann (SPÖ) schüttelt einigen Polizisten die Hände, ehe er zum Hotel-Eingang marschiert. "Das ist ein schöner Tag", sagt der Regierungschef zu den wartenden Journalisten.

Gegen 10 Uhr ist Schluss mit lustig. Die erste Arbeitssitzung bei der Regierungsklausur beginnt. Auf dem Programm ist neben der Zukunft des Euro auch die Bildung. Ein ganzes Paket an Maßnahmen im Bildungsbereich mit zeitlichen Limits wurde geschnürt:

Ganztagsschule Die Ganztagsbetreuung (für Volks-, Haupt- und AHS-Unterstufen-Schüler) soll ab dem Sommer schrittweise ausgebaut werden. Bis 2015 soll die Zahl der Nachmittagsbetreuungs- bzw. der Ganztagsschul-Plätze verdoppelt werden - von derzeit 105.000 auf 210.000 Plätze (160.000 Ganztagsschul-Plätze, 50.000 Hortplätze). Damit würde es für jeden zweiten Schüler einen Ganztages-Schul- oder Betreuungsplatz geben. Für die Finanzierung stellt der Bund den Ländern und Gemeinden jährlich 80 Millionen Euro zur Verfügung.

Wo die Plätze geschaffen werden, steht noch nicht fest. Dazu wird in den Gemeinden eine Bedarfserhebung bei den Eltern gemacht. Ab 15 Kindern (in Ausnahmefällen 12) muss eine Ganztagesbetreuung laut Gesetz geschaffen werden. Damit auch genug Personal da ist, um die Kinder zu betreuen und zu beaufsichtigen, wird ab Herbst an den Pädagogischen Hochschulen eine neue Ausbildung angeboten. In zwei Semestern (berufsbegleitend) wird man zum "Akademischen Freizeitpädagogen" ausgebildet. Diese sollen auch Bindeglieder zu Vereinen sein, also die Kinder für Sport motivieren, ihr Interesse an Kunst und Kultur wecken
und fördern.

Beschreibung: http://wa.kurier.at/RealMedia/ads/Creatives/OasDefault/default/empty.gifBeschreibung: http://wa.kurier.at/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/nachrichten.kurier.at/artikel/37121071/Top4/OasDefault/default/empty.gif/77704777685531694534304142724a65?_RM_EMPTY_&

Neue Mittelschule Ein weiterer wichtiger Punkt im Schulpaket ist der Ausbau der "Neuen Mittelschule" (NMS). Ab Herbst 2011 soll es 434 NMS geben (für 57.070 Schüler). Ziel der Regierung ist, dass bis 2015/16 zwei Drittel aller Zehn- bis Vierzehnjährigen eine NMS besuchen (heuer 17 Prozent). Wo es die neue Schulform geben wird, kann man im Internet nachlesen (www.neuemittelschule.at). Zunächst einmal sollen jene Hauptschulen auf NMS umgestellt werden, die sich bereits darum beworben, aber im Vorjahr wegen der bisher geltenden Zehn-Prozent-Grenze nicht umstellen konnten, kündigte Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) an. "Danach wird nach einem Stufenplan die Hauptschule bis 2018/19 flächendeckend umgestellt", erklärte die Ressortchefin.

Dienstrecht Weitere Reformvorhaben im Bildungsbereich sind etwa das neue Dienst- und Besoldungsrecht für die Lehrer. Dieses soll bis zum Sommer 2012 ausgearbeitet werden. Ziel ist ein Abflachen der Gehaltskurve (höhere Einstiegsgehälter).

Lehrerausbildung
In Vorbereitung ist auch eine einheitliche Grund-Ausbildung aller Pädagogen. Ziel der Regierung ist, dass die ersten angehenden Lehrer noch in dieser Legislaturperiode (bis 2013) mit der neuen Ausbildung beginnen können.

Oberstufe neu Das Gymnasium soll ja, auf Wunsch der ÖVP, bestehen bleiben. Für die Oberstufe ist ein Modulsystem geplant - ähnlich wie auf den Unis. Das
heißt: Die Jugendlichen können sich verschiedene Kurse aussuchen. Das Projekt ist derzeit in Vorbereitung. Gestartet werden soll mit dem Kurssystem erst im Schuljahr 2012/2013.
Ebenfalls auf der Agenda: Schul-Aus- und Neubauten, die teilweise bereits begonnen wurden. Investitionsvolumen: 688 Millionen Euro.

Am Dienstag wird die Klausur fortgesetzt.


 

Wiener Zeitung – 31. Mai 2011

Ganztagsbetreuungsplätze werden bis 2015 verdoppelt

Beschreibung: AufzählungAb 2015 soll es 210.000 Plätze an Schulen und Horten geben.
Beschreibung: AufzählungBund bezahlt jährlich 8000 Euro pro Gruppe.

Semmering. Bildung war das zentrale Thema der Regierungsklausur am Montagnachmittag am Semmering. Bereits bei der Klausur in Loipersdorf hat sich die Koalition verpflichtet, bis 2015 jährlich 80 Millionen Euro (320 Millionen) als Anschubfinanzierung für den Ausbau der Nachmittagsbetreuung zur Verfügung zu stellen. Jetzt hat es mit den Ländern eine Einigung über eine Regelung in einem 15a-Vertrag (Verträge zwischen Bund und allen Ländern über die Finanzierung) gegeben. Wie Vizekanzler Michael Spindelegger sagte, soll die Ganztagesbetreuung in AHS- und Pflichtschulen einen anderen Stellenwert bekommen". Dementsprechend kann das Thema heute, Dienstag, bereits den Ministerrat passieren.

Die derzeit bestehenden 105.000 Nachmittagsbetreuungsplätze werden auf 160.000 Plätze – auch in Ganztagssschulen – ausgeweitet, gemeinsam mit den Hortplätzen soll es 2015 daher 210.000 Plätze geben. Damit steige die Angebotsdichte auf 50 Prozent, sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

Der Bund übernimmt einen jährlichen Zuschuss zu den Personalkosten von rund 8000 Euro pro Gruppe – eine Gruppe muss ab 12 Schülern (bisher ab 16) eingerichtet werden – und einmalig zur Verbesserung der Infrastruktur 50.000 Euro pro Gruppe. An den Pädagogischen Hochschulen werden Freizeitpädagogen ausgebildet.

Die Länder ihrerseits verpflichten sich zur Einrichtung von Gruppen ab 12 Schülern, sie garantieren eine Öffnungszeit bis 16 Uhr und zu Qualitätsstandards. Die Nachmittagsbetreuung kann auch schulartenübergreifend angeboten werden.

Beschreibung: 310512grafikNEU

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Regierungsklausur: Hintergrundinfos BILDUNG

 

Liebe Genossin!

Lieber Genosse!

 

 

Anbei übermittle ich einige Hintergrundinfos zu zentralen Projekten der Bildungsreform sowie eine Kurzinfo zu den Tourismusschulen Semmering.

 

Die Infos im Detail:

·         Jahr der Bildungsreform – Stand der Umsetzung des 9 Punkte-Programms

·         Ausbauplan „Neue Mittelschule“ – Stufenplan, Standortliste

·         Ausbau der schulischen Tagesbetreuung

·         Infrastruktur-Investitionen im Bundesschulbau + Liste

·         Stand des Projekts „Lehre mit Matura“

·         PädagogInnenbildung Neu

·         Info zu Tourismusschulen Semmering

 

 

MfG,

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3569
kurt.schober@spoe.at

 

 

 

 

Sonntag, 29. Mai 2011

2011.05.30: Newsletter Unterricht

 

Die Presse – 30. Mai 2011

 

Koalition: Maßnahmenbündel soll Stillstand beenden

REGINA PÖLL 

In einer zweitägige Regierungsklausur am Semmering fixieren SPÖ und ÖVP Pläne zu Bildung, Wirtschaft, Gesundheit, Justiz, Europa und Familie. Die Koalition möchte ihre gemeinsame Energie zu demonstrieren.

Wien. Die Koalitionsparteien, zuletzt von der Opposition und der Öffentlichkeit des „Reformunwillens“ geziehen, wollen ab heute, Montag, gegensteuern: Im Grandhotel Panhans am Semmering treffen einander für ihre zweitägige Regierungsklausur SPÖ und ÖVP, um unter Mediengetöse ihre gemeinsame Energie zu demonstrieren und ein „Paket zum leistungsfähigen Staat“ zu schnüren. Wie „Die Presse“ vorab erfuhr, soll dieses vor allem folgende Themen bedienen: Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit, Gesundheit und Pflege, Europa, Inneres und Justiz, Energie, Umwelt und Landwirtschaft – und nicht zuletzt das Kernstreitthema in der Koalition, die Familie (siehe auch Seite 3).

Beschreibung: http://squid.diepresse.com/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/diepresse.com/politik/innenpolitik/L34/2101540153/Middle2/diepresse/house_dp_parship_adv/house_parship_zufall_adv.html/77704777685531637a4b454143637a72?_RM_EMPTY_&666199&width=1315• Bildung und Wissenschaft: Wie in Grundzügen schon 2010 fixiert, soll die Nachmittagsbetreuung an Schulen ausgebaut werden. Bis 2014 will der Bund jährlich 80 Millionen Euro dafür aufwenden, mit dem Herbstsemester 2011 soll es losgehen. Ebenfalls ab Herbst 2011 im großen Stil umgesetzt werden wird der Ausbau der Neuen Mittelschule (NMS). Aktuell sind bereits 320 ehemalige Hauptschulen NMS mit mehr Stunden und Lehrkräften zur Förderung der Schüler; bis spätestens 2020 sollen alle Hauptschulen diesem Modell entsprechen.

Einen Schwerpunkt will Rot-Schwarz mit einer „dualen Ausbildung – neu“ setzen: Die Durchlässigkeit des gesamten Schulsystems soll größer werden, Lehrlinge sollen bessere Chancen – auch auf die Matura – bekommen. Die Ausbildungen von Bundes- (AHS, BHS) und Landeslehrern (Pflichtschulen) an den pädagogischen Hochschulen soll angeglichen und durchlässiger werden – Start: ebenfalls im Herbst 2011.

• Wirtschaft und Arbeit: Rot-Schwarz setzen auf eine „Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft“, wie man vorab betonte. Gelingen soll das mit einer Exportoffensive und Förderpaketen für Klein- und Mittelbetriebe, damit sie ihre Forschung ankurbeln, geplant ist ein eigener „Technologiescheck“. Insgesamt wollen die Koalitionsparteien damit Investitionen von 2,5 Milliarden Euro ermöglichen, hieß es am Sonntag.

• Gesundheit und Pflege: Bereits vorab akkordiert wurde das neue Pflegepaket. Zentraler Baustein ist ein Pflegefonds, für den zu zwei Dritteln der Bund und zu einem Drittel Länder und Gemeinden aufkommen. Bis 2014 wird er 685 Millionen Euro zählen, damit sollen die zusätzlichen Kosten von Ländern und Gemeinden bei der Pflege in den Jahren 2011 bis 2014 gedeckt werden. Von 303 auszahlenden Stellen in ganz Österreich will man zu einer „Handvoll“ auf Bundesebene kommen. „Ein Vorbild für die Gesundheitsreform“, heißt es bei Rot-Schwarz.

Außerdem geplant ist eine Pflegedienstleistungsdatenbank, die bei der Statistik Austria entstehen soll und für die alle Bundesländer die Daten über die Dienstleistungen unentgeltlich liefern sollen. Hier gab es bis zuletzt Widerstände aus Salzburg oder der Steiermark. Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) hält aber an seinen Entwürfen fest.

• Inneres und Justiz: Geplant ist unter anderem die Schaffung eines Bundesamtes für Asyl und Migration. Entstehen soll auch eine „Fremdenpolizei neu“ mit 200 neuen Polizisten, die ab Herbst 2011 den Kampf gegen die Illegalität verstärken sollen.

Für den Bereich Justiz wurde bereits ein neues Lobbyistengesetz angekündigt, das nach Plänen von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) ein Lobbyistenregister, Sanktionen und eine Unvereinbarkeitsbestimmung für Funktionsträger vorsieht („Die Presse“ berichtete). Außerdem geplant ist die „Straffung der Instanzen“. Mithilfe einer (Landes-)Verwaltungsgerichtsbarkeit erster Instanz sollen mehr als 100Sonderbehörden eingespart werden.

• Europa: Sowohl Kanzler Werner Faymann (SPÖ) als auch sein Vize, Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP), zielen auf eine bessere Nutzung der „Donauraum-Strategie“ durch Österreich ab – also auf das Abschöpfen von (mehr) Geld aus EU-Förderprogrammen für (gemeinsame) Aktionen von Donau-Anrainerstaaten in der EU. 95Milliarden Euro stehen für die Jahre 2007 bis 2013 aus Mitteln der Kohäsionspolitik zur Verfügung.

• Familie: SPÖ und ÖVP betonen, den Ausbau der Kinderbetreuung vorantreiben zu wollen: Zusätzlich 5000 Kindergarten- und Kinderkrippenplätze sollen demnächst pro Jahr entstehen. Jährlich 15 Millionen Euro sollen 2012, 2013 und 2014 in das Vorhaben fließen. Ziel sei eine „bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ – vor allem für Mütter–, so heißt es in beiden Parteien. Über viele andere Sach- und Geldleistungen gehen die Meinungen noch auseinander.

• Energie, Umwelt und Landwirtschaft: Innen- und EU-politischen Zündstoff birgt der gemeinsame Plan, Österreich bis 2015 „atomfrei“ zu bekommen: Mit Atomstrom aus ausländischen Quellen solle es dann definitiv vorbei sein, hieß es im Vorfeld der Regierungsklausur. Gelingen solle das mit einem neuen Energieeffizienz- und neuen Ökostromgesetz, wonach unter anderem auch die Forschung zu erneuerbaren Energien gefördert werden soll. Beim Projekt „Atomfrei“ gehe es aber auch darum, „dass die Regierung rasch viele Bündnispartner auf EU-Ebene gegen den Atomstrom gewinnt“. Entsprechende Initiativen von Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) müssten fortgesetzt und verstärkt werden, so hieß es.

Insgesamt mehr als 90 Maßnahmen und Gesetzesentwürfe zu den genannten Themen soll das neue rot-schwarze Paket umfassen. Von der Opposition kamen im Vorfeld der Klausur kritische bis hämische Stimmen: FPÖ, BZÖ und Grüne erwarteten, dass es zu keinen echten Fortschritten kommen werde.

 

 

Salzburger Nachrichten – 30. Mai 2011

 

Alles dreht sich um Bildung

Regierungsklausur. Die Regierung zieht sich die nächsten eineinhalb Tage auf den Semmering zurück. Sie feilt an der Bildungsreform, die sie zu Jahresbeginn versprach.

Alexandra Parragh Wien (SN). Wenn heute, Montag, die Regierung sich für die nächsten eineinhalb Tage zur Klausur auf den Semmering zurückzieht, ist klar, worum es neben der Verabschiedung des Pflegepakets hauptsächlich gehen wird – die Bildung. SPÖ und ÖVP hatten das Jahr 2011 im Jänner ja zum „Jahr der Bildung“ erklärt. Außer einen Bildungsfahrplan vorzulegen und zwei Arbeitsgruppen zu den zwei wirklich relevanten Themen – dem neuen Lehrerdienstrecht und der neuen Lehrerbildung – zu bilden, ist bisher wenig passiert. Und dort, wo man sich ursprünglich einig war – etwa den Ausbau der Ganztagsbetreuung tut – ist Stillstand angesagt. Ein Überblick:

1 Ganztagsbetreuung verhandeln

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung an Schulen dürfte ganz oben auf der Agenda der Regierungsklausur stehen. An sich war ausgemacht, dass SPÖ und ÖVP bis zum Jahr 2015 die derzeitigen 106.000 Betreuungsplätze auf 160.000 aufstocken werden. Doch Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) ruderte zurück, als ein Gesetzesentwurf vorlag, und verlangte genauere finanzielle Angaben. Den Ländern kann das nur recht sein. Sie wollen erst zustimmen, wenn eine Finanzierungszusage vom Bund – 80 Mill. Euro jährlich – über 2015 hinaus vorliegt. Und ohne die Länder, die (über die Gemeinden) die Ganztagsbetreuung an Pflichtschulen verantworten, geht nichts.

2 Zwischenstand Neue Mittelschule

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) wird zudem einen Zwischenstand bei der Umwandlung der Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen (NMS) präsentieren. Die haben SPÖ und ÖVP in ihrem Bildungsfahrplan bis 2016 (in allen Klassen bis 2020) festgelegt. Für das Schuljahr 2011/12 wurden weitere 144 Standorte der NMS, allesamt Hauptschulen, als Neue Mittelschulen bewilligt. Ab Herbst wird es damit 437 Standorte mit insgesamt 58.000 Neuen Mittelschülern geben. Die Unterschiede zwischen städtischen Schulen und jenen auf dem Land werden auch nach der flächendeckenden Umwandlung bestehen bleiben. Das Grundproblem bleibt ungelöst: die Reform der Schulverwaltung. Daran wird die Klausur wenig ändern. Die Einführung der Gesamtschule ist in dieser Legislaturperiode vom Tisch.

3 Ringen um Lehrerdienstrecht

Die Lehrergewerkschaft schenkt dem Gerücht keinen Glauben, wonach die Regierung auf ihrer Klausur einen fix und fertigen Entwurf eines neuen Lehrerdienstrechts präsentieren werde. Angesichts des Starts der Dienstrechtsverhandlungen Anfang Mai hätte das auch wenig Sinn. Dabei überreichte die Regierung der Gewerkschaft ein „dürftiges Papier“, in dem stand, was passieren soll: ein neues Dienstrecht mit flachere Gehaltskurve, höheren Einstiegsgehältern und eine Neudefinition des Lehrerberufs. Deswegen glaubt die Lehrergewerkschaft auch an kein Verhandlungsergebnis bis Jahresende. Die Fakten liegen auf dem Tisch: Bis 2025 wird rund die Hälfte der derzeit 120.000 unterrichtenden Lehrer in Pension gehen.

4 Die neue Lehrerbildung

Ebenfalls Mitte Juni wird die Arbeitsgruppe zur neuen Lehrerausbildung ihre Ergebnisse präsentieren. Auch hier geht die Lehrergewerkschaft von einem „dünnen Papier“ aus. Gruppenleiter Andreas Schnider kündigte seinerseits an, den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen (PH) bei der Ausgestaltung viel Raum zu lassen. Nur das Ziel wird festgelegt: dass alle Lehrer eine Hochschulausbildung absolvieren, egal ob sie an einer Pflichtschule oder an einer Höheren Schulen unterrichten.

 

 

Kurier – 30. Mai 2011

 

Regierung kämpft um Macher-Image

Koalition: Der Semmering soll Wunder wirken: Die Regierung will dort auf ihrer Klausur mit einem Arbeitsplan den Stillstand beenden.

Die Fremdenverkehrswerbung vermarktet den Semmering als Zauberberg. Ob das mehr ist als ein Marketing-Gag, das könnte sich am Montag und Dienstag zeigen. Da will nämlich die Regierung demonstrieren, dass sie arbeitet - vielleicht bewirkt der Semmering ja ein Wunder.

"Es ist der letzte Aufruf", sagte Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl am Sonntag. Und tatsächlich geht es für die Regierungsparteien um viel: In zwei Jahren ist die nächste Nationalratswahl, Rot-Schwarz könnte unter die 50-Prozent-Marke fallen.
Fahrplan

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Fahrplan

SPÖ und ÖVP haben sich in den Tagen vor der Regierungsklausur auf einen gemeinsamen Arbeitsfahrplan für die nächsten beiden Jahre verständigt. Dieser sieht in insgesamt sieben "Arbeitspaketen" mehr als 90 konkrete Maßnahmen vor, die bereits mit Daten für die Umsetzung versehen sind - fixe Terminvorgaben erzeugen Druck zur Umsetzung.

Wie lauten die wichtigsten Themen des Fahrplans?
Eines der Kern-Themen ist die Bildung. Hier muss noch in diesem Jahr die neue Pädagogen-Ausbildung fertig werden. Angehende Lehrer sollen künftig auf ihre Eignung getestet werden. Die Ganztagsbetreuung und die Neue Mittelschule werden, wie geplant, ausgebaut.

Beim Pflegegeld soll es nur noch eine anstatt derzeit 280 Auszahlungsstellen geben.
Vor allem der Rechnungshof hatte beim Bundespflegegeld bemängelt, dass durch die hohe Zahl der zuständigen Ämter und Behörden untragbare Zustände entstehen - Patienten müssen viele Wochen auf die Einstufung bzw. Überweisung des Pflegegeldes warten. Diese "Auszahlung aus einer Hand" soll auch im Gesundheitsbereich kommen: Bis 2013 soll ein bundeseinheitliches Spitalsgesetz die neun Ländergesetze ablösen.

Für die Familien soll es jene 15 Millionen Zusatzfinanzierung zum Ausbau der Kinderkrippen wieder geben, die beim letzten Sparpaket gestrichen wurden.
Im Herbst 2011 müssen das Lobbyistengesetz, die Offenlegungen der Parteienfinanzen und die Transparenzdatenbank beschlossen werden.

Für die Wirtschaft wird es eine Export- und eine Mittelstandsoffensive geben - mit einem Technologie-Scheck für kleine und mittlere Unternehmen.
Vereinbart hat die Regierung außerdem, die Erneuerbare Energie so auszubauen bzw. das Energiesparen so zu fördern, dass ab 2015 kein Import von Atomstrom mehr nötig ist.
Im Fahrplan hat sich die Regierung zwar auf keine große Verwaltungsreform verständigt. In Teilbereichen arbeitet sie aber an Verbesserungen. So soll es beim Bundesasylamt und bei der Verwaltungsgerichtsbarkeit Vereinfachungen geben.

Offen bleiben die Themen Heer und Steuern. Über die Wehrpflicht wird bis September verhandelt. Kann man sich nicht einigen, will die SPÖ das Volk befragen - die ÖVP nicht. Auch bei den Steuern ist man auseinander: Die SPÖ will eine strukturelle Steuerreform, die ÖVP will vor der Wahl überhaupt keine.

 

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Zeugnis für die Bildungspolitik der Regierung

Der Stillstand in der Bildungspolitik sorgt immer wieder für Differenzen innerhalb der Regierung.

 

Der Stillstand in der Bildungspolitik sorgt immer wieder für Differenzen innerhalb der Regierung. Das Grundproblem: Zwischen SPÖ und ÖVP gibt es beim Thema Schule große ideologische Unterschiede.

Das beste Beispiel dafür ist die Gesamtschule: Die SPÖ will eine gemeinsame Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen. Die ÖVP besteht darauf, dass das Gymnasium für die begabteren Kinder bleibt. Der Kompromiss ist der Ausbau der "Neuen Mittelschule". Konsens herrscht mittlerweile darüber, dass Volks- und Unterstufen-Schüler die Möglichkeit haben sollen, am Nachmittag in der Schule zu bleiben.

Die Interessen der Bundesländer, die zum Teil für die Schulen zuständig sind, machen es der Regierung nicht leichter. Bei ihrer Regierungsklausur wollen die Koalitionspartner wieder neuen Schwung in die Bildungsreform bringen. Aber hat sich in den Schulen wirklich nichts geändert? Der KURIER hat sich angesehen, was in den vergangenen Jahren passiert ist, was fix geplant ist und wo nichts weitergegangen ist.

Das Zeugnis für die Bildungspolitik der Regierung fällt nicht ganz negativ, aber doch nur mittelmäßig aus: Ein Befriedigend, zwei Genügend und ein Nicht genügend.

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Hilfe für die Schüler - Note 3

Viele Reformen oder Reformvorhaben betreffen direkt die Schüler:
Die Klassenschülerzahl wurde an Volksschulen, Hauptschulen und AHS-Unterstufen mit 25 limitiert. Die Höchstzahl darf aber bei Bedarf überschritten werden.
Bis 2015 soll es für 210.000 Schüler eine ganztägige Betreuung geben. Dafür investiert die Regierung 80 Millionen Euro. Die Neue Mittelschule soll bis 2018 massiv ausgebaut werden.
Bundesweite Bildungsstandards sollen die Schul-Qualität sichern. Getestet wird ab 2012 am Ende der Volksschule sowie nach Hauptschule und AHS-Unterstufe.
In der Oberstufe-Neu gibt es ein Kurssystem, Unterricht in Modulen und Lernbegleitung. Sitzenbleiben wird absolute Ausnahme.
Die Zentralmatura kommt 2014 und soll garantieren, dass alle Maturanten das gleiche Bildungsniveau haben.

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Umbau der Schulen - Note 4

Die "Schularchitektur" soll besser werden. Konsens beseht aber nur, dass in die Gebäude investiert wird, bei der Schulorganisation tut sich gar nichts.
In die Schulen (Neubau und Sanierung) sollen bis 2018 rund 1,8 Milliarden Euro investiert werden.
Die Schulleiter sollen mehr Kompetenzen bekommen - etwa bei der Personalplanung.
Nach wie vor sind aber Pflichtschulen (und die dortigen Lehrer) Ländersache. Höhere Schulen (und Lehrer) unterstehen dem Bund. Die Länder wollten zuletzt alle Lehrer übernehmen, dem Bund aber die Schulgesetze und den Unterricht überlassen. Einigung nicht in Sicht.
Das Schulsystem bleibt bürokratisch. Zuständig sind Bezirksschulräte, Landesschulräte, Schulabteilungen in den Landesregierungen und das Bildungsministerium.

 

Aufgaben für Lehrer - Note 4

Alle Neuerungen, die den Unterricht betreffen, müssen von den Lehrern umgesetzt werden. In ihrem Bereich ist aber gar nichts weiter gegangen.
Die Vereinheitlichung der Lehrer-Ausbildung auf Hochschul-Niveau wird seit Jahren versprochen. Ein Konzept gibt es, aber beschlossen ist nichts.
Die Dienstrechte der Lehrer an den verschiedenen Schultypen sind nach wie vor unterschiedlich. Die Verhandlungen über ein einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht (mehr Geld beim Berufseinstieg, flachere Gehaltskurve) haben gerade erst begonnen. Das vage Ziel: Ein Abschluss in dieser Legislaturperiode.
Die Lehrer sollen länger in der Schule sein - ohne Dienstrechtsreform ist das unmöglich.
Sie haben keine Arbeitsplätze an den Schulen. Investitionen sind versprochen.

 

Lernen im Kindergarten - Note 4

Kindergärten sind nach wie vor Betreuungseinrichtungen, keine Bildungsstätten.
Vorschulkinder müssen in den Kindergarten, für sie ist er überall gratis. Die Kindergartenpflicht samt Sprachförderung erleichtert den Schuleinstieg.
Die Öffnungszeiten wurden ausgeweitet, aber nicht ausreichend.
Nach wie vor fehlen vor allem bei den unter Dreijährigen viele Betreuungsplätze.
Für die Kindergärten sind Länder und Gemeinden zuständig. Die Folge: große Unterschiede beim Platzangebot, bei der Betreuung und der Bezahlung des Personals.
Bildungsziele für Kindergärten wurden zwar ausgearbeitet, ob sie eingehalten werden, wird aber nicht geprüft.
Kindergartenpädagogen werden nur auf Matura-Niveau ausgebildet, Experten fordern eine Hochschul-Ausbildung.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Donnerstag, 26. Mai 2011

2011.05.27: Newsletter Unterricht

 

Salzburger Nachrichten – 27. Mai 2011

 

Eine Klasse für sich

Häuslich. Ganz Österreich diskutiert über eine Bildungsreform. Fast, denn die Eltern von 2216 Kindern halten sich raus. Sie unterrichten ihre Kinder zu Hause.

Gudrun Doringer Salzburg (SN). Lisa darf aufstehen, wann sie will. Das ist aus ihrer Sicht schon einmal ein klarer Heimvorteil des so genannten häuslichen Unterrichts. Die zwölfjährige Steirerin ist eine von 2216 Kindern in Österreich, deren Eltern sich für diesen Bildungsweg entschieden haben. Im Vorjahr waren es noch 1496.

Für Lisas Mutter, Joya Michaela Marschnig, geht es weniger um die morgendliche Weckzeit: „Meine Tochter war zwei Jahre in einer Volksschule. Und wir konnten zusehen, wie ihre Kreativität und ihr Wissensdrang verschwunden sind. Sie hat in der Schule einfach nicht funktioniert, wie manche sagen würden. Deshalb haben wir uns für den häuslichen Unterricht entschieden.“ Das veränderte nicht nur das Leben der Zwölfjährigen. „Am Anfang war ich von der Idee gar nicht begeistert“, erzählt die Mutter. „Ich komme aus einer Lehrerfamilie und habe mich sehr bewusst entschieden, genau diesen Beruf nicht zu ergreifen. Ich war selbstständig in der Immobilienbranche. Aber mit meinen flexiblen Arbeitszeiten hat sich der häusliche Unterricht dann gut vereinbaren lassen.“

Wie sieht das nun aus – Unterricht zu Hause? „Es gibt Eltern, die gehen sehr strukturiert vor und legen bestimmte Zeiten zum Lernen fest“, erläutert Marschnig, die über das von ihr gegründete „Familiennetzwerk der Freilerner“ mit Gleichgesinnten in Kontakt steht. „Andere sind weniger strukturiert. So wie wir.“ Lisa setzt ihre Lernschwerpunkte selbst. „Wenn sie zum Beispiel, so wie jetzt, einen Kurs für Aquarellmalerei besucht, dreht sich alles ums Malen. In der Schule hat man 50 Minuten Rechnen und danach soll man sich gleich für Deutsch interessieren, obwohl man mit seiner Rechnerei vielleicht noch gar nicht fertig ist.“ Das sei bei ihnen anders. Lisa könne sich eben so lang mit einer Sache befassen, wie sie möchte. Das sei ein ungeheurer Vorteil, findet Joya Michaela Marschnig. Man könne individuell auf die Talente des Kindes eingehen.

Ein weiterer Unterschied: Während andere in der Schule nicht nur Inhalte, sondern auch andere Kinder kennenlernen, ist Lisa eine Klasse für sich. „Das ist richtig, aber für mich kein Nachteil“, sagt ihre Mutter. „Mit sechs oder sieben Jahren sind viele Kinder mit der Gruppendynamik in einer Schulklasse überfordert. Sie sind nur damit beschäftigt, nicht mit dem Lernen. Die sozialen Kontakte lassen sich auch in der Freizeit knüpfen. Wenn sie älter werden, wird das Bedürfnis, mit anderen zusammen zu sein, natürlich immer noch größer.“ Aus dem Grund waren die Marschnigs diese Woche mit einer anderen Freilernerin aus Oberösterreich auf Ausflug in Graz. Die Landeshauptstadt stand auf dem Programm. Und auf dem Lehrplan.

Ein Mal im Jahr muss Lisa dann doch zur Schule. Sie muss am Schulschluss eine Externistenprüfung ablegen – die im Vorjahr von 98,9 Prozent der häuslich unterrichteten Schüler auch bestanden wurde. „Wird diese Prüfung nicht bestanden, ordnet der Bezirksschulrat an, dass die Klasse in einer Schule nachgeholt wird“, sagt Peter Glas, Bezirksschulinspektor für Salzburg-Land. Für das kommende Schuljahr hat er 18 Anmeldungen für häuslichen Unterricht auf seinem Schreibtisch liegen. Erfahrungsgemäß würden noch ein paar dazukommen, meint er. Mehr als anmelden muss man sich für den häuslichen Unterricht nicht. „Und sich gut informieren, worauf man sich einlässt“, rät Marschnig. „Es ist schließlich eine wichtige Aufgabe.“ Eltern können den Unterricht von der 1. bis zur 9. Schulstufe übernehmen, gewünschte Schulbücher bekommen sie von der Sprengelschule.

„Die meisten Ansuchen kommen von Eltern, die finden, dass ihr Kind noch nicht reif genug für die Volksschule ist und die noch ein Jahr warten möchten“, sagt Glas. Der Rest sind Eltern wie die Marschnigs, die ihrem Kind eine Klasse für sich bieten wollen. Diese Eltern werden mehr.

 

 

Salzburger Nachrichten – 27. Mai 2011

 

Ringen um Ganztagsbetreuung an Schulen

Wien (SN-par). Eigentlich sollte mit dem Ausbau der flächendeckende Ganztagsbetreuung an Österreichs Schulen schon im Herbst begonnen werden. So hatte es Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ursprünglich vorgehabt, ehe ihr Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) vor zwei Wochen einen Strich durch die Rechnung machte. Mit der Begründung, es fehle eine „gesamthafte Betrachtung“, was den Lehrereinsatz und die Schülerinfrastruktur betreffe, verweigerte Fekter die Zustimmung zu dem Gesetzesentwurf.

Ob sich eine Einigung nun noch rechtzeitig ausgehen wird, wird vom Erfolg der zweitägigen Regierungsklausur abhängen, die Anfang nächster Woche auf dem Semmering stattfindet. Da wird fix weiterverhandelt, ob bis 2015 die Zahl der Ganztagesplätze an Schulen von 105.000 auf 160.000 ausgebaut, eine neue Ausbildung für Freizeitpädagogen geschaffen und die Zahl der Kinder pro Betreuungsgruppe von 15 auf zwölf zu reduziert wird oder nicht. Das Geld dafür – 80 Mill. Euro pro Jahr – ist schon seit dem Vorjahr budgetiert.

Mit der Unterstützung der Länder braucht Schmied nicht zu rechnen. „Solange nicht klar ist, wie es mit der Finanzierung der Ganztagsbetreuung nach 2015 weitergeht, wird es von uns keine Zustimmung geben. Der Bund kann nicht erwarten, dass Länder und Gemeinden diese Last allein tragen“, erklärt Oberösterreichs Landeschef Josef Pühringer, der derzeit den Vorsitz der Landeshauptleute-Konferenz stellt, im SN-Gespräch.

Gemeindebundchef Helmut Mödlhammer will nur zustimmen, wenn den Gemeinden, den Erhaltern der Pflichtschulen, die Kosten vollständig abgegolten werden. Die 80 Mill. Euro pro Jahr reichen ihm nicht aus. „Die decken gerade einmal die Personalkosten für die ganztägige Betreuung “, sagt er. Eher bräuchte Mödlhammer 130 Mill. Euro im Jahr, um die Schulen auch umzubauen und Freizeitangebote für den ganztägigen Betrieb zu schaffen. „Unsere Schulen sind für den Vormittagsunterricht ausgelegt, nicht aber dafür, dass Schüler den ganzen Tag an den Schulen verbringen“, erklärt er.

Laut einer Studie im Auftrag des Unterrichtsministerium wollen die Schuldirektoren sogar, dass die Schulgebäude für den Unterricht umgebaut werden. So sprachen sich 80 Prozent der rund 1160 befragten Schulleiter für „offene Lernstraßen“ aus, also Flächen mit Lernstationen. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) teilten die Ansicht, dass die vorhandene Schularchitektur das heutige Leitbild der Schule nicht unterstützt. Optisch dominiere der Schultyp aus den 1950er-Jahren mit einheitlichen Klassenzimmern samt Mittelgang und kaum natürlicher Beleuchtung (48 Prozent).

 

 

Der Standard – 27. Mai 2011

 

Ein Schulgesetz aus Schülerhand

Zuhören statt reinschreien, diskutieren statt streiten: Beim bisher siebenten Jugendparlament führten Schüler vor, was bei den Mandataren oft falschläuft. Das Interesse an Politik wurde geweckt - kurzfristig zumindest

Wien - Als der junge Mann seine Rede beendet, passiert etwas Ungewöhnliches: Alle Fraktionsteilnehmer applaudieren. Die Ausschussvorsitzende ist erstaunt: "Ich sehe, es herrscht noch eine freundschaftliche Stimmung. Normalerweise gibt es keinen Applaus für andere Parteien."

Das Bild von streitenden Politikern, die in der Sache zu wenig weiterbringen, hat sich in der Bevölkerung festgesetzt. "Politikern geht es um sich und ihre Positionen. Sie wollen ihre Meinung durchsetzen, alles andere ist egal", sagt einer der Schüler aus den vier Klassen aus Oberösterreich. Andere stimmen zu, sie sehen das genauso. Für einen Tag nahmen sie am Donnerstag in Wien am Jugendparlament teil, um Politik zu lernen.

Eingeteilt in vier Fraktionen, erarbeiten die insgesamt 90 Schüler einen Gesetzesentwurf, der am Ende des Tages in einer Plenarsitzung zur Debatte steht. Das Thema: Bewegung und Sport in der Schule. Die aufgeworfenen Fragen: Sollen Schüler in Leistungsgruppen eingeteilt werden? Werden dadurch Freunde auseinandergerissen? Was soll in die Bewertung außer der nachweislich erbrachten Leistung einfließen?

Die Fraktionen werden nach Interessengebieten gebildet. 18 Leute gehören dem mittelgroßen Klub Türkis an. "Wie kann beurteilt werden, wie sehr sich jemand bemüht?", fragt einer der Schüler, und unversehens steckt man in einem politischen Dilemma, mit dem sich die Nationalratsabgeordneten öfters herumschlagen. Müssen etwa Migranten integrationswillig sein und wenn ja, wer misst es? Und woran? Mit der Frage "Was ist Leistung, und wer definiert sie?", kommt auch der neue ideologische Kampfbegriff der ÖVP ins Spiel.

Aus jedem Nationalratsklub gibt es einen Vertreter, der den Schülern zur Seite steht. Der Abgeordnete Michael Hammer (ÖVP) unterstützt Klub Lila. Bei der ersten Ausschusssitzung plädiert sein Klub dann als Einziger der vier für Leistungsgruppen.

Stefan Petzner (BZÖ) hilft als Experte im Klub Gelb. Es ist der größte Klub mit 27 Leuten und entsprechend entspannt. Bei der Koalitionsfrage ist er aufgrund der Mannstärke im Vorteil.

Image der Politik verbessern

"Diese Aktion verbessert vielleicht ein wenig das Image der Politik", hofft Petzner. Tatsächlich ist der einheitliche Tenor in der Mittagspause nach vier Stunden Parlamentsarbeit: Sich mit einem konkreten Thema zu beschäftigen, macht Politik deutlich interessanter. "Vorher wusste ich nicht, was Koalition, Opposition oder absolute Mehrheit heißt", sagt eine Schülerin. "Vielleicht les ich in nächster Zeit hin und wieder den Politikteil in der Zeitung."

Unterstützt wurden die 15- und 16-jährigen Schüler von Rechnungshof-Präsidenten Josef Moser. Die Harmonie der Fraktionen zog sich bis zum Ende hin durch: Sowohl der Gesetzesbeschluss von Klub Weiß als auch der von Türkis wurden mit Mehrheit angenommen. Sportleistungsgruppen werden abgelehnt, die Schüler sollen die Sportart nach Interesse wählen.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
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