Donnerstag, 30. Juni 2011

2011.07.01: Newsletter Unterricht

 

OÖN – 1. Juli 2011

Schmied: Pflichtstudium vorerst nur für Kindergarten-Leiterinnen

WIEN/LINZ. Bildungsministerin Claudia Schmied (SP) will trotz Kritik an dem Plan, die Ausbildung für Kindergartenpädagogen künftig auf Uni-Niveau zu heben, festhalten. Verpflichtend könnte ein Studium vorerst aber nur für Leitungsfunktionen sein.

Für ihren Plan, die Ausbildung aller Pädagogen künftig auf universitärem Niveau zu vereinheitlichen, erntet Schmied nicht nur Applaus: Wie in den OÖNachrichten berichtet, sieht etwa der Gemeindebund schlicht keine Notwendigkeit, auch Kindergartenpädagogen in einem Studium auszubilden.

Schmied will sich dadurch grundsätzlich nicht beirren lassen: „Bildung und Ausbildung müssen auf Top-Niveau sein“, sagte sie gestern bei einer Pressekonferenz anlässlich des bevorstehenden Schulschlusses. Die gemeinsame Pädagogenausbildung sei eines der „Hauptziele“ im kommenden Schuljahr.

Bei der Forderung des Gemeindebunds, dass der Bund im Falle einer akademischen Ausbildung für Kindergartenpädagogen für die Mehrkosten durch höhere Gehälter aufkommen müsse, blockte Schmied aber ab: „Dienstgeber sind die Gemeinden“, verwies sie auf die Kompetenzen. Damit obliege es den Gemeinden aber auch, die Anforderungen für Kindergartenpädagogen zu fixieren: „Vielleicht müssen in einem ersten Schritt nur Leiterinnen eine universitäre Ausbildung haben“, öffnete Schmied eine Hintertür zur Umgehung eines Studiums.

Ganz anders reagiert Schmieds Parteikollegin, Oberösterreichs Landesfrauenvorsitzende und Nationalratsabgeordnete Sonja Ablinger auf die Kritik des Gemeindebunds. Die akademische Ausbildung von Kindergartenpädagogen „ist überfällig“, sagt sie: Österreich sei das einzige EU-Land, in dem es „keine Universitätsausbildung für Kindergarten-Fachkräfte gibt“.

Als „kurzsichtig“ bezeichnet der oberösterreichische Grünen-Klubobmann Gottfried Hirz die Ablehnung des Gemeindebunds. Die pädagogischen Anforderungen in den Kindergärten „werden immer höher“, darauf müsse man reagieren, sagt Hirz.

 

Fast nur Frauen

Derzeit gibt es fast nur Kindergärtnerinnen: Knapp drei Dutzend Männer sind derzeit unter den 3254 Kindergartenpädagogen in Oberösterreich tätig. Das Einstiegsgehalt liegt bei 1681 Euro brutto pro Monat, ab dem zweiten Jahr kommen 131 Euro dazu, nach 20 Jahren liegt das Gehalt ohne Zulagen bei 2253 Euro.

 

-------------------------

 

OÖN – 1. Juli 2011

Förderung für Lehrstellen

LINZ. Einen Ausbildungsfonds zur Förderung von Betrieben, die Lehrlinge ausbilden, fordert die Gewerkschaftsjugend.

Dies ist einer der Punkte ihrer heute in Linz startenden Bildungskampagne. Das bisherige System der Lehrstellenförderung sei gescheitert. In den neuen Fonds sollen alle Betriebe einzahlen, aber nur jene eine Förderung erhalten, die Lehrlinge ausbilden.

Die Gewerkschaftsjugend kritisiert außerdem, dass manche Absolventen mittlerer und höherer Schulen beim Berufseintritt wieder mit einer Lehre beginnen müssen – und zwar mit der niedrigen Lehrlingsentschädigung. Der Wirtschaftsminister könne diese Gesetzeslücke einfach per Erlass schließen, sagen die Gewerkschafter.

Gefordert wird unter anderem auch eine bezahlte Bildungswoche pro Jahr für alle Arbeitnehmer. Die Kampagne der Gewerkschaftsjugend beginnt heute an drei Orten in Linz mit dem Auflegen von Bodenzeitungen. Zum Schluss der Kampagne am Jahresende soll in Wien eine Riesenbodenzeitung entstehen. (nie)

 

 

SN – 1. Juli 2011

 

„Wir müssen die Lehrer 15 Jahre lang verwöhnen“

Salzburg (SN-job). „Mein Motto für die Schulen ist: In den nächsten 15 Jahren müssen wir die Lehrerinnen und Lehrer verwöhnen. Mit Fortbildung, Begleitung, Unterstützung, Supervision.“ Das sagte im SN-Gespräch Jesper Juul, der in Dänemark geborene Familientherapeut, Autor des Bestsellers „Elterncoaching – Gelassen erziehen“ und Gründer von „familylab.at“. „Es gibt Tausende ausgezeichnete Lehrerinnen und Lehrer, aber dann kommen sie in diese Schulen und werden kaputt gemacht.“

Zum Beispiel durch endlose Strukturdebatten, die die Schulkultur nicht weiterbringen. An der aber hapert es: „Österreich ist in der Schulkultur sehr, sehr altmodisch. Man trifft um jede Ecke Maria Theresia. Das heißt, die Schulen wollen eigentlich keine Kinder haben, sie wollen nur Schüler. Sie sind enttäuscht, dass dieses alte Rollenspiel vorbei ist, wo die Erwachsenen Lehrer sind und die Kinder Schüler. Und da kommen nun Kinder mit voller Lebendigkeit, die sich ungern uniformieren lassen. Die Schulen haben noch nicht entdeckt, wie sie damit umgehen können.“ Beziehungskultur ist für Juul der Inbegriff für das, was Lehrerinnen und Lehrer dringend brauchen. Die sei in jeder Schule möglich. „Was fehlt, ist eine politische Vision für Schule“, beklagt der international renommierte Erziehungsexperte. „Es geht immer nur um die Frage: Wie können wir die Schule am besten administrieren und kontrollieren. Aber die Vision, was wir wollen, die fehlt. Die Lehrer und die Schüler haben keine Leuchttürme, sie müssen nur schauen, dass sie überleben.“

 

 

Der Standard – 1. Juli 2011

 

 

Schmied versöhnlich: Lob an Amon, ÖVP und Gewerkschaft

Durch Streit um Modulare Oberstufe näher mit Amon zusammengerückt

Wien - Jene, die ihr das politische Leben in den vergangenen Monaten nicht immer leicht gemacht haben, bekommen zum Schulschluss von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) Rosen gestreut. Bei einer Pressekonferenz hob sie am Donnerstag die "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit VP-Bildungssprecher Werner Amon hervor, trotz der jüngsten Kontroversen um die Modulare Oberstufe zeigte sie sich auch "über die Kooperation mit dem Regierungspartner" erfreut. Die Lehrergewerkschaft, mit der seit zwei Monaten über ein neues Dienstrecht verhandelt, wurde ebenfalls lobend unter jenen erwähnt, dank derer es "spürbaren Rückenwind" für die Umsetzung von Schulreformen gebe.

Überhaupt zeigte sich die Ministerin sehr zufrieden mit der Performance der Regierung bei der Schulreform. Drei Viertel der im Regierungsprogramm vereinbarten Projekte - deren Gemeinsamkeit laut Schmied: "Leistung und Qualität" - seien bereits umgesetzt. Insgesamt 39 Bildungsgesetze seien als Regierungsvorlage im Parlament eingebracht worden - "das ist ja oft nicht so leicht", verwies sie auf vielfache Unstimmigkeiten mit der ÖVP.

Lob auch an Neugebauer

Ganz besonders zufrieden sei sie über die Zusammenarbeit mit Amon, der im März die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl als Chefverhandler abgelöst hat. Ursprünglich hatte sich Schmied dem Vertrauten von GÖD-Präsident Fritz Neugebauer gegenüber noch eher skeptisch gezeigt, nun lobte sie die vor allem in der VP-intern umstrittenen Frage der Modularen Oberstufe eine "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit ihm. "Eine tragfähige Beziehung misst sich auch daran, dass sie in schwierigen Situationen hält und wächst."

Neue Pädagogenausbildung

Die nächsten Konfliktthemen stehen allerdings bereits auf ihrem Arbeitsprogramm: Im kommenden Schuljahr will sie den Schwerpunkt auf die neue Pädagogenausbildung sowie das neue Lehrer-Dienstrecht setzen, über das weiterhin bis zum Ende der Verhandlungen mit der Lehrervertretung Stillschweigen vereinbart wurde.

In puncto Besoldung betonte Schmied, dass eine Höherqualifikation der Pädagogen - sie sollen künftig in allen Bereichen vom Kindergarten bis zur Matura einen Master als Regelabschluss brauchen - nicht automatisch bessere Bezahlung bedeuten wird. Entscheidend sei die Funktion, in der der Pädagoge eingesetzt werde.

Und auch die Frage, welche Einrichtung künftig Pädagogen für die Null- bis 19-Jährigen ausbilden sollen, wird zumindest mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) noch zu Diskussionen führen. Zur Auswahl steht die Aufwertung der Pädagogischen Hochschulen (PH), die bei Schmied ressortieren, zu Pädagogischen Unis, oder die Konzentration der Lehrerausbildung an den Unis, die dann die derzeitigen PH-Bereiche in eine School of Education integrieren würden. "Wir werden über den Sommer Gespräche führen", kündigte sie an. Dass sie als PH-verantwortliche Ministerin allerdings die Idee der Pädagogischen Unis bevorzuge "ist glaube ich auch keine Überraschung".

 

 

Wiener Zeitung – 1. Juli 2011

 

Rund 70.000 Schüler werden in den Ferien für eine Wiederholungsprüfung lernen müssen, etwa 40.000 werden repetieren

Immer weniger Schulkinder bleiben sitzen

 

Von Petra Tempfer

  • Beim Aufsteigen mit zwei Fünfern soll es 5000 Repetenten weniger geben.
  • Drei Viertel der im Regierungsprogramm verankerten Projekte umgesetzt.
  • Nächstes Schuljahr: Ausbildung der Pädagogen und neues Lehrer-Dienstrecht.

 

Wien. Kein frühes Aufstehen, keine Schularbeiten, kein Stress: Für die rund eine Million Schüler in Österreich beginnen am 1. Juli die Ferien. Etwa 70.000 können sich allerdings selbst in den neun Wochen nicht vorm Lernen drücken: Sie haben eine Wiederholungsprüfung im Herbst. Danach werden an die 40.000 nicht mit ihren Kollegen aufsteigen, sondern dieselbe Schulstufe ein weiteres Mal besuchen, so eine „vorsichtige Hochschätzung” des Unterrichtsministeriums.

Im Vergleich zu 2010 sinke die Zahl der Repetenten leicht ab. Diese Tendenz, dass immer weniger die Klasse wiederholen, ist laut Ministerium über die letzten Jahre hinweg zu bemerken - kommt das Aufsteigen mit zwei Fünfern ab der zehnten Schulstufe, sollen es künftig um 5000 weitere Schüler weniger sein.

„Im Vorjahr haben 9500 Schüler der Allgemeinbildenden Höheren Schulen und der Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen die Klasse wiederholt. Deren Zahl wollen wir halbieren”, präzisiert Josef Galley, Sprecher des Unterrichtsministeriums, im Gespräch mit der „Wiener Zeitung”. Bei einem Aufsteigen mit drei Nicht genügend - wie von der SPÖ ursprünglich gefordert - wäre die Durchfallquote noch geringer ausgefallen.

Diese Woche haben sich allerdings Unterrichtsministerin Claudia Schmied und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon darauf geeinigt, künftig mit zwei Fünfern im Zeugnis aufsteigen zu können (die „Wiener Zeitung” berichtete). Der Gesetzesentwurf soll nun in Begutachtung gehen. Das neue Modell könnte laut Unterrichtsministerium im Dezember 2012 im Rahmen eines Stufenplans starten.

Nach diesem Streit um die Modulare Oberstufe streute Schmied der ÖVP und Amon zum Schulschluss Rosen. Vor Journalisten hob sie am Donnerstag die „vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Regierungspartner” hervor. Schmied lobte auch die Lehrergewerkschaft, mit der seit zwei Monaten über ein neues Dienstrecht verhandelt wird. Ihr sei zu verdanken, dass es „Rückenwind” für die Umsetzung von Schulreformen gebe.

Diesbezüglich ist im soeben beendeten Schuljahr generell viel passiert: Drei Viertel der im Regierungsprogramm vereinbarten Projekte sind laut Schmied bereits umgesetzt.

„Langfristprojekte, die Generationen prägen”
Insgesamt 39 Bildungsgesetze seien als Regierungsvorlage im Parlament eingebracht worden, allen voran die Senkung der Klassenschülerzahl, die Sprachförderung, das verpflichtende Kindergartenjahr und die Bildungsstandards. Die Senkung der Klassenschülerzahl etwa wird laut einer Studie des Instituts für Empirische Sozialforschung von 92 Prozent der 2000 Befragten begrüßt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2011.06.30: Unterricht

 

APA0375 II, XI 30.06.2011 13:58:47

 

Modulare Oberstufe - Grüne für Kurssystem ab der neunten Schulstufe

Utl.: Kein Sitzenbleiben mehr - Klassenverband soll weitgehend aufgelöst werden - Ex-Direktorin Hirsch findet Regierungsmodell "sehr irritierend"

Schulen/Reform/Grüne

Jener Entwurf zur Modularen Oberstufe, den die Regierung nun in Begutachtung geschickt hat, ist aus Sicht des Grünen-Bildungssprechers Harald Walser "ausschließlich parteipolitisch und nicht pädagogisch begründet". Die Grünen fordern stattdessen ein "echtes Modulsystem", bei dem Schüler ihre Kurse - davon zwei Drittel Pflicht- und ein Drittel Wahlmodule - frei wählen können. Das Modell soll zudem schon in der neunten statt der zehnten Schulstufe starten, in der es mit 20.000 Repetenten doppelt so viele gebe wie im Folgejahr, so Walser am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Die "ursprünglich gute Idee" der Modularen Oberstufe sei von der Regierung so lange verwässert worden, bis das eigentlich Wesentliche des Modells - die generelle Abschaffung des Sitzenbleibens - verloren gegangen sei, bemängelte Walser. Indem Schüler mit drei negativ absolvierten Modulen, in die der Stoff jedes Fachs künftig unterteilt werden soll, die Klasse wiederholen sollen, werde am Grundübel des derzeitigen Schulsystems festgehalten: "Schüler müssen bereits positiv absolvierte Fächer noch einmal besuchen", so Walsers Kritik. Dass ein Schüler nach drei bzw. vier negativen Wiederholungsprüfungen selbst im Frühjahr noch zurückgestuft werden soll, werde "im organisatorischen Chaos enden", prophezeite der ehemalige AHS-Direktor.

Eine "schwer zu verkraftende" Aufgabe sei es außerdem, dass laut Regierungsentwurf die Klassenlehrerkonferenz darüber entscheiden soll, ob ein Schüler ausnahmsweise auch mit drei Nicht Genügend aufsteigen darf. "Damit wird die Rollenvermischung der Lehrer als Coach und Richter weiter verschärft."

Laut dem Modell der Grünen soll es "das leistungsfeindliche und demotivierende Sitzenbleiben" überhaupt nicht mehr geben, die Schüler müssen demnach lediglich bis zur Matura alle Module positiv abgelegt haben. Die Reihenfolge, in der sie die (nicht aufeinander aufbauenden) Module belegen, soll ihnen frei stehen. Folge dieses Systems: Der Klassenverband wird im Laufe der Oberstufe zunehmend aufgelöst, indem der Anteil an Wahlfächern bis zur Matura steigt. Dadurch müssen auch nicht alle Schüler zum selben Zeitpunkt abschließen.

Margarete Hirsch, ehemals Direktorin des Erich-Fried-Realgymnasiums mit Modularer Oberstufe, hob die - auch durch sanften Druck - motivierende Wirkung eines solchen Kurssystems hervor. Dieses ermögliche nicht, dass es wie im Regelsystem so genannte "Sommer- und Wintersportler" gibt, die sich nur in einem Semester anstrengen und im anderen schleifen lassen. Diese würden dank positiver Gesamtleistung aufsteigen, aber eben Defizite ansammeln.

Das Modell der Regierung finde sie "sehr irritierend", so Hirsch. Denn in der neunten und zehnten Schulstufe würden zwar viele Schüler wegen pubertärer Krisen Nicht Genügend sammeln. Ihrer Erfahrung nach hätten es aber die meisten geschafft, die negativen Module auszubessern und zum vorgesehenen Zeitpunkt zu maturieren.

(schluss) jle;cm;pm

APA0328 II, XI 30.06.2011 13:11:10

 

Schmied streut Amon, ÖVP und Gewerkschaft zum Schulschluss Rosen

Utl.: Durch Streit um Modulare Oberstufe näher mit Amon zusammengerückt - Neue Pädagogenausbildung und Dienstrechtsreform als Knackpunkte im kommenden Schuljahr

Schulen/Reform/ÖVP/SPÖ/Schmied

Jene, die ihr das politische Leben in den vergangenen Monaten nicht immer leicht gemacht haben, bekommen zum Schulschluss von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) Rosen gestreut. Bei einer Pressekonferenz hob sie am Donnerstag die "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit VP-Bildungssprecher Werner Amon hervor, trotz der jüngsten Kontroversen um die Modulare Oberstufe zeigte sie sich auch "über die Kooperation mit dem Regierungspartner" erfreut. Die Lehrergewerkschaft, mit der seit zwei Monaten über ein neues Dienstrecht verhandelt, wurde ebenfalls lobend unter jenen erwähnt, dank derer es "spürbaren Rückenwind" für die Umsetzung von Schulreformen gebe.

Überhaupt zeigte sich die Ministerin sehr zufrieden mit der Performance der Regierung bei der Schulreform. Drei Viertel der im Regierungsprogramm vereinbarten Projekte - deren Gemeinsamkeit laut Schmied: "Leistung und Qualität" - seien bereits umgesetzt. Insgesamt 39 Bildungsgesetze seien als Regierungsvorlage im Parlament eingebracht worden - "das ist ja oft nicht so leicht", verwies sie auf vielfache Unstimmigkeiten mit der ÖVP.

Ganz besonders zufrieden sei sie über die Zusammenarbeit mit Amon, der im März die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl als Chefverhandler abgelöst hat. Ursprünglich hatte sich Schmied dem Vertrauten von GÖD-Präsident Fritz Neugebauer gegenüber noch eher skeptisch gezeigt, nun lobte sie die vor allem in der VP-intern umstrittenen Frage der Modularen Oberstufe eine "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit ihm. "Eine tragfähige Beziehung misst sich auch daran, dass sie in schwierigen Situationen hält und wächst."

Die nächsten Konfliktthemen stehen allerdings bereits auf ihrem Arbeitsprogramm: Im kommenden Schuljahr will sie den Schwerpunkt auf die neue Pädagogenausbildung sowie das neue Lehrer-Dienstrecht setzen, über das weiterhin bis zum Ende der Verhandlungen mit der Lehrervertretung Stillschweigen vereinbart wurde.

In puncto Besoldung betonte Schmied, dass eine Höherqualifikation der Pädagogen - sie sollen künftig in allen Bereichen vom Kindergarten bis zur Matura einen Master als Regelabschluss brauchen - nicht automatisch bessere Bezahlung bedeuten wird. Entscheidend sei die Funktion, in der der Pädagoge eingesetzt werde.

Und auch die Frage, welche Einrichtung künftig Pädagogen für die Null- bis 19-Jährigen ausbilden sollen, wird zumindest mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) noch zu Diskussionen führen. Zur Auswahl steht die Aufwertung der Pädagogischen Hochschulen (PH), die bei Schmied ressortieren, zu Pädagogischen Unis, oder die Konzentration der Lehrerausbildung an den Unis, die dann die derzeitigen PH-Bereiche in eine School of Education integrieren würden. "Wir werden über den Sommer Gespräche führen", kündigte sie an. Dass sie als PH-verantwortliche Ministerin allerdings die Idee der Pädagogischen Unis bevorzuge "ist glaube ich auch keine Überraschung".

(schluss) jle;cm;pm

OTS0243 II 30.06.2011 12:55:52

 

Bildungsreformen: Ministerin Schmied - "Bereits drei Viertel des Regierungsprogramms im Bildungsbereich umgesetzt"

Utl.: Bildungsministerin präsentiert umfassende Leistungsbilanz zum Schulschluss - Schulreformen wirken - Leistung und Qualität stehen im Vordergrund

SPÖ/Schmied/Schule/Bildung/Reformen/Schulschluss

Bildungsministerin Claudia Schmied hat heute, Donnerstag, eine positive Bilanz über das vergangene Schuljahr und die bisher gesetzten Bildungsreformen gezogen. "Wir haben mittlerweile drei Viertel des Regierungsprogramms im Bildungsbereich umgesetzt", sagte die Ministerin bei einer Pressekonferenz im Bildungsministerium. Sie werde auch weiterhin mit ganzer Kraft an der Umsetzung der Bildungsreformen, die immer von Leistung und Qualität geprägt sind, arbeiten, bekräftigte Schmied. Die Bildungsministerin bedankte sich beim Koalitionspartner für die Kooperation und bei ÖVP-Bildungssprecher Amon für die "sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit". Diese habe sich auch bei der Reform der Oberstufe gezeigt, wo die "Qualität des Systems und viele leistungsfördernde Elemente" im Vordergrund stehen, betonte Ministerin Schmied. ****

Seit ihrem Amtsantritt arbeite sie, so Schmied, mit ganz konkreten Maßnahmen und dem "Mut zur Gleichzeitigkeit" konsequent an der Verwirklichung des Ziels, für bestmögliche Bildung und Ausbildung für alle Menschen in Österreich zu sorgen. Dank eines ganzen Bündels an Maßnahmen (z.B. kleinere Klassen, Deutschförderung, Tagesbetreuung, Infrastrukturinvestitionen, Bildungsstandards, neue Matura, Neue Mittelschule) gebe es mehr Bildung und mehr Chancen und eine "deutliche Aufbruchstimmung" in Österreich, sagte die Ministerin. In ihrer Amtszeit wurden, so die Bildungsministerin, insgesamt bereit 39 Bildungsgesetze als Regierungsvorlage eingebracht. Außerdem ist es im "Jahr der Bildung" gelungen, bereits sieben von neun jener Punkte auf den Weg zu bringen, die Anfang des Jahres präsentiert wurden. Dazu gehören zentrale Maßnahmen wie der flächendeckende Ausbau der Neuen Mittelschule und der massive Ausbau ganztägiger Schulformen (210.000 Plätze bis 2015, jährlich 80 Millionen Euro an Offensivmitteln) genauso wie die "Oberstufe NEU", die derzeit in Begutachtung ist, und die für mehr Leistung und Förderung in den Schulen sorgen wird.

Es sei entscheidend, dass alle Maßnahmen in den rund 5.800 Schulen in ganz Österreich ankommen und gelebt werden. Denn vom Bildungserfolg sei nicht nur der persönliche Erfolg, sondern auch der Wohlstand, die Wirtschaft und demokratiepolitische Fragen abhängig, unterstrich Schmied. Das kommende Schuljahr werde stark von Umsetzungsmaßnahmen bestimmt sein. Es sind vor allem zwei "Langfristprojekte", die mehrere Generationen von Lehrerinnen und Lehrern prägen werden: nämlich die "PädagogInnenbildung NEU" und das neue Dienst- und Besoldungsrecht für neueintretende Lehrer. Sie werde sich diesen Projekten, die "gut vorbereitet sind, voll und ganz widmen", verdeutlichte Ministerin Schmied.

In Sachen neue PädagogInnenausbildung betonte Schmied nochmals, dass die PädagogInnenbildung künftig eine "universitäre Heimat" braucht, etwa in Form von sieben bis neun pädagogischen Universitäten. Klar ist, dass sich diese Institutionen zu 100 Prozent der Aus- und Fortbildung, der Forschung und auch der Schulentwicklung widmen müssen. Was die Frage der Träger der neuen Lehrerausbildung (Pädagogische Hochschulen oder Universitäten) betrifft, meinte Schmied, dass für sie als Verantwortliche für den Bildungsbereich hier eine Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen zu Pädagogischen Universitäten gut vorstellbar sei. Über die Frage der Träger sei im Sommer zu diskutieren, ergänzte Schmied.

Zum neuen Dienstrecht betonte Schmied, dass die eingesetzten Arbeitsgruppen intensiv arbeiten und dass überdies ein genauer Zeitplan vereinbart wurde. Wichtig sei es vor allem, das neue Dienstrecht so zu gestalten, dass es attraktiv und wettbewerbsfähig ist (z.B. höhere Einstiegsgehälter). Die Bildungsministerin bedankte sich bei den Lehrenden, den Schul- und Sozialpartner und bei SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer für die gute Zusammenarbeit. Auch die Landesschulräte sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulbehörden und ihres Ministerium seien wichtig für die Umsetzung der Bildungsreformen, sagte Schmied bei der Schulschluss-Pressekonferenz.

Service: Umfangreiche Informationen, eine grafische Darstellung der umgesetzten Bildungsreformen und aufschlussreiches Zahlenmaterial gibt es unter http://www.bmukk.gv.at/ und auf http://www.facebook.com/bmukk (Schluss) mb/ah

Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien Tel.: 01/53427-275 http://www.spoe.at/impressum

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/195/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

PK Schmied: Schulschluss

 

Liebe Genossin!

Lieber Genosse!

 

 

Anbei übermittle ich die Pressemappe und einige Informationen zur heutigen Schulschluss-Pressekonferenz von BM Dr. Claudia Schmied.

 

 

MfG,

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

2011.06.30: Newsletter Unterricht

 

SN – 30. Juni 2011

 

 

Oberstufe neu: Ab jetzt wird begutachtet

Sitzenbleiben. Zwei Monate können nun Einwände gegen das Aufsteigen mit zwei bis drei Fünfern gemacht werden.

Inge BaldingerMaria Zimmermann Wien (SN). Bis zum Ende der Begutachtungsfrist – das ist der 23. August – kann sich zwar noch vieles ändern. Seit der Gesetzesentwurf, mit dem die Oberstufe tiefgreifend reformiert werden soll, Mittwochvormittag auf der Homepage des Parlaments veröffentlicht wurde, liegt aber zumindest der konkrete Vorschlag auf dem Tisch. Bisher herrschte vor allem Verwirrung. Vor allem um diese Fragen: Ab wie vielen Fleck im Zeugnis bleiben Oberstufenschüler sitzen? Steigen sie automatisch mit drei Fünfern auf? Oder hat die Lehrerkonferenz da noch ein Wörtchen mitzureden?

Stand der Dinge: Auf Druck der ÖVP wurde die Zahl der Fünfer, mit denen Oberstufenschüler in Zukunft automatisch aufsteigen dürfen, in letzter Sekunde von drei auf zwei gekürzt (derzeit darf mit Zustimmung der Klassenkonferenz mit einem Fünfer aufgestiegen werden, Anm.). In Ausnahmefällen soll's freilich trotzdem auch mit drei Fünfern in die nächste Klasse gehen: Allerdings nur ein Mal und nur dann, wenn die Klassenkonferenz zustimmt; was wiederum den Segen des Begleitlehrers des betroffenen Schülers voraussetzt, der wiederum in engem Kontakt mit dessen Eltern stehen muss.Module werden zentral geregelt Ansonsten hat sich gegenüber den bisherigen Plänen wenig geändert. Beginnend mit 2012/13 soll ab der 2. Klasse Oberstufe (zehntes Schuljahr) das Modularsystem eingeführt werden. Die AHS macht den Anfang, nach und nach folgen alle berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS). Bis spätestens 1. März 2016 soll der Umbau abgeschlossen und alle Lehrpläne ans Modularsystem angepasst sein.

Modularsystem bedeutet, dass der Stoff jedes Schulfachs in mindestens zwei Module pro Semester geteilt wird – im Gesetzesentwurf ist von „zumindest zwei Kompetenzbereichen" die Rede. Jedes Modul gilt als Einheit für sich und muss positiv bestanden werden. Wird auch nur eines der Module negativ abgeschlossen, steht im Semester- oder Jahreszeugnis ein Fünfer. (Der steht natürlich auch drinnen, wenn mehrere Module eines Fachs nicht geschafft wurden.) Allerdings soll mit „Lernbegleitern" und Förderkursen intensiv danach getrachtet werden, dass es gar nicht so weit kommt (Stichwort: Frühwarnsystem). Werden Module trotzdem nicht bestanden, müssen sie nachgeholt werden – und zwar ausnahmslos alle. Andernfalls kann spätestens zur Matura nicht angetreten werden. So gesehen bedeutet die Oberstufe neu eine Verschärfung.

Die erste Möglichkeit, ein Modul nachzumachen, ist vier Wochen nach Beginn des Folgesemesters, die zweite weitere vier Wochen darauf; ab der dritten Chance – die womöglich schon ins nächste Schuljahr fällt – kann sich der Schüler den prüfenden Lehrer aussuchen. Dann gibt's noch eine allerletzte Möglichkeit mit Zustimmung des Schulleiters.

Die Module sollen bis 2016 zentral geregelt werden. Das war dem Vernehmen nach ein Wunsch der Lehrerschaft. Für die BMHS gibt es derzeit 600 (!) verschiedene Lehrpläne. Und 90 Prozent (!) der Gymnasien sind in irgendeiner Form an einem Schulversuch beteiligt – ob als Schwerpunktschule oder Neue Mittelschule. Zentral geregelte Module sollen es für Schüler einfacher machen, die Schule zu wechseln.

 

 

SN – 30. Juni 2011

 

 

Da teurer, dort billiger

Wien (SN-i.b., zim). In den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf für die neue Oberstufe ist die Kostenabschätzung – eigentlich gesetzlich vorgeschrieben – offenbar bewusst vage gehalten: Von „Kostenneutralität" ist da die Rede, weil sich die Mehrausgaben für die Begleitlehrer und die Förderkurse mit dem „die Waage halten", was durch weniger Sitzenbleiber gespart wird.

Zuletzt wiederholten laut Unterrichtsministerium zehn Prozent der Oberstufenschüler (oder rund 30.000 Schüler) eine Klasse. Allerdings sind darin auch die Repetenten der besonders selektiven neunten Schulstufe enthalten. Die Oberstufe neu gilt aber erst ab der zehnten Schulstufe (also 2. HTL oder HAK etc.). Zwischen der zehnten Schulstufe und dem BMS-Abschluss bzw. der AHS- oder BHS-Matura gibt es laut Institut für Höhere Studien nicht ganz 10.000 Repetenten.

Im Finanzministeriums schätzt man, dass jeder Repetent weniger dem Staat 7000 Euro spart. Darin ist alles enthalten: Von der um ein Jahr kürzeren Schülerfreifahrt über weniger Familienbeihilfe und Absetzbeträge für die Eltern und weniger Unterrichtsstunden bis zum früheren Berufseinstieg der Ex-Schüler, die damit früher Steuern und Beiträge zahlen.

Die große Frage ist: Wie viel Geld gibt es für den doch großen Mehraufwand der Lehrer? Dazu muss unter anderem geklärt werden, welche Aufgabe die neuen Lernbegleiter haben. Beraten sie schwache Schüler nur oder unterrichten sie sie auch? Erst dann kann darüber geredet werden, was „eine angemessene Abgeltung ist", wie es Jürgen Rainer, Vorsitzender der BMHS-Gewerkschaft ausdrückt. Skeptisch steht die Gewerkschaft der Idee gegenüber, die Mehrleistungen wie Supplierstunden abzugelten.

Fest steht, dass die Lehrpläne für die Oberstufen umgeschrieben werden müssen. Rainer geht davon aus, dass es wegen der Umstellung auf Module auch neue Schulbücher braucht. Für die AHS-Oberstufe wird das nach Ansicht des obersten Gewerkschafters Eckehard Quin nicht notwendig sein.

Ab Herbst wird es jedenfalls rundgehen: Spätestens dann beginnen die Verhandlungen zwischen Bildungsministerium und Lehrergewerkschaft über die neue Oberstufe.

 

 

SN – 30. Juni 2011

 

Schulmodell für Skistars

heidi huberStams (SN). Seit 1967 ist das Aufsteigen mit Fünfern am Skigymnasium Stams gängige Praxis, denn so lang gibt es die häufig bezeichnete „Kaderschmiede für Skisportler" im kleinen Tiroler Ort im Inntal bereits. Das „Leistungsstufensystem" wurde schon damals als Schulversuch definiert und ist im 44. Jahr aus dem Alltag der vierjährigen Handelsschule bzw. des fünfjährigen Oberstufenrealgymnasiums nicht mehr wegzudenken. Bekannte ÖSV-Stars wie Doppelweltmeisterin Elisabeth Görgl, Skisprungstar Gregor Schlierenzauer und Skiasse wie Benjamin Raich, Mario Matt, Stefan Eberharter und Mario Scheiber profitierten seither von diesem System. Dass rund drei Schüler pro Klasse in mindestens einem Fach „hinten" sind – also das Fach in der vorigen Schulstufe absolvieren – ist die Normalität.

„Theoretisch ist in diesem System alles möglich", sagt Direktor Arno Staudacher. In der Regel heißt das: Der Aufstieg mit zwei Fünfern für die Nachwuchssportler funktioniert problemlos. „Ab drei Fünfern hat es keinen Sinn mehr. Dazu braucht es einen Konferenzbeschluss und den gibt es in 99,9 Prozent der Fälle nicht", schildert Staudacher. Denn auf den Schulabschluss wird im Skigymnasium Stams genauso viel Wert gelegt wie auf sportliche Erfolge.

Eine weitere Ausnahmeregelung: In jenem Fach, das zurückgelassen wurde, kann am Ende des Jahres eine Aufstiegsprüfung absolviert werden. Gelingt diese, ist der Schüler im kommenden Schuljahr wieder in allen Fächern regulär in „seiner" Klasse. Gelingt das bis zum Ende der Schulzeit von Handelsschule oder Gymnasium nicht, dann kann der Abschluss extern nachgeholt werden. Der Schüler ist dann nur verpflichtet, bei Schularbeiten und Tests anwesend zu sein und sich so bis zur Matura oder dem Handelsschulabschluss durchzuarbeiten.

 

 

Österreich – 30. Juni 2011

 

Bildungsreform 

Kippen Lehrer Fünfer-Reform?

Mehr Geld für Nachhilfe: Finanz-Konzept wackelt.

Ab dem Schuljahr 2012/13 ist Aufsteigen mit zwei Fünfern in der Oberstufe möglich. Jetzt wollen Lehrer aber mehr Geld für die Nachhilfestunden.

Dabei soll die neue Oberstufe mit Modulsystem nicht mehr kosten: Im Gesetzesentwurf, den Unterrichtsministerin Claudia Schmied zur Begutachtung aussandte, soll es zwar wegen der Förderkurse für schwache und den Angeboten für hochbegabte Schüler zu Mehrausgaben kommen.

Geld sparen durch weniger Ehrenrunden
Weil aber weniger Schüler sitzen bleiben und sich Schmied durch wegfallende "Ehrenrunden" Geld erspart, ginge sich das Ganze aus. Neue Forderungen der Lehrer könnten das Konzept aber ins Wanken bringen: Die Gewerkschaft will nicht akzeptieren, dass sie für Förderkurse so viel bekommen wie derzeit für Supplierstunden. Mehr Aufwand – mehr Geld. Der Chef der Lehrer an den Berufsbildenden Schulen (BHS), Jürgen Rainer, zu ÖSTERREICH: "Wenn es darum geht, als Lerncoach den Schülern zu sagen, dass sie mehr lernen sollen, sind die Entschädigungen für die Supplierstunden in Ordnung. Wenn es um tatsächliche Förderkurse geht, wo ich als Lehrer eine Vor- und eine Nachbereitung habe, dann verlange ich darüber Verhandlungen." Konkret, so Rainer bekämen BHS-Lehrer derzeit für eine Supplierstunde zwischen 10 und 12 Euro. Unterrichtsstunden würden hingegen doppelt so hoch bewertet.

Bis zu 24 statt nur 12 Euro pro Stunde für Lehrer
Will Schmied, dass es richtige Förderkurse für schwache Kinder gibt, müsste sie den Lehrern pro Stunde um 12
mehr bezahlen als geplant. Die Reform sieht vor, dass Schüler mit bis zu zwei Fünfern aufsteigen dürfen. Einmal in der Laufbahn geht es mit einem Okay der Klassenkonferenz auch mit drei "Nicht genügend".

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Mittwoch, 29. Juni 2011

2011.06.29: Unterricht

 

APA0106 II, XI 29.06.2011 10:16:36

 

Sitzenbleiben - Reform der Oberstufe soll kostenneutral möglich sein

Utl.: Mehrausgaben für Lernbegleiter, aber Einsparungen durch weniger Klassenwiederholungen - Auch Ausweitung der Integration auf die neunte Schulstufe in Begutachtung

Schulen/Reform/Budget

Trotz des höheren Personaleinsatzes soll die von der Regierung geplante Reform der Oberstufe von AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) kostenneutral möglich sein. So steht es zumindest in den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf, mit dem der Schulversuch der Modularen Oberstufe bis 2016 flächendeckend ausgeweitet werden soll. Durch die in dem Modell vorgesehenen Lernbegleiter und Förderkurse für schwache Schüler aber auch Angebote für überdurchschnittlich Begabte werde es zwar zu Mehrausgaben kommen. Dank der erhofften wesentlichen Verringerung von Klassenwiederholungen soll die Reform dennoch kostenneutral möglich sein, heißt es in dem Entwurf, der nun in Begutachtung gegangen ist. Die Frist läuft bis 23. August.

"In Summe werden sich die daraus entstehenden Mehrausgaben mit den o.g. Minderausgaben (durch weniger Repetenten, Anm.) die Waage halten, wodurch von einer Umschichtung von vorhandenen Ressourcen und damit von Kostenneutralität ausgegangen werden kann." Die zusätzlichen Personalkosten werden in dem Papier nicht beziffert, diese sollen "detailliert in den Novellen der betroffenen dienst- und besoldungsrechtlichen Materien" dargestellt werden.

Die Lehrer-Vertreter der AHS und BMHS haben auf die Ankündigung von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S), die Leistungen der Lernbegleiter ähnlich wie Supplierstunden zu entlohnen, allerdings skeptisch reagiert. Für mehr Aufwand müsse es mehr Geld geben, so der Standpunkt der Gewerkschafter.

Laut dem Gesetzesentwurf sollen die Lernbegleiter als Vertrauensperson von Schülern fungieren, denen ein Nicht Genügend in einem oder mehreren Modulen, in die Semester in diesem Modell unterteilt sind, droht. Sie sollen den Schülern "motivationale Kraft geben, Lernreserven für ein bestimmtes oder für mehrere Fächer zu schaffen und zu nutzen" und ihnen beim Entwickeln von Lernstrategien und -organisation helfen. Außerdem sollen sie mit den Lehrern des betroffenen Schülers zusammenarbeiten.

Gleichzeitig mit dem Entwurf für die Modulare Oberstufe wurde auch der Entwurf für die Ausweitung der Integration von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf die neunte Schulstufe in Begutachtung geschickt. Diese sollen künftig die Polytechnische Schulen bzw. die österreichweit elf einjährigen Haushaltungsschulen (Fachschulen für wirtschaftliche Berufe) besuchen können, auch wenn sie die achte Schulstufe nicht positiv abgeschlossen haben. Bei Bedarf können sie auch nach dem Sonderschullehrplan unterrichtet werden. Derzeit läuft ein entsprechender Schulversuch an 120 der 265 Polys, drei Prozent der rund 20.600 Schüler haben Sonderpädagogischen Förderbedarf.

(schluss) jle;cm;jul

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Info zum Begutachtungsentwurf "Oberstufe NEU"

 

Liebe Genossin!

Lieber Genosse!

 

 

Anbei übermittle ich eine Info zum Begutachtungsentwurf „Oberstufe NEU“.

 

 

MfG,

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3569
kurt.schober@spoe.at

 

2011.06.29: Unterricht

 

Die Presse – 29. Juni 2011

 

Neue Oberstufe: Aufstieg mit zwei (bis drei) Fünfern

BERNADETTE BAYRHAMMER 

Die Regierung hat sich nach langem Hin und Her auf einen Kompromiss geeinigt. Der neue Entwurf entschärft zwar die Stammtischdebatten, in der Praxis wird der Unterschied aber gering sein.

Wien. Nach langem Hin und Her haben sich ÖVP und SPÖ nun im Streit um das Sitzenbleiben auf einen Kompromiss geeinigt. Wer drei Fünfer hat, wird künftig sitzen bleiben müssen – es sei denn, die Klassenkonferenz drückt ein Auge zu. Sichtlich zufrieden war ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger. Er hatte den Entwurf, den Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon in der Vorwoche präsentiert hatten, zurückgepfiffen: Aufsteigen mit bis zu drei „Nicht genügend" schien der ÖVP „leistungsfeindlich".

Beschreibung: http://squid.diepresse.com/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/diepresse.com/bildung/schule/hoehereschulen/L28/1893211502/Middle2/diepresse/house_stayfriends_sl_0408/house_stayfriends_sl_0408.html/77704777685531637a4b454143637a72?_RM_EMPTY_&673571&width=1314Am Dienstag frohlockte Spindelegger nun: „Man kann nicht mit drei Fünfern aufsteigen, wie ich es verlangt habe", sagte er vor dem Ministerrat – eine Darstellung, für die ihn Schmied kurz darauf rügte. Denn Aufsteigen mit drei „Nicht genügend" sei sehr wohl möglich. Konkret sieht es so aus, dass ein Aufstieg mit zwei Fünfern automatisch möglich ist – die Schüler müssen über den negativ beurteilten Stoff aber eine Prüfung bestehen, um den Fünfer auszubügeln. Bei einem dritten „Nicht genügend" kann die Klassenlehrerkonferenz eine Ausnahme machen: Ein Aufstieg ist möglich, wenn die Note durch außergewöhnliche private Umstände erklärbar ist – Krankheiten etwa oder familiäre Probleme. An der genauen Formulierung dieses Passus wurde bis zuletzt gefeilt.

 

Entschärfte Debatte

Je nachdem, wie die einzelnen Schulen die Vorgaben umsetzen, wird der Unterschied zum vorigen Entwurf aber marginal sein, zumal auch nur die wenigsten Schüler wegen mehr als zwei „Nicht genügend" sitzen bleiben. „Der Entwurf bringt letztlich eine Entschärfung der Debatten am Stammtisch", sagt Jürgen Rainer, Vertreter der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Die Frage nach der Zahl der Fünfer sei sekundär, sagt auch sein AHS-Pendant Eckehard Quin. „Es kommt auf die Rahmenbedingungen an."

Für den Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Uni Wien ist der springende Punkt die frühzeitige Förderung von Schülern mit Leistungsdefiziten. „Die Frage ist, ob man diese Schüler frühzeitig abfangen kann." Gewerkschafter Rainer ist diesbezüglich optimistisch: Werde die Förderung tatsächlich so ausgebaut wie angekündigt, würden ohnehin kaum Schüler negativ abschließen. Dann erübrige sich die Debatte: „Drei Fünfer wird es nicht mehr geben, wenn das System vorher greift."

Für Spindelegger ist mit dem Kompromiss jedenfalls klar, dass der Leistungsgedanke weiter zähle. Dieser dürfte bei dem neuen Modell aber ohnehin nicht gefährdet sein: Jedes Modul (mindestens zwei davon gibt es pro Semester und Fach) muss positiv absolviert werden. Während ein Schüler derzeit mit der sogenannten „Aufstiegsklausel" mit einem Fünfer im Zeugnis aufsteigen kann, ohne diesen je auszubessern, muss künftig jedes negative Modul mit einer Prüfung ausgebügelt werden.

Schlecht beim Lesen im Netz

Während über das Sitzenbleiben diskutiert wird, hat eine Zusatzuntersuchung zum jüngsten PISA-Test Österreich erneut ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Demnach sind die heimischen Schüler beim sinnerfassenden Lesen von Texten im Internet noch schlechter als beim Lesen gedruckter Texte. Erzielten die 15- bis 16-Jährigen bei gedruckten Texten noch 470 Punkte, waren es bei digitalen Texten nur 459 Punkte.

 

 

Die Presse – 29. Juni 2011

 

Aufsteigen mit zwei Parteien

OLIVER PINK 

Und diese Regierung arbeitet doch. Die meiste Arbeit macht sie sich allerdings selbst.

Vorige Woche herrschte noch große Aufregung in der Volkspartei, da deren Bildungssprecher Werner Amon in den Verhandlungen mit der sozialdemokratischen Bildungsministerin Claudia Schmied dem Aufsteigen mit drei Fünfern zugestimmt hatte. Gestern wurde im Ministerrat das Aufsteigen mit zwei Fünfern – bei einem dritten entscheidet dann das Lehrerkollegium – von ÖVP und SPÖ beschlossen. Der Unterschied ist also relativ marginal und mit freiem Auge kaum erkennbar. Aber was wäre eine Koalitionsregierung ohne Aufregung ab und an.

Die meiste Arbeit macht man sich ohnehin gern selbst: ausverhandeln, nachverhandeln, neu verhandeln, zwischendurch das Ganze ad acta legen, um sich letztlich dann doch wieder zu einem Kompromiss, dem kleinsten gemeinsamen Nenner der großen Koalitionsregierung, durchzuringen.

Aber immerhin: Bei der Kärntner Ortstafellösung, dem Prestigeerfolg dieser Regierung, ist sie von diesem Konzept abgewichen. Da wird das, was ausverhandelt wurde, auch beschlossen.

Wahrscheinlich funktioniert das hier deshalb, weil SPÖ und ÖVP wirklich einmal einer Meinung sind und – wie in jeder besseren Familie – das trotzige, pubertierende Kind, in diesem Fall der Rat der Kärntner Slowenen, die Eltern noch näher zusammenrücken lässt.

 

 

Die Presse – 29. Juni 2011

 

Trennung zwischen Unis und PH endet

Einen verpflichtenden Master-Abschluss für alle Pädagogen und eine eigenständige Pädagogische Uni, das empfiehlt die Vorbereitungsgruppe. Ein Verfahren zur Eignungsfeststellung soll installiert werden.

Wien/J.n. In der Lehrerausbildung soll kein Stein auf dem anderen bleiben, das steht nach der Präsentation des Endberichts der Vorbereitungsgruppe zur neuen Lehrerbildung fest. Die Trennung zwischen Unis und Pädagogischen Hochschulen (PH) soll fallen, die Ausbildung auf ein Bachelor-/Master-System umgestellt und ein Verfahren zur Eignungsfeststellung installiert werden. Im Herbst 2013 soll die neue Ausbildung starten. Die Umsetzung obliegt nun der Koalition.

Die Neuerungen:

Die Ausbildung: Das neue Konzept sieht vor, dass nicht nur angehende Lehrer, sondern auch Kindergartenpädagogen ein vierjähriges Bachelor- sowie ein einjähriges Masterstudium absolvieren. Nach Abschluss des Bachelors beginnt die einjährige „Induktionsphase", in der alle angehenden Lehrer (unter fachkundiger Betreuung) bereits am Schulstandort arbeiten. Der Master kann entweder während dieser Induktionsphase oder aber auch nachher (innerhalb von fünf Jahren) absolviert werden. Passiert das nicht, so erhält der Lehrer keine Berechtigung, „auf Dauer alleinverantwortlich" tätig zu sein. Auch das Bild der Hauptschul- bzw. AHS-Lehrer wird schon bald der Vergangenheit angehören: Künftig sollen Lehrer entweder für den Elementar- und Primarbereich (null bis zwölf Jahre) ausgebildet werden oder für den Sekundarbereich (acht bis 19 Jahre).

Die Institution: Die Trennung zwischen Unis und PH wird es künftig nicht mehr geben. In zehn Jahren soll es nur noch sogenannte Pädagogische Unis geben. Dabei sollten sich entweder die PH zu Pädagogischen Unis weiterentwickeln, in dem sie Kooperationen mit Unis eingehen, oder umgekehrt. Um zur Pädagogischen Uni zu werden, müssen bestimmte, von einem Entwicklungsrat festgelegte Kriterien erfüllt werden. Dieser soll den Institutionen auch bei der Weiterentwicklung beistehen.

Die Eignungsfeststellung: Geplant ist, dass Lehramtsstudenten während der ersten beiden Semester – in denen sie auch schon Praxiserfahrungen sammeln sollen – unter Beobachtung stehen. Danach sollen Beobachter und Studierende gemeinsam entscheiden, ob der Lehrberuf das Richtige für Letztere ist. Tests sind keine vorgesehen.

 

 

KLZ – 29. Juni 2011

Zwei "Fleck" sind genügend

Die Bundesregierung hat sich auf das Modulsystem für die Oberstufe geeinigt. Ab drei Fünfern bleibt man auch in Zukunft sitzen - es sei denn, die Lehrerkonferenz entscheidet anders.

Mit drei Fünfern wird man auch in Zukunft durchfallen - außer die Lehrerkonferenz drückt einmal ein Auge zu. Das hat ÖVP-Bundesobmann Michael Spindelegger in den Gesetzesentwurf zur Oberstufenreform hinein reklamiert, damit der "Leistungsgedanke" gewahrt bleibe, wie er meint. Die Bildungspolitiker beider Koalitionsparteien wollten eigentlich ein automatisches Aufsteigen mit drei "Fleck" erlauben und das Sitzenbleiben de facto abschaffen.

Der Kompromiss der Bundesregierung im Detail: Aufsteigen mit drei Fünfern wird möglich sein, aber nur ein Mal und nur, wenn alle Lehrer der Klasse dem zustimmen. Ein Schüler mit einem oder zwei Nicht Genügend steigt automatisch auf. Derzeit - und in der Unterstufe weiterhin - kommt ein Schüler mit höchstens einem Fünfer und dem Segen der Lehrerkonferenz in die nächste Klasse - es sei denn, er hat die Aufstiegsklausel im betreffenden Fach im Jahr zuvor strapaziert.

Beginnend im Schuljahr 2012/13 werden die 9. Schulstufen von Gymnasien und BHS auf das neue System umstellen: Der Lehrstoff wird in Module unterteilt. Nur wer jedes Modul eines Faches besteht, bekommt eine positive Note im Jahreszeugnis. Schwächelt ein Schüler in einem Modul, bekommt er einen anderen als seinen Fachlehrer als "Lernbegleiter" an die Seite gestellt, der ihm hilft, das versäumte nachzuholen - von Lern-CDs über Einzelunterricht bis zu Fördergruppen ist dabei vieles erlaubt. Absolviert der Schüler das Modul trotzdem nicht positiv, hat er im Laufe des nächsten Jahres mehrmals die Möglichkeit, eine Art kleine Nachprüfung dafür abzulegen. Zur Matura zugelassen wird nur, wer alle Module aller Schulstufen bestanden hat.

Die andere Seite der Medaille: Hochbegabte Schüler können diese Prüfungen vorziehen und so vor der Zeit in einzelnen Fächern Maturareife erlangen.

Manche in der ÖVP bleiben aber skeptisch: Der Vorarlberger Schullandesrat Siegi Stemer befürwortet zwar das Modulsystem, das Aufsteigen mit zwei Fünfern ist ihm aber immer noch zu extrem. Er sagt: "Es wird eine Zahl von Schülern geben, bei denen das nichts bringt."

EVA WEISSENBERGER

 

 

KLZ – 29. Juni 2011

Spindelegger hat Modul Bildung doch bestanden

Die Oberstufe wird - fast - wie geplant reformiert.

Würde die Bundesregierung, die Oberstufe der heimischen Politik, nach dem Modulsystem arbeiten, stünde im Zeugnis des Vizekanzlers: Michael Spindelegger hat das Modul Bildungspolitik doch noch bestanden.

Die Bundesregierung beschloss gestern die Oberstufenreform. In Zukunft wiederholen Schüler nicht mehr ganze Klassen, nicht einmal den ganzen Jahresstoff eines Faches, sondern lernen nur mehr das Modul nach, in dem sie nicht genügt haben. Dafür nützt ein Einser in Geometrie im Wintersemester nichts, wenn man Algebra im Sommersemester nicht kapiert. Begabte ziehen Module vor, um in einzelnen Fächern früher zu maturieren und schon Univorlesungen zu belegen, während sich die Klassenkameraden noch mit dem Stoff der 7. Klasse plagen.

Genau das haben Sie in dieser Zeitung schon vor zwei Wochen gelesen? Stimmt, sehr aufmerksam - nur Spindelegger wollte das nicht verstehen. Dabei trennt bei diesem Thema nicht einmal ein ideologischer Graben die Lager: Alle wollen schlechte Schüler fördern, gute fordern und Noten nicht verschenken. Eine Revolution ist das Modulsystem nicht, dafür hätte man den Klassenverband nach amerikanischem Vorbild auflösen und ein echtes Kurssystem einführen müssen.

Also gab es ein bisschen Getue und, damit Spindelegger sein Gesicht wahren kann, wurde eine Nuance verändert: Mit drei Fünfern steigt man nicht mehr automatisch auf, sondern nur, wenn die Lehrerkonferenz zustimmt, und das nur ein Mal. Was in der Praxis keinen Unterschied bewirken wird, denn, dass ein Schüler sechs Module oder mehr noch aufholen könnte, wäre auch nach dem ursprünglichen Plan die Ausnahme von der Ausnahme geblieben. Das zeigen die einschlägigen Schulversuche: In der neuen Oberstufe geben fast genauso viele Schüler auf wie bisher, aber diejenigen, die bleiben, kommen schneller ans Ziel.

Eh alles paletti? Spindelegger wollte den Anwalt der Leistungsstarken spielen und hat dabei eine der wenigen Leistungen, welche die Koalition in diesem Schuljahr vorweisen kann, schlechtgeredet. Er hat den Eindruck vermittelt, Partei- sei ihm wichtiger als Bildungspolitik. Aber gut, um im Bild zu bleiben, er ist ja der Vorzugsschüler aus der 6. Klasse, der erst zu Ostern in die 7. versetzt wurde.

Warum ihn Werner Faymann bei der Wählerverwirrung unterstützt hat, bleibt des Kanzlers Geheimnis. Bang blickt man dem Modul Bundesheer im Wintersemester entgegen. Das haben dieses Semester beide geschwänzt.

 

 

OÖN – 29. Juni 2011

 

Lichtblicke

Auf dem Weg aus der rot-schwarzen Finsternis?

Auch wenn es eine Einigung mit Hängen und Würgen war – mit der auf den Weg geschickten Oberstufenreform hat die Koalition kurz vor der Sommerpause ihrem bisherigen Lippenbekenntnis vom Bildungsjahr endlich eine Tat folgen lassen. Noch weit davon entfernt, aber im Ansatz vielversprechend ist das Konzept für eine aufbauende Ausbildung für Pädagogen vom Kindergarten bis zur Matura. Ebenfalls auf der Habenseite dieses Halbjahres ist der seitens der Regierung tadellos gelöste leidige Kärntner Ortstafel-Konflikt.

Und als vielleicht wichtigste Voraussetzung für diese Lichtblicke hat SP-Kanzler Werner Faymann den alles hemmenden und für ihn längst peinlichen Kreuzzug seines Verteidigungsministers gegen die Wehrpflicht vorerst abgedreht. Ob dahinter die ernste Absicht steht, die rot-schwarze Finsternis tatsächlich zu beenden, wird sich erst beim Start in die Herbstarbeit weisen.

 

 

OÖN – 29. Juni 2011

 

Sitzenbleiben: Ein Fünfer weniger sichert den Kompromiss

WIEN. Zwei statt, wie zunächst geplant, drei Fünfer dürfen Oberstufenschüler künftig im Jahreszeugnis höchstens haben, um in die nächste Klasse aufzusteigen. Mit diesem Zugeständnis holt Bildungsministerin Claudia Schmied (SP) die ÖVP bei der modularen Oberstufe wieder ins Boot.

Schmied hat ihren Gesetzesentwurf für die Umstellung auf ein Kurssystem an Gymnasien und berufsbildenden mittleren Schulen ab der 10. Schulstufe gestern – mit einiger Verzögerung – in Begutachtung geschickt.

Entgegen ihrer ursprünglichen Ankündigung hat die Bildungsministerin die zuletzt überraschend aufgetauchten Begehrlichkeiten der ÖVP doch noch berücksichtigt und den Entwurf verändert: Wer mehr als zwei Fünfer im Jahreszeugnis hat, steigt auch künftig nicht in die nächste Klasse auf – ursprünglich wäre ein Aufsteigen mit bis zu drei „Nicht genügend" geplant gewesen.

„Wie ich es verlangt habe" sei ein automatisches Weiterkommen mit drei Fünfern nun nicht möglich, zeigte sich VP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger nach dem gestrigen Ministerrat mit der nunmehr gefundenen Lösung zufrieden. Auch Bundeskanzler Werner Faymann (SP) lobte den gefundenen Kompromiss.

Eine Restchance auf den Aufstieg mit drei Fleck gibt es freilich: Unter besonderen Umständen, etwa bei langer Krankheit oder Scheidung der Eltern, kann die Klassenlehrerkonferenz einem Schüler das Sitzenbleiben ersparen – dies allerdings nur einmal in seiner gesamten Oberstufenkarriere.

Schmied stört nicht, dass sie der ÖVP nach deren ursprünglicher Zustimmung nun weitere Zugeständnisse machen musste: „Wichtig ist, dass wir ins Ziel kommen." Spindelegger verteidigte den Schwenk seiner Partei: „Es ist legitim, noch einmal über etwas zu diskutieren", sagte er. Immerhin „haben wir uns innerhalb einer Woche geeinigt, das ist zumutbar", befand der VP-Chef.

Die Opposition hält wenig von den Regierungsplänen: FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz lehnt ein Aufsteigen mit Fünfern überhaupt ab. Für den Grünen Bildungssprecher Harald Walser kann es in einem „echten Modulsystem" kein Sitzenbleiben mehr geben: „Was man positiv abschließt, setzt man fort, was negativ ausfällt, wiederholt man – Kurs für Kurs." Das BZÖ zweifelt daran, dass das neue System dem Leistungsgedanken entspricht.

Am Zeitplan für die Umsetzung ändert sich auch durch die neuerliche Koalitionseinigung nichts: Über den Sommer wird der Entwurf diskutiert, Präzisierungen sollen im Herbst folgen. Starten soll das Kurssystem dann sukzessive ab dem Schuljahr 2012/13, bis 2016 sollen alle Oberstufen umgestellt sein.

 

Lehrer-Ausbildung

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (VP) gehen in die Verhandlungen über eine neue Ausbildung für Pädagogen vom Kindergarten bis zur Matura. Das Arbeitspapier sieht als Basisausbildung ein vierjähriges Bachelorstudium entweder für die Altersgruppe null bis zwölf oder acht bis 19 Jahre vor. Danach folgt ein Jahr Praxis und ein einjähriges Masterstudium.

 

Neue PISA-Schelte

Ein Zusatzergebnis aus der Reihe der PISA-Bildungsstudien bringt Österreichs 15- bis 16-Jährigen den vorletzten Platz unter 16 OECD-Ländern ein. Die 2622 getesteten Schüler schnitten beim sinnerfassenden Lesen von Texten elektronischer Medien (Internet, E-Mails, Blogs) noch schlechter ab als beim Lesen in gedruckten Medien. In dieser Kategorie belegte Österreich 2009 den 31. von 34 Rängen.

 

 

OÖN – 29. Juni 2011

 

Neue Oberstufe: Kurse statt Klassenwiederholung

WIEN. Wird das Sitzenbleiben abgeschafft und kann man mit einem Fünfer trotzdem zur Matura antreten? Das neue Oberstufen-Modell wirft viele Fragen auf, die OÖNachrichten haben die Antworten.

1 Wie funktioniert das Kurssystem für die Oberstufe?

Der Jahreslernstoff wird künftig in allen Fächern künftig auf Module aufgeteilt – jeweils zwei pro Semester, also vier pro Jahr.

 

2 Wie werden die Zeugnisnoten ermittelt?

Grundsätzlich kann es nur dann eine positive Zeugnisnote geben, wenn alle Module positiv absolviert werden. Eine Beurteilung mit „Nicht genügend" soll künftig aber durch ein Frühwarnsystem weitgehend vermieden werden: Bei Leistungsschwächen soll ein Lerncoach, etwa ein Fachlehrer aus einer anderen Klasse, dem Schüler helfen, seine Defizite auszubessern.

 

3 Was passiert bei einem mit „Nicht genügend" beurteilten Modul?

Der Schüler muss die entsprechende Prüfung nachholen, kann dies aber auch erst im nächsten Schuljahr tun. Bis zu drei Prüfungsantritte sind möglich, auf Entscheidung der Direktion auch ein vierter.

Ab dem dritten Prüfungsantritt kann ein Schüler sich von einem anderen Lehrer prüfen lassen.

 

4 Wird damit das Sitzenbleiben abgeschafft?

Nein. Zwar hofft die Regierung, dass durch das Frühwarnsystem künftig Fünfer im Jahreszeugnis zur Ausnahme werden – hat ein Schüler aber in mehr als zwei Fächern ein „Nicht genügend", darf er nicht aufsteigen. Bei drei Fünfern kann die Klassenlehrerkonferenz in Ausnahmefällen einen Aufstieg beschließen.

 

5 Müssen bei einer Klassenwiederholung alle Module, auch die bereits positiv absolvierten, nachgemacht werden?

Positive Noten bleiben erhalten. Wer also in Mathematik, Deutsch und Englisch einen Fünfer hat, in Biologie aber einen Zweier, kann sich bei der Klassenwiederholung nicht verschlechtern. In Absprache mit dem Lerncoach sollen Schüler sich für ein Aussetzen einzelner positiv absolvierter Fächer entscheiden können – oder sich auch dort zu verbessern versuchen. Ein Vorziehen von Modulen ist beim Sitzenbleiben nicht möglich.

 

6 Kann man mit einem „Nicht genügend" bis zur Matura gelangen?

Nein. Bevor ein Schüler zur Matura antreten darf, muss er alle Module positiv absolviert haben.

 

7 Können gute Schüler Klassen überspringen?

Jein: Wer besonders begabt ist, kann Module oder sogar Teile der Matura vorziehen. Das soll allerdings außerhalb der Regelschulzeit geschehen und muss an den Schulen selbst organisiert werden.

 

8 Ist das neue Kurssystem strenger als die bisherige Oberstufe?

Eigentlich ja: Zwar ist ein Aufsteigen künftig mit zwei statt wie bisher nur mit einem Fünfer möglich. Dafür gibt es keine Aufstiegsklausel mehr, die bisher ein Weiterkommen trotz „Nicht genügend" ermöglicht hat. Auch ein Fünfer aus dem Semesterzeugnis kann künftig nicht mehr einfach im Jahreszeugnis ausgebessert werden, da für den Maturaantritt sämtliche Module positiv absolviert werden müssen.

 

9 Wird die neue Oberstufe teurer?

Nach Angaben des Bildungsministeriums nicht: Durch die weitgehende Vermeidung des Sitzenbleibens ließen sich pro Schuljahr bis zu 40 Millionen Euro einsparen. Damit könne man die zusätzlichen Kosten für die Bezahlung der Lerncoaches abdecken, heißt es.

 

 

SN – 29. Juni 2011

 

Herumflicken an der Schule

Die SPÖ ist für Aufsteigen mit drei Fünfern, die ÖVP für Aufsteigen mit nur einem Fünfer, also was kommt heraus? Ganz logisch: Aufsteigen mit zwei Fünfern.

Die Konfliktbewältigung der Großen Koalition ist geschmeidig wie schon lang nicht mehr, was man loben sollte. Bleibt nur eine klitzekleine Frage: Wozu das alles?

Wir erinnern uns noch dunkel, wie die Bildungspolitik das Hohe Lied der Schulautonomie sang. Jede Schule solle ein eigenes Profil entwickeln, alles solle ganz individuell sein.

Jetzt haben wir die Zentralmatura mit österreichweit identen Fragen. Und es wird zentral vorgeschrieben, dass der Lehrstoff in zwei Modulen pro Semester abgeprüft werden muss. Wo bleibt da die Autonomie der Schule und des Lehrers? – Aber bei der nächsten Reform ist ohnehin wieder alles anders.pur

 

 

SN – 29. Juni 2011

 

 

Aufsteigen mit maximal zwei Fünfern fix

Wer drei Fünfer hat, wird auch künftig sitzen bleiben müssen - es sei denn, die Klassenkonferenz drückt ein Auge zu. Das ist der Kompromiss, den SPÖ und ÖVP am Dienstag geschlossen haben. Damit kann die „modulare Oberstufe" in Begutachtung geschickt werden.

·         Aufsteigen mit zwölf Fünfern

·         Schwerpunkt: Schule

 

Etabliert werden soll das neue System ab dem Schuljahr 2012/2013.

Eigentlich hatten sich Unterrichtsministerin Schmied und VP-Chefverhandler Amon schon vor zwei Wochen auf ein Modell verständigt, das einen Klassenaufstieg mit bis zu drei „Nicht Genügend" vorsah. Nach Kritik aus einigen VP-Länderorganisationen hatte Parteiobmann Spindelegger aber ein Zurück zum Start gefordert. Am Dienstag präsentierte er nun den Kompromiss, wonach ein Aufstieg mit zwei Fünfern automatisch möglich ist. Bei einem dritten kann einmal pro Schullaufbahn die Klassenkonferenz eine Ausnahme machen, wenn das schlechte Zeugnis durch private Umstände erklärbar ist. Für Spindelegger ist damit klar, dass der Leistungsgedanke weiterhin zähle.

Kanzler Faymann zeigte sich angetan. Der neue Modus bedeute keineswegs, dass man sich in zwei Fächern auf die faule Haut legen könne. Ganz im Gegenteil müssten ja auch hier alle Module positiv bewältigt werden. Nur gebe es mehr Gelegenheiten zum Antritt, um das teure Sitzenbleiben zu vermeiden, warb der SPÖ-Chef für die „modulare Oberstufe".

Tatsächlich ist es nicht so, dass den Schülern das Leben leichter gemacht wird. Ein Fünfer im Semesterzeugnis kann nämlich nicht mehr durch bessere Leistungen im zweiten Semester ausgebessert werden. Auch ein Antreten zur Matura ist nur möglich, wenn alle negativen Module positiv absolviert wurden.

Schmied, die sich letztlich dem Widerstand des Koalitionspartners in der Fünfer-Frage beugen musste, nahm es trocken: „Ich freue mich, dass jetzt die ÖVP voll auf Linie und auf Kurs ist." Mit der Umsetzung der Oberstufenreform will sie im September 2012 im Rahmen eines Stufenplans beginnen. Amon unterstrich einmal mehr, dass das neue System nicht nur aus der Fünfer-Frage bestehe. So werde die Möglichkeit geschaffen, Module vorzuziehen, womit sogar eine frühere Matura möglich sei.

Der Opposition gefallen die Pläne von Rot und Schwarz nicht. Die FPÖ bewertete automatisches Aufsteigen bei negativem Abschluss eines Moduls als „nicht sinnvoll". Ähnlich die Grünen: In einem wirklichen Modulsystem gebe es kein Sitzenbleiben. Das BZÖ wiederum bezweifelt, dass das Modell dem Leistungsgedanken folge.

 

 

SN – 29. Juni 2011

 

Fast Schlusslicht beim elektronischen Lesen

Wien (SN). Österreichs Schüler sind beim sinnerfassenden Lesen elektronischer Medien wie Internet, E-Mails oder Blogs noch schlechter als beim Erfassen gedruckter Texte. Das zeigte eine Zusatzuntersuchung für die internationale Bildungsvergleichsstudie PISA, die am Dienstag von der OECD veröffentlicht wurde. Österreich landete dabei unter den 16 Teilnehmerstaaten auf Platz 15. Die besten Ergebnisse erzielten die 15- bis 16-Jährigen in Südkorea, absolutes Schlusslicht hinter Österreich ist Chile.

Für die Zusatzstudie mit 16 teilnehmenden OECD-Ländern wurde eine Teilstichprobe aus den PISA-Schülern gezogen. Die österreichischen Daten beruhen auf 2622 Schülern an 256 Schulen und wurden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung ausgewertet. Österreich erreichte beim Lesen elektronischer Medien 459 Punkte und liegt deutlich unter dem Schnitt (499). Der Abstand zu Südkorea beträgt 109 Punkte. Heimische Schüler zeigten damit eine noch schlechtere Leistung als bei gedruckten Medien. Da lag Österreich bei PISA 2009 mit 470 Punkten knapp vor der Türkei (464) auf Platz 31 der 34 OECD-Staaten und rangierte auch dort weit unter dem Schnitt (493).

Einmal mehr schnitten übrigens Mädchen im Land besser ab als Burschen. Und einmal mehr ist vor allem die hohe Zahl an Risikoschülern in Österreich problematisch: Wie beim Lesen gedruckter Texte weisen auch beim Verstehen elektronischer Medien 28 Prozent der Schüler so geringe Kompetenzen auf, dass sie gefährdet sind, in ihrem privaten und gesellschaftlichen Leben erheblich beeinträchtigt zu werden.

 

 

Österreich – 29. Juni 2011

 

Schule 

Aufstieg mit zwei Fünfern nun fix

Regierungs-Koalition einigt sich: Ausnahme bei drei "Fetzen".

Die Regierung einigte sich nach stundenlangen Verhandlungen auf einen Schulkompromiss. Doch es gibt weiter Streit.

Stundenlang verhandelten SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied und VP-Schulbeauftragter Werner Amon am Montag die Oberstufen-Reform – vor allem das Aufsteigen mit drei Fünfern. Dienstag – knapp vor dem Ministerrat um 10 Uhr – schalteten sich schließlich SP-Kanzler Werner Faymann und VP-Vizekanzler Michael Spindel­egger ein. Dann preschte Spindelegger vor: Man habe sich auf "Aufsteigen mit zwei Fünfern geeinigt", sagte er.

Im ÖSTERREICH-Gespräch korrigiert Schmied Spindelegger umgehend: "Schüler, die etwa wegen Krankheit oder familiärer Probleme drei Nicht genügend haben, werden nach Beschluss der Klassenlehrer-Konferenz sehr wohl aufsteigen können." Allerdings nur ein Mal – damit ist Schmied der ÖVP, die den Pakt vergangene Woche kurzfristig wieder aufgeschnürt hatte, entgegengekommen.

Ab 2012. Die Reform wird ab dem Schuljahr 2012
13 schrittweise umgesetzt. Unterrichtet wird dann mit einem "Modulsystem". Ein Fünfer im Semesterzeugnis kann nicht durch bessere Leistungen im zweiten Semester ausgebessert werden, sondern muss durch eine neue Prüfung über den Stoff "getilgt" werden. Auch ein Antreten zur Matura ist nur möglich, wenn alle negativen Module ausgebessert wurden.

Dafür hat der Schüler allerdings mehr Antritte als bisher (drei bzw. auf Entscheidung der Direktion vier) und kann sich auch von einem anderen als dem Klassenlehrer prüfen zu lassen. Diese Prüfungen können auch erst im kommenden Semester oder Schuljahr stattfinden.
 

Der neue Kompromiss

1.    Aufsteigen mit 3 Fünfern: Ist nur bei Problemfällen (etwa Krankheit) möglich. Man benötigt aber die Zustimmung der Lehrer-Konferenz. Und: Es ist nur ein Mal möglich.

2.    Aufsteigen mit 2 Fünfern: Jedes Semester wird in Module unterteilt. Bei zwei Fünfern steigt man automatisch auf. Aber: Man muss die jeweiligen Module wiederholen.

3.    Lernbegleiter bei einem Fünfer: Der Schüler steigt auf, hat aber schon bei einem Fleck Anspruch auf einen "Lernbegleiter". Und: Mehr Förderkurse im Angebot.

4.    Keine Komplett-Wiederholung: Selbst wenn man vier Fünfer hat und wiederholen muss, bleiben Fächer in denen man positiv war, gültig. Man muss sie nicht noch einmal machen.

 

 

Österreich – 29. Juni 2011

 

Vorletzter 

Neue PISA-Ohrfeige für Österreich

Österreichs Schüler sind auch beim Erfassen elektronischer Medien schlecht.

Das neue Debakel offenbarte eine Zusatzuntersuchung im Rahmen der internationalen Bildungsvergleichsstudie PISA, die gestern von der OECD veröffentlicht wurde. Getestet wurde das sinn­erfassende Lesen elektronischer Medien wie Internet, E-Mails, Blogs etc.

Demnach landet Österreich unter den 16 Teilnehmerstaaten auf Platz 15. Die besten Ergebnisse erzielten die 15- bis 16-Jährigen in Südkorea, hinter Österreich rangiert Chile.

Österreich erreichte beim Lesen elektronischer Medien 459 Punkte und liegt damit deutlich unter dem OECD-Schnitt von 499 Punkten. Der Abstand Österreichs zum besten OECD-Land Südkorea beträgt 109 Punkte.
So wie beim Lesen gedruckter Texte schneiden auch beim Lesen am Computer die Mädchen besser als die Burschen ab.

Jeder Vierte Risikoschüler
Erneut problematisch stellt sich die hohe Zahl an Risikoschülern in Österreich dar. 28
% der Schüler weisen nur sehr geringe Grundkompetenzen auf und laufen Gefahr, gesellschaftlich abzurutschen. Ähnlich schlecht sind die Werte in Ungarn (27%) und Polen (26%), in Südkorea zählen dagegen nur 2% zu den Risikoschülern. Der OECD-Schnitt liegt bei 17%.

 

 

Der Standard – 29. Juni 2011

 

 

Expertengruppe empfiehlt

Alle Pädagogen sollen auf Masterniveau ausgebildet werden

Auch KindergärtnerInnen - Kooperationen zwischen Unis und PHs werden notwendig

Die angekündigte Reform der Oberstufe an Österreichs Schulen ist nicht überall positiv aufgenommen worden. Unterrichtsministerin Claudia Schmied gibt ihren Reformwillen dennoch nicht auf. Am Dienstag präsentierte sie gemeinsam mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle Vorhaben im Bereich der LehrerInnen-Ausbildung.

Schmied hatte Anfang des Jahres eine Expertengruppe damit beauftragt, Empfehlungen zu formulieren. Die Vorbereitungsgruppe - unter Federführung von Andreas Schnider und Roland Fischer - legte ein 28-seitiges Papier vor, an dem nun die Minister Schmied und Töchterle weiterarbeiten wollen.

Ausbildung in drei Teilen

Die Ausbildung der Pädagogen soll in drei Teilen erfolgen. Zunächst ist ein vierjähriges Bachelorstudium zu absolvieren (im Umfang von 240 ECTS). Danach findet eine einjährige Induktionsphase statt. Der Lehrer steht bereits in der Klasse und wird in diesem Jahr von MentorInnen betreut. Nach der Induktionsphase muss das Masterstudium absolviert werden (60-120 ECTS).

Schmied wünscht sich "Beauty Contest"

Wo die Pädagogen demnächst ausgebildet werden sollen wird im Papier relativ offen gelassen. Da weder die Universitäten, noch die Pädagogischen Hochschulen (PH) derzeit eine Pädagogenausbildung für alle Altersgruppen von null bis 19 Jahren anbieten können, werden Kooperationen nötig sein. Ob diese österreichweit künftig sieben bis neun Einrichtungen unter Federführung von Uni oder PH stehen werden, soll laut Schmied ähnlich einem "Beauty Contest" regional entschieden werden.

Aufnahmeverfahren, aber keine Prüfung

Der Vorschlag der Expertengruppe sieht ein Aufnahmeverfahren im Rahmen der ersten beiden Semester vor, das dafür sorgen soll, dass nur geeignete Kandidaten zu Pädagogen ausgebildet werden. "Keine Prüfung", wie Fischer betonte, es soll sich über ein bis zwei Semester herausstellen, ob jemand als Lehrer geeignet ist oder nicht.

Bei der Ausbildung soll eine Spezialisierung auf Elementarpädagogik, Primarstufe, Pflichtschulzeit oder Oberstufe erfolgen. Erst nach Absolvierung des Masterstudiums soll man alleinverantwortlich unterrichten und unbefristet angestellt werden. Vorgesehen sind auch spezielle Modelle für Quereinsteiger, wie sie vor allem an den berufsbildenden Schulen wichtig sind.

"Prozess rasch beginnen"

Welche Einrichtungen eine Aus-, Fort- und Weiterbildung auf dem geforderten pädagogischen, didaktischen und fachlichen Niveau für alle Altersgruppen anbieten können, soll aus Sicht des stellvertretenden Leiters der Arbeitsgruppe, Roland Fischer, "der edle Wettstreit" entscheiden. Auf jeden Fall müsse der Prozess rasch beginnen, es herrsche gerade eine Aufbruchsstimmung in den Einrichtungen. "Es wäre schlecht, wenn das lange dauern würde." Schmied warf hingegen ein, dass die Empfehlungen nun politisch bewertet werden müssten. "Es wird über den Sommer sicher viele Gespräche geben."

Auch wenn die möglichen Einrichtungen nicht beim Namen genannt werden, ist aus Schmieds Sicht nur die Aufwertung von PH zu Pädagogischen Unis möglich oder aber, dass eine Uni "Taktgeber" ist. Wie die "Fusionen durch Aufnahme in beide Richtungen" (Schmied) zwischen Unis bzw. PH aussehen und welche Einrichtungen daran beteiligt sind, wird diesen allerdings völlig frei gestellt. Mängel gebe es dabei auf beiden Seiten, wie Fischer betonte. Die PH würden sich zwar zu 100 Prozent der Lehrerausbildung widmen, allerdings auf zu geringem akademischem Niveau. Die Unis würden die Lehrerausbildung hingegen nur als "Nebentätigkeit" betreiben.

Mastertitel verpflichtend

Ziel ist es aus Sicht der Arbeitsgruppe, dass in fünf bis zehn Jahren die Einrichtungen den vorgegebenen Kriterien entsprechen. Dazu gehört, dass sie vom Bachelor bis zum PhD alle akademischen Abschlüsse ermöglichen müssen. Sie müssen außerdem auch Fort- und Weiterbildung ermöglichen und die Induktionsphase, in der die Junglehrer nach dem Bachelorabschluss in Begleitung eines Mentors ins Unterrichten eingeführt werden, begleiten können.

Personal "sofort" rekrutieren

Zu den Kriterien, deren Einhaltung von einem Entwicklungsrat überprüft werden soll, gehört außerdem, dass ein Anteil von mindestens 25 Prozent der Lehrenden für eigenständige Forschung qualifiziert sein (mindestens Doktorat) und ein ebenso großer Anteil mindestens fünf Jahre in der Praxis tätig gewesen sein muss. "Wir müssen sofort anfangen, das Personal zu rekrutieren", drängte Fischer hier auf Eile. Auch ein Masterprogramm für jene Mentoren, die künftig den pädagogischen Neueinsteigern zur Seite stehen sollen, muss aus Schniders Sicht sofort etabliert werden.

Uneinig sind sich die Minister indes in der Frage, wie weit die Autonomie der künftigen Pädagogenausbildungs-Einrichtungen gehen soll. Schmied pocht dabei auf eine Art "Bestellerprinzip", immerhin sei die öffentliche Hand zu fast hundert Prozent Dienstgeber der Absolventen; für sie sind nur im Operativen mehr Freiheiten vorstellbar. Töchterle tritt hingegen für eine Autonomie ähnlich jener der Unis ein.

 

 

Der Standard – 29. Juni 2011

 

Aufsteigen mit zwei Fünfern

Bestleistung statt Bauchfleck

Nina Weißensteiner  Beschreibung: http://derstandard.at/s/?v=13093303-3971-1C2E-EAE4-43898D219AD3&t=1309330379726&w=102&s=true

Jenen Schülern, die sich mit Krankheiten oder Familienkrachs herumschlagen müssen, bietet die neue Regelung eine faire Chance

Nicht nur in den Schulklassen, auch in der Koalition flogen angesichts der Zeugnisvergabe die Fetzen - und es hat sich ausnahmsweise ausgezahlt. Bald dürfen Schüler mit zwei Fleck aufsteigen. Wer gleich drei kassiert, über den befinden die Lehrer, ob er mit seiner Klasse weiterrücken und im kommenden Schuljahr den Stoff nachholen darf - oder eben nicht.

Hand aufs Herz: Wer einmal in mehreren Gegenständen gefährdet war, der muss zumindest retrospektiv zugeben, dass er während der Schulzeit oft lieber auf der faulen Haut gelegen ist, anstatt eifrig Mitschriften zu stucken und Hausaufgaben zu erledigen. Diese höchst unangenehme Situation in einem Schülerleben kann einen aber auch wachrütteln, bevor man tatsächlich ein ganzes Jahr abschreibt.

Das ursprüngliche Ansinnen, mit drei "Nicht genügend" ein Aufsteigen zu ermöglichen, war zwar ambitioniert, jedoch etwas leistungsfeindlich und damit lebensfremd. Denn: Was Hänschen nicht lernt, lernt auch Hans nimmermehr - um hier einen einst verhassten Elternspruch zu strapazieren, der sich leider als wahr herausgestellt hat.

Jenen Schülern aber, die sich mit ernsten Krankheiten oder zermürbenden Krachs in der Familie herumschlagen müssen, bietet die neue Regelung eine faire Chance: Wissen die Pädagogen darüber Bescheid, werden sie wohl Rücksicht auf das ohnehin schon gebeutelte Fünfer-Kind nehmen - und zumindest einmal Milde walten lassen.

 

 

Der Standard – 29. Juni 2011

 

 

Lesen am Computer

Pisa: Österreichs Schüler beim digitalen Lesen auf vorletztem Platz

Auf Rang 15 von 16 untersuchten Ländern

Wien - Österreichs Schüler sind beim sinnerfassenden Lesen elektronischer Medien wie Internet, E-Mails, Blogs, etc. noch schlechter als beim Erfassen gedruckter Texte. Das zeigte eine Zusatzuntersuchung im Rahmen der internationalen Bildungsvergleichsstudie PISA, die heute, Dienstag, von der OECD veröffentlicht wurde. Demnach landet Österreich unter den 16 Teilnehmerstaaten auf Platz 15. Die besten Ergebnisse erzielten die 15- bis 16-Jährigen in Südkorea, hinter Österreich rangiert Chile.

Für die Zusatzstudie mit insgesamt 16 teilnehmenden OECD-Ländern wurde eine Teilstichprobe aus den PISA-Schülern gezogen. Die österreichischen Daten zum Lesen elektronischer Medien beruhen auf 2.622 Schülern an 256 Schulen und wurden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) ausgewertet.

Abstand zu Südkorea: 109 Punkte

Österreich erreichte beim Lesen elektronischer Medien 459 Punkte und liegt damit deutlich unter dem OECD-Schnitt von 499 Punkten. Der Abstand Österreichs zum besten OECD-Land Südkorea beträgt 109 Punkte.

Damit zeigen die heimischen Schüler eine noch schlechtere Leistung als bei den gedruckten Medien. Bei diesen kam Österreich bei PISA 2009 mit 470 Punkten knapp vor der Türkei (464) auf Platz 31 der 34 OECD-Staaten zu liegen und rangierte damit auch dort weit unter dem OECD-Schnitt (493).

Mädchen besser als Burschen

So wie beim Lesen gedruckter Texte schneiden auch beim Lesen am Computer die Mädchen besser als die Burschen ab. In den meisten Ländern, auch in Österreich, ist der Vorsprung der Mädchen beim Lesen elektronischer Texte (Österreich: 22 Punkte, OECD-Schnitt: 24 Punkte) aber geringer als beim Lesen gedruckter Medien (Österreich: 41 Punkte. OECD-Schnitt: 38 Punkte).

Hohe Zahl an Risikoschülern

Erneut problematisch stellt sich die hohe Zahl an Risikoschülern in Österreich dar. So wie beim Lesen gedruckter Texte weisen auch beim Verstehen elektronischer Medien 28 Prozent der Schüler nur sehr geringe Grundkompetenzen auf und laufen dadurch Gefahr, in ihrem privaten und gesellschaftlichen Leben erheblich beeinträchtigt zu werden. Ähnlich schlecht sind die Werte in Ungarn (27 Prozent) und Polen (26 Prozent), in Südkorea zählen dagegen nur zwei Prozent zu den Risikoschülern. Der OECD-Schnitt liegt bei 17 Prozent.

Nur drei Prozent Spitzenschüler

Auch am anderen Ende der Leistungsskala kann Österreich nicht reüssieren: Mit nur drei Prozent Spitzenschülern - beim Lesen gedruckter Texte waren es immerhin noch fünf Prozent - liegt Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt von acht Prozent und weit entfernt von den Spitzenreitern Südkorea und Neuseeland mit jeweils 19 Prozent Spitzenschülern.

In der Studie wurde auch erhoben, welche Faktoren zu guter digitaler Lesekompetenz führen. Dabei zeigte sich, dass der Einsatz von Computern im Unterricht keinen positiven Einfluss darauf hat, ob sich die Schüler gut im Internet zurecht finden oder digitale Texte erfassen können. Verwenden Schüler den Computer hingegen daheim, vor allem für Freizeitaktivitäten wie Chatten oder Mails Schreiben, verbessern sich ihre Leistungen. Allerdings stimmt das auch nur bei moderater Nutzung des PC. Intensive Nutzer schneiden ebenso schlechter ab wie Schüler, die daheim kaum den PC verwenden.

 

 

Krone – 29. Juni 2011

 

Aufsteigen jetzt mit zwei statt drei Fünfern

Koalition einig

ÖVP und SPÖ haben sich im Streit um die modulare Oberstufe bzw. das Aufsteigen mit "Nicht genügend" doch noch geeinigt. Statt mit drei ist nun das Aufsteigen mit höchstens zwei Fünfern in die nächste Klasse möglich, gab ÖVP-Chef Vizekanzler Michael Spindelegger am Dienstag bekannt. SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied bestätigte den Kompromiss - mehr oder weniger...

Es wäre keine rot- schwarze Einigung, würde es nicht eine bedeutende Ausnahmeregelung geben: Die Klassenlehrerkonferenz kann im Falle außergewöhnlicher Umstände wie langer Krankheit einmalig eine Ausnahme erlauben und einem Schüler den Wechsel in die nächste Klasse auch mit mehr Fünfern erlauben, wenn das Erfolge verspricht.

Dennoch erklärte Spindelegger in seiner Stellungnahme am Dienstag vor dem Ministerrat: "Man kann nicht mit drei Fünfern aufsteigen, so wie ich es verlangt habe." Es gebe damit einen Kompromiss, der auch stärkere Individualisierung bringe, freute sich der ÖVP- Obmann. Wichtig sei auch der Leistungsgedanke, bis zur Matura müssten ja alle Module positiv abgeschlossen werden.

Schmied betont ihre Ausnahmeregelung

SPÖ- Unterrichtsministerin Schmied bezeichnete die von Spindelegger kommunizierte Lösung hingegen als "verkürzte Darstellung". Denn das Aufsteigen mit drei "Nicht genügend" sei durch die Ausnahmeregel ja sehr wohl möglich, wenn auch nur einmalig.

Lob gab es von Schmied für VP- Bildungssprecher Werner Amon, mit dem sie den Kompromiss ausverhandelt habe. Sie habe eine gute Gesprächsbasis mit ihm. Der Gesetzesentwurf soll nun in Begutachtung gehen. Zur Umsetzung meinte sie, ein Start im Dezember 2012 im Rahmen eines Stufenplans wäre der Idealfall.

Module statt Klassen wiederholen

Dem Aufsteigen mit Fünfern liegt ja eigentlich die Einführung einer modularen Oberstufe zugrunde: Im geplanten Modell ist pro Fach jedes Semester in mindestens zwei Module unterteilt. Ist ein Modul negativ, ist auch die Semester- bzw. Ganzjahresnote negativ. Beim Wiederholen muss aber nur das Modul wiederholt werden (siehe ausführlicher Bericht zur Modul- Oberstufe in der Infobox).

Ursprünglich hatten Unterrichtsministerin Schmied und ÖVP- Bildungssprecher Amon ein Modell vorgestellt, das ein Aufsteigen mit bis zu drei negativ absolvierten Modulen ermöglichen sollte. Spindelegger hatte sich jedoch, wie auch mehrere ÖVP- Länderchefs, dagegen ausgesprochen.

Spindelegger steht zu ÖVP- Rückzieher

Spindelegger meinte am Dienstag zur Frage, warum man die eigentlich bereits paktierte Einigung seitens der ÖVP noch einmal aufgeschnürt habe, es sei legitim, dass man noch einmal miteinander diskutiere, vor allem wenn noch nicht einmal der Gesetzesvorschlag vorliege. Dabei habe man sich auch innerhalb einer Woche in dem einzigen strittigen Punkt geeinigt: "Wenn das überall gelingt, bin ich sehr zuversichtlich."

Bundeskanzler Werner Faymann erklärte, dass es letztlich in der Frage der Klassenwiederholung lediglich darum gehe, mehr Möglichkeiten zu schaffen, noch eine positive Note zu erreichen und damit eine Klassenwiederholung zu vermeiden.

FPÖ weiterhin generell dagegen, Grüne orten "Verwässerung"

Die Opposition zeigte sich gegenüber der großkoalitionären Einigung eher skeptisch. Die FPÖ bezeichnete den Vorschlag am Dienstag als "faulen Kompromiss". Probleme in zwei Hauptfächern könnten für Schüler zu viel sein, um in der nächsten Klasse auch den neuen Stoff zu bewältigen, meinte Bildungssprecher Walter Rosenkranz. Der Vorschlag der Regierungsparteien klinge vielleicht gut, gehe aber "an jeder Lebensnähe vorbei". SPÖ und ÖVP sollten potenziellen Fünferkandidaten stattdessen die bestmögliche Förderung angedeihen lassen, sodass es nicht zum Sitzenbleiben komme.

Die Grünen sehen durch das "Gefeilsche um zwei oder drei Fünfer" dem "positiven Reformvorhaben" modulare Oberstufe wiederum einen Dämpfer verpasst. Bildungssprecher Harald Walser kritisierte, dass die Diskussion ausschließlich über das Sitzenbleiben geführt werde. In einem wirklichen Modulsystem gebe es kein Sitzenbleiben. "Was man positiv abschließt, setzt man fort, was negativ ausfällt, wiederholt man - Kurs für Kurs, Modul für Modul." Das System werde an den Schulen vieler Länder bereits erfolgreich praktiziert und auch in Österreich gebe es gelungene Beispiele, betonte er. Der vorliegende Entwurf sei zwar "stark verwässert", gehe aber nach wie vor in die richtige Richtung.

 

 

Kurier – 29. Juni 2011

 

Schmied muss nachsitzen

"Aus fürs Sitzenbleiben" verdient ein "Sehr gut". Ferienstimmung ist aber abgesagt.


Die Regierung ist knapp vor Schulschluss an einem Bauchfleck vorbeigeschrammt. "Schluss mit Sitzenbleiben" landet nun doch nicht auf der Eselsbank. Der Kompromiss kann sich inhaltlich und politisch sogar sehen lassen. Ferienstimmung ist dennoch nicht angesagt.

Claudia Schmied hat zwar grünes Licht für das moderne Modularsystem. Sie muss diesen Sommer aber dringend nachsitzen. Denn zeitgleich mit der guten Schul-Nachricht zum Sitzenbleiben fällt Österreich beim PISA-Test rasselnd wie nie zuvor durch. Österreichs Teenager zählen beim Lesen am Computer zu den absoluten Schlusslichtern.

Claudia Schmied gehört zu jenen Ministern, die ausgerechnet den Boulevard mit Werbemillionen füttert. Lust aufs Lesen machen aber nicht billige Häppchen, sondern Bücher und spannende Texte. Der peinliche PISA-Befund sollte Schmieds Fantasie zu einem bunten Bouquet an Sofort-Maßnahmen beflügeln.

Der Wiener Bürgermeister verschenkt einmal im Jahr 100.000 Bücher an die Stadtbewohner. Zuletzt war es etwa ein Nick Hornby ("Fever Pitch"), heuer wird es der Nobelpreisträger Llosa ("Der Geschichtenerzähler") sein. Denn wer nicht liest, verdummt. Und wen selbst der Computer nicht mehr reizt, ist schon verdummt.


 

Kurier – 29. Juni 2011

 

Themenverfehlung

Die Regierung muss Verabsäumtes nachholen: Die Schulreform erklären.


In der Schule würde man es Themenverfehlung nennen: Eine große, längst fällige Oberstufen-Reform steht an. Und alles, was davon nach außen dringt, ist Zwist - darüber, ob ein Schüler auch mit drei Fleck aufsteigen darf. Die ÖVP-Spitze befand das als leistungsfeindlich, legte sich quer. Der Kompromiss: Mit bis zu zwei Fünfern kommt der Schüler automatisch weiter, bei drei entscheidet die Klassenlehrer-Konferenz.

Im ideologischen Gerangel um die Fleck-Zahl ging unter, was die Neuerung bringt: Schüler haben nachzuholen, was sie versäumt haben. Sie bekommen Förderunterricht im jeweiligen Fach und einen Lern-Coach. Nachprüfungen sind passé. Bis zur Matura muss der Stoff intus sein. Leistungsfördernd ist das, wie sich in jenen 27 Schulen, die das bereits praktizieren, zeigt: Weniger Schüler bleiben sitzen als zuvor. Das erspart Steuergeld und Jugendlichen ein Versager-Image. Abgesehen davon bereitet es auf das Kurs-System an Universitäten vor.

Rot und Schwarz sollten nachholen, was sie verabsäumt haben: Die Vorzüge des neuen Modells zu erläutern. Jeder Reifeprüfling ist angehalten, Zusammenhänge zu erklären. Daher wird das bei jenen, die das Land regieren, nicht zu viel verlangt sein.


 

Kurier – 29. Juni 2011

 

Regierung einigt sich im Fünfer-Streit

Oberstufen-Schüler mit drei "Nicht genügend" sollen nur dann aufsteigen dürfen, wenn die Klassenlehrer zustimmen.

 

Michael Spindelegger erklärt die koalitionäre Einigung: "Aufsteigen mit drei Fünfern ist nicht möglich ." Claudia Schmied erklärt die koalitionäre Einigung: "Aufsteigen mit drei Fünfern ist möglich ." SPÖ und ÖVP haben gestern vor dem Ministerrat ihren Streit ums Sitzenbleiben beigelegt. Sie haben einen Kompromiss gefunden, der es beiden Seiten ermöglicht, das Gesicht zu wahren.

Es ging um die Frage, ob ein Oberstufen-Schüler mit bis zu drei Fünfern im Jahreszeugnis aufsteigen darf. Die ÖVP war zunächst dafür - dann aber wieder dagegen, weil sie befürchtete, dass die von ihr so gern betonte "Leistung" zu kurz kommt.

Der Kompromiss sieht so aus, dass sowohl Spindelegger als auch Schmied mit ihrer Deutung recht haben: Aufsteigen mit drei Fleck soll künftig zwar möglich sein - aber nur ein Mal in der gesamten Oberstufe; und nur dann, wenn die Klassenlehrer zustimmen. Ein Schüler (AHS, BHS) mit ein oder zwei Nicht genügend im Jahreszeugnis darf künftig automatisch aufsteigen. Im derzeitigen System kann ein Schüler maximal mit einem Nicht genügend aufsteigen - vorausgesetzt, die Klassenlehrer stimmen zu; und der Schüler hat nicht schon im Vorjahr die Aufstiegsklausel in diesem Fach bekommen. Bei zwei Nicht genügend hat der Schüler derzeit nur die Möglichkeit, einen Fünfer bei der Nachprüfung (Herbst) auszubessern und für den zweiten die Klausel zu bekommen.

Beschreibung: http://wa.kurier.at/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/nachrichten.kurier.at/artikel/1991705974/Top4/OasDefault/default/empty.gif/77704777685531694534304142724a65?_RM_EMPTY_&

Änderungen

Die "Oberstufe neu" gilt ab der 10. Schulstufe. Ministerin Schmied wünscht sich, dass die Reform ab Dezember 2012 schrittweise umgesetzt wird. 2016 soll sie flächendeckend eingeführt sein. Die "Oberstufe neu" bringt eine Reihe von Änderungen. Die Regelungen beim Sitzenbleiben sind nur ein Teil davon. Auf den ersten Blick sieht es so aus, dass das Aufsteigen erleichtert wird, weil bis zu drei Fleck erlaubt sind. So simpel ist es aber nicht. Das Schuljahr wird in jedem Fach in vier Module unterteilt. Der Schüler muss jedes einzelne positiv abschließen, sonst bekommt er einen Fünfer im Zeugnis. Bis zu vier Versuche bekommt der Schüler in den folgenden Semestern, um ein Modul nachzuholen. Zur Matura antreten darf nur, wer alle Module in allen Fächern bestanden hat.

Beschreibung: http://wa.kurier.at/RealMedia/ads/adstream_lx.ads/nachrichten.kurier.at/artikel/477441580/Top/OasDefault/default/empty.gif/77704777685531694534304142724a65?_RM_EMPTY_&

Mittelfeld

Bei der Zahl der Sitzenbleiber lag Österreich bisher im europäischen Mittelfeld. Im Schuljahr 2008/'09 hatten sieben Prozent aller Schüler (ab der 9. Stufe) einen oder mehrere Fünfer. Dass das Sitzenbleiben nicht sinnvoll ist, darüber sind sich Fachleute einig. Der deutsche Bildungsforscher Klaus Klemm erklärt im KURIER-Gespräch, Studien würden zeigen, "dass das Sitzenbleiben im Regelfall gar keine oder auf keinen Fall nachhaltige positive Effekte hat". Eine Ausnahme sei etwa, "wenn ein Kind fünf Monate krank war". Das Modul-System, wie es in Österreich eingeführt werden soll, sei in Europa "noch nicht Standard", sagt Klemm. Die Entscheidung der Regierung, das automatische Aufsteigen auf zwei Fünfer zu begrenzen, hält der Experte für gut. Auch die Lehrergewerkschafter begrüßen den Kompromiss zwischen SPÖ und ÖVP.

 

 

Kurier – 29. Juni 2011

 

Neue Pädgogen-Ausbildung

Schmied: "Beauty Contest" um neue Ausbildungsstätten

Alle Pädagogen, egal ob für Kindergärten oder höhere Schulen, sollen künftig an einer Einrichtung auf Masterniveau ausgebildet werden. Wo, wird in den Empfehlungen der Arbeitsgruppe um Andreas Schnider, die am Montagabend gemeinsam mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) vorgestellt wurden, relativ offen gelassen. Da weder die Universitäten, noch die Pädagogischen Hochschulen (PH) derzeit eine Pädagogenausbildung für alle Altersgruppen von null bis 19 Jahren anbieten können, werden Kooperationen nötig sein. Ob diese österreichweit künftig sieben bis neun Einrichtungen unter Federführung von Uni oder PH stehen werden, soll laut Schmied ähnlich einem "Beauty Contest" regional entschieden werden.

Pädgogenbachelor: Vier Jahre
Der Vorschlag der Expertengruppe sieht ein Aufnahmeverfahren im Rahmen der ersten beiden Semester vor, das dafür sorgen soll, dass nur geeignete Kandidaten zu Pädagogen ausgebildet werden. Als Basisausbildung wird ein vierjähriges Bachelorstudium vorgeschlagen, entweder für die Altersgruppe null bis zwölf oder acht bis 19 Jahre. Dabei soll eine Spezialisierung auf Elementarpädagogik, Primarstufe, Pflichtschulzeit oder Oberstufe erfolgen. Daran schließt die so genannte Induktionsphase an, die einjährige Einführung in den Beruf durch eigens ausgebildete "Mentoren". Danach soll man bereits als Pädagoge in allen Schulstufen arbeiten, muss aber innerhalb von fünf Jahren einen mindestens einjährigen Master anschließen. Erst dann soll man alleinverantwortlich unterrichten und unbefristet angestellt werden. Vorgesehen sind auch spezielle Modelle für Quereinsteiger, wie sie vor allem an den berufsbildenden Schulen wichtig sind.

Sommergespräche
Welche Einrichtungen eine Aus-, Fort- und Weiterbildung auf dem geforderten pädagogischen, didaktischen und fachlichen Niveau für alle Altersgruppen anbieten können, soll aus Sicht des stellvertretenden Leiters der Arbeitsgruppe, Roland Fischer, "der edle Wettstreit" entscheiden. Auf jeden Fall müsse der Prozess rasch beginnen, es herrsche gerade eine Aufbruchsstimmung in den Einrichtungen. "Es wäre schlecht, wenn das lange dauern würde." Schmied warf hingegen ein, dass die Empfehlungen nun politisch bewertet werden müssten. "Es wird über den Sommer sicher viele Gespräche geben."

Auch wenn die möglichen Einrichtungen nicht beim Namen genannt werden, ist aus Schmieds Sicht nur die Aufwertung von PH zu Pädagogischen Unis möglich oder aber, dass eine Uni "Taktgeber" ist. Wie die "Fusionen durch Aufnahme in beide Richtungen" (Schmied) zwischen Unis bzw. PH aussehen und welche Einrichtungen daran beteiligt sind, wird diesen allerdings völlig frei gestellt. Mängel gebe es dabei auf beiden Seiten, wie Fischer betonte. Die PH würden sich zwar zu 100 Prozent der Lehrerausbildung widmen, allerdings auf zu geringem akademischem Niveau. Die Unis würden die Lehrerausbildung hingegen nur als "Nebentätigkeit" betreiben.

Von Bachelor bis Phd
Ziel ist es aus Sicht der Arbeitsgruppe, dass in fünf bis zehn Jahren die Einrichtungen den vorgegebenen Kriterien entsprechen. Dazu gehört, dass sie vom Bachelor bis zum PhD alle akademischen Abschlüsse ermöglichen müssen. Sie müssen außerdem auch Fort- und Weiterbildung ermöglichen und die Induktionsphase, in der die Junglehrer nach dem Bachelorabschluss in Begleitung eines Mentors ins Unterrichten eingeführt werden, begleiten können.

Zu den Kriterien, deren Einhaltung von einem Entwicklungsrat überprüft werden soll, gehört außerdem, dass ein Anteil von mindestens 25 Prozent der Lehrenden für eigenständige Forschung qualifiziert sein (mindestens Doktorat) und ein ebenso großer Anteil mindestens fünf Jahre in der Praxis tätig gewesen sein muss. "Wir müssen sofort anfangen, das Personal zu rekrutieren", drängte Fischer hier auf Eile. Auch ein Masterprogramm für jene Mentoren, die künftig den pädagogischen Neueinsteigern zur Seite stehen sollen, muss aus Schniders Sicht sofort etabliert werden.

"Bestellerprinzip"?
Uneinig sind sich die Minister indes in der Frage, wie weit die Autonomie der künftigen Pädagogenausbildungs-Einrichtungen gehen soll. Schmied pocht dabei auf eine Art "Bestellerprinzip", immerhin sei die öffentliche Hand zu fast hundert Prozent Dienstgeber der Absolventen; für sie sind nur im Operativen mehr Freiheiten vorstellbar. Töchterle tritt hingegen für eine Autonomie ähnlich jener der Unis ein.

 

 

Kurier – 29. Juni 2011

 

Leseschwäche digital noch größer

PISA-Debakel: Österreichs Schüler haben Probleme beim Erfasssen von elektronischen Texten.


Österreichs Schüler tun sich beim Verstehen elektronischer Medien (Internet, eMails, Blogs) noch schwerer als beim Erfassen gedruckter Texte. Das zeigt eine Teil-Untersuchung des PISA-Tests 2009, die nun veröffentlicht worden ist. Unter den 19 Teilnehmerstaaten landet Österreich auf Rang 17 - vor Chile und Kolumbien. Die heimischen Schüler erreichten beim Lesen elektronischer Medien 459 Punkte; sie liegen damit klar unter dem OECD-Schnitt von 499. Beim "normalen" Lesetest, der mit gedruckten Texten durchgeführt wird, hatte es noch zu 470 Punkten gereicht. In beiden Fällen schnitten Mädchen besser ab als Burschen.


Beschreibung: http://wa.kurier.at/RealMedia/ads/Creatives/OasDefault/default/empty.gifWarnzeichen

"Das Ergebnis ist ein Warnzeichen", sagt Ursula Schwantner, Projektleiterin PISA beim Bundesinstitut Bifie, das die PISA-Tests in Österreich auswertet. "Vielen Schülern fehlt es an einer wichtigen Kernkompetenz des 21. Jahrhunderts." Alarmierend sei vor allem die hohe Zahl an Risiko-Schülern: 28 Prozent weisen nur geringe Grundkompetenzen auf - bei gedruckten Texten und elektronischen Medien.

Zum Vergleich: Beim Testsieger Südkorea zählen nur zwei Prozent zu den Risiko-Schülern; der OECD-Schnitt liegt bei 17 Prozent. Am anderen Ende der Skala sieht es nicht besser aus: Während Österreich nur drei Prozent Spitzenschüler hat, sind es in Südkorea und Neuseeland jeweils 19 Prozent.

Erhoben wurde auch, was zu guter digitaler Lesekompetenz führt. Der Einsatz von Computern im Unterricht wirkt sich nicht positiv aus, die Nutzung zu Hause hingegen schon. Allerdings nur, wenn sie moderat ausfällt: Intensive PC-Nutzer schneiden ebenso schlechter ab wie Schüler, die zu Hause gar keinen Computer verwenden.


 

Wiener Zeitung – 29. Juni 2011

 

Regierung einigt sich auf Reform der Oberstufe

Aufstieg mit drei Fünfern nur ausnahmsweise

 

  • Triftige Gründe erforderlich, Lehrer müssen zustimmen.
  • Modulsystem ab Herbst 2016 flächendeckend.

 

Wien. (zaw) Gerade einmal eine Woche brauchten SPÖ und ÖVP, um in Sachen Oberstufenreform wieder auf einer Linie zu sein. Verglichen mit anderen Streitthemen war die Debatte darüber, mit wie vielen Nicht genügend man aufsteigen darf, also höchstens ein kurzer Sommerschauer, der die koalitionäre Heiterkeit nur vorübergehend trübte. Schließlich einigten sich Rot und Schwarz darauf, dass man künftig im Rahmen der modularen Oberstufe mit höchstens zwei Fleck in die nächste Schulstufe kommt. Nur in Ausnahmen soll es auch mit drei Fünfern möglich sein.

Entsprechend zufrieden über die wiedergefundene Schönwetterlage zeigten Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger sich am Dienstag nach dem Ministerrat. Die Regierung arbeite "Punkt für Punkt" an einer "leistungsorientierten und motivierenden Schule", so Faymann. Spindelegger verteidigte das Nachverhandeln in Sachen Aufstiegsregelung: "Wir haben uns zusammengesetzt, um den Dissens, den wir bei einem Thema hatten, in einen sehr positiven Konsens umzuwandeln." Dies sei innerhalb einer Woche gelungen. "Wenn das überall gelingt, bin ich sehr zuversichtlich", so Spindelegger.

Kanzler Faymann hatte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" Kommunikationsfehler seitens der Unterrichtsministerin für die große Ablehnung der ursprünglichen Einigung (Aufstieg mit drei Fünfern) verantwortlich gemacht. Dies soll sich nun nicht mehr wiederholfen. "Jetzt muss man das genau erklären", so Faymann.

Die Eckpunkte

·         In diesem Sinne hier die Eckpunkte der neuen modularen Oberstufe, die ab 2016 flächendeckend umgesetzt sein soll:

·         Die Beurteilung der Schüler erfolgt künftig semester- und jahresweise.

·         Der Semesterstoff wird in (im Regelfall zwei) Module unterteilt. Die einzelnen Module bauen nicht aufeinander auf.

·         Für ein positives Semesterzeugnis sind alle Module positiv abzuschließen. Dies ist insofern eine Verschärfung, als man mit einem Sehr gut in einem Modul ein Nicht genügend in einem anderen Modul desselben Fachs nicht ausbessern kann. Von einer Verschärfung will man im Unterrichtsministerium allerdings nichts wissen. Vielmehr werde der Schüler "gefordert, eine kontinuierliche Leistung zu bringen".

·         Im Fall eines Nicht genügend ist die Prüfung über das betreffende Modul zu wiederholen. Dafür hat der Schüler mindestens drei Antrittsmöglichkeiten in den darauffolgenden zwei Semestern, die Direktion kann sogar einen vierten Antritt erlauben.

 

 

Wiener Zeitung – 29. Juni 2011

 

"An Pädagogischen Hochschulen und Unis fehlt Personal"

 

Von Brigitte Pechar

 

 

"Wiener Zeitung":Wird es in der neuen Pädagogenausbildung Eignungstests geben?

Roland Fischer: Es wird ein Aufnahmeverfahren geben, aber keine punktuellen Tests. Die Studenten werden zumindest ein Semester lang bewertet, auch in der Praxis. Die Studierenden sollen gleich zu Beginn in die Schulen oder Kindergärten gehen, um zu sehen, ob sie für den Beruf geeignet sind. Im Idealfall stimmen Selbst- und Fremdevaluation überein.

Alle Pädagogen müssen in Zukunft mit dem Master abschließen, auch die Kindergartenpädagoginnen. Ist das sinnvoll?

Wenn es nach uns (der Vorbereitungsgruppe für die neue Ausbildung, Anm.) geht, ja. In den Kindergärten wird es sicherlich noch eine Zeit brauchen, und am Anfang werden nur Leiterinnen oder Personen mit einer besonderen Verwendung den Master haben.

Erleichtert die neue Pädagogenausbildung einen Wechsel zwischen den Institutionen Kindergarten, Volksschule und Sekundarstufe?

Ja. Kindergärtnerinnen benötigen dann nur ein Zusatzsemester, um in der Volksschule unterrichten zu können und umgekehrt. Aber auch als Volksschullehrer kann man in der Sekundarstufe ein Fach unterrichten - dafür sind zwei Semester notwendig.

Gibt es an den Pädagogischen Hochschulen (PH) und Unis ausreichend Personal, um die angehenden Pädagogen ausbilden zu können?

Nein, weder an den PH noch an den Unis. Es gibt zwar ausreichend Mathematiker an den Unis, aber nicht genügend Fachdidaktiker. Um das Ausbildungsprogramm in vollem Umfang starten zu können, muss sofort eine Qualifizierungsoffensive beginnen. Die noch größere Herausforderung kommt dann mit der Betreuung der Masterstudenten. Aber das wird erst ab 2017 sein, wenn man 2013 mit der neuen Ausbildung beginnt. Bis dahin sollte genügend qualifiziertes Personal da sein. Wir reden ja insgesamt von einem zehnjährigen Übergang. Aber es wird schon 2013 eine Steigerung der Qualität des Ausbildungspersonals zu merken sein.

Wann muss mit der Rekrutierung begonnen werden?

Man muss sofort mit Berufungen beginnen. Die Politik darf sich nicht zu lange Zeit lassen. Die Engagierten an den Institutionen wollen ja schon beginnen. Wenn die Parteien jetzt nicht zügig voranschreiten und die Institutionen noch länger hingehalten werden, verpufft diese Energie wieder.

Am Ende des Prozesses, also nach etwa zehn Jahren, sollen die PH Pädagogische Universitäten sein. Wie soll das funktionieren?

 

 

Wiener Zeitung – 29. Juni 2011

 

Österreichs Schüler können keine Online-Texte lesen

 

 

Österreichs Schüler sind beim Sinn erfassenden Lesen elektronischer Medien wie Internet, E-Mails oder Blogs noch schlechter als beim Erfassen gedruckter Texte. Das hat eine Zusatzuntersuchung im Rahmen der internationalen Bildungsvergleichsstudie Pisa gezeigt, die am Dienstag von der OECD veröffentlicht wurde. Demnach landet Österreich unter den 16 Teilnehmerstaaten auf Platz 15. Die besten Ergebnisse erzielten die 15- bis 16-Jährigen in Südkorea, hinter Österreich rangiert Chile.

Für die Zusatzstudie mit insgesamt 16 teilnehmenden OECD-Ländern wurde eine Teilstichprobe aus den Pisa-Schülern gezogen. Die österreichischen Daten zum Lesen elektronischer Medien beruhen auf den Angaben von 2622 Schülern und wurden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung ausgewertet.

Österreich erreichte demnach beim Lesen elektronischer Medien 459 Punkte und liegt damit deutlich unter dem OECD-Schnitt von 499 Punkten. Der Abstand zum "Siegerland" Südkorea beträgt 109 Punkte.

Mädchen lesen besser
Damit zeigen die einheimischen Schüler eine noch schlechtere Leistung als bei den gedruckten Medien. Bei diesen kam Österreich bei Pisa 2009 mit 470 Punkten knapp vor der Türkei (464) auf Platz 31 der 34 OECD-Staaten zu liegen und rangierte damit auch dort unter dem OECD-Schnitt.

So wie beim Lesen gedruckter Texte schneiden auch beim Lesen am Computer die Mädchen besser als die Burschen ab. In den meisten Ländern, auch in Österreich, ist der Vorsprung der Mädchen beim Lesen elektronischer Texte aber geringer als beim Lesen gedruckter Medien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945