Dienstag, 31. Januar 2012

2012.01.31: Bildung

 

APA0185 II, XI 31.01.2012 11:07:55

 

Sonderausschuss zu Bildungsvolksbegehren konstituiert sich morgen

Utl.: SP-Bildungssprecher Mayer wird voraussichtlich Vorsitzender

Bildung/Schulen/Hochschulen/Volksbegehren/Parlament/Vorschau

Nach einem freundlichen Empfang im Nationalrat vor knapp zwei Wochen zieht das Bildungsvolksbegehren weiter seine Kreise im Parlament. Morgen, Mittwoch, um acht Uhr morgens findet die Konstituierung des Sonderausschusses statt, wo u.a. der Obmann gewählt und die weiteren Termine fixiert werden. Da der Ausschuss der SPÖ zufallen wird, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit SP-Bildungssprecher Elmar Mayer den Vorsitz, wie dieser der APA erzählte.

Auf den Umfang der Behandlung der Initiative von Ex-SP-Vizekanzler Hannes Androsch haben sich die Bildungssprecher der fünf Parteien mittlerweile geeinigt: An fünf Halbtagen - konstituierende und abschließende Sitzung ausgenommen - werden fünf Themenbereiche besprochen, so Mayer. Wie und wann die einzelnen Themensitzungen abgehandelt werden, soll wenn möglich am Mittwoch geklärt sein. Die Terminfindung dürfte jedoch schwierig werden, sind doch die Bildungssprecher von FPÖ und ÖVP, Walter Rosenkranz und Werner Amon, parallel im Untersuchungsausschuss als Fraktionsführer eingebunden.

Die erste inhaltliche Debatte, die die Frühpädagogik zum Thema hat, ist laut Mayer vorläufig für den 16. Februar angesetzt. Die Proponenten des Bildungsvolksbegehrens hatten in diesem Zusammenhang u.a. Bundeskompetenz für Kindergärten, tertiäre Ausbildung für Elementarpädagoginnen, bundesweite Ganztagsangebote von Krabbelstuben, Kinderkrippen und Kindergärten sowie frühe Talentförderung gefordert.

Das Volksbegehren hat mit gut 383.000 Unterschriften und einer Beteiligung von 6,07 Prozent Mitte November locker die 100.000er-Hürde für eine Behandlung im Parlament genommen. Bei einer "Ersten Lesung" Mitte Jänner wurde das zwölf Forderungen umfassende Paket erstmals besprochen und im Anschluss dem Sonderausschuss zugewiesen. Die Proponenten wünschen sich am Ende des Ausschusses eine Entschließung, "die nicht nur einen Fahrplan, sondern konkrete Gesetzesinitiativen enthält".

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Sonntag, 29. Januar 2012

2012.01.30: Unterricht

 

Die Presse – 30. Jänner 2012

 

Die meistgehasste Schule bleibt bestehen

von Rosa Schmidt-Vierthaler 

Das Unterrichtsministerium hält an der Sonderschule weiterhin fest. Gegner sehen einen Verstoß gegen die UN-Konvention. Integration oder separate Einrichtung: Was ist das Beste für ein Kind mit Behinderung?

Wien. Das Unterrichtsministerium hält an den Sonderschulen fest. Es sind die „realen Notwendigkeiten", die es derzeit unmöglich machten, dass behinderte Kinder nur noch gemeinsam mit  nicht-behinderten Kindern unterrichtet werden. Allem voran das Geld. Der Bekanntgabe folgte vergangene Woche die Kritik auf dem Fuß („Die Presse" berichtete). Für die Lebenshilfe widerspricht der separate Unterricht klar den Regeln der UN-Behindertenrechtskonvention.

Auch aus den Reihen der ÖVP kommt scharfe Kritik: „Ich finde es höchst befremdlich, dass man eine Schule für alle haben möchte, aber behinderte Kinder ausgesondert bleiben sollen", sagt Behindertensprecher Franz-Joseph Huainigg. Auch die Grünen treten seit Langem für die Abschaffung des „Systems der Ausgrenzung" ein. Tatsächlich sprechen aber nicht nur die Kosten des Integrationsunterrichts gegen eine Abschaffung der Sonderschulen – sondern auch die Nachfrage: Eltern glauben oft, dass ihr behindertes Kind gerade dort die beste Form der Betreuung bekommt.

Was ist besser für das Kind?

Laut Gesetz können Eltern frei wählen, ob ihr Kind in integrativer Form unterrichtet wird oder an eine Sonderschule kommt. Wobei die neue Form des integrativen Unterrichts – die Inklusion – einen Paradigmenwechsel darstellt: Ziel soll nicht der Schüler am Rand der Klasse sein, der zwar da ist, aber von einer anderen Lehrerin in anderen Dingen unterrichtet wird, sondern die Bildung einer heterogenen Lerngruppe, in die jeder etwas anderes einbringen kann. Das Kind mit Down-Syndrom kann etwa den Baum zeichnen, über dessen Bewohner die anderen Kinder einen Aufsatz schreiben. Unter optimalen Voraussetzungen ist das sicher der beste Weg. Doch: Selbst in Wien, wo die Eltern noch freier zwischen Sonderschule und inklusivem Unterricht wählen können als in den anderen Bundesländern, entscheiden sich 40 Prozent für die Sonderschule. Sind die Eltern einfach nicht in der Lage zu erkennen, was das Richtige für ihr Kind ist?

„Subjektiv wollen alle Eltern das Beste für ihr Kind", sagt Albert Brandstätter, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Ob sie das letztendlich auch erreichen, könne er nicht sagen. Oft hätten Familien das Gefühl, ihr Kind werde in einer Sonderschule besser geschützt. „Aber man soll Menschen mit Beeinträchtigung nicht immer behüten", sagt Brandstätter. Das Ziel müsse sein, Menschen mit Behinderung die Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen.

Proteststurm wegen Schließung

Für viele Eltern stellt sich die Frage allerdings anders dar. Deshalb hat die angekündigte Schließung einer Sonderschule in Klagenfurt, die offenbar sehr gut geführt wird, zu einem Proteststurm geführt. „Bei der Integration sehen wir, dass viele Kinder mit den Rahmenbedingungen nicht zurecht kommen", sagt der Schulleiter Heinrich Burgstaller. Das seien häufig mehrfach behinderte Kinder – auch wenn die Form der Behinderung nicht die größte Rolle spielt. Entscheidender sei die psychische Belastbarkeit. In inklusiven Klassen gäbe es mehr Stress: Mehr Kinder, häufigerer Personenwechsel, teils überforderte Lehrer. „Das macht es den Kindern schwer, sich atmosphärisch wohl zu fühlen", sagt Burgstaller. Er kritisiert auch das Vorgehen in Kärnten: Die Inklusion mit einer Schließung zu beginnen, sei nicht zielführend. Zuerst müsse ein Gesamtkonzept entwickelt werden, damit man Schritt für Schritt umsetzen könne. Denn bei der geplanten Einrichtung von Kleinstklassen in Regelschulen statt der Sonderschule könnte es sich um eine „Alibiaktion" handeln. Diese hätten keinen integrativen Charakter – und seien wohl einfach billiger als Sonderschulen.

Ein Programm für alle Kinder

Inklusion als einzige Möglichkeit, behinderte Kinder zu unterrichten? Die deutsche Bildungswissenschaftlerin Elsbeth Stern hat prinzipiell Bedenken, wenn Programme entwickelt werden, die für alle Kinder passen müssen. „Man schaut nicht, welche Probleme es geben kann. Man sagt, es ist ein Anspruch der Gesellschaft, Behinderte möglichst zu integrieren, und da hat jeder mitzuarbeiten", kritisiert sie. Es gebe natürlich auch Formen der Behinderung, bei denen das Kind etwas anderes lernen müsse als die anderen Kinder – wie etwa die Blindenschrift (siehe auch Artikel unten). Natürlich gebe es auch Kinder, die den Unterricht stören.

Sterns Fazit: „Man muss für alle Probleme viele Lösungsmöglichkeiten zur Verfügung haben." Sonderschulen in Österreich sind aus vielen Gründen kritikwürdig. Nicht zuletzt wegen des hohen Ausländeranteils, der dafür spricht, dass hier auch manche nicht-behinderte Kinder aussortiert werden. Doch eine Abschaffung wäre noch zu früh, denn eines bietet das derzeitige Schulsystem sicher nicht: größte Flexibilität.

Auf einen Blick

Im Jahr 2010 hatten von 600.000 schulpflichtigen Kindern 28.468 sonderpädagogischen Förderbedarf. Fast die Hälfte von ihnen besuchte eine Sonderschule. Der Anteil an integrativem Unterricht variiert nach Schultyp: Volksschulen 1,8 Prozent, HS 3,7 und NMS 4,2 Prozent.

 

 

Die Presse – 30. Jänner 2012

 

Ländervergleich: Viele Wege zur Inklusion

Die Umstellung auf ein inklusives Schulsystem meistert Europa mit unterschiedlichem Erfolg. Italien gilt weltweit als Vorbild. Bundesrepublik Deutschland kommt in Sachen inklusive Schule nur schleppend voran.

Wien/Thea. Seit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung beschäftigt die Frage nach deren Umsetzung im Schulwesen nicht nur Österreich. Die Konvention verpflichtet die unterzeichnenden Länder, ein inklusives Bildungssystem einzurichten. Das gelingt unterschiedlich gut. Eine Auswahl:

Italien gilt weltweit als Vorbild im Bereich der schulischen Inklusion: Bereits 1971 wurde durch ein Gesetz der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung verpflichtend und flächendeckend eingeführt. Im Jahr 2010 gab es in ganz Italien zwölf Sonderschulen. Offiziell besuchen 99,9 Prozent der Kinder mit Behinderung eine Regelschule.

Finnland wird zwar in Bildungsbelangen häufig als Vorbild gehandelt was die gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung betrifft, ist man von flächendeckender Inklusion aber noch weit entfernt. Im Jahr 2010 wurden fast 50 Prozent der Kinder mit Behinderung in Sonderschulen oder speziellen Klassen unterrichtet. Allerdings dominieren Formen, die zumindest teilweise integrativ sind, wie Sonderklassen an Regelschulen oder zeitweiser Unterricht in Regelklassen, gegenüber der klassischen Sonderschule.

Spanien hat bereits im Jahr 1985 mit dem königlichen Beschluss zur Ordnung der Sonderpädagogik die Grundlage für ein Regelschulsystem geschaffen, in dem alle Formen der Beeinträchtigung" zu berücksichtigen sind. Damit wurden auch Spezialklassen an Regelschulen eingeführt. Probleme gibt es aber noch mit der sonderpädagogischen Ausbildung von Lehrern.

Deutschland kommt in Sachen inklusive Schule nur schleppend voran: Einige Bundesländer nehmen zwar absolute Vorbildfunktion ein (Bremen oder Schleswig-Holstein), bei den Schlusslichtern Hamburg und Bayern gibt es hingegen noch enormen Aufholbedarf. Im Schuljahr 2009/10 besuchten in Deutschland insgesamt nur 20 Prozent der Kinder mit besonderem Förderbedarf eine Regelschule. Besonders drastisch: Mehr als die Hälfte derer, die eine Sonderschule besuchen, verlassen diese ohne Hauptschulabschluss.

 

 

Die Presse – 30. Jänner 2012

 

Toptalente als Lehrer auf Zeit: „Auf den ersten Blick unlogisch"

BERNADETTE BAYRHAMMER 

Teach for Austria: Exzellente Universitäts-Absolventen sollen an Brennpunktschulen unterrichten. Wendy Kopp, die Gründerin der Initiative erklärt im Interview mit der "Presse", was das langfristig bringt.

Wien. Eine Idee, die in den USA, in Deutschland, Brasilien und 17 weiteren Ländern schon lange praktiziert wird, soll ab Herbst nun auch in Österreich umgesetzt werden: Nach dem Vorbild von „Teach for America" sollen herausragende Hochschulabsolventen nach einer pädagogischen Schulung für zwei Jahre in Brennpunktschulen arbeiten. Auf dem Weg zum Weltwirtschaftsforum in Davos legte Gründerin Wendy Kopp einen Zwischenstopp in Wien ein, um das Konzept vorzustellen.

Die Presse: Sie haben „Teach for America" vor 20 Jahren gegründet. Wie ist diese Idee entstanden? Sie waren damals Studentin in Princeton.

Wendy Kopp: Gegen Ende des Studiums, im Jahr 1989, habe ich mir die Frage gestellt, warum wir nicht genauso aggressiv dafür angeheuert werden, eine Zeit lang in Brennpunktschulen zu unterrichten, wie für einen Job an der Wall Street. Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr hat mich die Idee gepackt, weil ich glaubte, dass das kurz- und langfristig riesige Auswirkungen haben könnte.

 Das Ziel ist also zweierlei?

Ja. Mittlerweile belegen viele Studien den Erfolg des Konzepts: Die Schüler erzielen vergleichsweise bessere Ergebnisse. Umgekehrt ist das Programm für die Teilnehmer eine Bereicherung. Und schlussendlich hat genau das auch einen Effekt auf das System, weil diese Menschen potenziell zukünftige Führungspersönlichkeiten sind.

Ist Letzteres bloß eine Annahme, oder gibt es dazu auch Untersuchungen?

Gerade erst hat ein Harvard-Forscher untersucht, welchen Einfluss die Erfahrung bei „Teach for America" auf den Lebensweg der Teilnehmer hat. Mit umwerfenden Ergebnissen: Diese Leute sind viel toleranter, was ethnische Minderheiten betrifft, sie glauben viel stärker daran, was die Kinder alles leisten können, und engagieren sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter im Interesse der Kinder.

 Es gibt in den USA mittlerweile 24.000 ehemalige Teilnehmer...

Die Hälfte von ihnen arbeitet im Bildungsbereich, wiederum die Hälfte davon als Lehrer. Es gibt 600 Schulleiter und immer mehr sind in der Schulverwaltung tätig. Von denen, die den Bildungssektor verlassen, hat die Hälfte Jobs, die irgendeinen Bezug zu Schulen oder zu sozial schwachen Schichten haben. Als Politiker beispielsweise, als Ärzte oder Juristen.

 Sehen die Lehrer an den Schulen die Initiative nicht auch als Bedrohung oder als Mangel an Wertschätzung an?

Je näher man an die Betroffenen herangeht, desto größer ist die Unterstützung. Wer in diesem Kontext tätig ist, kennt die Bedürfnisse und weiß, dass wir neue Lösungen brauchen. Und solange die „Teach for America"-Teilnehmer mit Respekt und Bescheidenheit an die Sache herangehen, entwickeln sich sehr starke Win-win-Beziehungen.

 Wir kämpfen in Österreich grundsätzlich mit der Frage, wie wir die besten Leute in den Lehrerberuf bekommen. Ist das ein generelles Problem?

Das ist ein weltweites Problem. Es braucht einen proaktiven Ansatz. Man muss sich mit den potenziellen Kandidaten zusammensetzen, manchmal eins zu eins, um ihnen die Tragweite des Problems zu erklären und ihnen bewusst zu machen, wie sehr sie selbst Einfluss darauf nehmen können.

Konnten Sie sich schon ein Bild davon machen, wo in Österreich die größten Herausforderungen liegen?

Die Probleme sind in allen Ländern sehr ähnlich: Kinder mit schwachem sozioökonomischen Hintergrund sind mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Und die Schulen, die sie besuchen, haben oft nicht die Kapazitäten, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Einige österreichische Schulen haben schon großes Interesse an unserer Initiative signalisiert.

Eine Kontroverse gibt es aber trotz allem: Warum werden Personen als Lehrer angeheuert, die dafür eigentlich keine Ausbildung haben?

Auf den ersten Blick wirkt das Modell völlig unlogisch. Aber das Ausmaß der Krise rechtfertigt diese Art der Lösung. Kinder aus schwachen sozialen Schichten haben nach wie vor sehr schlechte Bildungschancen – im Gesundheitsbereich würden wir von einer Epidemie sprechen. Es ist ein Problem des Systems, und ich glaube, dass man das so wie jedes große Problem lösen muss: mithilfe unserer Toptalente und indem wir unsere zukünftigen Führungspersönlichkeiten an das Thema heranführen.

 Das ist also der eigentliche Knackpunkt der Initiative – und auch beim Thema Bildung und Bildungsgerechtigkeit.

Die fundamentalen Veränderungen, die wir hier brauchen, werden nicht passieren, solange nicht viele Führungspersönlichkeiten im und außerhalb des Bildungssektors verstehen, wo die wirklichen Probleme liegen – und selbst eine solche Erfahrung gemacht haben.

 Unsere Unterrichtsministerin etwa kommt aus einem ganz anderen Berufsfeld. Ist das ein Problem?

Das gibt es in den USA auch. Die Bildungspolitik wird von Menschen geformt, die keine Schulerfahrung haben. Eines der Prinzipien von „Teach for America" ist, dass diese Erfahrung wesentlich ist, um eine Führungsrolle im Bildungsbereich einzunehmen. Man kann diesen Schritt nicht auslassen.

Zur Person

Wendy Kopp (44) gründete die Initiative „Teach for America" 1990, kurz nach ihrem Uni-Abschluss in Princeton. 2008 wählte das „Time"-Magazin sie unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Ihre Erfahrungen beschreibt Kopp in zwei Büchern, zuletzt: „A Chance To Make History: What Works And What Doesn't in Providing an Excellent Education for All"

 

 

Die Presse – 30. Jänner 2012

 

Der Kindergarten ist für gerechte Chancen vorrangig

MICHAEL LANDAU 

Die aktuelle Bildungsdiskussion konzentriert sich zu stark auf Mittel- und Oberstufe. Echte Veränderung muss schon viel früher ansetzen.

Als Caritas sind wir an den Brennpunkten der Gesellschaft tätig. Und wir sehen dort Tag für Tag: Bildungsarmut geht oft mit materieller und in der Folge mit seelischer Not einher. Zugleich werden Bildung und Bildungsarmut vielfach vererbt: Nur 15 von hundert Kindern aus bildungsfernen Schichten wechseln nach der Volksschule in ein Gymnasium, bei Kindern von AkademikerInnen sind es 65. Manche Kinder beginnen den Bildungswettlauf hundert Meter hinter der Startlinie.

Wir wünschen uns ein Bildungssystem, das die Qualitäten und Talente aller jungen Menschen erkennt, fördert und fordert. Bildung braucht faire, gleiche Chancen. Gute Bildung ist ein Menschen- und ein Kinderrecht. Es muss dabei Chancengerechtigkeit geben. Und das heißt: Jeder Mensch soll von Anfang an dabei unterstützt und gefördert werden, Begeisterung am Lernen zu finden. Lernen begleitet das Leben von Anfang an. Richtig verstandene Bildung zielt immer auch auf Gesellschaftsveränderung ab, stellt Machtstrukturen infrage und befähigt zum Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft. In einer breiten Allianz fordern wir im Rahmen der neuen Bildungsplattform „Zukunft.Bildung" Kindergärten und Schulen, die alle Potenziale und Begabungen erkennen, entwickeln und die eine individuelle Förderung und Forderung möglich machen.

Und hier kommt gerade dem Elementarbereich entscheidende Bedeutung zu. Denn er legt ein Fundament für erfolgreiches, gelingendes Lernen und für den Ausstieg aus der Armutsspirale.

Die aktuelle Bildungsdiskussion fokussiert stark auf Mittel- und Oberstufe. Dabei wäre eine Reform im Bereich Kindergarten und Volksschule für gerechtere Chancen vorrangig. Dorthin gehört der Fokus der öffentlichen Debatte! Das heißt auch: heraus aus dem ideologischen Streit und eine klare, entschiedene Orientierung am einzelnen Kind und Jugendlichen mit seinen oder ihren Stärken. Mit einem Beispiel: Wenn ein Schüler in der Oberstufe in Geografie schwach ist, wird er wohl kein Geograf werden. Mangelt es jedoch an der entsprechenden Vermittlung im elementaren Bereich, fehlt eine wesentliche Basis für die Zukunft. Sollten wir nicht Wertigkeiten und Anerkennung auf den Kopf, oder besser die Füße stellen? Zentrale Wertschätzung für Kindergartenpädagoginnen und Volksschullehrer – von denen viele heute schon Großartiges leisten, aber oft unter schwierigsten Rahmenbedingungen und mit beschämenden Gehältern!

Eine aufgeheizte Bildungsdebatte, die sich an Begrifflichkeiten wie dem Für und Wider der Gesamtschule aufhängt, sehe ich als ideologische Sackgasse.

Was wirklich zählt, sind die Interessen der Kinder. Jedes Kind hat das Recht auf beste Bildung, auf Entfaltung der individuellen Talente. Mit Markus Hengstschläger: Es geht darum, Stärken zu stärken, bei den Begabungen, nicht den Defiziten anzusetzen. Und dann vom Reden endlich zum Tun zu gelangen, denn es mangelt nicht an Ideen, aber an der Bereitschaft, diese umzusetzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Dienstag, 24. Januar 2012

2012.01.25: Unterricht

 

Der Standard – 25. Jänner 2012

 

 

Abgesondert oder integriert lernen

Behindert ist, wer behindert wird: Die Lebenshilfe fordert ein Aus für die Sonderschulen und ein völkerrechtlich garantiertes Recht für alle Kinder - auch jene mit "Beeinträchtigungen" - auf eine "inklusive" Regelschule

Wien - Noch 138 Jahre warten: Wenn es mit der Integration von Kindern mit Behinderung in das österreichische Schulwesen in dem bisherigen Tempo weitergeht, dann werden noch einhundertachtunddreißig Jahre vergehen müssen, bis Inklusion zu hundert Prozent erreicht ist. Bis also jedes Kind, das eine körperliche oder intellektuelle Beeinträchtigung - oder "sonderpädagogischen Förderbedarf" (SPF) - hat, eine integrative Regelschule besuchen darf - und keine Sonderschule. Derzeit sind die Chancen, integriert lernen zu können, regional sehr unterschiedlich (siehe Integrationsbarometer rechts).

2009/10 wurden unter den insgesamt 596.000 Schülern laut Schulstatistik 28.468 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf - die Einstufung nehmen die Schulbehörden vor - in allgemeinen Pflicht-, Neuen Mittel- und Polytechnischen Schulen gezählt, AHS-Unterstufen fehlen in der Statistik, obwohl auch dort Inklusion gesetzlich vorgesehen ist - und praktiziert wird: In Wien etwa sind sieben AHS inklusiv geführt, haben also "Integrationsklassen".

Aus für Sonderschulen

Von den SPF-Schülern lernten 15.247 in Integrationsklassen, 2006/07 waren es 14.594. 2009/10 betrug die Integrationsquote demnach 53,5 Prozent - die Integrationsquote stieg in drei Jahren um ein Prozent. "So lange wollen wir nicht warten", sagt Inklusionsexperte Bernhard Schmid, der die 138 Jahre errechnet hat. Der Generalsekretär der Lebenshilfe Wien fordert im Standard-Gespräch nicht nur mehr Tempo, sondern überhaupt das Aus für Sonderschulen - stufenweise bis 2016.

Die Lebenshilfe Österreich will - wie die Grünen übrigens auch - nachdrücklich eine inklusive Schule für alle Kinder - auch und vor allem, weil sich Österreich 2008 mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen dazu verpflichtet habe. Diese sieht vor, dass die Vertragsstaaten "ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen" gewährleisten.

Dritter runder Tisch

Im Unterrichtsministerium findet dazu morgen, Donnerstag, bereits der dritte runde Tisch statt, bei dem ein Entwicklungsplan hin zur inklusiven Schule erarbeitet werden soll, sagt Bernhard Schmid. Die Lebenshilfe hat Sorge, dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) die Sonderschulen beibehalten will.

Das geht zumindest aus einer parlamentarischen Anfrage der Grünen hervor, in der sie sagt, dass die "wesentlichen Inhalte" der UN-Konvention "erfüllt" seien. Sonderschulen blieben in der Konvention "unerwähnt", das könne "nur bedeuten, dass neben einem voll ausgebauten inklusiven System derartige Schulen als zusätzliche Angebote bestehen dürfen", schreibt Schmied. Außerdem sei ein Wechsel aus der Sonderschule "ins inklusive System jederzeit möglich".

Für den Präsidenten der Lebenshilfe, Germain Weber, widerspricht der "separate Unterricht" klar den Regeln der UN-Behindertenrechtskonvention. "Das gegenseitige Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen befähigt zu einer solidarischen Grundeinstellung", sagt der Dekan der Fakultät für Psychologie der Uni Wien. Außerdem wisse man aus Studien, "dass die inklusive Schulbildung mehr Ressourcen einspart, als sie Kosten verursacht".

All das, was in Sonderschulen an pädagogischen Maßnahmen gemacht werde, "ist auch in Regelschulen machbar", sagt der Wiener Lebenshilfe-Generalsekretär Schmid. Italien hat als einziges EU-Land keine Sonderschulen. In Teilen Kanadas ist laut Schmid Inklusion in allen Schulstufen bis hinauf zur Universität garantiert.

In Österreich dagegen war inklusiver Unterricht bis vor kurzem nur für acht Schulstufen gesetzlich zugesichert. Erst unlängst wurde die reguläre Integration von SPF-Schülern auch in der 9. Schulstufe - in Polytechnischen Schulen und in einjährigen Haushaltungsschulen - beschlossen.

Den Behindertensprechern der fünf Parteien reicht das nicht. Gemeinsam fordern sie in einem Entschließungsantrag inklusiven Unterricht auch in berufsbildenden mittleren Schulen: "Behinderte Jugendliche mit körperlichen oder intellektuellen Einschränkungen" müssten auch die Möglichkeit einer Ausbildung in BMS und eine "Berufsperspektive in der Wirtschaft" erhalten, heißt es darin.

Denn "behindert" ist, wer behindert wird. Oder, wie Bernhard Schmid es formuliert: "Es ist normal, verschieden zu sein."

 

Der Standard – 25. Jänner 2012

 

 

Inklusive Bildung

Die Sonderschule hat ausgedient

Kommentar der anderen

Minsterin Schmieds Beharren auf dem Status quo behindert Behinderte -Von Franz-Joseph Huainigg

In Österreich gibt es derzeit rund 27.000 Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Hälfte dieser Kinder besucht eine Sonderschule, die andere Hälfte eine Integrationsklasse in einer Regelschule. Das ist seit 10 Jahren unverändert. Das doppelgleisige System ist das teuerste überhaupt, aber im Sinne der Schüler/-innen nicht das sinnvollste. Daher plädiere ich für die Schließung der Sonderschule zu Gunsten eines qualitätsvoll inklusiven Unterrichts. Von den neuen Rahmenbedingungen, wie zwei Lehrer/-innen, offener Unterricht, individualisierte Lehrpläne etc. würden nicht nur die behinderten, sondern auch die nicht behinderten Kinder profitieren.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gibt vor, dass der richtige Weg die Inklusion behinderter Kinder ins Regelschulwesen ist. Studien belegen klar, dass sich für derart geschulte behinderte Kinder ehr Chancen eröffnen. Die spätere Integration in die Gesellschaft wird erleichtert, ebenso der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Kinder mit Sonderschulabschluss werden dagegen schon beim Berufseinstieg massiv benachteiligt.

Das System Sonderschule hat sich überholt. Von allen Schülern besuchen drei (Tirol) bis sechs Prozent (Wien) die Sonderschule, aber nur ein Prozent ist tatsächlich als behindert einzustufen. Die Differenz ist leicht erklärt: 28 Prozent aller Sonderschulkinder haben einen Migrationshintergrund. Hier werden Kinder, die aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen kommen oder die Sprache nicht gut beherrschen, zu behinderten Kindern "gemacht". Die Sonderschule ist zu einer Aussonderungsschule geworden!

Meine Forderung nach der Abschaffung von Sonderschulen bedeutet keinesfalls eine Geringschätzung der dort tätigen Lehrer. Im Gegenteil: Hier wird wertvolle Arbeit geleistet, die wir auch in Zukunft mehr denn je benötigen - aber zur Weiterentwicklung eines inklusiven Schulsystems.

Ein Schlüssel ist auch die Lehrerfortbildung, hier müsste sichergestellt werden, dass alle neuen Lehrer/-innen Grundkenntnisse im inklusiven Unterricht erwerben. Und warum soll es nicht auch behinderte Lehrer/-innen geben? Derzeit sind ja behinderte Lehramtskandidaten durch die Hochschul-Zulassungsverordnung 2007 ausgegrenzt, sie werden an den Pädagogischen Hochschulen nicht aufgenommen. Die Inklusion beginnt aber im Lehrerzimmer!

FRANZ-JOSEPH HUAINIGG ist Abgeordneter zum Nationalrat und Behindertensprecher der ÖVP.

 

 

Wiener Zeitung – 25. Jänner 2012

 

Schmied will Sonderschule trotz UN-Konvention erhalten

 

Von Petra Tempfer

Wien. "Wenn unser autistisches Integrationskind den Computer ausschalten soll, schreit es, dass es durchs Schulhaus hallt", berichtet Herta K., Volksschullehrerin in Wien-Brigittenau. Ihrer Ansicht nach belasten Kinder mit besonderen Bedürfnissen mitunter den Unterricht. Was vor allem dann zum Problem werde, wenn der zusätzliche Sonderschullehrer der Integrationsklasse krank ist und nur noch ein Lehrer alle Kinder unterrichten muss.

Ansichten wie diese hat nun Unterrichtsministerin Claudia Schmied gestützt, indem sie erstmals zum Thema Sonderschule klar Stellung bezog und betonte, diese erhalten zu wollen. Konkret war es die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch die Grünen, wie es denn mit dem Ausbau der inklusiven Schule in Österreich weitergehe. Ihre Aussage rief die Behindertenorganisationen "Lebenshilfe" und "Initiative Inklusion Österreich" auf den Plan: Die 2008 ratifizierte UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung sehe einen inklusiven Unterricht für alle Schulen und Schulstufen vor. Sogar eine Steigerung zur Integrationsklasse also, in der behinderte Kinder als "etwas anderes" angesehen werden und erst integriert werden müssen, während bei der Inklusion alle als gleichwertig betrachtet werden. Derzeit besuchen rund 13.000 Kinder, also die Hälfte aller Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, eine Sonderschule.

Eine Wortklauberei
Allerdings ist es gerade die UN-Konvention, auf der Schmieds Bekenntnis zur Sonderschule basiert. Die Ministerin sieht die "wesentlichen Inhalte erfüllt": Der Verpflichtung, "ein integratives Bildungssystem einzurichten", werde nachgegangen - da in der Konvention jedoch "Sonderschulen unerwähnt bleiben, kann dies nur bedeuten, dass sie als zusätzliche Angebote bestehen dürfen". Ein Wechseln ins integrative System sei jederzeit möglich.

Eine Wortklauberei also, bei der es um den Begriff "Sonderschule" und - was viel wesentlicher ist - um die Einstellung zum Thema Inklusion geht. Doch was sagt der UN-Monitoringausschuss dazu, der die Einhaltung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen durch die öffentliche Verwaltung überwacht? "Sinn und Zweck sind maßgeblich, nicht Wortklaubereien", sagt Vorsitzende Marianne Schulze zur "Wiener Zeitung". Und der Zweck sei laut UN-Konvention, "dass das allgemeine Bildungssystem für alle Menschen mit Behinderung geöffnet werden muss." Die Kinder müssten gemeinsam unterrichtet werden. Nur so könnten Vorurteile von Anfang an abgebaut werden. "Lebenshilfe"-Präsident Germain Weber sieht sich bestätigt und ergänzt: "Wir wissen aus Studien, dass inklusive Schulbildung sogar mehr Ressourcen einspart, als sie Kosten verursacht."

"Wünsche der Eltern zählen"
Der Vorsitzenden der Arge-Lehrer, Walter Riegler, sieht allerdings genau darin das Problem: "Jeder, der einmal in einer Sonderschule oder einer Blindenschule war, weiß, was dort für die Kinder geleistet wird. In einer allgemeinen Schule könnte man die Ressourcen für eine optimale Betreuung nie aufbringen." Außerdem stünden an erster Stelle die Wünsche der Eltern behinderter Kinder - von denen "ein beträchtlicher Anteil möchte, dass ihr Kind in eine Sonderschule geht".

Befürworter und Gegner der Sonderschule wollen einander am Donnerstag zu einer Verhandlungsrunde treffen, um einen Entwicklungsplan hin zur inklusiven Schule zu erarbeiten. Obwohl sie offensichtlich nicht dasselbe darunter verstehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Montag, 23. Januar 2012

2012.01.24: Unterricht

 

Die Presse – 24. Jänner 2012

 

Kindergarten: Plattform fordert Bundeskompetenz

Eine neue Bildungsplattform aus IV und NGOs hat sich am Montag der Öffentlichkeit präsentiert. Man will Einzelinitiativen bündeln und neue Vorschläge in die Bildungsdebatte einbringen.

Eine neue, überparteiliche Bildungsplattform hat sich am Montag, der Öffentlichkeit präsentiert. (Die "Presse" berichtete bereits). Caritas, Diakonie, Greenpeace, die Industriellenvereinigung, Elternvertreter, Schüler und Pädagogen haben sich zur Initiative "ZUKUNFT.BILDUNG" zusammengeschlossen. So will man bisherige Einzelinitiativen bündeln und deren "Schlagkraft erhöhen", so die Initiatoren in einer Aussendung.

 

Im ersten Jahr will die Plattform ihren Schwerpunkt auf die elementare Bildung, also Bildung ab dem Kleinkindalter, legen. Hier fordert die Plattform eine Zusammenfassung der Kompetenzen beim Bund, denn derzeit seien Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Bildung mit neun verschiedenen Landesgesetzen und zwanzig verschiedenen Gehaltskonzepten konfrontiert. Außerdem brauche es eine bessere Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen. Die Kindergärten sollten „Early Excellence Centres" werden, forderte der Wiener Caritas-Chef Michael Landau.

Im Herbst will die Plattform, die sich als Ergänzung, aber nicht als Nachfolgeorganisation des Volksbegehrens rund um Hannes Androsch versteht, bei einer „Bildungskonferenz" Druck erzeugen. "Wir wollen vor allem Nachhaltigkeit in die Bildungsdebatte bringen", betont Caritas-Direktor Michael Landau gegenüber der "Presse" das gemeinsame Ziel. "Wir setzen dabei ganz bewusst zuerst den Fokus auf die Bildungsarbeit im Kindergarten, dort wird das Fundament für die weitere Bildungslaufbahn gelegt", so Landau weiter.

Warum sich die Caritas im Bündnis engagiert, erklärt Landau damit, dass im österreichischen Bildungssystem ein "hohes Maß an Reformbedürftigkeit" gegeben sei, insbesondere deshalb, weil "Bildungsarmut oft einher mit materieller und seelischer Not" ginge. Dem müsste man stärker entgegen arbeiten. Dazu sei es notwendig, die Bildungsdebatte aus "ideologischen Engführungen" herauszuholen. Dazu könne die Plattform einen wesentlichen Beitrag leisten ist Landau überzeugt: "Wir haben unser Bündnis bewusst breit aufgestellt und suchen nun das Gespräch mit allen Bildungssprechern", so Landau.

Fokus auf elementare Bildung

Die vier inhaltlichen Grundpfeiler der Initiative: "Jedes Kind und jeder Mensch hat das Recht auf die beste Bildung" - damit bezieht sich die Plattform auf Chancengerechtigkeit für alle Kinder. "Auf dem gesamten Bildungsweg ist eine unabhängige Qualitätssicherung notwendig" - damit spricht sich die Plattform für eine Verschlankung der Verwaltungsstrukturen aus. "Bildung steht und fällt mit den PädagogInnen" - ein Bekenntnis der Plattform für die gleiche Ausbildung aller Pädagogen und eine finanzielle Aufwertung dieser. Und: "Der Fokus der Verbesserungen muss auf der Elementarbildung liegen" - ein Verkleinerung der Gruppengrößen in den Kindergärten, sowie die frühestmögliche individuelle Förderung aller Kinder werden gefordert.

 

 

Die Presse – 24. Jänner 2012

 

Behinderte: Schmied will Sonderschulen beibehalten

Unterrichtsministerin Schmied sieht in der Beibehaltung von Sonderschulen keinen Widerspruch zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Das sorgt für Unmut bei Lebenshilfe und Grünen.

Es ist ein höchst kontroverses Thema: der Umgang mit behinderten Kindern im Schulsystem. Lebenshilfe sowie ÖVP- und Grünen-Mandatare fordern seit jeher die Abschaffung der Sonderschulen, damit Behinderte nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Wie aus der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Grünen hervorgeht, sieht Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) dafür aber keine Notwendigkeit.

Sie sehe die wesentlichen Inhalte der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung, die im Jahr 2008 ratifiziert wurde, für erfüllt an, so Schmied. Diese verpflichte Österreich, ein integratives Bildungssystem einzurichten. Wie Staaten das konkret organisieren, bleibe ihnen aber selbst überlassen. „Ausgehend davon, dass Sonderschulen unerwähnt bleiben, kann dies nur bedeuten, dass neben einem voll ausgebauten inklusiven System derartige Schulen als zusätzliches Angebot bestehen dürfen." Sie stünden einer Inklusion so lange nicht im Weg, wie ein Überwechseln ins allgemeine System jederzeit problemlos möglich sei.

Kritik von Lebenshilfe, Diakonie, Grünen

Die Kritik folgte auf den Fuß: Für die Lebenshilfe ist die Sonderschule jedoch keineswegs mit der inklusiven Schule vereinbar. Der "separate Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen" widerspreche klar den Regeln der UN-Behindertenrechtskonvention und halte Behinderte nicht nur "auf einem lebenslangen Sonderweg am Rande der Gesellschaft, sondern ist auch kostspielig in der Erhaltung", meint Lebenshilfe-Präsident Weber.

Eine Ansicht, die auch die "Initiative Inklusion Österreich" teilt, die sich am Montag in einem offenen Brief an Schmied wandte. Sie sieht das "Festhalten am Auslaufmodell Sonderschule" als entscheidendes Hindernis bei der Entwicklung hin zum inklusiven Schulsystem. Nur eine gemeinsame Schulform könne entsprechend ausgebildete Pädagogen sowie passende Hilfsmittel "kostensparend und effizient" einsetzen. Kritik kommt auch von den Grünen - zumal es in Österreich längst kein voll ausgebautes inklusives System gebe, so Bildungssprecher Harald Walser.

Laut Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich, haben Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Österreich "noch immer keinen Platz in einer gemeinsamen Schule". Dabei könne Inklusion allen nutzen, die "häufig befürchtete Nivellierung nach unten" finde nicht statt, wird Denk in einer Aussendung anlässlich seines heutigen Referats im Rahmen der Zero Conference der Essl-Stiftung zitiert. Die Inklusions-Quote von Kindern mit sonderpädagogischem Bedarf liege derzeit zwischen 82 Prozent in Steiermark und nur 32 Prozent in Niederösterreich.

Länder für Beibehaltung von Sonderschulen

Die Länder sind es auch, die auf die Erhaltung der Sonderschulen Wert zu legen scheinen: Im November bestätigte etwa der Tiroler Landesschulratspräsident Hans Lintner (ÖVP) eine entsprechende Vereinbarung mit dem Unterrichtsministerium, wonach "Integration und Inklusion so weit wie möglich ausgebaut werden soll, dass es aber unverzichtbar ist und bleibt, dass Sonderschulen weiterhin bestehen bleiben".

Schmieds geplante Schritten zur inklusiven Schule sehen u.a. die Integration in der neunten Schulstufe an Polytechnischen und einjährigen Haushaltungsschulen sowie vermehrte Schulversuche in der Sekundarstufe II und die weitere Entwicklung von "Kompetenzzentren an Sonderschulstandorten" vor. Weber geht das nicht weit genug: Er fordert in Schmieds Entwicklungsplan, der laut Lebenshilfe noch diese Woche weiter verhandelt wird, "eine klare Positionierung und ein eindeutiges Bekenntnis zur inklusiven Bildung, was im Endeffekt eine Distanzierung zur Sonderschule zur Folge haben muss".

 

 

Der Standard – 24. Jänner 2012

 

 

Neue Bildungsplattform

Die Weltmeister im Sandkasten

Die Bildungsplattform "ZUKUNFT.BILDUNG" will als überparteiliche Allianz das Bildungssystem in Etappen neu denken und reformieren - Am Beginn steht das "Fundament" im Kleinkindalter: die Elementarpädagogik

Wien - Das Bildungsvolksbegehren ist geschlagen. Die nächste Bildungsinitiative bringt sich in Stellung: Die Weltmeistermacher.

Die überparteiliche Bildungsplattform "ZUKUNFT.BILDUNG" hat sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als Österreich zum "Bildungsweltmeister" zu machen - wenigstens mittel- oder langfristig, erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, am Montag.

Überparteilich spannt einen Bogen von der IV über Greenpeace, Caritas und Diakonie hin zu Elternvereinen an mittleren und höheren sowie Pflichtschulen und im Bildungssystem arbeitenden Pädagoginnen und Pädagogen.

"Wir ergreifen Partei für die Bildung, aber parteiunabhängig", betonte Neumayer, für den Generationengerechtigkeit im Bildungssystem beginnt. Und da schon ganz früh. "Spätestens nach der Geburt", sagte Raphaela Keller vom Dachverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen.

Keine "Sackgassenthemen"

Und es beginnt früher als in der "Mittel- und Oberstufe", auf die sich die politische Debatte derzeit zu sehr konzentriere, was aber vor allem "ideale Sackgassenthemen" seien, findet der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau.

Also lautet das Motto der neuen Initiative: "Start mit dem Fundament." Die künftigen Weltmeister müssen quasi im Sandkasten abgeholt werden. Darum wollen die Initiatoren im kommenden Jahr den ersten Schwerpunkt auf die Elementarbildung legen, kündigte der Obmann der Allianz, AHS-Lehrer Daniel Landau, an, "weil Interventionen in diesem Bereich die weitaus besten Erfolgsaussichten für Kinder haben."

Eine "Bildungskonferenz" im Herbst soll "Bewusstsein schaffen und Druck erzeugen", sagte Raphaela Keller. Eine alte Forderung der Elementarpädagoginnen wird ganz oben auf der Agenda stehen: Wir wollen alle zum Bund!

Einheitliche Bundeskompetenz für alle Kindergärten und Horte, nicht wie jetzt neun verschiedene "Kinder-Länder" mit "20 verschiedenen Gehaltskonzepten" für die dort tätigen Pädagoginnen. Keller: "Daher sind die Bildungsbedingungen für Kinder nicht fair."

Die Caritas plädiert dafür, die Kindergärten in "Early Excellence Centers" umzugestalten, wo Eltern mit ihren Kindern den Weg in Richtung Bildungsweltmeisterschaft antreten sollen. Auch, weil sich in dieser Gruppe die demografische Entwicklung manifestiert. Wenn schon weniger Kinder, dann wenigstens ein Bildungssystem, das "die Qualitäten und Talente aller jungen Menschen erkennt, fördert und fordert", sagte IV-Generalsekretär Neumayer.

Parteipolitik war übrigens doch präsent bei der Präsentation - im Publikum, in Person von Harald Walser, dem Bildungssprecher der Grünen. Der begrüßt zwar das "breite gesellschaftliche Bündnis", fordert er aber auch just das, was die Proponenten auf dem Podium als "strukturelles Thema" ans Ende der angefangenen Bildungsdebatte verlagern wollen: Ein Bekenntnis zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Das gibt es von den Weltmeistermachern jetzt noch nicht.

Wer in die Gesamtschule soll, muss zuerst den Kindergarten hinter sich bringen.

 

 

Der Standard – 24. Jänner 2012

 

 

Umfrage

75 Prozent halten gemeinsame Schule für eine "gute Idee"

Umfrage im Auftrag der SPÖ Niederösterreich: Mehrheit der Bevölkerung für Gesamt- und Ganztagsschule

Wien - Die Österreicher können den Modellen der Gesamtschule und Ganztagsschule einiges abgewinnen. In einer Befragung des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) befinden 75 Prozent die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen als "gute Idee", während 63 Prozent die Ganztagsschule als mögliche "Schule der Zukunft" befürworten. Ernüchternd ist hingegen der Informationsstand der Befragten: Mehr als zwei Drittel können sich unter der Gesamtschule wenig bzw. nichts vorstellen, während lediglich vier von zehn die Ganztagsschule ein Begriff ist, wie aus den Unterlagen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem niederösterreichischen SPÖ-Chef Sepp Leitner am Montag hervorgeht.

Das Ergebnis der unter 1.064 Österreichern ab 15 Jahren durchgeführten repräsentativen Befragung zeigt laut Peter Zellmann vom IFT, dass die Bevölkerung "innovationsbereiter" ist, "als die Politik ihr zutraut". Er fordert deshalb die Regierung auf, die Voraussetzungen in den Bereichen Schulorganisation und Lehrerbildung zu schaffen und diese der Differenzierung im Unterricht unterzuordnen. Die SPÖ fordert seit jeher die Einführung einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, während die ÖVP dadurch eine Senkung des Leistungsniveaus befürchtet.

"Besser als bisher"

Die Gesamtschule wird bei der Umfrage - laut Fragestellung wörtlich "unabhängig von jeder parteipolitischen Einstellung" - als "ein besser als bisher differenzierendes Schulsystem" beschrieben, das schlechten Schülern hilft und begabte Schüler fördert. Bereits acht von zehn Befragten können sich mit einer Gesamtschule in der so dargestellten Form anfreunden. Nach dem Hinweis, die Ganztagsschule könne nur als Verpflichtung für alle Pflichtschüler funktionieren, können sich vier von zehn zuvor Unschlüssigen vorstellen, ihre Meinung in Richtung einer verpflichtenden statt einer freiwilligen ganztägigen Schulform zu ändern.

 

 

Wiener Zeitung – 24. Jänner 2012

 

Umfrage-Ergebnisse zur "Schule der Zukunft" - Neue Plattform "Zukunft.Bildung" formiert sich

Mehrheit für die Gesamtschule

 

Von Petra Tempfer

Wien. Das Volksbegehren "Bildungsinitiative" im November 2011 wurde zwar nicht zum erfolgreichsten aller Zeiten. Dafür, dass die Forderungen nun im Nationalrat behandelt werden, reichten die 383.820 Unterschriften aber allemal. Eine davon: der Ausbau der Ganztagsschulen. Das am Montag präsentierte Ergebnis einer Befragung des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) brachte nun einen viel eindeutigeren Trend ans Licht. Befürworten doch 63 Prozent der 1064 befragten Österreicher ab 15 Jahren die Ganztagsschule als "Schule der Zukunft". 75 Prozent halten die Gesamtschule der 10- bis 14-Jährigen für eine "gute Idee".

"Beim Bildungsvolksbegehren fühlte sich die Bevölkerung zu wenig informiert: Nur rund 20 Prozent gaben an, genug im Bilde gewesen zu sein, um eine Entscheidung treffen zu können", erklärte Peter Zellmann vom IFT. Ein Manko an Information - das dürfte laut Zellmann die Ursache sein, warum Österreicher einer Bildungsreform skeptisch gegenüberstehen: Laut Umfrage weiß nur ein Viertel, worum es sich bei einer Gesamt- oder Ganztagsschule überhaupt handelt.

Nach detaillierten Informationen sprachen sich laut Zellmann sogar 76 Prozent für eine Ganztagsschule und 82 Prozent für eine Gesamtschule aus. Die Umfrage enthielt den Hinweis, dass die Ganztagsschule nur als Verpflichtung für alle Pflichtschüler funktionieren könne. Die Gesamtschule wurde indes als ein "besser als bisher differenzierendes und von jeder parteipolitischen Einstellung unabhängiges" Schulsystem beschrieben, das schlechten Schülern hilft und begabte fördert.

Genau hier setzen jedoch die parteipolitischen Differenzen an. "Eine Fragestellung dieser Art ist extrem suggestiv", kritisiert ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon. Befürchtet doch die ÖVP, dass in einer Gesamtschule das Leistungsniveau gesenkt wird - während die SPÖ seit jeher deren Einführung fordert. Die ÖVP will die Kinder auch nicht zum ganztägigen Schulbesuch verpflichten.

Schmied fühlt sich bestätigt
In Wien sorgte dieses Thema zuletzt bei der Volksbefragung im Februar 2010 für Diskussionen, bei der sich 77 Prozent für ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen aussprachen. Seitdem wird an der Umsetzung gearbeitet, wie es aus dem Büro des Bildungsstadtrates Christian Oxonitsch heißt. 29 Schulen würden bereits ganztägig geführt, rund 14 Schulen fehlten noch.

Durch das aktuelle Umfrageergebnis fühlt sich auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied bestätigt. "Nach der Neuen Mittelschule ist die gemeinsame Ganztagsschule der nächste Schritt", betont Sprecher Josef Galley im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". 80 Millionen Euro würden jährlich investiert, um das Angebot auszubauen. Der Besuch der gemeinsamen Ganztagsschule solle allerdings freiwillig bleiben - allein das flächendeckende Angebot müsse gewährleistet sein.

"Jedes Kind hat das Recht auf Bildung." So lautet auch eine der Forderungen der Plattform "Zukunft.Bildung", die ebenfalls am Montag ihre Gründung bekannt gab. Im Zuge des Bildungsvolksbegehrens, aber "nicht als Nachfolgeorganisation" initiiert, wollen Vertreter unter anderem der Industriellenvereinigung, Caritas sowie Kindergarten- und Hortpädagogen gemeinsam als überparteiliche, "mahnende Stimme" auftreten und "Österreich zum Bildungsweltmeister machen". "Unser Schwerpunkt ist die Elementarpädagogik", sagt Obmann Daniel Landau zur "Wiener Zeitung", "also die Angleichung der Kindergartenpädagogen-Gehälter ans AHS-Niveau." Damit unterfüttert er die Pläne Schmieds, die seit langem die Ausbildung aller Pädagogen auf universitärem Niveau vereinheitlichen möchte. Beim Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, stößt die neue Plattform allerdings auf Kritik. Die Forderungen seien zu wenig konkret. Und - die Plattform solle das IFT-Umfrage-Ergebnis als Auftrag sehen und sich auch zur gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen bekennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.01.23: Unterricht

APA0247 II, XI 23.01.2012 12:37:37

 

Neue Bildungsplattform fordert Bundeskompetenz im Elementarbereich

Utl.: Vertreter von Industriellenvereinigung, Caritas und Diakonie bei "ZUKUNFT.BILDUNG" - Bildungskonferenz im Herbst

Schulen/Lehrer/Kinder/Soziales/Bildung/Volksbegehren

Als "Schulterschluss über ideologische Grenzen hinaus" versteht sich die neue Plattform "ZUKUNFT.BILDUNG", die am Montag in Wien präsentiert wurde. Im Zuge des Bildungsvolksbegehrens, aber "nicht als Nachfolgeorganisation" initiiert, wollen Vertreter der Industriellenvereinigung (IV), Caritas, Diakonie, Greenpeace, Kindergarten- und HortpädagogInnen sowie Elternvertreter der mittleren und höheren bzw. Pflichtschulen gemeinsam als überparteiliche, "mahnende Stimme" auftreten und "Österreich zum Bildungsweltmeister machen". Im Rahmen des ersten Schwerpunkts, der Elementarbildung, fordern sie unisono Bundeskompetenz.

Derzeit seien Bildungseinrichtungen im Bereich der frühkindlichen Bildung mit "neun verschiedenen Landesgesetzen und 20 verschiedenen Gehaltskonzepten" konfrontiert, so Raphaela Keller, Vorsitzende der Berufsgruppe der Kindergarten- und HortpädagogInnen, bei der Pressekonferenz. "Der Fokus der Verbesserungen im Bildungsbereich muss auf elementaren Bildungseinrichtungen" liegen, meint Keller, die sich eine Abkehr von "Sonntagsreden" der Politiker und klare Ansprechpartner auf Bundesebene wünscht. Im Rahmen einer Aufwertung des Berufsbildes der Elementarpädagogen fordert sie zudem ein neues Dienstrecht sowie die Umsetzung der neuen Pädagogenbildung. Schließlich brauchen "die besten PädagogInnen für die Basis der Bildung auch die besten Ressourcen".

Als ersten Schritt will die Plattform bei einer "Bildungskonferenz" im Herbst "Bewusstsein schaffen und Druck erzeugen". In weiterer Folge sollen durch Allianzen mit politischen Entscheidungsträgern Reformen forciert und das "Fundament" im Bildungsbereich neu aufgebaut werden. Erstmals ziehen Organisationen gemeinsam mit direkten Betroffenen an einem Strang, so der Obmann der Plattform, AHS-Lehrer Daniel Landau. Klare Bekenntnisse zu Streitthemen wie der gemeinsamen Schule findet man jedoch nicht unter den Forderungen, man könne ja bei einem Hausbau "auch nicht im ersten Stock beginnen", meint Landau. "Die strukturelle Frage gehört an den Schluss der Debatte. Erst müssen wir elementare Bildungseinrichtungen und die Volksschule stärken, wo die erste Begegnung eines Kindes mit institutionalisierter Bildung stattfindet."

Sein Bruder, der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau, sieht die derzeitige öffentliche Diskussion "zu sehr auf die Mittel- und Oberstufe konzentriert", man müsse "weg von idealen Sackgassenthemen". Er fordert die Umwandlung von Kindergärten in "Early Excellence Centres" für Kinder und Eltern und spricht sich für eine "Anpassung der Lehrpläne an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts" aus. Vorsorge fordert auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Demografische Entwicklungen würden dazu führen, dass wir "weniger junge Menschen am Arbeitsmarkt haben werden". Gerade deshalb sei ein Bildungssystem wichtig, das "die Qualitäten und Talente aller jungen Menschen fördert, erkennt und auch fordert".

Einen ersten Partner aus der Politik hat die Plattform in den Grünen gefunden. In einer Aussendung begrüßt der Grüne Bildungssprecher Harald Walser das "breite gesellschaftspolitische Bündnis", das für eine "umfassende Bildungsreform dringend notwendig" sei. Er sieht darin "einen Hilfeschrei der Zivilgesellschaft", fordert aber eine Konkretisierung der Forderungen und ein Bekenntnis zur gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen.

(schluss) pra;jle;has

 

 

OTS0126 II 23.01.2012 12:03:41

 

Grüne zu Plattform "Zukunft.Bildung": "Hilfeschrei der Zivilgesellschaft"

Utl.: Forderungskatalog muss aber konkretisiert werden

Innenpolitik/Grüne/Schule/Bildung

"Ein breites gesellschaftspolitisches Bündnis ist für eine umfassende Bildungsreform dringend notwendig", begrüßt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, die Gründung der Plattform "Zukunft.Bildung": "Ich sehe darin einen Hilfeschrei der Zivilgesellschaft."

Familiensprecherin Daniela Musiol ist erfreut darüber, dass die Plattform den elementarpädagogischen Bereich zum Schwerpunkt ihrer Aktivitäten macht: "Bildung gehört in Bundeskompetenz, wir brauchen ein bundeseinheitlichen Rahmengesetz für den vorschulischen Bereich."

Walser weist allerdings auf die Gefahr hin, dass die Forderungen der Plattform zu wenig konkret sind. "Wenn sich 75 Prozent der österreichischen Bevölkerung für eine Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen aussprechen, muss das jede Bildungsplattform als Auftrag sehen", sagt der Grüne Bildungssprecher. "Ich erinnere daran, dass sich praktisch alle in der Plattform vertretenen Organisationen inklusive der Industriellenvereinigung schon für die Gesamtschule ausgesprochen haben. Hinter diese Position darf eine Bildungsplattform nicht zurückfallen", sagt Walser abschließend.

Rückfragehinweis: Die Grünen Tel.: +43-1 40110-6697 mailto:presse@gruene.at

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OTS0173 II 23.01.2012 13:35:31

 

Leitner/Zellmann: Breite Mehrheit der ÖsterreicherInnen spricht sich für Gesamtschule und Ganztagsschule aus

Utl.: Jüngste Studienergebnisse sind ein klarer Arbeitsauftrag an die Bildungspolitik

Politik/Bildung/Schule/Jugend/Niederösterreich

"Die hohen Zustimmungsraten zu einer Gesamtschule und einer Ganztagsschule sind ein klarer Handlungsauftrag an die Politik", kommentieren LHStv. Dr. Sepp Leitner und Prof. Mag. Peter Zellmann vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) die Ergebnisse einer aktuellen Repräsentativbefragung, in deren Rahmen 1.064 ÖsterreicherInnen zur Bildungspolitik sowie zur Gesamt- und Ganztagsschule befragt wurden. Zum zurückliegenden Bildungsvolksbegehren muss gesagt werden, dass die mediale Berichterstattung zwar umfassend war, die Bevölkerung sich aber wenig informiert fühlte. Nur rund 20 Prozent der Befragten sagten aus, am Volksbegehren interessiert oder betreffend der Anliegen des Bildungsvolksbegehrens genug im Bilde gewesen zu sein, um eine Entscheidung treffen zu können. Leitner: "Die Ergebnisse der Studie haben aber gezeigt, dass sich vor allem informierte BürgerInnen noch stärker für eine Änderung des bisherigen Bildungssystems aussprechen. Daher ist es eine maßgebliche Aufgabe der Politik, die Menschen über die Anliegen, Zielsetzungen und Reformbemühungen in der Bildungspolitik noch umfassender und detaillierter zu informieren."

"Nach ersten, groben Informationen halten 75 % der Befragten eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen für eine grundsätzlich gute Idee, wobei es auf die konkrete Organisation des Schultyps ankommt. Werden die Befragten detailliert und fachlich ausreichend darüber aufgeklärt, dass mit dem Begriff einer Gesamtschule ein besseres, differenzierteres Schulsystem gemeint ist und dass die Begabungen der SchülerInnen stärker gefördert werden, sprechen sich 82 % für eine Gesamtschule aus", so Prof. Zellmann, der auch darauf verweist, dass Österreich und Deutschland die einzigen zwei Länder in Europa sind, in denen es eine flächendeckende Gesamtschule noch nicht gibt. "Auch in der Frage einer ganztägigen Schule gibt es eine breite Mehrheit in der Bevölkerung. Die Ganztagsschule war ursprünglich ein pädagogisch klar definierter Begriff: Unterricht und Freizeit prägen gleichermaßen den Schulalltag. Auch hier sieht man deutlich, dass sich nach detaillierten Informationen über eine Ganztagsschule 76 % der befragten Personen dafür aussprechen", so Zellmann über die Studienergebnisse.

"Am Ende des Bildungsweges muss es eine gemeinsame, ganztägige Schule geben. Rund drei Viertel der Bevölkerung sind von der gemeinsamen Schule und der Ganztagsschule positiv angetan. Die Befragten wollen gleiche Bildungswege unabhängig vom Standort der Bildungseinrichtung. Die Menschen müssen aber auch über die Arbeit und die Zielsetzungen der Politik und der politisch Verantwortlichen klarer und umfassender informiert werden, um für sich selbst und damit für ihre Meinungsbildung die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Gerade im Bildungsbereich ist es ein Gebot der Stunde, dass die Politik richtungweisend handelt, denn Bildungspolitik ist Zukunftspolitik. Daher ist es wichtig, dass die politischen Entscheidungsträger im Bereich der Schulorganisation und Lehrerbildung die richtigen Vorrausetzungen schaffen, damit eine bessere, individuelle Talentförderung, ein besseres Eingehen auf Begabungen und eine Verbesserung des allgemeinen Bildungsniveaus erreicht wird. Bei der Bildung zu sparen, wäre ein fatales Signal für die Zukunft unserer Kinder", so Leitner abschließend. (Schluss) df/fa

Rückfragehinweis: SPNÖ-Landesregierungsfraktion/SPNÖ-Landtagsklub Mag. Andreas Fiala, Pressesprecher LHStv. Dr. Sepp Leitner Tel.: 02742/9005 DW 12794, Mobil: 06642017137 mailto:andreas.fiala@noel.gv.at www.noe.spoe.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/193/aom

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APA0172 II, XI 23.01.2012 11:37:40

 

Umfrage: Mehrheit der Bevölkerung für Gesamt- und Ganztagsschule

Utl.: Aber geringer Informationsstand zu beiden Modellen

Schulen/Umfrage/Niederösterreich

Die Österreicher können den Modellen der Gesamtschule und Ganztagsschule einiges abgewinnen. In einer Befragung des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) befinden 75 Prozent die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen als "gute Idee", während 63 Prozent die Ganztagsschule als mögliche "Schule der Zukunft" befürworten. Ernüchternd ist hingegen der Informationsstand der Befragten: Mehr als zwei Drittel können sich unter der Gesamtschule wenig bzw. nichts vorstellen, während lediglich vier von zehn die Ganztagsschule ein Begriff ist, wie aus den Unterlagen zu einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem niederösterreichischen SP-Chef Sepp Leitner am Montag hervorgeht.

Das Ergebnis der unter 1.064 Österreichern ab 15 Jahren durchgeführten, repräsentativen Befragung zeigt laut Peter Zellmann vom IFT, dass die Bevölkerung "innovationsbereiter" ist, "als die Politik ihr zutraut". Er fordert infolgedessen die Regierung auf, die Voraussetzungen in den Bereichen Schulorganisation und Lehrerbildung zu schaffen und diese der Differenzierung im Unterricht unterzuordnen. Die SPÖ fordert seit jeher die Einführung einer gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen, während die ÖVP dadurch eine Senkung des Leistungsniveaus befürchtet.

Die Gesamtschule wird bei der Umfrage - laut Fragestellung wörtlich "unabhängig von jeder parteipolitischen Einstellung" - als "ein besser als bisher differenzierendes Schulsystem" beschrieben, das schlechten Schülern hilft und begabte Schüler fördert. Bereits acht von zehn Befragten können sich mit einer Gesamtschule in der so dargestellten Form anfreunden. Nach dem Hinweis, die Ganztagsschule könne nur als Verpflichtung für alle Pflichtschüler funktionieren, können sich vier von zehn zuvor Unschlüssigen vorstellen, ihre Meinung in Richtung pro verpflichtender statt freiwilliger ganztägiger Schulform zu ändern.

(schluss) pra;jle;has

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945