Freitag, 30. März 2012

2012.03.30: Unterricht

OTS0165 II, XI 30.03.2012 12:39:48

 

BZÖ-Haubner: Causa Telfs als Beweis für Absurdität des Schulsystems

Utl.: BZÖ fordert Schulkompetenzen an Bund übertragen und Abschaffung der Schulsprengel

BZÖ/Haubner/Schulen/Bildung/Verwaltung/Tirol/Österreich

"Es darf nicht sein, dass die Politik entscheidet, in welche Schulform ein Kind aufgenommen wird. Wenn der Bürgermeister ein Mitspracherecht hat, ob ein Kind die neue Mittelschule oder die AHS besucht, dann ist das ein Beweis für die Absurdität des österreichischen Schulsystems. Es ist völlig inakzeptabel, dass die Politiker willkürlich darüber urteilen, in welche Schulform ein Kind gesteckt wird", so BZÖ-Bildungssprecherin Abg. Ursula Haubner in Bezug auf Vorfälle in Telfs in Tirol, wo Schüler trotz AHS-Reife nicht in die AHS aufgenommen wurden, nur um die Schülerzahlen in den Hauptschulen zu halten.

Diese Situation sei Folge des Kompetenzwirrwarrs im Bildungssystem, so Haubner. "Das BZÖ verlangt, dass die Schulkompetenzen dem Bund übertragen und die starren Schulsprengel abgeschafft werden. Ein diesbezüglicher BZÖ-Antrag liegt seit 2011 im Parlament und wurde von den Regierungsparteien vertagt. Weiters müssen wir rasch in Richtung gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jäjhrigen gehen. Denn auch die viel zur frühe Selektion ist für Probleme wie in Telfs verantwortlich", so die BZÖ-Bildungsprecherin.

Rückfragehinweis: Pressereferat Parlamentsklub des BZÖ

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/4527/aom

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APA0250 II, XI 30.03.2012 12:31:43

 

Paul Kimberger neuer Chef der Lehrergewerkschaften

Utl.: Löst Walter Riegler als Vorsitzender der ARGE Lehrer in der GÖD ab - Damit auch neuer Spitzenverhandler zu Lehrerdienstrecht

Lehrer/Gewerkschaften/Wahlen

Während die Regierung auf Ministerebene in die Verhandlungen für ein neues Lehrerdienstrecht eintritt, ändert sich ihr primäres Gegenüber aus den Reihen der Gewerkschafter: Paul Kimberger (FCG) wurde heute, Freitag, einstimmig zum neuen Vorsitzenden der ARGE Lehrer in der GÖD gewählt und löst damit Walter Riegler (ebenfalls FCG) als Spitzenverhandler bei der Reform des Dienst- und Besoldungsrechts ab, wie die Gewerkschaft in einer Aussendung mitteilte.

Kimberger hatte Riegler im Vorjahr auch an der Spitze der Pflichtschullehrergewerkschaft ersetzt. Als Stellvertreter der ARGE Lehrer, in der die verschiedenen Lehrergewerkschaften der GÖD zusammengeschlossen sind, fungieren künftig Jürgen Rainer (FCG) und Thomas Bulant (FSG).

Dass alle Lehrergruppen "weiterhin an einem gemeinsamen Strang ziehen", werde sich laut GÖD auch "in den möglichen Dienstrechtsverhandlungen mit der Regierung manifestieren". "Das Gemeinsame, nicht das Trennende steht im Vordergrund", wird Kimberger in der Mitteilung zitiert. "Wir wollen eine verlässliche Schule, in der die Förderung der Kinder und Jugendlichen mit all ihren Talenten im Mittelpunkt steht. Dazu braucht es ein modernes und attraktives Dienstrecht mit einer gleichwertigen Ausbildung aller LehrerInnengruppen auf Masterniveau."

(schluss) pra;cm;pm

OTS0144 II, XI 30.03.2012 12:13:21

 

BZÖ-Haubner: Schulen sollen autonom über Unterrichtsbeginn entscheiden können

Utl.: BZÖ-Bildungssprecherin kündigt parlamentarische Initiative an

BZÖ/Haubner/Schule/Unterrichtsbeginn/Bildung/Parlament

BZÖ-Bildungssprecherin Abg. Ursula Haubner fordert angesichts der aktuellen Diskussion über einen früheren Unterrichtsbeginn, dass "den Schulen die Möglichkeit gegeben werden soll, autonom zu entscheiden, ob sie um 08:00 Uhr oder um 09:00 Uhr mit dem Unterricht beginnen". "Im Rahmen der Schulpartnerschaft sollen Schüler, Eltern, Lehrer sowie die Schulleitung die Situation an der jeweiligen Schule analysieren und dann eine gemeinsame Entscheidung treffen. Es wäre falsch, von oben eine Beginnzeit zu verordnen und den Schulen Vorschreibungen zu machen, ohne die jeweilige Lage zu kennen."

Haubner verweist auf die regional unterschiedlichen Voraussetzungen. "Es stellt sich etwa die Frage nach Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, die Arbeitszeiten der Eltern oder Freizeitangeboten am Nachmittag. Hier muss man optimal auf die Bedürfnisse der Betroffenen in den Regionen eingehen."

Die BZÖ-Bildungssprecherin kündigt eine diesbezügliche Initiative im Nationalrat an. "Dort, wo es sinnvoll ist, sollen wir den Schulen mehr Autonomie geben. Die Entscheidung über den Unterrichtsbeginn eignet sich dafür hervorragend", betonte Haubner.

Rückfragehinweis: Pressereferat Parlamentsklub des BZÖ

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OTS0126 II 30.03.2012 11:42:41

 

GÖD: Paul Kimberger neuer Vorsitzender der ARGE-Lehrer in der GÖD

Utl.: Die Zukunft der Schule und der Lehrerschaft soll gemeinsam gestaltet werden

Gewerkschaften/Lehrer/Bildung/Schulen/Wahlen/Parteien

Der Christgewerkschafter Paul Kimberger wurde heute einstimmig zum neuen Vorsitzenden der ARGE Lehrer in der GÖD gewählt. Er übernimmt den Vorsitz von Walter Riegler, dem der Oberösterreicher Kimberger bereits im Vorjahr als Vorsitzender der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft gefolgt ist. Die gewählten Stellvertreter sind Jürgen Rainer (FCG) und Thomas Bulant (FSG).

Priorität hat die Verhandlung über das neue LehrerInnen-Dienstrecht. "Wir wollen eine verlässliche Schule, in der die Förderung der Kinder und Jugendlichen mit all ihren Talenten im Mittelpunkt steht. Dazu braucht es ein modernes und attraktives Dienstrecht mit einer gleichwertigen Ausbildung aller LehrerInnengruppen auf Masterniveau. In den Schulen sind passende Werkzeuge in Form von Supportsystemen und rechtssichere Interventionsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen", so Kimberger. Alle LehrerInnengruppen in der GÖD werden dazu weiterhin an einem gemeinsamen Strang ziehen, dies wird sich in den möglichen Dienstrechtsverhandlungen mit der Regierung manifestieren. "Das Gemeinsame, nicht das Trennende steht im Vordergrund. Wir werden die Zukunft der Schule und der Lehrerschaft gemeinsam gestalten", so Kimberger abschließend.

Rückfragehinweis: Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Öffentlichkeitsarbeit Otto Aiglsperger 1010 Wien, Teinfaltstr. 7 Tel.: 53454/233 DW www.goed.at

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.03.30: Unterricht

OTS0094 II 30.03.2012 10:54:37

 

Walser zur "Telfser Affäre": Grüne fordern Betroffene auf, Beschwerde einzulegen

Utl.: Bildungssprecher Amon und Mayer als "Beschwichtigungsduo"

Grüne/Bildung/Schule/Telfs

"Wenn AHS-reife Kinder keinen Platz in einem Gymnasium erhalten, sollten die Eltern Beschwerde beim Landesschulrat einlegen", rät Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, in Reaktion auf die Aussagen der Bildungssprecher von SPÖ und ÖVP, wonach jedes AHS-reife Kind auch in eine AHS aufgenommen werden müsse.

Walser wirft SPÖ und ÖVP Heuchelei vor: "Amon und Mayer treten den empörten Eltern als Beschwichtigungsduo entgegen. Das ist an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten, denn die Sachlage hat sich seit Jahrzehnten nicht verändert. Rechtswidrig werden in der einen Region AHS-reife Kinder nach Gutdünken der Landesschulräte in die Gymnasien aufgenommen oder nicht. In Telfs will das gar der Bürgermeister entscheiden." Diese Probleme sind seit langem bekannt: "Neu ist nur die Dummheit der Verantwortlichen, diesen rechtswidrigen Zustand wie in Telfs sogar in einen Vertrag zu schreiben."

Die seit Jahrzehnten geübte Praxis führt zu einer massiver Benachteiligung des ländlichen Raums. Während beispielsweise im Bezirk Hermagor in Kärnten gerade einmal 0,8% der Kinder eine AHS-Unterstufe besuchen, treten heuer in Wien allein im 1. Bezirk 94,1% der VolksschülerInnen in eine AHS über. "Die ÖVP möge ihrer ländlichen Anhängerschaft klarmachen, warum sie seit Jahren darauf beharrt, ausgerechnet den ländlichen Raum bildungspolitisch auszuhungern", so Walser weiter.

Wenig Vertrauen hat Walser in die markigen Worte des SPÖ-Bildungssprechers: "Die SPÖ will sich für den Wahlkampf offensichtlich als 'Schulreformpartei' profilieren. Gestern noch hat sie das Gesetz über die Neue Mittelschule im Parlament als 'Jahrhundertgesetz' gefeiert, heute schon meint derselbe Politiker, es handle sich bei der NMS nur um einen 'Zwischenschritt'. Darauf werden sich Wählerinnen und Wähler selbst einen Reim machen."

"Wenn die SPÖ es ernst meint, möchte ich sie daran erinnern, dass wir im Parlament seit vier Jahren eine Mehrheit für die Gemeinsame Schule hätten. Wir stehen dazu bereit. Die Bevölkerung will statt großer Worte endlich Taten sehen", so Walser.

Rückfragehinweis: Die Grünen Tel.: +43-1 40110-6697 mailto:presse@gruene.at

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OTS0072 II 30.03.2012 10:32:43

 

FPÖ-Walter Rosenkranz: SPÖ will Gymnasien abschaffen - fragt sich nur, mit wem!

Utl.: Ohne Regierungsmehrheit wird es nicht gehen

FPÖ/Rosenkranz/Bildung/NMS/Gymnasium/ÖVP/Mayer

"Wenn man sich die derzeitigen Wahlumfragen ansieht, stellt sich die Frage, ob der SPÖ-Bildungssprecher Mayer die Grundrechnungsarten eigentlich beherrscht, oder ob er etwa gar die SPÖ ab 2013 nicht mehr in einer Regierung sieht", kommentiert FPÖ-Bildungssprecher NAbg. Walter Rosenkranz die Ansagen Mayers im Ö1-Morgenjournal. Mayer hatte darin behauptet, er könne sich kein Regierungsabkommen vorstellen, in dem nicht das Vorhaben zur Abschaffung der Gymnasien enthalten sei. "Da es unter der FPÖ jedoch sicher nicht zu einer Abschaffung der Gymnasien kommen wird und auch die ÖVP diese Schulform verteidigt, wird sich für Elmar Mayers SPÖ aber eine Regierungsmehrheit nicht ausgehen. Was natürlich schon sein könnte, ist, dass Mayer bereits mehr weiß aus der ÖVP: Vielleicht will man ja bei der ÖVP auch nur die nächsten Wahlen abwarten, um dann auch schnell der Gesamtschule zuzustimmen", so Rosenkranz.

Rückfragehinweis:

Freiheitlicher Parlamentsklub
Tel.: 01/ 40 110 - 7012
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OTS0072 II 30.03.2012 10:32:43

 

FPÖ-Walter Rosenkranz: SPÖ will Gymnasien abschaffen - fragt sich nur, mit wem!

Utl.: Ohne Regierungsmehrheit wird es nicht gehen

FPÖ/Rosenkranz/Bildung/NMS/Gymnasium/ÖVP/Mayer

"Wenn man sich die derzeitigen Wahlumfragen ansieht, stellt sich die Frage, ob der SPÖ-Bildungssprecher Mayer die Grundrechnungsarten eigentlich beherrscht, oder ob er etwa gar die SPÖ ab 2013 nicht mehr in einer Regierung sieht", kommentiert FPÖ-Bildungssprecher NAbg. Walter Rosenkranz die Ansagen Mayers im Ö1-Morgenjournal. Mayer hatte darin behauptet, er könne sich kein Regierungsabkommen vorstellen, in dem nicht das Vorhaben zur Abschaffung der Gymnasien enthalten sei. "Da es unter der FPÖ jedoch sicher nicht zu einer Abschaffung der Gymnasien kommen wird und auch die ÖVP diese Schulform verteidigt, wird sich für Elmar Mayers SPÖ aber eine Regierungsmehrheit nicht ausgehen. Was natürlich schon sein könnte, ist, dass Mayer bereits mehr weiß aus der ÖVP: Vielleicht will man ja bei der ÖVP auch nur die nächsten Wahlen abwarten, um dann auch schnell der Gesamtschule zuzustimmen", so Rosenkranz.

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APA0131 II, XI 30.03.2012 10:25:32

 

SP-Mayer will gemeinsame Schule im nächsten Koalitionspakt

Utl.: Für Legislaturperiode 2013 bis 2018

Bildung/Schulen/Reform/Österreich

Erst kürzlich hatte VP-Bildungssprecher Werner Amon die Debatte über die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen mit der Überführung der Neuen Mittelschule (NMS) ins Regelschulwesen für "beendet" erklärt. Nur einen Tag nach Beschluss der NMS im Nationalrat pocht SP-Bildungssprecher Elmar Mayer am Freitag im Ö1-"Morgenjournal" jedoch erneut auf die Einführung einer gemeinsamen Schule und fordert, dass dieses politische Ziel seiner Partei im Koalitionspakt für die nächste Legislaturperiode 2013 bis 2018 festgeschrieben wird. Dann werde die Zeit dafür reif sein, so Mayer.

Amon will davon vorerst nichts wissen und verweist gegenüber Ö1 auf den Vollausbau der NMS, die bis 2018/19 alle Hauptschulen ersetzen soll. "Und vielleicht diskutieren wir das Thema dann weiter."

Anlass für Mayers Forderung sind Berichte über Fälle in Tirol, wo Schüler trotz Gymnasialreife nicht in die AHS aufgenommen werden sollten. Dort sollen Verträge und Vereinbarungen zwischen Gemeinden und Landesschulrat dafür sorgen, dass ein gewisser Teil der Schüler die Hauptschule bzw. NMS besucht. Die Gemeinden sind Erhalter der Pflichtschulen, die nach der Schülerzahl dotiert werden und haben deshalb ein finanzielles Interesse an deren Erhalt.

(schluss) pra;jle;pm

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.03.30: Unterricht

 

Die Presse – 30. März 2012

 

Herr Salcher hat eine Idee

RAINER NOWAK 

Solle der Unterricht später starten?

Der international berühmte Sozial-, Gesellschafts-, Trauer-, Kultur-, Ästhetik-, Ökologie- und Bildungsexperte Andreas Salcher hatte eine Idee: Der Unterricht solle eine Stunde später beginnen, vor allem Volksschüler könnten sich nämlich so früh nicht konzentrieren. Aber Salcher, einst gefeierter Kultursprecher der Wiener ÖVP, möchte nicht etwa den Schulbeginn verschieben. Nein, um acht sollen sich Schüler und Lehrer versammeln, um zu frühstücken, zu reden und sich mental vorzubereiten. Dieser Teil ist neu.

Ein Bobo-Thema, heißt es dazu im Stadtschulrat Wiens, wo das Oxymoron „Bourgeois Bohemien“ noch immer ein Modewort ist. Diese Reaktion beweist Realitätssinn: Mittelalterliche, stilbewusste Städter wählen nicht mehr SPÖ und wurden daher aufgegeben wie Hietzings Bürger.

Daher nur theoretisch: In vielen modernen Großstädten, deren Bewohner zum großen Teil in der Dienstleistungsbranche tätig sind, beginnt die Schule um neun. (Erst um zehn öffnen übrigens viele Geschäfte bei uns.) Das schenkt Eltern, deren Jobs nicht wie einst um Punkt acht beginnen, eine gemeinsame Stunde oder mehr Schlaf, vor allem aber weniger Stress. In Dänemark, zugegebenermaßen eine Bobo-Destination, gibt es sogar eine Partei, die mit der Forderung nach späterem Arbeits- und Schulbeginn und Entschleunigung erfolgreich war. Aber das betrifft natürlich das echte Leben und ist somit kein politisches Thema hier. Die Schule ist eine unveränderliche Institution, der man sich zu unterwerfen hat.

Salcher bleibt auf jeden Fall unser Frühstücksexperte.

 

 

Die Presse – 30. März 2012

 

Vorstoß für Schulbeginn um neun Uhr

THERESA AIGNER 

Buchautor Andreas Salcher meint, Kinder seien in der Früh nicht aufnahmefähig. Er fordert nun einen Unterrichtsbeginn an Österreich Schulen um neun Uhr. Ein "Bobo-Thema", heißt es dazu im Wiener Stadtschulrat.

Wien. Der Vorschlag ist nicht neu. Dennoch konnte sich die Idee, den Unterricht an Österreichs Schulen später beginnen zu lassen, bisher nicht durchsetzen. Buchautor Andreas Salcher (u.a. „Der talentierte Schüler und seine Feinde“) lässt sich davon nicht beirren: Er fordert nun abermals einen Unterrichtsbeginn um neun Uhr – statt dem an Pflichtschulen momentan üblichen Beginn zwischen 7.30 und acht Uhr.

Er begründet den Vorstoß damit, dass der frühe Beginn nicht mehr zeitgemäß sei. „Würde man Schule heute neu erfinden, käme niemand auf die Idee, den Beginn um 7.30 Uhr anzusetzen“, erklärt Salcher im Gespräch mit der „Presse“. Die moderne Hirnforschung belege, dass Kinder in den frühen Morgenstunden noch nicht ausreichend aufnahmefähig seien. Zudem sei der frühe Start insbesondere für Kinder aus ländlichen Gebieten nicht zumutbar: Rechnet man die teils langen Anfahrtswege ein, beginnt ihr Schultag oft schon um sechs Uhr.

Salcher plädiert deshalb dafür, die Schulen zwar trotzdem so früh wie bisher zu öffnen, den tatsächlichen Unterrichtsbeginn aber um eine Stunde nach hinten zu verschieben. Die gewonnene Stunde am Morgen könnte man etwa für ein gemeinsames Frühstück nützen. So würden auch berufstätige Eltern keinen Nachteil daraus ziehen. Die Unterrichtszeit müsste deshalb auch nicht um eine Stunde nach hinten verlängert werden, Salcher geht davon aus, dass durch die höhere Aufnahmefähigkeit „größere Lerneffekte in kürzerer Zeit erzielt“ werden könnten.

Politische Umsetzung vorstellbar

Im Unterrichtsministerium steht man dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber: Zuerst müssten sich aber die Schulpartner, also Schüler, Eltern und Lehrer, mit dem Vorschlag befassen. Beschließen diese einen gemeinsamen Standpunkt, könne man „andenken, das realpolitisch umzusetzen“, heißt es aus dem Ministerium. Das scheint nicht unwahrscheinlich: Der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger, signalisiert, dass er die Idee für sinnvoll hält. Im Elternverband für Pflichtschulen gibt man sich zögerlich. Und weist darauf hin, dass die Frage in eine größere Diskussion um die Gestaltung des Unterrichts eingebettet werden müsse – Stichwort: verschränkte Ganztagsschule. Man müsse sich insgesamt Gedanken über die Abwechslung von Freizeit und Lernzeit in der Schule machen.

In diese Richtung geht auch die Kritik des Wiener Pflichtschullehrergewerkschafters Thomas Bulant: Die Idee Salchers sei auf ein Ganztagsschulsystem gemünzt. Daraus macht Salcher auch kein Geheimnis: Die Frage des Schulbeginns sei „eine Möglichkeit zu diskutieren, wie Schule in Österreich aussehen soll“. Für Wiens Stadtschulratspräsidentin, Susanne Brandsteidl, ist die Debatte nicht mehr als ein „Bobo-Thema“.

 

 

KLZ – 30. März 2012

Wer lernt, soll länger schlafen dürfen

Experten fordern es schon lange, Autor Andreas Salcher hat die Diskussion nun erneut angestoßen: Der Schulbeginn soll auf 9 Uhr verschoben werden. In der Praxis scheitert es aber oft an den Umständen.

"Da hat man ja noch weniger Freizeit und geht außerdem noch später schlafen." Anna-Lena Bramreiter (16) hält wenig vom Vorschlag des Autors und Bildungsexperten Andreas Salcher, die Schule solle erst um 9 Uhr beginnen. Und auch ihre Schulkollegin Katharina Trinkaus (15) vom BG/BRG Köflach schüttelt den Kopf. "Die Zeiten passen so, wie sie sind." Wegen des Nachmittagsunterrichts sei man oft ohnehin erst spät zu Hause, fügt Raphael Schmid (15) hinzu. Die Idee, von Salcher am Donnerstag lanciert, ist nicht neu. Durchgesetzt hat sich ein späterer Schulstart bisher allerdings nicht. Um 9 Uhr seien Kinder, vor allem die jüngeren, ausgeruhter und leistungsfähiger, erklärt Salcher. Für Kinder berufstätiger Eltern solle es eine Betreuung ab 8 Uhr geben.

Ministerium hält sich aus Debatte heraus

Zustimmung erhält er vom Pflichtschullehrer-Gewerkschaftschef Paul Kimberger und von den Kinderfreunden. Kritischer äußert sich Jürgen Rainer, Lehrergewerkschafter für berufsbildende mittlere und höhere Schulen. Ein Lehrling könne auch nicht sagen, er kommt erst um 9 Uhr. "Außerdem hängt am Schulbeginn vieles, zum Beispiel Bus- und Zugfahrzeiten." Die Schulen sollten ihren Start selbst festlegen können, so Rainer. "Das macht dann aber nur in einer verschränkten Art und Weise Sinn, mit Mittagessen." Tatsächlich geht Salchers Vorschlag faktisch in Richtung einer verschränkten, also über den Tag verteilten Ganztagsschule, welche die ÖVP strikt ablehnt. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hält sich aus der Diskussion heraus: "Das ist zuerst im Kreise der Schulpartner zu diskutieren", lässt sie ausrichten. Eltern, Lehrer und Schüler müssten sich zunächst einigen.

Hindernis Schulbus

Christine Fischer, Direktorin der Hauptschule Kirchberg an der Raab, kennt die Diskussion seit vielen Jahren: "Ich bin pessimistisch. Die Gewohnheiten sind tief verwurzelt in uns." Vor etwa zehn Jahren hat Fischer - damals aufgerüttelt von einer Studie, dass erst ab 9 Uhr Kinder wirklich konzentriert arbeiten können - versucht, die Verhältnisse in ihrem Bereich zumindest ein wenig zu ändern. "Wir haben viel darüber diskutiert. Aber gescheitert sind wir an den Verkehrsbetrieben", klagt Fischer. Eingaben um Fahrplanänderungen wurden ignoriert, Manager antworteten weder auf Mails noch auf Telefonate. "40 Prozent unserer Schüler sind schon um 6.45 Uhr da." Viele kommen von weither, weil Kirchberg als Musikhauptschule besonders attraktiv ist.

Auch an der Schulorganisation verzweifelte Fischer: "Man sieht das an der jährlichen Herbstferien-Diskussion. Niemand hat vor, etwas zu ändern." Und da gehören die Eltern auch dazu: "Unsere Gesellschaft ist darauf eingestellt, dass Kinder ab 8 Uhr beaufsichtigt sind. Und die Eltern übertragen die Erfahrungen der eigenen Schulzeit auf heute."

SONJA HASEWEND, NORBERT SWOBODA

 

 

KLZ – 30. März 2012

Lehrervertreter sehen späteren Schulbeginn positiv

Der Bildungsexperte Andreas Salcher stößt mit seiner Forderung nach einem späteren Schulbeginn zumindest bei den Lehrervertretern auf offene Ohren. Das Unterrichtsministerium hingegen sieht vor allem im Arbeitsbeginn der Eltern ein Hindernis.

Bildungsexperte Andreas Salcher plädiert für einen späteren Schulstart - das frühe Aufstehen schade den Kindern, so seine Begründung. Schlafforscher fordern immer wieder einen späteren Schulstart. In vielen Ländern, etwa in Skandinavien, Großbritannien, den USA und auch in Japan hat man diese Tatsache bereits berücksichtigt: Die Schule beginnt dort erst um neun Uhr. In Österreich dagegen beginnt die Schule zwischen 7.30 und acht Uhr. Schulexperte Andreas Salcher fordert nun, den Schulbeginn später anzusetzen. Der Autor des Buches "Der talentierte Schüler und seine Feinde" sagt in einem Interview mit Ö3, dass neun Uhr sinnvoller wäre. Um diese Zeit seien gerade Kinder zwischen sechs und zehn Jahren leistungsfähiger, so der Experte.

Lehrergewerkschaft nicht abgeneigt

Bei den Lehrervertretern stößt Salcher mit seiner Forderung durchaus auf offen Ohren: Der Chef der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, hält diese Idee dem Radiosender zufolge für sinnvoll. Das Argument rund um die Problematik Berufstätiger verstärkt er noch: Es brauche dafür generell eine Veränderung im Berufsleben. Auch Pflichtschullehrergewerkschafter Thomas Bulant (FSG) kann der Forderung etwas abgewinnen, "aber nur in einem Ganztagsschulsystem, wo Unterricht, Freizeit und Förderelemente den ganzen Tag vermischt werden". Dass man im österreichischen System "die sechs Vormittagsstunden nach hinten verschiebt und die Schüler etwa erst um 15.00 Uhr Mittagessen", hält er nicht für zielführend.

Problem vor allem für die Eltern

Aus dem Unterrichtsministerium heißt es gegenüber der Austria Presse Agentur, dass ein derartiger Vorschlag "zuerst im Kreis der Schulpartner zu diskutieren ist". Solange sich Eltern, Lehrer und Schüler nicht einigen und die Voraussetzungen auf sozialpartnerschaftlicher Ebene bezüglich dem Arbeitsbeginn der Eltern nicht gegeben seien, werde es keine entsprechende Vorlage des Ministeriums dazu geben. Dass sich daraus aber naturgemäß ein Problem für berufstätige Eltern ergebe, sieht der Experte ein - sein Vorschlag: Die Schulen sollten um 8 Uhr aufsperren, aber erst um 9 mit dem Unterricht beginnen - so wären Berufstätige entlastet und könnten ihren Nachwuchs zur Schule bringen, ohne selbst zu spät bei der Arbeit erscheinen zu müssen.

Ein "Bobo-Thema"

Ein "klares Nein" zu Salchers Forderung kommt hingegen von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S). Die derzeitige Tendenz gehe aufgrund des frühen Arbeitsbeginns der meisten Eltern in die andere Richtung, ein späterer Unterrichtsbeginn sei dementsprechend ein "Bobo-Thema". "Die Frühaufsicht von 7.00 bis 8.00 Uhr wird sehr in Anspruch genommen", so Brandsteidl am Rande einer Pressekonferenz, "mit späterem Unterrichtsbeginn wäre der Zeitraum zur Überbrückung noch größer." Auch das Argument der besseren Leistungsfähigkeit zu späterer Stunde lasse sie "als Mutter eines 16-Jährigen", bei dem auch ein Unterrichtsbeginn um 10.00 Uhr keinen Unterschied machen würde, nicht gelten.

 

 

KLZ – 30. März 2012

Neue Mittelschule für ganz Österreich

Seit heute hat Österreich einen neuen Schultyp. Der Nationalrat beschloss das Ende der Hauptschule und führt damit die Neue Mittelschule ein. Ab kommendem Herbst wird aus dem anfänglichen Schulversuch eine Regelschule.

Österreich erhält erstmals seit 50 Jahren wieder einen neuen Schultyp. Der Nationalrat hat Donnerstagmittag mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ entschieden, die "Neue Mittelschule" ins Regelschulwesen aufzunehmen. Damit verbunden ist das Aus der Hauptschulen. Die AHS bleibt hingegen entsprechend dem Wunsch der ÖVP auch in ihrer Langform erhalten.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Umstellung von Haupt- auf "Neue Mittelschule" noch im Herbst 2012 in die Wege geleitet wird. Im Schuljahr 2018/2019 soll sie endgültig abgeschlossen sein.

Erprobt wird die NMS als Schulversuch freilich schon seit dem Jahr 2008/2009. An 67 Standorten in Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Vorarlberg und dem Burgenland wird heuer erstmals ein Jahrgang die "Neue Mittelschule" abschließen.

Grundprinzip der NMS ist, dass in den Hauptfächern - Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache (meist Englisch) - eine innere Differenzierung des Unterrichts vorgesehen ist. Für pädagogische Maßnahmen wie temporäre Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen oder Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse werden zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Über die Art der Differenzierung wird direkt am Standort entschieden.

Berufsorientierung wird als verbindliche Übung eingeführt, textiles und technisches Werken zu einem Gegenstand vereint. Geometrisches Zeichnen kann im Rahmen eines naturwissenschaftlich-mathematischen Schwerpunkts weiter eigenständiger Gegenstand bleiben. Ernährung und Haushalt bleibt als Pflichtfach erhalten.

Zusätzlich zu den Ziffernnoten werden im Zeugnis die individuellen Lern- und Leistungsstärken in einer "ergänzenden differenzierenden Leistungsbeschreibung" festgehalten. In der 3. und 4. Klasse NMS wird in den differenzierten Gegenständen (Deutsch, Mathe, Fremdsprache) im Zeugnis außerdem ausgewiesen, ob der Schüler sich nur Basiswissen ("grundlegende Allgemeinbildung") oder komplexeres Wissen ("vertiefte Allgemeinbildung") aneignen konnte.

Die vertiefte Bildung entspricht dem Bildungsziel der AHS-Unterstufe, weshalb man auch bereits mit einem "Genügend" in eine AHS-Oberstufe aufsteigen kann. Bei der "grundlegenden Allgemeinbildung" benötigt man in den Hauptfächern dafür ein "Sehr Gut" oder "Gut". Wer in der 4. Klasse NMS in allen drei Gegenständen mit "Befriedigend" oder "Genügend" beurteilt wird, darf in berufsbildende mittlere Schulen (BMS) aufsteigen. Ansonsten bleibt nur eine Wiederholung der letzten Klasse oder der Weg ins Polytechnikum, das übrigens der letzte Schultyp ist, der es vor der NMS ins Regelschulwesen geschafft hat - und zwar im Jahr 1962

 

 

OÖN – 30. März 2012

Keine neue Schule

Die AHS wird für viele Eltern erste Wahl bleiben

Eines muss man Bildungsministerin Claudia Schmied (SP) lassen: Erst heuer bringt der Schulversuch „Neue Mittelschule“ die ersten Absolventen hervor – und schon jetzt ist das Versuchsstadium beendet. Mit dem gestrigen Nationalratsbeschluss wurde der Neuen Mittelschule (NMS) sozusagen die Serienreife attestiert, sie ist das Nachfolgemodell der Hauptschule, die 2018 ausläuft.

Nach Einführung der Polytechnischen Schulen zum ersten Mal seit 50 Jahren ein neuer Schultyp für Österreich: Das klingt bedeutungsschwer, ist aber weit weniger revolutionär. Tatsächlich ist es eine kleine Auffrischung, die den Hauptschulen mit der Umwandlung verpasst wird. Die NMS wird gegenüber den Gymnasien für viele Eltern zweite Wahl bleiben. Das eigentliche Ziel einer späteren Bildungswegentscheidung, mit der auch die soziale Kluft in der Schule geschmälert werden könnte, ist nach wie vor fern.

 

 

OÖN – 30. März 2012

Nationalrat macht Weg frei für die Neue Mittelschule

WIEN. Das Ende der Hauptschulen ist beschlossene Sache: Im Nationalrat haben sich nicht nur die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP für die Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) ausgesprochen, auch das BZÖ hat den historischen Beschluss mitgetragen.

Erstmals seit 50 Jahren wird damit ein neuer Schultyp eingeführt. Die Umstellung erfolgt schrittweise: Im Herbst werden die seit 2008 als Schulversuche geführten Neuen Mittelschulen ins Regelschulwesen übernommen, weitere Standorte kommen dazu. Im Schuljahr 2018/19 werden dann auch die letzten verbliebenen Hauptschulen umgewandelt – und dieser Schulzweig 91 Jahre nach seiner Einführung Geschichte.

Im Unterschied zur Hauptschule gibt es in der NMS keine Leistungsgruppen, wohl aber eine innere Differenzierung. Wie diese gestaltet wird, können die Schulen selbst entscheiden, Möglichkeiten sind unter anderem Teamteaching oder die flexible Bildung von Gruppen.

Neu wird in der 3. und 4. Klasse auch das Zeugnis: In den Hauptfächern gibt es dann eine differenzierte Beurteilung – je nachdem, ob ein Schüler sich „grundlegende“ oder „vertiefte Allgemeinbildung“ angeeignet hat. Um in eine höhere Schule zu wechseln, ist eine Beurteilung in vertiefter Allgemeinbildung notwendig.

„Herzstück“ oder „Katze im Sack“?

Die NMS sei das „Herzstück der neuen Lernkultur“, sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP), BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner hingegen sah „keinen großen Wurf“, aber immerhin „eine Weiterentwicklung“ – dies sei auch der Grund für das orange Ja im Parlament. Grünen-Bildungssprecher Harald Walser sprach angesichts der Beibehaltung der AHS-Unterstufe von einem „faulen Kompromiss“, sein FP-Kollege Walter Rosenkranz bezeichnete die NMS als „Katze im Sack“, da die Schulversuche noch nicht evaluiert seien.

 

 

SN – 30. März 2012

Das Feindbild Gymnasium

Von Alfred Pfeiffenberger

Das Gymnasium soll mit allen Mitteln umgebracht werden. Da stört die Gegner auch nicht, dass sie dafür keine Mehrheit haben.

Die Schulpolitik ist eine der letzten Spielwiesen, die politischen Ideologen geblieben ist. Bei anderen Themen herrscht längst ein gesunder Pragmatismus, beim Thema Schule sind immer noch jede Menge Emotionen im Spiel.

Vor allem SPÖ und Grüne wollen das Schulsystem massiv verändern. Die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen ist ihnen ein besonders Anliegen. Denn nur so hätten alle Kinder die selben Bildungschancen, lautet ihr Hauptargument. Das achtjährige Gymnasium ist damit erklärtes Feindbild, obwohl viele Eltern überzeugt sind, es sei die richtige Schulform für ihr Kind. Dementsprechend hoch ist die Nachfrage nach Plätzen an den Gymnasien.

Es ist eine Tatsache, dass in Österreichs Bildungssystem vieles falsch läuft. Zu wenig Kinder aus Familien mit wenig Bildungshintergrund erreichen die höheren Schulen und die Universitäten. In internationalen Vergleichen schneiden viele österreichische Kinder in vielen Bereichen schlechter ab als ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Wie dieses Defizit zu beheben ist, ist Gegenstand von heftigen Auseinandersetzungen. Möglicherweise ist auch die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen darauf eine Antwort.

Seit Jahren versuchen SPÖ und Grüne, das Gymnasium abzuwerten und durch die Hintertür abzuschaffen. Bildungsministerin Claudia Schmid hat etwa vor kurzem angekündigt, dass sie das achtjährige Gymnasium auslaufen lassen will. Mehr Geld und Lehrer soll es für Gymnasien nur geben, wenn dort auch Schülerinnen und Schüler mit schlechten Zeugnissen aufgenommen werden. Die Wiener Stadtschulratspräsidentin wiederum fordert die Lehrerinnen und Lehrer auf, in den Volksschulen weniger gute Noten zu vergeben, damit die Kinder in die Neue Mittelschulen und nicht in die Gymnasien eintreten.

Die Grünen wiederum bringen die Klage vor, nicht alle Kinder, die ein Gymnasium besuchen könnten, hätten dazu die Möglichkeit. Daher sollten gleich alle in die Neue Mittelschule gehen. Dann werde niemand diskriminiert.

Falls SPÖ und Grüne das Gymnasium tatsächlich abschaffen wollen, haben sie eine simple Möglichkeit: Sie benötigen eine Mehrheit im Parlament für einen entsprechenden Beschluss. Solange sie diese nicht haben, sollten sie das Gymnasium ebenso behandeln wie jede andere Schulform. Alles andere ist den Kindern nicht zumutbar.

 

 

SN – 30. März 2012

Neue Mittelschule im Nationalrat beschlossen

Mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ wurde am Donnerstag entschieden, die "Neue Mittelschule" ins Regelschulwesen aufzunehmen. Damit verbunden ist das Aus der Hauptschulen. Die AHS bleibt hingegen erhalten.

Der Zeitplan sieht vor, dass die Umstellung von Haupt- auf "Neue Mittelschule" noch im Herbst 2012 in die Wege geleitet wird. Im Schuljahr 2018/2019 soll sie endgültig abgeschlossen sein. Erprobt wird die NMS als Schulversuch freilich schon seit dem Jahr 2008/2009. An 67 Standorten in Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Vorarlberg und dem Burgenland wird heuer erstmals ein Jahrgang die "Neue Mittelschule" abschließen.

Grundprinzip der NMS ist, dass in den Hauptfächern - Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache (meist Englisch) - eine innere Differenzierung des Unterrichts vorgesehen ist. Für pädagogische Maßnahmen wie temporäre Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen oder Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse werden zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Über die Art der Differenzierung wird direkt am Standort entschieden.

Berufsorientierung wird als verbindliche Übung eingeführt, textiles und technisches Werken zu einem Gegenstand vereint. Geometrisches Zeichnen kann im Rahmen eines naturwissenschaftlich-mathematischen Schwerpunkts weiter eigenständiger Gegenstand bleiben. Ernährung und Haushalt bleibt als Pflichtfach erhalten.

Zusätzlich zu den Ziffernnoten werden im Zeugnis die individuellen Lern- und Leistungsstärken in einer "ergänzenden differenzierenden Leistungsbeschreibung" festgehalten. In der 3. und 4. Klasse NMS wird in den differenzierten Gegenständen (Deutsch, Mathe, Fremdsprache) im Zeugnis außerdem ausgewiesen, ob der Schüler sich nur Basiswissen ("grundlegende Allgemeinbildung") oder komplexeres Wissen ("vertiefte Allgemeinbildung") aneignen konnte.

Unterrichtsministerin Schmied sieht als "Herzstück" der NMS die "neue Lernkultur". Der Schüler stehe im Mittelpunkt. Vielfalt solle nach dem Grundsatz gefördert werden, dass jeder etwas besonders gut könne: "Mir ist die Neue Mittelschule sehr sympathisch." Wichtig ist für die Ministerin auch, dass die Berechtigungen, in welchen Schultyp man nach der achten Schulstufe aufsteigen kann, nunmehr klar am Tisch liegen werden.

 

 

Österreich – 30. März 2012

 

Experte fordert: Schule erst um 9 Uhr

Kinder sollten nicht früh aufstehen und müde in der Schule sitzen.

Mitten in die aktuelle Schuldebatte platzt nun der Experte und Buchautor Andreas Salcher. Der Autor von Der talentierte Schüler und seine Feinde fordert einen späteren Start des Unterrichts. Erst ab neun Uhr sollen Schüler Unterricht haben. Um arbeitende Eltern trotzdem nicht zu belasten, sollen die Schüler aber bereits ab 8 Uhr in den Schulen betreut werden.

Mit seinem Vorstoß löste Salcher eine heftige Diskussion aus. Ministerin Claudia Schmied erklärte gegenüber ÖSTERREICH, dass sie die Betroffenen entscheiden lassen will: „Ich warte auf einen gemeinsamen Vorschlag der Schulpartner“, sagte sie.

Geteilte Meinungen zum späteren Schulstart
Zustimmung zu Salchers Vorschlag kam am Donnerstag vom Chef der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft Paul Kimberger: Modelle für einen späteren Schulstart seien sinnvoll, meinte er.

Ganz anders sieht das die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brand­steidl (SPÖ). Für sie ist die Diskussion ein reines „Bobo-Thema“. Der Trend gehe wegen des frühen Arbeitsbeginns der meisten Eltern in die andere Richtung.

Laut Brandsteidl würde die aktuelle Frühaufsicht der Schulen zwischen 7 und 8 Uhr früh bereits stark in Anspruch genommen, „mit späterem Unterrichtsbeginn wäre der Zeitraum zur Überbrückung noch größer“.

Lösungen. Salcher will das so nicht gelten lassen: „Momentan richtet sich das Schulwesen nach den Bedürfnissen aller Beteiligten, nur nicht der Schüler.“

Bundesschulsprecherin Conny Kolmann findet einen späteren Schulstart gegenüber ÖSTERREICH „generell nicht schlecht“. Allerdings sollten die Schulen das autonom, je nach Bedarf, gestalten können.

 

 

Der Standard – 30. März 2012

 

 

Schulreform

Rot-schwarze "Schulreform des Machbaren"

Karin Riss

Die Neue Mittelschule wird von der Ausnahme zur Regel - so richtig zufrieden ist in der Koalition trotzdem niemand

Wien - Werner Amon wirkte bei der Parlamentsdebatte am Donnerstag sichtlich lockerer als in den vergangenen Tagen. Schließlich ging es ja auch nicht um Telekom-Sponsorgelder für eine ÖAAB-Zeitung während seiner Zeit als Generalsekretär des ÖVP-Arbeitnehmerbundes, für die er keine Gegenleistung vorlegen kann. Sondern um die Gesetzwerdung der Neuen Mittelschule.

Und dafür hat Amon, mittlerweile Bildungssprecher der ÖVP, laut eigenen Angaben alle "ideologischen Bestemmhaltungen hintangestellt". So konnte er sich im Parlament über "ein neues Bildungsmodell" freuen, "um künftig am Standort dem Schüler die bestmögliche Förderung angedeihen zu lassen".

Wahrscheinlich war es sein Nachsatz, der Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) etwas stutzig machte. "Es steht fest", resümierte Amon zufrieden, "die Neue Mittelschule kommt. Und das Gymnasium bleibt!"

Folglich lag es an Schmied, das Erreichte als Aufbruch in ein neues Bildungszeitalter zu präsentieren: "Für mich ist es eine Schulreform des Machbaren." Aber auch die Bildungsministerin hatte einen Nachsatz parat: "Eine Reform des Machbaren, auf dem Weg zur gemeinsamen Schule." Bis spätestens 2019 will sie jetzt einmal alle Hauptschulen in Neue Mittelschulen umwandeln. Die dafür nötige Novelle des Schulorganisationsgesetzes wurde am Donnerstag mit den Stimmen des BZÖ beschlossen.

Die Grünen konnten zwar mit Schmieds Postulat mit, dass es eine "Kultur des Gelingens" brauche, von einer Reform zu sprechen, hielt Bildungssprecher Harald Walser aber für "übertrieben", einen "großen Tag für die Bildung" auszugeben, gar für "vermessen". Solange es neben der Neuen Mittelschule immer noch die Gymnasien gebe, sei die ganze Sache nichts anderes als ein "fauler Kompromiss".

Schule, blau gedacht

Auch FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz ist nicht überzeugt: Anders als beim "ideologischen Konzept der Gesamtschule" brauche es "Leistung, Anstrengung und Disziplin". Die FPÖ will dafür auf eine "verbesserte differenzierte Schule" setzen. 

 

 

Der Standard – 30. März 2012

 

 

Aus drei mach zwei: Neue Mittelschule

Eine neue Schule soll Schule machen - die AHS bleibt bestehen

Wien - Fünfzig Jahre ist die "jüngste" Schulform Österreichs, die polytechnische Schule, alt, jetzt gibt es mit der Neuen Mittelschule (NMS) wieder eine neue Schule: Bis 2018/19 ersetzt sie schrittweise alle Hauptschulen. Und was ist an dieser neuen Schule neu?

·          Unterricht: In Deutsch, Mathematik und lebender Fremdsprache ist innere Differenzierung des Unterrichts vorgesehen, es gibt keine fixen Leistungsgruppen. Für temporäre Gruppenbildung und Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse stellt das Unterrichtsministerium pro NMS-Schüler und Jahr 1000 Euro zusätzlich zur Verfügung. Der Lehrplan entspricht weitgehend dem des Realgymnasiums. Es gibt mindestens zweimal pro Jahr verpflichtende Eltern-Lehrer-Schüler-Gespräche.

·          Zeugnis: In der 3. und 4. Klasse NMS wird in den differenzierten Gegenständen im Zeugnis ausgewiesen, ob der Schüler sich nur Basiswissen ("grundlegende Allgemeinbildung") oder komplexeres Wissen ("vertiefte Allgemeinbildung") aneignen konnte. Die vertiefte Bildung entspricht dem Bildungsziel der AHS-Unterstufe.

·          Übertrittsberechtigung: Wer in allen differenzierten Fächern "vertieft" abschließt, ist zum Übertritt in AHS oder BHS berechtigt (siehe Grafik). Wer das in einem Fach nicht schafft, kann von der Klassenkonferenz AHS/BHS-reif erklärt werden. In der 1. und 2. Klasse können NMS-Schüler in die AHS wechseln, wenn sie in Deutsch, Mathe und Englisch ein Sehr gut oder Gut haben. Wer in der 4. Klasse NMS in allen drei Gegenständen nach "grundlegendem Allgemeinwissen" mit Befriedigend oder Genügend beurteilt wird, darf in berufsbildende mittlere Schulen (BMS) aufsteigen. Wer in dieser Kategorie mit Nicht genügend abschließt, darf ins Poly oder das letzte NMS-Jahr wiederholen.

 

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Der Standard – 30. März 2012

 

 

Bildungspanikbürger

Kommentar | Lisa Nimmervoll

Neue Schule, alte Politik: die Neue Mittelschule kommt

Es bleibt, wie es schon mal war - bevor die Neue Mittelschule (NMS) erfunden wurde: Das Intermezzo mit drei Schulen für die Zehn- bis 14-Jährigen - Hauptschule, NMS, AHS - ist bald zu Ende, dann muss Österreich wieder mit zwei Selektionsstufen auskommen. Wo Hauptschule war, soll Neue Mittelschule werden. Hauptsache, das achtjährige Gymnasium bleibt unangetastet. Neue Schule, alte Politik. Politik, die sich von allen bildungswissenschaftlichen Erkenntnissen auf der Höhe der Zeit, aber auch von den überzeugenden politischen Erfolgsprojekten in anderen Ländern komplett abgekoppelt hat.

Die Tatsache, dass auch dort, wo es Neue Mittelschulen gibt, der Run ins Gymnasium anhält, bestätigt das nur. Es ist die Flucht in den sicheren Hafen. Eltern wollen ihre Kinder in die Schule bringen, von der sie sich die besten Zukunftschancen erwarten. Ja, auf die sie heute oft nachgerade panisch setzen, weil aus den Bildungsbürgern von einst regelrechte Bildungspanikbürger geworden sind.

Alle fürchten, dass ihr Kind den sozialen Lift nach oben verpassen könnte, wenn es in der falschen Schule landet. Also alles daran setzen, dass das Kind gleich oben einsteigt. Eltern haben jedes Recht der Welt, das zu wollen, Kinder - alle -, es zu bekommen. Die Politik aber hat die Pflicht, angemessene Lösungen zu schaffen, die das Vertrauen der Menschen ins Bildungssystem stärken, anstatt die kollektive Abstiegspanik und Aufstiegshysterie anzuheizen.

 

 

Krone – 30. März 2012

 

Salcher: "Wir reißen die Kinder aus dem Tiefschlaf"

Schulbeginn-Debatte

Zwischen 7.30 und acht Uhr Schulbeginn: "Da werden Kinder viel zu früh von Lehrern unterrichtet, die selbst noch müde sind", bringt es Bildungsexperte Andreas Salcher auf den Punkt und meint, dass die "Kinder aus dem Tiefschlaf" gerissen werden. Er fordert: "Der Unterricht soll erst um neun Uhr starten!" Die heimischen Elternvertreter sind dagegen. Wie ein Großteil der Österreicher.

Früher Dienstbeginn, straff festgelegte Pausen, Glocken läuten zu den Ruhezeiten. "Unsere Schulen sind wie Fabriken. Das sieht man schon an der Einteilung der Klassen nach Jahrgängen", erklärt Bildungsexperte Andreas Salcher. Er hat wohl gleich zwei Gründe, weshalb er das Thema jetzt wieder aufs Tapet bringt.

"Wir reißen die Kinder aus dem Tiefschlaf"

Erstens reißt die Sommerzeit die heimischen Schüler jetzt noch eine Stunde früher aus ihren Träumen. Und zweitens hat er ein Buch geschrieben. "Ich habe es nicht gewusst", heißt es, und im Kapitel "Revolution in der Schule" geht es genau um diese bildungspädagogische Bettflucht, der er nichts abgewinnen kann. "Wir reißen die Kinder aus dem Tiefschlaf", erklärt der Autor im "Krone"- Gespräch. In vielen Schulen beginnt der Unterricht bereits um 7.30 Uhr. Andreas Salcher: "Um 5.45 Uhr müssen viele Kinder schon aus dem Bett, wenn man Anreise und Frühstück noch dazurechnet."

Eine Reihe von Hirnforschern geben ihm recht. Kurz erklärt, kommen sie zu folgendem Ergebnis: Im Gegensatz zu Erwachsenen nimmt bei den Kindern die Schlaftiefe morgens zu, ab der Pubertät verschiebt sich der Zeitpunkt der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin um bis zu zwei Stunden nach hinten. Ausgerechnet dann also, wenn die Glocke zur ersten Unterrichtsstunde läutet, ist der Organismus der Heranwachsenden auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Wenn dann noch Mathematik auf dem Lernprogramm steht, herrscht im Kinderhirn oft gähnende Leere.

Salchers Wunschmodell startet mit viel Bewegung

Autor Salcher hat ein Wunschmodell, und das sieht so aus: Neun Uhr Unterrichtsbeginn, wobei zwischen acht und neun Uhr bereits eine Betreuung für jene Kinder zur Verfügung gestellt wird, deren Eltern berufstätig sind. Der Schul- Experte: "Die erste Stunde beginnt mit körperlicher Bewegung. Damit ist man auch geistig aufgewärmt." Eine Stunde länger Unterricht wäre dann nicht mehr nötig.

Begeisterungsstürme hat der Vorschlag dennoch nicht ausgelöst (siehe auch Interviews in der Infobox). Die meisten Eltern sind dagegen – und laut einer krone.at- Umfrage können sich 65,9 Prozent der Teilnehmer kein Neun- Uhr- Modell vorstellen. Und wer sich schon gefragt hat: Salcher selbst ist übrigens kein Frühaufsteher.

 

 

Kurier – 30. März 2012

 

Nur theoretisch super

Solange Bildungsbürger die Neue Mittelschule meiden, ist sie kein Erfolgsmodell.

Statt der Hauptschule für alle die Mittelschule": So lautete der (etwas holprige) Untertitel eines KURIER-Aufmachers vom 8. Juli 1969. Es ging um SPÖ-Schulreform-Ideen. Gestern, 43 Jahre später, hat der Nationalrat das Aus für die Hauptschule ab 2018 beschlossen.

Ein historischer Tag? Nicht wirklich. Egal, wie man zur Gesamtschule steht, die Grünen haben recht: Sie funktioniert nur, wenn alle Kinder daran teilnehmen. Und natürlich ist das Modell nur erfolgreich, wenn es deutlich weniger Kinder mit starkem Förderbedarf pro Klasse gibt als in den meisten der jetzigen städtischen Haupt- pardon Mittelschulen. Noch keine Antwort gibt es übrigens darauf, wie eine Massenflucht der Mittelschicht in Privatschulen verhindert würde. Sie hat längst eingesetzt. Auch viele Kinder linker Gesamtschulbefürworter besuchen elitäre Privatschulen. Das ist logisch. Denn bildungsbürgerliche Eltern, das hat Rudolf Taschner in seinem neuen Buch gut beschrieben, schicken ihre Kinder in jene Schule, die den maximalen Nutzen verspricht. Momentan ist es eher das Gymnasium.

Von einer "Mittelschule", die Chancengerechtigkeit erzeugt, ernsthaft Bildungsziele erreicht und den Eltern garantiert, dass sie das Fortkommen ihrer Kinder nicht hemmt, sind wir leider noch immer meilenweit entfernt.

 

 

Kurier – 30. März 2012

 

Koalition besiegelt endgültiges Aus für alle Hauptschulen

Ab Herbst wird auf "Neue Mittelschulen" umgestellt. Die Hälfte der ersten NMS-Absolventen ist reif für AHS-Oberstufe.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sprach von einem "besonderen Tag"; sie hat nicht ganz unrecht: Erstmals seit 50 Jahren wird in Österreich wieder ein neuer Schultyp eingeführt.

Mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ beschloss der Nationalrat am Donnerstag, die "Neue Mittelschule" (NMS), die bisher nur als Schulversuch existierte, ins Regelschulwesen aufzunehmen. Ab Herbst werden schrittweise alle Hauptschulen auf NMS umgestellt. Im Schuljahr 2018/’19 soll die Reform zur Gänze vollzogen sein. Im Endausbau werden 230 Millionen Euro pro Jahr investiert.

Erprobt wird die "Neue Mittelschule" schon seit dem Schuljahr 2008/’09. Derzeit gibt es 434 Standorte in ganz Österreich; im Vollausbau werden es 1178 sein. Heuer wird an 67 Standorten in Kärnten, Oberösterreich, Steiermark, Vorarlberg und dem Burgenland erstmals ein Jahrgang die NMS abschließen.

AHS-Reife

Bei den ersten NMS-Absolventen zeigt sich laut Unterrichtsministerium eine erfreuliche Tendenz: 53 Prozent der 3600 NMS-Viertklassler haben die Reife für eine höhere Schule erworben, sind also nach Abschluss der NMS auch zum Umstieg in eine AHS-Oberstufe berechtigt. Im Jahr davor waren es an den damaligen Hauptschulen nur 45 Prozent gewesen. 

Systemwechsel

Während die Grünen kritisieren, dass die Umstellung der Hauptschulen auf NMS lediglich ein "Wechsel des Türschildes" sei, freut sich Ministerin Schmied über eine "Reform des Machbaren". Mehr sei "auf dem Weg zur gemeinsamen Schule" jetzt nicht drin gewesen. Schmied sieht die NMS als "Leistungsschule, die Freude macht".

Grundprinzip der NMS ist, dass in den Hauptfächern (Deutsch, Mathematik und lebende Fremdsprache) eine "innere Differenzierung" des Unterrichts vorgesehen ist. Die Schüler werden "grundlegend" (Hauptschul-Niveau) oder "vertieft" (AHS) unterrichtet und benotet; es gibt erhöhte Budgets, in einigen Fächern kann so ein zweiter Lehrer in der Klasse stehen.

 

Kurier – 30. März 2012

Schulbeginn um 9 statt 8 Uhr?

Experte Andreas Salcher plädiert für einen Schulstart um 9 Uhr - das frühe Aufstehen schade den Kindern, so seine Begründung.

Um acht Uhr in die Schule zu müssen, fällt vielen Kindern schwer - deshalb fordert Schulexperte Andreas Salcher in einem Interview mit Ö3 jetzt einen verspäteten Schulbeginn: Neun Uhr wäre eine sinnvollere Zeit, so Salcher. Es sei nachgewiesenermaßen schlecht, dass die Kinder so früh aus dem Bett müssten, um dann müde im Unterricht zu sitzen.

Problem für Eltern

Dass sich daraus aber naturgemäß ein Problem für berufstätige Eltern ergebe, sieht der Experte ein - sein Vorschlag: Die Bildungseinrichtungen könnten um 8 Uhr aufsperren, aber erst um 9 mit dem Unterricht beginnen - so wären Berufstätige entlastet und könnten ihren Nachwuchs zur Schule bringen, ohne selbst zu spät bei der Arbeit erscheinen zu müssen.

Zustimmung in diesem Punkt kommt auch von Lehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger. Er gibt Salcher recht - den Unterrichtsbeginn zu verschieben, hält er für eine zielführende Idee, berichtet der Radiosender. Das Argument rund um die Problematik Berufstätiger verstärkt er noch: Es brauche dafür generell eine Veränderung im Berufsleben. Zielführend sei eine Umstellung aber nur in einem Ganztagsschulsystem, wo Unterricht, Freizeit und Förderelemente den ganzen Tag vermischt würden. Dass man im österreichischen System "die sechs Vormittagsstunden nach hinten verschiebt und die Schüler etwa erst um 15 Uhr Mittagessen", hält er nicht für sinnvoll. 

Ablehnung und Abwarten

Ein "klares Nein" zur Forderung Salchers kam am Donnerstag von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ). Die derzeitige Tendenz gehe aufgrund des frühen Arbeitsbeginns der meisten Eltern in die andere Richtung, ein späterer Unterrichtsbeginn sei dementsprechend ein "Bobo-Thema". "Die Frühaufsicht von sieben bis acht Uhr wird sehr in Anspruch genommen", so Brandsteidl am Rande einer Pressekonferenz, "mit späterem Unterrichtsbeginn wäre der Zeitraum zur Überbrückung noch größer." Auch das Argument der besseren Leistungsfähigkeit zu späterer Stunde lasse sie "als Mutter eines 16-Jährigen", bei dem auch ein Unterrichtsbeginn um zehn Uhr keinen Unterschied machen würde, nicht gelten.

Aus dem Unterrichtsministerium heißt es, dass ein derartiger Vorschlag "zuerst im Kreis der Schulpartner zu diskutieren ist". Solange sich Eltern, Lehrer und Schüler nicht einigen und die Voraussetzungen auf sozialpartnerschaftlicher Ebene bezüglich dem Arbeitsbeginn der Eltern nicht gegeben seien, werde es keine entsprechende Vorlage des Ministeriums dazu geben.

 

 

Wiener Zeitung – 30. März 2012

 

"Schulreform des Machbaren"

 

Von Wolfgang Zaunbauer

  • Nationalrat macht Neue Mittelschule zu einer Regelschule.

 

 

Erstmals seit der Einführung des Polytechnikums vor mehr als 50 Jahren erhält Österreich einen neuen Schultyp. Am Donnerstag hat der Nationalrat mit großer Mehrheit die Einführung der Neuen Mittelschule (NMS) als Regelschule ab dem kommenden Schuljahr beschlossen. Bis 2018/19 soll die NMS sämtliche Hauptschulen ersetzen.

Grundprinzip der NMS ist eine innere Differenzierung in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch (oder einer anderen Fremdsprache). Dabei wird unterschieden zwischen Basiswissen und "vertiefter Allgemeinbildung", die dem Bildungsziel der AHS-Unterstufe entspricht. Daher genügt bei "vertiefter Allgemeinbildung" schon ein Genügend, um in die AHS-Oberstufe aufzusteigen.

Weitere Elemente sind pädagogische Maßnahmen wie temporäre Gruppenbildung, Fördermaßnahmen und Teamteching mit zwei Lehrern. Dafür werden pro Jahr zusätzlich 240 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Von einem "großen Tag für die Bildungspolitik" sprach SPÖ-Schulsprecher Elmar Mayer. Durch die NMS würden die Chancen junger Menschen ganz entscheidend verbessert. "Kein Kind soll auf der Strecke bleiben", so Mayer.

Auch ÖVP und BZÖ waren voll des Lobs für den neuen Schultyp. Kritik kam hingegen von Freiheitlichen und Grünen.

Für FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz funktioniert die Hauptschule in den ländlichen Gebieten hervorragend. Nur in den Ballungsräumen gebe es Probleme. Dort verkomme die Hauptschule "wegen hemmungsloser Zuwanderung" zu einer "Restschule" - was laut Rosenkranz allerdings nicht die Schuld der Immigranten, sondern der SPÖ-Bildungspolitiker sei.

Auch die Grünen stimmten der Schulnovelle nicht zu. Für deren Bildungssprecher Harald Walser war der Donnerstag höchstens "ein großer Tag für die Stillstandsbewahrer in der ÖVP". Diese hätten sich durchgesetzt, weil es weiterhin neben der NMS die AHS-Unterstufe gebe.

Auch Bildungsministerin Claudia Schmied hätte zweifellos lieber gleich die Gesamtschule für alle 10- bis 14-Jährigen eingeführt. Die jetzige Reform sei "eine Schulreform des Machbaren", so die Ministerin. Die Neue Mittelschule sei allerdings ein Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Schule, so Schmied.

 

 

 

- 30. März 2012

 

Neuer SPÖ-Anlauf für Gemeinsame Schule

Tiroler AHS-Hürden als Anlass

Einen Tag nach dem Beschluss der Neuen Mittelschule im Nationalrat drängt die SPÖ auf die Verwirklichung der Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Dieses Projekt müsse 2013 in den nächsten Koalitionspakt, sagt SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer. Anlass sind Regelungen in Tirol, mit denen die freie Schulwahl eingeschränkt wird.

Morgenjournal, 30.3.2012

Stefan Kappacher

Scharfe Kritik an Tirol

In Tirol wird die freie Schulwahl durch Verträge und Vereinbarungen zwischen Gemeinden und Landesschulrat eingeschränkt. Die Gemeinden haben als Schulerhalter von Hauptschulen und Neuen Mittelschulen auch ein finanzielles Interesse daran, dass nicht zu viele Schüler in die Gymnasien drängen. Das hat nicht nur Eltern auf die Barrikaden gerufen, die um AHS-Plätze für ihre Kinder kämpfen, sondern auch zu scharfer Kritik der Grünen geführt, der sich jetzt die Bildungssprecher von SPÖ und ÖVP anschließen.

"Fall für die Schulaufsicht"

Dass ausgerechnet in der ÖVP-Hochburg Tirol Hürden für AHS-reife Schüler beim Übertritt ins Gymnasium errichtet wurden, gefällt auch dem ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon nicht. Amon, einer der Vorkämpfer für den Erhalt des Gymnasiums, verweist auf die Rechtslage, die die freie Schulwahl bei AHS-Reife garantiert: "Wenn solche Richtlinien nicht eingehalten werden, dann ist das ein klarer Fall für die Schulaufsicht, die sich das anschauen muss." Denn es gehe ausdrücklich nicht darum, nach Werteinheiten zu schielen, das sei weder fair noch gerecht, sondern es seien die Gesetze einzuhalten, so Amon.

"Das gehört geändert"

Für SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer sind solche Standortverträge wie in Tirol Auswuchs der völlig überholten Kompetenzlage: "Das heißt offensichtlich: Länder schaffen an und Bund zahlt oder kann hinterher hüpfen. Das gehört geändert. Da spielt einer den Ball auf den andern und auf der Strecke bleiben die Kinder. Das soll nicht sein und das gehört abgestellt." Es tue ihm zwar leid, dies einen Tag nach dem Beschluss der Neuen Mittelschule als Ersatz für die Hauptschule sagen zu müssen, so Mayer. Aber mit einer Gemeinsamen Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen würden sich diese Probleme nicht stellen - auch für die Volksschulen nicht, die da Vorqualifikationen vornehmen müssten.

Ungebrochener Andrang auf Gymnasien

Denn in den vierten Volksschulklassen geht es um die AHS-Reife. Kinder, Eltern und Lehrer sind massivem Stress ausgesetzt, um jeden Einser im Volkschulzeugnis wird gekämpft - eine Folge der Trennung der Schulkinder mit neuneinhalb Jahren, die mit der Neuen Mittelschule nicht wegfällt. Der Andrang in die Gymnasien vor allem in den Ballungsräumen ist vorerst noch ungebrochen, wie nicht nur das Beispiel Tirol zeigt - sondern auch ein Rundruf bei den anderen Landesschulräten.

Gemeinsame Schule als Koalitionsthema

Für SPÖ-Bildungssprecher Mayer ist das letzte Wort in Sachen gemeinsamer Schule der Zehn- bis 14-Jährigen deshalb auch noch nicht gesprochen: "Ich kann mit keinen Koalitionspakt für die nächste Legislaturperiode 2013 bis 2018 vorstellen, wo nicht das Bestreben einer Gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen drinnen ist." Dann werde die Zeit dafür reif sein, so Mayer.

Und was sagt ÖVP-Mann Amon dazu? Er weicht aus: "Also, zunächst einmal ist vorgesehen, dass wir im Jahr 2018 den Vollausbau der Neuen Mittelschule haben. Und vielleicht diskutieren wir das Thema dann weiter."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945