Dienstag, 13. März 2012

2012.03.12: Unterricht

 

Die Presse – 13. März 2012

 

Zu viele Fünfer: Ministerium reagiert mit Klarstellung

Das Unterrichtsministerium will bis zum Sommer eine adaptierte Verordnung für die Leistungsbeurteilung vorlegen.

Verwirrung und stellenweise Verunsicherung haben Medienberichte rund um angeblich nicht gerechtfertigte Fünfer gebracht, die Lehrer bei Schularbeiten in Kärntner Maturaklassen nach dem Notenschema der neuen kompetenzorientierten Matura vergeben haben. In Oberösterreich etwa würden bei den Schulen mittlerweile zahlreiche Anrufe eingehen, so der Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer. Dem Unterrichtsministerium sind zwar bundesweit "derzeit nicht viele Einspruchsfälle bekannt". Trotz allem hat es am Montag mit einer Klarstellung an die Schulaufsichtsorgane und Schuldirektionen zur Leistungsbeurteilung an AHS-Oberstufen reagiert.

Sollte das Beurteilungsverfahren aus dem Schulversuch auch bei Schularbeiten vor der Reifeprüfung zur Anwendung gekommen sein, müssen in diesem Fall die rein qualitativ formulierten Bestimmungen des § 14 der derzeit gültigen Leistungsbeurteilungsverordnung ("…in den wesentlichen Bereichen überwiegend positiv…" für ein "Genügend") eingehalten worden sein, heißt es vom Ministerium. Es will zur Klärung der Lage bis zum Sommer eine adaptierte Verordnung vorlegen.

 

Nicht ausdrücklich untersagt

Ausdrücklich untersagt wird da die Anwendung des Beurteilungsschemas, das heuer als Schulversuch an 299 AHS österreichweit bei der schriftlichen Reifeprüfung in den lebenden Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch) zum Tragen kommt, für Schularbeiten vor der Matura zwar nicht. "Ich kann aber nicht einfach hergehen und bei weniger als 60 von 100 Punkten ein 'Nicht Genügend' erteilen", so Gabriele Dangl, AHS-Landesschulinspektorin in Wien.

Die auf dem "Europäischen Referenzrahmen für Sprachen" basierenden "Assessment Scales" (Beurteilungsraster, Anm.) gehen nämlich von einer positiven Gesamtbeurteilung einer Arbeit ab 60 Prozent richtiger Aufgabenerfüllung und Textqualität aus, während bisher an Schulen eine positive Benotung bei erbrachter Leistung über 50 Prozent üblich war. Dangl sieht den neuen Notenschlüssel in der öffentlichen Debatte jedoch missverstanden: Setze man nämlich die entsprechenden Beurteilungsraster ein, würden nach diesen ein Ergebnis von 60 Prozent "unserer gültigen Notendefinition von 'Genügend' genauso entsprechen".

Damit werden auch "die rein qualitativ formulierten Bestimmungen" aus der derzeit noch gültigen Leistungsvereinbarungsverordnung (LBVO) eingehalten, wonach die Leistung für ein "Genügend" "in den wesentlichen Bereichen überwiegend positiv" ausfallen muss.

Thema bei Inspektorenkonferenz

In Wien, wo bei Schulversuchen zur teilzentralen Reifeprüfung in Lebenden Fremdsprachen bereits "seit Jahren" die neuen Beurteilungsraster zum Einsatz kommen, habe es "keine einzige Beschwerde oder Berufung gegeben", so Dangl. Auch aus den Landesschulratsdirektionen in Vorarlberg, Salzburg, Burgenland und Steiermark werden "keine besonderen Vorkommnisse" gemeldet. Im Burgenland habe es bezüglich der Benotung zwar einige Anfragen gegeben, so Landesschulratspräsident Gerhard Resch. Berufungen oder Beschwerden aber nicht - weder von Eltern, noch von Lehrern oder Schulleitern. Auch in Vorarlberg sei man in Hinblick auf die Einführung der Zentralmatura "gut unterwegs", so Landesschulratsvorsitzender Siegi Stemer (ÖVP). Es sei jedoch noch viel Bewusstseinsbildung zu leisten.

Bei einer österreichweiten Landesschulinspektorenkonferenz sollen zudem ab morgen, Dienstag, die "falschen Fünfer" thematisiert und eine gemeinsame Aussendung an Eltern erarbeitet werden, so Dangl.

 

 

SN – 13. März 2012

 

Zentralmatura verunsichert

WIen (SN). Außer in Kärnten dürfte es nirgendwo Beschwerden wegen falscher Fünfer aufgrund des neuen Beurteilungsschemas der Zentralmatura gegeben haben. Dennoch ist die Verunsicherung darüber in ganz Österreich groß.

Für Salzburg bestätigt die Landesvorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Claudia Derrich, dass „Eltern, Lehrer und Schüler sehr verunsichert" seien. AHS-Lehrer-Chef im ÖAAB, Matthias Hofer, wiederum glaubt, dass es auch Wiener AHS-Lehrern passieren könne, falsche Noten zu vergeben.

Derzeit wird bis auf die Volksschule das ganze Schulsystem umgebaut. Seite 3

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SN – 13. März 2012

 

Die Baustellen im Schulsystem

Schule. Von der Mittelschule bis zur Oberstufe, von der Lehrerausbildung bis zu ihrem Dienstrecht: Die Zentralmatura ist nur eine der Baustellen.

Inge Baldinger Bei Weitem nicht nur die mit dem Schuljahr 2013/14 bevorstehende Zentralmatura ist eine Baustelle im Schulsystem. Genau genommen ist bis auf die Volksschulen alles eine Baustelle.

Da ist einmal die Neue Mittelschule (NMS): Ab dem heurigem Herbst wird sie vom Schulversuch zur Regelschulform, bis ab dem Schuljahr 2018/19 alle Hauptschulen NMS sind. Das Schulsystem wird dadurch zweifellos noch mehr zersplittern – und wenn es nur über die weiterhin getrennte und recht komplizierte Benotung für bessere und schlechtere Schüler ist. Für die schlechteren Schüler wurde der Terminus „grundlegende Allgemeinbildung" – gewissermaßen als Ersatz für die zweite Leistungsgruppe – erfunden: Noten mit dem Hinweis „grundlegend" sind weniger wert. Für die guten Schüler heißt der Terminus „vertiefende Allgemeinbildung" – Noten mit dem Zusatz „vertieft" sind mehr wert. Sie entscheiden über den Aufstieg ins Gymnasium.

Nicht klar bei der NMS ist, ob die sechs zusätzlichen Unterrichtsstunden pro Woche – immerhin Kernpunkt der Reform – angesichts des Spardrucks tatsächlich langfristig fix sind. Und nicht klar ist auch, ob die Zweitlehrer wirklich in den Hauptgegenständen zum Einsatz kommen. Schon jetzt weiß Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nicht, wie viele Landeslehrer sie beschäftigt. Umso weniger wird sie kontrollieren können, in welchen Gegenständen die zusätzlichen Lehrer in der Klasse stehen.Zersplitterungen da und dort In Deutsch, Mathematik und der lebenden Fremdsprache (meist Englisch) – also den Hauptfächern – werden sie wegen der „inneren Differenzierung" des Unterrichts besonders gebraucht. Die Konzepte zu dieser Differenzierung werden autonom an jeder Schule von „Lerndesignern" erarbeitet.

Weitere Baustelle ist der Lehrplan der NMS. Er soll sich weitgehend an jenem des Realgymnasiums orientieren und deckt damit den „Kernbereich" ab. Im sogenannten Erweiterungsbereich können die Schulen autonom Schwerpunkte setzen, etwa naturwissenschaftlich-mathematische oder musisch-kreative.

Ein Blick in die Oberstufe, die ab 2013 „modular" organisiert wird – und damit bis zum Schuljahr 2017/18 auch eine Baustelle ist. Dann wird sich zeigen, wie die Reform funktioniert. Ihr Kernpunkt ist es, dass bei einem Fünfer nicht mehr die ganze Klasse, sondern nur das betreffende Modul wiederholt werden muss. Der Aufstieg in die nächste Klasse ist – jedenfalls ein Mal – mit bis zu drei Fünfern möglich.

Ein Problem ist die nach wie vor zersplitterte Lehrerausbildung: Die Pflichtschullehrer, die in den NMS stehen, werden weiterhin an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet; für die Ausbildung der Gymnasiallehrer, die selbstverständlich auch in den Unterstufen unterrichten, sind weiterhin die Universitäten zuständig. Die Führung der Pädagogischen Hochschulen ist, wie Kritiker anmerken, nach wie vor völlig „durchpolitisiert". Da die Entscheidungen über die dortigen Postenbesetzungen seit einigen Jahren die Sozialdemokratin Schmied trifft, fanden in manchen Bundesländern auffallende Umfärbungen statt.

Stand der Dinge in Sachen Lehrerausbildung: Die Unis und die PH sollen sich selbst verknüpfen, wenn sie wollen. In Westösterreich wollen sie. Ein „Bildungsverbund" soll entstehen, mehrere neue Masterstudien für angehende Lehrer sollen angeboten werden. Nebeneffekt: Das Ausbildungssystem für die Lehrer wird noch mehr zersplittert.

Stillstand herrscht dagegen seit Jahren auf der Baustelle Lehrerdienstrecht, mit dem Schmied bis zum Jahresende 2011 fertig sein wollte: Es soll höhere Einstiegsgehälter und flachere Gehaltskurven bringen – dafür sollen die Lehrer flexibler eingesetzt werden können, an NMS und AHS.

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SN – 13. März 2012

 

In ganz Österreich Verwirrung um Benotung

Wien (SN-par). Verwirrung und Verunsicherung – das haben Medienberichte rund um angeblich nicht gerechtfertigte Fünfer gebracht, die Lehrer bei Schularbeiten in Kärntner Maturaklassen nach dem Notenschema der Zentralmatura vergeben hatten.

In Oberösterreich, wo bei Schulen mittlerweile zahlreiche Anrufe eingehen, „ist die Verunsicherung groß" erklärte Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer der APA. Das Gleiche bestätigte die Landesvorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Claudia Derrich, auf SN-Anfrage für Salzburg: „Lehrer, Eltern und Schüler fühlen sich total verunsichert." Aus den Landesschulratsdirektionen in Salzburg, Vorarlberg und Burgenland wurden hingegen „keine besonderen Vorkommnisse" gemeldet.

Ebenso keine Beschwerden habe es laut AHS-Landesschulinspektorin Claudia Dangl in Wien gegeben. Sie betonte aber, dass das Beurteilungsraster „seit Jahren" bei Schulversuchen zur teilzentralen Matura in lebenden Fremdsprachen (meist Englisch) zum Einsatz komme. Gibt es bei ihnen also erst dann ein „Genügend", wenn 60 Prozent der Antworten richtig sind und nicht bloß 50 Prozent, wie das der derzeitige Notenschlüssel vorschreibt? Laut Dang nicht: „Ich kann nicht einfach hergehen und bei weniger als 60 von 100 Punkten ein ,Nicht genügend' geben."

Matthias Hofer sieht das anders. Der Bundesobmann der AHS-Lehrer im ÖAAB, der selbst am Gymnasium St. Ursula Mathematik unterrichtet, glaubt schon, dass der neue Notenschlüssel auch in Wien zu falschen Fünfern führen könnte. Sein Argument: AHS-Lehrer in Wien würden in Fortbildungen und Schreiben, die den Briefkopf des Stadtschulrates trügen, dazu angehalten, Schüler nach dem neuen Benotungsschlüssel zu beurteilen. Die Empfehlungen kämen zwar vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, das die Zentralmatura ausarbeite. Das wüssten viele Lehrer aber nicht. „Für viele Lehrer gilt, was der Stadtschulrat, ihr Vorgesetzter sagt, auch wenn es Empfehlungen sind", sagte Hofer den SN.

Er rechnet daher auch in Wien mit Noteneinsprüchen in Deutsch, Mathematik, sogar in Englisch. „Bisher hat die Unterrichtsministerin den Lehrplan und die Leistungsbeurteilung an die Zentralmatura in Englisch nicht angepasst", kritisierte Hofer. Im Ministerium reagierte man und kündigte eine Verordnung bis zum Sommer an.

 

 

Der Standard – 13. März 2012

 

 

Kärnten

"Falsche Fünfer": Schüler und Eltern verunsichert

Unterrichtsministerium reagiert mit Aussendung an Schulen - In Oberösterreich "große Verunsicherung" - Wiener Landesschulinspektorin: Notenschlüssel missverstanden

Wien - Verwirrung und stellenweise Verunsicherung haben Medienberichte rund um angeblich nicht gerechtfertigte Fünfer gebracht, die Lehrer bei Schularbeiten in Kärntner Maturaklassen nach dem Notenschema der neuen kompetenzorientierten Matura vergeben haben. In Oberösterreich etwa würden bei den Schulen mittlerweile zahlreiche Anrufe eingehen, so der Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer , "die Verunsicherung ist groß". Dem Unterrichtsministerium sind zwar bundesweit "derzeit nicht viele Einspruchsfälle bekannt". Trotz allem hat es am Montag mit einer Klarstellung an die Schulaufsichtsorgane und Schuldirektionen zur Leistungsbeurteilung an AHS-Oberstufen reagiert.

Ausdrücklich untersagt wird da die Anwendung des Beurteilungsschemas, das heuer als Schulversuch an 299 AHS österreichweit bei der schriftlichen Reifeprüfung in den lebenden Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch) zum Tragen kommt, für Schularbeiten vor der Matura zwar nicht. "Ich kann aber nicht einfach hergehen und bei weniger als 60 von 100 Punkten ein 'Nicht Genügend' erteilen", so Gabriele Dangl, AHS-Landesschulinspektorin in Wien.

Die auf dem "Europäischen Referenzrahmen für Sprachen" basierenden "Assessment Scales" (Beurteilungsraster, Anm.) gehen nämlich von einer positiven Gesamtbeurteilung einer Arbeit ab 60 Prozent richtiger Aufgabenerfüllung und Textqualität aus, während bisher an Schulen eine positive Benotung bei erbrachter Leistung über 50 Prozent üblich war. Dangl sieht den neuen Notenschlüssel in der öffentlichen Debatte jedoch missverstanden: Setze man nämlich die entsprechenden Beurteilungsraster ein, würden nach diesen ein Ergebnis von 60 Prozent "unserer gültigen Notendefinition von 'Genügend' genauso entsprechen".

Keine Beschwerden in Wien

Damit werden auch "die rein qualitativ formulierten Bestimmungen" aus der derzeit noch gültigen Leistungsvereinbarungsverordnung (LBVO) eingehalten, wonach die Leistung für ein "Genügend" "in den wesentlichen Bereichen überwiegend positiv" ausfallen muss.

In Wien, wo bei Schulversuchen zur teilzentralen Reifeprüfung in Lebenden Fremdsprachen bereits "seit Jahren" die neuen Beurteilungsraster zum Einsatz kommen, habe es "keine einzige Beschwerde oder Berufung gegeben", so Dangl. Auch aus den Landesschulratsdirektionen in Vorarlberg, Salzburg, Burgenland und Steiermark werden auf APA-Nachfrage "keine besonderen Vorkommnisse" gemeldet. Im Burgenland habe es bezüglich der Benotung zwar einige Anfragen gegeben, so Landesschulratspräsident Gerhard Resch. Berufungen oder Beschwerden aber nicht - weder von Eltern, noch von Lehrern oder Schulleitern. Auch in Vorarlberg sei man in Hinblick auf die Einführung der Zentralmatura "gut unterwegs", so Landesschulratsvorsitzender Siegi Stemer (ÖVP). Es sei jedoch noch viel Bewusstseinsbildung zu leisten.

Gemeinsame Aussendung an Eltern

Das Ministerium will zur Klärung der Lage bis zum Sommer eine adaptierte LBVO vorlegen. Bei einer österreichweiten Landesschulinspektorenkonferenz sollen zudem ab morgen, Dienstag, die "falschen Fünfer" thematisiert und eine gemeinsame Aussendung an Eltern erarbeitet werden, so Dangl.

Im Schuljahr 2013/14 sollen die ersten AHS-Maturanten die standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung absolvieren. Im Jahr darauf starten auch die Schüler der berufsbildenden höheren Schulen (BHS). In den Fremdsprachen nehmen mehr als 90 Prozent der Schulen an Schulversuchen teil, in Mathematik und Deutsch gibt es noch keine Schulversuche.

 

 

Der Standard – 13. März 2012

 

 

Otto Ranftl

Der Fleck pickt

Kommentar | Otto Ranftl

Zentralmatura: Bis zur Fertigstellung der Verordnungstätigkeit gilt: Die Ausnahme ist die Regel

Schon wieder vorbei. Das kosmische Fenster, das wohl doch einige Schüler hoffen hat lassen, im Nachhinein aus einem Pinsch einen Vierer machen zu können, hat sich schnell geschlossen. 60 neue Prozent sind gerade so viel wie 50 alte, hat das Unterrichtsministerium klargestellt. Mit überzeugender Logik werden die Zweifel an der korrekten Vergabe von Schularbeitsnoten ausgeräumt.

Wer in die Tiefen der Reformen eindringt, die den Weg zur Zentralmatura bereiten sollen, wird das verstehen. Es gibt nun für Schüler und Lehrer vorgefertigte Teilaufgaben, fertige Fragen und vorgefertigte Antwortmöglichkeiten, Lehrer füllen Listen aus, alles ist sehr raffiniert geworden. 

Sorgen müssen sich aber nicht Schüler und nicht Eltern: Lehrer, die im neuen System richtig rechnen, kommen zum selben Ergebnis wie früher. Sinn ist darin zu suchen, dass mittels komplexer Verfahren mehr Vergleichbarkeit der schulischen Leistungen erreicht werden könnte. 

Überraschend ist, dass die Entwicklung nicht nur den Gegnern der Reform in Eltern- und Lehrerschaft zu schnell geht, sondern auch der Ministerialbürokratie. Die Schulversuche laufen seit Jahren, an einer neuen Verordnung etwa zur Leistungsbeurteilung wird erst noch gearbeitet.
Bis zur Fertigstellung der segensreichen Verordnungstätigkeit gilt: Die Ausnahme ist die Regel. Darin hat man in diesem Land ja Übung. Mit einigem Staunen ist festzustellen, welche Traditionen in jeder Reform weiterleben.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 13.03.2012                           Seite: 10

Ressort: lokal

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Wi, Morgen

 

Chaos um falschen Notenschlüssel Schülervertreter protestieren Ministerium

 

Schüler bleiben auf den Fünfern sitzen!

 

Jetzt sollen die Schüler die Panne um die "falschen Fünfer" auch noch selber ausbaden! Wie berichtet, hatten Lehrer einen falschen Notenschlüssel angewandt - es hagelte reihenweise "Fleck". "Die Einspruchsfrist gegen die Jahresnoten

ist aber schon verjährt", bleibt das Ministerium stur. Die Schülervertreter protestieren.

 

   Rundbrief an Schuldirektoren: von Fehlerbehebung keine Rede

 

   Sollte das Beurteilungsverfahren aus dem Schulversuch auch bei Schularbeiten vor der Reifeprüfung zur Anwendung gekommen sein, müssen in diesem Fall die rein qualitativ formulierten Bestimmungen des § 14 der derzeit gültigen Leistungsbeurteilungsverordnung ("…in den wesentlichen Bereichen überwiegend positiv…" für ein "Genügend") eingehalten worden sein.

 

   Nach dem Noten-Chaos gab es am Montag Krisensitzungen. Alle Schuldirektoren und Landesschulräte THOMAS LEITNERwurden per Rundschreiben über die Gesetzeslage informiert. Die Kommunikationsprobleme mit dem Institut für Bildungsforschung (BIFIE) über die Beurteilung seien ausgeräumt. "Wir haben sofort reagiert!", brüstet man sich im Ministerium. Daran, den angerichteten Schaden zu beheben, denken die Verantwortlichen aber nicht. "Einsprüche gegen das Ganzjahreszeugnis sind nicht mehr möglich. Die Frist dafür beträgt fünf Tage nach Erhalt des Zeugnisses", strapaziert Josef Galley, Sprecher der Bildungsministerin, die Paragrafen. Und jene Schüler, die wegen der rechtswidrigen Beurteilung sitzen geblieben sind? "Wenn sie jetzt im Frühjahr draufkommen, haben sie die Klasse ja fast schon wiederholt", so Galley lapidar.

 

   Für die Schülervertreter ist das Vorgehen des Ministeriums eine Frechheit. Sie fordern, alle falsch beurteilten Schularbeiten zu prüfen. "Es darf nicht sein, dass die Schüler darunter leiden", protestiert Bundesschulsprecherin Conny Kolmann.

 

 

Kurier – 13. März 2012

 

Lehrer am Prüfstand

Das große Zittern vor der Zentralmatura: Trotzdem ist der Weg langfristig richtig.

In Ländern, die ihr Bildungswesen ernst nehmen, ist die Zentralmatura selbstverständlich. Es ist daher richtig, dieses System auch in Österreich einzuführen – auch wenn es ernst zu nehmende Hinweise gibt, dass die Rahmenbedingungen derzeit noch chaotisch sind. Dass die Umstellung prinzipiell Ängste und Widerstand auslöst, ist klar.

Denn damit steht erstmals auch die Pädagogen-Leistung auf dem Prüfstand. Dort, wo es Fünfer hagelt, wird man in Zukunft genauer hinschauen und Konsequenzen ziehen müssen: Lag es an den Schülern, weil der Schulstandort an einem sozialen Brennpunkt liegt? Dann muss es dort (und nicht flächendeckend im Gießkannenprinzip für die "Neue Mittelschule") mehr Personal geben. Oder lag es an den Lehrenden, die nicht in der Lage waren, das Unterrichtsziel zu erreichen? Dann braucht es Nachschulung. Außerdem sollte so jemand künftig nicht mehr eine Klasse über mehrere Jahre hinweg unterrichten – kluge Schuldirektor(inn)en, die ihre "Problembären" kennen, schauen schon jetzt darauf.

Die größte Gefahr ist jedoch, dass der "österreichische Weg" eingeschlagen wird: Niveau senken, damit alle durchkommen. Das erspart Ärger – aber nur kurzfristig.

 

Kurier – 13. März 2012

 

Schlechte Noten für deutsches Schulsystem

Die höheren Schulen schaffen den schwierigen Spagat aus Leistungsförderung und Chancengerechtigkeit zu wenig und zu selten.

Sachsen ist das Musterland: Es sei das deutsche „Beispiel dafür, wie ein Schulsystem durchaus leistungsstark und fair zugleich sein kann", befand eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Das seit der Wende CDU-regierte Ostbundesland gilt ihr als Vorbild für die heikle Kombination aus Kompetenzförderung und Durchlässigkeit. Aber auch da bestehe noch Verbesserungsbedarf, meint die Studie, die überwiegend eine Neuinterpretation und Zusammenfassung bekannter Daten ist. Ihre Ergebnisse sind daher nicht unumstritten. Das Resumée der Studienautoren: „In keinem Bundesland kann von einem hinreichend gerechten Schulsystem ausgegangen werden."

So seien Schulen in Bayern überdurchschnittlich effizient beim Vermitteln des Stoffs, dafür aber sei der Zugang für sozial benachteiligte Jugendliche zu schwer, fanden die Autoren der Studie unter Führung der Technischen Universität Dortmund. Genau umgekehrt funktioniert dagegen das Schulsystem in Berlin. Hier ist die soziale Durchlässigkeit gut, die Leistungen dagegen sind schlecht.

Was Sachsen besser macht

In Sachsen jedenfalls hätten Kinder aus sozial schwachen Schichten relativ gute Chancen auf einen Gymnasialbesuch und nur wenige blieben sitzen. Trotzdem zählten die leistungsstärksten wie leistungsschwächsten in ihren jeweiligen Vergleichsgruppen zu den besten. Was konkret Sachsen wirklich anders oder besser macht, zeigt die Studie nicht ausreichend auf. Lediglich ein Unterschied wird deutlich: In Sachsen besuchen drei Viertel der Kinder eine Ganztagsschule, in Bayern dagegen nur zehn Prozent.

Eine der großen Schwächen in fast allen Bundesländern findet sich in den Sonderschulen für schwache Schüler: Der Weg führe zu rasch hinein, aber viel zu selten heraus. Dass die Ergebnisse so unterschiedlich ausfallen, liegt daran, dass das Schulwesen in Deutschland die wichtigste aller Länderkompetenzen ist. Hier hat der Bund kaum Eingriffsrechte. Deshalb wird die Schulpolitik auch sehr nach parteipolitischen Vorlieben und regionalen Traditionen gestaltet.

Wie groß diese Unterschiede sein können, zeigt die Studie: So besuchen in Sachsen-Anhalt drei Mal so viele Kinder eine Sonderschule wie im nahen Schleswig-Holstein. In Ländern mit häufigeren Regierungswechseln ist die Schulpolitik damit auch eines der Hauptthemen, zuletzt etwa in Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Während in Hamburg die beiden Großparteien sowie revoltierende Bürger-Initiativen vor der letzten Wahl einen zehnjährigen Schulfrieden für den Status Quo schlossen, ist im derzeit rot-grün regierten Nordrhein-Westfalen der Schulkampf in vollem Gang. Ebenso wie im neuerdings rot-schwarzen Berlin beklagen die bestehenden Gymnasien, dass sie zugunsten von neuen Gesamtschulen systematisch benachteiligt würden.

Um die Unterschiede zu verringern, haben sich letzte Woche die Kultusminister der Länder endlich darauf verständigt, zumindest eine einheitliche Matura anzustreben. Derzeit haben laut Tests bayerische Maturanten einen Wissensvorsprung von zwei Jahren gegenüber Berliner Maturanten. Profiteur der Studie ist aber auf jeden Fall Bertelsmann: Der Mutterkonzern des oft erschreckend bildungsfernen Hauptverdieners RTL-TV hat mit ihr sein Image wieder etwas verbessert.

Österreich: Bildungssystem bietet keine Chancengleichheit

Auch im heimischen Schulsystem sind Kinder aus bildungsfernen Schichten massiv benachteiligt. Wie Studien der Arbeiterkammer kürzlich bestätigt haben, sind es vor allem Akademiker und Besserverdiener, deren Nachwuchs erfolgreich höhere Bildung bekommt. Schon in der Volksschule zeigt sich, dass Kinder aus Arbeiterhaushalten bei erwiesen gleicher Kompetenz, etwa beim Lesen und Schreiben, die schlechteren Noten erhalten. Schaffen diese Kinder es danach trotzdem, ebenso gute Noten wie ihre Klassenkollegen aus den Akademikerfamilien zu bekommen, treten sie trotzdem deutlich seltener in die AHS über. Auch schafft es die Volksschule nicht, die mangelnde Lesekompetenz auszugleichen, die Kinder aus bildungsfernen Schichten viel öfter haben. In Österreich, so das Resümee der Studienautoren, wird Bildung also auch heute noch vererbt. Einkommensstarke schaffen es, ihren Kindern deutlich mehr Bildung zukommen zu lassen als ärmere Bürger.

 

 

- 12. März 2012

 

Zentralmatura wird „geheim" getestet

Die neue Zentralmatura wird derzeit an mehr als 350 Schulen in Österreich getestet. Die Tests finden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, auch 2.400 Schülerinnen und Schüler in Niederösterreich machen bei dem Versuch mit.

Insgesamt 13.500 Schülerinnen und Schüler testen derzeit die neue Zentralmatura und zwar anonym und ohne Rückmeldung. Denn bei den Tests geht es nicht um die Leistung der Schüler, sondern um die Qualität und den Anspruchsgrad der Fragen, sagt Gerhard Sihorsch vom bifie in Wien, das das Projekt Zentralmatura organisiert.

Die Tests finden auch in 62 Schulen in Niederösterreich statt, in Deutsch, Mathematik und den Lebenden Fremdsprachen. Die Fragen, die jetzt getestet werden, sollen später auch bei der Zentralmatura verwendet werden. Daher sind die Testadministratoren und Schüler auch zu strenger Geheimhaltung verpflichtet.

Kein Papier, kein Handy, nur ein Stift

Die Schüler dürfen kein Handy und kein Blatt Papier zu den Tests mitbringen, nur ein Stift ist erlaubt. Sollten trotzdem Fragen an die Öffentlichkeit gelangen, müssen sie aus dem Aufgabenpool genommen werden, sagt Sihorsch. Im Unterrichtsministerium will man am Zeitplan für die Zentralmatura festhalten, auch wenn Lehrer, Schüler und Eltern Bedenken geäußert haben. Die teilzentrale Matura soll somit ab 2014 in den AHS und ab 2015 in den BHS flächendeckend eingeführt werden.


 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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