Montag, 30. April 2012

Pressemeldungen Unterricht

APA0275 II, XI 30.04.2012 13:06:23

 

Landes- und Bundeslehrer: Seit 1948 getrennt GRAFIK

Utl.: Derzeit rund 77.000 Landeslehrer und 48.000 Bundeslehrer GRAFIK 0536-12, 88 x 70 mm

Schulen/Lehrer/Hintergrund/Grafik

Die seit Jahren angekündigte Reform des Lehrerdienstrechts soll erstmals seit 1948 ein gemeinsames Dienstrecht für Bundes- und Landeslehrer bringen. Ursprünglich als Provisorium bis zu einer endgültigen Regelung gedacht, wurde die Unterteilung zum Quell ewigen Streits zwischen Bund und Ländern.

Landeslehrer (Pflichtschullehrer) sind die rund 77.000 Pädagogen an den Volks-, Haupt-, Sonder-, Polytechnischen- und Berufsschulen. Ihr Dienstgeber ist das jeweilige Land - bezahlt werden sie allerdings fast vollständig vom Bund. Rein budgettechnisch sind sie "Sachaufwand".

Die Kosten für die Lehrer an den Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnischen Schulen werden den Ländern anhand eines im Finanzausgleich festgelegten Schlüssels voll ersetzt. Derzeit wird an Volksschulen eine Lehrer-Stelle pro 14,5 Schüler, an Hauptschulen eine Stelle pro zehn Schüler, an Polytechnischen Schulen eine pro neun Schüler und im sonderpädagogischen Bereich eine Stelle pro 3,2 Schüler vom Bund finanziert. Dazu kommen noch zweckgebundene Extras für Kleinschulen und die Förderung von Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache. Bei den Berufsschullehrern erhalten die Länder nur die Hälfte der Kosten vom Bund ersetzt.

Lehrer, die die Länder über den vereinbarten Schlüssel hinaus anstellen, müssen sie großteils selbst bezahlen. Für überzogene Planstellen werden dem Bund allerdings nicht die tatsächlichen Kosten refundiert, sondern nur das Gehalt eines (billigeren, Anm.) Junglehrers - und auch das ohne Zinsen. Aufgrund unterschiedlicher EDV-Systeme hat der Bund auch keinen Einblick in das tatsächliche Gehalt der Lehrer oder deren Lehrfächerverteilung.

Bundeslehrer sind u.a. die rund 22.000 Pädagogen an den AHS und ihre rund 23.000 Kollegen an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS). Insgesamt umfasst die Gruppe über 48.000 Lehrer. Ihr Dienstgeber ist der Bund, der sie auch bezahlt und mittels einheitlicher Datensätze verwaltet.

Die beiden Lehrer-Typen haben nicht nur unterschiedliche Dienstgeber, sondern auch unterschiedliche Dienstrechte. Das Dienstrecht der Landeslehrer ist in einem eigenen Bundesgesetz geregelt (Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz/LDG). Die Regelungen für das Dienstrecht der Bundeslehrer finden sich in mehreren Gesetzen, etwa im Bundeslehrer-Lehrverpflichtungsgesetz oder dem Beamtendienstrechts- bzw. Vertragsbedienstetengesetz. Unterschiede gibt es etwa im Ausmaß und der Ausgestaltung der Lehrverpflichtung, auch die Gehälter sind unterschiedlich hoch.

Auch der Ausbildungsweg ist unterschiedlich: Die AHS- und BMHS-Lehrer sind Uni-Absolventen, die Pflichtschullehrer haben zum größten Teil die ehemaligen Pädagogischen Akademien absolviert. Seit 2007 sind diese in Pädagogische Hochschulen umgewandelt.

(schluss) jle;cm;ks

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 30.04.2012 13:13:46

APA0273 II, XI 30.04.2012 13:02:07

 

Chronologie: Der lange Weg vom Lehrer-Streit zum neuen Dienstrecht

Utl.: Zeitplan wurde wiederholt verschoben

Schulen/Lehrer/Reform/Hintergrund/Chronologie

Ein neues Dienstrecht für Lehrer ist im Regierungsprogramm vereinbart, der Weg dorthin hat sich bisher als steinig erwiesen. Im Folgenden ein Überblick über die Entwicklungen der Dienstrechtsdebatte in der Koalition unter Kanzler Werner Faymann (S).

23. November 2008: Im Regierungsprogramm der rot-schwarzen Koalition wird die Einführung eines "zeitgemäßen und leistungsorientierten Dienst- und Besoldungsrechts für alle neu eintretenden LehrerInnen" festgeschrieben.

25. Februar 2009: Schmied fordert von Lehrern, als "Solidarbeitrag" in der Wirtschaftskrise zwei Stunden mehr in der Klasse zu unterrichten. Es folgen erboste Reaktionen der Gewerkschaft, mit der Schmied in den folgenden Wochen - ohne Unterstützung des Koalitionspartners ÖVP - verhandelt.

20. April 2009: Schmied verzichtet auf die Anhebung der Unterrichtsverpflichtung und kündigt an, "gleich übermorgen" Verhandlungen über ein neues Dienstrecht zu beginnen.

12. Mai 2009: Schmied gibt eine "höhere Lehrverpflichtung" als Ziel des neuen Lehrerdienstrechts aus.

16. Juni 2009: Schmied will bis Ende Juni 2010 ein neues Dienstrecht erarbeiten, bereits mit dem Schuljahr 2010/11 soll es in Kraft treten. Lehrer sollen künftig "All-in"-Verträge bekommen.

5. Oktober 2009: Die Verhandlungen sollen doch erst nach den Wahlen zur Beamtenpersonalvertretung beginnen. Als "ambitionierte Wunschvorstellung" nennt Schmied einen Abschluss bis Ende 2010.

27. November 2009: Der Verhandlungsbeginn wird erneut verschoben, diesmal soll die Neukonstituierung der Personalvertretung abgewartet und eine gemeinsame Linie der Regierung gefunden werden.

Jänner 2010: Schmied geht auf "Dialog-Tour" durch die Bundesländer, um "Störungen" im Verhältnis mit den Lehrern "auszuräumen".

1. Juli 2010: Konkrete Verhandlungen mit Lehrer-Vertretern sollen erst 2011 beginnen und das neue Dienstrecht "noch in dieser Legislaturperiode" in Kraft treten.

22. August 2010: Kanzler Werner Faymann (S) will anlässlich der Budgetsanierung "diskutieren, ob Lehrer nicht ein paar Stunden mehr arbeiten könnten".

3. September 2010: Schmied will über neue Arbeitszeitmodelle für Lehrer reden und weg vom Modell "Ein Lehrer - Eine Stunde - ein Fach".

26. November 2010: Die Vorverhandlungen für ein neues Dienstrecht sollen laut Faymann demnächst beendet und die Gespräche 2011 unter Beisein von Vertretern des Unterrichtsministeriums, des Kanzleramts und des Finanzministeriums fortgesetzt werden.

15. März 2011: Die Regierung einigt sich auf eine Steuerungsgruppe und die Erarbeitung des neuen Dienstrechts in sechs "Arbeitspaketen". Gespräche mit der Beamtengewerkschaft sollen noch vor Ostern stattfinden.

5. April 2011: Start der Verhandlungen mit Gewerkschaftschef Fritz Neugebauer (V), Unterrichtsministerin Schmied, Beamtenministerin Heinisch-Hosek (S), Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka (V) und VP-Bildungssprecher Werner Amon, Ziel ist ein Abschluss bis Ende 2011. Vertreter der Lehrergewerkschaft sind nicht eingeladen, aus ihrer Sicht handelt es sich lediglich um ein Informationstreffen. Erst am 2. Mai beginnen die Gespräche mit der Lehrergewerkschaft auf Beamtenebene.

12. Oktober 2011: Schmied gibt als neues Zieldatum für den Abschluss der Verhandlungen den Sommer 2012 aus, bis dahin sollen die Eckpunkte stehen.

3. Mai 2012: Das Ministerinnen-Trio Schmied, Heinisch-Hosek und Finanzministerin Maria Fekter (V) steigt in die Verhandlungen ein. Schmied will in der Endphase bei einer Klausur so lange mit der Gewerkschaft verhandeln, bis eine Einigung da ist.

(schluss) jle;cm;pra;ks

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 30.04.2012 13:13:46

APA0268 II, XI 30.04.2012 13:00:01

 

Lehrerdienstrecht - Initiative fürchtet Fokus auf Budgetfragen

Utl.: In offenem Brief an verhandelnde Ministerinnen

Lehrer/Reform/Petition/Volksbegehren

Wenige Tage vor dem Beginn der Verhandlungen zum neuen Lehrerdienstrecht hat sich die Initiative "LehrerInnen für das Bildungsvolksbegehren" in einem offenen Brief an die Unterrichts-, Finanz- und Beamtenministerin gewandt. Darin äußern die Lehrer die Befürchtung, dass die Verhandlungen "hauptsächlich unter budgetären Aspekten geführt werden" und fordern, pädagogische Überlegungen miteinzubeziehen. Auf einer dazugehörigen Webseite http://www.bildungsrecht.at wird um Unterstützer des Anliegens geworben.

Als Unterzeichner des Briefes fungieren die ehemaligen AHS-Direktoren Heidi Schrodt und Erwin Greiner sowie AHS-Lehrer Daniel Landau. Sie sehen in den bevorstehenden Verhandlungen "die einmalige Chance", gehaltstechnische mit pädagogischen Frauen zu verbinden "und somit mit einer Gehaltsreform einen schulischen Innovationsschub in Gang zu setzen". Sie fordern, dass bei den Verhandlungen u.a. eine größtmögliche Autonomie an Bildungseinrichtungen, die Abschaffung von Bezirksschulräten im Rahmen einer Verwaltungsreform sowie eine Neudefinition der "Arbeitszeit" von Pädagogen thematisiert werden.

Die Initiative "LehrerInnen für das Bildungsvolksbegehren" war aus der im Vorjahr von Ex-SP-Vizekanzler Hannes Androsch initiierten "Volksbegehren Bildungsinitiative" hervorgegangen. Am Donnerstag startet die erste Verhandlungsrunde zum neuen Dienst- und Besoldungsrecht zwischen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S), Finanzministerin Maria Fekter (V), Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) und der Lehrergewerkschaft.

(S E R V I C E - http://www.bildungsrecht.at)

(schluss) pra;cm;ks

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 30.04.2012 13:13:46

APA0263 II, XI 30.04.2012 12:56:24

 

Lehrer-Arbeitszeit: Unterricht ist nur ein Drittel der Arbeit GRAFIK

Utl.: Arbeitszeitstudie beruht auf Eigeneinschätzung der Lehrer - GRAFIK 0535-12, Format 88 x 86 mm

Schulen/Lehrer/Grafik/Hintergrund

Lehrer sollen künftig mehr Zeit mit den Schülern verbringen, lautet eine der Losungen von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) für die lange angekündigte Reform des Lehrerdienstrechts. Derzeit macht Unterrichten nach Eigeneinschätzung der Pädagogen nur zwischen 28 und 35 Prozent ihrer Arbeitszeit aus, wie aus der bereits 2001 durchgeführten "Lehrer-Arbeitszeitstudie" hervorgeht. Eine aktuellere Studie von ähnlichem Umfang gibt es nicht.

An der von der Unternehmensberatungsfirma Wentner und Havranek und dem Meinungsforschungsinstitut SORA durchgeführten Erhebung nahmen damals mit knapp 7.000 Lehrern rund sechs Prozent der österreichischen Pädagogen teil. Laut der Eigeneinschätzung arbeiten die Lehrer inklusive Überstunden an Hauptschulen im Schnitt 1.840 und an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) 1.973 Stunden pro Jahr, Volksschul-, Sonderschul- und AHS-Lehrer liegen dazwischen.

Von ihrer wöchentlichen Arbeitszeit wenden die Lehrer (alle Angaben bei voller Lehrverpflichtung) im Schnitt zwischen 35 (Volks-und Sonderschule) und 28 Prozent (AHS) für Unterricht auf. Die Vorbereitung des Unterrichts verlangt zwischen 19 (Hauptschule) und 23 Prozent (AHS) der gesamten Arbeitszeit, die Nachbereitung zwischen elf (Hauptschule) und 13 Prozent (AHS). In Summe kosten Vor- und Nachbereitung etwa soviel Zeit wie der Unterricht selbst.

Für "Schulveranstaltungen und schulbezogene Veranstaltungen" wenden Volksschullehrer zwischen sieben (Volksschule) und 16 Prozent (Hauptschule) ihrer wöchentlichen Arbeitszeit auf, für Fort- und Weiterbildung sind es über alle Schularten zwischen sechs und sieben Prozent. Der Rest der Arbeitszeit entfällt auf "weitere Tätigkeiten, die auf die Lehrverpflichtung zählen" und "sonstige täglich oder wöchentlich anfallende Tätigkeiten", wie etwa Gangaufsicht, Sprechstunden, etc.. Dazu kommen "sonstige Tätigkeiten", die von "Behörden- und Firmenkontakten" über die "Teilnahme an Konferenzen", "Betreuung von Fachbereichsarbeiten" bis zum "Studium von Schulgesetzen und Erlässen" reichen.

Klar hervorgestrichen wird in der Studie, dass es "den Lehrer" oder "die Lehrerin" nicht gibt. Auffällig seien die "großen Unterschiede in der Arbeitszeit zwischen den einzelnen Lehrern" und die "großen Unterschiede in der Arbeitszeit im Jahresverlauf". So hat laut Studie ein Viertel der Volks- und Sonderschullehrer angegeben, in der 18. Kalenderwoche des Jahres 2000 unter 37,6 Stunden gearbeitet zu haben, ein weiteres Viertel hat über 49,3 Stunden gearbeitet und die restlichen 50 Prozent liegen dazwischen. "Der tatsächliche Arbeitsanfall, das Engagement und die tatsächlichen Leistungen des einzelnen Lehrers finden aber keinen Niederschlag in der Besoldung", kritisiert die Studie. Aus diesem Grund wird in der mittlerweile elf Jahre alten Untersuchung gefordert, das "Lehrerdienstrecht zu überdenken".

(schluss) jle;cm;pra;ks

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 30.04.2012 13:13:46

APA0256 II, XI 30.04.2012 12:52:05

 

Stichwort: Lehrer-Dienstrecht

Utl.: Unterschiedliche Dienstrechte für Landes- und Bundeslehrer

Schulen/Lehrer/Hintergrund/Reform

Unterschiedliche Dienstrechte gibt es für die insgesamt 125.000 Lehrer in Österreich (Schuljahr 2010/11): Für die fast 77.000 Pädagogen an allgemeinbildenden und berufsbildenden Pflichtschulen regelt das "Landeslehrer-Dienstrechtsgesetz" (LDG neu) seit 2001 die Arbeitszeit, für die rund 48.000 Bundeslehrer gilt das Bundeslehrer-Lehrverpflichtungsgesetz.

Für die Pflichtschullehrer (Volks, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen) gilt ein Jahreszielwert von rund 1.800 Stunden. Dabei sind zwischen 720 und 792 Stunden für Unterricht inklusive der Aufsichtspflicht veranschlagt (Tätigkeitsbereich A; ergibt sich aus 20 bis 22 Stunden Unterrichtsverpflichtung pro Wochen multipliziert mit den 36 Schulwochen pro Jahr). Ein Fünftel der Stunden aus Bereich A ist für Vor-, Nachbereitungs- und Korrekturstunden reserviert (Tätigkeitsbereich B). Die auf den Jahreszielwert fehlenden Stunden kommen aus dem "C-Topf", darunter 100 Stunden für "allgemeine lehramtliche Pflichten" (Sprechtage, Konferenzen, Schulentwicklung etc.), 66 für Klassenvorstandstätigkeiten, 15 für verpflichtende Fortbildung und zehn für nicht extra abzugeltende Supplierstunden. Die restlichen Stunden sind besonderen Tätigkeiten (Verwaltung von Lehrmittelsammlungen, Schulveranstaltungen etc.) gewidmet.

Ein anderes Modell haben die Lehrer an den allgemeinbildenden und den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (AHS und BMHS). Eine volle Lehrverpflichtung beträgt dort generell 20 Wochenstunden. Allerdings wird eine Unterrichtsstunde in Fächern mit Schularbeiten höher bewertet - ein Mathe-Lehrer etwa muss deshalb weniger unterrichten als ein Turnlehrer. Dabei haben Tätigkeiten wie von Klassenvorständen oder Bibliothekaren im Gegensatz zu früher keinen Einfluss mehr auf die Lehrverpflichtung, sondern werden durch Zulagen abgegolten. Vor- und Nachbereitung und Korrekturen bzw. sämtliche andere Aufgaben sind nicht explizit geregelt, sondern werden mehr oder weniger implizit vorausgesetzt.

Laut OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2011" liegt Österreich mit Netto-Unterrichtsstunden von 779 bei Volksschullehrern exakt im OECD-Schnitt bzw. über dem EU-Schnitt (EU-21) von 755. Bei Hauptschul- und AHS-Unterstufen-Lehrern landet Österreich mit 607 Stunden sowohl deutlich unter dem Schnitt in den OECD-Ländern (701) als auch den EU-Ländern (659). Das Gehalt der Volksschullehrer liegt am Beginn der Tätigkeit (30.998 US-Dollar pro Jahr kaufkraftbereinigt) nur etwas über dem OECD-Schnitt (29.767), das Höchstgehalt ist aber mit 61.390 Dollar deutlich höher als im OECD-Schnitt (48.154). Ähnlich die Situation im Bereich Hauptschule und AHS-Unterstufe: Hier verdienen österreichische Lehrer am Beginn der Laufbahn (32.404 Dollar) mehr als im OECD-Schnitt (31.687), das Höchstgehalt ist mit 63.781 Dollar aber deutlich darüber (51.317).

(schluss) jle;cm;pra;ks

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 30.04.2012 13:13:46

APA0255 II, XI 30.04.2012 12:51:41

 

Lehrer-Dienstrecht 2 - Höhere Einstiegsgehälter, mehr Unterstützung

Utl.: Quereinstieg in den Beruf soll erleichtert werden Wien/APA

Schulen/Lehrer/Reform/Arbeitszeit/Vorschau

BEZAHLUNG: Die Einstiegsgehälter sollen deutlich angehoben werden, um den Beruf attraktiver zu machen, dafür die Gehaltskurve abgeflacht werden. Das Einkommen soll künftig außerdem an die Funktionen angepasst werden, die die Lehrer übernehmen.

Derzeit verdienen Landeslehrer, die an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet werden, rund 15 Prozent weniger als die Bundeslehrer mit Uni-Abschluss. Die Einstiegsgehälter liegen im OECD-Vergleich leicht über dem Durchschnitt (Landslehrer rund 2.100, Bundeslehrer rund 2.200 Euro), alle zwei Jahre rücken die Pädagogen um eine Gehaltsstufe nach oben. Bis zum Ende der Laufbahn ist das Einkommen mehr als doppelt so hoch als beim Berufseinstieg und liegt damit deutlich über dem OECD-Schnitt.

ARBEITSPLATZ: Lehrer sollen künftig - nicht zuletzt wegen des geplanten Ausbaus ganztägiger Schulformen - mehr Zeit an den Schulen verbringen. Die Regierung hat gleichzeitig die Schaffung adäquater Arbeitsräume versprochen.

Derzeit müssen Lehrer nur dann an der Schule sein, wenn sie unterrichten bzw. die Schüler beaufsichtigen. Wo und wann sie Vor- und Nachbereitung des Unterrichts erledigen, ist nicht genau geregelt. Regierung und Gewerkschaft sind sich einig, dass mehr Anwesenheit der Lehrer bessere Ausstattung der Schulen voraussetzt.

SCHULPERSONAL: An großen Schulstandorten mit mehr als 100 Lehrern soll künftig ein mittleres Management eingerichtet werden. Außerdem soll vor dem Hintergrund, dass Lehrer immer mehr mit sozialen Problemen der Schüler konfrontiert sind, verstärkt Unterstützungspersonal eingesetzt werden. Auch in der Administration soll es mehr Hilfspersonal geben.

Laut der OECD-Lehrerstudie TALIS bekommen Pädagogen in Österreich nur sehr wenig Unterstützung. Für 29 Lehrer gibt es eine "pädagogisch-unterstützende Kraft" (Beratungslehrer, Psychologe etc.), pro 25 Lehrer eine "administrative Kraft" (Administrator, Sekretärin etc.). Im Schnitt der 23 untersuchten Ländern gibt es doppelt bzw. fast dreimal so viel Unterstützungspersonal.

EIN-, UM- UND AUSSTIEG: Quereinsteigern soll der Lehrerberuf - auch angesichts des Personalmangels - schmackhafter gemacht werden. Außerdem soll es für Lehrer mehr Möglichkeiten zum Umstieg in andere Schultypen und in die Privatwirtschaft geben.

Derzeit werden Interessenten aus der Privatwirtschaft beim Wechsel in den Lehrberuf maximal 1,5 Jahre Berufserfahrung angerechnet. Der Mangel an Um- und Ausstiegsmöglichkeiten für Pädagogen, die nicht mehr in der Schule unterrichten können oder wollen, gilt als Erklärung für die vielen Burn-Out-Fälle im Schulbereich. Die neue Pädagogenausbildung soll einen unkomplizierten Wechsel in andere Schultypen ermöglichen.

(schluss) jle;cm;pra;ks

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 30.04.2012 13:13:46

APA0249 II, XI 30.04.2012 12:48:39

 

Lehrer-Dienstrecht: Was reformiert werden soll 1 GRAFIK

Utl.: Aufgaben, Arbeitsort und -zeit sollen neu definiert werden - Mehr Geld für junge Lehrer GRAFIK 0537-12, Format 88 x 76 mm

Schulen/Lehrer/Reform/Arbeitszeit/Vorschau

Tempo in die seit Monaten dahindümpelnden Gespräche über ein neues Lehrer-Dienstrecht soll am Donnerstag (3.5.) eine erste Verhandlungsrunde zwischen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S), Finanzministerin Maria Fekter (V), Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) und der Lehrergewerkschaft bringen. Schmied hofft, dass bis zum Sommer die Eckpunkte stehen. Die Gewerkschafter wollen zunächst die Vorschläge der Regierung entgegennehmen und bewerten; sie rechnen damit, dass es noch bis Anfang Juni dauern wird, bis die Verhandlungen wirklich ernst werden.

Vor folgendem Hintergrund starten die Verhandlungen: Bis 2025 geht rund die Hälfte der 125.000 Lehrer in Pension, schon jetzt gibt es zu wenige Lehrer. Gleichzeitig steigt der Personalbedarf durch Regierungsprojekte wie Neue Mittelschule (NMS) und Ausbau der Nachmittagsbetreuung.

Der Bund wendet fast zehn Prozent seiner Gesamtausgaben für Lehrer auf. Für Bundeslehrer (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) hat der Bund 2011 laut dem am Montag vom Rechnungshof (RH) veröffentlichten Bundesrechnungsabschluss 2,78 Mrd. Euro (ein geringer Teil dieser Summe entfällt auch auf Aufwendungen für administratives Personal, Anm.) ausgegeben, für die Landeslehrer (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen) waren es 3,43 Mrd. Euro. Seit 2007 haben sich die Aufwendungen für Bundeslehrer um 14,4 Prozent erhöht, für Landeslehrer um 10,8 Prozent.

Im Folgenden die Eckpunkte der geplanten Reform, über die sich die Regierung mit den Lehrervertretern einigen will.

AUFGABENPROFIL: Lehrerarbeit soll neu definiert und um jene Einsatzbereiche erweitert werden, die neben Unterricht, Vor- und Nachbereitung zu den Aufgaben gehören (Elternarbeit, Schulentwicklung, Team-Teaching, Mentoring etc.). Gleichzeitig sollen Lehrer durch Unterstützungspersonal (Schulsozialarbeiter, Psychologen etc.) entlastet werden.

Derzeit werden unter Lehrerarbeit vor allem Unterricht, der laut einer Lehrer-Befragung nur rund ein Drittel des Jobs ausmacht, sowie Vor- und Nachbereitung verstanden. Dazu kommen Zusatzaufgaben außerhalb des Unterrichts wie Teamarbeit, Schüleraufsicht und administrative Aufgaben. Darüber hinausgehende Tätigkeiten werden über rund 70 verschiedene Zulagen abgegolten.

ARBEITSZEIT: Die Regierung will, dass die Lehrer künftig mehr Zeit mit den Schülern verbringen, im Raum steht die Forderung von Finanzministerin Fekter, dass neue Lehrer sechs Stunden länger arbeiten, aber nur vier davon bezahlt bekommen. Als "pädagogische FachexpertInnen" sollen sie "überwiegend in ihrem Kernbereich eingesetzt" werden. Außerdem soll für Bundeslehrer wie Pflichtschullehrer ein Jahresarbeitszeitmodell gelten.

Aktuell gibt es zwei Arbeitszeitmodelle: Landeslehrer haben eine Normarbeitszeit von 1.776 Stunden pro Jahr, die auf verschiedene "Töpfe" (Unterricht, Vor- und Nachbereitung, sonstige Tätigkeiten) aufgeteilt ist. Bei Bundeslehrern ist nur die Wochenarbeitszeit definiert (je nach Fach 18 bis 22 Stunden). Dazu kommt die nicht in Stunden angegebene Vor- und Nachbereitung des Unterrichts.

(fortsetzung) jle;cm;pra;ks

 

 

30.4. Pressespiegel - Unterricht

Standard, 30. Apr. 2012

 

Lehrerinitiative: Neues Dienstrecht für Innovationen nützen

In einem offenen Brief wird von der Regierung eine Verknüpfung mit pädagogischen Fragen gefordert

Wien - Harte Brocken lassen sich mit vereinten Kräften einfach besser heben. Also rücken Bildungs-, Finanz- und Beamtenministerin am Donnerstag gemeinsam aus, um mit der Gewerkschaft ein neues Lehrerdienstrecht auszuhandeln - ein Thema, das ihnen seit Jahren wie ein Klotz am Bein hängt.

Mit Thomas Bulant, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Pflichtschulgewerkschafter, bewegt sich jetzt doch etwas im scheinbar festgefahrenen Gefüge. Bulant will die Verhandlungen nicht allein beim Thema Besoldung belassen: "Ich würde viel lieber feilschen um Supportsysteme für Lehrer oder um bessere Arbeitsbedingungen" - und damit ganz grundsätzlich um eine höhere Attraktivität für den Lehrberuf. Grundsätzliches verlangen auch Heidi Schrodt (die ehemalige Direktorin der AHS Rahlgasse), Erwin Greiner (früher Direktor in der Theodor-Kramer-Straße) und Daniel Landau (als Lehrer aktiv am Evangelischen Gymnasium in Wien) vom Netzwerk "LehrerInnen für das Bildungsvolksbegehren". 

Botschaft an Lehrer

In einem offenen Brief fordern sie Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf, bei den Verhandlungen nicht "rein budgetären Notwendigkeiten" zu folgen, sondern die "einmalige Chance" zu nutzen, um unter Einbeziehung von pädagogischen Fragen "einen schulischen Innovationsschub" in Gang zu setzen. Ihre Hoffnung: Damit würden auch "Tausende an ihren Leistungsgrenzen arbeitende Lehrer und Lehrerinnen eine andere Botschaft erhalten, als wenn ihnen vermittelt wird, dass sie zu wenig arbeiten".

Was aus Sicht der Absender unter anderem "unverzichtbar" ist: eine " größtmögliche Autonomie an den Schulen", die "Bundeszuständigkeit für alle PädagogInnen", eine "Neudefinition von Lehr- und Lerninhalten" sowie des Lehrerbildes. Dass das neue Dienstrecht - das unter anderem attraktivere Einstiegsgehälter für Junglehrer beinhalten soll - verhandelt wird, bevor die Reformvorschläge zur "PädagogInnenbildung neu" umgesetzt werden, ist für die Initiatoren eine Skurrilität am Rande.

Jetzt sei es wichtig, grundsätzliche Weichen zu stellen. Der offene Brief und die damit verbundenen Forderungen können bald online unterstützt werden. Einer, der jedenfalls in seiner Funktion als Lehrer unterzeichnen wird, ist Gewerkschafter Thomas Bulant. (Karin Riss, DER STANDARD, 30.4.2012)

 

 

Presse, 30. Apr. 2012

 

Warten auf PISA: Der lange Weg zum Testergebnis

MAGDALENA LIEDL (Die Presse)

Langwieriges Prozedere: Obwohl die Schüler bereits am neuen PISA-Test schreiben, werden die Daten erst im Dezember 2013 veröffentlicht. Warum aber dauert es so lange, bis die Daten vorliegen?

Wien. Bereits seit einigen Wochen füllen österreichische Schüler ihre PISA-Testbögen aus. Bis bekannt wird, ob sie sich seit der Studie im Jahr 2009 verbessert haben, werden aber eineinhalb Jahre vergehen: Denn erst im Dezember 2013 werden die Ergebnisse und damit das Länder-Ranking bekannt gegeben. Warum aber dauert es so lange, bis die Daten vorliegen? Und was passiert in dieser Zeit mit den Prüfungsbögen?

In jedem der 60 Teilnehmerländer sind nationale Einrichtungen – die „nationalen Projektmanager“ – für die Durchführung zuständig. In Österreich ist das das BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung). Die Institutionen zu koordinieren bedeutet einen gewaltigen Organisationsaufwand für die OECD, die den PISA-Test verantwortet. Damit die PISA-Ergebnisse am Ende verglichen werden können, müssen die Tests in jedem Land gleich ablaufen und die Antworten der Schüler gleich bewertet werden. Die OECD gibt jeden Arbeitsschritt genau vor.

1 März–Mai 2012

Erste Testphase: 6000 Schüler schreiben den PISA-Test

In den meisten OECD-Ländern finden jetzt im Frühling die Tests statt. In Österreich nehmen mehr als 5000 Schüler an 200 Schulen teil. Um einen guten Querschnitt zu erhalten, dürfen es pro Standort maximal 35 Schüler sein. Zusätzlich zu den Mathematik-, Naturwissenschafts- und Leseaufgaben müssen die Schüler auch Fragen zu ihren Familien, ihrem Zuhause und zu ihrer Leseaktivität beantworten. Der ebenfalls beinhaltete Test zum Problemlösen findet ab diesem Jahr nur noch am Computer statt. Weil nicht alle Schulen so viele Computer haben, nehmen an diesem Teil des Tests höchstens 18 Schüler pro Schule teil.

Aber nicht nur die Schüler, auch die Schulleiter müssen Fragen beantworten: Handelt es sich um eine private oder eine öffentliche Schule? Wie groß ist die Gemeinde, in der sich die Schule befindet? Gibt es eine Theatergruppe oder eine Schülerzeitung? Üben die Eltern wegen der Noten Druck auf die Lehrer aus?

In manchen Ländern bekommen sogar die Eltern einen Fragebogen, in dem etwa das Haushaltseinkommen abgefragt wird. In Österreich verzichte man darauf, weil der Organisationsaufwand zu hoch sei, sagt Ursula Schwandtner vom BIFIE. Oft nehmen nur ein oder zwei Schüler einer Klasse an der Studie teil. Zu organisieren, dass genau deren Eltern die Fragebögen erhielten, sei zu kompliziert.

2 Juni–August 2012

Zwölf Wochen Frist für die Dateneingabe

Nach dem Ende der ersten Testphase hat das BIFIE genau zwölf Wochen Zeit, die Daten zu kodieren, also die Antworten der Schüler in eine spezielle PISA-Software einzugeben. Besonders aufwendig ist dabei die Bewertung der „offenen Fragen“, also jener ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten. Diese werden mit Punkten bewertet. Damit die Punkte in allen Ländern gleich vergeben werden, gibt es für diesen Arbeitsschritt nochmals detaillierte Anweisungen von der OECD. Gleichzeitig mit dem Kodieren der Daten beginnt auch die Cleaning-Phase, in der ungenaue Antworten unter die Lupe genommen werden: Wenn sich der nationale Projektmanager unsicher ist, mit wie vielen Punkten eine Antwort zu bewerten ist, wird diese von der OECD nochmals überprüft.

3 Herbst 2012

Zweite Testphase: Manche Länder schreiben die Tests später

Nicht alle Länder schreiben den PISA-Test gleichzeitig. Der Testzeitpunkt hängt von der Organisation des Schuljahres ab. Viele Länder der südlichen Hemisphäre haben später Sommerferien. Sie schreiben den PISA-Test daher erst im Herbst. Diese Länder haben dann ebenfalls zwölf Wochen Zeit, die Ergebnisse in die PISA-Software einzugeben. Die OECD erhält also frühestens Ende 2012 die Daten aus allen 60 Teilnehmerländern.

4 Winter 2012–Sommer 2013

Die OECD setzt die „Kompetenzstufen“ fest

Erst wenn die Daten aller Länder vorliegen, beginnt die OECD mit der Skalierung. Das bedeutet: Sie berechnet den OECD-Schnitt in den einzelnen Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Daraus entwickelt sie die sogenannten Kompetenzstufen. Im Jahr 2009 gab es etwa beim Lesen sieben solcher Kompetenzstufen. Auf Basis dieser Kompetenzstufen kann jedes Land – aber auch jeder Schüler – als über- oder unterdurchschnittlich eingeordnet werden. Die Schüler in den obersten Stufen sind „Spitzenschüler“, die in den untersten „Risikoschüler.“

5 Spätsommer 2013

Die Länder analysieren die Daten und schreiben ihre Berichte

Am Ende des Sommers bekommen die nationalen Projektmanager ihre jeweiligen Detailergebnisse zu den Kompetenzstufen und die internationalen Daten zugeschickt. Vorher können die Länder nicht mit der Analyse der Daten beginnen – erst auf Basis der Kompetenzstufen können sie ihre Ergebnisse einordnen. Nun bereitet das BIFIE die österreichischen Daten auf und schreibt seine Berichte dazu, die dann gemeinsam mit der Politik präsentiert werden.

6 Dezember 2013

Die Endergebnisse werden veröffentlicht

Nach mehr als einem Jahr Kodierung, Bewertung und Analyse steht das Länder-Ranking fest. Trotz dieser langen Zeit, der vielen Arbeitsschritte und des Cleanings kann es passieren, dass Ergebnisse verfälscht wurden. Solche Fehler werden auf der OECD-Website bekannt gegeben. Zuletzt war das im Jahr 2009 in Österreich der Fall: Die OECD warnte aufgrund des Aufrufs der Schülervertretung, den Test zu boykottieren, vor wenig aussagekräftigen Werten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2012)

 

 

Presse, 30. Apr. 2012

 

Product Placement: Kinder als unfreiwillige Konsumenten

THERESA AIGNER (Die Presse)

Die Jüngsten können sich am wenigsten gegen Werbung wehren: Bereits auf Volksschulkinder haben Produktplatzierungen in Filmen große Auswirkungen, besagt eine Studie der Universität Wien.

Wien. Alvin und die Chipmunks essen gern Käsebällchen. Sie essen sie sogar so gern, dass sie das geliebte Nahrungsmittel in einem ihrer Filme mit einem Lied besingen und keine Gelegenheit auslassen, Käsebällchen zu verzehren. Die singenden Streifenhörnchen – seit Jahren Stars in Zeichentrickserien und zuletzt Kinofilmen – entscheiden sich dabei freilich nicht für eine beliebige Knabberei, sondern für Käsebällchen der Marke „UTZ“.

Ob nun Kinder, die den Film „Alvin und die Chipmunks“ gesehen haben, ebenfalls mehr Lust auf besagte Käsebällchen als Kinder haben, die den Film nicht gesehen haben, hat eine Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien untersucht. Darin wollte man sich der Frage annähern, inwieweit sich sogenanntes Product Placement auf Kinder auswirkt.

Denn: Die Jüngsten können sich am wenigsten gegen Werbung wehren. Und schon gar nicht gegen eine so subtile Form wie das Auftauchen von Markenprodukten in Filmen, sagt Jörg Matthes, Professor am Institut und Leiter der Forschungsgruppe, zur „Presse“.

 

Das Publikum ist empfänglich

Die Wirkung, die diese Art der Werbung entfaltet, wurde bisher hauptsächliche in Bezug auf Erwachsene untersucht. Das Product Placement richtet sich jedoch zunehmend auch an das jüngste Publikum. Vor allem US-Blockbuster sind voll davon: Laut Studie sehen US-amerikanische Kinder bereits fünf Mal mehr Produktplatzierungen von Coca-Cola als klassische Werbespots für das Produkt.

Anders als klassische Werbung, die oft als aufdringlich und negativ empfunden wird, werden Produktplatzierungen vom Publikum recht positiv bewertet, so Matthes. Denn durch den Gebrauch von realen Marken in Filmen scheine auch die Handlung realistischer. Dabei wirke sich die Produktplatzierung auf Haltung und Handlung des Publikums aus – ohne dass sich die Betroffenen daran erinnern könnten, dass sie überhaupt mit dem Produkt konfrontiert wurden. Dafür, so Matthes, würden unsere kognitiven Ressourcen nicht ausreichen, während wir mit dem Schauen eines Films beschäftigt sind.
Wie sich Product Placement nun auf Kinder auswirkt, hat Matthes mit seinen Studenten an Wiener Schulen untersucht. Exakt 121 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren wurden in die Studie miteinbezogen. Die Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe bekam einen Ausschnitt aus dem Film „Alvin und die Chipmunks“ vorgeführt. Die erste Gruppe sah einen Ausschnitt mit starkem Placement der Käsebällchen, die zweite einen Ausschnitt mit weniger starkem Placement. Die dritte Gruppe, die sogenannte Kontrollgruppe, sah einen Ausschnitt ganz ohne Käsebällchen.

Nachdem die Kinder den Kurzfilm gesehen hatten, wurden sie zum Einzelgespräch gebeten. Auf dem Weg dorthin wurden ihnen beiläufig drei ähnliche Snacks angeboten – unter anderem die besagten „UTZ“-Käsebällchen. Dabei mussten die Kinder keinen Snack wählen, sie konnten auch einfach weitergehen.

Das Ergebnis: Jene Kinder, die mit sehr starkem Placement konfrontiert waren, griffen statistisch signifikant häufiger zu den Käsebällchen als die Kinder aus der Kontrollgruppe. Während 45 Prozent der Kinder aus der ersten Gruppe zugriffen, waren es in der Kontrollgruppe lediglich 17 Prozent. Das Alter der Kinder, so ein weiteres Ergebnis der Studie, spielt dabei keine Rolle. So geht die Studie davon aus, dass im Gegensatz zu klassischer Werbung die zunehmende kognitive Entwicklung von Kindern den Werbeeffekt von Produktplatzierung nicht verhindern kann.

Ein durchwegs „alarmierender Befund“, wie Matthes sagt: Würden in US-amerikanischen Filmen doch vor allem ungesunde und zuckerreiche Produkte gezeigt. Eine Tatsache, die in den USA bereits Einzug in die Debatte um Übergewicht und ungesunde Ernährung gefunden hat. Dennoch sei auch dort die wissenschaftliche Datenlage zur Wirkung von Product Placement auf Kinder noch „sehr dürftig“, sagt Matthes.

 

Mehr Forschung nötig

Seine Forderung: Die Forschung in diesem Bereich müsse intensiviert werden. Das müsse passieren, bevor man eindeutige Handlungsableitungen – wie etwa gesetzliche Regelungen für Kinderfilme – treffen könnte. Und: Wenngleich die kritische Auseinandersetzung mit Medieninhalten eine immer wichtiger werdende Aufgabe der Schulen sei, hält Matthes Maßnahmen zur Sensibilisierung und Aufklärung in der Schule erst ab dem Alter von 14 Jahren für sinnvoll. In jüngerem Alter wären die Kinder schlicht überfordert.

Auf einen Blick

Die Wirkung von Produktplatzierungen in Filmen auf Kinder haben Jörg Matthes und Brigitte Naderer vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien in einer Studie untersucht. 121 Wiener Schüler im Alter von sechs bis 14Jahren wurden in die Studie miteinbezogen. Das Ergebnis: Bereits die Jüngsten werden stark in ihrem Konsumverhalten beeinflusst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2012)

 

 

Presse, 30. Apr. 2012

 

Dienstrecht: Lehrer verfassen offenen Brief

 (Die Presse)

Das Netzwerk "LehrerInnen fürs Bildungsvolksbegehren" meldet sich zu Wort. Bei den Verhandlungen sollte es nicht nur um Finanzielles gehen, fordert die Lehrerinitiative.

Wien/Thea. Am Donnerstag sollen zwischen den drei Ministerinnen Claudia Schmied (SPÖ), Maria Fekter (ÖVP) und Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sowie Vertretern der Lehrergewerkschaft die Verhandlungen zum neuen Lehrerdienstrecht starten. Aber nicht nur die offiziellen Vertreter der Lehrer haben Anliegen, die sie an die Politik herantragen. Auch das Netzwerk „LehrerInnen fürs Bildungsvolksbegehren“ meldet sich nun zu Wort. Und zwar mit einem offenen Brief, adressiert an die drei Ministerinnen.

Darin fordern die Mitglieder, das Lehrerdienstrecht nicht nur nach finanziellen und budgetären Gesichtspunkten zu verhandeln. Sie sehen im neuen Dienstrecht, das seit Jahren verhandelt wird, vielmehr „die einmalige Chance“, Fragen der Besoldung mit Fragen der Pädagogik und des schulischen Umfelds in Verbindung zu bringen. So könnte mit einer Gehaltsreform auch ein „schulischer Innovationsschub“ in Gang gesetzt werden. Sollte dies von der Politik ermöglicht werden, gehe sicher auch die Lehrergewerkschaft „mit einer anderen Grundeinstellung“ in die Verhandlung.

 

Arbeit neu definieren

Konkret fordert die Gruppe, dass – aufbauend auf einer klaren Tätigkeitsbeschreibung aller Pädagogen – die Arbeitszeit von Lehrern neu definiert wird. Lehrer seien zudem nicht mehr als reine Wissensvermittler zu sehen, ihnen müsse auch unterstützendes Personal (wie etwa Sozialarbeiter und Psychologen) zur Seite gestellt werden. Administrative Tätigkeiten müssten außerdem zunehmend an Nichtlehrer übertragen werden.

Weiters fordern die Vertreter, alle Pädagogen in die Bundeszuständigkeit zu übernehmen und den Schulen größtmögliche Autonomie zukommen zu lassen. Zudem verweist man auf die Notwendigkeit einer Verwaltungsreform, im Zuge derer zumindest die Bezirksschulräte abgeschafft werden sollten. Auf der Website bildungsrecht.at will man Unterstützer für die Anliegen gewinnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 25. April 2012

2012.04.25: Unterricht

APA0273 II, XI 25.04.2012 12:10:17

 

Lehrer-Ausbildung - Uni Innsbruck besiegelt "School of Education"

Utl.: Rektorat beschließt Aufbau eigener Fakultät - Gespräche über Kooperationen mit PH und Bakip im Sommer

Universitäten/Lehrer/Ausbildung/Rektoren/Tirol

Während die Technische Universität Wien plant, ihre Lehramtsstudien mit kommendem Wintersemester auszusetzen, will die Uni Innsbruck ihre Lehrer-Ausbildung künftig durch eine eigene Fakultät koordinieren und fördern. Der Universitätsrat hat gestern, Dienstag, die bereits zuvor angekündigte Einrichtung einer "School of Education" beschlossen, wie es in einer Aussendung der Uni heißt. Vorerst sollen zwei Institute entstehen, eines für LehrerInnenbildung und Schulforschung und eines für in thematische Arbeitsbereiche eingeteilte Fachdidaktik.

Laut Rektor Tilmann Märk sind "motivierte und leistungsorientierte Lehrerinnen und Lehrer (...) der Schlüssel zum Bildungserfolg unserer Jugend". Die Einrichtung einer "School of Education" sei ein "bedeutender Schritt" für die Uni, um "hierbei für eine adäquate Ausbildung" sorgen zu können. Bereits seit vielen Jahren habe die Uni entsprechende Kompetenzen in der Lehrerausbildung aufgebaut "und über die notwendige Infrastruktur und die erforderliche Administration verfügt, um eine derartige Aufgabe gut zu bewältigen", so Märk.

Mit dem Aufbau einer "School of Education" realisiert die Uni Innsbruck das von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) präferierte Modell, wonach die Unis die Federführung in der neuen Lehrerausbildung übernehmen sollen. Die für Pädagogische Hochschulen (PH) zuständige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) wünscht sich indes die Erweiterung der PH um den Bereich der höheren Schulen und damit eine Aufwertung zu Pädagogischen Unis. Die Uni Innsbruck will jedenfalls sowohl PH als auch die Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik und Horterziehung (Bakip) in der Fakultät einbinden. Im Sommer sollen Vertreter aller Einrichtungen aufeinandertreffen und "mögliche Integrationsschritte diskutieren sowie eine Ressourcen- und Terminplanung ausarbeiten".

(schluss) pra;cm;bei

OTS0134 II 25.04.2012 11:24:11

 

VSStÖ: Mehr Demokratie im gesamten Bildungsbereich!

Utl.: Direktwahl jetzt - für die Schüler_innenvertretung ebenso wie für die ÖH Bundesvertretung!

Bildung/Demokratie/Direktwahl/Schule/Hochschule/Universität

Der VSStÖ unterstützt die Forderungen der Aktion Kritischer Schüler_innen (AKS), die heute im Rahmen ihrer Medienaktion zum Kampagnenstart 'Sei wählerisch - Direktwahl jetzt!' präsentiert wurden. "Es ist wichtig, Demokratiedefizite auf allen Ebenen aufzuzeigen und sich für mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten einzusetzen, besonders im Bildungsbereich, wo Demokratie gelernt und gelebt werden muss", so Mirijam Müller, Bundesvorsitzende des Verband sozialistischer Student_innen (VSStÖ).

"Auch im Hochschulbereich wurde den Studierenden mit der Abschaffung der Direktwahl der ÖH Bundesvertretung durch Ex-Ministerin Gehret eine wichtige Möglichkeit ihrer Mitbestimmung genommen. Das aktuelle Wahlsystem lässt es nicht zu, dass Studierende die Bundesebene als ihre höchste Vertretung direkt wählen. Die Nacht- und Nebelaktion hat außerdem dazu geführt, dass die Stimmen an den unterschiedlichen Universitäten und Fachhochschulen unterschiedlich viel Gewicht haben und die Zahl der Mandatar_innen sich seither fast verdoppelt hat", so Müller weiter.

"Der VSStÖ fordert Minister Töchterle dazu auf, seiner Ankündigung nachzukommen und die Direktwahl wiedereinzuführen. Die Studierenden müssen ihre demokratischen Rechte wieder zurückbekommen und echte Gremienarbeit in der ÖH Bundesvertretung muss wieder ermöglicht werden", so Müller abschließend.

Rückfragehinweis:

Verband sozialitischer Student_innen
Susannika Glötzl
Pressesprecherin
Tel.: +43 676 385 8813
mailto:susannika.gloetzl@vsstoe.at
http://www.vsstoe.at


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OTS0098 II 25.04.2012 10:30:19

 

AKS: Sei wählerisch. Direktwahl jetzt! - BILD

Utl.: Schüler_innen starten Kampagne und Bürger_inneninitiative zur Direktwahl der überschulischen Vertretung

Politik/Bildung, Demokratie

Mit einer Medienaktion vor dem Parlament startet die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) den Auftakt der Kampagne "Sei wählerisch. Direktwahl jetzt!".

"Wir wollen auf das Demokratiedefizit der überschulischen Vertretung aufmerksam machen" so die AKS-Bundesvorsitzende Eleonora Kleibel, "Die meisten Schüler_innen wissen nicht einmal über die Existenz ihrer Vertretung auf Landes- und Bundesebene Bescheid. Dieser Zustand ist untragbar!".

Am Ende des Schuljahres haben alle Schulsprecher_innen das Rechte, ihre landesweite Vertretung zu wählen. Die jeweiligen Landesschulsprecher_innen aller Bundesländer, sowie zwei Vertreter_innen der Zentrallehranstalten bilden automatisch die BSV. "Der oder die Bundesschulsprecher_in wird also höchstens von 29 Personen gewählt, hat aber die Aufgabe 1,2 Mio. Schüler_innen zu vertreten." kritisiert Kleibel das aktuell Wahlsystem.

Die AKS setzt sich seit Jahren für die Direktwahl der Schüler_innenvertretung ein. Bereits 1987 forderte die Aktion kritischer Schüler_innen als erste Schüler_innenorganisation die Direktwahl der Schulsprecher_innen an der Schule, davor hatten nur die Klassensprecher_innen ein Stimmrecht. "Schule ist ein idealer Raum, um Demokratie nicht nur zu lernen, sondern auch zu leben!" so die Schüler_innenvertreterin.

Ein direktes LSV/BSV-Wahlsystem würde nicht nur der mangelnden Bekanntheit der überschulischen Vertretung bei den Schüler_innen selbst entgegenwirken und ihrer Vertretungsarbeit mehr Legitimation geben, sondern ihr auch mehr Gewicht gegenüber der Politik verleihen. "Damit die BSV starke Vertretungsarbeit für Schüler_innen leisten kann, ist es wichtig, dass die Schüler_innen auch einen Bezug zu ihrer eigenen Vertretung haben und tatsächlich mitbestimmen können!"

Im Rahmen der AKS-Kampagne gibt es neben Aktionen an Schulen auch die Möglichkeit zur Information und Partizipation unter www.direktwahl.aks.at. Außerdem startet die AKS eine parlamentarische Bürger_inneninitiative um das Anliegen der Schüler_innen auch ins Parlament zu tragen.

Weitere kostenlose, lizenzfreie Fotos finden Sie unter www.aks.at

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis: Eleonora Kleibel AKS-Bundesvorsitzende tel.: +43 69911408142 mail: eleonora.kleibel@aks.at web: www.aks.at

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OTS0075 II 25.04.2012 10:00:44

 

SJÖ: Her mit der Direktwahl der SchülerInnenvertretung!

Utl.: Bundes- und LandesschülerInnenvertretung aus ihrem Schattendasein herausholen - Direktwahl jetzt!

Innenpolitik/Bildung/Demokratie/Jugend/Schulen

"Wer sich in Österreichs Schulen umhört, wird erkennen: Kaum jemandem der 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler ist die eigene Vertretung auf Bundes- oder Landesebene bekannt. Das führt zu einem Legitimitätsproblem und zu einem verschwindend geringen Gewicht dieses Gremiums", erklärt Wolfgang Moitzi, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend. Die SJÖ unterstütze die langjährige Forderung der AKS, die überschulische Vertretung künftig direkt zu wählen. "Nach zähen Jahren der Überzeugungsarbeit konnten wir die Wahlaltersenkung auf 16 Jahre durchsetzen. Nächste Schritte in Richtung Demokratisierung müssen nun folgen", so Moitzi.

"Wer, wenn nicht unsere Schülerinnen und Schüler, sollten Demokratie lernen und leben?!" Dem Schulbetrieb fehle es generell an Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Hauptbetroffenen, die SchülerInnen. "Tagtäglich müssen SchülerInnen erleben, dass sie nicht am längeren Ast sitzen und letzten Endes nichts mitzureden haben. Das muss sich ändern. Zumindest die eigene Vertretung muss direkt gewählt werden - das wäre ein längst überfälliger erster Schritt!", betont Moitzi abschließend.

Rückfragehinweis: Sozialistische Jugend Österreich Boris Ginner SJ-Pressesprecher Tel.: +43 664 / 560 49 87 mailto:office@sjoe.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/375/aom

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

AK-VA "Finanzierung der Weiterbildung" am 8.05.2012, AK BIZ, 9-13 Uhr

 

 

Die Arbeiterkammer für Wien lädt Sie herzlich zu einer Veranstaltung mit dem Titel

 

          "FINANZIERUNG DER WEITERBILDUNG"

 

          am 8. Mai 2012 von 9-13 Uhr

          im Bildungszentrum der AK Wien,

          Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

 

ein.

 

Das Programm und die Anmeldemöglichkeit finden Sie im Anhang.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Gabriele Schmid

Leiterin der Abteilung Bildungspolitik, AK Wien

 

 

 

2012.04.25: Unterricht

 

Der Standard – 25. April 2012

 

 

Lehrerausbildung

TU Wien spart Lehramtsstudien ein

Oona Kroisleitner

Keine Neuinskriptionen für Lehrerausbildung ab kommendem Herbst

Wien - Mit Beschluss des Rektorats der Technischen Universität Wien (TU Wien) werden ab Wintersemester 2012/2013 keine Neuzulassungen für Lehramtsstudien mehr stattfinden. Von der Kürzung sind die naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer Mathematik, Physik, Chemie und Informatik betroffen. Vom Standard dazu befragt, erklärte Adalbert Prechtl, Vizerektor für Lehre an der TU Wien: "Die Lehramtsausbildung in der jetzigen Form wird es in Zukunft nicht mehr geben. Die Neuzulassung zu den Lehramtsstudien wird ab dem Wintersemester 2012/2013 ausgesetzt."

Einzig das Unterrichtsfach Darstellende Geometrie soll aufgrund des "Alleinstellungsmerkmals" der TU erhalten bleiben. Diese Studienrichtung wird außer an der TU Wien nur noch an der TU Graz angeboten.

Die 300 bis 400 Studierenden, die jährlich an der TU Wien ein Lehramtsstudium inskribieren, werden künftig auf andere Universitäten ausweichen müssen. Eine davon ist die Uni Wien, sie bietet die naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer an.

An der TU Wien werden derzeit etwa 100 Semesterwochenstunden für ein Mathematiklehramtsstudium angeboten. In den anderen Unterrichtsfächern sind es weniger lehramtsspezifische Stunden, ein Großteil der Lehrveranstaltungen deckt sich mit dem Bachelor-Studium. Durch die Abschaffung der Lehrerausbildung werden die lehramtsspezifischen Stunden eingespart.

Töchterle verhandelt

Im Büro von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle spricht man sich für den Erhalt der Lehramtsstudien an der TU Wien aus: "Universitäten sollen sich auch weiterhin und verstärkt in die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern einbringen." Dabei kann sich das Ministerium "entsprechende Schwerpunktsetzungen und Profilbildungen" vorstellen.

Dass es an der TU Wien künftig weniger Angebote bei Lehramtsstudien geben soll, wird im Wissenschaftsministerium als "noch nicht abschließend" beurteilt. Zurzeit sei das Ministerium "in Gesprächen" mit der TU Wien.

Wie es für die rund 1000 aktiven Lehramtstudierenden weitergeht, ist für die TU Wien "noch offen", die universitären Gremien würden sich beraten.

Thomas Wenk, Vorsitzender der HochschülerInnenschaft an der TU Wien, geht davon aus, dass "die Lehramtsstudien auslaufen werden". Die Uni wolle "sich nicht mit der ,Lehrerbildung neu‘ auseinandersetzen", sagt er im Standard-Gespräch, er vermutet aber auch finanzielle Gründe. Die ÖH der TU kündigte bereits Proteste gegen die Abschaffung des Lehramts an.

 

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Der Standard – 25. April 2012

 

 

Rette sich, wer kann

Kommentar | Lisa Nimmervoll

TU Wien streicht Lehramtsstudien

Die Technische Universität Wien wagt einen symbolisch heftigen Befreiungsschlag: Vier der fünf Lehramtsstudien werden ab Herbst gestrichen (aus Sicht der Studenten) oder eingespart (aus Sicht der Uni). Und die kann jeden Euro brauchen, sitzt sie doch auf einem 20-Millionen-Euro-Schuldenberg - teils fremdverschuldet durch die politisch verantwortete Unterfinanzierung der Unis, teils selbstverschuldet, indem zwar längst nötige Investitionen getätigt wurden, aber etwas überambitioniert.

Kein Lehramtsstudium mehr heißt: Die TU Wien bildet keine Mathematik-, Physik-, Chemie- und Informatiklehrer mehr aus, will höchstens über "strategische Kooperationen" an deren Ausbildung mitwirken. Damit wird das "Problem" der Uni Wien zugeschanzt. Denn die bietet diese Fächer an. Vor allem: Diese Lehrer werden gebraucht - dringend. Laut EU-Bildungsbericht besteht in Österreich der größte Lehrermangel in naturwissenschaftlichen Fächern (elf Prozent) und auch in Mathematik (5,8 Prozent). 

Dieser Loch-auf-Loch-zu-Kurs zeigt drastisch, dass endlich ein elaborierter, durchdachter Hochschulplan - inklusive Pädagogischer Hochschulen - her muss. Darin muss das Studienangebot in ganz Österreich sinnvoll arbeitsteilig organisiert sein - so, dass insbesondere auch der Bedarf an Absolventen für den Schulbereich erfüllt wird.
Denn wenn dieses „Rette sich, wer kann" im Uni-Bereich Schule macht, können auch die Schulen bald zusperren.

 

 

Die Presse – 25. April 2012

 

Klangbildung: Wiener Musikoffensive an Schulen

EVA WINROITHER UND KARIN SCHUH 

Wien ist beim Angebot an Musikschulen österreichweit Schlusslicht. Die Stadt will das durch Reformen ändern. Künftig soll der Musikschulunterricht zunehmend in Regelschulen abgehalten werden.

Wien. Die Vorwürfe sind – zumindest gefühlt – so alt, wie die musikalische Geschichte Wiens lang ist: In der Stadt gibt es zu wenige Plätze in Musikschulen, Kinder müssen oft Monate warten, bis sie ein Instrument erlernen können. Das könnte sich nun ändern.

Die Stadt Wien reformiert derzeit ihr Musikschulwesen. Seit Oktober 2011 diskutiert eine Arbeitsgruppe – bestehend aus den städtischen Musikschulen, dem zuständigen Magistrat (MA13), aber auch aus dem Stadtschulrat oder der Universität für Musik in Wien – einen Plan, wie das „musikalische Bildungsangebot in Wien“ in Zukunft aussehen könnte. Die ersten Ergebnisse soll es Ende des heurigen Jahres geben, die Umsetzung bereits Anfang 2013 starten, bestätigt Martina Wurzer, Bildungssprecherin der Wiener Grünen der „Presse“.

Im Detail sieht das vorläufige Konzept vor, dass der Musikschulunterricht zunehmend in Regelschulen abgehalten wird, sagt Elisabeth Pilwachs, Sprecherin der Musik- und Singschulen Wien. Schon jetzt würden Musikschulen aufgrund der steigenden Ganztagsbetreuung in Schulen ihre Stunden eher am Abend abhalten.

Schwerpunkt auf Volksschulen

Da die Stadt ja nicht über Bundesschulen entscheiden kann, setzt die Arbeitsgruppe nun einen Schwerpunkt auf Volksschulen, aber auch auf kooperative Mittelschulen, die Ländersache sind. In diesen könnten die Schüler dann ab 2013 zusätzlichen Musikunterricht bekommen, entweder „am Vormittag oder als Teil der Nachmittagsbetreuung“, sagt Pilwachs – je nachdem, welche Schwerpunkte die Schulen gesetzt haben.

Abgehalten wird der Musikunterricht von den Musikschullehrern selbst, die dafür extra in die Schulen kommen. Auch wenn das rechtlich gesehen noch nicht möglich ist: Denn Musikschullehrer sind nicht berechtigt, an Regelschulen zu unterrichten. „Da wird es sicher eine Gesetzesänderung brauchen“, sagt Pilwachs. Eine eigene Arbeitsgruppe befasst sich damit derzeit im Unterrichtsministerium („Die Presse“ berichtete).

Die vorhandenen 17Musikschulen in Wien mit einer Kapazität von 8346 Plätzen sollen trotzdem weiterhin bestehen – gegebenenfalls auch ausgebaut werden. Außerdem soll eine verstärkte Kooperation mit privaten Musikschulen oder Anbietern wie den Volkshochschulen stattfinden.

Gymnasien, die in die Bundeskompetenz fallen, sind von der Reform (noch) nicht betroffen. Und auch das Erlernen von Musikinstrumenten im Einzelunterricht wird nicht abgedeckt. „Klavierunterricht wird in Schulen schwierig abzuhalten sein. Blasinstrumente oder Blockflötenunterricht sind in der Gruppe kein Problem“, sagt Pilwachs.

Genau den Gruppenunterricht kritisiert aber VP-Bildungssprecherin Isabella Leeb. Schon jetzt fände in Musikschulen zu wenig Einzelunterricht statt. „Die Musikschulen sind aber ein Pool für zukünftige Musiktalente. In der Gruppe können sie zu wenig gefördert werden.“ Dass aber schon längst Handlungsbedarf im musikalischen Angebot in Wien besteht, darüber sind sich alle einig: „Die Nachfrage kann nicht gedeckt werden“, sagt Wurzer.

Schlusslicht Wien

Im Vergleich mit den Bundesländern schneidet Wien beim Musikunterricht generell schlecht ab. Laut Musikschulstatistik 2007 der Musikschulwerke (aktuellere Zahlen sind noch nicht vorhanden) kommt Niederösterreich auf 137 Musikschulen, Wien lediglich auf 18. Während Niederösterreich knapp 48.000 Musikschüler zählte, betreute Wien 8600.

„Wobei der Vergleich problematisch ist, weil in Wien auch viel über Volkshochschulen angeboten wird, die hier nicht berücksichtigt wurden“, sagt Gerhard Gutschik vom Burgenländischen Musikschulwerk, der die Studie koordinierte. Gutschik kritisiert, dass die Zahl der Musiklehrer in den letzten Jahren konstant geblieben ist, während der Bedarf stark gewachsen ist. „Trotz Geburtenrückgangs hat sich die Nachfrage verdreifacht, mit privaten Anbietern vervierfacht.“ Wien sei besonders säumig. „Da fehlte zumindest in den vergangenen Jahren politischer Wille. Hoffentlich gibt es den jetzt.“

Auf einen Blick

Musikalische Offensive. Wien ist österreichweit beim Angebot an Musikschulen Schlusslicht. Nun wird in der Stadt eine Reform des musikalischen Bildungsangebots diskutiert. In Zukunft soll der Musikunterricht zunehmend in die Schulen wandern und Teil des Unterrichts oder der Nachmittagsbetreuung werden. 2007 wurden in Wien 8600 Musikschüler betreut, in Niederösterreich 48.000.

 

 

Die Presse – 25. April 2012

 

Wien entdeckt die Elite

DIETMAR NEUWIRTH 

Auf dem Gelände der früheren Semmelweisklinik entsteht eine teure Musikprivatschule.

Die Kluft zwischen Reich und Arm ist nicht zu übersehen: Die einen müssen jahrelang für ihre Kinder auf einen Platz in einer der viel zu wenigen öffentlichen Musikschule warten, bis diese oder die Eltern oder alle Beteiligten die Lust am Erlernen eines Instruments verlieren. Die anderen schicken ihre Kinder in eine Privatschule, die von einem Milliardär und US-Investoren gesponsert wird, und überweisen dafür pro Jahr zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Wie das Land, wie die Stadt heißt, in der es diese Praxis gibt? Nein, wir sprechen nicht von den USA. Überraschung: Wir sprechen ausgerechnet – ja – von Wien.

Dort entdeckt Bürgermeister Michael Häupl soeben seine Liebe zur Elite. Auf dem Gelände der Semmelweisklinik soll eine private Musikschule mit dem originellen Titel Amadeus gegründet werden. Dagegen etwas ins Treffen zu führen kann maximal einem Vertreter der Wiener ÖVP einfallen. Dabei könnte sich Währings schwarzer Bezirkschef über die neue Institution freuen. Schön, wenn die sonst nicht gerade besonders bewegliche Wiener SPÖ über ihren ideologischen Schatten springt. Und jetzt wird auch ein Konzept erarbeitet, mit dem das Angebot der Musikschulen an den „normalen“ Schulen integriert werden soll. Das ist nicht nichts.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945