Donnerstag, 31. Mai 2012

2012.06.01: Unterricht

 

Die Presse – 1. Juni 2012

 

Der Absturz der Ministerin

CHRISTOPH SCHWARZ

Wann verschiebt Schmied endlich die Zentralmatura?

Bisher war die Argumentationslinie der Unterrichtsministerin klar: Die allgemeine Skepsis an ihrer Zentralmatura sei ein bloßes Produkt der üblen Propaganda der schwarzen Lehrergewerkschaft, die ihr schlicht „nicht so wohl gesonnen sei" (O-Ton Claudia Schmied anlässlich der jüngsten Kritik an den neuen Bildungsstandards). Mittlerweile wird es aber eng für die Ministerin, die auf ihrem Zeitplan beharrt: Wenn sich sogar ihre eigenen Experten aus der Deckung wagen und vor Schwächen warnen, kann von simpler Panikmache aus konservativen Kreisen wohl längst keine Rede mehr sein.

Noch dazu, da die Vorwürfe des – von Schmieds Ministerium bestimmten – Zuständigen für die Mathematikmatura mehr als schwerwiegend sind: Von einer Senkung des Anforderungsniveaus ist die Rede, von einem Rückschritt, von Risken für die Schüler. Selbst wenn man die Zentralmatura grundsätzlich befürwortet: Das kann wirklich niemand wollen.

So bewundernswert es ist, wenn sich Schmied nicht per se von der Gewerkschaft in die Knie zwingen lässt: Wenn sie ein letztes bisschen Verantwortungsgefühl hat, muss sie handeln. Und die Matura verschieben. Der Grat zwischen Prinzipientreue und bloßer Sturheit ist schmal. Schmied droht abzustürzen.

 

 

Die Presse – 1. Juni 2012

 

Mitgestalter zweifelt an Zentralmatura

Der für den Schulversuch zuständige Mathematik-Didaktiker Werner Peschek stellt nicht nur eine gelungene Vorbereitung in der Klasse infrage, sondern warnt auch vor Niveauverlust und fordert Übergangsregelungen.

Wien/Apa/Rovi/J.n. Zweifler an einer gelungenen Umsetzung der Zentralmatura gab es bereits viele. Nun kommt jedoch einer hinzu, der selbst für die Konzeption der neuen Mathematik-Reifeprüfung zuständig war: Werner Peschek, Mathematik-Didaktiker an der Universität Klagenfurt. Er stellt nicht nur eine gelungene Vorbereitung in der Klasse infrage, sondern schließt auch einen damit einhergehenden Niveauverlust nicht aus.

Seine Befürchtung: Um den politisch vorgegebenen Zeitplan einzuhalten, könnten die Ansprüche zurückgenommen werden. Nährboden für diese Annahme sind die Maßstäbe, die das für die Zentralmatura zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) anwendet. Denn während seine Forschergruppe die Beispiele für die zentrale Mathematikmatura auf Basis des Lehrplans, theoretischer Überlegungen und von Gesprächen mit Lehrern erstellte, berücksichtigt das BIFIE bei der Zusammenstellung der Aufgaben auch, was die Schüler derzeit bewältigen können. Sprich: Als Maßstab für den Schwierigkeitsgrad gilt nicht nur das, was die Schüler können sollen, sondern auch ihr derzeitiges Leistungsniveau. Letzteres wurde im Zuge der Feldtests erhoben. „Wenn Zentralmatura heißt, den Ist-Zustand zu zementieren, dann wäre das nicht nur Stillstand, sondern sogar ein Rückschritt", sagt Peschek.

Keine Anpassung an Leistung

Auf Unverständnis stößt der Vorwurf beim BIFIE. Die Feldtests seien „auf keinen Fall vordergründig dazu da, die Zentralmatura an das bestehende Leistungsniveau anzupassen", sagt Gabriele Friedl-Lucyshyn, Leiterin des Wiener BIFIE-Zentrums. Aber: Natürlich müsse darauf geachtet werden, dass die Beispiele „für die Schüler gut machbar sind". Sie sollten weder zu schwer noch zu leicht sein. Unter anderem brauche es genau dazu die Feldtests.

Dass mit Werner Peschek ausgerechnet ein Experte Kritik übt, scheint für das BIFIE wenig überraschend. „Peschek war von Beginn an nicht wie wir vom Wert der Feldtestungen überzeugt", sagt Friedl-Lucyshyn. Für Verärgerung bei Peschek könnte gesorgt haben, dass das BIFIE die Aufgabenentwicklung früher als geplant ins eigene Haus geholt hat.

An dem Start der Zentralmatura im Jahr 2014 will Peschek zwar nicht rütteln, eine ideale Vorbereitung sei im Bereich Mathematik bis dahin aber dennoch nicht möglich. Die Veränderungen in Mathematik seien eben größer als jene in Deutsch und den Fremdsprachen. Der Unterricht müsse sich grundlegend verändern und vermehrt auf das Verständnis der mathematischen Aufgaben abzielen. Dafür sei die Zeit bis 2014 aber zu kurz.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) empfiehlt er deshalb dringend, Übergangsregelungen zu schaffen. So könnte etwa in Klassen mit besonders vielen Nicht genügend der Beurteilungsmaßstab so gesenkt werden, dass maximal 30 Prozent der Schüler durchfallen. Allerdings müsse dann auch explizit geklärt werden, wie das schlechte Ergebnis zustande gekommen ist und wie es künftig verhindert werden soll.

„Riskantes Unternehmen"

Der vom Ministerium engagierte Experte hat noch mehr Forderungen: Es müsse mehr Mut zur Ehrlichkeit geben. „Die Zentralmatura ist zumindest in den ersten Jahren ein riskantes Unternehmen, und das sollte man auch sagen", so der Didaktiker.

Das Ministerium will der Verunsicherung derweil mit freiwilligen „Kompetenzchecks" in der siebten und achten Klasse der AHS sowie mit einer Probematura entgegenwirken. Seit vergangenem Dienstag ist auch die Reifeprüfungsverordnung veröffentlicht, in der Details bis zur Verwendung des Taschenrechners geregelt sind. Schmied versichert, dass die Vorbereitungen zur Mathematik-Klausur „auf Hochtouren laufen". Sie räumt aber ein, dass man „sicherlich noch zulegen" müsse, und kündigte eine Infokampagne an.

Auf einen Blick

Bei der Zentralmatura müssen ab dem Schuljahr 2013/14 an den AHS und ein Jahr später an den BHS alle Schüler am selben Tag identische Aufgaben in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen lösen. Kritik an der Vorbereitung gab es im Bereich Mathematik. Nun stellt sogar einer der zuständigen Experten den Start 2014 infrage.

 

 

Die Presse – 1. Juni 2012

 

Experte: "Die Zentralmatura ist riskant"

Mathematik-Didaktiker Werner Peschek fordert mehr Ehrlichkeit von der Politik. Er ist für Übergangsregeln bei Klassen mit besonders vielen "Nicht Genügend".

Wenn die Einführung der Zentralmatura zugleich auch essenzielle Veränderungen des Mathematikunterrichts bewirken soll, ist das bis zum Starttermin 2014 kaum österreichweit zu erreichen, meint Werner Peschek, Mathematik-Didaktiker an der Uni Klagenfurt und verantwortlich für den heuer erstmals durchgeführten Schulversuch. Eine Gefahr sieht er darin, dass die Ansprüche zurückgenommen werden und etwa das Anforderungsniveau bei den Klausuren verringert wird, um den politisch vorgegeben Zeitplan einzuhalten. "Ich halte diese Gefahr für realistisch", warnt Peschek.

Hintergrund seiner Befürchtung ist, dass im Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) die Aufgaben auch danach zusammengestellt werden sollen, wie schwer sie den Schülern gerade fallen: Während Pescheks Forschergruppe auf Basis des Lehrplans und bildungstheoretischen Überlegungen und unter Rücksprache mit Lehrern festlegte, welche Kompetenzen für Schüler unverzichtbar sind, werde im Bifie zusätzlich berücksichtigt, welche Aufgaben die Schüler zum gegenwärtigen Zeitpunkt lösen können. "Aber wenn die Zentralmatura heißt, den Ist-Zustand zu zementieren, dann wäre das nicht nur Stillstand, sondern sogar ein Rückschritt, weil man dadurch auch jene Lehrer zurückpfeift, die schon jetzt mehr erreichen", beklagt Peschek.

Risiko für Fortschritt notwendig

Von der Politik verlangt er mehr Mut zur Ehrlichkeit: "Die Zentralmatura ist zumindest in den ersten Jahren ein riskantes Unternehmen, und das sollte man auch sagen. Aber man muss dieses Risiko nehmen, um Fortschritt zu erzielen und gleichzeitig Maßnahmen treffen, um das Risiko für die Schüler zu minimieren", fordert der Mathematik-Didaktiker.

Die Zentralmatura habe in Mathematik nur dann Sinn, wenn sie mehr als bisher auf das Verstehen abziele - und dafür müsse der Unterricht verändert werden, so Peschek. Derzeit müssten die Schüler in Mathe zu viel verständnislos auswendig lernen, während ihnen in puncto Verstehen zu wenig zugetraut werde. Die Zeit für einen Wandel des Unterrichts sei bis 2014 jedoch zu kurz, denn die Umstellung sei in Mathematik größer als etwa in den Fremdsprachen. Dazu komme, dass es zu wenig systematische Fortbildung und zu wenig Unterstützung der Lehrer bei der methodischen und didaktischen Umsetzung gebe.

Übergangsregelungen für schlechte Klassen

Eine generelle Verschiebung der Zentralmatura in Mathematik lehnt Peschek zwar ab. Er fordert stattdessen 2014 einen Start mit Übergangsregelung, damit etwaige mangelnde Vorbereitung "keinesfalls auf Kosten der Schüler geht". Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe es in der Hand, solche Übergangsregelungen festzuhalten: "Ich würde ihr das dringend empfehlen".

So könnte etwa in Klassen mit besonders vielen "Nicht Genügend" der Beurteilungsmaßstab so abgesenkt werden, dass maximal 30 Prozent der Schüler negativ abschneiden. Allerdings müsse es in diesem Fall eine Konferenz mit dem Lehrer, dem Direktor und dem Landesschulinspektor sowie eine schriftliche Stellungnahme geben, wie das schlechte Ergebnis zustande gekommen ist und wie es künftig verhindert werden soll.

Die 2014 an den AHS und ab 2015 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) startende standardisierte Reifeprüfung besteht aus drei voneinander unabhängigen Säulen: Zentral ist die Klausur, bei der alle Schüler Österreichs am selben Tag in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen zentral vorgegebene Aufgaben lösen, die vom Lehrer nach einem vorgegebenen Schlüssel bewertet werden. Außerdem muss jeder Schüler eigenständig außerhalb der Unterrichtszeit eine vorwissenschaftliche Arbeit (an den BHS: Diplomarbeit) erstellen und präsentieren. Bei der mündlichen Prüfung können die Schulstandorte eigene Schwerpunkte setzen: Die Lehrer eines Faches einigen sich dabei auf einen Themenpool, aus dem die Prüflinge ihre Aufgabe ziehen.

 

 

Die Presse – 1. Juni 2012

 

Bildungsbegehren: Keine neuen Gesetze

THERESA AIGNER UND ERICH WITZMANN 

Die Behandlung des Bildungsvolksbegehrens im Parlament ist abgeschlossen. Trotz Konsens sind keine Gesetzesinitiativen daraus hervorgegangen. Initiator Hannes Androsch will allerdings nicht aufgeben.

Wien. Sollte in den nächsten zwei Wochen kein bildungspolitisches Wunder passieren, bleibe das Ergebnis des Bildungsvolksbegehrens beschämend, sagt Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Denn: Aus der letzten parlamentarischen Sitzung zum Volksbegehren, die am Donnerstag stattgefunden hat, ist keine einzige Gesetzesinitiative hervorgegangen.

In zwei Wochen soll der Endbericht des besonderen Ausschusses zum Bildungsvolksbegehren dem Plenum des Nationalrates vorgelegt werden. So hoffen auch die Initiatoren des Volksbegehrens darauf, dass bis dahin die Bildungssprecher aller Fraktionen im Parlament Initiativanträge zu jenen Punkten ausformulieren, in denen es „verbale Übereinstimmung" gibt. Dazu zählen etwa die akademische Ausbildung für Kindergartenpädagogen, die Abschaffung des Proporzes bei den Bezirksschulräten oder die Verschlankung der Schulverwaltung.

Länderinteressen im Weg

Dennoch dürfte ob der harmonischen Stimmung im Ausschuss die Bereitschaft der Regierungsparteien, die Forderungen auch umzusetzen, überschätzt worden sein.

So erklärt ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon in einer Aussendung: „Das Volksbegehren richtet sich zwar an das Parlament, wir dürfen aber nicht losgelöst von anderen Entscheidungsträgern wie etwa den Bundesländern agieren." Aber genau in dieser Abhängigkeit liegt Androschs Meinung nach das Problem, wie er Mittwochabend im Klub der Bildungsjournalisten deutlich machte: „Vizekanzler Spindelegger darf nichts machen, was Neugebauer und Pröll nicht erlauben, und Bundeskanzler Faymann darf nichts machen, was Spindelegger schaden kann."

Gemeint waren der Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer und der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, auf den sich Androsch im Besonderen einschoss. Dennoch ist der ehemalige SPÖ-Vizekanzler überzeugt davon, dass „die Bildungstäter bei der nächsten Nationalratswahl abgestraft werden". Denn die Bildung werde im Wahlkampf 2013 eine zentrale Stellung erhalten und so auch die Koalitionsverhandlungen bestimmen.

 

 

Die Presse – 1. Juni 2012

 

BHS: Klassenteilung wird in allen Schulstufen erlaubt

Öffentliche Druck hat der Lehrergewerkschaft der BHS geholfen. Klassen mit mehr als 30 Schülern dürfen ab nächstem Schuljahr in den Fächern Mathematik, Deutsch und den typenbezogenen Hauptfächern geteilt werden.

Wien/J.n. Der öffentliche Druck hat der Lehrergewerkschaft der berufsbildenden höheren Schulen (BHS) geholfen. Für Donnerstag kündigte diese eine Pressekonferenz zum Thema Klassenschülerhöchstzahl an. Stattgefunden hat diese aber nicht. Stattdessen erfolgte die Einladung ins Unterrichtsministerium – inklusive konkreter Zugeständnisse.

Anders als in der Unterstufe gilt die Klassenschülerhöchstzahl von 25 in den berufsbildenden höheren Schulen prinzipiell nicht. Zugestanden wurde den BHS lediglich eine sehr eingeschränkte Möglichkeit, Klassen in gewissen Fächern zu splitten. Eine Teilung ab einer Anzahl von mehr als 30 Schülern konnte bislang nur in der neunten Schulstufe – also der ersten Klasse – erfolgen. Für die zweite bis fünfte Klasse gab es diese Möglichkeit aus Kostengründen nicht.

Das Ministerium sicherte der Lehrergewerkschaft nun eine Änderung zu: Die Teilung in den Fächern Mathematik, Deutsch und den typenbezogenen Hauptfächern – wie etwa Mechanik in der HTL oder Rechnungswesen in der HAK – soll künftig auch in den höheren Schulstufen möglich sein.

BHS-Lehrergewerkschafter Jürgen Rainer geht davon aus, dass dies bereits im kommenden Schuljahr in Kraft tritt. Andernfalls wolle man sich die schnelle Durchsetzung über den medialen Druck erkämpfen, so Rainer im Gespräch mit der „Presse".

 

 

"Kleine Zeitung" vom 01.06.2012                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Mehr als ein Begräbnis I. Klasse

 

Das Bildungsvolksbegehren blieb hinter den Erwartungen der Initiatoren zurück, der Umgang des Parlaments mit den Vorschlägen übertraf sie.Die Bildungsdebatte wird sachlicher.

 

   THOMAS GÖTZ

 

   Es war ein starker Wille da, zusammenzukommen", bilanziert Bernd Schilcher den dritten und letzten Sonderausschuss über das Bildungsvolksbegehren, das er mitinitiiert hat. Selbstverständlich war das keineswegs. Nachdem das Volksbegehren nur 383.000 Österreicher unterzeichnet hatten, rechneten die Initiatoren mit einem Begräbnis I. Klasse. Es kam anders.

 

   Einig war man sich über die Eckpunkte des neuen Lehrerdienstrechts, das die Sozialpartner derzeit verhandeln. Auch die ÖVP setzt sich dafür ein, dass Lehrer über ihre Lehrverpflichtung hinaus Zeit in der Schule verbringen sollen. Dass die Einkommenskurve „gekippt" werden soll, war auch nicht strittig. Als weiteren Erfolg nennt ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon die Einigkeit über die „Abschaffung der Parteipolitik im Schulsystem". Konsens gab es auch darüber, dass Lehrerinnen und Lehrer akademisch gebildet sein sollen, ob sie im Kindergarten arbeiten oder an der Universität.

 

   Dringend rieten Schilcher und Hannes Androsch zur Einführung eines Bildungsrates, der Ideen einbringen und deren Umsetzung überwachen soll. Amon und Elmar Mayer, der Bildungssprecher der SPÖ, ziehen diesem eine ständige Enquetekommission vor, die unter Einbeziehung von Vertretern des Volksbegehrens die offenen Fragen klären soll.

 

   Bernd Schilcher brachte die Idee ein, als Kompromiss zwischen SPÖ und ÖVP eine gemeinsame Schule bis zum 12. Lebensjahr zu diskutieren. Werner Amon (ÖVP) lehnt diese ursprünglich von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll formulierte Idee ab. Man habe sich auf den Verbleib der AHS und den Aufbau von Neuen Mittelschulen geeinigt, dabei solle es auch bleiben, sagte er.

 

   Der Vorschlag der Initiatoren, Ganztagsschulen übers Land verteilt anzubieten, stieß zumindest nicht auf Ablehnung. Auf die vorgeschlagene Zahl von 160 Schulen wollten sich aber weder Amon noch Mayer festlegen.

 

   Bis zur nächsten Nationalratssitzung Mitte Juni sollen konkrete und mit Fristen versehene Entschließungsanträge formuliert werden. Dass gerade viel von direkter Demokratie geredet wird, erhöht den Druck auf das Parlament.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 01.06.2012                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

Experte fürchtet Niveauverlust

 

Mathematiker Peschek warnt vor zu schnellem Start der Zentralmatura.

 

   ZENTRALMATURA

 

   WIEN, KLAGENFURT. Bildungsministerin Claudia Schmied hat gerade erst die neue Reifeprüfungsverordnung präsentiert, doch die Kritik an der geplanten Zentralmatura, vor allem in Mathematik, geht weiter. Nachdem Lehrer, Eltern und Schüler protestiert hatten, erklärte nun Werner Peschek von der Universität Klagenfurt, die Umstellungszeit sei zu kurz. Peschek erarbeitet mit seinem Team die Fragestellungen für die neue Mathematik-Matura.

 

   Ab dem Schuljahr 2013/14 soll die Zentralmatura ja österreichweit in den allgemeinbildenden, ein Jahr später an den berufsbildenden höheren Schulen starten. „Wenn man daran als Endziel festhält, ist das kaum zu schaffen", sagt Peschek. Er fürchtet, „dass die Ansprüche bei den Klausuren zurückgeschraubt werden, um das politisch als gutes Ergebnis verkaufen zu können". So werde der Ist-Zustand dessen, was Schüler können, festzementiert. Wirkliche Veränderungen seien so nicht möglich.

 

   Eine Verschiebung will Peschek zwar nicht. Die Politik müsse allerdings offen eingestehen, dass das Vorhaben Risiken birgt. „Ich plädiere für eine stufenweise Einführung." Er schlägt zwei Jahre Übergangszeit vor.

 

   Zudem übt der Didaktiker Kritik an der Informationspolitik des Ministeriums. Schließlich müssten sich die Pädagogen auf ein völlig neues Unterrichten einstellen – stärker in Richtung Grundkompetenzen. „Inhaltlich werden die Lehrer zu wenig unterstützt", so Peschek. Das sei die eine Seite. „Es gibt aber auch neben jenen Lehrern, die etwas verändern wollen, nach wie vor einige, die ihre Schüler „nach der Vorstellung, ,das kommt eh nicht' ungenügend vorbereiten."

 

   In Zukunft sollen die Schüler in der 7. und 8. Klasse an freiwilligen „Kompetenzchecks" teilnehmen. Außerdem können sie im Mai 2013 und Jänner 2014 eine Probematura absolvieren. Schmied kündigte eine „Informationsoffensive" an. SONJA HASEWEND

 

 

OÖN – 1. Juni 2012

Zentralmatura: Was erlaubt, und was verboten ist

WIEN. Ab dem Jahr 2014 schreiben an den AHS alle Maturanten in Deutsch, Mathematik und den Fremdsprachen am selben Tag idente Klausuren, ab 2015 wird auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) auf das neue System umgestellt.

Die sogenannte Leistungsprüfungsverordnung regelt alle Details der Matura, die neben der zentralen Klausur auch eine vorwissenschaftliche Arbeit und von den Fachlehrern erstellte mündliche Prüfungen vorsieht.

Vorwissenschaftliche Arbeit: Künftig muss jeder Maturant selbständig und außerhalb der Unterrichtszeit eine Vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) verfassen. Damit soll er „umfangreiche Fachkenntnisse" unter Beweis stellen. Zur VWA gehört neben der schriftlichen Arbeit auch deren Präsentation und Diskussion vor der Kommission.

Schriftliche Prüfungen: In den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Latein und Griechisch gibt es künftig einheitliche Klausuren. Die Aufgaben werden von allen Maturanten am selben Tag gelöst und von den Lehrern nach einem vorgegebenen Schlüssel korrigiert und benotet. Negative Klausuren können entweder schriftlich wiederholt (nur an AHS) oder durch eine mündliche Prüfung kompensiert werden. Während in Deutsch, Griechisch und Latein Wörterbücher erlaubt werden, sind sie an den AHS in lebenden Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch) tabu und an den BHS nur beim berufsspezifischen Teil erlaubt. In Mathematik dürfen Taschenrechner verwendet werden.

Mündliche Prüfungen: Die Themenbereiche werden von den Fachlehrern einer Schule gemeinsam festgelegt, und müssen der Klasse bis spätestens November bekanntgegeben werden. Am Prüfungstag zieht der Maturant verdeckt zwei Themen aus einem Aufgabenpool. Eines davon muss er bearbeiten. Die Schüler haben je Fach mindestens 15 Minuten (AHS), bzw. 20 Minuten (BHS) Zeit, um sich auf die Beantwortung der Frage vorzubereiten. Die Prüfung selbst darf zehn bis zwanzig Minuten dauern.

 

Die Vorgaben im Überblick:

VORWISSENSCHAFTLICHE ARBEIT (VWA)/DIPLOMARBEIT:

Künftig muss jeder Schüler selbstständig und außerhalb der Unterrichtszeit eine VWA mit einem Umfang von 40.000 bis 60.000 Zeichen (exklusive Vorwort und Verzeichnisse) verfassen. Ziel ist, dass die Schüler "umfangreiche Fachkenntnisse" und "vorwissenschaftliche Arbeitsweisen" unter Beweis stellen. Das Thema der Arbeit muss bereits im ersten Semester der siebenten Klasse (AHS) bzw. der vierten Klasse (BHS) festgelegt und danach vom Landesschulrat genehmigt werden. Zu Beginn des zweiten Semesters der achten Klasse (bzw. in den BHS einen Monat vor den Klausuren) ist Abgabetermin. Das Thema muss dabei nicht unbedingt einem Fach zugeordnet werden können, der betreuende Lehrer allerdings die erforderliche Kompetenz dafür haben. Wird eine VWA mit "Nicht Genügend" beurteilt, kann sie mit einem neuen Thema bis zum Herbst wiederholt werden. Zur VWA gehört neben der schriftlichen Arbeit auch deren Präsentation und Diskussion vor der Prüfungskommission, die zwischen zehn und 15 Minuten dauern soll.

SCHRIFTLICHE PRÜFUNGEN:

In den Fächern Deutsch (bzw. Unterrichtssprache Slowenisch, an AHS zusätzlich Kroatisch oder Ungarisch), Mathematik, lebenden Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) sowie Latein und Griechisch gibt es künftig einheitliche Klausuren. Die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) erstellten Aufgaben werden von allen Maturanten am selben Tag gelöst und von den Lehrern nach einem vorgegebenen Schlüssel korrigiert und benotet. In den übrigen Maturafächern werden die Klausuren weiter vom Lehrer selbst erstellt. Die Schüler müssen entweder jeweils drei Klausurarbeiten und mündliche Prüfungen oder vier Klausurarbeiten und zwei mündliche Prüfungen absolvieren. Negative Klausuren können entweder schriftlich wiederholt (nur an AHS) oder durch eine mündliche Prüfung kompensiert werden.

In Deutsch müssen bei der Klausur innerhalb von 300 Minuten drei Aufgaben, davon eine literarische, bearbeitet werden. In den lebenden Fremdsprachen dauern die Klausuren 270 Minuten (AHS) bzw. 300 Minuten (BHS), in denen Aufgaben zu Hör- und Leseverstehen, "Sprachverwendung im Kontext" und Schreibaufgaben zu lösen sind. Bei Latein und Griechisch, wo es neben dem Übersetzungs- auch einen Interpretationsteil gibt, sind 270 Minuten Zeit. Während in Deutsch, Griechisch und Latein Wörterbücher erlaubt werden, sind sie an den AHS in den lebenden Fremdsprachen tabu und an den BHS nur beim berufsspezifischen Teil zur "Schreibkompetenz" erlaubt. Die 270 Minuten dauernde Mathematikklausur ist unterteilt in Aufgaben zu Grundkompetenzen und zur "Vernetzung von Grundkompetenzen" (AHS) bzw. "fachlichen Vertiefung" (BHS). Dabei dürfen in beiden Fällen auch elektronische Hilfsmittel wie Taschenrechner verwendet werden, diese müssen an den BHS bzw. ab 2017 auch an AHS allerdings bestimmte Mindestanforderungen (z.B. Fähigkeit zur Darstellung von Funktionsgraphen) erfüllen.

MÜNDLICHE PRÜFUNGEN:

Die Themenbereiche werden von den Fachlehrern der jeweiligen Schule gemeinsam festgelegt und müssen spätestens bis Anfang (AHS) bzw. Ende November (BHS) der Abschlussklasse bekanntgegeben werden. In der unterrichtsfreien Zeit vor der mündlichen Prüfung können Lehrer Arbeitsgruppen einrichten, um die Schüler vorzubereiten. Am Prüfungstag zieht der Maturant verdeckt zwei Themen aus einem Aufgabenpool. Eines davon muss er bearbeiten, das andere legt er zurück, damit es von nachfolgenden Prüflingen bearbeitet werden kann. Die Schüler haben je nach Fach mindestens 15 (AHS) bzw. 20 Minuten (BHS) Zeit, um sich auf die Beantwortung der Frage vorzubereiten. Die Prüfung selbst darf zehn bis zwanzig Minuten dauern.

 

 

OÖN – 1. Juni 2012

Die Vermessung der Schulwelt

Wir haben sie hinter uns, die erste Standardmessung der österreichischen Bildungsgeschichte. Ihr Gegenstand war die Mathematik, ihre mediale Begleitmusik ist laut, ihr Erkenntniswert wird bescheiden sein.

Viel bescheidener als der organisatorische Aufwand, den wir sicher noch so lange betreiben werden, bis die verantwortlichen Politiker und die in ihrem Sog agierenden „Experten" mutig genug sein werden, um einzugestehen: So bringt das nichts.

Ja, auch ich habe in der Woche vor der Standardmessung noch an unsere vierten Klassen appelliert, sich auf die Testung mit Ernst einzulassen. Unsere Schüler waren, so sagen die Testleiter, fair zu uns. Obwohl die Testung für sie weder Vor- noch Nachteile hat, waren die meisten mit dem vom Direktor beschworenen Ernst bei der Arbeit. Dafür danke!

Meine erste Meinungsumfrage bei den Schülern hat ein gleichförmiges Bild ergeben: Sie waren erstaunt über die niederen Anforderungen, die meisten waren schon nach der Hälfte der Testzeit fertig. Ich vermute, dass in vielen Gymnasien ein ähnlicher Eindruck entstanden ist. Dort, wo es anders gelaufen ist, wird man auch nicht besonders überrascht sein. Man kennt ja die hauseigenen Probleme. Die mediale Begleitmusik wird nach der Veröffentlichung der Ergebnisse im Dezember noch lauter sein als jetzt, und die Bildungspolitik wird vor allem eines tun: die Ergebnisse als „wissenschaftliche" Bestätigung der eigenen Bildungsideologie verkaufen. Es gibt tatsächlich gute Gründe, die Testergebnisse nicht im Detail zu veröffentlichen. Erfahrungen aus anderen Ländern haben gezeigt, dass Rankinglisten für den Bildungssektor kontraproduktiv sind. Zu unterschiedlich sind die Voraussetzungen. Man kann weder eine Hauptschule noch eine „Neue Mittelschule" in Wien-Favoriten mit dem Akademischen Gymnasium in Salzburg vergleichen. Das leuchtet jedem ein, der nicht vom Gleichheitswahn umnebelt ist.

Allerdings darf man dann auch die Frage stellen, welchen Sinn es hat, dass beide Schulen denselben mathematischen Leistungstest durchführen. Wie immer die Testung ausgehen wird, Ministerin Claudia Schmied wird sicher aus dem Ergebnis „wissenschaftlich" ableiten, dass die Neue Mittelschule die einzig zukunftstaugliche Schulform ist und dass die AHS-Unterstufe augenblicklich aufgelöst werden muss.

Die Assistenz von Bernd Schilcher ist ihr bei dieser Analyse gewiss, und sicher wird sich auch der in der Rolle des „Bildungsexperten" dilettierende Hannes Androsch wieder zu Wort melden (sofern ihm jemand den Unterschied zwischen Ganztags- und Gesamtschule erklären kann).

Christian Schacherreiter ist Direktor des Peuerbach-Gymnasiums Linz

 

 

Der Standard – 1. Juni 2012

 

 

"Kinder zerbrechen auch oft am Ehrgeiz der Eltern"

Interview | Karin Riss

ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon findet bei allem Lob fürs Gymnasium auch Gutes an der Gesamtschule

Warum Werner Amon die AHS dennoch erhalten möchte und Uwe Scheuch den Abgang empfiehlt, sagte er Karin Riss. 

***

STANDARD: Sie kommen gerade von der letzten Sitzung des Sonderausschusses zum Bildungsvolksbegehren. Welche Forderungen werden konkret umgesetzt?

Amon: Wir haben eine Reihe von Punkten diskutiert, die entscheidend sind für die Weiterentwicklung des Bildungssystems. Dazu zählen insbesondere die Frage der Lehrerbildung, die Reform der Schulverwaltung, die Aufwertung der Frühkindpädagogik. Da versuchen wir, gemeinsame Entschließungsanträge zu formulieren.

STANDARD: Warum wirft Hannes Androsch (SPÖ) der Regierung dann Heuchelei vor, Ihrem Parteichef die "Lähmung" von Reformen?

Amon: Ich verstehe das in keinster Weise. Im Ausschuss hat er das sehr konstruktive Klima gelobt.

STANDARD: Entschließungsanträge haben aber deutlich weniger Verbindlichkeit als Initiativanträge, sind lediglich eine Empfehlung an die Regierung. Kann darin der Grund der Un zufriedenheit sein?

Amon: Ich denke, Herr Androsch war lange genug in der Politik, um zu wissen, dass so komplexe Materien unmöglich jemandem - nämlich Ländern und Gemeinden - ohne Begutachtung und Verhandlung als Gesetzesinitiativen vor die Nase gesetzt werden können.

STANDARD: Vielleicht ist Androsch schon so lange in der Politik, dass er weiß, die guten Absichten könnten schnell verwässert werden?

Amon: Ich habe keine Angst, dass es verwässert wird. Denn es gibt in den angesprochenen Punkten zum Teil wirklich große Übereinstimmung. Wir sollten einige davon mit Fristen versehen, damit die jedenfalls in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden.

STANDARD: Bei einem ganz zentralen Themenbereich bewegt sich nichts: Manche nennen ihn "gemeinsame Schule", manche "Gesamtschule", manche, wie ihre Kollegin Beatrix Karl, "Gymnasium für alle". Was ist Ihr größtes Bedenken bei dieser Schulform?

Amon: Wir haben diese Frage entschieden, indem wir die Hauptschulen weiterentwickeln zu Neuen Mittelschulen, in denen wir neue, pädagogische Formen anbieten werden. Das Gymnasium bleibt als achtjähriges Bildungskontinuum erhalten.

STANDARD: Das ist für viele ein Widerspruch in sich.

Amon: Den sehe ich nicht. Wir bieten für Kinder, die eine unterschiedliche Ausgangssituation haben, ein unterschiedliches Angebot, das Rücksicht nimmt auf die kognitiven Fähigkeiten und Interessen des Kindes.

STANDARD: Noch einmal: Was spricht dagegen, diese Förderung in einer gemeinsamen Schule zu realisieren?

Amon: Es spricht viel dafür, die AHS als sehr gute Schule zu erhalten.

STANDARD: Ist das Gymnasium wirklich so gut? Nachhilfeinstitute boomen, die Pisa-Ergebnisse sind schlecht.

Amon: Es gibt natürlich Gesamtschulen, die individuelle Förderung gut leisten, es gibt aber auch Modelle von Gesamtschulen, die das nicht gut leisten, die bei den Pisa-Tests hinter uns liegen.

STANDARD: Sie argumentieren auch, dass "viele Kinder scheitern, weil sie überfordert sind, weil sie in der falschen Schule sitzen, weil die Auswahl nicht danach getroffen wird, wie leistungsfähig sie sind". Was ist so abwegig daran, dieses "Scheitern" am Unterricht, an umstrittenen Leistungskriterien, an einem auf Exklusion ausgerichteten Schulsystem festzumachen?

Amon: Das ist ja kein Widerspruch. Ich glaube auch, dass wir neue Formen der Pädagogik und inklusiven Unterricht anwenden müssen. Das tun wir in der Neuen Mittelschule. Aber Kinder zerbrechen auch sehr oft am Ehrgeiz der Eltern. Das ist nicht gut. Es geht darum, für Kinder in der jeweiligen Lebenssituation das beste pädagogische Angebot sicherzustellen.

STANDARD: In einem Radiointerview sagen Sie zur Gemeinsamen Schule, Sie wollen den Vollausbau der NMS abwarten, "vielleicht diskutieren wir dann weiter". Ist das nicht zynisch? Was ist mit jenen, deren Lebensläufe bereits jetzt geschrieben werden?

Amon:  Das möchte ich scharf zurückweisen. Ich gehe davon aus, dass sich jeder Bildungspolitiker bemüht, das Beste für die Schüler zu erreichen. Der Lebenslauf jedes Menschen wird in dem Umfeld geschrieben, in dem er sich bewegt und in dem er sich entwickeln kann. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir diese Dualität jetzt beibehalten.

STANDARD: Ähnlich spät reagiert die ÖVP beim Thema Muttersprachenunterricht. Experten fordern das seit Jahren, Sie jetzt endlich auch.

Amon: Zunächst ist einmal die Unterrichtssprache zu beherrschen. Deshalb könnte es Sinn machen, die Unterrichtssprache als Bestandteil der Schulreife zu definieren. Wenn es begleitend muttersprachlichen Unterricht gibt, ist dagegen nichts zu sagen.

STANDARD: Was halten Sie denn vom pädagogischen Verständnis von Uwe Scheuch? Der Kärntner Bildungslandesrat hält "a klane Tetschn" für "sinnvoll und gut".

Amon: Das halte ich für keine geeignete pädagogische Interventionsmöglichkeit. Scheuchs Fraktion sollte sich überlegen, ob er im Schulreferat nicht überfordert ist.

STANDARD: Sollen die jetzt erstmals getesteten Bildungsstandards künftig veröffentlicht werden?

Amon:  Ja, aber anonymisiert. Von einem Ranking der Schulen halte ich nichts.

WERNER AMON (43) ist seit 1994 ÖVP-Abgeordneter. Der Steirer war von 2000 bis 2007 Bildungssprecher der Volkspartei, dann Sozialsprecher, seit 2009 wieder Bildungssprecher. Derzeit ist Amon zudem Fraktionsleiter im Korruptions-Untersuchungsausschuss.

 

 

"Der Standard" vom 01.06.2012                                Seite: 7

 

Niederösterreich

 

Androsch will weiter Druck auf die Politik machen

 

   Wien - Nach der letzten Sitzung des Sonderausschusses zum Bildungsvolksbegehren am Donnerstag sind aus Sicht von Initiator Hannes Androsch (SPÖ) die Parlamentarier am Zug: Diese müssten sich nun „ermannen und erfrauen", damit die Forderungen des Volksbegehrens, das im November 383.820 Unterschriften erhielt, umgesetzt werden. Geht es nach dem Industriellen und Ex-Vizekanzler, sollen „beschlussreife Fragen" wie die Abschaffung der Bezirksschulräte schon im nächsten Plenum im Juni per Initiativantrag beschlossen werden. Androsch will weiter Druck auf die Politik machen: „The heat continues to be on - wir lassen sie nicht vom Rost herunter."

 

   Während die Opposition ein vernichtendes Resümee des Ausschusses zog, betonte Androsch die „große Übereinstimmung" und zeigte sich optimistisch, dass im Parlament die Anliegen der Initiatoren - etwa Ganztagsschule als Regelschule, flächendeckendes Angebot an ganztägigen Krippen und Kindergärten in Bundeskompetenz sowie eine gemeinsame Schule - vorangetrieben werden.

 

   Androsch will auch einen Bildungsrat, der als „unabhängiges, drängendes, beratendes Organ, aber auch als Watchdog" fungiert und in umstrittenen Punkten eine Einigung vorantreibt.

 

   Der Vorsitzende des Sonderausschusses, SP-Bildungssprecher Elmar Mayer, hält Gesetzesbeschlüsse, etwa zur Abschaffung des Proporzes bei den Bezirksschulräten, für möglich.

 

 

Der Standard" vom 01.06.2012                                Seite: 7

 

Niederösterreich

 

EU kritisiert Bildungszugang

 

Kommission: Hohe Ausgaben, schwache Ergebnisse

 

   Wien - Die Empfehlungen der EU-Kommission zu den Themen Budgetkonsolidierung, Pensionen, Bildung und Arbeitsmarkt zählen für Richard Kühnel, Vertreter der EU-Kommission in Österreich, zu den wichtigsten der sieben Österreich betreffenden Empfehlungen der EU-Kommission.

 

   Einige der im Bericht angesprochenen Schwächen könnten Österreichs Position mittel- und langfristig schwächen. Und hier sei es an der Zeit, gegenzusteuern. „Österreich darf nicht in die Lorbeer-Falle tappen, und dazu muss es in einigen Bereichen sein Reformtempo erhöhen", sagte Kühnel am Donnerstag in Wien.

 

   Ein dringendes Thema sei der Bildungssektor und generell Fragen zum Arbeitsmarkt. So gebe es noch kein überzeugendes Konzept zur Erhöhung der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer oder von Menschen mit Migrationshintergrund. Bei Kinderbetreuungsplätzen sei Österreich weit hinten. Im Bildungsbereich habe Österreich zwar hohe Ausgaben, aber schwache Ergebnisse. Kinder aus bildungsferneren Schichten hätten in der Regel einen schwierigeren Zugang zu höherer Bildung.

 

   Enormes Einsparungspotenzial gebe es bei der Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, zum Beispiel im Gesundheits-und Bildungssektor.

 

   Niveauverlust

 

   Wenn die Zentralmatura auch essenzielle Veränderungen des Mathematikunterrichts bewirken soll, ist das bis zum Start 2014 kaum zu erreichen, meint Mathematikdidaktiker Werner Peschek (Uni Klagenfurt), der verantwortlich für den heuer erstmals durchgeführten Schulversuch ist. Eine Gefahr sei, dass die Ansprüche zurückgenommen werden. (APA)

 

 

 

Der Standard – 1. Juni 2012

 

 

Experte warnt vor Niveauverlust bei Mathematik-Matura

Geplantes Niveau laut Mathematikdidaktiker Peschek bis 2014 nicht erreichbar - Fordert deshalb Übergangsregelung, aber gegen Verschiebung

Wien - Wenn die Einführung der Zentralmatura zugleich auch essenzielle Veränderungen des Mathematikunterrichts bewirken soll, ist das bis zum Starttermin 2014 kaum österreichweit zu erreichen, meint Werner Peschek, Mathematik-Didaktiker an der Uni Klagenfurt und verantwortlich für den heuer erstmals durchgeführten Schulversuch. Eine Gefahr sieht er darin, dass die Ansprüche zurückgenommen werden und etwa das Anforderungsniveau bei den Klausuren verringert wird, um den politisch vorgegeben Zeitplan einzuhalten. "Ich halte diese Gefahr für realistisch", warnt Peschek im Gespräch mit der APA. 

Hintergrund seiner Befürchtung ist, dass im Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) die Aufgaben auch danach zusammengestellt werden sollen, wie schwer sie den Schülern gerade fallen: Während Pescheks Forschergruppe auf Basis des Lehrplans und bildungstheoretischen Überlegungen und unter Rücksprache mit Lehrern festlegte, welche Kompetenzen für Schüler unverzichtbar sind, werde im Bifie zusätzlich berücksichtigt, welche Aufgaben die Schüler zum gegenwärtigen Zeitpunkt lösen können. "Aber wenn die Zentralmatura heißt, den Ist-Zustand zu zementieren, dann wäre das nicht nur Stillstand, sondern sogar ein Rückschritt, weil man dadurch auch jene Lehrer zurückpfeift, die schon jetzt mehr erreichen", beklagt Peschek. 

"Riskantes Unternehmen" Zentralmatura

Von der Politik verlangt er mehr Mut zur Ehrlichkeit: "Die Zentralmatura ist zumindest in den ersten Jahren ein riskantes Unternehmen, und das sollte man auch sagen. Aber man muss dieses Risiko nehmen, um Fortschritt zu erzielen und gleichzeitig Maßnahmen treffen, um das Risiko für die Schüler zu minimieren", fordert der Mathematik-Didaktiker.

Die Zentralmatura habe in Mathematik nur dann Sinn, wenn sie mehr als bisher auf das Verstehen abziele - und dafür müsse der Unterricht verändert werden, so Peschek. Derzeit müssten die Schüler in Mathe zu viel verständnislos auswendig lernen, während ihnen in puncto Verstehen zu wenig zugetraut werde. Die Zeit für einen Wandel des Unterrichts sei bis 2014 jedoch zu kurz, denn die Umstellung sei in Mathematik größer als etwa in den Fremdsprachen. Dazu komme, dass es zu wenig systematische Fortbildung und zu wenig Unterstützung der Lehrer bei der methodischen und didaktischen Umsetzung gebe.

Eine generelle Verschiebung der Zentralmatura in Mathematik, wie sie von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern gefordert wird, lehnt Peschek zwar ab. Allerdings nur weil er "mit Erstaunen und ein bisschen Entsetzen gesehen habe, dass viele Lehrer die Zentralmatura aufgrund ihrer grundsätzlichen Ablehnung nicht vorbereiten". Er fordert stattdessen einen Start zum geplanten Termin 2014 mit Übergangsregelung in den ersten Jahren, damit etwaige mangelnde Vorbereitung "keinesfalls auf Kosten der Schüler geht". Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe es in der Hand, per Verordnung solche Übergangsregelungen festzuhalten: "Ich würde ihr das dringend empfehlen". 

Variabler Beurteilungsmaßstab

So könnte etwa in Klassen mit besonders vielen "Nicht Genügend" der Beurteilungsmaßstab so abgesenkt werden, dass maximal 30 Prozent der Schüler negativ abschneiden. Allerdings müsse es in diesem Fall eine Konferenz mit dem Lehrer, dem Direktor und dem Landesschulinspektor sowie eine schriftliche Stellungnahme geben, wie das schlechte Ergebnis zustande gekommen ist und wie es künftig verhindert werden soll.

Die 2014 an den AHS und ab 2015 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) startende standardisierte Reifeprüfung besteht aus drei voneinander unabhängigen Säulen: Zentral ist die Klausur, bei der alle Schüler Österreichs am selben Tag in Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen zentral vorgegebene Aufgaben lösen, die vom Lehrer nach einem vorgegebenen Schlüssel bewertet werden. Außerdem muss jeder Schüler eigenständig außerhalb der Unterrichtszeit eine vorwissenschaftliche Arbeit (an den BHS: Diplomarbeit) erstellen und präsentieren. Bei der mündlichen Prüfung können die Schulstandorte eigene Schwerpunkte setzen: Die Lehrer eines Faches einigen sich dabei auf einen Themenpool, aus dem die Prüflinge ihre Aufgabe ziehen.

 

 

Kurier – 1. Juni 2012

Lehrer stellen Schmied vernichtendes Zeugnis aus

Viel versprochen, nichts gehalten: Das werfen Lehrergewerkschafter der Ministerin in einem Brief an alle Lehrer vor.

„Untragbare Situation": Lehrergewerkschafter Paul Kimberger verlangt von seinen Verhandlungspartnerinnen Schmied und Fekter, dass sie halten, was sie versprochen haben.

 

Vor der nächsten Verhandlung über ein neues Dienstrecht mobilisiert die Lehrergewerkschaft ihre Mitglieder. In einem mit 30. Mai datierten Brief werden die Pädagogen über die "untragbare Situation" informiert. Demnach würden den Lehrern seit mehr als einem Jahr "ständig Versprechungen gemacht", aber bis heute nicht eingehalten.

Der Brief sieht fast aus wie ein Schulzeugnis. Angeführt werden alle Versprechen der "zuständigen Ministerinnen" – neben Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) auch Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) – samt Beurteilung. Unter der Spalte "gehalten" finden sich lauter "nein".

Laut Gewerkschaft ist der vorgelegte Gesetzesentwurf weder das versprochene "große Reformpaket" noch ein "attraktives Angebot"; "Leistungsanreize" würden ebenso fehlen wie "eine Qualitätssteigerung".
Die Lehrervertreter, allen voran Chefverhandler Paul Kimberger, bestehen darauf, dass die Versprechen in einem neuen Dienst- und Besoldungsrecht eingelöst werden. In der zweiten Juni-Woche wird wieder verhandelt. Kimberger verlangt, dass Schmied dabei "endlich ein Gesamtpaket vorlegt".

Bildungsvolksbegehren

Große Erwartungen hat auch der Initiator der Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch. Gestern fand die letzte Sitzung des zuständigen parlamentarischen Ausschusses statt. "Wenn jetzt nicht Nägel mit Köpfen gemacht werden, beschädigen die Abgeordneten ihr Ansehen und alle Initiativen zur direkten Demokratie werden zur lächerlichen Heuchelei", sagte Androsch zum KURIER.

Vieles sei längst ausverhandelt – etwa Fragen der Schulorganisation – und könne vom Parlament rasch beschlossen werden. Bei einem modernen Dienstrecht und bei der Lehrerausbildung sei die Regierung am Zug.
Während die ÖVP den Ausschuss positiv bewertet, ist das Ergebnis für die Grünen "erschütternd". Die FPÖ kritisiert, dass viele gute Vorsätze an Landeshauptleuten und Parteisekretariaten scheitern. SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer will die nächsten Wochen "intensiv nutzen", dass Punkte aus dem Volksbegehren doch noch umgesetzt werden können.

 

 

ZIB – 1. Juni 2012

 

·         Bildungsvolksbegehren ohne Auswirkungen

380.000 Österreicher haben sich dem Volksbegehren angeschlossen. Es hatte beste Voraussetzungen, ein Umdenken zu erwirken. Aber jetzt sieht es so aus, als würde es ohne besondere Auswirkungen in der Schublade landen.

 

 

 

ZIB – 1. Juni 2012

 

·         EU-Kritik an Österreichs Bildungssystem

Die EU-Kommission drängt auf grundlegende Veränderungen im österreichischen Bildungssystem. Viele Verbesserungsvorschläge der EU waren auch Thema des Bildungsvolksbegehrens- die Umsetzung der Forderungen ist aber ungewiss.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.05.31: Bildungsvolksbegehren

APA0422 II, XI 31.05.2012 14:40:31

 

Bildungsvolksbegehren - Androsch sieht nun die Parlamentarier am Zug

Utl.: "Müssen sich ermannen und erfrauen", um Reformen durchzusetzen- SP-Mayer hofft auf Gesetzesbeschlüsse, Entschließungsanträge und Enquetekommission - Opposition zieht enttäuschtes Resümee

Schulen/Universitäten/Bildung/Volksbegehren

Nach der letzten Sitzung des Sonderausschuss zum Bildungsvolksbegehren heute, Donnerstag, sind aus Sicht von Initiator Hannes Androsch die Parlamentarier am Zug: Diese müssten sich nun "ermannen und erfrauen", damit die Forderungen des Volksbegehrens umgesetzt werden. Geht es nach dem Industriellen und Ex-SP-Vizekanzler, sollen "beschlussreife Fragen" wie die Abschaffung der Bezirksschulräte schon im nächsten Plenum am 13. und 14. Juni per Initiativantrag beschlossen werden. Auch nach Ende des Ausschusses will Androsch weiter Druck auf die Politik machen: "The heat continues to be on - wir lassen sie nicht vom Rost herunter", sagte er zur APA.

Während die Oppositionsparteien ein vernichtendes Resümee des Ausschusses zogen, betonte Androsch die "große Übereinstimmung". Er zeigte sich optimistisch, dass im Parlament die Anliegen der Initiatoren - etwa Ganztagsschule als Regelschule, ein flächendeckendes Angebot an ganztägigen Krippen und Kindergärten in Bundeskompetenz sowie eine gemeinsame Schule - vorangetrieben werden. Es sei allen bewusst, dass es sich dabei auch "um eine Frage des Selbstverständnisses des Parlaments" handle, so Androsch.

In den kommenden Wochen müssten nun die Bildungssprecher aller Fraktionen jene Punkte als Initiativanträge ausformulieren, in denen es "verbale Übereinstimmung" gibt. Gleichzeitig müssten sie bei den Exekutivaufgaben wie dem neuen Lehrer-Dienstrecht der Regierung klare Vorgaben und Terminsetzungen mitgeben. Bei Themen, in denen die Fraktionen weiter uneinig seien, solle eine parlamentarische Enquetekommission eingesetzt werden, um auch diese Fragen zur Entscheidungsreife zu bringen. Außerdem soll nach Androschs Willen ein Bildungsrat als "unabhängiges, drängendes, beratendes Organ, aber auch als Watchdog" eingesetzt werden und in umstrittenen Punkten eine Einigung vorantreiben.

Der Vorsitzende des Sonderausschusses, SP-Bildungssprecher Elmar Mayer, gab sich gegenüber der APA ebenfalls optimistisch. Ziel sei, dass die Fraktionen in den kommenden zwei Wochen möglichst viele Fragen für den Beschluss im Parlament vorzubereiten. Es könne Gesetzesbeschlüsse, etwa zur Abschaffung des Proporzes bei den Bezirksschulräten, geben. Außerdem seien Entschließungsanträge etwa zum neuen Lehrerdienstrecht oder der Reform der Lehrerausbildung vorstellbar. Wenn diese von allen fünf Fraktionen getragen und auch noch mit Fristen versehen seien, habe das schon einen gewissen bindenden Charakter für die Regierung. "Wenn es Gesetzesbeschlüsse, Entschließungsanträge und eine Enquetekommission gibt, wäre das ein Zeichen, dass man die direkte Demokratie ernst nimmt".

Mayers VP-Pendant Amon glaubt an Entschließungsanträge, so gebe es etwa Einigkeit bei der Forderung nach einer tertiären Ausbildung für Kindergartenpädagogen und nach qualifizierten Betreuer an Schulen nach Unterrichtsschluss. Allerdings müssten bei den Kindergärten die Kosten und Länderkompetenzen bzw. bei den Betreuern Dienstrechtsfragen berücksichtigt werden, warnte Amon vor "zu konkreten Formulierungen und Verlautbarungen".

Einen "fahrlässigen" Umgang mit dem Bildungsvolksbegehren kritisiert indes Grünen-Bildungssprecher Harald Walser. Er beklagte, dass vom Reformeifer der Bildungssprecher der Regierungsparteien "nach Rücksprache mit den Parteizentralen" nichts übriggeblieben sei. So seien weder Anträge für den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen noch für ein neues Lehrerdienstrecht, die gemeinsame Lehrerausbildung oder ein Finanzierungsplan für die Hochschulen beschlossen worden. Für FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz ist ebenfalls "Skepsis angebracht": Wichtige Punkte, auf die man sich geeinigt habe, würden "mit dem Gutdünken der Landeshauptleute oder der Minister" fallen. Er empfahl Androsch daher auch, Taten "am besten direkt von seinen Parteigenossen" einzufordern.

Das Volksbegehren hatte Mitte November mit gut 383.000 Unterschriften und einer Beteiligung von 6,07 Prozent die 100.000er-Hürde für eine Behandlung im Parlament genommen.

(schluss) jle;aku;ks

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945