Freitag, 31. August 2012

Pressemeldungen - Unterricht

APA0174 II, XI 31.08.2012 10:35:30

 

Schulbeginn: Ergebnisse der Bildungsstandards und neue Tests GRAFIK

Utl.: Mathematik-Ergebnisse werden im Dezember präsentiert - Volksschüler werden im April in Mathe getestet, 14-Jährige im Mai in Englisch - GRAFIK 1069-12, Format 88 x 82 mm

Schulen/Hintergrund/Vorschau/Grafik

Seit 2009 legen zusätzlich zum Lehrplan auch die Bildungsstandards fest, was Schüler in der vierten Schulstufe (in Deutsch, Mathematik) bzw. in der achten Schulstufe (in Deutsch, Mathe, Englisch) beherrschen sollen. Im neuen Schuljahr, konkret im Dezember, sollen nun die Ergebnisse der ersten, im Mai 2012 erfolgten Überprüfung der Standards veröffentlicht werden. Dann wird sich zeigen, wie es um die Mathe-Kenntnisse der 14-Jährigen bestellt ist. Im neuen Schuljahr gibt es auch die nächste Testrunde: Am 17. April 2013 werden alle rund 80.000 Schüler der achten Schulstufe in Englisch getestet, am 28. Mai die 78.600 Schüler der 4. Klasse Volksschule in Mathematik.

Das Abschneiden bei den Bildungsstandard-Überprüfungen hat keinen Einfluss auf die Noten der Schüler, die bei Vorliegen der Testergebnisse im Winter ohnehin schon eine andere Schulform besuchen werden, oder auf die Leistungsbewertung der Lehrer. Es gibt zumindest vorerst auch weder Schul-Rankings noch einen Vergleich nach Schultypen. Die Ergebnisse sollen vielmehr zur Verbesserung von Unterricht, Lehrplänen, Lehrerausbildung oder Schulbüchern genutzt werden.

Nur der Schüler selbst erfährt über seine Auswertung im Internet, wie er persönlich abgeschnitten hat - also ob er das durch die Bildungsstandards vorgegebene Niveau erreicht, nicht oder teilweise erreicht oder aber übertroffen hat und wie er mit seiner Leistung im österreichweiten Vergleich dasteht. Zusätzlich gibt es diese Auswertungen für einzelne Lerninhalte; bei Mathematik sind das etwa Zahlen und Maße oder Geometrische Figuren und Körper.

Auf allen übrigen Ebenen werden die Ergebnisse anonymisiert rückgemeldet. Dabei wird jeweils der Anteil der Schüler in den vier Kompetenzstufen angegeben, außerdem der Vergleich zum Österreichschnitt, das Ausmaß der Leistungsunterschiede (Streuung), Unterschiede nach Geschlecht und Migrationshintergrund. Zusätzlich gibt es einen sogenannten "fairen Vergleich", bei dem der sozioökonomische Hintergrund der Schüler berücksichtigt und nur Schulen mit ähnlichen Voraussetzungen verglichen werden sollen.

Die zusammengefassten Ergebnisse der Schule geht an Eltern, Lehrer, Schüler und Direktoren; der Schulleiter erhält zusätzlich auch einen Bericht mit den Ergebnissen der Klassen. Die Schulaufsicht erhält alle Schulberichte für ihren Bezirk bzw. ihr Bundesland und die Landeshauptleute jene des Bundeslandes mit Österreich-Vergleichen. Das Ministerium erhält wiederum eine Zusammenfassung der neun Länderberichte.

Die Bildungsstandards wurden 2009 nicht zuletzt als Reaktion auf das schlechte Abschneiden heimischer Schüler bei internationalen Bildungsvergleichen wie der PISA-Studie eingeführt. Ziel ist, dass der nachhaltige Aufbau von Kompetenzen anstelle von flüchtigem Wissen in den Mittelpunkt des Unterrichts gestellt wird. Jedes Frühjahr soll nun überprüft werden, wie sich die Bildungsstandards auf die Leistungen ausgewirkt haben; als Vergleichswert dienen Ausgangstestungen vor deren Einführung.

Nach den Testungen zu Mathematik in der 8. Schulstufe im vergangenen Schuljahr werden im April 2013 die Schüler der 4. Klasse AHS bzw. Hauptschule oder Neuer Mittelschule (NMS) im Fach Englisch getestet, im Mai folgen die 78.600 Schüler der 4. Klasse Volksschule im Fach Mathematik. 2014 wird Deutsch in beiden Altersgruppen überprüft. Danach beginnt der dreijährige Testzyklus von vorne. Dabei werden schriftlich alle Schüler eines Jahrgangs (exklusive außerordentlicher Schüler oder Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf) getestet, mündlich in Deutsch und Englisch hingegen nur eine Stichprobe aus rund 100 Schulen.

In Mathematik für die vierte Schulstufe müssen die Schüler in 80 Minuten (mit Pause nach der Hälfte der Zeit) ihre Fähigkeiten beim Arbeiten mit Zahlen, Operationen, Größen sowie Ebenen und Raum unter Beweis stellen. In Englisch in der achten Schulstufe sind Aufgaben innerhalb von maximal 120 Minuten Aufgaben aus den Bereichen Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben zu bewältigen. Zusätzlich füllen die Schüler noch einen Fragebogen zu statistischen Daten und Rahmenbedingungen des Lernens aus (Unterrichtsmaterialien, Bildungsniveau der Eltern etc.).

(schluss) jle;cm;pm

realisiert durch das SPÖ ITZ


sp/jschindlegger (S)

, 31.08.2012 12:57:27

OTS0013 II, CI 31.08.2012 08:11:56

 

Ethikunterricht kann nur Alternative sein

Utl.: speziell Wien braucht weiterhin konfessionellen Religionsunterricht

Bildung/Schulen/Jugend/Religion/Gesellschaftspolitik

Wir haben in Österreich ein vorbildliches Religionsschulrecht, in dem vielen Kirchen und Religionsgesellschaften ermöglicht wird, an allen Schulen ihren jeweiligen konfessionellen Religionsunterricht zu erteilen.

Das eröffnet das Einüben neuer Dialogmöglichkeiten. Daran nehmen viele europäische Länder Maß. Eine Schwächung genau dieser vielfältigen Religionsunterrichte, wie sie mit der Einführung des Gegenstands Ethik pflichtig für alle Schülerinnen, einherginge, wäre unverantwortlich, meint Mag. Hafner, Obmann des Landesverband Katholischer Elternvereine Wiens. "Daher kann es unserer Meinung nach nur um die Konstruktion von Alternativgegenständen gehen", so Hafner weiter.

In einer erfolgreich wachsenden Stadt wie Wien ist das ein wertvoller Beitrag zum harmonischen Zusammenleben, und gerade der Religionsunterricht in seiner Vielfalt trägt wesentlich zu einer wohl verstandenen Integration bei.

Rückfragehinweis:
Landesverband Katholischer Elternvereine Wiens
Hr. Mag. Christian Hafner; Tel.: +43 0664 89 03 953;
Email: vorstand@lv-wien.at; Homepage: www.lv-wien.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/10721/aom

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realisiert durch das SPÖ ITZ

 

 

BMUKK: Personalsituation zu Schulbeginn

BMUKK: Personalsituation zu Schulbeginn

Informationen der Landesschulräte zur Personalsituation anlässlich des Schulbeginns zeigen: Regional vereinzelt Engpässe, Unterricht aber in allen Schulklassen gesichert.=

Die Berichte der Landesschulräte zur Personalsituation eine bzw. zwei Wochen vor Schulbeginn zeigen, dass im Schuljahr 2012/13 - bis auf punktuelle Problemfälle, die nun gelöst werden - alle LehrerInnenstellen besetzt werden können, da ein Bündel von Maßnahmen greift:

Mehrdienstleistungen, Sonderverträge für QuereinsteigerInnen und der befristete Einsatz von Personen, die (noch) nicht die volle Lehrbefugnis haben - im vorigen Schuljahr waren es bundesweit 3,2 Promille der PädagogInnen -, sowie die Verbesserung der internen Kooperation zwischen BHS und AHS und die gezielte Motivation von Lehrkräften, Karenzierungen und Sabbaticals im Interesse der SchülerInnen anders zu planen, führen dazu, dass der LehrerInnenbedarf flächendeckend abgedeckt werden kann.

Im Einzelnen stellt sich die Situation in den Bundesländern folgendermaßen dar:

Im Burgenland bringt die LehrerInnenausbildung an der Privaten Pädagogischen Hochschule in Zukunft eine Besserung, durch den punktuellen Einsatz von VS- und HS-LehrerInnen - für die Zusatzqualifikationen vorgesehen sind - an Sonderschulen kann auch dort der Bedarf abgedeckt werden.

In Kärnten können alle Planstellen besetzt werden.

In Niederösterreich können alle Planstellen besetzt werden. Punktuell gibt es in den Ballungsräumen rund um Wien noch Bedarf, dafür gibt es sehr viele Bewerberinnen für das Waldviertel.

In Oberösterreich können alle Planstellen besetzt werden. Vereinzelte Engpässe könnte es in den Pflichtschulen in Deutsch und in der Sonderpädagogik geben, wo offene Stellen durch VS- und HS-LeherInnen, die Zusatzqualifikationen erwerben, besetzt werden.

In Salzburg steht eine "Punktlandung" bei den BundeslehrerInnen einem Bedarf im einstelligen Bereich in den Volksschulen und NMS/Hauptschulen gegenüber, der sich derzeit im Bezirk Zell am See manifestiert. In den Bezirken Pongau und Pinzgau wird noch Personal für die Sonderpädagogik gesucht. Auch hier sollen die Zusatzmaßnahmen des LSR dazu führend, dass der LehrerInnenbedarf vollständig abgedeckt wird.

In der Steiermark wird jeder LehrerInnenposten besetzt. Regional bedingtem Bedarf in Landbezirken steht ein sehr gutes Personalangebot in anderen Bereichen gegenüber.

In Tirol werden ländliche Gebiete und die schulische Tagesbetreuung vom LSR als einzige Problemfelder angesehen, dazu kommen in den Bundesschulen minimale Personalmängel mit jeweils vier bis zehn offenen Posten in drei Gegenständen: Mathematik, Formalwissenschaften und Fachpraxis. Bis zum Schulbeginn sollen alle offenen Fälle geklärt sein.

In Vorarlberg rechnet der LSR mit möglichen überraschenden Ausfällen zu Schulbeginn. Gibt es die nur in geringem Ausmaß, kann in der Volksschule der Bedarf sofort völlig abgedeckt werden. Der Bedarf in den HS/NMS kann vollständig durch Mehrdienstleistungen abgedeckt werden. Im Bundesschulbereich gibt es in einzelnen Gegenständen Planabweichungen von 0,5 bis 1 LehrerIn.

In Wien fehlen derzeit noch einige Dutzend PädagogInnen, wobei sich bei den Bundesschulen in Mathematik und Naturwissenschaften, sowie Formalwissenschaften und Bewegung und Sport ein Bedarf im Promillebereich der GesamtlehrerInnenzahl darstellt. Der Stadtschulrat versucht derzeit, im Pflichtschulbereich StudentInnen der Pädagogischen Hochschule im 5. Semester(letztes Studienjahr) sowie QuereinsteigerInnen mit Sonderverträgen zu mobilisieren, und wird nicht abdeckbare Posten durch Mehrdienstleistungen ausgleichen.

Bundesweit zeigt sich auch, dass die Attraktivierung der Pädagogischen Hochschulen, die in den letzten Jahren nahezu eine Verdoppelung der Studierendenzahlen gebracht hat, wesentlich dazu beitragen wird, dass unter Beibehaltung eines sparsamen Budgetkurses der Personalbedarf im Unterrichtsbereich abgedeckt werden kann.

Die SchülerInnen und Eltern werden anlässlich des Schulbeginns aber auch um Verständnis für punktuelle Einzelprobleme gebeten: Erfahrungsgemäß zeigt sich, dass kurzfristig Engpässe entstehen können, wenn zu Schulbeginn unvorhergesehen Personalausfälle etwa durch Austritt, Krankenstand oder Schwangerschaft vorkommen. Alle Landesschulräte versichern, dass auf Basis vorhandener Notfallpläne in derartigen Fällen binnen weniger Tage eine Lösung gefunden werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

 


Josef Galley

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur

Pressesprecher

1014 Wien, Minoritenplatz 5

T +43 1 53120-5019

F +43 1 53120-815019

M +43 664-96 99 616

josef.galley@bmukk.gv.at

www.bmukk.gv.at

 

 

Presse - "Unsere Kinder verballern ihre Jugend"

Presse, 31. Aug. 2012

 

"Unsere Kinder verballern ihre Jugend"

30.08.2012 | 18:21 |  Von Karl Gaulhofer (Die Presse)

Zu frühe Internetnutzung macht dumm, süchtig und psychisch krank: Mit seinem Buch "Digitale Demenz" legt sich der deutsche Hirnforscher Manfred Spitzer mit Medienpädagogen und Politikern an.

Die Presse: Wie hält es denn ein rabiater Kritiker digitaler Medien privat mit ihrer Nutzung?

Manfred Spitzer: Als unsere fünf kleinen Kinder immer gestritten haben, wer was gucken darf, haben wir den Fernsehapparat abgeschafft. Da gab es nur einen kurzen Zwergenaufstand. Wir haben auch nur einen Computer. Warum man eine PlayStation brauchen soll, hat mir nie eingeleuchtet.

Was ist für einen Hirnforscher so schlimm an der frühen und starken Nutzung digitaler Medien?

Unser Gehirn ändert sich ständig. Milliarden von Verbindungen zwischen Nervenzellen wachsen oder werden weggeräumt, wenn sie nicht gebraucht werden. Die Informationstechnologie nimmt uns geistige Arbeit ab. Das hat Folgen. Wenn man nur noch oberflächlich über Dinge nachdenkt, bleiben sie nicht mehr hängen. Wenn Sie mit dem Navi im Auto fahren, kennen Sie sich irgendwann nicht mehr aus. Je weniger „gebildet“ das Hirn in jungen Jahren wird, desto schneller erfolgt der Abstieg im Alter.

Die Technologie erspart uns stupides Auswendiglernen. Stattdessen trainieren wir komplexes Denken, das die Wissensgesellschaft braucht.

Das ist falsch! Man muss erst einmal das Einfache draufhaben, sonst können wir das Komplexe gar nicht lernen. Wer nicht Kopfrechnen kann, scheitert auch an der höheren Mathematik. Platz machen durch Auslagern: Das ist dummes Geschwätz!

Wir arbeiten die meiste Zeit am Computer. Da sollte doch die sinnvolle Nutzung digitaler Medien schon von früh an gelehrt werden.

Googeln lernt man nicht durch googeln. Nur durch solides Grundwissen können Sie in einer Suchmaschine die Spreu vom Weizen trennen. Stattdessen wird in der Schule Software gepaukt. Das ist völlig unsinnig, weil Microsoft-Produkte in fünf Jahren ganz anders sind. Kinder finden im Netz schnell zu Sex and Crime. Wir haben in Deutschland eine Viertelmillion Internetsüchtige und 1,4 Millionen, die stark gefährdet sind. Ich kenne als Psychiater die schweren Fälle, die 18 Stunden am Tag online spielen. Die verballern ihre Jugend, das ist schrecklich! Spiele wie „World of Warcraft“ werden bewusst so programmiert, dass sie süchtig machen. Da wird Leid erzeugt. Und dann zu sagen: Wir bringen den Kindern schon ganz früh bei, damit kritisch umzugehen – das ist unglaublicher Nonsens. Wir lassen auch keine Sechsjährigen Auto fahren.

 

Aber die Politiker empfehlen doch keine Killerspiele, sondern Lernspiele...

Kein Zehnjähriger will eine PlayStation, um damit Vokabel zu lernen. Damit wird geballert. Aber in einer Empfehlung des Gesundheitsministers zur Mediennutzung von Kindern kommt x-mal „PlayStation“ vor – das ist Werbung für Sony. Und es heißt: Manche machen es, manche nicht, und entsprechend gibt es Unterschiede in der Medienkompetenz. Es gibt null Studien, die so etwas behaupten! Aber Eltern, die das lesen, denken: Ein inkompetentes Kind will ich ja nicht haben, deshalb kaufe ich ihm eine PlayStation. Damit verschenken sie erwiesenermaßen schlechte Noten und Schulprobleme. Das ist skandalös!

Digitale Medien sind besser als Fernsehen. Ich lasse mich nicht berieseln, wähle Inhalte, kommuniziere, bestimme bei Spielen die Handlung.

Richtig: Wenn Sie beim Abknallen aktiver eingreifen, gibt es mehr Punkte. Aktiv Fehlverhalten einüben ist noch schlechter, als es passiv zu betrachten. Multitasking ist nichts anderes als eine Aufmerksamkeitsstörung. Und reale Kommunikation ist nachhaltiger als ihr Abklatsch im Netz. Beim Chatten fehlen Mimik und Gestik des Gegenübers.

Dafür gibt es längst Webcam und Skype...

Da haben Sie immer noch etwas weniger. Warum treffen wir uns in einem Kaffeehaus, statt zu skypen? Das hat doch einen Grund!

Mail, Chat und SMS: Jugendliche schreiben heute vermutlich mehr als je zuvor. Ist das nicht toll?

Manche Sprachforscher sagen, dass die Codes, die Jugendliche da verwenden, durchaus differenziert sind. Ich bin da skeptisch. Man kann zwar per Knopfdruck „Wow“ oder „Autsch“ sagen, aber eine differenzierte Schilderung meines subjektiven Erlebnisstroms ist da nicht geplant.

Schwarmintelligenz hilft, kollektives Wissen gemeinsam effizienter zu verarbeiten.

Ist es effizient? Wenn es darum geht, wie viel ein Ochse wiegt, komme ich mit aggregiertem Wissen weiter als ein einzelner Experte– einverstanden. Aber heute geht es doch um die Erfassung sehr komplexer Probleme. Das kann ein Schwarm, der irgendwann einmal etwas herausblökt, gar nicht leisten.

Träumen Sie von einer Welt ohne TV und Web?

Sicher nicht. Ich bin kein Medienhasser. Ich bediene auch keine ältere Klientel, die Angst vor allem Neuen hat. Aber ich weise als Arzt auf Nebenwirkungen hin. In den USA ist die Hälfte der Medienforscher Pessimisten. Bei uns ist offenbar die Lobby erfolgreicher.

Auf einen Blick

Manfred Spitzer (54) ist ein deutscher Hirnforscher und Psychiater. Bekannt wurde er durch die Fernsehserie „Geist und Gehirn“ und populärwissenschaftliche Bücher. Sein Versuch, aus der Hirnforschung Schlüsse für das richtige Lernen zu ziehen, ist umstritten. Mit seinem neuen Buch, „Digitale Demenz“, zog er sich den Zorn vieler Medienforscher zu. [Droemer]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2012)

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 30. August 2012

Schulbeginn - Info BMUKK

 

Schulbeginn: Bildungsreformen werden umgesetzt

Neues Schuljahr bringt wichtige Reformen für alle SchülerInnen: Tausende neue Plätze in ganztägigen Schulformen, erstmals flächendeckende Testung der Bildungsstandards und erstmals seit 50 Jahren mit der Neuen Mittelschule ein neuer Schultyp im Regelschulwesen.

 

Das Schuljahr 2012/13 bringt eine ganze Reihe von Änderungen für die 1,125 Millionen SchülerInnen, von denen ca. 83.000 als „Taferlklassler" mit der Schule beginnen und ca. 43.000 in Maturaklassen gehen:

 

+ Neue Mittelschule wird Regelschule

 

Mit der Neuen Mittelschule wird erstmals nach 50 Jahren ein völlig neuer Schultyp ins Regelschulwesen aufgenommen. Alle Gesetze und die neuen Lehrpläne treten mit Schulbeginn in Kraft.

Auch der Ausbau geht zügig voran: Ab September gibt es die Neue Mittelschule an insgesamt 698 Standorten mit 3.356 Klassen, 264 davon mit 613 ersten Klassen starten mit Schulbeginn als Neue Mittelschule.  Damit sind knapp 60 Prozent der bisherigen Hauptschulstandorte umgestellt. 2015/16 sollen alle rund 1.180 Hauptschulstandorte zu Neuen Mittelschule werden. AHS-Unterstufen sind eingeladen, sich im Rahmen der bisherigen Schulversuchs-Gesetze an der Neuen Mittelschule zu beteiligen. Bisher haben diesen Schritt 11 von insgesamt rund 270 AHS-Unterstufen getan. In den Regionen werden  intensive Gespräche zu weiteren Schulversuchen geführt.

 

+ 7.659 ganztägige Schulplätze mehr

 

Ab Schulbeginn kommen 116.772 SchülerInnen (exklusive Hortplätze) in den Genuss ganztägiger Schulangebote. Das sind um 7.659 Plätze mehr als im Schuljahr davor, was einem Plus von 7,02 Prozent entspricht. Von 564.080 PflichtschülerInnen werden 78.802 SchülerInnen von der schulischen Tagesbetreuung profitieren, was einem Betreuungsgrad von knapp 14 Prozent entspricht. Von den 112.654 SchülerInnen der AHS-Unterstufen profitieren 37.641 oder 33,4 Prozent vom Ausbau der schulischen Tagesbetreuung und der verschränkten Ganztagsschulen, in die bis zum Jahr 2015/16 von der Bundesregierung insgesamt 320 Millionen Euro investiert werden. Der Nachholbedarf ist enorm. Die ganztägige gemeinsame Schule ist das politische Ziel.

 

+ FreizeitpädagogInnen für Kooperation mit Sport-, Musik- und Kulturvereinen

 

Derzeit durchlaufen die ersten Studierenden die Ausbildung zum akademischen Freizeitpädagogen, die in der Tagesbetreuung den Freizeitteil der Ganztagsschulen inklusive der Kooperationen mit Sport-, Musik- und Kulturvereinen tragen sollen. Ab Herbst wird die Ausbildung flächendeckend an allen Pädagogischen Hochschulen in voraussichtlich 27 Lehrgängen angeboten.

 

+ Bildungsstandards als Meilenstein der Qualitätsentwicklung in der Schule

 

Im Mai 2012 fiel der Startschuss für die Implementierung der Bildungsstandards: Rund 83.500 SchülerInnen der 8. Schulstufe in 4.071 Klassen und 1.415 Schulen wurden in Mathematik getestet, administriert wurde diese erste flächendeckende Testung eines gesamten SchülerInnenjahrgangs durch 3674 interne und 403 externe TestleiterInnen. Damit wird erstmals in der Geschichte des österreichischen Bildungswesens die Qualität des Unterrichts an den Schulen so getestet, dass eine Rückmeldung an SchülerInnen, PädagogInnen, Schulen, Schulaufsicht und BMUKK systemisch erfolgt und eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung des Bildungssystems ermöglicht wird.

Im Dezember 2012 erfolgen die Rückmeldungen an die vereinbarten Adressaten in den bekannten Formaten (Muster-Rückmeldungen siehe: https://www.bifie.at/node/64)
SchülerInnen  erhalten ihre eigenen Ergebnisse, in die sonst niemand Einblick hat;  LehrerInnen erhalten Rückmeldungen für ihre Klasse bzw. Lerngruppe; Schulleitungen erhalten einen allgemeinen Teil und Detailberichte zu den Klassen; die Schulaufsicht erhält die allgemeinen Teile der Schulberichte und zusammengefasste Regionalergebnisse; dazu gibt es Landesergebnisberichte für die Landesschulräte und einen Bundesergebnisbericht (vgl. http://www.bmukk.gv.at/medienpool/22527/bildungsstandards_adrerm.pdf )

von Jänner 2013 bis zum Ende des Schuljahrs können durch die Schulen Rückmeldemoderationen über die Pädagogischen Hochschulen oder ausgebildete ModeratorInnen beansprucht werden.
Verpflichtend ist die Besprechung der Ergebnisse auf Schul- und Klassenebene mit LehrerInnen bzw. Fachgruppen sowie die Einbeziehung der Schulpartner (vgl. http://www.bmukk.gv.at/medienpool/22324/bildungsstandards_rl.pdf )

Die Bildungsstandards bieten die erstmalige Chance zum Einstieg in datengestützte Qualitätsentwicklung an den Schulen (verbindliche Entwicklungspläne ab Herbst 2013, Bilanz- und Zielvereinbarungen zwischen Schulleitung und Schulaufsicht; externe Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten für Schulen über die PH).

Die nächsten Bildungsstandards-Überprüfungen in Englisch für die 8. Schulstufe starten am 17. April  2013 (Ersatz 25. April) beziehungsweise in Speaking vom 6.Mai bis 7.Juni. Dabei werden an 1.429 Schulen mit 3.950 Klassen rund 80.000 SchülerInnen getestet. Am 28.Mai (Ersatz 5.Juni) sind erstmals alle SchülerInnen der 4. Volksschule mit den Bildungsstandards an der Reihe: An 3.092 Schulen mit rund 5.100 Klassen und rund 78.600 SchülerInnen wird die Mathematik-Kompetenz getestet. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die Überprüfungen im Jahr 2014 (Deutsch in der 4. Und 8. Schulstufe) durch Pilotierungen in diesen Bereichen.

 

+ Kostenfreies Nachholen des Pflichtschulabschlusses

 

Ein Förderprogramm auf der Basis eines 15a-Staatsvertrags zwischen Bund und Ländern zum unentgeltlichen Nachholen des Pflichtschulabschlusses startet ab September bundesweit. 31 Einrichtungen der Erwachsenenbildung bieten Lehrgänge nach neuen, einheitlichen Qualitätsstandards an. Das BMUKK und die Länder finanzieren im Schuljahr 2012/13 gemeinsam rund 1.700 Kursplätze (bis Ende 2014 insgesamt rund 5.800 Kursplätze). Pro TeilnehmerIn gibt es eine Förderung von bis zu € 6.600. Insgesamt stehen 32,8 Mio. € bis Ende 2014 zur Finanzierung zur Verfügung (je 16,4 Mio. vom Bund und den Ländern).

Ab 1. September ist der Pflichtschulabschluss erstmals in kompetenzorientierter, erwachsenengerechter Prüfungsform möglich. Statt den bisher geforderten 13 Einzelprüfungen erfolgt eine Absolvierung in vier Pflichtgegenständen (Deutsch, Englisch, Mathematik, Berufsorientierung) und zwei Wahlfächern, die aus vier zur Auswahl stehenden Gegenständen ausgesucht werden (Natur und Technik, Kreativität und Gestaltung, Gesundheit und Soziales, Weitere Fremdsprache). Der „Pflichtschulabschluss für Erwachsene" bedeutet eine zeitgemäße Aufwertung der Erwachsenenbildungseinrichtungen. Erstmals können 5 von den 6 Teilprüfungen direkt an der EB-Einrichtung absolviert werden.

+ Neue Reifeprüfung: Schulversuche in Deutsch und Mathematik starten

Das Reifeprüfungsprojekt tritt nun in seine entscheidende Phase: Während im nächsten Jahr wieder vom 8. bis 17.Mai 2013 an 300 AHS – Schulstandorten die Reifeprüfung in den Fremdsprachen und klassischen Sprachen stattfindet, starten am 6. und 7.Mai 2013 Deutsch- und Mathematik –Schulversuche zur Neuen Reifeprüfung: In Deutsch werden 39 Standorten der AHS und BHS mit der standardisierten Reifeprüfung beginnen, in Mathematik 15 BHS-Standorte. Für die AHS-Mathematik beginnt ein zweijähriger Zyklus aus Kompetenz­checks und Probematuren. Die BHS startet im Schulversuch in Englisch mit 46 Standorten.

Mit Workshops für Lehrende und SchülerInnen an vielen Standorten, vielen weiteren Fortbildungsangeboten für Lehrende und Materialien für alle Schulpartner wird die neue Form der Reife- und Diplomprüfung verbreitert.    

+ Oberstufe Neu: LehrerInnen gut vorbereiten

Die neue modulare Oberstufe wird im nächsten Schuljahr mit den wichtigen Vorbereitungsarbeiten weitergeführt. Gemeinsam mit den Pädagogischen Hochschulen wird an Ausbildungen zum Lerncoaching, zur individuellen Lernbegleitung und zu den neuen Förderkursen gearbeitet.   Die Schulversuche zur modularen Oberstufen an 42 Standorten werden weitergeführt, um weiter unterrichtspraktische Erfahrungen für den Vollausbau 2017/18 zu schaffen. Um eine möglichst reibungslose Umstellung nach dem beschlossenen Stufenplan zu gewährleisten, werden die Lehrpläne der AHS und BHS- Schultypen sukzessive in die modulare Form gebracht (Kompetenzmodule, durch die die Bildungs- und Lehraufgabe und der Lehrstoff ab der 10. Schulstufe semesterweise gegliedert werden). Gleichzeitig wird die Software für die neue, komplexe Verwaltung der Kompetenzmodule und Semester­prüfungen sowie der Formen des Aufsteigens völlig neu gestaltet. Die entsprechende zweistufige Ausschreibung läuft.

 

+ Neues Dienstrecht an den Pädagogischen Hochschulen

 

Zwei Bestimmungen des neuen Dienstrechts für die Vortragenden an den Pädagogischen Hochschulen, das generell erst ab 2013/14 gelten wird, treten schon mit Schulbeginn in Kraft: Die Neuaufnahmen im Bereich des Lehrendenpersonals können bereits nach den neuen Kriterien des künftigen Dienstrechts erfolgen. Damit wird unter anderem erstmals möglich, dass QuereinsteigerInnen aus der Wissenschaft an den Pädagogischen Hochschulen lehren.  Die Obergrenze von 10 Jahren für Karenzierungen von LandeslehrerInnen wird für diese Gruppe aufgehoben, das heißt, es können auch weiterhin dienstzugeteilte LandeslehrerInnen an den Pädagogischen Hochschulen beschäftigt werden. Insgesamt wird das neue Dienstrecht ein Schlüssel für die Aufwertung der Pädagogischen Hochschulen auf Augenhöhe mit den Universitäten werden, was eine Voraussetzung für eine Reform der PädagogInnenbildung ist. Dazu wird die Angleichung ans Dienstrecht der Universitätslehrenden dazu führen, dass durch die Urlaubsregelung analog zu der der Universitäten mehr Möglichkeiten für Forschung und für die LehrerInnenfortbildung in den Sommerferien entstehen.

 

+ PädagogInnenbildung neu: Masterlehrgänge und Doktoranden-Stipendien

 

Die ersten konkreten Schritte zur Stärkung der Forschungskompetenz an den Pädagogischen Hochschulen werden ebenfalls mit Schulbeginn in Angriff genommen: Das BMUKK vergibt an insgesamt 25 Lehrende 16 Doktoratsstipendien und 9 Habilitationsstipendien zu Zukunftsthemen wie etwa E-Learning, Unterrichtskompetenz oder zur Entwicklung der Neuen Mittelschule. Im Studienjahr 2012/13 starten drei neue Hochschullehrgänge mit einer Option zum universitären Master-Abschluss an folgenden Hochschulstandorten: „Mentoring: Berufseinstieg professionell begleiten" wird an der PH Niederösterreich, der PH Salzburg und der PH Steiermark angeboten;  „Schulmanagement: Professionell führen – nachhaltig entwickeln" gibt es an der PH Kärnten, der PH Oberösterreich und der PH Tirol; „Kollegiales Lernen und Lehren: Fächerbezogene Kompetenzorientierung" startet an der PH Niederösterreich und der PH Oberösterreich.

 

+ Integration auf der 9. Schulstufe – integrativ und inklusiv

 

Der gemeinsame Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf wird nun auch auf der 9. Schulstufe möglich: Nach mehr als 10-jähriger Erprobung im Rahmen von Schulversuchen wurde nun die gesetzliche Basis dafür geschaffen, dass Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ihre Schulpflicht in einer Polytechnischen Schule (PTS) bzw. in einer einjährigen Haushaltungsschule absolvieren können.

Zuletzt wurde bereits an 119 Standorten, also etwa 45 Prozent aller Polytechnischen Schulen integrativer Unterricht angeboten. Von den 18.841 Schülerinnen und Schülern, die in 940 Klassen unterrichtet wurden, hatten 676 (=3,6 Prozent) sonderpädagogischen Förderbedarf.

Bei der Umsetzung der gesetzlichen Regelung für Integration an der PTS und an der einjährigen Haushaltungsschule wird insbesondere auf die soziale Integration, das gemeinsame Lernen und Arbeiten unter Bedachtnahme auf größtmögliche individuelle Förderung aller Schüler/innen geachtet. Der gemeinsame Unterricht und die individuelle Förderung erfolgen nach individuellen Lehr- und Förderplänen.

 

+ Internationale Tests und Studien

 

Auch nationale und internationale Tests und Studien werden in diesem Jahr in hoher Dichte publiziert: Schon im September kommt der OECD-Bericht „Education at a Glance" mit wichtigen sozioökonomischen und bildungspolitischen Ländervergleichen. Im November steht dann der EU-Bildungsmonitor der EU-Kommission und des Rates zur Veröffentlichung an. Besonders intensiv wird die wissenschaftliche Publikationstätigkeit im Dezember: Der „Pisa-Test für VolksschülerInnen" der 4. Schulstufe wird von der OECD veröffentlicht - PIRLS (Progress in Reading Literacy Study) zur Lesefähigkeit und TIMSS (Trends in Mathematics and Science Study) werden gleichzeitig weltweit veröffentlicht. Weiters wird das BMUKK dem Parlament den zweiten Nationalen Bildungsbericht übermitteln und es werden die Bundesergebnisse der 1. Testung der Bildungsstandards in Mathematik für alle SchülerInnen der 8. Schulstufe veröffentlicht. Im Juni des kommenden Jahres folgt dann noch der Erwachsenenbildungsbericht AES (Adult Education Survey). Die Publikation des „Erwachsenen-Pisa-Tests" PIAAC (Programme for the International Assessment of Adult Competencies), bei dem im Frühjahr 2012 ausnahmsweise statt SchülerInnen Erwachsene auf dem Prüfstand standen, geht sich im nächsten Schuljahr nicht mehr aus – sie findet erst im Herbst 2013 statt.

 

 

Interview BM Töchterle

 

 

30.8.: Pressespiegel - Unterricht

Standard, 30. Aug. 2012

 

Wien will Eltern via SMS über Schulschwänzer informieren

SMS-Meldesystem des Stadtschulrats soll ausgebaut werden

Wien - Dem Schulschwänzen sagt die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) im am Montag (3. September) beginnenden neuen Schuljahr den Kampf an. So soll etwa erstmals erhoben werden, wie viele Kinder unentschuldigt zu spät aus den Ferien zurückkommen, so Brandsteidl bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Ausgebaut werden soll außerdem das bereits an einigen Schulen etablierte SMS-Meldesystem, mit dem Eltern informiert werden, wenn ihre Kinder unentschuldigt nicht in die Schule kommen.

"Alle Kinder sollen am 3. September in der Schule sein", betonte Brandsteidl. Neben einigen Entschuldigten vermute man aber, dass viele unentschuldigt erst im Lauf der ersten Schulwoche in die Klassen zurückkehren. "Wir wissen aber nicht, wie viele es sind. Wenn es 15 in ganz Wien sind, muss man den Einzelfällen nachgehen. Sind es sehr viele, müssen wir breit aufklären." Bereits jetzt gibt es zwei Broschüren zum Thema - eine wendet sich an die Eltern, die andere ist eine rechtliche Handreichung für Lehrer und Direktoren. "Wir setzen auf Informationen, aber auch Information hat irgendwann ein Ende", so Brandsteidl.

SMS-Meldesystem

Geprüft wird derzeit die Möglichkeit der Entwicklung eines SMS-Meldesystems für alle Wiener Schulen, mit dem Eltern über Schulschwänzen informiert werden. Bereits jetzt gibt es vor allem im HTL- und AHS-Bereich einige Schulen, die ein solches System etabliert haben. Brandsteidl hält dies für sehr sinnvoll - "es muss allerdings von den Schulpartnern gewollt werden, wir werden das nicht oktroyieren". Dies scheitere schon daran, dass die Eltern bereit sein müssen, Daten bzw. Telefonnummern herzugeben.

17.000 Erstklassler

Insgesamt beginnt am 3. September für rund 220.000 Kinder und Jugendliche in Wien die Schule, darunter sind etwa 17.000 Taferlklassler. Das entspricht einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahr. Außerdem erwartet Brandsteidl wie jedes Jahr während des Schuljahrs wachsende Schülerzahlen: "Wir haben am Ende des Schuljahres rund 2.000 Schüler mehr als am Anfang." Grund dafür sei größtenteils der Binnenzuzug aus anderen Bundesländern. Dementsprechend wurden im Pflichtschulbereich 520 neue Lehrer angestellt, an den AHS gibt es mehr als 200 neue Unterrichtspraktikanten, wobei ein Teil davon schon bisher über Sonderverträge beschäftigt war.

Weiterer Schwerpunkt wird auch heuer die Leseförderung sein, kündigte Brandsteidl an. So gibt es etwa eine "Schultüte für Lehrer" mit einem "Lesecheck-Paket". Darin enthalten sind etwa Diagnoseinstrumente, mit deren Hilfe Leseschwächen der Kinder erhoben werden können.

"Acht-Buchstaben-Test"

Weiters neu: Im Rahmen der Schuleinschreibung wird gesondert die phonetische Entwicklung der Kinder überprüft und im Dezember in der ersten Klasse ein "Acht-Buchstaben-Test" durchgeführt, um zu sehen, wie weit die Kinder bereits sind. In einer "Mai-Überprüfung" werden dann alle Taferlklassler hinsichtlich ihrer Lesekompetenz überprüft. Weitergeführt wird außerdem der Wiener Lesetest in der vierten und achten Schulstufe.

Im neuen Schuljahr gibt es Wien übrigens sieben neue Ganztagsvolksschulen. Die Hauptschule in der Simonsgasse in Wien-Donaustadt wird in eine AHS "umgedreht" und zunächst als Expositur der AHS bzw. WMS (Wiener Mittelschule) Contiweg geführt.

 

 

Presse, 30. Aug. 2012

 

Bildungsexperte?

Fritz Lošek (DiePresse.com)

Von einer alten Sprache, einer neuen Reifeprüfung und immer gleichen Fragen.

Jetzt ist schon wieder was passiert. Als Mitglied der ministeriellen Arbeitsgruppe für die    Neue Matura ist man überraschende Wendungen ja gewohnt. Aber kommt man informationsentwöhnt aus dem Urlaub in den gallischen Dörfern zurück, hat man mediale Auftritte versäumt, deren Nachlektüre einen rasch wieder zum sogenannten „Ernst des Lebens“ zurückführt.

Beginnen wir mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Dieser macht sich einerseits Sorgen um gewisse Teile der geplanten „Teil-Zentralmatura“ wie die vorwissenschaftliche Arbeit, worauf die für das Projekt verantwortlichen Beamten aus dem Unterrichtsministerium, Andreas Schatzl und Christian Dorninger, ausführlich auf dieses vermeintliche „Menetekel“ replizieren. Der Wissenschaftsminister beginnt andererseits seine Ausführungen mit einem oft übersehenen Aspekt in der Matura-Diskussion, nämlich dass in vielen Bereichen ein Start jederzeit möglich (gewesen) wäre. Konkret nennt er das Fach Latein.
Warum gerade, warum noch immer Latein? Das fälschlich oft totgesagte (ist der Wunsch mancher Vater des Gedanken?) Fach boomt. „Auferstanden von den Toten“ konstatiert „Der Spiegel“ vor wenigen Tagen angesichts von fast einer Million Lateinlernenden in Deutschland. In Österreich hat sich die Zahl der freiwillig Latein Lernenden (das Fach ist seit Jahren alternativ zu einer modernen Fremdsprache wählbar) in den letzten zehn Jahren um ein Drittel gestiegen. Engagierte Lehrkräfte, lebensnahe Lehrplanthemen (wie „Liebe, Lust und Leidenschaft“ oder „Begegnung und Umgang mit dem Fremden“), moderne Unterrichtsbehelfe sind die äußeren Voraussetzungen, um den inneren Wert zu sichern.

Im „Spiegel“ ist von der Entschleunigung die Rede, von der Möglichkeit, Texte und Inhalte langsam und intensiv zu erarbeiten und nicht nur schnell zu googeln. Nennen wir es Textverständnis, nennen wir es Lesekompetenz.
Jedenfalls nützt es weit über die Fach- und Schulgrenzen hinaus, nicht zuletzt bei neuen, in Österreich zum Teil (noch) ungewohnten Prüfungsformaten, die über die Reproduktion, die simple Wiedergabe von Auswendiggelerntem, hinausgehen. Solche Aufgabenstellungen, bei denen verständnisvolles Lesen Voraussetzung für das Herangehen an die eigentliche Lösung ist, finden sich zum Beispiel bei den berüchtigten PISA-Fragen oder im Medizinaufnahmetest – und auch in der viel diskutierten, drei Säulen umfassenden „Zentralmatura“.

Zentral oder nicht zentral?

Zu den drei Säulen: Die verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit wird an der Schule im Einvernehmen zwischen den Kandidatinnen und Kandidaten sowie den betreuenden Lehrerinnen und Lehrern geschrieben und beurteilt. Die schriftlichen Fächer Deutsch, Mathematik, moderne und klassische Fremdsprachen werden bundesweit am selben Tag mit denselben standardisierten Aufgabenstellungen, die vorgegeben werden, absolviert, die Beurteilung obliegt den Lehrkräften. Die Themen für die mündliche Prüfung schließlich werden von der jeweiligen Fächergruppe an den einzelnen Schulen festgelegt, die Aufgabenstellung und die Beurteilung liegen wieder bei den Lehrkräften beziehungsweise der Prüfungskommission. Darf man eine solche Prüfungsform pauschal als Zentralmatura bezeichnen? Die eigentlichen Ziele der Reform sind andere, leider in der Diskussion oft vernachlässigt. Bei der vorwissenschaftlichen Arbeit geht es neben dem Inhalt (die Themen müssen sehr spezifisch sein, daher sollten sich die Themenkreise nicht so schnell erschöpfen) auch um das Erlernen von Methoden und die Präsentation der Ergebnisse vor Publikum. Beide Fertigkeiten sollten genuine Interessen einer modernen Allgemeinbildung sein und finden sich großteils auch in einem wenig gelesenen Teil des Lehrplans. Die schriftlichen Fächer sind standardisiert und kompetenzorientiert.

Vom Wissen zum Können

Diese Kompetenzorientierung ist in vielen Konferenzzimmern noch Diskussionspunkt, vielleicht auch, weil inhaltlich bisher zu wenig transparent. Kompetenz ist, vereinfacht gesagt, der Schritt vom Wissen zum Können, von der Reproduktion zum Transfer (ich kann erlerntes Wissen in neuen Situationen anwenden) und zur Reflexion (ich kann Wert und Bedeutung meines Wissens kritisch einschätzen). Die Gegenstände der mündlichen Prüfung schließlich wählen die Kandidatinnen und Kandidaten ohne jede Vorgabe selbst. Diese Schülerautonomie bildet im besten Fall auch die schulautonome Schwerpunktsetzung ab. Bietet eine Schule zum Beispiel verstärkt Sprachen an, sollten diese auch bevorzugt gewählt werden – ansonst sollte man sich Gedanken über die Schulentwicklung und deren Umsetzung machen. Die Befürchtung, dass dann viele die Fächer mit der geringsten Stundenzahl und Stoffmenge nehmen, ist eigentlich ein Zweifel an jener Mündigkeit, welche Schule ihren Absolventinnen und Absolventen als eines der wichtigsten Bildungsziele vermitteln sollte.

Vor Kurzem betonten Bundesministerin Claudia Schmied und der Rektor der PH Niederösterreich, Erwin Rauscher, dass das Fortbildungsangebot und die Fortbildungsbereitschaft der Lehrkräfte deutlich steigen. Das gibt Hoffnung, dass mit Blickrichtung flächendeckender Einführung der Neuen Matura auch die letzen Unsicherheiten, die als ein Grund für die Verschiebung genannt wurden, durch eine umfassende und sachorientierte Information beseitigt werden können.

Die Scheinexpertenfalle

In der aufgeregten medialen Diskussion rund um die Verschiebung der Neuen Matura (seitdem ist es erstaunlich still geworden) kamen die üblichen Verdächtigen, die „Niki Laudas der Schule“, wie jüngst in einem Interview formuliert wurde, zu Wort. Das führt unweigerlich zur Frage: Wer ist ein Bildungsexperte? Sind Lehrerinnen Bildungsexpertinnen, Lehrer Bildungsexperten? Sie sind zum Großteil Unterrichtsexperten. Der Blick über (s)eine Schulform hinaus, die Erfahrung auch in anderen Bildungssektoren von der Kindergartenpädagogik bis zur Universität, die Kenntnis internationaler Modelle nicht nur aus zweiter oder dritter Hand(reichung), die Auseinandersetzung mit oder gar die Veröffentlichung von Fachliteratur sind über die Unterrichtserfahrung hinausgehend Kriterien, die Expertentum auf Bildungsebene ausmachen (sollten).

Verliert die Fußballnationalmannschaft, hätten Millionen von Teamchefs anders aufgestellt. Bleibt Österreich medaillenlos, wissen alle sofort wirkende Rezepte (zu denen auch die Schule beisteuern soll). Tappen wir nicht in diese Scheinexpertenfalle! Wenn jetzt die Schule wieder losgeht, werden lehrseits „experti“, Erfahrene in Unterricht und Bildung, gefragt sein. Verlieren wir Expertinnen und Experten aber dabei lernseits nicht diejenigen aus dem Blick, für deren Bildung all diese Diskussionen geführt werden, damit sie nicht „expertes“, Ungebildete, bleiben: die Schülerinnen und Schüler!

 

 

Kleine Zeitung, 30. Aug. 2012

 

Von Anfang an volles Programm

Am ersten Tag Kennenlernen, am zweiten Gottesdienst, am dritten geht es los: Diese Praxis lehnt der Landesschulrat ab und fordert Schulen auf, möglichst ab dem ersten Tag voll zu unterrichten.

Am ersten Schultag eine Stunde Kennenlernen, am zweiten Gottesdienst, am dritten geht es langsam los. An vielen Schulen ist ein solches Programm in der ersten Woche seit vielen Jahren gelebte Praxis. Doch damit soll jetzt Schluss sein, wie die Kleine Zeitung berichtete. Der Landesschulrat wird noch vor Schulbeginn über die Bezirksschulinspektoren an die Schulen die Aufforderung richten, spätestens ab dem zweiten Tag vier Stunden Unterricht in den Volksschulen und fünf in den Hauptschulen zu halten.

Die Aufregung darum versteht Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz nicht. "Die Behörde kommt damit der Aufsichtspflicht nach", sagt er, und fügt hinzu: "Die Lehrervertretung tut der Lehrerschaft nichts Gutes, wenn sie sich darüber beklagt, dass Lehrer ab dem ersten Schultag voll arbeiten müssen. Für die meisten steht das ja gar nicht infrage."

Anlass für die Aufforderung waren Beschwerden von Eltern vor Schulschluss gewesen. In der letzten Schulwoche finde oft nur noch verkürzter Unterricht statt, so die Klagen (siehe Interview rechts). Auch vor Schulschluss gab es bereits die Anweisung, die Unterrichtzeit einzuhalten.

Für den Schulbeginn habe man entschieden, dass erst ab dem zweiten Tag die volle Unterrichtszeit abgehalten werden muss, es den Schulen am ersten Tag hingegen freisteht. Der Grund, so Sprecher Michael Samec: "Die Direktoren können die Eltern in den Ferien nicht mehr informieren." Wie hart ab nächstem Jahr durchgegriffen wird, soll bei der Bezirksschulinspektoren-Konferenz am Dienstag diskutiert werden.

Zuteilung der Lehrer

Doch auch die Zuteilung der Lehrer an die Schulen ist am ersten Schultag oft noch nicht abgeschlossen. Warum das so lange dauert? Als großes Problem sieht man das im Landesschulrat nicht, räumt aber Einzelfälle ein. Die Zuteilung sei zwar vor Schulschluss abgeschlossen. Es komme dennoch vor, dass ein Lehrer erst am ersten Tag erfahre, wo er hinkommt. Das sei jedoch kein Hindernis für die Schule, Unterricht abzuhalten, betont Samec.

In den Ferien hingegen werden keine Konferenzen oder Ähnliches abgehalten. Lehrer sind dienstbeurlaubt und können nur in dringenden Fällen in die Schule beordert werden. Etwa, wenn an einer höheren Schule am ersten Montag nach den Ferien eine Wiederholungsprüfung stattfindet.

 

 

Wiener Zeitung, 30. Aug. 2012

 

Kampf den Schulschwänzern

 

 

  • Stadtschulrat erhebt erstmals, wieviele Kinder unentschuldigt zu Hause bleiben.

 

 

 

Wer lieber in den Park statt in die Schule geht, muss künftig mit Konsequenzen wie etwa Verwaltungsstrafen rechnen. Pessenlehner

 

Wien. (temp) Vor dem Unterricht noch schnell ins Café abzubiegen oder überhaupt gleich zuhause zu bleiben, wird für die Schüler immer schwieriger. Hat doch die Wiener Stadtschulratpräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) am Mittwoch vor Journalisten angekündigt, dass dieses Schuljahr erstmals die Zahl der Schulschwänzer erhoben werden soll. Bereits im März hatte sie Wiens ersten Schulschwänz-Beauftragten Horst Tschaikner präsentiert - ab 3. September, wenn das neue Schuljahr startet, sollen weitere Maßnahmen gegen das unentschuldigte Fernbleiben vom Unterricht gesetzt werden.

"Wir überlegen ein SMS-Meldesystem, über das Eltern informiert werden, wenn ihr Kind nicht zum Unterricht erschienen ist", so Brandsteidl. Bereits jetzt hätten einige Schulen, vor allem im HTL- und AHS-Bereich, dieses System etabliert. Eine Umsetzung sei jedoch erst nach Absprache mit dem Elternverein möglich.

Kommt ein Kind nicht in die Schule, und das unentschuldigt, sind es allerdings die Eltern, die mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 440 Euro rechnen müssen. Im März war im Ministerrat ein Stufenplan beschlossen worden, der erstmals eine einheitliche Regelung für den Umgang mit Schulschwänzern brachte. In vier Stufen sind darin zuerst Gespräche zwischen Schülern, Eltern und Lehrern, dann Schulpsychologen, Sozialarbeitern und der Schulaufsicht sowie zuletzt die Einschaltung der Jugendwohlfahrt vorgesehen. Zeigt all das keine Wirkung, muss die Schulleitung eine Anzeige bei der Bezirksverwaltungsbehörde einbringen.

Diese Woche können die Schüler aber noch ihre Ferien genießen. Kommenden Montag, wenn diese im Osten Österreichs zu Ende sind, werden in Wien rund 200.000 Kinder und Jugendliche in die Schule pilgern, darunter 17.000 Taferlklassler. Das entspricht einem leichten Plus gegenüber dem Vorjahr.

Schwerpunkt Lesen
Nicht nur die Schulanfänger werden eine Tüte erhalten - auch für Lehrer ist eine vorgesehen. Der Inhalt: Ein "Lesecheck-Paket" mit Materialien, wie Lehrer die Lesekompetenzen fördern können. Steht doch das Lesen nach wie vor im Mittelpunkt, das auch dieses Schuljahr durch den Wiener Lesetest überprüft werden soll.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 29. August 2012

29.8.: Pressespiegel - Unterricht

Standard, 29. Aug. 2012

 

Ethikunterricht: Laizisten warnen vor "proreligiösem Lobbyismus"

Kirche schlägt Ethikunterricht als Alternative zum Religionsunterricht vor - Initiative "Religion ist Privatsache" dagegen

Wien - "Vorsichtige Unterstützung" hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) für das von ihr geplante Pflichtfach Ethik für alle Schüler am Dienstag von der laizistischen Initiative "Religion ist Privatsache" bekommen. Deren Vorstand Eytan Reif erwartet allerdings angesichts des "heftig betriebenen proreligiösen Lobbyismus" durch die ÖVP und deren Vorfeldorganisationen noch einen heißen Herbst in Sachen Ethikunterricht. Biochemikerin Renee Schroeder wünschte Schmied deshalb "Durchhaltevermögen gegenüber Kirchenlobbyisten und bildungsfernen Politikern".

Ethik nur als Alternative

Die gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften haben am Dienstag zwar erneut die Einführung eines Ethikunterrichts befürwortet, wie Christine Mann, geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress betonte. Allerdings wünschen sie den Besuch des Ethikunterrichts lediglich "als Alternative für diejenigen, die - aus welchen Gründen auch immer - keinen Religionsunterricht besuchen".

Vorschlag "lächerlich"

Eben dieses Ansinnen stößt bei "Religion ist Privatsache" auf harsche Kritik. Schroeder ortet einen "zynischen Totalangriff auf die Bildung in Österreich". Heinz Oberhummer, Astrophysiker und Obmann der Initiative, wertet den Vorschlag als "lächerlich, einer aufgeklärten Gesellschaft nicht würdig und politisch motiviert". "Wer heute behauptet, dass Bibel- oder Koranstunden einen gleichwertigen Ersatz für einen fundierten und weltanschaulich neutralen Ethikunterricht liefern, wird als Nächstes für den Kreationismus als Ersatz für das Pflichtfach Biologie eintreten." Oberhummer warnt außerdem davor, Religionslehrer im Ethikunterricht einzusetzen. Die Initiative "Religion ist Privatsache" werde dagegen "gegebenenfalls juristisch vorgehen", kündigte er an.

 

 

Standard, 29. Aug. 2012

 

Vorzeige-Akademiker sollen unterprivilegierten Schülern helfen

25 "Fellows" in Wien und Salzburg sollen Bildungschancen verbessern - Ausweitung auf weiteres Bundesland im kommenden Schuljahr geplant

Wien - Im neuen Schuljahr bekommen Österreichs Lehrer ungewöhnliche Unterstützung: 25 herausragende Absolventen von Fächern wie Quantenphysik, Molekularbiologie oder Afrikanistik sollen im Rahmen der Initiative "Teach for Austria" zwei Jahre lang ihr Wissen und vor allem ihre Begeisterung für Fächer wie Mathematik, Englisch oder Physik an die Schüler weitergeben. Ziel ist, dass sie dabei vor allem unterprivilegierte Schüler fördern - und sich dabei selbst zu "erfolgreichen Führungskräften in und außerhalb der Schule" entwickeln, beschreibt "Teach for Austria"-Geschäftsführer Walter Emberger.

Im ersten Jahr startet das Projekt an Hauptschulen, Neuen Mittelschulen und Polytechnischen Schulen in Wien und Salzburg, im kommenden Schuljahr soll es auf ein weiteres Bundesland ausgeweitet werden. Die Fellows werden an den Schulen nicht als "Beiwagerl" anderer Lehrer eingesetzt, sondern unterrichten Schüler ganz eigenständig oder im Rahmen von Teamteaching, das an der Neuen Mittelschule in Deutsch, Mathematik und Englisch weit verbreitet ist, gemeinsam mit einem zweiten Pädagogen. "Das sind Leute, die Verantwortung übernehmen wollen", begründet Emberger das Modell.

Schulung in Fachdidaktik

Ein Lehramtsstudium haben die 25 Akademiker, die sich durch ihre spezielle fachliche und persönliche Eignung unter 470 Bewerbern durchsetzen konnten, nicht absolviert. Allerdings unterrichten sie Fächer, die oftmals nahe an dem Bereich sind, mit dem sie sich an der Uni beschäftigt haben. "Dort sind sie am wirksamsten", meint Emberger. So unterrichtet ein Mikrobiologe Biologie, Physik, Chemie und Mathematik. Viele der "Fellows" waren auch mehr als ein Jahr lang im Ausland und haben entsprechend gute Englischkenntnisse.

Für ihre neue Aufgabe wurden die Neo-Lehrer zunächst in einer sechswöchigen Sommerakademie etwa im Bereich Fachdidaktik geschult, während des Schuljahrs folgen weitere Fortbildungen. Im Durchschnitt sind die "Fellows" 28 Jahre alt, die meisten sind bereits voll im Berufsleben gestanden: So ist unter den Lehrern auf Zeit ein ehemaliger Unternehmensberater, eine frühere Mitarbeiterin der Nationalbibliothek und ein ehemaliges Mitglied des Kabinetts von Bundespräsident Heinz Fischer. "Die Leute wollen etwas für die Gesellschaft tun", erklärt Emberger ihre Motivation. Bezahlt werden sie per Sondervertrag mit einem Lehrereinstiegsgehalt. "Wegen des Geldes macht das keiner", betont Emberger.

Fellows sollen Begeisterung wecken

Aus Embergers Sicht sind die Lehrer auf Zeit ein wahrer "Schatz" für das Bildungssystem: Die Kinder bekommen einen engagierten Lehrer, der ihre Begeisterung für das Fach wecken soll. Die 25 "Fellows" machen unterdessen zwar "zwei harte Jahre" durch, würden aber durch die Motivation der Kinder und die Umsetzung konkreter Ziele Führungskompetenzen erwerben. "Ich wundere mich, dass die Wirtschaft das nicht viel stärker anerkennt."

"Teach for Austria" wurde 2011 von Emberger in Österreich initiiert, international gibt es ähnliche Projekte schon länger. Bei "Teach for America" werden in den USA bereits seit 1990 hervorragende Hochschulabsolventen an Schulen geholt, um Kinder aus armutsbetroffenen Familien zu fördern. Mittlerweile bewirbt sich fast jeder fünfte Harvard-Absolvent bei "Teach for America". In Großbritannien läuft das Projekt ebenfalls im großen Stil, dort sind laut Emberger bereits 20 Prozent der Lehrer an Schulen in ärmlichen Wohngebieten über "Teach First" rekrutiert worden.

 

 

Presse, 29. Aug. 2012

 

PH-Tirol-Rektor: Gewerkschaft klagt Schmied

 (Die Presse)

Nach seiner Abberufung durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied kämpft der designierte PH-Tirol Rektor Elmar Märk um seinen Job. Die Gewerkschaft kündigte jetzt eine Klage gegen die Republik an.

Innsbruck/APA/J. N.  Die Causa Elmar Märk sorgt für einen weiteren Knalleffekt. Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Tirol (GÖD) kündigte eine Klage gegen die Republik an. Sie will die Abberufung des designierten PH-Tirol Rektors Märk durch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nicht hinnehmen. „Wir werden beim Arbeitsgericht auf Einhaltung des ausgestellten und de facto schon abgeschlossenen Dienstvertrages klagen“, sagt Gerhard Seier, der Tiroler GÖD-Landesvorsitzende.

Der Hintergrund: Märk war von Schmied Ende Juli – noch vor seinem Amtsantritt am 1. Oktober – abberufen worden. Der designierte Rektor hatte sich in einem Interview mit der Austria Presse Agentur für die langfristige Integration der Lehrerausbildung in die Unis ausgesprochen und widersprach damit den Plänen der Unterrichtsministerin. Ihr Ziel ist es, die PH zu Pädagogischen Unis aufzuwerten. Angesichts der Aussagen Märks sprach Schmied von einem „massiv gestörten Vertrauensverhältnis“.

Schmied will Juranek als Rektor

Kurz nach Androhung der Klage durch die Gewerkschaft reagierte die Ministerin. Sie unterstrich noch einmal: Märk werde ab 1. Oktober nicht an der Spitze der PH Tirol stehen. Die Geschäfte sollen weiter vom bisherigen Rektor Markus Juranek gelenkt werden. Schmied bestätigte diesen für weitere fünf Jahre im Amt – obwohl sie sich ursprünglich gegen ihn und für Märk entschieden hat. Angeblich soll auch das Verhältnis zwischen Schmied und Juranek nicht das beste sein.

Die Gewerkschaft zeigt sich kämpferisch: „Sollte Schmied nicht doch noch einlenken, wird das einen ganzen Rattenschwanz nach sich ziehen. Das wird noch ärger als bei Entacher (Edmund Entacher, Generalstabschefs des Bundesheeres, Anm.)“, spielt Seier auf dessen Abberufung durch Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 28. August 2012

28.8.: Pressespiegel - Unterricht

Standard, 28. Aug. 2012

 

200 Euro: Diakonie fordert Erhöhung des Schulstartgeldes

Lisa Winter, 27. August 2012, 16:27

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Derzeit maximal 158 Euro - Armutsexperte Schenk kritisiert uneinheitliche Unterstützung

Schultasche, Turnsackerl, Hefte, verschiedene Stifte, Malfarben, Kopierbeitrag und Milchgeld: Zu Schulbeginn kommen auf Eltern von Schulkindern viele zusätzliche Kosten zu. Die Diakonie fordert deshalb eine Reform der Geldleistungen. Unterstützung für Schüler aus einkommensschwachen Elternhäusern gibt es derzeit durch Schulstartgeld und Schülerbeihilfe. Hier besteht jedoch laut Martin Schenk, stellvertretender Direktor der Diakonie und Vorsitzender der Armutskonferenz, Nachbesserungsbedarf.

Schulstartgeld nicht einheitlich

Konkret fordert die Diakonie ein bundesweit einheitliches Schulstartgeld für armutsbetroffene Kinder mit klareren Regeln bei Antragstellung und Anspruchsvoraussetzungen. Derzeit sind die Höhe der Auszahlungsbeträge, Anspruchsvoraussetzungen, Antragstellung und Fristen in jedem Bundesland anders geregelt.

In Vorarlberg, Niederösterreich und der Steiermark existiert gar kein Schulstartgeld. In den anderen sechs Bundesländern liegt der Betrag zwischen 29 und 158 Euro und kann in Form von Geldleistungen (Burgenland, Tirol, Oberösterreich, Salzburg), Gutscheinen (Kärnten) oder Sachleistungen (Wien) bezogen werden.

200 Euro

Schenk stellt sich ein Schulstartgeld in Höhe von 200 Euro vor. "Es sollte aber auch geprüft werden, ob Schulen nicht gemeinsam Schulmaterial einkaufen könnten. Bei größeren Mengen müssten die Preise eigentlich sinken." Als Beispiel nennt er Schweden, wo das zum Teil so gemacht werde.

Schülerbeihilfe nicht an Notendurchschnitt koppeln

Auch die Schülerbeihilfe ist laut der Diakonie "dringend reformbedürftig". Pro Schuljahr beträgt die Schülerbeihilfe österreichweit 1130 Euro laut Schenk. Die Beihilfe solle stärker an den positiven Abschluss und die Bedürftigkeit statt an den Notendurchschnitt gekoppelt werden. Derzeit erhalten gute Schüler mehr Geld.

Schenk betont jedoch, dass die Schülerbeihilfe keine "Begabtenförderung" darstellen solle, zumal es für gute Noten ohnehin einen eigenen Erhöhungsbetrag von 404 Euro gebe. Außerdem müsse die Schülerbeihilfe auch in der neunten Schulstufe ausbezahlt werden, fordert Schenk, da in diesem Schuljahr besonders hohe Ausbildungskosten anfallen würden.

Zudem will die Diakonie Neuerungen bei den Finanzierungshilfen für Schulveranstaltungen. Aufgrund eines fehlenden Rechtsanspruches und niedriger Einkommensgrenzen würden diese Hilfen nur selten in Anspruch genommen werden.

135.000 Minderjährige manifest arm

Laut Schenk gelten 135.000 Kinder und Jugendliche in Österreich als manifest arm, mehr als 200.000 wohnen in äußerst beengten Verhältnissen - wodurch sie zu wenig Platz zum Spielen und Arbeiten und zum Beispiel keinen eigenen Schreibtisch haben. 

Die Diakonie weist traditionell jedes Jahr zu Schulbeginn auf die Armutszahlen und die teils schlechten Startbedingungen der Schüler hin: "Viele Betroffene wissen nichts von dieser Hilfe. Wir hoffen, dass so doch einige das, was ihnen helfen kann, in Anspruch nehmen", so Schenk. 

Aktionen zu Schulbeginn 

Auch die Caritas setzt sich für armutsgefährdete Kinder ein. In den zwei Wiener Spendenlagern Carla Mittersteig und Carla Nord wird ganzjährig gebrauchtes bzw. teilweise auch neues Schulzeug gesammelt und zu Schulbeginn günstig verkauft.

 

 

Presse, 28. Aug. 2012

 

Schulbeginn: Neues Schuljahr wird ein Zeugnisjahr

 (DiePresse.com)

Im Dezember kommen die Ergebnisse der Bildungsstandards, einer internationalen Lese- und einer Mathematikstudie.

Das am 3. September startende neue Schuljahr wird ein Zeugnisjahr - verteilt werden die Beurteilungen allerdings nicht im Sommer, sondern bereits im Dezember, wenn die beiden Volksschul-Vergleichsstudien PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study) und TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) sowie die ersten Ergebnisse der Bildungsstandard-Testungen (Mathematik in der achten Schulstufe) präsentiert werden. Weiters neu im neuen Schuljahr: Die Neue Mittelschule wird zur Regelschule, Pflichtschulabschlüsse können in erwachsenengerechter Form nachgeholt werden, und für die Zentralmatura starten Schulversuche in Deutsch und Mathematik.

Am 11. Dezember werden gemeinsam die Ergebnisse von PIRLS und TIMSS vorgestellt, für die die Kenntnisse von Zehnjährigen in Lesen bzw. Mathe und Naturwissenschaften überprüft wurden. An den Tests haben 2011 rund 5.200 Schüler aus Österreich teilgenommen, weltweit beteiligten sich über 50 Länder an den beiden Studien.

Ergebnisse der Bildungsstandards

Erstmals rückgemeldet werden im Dezember außerdem die Ergebnisse der Bildungsstandards-Testungen. Für den ersten Durchlauf wurden im Mai alle rund 83.500 Schüler der 4. Klassen AHS/Hauptschule/Neue Mittelschule im Bereich Mathematik getestet. Schüler erhalten dabei ihre eigenen Ergebnisse, Lehrer die anonymisierten Rückmeldungen für ihre Klasse, Direktoren einen allgemeinen Teil und Detailberichte zu den Klassen, die Schulaufsicht die allgemeinen Teile der Schulberichte sowie Regionalergebnisse, die Landesschulräte die Landesergebnisse sowie die Unterrichtsministerin einen Bundesbericht. Von April bis Juni 2013 werden dann die Bildungsstandards für Englisch (achte Schulstufe) sowie Mathematik (vierte Schulstufe) erhoben.

Erstmals seit 50 Jahren wird mit der Neuen Mittelschule (NMS) außerdem ein völlig neuer Schultyp ins Regelschulwesen aufgenommen, sämtliche Gesetze und neue Lehrpläne treten mit Schulbeginn in Kraft. Die NMS tritt im Bereich der fünften bis achten Schulstufe neben Hauptschule, AHS-Unterstufe bzw. Sonderschule. Ab September gibt es die NMS an 698 Standorten mit 3.356 Klassen. Damit sind knapp 60 Prozent der bisherigen Hauptschul-Standorte auf NMS umgestellt, 2015/16 sollen es dann alle sein.

Abschlüsse für Erwachsene

Ab 1. September können weiters Pflichtschulabschlüsse durch eine in Anlehnung an das Modell der Berufsreifeprüfung konzipierte Externistenprüfung in erwachsenengerechter Form nachgeholt werden. In Erwachsenenbildungseinrichtungen und Schulen werden Lehrgänge angeboten, an deren Ende vier verpflichtende Prüfungen in Deutsch, Englisch, Mathematik und Berufsorientierung stehen. Zusätzlich sind aus vier Wahlprüfungsgebieten ("Kreativität und Gestaltung", "Gesundheit und Soziales", "Natur und Technik" sowie eine weitere Sprache) Prüfungen in zwei Gebieten abzulegen. Wer den Kompetenzanforderungen entspricht, erhält einen Abschluss der achten Schulstufe.

Neue Schulversuche gibt es auch bei der Neuen Reifeprüfung, deren verpflichtender Start auf 2015 (AHS) bzw. 2016 (BHS) verschoben wurde. In Deutsch werden 39 Standorte an AHS und BHS Testläufe abhalten, in Mathematik 15 BHS-Standorte. Bereits Usus sind die Zentralmatura-Probeläufe im Bereich Fremdsprachen an rund 300 AHS - an den BHS startet nun ein entsprechender Schulversuch im Fach Englisch an 46 Standorten.

Ganztagsplätze ausgebaut

Ausgebaut wurde für das neue Schuljahr das Angebot an ganztägigen Schulplätzen. Insgesamt haben 2012/13 116.772 Schüler einen Ganztagsplatz (exklusive Horte), das entspricht einem Plus von sieben Prozent gegenüber 2011/12. Im Pflichtschulbereich beträgt die Betreuungsquote dann rund 14 Prozent, im AHS-Unterstufenbereich 33,4 Prozent.

Im Laufe des Schuljahrs werden außerdem die ersten akademischen Freizeitpädagogen mit ihrer Ausbildung fertig und können anschließend in den Schuldienst treten. Sie sollen den Freizeitteil an den Ganztagsschulen bzw. die Kooperationen mit Sport-, Musik- und Kulturvereinen tragen.

 

 

 

Wiener Zeitung, 28. Aug. 2012

 

Ethikunterricht für alle geplant

 

Von Theresa Breitschnig

 

·         Offener Brief eines 18-Jährigen löst neue Debatte über Ethikfach aus.

 

Alpbach. Ein 18-Jähriger hat die Debatte um Ethikunterricht an Schulen neu befeuert. Auf der Social Media Plattform Facebook postete Nikolai Atefie einen Brief an Unterrichtsministerin Claudia Schmied, der - trotz Ferienzeit - innerhalb von zehn Tagen mehr als 2000 Mal gelesen und hunderte Male geteilt wurde.

Atefie, freier Journalist, Gründer des Medienportals medieninsider.at und Auslandszivildiener beim Europarat, forderte in dem Schreiben (abrufbar unter www.lechz.at) "mehr Sportunterricht und die Einführung eines Ethikfaches, das als Diskussionsplattform dienen soll, wo Schüler und Lehrpersonal essenzielle Dinge des Lebens, wie Soziales oder Integrationsthematiken, auf Augenhöhe besprechen können. Denn es ist in Österreich aufgrund der Religionsvielfalt unmöglich, in der Schule für jeden einen individuellen Religionsunterricht anzubieten". Religion sei Privatsache eines jeden einzelnen "und hat in der Schulbildung keinen Platz, sofern nicht eine Chancengleichheit für Menschen anderer Religionen geschaffen werde". Schließlich soll jeder Zugang zu einer Religionsbildung bekommen.

Alle sollen Ethik lehren -nur nicht Religionslehrer
Er fordert eine gesonderte Ausbildung für jeden Lehrer - nur die Religionspädagogen selbst sollten Ethik seiner Meinung nach nicht lehren, um die Objektivität zu wahren. Denn: "Auch ein Politiker sollte streng genommen keinen Politikunterricht lehren dürfen."

Bei den Alpbacher Technologiegesprächen hat sich Schmied nun für den Ethikunterricht als Zusatzmodell zum Religionsunterricht ausgesprochen. Sprich: Am Religionsunterricht soll nichts geändert werden, der Ethikunterricht soll zusätzlich für alle eingeführt werden. Diesbezügliche Konzepte sollen bis zum Jahresende vorliegen. Man müsse auch noch klären, wer diesen lehren dürfe und welche Inhalte vermittelt würden. Atefie sieht dies jedenfalls als "Schritt in die richtige Richtung".

Die Schülerunion hat sich ebenfalls für einen Ethikunterricht ausgesprochen, allerdings sieht die ÖVP-nahe Gruppe diesen keinesfalls als Ersatz für den Religionsunterricht, der bereits viele unterschiedliche Themen abdecke und längst nicht mehr rein konfessionell sei. Außerdem fordert sie ein eigenes Lehramtsstudium für das Fach "Ethik".

"Sollte die Ministerin kein Konzept vorlegen, werde ich Anfang Jänner vor ihrer Tür stehen", sagt Atefie. "Außerdem drohen ihr bei Nichteinhaltung sicherlich Konsequenzen von der Online Community", meint er.