Freitag, 28. September 2012

2012.09.28: Unterricht

 

OTS0242 II, CI 28.09.2012 14:17:22

 

Walser zu Platters Vorstoß: Österreich soll Tirol werden

Utl.: Provinzialisierung der Bildung ist aber der falsche Weg

Politik/Walser zu Platter/Bildung/Grüne/Gesamtschule

"Ich freue mich außerordentlich in LH Platter einen Mitstreiter für die Gemeinsame Schule gefunden zu haben", zeigt sich Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, vom erneuten Vorstoß Günther Platters begeistert. "Die Front gegen die Gemeinsame Schule in der ÖVP bröckelt. Ich wünsche mir in der gesamten österreichischen Bildungspolitik so viel Bewegung wie in Tirol", so Walser weiter. "Platter muss jedoch noch viel Überzeugungsarbeit in den eigenen Reihen leisten, damit auch alle am gleichen Strang ziehen."

Eine Provinzialisierung des Bildungssystems, wie von Platter vorgeschlagen, hält Walser allerdings für den falschen Weg. "Es kann doch nicht jeder ÖVP Landeskaiser sein eigenes Schulmodell nach Gutdünken errichten", so Walser kopfschüttelnd. Platters Idee, die Bundesländer sollten die Bildungspolitik selbst "in die Hand nehmen" ist eine "gefährliche Drohung", so Walser weiter und "LH Platter kritisiert zurecht den Stillstand in der Bildungspolitik auf Bundesebene - Schuld ist jedoch die ÖVP". Der Richtungsstreit innerhalb der ÖVP ist offen ausgebrochen. Vor wenigen Stunden erst verlautbarte Hannes Rauch, Generalsekretär der ÖVP über Twitter: "Die ÖVP-Linie ist unverändert für Differenzierung und damit gegen Gesamtschule."

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APA0409 II, XI 28.09.2012 13:38:45

 

Tirols LH Platter hält Bildung als Ländersache für "denkbar"

Utl.: Sollte auf Bundesebene weiterhin "über Jahre Stillstand" herrschen - Tiroler Gesamtschul-Modell soll im Frühjahr 2013 stehen

Bildung/Schulen/Reform/Platter/ÖVP/Tirol

Nach seinem Vorstoß für eine Gesamtschule für alle Zehn-bis 14-Jährigen hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter (V) eine mögliche Zuständigkeit der Bundesländer für die Bildung analog zum deutschen Modell ins Spiel gebracht. Sollte die Bundespolitik weiterhin "über Jahre keine Ergebnisse" liefern, sollten die Bundesländer die Bildungspolitik "in die Hand nehmen", sagte Platter am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

"Das ist denkbar, wenn keine Bewegung reinkommt", erklärte der Landeshauptmann. Dennoch trete er aber derzeit weiter dafür ein, dass die bildungspolitischen Ziele vom Bund vorgegeben werden. Man halte in Tirol die "Diskussionsverweigerung" nicht mehr aus, der "bildungspolitische Stillstand" im Bund sei "nicht akzeptabel". Platter wiederholte dabei die Kritik an seiner eigenen Partei, da sie "zu wenig Bewegung" zeige.

Als Hauptverantwortliche für den Stillstand machte der Landeshauptmann jedoch Bildungsministerin Claudia Schmied (S) aus. Wenn man wie diese "überhaupt nichts weiterbringe", sollte man auch nicht eine Debatte darüber beginnen, dass die Frage der Gesamtschule künftig eine Koalitionsbedingung für die SPÖ sein werde. "Das sind einfach Sprüche, die da geklopft werden", meinte Platter.

Überdies berichtete der Landeschef, dass am Freitag eine Expertenkommission mit der Arbeit am Tiroler Pilotprojekt für eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen begonnen habe. Das Modell mit einer "bestmöglichen Differenzierung" soll bis zum Frühjahr 2013 fertig sein. Im Herbst 2014 soll der Schulversuch schließlich starten, kündigte Bildungslandesrätin Beate Palfrader (V) an. Bis dahin soll auch die Standortfrage geklärt sein und der Schulversuch entweder in der Stadt Innsbruck oder einer anderen Region Tirols durchgeführt werden.

Palfrader schloss nicht aus, dass am Ende des Pilotprojektes die Unterstufe des Gymnasiums obsolet sein werde. Dies sei letztlich aber "keine landesgesetzliche Entscheidung", fügte sie hinzu. Platter räumte ein, man habe nicht die Absicht, die Unterstufe abzuschaffen. Es gehe vielmehr darum, dass im Gymnasium auch eine "Offenheit besteht", ähnliche Unterrichtsmöglichkeiten wie im Tiroler Schulversuch zuzulassen.

(schluss) ede;kas;bei

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.09.28: Unterricht

 

„Wiener Lesetest 2012“ wurde präsentiert:

Lesetest beweist Erfolg durch Förderung

Die Ergebnisse des „Wiener Lesetests 2012“ liegen nun vor. Im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden sie heute von Wiens Amtsführender Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl sowie BIFIE-Direktor DDr. Günter Haider präsentiert.

Der „Wiener Lesetest“ wurde 2011 erstmals durchgeführt. Er wird – vom BIFIE unterstützt – vom Stadtschulrat durchgeführt, um den Schülern und Lehrern genauere Orientierungshilfe zu geben als PISA es kann. Im Gegensatz zu PISA werden beim „Wiener Lesetest“ nämlich nicht nur ausgewählte Schülergruppen, sondern ALLE Schüler der entsprechenden Schulstufen getestet. Und so erhalten auch alle Schüler (sowie ihre Lehrer) ihr individuelles Testergebnis und wissen somit, “wo sie stehen“.

Das Besondere des heurigen Lesetests ist, dass er bereits das zweite Mal durchgeführt wurde und somit neben dem Vergleich mit den Vorjahresergebnissen auch eine erste Bestandsaufnahme über den Erfolg der zahlreichen neu gestarteten Lesefördermaßnahmen erlaubt. Insbesondere die ebenfalls durchgeführte Nachtestung der beim Test 2011 als leseschwach ausgewiesenen und in den vergangenen Monaten daher intensiv geförderten Schüler macht so eine erste Evaluation der „Wiener Leseoffensive“ möglich.

Brandsteidl stellte hierzu fest, dass der mit dem „Wiener Lesetest“ begonnene Kulturwandel „sichtbar zu greifen beginnt: Der Test als Diagnoseinstrument sowie die zahlreichen neuen Fördermaßnahmen für als leseschwach identifizierte Schüler haben Lesen und Leseerziehung noch mehr als bisher in den Fokus unserer Wiener Schulen gerückt. Dies ist auch deshalb so wichtig, weil Lesen die zentrale Schlüsselkompetenz überhaupt darstellt, ohne die jedes andere Lernen und der meiste Wissenserwerb überhaupt unmöglich sind.“

Details und Ergebnisse zum Wiener Lesetest 2012

Zielgruppe:

Alle SchülerInnen der 4. und 8. Schulstufe an öffentlichen und privaten Volks- und Hauptschulen sowie an AHS mit Öffentlichkeitsrecht, die keinen sonderpädagogischen Förderbedarf haben.

In Zahlen heißt das:
- 14.951 Volksschüler der 4. Schulstufe aus 262 Schulen und 778 Klassen
- 16.029 Schüler der 8. Schulstufe aus 210 Schulen und 717 Klassen

Zeitpunkt:
- Die 4. Schulstufe wurde am 29.2.2012 flächendeckend getestet.
- Die 8. Schulstufe wurde am 1.3.2012 flächendeckend getestet.
- Weiters wurden zur Überprüfung der Fördermaßnahmen 2729 Schüler der 5. Schulstufe und 975 Schüler der 9.Schulstufe nachgetestet.

Testergebnisse:
Alle Schüler erhalten ein individuelles Ergebnisblatt, auf dem das Leseverständnis in Punkten und die Einteilung in eine von drei Kompetenzstufen angegeben ist.


4. Schulstufe:
- Die Gruppe der allerschlechtesten Leser hat sich mehr als halbiert und liegt nun in der 4. Schulstufe bei 3,9 Prozent (2011: 10,5 Prozent).
- Die Gesamtzahl der Risikoschüler liegt bei 20,5 Prozent (2011: 23,7 Prozent).
- Die Gruppe der Leser ohne Förderbedarf hat sich um 3,1 Prozent von 2011 76,3 auf 2012 79,4 Prozent vergrößert.

8. Schulstufe:
- Die Gruppe der allerschlechtesten Leser hat sich nahezu halbiert und liegt nun in der 8. Schulstufe bei 3,7 Prozent (2011: 6,9 Prozent).
- Die Gesamtzahl der Risikoschüler liegt bei 25,2 Prozent (2011: 28,7 Prozent).
- Die Gruppe der Leser ohne Förderbedarf hat sich um 3,6 Prozent von 2011 71,2 auf 2012 74,8 Prozent vergrößert.

Vergleich mit 2011: Weniger Risikoschüler

Fördergrenzen geben an, wie groß die Gruppe der Risikoschüler ist. Anhand dieser Messgröße ist ein Trend sowohl für die 4. wie auch 8. Schulstufe ablesbar.

Nachtestung beweist Erfolg der Intensiv-Lesekurse

2.729 Schüler wurden in der 5.Schulstufe nachgetestet, weil bei ihnen im Vorjahr beim Lesetest festgestellt wurde, dass sie noch nicht ausreichende Lesefertigkeiten hatten. Diese Gruppe umfasste jene Schüler, die am Ende der Volksschulzeit als „Risikoschüler“ bezeichnet wurden, weil sie nur die Kompetenzstufe 1 im Lesen erreicht hatten.

Diese Gruppe erhielt im Herbst eine von der „Soko Lesen Wien“ entwickelte Spezialförderung. Diese umfasste eine „Startwoche Lesen“ und „Intensiv-Lesekurse“ zu je 4 Stunden pro Woche über mehrere Monate hinweg mit eigens dafür entwickelten Fördermaterialien. 1728 Schüler erzielten daraufhin messbar bessere Ergebnisse im Wiener Lesetest 2012 und befinden sich ab jetzt in einer höheren Kompetenzstufe. Bei diesen Kindern hat die Förderung gegriffen und sie sind in weiterer Folge nicht mehr als Risikoschüler zu bezeichnen.

Ergebnisse der Nachtestungen:

2.729 ehemalige Schüler der 4.Schulstufe, die sich im Jahr 2011 auf Kompetenzstufe 1 befanden, wurden nachgetestet.
Nach der Testung des Wiener Lesetest 2012 auf der 5.Schulstufe verteilen sich von diesen 2.729 Schüler/innen,
- 2 % (55 Personen) auf die Stufe 3,
- 61,3% (1.673 Personen) auf die Stufe 2 und
- 36,7 % (1.001 Personen) sind weiterhin auf der Stufe 1 geblieben.

Analog dazu wurden auch in der 9.Schulstufe jene Schüler nachgetestet, die in der 8.Schulstufe als Risikoschüler klassifiziert wurden, ihre Schulpflicht noch nicht erfüllt haben und dennoch in die 9.Schulstufe aufgestiegen sind (zum Beispiel in die Polytechnische Schule). Ein größerer Teil der Risikoschüler ist jedoch nicht mehr schulpflichtig. 975 Schüler der 8.Schulstufe, die im Jahr 2011 Risikoschüler waren, wurden nachgetestet.
Nach der Nachtestung auf der 9.Schulstufe verteilen sich von diesen 975 Schülern
- 3,3 % (32 Personen) auf die Stufe 3,
- 37,8% (369 Personen) auf die Stufe 2 und
- 58,9% (574 Personen) auf die Stufe 1.

Lesefördermaßnahmen weiter intensivieren

In diesem Schuljahr 2011/12 wurden, so Brandsteidl, bereits zahlreiche Initiativen gesetzt, die – wie der Lesetest beweist - erste Wirkung zeigen. Im nächsten Jahr werden diese Ziele konsequent weiterverfolgt. So ist für das nächste Jahr geplant:
- grundlegende Datenanalyse auch im Zusammenhang mit Notenwahrheit
- Wiener Leseoffensive wird fortgeführt und intensiviert
- garantierte Leseintensivkurse in der 5.Schulstufe für alle Risikoschüler
- Ausbau der Crashkurse - für jeden Bezirk
- Neue Tests bereits in der 3.Schulstufe Volksschule: Lesecheck (enthält 2 Teile: Salzburger Lesescreening; Stolperwörtertest)
- Neuer Test für die 7.Schulstufe: HLT (=“Hernalser Lesetest“ - ein von Experten des Stadtschulrats entwickelter Lesetest)
- Flächendeckende Einstiegskurse für Seiteneinsteiger.

Brandsteidl abschließend: „Der Wiener Lesetest ist kein Selbstzweck. Uns geht es nicht darum, einfach nur zu testen und Ergebnisse zu produzieren, sondern darum, auf Basis dieser Ergebnisse Schule und Schüler besser zu machen. Der Test versteht sich als Diagnoseinstrument, auf dessen Basis gezielte pädagogische Förderung möglich wird.“

 

 

Die Presse – 28. September 2012

 

Neue Studie: Zweifel an Qualität der Schulnoten

JULIA NEUHAUSER 

Jeder fünfte Schüler mit sehr schlechten Lesefertigkeiten bekommt eine (zu) gute Deutschnote. Kinder aus Akademikerhaushalten haben bei gleicher Leistung eine doppelt so hohe Chance, ein „Sehr Gut“ zu erhalten.

Wien. Zumeist stolpern sie beim Lesen und haben große Schwierigkeiten, den Sinn des Textes zu erfassen: Die Rede ist von den Risikoschülern. Wer vermutet, dass sie auch jene Schüler sind, die die schlechten Deutschnoten nach Hause bringen, irrt sich. Jeder fünfte Risikoschüler wurde im Jahreszeugnis mit einem Sehr Gut bzw. einem Gut benotet. Das zeigt die am Donnerstag präsentierte Detailauswertung zum Wiener Lesetest.

Insgesamt zählen 21 Prozent der Schüler in der vierten Klasse Volksschule zur Gruppe der Risikoschüler. In der vierten Klasse Hauptschule bzw. Gymnasium trifft das auf jeden vierten Schüler zu. Trotz großer Leseschwäche haben drei Prozent der Risikoschüler in der Volksschule ein Sehr Gut im Zeugnis. Weitere 17 Prozent können sich immerhin noch über ein Gut freuen. 41 Prozent der Risikoschüler wurden mit Befriedigend und 37 Prozent mit einem Genügend benotet. Lediglich rund ein Prozent der schlechten Leser erhielt ein Nicht Genügend.

Zu diesem Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE). Ein Teil dieser Risikoschüler zählt zur „besonders gefährdeten“ Gruppe. Ihnen fällt es ob ihrer geringen Lesekompetenzen etwa sogar schwer, einen Fahrschein am Automaten zu kaufen. Und selbst in dieser Gruppe wurde jeder zehnte Schüler mit einem Sehr Gut oder Gut beurteilt. Ein Drittel wurde mit einem Befriedigend bewertet. Nur etwas mehr als die Hälfte der „besonders gefährdeten“ Schüler hatte ein Genügend bzw. Nicht Genügend im Zeugnis stehen.

Stadtschulrat fordert „Notenwahrheit“

Insgesamt zeigt sich, dass in rund zwölf von 100 Klassen mehr als 40 Prozent der Beurteilungen als „auffällig“ einzustufen sind. Dabei sind die Benotungen der Schüler häufig besser, vereinzelt aber auch schlechter, als angesichts der Lesefertigkeiten anzunehmen wäre. Dass Leseleistung und Deutschnote derart eklatant divergieren, hat mehrere Gründe – wenn auch nicht alle plausibel sind. Ein nachvollziehbarer Grund ist die Zusammensetzung der Deutschnote.

Bei der Benotung sind abgesehen von der Leseleistung auch viele andere Aspekte zu berücksichtigen. Nicht umsonst trägt das Fach in der Volksschule auch den Namen „Deutsch, Lesen und Schreiben“. Im Stadtschulrat wird außerdem vermutet, dass der Druck der Eltern eine Rolle spielt. Immer öfter würden Eltern versuchen, die Zeugnisnoten ihrer Kinder zu beeinflussen. So solle dem Kind nach dem Ende der Volksschule der Weg in die Lieblingsschule geebnet werden. Der Stadtschulrat appelliert an die Pädagogen: Es brauche „Notenwahrheit“. Lehrer sollten die Unterschiede zwischen dem Testergebnis und der Beurteilung hinterfragen, sagt Rupert Corazza, Leseexperte des Wiener Stadtschulrats.

Dass Noten nicht immer fair sind, zeigen auch Detailergebnisse der internationalen Bildungsvergleichsstudie Pirls. Demnach haben Kinder aus Akademikerhaushalten bei gleicher Lesekompetenz eine doppelt so hohe Chance, ein Sehr Gut zu erhalten, wie Kinder von Lehrlingen oder Pflichtschulabsolventen. Die wissenschaftliche Erklärung dafür: Lehrer würden Kindern aus besseren sozialen Schichten vielfach ein höheres Leistungsvermögen zumuten. Zumeist passiere das unbewusst. Außerdem würden Eltern mit höherer Bildung oftmals auf bessere Noten drängen. Doch auch wenn Akademikerkinder und jene aus weniger gebildeten Haushalten dieselben Noten erhalten, unterscheiden sich ihre Bildungswege häufig.

Hat ein Akademikerkind ein Sehr Gut in Mathematik und Deutsch, so wird dieses mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent in ein Gymnasium wechseln. Bei gleichen Voraussetzungen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind aus einem weniger gebildeten Haushalt in die AHS wechselt, bei nur 50 Prozent.
Angesichts dessen ist es wenig verwunderlich, dass sich die Leseleistungen auch je nach Schultyp unterscheiden. Betrachtet man die achte Schulstufe, zeigt sich, dass die meisten schlechten Leser eine Neue Mittelschule bzw. eine Hauptschule besuchen. In diesen Schulformen zählt fast die Hälfte der Schüler zu den Risikoschülern im Bereich Lesen. Anders im Gymnasium: Dort sind „nur“ fünf Prozent Risikoschüler. Die Gruppe der besonders guten Leser ist mit 61 Prozent hingegen besonders groß.

 

 

Die Presse – 28. September 2012

 

Lesen: Jeder fünfte "Risikoschüler" erhält gute Note

Beim Wiener Lesetest zeigt sich, dass viele Kinder kaum lesen können und trotzdem gute Noten in Deutsch erhalten. Jede achte Klasse wird zum Gutteil "auffällig" bewertet.

Jeder fünfte Wiener Volksschüler hat im Abschlusszeugnis der vierten Klasse 2012 ein "Sehr Gut" (drei Prozent) oder "Gut" (17 Prozent) im Fach Deutsch, Lesen, Schreiben erhalten, obwohl er massive Probleme beim Lesen hat. Das zeigt eine Detailauswertung der Ergebnisse des Wiener Lesetests. Die Note umfasse zwar mehr als nur die Lesefähigkeiten, Lehrer mögen aber die Unterschiede zwischen dem Ergebnis des Tests und der Beurteilung hinterfragen, so Rupert Corazza, Leseexperte des Wiener Stadtschulrats. "Da werden wir in nächster Zeit genau hinschauen, weil mit der Note auch Berechtigungen (für den AHS-Besuch, Anm.) verbunden sind."

Insgesamt wurden 21 Prozent der Kinder in der vierten Klasse Volksschule in die Gruppe jener eingeordnet, die ein sehr geringes Leseverständnis haben. Ein "Nicht Genügend" im Zeugnis im Fach Deutsch bekam in dieser Gruppe jedoch nur etwas mehr als ein Prozent, 37 Prozent erhielten ein "Genügend" und der größte Teil der Schüler (41 Prozent) ein "Befriedigend".

Jede achte Klasse wird "auffällig" bewertet

Angesichts dieser Ergebnisse wurde im Stadtschulrat der Zusammenhang zwischen Lesetestergebnissen und Deutsch-Noten näher angesehen, wobei Bandbreiten definiert wurden, innerhalb derer eine Note als "unauffällig" angesehen werden kann. Dabei zeigte sich, dass in jeder achten Klasse mehr als 40 Prozent der Beurteilungen als "auffällig" einzustufen sind. So haben zehn Prozent der Schüler deutlich weniger Punkte erreicht als der Durchschnitt aller Schüler, aber ein "Sehr Gut" im Zeugnis. Gleichzeitig haben fünf Prozent der Schüler mit einem Vierer im Zeugnis ein besseres Ergebnis geliefert als der Wiener Durchschnitt. Und von den 37 Schülern, die ein "Nicht Genügend" erhalten haben, sind laut Lesetest 33 Prozent keine Risikoschüler.

Kinder von Akademikern bevorzugt

Außerdem präsentierte Haider Detail-Ergebnisse der internationalen Bildungsvergleichsstudie PIRLS 2006 zu den Lesefähigkeiten von Volksschülern: Demnach haben bei gleicher Lesekompetenz Kinder von Akademikern eine doppelt so hohe Chance, ein "Sehr Gut" im Abschlusszeugnis zu erhalten wie Kinder von Lehrlingen oder Pflichtschulabsolventen. Und selbst wenn sie die gleichen Noten erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in eine AHS übertreten, sehr unterschiedlich: Während sie bei Akademikerkindern mit "Sehr Gut" in Deutsch und Mathematik bei 80 Prozent liegt, sind es bei Arbeiterkindern mit gleichen Noten nur 50 Prozent.

Der Wiener Lesetest wurde im Schuljahr 2012 zum zweiten Mal unter allen Schülern der vierten bzw. achten Schulstufe durchgeführt. Beim zweiten Durchgang lag die Zahl der Risikoschüler an den Volksschulen bei rund 20,5 Prozent (2011: 23,7 Prozent).

 

 

Die Presse – 28. September 2012

 

Schule: Risiko für Gesundheit

ANDREAS WETZ 

Der Staat verpflichtet Kinder zum Schulbesuch. Es ist daher dessen Pflicht, dass Unterricht nicht krank macht.

Es gehört zu den Grundprinzipien dieser Zeitung, den Staat lieber für weniger und das Individuum eher für mehr verantwortlich zu machen. Das gilt auch für die Wahl des Lebensstils. Ob dieser nun gesund ist oder nicht, ist in erster Linie Privatsache.

Nun ist es jedoch so, dass der Staat – mit gutem Grund – Kinder dazu verpflichtet, in Schulen zu sitzen. Leider auch im wörtlichen Sinn. Denn mit der Schulpflicht übernimmt der Gesetzgeber nicht nur die Verantwortung für die Ausbildung, sondern auch die Pflicht, darauf zu achten, dass der Schulbesuch nicht zum Gesundheitsrisiko wird.

Gerecht wird er dieser Verantwortung nicht. Laut Ernährungsbericht des Gesundheitsministeriums ernähren sich gerade Kinder gar nicht sofalsch. Sie bewegen sich nur zu wenig. Doch das ist nur bedingt ihre oder die Schuld ihrer Eltern. Während der Obhut des Staates bleiben für Pflichtschüler nämlich nur zwei bis vier Stunden pro Woche für Bewegung. Und das in einem Alter, in dem die Grundlagen für einen gesunden oder einen anderen Lebensstil gelegt werden. Angesichts dieser Daten ist es Zeit abzuwägen, ob nicht eine Stunde ohnedies nicht immer erstklassig vermittelten Wissens (siehe PISA-Test) zugunsten des wenig ernst genommenen Schulsports geopfert werden sollte.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Donnerstag, 27. September 2012

2012.09.27: Unterricht

 

"News" Nr. 39/2012 vom 27.09.2012                         Seite: 73

Ressort: Kultur

 

 

Ein Beruf wurde desavouiert

 

   Heinz Sichrovsky über Leseschwäche und Bildungsversagen

 

   Jeder dritte österreichische Jugendliche scheitert am geläufigen Lesen. Derlei statistische Feststellungen sind zwar prinzipiell zweifelhaft (man denke an die dubiose PISA-Studie oder das großzügig dotierte Bundesbildungsinstitut BIFIE, das offensichtlich zur propagandistischen Legitimierung alternativer Schulformen betrieben wird). Leider aber ist die Studie der EU-Kommission auch weit davon entfernt, nur erfunden zu sein. Die Gründe haben also das Kulturressort zu beschäftigen: 1. Die Marginalisierung der künstlerisch-geisteswissenschaftlichen Fächer ist ein Angriff auf die alphabetisierte Gesellschaft. 2. Ansehen und Autorität des Lehrerberufs werden von der eigenen Behörde untergraben: Erst wurde kommuniziert, Lehramtsstudenten sollten sich besser ohne akademischen Umweg ins Arbeitsamt verfügen. Als es dann kaum noch Lehrer gab, wurden die verbliebenen vom ressortzuständigen Regierungsmitglied systematisch als minderleistende Evolutionsverweigerer desavouiert. Die derweil zu erwartbarer Stärke gelangten Analphabeten grölten dankbar mit. 3. Mehr Eltern als früher schieben die humane Grundausbildung ihrer Kinder an die Schulen ab und schwänzen so die wichtigste Verpflichtung, die das Leben für einen Erwachsenen bereithalten kann. PS: Mein Vater war Lehrer. Ich schulde diese Einlassungen meinen Töchtern und ihm.

 

   Sind Sie anderer Meinung?

 

   Schreiben Sie uns: sichrovsky.heinz@news.at

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
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Tel.: 01/40110-3945

 

Dienstag, 25. September 2012

2012.09.26: Unterricht

 

Die Presse – 26. September 2012

 

Der glücklose Schirmherr

CHRISTOPH SCHWARZ 

Das hat sich Michael Spindelegger wohl anders vorgestellt.

Das hat sich Michael Spindelegger wohl anders vorgestellt: Jene Expertengruppe namens „Unternehmen Österreich 2025“, deren Schirmherr er ist, setzt mit ihren Vorschlägen zur Bildungsreform nicht die SPÖ, sondern in erster Linie die ÖVP selbst unter Druck: Mit der Forderung nach Ethikunterricht für alle bricht sie die Parteilinie. Mit der „Mittleren Reife“ propagiert sie ein Konzept, das die ÖVP in aller Stille sterben ließ. Und ihr Aufruf zu einer Bildungsvolksbefragung ist das exakte Gegenteil dessen, worauf sich Spindelegger explizit festgelegt hat.

Echte Schwierigkeiten beschert sie dem ÖVP-Chef vor allem mit der Forderung nach einer 40-stündigen Anwesenheitspflicht für alle Lehrer, die künftig „nur“ noch sechs Wochen Ferien im Jahr haben sollen. Spindelegger hat jetzt zwei Möglichkeiten. Variante eins: Er bekennt Farbe und verteidigt diese Expertise auch vor der mächtigen schwarzen Lehrergewerkschaft. Dazu braucht es aber Mut. Wahrscheinlicher ist daher Variante zwei: Der ÖVP-Chef lässt sich neue Ausflüchte einfallen. Die nächste Debatte über seine Führungsschwäche ist ihm damit sicher.

Vielleicht sollte Spindelegger in Hinkunft noch besser darüber nachdenken, wofür er den Schirmherrn mimt.

 

 

Die Presse – 26. September 2012

 

ÖVP-Experten wollen Lehrer 40 Stunden in der Schule

Der Think-Tank "Unternehmen Österreich 2025" fordert Volksbefragung zur Bildungsreform, die mittlere Reife und Ethikunterricht für alle. All das widerspricht der ÖVP-Parteilinie. Experten sind um Beruhigung bemüht.

Wien/Apa/J.n. Für Aufregung sorgt die von ÖVP-Chef Michael Spindelegger eingesetzte Expertengruppe „Unternehmen Österreich 2025“. Ihre bereits vor der öffentlichen Präsentation bekannt gewordenen Reformvorschläge im Bildungsbereich dürften die ÖVP-Parteilinie – quasi kontinuierlich – durchkreuzen. Wenig erfreut dürfte darüber nicht nur Spindelegger selbst sein, sondern auch die ÖVP-dominierte Lehrergewerkschaft. Der wohl aufsehenerregendste Reformpunkt trifft sie:

Lehrerarbeitszeit. Die Expertengruppe heizt die Debatte um das Lehrerdienstrecht erneut an. Sie fordern, dass Lehrer 40 Stunden pro Woche in der Schule anwesend sind. Dabei soll es eine Kernunterrichtszeit von neun bis 15 Uhr geben. Mehr noch: Auch die Ferienzeit soll eingeschränkt werden. Nur noch sechs Wochen sollten den Lehrern zur Verfügung stehen. Außerdem sollten sie zur Absolvierung von Fortbildungskursen verpflichtet werden.
Ethik für alle. Die Front der ÖVP gegen einen Ethikunterricht für alle ist stark. Ethik soll nur für jene Schüler verpflichtend sein, die keinen Religionsunterricht besuchen, so die Parteilinie. Die Expertengruppe sieht das völlig anders. In ihrem Papier fordern sie einen verpflichtenden Ethikunterricht für jeden einzelnen Schüler.
Mittlere Reife. Die mittlere Reife galt einst als großes bildungspolitisches Vorhaben der ÖVP. Der ursprüngliche Plan: Kein einziger Schüler sollte die Schule verlassen, ohne das Level der mittleren Reife erreicht zu haben. Auch wenn das bedeute, dass die Schulpflicht nicht automatisch nach neun Jahren endet. Von diesem Plan rückte die Volkspartei bereits vor einiger Zeit ab. Wenig später geriet das Konzept in Vergessenheit. Nicht bei der Expertengruppe. Sie fordern, dass die Schulpflicht erst mit dem Abschluss der mittleren Reife endet. Außerdem soll die an die Volksschule anschließende Sekundarstufe eins auf fünf Jahre verlängert werden.
Bildungs-Volksbefragung. Für Spindelegger ist klar: Eine Volksbefragung zu Bildungsthemen wird es nicht geben. Ungeachtet dessen regten einzelne Parteimitglieder – allen voran der Wiener ÖVP-Landeschef Manfred Juraczka – eine Volksbefragung zur Wiedereinführung von Studiengebühren an. Die Expertengruppe geht auch hier noch einen Schritt weiter. Sollten die Weichen für eine Reform des Lehrerdienstrechts, der Lehrerausbildung und der Schulverwaltung bis zum Frühjahr 2014 nicht gestellt sein, sei eine Volksbefragung zu diesen Themen vorstellbar.
Ganztägige Schule. In diesem Punkt weicht der Vorschlag der Expertengruppe nicht von der Parteilinie – die sich in den vergangenen Wochen etwas aufgeweicht hat – ab. Die ganztägige Schule soll zwar nicht verpflichtend, aber flächendeckend vorhanden sein.
Neue Direktionen. Schuldirektoren sollen mehr Verantwortung übernehmen. So sollen sie sich etwa ihre Lehrer selbst aussuchen können. Eingeschränkt soll hingegen ihre Funktionsperiode werden. Sie sollen nur noch auf Zeit bestellt werden können.
Faszination Gesellschaft. Die geltende Fächerstruktur soll völlig aufgelöst werden. Um vernetztes Denken zu fördern, fordert die Expertengruppe einen Ausbau des fächerübergreifenden Unterrichts. So sollen die Fächer Geschichte, Geografie, Religion und Politik zu einem gemeinsamen Fach mit dem Namen „Faszination Gesellschaft“ zusammengefasst werden.
Urlaub für Schüler: Freuen dürften sich die Schüler über die Vorschläge der Expertengruppe. Denn sie sollen bis zu 14 Tage individuellen Urlaub beantragen können. Die Sommerferien sollten hingegen auf sieben Wochen verkürzt werden. Dafür soll es Herbstferien geben.

Die Gruppe – in der 200 Experten aus unterschiedlichsten Bereichen sitzen – ist angesichts der zu früh bekannt gewordenen Details um Beruhigung bemüht. Diese würden nicht der Endversion entsprechen, sagt Sprecher Christoph Hörhan, der seine Initiative zudem als „parteiunabhängig“ verstehen will. Derzeit sei man noch in einem Diskussionsprozess. Das endgültige Konzept werde erst am 8.Oktober präsentiert. Der „Presse“ bestätigten Mitglieder der Expertengruppe dennoch, dass die öffentlich gewordenen Details den Vorhaben der Gruppe entsprächen.

Übrigens: Zu einem anderen kontrovers diskutierten Thema hat sich die Expertengruppe bereits im Juli geäußert. Die Rede ist von der Gesamtschule. Auch hier stellte sich die Expertengruppe gegen die ÖVP-Linie und sympathisiert mit der gemeinsamen Schule.

Die SPÖ selbst machte in Sachen Gesamtschule am Dienstag indes einen Rückzieher. Kanzler Werner Faymann sprach sich dagegen aus, die Umsetzung der Gesamtschule bis zum Jahr 2018 zur Koalitionsbedingung zu machen. Genau das hatte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter nur wenige Tage zuvor gefordert.

 

 

Die Presse – 26. September 2012

 

9 bis 15 Uhr: Kernarbeitszeit für Lehrer gefordert

ÖVP-Experten schlagen radikale Änderungen im Schulbereich vor: Verpflichtend 40 Wochenstunden Anwesenheit für Lehrer an der Schule und einen "Mutter-Kind-Pass" für Bildung.

Teils radikale Reformen schlägt die von Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) eingesetzte Expertengruppe "Unternehmen Österreich 2025" im Bildungsbereich vor. Vor allem für Lehrer sieht das Papier Änderungen vor: 40 Wochenstunden Anwesenheit an der Schule bei einer Kernunterrichtszeit von neun bis 15 Uhr, nur noch sechs Wochen Ferien sowie Verpflichtung zu regelmäßigen Fortbildungen sind im Endbericht vorgesehen. Die Arbeitszeiterhöhung für Lehrer dürfte der SPÖ gefallen, die sich angesichts der Lehrer-Dienstrechtsverhandlungen mehr Unterstützung von der ÖVP wünscht. Die vom Auftraggeber "endredigierte" Version ist für Donnerstag geplant.

Für eine rasche Umsetzung wird in dem Papier ein "Bildungskonklave" empfohlen. Spätestens im Frühjahr 2014 müssten die Weichen für eine Reform von Lehrerdienstrecht, - ausbildung und Schulverwaltung gestellt werden. Die Expertengruppe kann sich "bei Nichteinigung bzw. auf Grund der Wichtigkeit des Themas" eine Volksbefragung vorstellen.

Förderprogramme im Kindergartenalter

Das Modell der Arbeitsgruppe setzt bereits bei den Kleinsten an: Schon Dreijährige sollen auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft und bei Bedarf gefördert werden, die Kindergartenpflicht soll künftig ab vier Jahren gelten. In die Volksschule darf nur, wer ausreichend Deutsch spricht. Für alle anderen soll es "spezielle Förderprogramme" geben. Als Anreiz soll durch eine Art "Mutter-Kind-Pass" die Nutzung von Bildungsangeboten an Geld gekoppelt werden.

In den Klassen sollen nach Vorstellung der Expertengruppe maximal 15 Schüler sitzen, Lehrer durch Stütz- und Fachpersonal sowie mehr Sozialarbeit entlastet werden und "attraktive fixe Arbeitsplätze" bekommen. Für Schüler würde das Modell kürzere Sommerferien (sieben Wochen) und dafür Herbstferien bringen. Sie sollen außerdem bis zu 14 Tage individuell Urlaub beantragen können und ihre Lehrer per Feedbackbogen bewerten.

Sympathien für Gesamtschule

Ganztägige Schule soll zwar nicht verpflichtend, aber zumindest flächendeckend vorhanden sein. Das Modell sieht vor, dass es vor und nach der Kernarbeitszeit von neun bis 15 Uhr Sport- und Spielangebote und Freifächer geben soll. Die Gesamtschule wird zwar nicht explizit empfohlen, die Experten lassen aber Sympathien dafür erkennen.

Schon ab der 1. Klasse Volksschule soll es verpflichtend bilingualen Unterricht geben. Die an die Volksschule anschließende Sekundarstufe I würde auf fünf Jahre verlängert und mit einer "Mittleren Reife" abschließen. Die Schulpflicht soll erst enden, wenn dieses Ziel erreicht ist. Danach sollen die Schüler sich spezialisieren, weniger Pflichtfächer besuchen und Wahlfächer von Computeranimation bis Kochen wählen können.

Fächerübergreifendem Unterricht

Inhaltlich soll der Fokus weg von Fachwissen, stattdessen sollen die Schüler mit fächerübergreifendem Unterricht vernetztes Denken erlernen: Geschichte, Geografie, Religion und Politik sollen künftig unter dem Titel "Faszination Gesellschaft" verschränkt werden, "Faszination Technik/Naturwissenschaften" neben den namensgebenden Fächern auch verwandte Disziplinen wie Werken umfassen. Ein eigenes Fach soll die persönlichen Kompetenzen fördern, Ethik soll für jeden Schüler - unabhängig vom Religionsunterricht - Pflicht sein. Außerdem sieht das Konzept eine tägliche Sportstunde vor.

Autonome Direktoren sollen auf Zeit

Die Schule der Zukunft muss aus Sicht der Arbeitsgruppe autonom sein: Sie brauche ausreichend Budget und Sachmittel, das nötige Geld soll durch effizientere Verwaltungsstrukturen freigespielt werden. Direktoren sollen auf Zeit bestellt werden und sich ihre Lehrer selbst aussuchen. Wie und was unterrichtet wird, soll von den Lehrern gewählt werden, allerdings müssen die Schüler zentral vorgegebene Bildungsziele erreichen.

Bei der Universitätsfinanzierung setzen die Experten auf Studiengebühren und mehr Drittmittel. Im Hochschulbereich soll die Berufsausbildung künftig stärker abgebildet sein, indem mit "Berufsakademien" ein neuer, privat finanzierter Hochschultyp für wissenschaftlich fundierte Berufsaus- und Weiterbildung geschaffen wird.

 

 

OÖN – 26. September 2012

 

Experten fordern generelle Lehrerarbeitszeit bis 15 Uhr

WIEN. Von der ÖVP eingesetzte Expertengruppe empfiehlt eine Kürzung der Ferien für Lehrer auf sechs Wochen.

Radikale Reformen im Bildungsbereich schlägt die von Vizekanzler Michael Spindelegger (VP) eingesetzte Expertengruppe „Unternehmen Österreich 2025“ vor. Demnach sollen Lehrer 40 Wochenstunden an den Schulen anwesend sein, für die Pädagogen soll eine Kernunterrichtszeit von 9 bis 15 Uhr gelten. Außerdem sollen die Ferien für Lehrer auf sechs Wochen verkürzt werden, und regelmäßige Fortbildungen verpflichtend sein. Diese Maßnahmen sieht laut APA der Endbericht vor, die vom Auftraggeber „endredigierte“ Version ist für Donnerstag geplant.

Für eine rasche Umsetzung wird in dem Papier ein „Bildungskonklave“ empfohlen. Spätestens im Frühjahr 2014 müssten die Weichen für eine Reform von Lehrerdienstrecht, -ausbildung und Schulverwaltung gestellt werden. Bei „Nichteinigung“ kann sich die Expertengruppe „auf Grund der Wichtigkeit des Themas“ eine Volksbefragung vorstellen.

Das Modell der Arbeitsgruppe setzt bei den Kleinsten an. Schon Dreijährige sollen auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft und bei Bedarf gefördert werden. Ab vier Jahren soll ein Kindergartenbesuch verpflichtend sein. In die Volksschule darf nur, wer ausreichend Deutsch spricht.

In den Klassen sollen nach Vorstellung der Experten maximal 15 Schüler sitzen, Lehrer durch Stütz- und Fachpersonal sowie mehr Sozialarbeiter entlastet werden und „attraktive fixe Arbeitsplätze“ bekommen.

Für Schüler würde das Modell kürzere Sommerferien (sieben Wochen) und dafür Herbstferien bringen. Sie sollen außerdem bis zu 14 Tage individuell Urlaub beantragen können und ihre Lehrer per Feedback-Bogen bewerten.

Ganztägige Schule soll nicht verpflichtend, aber flächendeckend vorhanden sein. Vor und nach der Kernunterrichtszeit von 9 bis 15 Uhr soll es Sport- und Spielangebote sowie Freifächer geben. Inhaltlich sollen Schüler mit fächerübergreifendem Unterricht vernetztes Denken lernen, so der Vorschlag.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 224 vom 26.09.2012              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

ÖVP will 40-Stunden-Lehrer

 

Experten plädieren für weniger Lehrerferien und mehr Anwesenheit in der Klasse

 

   WIEN (SN, APA). Teils radikale Reformen schlägt die von Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) eingesetzte Expertengruppe „Unternehmen Österreich 2025“ im Bildungsbereich vor. Vor allem für Lehrer sieht das Papier Änderungen vor: 40 Wochenstunden Anwesenheit an der Schule bei einer Kernunterrichtszeit von neun bis 15 Uhr, nur noch sechs Wochen Ferien sowie Verpflichtung zu regelmäßigen Fortbildungen sind im Endbericht vorgesehen. Die vom Auftraggeber „endredigierte“ Version ist für Donnerstag geplant.

 

   Das Modell der Arbeitsgruppe setzt bereits bei den Kleinsten an: Schon Dreijährige sollen auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft und bei Bedarf gefördert werden, die Kindergartenpflicht soll künftig ab vier Jahren gelten. In die Volksschule darf nur, wer ausreichend Deutsch spricht. Für alle anderen soll es „spezielle Förderprogramme“ geben. In den Klassen sollen nach Vorstellung der Expertengruppe maximal 15 Schüler sitzen, Lehrer durch Stütz- und Fachpersonal sowie mehr Sozialarbeit entlastet werden und „attraktive fixe Arbeitsplätze“ bekommen. Für Schüler würde das Modell kürzere Sommerferien (sieben Wochen) und dafür Herbstferien bringen. Sie sollen außerdem bis zu 14 Tage individuell Urlaub beantragen können.

 

 

 

Wiener Zeitung – 26. September 2012

 

Radikale Forderungen von ÖVP-Expertengruppe

In die Volksschule nur mit Deutschkenntnissen

 

 

  • 40h-Woche für Lehrer, 15 Schüler pro Klasse, Ethik für alle Schüler und eine Stunde Sport pro Tag.
  • Arbeitsgruppe für Volksbefragung.

 

Wien.- Teils radikale Reformen schlägt die von Vizekanzler Michael Spindelegger eingesetzte Expertengruppe "Unternehmen Österreich 2025" im Bildungsbereich vor.

Überprüfung der Deutschkenntnisse bei Dreijährigen
Das Modell der Arbeitsgruppe setzt bei den Kleinsten an: Dreijährige sollen auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft und bei Bedarf gefördert werden, die Kindergartenpflicht soll künftig ab vier Jahren gelten. In die Volksschule darf nur, wer ausreichend Deutsch spricht. Für alle anderen soll es "spezielle Förderprogramme" geben. Als Anreiz soll durch eine Art "Mutter-Kind-Pass" die Nutzung von Bildungsangeboten an Geld gekoppelt werden.

Kürzere Ferien und 40h-Woche für Lehrer
Vor allem für Lehrer sieht das Papier Änderungen vor: 40 Wochenstunden Anwesenheit an der Schule bei einer Kernunterrichtszeit von neun bis 15 Uhr, nur noch sechs Wochen Ferien sowie Verpflichtung zu regelmäßigen Fortbildungen sind laut Endbericht vorgesehen. Die vom Auftraggeber "endredigierte" Version ist für Donnerstag geplant.

Für eine rasche Umsetzung wird in dem Papier ein "Bildungskonklave" empfohlen. Spätestens im Frühjahr 2014 müssten die Weichen für eine Reform von Lehrerdienstrecht, -ausbildung und Schulverwaltung gestellt werden. Die Expertengruppe kann sich "bei Nichteinigung bzw. auf Grund der Wichtigkeit des Themas" eine Volksbefragung vorstellen.

15 Schüler pro Klasse und 14 Tage Individual-Urlaub
In den Klassen sollen nach Vorstellung der Expertengruppe maximal 15 Schüler sitzen, Lehrer durch Stütz- und Fachpersonal sowie mehr Sozialarbeit entlastet werden und "attraktive fixe Arbeitsplätze" bekommen. Für Schüler würde das Modell kürzere Sommerferien (sieben Wochen) und dafür Herbstferien bringen. Sie sollen außerdem bis zu 14 Tage individuell Urlaub beantragen können und ihre Lehrer per Feedbackbogen bewerten.

Ganztägige Schule soll zwar nicht verpflichtend, aber zumindest flächendeckend vorhanden sein. Das Modell sieht vor, dass es vor und nach der Kernarbeitszeit von neun bis 15 Uhr Sport- und Spielangebote und Freifächer geben soll. Die Gesamtschule wird zwar nicht explizit empfohlen, die Experten lassen aber Sympathien dafür erkennen.

Zweisprachiger Unterricht und Ethik für alle
Schon ab der 1. Klasse Volksschule soll es verpflichtend bilingualen Unterricht geben. Die an die Volksschule anschließende Sekundarstufe I würde auf fünf Jahre verlängert und mit einer "Mittleren Reife" abschließen. Die Schulpflicht soll erst enden, wenn dieses Ziel erreicht ist. Danach sollen die Schüler sich spezialisieren, weniger Pflichtfächer besuchen und Wahlfächer von Computeranimation bis Kochen wählen können. Ethik soll für jeden Schüler - unabhängig vom Religionsunterricht - Pflicht sein. Außerdem sieht das Konzept eine tägliche Sportstunde vor.

Die Schule der Zukunft muss aus Sicht der Arbeitsgruppe autonom sein: Sie brauche ausreichend Budget und Sachmittel, das nötige Geld soll durch effizientere Verwaltungsstrukturen freigespielt werden. Direktoren sollen auf Zeit bestellt werden und sich ihre Lehrer selbst aussuchen. Wie und was unterrichtet wird, soll von den Lehrern gewählt werden, allerdings müssen die Schüler zentral vorgegebene Bildungsziele erreichen.

Unis: Studiengebühren und Drittmittel

Bei der Universitätsfinanzierung setzen die Experten auf Studiengebühren und mehr Drittmittel. Im Hochschulbereich soll die Berufsausbildung künftig stärker abgebildet sein, indem mit "Berufsakademien" ein neuer, privat finanzierter Hochschultyp für wissenschaftlich fundierte Berufsaus- und Weiterbildung geschaffen wird.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Montag, 24. September 2012

2012.09.24 - Mittagsjournal: Bildung

 

- 24. September 2012

 

Mittagsjournal

 

http://oe1.orf.at/artikel/318171

 

 

Androsch: Erbost über Eiertanz in der Bildungspolitik

Die gemeinsame Schule der 10 bis 14-jährigen ist das bedingungslose Ziel der SPÖ in der kommenden Legislaturperiode, aber bedingungslos heißt nicht, dass es Koalitionsbedingung sei, so Klubobmann Josef Cap im Journal zu Gast. Hannes Androsch, Initiator des Bildungsvolksbegehrens, ist erbost über die neuerliche Unentschlossenheit seiner Partei.

Stefan Kappacher

Bildungsziele für Regierungsprogramm

Im bildungspolitischen Leitantrag an den SPÖ-Bundesparteiag werden die SPÖ-Verantwortlichen dazu aufgefordert, anlässlich eventueller Koalitionsverhandlungen mehrere bildungspolitische Ziele und Forderungen wörtlich "unabdingbar" in ein neues Regierungsprogramm aufzunehmen. Darunter die Gemeinsame Schule (wie das uralter SPÖ-Ziel der Gesamtschule in dem Antrag genannt wird) der 10- bis 14-Jährigen, die bis spätestens 2018 verwirklicht sein soll.

Bedingung oder doch nicht?

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter sagte am Freitag, dass der entsprechende Parteitags-Beschluss natürlich bindend sein werde: "Nach den nächsten Nationalratswahlen muss allen, mit denen wir verhandeln, klar sein, dass das eine entscheidende Bedingung ist für die österreichische Sozialdemokratie", so Kräuter. Doch schon 24 Stunden später ruderte SPÖ-Klubobmann Josef Cap im Samstag-Mittagsjournal wieder zurück: "Die gemeinsame Schule der 10 bis 14-jährigen ist für uns ein ganz harter, ganz wichtiger Punkt. Aber wir haben den Grundsatz, dass wir keine Bedingungen stellen." Also doch nicht so unabdingbar, wie das im Leitantrag formuliert ist.

Androschs Appell an SPÖ

Hannes Androsch vom Bildungsvolksbegehren hat schon vor Wochen an die SPÖ appelliert, die Forderungen des Bildungsvolksbegehrens - und damit auch die gemeinsame Schule - zur Koalitionsbedingung zu erheben. Den aktuellen Eiertanz seiner Partei in dieser Frage sieht Androsch denn auch mit großem Unbehagen: "Die SPÖ hat auch im Ausschuss zu sehr Koalitionsrücksichten geübt. Und die ÖVP musste irgendwelchen außerparlamentarischen Kräften gehorchen mit dem Hinweis, man muss auf die bestehenden Machtstrukturen Bedacht nehmen. Das ist unbefriedigend." Androsch erwartet am SPÖ-Parteitag Beschlüsse nicht nur zu gemeinsamen Schule sondern auch zu allen anstehenden Bildungsfragen, schließlich sei die Arbeiterbewegung unter anderem als Bildungsbewegung entstanden, so Androsch.

Genug Rücksicht genommen

Androschs Botschaft an seine Parteifreunde, die ihn schon beim Bildungsvolksbegehren - wie er meint - im Stich gelassen haben: Ihr habt schon genug Rücksicht auf die Koalition genommen, das müsst ihr jetzt nicht auch noch vorauseilend tun.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
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2012.09.24: Unterricht

OTS0106 WI, II 24.09.2012 11:23:51

 

ÖGJ: Kaum möglich, eine drei- oder vierjährige Lehre in einem einzigen Jahr nachzuholen

Utl.: Statt Express-Lehre zu erfinden, sollte die Wirtschaft Jugendliche mit BHS-Abschluss ordentlich einstufen und bezahlen

Arbeitsmarkt/Bildung/ÖGB/Wirtschaftskammer

"In einem einzigen Jahr eine Lehre nachholen, die sonst drei oder vier Jahre dauert - das werden nur die wenigsten Jugendlichen schaffen", sieht ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr den Vorstoß von WKÖ-Präsidenten Christoph Leitl für eine "Expresslehre" äußerst kritisch: "Es ist verantwortungslos, den AHS-MaturantInnen einzureden, dass ein Lehrabschluss eine leicht zu holende Zusatzqualifikation ist, die man schnell an die Matura anhängt."

Auch besteht die Gefahr, dass die AHS-AbsolventInnen erst im Laufe des Express-Lehrjahres draufkommen, dass sie in dieser Zeit unmöglich eine ganze Lehre mitsamt allem nötigen theoretischen Wissen und den praktischen Erfahrungen nachholen können. "Dann haben sie selbst nichts davon, aber die Wirtschaft hat ein Jahr lang eine billige Hilfskraft gehabt", befürchtet Michlmayr. Auf der anderen Seite dürfe die Lehrabschlussprüfung den Maturanten mit Express-Lehrjahr nicht leichter gemacht werden als jenen Jugendlichen, die eine reguläre Lehre absolviert haben. "Das wäre unfairer Wettbewerb", so Michlmayr.

Wichtiger als Leitls Express-Experiment wäre es, wenn die Wirtschaft gut ausgebildete MaturantInnen mit Berufsabschluss, nämlich jene aus den Berufsbildenden Höheren Schulen, endlich auch ordentlich als Fachkräfte einstufen und bezahlen würde. "Die Praxis zeigt aber das Gegenteil: Sie werden nur als Lehrlinge eingestuft und mit der Lehrlingsentschädigung abgespeist."

Rückfragehinweis:
ÖGB Kommunikation
Florian Kräftner
(01)53 444-39 264
0664 301 60 96
florian.kraeftner@oegb.at
www.oegb.at


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OTS0079 WI, II 24.09.2012 10:41:43

 

GPA-djp-Jugend erteilt Leitl-Vorstoß zu Lehrausbildung klare Absage

Utl.: Statt billige Arbeitskräfte für die Wirtschaft Gleichbehandlung des BMHS-Abschlusses

Arbeitsmarkt/Bildung/Gewerkschaften/Jugend/Wirtschaftskammer

Die GPA-djp Jugend erteilt dem Vorstoß von WKÖ-Präsident Christoph Leitl, Maturanten mit einem so genannten Praxisjahr einen Lehrabschluss anzubieten, eine klare Absage. "Der Wirtschaft geht es dabei nicht um eine sinnvolle Reform der Lehrausbildung, sondern um das billige zur Verfügung stellen von gut ausgebildeten jungen Menschen für die Wirtschaft", so der Bundesjugendsekretär der GPA-djp Helmut Gotthartsleitner.++++

"Die Wirtschaft sollte lieber jenen Jugendlichen eine Perspektive bieten, die nach dem Pflichtschulabschluss keinen Lehrplatz finden und so in die überbetriebliche Ausbildung gedrängt werden", erklärt Gotthartsleitner. Die GPA-djp Jugend fordert schon seit geraumer Zeit die Anerkennung eines Abschlusses von Berufsbildenden Mittleren oder Höheren Schulen (BMHS) als Lehrabschluss. Tausende AbsolventInnen drängen jährlich auf den Arbeitsmarkt, um als Angestellte/r oder FacharbeiterIn ins Berufsleben einzusteigen. Oft gibt es aber anstelle eines Arbeitsvertrags einen Lehrvertrag. Das führt dazu, dass immer mehr BMHS-AbsolventInnen in eine Lehre gedrängt werden, wodurch wertvolle Lehrplätze - die an anderer Stelle dringend benötigt werden - verloren gehen und die Betroffenen zudem massive Gehaltseinbußen erleiden.

"Qualifizierte junge Arbeitskräfte erhält die Wirtschaft nicht durch Lohndumping, sondern durch Anerkennung erworbener Qualifizierungen und das ausreichende zur Verfügung Stellen von Ausbildungsplätzen durch die Wirtschaft", so Gotthartsleitner.

Rückfragehinweis:
GPA-djp Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Martin Panholzer
Tel.: 05 0301-21511
Mobil: 05 0301-61511
E-Mail: martin.panholzer@gpa-djp.at


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APA0144 II, XI, WI 23.09.2012 12:39:14

 

Leitl: Lehrabschluss für Maturanten nach Intensiv-Praxisjahr

Utl.: WKO-Präsident will damit Fachkräftemangel entgegenwirken - Kurz für Bildungspflicht bis zum Hauptschulabschluss

Schulen/Universitäten/Leitl/Lehrlinge/Kurz

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl will dem Fachkräftemangel durch ein neues, erweitertes Modell der Lehrlingsausbildung entgegenwirken: Maturanten sollen ein einjähriges, intensives Praxisjahr absolvieren können und so zu einem Lehrabschluss kommen, schlägt Leitl in der neuen, am Montag erscheinenden Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend" vor. Wenn man praktisch veranlagten Maturanten einen alternativen Ausbildungsgang zum Studium anbiete, könnten dadurch auch die Universitäten entlastet werden, glaubt Leitl.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (V) fordert am Sonntag in der Tageszeitung "Österreich" eine Bildungspflicht bis zum Hauptschulabschluss einzuführen. Derzeit reiche es, neun Jahre die Schulpflicht abzusitzen, künftig sollen Jugendliche "verpflichtend bis zum Hauptschulabschluss in der Schule bleiben müssen, um eine Chance am Arbeitsmarkt zu erhalten". Er schränkt allerdings ein, dass diese Pflicht nur bis zum 18. Lebensjahr gehen soll.

Ähnlich die Forderung des Wiener Genetikers Markus Hengstschläger, Leiter einer von VP-Chef Michael Spindelegger eingesetzten Expertengruppe für Bildung, im "Kurier" (Sonntag-Ausgabe): Auch für ihn sollte man die Schulpflicht nicht nach neun Jahren erfüllt haben, sondern nur nach "Abschluss der Mittleren Reife, egal, wie lange man dafür braucht". Sowohl Kurz als auch Hengstschläger argumentieren damit, dass kein Jugendlicher künftig die Schule verlassen soll, ohne schreiben, lesen und rechnen zu können.

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
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Sonntag, 23. September 2012

2012.09.24: Unterricht

 

Die Presse – 24. September 2012

 

Budget, Lehrer, Eherecht: Was die Koalition noch vorhat

KARL ETTINGER

Die Regierung möchte vor der Wahl 2013 ihre Arbeitsbilanz auffetten. Aus manch großer Reform – etwa jener des Bundesstaates – wird zwar nichts mehr werden, aber ein paar Projekte hat die Koalition noch nicht aufgegeben.

Wien. Das Getöse um den parlamentarischen Korruptionsuntersuchungsausschuss und sein vorzeitiges Ende mit 16.Oktober hat zuletzt alles andere übertönt. Dennoch nehmen SPÖ und ÖVP trotz massiven gegenseitigen Misstrauens und Wahlkampfstimmung noch einen Anlauf, auf ihrem Arbeitskalender den einen oder anderen Punkt abzuhaken. So wollen sie die Bilanz vor der Nationalratswahl 2013 aufpolieren. Dazu soll Anfang November eine weitere Regierungsklausur dienen.

Aus manch großer Reform – etwa jener des Bundesstaates – wird zwar nichts mehr werden. Aber bei ein paar Projekten haben SPÖ und ÖVP noch nicht aufgegeben. Generell soll angesichts gedämpfter Konjunkturaussichten einmal mehr signalisiert werden, dass die Regierung sich besonders um Impulse für Wirtschafts- und Arbeitsplätze kümmert.
•Budget 2013: Das nächstjährige Budget zählt mittlerweile zu den einfacheren Aufgaben. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) wird dem Parlament am 16.Oktober in ihrer zweiten Budgetrede den Voranschlag für 2013 vorlegen. Größere Probleme werden dabei nicht erwartet, denn die Regierung hat mit dem Spar- und Steuerpaket im Frühjahr einen Finanzpfad bis 2016 festgelegt. Geringere Steuereinnahmen als prognostiziert sollen durch Mehreinnahmen etwa bei der Lohnsteuer kompensiert werden.

•Nulllohnrunde: Ein wichtiger Punkt betrifft die Nulllohnrunde für den Bundesdienst im Jahr 2013 und die Pensionsanpassung im Schnitt um 1,8Prozent. Beides ist grundsätzlich unter Dach und Fach. Bei den Pensionisten geht es in den Verhandlungen noch darum, wie die soziale Staffelung der Erhöhung ausschaut, damit der Abschluss zumindest eine Teuerungsabgeltung für Bezieher niedriger Pensionen bringt, und mit welcher Anhebung sich Bezieher höherer Pensionen zufriedengeben müssen.

•Lehrerdienstrecht: Wesentlich schwieriger wird es für die Regierung, die Neuregelung des Dienstrechts samt höherer Einstiegsgehälter für Jungpädagogen und längerer Anwesenheit in der Schule für künftige Lehrer abzuschließen. Die beiden SPÖ-Ministerinnen Claudia Schmied (Unterricht) und Gabriele Heinisch-Hosek (öffentlicher Dienst) haben deutlich gemacht, dass sie bis Frühjahr eine Entscheidung wollen, damit die Änderung ab dem Schuljahr 2013/14 gelten kann. Diese Woche stehen weitere Verhandlungen an. Ob tatsächlich eine Einigung gelingt, ist aber fraglich. Denn der Verhandlungsführer der Lehrergewerkschaft, Paul Kimberger, hat klargestellt, er wolle sich nicht von der Regierung erpressen lassen. Wesentlich ist auch, wie sehr in der Regierung die ÖVP bei einer Lösung mit an einem Strang zieht.

•Familienrecht: Das gilt auch bei der künftigen Regelung des Familienrechts sowie bei der Frage der Obsorge der Eltern auch im Scheidungsfall. Erklärtes Ziel von Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) ist das Schnüren eines Familienrechtspakets noch im Herbst. Völlig offen ist aber, wie umfangreich es ausfällt. Denn möglich ist auch, dass die Regierung nur eine Teillösung für die Obsorge lediger Väter vereinbart. Denn in diesem Punkt läuft die Frist des Höchstgerichts am 1.Februar 2013 aus: Bei Nichteinigung auf mehr Rechte für uneheliche Väter würde das bisherige Gesetz fallen, so würden selbst Rabenväter ein Sorgerecht erhalten.

•Invaliditätspension: Im Pensionssystem hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) noch eine Neuregelung bei den Invaliditätspensionen (Motto: Rehabilitation statt krankheitsbedingter Frühpension) vor der Wahl auf dem Plan. Ein Gesetzesentwurf war bereits in Begutachtung. Dieser soll im Herbst in den Ministerrat und dann ins Parlament kommen, die Änderungen würden ab 2014 gelten.

•Pflegefinanzierung: Auch bei der Pflege ist der Sozialminister bis Jahresende gefordert. Bis dahin muss er Vorschläge für die längerfristige Finanzierung und künftige Struktur unterbreiten. Tatsächliche neue Weichenstellungen werden aber jedenfalls Aufgabe der künftigen Regierung sein, bis 2016 gibt es derzeit eine Übergangslösung.

•Gesundheitsreform: Seit Frühsommer gibt es zwar eine Grundsatzeinigung zwischen Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), Ländern und Sozialversicherung (gemeinsame Steuerung für Spitäler und niedergelassene Ärzte, Vorgaben vom Minister). Jedoch müssen Details erst geklärt werden, und danach braucht es noch die dafür notwendigen Gesetzesbeschlüsse in Parlament und Landtagen.

•Elektronische Gesundheitsakte: Höchste Eisenbahn ist es, wenn Minister Stöger die von ihm angestrebte und von der Ärztekammer ebenso heftig bekämpfte Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) noch vor der Wahl in die Wege leiten will. Parteiengespräche zwischen SPÖ und ÖVP sind erst im Anlaufen, bis Jahresende müsste für eine Umsetzung Klarheit herrschen.

 

 

Die Presse – 24. September 2012

 

U-Ausschuss, Heer: Woran es sich in der Regierung spießt

REGINA PÖLL 

Wien. Noch bis Herbst 2013 soll die rot-schwarze Koalition regieren. Doch immer deutlicher werden die (ideologischen) Bruchstellen zwischen SPÖ und ÖVP:
•U-Ausschuss: Offiziell noch an einem Strang zieht man im Korruptions-U-Ausschuss. Die ÖVP erklärt mit „Koalitionsfrieden“, dass sie nicht auch, so wie die Opposition, auf eine Ladung von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) ins Parlament gedrängt hat. Hinter den Kulissen heißt es, die SPÖ habe für den Fall des „Überstimmens“ mit dem Ende der Koalition gedroht.
•Heer: Nach umgekehrten Verhältnissen in den Vorjahren fordert die SPÖ nun ein Berufsheer und ein bezahltes freiwilliges Sozialjahr, die ÖVP will die allgemeine Wehrpflicht und den Zivildienst beibehalten. Entscheiden soll das Volk in einer Befragung am 20. Jänner, nachdem in der Regierung die Wogen darüber hochgegangen sind.
•Gesamtschule:
Die SPÖ hat eine gemeinsame Schule bis 14 Jahre auch schon eine „Koalitionsbedingung“ ab 2013 genannt, Klubchef Josef Cap wiegelte gestern im ORF-Fernsehen ab. Die ÖVP lehnt eine Gesamtschule weiter ab, sie besteht auf einer AHS-Unterstufe neben Haupt- und Neuer Mittelschule.
•Studiengebühren: Die ÖVP will Gebühren wieder einführen, um die Finanzen der Universitäten zu entspannen und den Zugang (indirekt) zu regeln. Die SPÖ ist dagegen, auch wenn Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ein Modell aus Uni-Gebühren und mehr Stipendien vorgeschlagen hat.

Das Koalitionsklima ist also getrübt, eine baldige Neuwahl dennoch unwahrscheinlich. Sowohl SPÖ als auch ÖVP wissen, dass sie ab 2013 erneut aufeinander angewiesen sein könnten. Derzeit halten sie in Umfragen nicht einmal die Mehrheit, die sie nun mit einigen Projekten (s. oben) wiedergewinnen wollen. STREIT UM JUSTIZ, S. 3

 

 

Die Presse – 24. September 2012

 

Wie Sprachförderung anderswo funktioniert

Von persönlichen Förderkonzepten in Kanada über integrativen Unterricht in England bis zum Recht auf erstsprachlichen Unterricht in Schweden - wie Kinder mit Migrationshintergrund gefördert werden.

Wer vor dem Schuleintritt nicht gut genug Deutsch spricht, soll nicht eingeschult werden. Das forderte vergangene Woche Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP). Er will, dass Kinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen in eigenen Vorschulklassen zusammengelegt werden. Die Reaktionen reichen von Zustimmung bis zu klaren Absagen an vermutete „Ghettoklassen“. „Die Presse“ richtet den Blick auf andere Länder – und hat sich angesehen, wie Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund anderswo (nicht) funktioniert.

In den Niederlanden müssen Kinder im Alter von sechs Jahren an fast allen Schulen einen Sprachtest absolvieren, auch ihre sozialen Fähigkeiten werden abgeprüft. Wer Schwächen hat, muss in ein Förderprogramm mit eigens ausgebildeten Lehrkräften.

Da der Übergang vom Kindergarten in die Schule in den Niederlanden aufgrund der Schulautonomie meist fließend ist, setzt man schon früher an: Bereits für die Jüngsten wurden spezielle Lehrprogramme entwickelt. Aber nicht alle Niederländer sind mit dieser intensiven Förderung zufrieden: So mancher ist der Meinung, dass der Staat in jene öffentlichen Schulen, die einen hohen Migrantenanteil aufweisen, zu viele Mittel steckt. htz

England: Integrativer Unterricht mit Sprachlehrern

In Großbritannien hat sich die Zahl der Schüler, deren Erstsprache nicht Englisch ist, seit 1997 auf über eine Million verdoppelt – mit großen regionalen Unterschieden: In einigen Bezirken in Ostlondon haben 70 Prozent Migrationshintergrund und sprechen insgesamt mehr als 300 verschiedene Sprachen. Bildung ist in Großbritannien Ländersache: In England, wo jedes 6. Grundschulkind Englisch zusätzlich lernen muss (in den übrigen Landesteilen sind es deutlich weniger), setzt die Regierung auf Integration. Grundschüler werden unabhängig von ihren Kenntnissen gemeinsam unterrichtet. Dafür gibt es in vielen Klassen einen zusätzlichen Sprachlehrer, der oft selbst eine andere Muttersprache hat.

Doch die Sprachförderung beginnt lange bevor die Kinder im September nach ihrem 4. Geburtstag in die „Reception“ eingeschult werden, einer Art Pflicht-Vorschulklasse. Wie genau Sprachförderung gestaltet wird, bleibt den einzelnen Grundschulen überlassen, die in England ihre eigenen Etats verwalten und selbstständig Lehrkräfte einstellen. jk

Frankreich: Verschiedene Sonderklassen vor der Schule

Jährlich treten in Frankreich mehr als 35.000 Kinder ins Schulalter ein, die nicht Französisch als Erstsprache haben. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Schulkinder macht somit gerade einmal 0,4 Prozent aus. Nach einem Test der Französisch-Kenntnisse werden neu ankommende Kinder und Jugendliche ihrem Sprachniveau entsprechend eingeschult. Für Schüler, die überhaupt nicht französisch sprechen, existieren verschiedene Formen von Sonderklassen – „Classes d'accueil“ (CLA). Der Zweck der CLA ist es, so rasch wie möglich den Eintritt in eine normale Klasse der Mittelstufe (Collège) zu ermöglichen. Für Schüler, die nicht zu Beginn, sondern erst im Verlauf des Schuljahrs ankommen, ist außerdem ein zusätzliches Aufnahmesystem, die „Classe d'initiation“, vorgesehen.

Insgesamt kommen laut Erziehungsministerium 78,7 Prozent der Kinder, deren Erstsprache nicht Französisch ist, in den Genuss spezieller Sprachkurse – sei es in speziellen Klassen oder durch punktuelle Unterstützung. In der gemeinsamen Mittelstufe und in den Berufsmittelschulen werden 91 Prozent der Nicht-Frankofonen beim Erlernen der französischen Sprache unterstützt. Die Schule zählt in Frankreich zu den wichtigsten Integrationsinstrumenten der Republik. r.b.

Deutschland: Die „Kita“ als zentrale Förderstätte

Als die deutschen Schüler bei der PISA-Studie 2001 nur im unteren Mittelfeld landeten, war eine der Ableitungen, dass Kinder mit Migrationshintergrund gut Deutsch lernen müssen, um die gleichen Startchancen zu haben. Dabei war der Ansatz, dass Defizite schon im Kindergarten, der „Kita“, erkannt werden müssten. Also führten fast alle Bundesländer obligate Sprachtests vor dem letzten „Kita“-Jahr ein. Nicht alle werden erfasst, denn eine Pflicht zum Kindergartenbesuch ist durch das Grundgesetz ausgeschlossen. Immerhin 15 Prozent der Migrantenkinder zwischen drei und fünf Jahren bleiben zuhause. Wer eine „Kita“ besucht und beim Kurs schlecht abschneidet, wird gezielt gefördert. Evaluierungen zeigten allerdings, dass die Extrastunden Deutsch fast nichts bringen. Nun gibt es Bestrebungen, die Förderung auszudehnen; idealerweise sollte sie schon im Alter von drei Jahren starten. gau

Schweden: Recht auf erstsprachlichen Unterricht

In Schweden geht ein Großteil der Kinder bereits ab dem zweiten Lebensjahr in den Kindergarten. Für jene, die ein geringes Einkommen haben, ist er gratis. So können Kinder, die den Kindergarten besuchen, beim Schulbeginn zumeist ausreichend Schwedisch. Ist dem nicht so, besuchen sie so lange eine Vorbereitungsklasse, bis sie sich im Regelunterricht zurechtfinden. Ab diesem Moment werden sie in allen Fächern gemeinsam mit dem anderen Kindern unterrichtet. Mit einer wichtigen Ausnahme: Statt „Schwedisch“ belegen sie „Schwedisch als Zweitsprache“ – mit eigens ausgebildeten Lehrern. Zusätzlich haben alle Kinder mit einer anderen Erstsprache als Schwedisch das Recht auf Unterricht in ihrer Sprache. thea

Kanada: Persönliches Förderkonzept für einzelne Schüler

In Kanada verfolgen die einzelnen Provinzen unterschiedliche Modelle. In Toronto, der größten Stadt Kanadas und Hauptstadt der Provinz Ontario, existiert ein im Kindergarten startendes strukturiertes Konzept der Förderung von „Englisch als Zweitsprache“ – das sich bis zur 12. Klasse durchzieht.

Vor dem Schuleintritt findet ein „Reception Center“ statt. Bis zu vier Tage lang werden Kinder, deren Erstsprache nicht Englisch ist, in spielerischen Situationen beobachtet und getestet. Die Ergebnisse werden den Schulen zur Verfügung gestellt, für jeden Schüler wird ein auf ihn zugeschnittenes Förderprogramm entwickelt – das immer wieder durch Tests auf seinen Erfolg überprüft und notfalls korrigiert wird. Basierend auf den ermittelten Sprachniveaus erhalten die Schulen Mittel für die Einstellung von zusätzlichen Lehrern.

 

 

Die Presse – 24. September 2012

 

Gesamtschule: Unbegründete Angst vor Nivellierung nach unten?

JULIA NEUHAUSER

Eine deutsche Studie vergleicht Berliner Gesamtschulen mit dem differenzierten Schulsystem in Hamburg. Zumindest im Fach Deutsch zeigt sich, dass sowohl schwache als auch leistungsstarke Schüler profitieren.

Berlin. Dass die Einführung der Gesamtschule positive Auswirkung auf die Leistung schwächerer Schüler hat, gilt als nahezu unumstritten. Immerhin könnten sie von den begabteren Schülern lernen. Umgekehrt ist die Angst groß, dass die besseren Schüler auf der Strecke bleiben. Kritiker der Gesamtschule warnen deshalb vor einer „Nivellierung nach unten“. Diese Angst ist (großteils) unbegründet – das besagt zumindest eine aktuelle Studie aus Deutschland.

Erstmals wurden die Leistungen der Gesamtschulen unter die Lupe genommen. Die Hamburger Erziehungswissenschaftler Johannes Bastian und Ulrich Vieluf verglichen dabei 13 Berliner Gesamtschulen mit Schulen Hamburg, wo es ein differenziertes Schulsystem gibt. In der siebten sowie in der neunten Schulstufe wurde der Wissensstand der Schüler erhoben. Um sinnvolle Vergleiche anstellen zu können, wurden die Schulen je nach sozialer Zusammensetzung in drei Gruppen unterteilt.

In der ersten Gruppe wurden etwa Schulen miteinander verglichen, die von vielen Jugendlichen mit nicht deutscher Muttersprache und verhältnismäßig weniger gut ausgebildeten Eltern besucht werden. Die dritte Gruppe bildeten Schulen mit einem niedrigen Anteil an Jugendlichen mit nicht deutscher Muttersprache und einem vergleichsweise hohen Anteil an Eltern mit Hochschulreife. Gruppe zwei lag dazwischen.

Das Ergebnis: Zumindest im Unterrichtsfach Deutsch nutzt der gemeinsame Unterricht nicht nur den Schwächern. Auch die leistungsstarken Schüler profitieren. Im Bereich Leseverständnis erzielen die Berliner Gesamtschüler deutlich höhere Leistungszuwächse. Und das in allen drei genannten Gruppen. Ein ähnliches Bild zeigt sich, was die Verbesserung der Rechtschreibung betrifft. Auch hier erzielen die Gesamtschulen laut Studie „beachtliche Fördererfolge“. In allen drei Schulgruppen liegt der mittlere Lernzuwachs der Schüler höher als bei den Hamburger Vergleichsschulen.

Die getesteten Berliner Gesamtschulen dürften die Förderung von Deutschkenntnissen zu einem ihrer Schwerpunkte gemacht haben. Dass besonders auch die leistungsstarken Schüler profitierten, lässt auf eine starke innere Differenzierung schließen.

Englisch: Geringere Lernzuwächse

Weniger deutlich fallen die Ergebnisse in den Bereichen Mathematik, Englisch und Naturwissenschaften aus. Im Bereich Englisch erzielen die Gesamtschulen etwas geringere Lernzuwächse als die Hamburger Vergleichsschulen. Die Wissenschaftler kommen aber zu dem Schluss, dass das vor allem auf die Unterschiede im Lehrplan zurückzuführen ist.

Was den Mathematikunterricht betrifft, erzielen die Gesamtschulen in der Vergleichsgruppe drei (niedriger Anteil nicht deutscher Muttersprache, gebildetes Elternhaus) einen ebenso hohen Lernzuwachs wie die Hamburger Vergleichsgruppe. Der Fördererfolg in den Gruppen eins und zwei ist an der Gesamtschule etwas geringer als an den Hamburger Schulen.

 

 

SN – 24. September 2012

Schwieriges Dienstrecht

Verhandlungen über neues Lehrerdienstrecht ziehen sich

WIEN (SN-par). Noch will keine Seite von Scheitern sprechen, weder Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) noch die Lehrergewerkschaft. „Ich werde der Letzte sein, der vom Verhandlungstisch aufsteht. Wir brauchen ein modernes, attraktives und zukunftsorientiertes Lehrerdienstrecht für junge Lehrer“, betont der Chefverhandler der Gewerkschaft, Paul Kimberger, im SN-Gespräch. Auch die Ministerin erklärte kürzlich, dass ein neues Lehrerdienstrecht „Herzstück der Bildungsreform ist. Entscheidend ist, dass wir es noch in dieser Legislaturperiode umsetzen.“

Einzig die Unabhängigen Gewerkschafter im öffentlichen Dienst, die Opposition in der Gewerkschaft, zweifeln an einer Einigung bis Herbst 2013. „Es wird alles beim Alten bleiben, vielleicht ein bisschen Kosmetik“, sagt deren Vorsitzender Reinhart Sellner.

Die Uhr tickt jedenfalls. Seit der Vorschlag der Regierung auf dem Tisch liegt – einheitliches Einstiegsgehalt (2420 Euro brutto) für alle Lehrer mit Zulagen für die AHS und die Sekundarstufe II, weniger Gehaltsvorrückungen und höhere Unterrichtsverpflichtung (24 Stunden) –, ist so gut wie nichts weitergegangen. Die Gewerkschaft gibt Schmied die Schuld daran, weil sie versprochene Nachbesserungen nicht nachgereicht habe, etwa wie Lehrer durch Unterstützungspersonal entlastet werden könnten. Allerdings müsste auch die Gewerkschaft wissen, dass Schmied das ohne Unterstützung der ÖVP nicht liefern kann. Dazu müsste Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) mehr Geld für das Unterrichtsressort zur Verfügung stellen, um das Gehalt für die nach Angaben der Gewerkschaft mindestens 14.000 notwendigen Sozialarbeiter, Schulpsychologen und Schreibkräfte zu bezahlen.

Schmied pocht daher auf die Mitwirkung der ÖVP und Verhandlungen auf Regierungsebene. In Wirklichkeit geht es nicht mehr nur um eine Einigung zwischen ihr und den Lehrern, sondern um eine zwischen SPÖ und ÖVP. Das gibt Lehrerchefverhandler Paul Kimberger auch zu. „Es kommt jetzt auf die Dienstgeberseite an. Sie muss entscheiden, was ihr die Verantwortung für die Zukunft der Kinder wert ist“, sagt er.

Kimberger kritisiert die „Unprofessionalität“, mit der Schmied in die Verhandlungen gegangen sei. „Es wäre viel mehr weitergegangen, hätte Schmied von Anfang an alle Beteiligten ins Boot geholt.“ Kimberger kann es im Grunde egal sein, ob die Dienstrechtsverhandlungen scheitern oder nicht. Sie drehen sich nur um die zukünftigen Lehrer.

Für Schmied dagegen sind die Verhandlungen die Bewährungsprobe als Ministerin. Österreichs Schulen brauchen dringend Lehrer. Schmied hatte schon 2009 einmal erfolglos versucht, eine höhere Unterrichtsverpflichtung für alle Lehrer durchzuboxen. Vergeblich.

 

 

Österreich – 24. September 2012

 

Kurz will Schulpflicht-Reform 

"Schulabschluss für alle"

280.000 ohne Hauptschul-Abschluss.

Wien. Unterstützung für Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) von Gen-Forscher Markus Hengstschläger: „Die Schulpflicht sollte erst nach Abschluss der Mittleren Reife erfüllt sein.“ Im ÖSTERREICH-Interview hatte Kurz „Bildungs- statt Schulpflicht“ gefordert.

Das Problem: Derzeit sieht die Schulpflicht nur vor, dass jeder neun Schuljahre absolviert, egal, ob man im letzten Jahr ein oder mehrere „Nicht genügend“ hat oder eine Klasse wiederholen musste.

Grüner Walser: „ÖVP lenkt nur von Gesamtschule ab“
Die Folge: Jährlich brechen 3.500 bis 5.000 Schüler die Schule ab, ohne auch nur einen Hauptschulabschluss zu haben. 280.000 Österreicher zwischen 15 und 64 Jahren haben keinen Abschluss, viele können nicht einmal richtig ­lesen. Kurz: „Künftig soll jeder bis zum Hauptschulabschluss in der Schule bleiben. Das würde bis zum 18. Lebensjahr gehen.“

Der grüne Bildungssprecher Harald Walser kritisiert Kurz’ Vorstoß als „Ablenkungsmanöver“. Die ÖVP blockiere seit Jahren Reformen. „Die gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr wird von allen Experten als Lösung gesehen“, so Walser. Auch die SPÖ steuert Richtung Gesamtschule: sie soll ins nächste Koalitionsabkommen.

 

 

"Der Standard" vom 24.09.2012                                Seite: 8

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Von den häufigsten Sprachen der neuen Österreicher

 

Studie des Integrationsfonds - Staatssekretär Kurz für Deutschkönnen als Voraussetzung beim Schulstart

 

   Wien - Der österreichische Integrationsfonds (ÖIF) hat sich in einem am Sonntag veröffentlichten Dossier mit jenen Sprachen befasst, die Migranten nach Österreich gebracht und so auch zu österreichischen Sprachen gemacht haben. Wie spricht Österreich? heißt die Studie der Sprachwissenschafterin Edith Vasilyev.

 

   Darin beschreibt sie die häufigsten Migrantensprachen, wobei sie auch der Frage der gegenseitigen Verständlichkeit nachgeht, etwa der sogenannten BKS-Sprache Ex-Jugoslawiens, die einst verschiedene Dialekte des Serbokroatischen waren. Aus politischen Gründen entstanden daraus dann Bosnisch, Serbisch und Kroatisch.

 

   Migranten aus Ex-Jugoslawien stellen mit mehr als 430.000 Menschen die größte Zuwanderergruppe. Diese Zahl sagt freilich nichts über die sprachliche Zugehörigkeit. Kosovaren mögen statistisch Serben sein, sprachlich aber Albaner. Nämliches gilt für die drittgrößte Migrantengruppe (die zweitgrößte spricht Deutsch). Viele der 180.000 Türken sind Kurden. Türkisch ist die Zweit-, Kurdisch die Muttersprache.

 

   Die Autorin beschreibt auch die drei grundlegenden Sprachfamilien: Flektierer, Isolierer, Agglutinierer. Flextierend (indogermanisch) reden etwa die Russen, allerdings nicht die unter „Russen“ subsumierten Tschetschenen, die agglutinieren wie die Türken. Auch Isolierer leben in Österreich: rund 15.000 Chinesen.

 

   Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz (ÖVP) erneuerte am Sonntag seine Forderung nach Deutschunterricht für Migrantenkinder vor Schuleintritt. Diese Kenntnisse sollten Voraussetzung für den Schulstart sein. (wei)

 

    Kommentar der anderen Seite 21

 

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"Der Standard" vom 24.09.2012                               Seite: 21

 

Alexander Pollak

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Sebastian Kurz, ein Integrationspopulist

 

Der Vorschlag des Staatssekretärs für Sprachsonderschulen zum Deutschlernen wäre genau der falsche Weg

 

   Auf seiner Facebook-Seite fasst sich Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz nur ganz knapp: „Über Bildungserfolg entscheidet zu oft die Herkunft und nicht Talent. Bin für Chancengleichheit: Daher Deutsch vor Schuleintritt.“ Fast 150 Personen haben auf „Gefällt mir“ geklickt. Talente fördern und Chancengleichheit herstellen, das klingt gut. Doch das Facebook-Posting von Kurz hat einen Haken, es verkauft dem Publikum im sozialen Netzwerk Vorschläge, die auf das genaue Gegenteil von Chancengleichheit hinauslaufen.

 

   Kurz fordert, dass Kindern und Jugendlichen, solange sie nicht gut Deutsch können, der Eintritt in die Regelschule verweigert wird. Für die Betroffenen soll es Sprachsonderschulen bzw. -sonderklassen geben, in denen sie einem mehrmonatigen „Deutsch-Crashkurs“ unterzogen werden. Dabei wissen alle, die sich auch nur ein bisschen mit Sprachaneignung beschäftigt haben, dass Kinder am raschesten von anderen Kindern lernen. insbesondere wenn es um Spracherwerb geht.

 

   Kinder, die nicht Deutsch können, sollten daher so früh wie möglich in Kontakt mit Kindern gebracht werden, die gut Deutsch können. Die von Kurz vorgeschlagene Absonderung von Kindern, die nicht gut Deutsch sprechen, wäre genau der falsche Weg. Diesen Kindern würde damit die Möglichkeit genommen werden, sich intensiv mit deutschsprechenden Kindern auszutauschen.

 

   Darüber hinaus haben Sprachexperten schon vielfach auf einen weiteren Aspekt hingewiesen: Bei Kindern, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben, sind gute Erstsprachkenntnisse viel entscheidender für den Schulerfolg, als von Anfang an gute Deutschkenntnisse zu haben. Die alleinige politische Fokussierung auf Deutsch geht also an den tatsächlichen Förderbedürfnissen vieler Kinder vorbei.

 

   Warum aber stellt Kurz trotz Wissens um gegenteilige Expertenmeinungen Forderungen nach Sprachabsonderung auf? Und warum lässt er die große Bedeutung von Erstsprachkenntnissen unter den Tisch fallen? Kurz scheint der Verlockung zu erliegen, nach dem billigen Applaus all jener zu heischen, die in Migranten und nichtdeutschen Muttersprachen die Sündenböcke für die österreichische Bildungsmisere suchen. Kurz betätigt sich hier, nicht zum ersten Mal, als Integrationspopulist. Simplen Scheinlösungen wird der Vorrang vor echter politischer Gestaltung gegeben.

 

   Die Borniertheit von Teilen der ÖVP-Führung in Bildungsfragen ist der zweite Grund, warum Kurz mit falschen Vorschlägen an die Öffentlichkeit geht. Zwar beginnt sich auch in der ÖVP langsam der Gedanke durchzusetzen, dass eine breite Bildungsankurbelung nur dann in Gang gesetzt werden kann, wenn Kinder mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen in einem intelligenten Gesamtschulsystem zusammenkommen. Doch die Angst der ÖVP-Führung einzugestehen, jahrelang auf dem falschen Bildungsdampfer gewesen zu sein, wiegt noch immer schwerer als sachpolitische Vernunft.

 

   Das gilt auch für Kurz. Als Integrationsstaatsekretär müsste er sich eigentlich mit Herz und Seele für ein gemeinsames Kindergarten-und Schulsystem der Drei- bis 14-Jährigen mit integrierter Sprach-und Talenteförderung einsetzen. Stattdessen betreibt er ein widersprüchliches bildungspolitisches Forderungskarussell, dass nur einen gemeinsamen Nenner hat: Das bestehende, unzulängliche Schulsystem bleibt unangetastet.

 

   Über den Parteischatten

 

   Als jemand, der gerne über Leistung spricht, muss sich Kurz den Hinweis gefallen lassen, dass Integrationspopulismus mit Sicherheit keine Leistung und schon gar nicht der Schlüssel zu einer chancengerechten Gesellschaft ist. Wenn der Staatssekretär tatsächlich etwas für Chancengleichheit tun möchte, wie er auf Facebook behauptet, dann muss er endlich über den eigenen bildungspolitischen Parteischatten springen.

 

 

Bild: Alexander Pollak (SOS Mitmensch): bornierte ÖVP.

 

 

 

"Kurier" vom 24.09.2012                                    Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Wi, Abend, Bgld, Bgld/Nord, Länder, N.Ö., N.Ö./Mostviertel, N.Ö./Mitte, N.Ö./Industrieviertel, N.Ö/Weinviertel, Ti, Wi, Morgen

 

Geld für Eltern

 

Heftige Debatte um Mutter-Kind-Pass für mehr Bildung

 

Reform Positive Reaktionen auf die Vorschläge der Expertengruppe um Wissenschaftler Hengstschläger

 

   Soll es künftig einen finanziellen Anreiz geben, der sicherstellt, dass alle Kinder Deutsch können, wenn sie in die Schule kommen? ÖVP-Chef Michael Spindelegger will seine Schlüsse aus dem Expertenpapier erst in zwei Wochen präsentieren. Doch ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon macht bereits Druck: "Ein finanzielles Anreizsystem kann ich mir gut vorstellen." Er plädiere zudem für Ganztagsschulen - aber nur als ein Angebot an die Eltern, nicht als Pflicht.

 

   Seite 2

 

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"Kurier" vom 24.09.2012                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Bernhard Gaul

 

Wi, Abend, N.Ö., Ti, Morgen

 

Nach Experten-Vorstoß im KURIER

 

Diskussion um Geld als Anreiz für mehr Bildung entbrannt

 

Eine Art Mutter-Kind- Pass für Bildung stößt in der ÖVP durchwegs auf Zustimmung. Der ÖVP-Chef hält sich aber noch bedeckt.

 

   Soll es in Österreich eine verpflichtende Sprachausbildung für Kinder ab vier Jahren geben? Einen Mutter-Kind-Pass für Bildung, der einen finanziellen Anreiz gibt, damit alle Kinder Deutsch können, wenn sie in die Schule kommen?

 

   Der Vorschlag des renommierten Wissenschaftlers Markus Hengstschläger im KURIER am Sonntag führten in der ÖVP zu kontroversen Diskussionen. Hengstschläger übernahm die Leitung einer von ÖVP-Chef Michael Spindelegger eingesetzten unabhängigen Expertengruppe für Bildung. Sein Ergebnis: Neben dem Mutter-Kind-Bildungspass fordert er auch flächendeckend Ganztagsschulen und eine verpflichtende Abschlussprüfung zur Erreichung der Mittleren Reife am Ende der Schulpflicht (siehe Bericht unten).

 

   Keine Zwang

 

   Für den Bildungssprecher der ÖVP Werner Amon sind die Vorschläge "sehr unterstützenswert". Amon hatte erst kürzlich im KURIER erklärt, dass rasch bundesweit ein ausreichendes Angebot an Ganztagsschulen geschaffen werden sollte. "Dafür muss Bildungsministerin Schmied (SPÖ) einen Flächenplan entwickeln." Allerdings will Amon, anders als Hengstschläger, Ganztagsschulen nicht verpflichtend einführen: "Es sollte ein Angebot für Eltern und Schüler sein."

 

   Vehement unterstützt er den Vorschlag einer Mittleren Reifeprüfung. "Wir müssen das Ende der Schulpflicht an die Erreichung eines Bildungszieles koppeln", fordert Amon. Gleiches gelte für die Idee des Mutter-Kind-Bildungspasses: "Ein finanzielles Anreizsystem kann ich mir gut vorstellen. Wir haben zwar schon durch die frühere Schuleinschreibung und die Sprachstandsfeststellung den richtigen Ansatz, aber der ist nie wirklich umgesetzt worden."

 

   Keine Opfer

 

   Begeistert von den Ideen ist auch Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl: "Es darf niemand in die Volksschule kommen, der die Sprache nicht beherrscht." Er fordere seit Langem umfassende Reformen im Schulbereich, damit Österreichs Bildungssystem "vom kostspieligsten auch zum besten" werde. Derzeit gebe es ohnehin zu viele "blinde Flecken: Jedes Jahr beenden 10.000 junge Menschen die Schulpflicht ohne eine weitere Ausbildung. Das sind willige Opfer einer künftigen Arbeitslosigkeit."

 

   Wissenschaftsminister Töchterle sieht zudem zwei zentrale Aspekte abgebildet: Den wesentlichen Beitrag, den Eltern mit ihrer Unterstützung zum Bildungsweg ihrer Kinder leisten; und zum anderen die Sprache als Schlüssel für einen erfolgreichen Start in die Schule.

 

   Und Spindelegger selbst? "Wir unterstützen den Prozess", sagt sein Sprecher. "Aber was am Ende des Tages von den Vorschlägen aufgegriffen wird, bleibt dem ÖVP-Chef überlassen." Am 8. Oktober sollen die Ergebnisse präsentiert werden.

 

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"Kurier" vom 24.09.2012                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, N.Ö., Ti, Morgen

 

Reformkonzept: Was Experte Hengstschläger fordert

 

   Schulbereich Verpflichtende Ganztagsschule mit Nachmittagsbetreuung durch Experten, danach sowie am Wochenende darf es keine Hausübungen und keinen Lernbedarf mehr geben. Weiterhin neun Jahre Schulpflicht, aber kein Abschluss ohne "Mittlere Reife" inklusive einer individuellen Potenzialanalyse (außer der Schüler wechselt in eine weiterführende Schule). Autonomie für Schulen: Jede Schule kann selbst Schwerpunkte setzen. Verpflichtend muss im Stundenplan stehen: Lesen, Schreiben, Rechnen, Sport, Kunst, Englisch, Mathematik & Naturwissenschaften, Lernen lernen, Ethik, soziale Kompetenz, Nutzung neuer Medien, Berufsorientierung.

 

   VorschulbereichVerpflichtendes zweites Kindergartenjahr. Akademisierung der Pädagoginnenausbildung im Vorschulbereich. Verpflichtende Untersuchung der Sprachentwicklung mit drei Jahren sowie vor dem Schuleintritt ("Mutter-Kind-Pass").

 

 

"Kurier" vom 23.09.2012                                   Seite: 14

Ressort: Chronik

 

Bgld, Länder, N.Ö., Wi, Morgen

 

"Mutter-Kind-Pass" für mehr Bildung

 

Thema Schule Die KURIER-Leser fordern nachhaltige Reformen. Markus Hengstschläger, Vorsitzender der ÖVP-Expertengruppe für Bildung, will das System umkrempeln: Verpflichtende Sprachausbildung ab 4 Jahren, Ganztagsschule für alle, kein Ende der Schulpflicht ohne Mittlere Reife und 40-Stunden-Anwesenheit für Lehrer.

 

   Ein Universitätsprofessor, der die Schule neu erfindet? - Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik in Wien, hat heuer schon mit seinem Buch "Die Durchschnittsfalle" (Ecowin) eine Bildungsdebatte ausgelöst. Jetzt erhebt er im KURIER-Interview die Forderung nach einem "Eltern-Kind-Pass" für Bildung.Als Leiter einer von VP-Chef Spindelegger eingesetzten Expertengruppe für Bildung, deren Schlussbericht fertig ist und der ÖVP-Spitze demnächst vorgelegt werden soll, vertritt er auch Meinungen, die von der Parteilinie abweichen. Widerspenstig sei er schon immer gewesen, erzählt Hengstschläger. Und gesteht, dass er im Gymnasium einige Male ein "Wenig zufriedenstellend" in Betragen hatte.

 

   KURIER:Ab Oktober sitzen hier im Hörsaal wieder Studenten. Sehen Sie sich als Lehrer?Markus Hengstschläger: Das ist unser Hauptvorlesungssaal, hier unterrichte ich, ich bin sozusagen ein Lehrer für 18 plus, schon seit 20 Jahren.

 

   Warum äußern Sie sich als Universitätsprofessor so oft zu Fragen der Bildung?

 

   Das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit an Universitäten. Wenn ich hier im Hörsaal stehe, muss ich statistisch davon ausgehen, dass mehr als zwei Drittel meiner Studenten Kinder von Akademikern sind. Warum ist das so? Es kann mir doch niemand erzählen, dass Akademikerkinder talentierter sind.

 

   Richten wir diese Frage an den Genforscher Hengstschläger, was sagen Sie?

 

   Ich sage: "Das ist Unsinn." Es liegt nicht an den Genen, sondern daran, dass wir in Österreich gewisse Dinge nicht haben, allen voran eine Ganztagsschule. Und so gibt es Kinder, deren Eltern die Zeit, das Geld und das intellektuelle Know-how haben, sie nachmittags, außerhalb der Schule, auf Talentsuche zu schicken: Ballett, Schlagzeug, Fußball. Und andererseits Kinder, deren Eltern sich das nicht leisten können.

 

   Kann das eine Ganztagsschule kompensieren?

 

   Nicht nur das. Sie muss auch schulische Defizite aufholen. Die Kinder sollen aber nicht ganztägig Schule machen, sondern auch, betreut von Experten, ihre Freizeit verbringen und ihre Talente entdecken. Nur mit der Ganztagsschule bringen wir auch bildungsferne Schichten zur Bildung.

 

   Wenn die Kinder kaum Deutsch können, wird das nur bedingt helfen. Und wenn die Eltern nicht mitspielen, geht gar nichts.

 

   Warum führen wir nicht eine Art "Mutter-Kind-Pass" für Bildung ein, der sicherstellt, dass alle Kinder Deutsch können, wenn sie in die Volksschule kommen? Genau so, wie es vor fast 40 Jahren bei der Gesundheit der Fall war? Als die damalige SP-Gesundheitsministerin Leodolter 1974 die verpflichtenden Gratis-Untersuchungen für Mutter und Kind einführte, war der Aufschrei groß. Viele Eltern haben gesagt: "Ob ich mein Kind untersuchen lasse, ist meine Entscheidung." Aber es wurde rasch selbstverständlich - vor allem auch, weil die Auszahlung der Geburtenbeihilfe daran gekoppelt war.

 

   Verstehe ich Sie richtig: Sie wollen Eltern Geld streichen, wenn ihr Kind gewisse Bildungsziele nicht erreicht?

 

   Nein, es sollte eher ein Anreiz-System sein. Es darf auf keinen Fall zu einer Art Bestrafung der Kinder kommen. Aber es muss an Geld gekoppelt sein. Denn, um beim Vergleich mit dem Mutter-Kind-Pass zu bleiben: Als die Geburtenbeihilfe abgeschafft wurde, kamen deutlich weniger Mütter zu den Untersuchungen. Als aber 1997 ein Mutter-Kind-Pass-Bonus von 145,40 Euro eingeführt wurde, nahm die Zahl wieder zu.

 

   Allein schon mit dem Begriff "Mutter-Kind-Pass werden Sie heftig anecken.

 

   Natürlich ist es ebenso ein Vater-Kind-Pass. Nennen wir ihn "Eltern-Kind-Pass".

 

   Was soll der Pass beinhalten ? Wie lautet Ihr Konzept?

 

   Ich würde ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr einführen. Das heißt: Ab dem 4. Lebensjahr haben wir einen nationalen Bildungsplan für alle Kinder. Wir brauchen eine verpflichtende Potenzialanalyse mit drei Jahren, um herauszufinden, ob das Kind sprachlich und entwicklungstechnisch so weit ist, wie es sein sollte. Außerdem eine Überprüfung beim Übergang in die Volksschule, vor allem, was die deutsche Sprache betrifft.

 

   Sie reden jetzt vor allem von Kindern mit anderer Muttersprache als Deutsch?

 

   Ein wichtiger Punkt. Österreich kann es sich nicht leisten, auf das Potenzial von Menschen mit Migrationshintergrund zu verzichten. Migrantenkinder haben definitiv genauso viele Talente wie österreichische Kinder. Wir müssen ihnen nur frühzeitig die Umsetzung dieser Talente ermöglichen - und das gilt für alle Kinder.

 

   Die Diagnose von Defiziten wird dafür nicht ausreichen.

 

   Wir brauchen auch die Therapie, das heißt: Den Eltern wird vorgeschlagen, in welchen Kurs ihr Kind gehen kann, damit es die Schulreife erreicht. Das muss natürlich betreut sein, die Eltern werden organisatorisch unterstützt, es wird ihnen aber auch klargemacht: "Die Wahl haben Sie nicht. Sie müssen sich daran halten, im Interesse Ihrer Kinder."

 

   Mag sein, dass Sie die Eltern im Vorschulalter in die Pflicht nehmen können. Später wird das schwierig.

 

   Hier kommt der nächste Schritt: So wie ich beim Hineingehen ins Schulsystem eine Norm einführe, gibt es auch am Ende eine verpflichtende Prüfung und eine Potenzialanalyse, sprich: die Mittlere Reife. Dafür ist dann die Schule zuständig.

 

   "Am Ende" bedeutet was?

 

   Mit 15. Ich würde die Sekundarstufe 1 (derzeit Hauptschule, Mittelschule und Gymnasium Unterstufe, Anm.) auf 5 Jahre verlängern und sagen: Man hat in Österreich die Schulpflicht nicht nach 9 Jahren erfüllt, sondern nur bei Abschluss der Mittleren Reife, egal, wie lange man dafür braucht.

 

   Warum wollen Sie gnadenlos alle zwangsbeglücken?

 

   Weil in Österreich etwa ein Viertel all jener, die die Schulpflicht erfüllt haben, nicht sinnerfassend lesen kann. Das ist unvorstellbar! Wir müssen die bildungsfernen Schichten ins System bringen. Mit diesem Konzept geht das ohne viel Druck. Man führt es ein und hat in kürzester Zeit Erfolge.

 

   Unterrichtsministerin Schmied hat 2011 vorgerechnet, dass die Einführung einer Mittleren Reife bis 2020 dauern würde.

 

   Man muss aber sofort damit beginnen. Das betrifft auch die Ganztagsschule. Ebenso wie die Schulautonomie - teilweise personell, vor allem aber finanziell.

 

   Wer soll das alles bezahlen: Vom zusätzlichen Kindergartenjahr über Potenzialanalysen, Förderkurse und Eltern-Prämien bis zur Infrastruktur für die Nachmittagsbetreuung ... Eine Lawine.

 

   Aber gar nicht!

 

   Haben Sie einen guten Werbeslogan? Wie würden Sie, wenn Sie Bildungsminister wären, der Finanzministerin so viel Geld rausreißen?

 

   Ich würde sagen: "Mein Konzept ist billiger als das, was du zurzeit machst." Wenn ein Viertel derer, die aus der Schule kommen, nicht sinnerfassend lesen kann, hab ich enorme Verluste am Arbeitsmarkt. Und dem Wirtschaftsminister würde ich sagen: "Schon aus Sicht der Wirtschaft müssen wir das zahlen. Dann haben wir plötzlich Bewerber, die gut lesen können, die Englisch können und vieles mehr."

 

   Der Erfolgsdruck für Lehrer würde steigen ...

 

   Ich glaube, sie hätten es leichter. Volksschullehrer bekämen plötzlich Kinder, die alle Deutsch können. Und wir könnten überlegen, ob es nicht eine Aufwertung des Berufsstands der Lehrer wäre, wenn wir sagen: "Lehrer bekommen wirklich gut ausgestattete Arbeitsplätze in der Schule, zusätzlich etwa administratives Personal und Schulpsychologen, und bleiben vorerst 40 Stunden pro Woche in der Schule." Oder wenn wir sagen: "Lehrer haben 5 oder 6 Wochen Urlaub, so wie andere Arbeitnehmer."

 

   Wenn man Ihnen so zuhört, versteht man, warum Sie gern sagen: "Ich könnte nie Politiker werden, dafür fehlt mir die Diplomatie."

 

   Ich eigne mich nicht als Politiker. Ich könnte auch niemals etwas gegen meine Überzeugung vertreten, nur weil es Parteilinie ist.

 

   Sie wurden von ÖVP-Chef Spindelegger als Leiter einer Expertengruppe für die Zukunft der Bildung eingesetzt. Die Ergebnisse, so hört man, liegen nicht auf Parteilinie.

 

   Erstens haben da mehr als 30 Leute daran gearbeitet, das habe nicht ich verordnet. Zweitens stimme ich der ÖVP in vielen Punkten zu, hatte aber nie ein Parteibuch und bin mit der ÖVP bekanntermaßen in anderen Punkten, wie Präimplantationsdiagnostik und Stammzellenforschung, konträrer Meinung.

 

   Ihre Expertengruppe sprach sich im Juli für eine "potenzialorientierte Leistungsdifferenzierung" in "gemeinsamen Schulen" aus, aber Michael Spindelegger sagte im ORF-Sommergespräch: "Das Gymnasium bleibt." Ärgert Sie das?Es gibt nur einige wenige Beispiele, über die es keine Diskussion geben kann. Etwa die Ganztagsschule. Die muss kommen. Anders wird es nicht gehen. Anders können wir die Ungerechtigkeiten im Bildungssystem nie knacken.

 

   Ecken Sie gerne an?

 

   So war ich mein Leben lang. Im Gymnasium hatte ich sehr oft ein "Wenig zufriedenstellend" in Betragen.

 

   Wer sich in Österreich aus dem Fenster lehnt, will was werden.

 

   Ich nicht! Ich habe schon einige Angebote dankend abgelehnt. Ich bin von ganzem Herzen Forscher und fühle mich an der MedUni Wien äußerst wohl. Ich will frei sein und mir von niemandem vorschreiben lassen, was ich sagen oder forschen darf.

 

   Letzte Frage: Welche Schule besuchen Ihre Kinder?

 

   Sie besuchen eine hervorragende Privatschule: St. Ursula in Wien-Mauer, eine Privatschule, die viele spannende Angebote hat und viel Wert auf soziale Kompetenz legt.

 

   Laut Ihrem Konzept wäre das auch in öffentlichen Schulen der Fall.

 

   Ja, aber jetzt haben es nur diejenigen, die es sich leisten können. Das ist die große Ungerechtigkeit.

 

 

 

– 24. September 2012

 

Dauerthema um exotische Ideen reicher

Alles, nur keine Gesamtschule - unter diesem gemeinsamen Nenner lässt sich eine Flut verschiedenster Ideen zusammenfassen, mit denen die ÖVP derzeit in der Bildungsdebatte einen Angriff auf die Themenführerschaft vornimmt. Da gibt es etwa Forderungen nach einer einjährigen „Expresslehre“ für Maturanten, einer Pflicht zur Mittleren Reife für alle und andere exotische Vorschläge. Auch in ÖVP-Kreisen gibt man allerdings zu, dass es fürs Erste vor allem eines braucht: Geld für zusätzliches qualifiziertes Personal, von dem es im Bildungsbereich zu wenig gibt.

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„Sorgsam mit Talenten umgehen“

Die SPÖ ist sich zwar derzeit selbst nicht im klaren, ob sie die Einführung der Gesamtschule zur Koalitionsbedingung nach den nächsten Wahlen machen will, die Signale in diese Richtung sind jedoch klar genug. Dementsprechend kontert die ÖVP derzeit mit einem Sperrfeuer an Gegenvorschlägen - etwa mit der Idee einer „Expresslehre“.

Der diesbezügliche Vorschlag kommt von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP). „Praktisch veranlagte“ Maturanten sollen ein einjähriges, intensives Praxisjahr absolvieren können und so zu einem Lehrabschluss kommen, schlägt er in der neuen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „trend“ vor. Statt des bisherigen Entweder-oder von Hauptschule/Gymnasium bzw. Lehre/Matura solle künftig „auch beides zusammen gehen“.

Kurz für verpflichtenden Hauptschulabschluss

Maturantenlehrlinge wären nach Leitls Meinung nicht nur ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel: Das Angebot eines alternativen Ausbildungsgangs zum Studium könne auch die Universitäten entlasten, glaubt er. Die hohen Studienabbruchquoten seien jedenfalls „nicht effizient“. Umgekehrt will er das Modell „Lehre mit Matura“ in das Regelschulwesen übernommen wissen. Seine Vorschläge sieht Leitl als Maßnahme zum „sorgsamen Umgang mit unseren Talenten“.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) forderte wiederum in der Tageszeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe), eine Bildungspflicht bis zum Hauptschulabschluss einzuführen. Derzeit reiche es, neun Jahre die Schulpflicht abzusitzen - künftig sollen Jugendliche „verpflichtend bis zum Hauptschulabschluss in der Schule bleiben müssen, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten“. Er schränkt allerdings ein, dass diese Pflicht nur bis zum 18. Lebensjahr gehen soll.

„Mittlere Reife - egal, wie lange man braucht“

Noch weiter geht Genforscher Markus Hengstschläger, der von ÖVP-Chef Michael Spindelegger zum Chef einer parteieigenen Expertengruppe für Bildung gemacht wurde. Im „Kurier"( Sonntag-Ausgabe) forderte Hengstschläger die Ausdehnung der Schulpflicht auf den "Abschluss der Mittleren Reife - egal, wie lange man dafür braucht“. Sowohl Kurz als auch Hengstschläger argumentieren, dass man künftig erst die Schule verlassen solle, wenn man ausreichend schreiben, lesen und rechnen kann.

Vorstoß für zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Einmal mehr erneuerte Hengstschläger dabei seine Forderung nach einem „Eltern-Kind-Pass“, der auch Bildungsziele beinhalten solle. Dieser solle „sicherstellen, dass alle Kinder Deutsch können, wenn sie in die Volksschule kommen“, präzisierte er in dem Interview. Ebenso wiederholte er seine Forderung nach einem verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr sowie vermehrten und verbesserten zusätzlichen Förderangeboten.

Volksschullehrer bekämen dadurch „plötzlich Kinder, die alle Deutsch können“, so Hengstschläger. Für Lehrer fordert er „wirklich gut ausgestattete Arbeitsplätze in der Schule, zunächst etwa administratives Personal und Schulpsychologen“. Das nötige Geld dafür solle Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) bereitstellen: „Ich würde sagen: ‚Mein Konzept ist billiger als das, was du zurzeit machst.‘“: Der hohe Grad an schlecht Ausgebildeten in Österreich beschere dem Arbeitsmarkt und der Wirtschaft „enorme Verluste“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945