Mittwoch, 31. Oktober 2012

31.10.: Pressespiegel - Unterricht

Standard, 31. Okt. 2012

 

Tägliche Turnstunde: Die Sportfreunde machen Dampf

David Krutzler, 30. Oktober 2012, 18:55

Die Bundes-Sportorganisation forciert ihre Forderung nach der täglichen Turnstunde an Schulen und bemängelt den geringen Stellenwert des Sports in der Gesellschaft. Die Signale aus dem Gesundheits- und Bildungsministerium sind ernüchternd

Wien - Die Diskussion war fast am Ende angelangt, da rutschte Peter Wittmann diese Bemerkung aus: "Ich weiß, wovon ich rede. Aber ich muss auch mit meiner eigenen Partei fertig werden."

Wittmann, seit 2000 Abgeordneter der SPÖ im Nationalrat, hatte am Dienstag in seiner Funktion als Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO) zu einer Diskussionsrunde in ein Wiener Ringhotel geladen. Es galt, der BSO-Forderung für die tägliche Turnstunde an Kindergärten und Schulen Nachdruck zu verleihen. Auf dem Podium herrschte bei den anwesenden Sportfunktionären, Ex-Sportlern, Medizinern und Lehrern absolute Zustimmung zur Initiative.

Diese Einigkeit vermisst Wittmann bei den politischen Verhandlungspartnern: Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) will sich in die Diskussion nicht einmischen. Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hält täglichen Sport in der Regelschule für nicht umsetzbar. Das sei nur in Ganztagsschulen möglich. Dabei haben kürzlich alle 183 Nationalratsabgeordnete öffentlichkeitswirksam die Unterschriftenaktion der BSO unterstützt.

Praktisch fällt die Unterstützung im Nationalrat weit geringer aus. "In jeder Partei gibt es doch höchstens fünf bis acht Abgeordnete, die sich für Sport interessieren", sagt Wittmann. "Der Stellenwert des Sports ist viel zu gering." Mit der überparteilichen Kampagne für täglichen Schulsport sei es gelungen, mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Wittmann: " Aber wir müssen noch mehr öffentlichen Druck aufbauen."

Die Phalanx an Fürsprechern wächst und wächst, neben Mitorganisator Peter Kleinmann (Volleyball) sind auch die Verbandspräsidenten Leo Windtner (Fußball) und Peter Schröcksnadel (Ski) mit im Boot. Für die drastischsten Worte am Podium sorgte Ex-Tennisprofi Alexander Antonitsch: "Wir produzieren eine kaputte Generation. Erst 70.000 Menschen haben für die tägliche Turnstunde unterschrieben? Das ist peinlich."

Sportmediziner Peter Schober nimmt neben der Schule auch die Eltern in die Pflicht. Mangelndes Interesse an Sport oder ein dürftiges Angebot an Bewegung für Kinder würden vermehrt zu "Lifestyle-Erkrankungen" wie Bluthochdruck, Übergewicht, psychischen Krankheiten und Erwachsenen-Diabetes führen. "Die Politik war in diesem Punkt nicht erfolgreich. Die Kosten für die Gesundheit werden enorm steigen."

Dass täglicher Sport in der Schule möglich ist, beweisen Pilotprojekte von engagierten Lehrern. Werner Schwarz, Direktor eines Gymnasiums in Wiener Neustadt, hat etwa in Eigeninitative das Bewegungsprogramm " Vital4Brain" umgesetzt, das die Konzentrationsfähigkeit in der Schule fördern soll. "Das Gehirn reagiert wie Muskeln. Wer sich nicht bewegt, bleibt sitzen. Im doppelten Sinn."

Wittmann sieht seine Politikerkollegen gefordert. Reformen im Schul- und Gesundheitswesen stehen an, mit Schulsport könnte man "mit geringem finanziellen Einsatz eine riesige Wirkung erzielen". (David Krutzler, DER STANDARD, 31.10/1.11.2012)

 

 

Presse, 31. Okt. 2012

 

Flammender Halbzeitappell zu täglicher Turnstunde

 (Die Presse)

Die Organisatoren der Initiative „Tägliche Turnstunde“ der Bundessportorganisation BSO, die schon 70.000 Unterstützer gefunden hat, planen eine neue Offensive für die Umsetzung ihrer Ideen.

Wien. Seit Anfang September läuft sie nun, die Initiative „Tägliche Turnstunde“ der Bundessportorganisation BSO. Zur Halbzeit – Ende ist der 31. 12. – boten die Verantwortlichen noch einmal alles auf, was im österreichischen Sport Rang und Namen hat. Bei einer Pressekonferenz in Wien warben etwa ÖFB-Präsident Leo Windtner, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und die BSO-Spitze Peter Wittmann und Peter Kleinmann für die Initiative, die schon 70.000 Unterstützer gefunden hat, darunter auch alle 183 Abgeordneten des österreichischen Nationalrates.

 

Besonders das ehemalige Tennis-Ass Alexander Antonitsch richtete einen flammenden Appell an die Zuhörerschaft: „Es kann doch nicht sein, dass wir über die tägliche Turnstunde überhaupt noch diskutieren müssen. Das zipft einen als Sportler schon ein wenig an.“Betont wurden einmal mehr die positiven Einflüsse von regelmäßiger Bewegung im Kindesalter auf Gesundheit und Konzentrationsfähigkeit.

Nächste Schritte sind der Gang des BSO zu Bundeskanzler und Vizekanzler. Bildungsministerin Claudia Schmied hat zuletzt gemeint, die tägliche Turnstunde sei im aktuellen System mit Halbtagsschulen nicht umsetzbar.

„Wir wollen uns in die aktuelle politische Diskussion aktiv einbringen“, erklärte Wittmann. „Wir stehen vor einer Schul- und einer Gesundheitsreform, in beiden Bereichen kann man zu diesem Thema mit geringem finanziellen Einsatz riesige Wirkung erzielen.“

UNTERSCHRIFTENAKTION UNTER

www.turnstunde.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 30. Oktober 2012

30.10.: Pressespiegel - Unterricht

Standard, 30. Okt. 2012

 

Studie: Migranten als Lehrlinge stark unterrepräsentiert

Mehr Migranten in AHS-Oberstufen als in der Berufsschule - Experten bezeichnen Ergebnisse als "höchst problematisch" und sehen ein vergeudetes Potenzial an Fachkräften

http://images.derstandard.at/2012/10/29/studie_lehrlingsausbildung.pdf

Wien - Migranten sind in der Lehrlingsausbildung stark unterrepräsentiert. Das ist das Ergebnis der Studie "Lehrlingsausbildung im Überblick 2012" des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft. Im Schuljahr 2010/11 lag der Anteil von Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache an den Berufsschulen bei nur 9,4 Prozent - sogar an AHS-Oberstufen (14,2 Prozent) und an berufsbildenden höheren Schulen (12 Prozent) ist er höher. "Die Unterrepräsentation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im weiterführenden Ausbildungssystem ist in der Lehrlingsausbildung besonders stark ausgeprägt", schreiben die Studienautoren Helmut Dornmayr und Sabine Nowak.

Bei der Lehrlingsausbildung wird damit der Grundsatz durchbrochen, dass der Anteil von Migranten an Schulen mit steigendem Bildungsniveau abnimmt. An den Volksschulen beträgt der Migrantenanteil österreichweit 24 Prozent, ähnlich ist er beim "Hauptlieferanten" der Berufsschulen, den polytechnischen Schulen, mit 24,6 Prozent. Aber weniger als die Hälfte der Poly-Absolventen setzt den Ausbildungsweg dann auch fort. Viele gehen direkt in den Arbeitsmarkt über bzw. auf Arbeitssuche. Um an einer Berufsschule aufgenommen zu werden, müssen die Jugendlichen einen Ausbildungsbetrieb finden, bei dem sie eine Lehre beginnen können.

Ängste und Schwierigkeiten

Doch was sind die Gründe dafür, dass Migranten so schwach in der Lehre vertreten sind? Warum folgt bei vielen auf die polytechnische Schule kein Lehrbreruf? Laut den Studienautoren gibt es ein ganzes Bündel an Ursachen. Einerseits dürften mangelnde Deutschkenntnisse eine Rolle spielen, andererseits aber auch Informationsdefizite und bestimmte Ausbildungswünsche der Jugendlichen. Dazu kommen Ängste und Schwierigkeiten der Lehrbetriebe mit kulturellen Unterschieden und bürokratischen Erfordernissen bei Jugendlichen ohne österreichische Staatsbürgerschaft.

Oft fehlt es den Autoren zufolge auch an Unterstützung: Fehlendes Wissen der Eltern könne ein negatives Image der Lehre bewirken oder schlicht und einfach dazu führen, dass Bewerbungen zu spät abgeschickt werden.

Kein Unterschied nach Geschlechtern

Generell sinkt der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ab der neunten Schulstufe drastisch, heißt es in der Studie. Obwohl empirische Daten teilweise fehlen, könne man davon ausgehen, dass rund ein Drittel bis maximal die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne weiterführenden Bildungsabschluss aus dem Bildungssystem ausscheiden. Beim frühen Ausscheiden von Migrantenkindern gibt es übrigens "keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Unterschiede".

Vergeudetes Potenzial

Die Autoren finden die Ergebnisse "höchst problematisch" und bedauerlich: "In der Lehre sind Migranten unterrepräsentiert, aber genau dort würden wir sie auch brauchen, da es ja einen Fachkräftemangel gibt", sagt Autor Helmut Dornmayer im Gespräch mit derStandard.at. Für viele Jugendliche würde die Lehrlingsausbildung eine Chance darstellen. Er appelliert, mehr über diese Form der Ausbildung aufzuklären.

Die Autoren sind der Meinung, dass die Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein "Potenzial an qualifizierten und talentierten (oft auch mehrsprachigen) Fachkräften der Zukunft" darstellen - auch vor dem Hintergrund, dass die Zahl an 15-Jährigen zurückgeht und aufgrund einer hohen Zahl an bevorstehenden Pensionierungen ein stärkerer Fachkräftemangel droht. (APA/rwh, derStandard.at, 29.10.2012)

 

 

Presse, 30. Okt. 2012

 

Migranten machen selten eine Lehre

29.10.2012 | 11:49 |   (DiePresse.com)

Sogar in der Oberstufe des Gymnasiums ist der Migrantenanteil höher als an der Berufsschule. Mangelnde Deutschkenntnisse oder Informationsdefizite könnten die Ursache sein.

Die Lehre bleibt für Migranten im österreichischen Bildungssystem oft ein Fremdwort. "Die Unterrepräsentation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund im weiterführenden Ausbildungssystem ist in der Lehrlingsausbildung besonders stark ausgeprägt", heißt es in der Studie "Lehrlingsausbildung im Überblick 2012" des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft. Demnach lag im Schuljahr 2010/11 der Anteil an Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache an den Berufsschulen bei nur 9,4 Prozent - sogar an AHS-Oberstufen ist mit 14,2 Prozent der Anteil höher.

Bei der Lehrlingsausbildung wird damit der Grundsatz durchbrochen, dass der Anteil von Migranten an Schulen mit steigendem Bildungsniveau abnimmt. An den Volksschulen, die die Grundgesamtheit der Schüler abdecken, beträgt der Migrantenanteil österreichweit 24 Prozent, ähnlich ist er übrigens auch am "Hauptlieferanten" der Berufsschulen, den Polytechnischen Schulen mit 24,6 Prozent. Um an einer Berufsschule aufgenommen zu werden, müssen die Jugendlichen einen Ausbildungsbetrieb finden, bei dem sie eine Lehre beginnen können.

Eine eindeutige Ursache für die Unterrepräsentation von Migranten in der Lehre macht die Studie nicht aus. Einerseits dürften Deutschkenntnisse eine Rolle spielen, anderseits aber auch Informationsdefizite und spezifische Ausbildungspräferenzen der Jugendlichen sowie Ängste und Schwierigkeiten der Lehrbetriebe bezüglich kultureller Unterschiede oder bürokratischer Erfordernisse bei Jugendlichen ohne österreichischer Staatsbürgerschaft.

Migrantenkinder scheiden früh aus

Ganz generell sinkt der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ab der neunten Schulstufe "drastisch", heißt es weiter in der Studie. Beim frühen Ausscheiden von Migrantenkindern gibt es übrigens "keine nennenswerten geschlechtsspezifischen Unterschiede".

"Jugendlichen mit Migrationshintergrund" sind solche Jugendlichen, die entweder keine österreichische Staatsbürgerschaft oder eine andere Umgangssprache als Deutsch haben. Unter ihnen befand sich laut Studie auch nur rund die Hälfte im Alter von 14 Jahren bereits in der neunten Schulstufe. Das heißt, dass ein großer Teil die neunjährige Schulpflicht - etwa durch das Wiederholen von Klassen - schon vor Erreichen der neunten Schulstufe erfüllt und damit die "für die Berufswahl und -vorbereitung so wichtige neunte Schulstufe (z.B. polytechnische Schule)" gar nicht besucht. Insgesamt betrug der Anteil der 14-Jährigen, die bereits in der neunten Schulstufe sind, rund 78 Prozent.

(APA/Red.)

 

 

 

 

 

Montag, 29. Oktober 2012

Unterricht 29. Oktober 2012

"Kurier" vom 29.10.2012                                    Seite: 2

 

Von: Maria Kern und Karin Leitner

 

Parteiprogramm unter der Lupe - Stronach will Wirtschaftskunde schon für die Volksschüler

 

Studiengebühren sollte es geben, aber nicht in jenen Fächern, die in der Wirtschaft stark nachgefragt sind.

 

Schon morgen, Dienstag, dürfte in der Sitzung der Präsidiale des Nationalrats grünes Licht für die Klubgründung von Frank Stronachs Getreuen gegeben werden. Über Stronachs Personal wurde bisher viel debattiert, über seine Polit-Standpunkte wenig. Mittlerweile gibt es ein 28-seitiges Parteiprogramm, das der KURIER studiert hat. Einiges ist konkret, manches vage:

 

Euro Keine Rede ist mehr davon, zum Schilling zurückzukehren. Stronach will den Euro, allerdings sollte jedes Land seinen eigenen haben: "Die Österreicher einen österreichischen Euro, die Italiener einen italienischen Euro, die Griechen einen griechischen Euro und die Deutschen einen deutschen Euro", heißt es im Grundsatzpapier. Der deutsche Euro soll Maßstab sein.

 

Pensionen Der Milliardär plädiert für ein Pensionskonto für jeden Arbeitnehmer. Die Höhe der Pension hängt davon ab, wann man beruflich abdankt - je früher man geht, desto weniger Rente gibt es.

 

Studiengebühren In Fächern, "die stark von der Wirtschaft nachgefragt werden", sollte es keine geben. In Fächern, wo das nicht der Fall ist (etwa Numismatik) oder die "überlaufen sind" (etwa Publizistik), sollten Gebühren eingehoben werden. "Wie hoch sie sind, sollte an der jeweiligen Uni entschieden werden. Und sie sollten für diese Studien zweckgewidmet werden", erläutert Stronachs künftiger Klubchef Robert Lugar.

 

SchuleIn Sachen Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen hat sich das "Team Stronach" noch nicht festgelegt. Für die Jüngeren gibt es schon Ideen; auch da liegt der Fokus auf Ökonomie: "Wirtschaftliche Bildung muss als eigenes Fach schon in der Volksschule gelehrt werden."

 

Wehrpflicht Auch wenn es noch nicht dezidiert im Programm steht - Stronach will weg von der Wehrpflicht. "Zwang - wie jetzt - darf es keinen geben. Wir wollen ein gut ausgebildetes Berufsheer für Katastrophen-, Auslandseinsätze etc.", sagt Lugar. Statt des neunmonatigen sollte es einen zweijährigen, freiwilligen, bezahlten Zivildienst geben. "Da könnte man Langzeitarbeitslose einbinden."

 

ArbeitnehmerStronach will "Steueranreize für Unternehmer, die ihre Arbeiter am Gewinn teilhaben lassen". Und wie sehen sie die Gewerkschaften? "Sie haben historisch große Verdienste, verhindern mitunter aber sinnvolle Reformen - Stichwort Lehrergewerkschaft", sagt Lugar. "Sie dürfen nicht zum Selbstzweck werden und nur das Wohl der Arbeiter und Angestellten im Auge haben." Wie steht es mit Betriebsräten, die Stronach in seinem Konzern nicht wollte? Lugar befindet: "In manchen Bereichen sind sie sinnvoll. Es sollte aber nicht zwingend sein, welche zu haben."

 

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"Tiroler Tageszeitung" Nr. 300 vom 28.10.2012              Seite: 6

Lehrer befürchten Aus für kleine Schulen

Von Brigitte Warenski

Innsbruck/Wien - Bund und Länder haben beschlossen, dass in Zukunft nicht jede Pflichtschule ihren eigenen Direktor haben muss. „Damit will man vor allem den Kleinschulen entgegenkommen, die so Geld sparen und ihr Überleben sichern können", erklärt Josef Galley, Sprecherin von Unterrichtsministerin Claudia Schmied über die Details der Schulverwaltungsreform. Ob die Möglichkeit der Einsetzung eines gemeinsamen Direktors nur für Kleinschulen gilt oder auch für Pflichtschulen normaler Größe, „ist gesetzlich noch nicht genau ausformuliert", so Galley. Fix scheint aber zu sein, dass das grüne Licht für einen gemeinsamen Direktorenposten der jeweilige Landesschulrat geben soll. In Tirol gibt es derzeit 378 Volksschulen, von denen rund die Hälfte „niederorganisiert" ist und daher nicht für jede Schulstufe eine eigene Klasse hat.

Vorgesehen ist in der Schulverwaltungsreform auch eine schulübergreifende Nachmittagesbetreuung. „Gibt es in einem Ort mit einer Volksschule eine Betreuung und kommt z.B. eine Neue Mittelschule dazu, dann ist es einfach vernünftig die Nachmittagesbetreuung gemeinsam anzubieten", sagt Galley.

Innsbruck, Wien - Der Entschluss der Landeshauptleute, für mehrere Schulen nur noch einen Direktor einzusetzen, sorgt für Aufregung. „Dies bringt Tirols Kleinschulen in Gefahr", sagt Walter Meixner, Vorsitzender der Gewerkschaft Pflichtschullehrer. Besonders in den kleinstrukturierten Bezirken Lienz und Reutte sei es „nicht vorstellbar", dass ein Leiter zwischen mehreren Schulen pendelt. „Es gibt Situationen, in denen der Direktor vor Ort sein muss, und die meisten unterrichten auch. Die geplante Regelung funktioniert nicht und das wissen auch die Politiker", so Meixner. Unter Kleinschulen sind die „niederorganisierten" Schulen gemeint. In Tirol gibt es 378 Volksschulen, von denen rund die Hälfte niederorganisiert ist und daher nicht für jede Schulstufe eine eigene Klasse hat. Aber auch in Städten und größeren Gemeinden sei ein Direktor für mehrere Schulen so nicht vorstellbar. „Wir brauchen zuerst bessere Rahmenbedingungen, wie eine ordentliche Bezahlung und personelle Unterstützung für Leiter", sagt Meixner. Auch den übrigen Punkten der Verwaltungsreform kann Meixner nichts abgewinnen. „Da wird nicht viel Geld eingespart, aber umso mehr Qualität verloren. Bildung kann man nicht nur an wirtschaftlichen Maßstäben messen." Anders als die Gewerkschaft sieht das Landesschulratspräsident Hans Lintner, der sich noch größere Schritte als die Landeshauptleute vorstellen kann. Auch „normale" Pflichtschulen benachbarter Gemeinden oder Schulen unterschiedlicher Form könnten mit einem Direktor auskommen und zudem verstärkt Lehrer austauschen. (wa)

Bild: Lehrer sollen innerhalb eines Schulverbundes verstärkt ausgetauscht werden.Foto: PantherStock

 

"Kronen Zeitung" vom 25.10.2012                           Seite: 24

 

Die Inspektoren sollen erhalten bleiben

Bezirksschulräte auf der Abschussliste!

 

Einmal mehr wird in Oberösterreich die Abschaffung der Bezirksschulräte diskutiert. Allerdings sollen nur die Behörden eingespart werden, die Inspektoren aber bleiben. Applaus dafür kommt von FP-Landesrat Manfred Haimbuchner, dem die Reform aber nicht weit genug geht: "Auch der Landesschulrat gehört gestrichen."

 

Für Landeshauptmann Josef Pühringer ist die Schulverwaltungsreform jedenfalls auf einem guten Weg: "Künftig soll die Leitung mehrerer Pflichtschulen schulartenübergreifendHEDWIG SAVOYmöglich sein, dazu wird das Mitspracherecht der Direktoren bei Personal, Lehrerfortbildung, Kooperationen und bei der Entwicklung

von Schulprofilen gestärkt." Ebenfalls in einem Expertenpapier enthalten: noch mehr Schulautonomie, weniger Schulversuche und auch schulartenübergreifende Nachmittagsbetreuung.

Darüber informierten Pühringer und sein Kollege Hans Niessl aus dem Burgenland gestern bei der Landeshauptleute-Konferenz in Tirol. "Das Bildungsministerium soll Gesetzesvorschläge erarbeiten und nach Abstimmung in der Expertengruppe der Politik vorlegen", berichtete er über die weitere Vorgangsweise. Damit sieht FP-Landesrat Manfred Haimbuchner eine Forderung seiner Partei vor der Umsetzung, er will aber auch die - ebenfalls schon oft diskutierte - Abschaffung der Landesschulräte. "Die Zusammenlegung mit der Bildungsdirektion ist leicht machbar. Investieren wir das Geld doch lieber in die Bildung der Schüler und nicht in die Bürokratie."

 

 

"Österreich" vom 26.10.2012                                   Seite 4

Helft den 570 Kindern, die kein Österreich haben

Am Nationalfeiertag zeigt unser Land endlich Herz für die Schwächsten in dieser Republik: die Asyl-Kinder, die ohne Eltern, ohne Geld und ohne Hilfe gestrandet sind.

Bis vor Kurzem war das Schicksal dieser Kinder unbekannt. Kaum jemand hat gewusst, dass im überfüllten Transitlager Traiskirchen unter 1.500 Asylwerbern sage und schreibe 570 Kinder sind, die dort "unter Verschluss" gehalten werden, weil sie ihre Eltern auf der Flucht verloren haben oder von diesen als Belastung abgelegt wurden.

Jahrelang hat sich um diese Kinder niemand gekümmert. Die Landeshauptleute -sonst als menschliche Politiker bekannt - schoben die Kinder wie heiße Kartoffeln weg. Keiner wollte sie haben.

Die Kinder haben ein Recht auf Schule, Wohnen und Pateneltern

Seit zwei Wochen hat ÖSTERREICH das Thema aufgegriffen - und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Fast alle unsere Leser denken gleich: Es darf doch nicht wahr sein, dass Politiker über hilflose Kinder streiten, kein Bundesland sie nehmen will, sie nicht in die Schule gehen dürfen - und demnächst sogar in Container abgesiedelt werden sollen.

Am Nationalfeiertag sind wir - zu Recht -stolz auf Österreich. Weil wir auch ein Land der Hilfsbereitschaft sind.

Für die Art, wie unsere Politiker diese 570 alleingelassenen Asyl-Kinder behandelt haben, müssen wir uns schämen. Kinder in Not so im Stich zu lassen, ist schäbig.

Jetzt wo das Schicksal der 570 Kinder bekannt ist, soll sofort geholfen werden. Die Kinder gehören in private Quartiere, die wirklich menschlich sind -nicht in trostlose Zinskasernen. Sie müssen sofort eine Schulausbildung bekommen -nicht verzweifelt herumsitzen. Sie sollten die Chance auf Pateneltern erhalten - nicht alleingelassen werden.

Der Kanzler, die Innenministerin, die Landeshauptleute sind am Nationalfeiertag gefordert, endlich menschlich zu handeln. Die Kinder haben es verdient, gerettet zu werden. Von Österreich.

 

 

"Österreich" vom 26.10.2012                                   Seite 5

Asyl-Kinder: Politik will jetzt helfen

* ÖSTERREICH-Report löst eine Hilfswelle aus

Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat ein ÖSTERREICH-Report über Flüchtlingskinder in Traiskirchen ausgelöst. Jetzt greift die Politik ein.

Wien. Keine Schule, keine Abwechslung, niemand, kümmert sich um sie: 570 minderjährige Flüchtlinge leben ohne Eltern im Lager Traiskirchen. Ihr Schicksal bewegt das Land. Nach der ÖSTERREICH-Reportage

über die tristen Verhältnisse will die Politik jetzt endlich handeln -und den gestrandeten Kindern von Traiskirchen helfen.

Eigentlich dürften die Kinder gar nicht im überfüllten Lager in der 17.399- Einwohner-Stadt untergebracht sein. Bisher sind aber die Länder säumig: Sie sorgen nicht für die passenden Heime und Betreuung.

Initiative. Oberösterreich ist jetzt das erste Bundesland, das mit einem eigenen Asylgipfel die Situation verbessern will. Soziallandesrat Josef Ackerl (SPÖ) in ÖSTERREICH: "Am 5. November werde ich mich mit allen Beteiligten zusammensetzen. Wir wollen damit eine gute Betreuung für diese Kinder schaffen."

"570 Kinder dürfen nicht einfach ignoriert werden"

Alev Korun, Flüchtlingssprecherin der Grünen, hofft, dass nach dem Bundes-Asylgipfel vom Dienstag die Verhandlungen Früchte tragen: "Ich kann nicht glauben, dass man 570 schlecht betreute Minderjährige ignorieren kann." Innenministerin Johanna Mikl-Leitner bestätigt, dass bis 30. November kein unbegleitetes Kind länger als ein paar Tage in Traiskirchen sein soll. Jetzt wird mit den Ländern verhandelt -damit die Kinder-Flüchtlinge auch wie Kinder leben können. (pli)

"Lösung bis November"

ÖSTERREICH: Hunderte Kinder sind ohne ihre Eltern in Traiskirchen, gehen nicht zur Schule. Was soll geschehen?

JoHanna MIkl-lEITnER: Wir haben eine Vereinbarung mit den Ländern geschlossen, wonach die Kinder bis zum 30. November in deren Betreuung übergeben werden. Das ist auch sinnvoll, denn in Privatquartieren können die Kinder besser betreut werden -auch was einen Schulbesuch angeht.

ÖSTERREICH: Werden das die Länder auch wirklich tun?

MIkl-lEITnER: Davon gehe ich aus. Ich habe zumindest keinen Anlass, daran zu zweifeln ÖSTERREICH: Warum gehen die Kinder nicht schon jetzt zur Schule?

MIkl-lEITnER: Weil Traiskirchen nur Erstaufnahmestelle ist, in der sie eigentlich nur wenige Tage sein sollten. Sie sollten schon längst in Obhut der Bundesländer sein. (gü)

Die Kinder aus Traiskirchen Hamid (14), Serfi (13), nadir (14) und Serafim (14) (v. l.) sind ohne Eltern in Österreich. Ministerin Johanna Miklleitner.

 

 

"Österreich" vom 28.10.2012                                   Seite 5

SPÖ plant Regierungs- Umbildung im Frühjahr

Rochade. Offiziell werden Regierungsumbildungspläne dementiert. Ein SPÖ-Grande berichtet aber, dass Kanzler Werner Faymann eine Rochade im Frühjahr 2013 plane.

Konkret soll SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos nach der Volksbefragung über die Wehrpflicht als SPÖ-Klubchef ins Parlament wechseln. Offen bleibt, ob Cap seinen Posten abgeben würde.

SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer soll die Bildungsagenden von Claudia Schmied übernehmen. Und die rote Bundesgeschäftsführerin, Laura Rudas, würde dann statt Ostermayer das Medienstaatssekretariat erhalten. In die SPÖ-Zentrale würde ein (noch nicht gefundener) Parteimanager einziehen. "Mit der Rochade will Faymann die SP wahlkampffit machen", sagt der SP-Mann.

Kanzler Faymann plant Umbildung mit Rudas und ostermayer.

 

 

 

 

 

Mittwoch, 24. Oktober 2012

2012.10.24: Unterricht

APA0415 II, XI 24.10.2012 13:49:49

 

Schulverwaltung: Keiner mag Bezirksschulräte

Utl.: Einhellige Zustimmung zu Auflösung

Schule/Österreich

Praktisch einhellige Zustimmung gibt es für die seit langem angekündigte und nun akkordierte Streichung der Bezirksschulräte und die Übertragung ihrer Aufgaben an die Landesschulräte im Rahmen einer Schulverwaltungsreform. "Das ist erstmals ein positives Signal, ein erstes Schrittchen in die richtige Richtung", so der Grüne Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung.

Österreich sei das weltweit einzige Land mit einem parteipolitischen Proporz in der Verfassung, meinte Walser: Dieser Anachronismus schreie nach Veränderung, die Kollegien der Bezirks- und Landesschulräte müssten aufgelöst werden. Die Grünen wollen aber noch viel weiter gehen: "Wir fordern eine Gesetzesinitiative, die für das gesamte Schul-, Krippen- und Kindergartenwesen in Gesetzgebung und Vollziehung klare und bundeseinheitliche Zuständigkeiten vorsieht."

Auch die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) begrüßt die Einsparung einer Verwaltungsebene. Damit folge man dem Beispiel Wiens, wo die Bezirksschulräte in Folge der Auflösung der Schulsprengel bereits vor Jahren abgeschafft wurden.

Längst überfällig war der Schritt auch für die VP-nahe Schülerunion. "Das System der Schulverwaltung ist nicht nur undurchsichtig und unflexibel, es verschlingt auch reichlich Geld", so Bundesobmann Daniel Perschy. Eine Verschlankung der Bürokratie sei eine mehr als notwendige Maßnahme. Die Schülerunion will Landesbildungsdirektionen schaffen, die die Aufgaben von Landes- und Bezirksschulrat übernehmen.

(schluss) aku;cm;vef

APA0392 II, XI 24.10.2012 13:34:49

 

Schulen: Landeshauptleute für mehr Autonomie und weniger Bürokratie

Utl.: Bezirksschulräte sollen wegfallen

Schule/Österreich

Für mehr Schulautonomie und weniger Bürokratie in der Schulverwaltung haben sich Österreichs Landeshauptleute am Mittwoch bei einer Konferenz auf der Zugspitze bei Ehrwald in Tirol ausgesprochen. Unter anderem soll ein Direktor auch für mehrere Schulen verantwortlich sein können. Die Ebene der Bezirksschulräte soll wegfallen, kündigte der Vorsitzende des Gremiums, der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (V) bei einer Pressekonferenz an.

Verhandlungsführer bei der Bildungsreform war Burgenlands Hans Niessl (S). Er sprach von keinem "hohen" Einsparungspotenzial. Es gebe aber Möglichkeiten für mehr Autonomie im Schulbereich. Direktoren und Lehrer sollten gestärkt werden. Ernennungen sollten rascher durchgeführt werden, ebenso wie der Neubau oder das Renovieren von Schulen. Zwischen Neuen Mittelschulen und Gymnasien soll es Kooperationen für die ganztägige Betreuung geben.

Auch Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (V) plädierte für mehr Autorität und Verantwortung der Schulleiter. Sie sollten Mitsprache bei der Lehrerauswahl haben "und nicht wegen jeder Bagatelle nach oben gehen müssen". Unnötige Bürokratie sei "zu entfernen", meinte Pühringer.

(schluss) gr;vef

OTS0173 II 24.10.2012 12:30:00

 

Schülerunion: Abschaffung der Bezirksschulräte erfüllt eine überfällige Forderung

Utl.: Umfassendere Verwaltungsreform dringend notwendig

Bildung/Schülerunion/Perschy/Schmied/Bezirksschulräte

Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat sich gemeinsam mit den Landeshauptleuten kürzlich auf eine Abschaffung der Bezirksschulräte geeinigt. Diese Abschaffung ist eine langjährige Forderung der Schülerunion, deren Umsetzung längst nötig war.

"Das System der Schulverwaltung ist nicht nur undurchsichtig und unflexibel, es verschlingt auch reichlich Geld. Eine Verschlankung der Bürokratie ist eine mehr als notwendige Maßnahme. Die Schulverwaltung darf kein Fass ohne Boden sein", so Bundesobmann Daniel Perschy.

Die Forderung der Schülerunion schlägt die Einrichtung von Landesbildungsdirektionen vor. Diese Landesbildungsdirektionen sollen die Aufgaben des Landesschulrats und des Bezirksschulrats übernehmen, ähnlich wie es der momentan verhandelte Vorschlag vorsieht.

"Wichtig ist es, an dieser Stelle die Kompetenzaufteilung zwischen der Landesbildungsdirektion und der Direktion zu finden. Zusätzlich würden wir uns eine umfassende Verwaltungsreform und in diesem Rahmen die Schaffung eines Schulgemeinschaftsausschusses auf Landesebene wünschen", so Perschy.

In einem Schulgemeinschaftsausschuss diskutieren die drei Schulpartner (Lehrer, Eltern, Schüler) gemeinsam über Probleme und Veränderungen an der Schule. Dies soll auf Landes- und Bundesebene mit den jeweiligen Schüler-, Lehrer- und Elternvertretern passieren. "Reformfiaskos wie die übereilte Umsetzung der Zentralmatura könnten durch die Einbindung der Schulpartner, im Rahmen eines LSGA, im Vorhinein verhindert werden!", ergänzt Perschy.

Die Schülerunion ist die größte Interessensvertretungsorganisation für Österreichs Schüler. Über 30000 Mitglieder vernetzen sich, um sich auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene für eine Verbesserung der Schule auf Basis der Schülerinteressen einzusetzen. Entsprechende Forderungen bringt die Schülerunion zusätzlich im Rahmen der Bundesschülervertretung (BSV) ein, in der sie in diesem Schuljahr 27 von 29 Mandaten hält.

Rückfragehinweis:
Österreichische Schülerunion
Nina Londer
0664/1841228
nina.londer@schuelerunion.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1493/aom

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.10.24: Unterricht

 

APA0601 II, XI 23.10.2012 18:39:37

 

Schulverwaltungsreform - Bezirksschulrat soll gestrichen werden

Utl.: Aufgaben übernimmt Landesschulrat - Einvernehmen nach Gespräch zwischen Bund und Ländern

Schule/Österreich

Einvernehmen über ein Expertenpapier zur Schulverwaltungsreform herrschte nach einem Gespräch von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) Oberösterreichs LH Josef Pühringer (V) und Burgenland-LH Hans Niessl (S) am Dienstag. Es sehe unter anderem vor, dass mehrere Pflichtschulen unter einer Leitung stehen können sowie die Behörde Bezirksschulrat zu streichen und ihre Aufgaben an den Landesschulrat zu übertragen, so Pühringer in einer Presseaussendung.

Die Bezirksschulinspektoren bleiben, werden aber Teil des Landesschulrates, hieß es aus dem Büro von Ministerin Schmied gegenüber der APA. Schulversuche sollen effizienter werden, bei Bestellungen und Titelverleihungen dem Ministerium nur mehr ein Veto-Recht zukommen. Insgesamt seien 35 Gesetzesänderungen nötig. Man wolle so viel wie möglich von dem Paket noch vor dem Ende der Legislaturperiode umsetzen, hieß es.

Das Papier stärke die Schulautonomie sowie Mitwirkungsrechte der Schulleiter bei Personal und Lehrerfortbildung, so Pühringer. "Die Länder erhalten nach dem Vorbild Wien, dem Burgenland, Nieder- und Oberösterreich die Möglichkeit, die Verwaltung der Pflichtschullehrer an die Schulbehörde - den Landesschulrat - zu übertragen", so Niessl in einer Pressemitteilung. Er und Pühringer informieren am Mittwoch bei der Landeshauptleutekonferenz ihre Kollegen über den Stand der Reform. Das Unterrichtsministerium werde beauftragt, Gesetzesvorschläge zu erarbeiten, die nach Abstimmung mit einer Expertengruppe der Politik vorgelegt würden, zeichnete Pühringer den Fahrplan. Auch eine schulübergreifende Nachmittagsbetreuung sowie die Vereinfachung der Verwaltungsabläufe bei Sanierungen im Bundesschulbau seien vorgesehen.

(schluss) inn;mk

Die Presse – 24. Oktober 2012

 

Bezirksschulrat soll gestrichen werden

 

Die Aufgaben der Bezirksschulräte soll künftig der Landesschulrat übernehmen. Die Bezirksschulinspektoren bleiben jedoch.

WIEN/APA/RED. Ein Expertenpapier sieht vor, dass mehrere Pflichtschulen unter einer Leitung stehen können sowie die Behörde Bezirksschulrat zu streichen und ihre Aufgaben an den Landesschulrat zu übertragen. Zu dieser Schulverwaltungsreform gibt es ein Einvernehmen nach einem Gespräch von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (VP), Oberösterreichs Landeshauptmann (LH) Josef Pühringer (VP) und Burgenland-LH Hans Niessl (SP) Dienstagabend.

Die Bezirksschulinspektoren bleiben jedoch. Schulversuche sollen zudem effizienter werden, bei Bestellungen und Titelverleihungen dem Ministerium nur mehr ein Veto-Recht zukommen. Insgesamt sind dazu 35 Gesetzesänderungen nötig.

Stärkere Schulautonomie

Das Papier stärke die Schulautonomie sowie Mitwirkungsrechte der Schulleiter bei Personal und Lehrerfortbildung, sagte Pühringer. Niessl und Pühringer informieren heute, Mittwoch, bei der Landeshauptleutekonferenz ihre Kollegen über den Stand der Reform. Das Unterrichtsministerium werde beauftragt, Gesetzesvorschläge zu erarbeiten, die nach Abstimmung mit einer Expertengruppe der Politik vorgelegt würden, erklärte Pühringer. Auch eine schulübergreifende Nachmittagsbetreuung sei vorgesehen.

 

 

Wiener Zeitung – 24. Oktober 2012

 

Schulverwaltungsreform

Bezirksschulrat soll gestrichen werden

 

 

·         Aufgaben übernimmt Landesschulrat.

·         Einvernehmen nach Gespräch zwischen Bund und Ländern.

 

Wien/Linz. Einvernehmen über ein Expertenpapier zur Schulverwaltungsreform herrschte nach einem Gespräch von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Oberösterreichs LH Josef Pühringer und Burgenland-LH Hans Niessl am Dienstag. Es sehe unter anderem vor, dass mehrere Pflichtschulen unter einer Leitung stehen können sowie die Behörde Bezirksschulrat zu streichen und ihre Aufgaben an den Landesschulrat zu übertragen, so Pühringer in einer Presseaussendung.

Die Bezirksschulinspektoren bleiben, werden aber Teil des Landesschulrates, hieß es aus dem Büro von Ministerin Schmied gegenüber der APA. Schulversuche sollen effizienter werden, bei Bestellungen und Titelverleihungen dem Ministerium nur mehr ein Veto-Recht zukommen. Insgesamt seien 35 Gesetzesänderungen nötig. Man wolle so viel wie möglich von dem Paket noch vor dem Ende der Legislaturperiode umsetzen, hieß es.

Das Papier stärke die Schulautonomie sowie Mitwirkungsrechte der Schulleiter bei Personal und Lehrerfortbildung, so Pühringer. "Die Länder erhalten nach dem Vorbild Wien, dem Burgenland, Nieder- und Oberösterreich die Möglichkeit, die Verwaltung der Pflichtschullehrer an die Schulbehörde - den Landesschulrat - zu übertragen", so Niessl in einer Pressemitteilung. Er und Pühringer informieren am Mittwoch bei der Landeshauptleutekonferenz ihre Kollegen über den Stand der Reform. Das Unterrichtsministerium werde beauftragt, Gesetzesvorschläge zu erarbeiten, die nach Abstimmung mit einer Expertengruppe der Politik vorgelegt würden, zeichnete Pühringer den Fahrplan. Auch eine schulübergreifende Nachmittagsbetreuung sowie die Vereinfachung der Verwaltungsabläufe bei Sanierungen im Bundesschulbau seien vorgesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Montag, 22. Oktober 2012

2012.10.22: Unterricht

 

Die Presse – 22. Oktober 2012

 

Wohin die Bildungsmilliarden fließen

Wie im Vorjahr steigt das Budget für den Unterrichtsbereich moderat. Der größte Brocken sind mit rund 6,8 Milliarden Euro Schulen und Lehrer. In Gebäude werden rund 620 Millionen investiert.

Bildung ist einer der wenigen Bereiche, in denen die Regierung den Sparstift kommendes Jahr nicht ansetzt. Rund acht Milliarden Euro gibt es insgesamt für den Bereich Unterricht. Was passiert mit dem Geld? Der größte Brocken geht, wenig überraschend, an die Schulen inklusive der Lehrer (siehe Grafik). In diesem sogenannten Globalbudget enthalten ist neben den Gehältern auch die Ausstattung der Schulen, also jene Gelder, die die einzelnen Standorte für Kreide, Computer und Co. erhalten.

Was aus der Aufstellung klar hervorgeht: Der Budgetposten, der für Verwaltung in Bund und Ländern gedacht ist, ist bei Weitem nicht so groß wie oftmals behauptet. Von verschiedenen Seiten etwa kursierte wiederholt, es gebe ein Einsparungspotenzial von bis zu 600 Millionen Euro. Tatsache ist: An Ministerium, Landes- und Bezirksschulräte fließen dafür lediglich rund 183 Millionen (im Ministeriumsanteil ist außerdem die Verwaltung der ebenfalls im Ressort angesiedelten Kultur enthalten). Was dabei aber an Verwaltungskosten noch fehlt: das, was am jeweiligen Schulstandort ausgegeben wird. An den Bundesschulen, also etwa den Gymnasien, wird das entsprechende Personal nämlich ebenfalls aus dem Topf des Unterrichtsministeriums bezahlt. Insgesamt kostet das Schulpersonal – hauptsächlich sind das natürlich die rund 120.000 Lehrer – rund 6,4 Milliarden Euro. 

Geld für Reformmaßnahmen

Dass die veranschlagten Kosten für die verschiedensten Reformmaßnahmen nicht aus dem Gesamtbudget herauszulesen sind, liegt indes daran, dass sie sich teilweise aus unterschiedlichsten Budgetposten zusammensetzen. So gibt es für den Ausbau der schulischen Tagesbetreuung im kommenden Jahr rund 80 Millionen Euro – aufgesplittet in die Kosten für die Räumlichkeiten, die teils umgestaltet oder neu geschaffen werden müssen (bauliche Infrastruktur) und den Personalaufwand der betreffenden Schultypen – von der Volksschule bis zur AHS-Unterstufe. Rund 230 Millionen werden in den Ausbau der Neuen Mittelschule gesteckt, für die Verlängerung der schulischen Sprachförderung sind knapp 24 Millionen Euro budgetiert. Für das Nachholen von Abschlüssen gibt es gut neun Millionen Euro, für das Projekt „Lehre mit Matura“ 12,4 Millionen.

Insgesamt ist das Budget des Ministeriums für den Bereich Unterricht gestiegen, allerdings nur moderat. Ein direkter Vergleich mit Vorjahr ist aufgrund der Umstellung des Haushaltsrechts nicht möglich. Rechnet man die daraus entstehenden Effekte heraus, bekommt das Ministerium rund elf Millionen Euro mehr als im Jahr 2012.

 

 

Die Presse – 22. Oktober 2012

 

Gastkommentar: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

CHRISTIAN SCHACHERREITER 

Wer eine höhere Schule besucht hat, dem sollten Namen wie Kafka, Mozart oder Schiele doch einmal begegnet sein: Über die Zentralmatura - und die intelligenzferne Mode, Wissen gegen Kompetenzen auszuspielen.

Es wird viel geredet und gestritten über die neue Matura, die „teilstandardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung“. Der breite, laute, aber nicht sonderlich tiefsinnige öffentliche Diskurs weist elementare Schwachstellen auf, die unter anderem dadurch bedingt sind, dass die Tagespresse oft äußere Begleiterscheinungen der Reform fokussiert, die „interessant“ erscheinen, obwohl sie für die Sache als solche unerheblich sind. Beispielsweise ist es völlig unerheblich, ob die neue Form der Reifeprüfung im Schuljahr 2013/14 oder erst im Schuljahr 2014/15 flächendeckend realisiert wird. Aus der aufgeregten Diskussion um die Verschiebung lässt sich vielleicht politisches Kleingeld machen (vermeintliche oder tatsächliche Unfähigkeit einer Ministerin), auch das zur Gewohnheit gewordene Lehrerbashing in Entrüstungspose lässt sich daran aufhängen (schlechte Vorbereitung der Schüler). Das war's aber dann schon wieder.

Zu einem kritischen Urteil, das dieses vornehme Attribut findet, kommt man erst, wenn man prüft, wie die einzelnen Unterrichtsgegenstände mit den Reformrichtlinien zurechtkommen. Da gibt es nämlich erhebliche Unterschiede. Das beginnt schon beim Grundsatz der Kompetenzorientierung, dem didaktischen Kern der Maturareform. 

Kompetenz ohne Wissen?

Der Begriff „Kompetenz“ hat beim Erlernen einer Fremdsprache eine andere Qualität als im naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Unterricht. Gut Englisch zu sprechen und damit in verschiedenen Kommunikationssituationen zurechtzukommen, das ist tatsächlich eine Kompetenz, die nicht vorrangig auf bestimmte Inhalte fixiert ist. Ich kann meine Sprachkompetenz ebenso gut in einem Gespräch über amerikanische Popularmusik nachweisen wie in einem über den englischen Parlamentarismus, über das Fernsehprogramm oder über Jugendgruppen. Allzu dünnflüssig wird die Sache freilich, wenn man sich im Englischunterricht inhaltlich nur noch auf Talkshowniveau bewegt. Das eine oder andere kulturell relevante Thema wäre nicht wirklich kompetenzfeindlich, und der Name Shakespeare sollte nicht völlig beliebig austauschbar sein – etwa gegen Paris Hilton oder Hugh Hefner.

Die intelligenzferne Mode, Wissen gegen Kompetenzen auszuspielen, wird bei Disziplinen wie Physik, Biologie oder Geschichte geradezu lächerlich. Die großen Vereinfacher unter den Propagandisten der „Kompetenzorientierung“ erwecken gern den Anschein, als wäre in solchen Unterrichtsgegenständen bisher nur zusammenhangloses, auswendig gelerntes Faktenwissen abgeprüft worden, und dass es ihrer herausragenden Genialität bedurft hätte, diesen himmelschreienden Missstand endlich zu beseitigen. Ich ziehe seit zwei Jahrzehnten als Maturavorsitzender durch Oberösterreich. Noch nie habe ich gehört, dass bei einer Geschichte-Matura Einzelfakten geprüft worden wären. Immer ging es darum, Zusammenhänge, Ursachen und Folgewirkungen zu erläutern, aber dafür braucht man halt das eine oder andere Faktum. Wie sollen Maturanten den italienischen Faschismus erklären, wenn sie nichts Faktisches darüber wissen? Aufgrund einer allgemeinen Sprechkompetenz und ihrer Wahlberechtigung mit sechzehn? 

Textsortenvielfalt – gut so!

Als besonders komplex erweist sich die Frage nach dem Zusammenhang von Wissen und Kompetenz im Unterrichtsfach Deutsch, zweifellos ein Sprachfach, aber doch auf andere Weise als eine Fremdsprache. Grundsätzlich halte ich die Richtung, die man bei der schriftlichen Reifeprüfung eingeschlagen hat, für niveauförderlich. Die Zeiten, in denen es gereicht hat, wenn ein Maturant zu einem erhebenden Zitat seinen Assoziationen freien Lauf ließ und diesen „Herz und Bauch“-Erguss für einen Essay hielt, sind vorbei. Es gibt einen Textsortenkanon, auf den die Maturanten vorbereitet sein müssen. Er reicht vom journalistischen Kommentar über die Rede bis zur klassischen Erörterung und glücklicherweise auch zum Interpretationsaufsatz über literarische Texte.

So weit, so gut. Dennoch hätte ich es begrüßt, wenn man sich darauf beschränkt hätte, den Deutschlehrern Kriterien vorzugeben, denen ihre Themen entsprechen müssen, aber die Wahl der Inhalte den Lehrkräften zu überlassen. Dazu ein Beispiel: An meiner Schule gibt es einen Sportzweig mit dem Fach „Sportkunde“. Bei Maturathemen in Deutsch habe ich dieses „Weltwissen“ immer berücksichtigt. An einer HTL oder an einem sprachlich ausgerichteten Gymnasium wäre dies Unfug, da ergeben sich eben andere inhaltliche Schwerpunkte. Die Sekundarstufe II ist in Österreich ziemlich heterogen. Ich sehe wenig Sinn darin, dass alle Maturanten eines Jahrgangs österreichweit zu denselben Themen ihre Aufsätze schreiben müssen, denn man schreibt naturgemäß besser über ein Thema, zu dem man inhaltlich etwas zu sagen hat.

Ähnliches gilt für das Literaturthema. Da es keinen Literaturkanon gibt, kann als Grundlage für den Interpretationsaufsatz irgendein literarischer Text kommen. Ob so etwas Ähnliches einmal im Unterricht stattgefunden oder nicht, bleibt dem Zufall überlassen, und auf kontextuelles Wissen, das die werkimmanente Interpretation sinnvoll ergänzen könnte, kann man dann sowieso nicht mehr bauen. So werden sich die Themensteller für die Klausur auf eher einfaches Textmaterial beschränken müssen. Schade, denn Literatur bietet eigentlich mehr. 

Wie hast du's mit der Rechtschreibung?

Rechtschreibung und Grammatik dürften für die Gesamtbeurteilung einer Deutsch-Matura nach neuer Fasson eher nebensächlich sein. Auf diese Kompetenz, die im wirklichen Leben draußen immer noch wichtig ist (ob wir das gut finden oder nicht), brauchen wir in der Schule nicht mehr zu sehr bauen. Obwohl die pädagogische Ideologie der „Kompetenzen“ Teil einer funktionalistischen Bildungsauffassung ist, die Lernen an Verwertbarkeit bindet und dem „Praxisbezug“ hohen Stellenwert einräumt, ignorieren die Verantwortlichen weitgehend, dass die Gesellschaft korrekter Rechtschreibung und Grammatik nach wie vor einen hohen Stellenwert einräumt. Das ist ein seltsamer Widerspruch.

Bedauerlich finde ich, dass wir vor lauter Kompetenzen keine Inhalte mehr sehen wollen. Die „konservative“ Frage, ob die Kenntnis des kulturellen Kanons nicht doch zum Kompetenzbündel von Maturanten gehören soll, ist völlig aus dem didaktischen Diskurs verschwunden. Wer (so wie ich) daran festhält, dass jemand, der eine höhere Schule besucht hat, Namen wie Mozart, Schiele, Goethe oder Kafka doch einmal begegnet sein soll, gerät bei schneidigen Fortschrittlern schnell in den Generalverdacht elitärer Dünkelhaftigkeit und eines neokolonialistischen, eurozentrischen Kulturverständnisses. 

Unerwünschte Nebenwirkungen

Die neuen Richtlinien für die mündliche Reifeprüfung bringen interessante Herausforderungen für den Prüfer und Kandidaten mit sich. Die Reduktion der mündlichen Prüfungen bei gleichzeitiger Verlängerung der Prüfungsdauer wird etwas anspruchsvollere Fragestellungen ermöglichen. Die Vorgabe, dass jede Aufgabenstellung für eine mündliche Prüfung drei Qualifikationsebenen beinhalten müsse (Reproduktion, Transferleistung, Reflexion), fördert eine qualitativ hochwertige Aufgabenstellung. Das wird positive Auswirkungen haben. Die Zeit jener Biedermänner und Biederfrauen, die Literaturgeschichte auswendig lernen und aufsagen lassen, ist abgelaufen. Sie kommen sinnvollerweise ein wenig ins Schwitzen, denn ohne Lektüre und eigenständige Arbeit am Text geht in Zukunft gar nichts mehr, und das ist gut so.

Der Preis für diese Regulierung ist nicht gerade niedrig. Jede Lehrkraft muss künftig in erster Linie darauf achten, dass sie alle erforderlichen Kompetenzen und die daran gebundenen Lehr- und Lernprozesse in knapper Zeit unterbringt. Für Experimente, Sonderprojekte, Schwerpunkte bleibt nur wenig Raum. Originalität und Kreativität könnten auf der Strecke bleiben. Alles hat eben seinen Preis. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung.


Christian Schacherreiter (geb. 1954) ist
Literaturkritiker und Direktor am
Peuerbach-Gymnasium in Linz.

Auf einen Blick

Der Start der Zentralmatura hat sich um ein Jahr verzögert. Die erste zentrale Reifeprüfung an den Gymnasien wird nicht im Schuljahr 2013/14, sondern erst 2014/15 stattfinden. An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) wurde der Start von 2014/15 auf 2015/16 verschoben. Grund für die Verschiebung: die angeblich unzureichenden Vorbereitung der Zentralmatura. Vor allem im Fach Mathematik wurde Kritik laut. Die Schulen, die sich bereits ausreichend vorbereitet fühlen, sollen mit der Zentralmatura wie geplant beginnen können.

 

 

Die Presse – 22. Oktober 2012

 

Schüler streiten um die Direktwahl der eigenen Vertretung

THERESA AIGNER UND JULIA NEUHAUSER

Die Aktion kritischer SchülerInnen (AKS) erwartet sich Vorteile, die Schülerunion warnt vor einem unzumutbaren Wahlkampf. Bislang ist es ihnen lediglich erlaubt, den Schulsprecher zu wählen.

Wien. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat mit ihrer Forderung nach einer Direktwahl der Bundesschülervertretung Öl ins Feuer gegossen. Denn schon lange streiten sich die ÖVP-nahe Schülerunion und die SPÖ-nahe Aktion kritischer Schülerinnen (AKS) über die Sinnhaftigkeit einer Reform des Wahlmodus. Die Fronten sind dabei klar: Die AKS ist für die Direktwahl, die Schülerunion dagegen. Die Ministerin schlägt sich (wenig überraschend) auf Seite der AKS. Die Direktwahl sei ein „demokratiepolitischer Fortschritt“ und soll noch in der laufenden Legislaturperiode eingeführt werden, fordert Schmied.

Für die Schüler selbst würde sich durch die Wahlreform einiges ändern. Bislang ist es ihnen lediglich erlaubt, den Schulsprecher zu wählen. Die Schulsprecher wiederum wählen die jeweiligen Landesschulsprecher der einzelnen Schultypen (AHS, BMHS und Berufsschulen). Die insgesamt 27 Landesschulsprecher sowie zwei Vertreter der zentralen Lehranstalten (Schulen, die direkt dem Bund unterstellt sind) bilden dann die Bundesschülervertretung (BSV). Dieses 29-köpfige Team wählt den Bundesschulsprecher aus seiner Mitte.

Dass sich die Schülerunion gegen und die AKS für die Direktwahl ausspricht, erklärt sich zum Teil aus dem jeweiligen Selbstverständnis. Während sich die Schülerunion vermehrt als Serviceorganisation für Schülervertreter begreift, sieht sich die AKS als politische Organisation, die allen Schülern offensteht und sich auch Themen abseits der Schule widmet. Praktisch heißt das: Die Schülerunion bietet etwa Rhetorikkurse für Schulsprecher an, die AKS organisiert eher Anti-Rassismus-Seminare und gesellschaftspolitische Diskussionsrunden. Die (sehr) unterschiedlichen Herangehensweisen führen mitunter dazu, dass eine Schülerorganisation stärker von der indirekten Wahl profitiert: die Schülerunion. Seit dem Jahr 1990 stellte sie den Bundesschulsprecher 20 Mal, die AKS nur vier Mal.

Während die AKS seit Jahren Kampagnen und Bürgerinitiativen für die Direktwahl lanciert, sind die Argumente der Schülerunion gegen eine Direktwahl vielfältig: Da wäre zum Einen die Angst vor einer Kostenexplosion. Immerhin müssten rund 1,2 Millionen Schüler informiert und motiviert werden, zur Wahl zu gehen. „Ich fürchte, dass das in einer Art Partyschlacht ausartet“, sagt Daniel Perschy, der Bundesobmann der Schülerunion. Außerdem sei es den Kandidaten kaum zumutbar, einen mindestens zweimonatigen Wahlkampf zu bestreiten. AKS-Vorsitzende Tatjana Gabrielli konterte: In Zeiten von Social-Media-Plattformen und Co. gebe es genügend Möglichkeiten, um mit den Schülern in Kontakt zu treten, ohne dass dabei hohe Kosten entstehen. 

Schülervertretung kaum bekannt

Eines würde die Direktwahl definitiv mit sich bringen: Die Schüler würden ihre gesetzliche Vertretung besser kennenlernen. Das ist eines der Argumente, das die AKS gern vorbringt. Und tatsächlich wissen nur wenige Schüler um ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten. Das zeigt eine aktuelle Studie eines Forscherteams der Uni Linz. Demnach würden sich die Schüler zwar gern stärker ins Schulgeschehen einbringen, kennen ihre gesetzlichen Möglichkeiten aber nicht ausreichend. Dem Bekanntheitsgrad der Schülervertretungen dürfte dabei auch die geringe Aufmerksamkeit schaden, die ihnen die Bundespolitik entgegenbringt. Abgesehen von der gemeinsam präsentierten Einigung zur Verschiebung der Zentralmatura scheint der Austausch zwischen Ministerin und Schülervertretern verhalten.

Ein Rolle dürften auch die begrenzten Artikulationsmöglichkeiten der Bundesschülervertretung spielen. So habe das Unterrichtsministerium der BSV zwar eine eigene Homepage zur Verfügung gestellt (www.bsv.at), die Inhalte dürften aber nicht selbst erstellt oder verwaltet werden. Genauso wenig sei ein Budget für Presseaussendungen oder -konferenzen vorgesehen, so Bundesschulsprecher Felix Wagner (Schülerunion). Im Ministerium will man den Status quo nicht kommentieren. Nur so viel: Die „offenen Fragen“ sollen bei einem baldigen Termin geklärt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945