Freitag, 30. November 2012

2012.11.30: Unterricht

 

"Format" Nr. 48/2012 vom 30.11.2012                       Seite: 16

Ressort: Politik

 

Bildung

 

Ganztagsschule

 

Zwei Modelle für den Nachmittag

 

   119.000 Schüler werden derzeit nachmittags betreut, 250.000 sollen es mit den vorhandenen Hortplätzen bis 2018 werden - derzeit wird noch um den Ausbau gestritten. Grundsätzlich wird nachmittags die verschränkte Variante aus Unterricht und Freizeit (die Ausnahme) oder reine Nachmittagsbetreuung angeboten. 160 Mio. Euro jährlich sollen für den Ausbau ab 2014 zur Verfügung stehen.

 

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"Format" Nr. 48/2012 vom 30.11.2012                 Seite: 16,17,18

Ressort: Politik

 

Stefan Knoll

 

Bildung

 

Ausweitung der Lernzone

 

   Das Mammutprojekt Ganztagsschule steckt im Sand, sorgt für ewigen Streit und kommt ein Jahrzehnt zu spät. Aber jetzt werden die raren Betreuungsplätze endlich aufgestockt.

 

   Johann Brandl ist Pionier in Bildungsbelangen. Der Direktor des Diefenbachgymnasiums im 15. Wiener Gemeindebezirk hat bereits 2010 "mit einer Handvoll Freiwilliger" eine erste Klasse zur echten Ganztagsgruppe ausgebaut. Der Unterricht wird dort über den ganzen Tag verteilt und nachmittags mit Freizeitangeboten "verschränkt", der Schultag endet um 17 Uhr. Mittlerweile sind zwei Klassen solcherart verschränkt, daneben gibt es Gruppen mit reiner Freizeitbetreuung.

 

   Der organisatorische Grundriss des Diefenbachgymnasiums gilt als Maßstab für ganz Österreich: Nachmittagsbetreuung mit eingestreuten Unterrichtsstunden oder reine Freizeitbetreuung bis zum 9. Schuljahr - das sind die beiden Grundvarianten der Ganztagsschule, die Bildungsministerin Claudia Schmied im Programm hat. 80 Millionen Euro jährlich stellt der Bund bis 2014 für den Ausbau zur Verfügung. Geht es nach Schmied, sollen die Mittel von 2014 bis 2018 verdoppelt werden. Ihr Ziel: die Aufstockung von derzeit 119.000 auf 200.000 ganztägige Betreuungsplätze (exklusive 50.000 bereits vorhandener Hortplätze) bis 2018. Der Fahrplan hätte bereits beim Ministerrat vergangenen Dienstag fixiert werden sollen, scheiterte aber an neuen Sonderwünschen der ÖVP.

 

   Die Inangriffnahme der Ausbaustufen wird sich freilich nur geringfügig verzögern. Denn eine Einigung wird sich kaum noch verhindern lassen, zu groß ist die Nachfrage. Eile scheint, spitz formuliert, auch keine mehr geboten, denn im europäischen Vergleich kommt man ohnehin ein Jahrzehnt zu spät.

 

   Betrachtet man die Europakarte, ist Österreich von Ganztagsschulen umzingelt. Praktisch alle Länder bieten seit Jahren mehr oder weniger flächendeckend Nachmittagsbetreuung an. Schweden hat sein Schulsystem bereits in den 1970ern umgestellt, PISA-Musterknabe Finnland hat die flächendeckende Betreuung 2004 beschlossen, in Deutschland wurde die Notwendigkeit der ganztägigen Betreuung in Volks- und Mittelschulen ein Jahr früher erkannt. Seit 2003 fördert die Bundesrepublik entsprechende Schulformen mit bislang vier Milliarden Euro. 8.200 Schulen haben mittlerweile auch nachmittags geöffnet, die Betreuungsquote liegt bei 51 Prozent, in Österreich sind es gerade einmal 17,5. Frankreich hat einen Sonderstatus. Hier haben die Schulen mittwochs geschlossen, den Rest der Woche wird ganztägig gebüffelt. Dort wird derzeit eine Änderung des Schulsystems diskutiert, Politiker sprechen vom "deutschen Modell".

 

   Und selbiges liefert auch anschauliche Daten. Unlängst publizierte das Deutsche Jugendinstitut eine Studie zur Entwicklung der Ganztagsschule. 50.000 Schüler, Eltern und Lehrer wurden über einen Zeitraum von drei Jahren befragt. Die Ergebnisse: Kinder und Jugendliche in schulischer Nachmittagsbetreuung zeigten weniger Verhaltensauffälligkeiten im Unterricht. Die Beziehung zu den Eltern blieb gleich oder verbesserte sich. Und in verpflichtenden Ganztagsschulen war die Rate der Klassenwiederholungen (1,4 Prozent) im Vergleich zu Schülern ohne Nachmittagsbetreuung (8,4 Prozent) deutlich niedriger.

 

   Auch der gesellschaftsrelevante Hauptgrund für die Umstrukturierung geht aus der Studie hervor. Rund 80 Prozent der Mütter von Ganztagsschülern stehen im Erwerbsleben.

 

   Das Mütter-Argument. Hier spannt sich der Bogen wieder nach Österreich. 64,7 Prozent der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren waren 2010 hierzulande berufstätig (1994: 52,4 %). Rund 15 Prozent der Mütter sind alleinerziehend, Tendenz jeweils steigend. Den wachsenden Erwerbszahlen stehen derzeit landesweit 169.000 Ganztagsschul- und Hortplätze gegenüber - nur knapp jeder vierte AHS-Unterstufen- und Pflichtschüler wird nachmittags betreut. Das ist zu wenig, meint auch Gemeindebund-Chef und ÖVP-Bürgermeister Helmut Mödlhammer: "Die klassische Versorgung der Schüler in den Familien wird auch bei uns am Land weniger. Wir brauchen mehr Betreuungsplätze."

 

   Mödlhammer ist einer jener schwarzen Landespolitiker, denen die Blockadehaltung der Bundes-ÖVP auf die Nerven geht. Ein anderer ist der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, derzeit Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz. "Unsere Gesellschaft ändert sich, und wir müssen auch in der Bildungspolitik aufholen", sagt Platter. Er bricht eine Lanze für den Ausbau der Ganztagsbetreuung: "Wir müssen dringend ein Angebot legen."

 

   Die Bundes-VP hat unlängst einen ganzen Wunschkatalog als Bedingung für die Zustimmung zum Ausbau deponiert. Gesetzlich verankert werden sollen etwa der Ethik-Unterricht als Religionsersatz, der Deutschunterricht für Nicht-Muttersprachler und der verpflichtende Besuch des zweiten Kindergartenjahres. Das ärgert nicht nur die Bildungsministerin. "Wir sollten den Bildungsbereich isoliert betrachten und Ergebnisse nicht durch unnötige Hürden erschweren", meint Platter. Nachsatz: Dazu gehöre auch der Vorschlag von Kanzler Faymann, Ganztagsschulen über Einnahmen aus einer Erbschaftssteuer zu finanzieren.

 

   Das Finnland-Argument. Ohne Not hat Schmied unlängst beim Thema Ganztagsschule eine zweite Front eröffnet. Es geht dabei um den verschränkten Unterricht, Schmieds bevorzugtes Modell. Bislang müssen jeweils zwei Drittel der Eltern und Lehrer einer Klasse der Umwandlung zur echten Ganztagsgruppe zustimmen. Schmied wollte die Lehrer aus dem Mitspracherecht ausklammern. Im FORMAT-Interview (siehe links) rudert sie jetzt zurück.

 

   Die verschränkte Variante birgt noch eine weitere Tücke. Im Gegensatz zur unterrichtsfreien Nachmittagsbetreuung, die ab einem Bedarf von 15 Teilnehmern pro Schule angeboten wird und nur jene betrifft, die ein solches Angebot auch brauchen, verpflichtet die Entscheidung zur verschränkten Variante alle Schüler eines Standorts respektive Schulklasse zum Unterricht bis 16 Uhr.

 

   "Wenn etwa ein Jugendlicher zweimal pro Woche zum externen Fußballtraining geht, dann hat er ein Problem", sagt Direktor Brandl vom Wiener Diefenbachgymnasium: "Die Nachfrage nach unseren Ganztagsklassen hält sich deshalb in Grenzen. Die reine Tagesbetreuung wird viel besser angenommen." Die Idee von der Verteilung des Unterrichts über den ganzen Tag hält Brandl zwar für unbestritten. "Hausübungen und Testvorbereitungen werden bereits in der Schule erledigt, die Schüler haben abends frei und sind stärker im Klassenverband integriert." Aber flächendeckend sei das Konzept schlicht nicht durchführbar.

 

   Darüber hinaus zeigt sich am Beispiel Finnland, dass hervorragende Schülerergebnisse bei PISA-Tests nicht mit der Verteilung von Unterrichtseinheiten auf Vor- und Nachmittage zusammenhängen. Dort gibt es nachmittags reine Freizeitbeschäftigung. Die finnischen PISA-Erfolge machen Experten an topausgebildeten Lehrern fest, am höheren Betreuungsschlüssel, flexiblen Unterrichtseinheiten und einem Schulsystem, das die Schwächsten gezielt fördert und keine starren Lehrpläne kennt. Aber das ist wieder eine andere Bildungsbaustelle.

 

   320 Millionen Euro sind von 2010 bis 2014 für den Ganztagsschul-Ausbau budgetiert.

 

   640 Millionen Euro sollen in der zweiten Ausbaustufe von 2014 bis 2018 fließen.

 

   37 Prozent Betreuungsquote soll bis 2018 erreicht werden. Das sind 250.000 Plätze oder jeder dritte Schüler.

 

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"Format" Nr. 48/2012 vom 30.11.2012                       Seite: 18

Ressort: Politik

 

Bildung

 

Interview

 

"Als Unternehmer frage ich auch nicht den Betriebsrat"

 

   Die Bildungsministerin über ihre Schulreform und den ewigen Streit mit den Lehrern.

 

   Format: Die ÖVP hat den Ausbau der Ganztagsschulen zum wiederholten Mal gebremst. Fühlen Sie sich gefrotzelt?

 

   Claudia Schmied: Dieses Wort zählt nicht zu meinem Wortschatz. Aber natürlich braucht man starke Nerven, wenn man Bildungsreformen vorantreiben will.

 

   Beim Nachmittagsunterricht legen Sie sich zusätzlich mit den Lehrern an und wollen ihnen das Mitspracherecht entziehen.

 

   Entscheidend ist, dass die Eltern dem verschränkten Unterricht zustimmen, weil ja alle Kinder einer Klasse mitmachen müssen. Unternehmen fragen auch nicht den Betriebsrat, wenn sie ihre Produkte vermarkten. Im Bildungsbereich gehen die Uhren aber anders, deshalb werde ich an der derzeitigen Rechtslage festhalten, dass auch die betroffenen Lehrer befragt werden müssen, wenn eine Klasse oder Schule umgewandelt werden soll.

 

   Wann wird der Ausbau der Ganztagsschulen denn jetzt beschlossen werden?

 

   Der Koalitionspartner legt diesbezüglich eine sehr abwechslungsreiche Haltung an den Tag. Hier tue ich mir schwer. Aber die Eltern und Gemeinden wollen den Ausbau haben, die Landeshauptleute sind sehr interessiert - wir werden bis zum Jahresende etwas zusammenbringen.

 

   Wollten Sie Ihren Job schon einmal hinschmeißen?

 

   Nein, noch nie.

 

 

Die Presse – 30. November 2012

 

Umerziehung im Denken

EDUARD HABSBURG-LOTHRINGEN 

Gastkommentar. Kritik an Unterrichtsmaterialien zur Sexualerziehung ist nicht nur ein Elternrecht, sondern auch eine Elternpflicht.

Man stelle sich einmal vor: Der katholischen Kirche wäre es durch hochgeheime Intrigen gelungen, das Unterrichtsministerium dazu zu bringen, eine Aufklärungsbroschüre für Schulen herzustellen, in der als einziger Weg der Familienplanung die natürliche Empfängnisregelung angegeben wäre.

Ein Aufschrei würde durch das Land gehen, man würde über Ideologisierung schimpfen und darüber, dass hier eine kleine Gruppe der Mehrheit ihre eigene Sicht der Wirklichkeit aufdrücken wolle.

So abwegig? Was ist von einer Aufklärungsbroschüre zu halten, in der die klassische, heterosexuell ausgerichtete Form der Vater-Mutter-Kind-Familie praktisch total ausgeklammert wird, in Formulierungen entweder als lästig-überholtes Bild, das sich „hartnäckig hält" beschrieben oder an anderer Stelle die heterosexuelle Beziehung gleich von der lesbischen bzw. schwulen abgeleitet wird? Ist angesichts der Tatsache, dass immer noch 79 Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Österreich in „Erstfamilien", das heißt bei ihrem eigenen Vater und ihrer eigenen Mutter aufwachsen, diese Behandlung der Vater-Mutter-Kind-Familie wirklich angemessen? Natürlich sollen auch alle anderen Formen von Zusammenleben respektvoll behandelt werden, aber sicher nicht auf Kosten der weltweit bewährten und am weitesten verbreiteten Form.

„Primäre Aufgabe der Eltern"

Natürlich hat die Broschüre auch viele gute Passagen, die ich bedenkenlos unterschreiben würde. Doch in diesen sehr zentralen Punkten wird man irgendwie den Verdacht nicht ganz los, dass hier eine Art „Umerziehung im Denken" stattfinden soll – eine Umerziehung, von der ich nicht sicher bin, ob die Mehrheit der Menschen sie so wünscht.

Als Vater von sechs Kindern muss ich zudem Irritation anmelden, wenn kritische Anfrage an die Broschüre seitens diverser Fachleute, Verbände oder auch besorgter Eltern in den Medien automatisch als Zeichen von rückwärtsgewandter Prüderie abgestempelt wird. Wir Eltern leben im 21. Jahrhundert. Wir tragen Verantwortung und nehmen sie ernst. Wir schreien auch nicht „Huch", wenn irgendwo das Wort „Penis" steht.

Ja, Aufklärung ist gut und sinnvoll; ja, sie muss heute früher denn je ansetzen, weil Sexualität und auch Pornografie viel früher auf Kinder einprasseln. Aber Kritik an Unterrichtsmaterialien ist nicht nur Elternrecht, sondern auch Elternpflicht, zumal bei einem doch sehr tief gehenden Thema wie der Entwicklung der Sexualität. Nicht umsonst schreibt das Unterrichtsministerium selbst im Grundsatzerlass „Sexualerziehung in den Schulen": „Sexualerziehung ist die primäre Aufgabe der Eltern/Erziehungsberechtigten". Da dürfen und müssen wir uns einmischen.

Wie schrieb eine Kommentatorin einer Tageszeitung über ihre Wünsche an so eine Broschüre? „Sie sollte die vorhandene Realität abbilden, ohne ideologisch gefärbte So-muss-das-sein-Klischees." Das wäre dann ein guter Beginn für eine Überarbeitung.

Dr. Eduard Habsburg-Lothringen ist Autor, Drehbuchautor und seit 2009 Medienreferent von Bischof Klaus Küng/St. Pölten.

 

 

Österreich – 30. November 2012

 

Im nächsten Ministerrat 

Ganztagsschule: Schmied rechnet mit Beschluss

Sie ist aber nach wie vor gegen eine Verquickung mit Ethikunterricht.

Nach VP-Klubobmann Karlheinz Kopf rechnet auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) mit einem Beschluss zum Ausbau ganztägiger Schulformen im nächsten Ministerrat. Sowohl der Bedarf als auch die Entschlossenheit für einen Ausbau seien vorhanden, so Schmied bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Mit Prognosen sei sie aufgrund der Entwicklungen der letzten Tage und Wochen aber vorsichtig: "Aber gehen wir einmal davon aus, dass wir das am Dienstag im Ministerrat schaffen."

Eine von der ÖVP ins Spiel gebrachte Junktimierung mit Themen wie Ethikunterricht lehnt die Ministerin nach wie vor ab: "Das ist Politikstil 1.0, Äpfel mit Birnen zu verquicken." Das Thema Ethikunterricht sei zwar wichtig, aber "noch nicht entscheidungsreif".

Keine Änderungen werde es bei den Voraussetzungen für die Einrichtung von Nachmittagsbetreuung bzw. verschränkter Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Betreuung geben. "Ich denke nicht daran, die Rechtslage zu verändern." Bei 15 Anmeldungen für eine Nachmittagsbetreuung hätten die Eltern einen Rechtsanspruch darauf, in bestimmten Fällen sogar bei noch weniger Kindern. Für die verschränkte Form werde weiter eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Eltern und Lehrer der betreffenden Klasse nötig sein - "wenngleich ich schon auch anmerke, dass für mich das Votum der Eltern entscheidend sein sollte": "Wenn ein Unternehmer sein Dienstleistungsangebot verbessern will, fragt er vorher auch nicht den Betriebsrat." Im Schulbereich gingen die Uhren aber anders.

 

 

Der Standard – 30. November 2012

 

 

Pater Thomas' Schule als "Eisbrecher"

Lisa Nimmervoll

Stiftsgymnasium St. Paul bietet als erste und bisher einzige Schule 2014 die neue Matura an

Wien - Die Zentralmatura ist nach Protesten von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern quasi in eine Art Eismeer geraten und wurde um ein Jahr auf 2015 für AHS und 2016 für BHS verschoben. Vom Kärntner Lavanttal aus aber wird ein "Eisbrecher", wie Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Donnerstag freudig mitteilte, starten und die neue Matura "im Vollmodus" wie ursprünglich geplant bereits 2014 realisieren: das von Benediktinern geführte Stiftsgymnasium St. Paul.

Dort wird die derzeitige 7A-Klasse mit 28 Schülern eine wissenschaftliche Arbeit und drei bzw. vier zentral vorgegebene schriftliche Klausuren schreiben sowie zwei bis drei mündliche Prüfungen ablegen. Warum? "Wir haben das nicht als Eliteschule gemacht", sagte der Direktor der katholischen Privatschule, Pater Thomas Petutschnig, aber im Zuge der laufenden Vorbereitung habe man das Gefühl gehabt: "Wir kennen uns eigentlich so weit aus ..." - also machen! Aber nicht ohne mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, Eltern und im Lehrerkollegium ausführlich darüber zu reden. Im Schulgemeinschaftsausschuss haben sie für die Zentralmatura gestimmt.

Gute Information für die Schüler sei ihm besonders wichtig, sagte Petutschnig, der sein Verständnis so umschrieb: "Schule kommt von Schüler, sonst müsste sie Lehre heißen. Es ist keine Anstalt für Lehrer." Als Privatschule sei man "nicht auf Ihrer Gegenseite", sagte er zu Ministerin Schmied: "Wir wollen ganz ideologiefrei das Gute in der Bildung vorantreiben."

Pater Thomas macht selbst mit, denn er unterrichtet die betroffene Maturaklasse in Deutsch und sagt: "Ich lasse euch nicht allein." Schulsprecherin Julia Aichholzer, selbst angehende "Zentralmaturantin", bestätigte, dass sich die Schüler "in jeder Hinsicht vorbereitet" fühlen: "Wir sehen keine Probleme mit der neuen Matura."

Altes Recht für ganzen Tag

Weniger problemlos läuft es in der Koalition in Sachen Ganztagsschule. Schmied, die das Verhalten der ÖVP in dieser Frage "recht abwechslungsreich" nennt, rechnet aber wie zuletzt ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf auch damit, dass der Ministerrat am Dienstag den Ausbau ganztägiger Schulformen beschließen wird. Ihr Wunschmodell, dass Ganztagsbetrieb auch ohne Zustimmung der Lehrer eingerichtet werden kann, hat sie aber mangels Erfolgsaussichten vorerst abgeschrieben: "Ich denke nicht daran, die Rechtslage zu verändern", sagte Schmied: " Wenngleich für mich das Votum der Eltern entscheidend sein sollte."

 

 

Der Standard – 30. November 2012

 

 

Schule der Walefanten

Kommentar der anderen | Stefan Thomas Hopmann

Neue Erkenntnisse aus der Fabelwesen-Forschung am Beispiel der geplanten "Zwangsverheiratung" von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen zum vermeintlichen Wohle der Lehrerschaft und ihrer Grund-, Fort- und Weiterbildung

Der Ministerrat von Kakanien wollte endlich auch einmal Weltspitze sein. Also beschloss er, die größten Land- und Meerestiere, die Elefanten und die Wale, sollten sich zu Walefanten vereinigen. Der unschlagbare Nachwuchs würde an Wasser und Land alles andere überragen und so vielleicht ein paar zusätzliche Touristen ins Land locken. Da beide Säugetiere sind, würde das schon irgendwie passen. Die Elefanten wurden hinunter zum Strand getrieben. Aber noch ehe sie sich mit den Walen vereinen konnten, steckten sie mit ihren schweren Hufen hilflos im Sand fest. Die Wale wurden ihnen entgegen gejagt. Aber auch diese lagen bald felsenfest am Strand. Die Regierung lobte sich: So nahe seien Wale und Elefanten einander noch nie gekommen. Hätte nicht ein gewaltiger Sturm den Sand aufgewirbelt und das Wasser den Strand überspült, sodass die Elefanten auf das Festland und die Wale zurück ins Meer konnten, säßen noch heute beide fest verwurzelt als Gerippe an den Stränden von Kakanien ...

Was das mit Lehrerbildung zu tun hat? Nun, der österreichische Ministerrat hat in seiner unermesslichen Weisheit endlich beschlossen, die Lehrerbildung grundlegend zu reformieren. Viele gute Ideen kommen dabei zur Sprache. Nur die Grundannahmen sind falsch. Denn die Regierung will, dass Universitäten und Pädagogische Hochschulen zwangsverheiratet werden und jede der anderen gibt, was ihr angeblich fehlt.

Deshalb sollen die Universitäten von den Pädagogischen Hochschulen die Praxisnähe beziehen und ihnen umgekehrt den Zugang zu Wissenschaften ermöglichen. Das sind beides unerträgliche Klischees. Tatsächlich ist ein großer Teil der praxisnahen Forschung und Lehre heute an den Universitäten zu Hause, nicht zuletzt in den Fachdidaktiken und der Bildungswissenschaft. Auf der anderen Seite haben die Pädagogischen Hochschulen alles, was möglich war, unternommen, um ihre wissenschaftlichen Grundlagen zu stärken.

Nun soll aber beiden durch Zwangskopulation die Weiterentwicklung abgeschnitten werden. Den Universitäten wird verweigert, in der gesamten Lehrerbildung von der Grundbildung über die Berufseinführung bis hin zur Fort- und Weiterbildung tätig zu werden. Den Pädagogischen Hochschulen werden die notwendige Autonomie und die Ressourcen verwehrt, sich tatsächlich in wissenschaftliche Einrichtungen zu verwandeln. Wenn es jedoch eine eindeutige Lehre aus der Geschichte der Lehrerbildung gibt, dann die, dass erfolgreiche Lehrerbildung aus einem Guss sein muss. In Wirklichkeit geht es auch gar nicht um Qualität, sondern um Kostenneutralität und Kontrolle. Symbolische Verschmelzungen sollen faktische Verbesserungen ersetzen. Man muss kein Prophet sein, um das Ergebnis einer solchen Reform vorherzusagen. In ihr altes Korsett eingequetscht werden Universitäten und Pädagogische Hochschulen die Türschilder auswechseln, aber ansonsten notgedrungen im Wesentlichen so weiter machen wie bisher. Es wird den Studierenden überlassen bleiben, einen gemeinsamen Sinn in der Lehrerbildung zu entdecken, den schon die Veranstalter nicht finden konnten.

All das wird die Regierung nicht daran hindern, stolz zu verkünden, man habe die Lehrerbildungseinrichtungen näher zueinander gebracht als je zuvor: Walefanten in Sicht! Vielleicht wird man gleich danach das nächste genetische Großprojekt vollenden, nämlich endlich die Eier legende Wollmilchsau zu züchten, also die inklusive, gymnasiale Gemeinschaftsganztagsgesamtmittelschule mit standardisierter Individualisierung und getestetem Lernerfolg.

Selbstverständlich geht auch das kostenneutral, denn die Lehrkräfte schaffen ja bekanntlich bislang eh nichts, oder? Leider ist zu befürchten, dass sich kein Sturm der Entrüstung erheben und diese Fabelwesen dorthin verjagen wird, wo sie allein hingehören: in die Welt der politischen Märchenerzählungen.

STEFAN THOMAS HOPMANN ist Professor am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Wien.

 

 

Kurier – 30. November 2012

 

Ja der Gewerkschaft: Ganztagsschule fix. Nächste Woche soll Ausbau beschlossen werden. Nur der Gemeindebund hat noch Bedenken.

Vor zwei Wochen hatte der Streit um den Ausbau der Ganztagsschulen noch die Regierungsklausur verhagelt. Seit Donnerstag ist es endlich klar: Der Ausbau der ganztägigen Schulformen ist fix, alle Seiten haben ihre Widerstände aufgegeben.

Damit an einer Schule die sogenannte verschränkte Form der Ganztagsschule (Unterricht, Sport und Freizeit über den Tag verteilt) starten kann, müssen zwei Drittel der Eltern und zwei Drittel der Lehrer zustimmen. SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied wollte fortan nur die Eltern entscheiden lassen. Jetzt lenkt sie ein. „Ich denke nicht daran, das Gesetz zu ändern, aber für mich ist das Votum der Eltern entscheidend."

Wichtig ist ihr aber, dass die Lehrergewerkschaft den Ausbau nicht grundsätzlich blockiert: „Da versichert mir der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, dass es seitens der Lehrer nichts dagegen einzuwenden gibt." Allerdings macht Schmied kein Hehl daraus, dass ihr die Mitbestimmung der Lehrer nicht behagt: „Wenn ein Betrieb eine Dienstleistung ausbauen will, wird auch nicht der Betriebsrat gefragt."

Seitens der ÖVP gibt es auch keine Blockade mehr, etwa bei der angedachten Mitbestimmung der Lehrer bei der Nachmittagsbetreuung: Hier dürfen weiter nur die Eltern bestimmen, ob es so ein Angebot geben soll. Über neue ÖVP-Forderungen, etwa ein verpflichtender Ethikunterricht für Kinder, die sich vom Religionsunterricht abmelden, wird vorerst nicht entschieden.

Der Chef der ÖVP-dominierten Lehrergewerkschaft, Paul Kimberger, zeigt sich gegenüber dem KURIER verwundert über den Wirbel rund um die Ganztagsschule: „Wenn Eltern und Lehrer an einem Standort zustimmen, dann sollen sie das machen. Es darf aber keinen Zwang geben."
Lehrer überstimmen nur für den Präsidenten des Gemeindebundes, Helmut Mödlhammer, ist das Thema nicht gegessen. Seine Forderung: Sollten sich Lehrer und Eltern nicht einigen – sprich: Wenn die Lehrer an einem Standort die Ganztagsschule blockieren –, dann soll der Schulerhalter, also die Gemeinde, das letzte Wort haben. Denn schon bisher sei es vereinzelt vorgekommen, dass die Eltern für die Ganztagsform stimmten, die Lehrer das aber blockierten, sagt Mödlhammer.

Die Reform soll beim Ministerrat am kommenden Dienstag beschlossen werden. Vorgesehen ist der Ausbau der Plätze von derzeit 119.000 auf 200.000 bis 2018/2019. Das wird zusätzlich rund 80 Millionen Euro jährlich bis 2018 kosten.

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 30.11.2012

Ressort: VN-A

 

 

Kärntner Gymnasium startet 2014 freiwillig früher mit neuer Reifeprüfung.

 

Zentralmatura nur an einer Schule

 

   St. Paul. (VN) Das Kärntner Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal wird im Frühjahr 2014 die erste Schule sein, die die komplette neue Reifeprüfung anbieten wird. SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied sprach gestern von einem „Tag der Freude" – sie ist nun optimistisch, dass sich nach diesem „Eisbrecher" noch andere Schulen anschließen. Ursprünglich hätten 2014 alle AHS (und ab 2015 alle berufsbildenden höheren Schulen) verpflichtend die Zentralmatura absolvieren sollen. Nach Protesten von Eltern, Lehrern und Schülern wurde der Start um ein Jahr verschoben.

 

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 30.11.2012

Ressort: VN-A

 

 

Österreich bei Bildungsstudie im Mittelfeld

 

   Wien. Auch bei einer neuen Bildungsstudie der britischen Verlagsgruppe Pearson landet Österreich mit Rang 23 unter 50 Ländern nur im Mittelfeld. Die Topplätze in dem Report, für den u. a. Ergebnisse internationaler Vergleichsstudien analysiert wurden, gehen an Finnland und Südkorea. Schlusslichter sind Brasilien und Indonesien.

 

 

 

Wiener Zeitung – 30. November 2012

 

Das Stiftsgymnasium St. Paul in Kärnten bietet als erste Schule bereits im Frühling 2014 die Zentralmatura an

Schmied und ihr Eisbrecher

 

Von Petra Tempfer

 

  • 95 Prozent der AHS-Standorte planen Schulversuche für die neue Matura.

 

Wien.

 

"Ich habe erwartet, dass wir einen Eisbrecher finden", sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Donnerstag anlässlich der Präsentation jener Schule, die als erste die Zentralmatura in ihrer kompletten Form anbietet: das Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal in Kärnten, dessen Maturanten im Frühjahr 2014 die neue Matura durchlaufen werden.

Es wird zwar nur eine Maturaklasse mit 28 Schülern geben, so Pater Thomas Petutschnig, der Direktor des Privatgymnasiums - Schmieds Euphorie, dass zumindest eine Schule freiwillig das neue Modell anbietet, schien dennoch ungebrochen. Verpflichtend wird die Zentralmatura erst im Schuljahr 2014/15 für alle Allgemein bildenden höheren Schulen (AHS) sein, für die berufsbildenden (BHS) ein Jahr später. Der Termin wurde nach Protesten von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern wegen mangelnder Vorbereitungszeit vor allem für das Fach Mathematik um ein Jahr nach hinten verschoben.

"An den Schulversuchen gibt es ja bereits eine rege Beteiligung", sagte Schmied. Das Stiftsgymnasium St. Paul setze "ein wichtiges Signal für alle Beteiligten und möge dazu beitragen, dass die Kultur des Gelingens lebt". Wer noch im Frühling 2014 teilnehmen will, könne dies bis Ende Jänner 2013 im Schulgemeinschaftsausschuss beschließen und bis Ende Februar dem Ministerium bekanntgeben.

"Probematura" ab 2013
Konkret planen derzeit laut Schmied 95 Prozent der AHS-Standorte zum Termin 2013 einen Schulversuch für die neue Matura. Das bedeutet, dass zumindest eine der Klausuren nach dem Muster der neuen Reifeprüfung absolviert wird.

Ende Jänner 2013 wird es auch "Probematura"-Aufgaben für die Fächer Deutsch und Mathematik an den AHS sowie Deutsch, Mathematik und Englisch an den BHS geben. Durchgeführt werden soll die "Probematura" an den AHS in Mathematik in den vorletzten und letzten Klassen. In allen anderen Schulformen und Prüfungsfächern nur in den letzten Klassen, etwa vier bis fünf Monate vor der Reifeprüfung.

Dem Umstand, dass 2014 nur ein Gymnasium das Komplettmodell übernimmt, ringt jedenfalls auch Peter Simon, Leiter des Wiener Zentrums des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), etwas Positives ab. "Das versetzt uns in die Lage, uns auf diese Schule zu konzentrieren", meinte er, also der persönliche "Maturacoach" zu sein und die Schule auf ihrem Weg zur Zentralmatura intensiv zu begleiten. Zudem seien Workshops mit allen Schulpartnern geplant, bei denen es um den konkreten Maturaablauf für die einzelnen Fächer und Lehrpläne gehe. Spezifische Informations- und Korrekturunterlagen sollen laut Simon aufliegen.

 

 

Wiener Zeitung – 30. November 2012

 

Auf Platz 23 von 50 untersuchten Ländern

Österreich bei weiterer Bildungsstudie im Mittelfeld

 

 

  • Wichtige Rolle von Bildung und Auswahl und Ausbildung der Lehrer als Erfolgsfaktor.

 

Wien. Auch bei einer neuen Bildungsstudie der britischen Verlagsgruppe Pearson, der "Learning Curve 2012", landet Österreich mit Rang 23 unter 50 untersuchten Ländern nur im Mittelfeld. Die Topplätze in dem Report, für den u.a. Ergebnisse internationaler Bildungsvergleichstudien analysiert wurden, gehen an Finnland und Südkorea. Schlusslichter sind Brasilien und Indonesien, Deutschland landet auf Rang 15.

Ziel der "Lernkurve"-Studie ist es laut Vorwort, von Ländern mit guten Ergebnisse bei verschiedenen Bildungsvergleichen zu lernen. Die Analysten der Economist Intelligence Unit haben dazu die Ergebnisse der PISA-Studie, bei der die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftskenntnisse von 15-Jährigen untersucht werden, sowie von TIMSS und PIRLS zur Erhebung derselben Fähigkeiten bei Volksschülern untersucht und mit Daten zur Bildungsbeteiligung auf Basis von Lesefähigkeit und Hochschulabsolventenquoten kombiniert.

Als wichtigen Faktor haben die Studienautoren den Stellenwert der Lehrerausbildung sowie die wichtige Rolle, die Bildung für eine Gesellschaft spielt, identifiziert. Finnland und Südkorea steckten viel Energie in die Auswahl sowie Aus- und Fortbildung von Pädagogen, denen zusätzlich hohe Motivation und Verbindlichkeit abverlangt würden. Dazu komme der hohe Wert von Bildung in den beiden Gesellschaften, der auch moralisch begründet werde: In Südkorea, um das Land nach dem Ende der Zeit als japanische Kolonie in den 1940er Jahren wiederaufzubauen, in Finnland als "Akt sozialer Gerechtigkeit".

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Donnerstag, 29. November 2012

2012.11.29: Unterricht

APA0310 II, XI 29.11.2012 13:09:47

 

Österreich bei weiterer Bildungsstudie im Mittelfeld

Utl.: Auf Platz 23 von 50 untersuchten Ländern bei "Lernkurve"-Studie der Verlagsgruppe Pearson - Wichtige (moralische) Rolle von Bildung und Auswahl und Ausbildung der Lehrer als Erfolgsfaktor

Schule/Wien

Auch bei einer neuen Bildungsstudie der britischen Verlagsgruppe Pearson, der "Learning Curve 2012", landet Österreich mit Rang 23 unter 50 untersuchten Ländern nur im Mittelfeld. Die Topplätze in dem Report, für den u.a. Ergebnisse internationaler Bildungsvergleichstudien analysiert wurden, gehen an Finnland und Südkorea. Schlusslichter sind Brasilien und Indonesien, Deutschland landet auf Rang 15.

Ziel der "Lernkurve"-Studie ist es laut Vorwort, von Ländern mit guten Ergebnisse bei verschiedenen Bildungsvergleichen zu lernen. Die Analysten der Economist Intelligence Unit haben dazu die Ergebnisse der PISA-Studie, bei der die Lese-, Mathematik- und Naturwissenschaftskenntnisse von 15-Jährigen untersucht werden, sowie von TIMSS und PIRLS zur Erhebung derselben Fähigkeiten bei Volksschülern untersucht und mit Daten zur Bildungsbeteiligung auf Basis von Lesefähigkeit und Hochschulabsolventenquoten kombiniert.

Als wichtigen Faktor haben die Studienautoren den Stellenwert der Lehrerausbildung sowie die wichtige Rolle, die Bildung für eine Gesellschaft spielt, identifiziert. Finnland und Südkorea steckten viel Energie in die Auswahl sowie Aus- und Fortbildung von Pädagogen, denen zusätzlich hohe Motivation und Verbindlichkeit abverlangt würden. Dazu komme der hohe Wert von Bildung in den beiden Gesellschaften, der auch moralisch begründet werde: In Südkorea, um das Land nach dem Ende der Zeit als japanische Kolonie in den 1940er Jahren wiederaufzubauen, in Finnland als "Akt sozialer Gerechtigkeit".

(S E R V I C E - http://thelearningcurve.pearson.com/the-report)

(schluss) jle;ham

APA0304 II, XI 29.11.2012 13:06:41

 

Ganztagsschule: Schmied rechnet mit Beschluss im nächsten Ministerrat

Utl.: Nach wie vor gegen Verquickung mit Ethikunterricht - Keine Änderung der Rechtslage für Einrichtung von Nachmittagsbetreuung und verschränkter Ganztagsschule

Schule/Wien

Nach VP-Klubobmann Karlheinz Kopf rechnet auch Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) mit einem Beschluss zum Ausbau ganztägiger Schulformen im nächsten Ministerrat. Sowohl der Bedarf als auch die Entschlossenheit für einen Ausbau seien vorhanden, so Schmied bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Mit Prognosen sei sie aufgrund der Entwicklungen der letzten Tage und Wochen aber vorsichtig: "Aber gehen wir einmal davon aus, dass wir das am Dienstag im Ministerrat schaffen."

Eine von der ÖVP ins Spiel gebrachte Junktimierung mit Themen wie Ethikunterricht lehnt die Ministerin nach wie vor ab: "Das ist Politikstil 1.0, Äpfel mit Birnen zu verquicken." Das Thema Ethikunterricht sei zwar wichtig, aber "noch nicht entscheidungsreif".

Keine Änderungen werde es bei den Voraussetzungen für die Einrichtung von Nachmittagsbetreuung bzw. verschränkter Ganztagsschule mit einem Wechsel aus Unterricht, Freizeit und Betreuung geben. "Ich denke nicht daran, die Rechtslage zu verändern." Bei 15 Anmeldungen für eine Nachmittagsbetreuung hätten die Eltern einen Rechtsanspruch darauf, in bestimmten Fällen sogar bei noch weniger Kindern. Für die verschränkte Form werde weiter eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Eltern und Lehrer der betreffenden Klasse nötig sein - "wenngleich ich schon auch anmerke, dass für mich das Votum der Eltern entscheidend sein sollte": "Wenn ein Unternehmer sein Dienstleistungsangebot verbessern will, fragt er vorher auch nicht den Betriebsrat." Im Schulbereich gingen die Uhren aber anders.

(schluss) aku;ham

APA0286 II, XI 29.11.2012 12:53:56

 

Stichwort: Zentralmatura

Utl.: Verpflichtende "vorwissenschaftliche Arbeit", schriftliche Prüfung zu zentral festgelegtem Termin, mündliche Prüfung - GRAFIK 0689-12, Format 134 x 108 mm - GRAFIK

Schule/Wien/Hintergrund

Die 2009 beschlossene Zentralmatura (eigentlich: standardisierte kompetenzorientierte Reife- und Diplomprüfung) besteht aus drei Säulen: Wirklich zentral ist dabei nur der schriftliche Teil, der am selben Tag in ganz Österreich mit identen, zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen stattfindet. Beurteilt werden die Klausuren vom jeweiligen Klassenlehrer anhand eines standardisierten Rasters. Zusätzlich gibt es noch eine vorwissenschaftliche Arbeit (VWA) bzw. Diplomarbeit sowie eine mündliche Prüfung.

Start der Zentralmatura ist - nach Protesten von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern wegen angeblich mangelnder Vorbereitung - das Schuljahr 2014/15 an den AHS bzw. 2015/16 an den BHS.

Grundidee der neuen Matura ist die Prüfung von Kompetenzen, also von langfristig abrufbaren Fertigkeiten statt kurzfristigem Detailwissen. Die Schüler müssen zwischen drei oder vier schriftlichen Prüfungen wählen. An den AHS sind Deutsch, Mathematik und eine lebende Fremdsprache (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) Pflicht, die vierte Klausur kann eine weitere Fremdsprache, Darstellende Geometrie, Physik oder Biologie sein. An den BHS müssen alle Schüler drei Klausuren aus den Gegenständen Deutsch, Englisch, angewandte Mathematik, lebende Fremdsprache oder Fachtheorie schreiben.

Je nach Zahl der Klausuren müssen außerdem zwei bzw. drei mündliche Prüfungen abgelegt werden. Gewählt werden darf aus allen Pflicht- oder Wahlpflichtgegenständen mit mindestens vier Wochenstunden. Die Fachlehrer der Schule stellen für jeden Gegenstand mindestens drei und maximal 24 Themen zusammen. Daraus zieht der Schüler zwei Themen und muss sich für eines entscheiden. Dazu wird ihm eine vom Lehrer vorbereitete Frage gestellt. Die Prüfung dauert maximal 20 Minuten.

Schon im Vorfeld muss jeder Schüler eine "Vorwissenschaftliche Arbeit" (AHS) bzw. eine "Diplomarbeit" (BHS) schreiben und bei der mündlichen Matura präsentieren. Das Thema der 40.000 bis 60.000 Zeichen umfassenden Arbeit wird in der 7. Klasse mit dem Prüfer festgelegt. Abgabetermin ist am Beginn des Sommersemesters im letzten Schuljahr (AHS) bzw. ein Monat vor den Klausuren (BHS). Wird die Arbeit mit "Nicht Genügend" bewertet, muss sie mit anderer Themenstellung bis zum Herbst wiederholt werden. Zur schriftlichen und mündlichen Matura darf der Schüler dennoch antreten.

(schluss) jle;aku;ham

APA0284 II, XI 29.11.2012 12:52:20

 

Zentralmatura: Stiftsgymnasium St. Paul soll "Eisbrecher" werden

Utl.: Bietet als erste Schule bereits 2014 komplette neue Reifeprüfung an - GRAFIK 0689-12, Format 134 x 108 mm - GRAFIK BILD VIDEO

Schule/Wien

Am Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal (Kärnten) wird im Frühjahr 2014 als erster Schule die komplette neue Reifeprüfung angeboten. Das hat der aus Eltern, Lehrern und Schülern bestehende Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) beschlossen - voraussichtlich 28 Schüler der derzeitigen 7A werden vorwissenschaftliche Arbeit und drei bzw. vier zentral vorgegebene schriftliche Klausuren schreiben sowie zwei bzw. drei mündliche Prüfungen ablegen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstag von einem "Tag der Freude" - sie ist nun optimistisch , dass sich nach diesem "Eisbrecher" noch andere Schulen anschließen.

Ursprünglich hätten 2014 alle AHS (und ab 2015 alle berufsbildenden höheren Schulen) verpflichtend die Zentralmatura absolvieren sollen. Nach Protesten von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern wurde der Start aber um jeweils ein Jahr verschoben - einzelne Standorte können aber auf freiwilliger Basis die standardisierten Klausuren zum ursprünglichen Termin anbieten, wenn jeweils zwei Drittel der Eltern-, Lehrer- und Schülervertreter im SGA zustimmen. Wer noch 2014 teilnehmen will, muss dies bis Ende Jänner 2013 im SGA beschließen und bis Ende Februar dem Ministerium bekannt geben. Den neuen verpflichtenden Starttermin 2015 (AHS) bzw. 2016 (BHS) nannte Schmied "unumstößlich".

Der Direktor des katholischen Privatgymnasiums, Pater Thomas Petutschnig, begrüßte die Zentralmatura, "weil wir wirklich eine Vergleichbarkeit bekommen". Er wird auch gleich persönlich beteiligt sein, zufällig unterrichte er die betroffene Klasse auch im Fach Deutsch. Laut Schulsprecherin Julia Aichholzer - auch sie wird 2014 an der Zentralmatura teilnehmen - wisse ein Großteil der Schüler bereits, zu welchen Themen sie die vorwissenschaftliche Arbeit absolvieren wollen. Auch an Material zu den Klausuren fehle es nicht.

Das Stiftsgymnasium erhält mit dem Leiter des Wiener Zentrums des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Peter Simon, auch einen eigenen "Maturacoach". Die Verschiebung der verpflichtenden Einführung der neuen Reifeprüfung um ein Jahr habe die Folge gehabt, dass man nun jene Schulen, die als Schulversuch Teile der neuen Matura absolvieren wollen, speziell auf die Reifeprüfung vorbereite. Da vorerst nur sehr wenige Schulen ein umfangreiches Angebot gewählt haben, könne man diese nun ganz besonders betreuen.

Nach der Verschiebung der Zentralmatura wurden die Schulversuche dazu ausgedehnt. So können etwa auch nur einzelne schriftliche Klausuren mit zentral vorgegebenen Aufgaben absolviert werden. Bei den Sprachen ist dies bereits fast flächendeckend der Fall: An mehr als 95 Prozent der AHS-Standorte wird zumindest eine der Matura-Klausuren nach dem Muster der neuen Reifeprüfung absolviert. Nach derzeitigem Stand bieten im Schuljahr 2013/14 306 Standorte im Schulversuch die Zentralmatura im Fach Englisch an, 177 im Fach Französisch, 71 im Fach Latein, 58 im Fach Deutsch, 54 im Fach Italienisch, 49 im Fach Spanisch und 32 im Fach Mathematik.

(schluss) aku;jle;ham

OTS0124 II, CI 29.11.2012 11:09:41

 

Walser zu Sexbroschüre: ÖVP und FPÖ geht es nur um Skandalisierung

Utl.: Grüne warnen vor einem längst überwunden geglaubten Kulturkampf

Innenpolitik/Grüne/Walser/Aufklärungsbroschüre/Sexualität/Schmied

"Die ÖVP lässt sich bei der Aufregung um die Sexbroschüre vor den Karren ultrakonservativer und rückschrittlicher Kreise spannen. Das ist ein gefährliches Spiel", warnt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, angesichts der Diskussion um die vom BMUKK herausgegebene Broschüre "Ganz schön intim - Unterrichtsmaterialien". Ausgangspunkt bei der Diskussion war Gudrun Veronika Kugler, eine aktive katholische Fundamentalistin. "Die ÖVP hängt sich damit an eine Frau, die schon mal Homosexuelle therapieren wollte und als ÖVP-Kandidatin beim Wien-Wahlkampf 2005 den Grünen und der SPÖ vorwarf, einen Bürgerkrieg gegen ungeborene Kinder zu führen."

Erschüttert ist Walser über das Misstrauen gegenüber Lehrkräften: "ÖVP und FPÖ tun so, als ob die Broschüre für die Kinder und nicht für die Lehrkräfte gedacht ist. Trauen Schwarz und Blau den österreichischen Lehrerinnen und Lehrern nicht zu, aus einem Unterrichtsbehelf das auszuwählen, was für ihre Kinder angemessen und sinnvoll erscheint?"

Die Broschüre ist seit über einem halben Jahr ohne jede Beanstandung zugänglich. Eine von den Fundamentalisten und der ÖVP besonders kritisierte Darstellung stammt aus einer Fibel, die ursprünglich 2001 vom damals blauen Sozialministerium und schwarzen Bildungsministerium herausgegeben wurde. "Ist für die schwarz-blauen Kulturkämpfer heute plötzlich schlecht, was damals gut war? Es ist offenkundig, dass es ÖVP und FPÖ nur um die Skandalisierung und nicht um die Sache geht. Ein mit längst überholten Argumenten geführter Kulturkampf ist das Letzte, was wir in Österreich brauchen", betont Walser.

Rückfragehinweis:
Grüner Klub im Parlament
Tel.: +43-1 40110-6697
mailto:presse@gruene.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/100/aom

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OTS0086 II, CI 29.11.2012 10:20:44

 

Schülerunion: Schulversuch Ethikunterricht muss endlich umgesetzt werden

Utl.: Themenkomplex Ethikunterricht ist unabhängig von der Ganztagsschule zu behandeln

Schulen/Bildung/Schülerunion/Ethikunterricht/Perschy

Als Randthema der Ministerratssitzung rückt das Thema Ethikunterricht wieder in den Fokus der Bildungspolitik. Die Schülerunion wünscht sich in der laufenden Diskussion endlich konkrete Schritte unabhängig von der Entwicklung der Diskussion über die Ganztagsschule.

"Es wird Zeit, endlich zu einer Lösung zu kommen und diese umzusetzen. Wenn wir ewig in der politischen Diskussion fest hängen, werden wir niemals einen Schritt vorwärts kommen. Nur über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren, löst das Problem nicht", so Bundesobmann Daniel Perschy.

Bereits an vielen Schulen wird Ethik als alternativer Pflichtgegenstand im Schulversuch angeboten und diese Schulversuche wurden auch bereits mehrfach evaluiert. Den Evaluationsberichten nach ist der Schulversuch erfolgreich und wird gut angenommen.

"Man sieht anhand des Schulversuchs, dass es bereits eine sehr gute Lösung gibt, die auch in der Schule auf positive Resonanz stößt. Diese Lösung gilt es nun auszuweiten und flächendeckend an den Schulen umzusetzen", so Perschy abschließend.

Die Schülerunion ist die größte Interessensvertretungsorganisation für Österreichs Schüler. Über 30000 Mitglieder vernetzen sich, um sich auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene für eine Verbesserung der Schule auf Basis der Schülerinteressen einzusetzen. Entsprechende Forderungen bringt die Schülerunion zusätzlich im Rahmen der Bundesschülervertretung (BSV) ein, in der sie in diesem Schuljahr 27 von 29 Mandaten hält.

Rückfragehinweis:
Österreichische Schülerunion
Nina Londer
0664/1841228
nina.londer@schuelerunion.at


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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2012.11.29 - PK: Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied und den VertreterInnen des Stiftsgymnasiums St. Paul im Lavanttal

Liebe Genossin!

Lieber Genosse!

 

 

Zur Info übermittle ich die Unterlagen zur heutigen Pressekonferenz von Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied und den VertreterInnen des Stiftsgymnasiums St. Paul im Lavanttal sowie einige Fotos ((Credit: Strobl Stephanie/HBF), Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied, Pater Thomas Petutschnig (Direktor), Julia Aichholzer (Schülerin, die 2013/14 zur ersten neuen Reifeprüfung antritt) sowie Elisabeth Buchmann (Elternvertreterin) und Vertreter des BIFIE).

 

 

MfG,

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945