Donnerstag, 28. Februar 2013

2013.03.01: Unterricht

 

Österreich – 1. März 2013

 

Neues Dienstrecht  

Lehrer: Streit um neue Start-Gehälter

Nach ÖSTERREICH-Bericht über 3.100 Euro Start-Gehalt für Lehrer gehen die Wogen hoch.

Bis zu 3.100 Euro Startgehalt für junge Lehrer – dieses Angebot ist für die Lehrer-Gewerkschaft nicht so unwiderstehlich, wie die Regierung hofft. Paul Kimberger, Chef der Lehrer-Gewerkschaft bestätigt zwar die Summe, schränkt gegenüber ÖSTERREICH jedoch sofort ein: „Das betrifft die große Masse nicht. Das Einstiegsgehalt liegt nach wie vor bei 2.420 Euro. 3.100 Euro würden nur wenige Oberstufen-Lehrer betreffen.“

Hintergrund: Für arbeitsintensivere Fächer gibt es höhere Zuschläge. Wer also Deutsch und Englisch in der Oberstufe unterrichtet, kommt auf das Traumgehalt. Der Volksschul- und Pflichtschulbereich wäre aber ausgenommen.

Lehrer fürchten weiter um ihren Lebensverdienst
Die Gehälter würden nach dem Vorschlag der Regierung 13 Jahre gleich bleiben. Deshalb befürchten die Gewerkschafter weiterhin, dass die Summer ihres Lebensverdienstes um einiges sinkt.

Einen neuen Termin für die weiteren Verhandlungen zum Dienstrecht mit Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) gibt es noch nicht. Derzeit wird sowohl in der Gewerkschaft als auch in den Ressorts heftig gerechnet. Pro Schulsparte soll das Verdienst eines Beispiel-Lehrers dargestellt werden.

Lehrer-Gewerkschaft gegen Aus von „Poly“
Ablehnend steht die Gewerkschaft indes auch einer Abschaffung des Polytechnikums gegenüber, wie die Sozialpartner das vorschlagen. „Es hat sich bewährt“, sagt Kimberger.

 

 

Wiener Zeitung – 1. März 2013

 

Aus für "Poly" gefordert

 

 

  • Sozialpartner wollen Änderungen bei der Schulpflicht.

 

Wien. Die Voraussetzungen für die Erfüllung der Schulpflicht ändern und die Polytechnische Schule abschaffen: Das wollen die Sozialpartner, wie sie am Mittwoch bekanntgaben. Demnach soll die Schulpflicht nicht wie bisher - erfolgsunabhängig - nach neun Schuljahren absolviert sein, sondern erst bei Erreichen von Mindeststandards in Deutsch, Englisch und Mathematik sowie dem Abschluss aller neun Schulstufen. Zudem fordern die Sozialpartner ein zweites verpflichtendes, Gratis-Kindergartenjahr, die Anerkennung des BHS-Diploms als tertiären Abschluss sowie die Einführung von Berufsakademien als neue Hochschulform.

nicht mehr an das Absolvieren von Schuljahren geknüpft werden, sondern an die Erreichung von Bildungszielen, betonte der scheidende Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Wer diese nach neun Jahren nicht schafft, soll bis zu zwei Jahre zusätzlich Zeit bekommen oder in eine integrative Berufsausbildung eintreten.

Berufsorientierung Pflicht
Die Polytechnische Schule soll es nicht mehr geben, vielmehr soll die Neue Mittelschule fünf statt vier Jahre dauern. Die Poly-Lehrer würden ohnedies für die spätestens im neunten Schuljahr verpflichtend auf dem Programm stehende Fachorientierung gebraucht, so Tumpel. Voraussetzung für einen Pflichtschulabschluss ist auch die Absolvierung einer Berufsorientierung und Bildungsberatung mit Potenzialanalyse und Feedback-Gespräch.

Um die Frage der Schulorganisation der ersten neun Schuljahre drücken sich die Sozialpartner. Die ersten neun Schuljahre sollen zwar durch gemeinsame Inhalte für alle Schüler gekennzeichnet sein - ob dies weiter in einem gegliederten Schulsystem passiere oder in einer gemeinsamen Schule, ließen sie allerdings auch auf Nachfrage offen. Nur so viel: "Die Entscheidung für die weitere Laufbahn soll erst nach der neunten Schulstufe getroffen werden", sagte Tumpel.

Ab 2022/23 sollen jene Schüler, die die Schulpflicht erfolgreich absolviert haben, alle Formen von weiterführenden Ausbildungen besuchen können - von der Lehre über die AHS bis zu berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Bei den AHS soll ein Modell entwickelt werden, das einen gleichzeitigen Lehrabschluss für Maturanten ab dem Alter von 19 Jahren ermöglicht.

"Wir müssen weg von alten Mustern", so Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. "Die Gescheiten gehen in eine höhere Schule und machen Matura, die nicht so Gescheiten machen eine Lehre - das hat ausgedient." Wichtig sei die Umsetzung.

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2013.02.28: Unterricht / Sozialpartner

 

Die Presse – 28. Februar 2013

 

Das Polytechnikum als Auslaufmodell

Von Julia Neuhauser und Bernadette Bayrhammer

Sozialpartner wollen Schulpflicht-Ende nicht nach neun Jahren, sondern erst wenn Schüler Deutsch, Englisch und Mathematik können.

Wien. Bei den Plätzen, die das heimische Bildungssystem in internationalen Vergleichen zuletzt erreicht hat, klingt das Ziel der Sozialpartner mehr als hoch gegriffen: Österreich soll im Bildungsbereich „Weltspitze“ werden. Auf die Koalition wollen sich Gewerkschaftsbund, Wirtschafts-, Arbeiter- und Landwirtschaftskammer dabei nicht verlassen: Sie haben daher gestern, Mittwoch, ihr eigenes Bildungspapier präsentiert – mit durchaus drastischen Vorschlägen.

Etwa was die Schulpflicht betrifft: Nachdem Unternehmer seit Jahren darüber klagen, dass viele Schulabgänger für den Start einer Lehre nicht einmal mehr die nötigen Grundkompetenzen mitbringen – Stichwort Lesen, Schreiben, Rechnen –, fordern die Sozialpartner nun, dass die Dauer der Schulpflicht an die tatsächlichen Kompetenzen geknüpft wird. Sie soll nicht wie bisher automatisch nach neun Schuljahren enden – egal, ob ein Schüler in dieser Zeit tatsächlich etwas gelernt hat (oder nicht).

Ausschlaggebend dafür, wie lange jemand die Schule besuchen muss, soll die Leistung sein. Erst wenn ein Schüler Mindeststandards in Deutsch, Mathematik und Englisch erreicht, ist auch seine Schulpflicht zu Ende. Konkret könnte das laut dem Papier der Sozialpartner folgendermaßen aussehen: Wer die festgelegten Ziele nach den üblichen neun Schuljahren nicht erreicht, soll bis zu zwei Jahre länger zur Schule gehen, um die entsprechenden Kompetenzen doch noch zu erwerben.

Überhaupt stellen die Sozialpartner einen ganzen Schultyp infrage: die polytechnischen Schulen. Sie fordern, die sogenannten „Polys“, seit Langem das Problemkind unter den heimischen Schulen, abzuschaffen. Diese müssen derzeit alle Schüler aufnehmen – auch wenn diese die Hauptschule nicht positiv absolviert haben – und gelten bisweilen als bloßer Lückenfüller zwischen der Hauptschule und dem Ende der Schulpflicht. Geht es nach den Sozialpartnern, sollen die Schüler, die ihr neuntes Schuljahr bisher an einer polytechnischen Schule absolvieren, künftig einfach ein fünftes Jahr in der Neuen Mittelschule bleiben. Dort solle eine verpflichtende Berufsorientierung auf dem Programm stehen, für die wiederum die bisherigen Lehrer der polytechnischen Schulen eingesetzt werden müssten.

Zweites Gratis-Kindergartenjahr

Auch beim Thema Kindergarten artikulieren die Sozialpartner ihre Vorstellungen klar: Es müsse ein zweites verpflichtendes Gratis-Kindergartenjahr geben. Dadurch würden die Kinder besser auf die Volksschule vorbereitet. Sprich: Im Kindergarten müsse sichergestellt werden, dass die Kinder „altersadäquate Sprach- und Sozialkompetenzen“ erwerben. Die Sozialpartner gehen damit noch einen Schritt weiter als die Regierung: Denn obwohl sich auch die Koalitionspartner prinzipiell für ein zweites Kindergartenjahr aussprechen, zögert die ÖVP. Die Volkspartei will ein zweites verpflichtendes Jahr nur für jene, „die es brauchen“. Gemeint sind vor allem Kinder, die schlecht Deutsch sprechen. Das hat auch finanzielle Gründe: Eine generelle Verpflichtung würde bedeuten, dass das zweite Jahr für alle gratis sein müsste. Und das ist teuer.

Weitere Vorschläge der Sozialpartner: Absolventen von berufsbildenden höheren Schulen (BHS) solle ihr Abschluss nicht nur an der Uni angerechnet werden, sondern unter Sicherstellung entsprechender Qualitätsstandards sogar als erster tertiärer Abschluss anerkannt werden. Außerdem müsse es künftig möglich sein, gleichzeitig ein Gymnasium und eine Lehre zu absolvieren. Bei der Gesamtschule wollte man sich hingegen nicht festlegen („Was auf dem Türschild steht, ist sekundär“).

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) zeigte sich für die Vorschläge der Sozialpartner offen. Das Papier sei eine „Diskussionsgrundlage“; es belege etwa den Bedarf nach einer Reform der neunten Schulstufe, die man bereits in Angriff genommen habe.

 

 

KLZ – 28. Februar 2013

Sozialpartner wollen "Poly" abschaffen

Die Sozialpartner wollen die Voraussetzungen für die Erfüllung der Schulpflicht ändern und die Polytechnische Schule abschaffen. Vielmehr soll die Neue Mittelschule fünf statt vier Jahre dauern. Demnach soll die Schulpflicht nicht wie bisher - erfolgsunabhängig - nach neun Schuljahren absolviert sein, sondern erst bei Erreichen von Mindeststandards in Deutsch, Englisch und Mathematik.

Außerdem fordern die Sozialpartner ein zweites verpflichtendes, kostenloses Kindergartenjahr, die Anerkennung des BHS-Diploms als tertiären Abschluss sowie die Einführung von Berufsakademien als neue Hochschulform.

Die Schulpflicht solle nicht mehr an das Absolvieren von Schuljahren geknüpft werden, sondern an die Erreichung von Bildungszielen, betonte der scheidende Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Wer diese nach neun Jahren nicht schafft, soll bis zu zwei Jahre zusätzlich Zeit dafür bekommen oder in eine integrative Berufsausbildung eintreten.

Die Polytechnische Schule soll es künftig nicht mehr geben. Die Poly-Lehrer würden hingegen für die spätestens im neunten Schuljahr verpflichtend auf dem Programm stehende Fachorientierung dringend gebraucht, so Tumpel. Voraussetzung für einen Pflichtschulabschluss ist auch die Absolvierung einer Berufsorientierung und Bildungsberatung inklusive Potenzialanalyse und Feedbackgespräch.

Um die Frage der Schulorganisation der ersten neun Schuljahre drücken sich die Sozialpartner hingegen. Die ersten neun Schuljahre sollen demnach zwar durch gemeinsame Inhalte für alle Schüler gekennzeichnet sein - ob dies weiter in einem gegliederten Schulsystem passiere oder in einer gemeinsamen Schule, ließen sie auch auf Nachfrage offen. "Die Entscheidung für die weitere Laufbahn soll erst nach der neunten Schulstufe getroffen werden", war Tumpel noch am konkretesten.

Ab 2022/23 sollen jene Schüler, die die Schulpflicht erfolgreich absolviert haben, alle Formen von weiterführenden Ausbildungen besuchen können - von der Lehre über die AHS bis zu berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS).

 

 

OÖN – 28. Februar 2013

 

Ausweichmanöver

Die Bildungspolitik drückt sich vor der großen Frage

Das ungeliebte „Poly“ abschaffen und stattdessen die Neue Mittelschule auf fünf Jahre verlängern. Dafür treten die Sozialpartner in einem gestern präsentierten Bildungskonzept ein. Vorschläge wie diese gab es in den vergangenen Jahren unzählige, darunter etwa die Forderung nach einer Verlängerung der Volksschule auf fünf Jahre.

Manche dieser Vorstöße sind klug, manche gut gemeint. Aber sie bleiben Ausweichmanöver, denn sie berühren die alles überschattende Frage in der Bildungsdebatte nicht: Soll es künftig eine gemeinsame Schule für alle 10- bis 14-Jährigen geben? Die SPÖ ist vehement dafür, die ÖVP strikt dagegen.

Zur Auflösung des Dilemmas gibt es nur zwei Möglichkeiten. Erstens: Die SPÖ akzeptiert, dass eine gemeinsame Schule in absehbarer Zeit keine Mehrheit haben wird und man alle Energien auf andere Bildungsreformen konzentriert. Oder zweitens: Die ÖVP gibt ihren Widerstand gegen die Gesamtschule auf und macht den Weg für einen nicht unkomplizierten, großen Reformschritt frei.

Beide Szenarien wären besser als der aktuelle bildungspolitische Stellungskrieg. Aber leider ist keines dieser beiden Szenarien wahrscheinlich.

 

 

OÖN – 28. Februar 2013

 

Sozialpartner wollen "Poly" abschaffen

WIEN. Im Gegenzug soll die Neue Mittelschule von vier auf fünf Jahre verlängert werden

Gemeinsame Vorschläge für eine Bildungsreform präsentierten gestern der scheidende Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. Zentraler Punkt: Die Polytechnische Schule soll abgeschafft und stattdessen die Neue Mittelschule auf fünf Jahre verlängert werden.

 

Spätere Matura: Wer nach fünf Jahren Neue Mittelschule in eine AHS-Oberstufe wechselt, könnte damit erst mit 19 Jahren (bisher 18) maturieren. Wer sich für eine Berufsbildende Höhere Schule (BHS) entscheidet, maturiert erst mit 20 (bisher 19) Jahren. Dafür, so der Vorschlag, soll das mit der Matura erworbene BHS-Diplom bei einem späteren Studium als erster tertiärer Abschluss („Short cycle degree“) anerkannt werden. Und für AHS-Maturanten soll ein einjähriges Ausbildungsmodell entwickelt werden, das mit einem Lehrabschluss endet.

Die AHS-Unterstufe abschaffen? Nicht einigen konnten sich die Sozialpartner in der Frage, ob die vierjährige AHS-Unterstufe bestehen bleiben oder durch eine Gesamtschule ersetzt werden soll. Während darüber im Jahr 2007 bereits Konsens herrschte, hält die Wirtschaftskammer nun an der AHS-Unterstufe fest. Bleibt sie erhalten, wäre hier weiter ein Maturieren mit 18 Jahren möglich.

Studieren ohne Matura: Absolventen einer Lehre oder von Berufsbildenden Mittleren Schulen (plus zwei Jahre Berufspraxis) sollen an Berufsakademien, die neu errichtet werden sollen, auch ohne Matura studieren können. Lehrinhalt der dreijährigen Studien: „Praxisbezogene Weiterbildung auf Hochschulniveau.“

Änderung bei der Schulpflicht: Gleichzeitig fordern die Sozialpartner, dass die Schulpflicht nicht wie bisher unabhängig vom Erfolg automatisch nach neun Schuljahren enden soll, sondern erst bei Erreichen von Mindeststandards in Deutsch, Englisch und Mathematik. Wer das in neun Jahren nicht schafft, soll bis zu zwei Jahre zusätzlich Zeit dafür bekommen oder in eine integrative Berufsausbildung eintreten.

Zweites Kindergarten-Jahr: Um die Kinder „sprachlich und sozial“ auf die Schule vorzubereiten, sollen zwei Jahre kostenfreier Kindergarten für alle Pflicht werden. (eda)

 

Das Ringen um ein neues Lehrerdienstrecht

Diese Woche sllten die Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht zwischen Regierung und Lehrergewerkschaft fortgesetzt werden. Noch gibt es für das Treffen aber nicht einmal einen Termin.

In der Vorwoche hatten die Ministerinnen Schmied, Heinisch-Hosek (Bildung und Beamte, beide SP) sowie Fekter (Finanzen, VP) den Lehrervertretern ein leicht adaptiertes Angebot vorgelegt. Schriftlich, heißt es seitens der Gewerkschaft, gebe es aber kein neues Angebot.

Die bisherigen Eckdaten waren: 24 Stunden Unterrichtsverpflichtung für (fast) alle Lehrer bei einem Einstiegsgehalt von 2420 Euro brutto.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 50 vom 28.02.2013               Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Alexandra Parragh

 

Österreich

 

„Wir sind keine Ghettoschule“

 

   Das „Poly“. Wie schlimm ist dieser Schultyp mit dem Ruf des Abstellgleises? Viele Schüler, die dort unterrichtet werden, haben große Zukunftspläne. Trotzdem wollen die Sozialpartner diese Schulform abschaffen.

 

   Alexandra Parragh

 

Die Polytechnische Schule hat einen schlechten Ruf. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse F2 der Polytechnischen Schule Schopenhauerstraße im 18. Bezirk in Wien machen jedoch nicht den Eindruck, als gingen sie in eine „Problem“- oder „Ghettoschule“. Die meisten der Jugendlichen haben Zukunftspläne. Amela zum Beispiel weiß genau, dass sie Bürokauffrau werden will. Stolz zeigt die 15-Jährige das Deckblatt ihrer Bewerbung mit ihrem Foto, ihrem Namen und ihrer Adresse darauf, das sie gerade in der Berufsberatungsstunde fertiggestellt hat.

 

Ihre Klassenkameradin Hava ist schon einen Schritt weiter. Die 16-Jährige hat in zwei Wochen ein Vorstellungsgespräch für eine Lehrstelle als Bürokauffrau in einem Möbelhaus. Markus hat schon die Zusage, dass er nach diesem Schuljahr bei der Firma Kapsch als Kommunikationstechnik-Lehrling beginnen kann.

 

Trotz solcher Erfolgsgeschichten wollen die Sozialpartner – also Wirtschafts-, Landwirtschafts-, und Arbeiterkammer sowie der Österreichische Gewerkschaftsbund – die Polytechnische Schule am liebsten abschaffen. Am Donnerstag legten die vier Verbände ein Papier vor, wonach Schüler künftig nicht mehr automatisch nach neun Jahren Schulbesuch ihre Schulpflicht absolviert haben sollen, sondern erst, wenn sie Mindestkenntnisse in Deutsch, Englisch und Mathematik vorgewiesen haben. Die Schüler, die das innerhalb von neun Jahren nicht schaffen, sollen somit zwei Jahre länger Zeit bekommen, die sie weiterhin an ihrer (Neuen) Mittelschule verbrächten. Amela, Hava und Markus säßen dann nicht im „Poly“ Schopenhauerstraße, sondern in den Hauptschulen, die sie noch vor einem Jahr besucht haben.

 

Poly“-Direktor Franz Burda bezweifelt, dass sie dann „das gleiche Angebot an Berufsorientierung und Bildungsberatung“ bekämen wie an seiner Schule. Ein „Poly“ zeichnet sich dadurch aus, dass Schüler hier neben den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch auch eine Berufsorientierung und Bildungsberatung bekommen. Sie können wählen zwischen den Fachbereichen Dienstleistungen, Tourismus, Metall, Mechatronik, Holztechnik, Handel & Büro, Elektrotechnik und Bautechnik. In schuleigenen Werkstätten und Küchen und in Schnupperwochen in und Exkursionen zu Partnerunternehmen sammeln die Schüler außerdem erste Erfahrungen im angestrebten Job. Burda bezweifelt, dass „Neue Mittelschulen dafür ausgestattet sind, Schüler länger bei sich aufzunehmen“.

 

Im Sozialpartnerpapier ist an eine Umsetzung ohnedies erst in neun Jahren, bis zum Schuljahr 2022/2013, gedacht – laut Wirtschaftskammer sei das lang genug, um diese Infrastruktur an den Neuen Mittelschulen aufzubauen. Auch die „Poly“-Lehrer würden nicht arbeitslos, sondern unterrichteten ihre Fachorientierung dann eben in der fünften Klasse der Neuen Mittelschule oder in der Hauptschule.

 

Allerdings tun „Poly“-Lehrer wesentlich mehr. Lehrer Ahmet Dogan etwa unterrichtet Mathematik, Deutsch, Turnen, Textverarbeitung, Berufsorientierung und Soziales Lernen auf einmal. Bei ihm – einem gebürtigen Türken – wird auch die an der Polytechnischen Schule so wichtige Sprachförderung im Unterricht großgeschrieben. Immerhin haben 75 Prozent der Schüler des „Poly“ Schopenhauerstraße eine andere Erstsprache als Deutsch. So wie Amela und Hava, die aus einer bosnischen bzw. tschetschenischen Familie stammen. Lehrer Dogan erzählt, dass er gerade einem Schüler in Mathematik ein Beispiel auf Türkisch erklärt habe. „Das Interessante ist, dass das vielen betroffenen Schülern hilft, auch denen, die keine türkischen Wurzeln haben. Ich glaube, sie bekommen dadurch mehr Vertrauen in ihre Leistungen und in die Schule.

 

“Darunter seien auch viele, die einst in einem Gymnasium oder einer HAK saßen, obwohl sie dafür ungeeignet gewesen seien. „Das sind dann die Schüler, die als Quereinsteiger mitten im Schuljahr zu uns wechseln, weil sie sich nicht zurechtgefunden haben“, sagt Direktor Burda. Oder Zuwandererkinder, die die Schulpflicht in ihren Heimatländern zwar erfüllt hätten, deren Deutsch aber nicht ausreiche, um eine Berufsausbildung zu machen. Gemeinsam sei all seinen Schülern, „dass sie zu wenig Unterstützung von ihren Eltern bekommen, sonst wären sie nicht hier, sondern an einer anderen Schule“, betont er. Trotzdem ist er davon überzeugt, dass die Polytechnische Schule weitaus besser ist als ihr Ruf. „Wir sind sicher keine Ghettoschule. Auch wenn ich immer wieder erleben muss, dass Lehrer von anderen Schulen sie gern als solche abstempeln“, sagt Burda. Angesichts des angeschlagenen Rufs des „Polys“ würde er sich eine Namensänderung wünschen. Er hätte auch nichts gegen die Ausweitung der Polytechnischen Schule auf zwei Jahre, weil „einige Schüler mehr Zeit brauchen“.

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 50 vom 28.02.2013               Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

„Lehrer müssen nicht alles verstehen“

 

   Wien (SN-par). Mehrsprachige Kinder, die zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen, tun sich bekanntlich oft schwer im heimischen Schulsystem. Dabei müsste das nicht der Fall sein, würde im Kindergarten und im Schulunterricht anders mit der Mehrsprachigkeit umgegangen. Wie, darüber diskutieren Sprach- und Bildungswissenschafter heute und morgen bei der zweitägigen Tagung „Mehrsprachigkeit und Professionalisierung in pädagogischen Berufen“, zu der das Fachdidaktische Zentrum für Sprach- und Lernforschung an der Universität Wien geladen hat.

 

   Zentrumsvorsitzende Eva Vetter sieht den Schlüssel dafür in der Lehrerausbildung. Im März bietet sie deshalb die erste Lehrveranstaltung zum Thema Mehrsprachigkeit für Pädagogen an, ein Pilotprojekt, das ihr Zentrum gemeinsam mit mehreren Pädagogischen Hochschulen konzipierte. Sie ist überzeugt, dass „jeder Lehrer Sprache braucht, egal welches Fach er unterrichtet. Auch in Mathematik und Physik gibt es Textangaben, die die Kinder verstehen müssen“, wie sie im SN-Gespräch betont.

 

   Vetter hält dabei reine Deutschförderung für zu kurz gegriffen. „Für mehrsprachige Kinder ist es gar nicht so wichtig, eine Sprache astrein zu erlernen. Viel wichtiger ist es, dass sich Lehrer mit der Familien- und Umgangssprache ihrer Schüler auseinandersetzen und sie im Unterricht miteinbeziehen.“ Sie rät, Gruppenarbeiten in der Erstsprache Türkisch oder Bosnisch vorbereiten und dann in der Unterrichtssprache Deutsch präsentieren zu lassen. Vetter hält deshalb auch nichts von einem strikten Fremdsprachenverbot in Pausen, das es an manchen Schulen gibt. Vetter: „Lehrer müssen nicht alles verstehen, nur wissen, wie sie mit Mehrsprachigkeit umgehen sollen.“

 

 

 

"Österreich" vom 28.02.2013                                  Seite 12

Ressort: Politik

 

Wien

 

Jugendliche sollen künftig Bildungsziele erreichen

 

Sozialpartner wollen Schulpflicht reformieren

 

Um die Zahl der Schulabbrecher zu reduzieren, soll die Schulpflicht reformiert werden.

 

Wien. Laut Unterrichtsministerium brechen jedes Jahr zwischen 3.500 und 5.000 Jugendliche die Schule ab. Ohne zumindest einen Pf lichtschulabschluss in der Tasche, rutschen sie schnell in die Armut ab. Die Sozialpartner - einig wie selten - fordern jetzt die Regierung auf, zu handeln. "Die Schulpflicht soll nicht mehr nach Jahren gezählt werden", sagt Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Das heißt: Die Schulpf licht endet nicht, indem man neun Jahre lang die Schulbank drückt, sondern erst, wenn man die Bildungsziele erreicht hat. "Basiskenntnisse in Deutsch, Englisch und Mathematik müssen schon vorhanden sein", so Gewerkschaftsbund-Präsident Erich Foglar.

 

Ministerin ist gesprächsbereit. Neben der Reform der Schulpflicht wollen die Sozialpartner auch die Einführung eines zweiten, verpflichtenden und kostenlosen Kindergartenjahrs. Die Vorschläge sollen Eingang in ein neues Regierungsprogramm finden, fordert Wirtschaftskammer-Boss Christoph Leitl.

 

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) sieht in dem Sozialpartner-Papier eine "Diskussionsgrundlage" und ist bereit für weitere Gespräche. Die Reform der 9. Schulstufe habe man ohnehin bereits in Angriff genommen. K. Liener

 

 

Kurier – 28. Februar 2013

 

Mittelschuljahr statt "Poly". AK-Chef Herbert Tumpel verlangt neue Bildungsziele statt des Absitzens der wenig beliebten „Restschule“.

Obwohl die Probleme seit Jahrzehnten bekannt sind, hat sich bisher an den Polytechnischen Schulen nichts getan. Die Sozialpartner fordern nun eine grundsätzliche Änderung des Schulsystems – das Aus für die Polytechnisches Schule. Dafür ernten sie nicht nur Lob.

Restschule

Die Polytechnische Schule gilt längst als eine „Restschule“ mit besonders in Ballungsräumen wie Wien demotivierten Schülern. Sie wurde in den 1960ern als Notlösung erfunden, nachdem die Schulpflicht von acht auf neun Jahre angehoben wurde – und ist es bis heute geblieben. Die „Poly“ ist die einzige Schulform, die keinen Abschluss der Hauptschule benötigt.

Arbeiterkammer-Präsident Tumpel will, dass die Schulpflicht nicht einfach beendet werden darf, wenn neun Jahre Schule absolviert werden. Er will, dass die Jugendlichen bestimmte Bildungsziele erreichen müssen, bevor sie in die Arbeitswelt entlassen werden. Das könne etwa an den „Neuen Mittelschule“ stattfinden, die künftig fünf statt vier Jahre dauern sollen. Die Lehrer der Polys würden hier bei der Fachorientierung dringend gebraucht, so Tumpel.

Die Gewerkschaftsjugend sieht die Pläne kritisch, da sich der Berufseinstieg für Jugendliche um mindestens ein Jahr verzögere, sagt der Jugendchef der GPA-djp, Florian Hohenauer. Der Grüne Bildungssprecher Walser nennt die Poly zwar eine „bildungspolitische Sackgasse“, er möchte sie aber nicht abschaffen, sondern durch ein modulares System für die gesamte neunte Schulstufe aufwerten. Und SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied winkt ab, die Forderung der Sozialpartner sei aber eine „Diskussionsgrundlage“.

Neunte Schulstufe

Die Polytechnische Schule ist eine einjährige Pflichtschule, die an die 8. Schulstufe anschließt. Laut Gesetz soll sie „die Allgemeinbildung der Schüler (...) erweitern und vertiefen, durch Berufsorientierung auf die Berufsentscheidung vorbereiten und eine Berufsgrundbildung vermitteln“. Sie wird in der Regel vor einer Lehre besucht.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 28.02.2013                            Seite: 7

Ressort: wirtschaft

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Sozialpartner mit neuen Ideen gegen den Lehrlingsmangel

 

Nach Matura soll Lehrabschluss binnen eines Jahres möglich sein

 

Wien (e.m.) - Wer eine AHS-Matura hat, soll künftig innerhalb eines Jahres eine Lehre nachholen können. Das fordern die Sozialpartner, um Lehrberufe attraktiver zu machen. Umgekehrt geht es ja bereits.

 

   "Wir müssen weg von alten Mustern", erklärt Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl bei der Präsentation der Bildungsfundamente der Sozialpartner. Ändern soll sich auch etwas bei der Schulpflicht. Diese soll nicht mehr automatisch nach neun Schuljahren enden, sondern erst bei der Erfüllung von Mindeststandards in Deutsch, Englisch und Mathematik. Die Polytechnische Schule soll abgeschafft werden und dafür die Neue Mittelschule 5 statt 4 Jahre dauern. Damit jeder unabhängig von seiner Herkunft eine Chance hat, soll rasch ein zweites Kindergartenjahr eingeführt werden, das auf die Schule vorbereitet. ÖGB-Boss Erich Folgar: "Es muss verpflichtend und gratis sein." In der Schule würde es dann auch spezielle Eignungstests geben.

 

 

 

"Der Standard" vom 28.02.2013                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich, Wien

 

Schulreform:Sozialpartner fordern Aus für Polytechnikum

 

   Wien - Zwei verpflichtende, kostenfreie Kindergartenjahre, eine Neudefinition der Schulpflicht und das Aus für die Polytechnische Schule sind die zentralen Eckpunkte des neuen Bildungsprogramms der Sozialpartner, das am Mittwoch vorgestellt wurde.

 

   Arbeiter-, Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer sowie ÖGB wollen, dass künftig die Voraussetzung für die Erfüllung der Schulpflicht nicht mehr nur das Absolvieren von neun Jahren in der Schule ist, sondern die Erreichung von Mindeststandards in Deutsch, Englisch und Mathematik, die für alle Schüler, egal in welcher Schulform, gleich sind.

 

   Die Polytechnische Schule soll es nicht mehr geben, die Neue Mittelschule ein Jahr länger dauern bzw. die anderen Schulformen auf der neunten Stufe aufsetzen. Das würde allerdings den Berufseinstieg von HAK- und HTL-Absolventen künftig verzögern, warnte die Gewerkschaftsjugend. (red) Seite 8, Kommentar Seite 32

 

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"Der Standard" vom 28.02.2013                                Seite: 8

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

Sozialpartner: Aus für Poly und Reform der Schulpflicht

 

Verpflichtende Bildungsziele Zwei Pflichtkindergartenjahre

 

   Wien - Die Sozialpartner fordern eine grundlegende Bildungsreform, die unter anderem ein zweites verpflichtendes, kostenfreies Kindergartenjahr, eine Reform der Schulpflicht sowie das Aus für die Polytechnische Schule, aber auch die Einführung von Berufsakademien als Hochschulform beinhaltet. Die Spitzen von Arbeiter- (Herbert Tumpel, SPÖ), Wirtschafts- (Christoph Leitl, ÖVP) und Landwirtschaftskammer (Georg Astl, ÖVP) sowie ÖGB (Erich Foglar, SPÖ) präsentierten am Mittwoch ihr gemeinsames, neues Bildungsprogramm.

 

   Die Schulpflicht soll nicht wie bisher - erfolgsunabhängig - mitunter auch durch bloßes Absitzen der neun Jahre erfüllt werden können, sondern künftig sollten alle Schülerinnen und Schüler einheitliche Bildungsziele mit Mindeststandards in Deutsch, Englisch, Mathematik sowie verpflichtende Berufsinformation und Potenzialanalyse, aber auch Persönlichkeits- und Berufsvorbildung erworben haben, um ihren Pflichtschulabschluss zu erlangen. Wer diese nach neun Jahren nicht schafft, soll bis zu zwei Jahre zusätzlich Zeit dafür bekommen oder in eine integrative Berufsausbildung eintreten.

 

   Die Polytechnische Schule wäre in diesem Modell überholt und sollte abgeschafft werden, die Neue Mittelschule (NMS) sollte dann fünf statt vier Jahre dauern, Poly-Lehrer würden für Berufsfachorientierung eingesetzt.

 

   Die politisch heikle Frage der Schulorganisation - gemeinsame Schule oder gegliedertes System - wollen die Sozialpartner nicht explizit beantworten. Sie beharren nur auf gemeinsamen Inhalten für alle Schüler bis zur neunten Stufe: „Es kommt auf gleiche Inhalte an, nicht die Schilder“, sagte Leitl. Tumpel etwas konkreter: „Die Entscheidung für die weitere Laufbahn soll erst nach der neunten Schulstufe getroffen werden.“

 

   Platter will „Eisbrecher“ sein

 

   Keine Berührungsängste hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Er will „Eisbrecher in der Bildungslandschaft“ sein und sagte am Mittwoch, dass das Schulzentrum Zell am Ziller ab 2014/15 Modellschule für die Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen sein wird. (nim, ver)

 

    Kommentar Seite 32

 

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"Der Standard" vom 28.02.2013                               Seite: 32

Ressort: Kommentar

 

Lisa Nimmervoll

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich, Wien

 

Bildungsprogramm der Sozialpartner

 

Nebenregierung macht’s vor

 

   Sie werden ja manchmal etwas despektierlich als „Nebenregierung“ tituliert: die Sozialpartner. Aber mit ihrem neuen Bildungsprogramm haben Arbeiter-, Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer sowie Gewerkschaftsbund ein elaboriertes bildungspolitisches Konzept auf der Höhe der Zeit und in die Zukunft weisend vorgelegt, zu dem man nur sagen kann: schade, dass es „nur“ die Nebenregierung ist, die so etwas hinkriegt, die solche Sprünge über ideologische Hürden und parteipolitische Gräben schafft - und nicht die „richtige“ Regierung.

 

   Die bräuchte jetzt nur zugreifen, wenn sie sich denn trauen würde. Denn die Sozialpartner zielen auf lang schwelende Probleme im Bildungssystem. Die Neudefinition der Schulpflicht etwa lässt sich unter das Motto „Abschließen statt absitzen“ subsumieren. Es soll nicht mehr wie bisher reichen, neun Jahre abzusitzen - egal, was mit den gescheiterten Schulexistenzen passiert. Hurra, die Schule ist sie los! Die Gesellschaft aber nicht. Also soll jeder - jeder! - Jugendliche mit 15 gleiche Mindeststandards erfolgreich und verlässlich vermittelt bekommen haben.

 

   Das ist eine radikale Neuorientierung. Da ist es gar nicht nötig, das Wort Gesamtschule auszusprechen, auch wenn genau das gemeint ist. Vielleicht ist das ja die ironische Reverenz der Nebenregierung an die Regierung: Sie wissen, wie die anderen ticken. Aber sie wissen auch: Wenn Sozialpartner lernfähig sind, sind es Parteien vielleicht auch.

 

 

Wiener Zeitung – 28. Februar 2013

 

Aus für "Poly" gefordert

 

 

  • Sozialpartner wollen Änderungen
  • bei der Schulpflicht.

 

Wien. Die Voraussetzungen für die Erfüllung der Schulpflicht ändern und die Polytechnische Schule abschaffen: Das wollen die Sozialpartner, wie sie am Mittwoch bekanntgaben. Demnach soll die Schulpflicht nicht wie bisher - erfolgsunabhängig - nach neun Schuljahren absolviert sein, sondern erst bei Erreichen von Mindeststandards in Deutsch, Englisch und Mathematik sowie dem Abschluss aller neun Schulstufen. Zudem fordern die Sozialpartner ein zweites verpflichtendes, Gratis-Kindergartenjahr, die Anerkennung des BHS-Diploms als tertiären Abschluss sowie die Einführung von Berufsakademien als neue Hochschulform.

Die Schulpflicht solle nicht mehr an das Absolvieren von Schuljahren geknüpft werden, sondern an die Erreichung von Bildungszielen, betonte der scheidende Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Wer diese nach neun Jahren nicht schafft, soll bis zu zwei Jahre zusätzlich Zeit bekommen oder in eine integrative Berufsausbildung eintreten.

Berufsorientierung Pflicht
Die Polytechnische Schule soll es nicht mehr geben, vielmehr soll die Neue Mittelschule fünf statt vier Jahre dauern. Die Poly-Lehrer würden ohnedies für die spätestens im neunten Schuljahr verpflichtend auf dem Programm stehende Fachorientierung gebraucht, so Tumpel. Voraussetzung für einen Pflichtschulabschluss ist auch die Absolvierung einer Berufsorientierung und Bildungsberatung mit Potenzialanalyse und Feedback-Gespräch.

Um die Frage der Schulorganisation der ersten neun Schuljahre drücken sich die Sozialpartner. Die ersten neun Schuljahre sollen zwar durch gemeinsame Inhalte für alle Schüler gekennzeichnet sein - ob dies weiter in einem gegliederten Schulsystem passiere oder in einer gemeinsamen Schule, ließen sie allerdings auch auf Nachfrage offen. Nur so viel: "Die Entscheidung für die weitere Laufbahn soll erst nach der neunten Schulstufe getroffen werden", sagte Tumpel.

Ab 2022/23 sollen jene Schüler, die die Schulpflicht erfolgreich absolviert haben, alle Formen von weiterführenden Ausbildungen besuchen können - von der Lehre über die AHS bis zu berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Bei den AHS soll ein Modell entwickelt werden, das einen gleichzeitigen Lehrabschluss für Maturanten ab dem Alter von 19 Jahren ermöglicht.

"Wir müssen weg von alten Mustern", so Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl. "Die Gescheiten gehen in eine höhere Schule und machen Matura, die nicht so Gescheiten machen eine Lehre - das hat ausgedient." Wichtig sei die Umsetzung.

 

 

Wiener Zeitung – 28. Februar 2013

 

Initiative gegen den Schulabbruch

 

 

  • Nachhilfeinstitut "LernQuadrat" fordert präventive Eltern- und Schultypenberatung.

 

Wien. 3500 bis 5000 Jugendliche sind es laut Unterrichtsministerium jährlich, die ohne Pflichtschulabschluss das Schulsystem verlassen. Schulabbrecher haben jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden, sowie reduzierte Einkommenschancen, betonte Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien am Mittwoch in einer Pressekonferenz mit dem Nachhilfeinstitut "LernQuadrat". Letzteres kündigte daher eine Initiative gegen den Schulabbruch an.

Die Maßnahmen: "LernQuadrat" will moderierte Netzwerkgespräche an Schulen, präventive Eltern- und Schultypenberatung und individuelle Lehrerkontakte anbieten, hieß es. Vortragsabende, Diskussionen und eine Informationskampagne seien geplant.

Gleichzeitig hat das Institut Forderungen an die Bildungspolitik gestellt: So brauche es eine generelle Ausbildungspflicht für Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr und entsprechende Ausbildungsangebote. Schulen sollen ihre Drop-out-Raten offenlegen müssen und somit Eltern einen Qualitätsvergleich ermöglichen.

Bessere Lehrerausbildung
Vor allem an den berufsbildenden Schulen sei eine bessere pädagogisch-didaktische Lehrerausbildung nötig, gleichzeitig müssten für die Lehrer bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Zudem fordert "LernQuadrat" bessere Informations- und Beratungsangebote für Eltern, die mit dem drohenden Schulabbruch ihres Kindes konfrontiert sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Mittwoch, 27. Februar 2013

2013.02.27: Unterricht / Sozialpartner

 

- 27. Februar 2013

 

Mittagsjournal

Paul Schiefer

Sozialpartner: Maturanten sollen Lehre machen

Auf der einen Seite gibt es in Österreich relativ viele Schulabbrecher, auf der anderen Seite zu wenige Lehrlinge. Die Sozialpartner wollen daher die Lehrberufe attraktiver machen. Eine Forderung von ÖGB und Wirtschaftskammer: Jemand, der schon eine AHS-Matura hat, soll innerhalb eines Jahres eine Lehre machen können.

Matura mit 18, fertige Lehre mit 19

Die Lehrberufe haben in der heutigen Zeit nicht mehr das beste Image. Viele schicken ihre Kinder, wenn es irgendwie geht, auf eine weiterbildende Schule, zum Beispiel ins Gymnasium. Diesen Trend könne man nur stoppen, wenn Lehrlingen auch weitere Möglichkeiten offen stehen, sagen heute einmal mehr die Sozialpartner. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl bringt es so auf den Punkt: "Es darf nicht mehr so sein, dass Berufsentscheidungen nach Sozialprestige getroffen werden. Egal wo ein junger Mensch beginnt, es müssen ihm alle Bildungswege und damit alle Karrieren und alle Wünsche des Lebens offen stehen."

Zum Beispiel gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, parallel zur Lehre die Matura zu machen. Das wollen die Sozialpartner weiter fördern. Neu ist unter anderem der gemeinsame Vorschlag, dass jemand, der schon eine Matura hat, innerhalb eines Jahres einen Lehrberuf nachmachen kann. Also zum Beispiel Matura mit 18, und dann mit 19 eine fertige Ausbildung als Tischler.

Für zweites verpflichtendes Kindergartenjahr

Außerdem soll es sogenannte Berufsakademien geben, die nach dem Lehrabschluss eine Weiterbildung möglich machen, ähnlich den Tourismus-Fachschulen, die es jetzt schon gibt. Das System in beide Richtungen durchlässig machen, lautet also die Devise.

Aufhorchen lassen die Sozialpartner heute aber noch mit einem zweiten Vorschlag, um das Bildungssystem zu verbessern. Dieser setzt schon bei den ganz Kleinen an. ÖGB und Wirtschaftskammer unterstützen nämlich die Forderung nach einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr. Das hatte zuletzt Integrationsstaats-Sekretär Sebastian Kurz von der ÖVP vorgeschlagen. Unterstützt wird das heute nicht nur von Christoph Leitl, sondern auch von ÖGB-Präsident Erich Foglar. Dabei gehe es nicht nur um die Förderung von Migrantinnen und Migranten, sondern um alle Kinder. Dieses zweite verpflichtende Kindergartenjahr sollte es möglichst bald, am besten schon im Herbst geben, sagt auch der Präsident der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl.

 

- 27. Februar 2013

Initiative gegen Schulabbruch

Das Nachhilfe-Institut LernQuadrat startet eine Initiative gegen Schulabbruch. Mit moderierten Netzwerkgesprächen in Schulen, präventiver Elternberatung und Schultypenberatung soll die Zahl der Schulabbrecher gesenkt werden.

Jedes Jahr verlassen laut Unterrichtsministerium 3.500 bis 5.000 Jugendliche ohne Pflichtschulabschluss das Schulsystem. Schulabbrecher haben allerdings ein deutlich erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden und deutlich reduzierte Einkommenschancen, so Mario Steiner vom Institut für Höhere Studien (IHS) bei einer Pressekonferenz mit dem Nachhilfeinstitut LernQuadrat.

Neben moderierten Netzwerkgespräche in Schulen und Schultypenberatung sollen auf Wunsch der Eltern auch individuelle Lehrerkontakte angeboten werden. Außerdem sind Vortragsabende, Podiumsdiskussionen und eine umfassende Informationskampagne geplant.

Ausbildungspflicht bis 17 gefordert

Gleichzeitig hat das Institut Forderungen an die Bildungspolitik gestellt: So brauche es eine generelle Ausbildungspflicht für Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr und entsprechende Ausbildungsangebote.

Die einzelnen Schulen sollen die Drop-Out-Raten offenlegen müssen und somit Eltern ein Qualitätsvergleich ermöglichen. Vor allem an den berufsbildenden Schulen sei außerdem eine bessere pädagogisch-didaktische Lehrerausbildung nötig, gleichzeitig müssten für die Lehrer bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden.

Außerdem fordert LernQuadrat bessere Informations- und Beratungsangebote für Eltern, die mit drohendem Schulabbruch ihres Kindes konfrontiert sind.

Initiative auch von Sozialministerium

Eine ähnliche Initiative startete auch das Sozialministerium. Durch ein neues „Jugendcoaching“ soll die Zahl jener ohne Abschluss nun verringert werden - mehr dazu in noe.ORF.at

 

 

OTS0199 II 27.02.2013 13:12:05

 

VBBI: Vielzahl an kürzlich präsentierten Bildungsinitiativen ist Folge und weiterer Ansporn für VBBI

Bildung/Schule/Politik/Wirtschaft/Gewerkschaften

Hannes Androsch: Die Bildungsinitiativen der Sozialpartner sind erfreuliche Beiträge in der Bildungsdebatte, für deren Gehör wir weiterhin mit allen uns zu Gebote stehenden Mittel eintreten werden.

Es ist bereits einiges in Bewegung gekommen: Ein deutliches Zeichen der lebhaften und notwendigen Bildungsdiskussion in Österreich wurde in den letzten Tagen erneut von den Sozialpartnern gesetzt. Die beiden Broschüren "Bildungsfundamente" und "Eine bessere Schule für unserer Kinder" der Sozialpartner sind höchst begrüßenswerte Beiträge zu notwendigen Bildungsreformen, wie sie vom Bildungsvolksbegehren formuliert und gefordert wurden.

Weitere positive Zeichen sind: Das Land Tirol hat in Kenntnis der fortschrittlichen Verhältnisse in Südtirol beschlossen, ebenfalls Ganztags- und Gesamtschulen einzuführen und der Landeshauptmann von Vorarlberg hat sich kürzlich für eine ähnliche bildungspolitische Richtung ausgesprochen wie sie inzwischen vom Land Tirol eingeschlagen worden ist. Entsprechende Überlegungen finden sich auch im Ergebnis des von Vizekanzler Dr. Michael Spindelegger eingesetzten Komitees unter der Leitung von Prof. Markus Hengstschläger.

Hannes Androsch ist über diese Initiativen hoch erfreut. Es gibt aber noch viel zu tun, daher versichert Androsch: "Es gibt eine Fortsetzung des Bildungsvolksbegehrens auf unterschiedlichen Ebenen. Die Bildungspolitik wird, wie von uns angekündigt, ein zentrales Thema im Wahlkampf werden. Die Initiatoren und Proponenten des Bildungsvolksbegehrens werden im Namen der fast 400.000 Unterstützerinnen und Unterstützer weiterhin mit aller Kraft für die Umsetzung der Forderungen für ein zeitgemäßes Bildungssystem in unserem Land eintreten."

Rückfragehinweis:
Volksbegehren Bildungsinitiative
T: 01/3100740
F: 01/3100740-40
E: office@vbbi.at
W: www.nichtsitzenbleiben.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/11835/aom

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Andrea Steiner
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