Sonntag, 2. Juni 2013

2013.06.01./02: Unterricht

 

Die Presse – 3. Juni 2013

 

 

Lehrerdienstrecht: Koalitionsangst vor dem Nachzipf

von KARL ETTINGER

Beim Lehrerdienstrecht strampelt sich die Regierung nicht nur mit der Gewerkschaft ab. Weder Faymann noch Spindelegger will vor der Nationalratswahl als Schulversager dastehen.

Nicht nur in Österreichs Schulen rückt der Schulschluss näher. Für die rot-schwarze Bundesregierung ist ebenfalls bald Zeugnisverteilung durch die Wähler. Das ist der Grund, warum sich Bundeskanzler Werner Faymann einen Nachzipf ersparen will, indem die koalitionäre Prüfung bei der Neuregelung von Dienstrecht und Gehältern für die Lehrer auf die künftigen Regierungsverhandlungen aufgeschoben wird. Als eine Art Nachzipf nach der Neuwahl.

Knapp ein Jahr nach dem offiziellen Start der Beratungen zwischen den drei Ministerinnen Claudia Schmied (Unterricht, SPÖ), Gabriele Heinisch-Hosek (öffentlicher Dienst, SPÖ) und Maria Fekter (Finanzen, ÖVP) und vier Jahre nach dem Flop der Schulministerin mit der Verlängerung der Unterrichtszeit schaltet sich Bundeskanzler Werner Faymann demnächst selbst in die stockenden Gespräche mit der breiten Phalanx der Lehrergewerkschafter ein.


„Gipfel" mit Faymann. Faymann lade noch vor dem Sommer zu einem „Gipfelgespräch" zum Lehrerdienstrecht ein, wurde der „Presse" am Samstag im Kanzleramt angekündigt. Zuerst wird allerdings noch abgewartet, was die für 13. Juni vorgesehene nächste Verhandlungsrunde der Ministerinnen mit den Lehrervertretern, angeführt von Chefverhandler Paul Kimberger, bringt.

Es hat ohnehin lang gedauert, bis Faymann die seit Jahren ungeklärte Frage neuer Gehaltsregelungen für die Lehrer und längerer Lehrverpflichtungen nun zur Chefsache gemacht hat. Das erfolgt mit Blick auf die Nationalratswahl am 29. September. Die von der SPÖ ausgerufene Bildungs- und Schuloffensive wird ein zentrales Thema im sozialdemokratischen Wahlkampf sein.

Da würde es gar nicht passen, stünde die SPÖ als Versager bei einem Schulreformvorhaben da. Die Rollenverteilung ist klar: Die Lehrergewerkschaft wird zur „Bremserfraktion", die jede Neuerung abblockt. Dabei vergisst die SPÖ bei keiner Gelegenheit hervorzustreichen, dass im Hintergrund in Wahrheit Beamtengewerkschaftschef und ÖVP-Parlamentarier Fritz Neugebauer, seit Jahren ohnehin Buhmann schlechthin in der Bevölkerung, steht. Der hartnäckige Pflichtschullehrervertreter Kimberger aus Oberösterreich steht allerdings Neugebauer in dessen großen gewerkschaftlichen Fußstapfen inzwischen um nichts nach.

Angeeckt beim ÖGB-Chef. Allerdings hat auch Faymann parteiintern seine liebe Not bei seinem Drängen auf eine Einigung beim Lehrerdienstrecht noch vor der Wahl. Die Grenzen hat dem Bundeskanzler einer aufgezeigt, der in der Öffentlichkeit sonst nur selten gegen den SPÖ-Vorsitzenden auftritt: ÖGB-Präsident Erich Foglar. Weil der Kanzler zuletzt ein Gesetz ohne Zustimmung der Lehrergewerkschaft nicht mehr ausgeschlossen hat, ist er beim ÖGB-Chef angeeckt. Im Bundeskanzleramt will man zwar keinen SPÖ-Zwist sehen. Faktum ist aber, dass Foglar in der „ZiB 24" in der Nacht auf Samstag vor einer Lösung ohne die Betroffenen gewarnt hat: Es werde gut sein, weniger den Zeitpunkt eines Abschlusses als die Qualität im Fokus zu haben.

Faymann rückt auch selbst aus, weil „seine" Ministerin einmal mehr zu scheitern droht. Schmied wollte die ÖVP diesmal von Anfang an voll in das Ringen um das Dienstrecht einbinden, um nicht wie 2009 allein übrig zu bleiben. Die ÖVP umgekehrt trachtet(e), Schmied als Verantwortliche und notfalls Buhfrau hinzustellen.

Das Unterfangen ist für Vizekanzler Michael Spindelegger nicht ungefährlich. Die Lehrer zählen zur schwarzen Wählerklientel. Die ÖVP als „Schutzpatron" bremsender Lehrerfunktionäre kann aber bei anderen Wählern wichtige Stimmen kosten. Die Angst vorm Versagen beim Dienstrecht grassiert vor Schulschluss auch bei der ÖVP.

Dienstrecht

2420 Euro brutto im Monat sollen künftig Junglehrer laut Regierungsplan erhalten. Die Lehrverpflichtung soll auf 24 Stunden erhöht werden.

Die Verhandlungen zwischen Regierung und Lehrergewerkschaft werden am 13. Juni fortgesetzt. Danach lädt Bundeskanzler Faymann zu einem Gipfelgespräch.

 

 

Die Presse – 3. Juni 2013

 

 

„Wir vernichten das Gymnasium"

von rainer nowak und bernadette bayrhammer 

Sind die Jungen nur noch egozentrisch? Jugendforscher Heinzlmaier und Wissenschaftsminister Töchterle über Neoliberalismus, gefährliche Idealisten und die humanistische Bildung als Rettungsanker.

Der Minister war kürzlich am Wahlabend bei der Hochschülerschaft zu Gast, bei politisch engagierten Jungen. Wenn man Ihrem Buch glaubt, Herr Heinzlmaier – die jungen Menschen seien Performer, Styler, Egoisten –, dürfte es solche eigentlich gar nicht geben.

Bernhard Heinzlmaier: Ich würde sagen: Es gibt verschiedene Gruppen – und die, die in der Hochschülerschaft sind, sind jene aus dem Reservoir der letzten zehn Prozent, die sich für etwas engagieren. Wobei man sagen muss, dass viele sich nur deshalb engagieren, weil sie einen persönlichen Nutzen verfolgen.

Wollen Sie damit sagen, dass jemand zu den roten Studentenvertretern geht, damit er Bundeskanzler wird?

Heinzlmaier: Ich war selbst beim VSStÖ und bin nicht Kanzler geworden. Ich bin aus idealistischen Motiven hingegangen – schon damals als einer der wenigen. Aber für viele, die dabei waren, hat es sich gelohnt. Einer ist zum Beispiel ÖBB-Generaldirektor, der andere SPÖ-Bundesgeschäftsführer.

Herr Minister, sehen Sie das auch so abgeklärt, eigentlich pessimistisch?

Karlheinz Töchterle: Mir fällt jetzt die Unibrennt-Bewegung aus dem Jahr 2009 ein. Ich war damals – als Uni-Rektor in Innsbruck – überrascht von so viel Idealismus und Widerstand gegen Verzweckung und einseitige Vernützlichung.

Es gibt also noch idealistisches Engagement.

Töchterle: Ich stelle gern die Antithese. In diesem Fall wäre das: Ist es wünschenswert, dass man etwas aus reinem Idealismus tut? Wir kennen krasse Beispiele von fehlgeleitetem Idealismus. Da sind mir Menschen lieber, die einen Schuss Interessenpolitik mitbringen. Reine Idealisten scheinen mir mitunter ein bisschen gefährlich zu sein, vor allem, wenn es in Richtung Verbissenheit und Einseitigkeit geht.

Heinzlmaier: Mir sind die totalen Idealisten auch unheimlich. Aber es kommt darauf an, dass man Selbstverwirklichungswerte mit Pflicht- und Akzeptanzwerten verbindet. Und viele junge Menschen sind dazu nicht mehr fähig. Sondern sie agieren nur noch eigennützig und egozentrisch.

Ist das die späte Rache an den 68ern?

Heinzlmaier: Ich halte diese Überlegung für bedenkenswert. Ich glaube, dass die 68er mit ihrer Selbstgerechtigkeit vielen dermaßen auf die Nerven gegangen sind und heute noch immer auf die Nerven gehen, dass man sich vorstellen kann, dass sich junge Menschen explizit vom Idealismus abwenden. Dass idealistische Eltern egozentrische Performer produzieren. Aber entscheidend ist, dass die Mehrheit der Eltern ihre Kinder seit der Nachkriegsgeneration stark im Geiste eines egozentrischen Materialismus aufgezogen haben.

Die Linke hat sich nicht durchgesetzt: Das könnte man ja als positiven Befund sehen.

Heinzlmaier: Wenn man Neoliberaler ist. Aber das hat natürlich mit den Idealen von konservativen Parteien überhaupt nichts zu tun. Die ÖVP ist ja eine Partei, die gemeinschaftsorientiert ist und den Kampf jeder gegen jeden explizit nicht in ihrer Programmatik hat. Der Siegeszug des Neoliberalismus ist die Vernichtung des Konservatismus.

Zum Glück haben wir verschiedene Definitionen von Neoliberalismus. Ich meine einen vollständigen wirtschaftlichen Liberalismus, Sie offenbar eine Art Diktator des Konsums.

Heinzlmaier: Ich meine die Überspitzung der Ökonomisierung des Lebens. Dass es auf den eigenen Vorteil ankommt, jedes Mittel recht ist. Deshalb plädiere ich für humanistische Bildung, weil nur so gemeinschaftliche Werte vermittelt werden.

Gerade in die Konservativen setzen Sie, Herr Heinzlmaier, in Ihrem Buch Ihre Hoffnungen in puncto Bildung. Von der Sozialdemokratie sind Sie dagegen enttäuscht.

Heinzlmaier: Die Sozialdemokratie hat keinen Respekt vor dem kulturellen Erbe. Und für mich ist die Institution, die das am dramatischsten artikuliert und der die Sozialdemokratie verfallen ist, die PISA-Agentur. Die steht für eine Bildungspolitik, in der kulturelle Traditionen keine Bedeutung mehr haben.

An den Universitäten gibt es eine Debatte, was die Bologna-Reform betrifft ...

Töchterle: Das Einzige, was Bologna und Pisa gemeinsam haben, ist, dass beides italienische Städte sind. Beides herrliche Städte übrigens.

Was an der Gestaltung der Studien nach Bachelor und Master kritisiert wird, ist, dass sie der Humboldt'schen Idee zuwiderläuft.

Töchterle: In manche Bachelorstudien wurde alles hineingequetscht, was davor in Diplomstudien Platz hatte. Daraus ist der Vorwurf der Verschulung entstanden. Wobei dem ein einseitiges Bild eines Studiums zugrunde liegt, das man zu Unrecht aus der philosophischen Fakultät nach Humboldt ableitet. Völlig frei, voraussetzungslos, von Blüte zu Blüte hüpfend. Viele Studien haben nie auf diese Art funktioniert. Insofern verträgt sich das Humboldt'sche Ideal mit Bologna durchaus.

Herr Heinzlmaier, Sie gehen mit den Unis in Ihrem Buch aber sehr hart ins Gericht.

Heinzlmaier: Ich bin ein Kritiker des Umstands, dass sich die Wirtschaft die Unis einverleibt hat. Dass man die Universitäten in Unternehmen verwandelt hat, die auf dem Bildungsmarkt agieren, dass man gleichzeitig versucht, die Studien so zu strukturieren, dass der Zweck des Studiums außerhalb der Uni liegt.

Warum soll das etwas Schlechtes sein?

Heinzlmaier: Ich habe nichts dagegen, dass man für die Wirtschaft ausbildet. Das Problem ist, dass man darauf verzichtet, weiter humanistische Eliten zu produzieren. Und die sind notwendig, um die Demokratie zu erhalten.

Und versorgen soll diese Eliten der Staat?

Heinzlmaier: Dem Staat soll die Existenz einer Demokratie etwas wert sein. Man muss an den Unis Personen ausbilden, die gemeinschaftsorientiert sind. Die in der Lage sind, außerhalb von Ego-Kategorien zu denken. In den USA gibt es den Gedanken der Liberal Arts: Da werden Menschen zur Demokratiefähigkeit erzogen, indem sie vier Semester lang die ganze Palette vermittelt bekommen – von Geistes- und Kulturwissenschaften bis zu den Naturwissenschaften.

Das wurde früher Gymnasium genannt.

Heinzlmaier: Genau. Wenn diese Allgemeinbildung vor der Universität breit vermittelt würde, hätten wir die Diskussion nicht. Nur: Wir sind in Österreich dabei, das Gymnasium zu vernichten.

Töchterle: Ich geben Ihnen in Folgendem recht: Ich sehe die Aufgabe der Allgemeinbildung auch viel stärker in der Sekundarstufe als an der Uni. Und die Sehnsucht, die die jungen Menschen nach Bildung artikulieren – zum Beispiel eben im Zuge der Audimax-Proteste –, sehe ich genährt vom Fehlen dieses Bildungserlebnisses in der Sekundarstufe.

Heinzlmaier: Wir sitzen hier in einem Gebäude, das während des Wiener Kongresses die Preußische Gesandtschaft war. Wissen Sie, wer in diesem Raum vielleicht gesessen ist? Wilhelm von Humboldt, als preußischer Gesandter. Wenn man so etwas weiß, bereichert das das Leben. Das ist für mich Bildung. Das bringt den Menschen Sinn.

Töchterle: Ich sehe diese Kapitelle, die ein antikes Schmuckteil sind, und den Zahnschnittfries oben an der Wand dieses Raums. Und mich fasziniert, wir sehr Stilelemente der Antike bis heute in der Architektur erhalten sind. Da bin ich bei Ihnen, das erzeugt ästhetische Kompetenz.

Erübrigt sich die Diskussion über humanistische Bildung, Humboldt und die antiken Stilelemente nicht von vornherein, wenn fast ein Drittel der 15-Jährigen nicht lesen kann?

Heinzlmaier: Es ist fürchterlich, dass ein Drittel der 15-Jährigen nicht lesen kann, und um die muss man sich natürlich auch kümmern. Dieses eine Drittel wird für humanistische Bildung, fürchte ich, nicht infrage kommen. Aber es gibt ja noch zwei Drittel andere. Wir werden uns mit der humanistischen Bildung denen zuwenden müssen, die die entsprechenden Voraussetzungen haben.

Töchterle: Humanistische Bildung ist zwar per definitionem Latein und Griechisch, deren Bedeutung hat aber stark abgenommen. Was ich sagen möchte, ist: Das Gymnasium ruht auf einer neuhumanistischen Bildungsidee, und diese Idee haben wir nicht mehr in der Form. Daher tun wir uns heute schwer, etwas Vergleichbares, Haltbares, Tragfähiges zu konzipieren.

Steckbrief

Karlheinz Töchterle
(64) ist seit 2011 Wissenschaftsminister auf einem Ticket der ÖVP. Der Altphilologe war zuvor Rektor der Universität Innsbruck.

Bernhard Heinzlmaier
(53) ist Mitbegründer des Wiener Instituts für Jugendkulturforschung und leitet die Trendagentur T-Factory in Hamburg. Hochstöger

buch

Performer, Styler, Egoisten. Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben. Von Bernhard Heinzlmaier. Berlin 2013, 196 S., 18,50 €.

 

 

Der Standard – 3. Juni 2013

 

 

Lehrer-Dienstrecht: Foglar bremst Faymanns geplanten Alleingang

ÖGB-Chef gegen Lösung ohne gewerkschaftlichen Segen

Wien - Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat Freitagabend angedeutet, dass das neue Lehrerdienstrecht allenfalls auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft noch vor der Wahl etabliert werden könnte. Damit machte er Parteifreund Erich Foglar keine Freude. In der "ZiB24" erklärte der ÖGB-Chef, man könne so eine wichtige Sache nicht gegen die Betroffenen durchsetzen. Es werde daher gut sein, ein wirklich gutes Verhandlungsergebnis zu erzielen und weniger den Zeitpunkt als die Qualität im Fokus zu haben.

Faymann hatte bei einem Auftritt im Burgenland gemeint, sollte bis Mitte, Ende Juni keine Einigung in den Verhandlungen der Regierung mit der Lehrergewerkschaft zustande kommen, werde die Regierungsspitze eingreifen. Der Kanzler verwies dabei auch auf die Möglichkeit, entsprechende Rahmenbedingungen auf gesetzlichem Wege zu beschließen.

Wenn der Kanzler das sage, werde er dazu die Mehrheit im Nationalrat haben müssen, replizierte Foglar, dessen ÖGB im Nationalrat mit zahlreichen Funktionären vor allem in der SPÖ, aber auch in der ÖVP vertreten ist. Am Ende bleibe, dass "motivierte Lehrer das Dienstrecht vollziehen müssen."

Foglar betonte ferner, dass die Regierung jetzt schon in Form von drei Ministerinnen (Gabriele Heinisch-Hosek, Claudia Schmied, Maria Fekter, Anm.) mit der Beamten-Gewerkschaft am Tisch sitze. Damit sei die Regierung ohnehin bereits Verhandlungspartner.

 

 

Österreich – 3. Juni 2013

 

 

Interview

Faymann will zu Lehrer-Gipfel einladen

Kanzler drängt zur Eile: "Das würde teure Wahlplakate sparen."

 

Im Interview für die Sonntag-Ausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH kündigt Bundeskanzler Werner Faymann die Einberufung mehrerer Lehrer-Gipfel der Regierung noch vor dem Sommer an, sollte es keine Fortschritte beim Lehrer-Dienstrecht geben. Faymann: "Bis Mitte, Ende Juni werden die drei Ministerinnen (Anm: Bildung, Beamte und Finanzen) ihre Verhandlungen führen. Wenn es zu keiner Lösung kommt, werde ich dann eingreifen ... Ich werde gemeinsam mit dem Vizekanzler mehrere Gipfel einberufen."

Faymann drängt im ÖSTERREICH-Interview zur Eile, das neue Lehrerdienstrecht noch vor der Wahl zu beschließen. Der Kanzler: "Ich wünsche mir, dass wir zu den unzähligen TV-Debatten nicht bis zur Ermüdung erklären müssen, dass wir diese Reform wollen, sondern dass wir sie dann bereits geschafft haben ... Die beste Wahlempfehlung für beide Regierungsparteien wäre, wenn wir bei Demokratie, Reform der Wehrpflicht und neuem Lehrerdienstrecht noch vor der Wahl etwas zustande bringen. Das würde teure Wahlplakate sparen."

 

 

Österreich – 3. Juni 2013

 

Mediale Prügelattacken

Jetzt schlagen die Lehrer zurück

Angriff auf Politik - Aber: Lehrer selbst nicht einig.

 

Die Lehrer-Gewerkschaft gerät immer mehr unter Druck. Jetzt wehren sie sich: Hinter den Attacken auf ihren Beruf vermuten sie die Politik.

Es waren zwei brutale Frontal-Angriffe via ÖSTERREICH: Zuerst Hannes Androsch, dann einen Tag später Andreas Salcher. Tenor ihrer Erregung - die Lehrer-Gewerkschaft blockiere nur , unsere Pädagogen arbeiten zu wenig (siehe Faks. li.). Jetzt schlagen die Lehrer zurück: „Das ist Wahlkampfgetöse, ein taktisches Spiel", so AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin. Zum Angebot der Regierung (Anhebung der Arbeitszeit auf 24 Stunden, dafür höhere Einstiegsgehälter) sagt Quin: „Kein Lehrer würde dazu Ja sagen. Das ist eine reine Arbeitszeiterhöhung." Wenn die Lehrer länger an den Schulen bleiben sollen, müssten Unterstützungspersonal und besser ausgestattete Arbeitsplätze her.

Pädagogen greifen sich untereinander an
Doch selbst untereinander sind sich die Lehrer nicht einig. Lehrer und Bildungsexperte Niki Glattauer greift die Gewerkschaft an: „Man muss innerhalb der Gewerkschaft differenzieren. Momentan haben viele das Sagen, die Richtung zurück gehen. Das wollen aber nicht alle."

Wirtschaftskammer für Unterricht im Sommer
Gerade jetzt taucht auch noch die Wiener Wirtschaftskammer-Chefin Brigitte Jank mit der Forderung auf, die Schulen auch in den Sommerferien zu öffnen: „Es gibt leider viele Schüler, die gravierende Mängel beim Lesen, Schreiben oder Rechnen haben." Diese sollen speziell im Sommer gefördert werden.Hilfe bekommen die Lehrer jetzt von den Schülern. Sie unterstützen ihre Forderung nach Unterstützungspersonal (Sekretäre, Psychologen).

Das Dienstrecht solle dazu beitragen, dass es wieder an Reiz gewinnt, Lehrer zu werden, so Felix Wagner, Bundesschulsprecher in Mistelbach. Denn: „Im Moment hat man den Eindruck: Lehrer wird der, dem nichts besseres einfällt."

 

Pro Lehrer: AHS-Lehrergewerkschafter Quin:

 

"Alles Wahlkampfgetöse"

ÖSTERREICH: Die Lehrer-Gewerkschaft steht als Blockierer da. Zurecht?
Eckehard Quin: Wenn Sie einer Berufsgruppe – egal welcher - versuchen, massive Verschlechterungen aufs Aug zu drücken, dann tun sie sich natürlich leichter, wenn die veröffentlichte Meinung gegen diese Berufsgruppe ist.

ÖSTERREICH: Sie vermuten Stimmungsmache von der Politik?
Quin: Natürlich, das ist Wahlkampfgetöse. Das ist alles ein taktisches Spiel.

ÖSTERREICH: Was passt nicht an dem Angebot der Regierung?
Quin: Kein Lehrer würde dazu Ja sagen. Das ist eine reine Arbeitszeiterhöhung.

 

Pro Lehrer: Lehrer und Bildungsexperte Glattauer

 

"Nicht alle Lehrer gleich"

ÖSTERREICH: Sollen die Lehrer länger arbeiten?
Glattauer: Ich bin grundsätzlich dafür, dass Lehrer mehr unterrichten und den ganzen Tag in der Schule verbringen.

ÖSTERREICH: Wie beurteilen Sie die Dienstrechtsverhandlungen?
Glattauer: Regierung und Gewerkschaft müssen aufeinander zugehen.

ÖSTERREICH: Verstehen Sie, dass der Zorn auf die Lehrer-Gewerkschaft immer größer wird?
Glattauer: Man muss auch innerhalb der Gewerkschaft differenzieren. Momentan haben da viele das Sagen, die Richtung zurück gehen. Das wollen aber nicht alle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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