Freitag, 7. Juni 2013

2013.06.07: Unterricht

 

APA0416 II, XI 07.06.2013 14:54:44

 

Lehrerdienstrecht: Gewerkschaft empört über Grüne

Utl.: "Gott bewahre uns vor solchen Bildungspolitikern und sogenannten Bildungsexperten" - Elternvertreter Saverschel findet aktuelle Situation "reine Katastrophe"

Lehrende/Öffentliche Finanzen/Schule/Österreich

Empört hat Paul Kimberger (FCG), Chefverhandler der Lehrergewerkschaft in Sachen Dienstrecht, am Freitag darauf reagiert, dass Grünen-Bildungssprecher Harals Walser bei einer Pressekonferenz mit dem roten Pflichtschullehrergewerkschafter Thomas Bulant und den Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch und Bernd Schilcher, eine 30-stündige Anwesenheitspflicht für Lehrer gefordert hat. Offensichtlich sei den "Herrschaften" die von der Regierung vorgeschlagene Anhebung der Unterrichtsverpflichtung von 20 bis 22 auf 24 Stunden nicht schlimm genug. "Gott bewahre uns vor solchen Bildungspolitikern und sogenannten Bildungsexperten", so Kimberger zur APA.

Was so schlimm an einer solchen Anwesenheitsverpflichtung wäre? Es würden derzeit teilweise Arbeitsbedingungen an den Schulen herrschen, die kein professionelles Arbeiten im Sinne moderner Pädagogik zulassen, erklärte Kimberger. Bevor man von Lehrern mehr Anwesenheit einfordere, brauche es daher entsprechende Arbeitsplätze, wobei Kimberger klarstellte: "Eine Arbeitszeiterhöhung wird es mit uns nicht geben."

Seinem SP-Gewerkschaftspendant Bulant warf Kimberger vor, Unwahrheiten über die VP-nahe Führung der Lehrergewerkschaft zu verbreiten. Es stimme nicht, dass er über die von Finanzministerin Maria Fekter (V) angekündigten 2.000 zusätzlichen Personen im Unterstützungsbereich gejubelt habe. Er orientiere sich noch immer "an den OECD-Zahlen" und wolle weiterhin 13.000 zusätzliche Helfer. Er gehe außerdem sehr wohl gegen ein Weiterbestehen der Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Lehrern vor: Wenn künftig alle Lehrer einen Master-Abschluss vorweisen müssen, müssten auch alle entsprechend bezahlt werden. "Grundlage unserer Position sind die Beschlüsse innerhalb der GÖD, von denen werden wir nicht abgehen", so Kimberger.

Theodor Saverschel, Elternvertreter für mittlere und höhere Schulen, bezeichnete die aktuelle Diskussion um das Lehrerdienstrecht unterdessen im Ö1-Mittagsjournal als "reine Katastrophe". Er wolle den VP-Vorschlag inhaltlich nicht bewerten, der Zeitpunkt komme jedenfalls ungelegen: "Damit wird die Verhandlung natürlich noch schwieriger. Ob das hilfreich war, möchte ich in Frage stellen - ich denke, eher nicht." Er kann sich mittlerweile eine Reform ohne Zustimmung der Gewerkschaft vorstellen: Nachdem die Regierung seit zehn Jahren mit der Gewerkschaft zu keiner Einigung finde, sei es langsam an der Zeit, "selbst Schritte zu setzen".

(schluss) jle;aku;mk

APA0359 II, XI 07.06.2013 13:46:09

 

Lehrerdienstrecht: ÖVP gegen "polemische Suggestivfragen" der SPÖ

Utl.: Fekter und Töchterle: "Seriöse Verhandlungen führt man nicht über die Medien"

Lehrende/Öffentliche Finanzen/Gewerkschaften/Österreich

Keine Antworten gibt es vorerst von Finanzministerin Maria Fekter (V) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) auf den Fragenkatalog der SPÖ zum jüngst vorgestellten ÖVP-Modell für ein neues Lehrerdienstrecht. "Im Sinne aller - vor allem unserer Kinder - ist es jetzt entscheidend, raschest die Verhandlungen zu einem positiven Ende zu führen und nicht mediale Scheingefechte mit polemischen Suggestivfragen zu führen", richteten Fekter und Töchterle am Freitag den SP-Ministerinnen Claudia Schmied und Gabriele Heinisch-Hosek in einer der APA übermittelten Stellungnahme aus.

Die ÖVP wolle weiterhin "den sozialpartnerschaftlichen Weg" gehen und die Lehrergewerkschaft für ihr Alternativmodell gewinnen. "Seriöse Verhandlungen führt man nicht über die Medien, sondern partnerschaftlich am Verhandlungstisch - miteinander und nicht gegeneinander", hieß es in Richtung SPÖ. Töchterle und Fekter stünden jedenfalls "jederzeit für persönliche seriöse Gespräche zur Verfügung".

(schluss) jle;aku;mk

APA0341 II, CI, XI 07.06.2013 13:36:26

 

AHS-Lehrer warnen vor Jugendgewalt durch "schulische Einheitskost"

Utl.: Gemeinsame Erklärung der Vertreter aus Österreich, Bayern und Baden-Württemberg

Schule/Migration/Österreich

In einer gemeinsamen "Münchner Erklärung zur Integration im schulischen Kontext" haben der konservative AHS-Lehrerverband ÖPU (Österreichische Professoren Union) aus Österreich sowie die Philologenverbände aus Bayern und Baden-Württemberg davor gewarnt, dass die Gesamtschule zu Gewalt von Jugendlichen mit Migrationshintergrund führen kann, wie sie zuletzt in Schweden und schon länger in England und Frankreich zu beobachten war. "Jungen Menschen unhängig von ihren individuellen Bedürfnissen schulische Einheitskost vorzusetzen, ist unklug, gefährlich und sozial ungerecht."

Nur ein leistungsorientiertes und differenziertes Schulwesen könne weiterhin Wohlstand und sozialen Frieden gewährleisten, betonen die ÖPU und die Philologenverbände. Denn die Gewalt Jugendlicher sei fast immer Ausdruck ihrer Hoffnungslosigkeit. Es brauche deshalb individuell zugeschnittene Bildungsangebote, "die allen jungen Menschen zur vollen Entfaltung ihrer Potenziale verhelfen".

Die Autoren der Erklärung können sich auch eine Spitze gegen das Gesamtschul-Vorzeigeland Finnland nicht verkneifen: "Menschen anderer Staaten kaum Einlass zu gewähren, wie dies Finnland 'erfolgreich' praktiziert, und die wenigen fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler scheitern zu lassen, kann keine Lösung sein."

(schluss) jle;aku;mk

APA0337 II, XI 07.06.2013 13:33:39

 

Lehrerdienstrecht: Grüne für 30-stündige Anwesenheitspflicht

Utl.: Schilcher hält VP-Vorschlag für verfassungswidrig - BILD

Schule/Lehrende/Öffentlicher Dienst/Österreich

Einen "außerparlamentarischen Notwehrakt" zur Überwindung der "Katastrophenstimmung" nach dem VP-Vorschlag zum Lehrerdienstrecht wollen die Grünen starten. Zusammen mit dem roten Pflichtschullehrergewerkschafter Thomas Bulant und den Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens, Hannes Androsch und Bernd Schilcher, zerpflückte der Grüne Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz am Freitag das VP-Modell und forderte eine "grundlegende Reform" statt "kosmetischer Änderungen". Einen ursprünglich geplanten grün-roten Schulterschluss verhinderte eine höhere Macht - der für die Pressekonferenz ebenfalls angekündigte SP-Bildungssprecher Elmar Mayer habe offenbar sein Flugzeug aus Vorarlberg nicht erreicht, so Walser.

Wie die ÖVP plädiert Walser für eine längere Präsenzpflicht der Lehrer an den Schulen statt einer reinen Festlegung der Unterrichtszeit. Im Gegensatz zur kleineren Regierungspartei legte er aber auch gleich Zahlen auf den Tisch: Ihm schwebt eine tägliche Kernzeit für Lehrer an der Schule von neun bis 15 Uhr vor, wobei diese Zeiten je nach Notwendigkeit flexibel sein sollen. Bei entsprechender Ausstattung der Schulen mit Möglichkeiten zur Vor- und Nachbereitung wäre auch eine Verlängerung möglich - dann müssten aber auch alle Arbeiten an der Schule erledigt werden können: "Wie die Kinder haben auch die Lehrer dann Anspruch auf Freizeit."

Bulant zeigte sich "empört" über den VP-Vorschlag, der aufgrund der Ungleichbehandlung künftig gleichwertig ausgebildeter Lehrergruppen eine "Beleidigung" der 65.000 Pflichtschullehrer darstelle, "weil ihnen damit mitgeteilt wird, dass ihre Arbeit minderwertig ist". Dabei gehe es nicht nur um ein reines Kollektivvertragsdenken, sondern auch um volkswirtschaftliche Überlegungen: "50 Minuten Leseerziehung in der Volksschule haben doch mindestens den selben Wert wie 50 Minuten Mathematik irgendwo in der Sekundarstufe." Wenn Lehrer gleichwertig ausgebildet seien, führe auch kein Weg daran vorbei, sie in Bezahlung und Dienstrecht gleichzustellen.

Der ehemalige steirische Landesschulratspräsident und Zivilrechtsprofessor Bernd Schilcher (V) hält unterschiedliche Gehälter für Pflichtschul- und AHS- bzw. BHS-Lehrer nach Umsetzung der neuen Lehrerausbildung für verfassungswidrig. Bei der Prüfung einer Gleichheitswidrigkeit würden die Verfassungsrichter vor allem die Ausbildung und die Art der Tätigkeit heranziehen - bei gleichwertiger Ausbildung mit gleichem Abschluss und Unterricht nach dem gleichen Lehrplan wie etwa in AHS-Unterstufe und Hauptschule sei eine Ungleichbehandlung praktisch evident.

Unterschiedliche Auffassungen gab es beim Supportpersonal wie Schulpsychologen oder Sozialarbeiter: Schilcher hält rund 2.000 Personen für ausreichend, wenn für kleinere Schulen beim Landesschulrat eine Art Pool eingerichtet wird. Walser geht von einer nötigen Richtgröße von zehn Prozent der Lehreranzahl, also ca. 12.500 Personen aus - und Bulant kann nicht verstehen, warum Lehrer-Chefverhandler Paul Kimberger (FCG) eine Zahl von 13.000 Personen genannt habe "und jetzt applaudiert, wenn (VP-Finanzministerin Maria, Anm.) Fekter 2.000 anbietet".

Der ehemalige SP-Vizekanzler Androsch will seine Parteifreunde dazu bringen, Bildung zu einem zentralen Thema im Wahlkampf zu machen. Mittlerweile habe "zum Glück auch der Bundeskanzler begonnen, sich des Themas anzunehmen, wenn auch noch nicht genug". "Leider" habe der Vizekanzler dasselbe gemacht, meinte Schilcher, der die VP in Sachen Bildungsprogramm 1974 "ungleich fortschrittlicher als heute" sieht.

(schluss) aku;jle;mk

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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