Dienstag, 11. Juni 2013

2013.06.12: Newletter Unterricht

 

APA0041 II, XI 12.06.2013 08:00:11

 

Nationalrat: Neue Lehrerausbildung wird beschlossen

Utl.: Ausnahmeverfahren und Pflicht zum Master für alle - Sekundastufenlehrer soll Ausbildung für Hauptschule, AHS und BMHS ersetzen - Kindergartenpädagogen vorerst außen vor gelassen - GRAFIK

Lehrende/Berufsausbildung/Universität/Österreich/Hintergrund

Mehr als vier Jahre nach Beginn der ersten Vorarbeiten wird heute, Mittwoch, die neue Lehrerausbildung im Nationalrat beschlossen. Die Reform sieht vor, dass künftig jeder angehende Lehrer zunächst ein Aufnahmeverfahren bestehen muss. Darauf folgt unabhängig vom Schultyp ein vierjähriges Bachelor- und ein für die Fixanstellung nötiges ein- bis eineinhalbjähriges Masterstudium. Die neue einjährige Berufseinführungsphase an der Schule erfolgt durch einen speziell ausgebildeten Mentor. Ziel der Reform ist neben einer gewissen Vereinheitlichung, künftige Lehrer besser auf neue Anforderungen wie Sprach-, Frühförderung oder Individualisierung vorzubereiten.

Deutliche Änderungen bringt die neue Lehrerausbildung für die bisher an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Lehrer für Pflichtschulen (Volks, Haupt-, Sonder-, Berufs-, Polytechnische Schule): Ihre Ausbildungsdauer wird von bisher drei Jahren (Bachelor) auf fünf bis fünfeinhalb Jahre (Bachelor und Master) fast verdoppelt. Kaum Änderungen bei der Dauer gibt es für die derzeit ausschließlich an den Unis ausgebildeten Lehrer an AHS oder berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), hier müssen sich Studieninteressenten allerdings erstmals (an PH bereits etablierten) Zugangsverfahren stellen.

Volksschullehrer können auch künftig zur Gänze an den PH ausgebildet werden. Für Sekundarstufenlehrer (AHS, BMHS, Hauptschule, Neue Mittelschule) muss der Master zumindest in Kooperation mit einer Uni stattfinden. Er kann dann berufsbegleitend während oder aber vor Beginn der einjährigen Induktionsphase (vorgesehen waren ursprünglich ein bis zwei Jahre) absolviert werden. Wie lange Junglehrern für den Master Zeit gegeben werden soll, ist noch unklar - dieser Punkt soll im derzeit in zähen Verhandlungen befindlichen Dienstrecht geregelt werden.

Die Kindergartenpädagogen werden zunächst dagegen nicht Teil der gemeinsamen Ausbildung sein. Das Gesetz sieht zwar ein Bachelorstudium für "Elementar- und/oder Primarbereich" vor, allerdings wird es vorerst mangels Lehrender für diese Gruppe an den Hochschulen keine entsprechenden Angebote geben. Künftig ist für ein Bachelorstudium im Bereich der Elementarpädagogik nur eine Dauer von mindestens drei anstelle der für alle anderen Pädagogen geltenden vier Jahre vorgesehen.

Ursprünglich sollte mit der Reform eine gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen entstehen, de facto wird es allerdings weiterhin unterschiedliche Wege zu verschiedenen Lehrämtern geben, wobei im Sekundarbereich eine Ausbildung für die Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen die bisherigen Lehrämter nach Schultypen (Hauptschule/NMS, AHS, BMHS) ersetzt. Die ursprünglich geplante Verpflichtung zur Kooperation der mangelnder Wissenschaftlichkeit bezichtigten PH und der laut Kritikern zu wenig praxisnahen Unis ist allerdings gefallen, Volksschullehrer können weiterhin ausschließlich an der PH und Lehrer der Sekundarstufe nur an der Uni studieren. Allerdings geht man in der Regierung davon aus, dass zumindest die PH im Bereich der Sekundarstufe auch beim Bachelor mit Unis kooperieren werden, da sie ja beim Master ohnehin dazu verpflichtet sind.

(GRAFIK 0459-13, Format 88 x 105 mm)

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Die Presse – 12. Juni 2013

 

Lehrerdienstrecht: ÖVP für Übergangslösung

ÖVP-Chef Spindelegger lenkt ein: Unterschiedliche Gehaltsschemata könnten lediglich eine Zwischenlösung bis zum Jahr 2019 sein. Morgen wird weiter verhandelt.

Wien/J.n./Ett. Die Finanzministerin versteht es, für Irritationen zu sorgen. Vor dem gestrigen Ministerrat ließ Maria Fekter mit dieser Aussage aufhorchen: „Eine Handarbeitslehrerin in der Volksschule ist nun einmal nicht mit einem Technik-Professor in der HTL zu vergleichen." So verteidigte die Ministerin das ÖVP-Modell zum neuen Lehrerdienstrecht. Dieses sieht nämlich – anders als das ursprünglich zwischen SPÖ und ÖVP akkordierte Papier – unterschiedliche Gehaltskurven für verschiedene Lehrertypen vor.

ÖVP-Chef Michael Spindelegger setzte auf versöhnlichere Töne und ließ nach dem Ministerrat sogar mit einem Kompromissvorschlag aufhorchen. Sein Entgegenkommen an die SPÖ, die weiter an ihrem Wunsch nach einem einheitlichen Dienstrecht festhält: Es soll zwar ein neues Gehaltsschema mit höheren Einstiegsgehältern geben. Dieses soll aber lediglich als „Übergangslösung" für sechs Jahre bestehen. Bis zum Jahr 2019 würden also unterschiedliche Gehaltsregelungen etwa für Volksschul- und AHS-Lehrer bestehen bleiben. Danach könnte es für jene Lehrer, die bald mit der neuen und damit einheitlichen Lehrerausbildung beginnen, auch einheitliche Bezügeschemata geben.

Faymann: „Chance völlig intakt"

Mit diesem Vorschlag bewegt sich Spindelegger weiter in Richtung Gewerkschaft. Deren Chefverhandler Paul Kimberger betonte immer wieder, dass es eine gleiche Bezahlung für gleiche Ausbildung brauche. Sprich: Sobald alle Lehrer auf Masterniveau ausgebildet werden, solle es auch eine einheitliche Bezahlung geben.

Der Vorschlag Spindeleggers – mit dem ursprünglich die ÖVP-Wissenschaftssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager in der „Presse" an die Öffentlichkeit getreten ist – könnte also Bewegung in die Diskussion bringen. Der ÖVP-Chef bat deshalb ausdrücklich darum, Änderungsvorschläge nicht gleich abzublocken: „Bitte nicht gleich wieder darauf herumtrampeln, wenn das zarte Pflänzchen erst sprießt."

Auch Bundeskanzler Werner Faymann sieht sich durch die neuesten Entwicklungen in Sachen Dienstrecht darin bestärkt, dass es noch rechtzeitig vor der Nationalratswahl eine Lösung gibt: „Ich sehe die Chancen völlig intakt."

Allein: Die Gewerkschaft zeigt sich dabei skeptischer: „Der große Wurf ist vor der Wahl sicherlich nicht mehr drinnen. Eckpunkte könnten aber noch festgelegt werden", so Kimberger zur „Presse". Morgen, Donnerstag, wird zum 28.Mal über das Dienstrecht diskutiert. Diesmal auch mit den drei zuständigen Ministerinnen.

 

 

Die Presse – 12. Juni 2013

 

ÖVP will nun doch gleiche Bezahlung für alle Lehrer

Die ÖVP stellt klar, dass gleicher Ausbildung gleiches Gehalt folgen soll. Ministerin Fekter (ÖVP) hatte noch die Unterschiede zwischen Lehrern betont.

ÖVP-Obmann Michael Spindelegger stellte am Dienstag klar, dass auch er für einheitliche Gehaltstabellen für Lehrer ist. Und zwar, sobald die gemeinsame Pädagogenausbildung ihre Wirkung entfaltet. Das ÖVP-Konzept zum Lehrerdienstrecht, das weiter unterschiedliche Gehaltstabellen nach Schultyp vorsieht, sei demnach nur eine Lösung für die kommenden sechs Jahre. Wenn danach die ersten Absolventen der gemeinsamen Ausbildung an die Schule kämen, sei auch er für eine gleichwertige Entlohnung.

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) hatte hingegen vor dem Ministerrat noch anders geklungen, als sie meinte, es gebe eben einen Unterschied zwischen einer Handarbeitslehrerin in einer Volksschule und einem Technik-Lehrer in der HTL. Die nunmehrige Position Spindeleggers entspricht jener des Vorsitzenden der Pflichtschullehrergewerkschaft Paul Kimberger.

Faymann: Chancen für Dienstrecht intakt

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) pochte jedenfalls darauf, dass eine gemeinsame Ausbildung auch zu einer gleichen Bezahlung führen müsse. Dass man sich in der Koalition trotz zuletzt unterschiedlicher Positionen einigen wird können, hält der SPÖ-Chef für möglich. Die Chancen seien intakt.

Unterschiedliche Positionen standen bisher im Vordergrund: Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) zeigte sich über die von der ÖVP verbreiteten Konzepte "sehr froh"- obwohl die ÖVP damit die einst gemeinsame Linie der Regierung in den Verhandlungen verlassen hat.

Von der ÖVP kam Kritik am Koalitionspartner. Wenn weiter Provokation auf der Tagesordnung stehe, werde nichts herauskommen, sagte Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Das von Fekter zuletzt präsentierte ÖVP-Konzept war zunächst bei der SPÖ nicht gerade enthusiastisch aufgenommen worden. Fekter sprach am Dienstag auch nur noch von einem "gescheiterten Modell Schmieds und Heinisch-Hoseks". Wenn man mit seinem Konzept an die Wand fahre, müsse man jetzt eben einen Schritt zurück machen, richtete sie aus.

"Joker" Töchterle bleibt fern

Am Donnerstag findet die nächste Verhandlung mit den Lehrervertretern statt. Dabei geht es in erster Linie um das Support-Personal. Die Gewerkschaft wird wie bisher den Ministerinnen Schmied, Heinisch-Hosek und Fekter gegenübersitzen. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), der zuletzt wiederholt von der ÖVP als "Joker" für das Verhandlungsteam der Regierung ins Spiel gebracht wurde, wird nicht teilnehmen.

Der Minister sehe sich "in einer moderierenden Rolle" und bringe vor allem auch seine langjährige Erfahrung in der Lehrerbildung an der Universität ein. Für Töchterle sei wichtig, dass es nach der Reform der Lehrerausbildung, die am Mittwoch den Nationalrat passieren soll, auch beim Dienstrecht wieder Bewegung gebe - und das sei mit dem Vorstoß vergangene Woche erreicht worden."

 

 

Die Presse – 12. Juni 2013

 

Schulverwaltung wird entrümpelt

Die Regierung beschloss das Aus für Bezirksschulräte.

Wien/Apa. Die lange angekündigte Reform der Schulverwaltung hat gestern, Dienstag, den Ministerrat passiert. Die größte Veränderung dabei: Die Bezirksschulräte werden abgeschafft.

Anstelle der 98 Bezirksschulratsbehörden samt der nach Proporz besetzten Kollegien wird es ein regionales Schul- und Qualitätsmanagement geben. Durch die Umstellung soll ein Fünftel der 130 Planstellen bei Bezirksschulinspektoren eingespart werden. Schuldirektoren soll durch das Gesetz mehr Macht bei der Lehrerauswahl gegeben werden. Außerdem soll ein Direktor verschiedene Schulen bzw. Schultypen gleichzeitig leiten dürfen.

Das Gesetzespaket soll noch in dieser Legislaturperiode im Nationalrat beschlossen werden.

 

 

Die Presse – 12. Juni 2013

 

Wider die Demontage des Lehrerberufs

Ein Coach und eine Pädagogin der Popper-Schule wollen Lehrern zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen.

Lehrer erhebt euch": So heißt das neue Buch, das der Wiener Coach Roman Braun – ursprünglich Pädagoge und Psychologe – derzeit in Arbeit hat, gemeinsam mit der ehemaligen pädagogischen Leiterin der Wiener Karl-Popper-Schule für Hochbegabte, Renate Wustinger. Gegen wen sollen sich die Lehrer erheben: die Politik, die Eltern, gar die Schüler? Gegen die Bildungsreform, sagt Braun. Und gegen die nicht enden wollenden Debatten.

„Die Bildung hat die Tendenz, über sich selbst zu diskutieren – und die Personen, die wirklich damit befasst sind, vollkommen im Stich zu lassen." Und je mehr debattiert werde, desto eher würden die Lehrer, auch die guten, beginnen, zu warten, bis etwas passiert.

Und dann sei da die Frage, die viele Lehrer bisweilen beschleiche: Ob das, was sie machen, noch etwas wert sei, bei all den Debatten über die Schule und die Pädagogen. Man habe den Lehrerberuf – jedenfalls, was das Image betrifft – demontiert, meint Braun.

„Derzeit bekommt der Lehrer, die Lehrerin von nirgendwo ein Standesbewusstsein – abgesehen von dem, das er sich selbst verschafft. Und dafür muss er wissen, warum er Lehrer geworden ist."Das Buch, das Anfang kommenden Jahres erscheinen wird, soll nun ein Appell sein, um das Selbstbewusstsein der Lehrer und Lehrerinnen zu stärken. Und eine Erinnerung daran, dass sich Bildung nicht in der Bildungsreform abspielt, sondern im Klassenzimmer.

Roman Braun, Renate Wustinger: Lehrer erhebt euch gegen die Bildungsreform. Erscheinungstermin 2014. red

 

 

KLZ – 12. Juni 2013

Schulverwaltungsreform passierte Ministerrat

Die lange angekündigte Schulverwaltungsreform hat am Dienstag den Ministerrat passiert. Das von Regierung und Landeshauptleuten ausverhandelte Paket sieht u.a. die Abschaffung der Bezirksschulräte, ein effektiveres Landeslehrer-Controlling, mehr Mitsprachemöglichkeiten für Pflichtschuldirektoren, mehr Transparenz bei Schulleiterbestellungen und einen leichteren Zugang zur Schülerbeihilfe vor.

Das Gesetzespaket soll noch in dieser Legislaturperiode im Nationalrat beschlossen werden. Anstelle der 98 Bezirksschulratsbehörden samt der nach Proporz besetzten Kollegien soll es künftig ein regionales Schul-und Qualitätsmanagement mit flexiblen Außenstellen des Landesschulrats vor Ort geben. Durch die Umstellung soll ein Fünftel der derzeit 130 Planstellen bei Bezirksschulinspektoren eingespart werden. Auf Landesebene sollen die viel kritisierten Kollegien in den Landesschulräten hingegen erhalten bleiben.

Den Schuldirektoren soll von den Bundesländern künftig mehr Macht und Mitsprache etwa bei der Lehrerauswahl gegeben werden können. Außerdem soll künftig ein Direktor verschiedene Schulen bzw. Schultypen gleichzeitig leiten dürfen. Bei der Bestellung von Schulleitern, Fach- und Abteilungsvorständen, Schulaufsichtsorganen und Landesschulratsdirektoren soll es künftig transparenter zugehen, indem das Unterrichtsministerium innerhalb von drei Monaten eine Entscheidung auf Basis gereihter Dreiervorschläge treffen muss.

Bei den Pflichtschullehrern (Volks-, Haupt-, Neue Mittel-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen) soll verfassungsrechtlich abgesichert werden, dass das Land die Dienstrechtsangelegenheiten an die Bundesbehörde Landesschulrat übertragen kann, wie das in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Burgenland bereits der Fall ist.

 

 

OÖN – 12. Juni 2013

 

Lehrerdienstrecht: VP-Chef rudert bei Gehältern zurück

WIEN. Auch Spindelegger für gleiches Gehalt bei gleichwertiger Ausbildung.

Nach einem überraschenden Schwenk von VP-Obmann Michael Spindelegger gibt es im Dauerstreit um ein neues Lehrerdienstrecht nun doch die Chance auf eine Einigung mit der SPÖ vor der Nationalratswahl.

Auch er wolle „gleiche Bezahlung für gleiche Ausbildung", relativierte der Vizekanzler das jüngst vorgelegte VP-Modell. Darin ist zwar für alle Junglehrer ein einheitliches Einstiegsgehalt von monatlich 2400 Euro vorgesehen. Danach sollten aber die bestehenden unterschiedlichen Gehaltsstaffelungen für Pflichtschullehrer und für AHS und BHS aufrecht bleiben.

Diese Ungleichbehandlung „widerspricht komplett meinem Ansatz", hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) zuletzt im OÖN-Interview enttäuscht auf diese Alternative reagiert.

Das Festhalten an der alten Besoldungsstruktur wäre „nur eine Übergangslösung", präzisierte Spindelegger gestern nach dem Ministerrat. Die verschiedenen Stufen solle es nur noch so lange geben, bis die ersten Pädagogen nach den neuen Ausbildungsregeln in den Dienst eintreten. Und das sei frühestens 2019.

Mit der heute im Nationalrat zu beschließenden Reform wird die Lehrerausbildung auf gänzlich neue Beine gestellt. Demnach müssen ab 2014 angehende Pädagogen unabhängig vom Schultyp ein vierjähriges Bachelorstudium absolvieren. Als Voraussetzung für eine Fixanstellung muss danach ein ein- bis eineinhalbjähriges Masterstudium angehängt werden.

Für Lehrer an Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Sonder-, Berufs- oder Polytechnische Schulen) verlängert sich damit die Ausbildung von drei auf bis zu fünfeinhalb Jahre. Mit dieser Angleichung an das Ausbildungsniveau der AHS- und BHS-Lehrer begründet die SPÖ auch die Vereinheitlichung der Gehälter. Spindeleggers Kompromissangebot deckt sich weitgehend mit den Vorstellungen des Gewerkschaftschefverhandlers Paul Kimberger (Pflichtschullehrer, FCG).

Faymann: Intakte Chance

Schmied, die zuletzt gleich 40 Detailfragen an die ÖVP zu deren Gegenmodell übermittelt hat, zeigte sich gestern „sehr froh" über die jüngste Bewegung. Vor der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag sprach Bundeskanzler Werner Faymann (SP) von „intakten Chancen" auf eine Einigung bis Herbst.

Um ein neues Lehrerdienstrecht als Grundlage für ein modernes Berufsbild ringen seit 2001 wechselnde Regierungen, bisher alle erfolglos.

 

 

"Der Standard" vom 12.06.2013                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

ÖVP-Sechsjahresplan für Lehrer

 

Spindelegger: Schwarzes Gehaltsmodell für Übergang

 

   Wien – Elisabeth Gehrer, die Jahrzehntressortchefin im Palais Starhemberg am Minoritenplatz, verfolgte es wie ein Schatten durch ihre Zeit als Unterrichts- und Wissenschaftsministerin in den Jahren 1995 bis 2007: Handarbeitslehrerin sei sie gewesen – und ausgerechnet so eine wird Ministerin, lautete der Subtext: „nur" Handarbeitslehrerin ... Dabei war die Vorarlberger ÖVP-Politikerin nie Handarbeitslehrerin, sondern Volksschullehrerin. Aber das Etikett klebte fest.

 

   Am Dienstag tauchte „die Handarbeitslehrerin" wieder in der politischen Diskussion auf. Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) gab vor dem Ministerrat zu Protokoll, dass eine Handarbeitslehrerin in der Volksschule nun einmal mit einem Technikprofessor in der HTL nicht vergleichbar sei. Darum seien die von der ÖVP – namentlich von ihr und dem von der ÖVP als „Joker" in die stockenden Lehrerdienstrechtsverhandlungen hinzugezogenen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle – vorgeschlagenen Gehaltsunterschiede (trotz neuer, gemeinsamer Ausbildung) für verschiedene Schultypen berechtigt.

 

   Bei der SPÖ ist das Modell auf mäßige Resonanz gestoßen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied interpretierte den ÖVP-Vorschlag als psychologisch wichtiges Vehikel, das Bewegung in die Sache gebracht habe, hatte aber auch bekundet, dass es ihren Vorstellungen komplett widerspreche.

 

   Schmieds Parteikollegin, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), reagierte etwas distanzierter. Man könne über die ÖVP-Vorschläge durchaus reden. Was Gehaltskurven und Anwesenheit in der Schule anlange, sei aber das ursprüngliche Regierungsmodell das relevante.

 

   Gleich gebildet und bezahlt

 

   ÖVP-Chef Vizekanzler Michael Spindelegger sagte am Dienstag, dass er sehr wohl auch für einheitliche Gehaltstabellen sei, sobald die neue gemeinsame Lehrerausbildung wirksam werde. Darum sei das schwarze Modell nur eine Lösung für die kommenden sechs Jahre. Wenn danach die ersten Absolventen der gemeinsamen Ausbildung kämen, sei auch er für eine gleichwertige Entlohnung. Diese Position widerspricht Fekters Position, aber sie entspricht dafür jener von Lehrerchefverhandler Paul Kimberger (Fraktion Christlicher Gewerkschafter). Kanzler Werner Faymann (SPÖ) pocht ebenfalls auf gleiche Bezahlung nach gemeinsamer Ausbildung.

 

   Morgen, Donnerstag, verhandeln Regierung und Lehrergewerkschaften weiter. (nim)

 

    Gastkommentar Seite 43

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"Der Standard" vom 12.06.2013                               Seite: 43

Ressort: Kommentar der anderen

 

Heidi Schrodt

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Bildungsreform: Ein Schritt vor, zwei zurück

 

   Warum man auch als Kritikerin konservativer Positionen in der Schulpolitik manche Forderungen von Beamtengewerkschaft und ÖVP zum Thema Lehrerdienstrecht durchaus nachvollziehen kann, andere dagegen nur der Rubrik „Zynismus" zuzuordnen sind.

 

   Auf dem steinigen Weg einer Bildungsreform, die durch ideologisch motivierte Blockaden und sattsam bekannte Grabenkämpfe behindert wird, ist die Eingung auf eine neue Pädagogenbildung zweifellos ein Lichtblick.

 

   Im parallel dazu gelaufenen Verhandlungsmarathon zwischen Regierung und Beamtengewerkschaft zum neuen Lehrerdienstrecht ist man sich dagegen trotz sagenhafter 27 Verhandlungsrunden um keinen Zentimeter nähergekommen.

 

   Auch als Kritikerin von so manchen Aktionen und vor allem ideologischen Grundhaltungen des konservativen Teils der Lehrergewerkschaft muss ich allerdings zugestehen, dass deren Forderungen in einigen Punkten durchaus gerechtfertigt sind. In erster Linie trifft das auf das fehlende sogenannte Unterstützungspersonal an Schulen zu. Wir liegen hier im internationalen Vergleich im hintersten Feld, und die Gewerkschaftsforderungen von 13.000 zusätzlichen Kräften orientieren sich ohnehin nur am internationalen Durchschnitt. Alle Bildungsstudien der letzten Jahre sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache und machen klar, dass hier Bewegung entstehen muss, wenn wir international mithalten wollen.

 

   Eine Bewegung der unerwarteten Art ist hingegen vor einigen Tagen durch das Ausscheren der ÖVP aus der gemeinsamen Regierungslinie entstanden. Ihr Entwurf schlägt ein Unterstützungspersonal von 2000 zusätzlichen Kräften vor, eine unterschiedliche Bezahlung der Lehrer/innen je nach Schultyp, in dem sie unterrichten, sowie schließlich eine Regelung der Präsenzzeit an den Schulen selbst.

 

   Die ersten zwei Vorschläge sind in Wirklichkeit ein Affront. Mit einem Unterstützungspersonal von 2000 Personen im administrativen wie auch im pädagogisch-psychologischen Bereich (Förderlehrer/innen, Legasthenieexperten, Zweitsprachenlehrer/innen etc.) kann niemals das Auslangen gefunden werden. Würde man sich Schulen in Ländern ansehen, die ihre Schülerinnen und Schüler um so vieles erfolgreicher fördern als wir, wüsste man, wovon die Rede ist. Die Gewerkschaftsvertrer/innen wissen es – viele von ihnen haben sich internationale Good-Practice-Beispiele angesehen. Nicht nur die skandinavischen Länder sind weitaus besser ausgerüstet als wir, sondern auch etwa Tschechien. Im Europaschnitt kommt auf ca. acht Lehrpersonen eine Supportstelle, bei uns ist die Relation 1:20. Umso befremdlicher, dass nun plötzlich 2000 auch als gutes Angebot wahrgenommen wird.

 

   Noch unverständlicher mutet allerdings an, dass laut ÖVP-Vorschlag künftig die Lehrer/innen unterschiedlich entlohnt werden sollen, auch wenn sie eine gleichwertige Ausbildung erhalten. Mit welchen Argumenten lässt sich rechtfertigen, dass eine Lehrperson an höheren Schulen, die über einen Masterabschluss verfügt, besser entlohnt werden sollte als eine Lehrkraft an Volksschulen oder Neuen Mittelschulen, die ebenfalls eine Masterausbildung absolviert hat?

 

   Mindestens ebenso absurd aber wie dieser Vorschlag, in dem das traditionelle hierarchische Denken zum Ausdruck kommt, von dem unser Schulsystem geprägt ist, ist die Reaktion der Gewerkschaft, vornehmlich der Pflichtschullehrergewerkschaft. Wie ist zu verstehen, dass sie denen, die sie vertritt, signalisiert: Auch wenn ihr euch künftig höher qualifiziert, an der Tatsache, dass ihr weniger wert seid, ändert das nichts?

 

   Natürlich spricht nichts dagegen, dass künftig Zusatzfunktionen, Zusatzqualifikationen oder etwa Tätigkeiten im Bereich der Schulentwicklung zusätzlich entlohnt werden sollen, doch von einem gemeinsamen Grundgehalt für alle, die auch eine gleichwertige Ausbildung haben, darf eine Interessenvertretung, die ernst genommen werden will, niemals abgehen. Dazu kommt noch die nicht ganz unwichtige Tatsache, dass die neue Lehrerausbildung, die noch diese Woche im Nationalrat beschlossen wird, von einer solchen Regelung geradezu konterkariert würde. Das geht niemals zusammen.

 

   Der dritte Vorschlag der ÖVP ist dagegen differenzierter zu sehen: Im Grunde macht es nämlich durchaus Sinn, dass an den Schulen selbst entschieden wird, wie lange und in welchen Bereichen pädagogisches Personal zum Einsatz kommen soll. International ist eine solche Praxis durchaus üblich, und ich konnte mich selber an mehreren Schulen in unterschiedlichen europäischen Ländern darüber informieren, wie gut das funktioniert. Es ist jedenfalls mehr als eine Überlegung wert, hier den Schulen mehr Eigenständigkeit einzuräumen. Bewährte Modelle sehen etwa vor, dass (mindestens) zwei Drittel der Kernarbeitszeit an den Schulen verbracht werden.

 

   Einige Bedenken seien dennoch angebracht: Um ein solches Modell auch in Österreich zu implementieren, müsste so schnell wie möglich ein Strategieplan her, der die Umstellung von Schulen auf zeitgemäße Arbeitsplätze für Pädagogen in absehbarer und zumutbarer Zeit gewährleistet. Ich bin mir sicher: Solche Ressourcen vorausgesetzt, würden auch bei uns bald die meisten Lehrer/innen gerne täglich länger in der Schule arbeiten.

 

   Um solche Veränderungen voranzutreiben, bedarf es aber auch endlich der Umsetzung einer großzügig konzipierten Schulautonomie, die diesen Namen auch verdient. Also: Weg mit den tausenden zentralen Regelungen, die uns derzeit die pädagogische Arbeit erschweren. Der Staat sollte für Gesetzgebung und Qualitätskontrolle (Bildungsstandards, zentrale Überprüfungen) zuständig sein, den Rest erledigen die Schulen selber in enger Kooperation mit neu zu schaffenden regionalen Bildungszentren.

 

   Davon sind wir meilenweit entfernt, nicht nur wegen der Macht der Bundesländer, die eine solche Dezentralisierung verhindern, sondern auch wegen der Blockaden in unseren Gehirnen, die durch die jahrhundertelange zentralistische und bürokratische Tradition unserer Schule noch nicht auf solche neuen Freiheiten (und Verantwortlichkeiten!) ausgerichtet sind. Dennoch: In diesem Vorschlag liegt Potenzial, die beiden anderen können bestenfalls als zynisch betrachtet werden.

 

 

Kurier – 12. Juni 2013

 

Stufenweise Änderung als Kompromiss?

Neue Variante für die Verhandlungen: Eine einheitliche Bezahlung könnte es ab 2019 geben.

Zäh schleppen sich die Verhandlungen in der Regierung über ein neues Lehrerdienstrecht dahin. Gestern nach der Ministerratssitzung brachte Vizekanzler Michael Spindelegger eine neue Kompromissvariante ins Spiel: Demnach könnte das Lehrerdienstrecht in zwei Etappen reformiert bzw. eingeführt werden.

Die erste Etappe soll bereits ab Herbst gelten, die zweite ab dem Jahr 2019.

Warten auf Ausbildung

Dem Vorschlag liegt eine sachliche Begründung zugrunde. In seiner Sitzung am Mittwoch wird der Nationalrat eine neue, gemeinsame Ausbildung für die Pädagogen beschließen. Die ersten Lehrer, die nach dem neuen System ausgebildet sind, werden 2019 ihre Tätigkeit in den Schulen aufnehmen. Bis dahin, so Spindelegger, soll die unterschiedliche Entlohnung von Lehrern – z. B. Pflichtschule und AHS – aufrecht bleiben. Danach ist auch Spindelegger dafür, dass gleiche Ausbildung zu gleicher Bezahlung führt. So gesehen sei das ÖVP-Modell, das von den Ministern Maria Fekter und Karlheinz Töchterle vor einer Woche präsentiert worden war, ein „Übergangsmodell".

Fekter beharrte allerdings auch gestern darauf, dass es „einen Unterschied gibt zwischen einer Handarbeitslehrerin in einer Volksschule und einem Technik-Lehrer in der HTL". Allerdings gab es in der ÖVP zuletzt auch Gegenstimmen gegen die Aufrechterhaltung der unterschiedlichen Bezahlung: von Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner und dem christdemokratischen Chef der Pflichtschulgewerkschafter, Paul Kimberger.

Die Regierungsspitzen Spindelegger und Kanzler Werner Faymann betonten gestern erneut, dass sie an einer Lösung noch vor der Wahl interessiert sind. Faymann sagte, die Chancen auf eine Einigung seien „intakt". Spindelegger appellierte an alle Betroffenen, man solle nicht „auf dem zarten Pflänzchen" einer etwaigen Kompromisslösung „gleich wieder herumtrampeln".

Unfreundlichkeiten

Morgen, Donnerstag, gehen die Verhandlungen in die nächste Runde. Doch die beteiligten Ministerinnen richteten sich gestern wenig Freundliches aus. Heinisch-Hosek beharrte in den harten Punkten – Gehaltskurve und Anwesenheitsverpflichtung in der Schule – auf dem ursprünglichen Regierungsmodell, von dem sich die ÖVP jedoch letzte Woche verabschiedet hatte. Fekter konterte: Das Regierungsmodell sei „an die Wand gefahren". Fekter sprach nur noch von einem „gescheiterten Modell Schmieds und Heinisch-Hoseks".

 

Heute – 12. Juni 2013

 

Diskussion um Dienstrecht

Spindelegger macht bei Lehrern Rückzieher

ÖVP-Obmann Michael Spindelegger hat am Dienstag nach dem Ministerrat klargestellt, dass auch er für einheitliche Gehaltstabellen für Lehrer ist, sobald die gemeinsame Pädagogenausbildung ihre Wirkung entfaltet. Das hatte sich zuletzt noch anders angehört. Die SPÖ zeigt sich bereit für Verhandlungen.

Das ÖVP-Konzept, das weiter unterschiedliche Gehaltstabellen nach Schultyp vorsieht, sei demnach nur eine Lösung für die kommenden sechs Jahre. Wenn danach die ersten Absolventen der gemeinsamen Ausbildung an die Schule kämen, sei auch er für eine gleichwertige Entlohnung.

Die Position Spindeleggers entspricht jener des Vorsitzenden der Pflichtschullehrergewerkschaft und Chefverhandlers auf Dienstnehmerseite, Paul Kimberger (FCG). ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter hatte hingegen vor dem Ministerrat noch anders geklungen, als sie meinte, es gebe eben einen Unterschied zwischen einer Handarbeitslehrerin in einer Volksschule und einem Technik-Lehrer in der HTL.

 

Faymann pocht auf gleiche Bezahlung
Bundeskanzler Werner Faymann pochte jedenfalls darauf, dass eine gemeinsame Ausbildung auch zu einer gleichen Bezahlung führen müsse. Dass man sich in der Koalition trotz zuletzt unterschiedlicher Positionen einigen wird können, hält der SPÖ-Chef für möglich. Die Chancen seien intakt. Auch Spindelegger wandte sich dagegen, nun Differenzen in den Vordergrund zu spielen. Man solle nicht gleich auf allem herumtrampeln, wenn das kleine Pflänzchen erst zu sprießen beginne.

Das von Fekter zuletzt präsentierte ÖVP-Konzept war zunächst bei der SPÖ nicht gerade enthusiastisch aufgenommen worden. Am Donnerstag findet die nächste Verhandlung mit den Lehrervertretern statt. Dabei geht es in erster Linie um das Support-Personal und da gebe es zwischen Regierungs- und ÖVP-Konzept ohnehin keine Unterschiede, glaubt Unterrichtsministerin Schmied.

 

Schulverwaltungsreform auf Schiene
Die seit langem angekündigte Schulverwaltungsreform hat am Dienstag ebenfalls den Ministerrat passiert. Das von Regierung und Landeshauptleuten ausverhandelte Paket sieht die Abschaffung der Bezirksschulräte, ein effektiveres Landeslehrer-Controlling, mehr Mitsprachemöglichkeiten für Pflichtschuldirektoren, mehr Transparenz bei Schulleiterbestellungen und einen leichteren Zugang zur Schülerbeihilfe vor. Das Gesetzespaket soll noch in dieser Legislaturperiode im Nationalrat beschlossen werden.

Anstelle der 98 Bezirksschulratsbehörden samt der nach Proporz besetzten Kollegien soll es künftig ein regionales Schul-und Qualitätsmanagement mit flexiblen Außenstellen des Landesschulrats vor Ort geben. Durch die Umstellung soll ein Fünftel der derzeit 130 Planstellen bei Bezirksschulinspektoren eingespart werden. Auf Landesebene sollen die viel kritisierten Kollegien in den Landesschulräten hingegen erhalten bleiben.

Direktoren bekommen mehr Macht
Den Schuldirektoren soll von den Bundesländern künftig mehr Macht und Mitsprache etwa bei der Lehrerauswahl gegeben werden können. Außerdem soll künftig ein Direktor verschiedene Schulen bzw. Schultypen gleichzeitig leiten dürfen. Bei der Bestellung von Schulleitern, Fach- und Abteilungsvorständen, Schulaufsichtsorganen und Landesschulratsdirektoren soll es künftig transparenter zugehen, indem das Unterrichtsministerium innerhalb von drei Monaten eine Entscheidung auf Basis gereihter Dreiervorschläge treffen muss.

Bei den Pflichtschullehrern (Volks-, Haupt-, Neue Mittel-, Sonder-, Berufs- und Polytechnische Schulen) soll verfassungsrechtlich abgesichert werden, dass das Land die Dienstrechtsangelegenheiten an die Bundesbehörde Landesschulrat übertragen kann, wie das in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Burgenland bereits der Fall ist.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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