Mittwoch, 12. Juni 2013

2013.06.13: Newsletter Unterricht

 

"News" Nr. 24/2013 vom 13.06.2013          Seite: 44,45,46,47,48,49

Ressort: Chronik

 

R. Kromp, Ch. Lugmayr

 

 

Privat oder Staat?

 

In welcher Schule Ihr Kind mehr fürs Leben lernt

 

   Öffentlich Bildung darf nichts kosten, sagen die Fans der öffentlichen Schulen. Und: Hier lernen die Kinder, flexibler auf Änderungen der Gesellschaft zu reagieren. privat Netzwerke für’s spätere Leben, engagiertere Lehrer und mehr Leistung erwarten die Anhänger der Privatschulen für ihre Kinder. Dafür zahlen sie auch.

 

   Eine Familie, zwei Schulwelten. Wenn die Schwestern Hannah (17) und Natalie (16) in der Früh das Haus verlassen, trennen sich auch ihre Bildungswege. Hannah geht in eine Grazer Privatschule mit künstlerischem Schwerpunkt. Natalie in ein öffentliches Oberstufen-Realgymnasium mit Musikschwerpunkt. Private "Eliteschule“ oder öffentliche Bildungsanstalt - das ist für ihre Mutter keine ideologische Frage, sie orientierte sich schlicht nach dem besten Angebot für jedes ihrer Kinder.

 

   Bei Natalies Schule war der Musikschwerpunkt ausschlaggebend. "Ich singe gerne“, sagt die 16-Jährige. Ihrer Mutter wiederum gefällt, wie sich die Kinder gegenseitig unterstützen und Nachhilfe geben.

 

   An Hannahs Privatschule schätzt Dagmar Holzschuster "die familiäre Atmosphäre und den regen Austausch unter den Eltern. Wir dürfen auch bei Entscheidungen mitreden.“ Die Bildungsvielfalt bei Frau Holzschusters Kindern ist allerdings die Ausnahme. Normalerweise entscheiden sich Eltern für eine Privatschule oder das öffentliche System - aus Überzeugung und mit einer bestimmten Erwartung.

 

   Bildungselite?

 

   Laut Statistik Austria besuchten im Schuljahr 2011/12 zirka fünf Prozent der 328.121 österreichischen Volksschüler eine Privatschule. Bei den Gymnasiasten waren es 14,5 Prozent von 199.890. Damit liegt Österreich unter dem OECD-Schnitt. Doch: "Die Tendenz ist steigend“, sagt Bildungskritiker Andreas Salcher.

 

   Der ramponierte Ruf der österreichischen Bildungspolitik, wonach Reformen in den Schulen praktisch nicht stattfänden, die im öffentlichen Bereich noch nicht selbstverständliche Nachmittagsbetreuung der Kinder an der Schule und das steigende Leistungsdenken vieler Eltern, befördern diesen Trend.

 

   Sabine Hronek schickt ihren neunjährigen Sohn David in die private Volksschule Sta. Christiana im 23. Bezirk in Wien: "Hier gibt es bis 18 Uhr Nachmittagsbetreuung mit geschulten Pädagogen direkt im Haus. Das Essen wird frisch gekocht und es gibt einen großen Park mit Sportplätzen.“

 

   Schon jetzt fragt sie sich, wie sie diesen Standard in der nächsten Schule aufrecht erhalten kann. "Ich habe mir bereits viele Gymnasien angesehen und den Eindruck gewonnen, dass sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel geändert hat. Es ist nicht leicht, die richtige Schule zu finden. Das Angebot ist riesengroß.“

 

   Und das mit großen Qualitäts- und Preisunterschieden. Andreas Salcher dämpft überbordende Erwartungen an Privatschulen. "An den konfessionellen Institutionen werden die Lehrer ebenfalls vom Staat bezahlt. Die Schulen können sich daher die Pädagogen nicht aussuchen und schlechte Lehrer auch nicht kündigen. Ein Kind kann mit den Lehrern an der Privatschule Pech haben und umgekehrt mit den Lehrern an der Schule ums Eck glücklich sein und beste Förderung erhalten.“

 

   Ihre Spielregeln selber gestalten, können laut Salcher reformpädagogische Privatschulen wie etwa die W@lz-, Montessori- und Steiner-Schulen. "Allerdings gibt es hier auch große Unterschiede. Hervorragende Schulen und welche, die kämpfen. Anders als in der Schweiz gibt es in Österreich keine klaren Richtlinien für Montessori-Schulen.“

 

   Gänzlich außerhalb des österreichischen Schulsystems - aber auch gänzlich außerhalb des Budgets vieler Familien - agieren die internationalen Schulen. Salcher: "Die American International School ist für mich persönlich die beste Privatschule in Österreich. Dort gibt es kleine Klassen, die Schulen suchen die Lehrer selber aus, arbeiten nach eigenen Konzepten. Dort geben die finanziellen Eliten ihre Kinder hin. Ich gehe davon aus, dass es noch mehr Schule wie die amerikanische oder die Vienna International geben wird.“ Allerdings verrechnet etwa die American International School in Wien 16.255 Euro Schulgeld pro Jahr für die Kleineren, 19.000 Euro für die Maturaklasse. Dazu kommen noch finanzielle "Nebengeräusche“. Von dieser Summe müssen andere Familien ein Jahr lang leben. An der konfessionellen Sta. Christiana sind 150 Euro im Monat Schulgeld zu bezahlen. Mit Nachmittagsbetreuung und Essen bezahlt Frau Hronek 417 Euro.

 

   Der Staat lernt von Privaten.

 

   Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl gesteht ganz unverblümt ein, dass die private Konkurrenz das öffentliche Schulwesen angetrieben hat. "Bei der Ganztagsschule hätte sich ohne die Privaten nicht soviel weiterentwickelt. Außerdem reizt es viele Eltern, dass private Träger vom Kindergarten bis zur Matura alles am gleichen Standort anbieten und, dass es eine gemeinsame Identität gibt. Private Montessori- und Steiner-Schulen haben die Reformpädagogik auch in die öffentlichen Schulen gebracht. Da ist starker Konkurrenzdruck entstanden. Das ist ein Verdienst der Privatschulen.“ Allerdings habe sich beim Wiener Lesetest und bei der Überprüfung der Bildungsstandards gezeigt, dass Privatschulen nicht besser abschneiden als öffentliche Schulen. Bei Schulen in der gleichen Region, wo Sozialstatus und Bildungserwartung der Eltern ähnlich sind, schneiden die Schüler gleich gut ab.

 

   Man bleibt unter sich.

 

   Das bestätigt auch die OECD mit ihren PISA-Tests. Zwar sind bei diesen die Ergebnisse der Privatschulen oft besser, die Experten führen den Großteil dieses Vorsprungs aber darauf zurück, dass in solchen Schulen sozial besser gestellte Kinder geballt auftreten. Fazit der Forscher: "Wenn Eltern eine Privatschule wählen, so machen sie dies, weil dort die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass die Mitschüler ihres Kindes einem ebenso günstigen Millieu entstammen, dass die Ressourcen an Lehrern und Lehrmaterial besser sind und dass das Unterrichtsklima diszipliniert und sogar inspirierend ist.“

 

   Zudem: Manche Eltern wollen früh am Netzwerk ihrer Kinder arbeiten. Klingende Namen der Sitznachbarn könnten vielleicht hilfreich sein.

 

   Netzwerkforscher Harald Katzmair sagt: "Schulwahl und Bildung sind die Haupttreiber für die Chancen in der Gesellschaft. Orte, wo man Bildung erwirbt, sind auch die Orte, an denen Netzwerke gebildetet werden. Das ist also keine Illusion, der Eltern nachlaufen, wenn sie ihre Kinder an Privatschulen anmelden.“

 

   Den Trend zur Privatschule sieht er auch kritisch: "Solche sozialen Eliten schotten sich und ihre Kinder von bestimmten Erfahrungen ab. Es gibt soziale Kompetenzen, die man in Integrationsklassen erwirbt. Oder, wenn man sieht, dass andere Familien von 1.000 Euro im Monat leben und ein i-Phone nicht selbstverständlich ist. Für die spätere Karriere mag es effizient sein, die Umwelt auszublenden, andererseits macht das aber auch angreifbar, wenn sich die Welt ändert. Durch Erfahrungen wird eine Gesellschaft robuster.“

 

   Salcher konstatiert allerdings: "Es gibt einen starken Leistungswettbewerb abseits klassischer Eliten. Private Hauptschulen in Bezirken mit hohem Migrantenanteil haben einen starken Zulauf von österreichischen Eltern und aufgestiegenen Migranten, die ihr Kind nicht in eine ‚normale‘ öffentliche Schule geben wollen.“

 

   Ein Spiegel der Gesellschaft.

 

   Eva-Maria Huger hat lange nach einer Schule für ihre Kinder gesucht - und die öffentliche "Wiesenschule“ in Wien 23 gefunden. "Die ist zwar nicht bei uns ums Eck, aber das Konzept passt. Ich wollte Montessori-Mehrstufenklassen für meine Kinder. Die Lehrer sehen die Kinder als Individuum und da es eine Schule mit sprachheilpädagogischer Förderung ist, unterrichten in jeder Klasse zwei Lehrer.“

 

   Brandsteidl weiß, was öffentliche Schulen besser können. "Hier gibt es die Integration von behinderten Kindern und Kindern mit anderer Muttersprache. Da strengen sich die öffentlichen Schulen mehr an, und die Privaten könnten sich weiterentwickeln.“ Huger lobt: "In der Wiesenschule sind in jeder Klasse bis zu fünf Integrationskinder. Doch die Kinder machen gar keinen Unterschied untereinander.“

 

   Wie soll man nun entscheiden? Bildungsexperte Andreas Salcher rät zu gründlicher Recherche. "Es gibt nicht DIE gute Schule. Es gibt nur die gute Schule für IHR Kind. Reden Sie mit Eltern, deren Kinder schon an der Wunschschule sind. Kontaktieren Sie den Elternverein. Schauen Sie sich die Schule gemeinsam mit ihrem Kind an.“ Ein weiterer Tipp: "Hat die Schule, die Sie ausgewählt haben, an schulautonomen Tagen einfach zu, oder arbeitet man an diesen an der Schulentwicklung - wie es eigentlich vorgesehen war.“

 

   Das Hauptproblem der öffentlichen Schule sei, dass man dort nach wie vor in 50-Minuten-Einheiten unterrichten müsse und Reformbemühungen durch das Lehrerdienstrecht fast unmöglich sind. "So kann Kreativität nicht funktionieren.“ Dabei hat Salcher selbst die öffentliche Sir-Karl-Popper-Schule mitgegründet. Doch: "Dort suchen wir die Schüler nach bestimmten Kriterien aus. Jedes Kind hat einen eigenen Coach, der sich um seine Entwicklung kümmert. Und bei uns sind Kommunikation- und Sozialkompetenz ein Maturagegenstand.“ Viel von dem funktioniert, weil die Popper-Schule nach 15 Jahren immer noch als Schulversuch geführt wird. "Aber 90 Prozent der Dinge könnte man an anderen öffentlichen Schulen auch tun.“

 

   Oder man macht es wie Christine Hödlmayr-Gammer. Sie hat mit anderen Eltern in Baumgartenberg eine mittlerweile vielfach ausgezeichnete Schule mit Europaschwerpunkt gegründet, da es im Bezirk Perg keine AHS-Unterstufe gegeben hat. Eröffnet wurde die Schule mit 27 Kindern, heute gehen 436 hin. "Weil die Politiker gesagt haben, das brauchen wir nicht, bin ich besonders stolz auf den Erfolg.“ Die Unternehmerin weiß: "Leider wird viel zu oft übersehen, dass die Kinder die Kunden sind und nicht die Lehrer.“ Und das gilt ja an privaten wie auch an öffentlichen Schulen.

 

   Natalie, 16: BORG mit Musikschwerpunkt

 

   "Ich habe diese Schule gewählt, weil ich sehr gerne singe“, sagt Natalie. Das BORG Dreierschützengasse hat unter anderem einen Musikschwerpunkt mit Vokalunterricht und eine gute Ausstattung für Konzerte. Nachmittagsbetreuung gibt es keine. Für Natalies Mutter Dagmar Holzschuster sind vor allem die gute Integration und die regelmäßigen Klassenkonzerte ein Plus-Punkt dieser Schule. Natalie: "Der Unterschied zur Schule meiner Schwester ist das Verhältnis zu den Lehrern und Lehrerinnen. Obwohl ich mich mit ihnen verstehe, ist es distanzierter. Bei Hannah duzen sich alle.“ Schulgeld muss nicht bezahlt werden.

 

   Hannah, 17: Privatschule mit Kunstschwerpunkt "Ich habe mich für diese Schule

 

   "Ich habe mich für diese Schule entschieden, weil ich gerne male und das Schulkonzept toll finde“, sagt Hannah. Die Modellschule ist eine Ganztagsschule mit kleinen Klassen (maximal 22 Schüler pro Klasse) und künstlerischem Schwerpunkt. Ein Aufnahmetest muss bestanden werden. Das Schulgeld beträgt 256 Euro pro Monat. Hannah: "Meine Schule hebt sich stark von anderen ab. Bei uns duzen sich alle: Lehrer, Eltern und Schüler. Es gibt keine Noten bis zur 7. Klasse und viele Projekte. Die Schule ist weltoffen und alternativ. Es wird auch viel diskutiert, und wir werden angehalten, eine eigene Meinung zu haben.“

 

   Paul (8), Maria (10), Anna (12): öffentliche VS Wiesenschule

 

   Paul und Maria besuchen die öffentliche Volksschule Wiesenschule im 23. Wiener Bezirk. Auch Schwester Anna, die mittlerweile die KMS in der Carlbergergasse besucht, ging vier Jahre lang hier zum Unterricht. "Ich habe eine Montessori-Schule gesucht, die Mehrstufenklassen anbietet. Die Wiesenschule arbeitet genau nach diesem Konzept. Daher gehen meine Kinder hierher, obwohl die Schule nicht gleich ums Eck ist“, sagt Mutter Eva-Maria Huger. Da die Schule einen sprachheilpädagogischen Schwerpunkt hat, unterrichten pro Klasse zwei Lehrer. In den Mehrstufenklassen werden Kinder der 1. bis 4. Schulstufe gemeinsam unterrichtet. Ein Hort grenzt direkt an die Schule an. "Es gibt aber leider zu wenig Plätze“, so Huger. Maria: "Bei schönem Wetter gehen wir in den Pausen, Turnen und Englisch ins Freie. Die Lehrerinnen sind sehr lieb.“

 

   David, 9: private VS Sta. Christiana in 23. Bezirk in Wien

 

   David geht in die private Volksschule Sta. Christiana im 23. Bezirk in Wien. "Wir haben uns viele Schulen angeschaut. Waren auch offen für öffentliche“, sagt seine Mutter Sabine Hronek. Letztlich sei für sie der erste Eindruck entscheidend gewesen. Wichtig war der Familie auch eine gute Nachmittagsbetreuung. "Am Nachmittag machen hier geschulte Pädagogen mit den Kindern die Aufgaben. Außerdem gibt es einen großen Park mit Spielplätzen zum Austoben und Angebote wie das Erlernen eines Musikinstruments, Judo und Fußball“, so Hronek. Das Schulgeld beträgt monatlich 150 Euro. Nachmittagsbetreuung ist - wie praktisch überall - extra zu bezahlen. "In Summe kostet uns die Schule 417 Euro monatlich.“ David: "Ich finde an meiner Schule den Park, meine Lehrerin und, dass alle Klassen ein Smartboard bekommen werden, toll.“

 

   Ihre Checkliste

 

   Wie gut ist die Schule Ihres Kindes?

 

   1- bis 4-mal "Ja“. Diese Schule entspricht nicht den Erwartungen an eine moderne Pädagogik. Sollte sich Ihr Kind noch dazu in dieser Schule nicht wohl fühlen, wäre es vielleicht an der Zeit, über einen Wechsel nachzudenken.

 

   5- bis 9-mal "Ja“. An dieser Schule bemüht man sich offenkundig, Reformen umzusetzen. Dennoch gibt es noch Aufholbedarf in machen Bereichen. Sie sollten die Entwicklung im Auge behalten.

 

   10- bis 13-mal "Ja“. Gratulation, Sie haben offenbar die ideale Schule für sich und ihr Kind gefunden. Diese Schule tut alles, damit sich Kinder und Eltern wohlfühlen und sich der erwartete Lernerfolg einstellt.

 

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"News" Nr. 24/2013 vom 13.06.2013                         Seite: 48

Ressort: Chronik

 

 

Politiker und ihre Schullaufbahn

 

Für eine Karriere in der Politik braucht man keine Eliteschule

 

   Die Volksschule um‘s Eck. Österreichs Spitzenpolitiker können in Sachen Schulkarriere auf Bodenhaftung verweisen. So gut wie alle besuchte öffentlich Schulen in der Nähe ihres Wohnorts. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) etwa berichtet aus seiner Schulzeit: "Beide Schulen, die ich besucht habe, Volksschule und das Gymnasium am Henriettenplatz in Wien 15, waren öffentlich.“ Und so hält er es auch bei seinen eigenen Kindern: "Meine ältere Tochter hat eine Berufsbildende Höhere Schule besucht. Die jüngere wird ab kommenden Schuljahr eine AHS-Unterstufe mit verschränktem, ganztägigem Unterricht besuchen.“

 

   Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) absolvierte öffentliche Schulen in seiner Heimat Niederösterreich. Er meint: "Eine Schule ist dann erfolgreich, wenn die Lehrer motiviert und engagiert sind. Denn sie gestalten den Unterricht, unterstützen die Schüler und betreuen sie im Prüfungsstress. Meine Kinder sind in ganz normalen öffentlichen Schulen, wo sie durch die Lehrer motiviert, aber auch gefordert werden.“ Seine Parteikollegin Maria Fekter war zunächst im privaten Gymnasium der Kreuzschwestern in Gmunden. Die nach eigener Einschätzung "vorlaute“ Schülerin wechselte dann an die öffentliche HAK nach Vöcklabruck.

 

   Grünen-Chefin Eva Glawischnig ging "zu Fuß“ in die Volksschule in Treffling/Unterhaus. Dort waren so wenig Kinder, dass sie in Mehrstufenklassen unterrichtet wurden. Anschließend war sie sieben Jahre Schulsprecherin im Gymnasium Spittal an der Drau. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache war hingegen auf katholischen Privatschulen in Wien, wo ihm vor allem das sportliche Angebot gefallen hat. Sein BZÖ-Kollege Josef Bucher besuchte Volks- und Hauptschule im Kärntner Friesach und maturierte an der Höheren Bundeslehranstalt für Tourismusberufe in Bad Ischl.

 

   Die Landeschefs. Wiens Michael Häupl besuchte "eher kurze Zeit“ das Stiftsgymnaisum Seitenstätten und dann das BRG Krems. Josef Pühringer (OÖ) war in der Volksschule Traun, dann im Petrinum und im Stifter-Gymnasium in Linz, beides katholische Privatschulen. Peter Kaiser, der Kärntner LH, ging in die VS Waidmannsdorf und das BRG Lerchenfeld in Klagenfurt. Er erinnert sich: "Wir waren eine Problemklasse und nur einmal Musterschüler -da haben wir nämlich aus dem Papierkorb der Schule die Angaben für die Schularbeit gefischt“. Bei Burgenlands Hans Niessl bewirkte seine öffentliche Schulzeit eines - er wurde selbst Lehrer.

 

 

Die Presse – 13. Juni 2013

 

Eltern auf Seite der Lehrer: „Sie werden allein gelassen“

Lehrer sollen ein neues Rüstzeug erhalten. Die Gewerkschaft und die Regierung verhandeln über den Einsatz von Sozialarbeitern und Psychologen.

Wien/J.n. Die Lehrergewerkschaft erhielt gestern – also einen Tag vor der heutigen 28. Verhandlungsrunde zum Lehrerdienstrecht – Unterstützung von eher ungewöhnlicher Seite. Und zwar von den Eltern, die in inhaltlichen Diskussionen häufig als Gegenspieler der Lehrer auftreten. Diesmal ist es anders: „Die Lehrer werden in ihrer Not allein gelassen“, so Theodor Saverschel, Vorsitzender der Elternvertreter an mittleren und höheren Schulen, im Gespräch mit der „Presse“.

Wie die Lehrergewerkschaft fordert auch Saverschel, dass Pädagogen entlastet werden und mehr Unterstützungspersonal an den Schulen eingesetzt wird („Es kann nicht sein, dass die Lehrer alles machen müssen.“) Genau darüber verhandelt die Gewerkschaft heute, Donnerstag, mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (beide SPÖ) und Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Die Vorstellungen könnten dabei kaum weiter auseinander liegen. Die Gewerkschafter will 13.000 zusätzliche Mitarbeiter, die in der Verwaltung, als Sozialarbeiter und Schulpsychologen eingesetzt werden. Sowohl SPÖ als auch ÖVP halten dies für überzogen. Beamtenministerin Heinisch-Hosek bezeichnete die Zahl als „illusorisch“. Und im ÖVP-Modell ist gar nur von 2000 Stellen im Vollausbau die Rede.

Neue Lehrerausbildung fix

Dass der steigende Bedarf an Psychologen und Sozialarbeitern Folge dessen sei, dass sich immer mehr Eltern weniger um die eigenen Kindern kümmern, wollte Saverschel so nicht stehen lassen. „An den Schwierigkeiten in den Schulen sind sowohl Schüler als auch Lehrer schuld“, so der Elternvertreter. Die Eltern müssten zwar für das Grundgerüst einer guten Erziehung sorgen, aber auch Pädagogen hätten einen erzieherischen Auftrag. „Immerhin verbringen die Kinder ja die meiste Zeit in der Schule“, sagt Saverschel.

Eines ist seit gestern klar: Lehrer sollen ein neues Rüstzeug erhalten. Dementsprechend wurde die neue Lehrerausbildung im Nationalrat beschlossen (siehe Grafik).

 

 

OÖN – 13. Juni 2013

 

Lehrerdienstrecht: Gewerkschaft für Übergangslösung

WIEN. Gelingt der Regierung beim Lehrerdienstrecht doch noch eine Einigung? Zumindest der Chefverhandler der Lehrergewerkschaft, Paul Kimberger, erklärte vor der heutigen Verhandlungsrunde mit der Regierung, sich auch mit einer Übergangslösung, wie sie die ÖVP zuletzt vorgeschlagen hatte, anfreunden zu können.

Wenn die ersten Absolventen der neuen Lehrerausbildung unterrichten, müssten die Gehaltsunterschiede nach Schultypen aber fallen, so Kimberger. Ein Übergangsmodell ist für ihn aber auch nur unter Bedingungen akzeptabel: „Eine höhere Arbeitszeit akzeptieren wir weiterhin nicht“, sagt er, auch müsse es „Rechtssicherheit“ für zusätzliches Unterstützungspersonal geben.

Lob gab es von Kimberger für die gestern auch im Nationalrat beschlossene neue Lehrerausbildung: „Das ist besonders für die Neue Mittelschulen, Volks-, Sonder- und Polytechnischen Schulen ein wichtiges Signal der Aufwertung“, sagte er. (jabü)

 

 

SN – 13. Juni 2013

28. Verhandlungsrunde zum Lehrerdienstrecht

Für Gewerkschaft und Regierung geht es am Donnerstag bereits in die 28. Runde zur Reform des Lehrerdienstrechts. Offizielles Thema des Treffens ist erneut der Ausbau des Unterstützungspersonals.

In der mittlerweile 28. Verhandlungsrunde in Sachen Lehrerdienstrecht wird die Gewerkschaft am Donnerstag wie bisher nur Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (beide S) und Finanzministerin Maria Fekter (V) gegenübersitzen. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V), der zuletzt wiederholt von der ÖVP als "Joker" für das Verhandlungsteam der Regierung ins Spiel gebracht wurde, wird nicht teilnehmen, wie es aus seinem Büro heißt.

Der Minister sehe sich "in einer moderierenden Rolle" und bringe vor allem auch seine langjährige Erfahrung in der Lehrerbildung an der Universität ein. Für Töchterle sei wichtig, dass es nach der Reform der Lehrerausbildung, die am Mittwoch den Nationalrat passieren soll, auch beim Dienstrecht wieder Bewegung gebe - und das sei mit dem Vorstoß vergangene Woche erreicht worden."Jetzt steht das Machbare und Einigende im Vordergrund, nicht das Trennende", so Töchterle.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 135 vom 13.06.2013              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

In Salzburg startet die neue Lehrerausbildung im Herbst

 

   Salzburg (SN-par). Salzburg ist am schnellsten, wenn es um die Umsetzung der neuen Lehrerausbildung geht. Dort startet das neue sechsjährige Lehramtsstudium, das aus einem vierjährigen Bachelorstudium, einer Praxisphase und einem berufsbegleitenden, zweijährigen Masterstudium besteht, schon im Herbst. Und das obwohl der Nationalrat die gesetzliche Grundlage dafür erst am Mittwoch abgesegnet hat.

 

   Wie das Salzburg gelungen ist? „Wir bereiten uns lang auf die neue Lehrerausbildung vor. Das war bereits Thema, als wir die School of Education (das neue Lehrerbildungsinstitut Anm.) eröffnet haben“, so Erich Müller, Vizerektor für Lehre – also seit fast genau einem Jahr.

 

   Angehende AHS- und BHS-Lehrer, die im Oktober in Salzburg zu studieren beginnen, machen also keinen Magister mehr, sondern nur mehr den Bachelor und den Master. Aber nicht nur formell, auch inhaltlich gibt es Änderungen. „Auf die Studenten kommt etwa viel mehr Fachdidaktik und Schulpraxis zu“, sagt Müller. Studierende sollen vom ersten Studienjahr an regelmäßig im Klassenzimmer stehen.

 

   Nur ein Aufnahmeverfahren wie an den Pädagogischen Hochschulen soll es an der Uni Salzburg frühestens in zwei Jahren geben, sobald andere Unis ihre Lehramtsstudien umgestellt haben. „Wir haben vor, uns für ein einheitliches Aufnahmeverfahren zusammenzuschließen“, sagt Vizerektor Müller. Bis dahin bleibt es beim freiwilligen Online-Selfassessment-Test, den es in Salzburg seit einigen Jahren gibt. Dabei können Studierende sich selbst testen, ob sie für den Beruf des Lehrers geeignet sind.

 

 

Der Standard – 13. Juni 2013

 

 

"Lehrerdienstrecht vor der Wahl unrealistisch"

Lisa Nimmervoll

Chefverhandler Kimberger rechnet nicht mehr mit "wirklich großem Reformpaket"

Wien - Es ist Verhandlungsrunde 28, wenn heute, Donnerstag, Regierung und Lehrergewerkschaften "in kleiner Runde" über ein neues Lehrerdienstrecht verhandeln. Aber der Chefverhandler der Lehrergewerkschafter, Paul Kimberger, relativiert im STANDARD-Gespräch diese Zahl und übt Kritik an Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ): "Es ist die siebente politische Runde, denn bis Beginn 2013 war es für die Ministerin völlig uninteressant. Sie hat an keiner einzigen Runde teilgenommen, obwohl wir schon vergangenen Sommer eine politische Runde verlangt haben, weil die Beamten für viele Themen nicht das notwendige Pouvoir hatten."

Kimberger rechnet nicht mehr mit einer Einigung vor der Wahl im September: "Wir sind jetzt in einer Phase, wo ein großer Wurf unrealistisch ist." Wobei er unter "großem Wurf" ein "wirklich großes Reformpaket, wie es versprochen war", versteht - also nicht nur mit einer gleichwertigen Bezahlung für alle Lehrer/innen, die mit der am Mittwoch im Parlament beschlossenen neuen, gemeinsamen Lehrerausbildung alle "masterwertig" werden. "Das ist klar und Beschlusslage in allen gewerkschaftlichen Gremien, dass gleichwertig ausgebildete Lehrer auch gleich bezahlt werden müssen", betont Kimberger.

Er sagt aber auch dazu, dass dieser für die Gewerkschaft unhintergehbaren Forderung weder das von der ÖVP ins Spiel gebrachte Modell mit unterschiedlichen Gehaltsstaffeln für unterschiedliche Schultypen entspreche noch jenes von Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (beide SPÖ): " Beide Modelle bilden die neue Ausbildung nicht ab." Auch im ursprünglichen Regierungsvorschlag hätten Lehrer in höheren Schulen für Hauptfächer eine sogenannte "Fächerzulage" erhalten, Volksschullehrer, die in der vierten Klasse ebenfalls Schularbeiten zu korrigieren hätten, aber nicht - sie würden somit um etwa 700 Euro weniger bekommen als ihre in Zukunft gleich ausgebildeten AHS-Kollegen, sagt Kimberger: "Und das Gleiche trifft Sonderschullehrer, denen ohnehin viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, oder die Kollegen in den Polytechnischen Schulen. Mehr Arbeit für weniger Geld? Da stimmt keine Gewerkschaft der Welt zu. Dieser Entwurf hat keine Chance auf Realisierung."

Noch machbare Punkte

Ganz verwerfen will Kimberger das Projekt Dienstrecht aber noch nicht: " Ich denke, dass man gewisse Dinge durchaus noch fixieren könnte, bis ein wirklich angemessenes neues Dienstrecht ausverhandelt ist: mehr Unterstützungspersonal an Schulen, höhere Anfangsgehälter für Junglehrer oder eine Lehrerarbeitszeitstudie."

 

 

Der Standard – 13. Juni 2013

 

 

Bildungswissenschaftler über Schulen: "Keine Firma könnte so funktionieren"

Interview | Rosa Winkler-Hermaden

Stefan Hopmann gegen Status-Denken der Gewerkschaft - Er kritisiert typische Reflexe der Politiker im Vorwahlkampf

"Derzeit sind die typischen Standardreflexe im Gang": So beurteilt Stefan Thomas Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien, die Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht. Er plädiert dafür, Lehrer nicht nach Formalkompetenz, sondern nach Realkompetenz zu entlohnen. Nicht der Ausbildungsgrad soll zählen, sondern welche Aufgaben die Pädagoginnen und Pädagogen erledigen. "Der Umdenkprozess ist bisher weder bei der Regierung noch bei der Lehrergewerkschaft zur Gänze angekommen." Was das System Schule bei der Neustrukturierung von Krankenhäusern lernen könnte und warum es in Österreich nach wie vor eine Beamtenschule gibt, sagt er im Gespräch mit derStandard.at.

derStandard.at: Seit Monaten verhandeln Regierung und Gewerkschaft über ein neues Lehrerdienstrecht. Zunächst gab es einen einheitlichen Vorschlag der Regierung, vergangene Woche ist die ÖVP mit einem eigenen Konzept nach vorne geprescht. Wie verfolgen Sie die Debatte?

Hopmann: Für mich ist das alles erwartungsgemäß. Ich war nicht überrascht, dass sich die Verhandlungspartner nicht näherkommen. Im Moment ist ein Zustand der Verwirrung entstanden.

derStandard.at: Unter anderem deshalb, weil die ÖVP entgegen bisherigen Ansagen zwischen den einzelnen Lehrertypen unterscheiden will.

Hopmann: Wenn die Trennung erfolgt, weil die Lehrer unterschiedliche Aufgaben haben, dann ist das ja okay. Wenn sie daran liegt, dass sie einen unterschiedlichen Status haben, dann ist sie falsch.

derStandard.at: Woher kommt dieses Denken nach Status?

Hopmann: Historisch ist die österreichische Schule eine Beamtenschule. Zu den Errungenschaften des 19. Jahrhunderts gehörte, zumindest die Eingangsstufe ins Beamtendasein mit einem formalen Abschluss in Verbindung zu bringen. Mit einem bestimmten akademischen Abschluss war man berechtigt, sich um bestimmte Beamtenpositionen zu bewerben. Es ging nicht mehr um die Herkunft oder den sozialen Rang, das war zunächst ein Gewinn. Die Logik ist bis heute in den österreichischen Lehrergewerkschaften, zumindest jener der AHS, tief verankert.

derStandard.at: Das bedeutet, man will keine Privilegien aufgeben?

Hopmann: Genau. Denn dieser Logik zufolge definiert die Länge der Ausbildung, welchen Anspruch man hat und auf welchem Level man dann in den Staatsdienst einsteigt.

Auf der anderen Seite gibt es die neuere Herangehensweise, die sagt, auch öffentliche Einrichtungen sind im Prinzip nichts anderes als Betriebe. Man wird nicht nach der Länge der Ausbildung bezahlt, sondern nach den Aufgaben, die man wahrnimmt. Es treffen zwei Logiken aufeinander: Realkompetenz und Formalkompetenz.

derStandard.at: Würde man die Hervorhebung der Realkompetenz vorantreiben, würde das aber zu großen Umwälzungen führen.

Hopmann: Ja, aber die Lehrergewerkschaft befindet sich schon im Paradigmenwechsel. Denn sie hat bereits damit argumentiert, dass die Lehrer Hilfspersonal brauchen. Dieses Argument kommt nicht mehr aus der Beamtenlogik, sondern als Betriebsargument. Nach dem Motto: Wir sind ein differenzierter Betrieb, es soll Arbeitskräfte geben, die unterschiedlich bezahlt werden.

derStandard.at: Der erste Schritt ist schon getan?

Hopmann: Ganz so einfach ist es nicht. Denn gleichzeitig wehren sich die Gewerkschafter gegen jede Differenzierung innerhalb einer Lehrergruppe. Sie wollen keine Gleichheit aller, aber innerhalb des jeweiligen Standes soll die Gleichheit gewahrt bleiben. Das ist 19. Jahrhundert.

Der Umdenkprozess ist bisher weder bei der Regierung noch bei der Lehrergewerkschaft zur Gänze angekommen. Beide Verhandlungspartner haben das Lehrerdienstrecht bisher als eine Art Dienststellenplan definiert.

derStandard.at: Was hätte es für Folgen, wenn man vom Dienststellenplan abrückt? Was würde sich in der Praxis ändern?

Hopmann: Das System würde organisatorisch aufgebrochen werden, Arbeitsteilung würde zugelassen. Österreich ist laut internationalen Studien bei weitem das Schlusslicht, wenn es darum geht, Nichtlehreraufgaben an Nichtlehrer zu übergeben. Man müsste akzeptieren, dass Schule ein arbeitsteiliger Vorgang ist, dass die Leute eben nicht alle das Gleiche tun.

Was da in österreichische Schulen reingeht und wie das teilweise stümperhaft ist: IT-Systeme werden von Physiklehrern auf die Beine gestellt. Dabei gibt es HTL-Absolventen, die das direkt nach der Schule besser machen könnten. Wieso für Pausenaufsicht und Klassenarbeitsaufsicht teuer bezahlte Lehrkräfte engagieren? Das kann jeder vernünftige Erwachsene, der ein Minimum an sozialen Umgangsformen beherrscht. In Norwegen sind ein Drittel aller in Schulen Beschäftigten keine Lehrer, das geht von Betreuern über Ergotherapeuten bis hin zu Psychologen.

derStandard.at: Gibt es Erfahrungsberichte aus anderen Einrichtungen, an denen die Umstellung schon erfolgt ist?

Hopmann: Dieser Prozess hat in anderen Institutionen schon längst stattgefunden. Meine Mutter war Krankenhausärztin. Als sie anfing, bestanden Krankenhäuser aus Ärzten, Krankenschwestern und Reinigungspersonal, maximal noch einem Hauswart. Wenn Sie heute ins Krankenhaus gehen, sind Ärzte und Krankenschwestern in der Minderheit. Ärzte können sich darauf konzentrieren, wofür sie ausgebildet sind: auf die Behandlung der Patienten. Dieser Differenzierungsprozess, der in den meisten Institutionen schon stattgefunden hat, hat für die österreichische Schule noch gar nicht richtig angefangen.

derStandard.at: Die Formalkompetenz wird noch hochgehalten.

Hopmann: Das ist Österreich. Im nichtöffentlichen Bereich gibt es keine Firma, die so funktionieren könnte. Sie bezahlt die Leute natürlich nach Realkompetenz und nicht nach Formalkompetenz. Was nützt es einem Autofabrikanten, wenn Sie Diplomingenieur sind und trotzdem nicht wissen, wie ein Auto fährt?

derStandard.at: Angenommen, die Realkompetenz setzt sich durch. Der Weg ist dann nicht mehr weit, dass man sagt, Lehrer werden nach der Leistung der Schüler bezahlt, oder?

Hopmann: Wenn es zu keiner anderen Differenzierung kommt, wird diese kommen. Das wird passieren, fürchte ich. In den Ländern, wo es schon verbreitet ist, etwa in den USA, führt das zu absurden Nebeneffekten. Die Verweildauer im Lehrerberuf sinkt drastisch. Das Schulsystem verliert vor allem die besseren Lehrer, weil die keine Lust haben, sich dem permanent auszusetzen. Vor allem führt es dazu, dass Lehrkräfte riskante Gruppen vermeiden. Die leiden dann am meisten darunter, nicht von den besten Lehrern unterrichtet zu werden.

derStandard.at: Wie lange wird es dauern, bis es ein neues Dienstrecht gibt?

Hopmann: Ich halte das für schnell lösbar. Ich habe aber keine Ahnung, wie lange es dauern wird. Ich würde den Verhandlungspartnern wünschen, dass sie den gordischen Knoten lösen können. Derzeit sind die typischen Standardreflexe im Gang. Wir sind im Vorwahlkampf: Wer immer einen Vorschlag macht, riskiert, dass die andere Seite ihn ablehnt, weil er von der anderen Seite kommt.

Stefan Thomas Hopmann ist Professor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien.

 

 

Krone – 13. Juni 2013

 

Lehrerausbildung und Sex- Strafrecht endgültig fixiert

SPÖ und ÖVP dafür

Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP hat der Nationalrat am Mittwochnachmittag die neue Lehrerausbildung und das neue Sexualstrafrecht beschlossen. Die künftige Ausbildung bedeutet für Pädagogen unabhängig vom Schultyp ein Aufnahmeverfahren mit anschließendem Bachelor- und Masterstudium sowie einer Praxiseinführung. Im Sexualstrafrecht wurden unter anderem die Mindeststrafen für Vergewaltigung und Menschenhandel erhöht.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (links im Bild) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zeigten sich naturgemäß erfreut über die neue Lehrerausbildung. Schmied sprach von einem "großen Schritt". Kritik kam von der Opposition, die in dem Gesetz ein "unstimmiges Stückwerk" und "viele Absichtserklärungen, aber keine Rechtssicherheit" erkennen will.

Die SPÖ hatte von einem "Jahrhundertprojekt" gesprochen, als die Lehrerausbildung Ende Mai vom Ministerrat Richtung Parlament geschickt worden war. Mehr als vier Jahre nach Beginn der Vorarbeiten wurde das neue Modell (Details siehe Infobox) nun beschlossen. Für Schmied ist dabei die Kooperation von Pädagogischer Hochschule und Universität entscheidend, um "die Stärken zu kombinieren und Parallelen zu vermeiden". Auch Töchterle betonte, aus dem derzeitigen Nebeneinander von PH und Uni werde ein Miteinander, in das jeder seine Stärken einbringe.

Opposition sieht "verpasste Chance"

"Im Großen und Ganzen ist das eine riesige Chance, die verpasst wurde", zeigte sich hingegen der grüne Bildungssprecher Harald Walser enttäuscht. Mit dem Gesetz werde nicht auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert, es sei ein "unstimmiges, halbherziges Stückwerk", so Walsers Befund. BZÖ- Bildungssprecherin Ursula Haubner kritisierte, dass das Gesetz vor Absichtserklärungen "strotzt", aber wenig Rechtssicherheit biete. Das Team Stronach wünscht sich mehr Praxis in der Lehrerausbildung und mehr "Quereinsteiger" in die Berufssparte.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Fritz Neugebauer, bezeichnete die neue Lehrerausbildung als ein "Gesamtwerk", das im Detail auch Kritik vertrage. "Es ist ein Meilenstein in der Bildungspolitik, auf den die gesamte Republik stolz sein kann." Zugleich hielt er aber fest, dass "gleichwertige Ausbildung gleichwertige Besoldung nach sich zieht".

Schmied will neues Lehrerdienstrecht

Ein neues, leistungsorientiertes, attraktives Dienst- und Besoldungsrecht müsse der nächste Schritt sein, sagte Schmied in Richtung Neugebauer. Nach einem Jahr fruchtloser Verhandlungen zwischen Regierung und Gewerkschaft hatte die ÖVP zuletzt einen Alternativvorschlag präsentiert, mit dem man "den Karren flottkriegen" wolle (siehe Infobox).

Sexualstrafrecht einstimmig verschärft

Die Verschärfung des Sexualstrafrechts erfolgte kurz nach dem Beschluss der Lehrerausbildung einstimmig. In der umfassenden Novelle werden unter anderem die Mindeststrafen für Vergewaltigung und Menschenhandel erhöht. Zudem wird klargestellt, dass künftig bei sexuellem Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person die gleiche Strafandrohung gilt wie bei Vergewaltigung von Personen ohne Handicap. Justizministerin Beatrix Karl (rechts im Bild) begründete das Gesetzespaket damit, dass es einen angemessenen Schutz für die Schwächsten in der Gesellschaft brauche.

Blockiert war die Novelle längere Zeit wegen des SPÖ- Wunsches, auch das Po- Grapschen ins Strafgesetzbuch zu schreiben (siehe Infobox). Angesichts des anhaltenden Widerstands der ÖVP gaben die Sozialdemokraten das Gesetz dann vor einigen Wochen doch frei. Allerdings machten sowohl Justizsprecher Hannes Jarolim als auch die Abgeordnete Sonja Steßl- Mühlbacher am Mittwoch deutlich, dass dieses Thema bei der SPÖ weiter auf der Agenda bleibt.

Höhere Strafen für Menschenhandel und Vergewaltigung

Konkret sieht das Gesetzespaket vor, dass die Grundstrafandrohung bei Menschenhandel von drei auf fünf Jahre angehoben wird. Sind Minderjährige betroffen, kann die Strafe bis zu zehn Jahre betragen. Die Mindeststrafe bei Vergewaltigung beträgt künftig ein Jahr, derzeit liegt sie bei sechs Monaten. Die Strafdrohung bei geschlechtlicher Nötigung wird von ein bis zehn Jahre auf fünf bis 15 Jahre angehoben. Bei Tod des Opfers sind statt bisher fünf bis fünfzehn Jahre Haft zehn bis 20 Jahre bzw. lebenslänglich vorgesehen. Die Altersgrenze bei sexuellem Missbrauch von Jugendlichen wird von 16 auf 18 Jahre ausgeweitet.

Der Tatbestand des "Groomings", also der Anbahnung sexueller Kontakte zu Minderjährigen im Internet, wird ausgeweitet. Künftig werden Personen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr belangt, die versuchen, im Netz das Vertrauen von Kindern zu gewinnen, um von ihnen pornografisches Material zu erlangen. Ausgeweitet wird das Tätigkeitsverbot für Täter, die eine strafbare Handlung gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung einer minderjährigen Person begangen haben. Dieses wird in Zukunft sämtliche Tätigkeiten umfassen, die intensive Kontakte mit Minderjährigen beinhalten.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 13.06.2013                            Seite: 7

Ressort: wirtschaft

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Wi, Morgen

 

Laut AK Kosten schon bis zu 894 Euro pro Familie und Schuljahr

 

Für immer mehr Eltern werden die Nachhilfestunden zu teuer

 

Wien. - In zwei Wochen bekommen die ersten Schulkinder ihre Zeugnisse, für Zehntausende ist dann der "Nachzipf" fix. Doch immer mehr Eltern stöhnen schon jetzt unter kaum mehr leistbaren Nachhilfestunden. Bis zu 894 Euro geben sie im Schnitt schon dafür aus!

 

   Mit diesem Wert ist Wien der Spitzenreiter in Österreich, so eine neue Umfrage der AK Niederösterreich. Vorarlberg folgt mit 669 Euro vor Niederösterreich mit durchschnittlich 625 Euro pro Familie und Schuljahr. Mehr als ein Viertel der Haushalte mit Schulkindern muss sogar bis zu 1500 Euro aufbringen, 7% zahlen noch mehr! Seit dem Vorjahr sind die Kosten bei privaten Nachhilfestunden (Durchschnittspreis zwischen 8 Euro und 35 Euro je Stunde) um 0,7%, bei Lerninstituten (in Kleingruppen 6 Euro bis 28,17 Euro) gar bis zu 6,3% weiter merklich angestiegen.

 

   Kein Wunder, dass sich bereits 39% der Familien durch diese Ausgaben stark bzw. spürbar belastet fühlen und sich nötige Stunden gar nicht mehr leisten können. Obwohl heuer wieder etwa 265.000 Kinder Nachhilfe bekommen, dürften daher die Gesamtausgaben der Eltern von zuletzt 107 Mio. Euro leicht zurückgehen.

 

   Christian Ebeert

 

 

Kurier – 13. Juni 2013

 

Lehrerausbil­dung Neu fix, Gehaltspoker offen.

Regierung.SPÖ will von ÖVP Zusicherung, dass Pädagogen ab 2019 auch einheitlich bezahlt werden.

Donnerstagnachmittag treffen Regierungsvertreter und Gewerkschafter zum 28. Mal aufeinander, um über ein neues Lehrerdienstrecht zu verhandeln. Ziel ist bekanntlich, noch vor der Nationalratswahl im Herbst eine Einigung zustande zu bringen. Bei der neuen Lehrerausbildung ist das immerhin gelungen. Sie wurde gestern im Nationalrat beschlossen.

Die wichtigsten Änderungen: Künftig müssen alle angehenden Lehrer einen Aufnahmetest machen. Derzeit gibt es einen solchen nur an den Pädagogischen Hochschulen (PH), an den Unis gibt es kein derartiges Zulassungsverfahren.

Überdies dauert die Ausbildung in Zukunft mindestens fünf Jahre – an PHs und Universitäten. Die Studenten müssen ein vierjähriges Bachelor-Studium sowie ein ein- bis eineinhalbjähriges Master-Studium absolvieren.

Zudem ist ein Praxis-Jahr vorgesehen, das dem Turnus bei den Medizinern ähnelt. Dabei werden die Studenten von Mentoren begleitet. Die Praxis kann man sich während des Master-Studiums aneignen – oder danach. Eine Fixanstellung gibt es nur mit „Master“-Abschluss. Ab 2014/’15 werden die ersten Studiengänge nach dem neuen System starten.

Beim Dienstrecht muss die Regierung noch eine einheitliche Linie finden. Bekanntlich will die ÖVP nun vorerst die unterschiedliche Bezahlung von Pflichtschul- und AHS-/BHS-Lehrern aufrechterhalten (nur die Präsenzzeit an Schulen soll für alle erhöht werden). Eine einheitliche Entlohnung soll es erst ab 2019 geben – wenn die ersten Lehrer die fünfjährige Ausbildung abgeschlossen haben. Die SPÖ könnte das zähneknirschend akzeptieren, will aber von der ÖVP vor der Wahl die Zusicherung, dass der Plan 2019 auch tatsächlich umgesetzt wird.

 

 

Wiener Zeitung – 13. Juni 2013

 

Neue Lehrerausbildung beschlossen - beim Dienstrecht startet die 28. Verhandlungsrunde

Kleine Schritte statt großem Wurf

 

Von Bettina Figl

 

  • Neues Lehrerdienstrecht vor Wahlen ist möglich - zumindest theoretisch.

 

 

Viel Sitzfleisch brauchen die SPÖ-Ministerinnen Gabriele Heinisch-Hosek und Claudia Schmied, wenn sie heute auf die Chefverhandler der Gewerkschaft Jürgen Rainer und Paul Kimberger (v.r.n.l.) treffen - Frust herrscht unterdessen bei der Lehrerschaft selbst (Mitte), die das Wort "Lehrerdienstrecht" oftmals nicht mehr hören kann. apa

 

Wien. Vier Jahre nach Arbeitsbeginn wurde am Mittwoch die neue Lehrerausbildung beschlossen. Für Bildungsministerin Claudia Schmied ist das ein "großer Schritt", von einem "Meilenstein in der Bildungspolitik" sprach Fritz Neugebauer, Vorsitzender der Beamtengewerkschaft.

Es hat den Anschein, als wolle die Regierung zumindest einen Teil ihrer bildungspolitischen Altlasten vor den Wahlen loswerden: Die ÖVP hat kürzlich ein eigenes Konzept zum Lehrerdienstrecht ins Spiel gebracht, das als Übergangslösung die unterschiedliche Bezahlung für Lehrer je nach Schultyp vorsieht: Sobald 2019 die ersten Absolventen der neuen Ausbildung an den Schulen unterrichten, sollen alle gleichviel verdienen. Das machte bei der Plenumsdebatte auch Neugebauer deutlich, als er klarstellte, gleichwertige Ausbildung ziehe gleichwertige Besoldung nach sich.

Der neue Vorschlag wird von der Lehrergewerkschaft goutiert, sie sitzt am  Donnerstag mit Schmied, Beamtenministerin Heinisch-Hosek und Finanzministerin Fekter am Verhandlungstisch. Etliche Lehrer sind der Debatte um ihr Dienstrecht jedoch bereits überdrüssig: Einer von ihnen sagt, das Thema mache ihn "müde und krank" und er wolle daher keinen Kommentar abgeben.

Was bringt die neue Ausbildung?

Angehende Volks-, Haupt- und Sonderschullehrer müssen statt bisher drei bis zu fünfeinhalb Jahre studieren, und alle angehenden Lehrer müssen vor dem Studium einen Aufnahmetest absolvieren. Geplant war die gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen, geglückt ist das nur für AHS, Hauptschule, Neue Mittelschule, nicht jedoch für die Volksschulen. Der Hintergrund: AHS-Lehrern, die an den Unis studieren, wurde fehlende Praxis vorgeworfen; den Haupt- und Volksschullehrern, die an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildeten werden, fehlende Wissenschaftlichkeit. Kooperationen der Ausbildungsstätten sollten Abhilfe schaffen, doch auch die Verpflichtung kommt in dieser Form nicht.

Warum sind die Kindergartenpädagogen nicht dabei?

Das Gesetz sieht zwar ein Bachelorstudium für den Elementarbereich vor, aber es gibt zu wenige Lehrende, die an den Hochschulen die Ausbildung der Kindergartenpädagogen übernehmen könnten. De facto werden sie also weiter an den berufsbildenden höheren Schulen ausgebildet.

Was hat die Ausbildung mit dem Dienstrecht zu tun?

Sie bildet die Basis für das Dienstrecht. Sobald es die ersten Absolventen der neuen Ausbildung gibt, sollen auch die Gehälter angeglichen werden. Doch es ist nicht strikt trennbar: Wie lange Junglehrer für den Master Zeit haben, muss erst in den anstehenden Verhandlungen zum Dienstrecht geregelt werden.

Wird das Lehrerdienstrecht vor der Nationalratswahl im Herbst beschlossen?

Möglich ist es. Dazu müsste der Entwurf entweder als Regierungsvorlage (die wahrscheinlichere Variante) oder als Antrag von Abgeordneten in den Verfassungsausschuss, in den Unterrichtsausschuss und schließlich ins Plenum eingebracht werden. Kommt es zu keiner Einigung, wird es wegen der Sommerpause des Parlaments knapp. Grundsätzlich ist auch eine Sondersitzung im Sommer möglich, dazu bräuchte es aber auch eine Sondertagung mit Ausschusssitzungen. Das Parlament pausiert heuer bis 9. September. Das neue Dienstrecht könnte also auch noch im Herbst vor der Angelobung des neuen Nationalrats beschlossen werden. Laut Paul Kimberger, Chefverhandler der Gewerkschaft, ist ein "großes Reformpaket in dieser Legislaturperiode nicht mehr realistisch", Eckpunkte könne man aber sobald wie möglich beschließen.

Woran spießen sich die Verhandlungen?

Man ist sich einig, dass die Anfangsgehälter angehoben, die Gehaltskurve abgeflacht und das Lebenseinkommen nicht verringert werden soll. Den Regierungsentwurf lehnt die Gewerkschaft ab, da er eine Anhebung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden vorsieht (derzeit 20 bis 22 Stunden) und "deutliche Verluste im Lebenseinkommen" bringe.

Ist die Dienstrechtsreform ohne Einwilligung der Gewerkschaft umsetzbar?

Formal ja, realpolitisch nein.

 

 

– 13. Juni 2013

 

Verhandlungen zu Lehrerdienstrecht gehen weiter

Heute geht es für Regierung und Gewerkschaft in die 28. Runde zur Reform des Lehrerdienstrechts.

Offizielles Thema des Treffens, bei dem ein kleiner Kreis von Lehrervertretern und der Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Fritz Neugebauer (ÖVP), auf Unterrichtsministerin Claudia Schmied, Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (beide SPÖ) und Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) treffen, ist erneut der Ausbau des Unterstützungspersonals.

Abgesehen von dieser Frage ist die Linie der Regierung allerdings offen, nachdem die ÖVP zuletzt ein Alternativmodell vorgestellt hat, das in Sachen Arbeitszeit und Bezahlung vom bisherigen Regierungsangebot deutlich abweicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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