Dienstag, 18. Juni 2013

2013.06.19: Newsletter Unterricht

 

Die Presse – 19. Juni 2013

 

Erfolgskonzepte: Wie Österreich Schulideen exportiert

von Julia Neuhauser und Daniela Saceric 

Während unser Schulsystem im Inland oft am Pranger steht, nehmen immer mehr Länder, von Großbritannien bis Bhutan, Anleihen.

Wien. Negativschlagzeilen sind im Bildungsbereich schon fast alltäglich: Österreich stürzte in den vergangenen Jahren nicht nur bei den internationalen Vergleichsstudien im Schulbereich, sondern auch bei diversen Uni-Rankings ab. Es gibt aber auch Bereiche, die dem internationalen Vergleich standhalten. Mehr noch: In manchen Sparten ist Österreich sogar so gut, dass sich andere Länder ein Beispiel daran nehmen. „Die Presse" hat sich die Exportschlager im Bildungsbereich angesehen.

1. Lehre als Vorbild für Schweden: Jugendarbeitslosigkeit senken

Über dieses Lob dürfte sich Unterrichtsministerin Claudia Schmied besonders gefreut haben: Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt bezeichnete Österreich vergangene Woche als „Musterland" für eine gute Lehrlingsausbildung. Und tatsächlich ist das heimische Modell – das Erlernen des Berufs im Betrieb und der begleitende Schulbesuch – ein Erfolgskonzept. Diese Art der Ausbildung dürfte auch ein entscheidender Faktor für die international vergleichsweise niedrige Jugendarbeitslosigkeit sein. Immerhin haben die Jugendlichen durch die Lehre bereits einen Fuß auf dem Arbeitsmarkt. Es gibt aber einen Wermutstropfen: Das österreichische Modell lässt sich nur schwer nachahmen. Das zeigte eine erst kürzlich erschienene deutsche Studie. Die duale Ausbildung funktioniere nur mit der Unterstützung lokaler Firmen, Handelskammern, Gewerkschaften, Schulen und öffentlichen Institutionen. Und das sei in vielen Ländern nur schwer zu erreichen, so der Schluss der Studienautoren.

2. Österreichische Tourismusschulen: Bhutan und China holen sich Rat

Einen exzellenten Ruf haben auch die österreichischen Tourismusschulen. Schon lange beschränkt sich das internationale Interesse nicht mehr ausschließlich auf die Absolventen dieser Schulen. Im Gegenteil: Immer mehr Länder versuchen sich etwas von der Ausbildung abzuschauen. So gibt es heute zum Beispiel in China, Georgien, Aserbaidschan und Bhutan Tourismusschulen nach österreichischem Vorbild. Die Tourismusschulen Salzburg und die Fachhochschule Salzburg arbeiteten für diese Schulen fernab von Österreich nicht nur den Lehrplan aus, sondern schickten auch Lehrer hin, die ihr Wissen weitergaben.

3. Höhere technische Lehranstalten: England schafft neuen Schultyp

Die HTL Mödling stand in den vergangenen beiden Wochen Modell – und zwar für einen neuen Schultyp in England. Dort sind die University Technical Colleges (UTC) – die den österreichischen höheren technischen Lehranstalten entsprechen – gerade erst im Aufbau begriffen. Fünf UTC wurden bereits eröffnet, insgesamt sollen es aber noch 50 werden. Chris Hilton, der Direktor der Black Country UTC in der Nähe von Birmingham, holte sich die Tipps nicht zufällig an der HTL Mödling. Die Schule ist die größte HTL Europas. Nicht nur das: Den österreichischen HTL eilt allgemein ein guter Ruf voraus. „Das Niveau ist sehr hoch angesetzt", sagt auch Hilton. Er wolle nicht nur Lehrinhalte, sondern auch Lehrpläne mit der österreichischen Schule abstimmen. Dass in England ein neuer Schultyp aus dem Boden gestampft wird, hat einen Grund: So soll der hohe Techniker- und Ingenieurmangel bekämpft werden.

4.Übungsfirmen: 330 Südosteuropäische Schulen ziehen nach

Eine eigene Firma zu betreiben ist für viele heimische Schüler nichts Ungewöhnliches. Ausschlaggebend dafür ist die sogenannte Übungsfirma, die in zahlreichen Schultypen sogar Teil des Pflichtlehrplans ist. Die Schüler trainieren durch diese Übungsfirmen das wirtschaftliche Handeln in der Praxis – nur das Geld und die Waren sind virtuell. Dieses Konzept ist nicht nur in Österreich von Erfolg gekrönt. Derzeit wird es in Bosnien, dem Kosovo, Moldau, Montenegro und Serbien eingeführt. In Albanien, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien und Rumänien läuft das österreichische Projekt bereits. Insgesamt wurden schon rund 1600 Übungsfirmen an mehr als 330 Schulen in Südosteuropa gegründet.

 

 

Die Presse – 19. Juni 2013

 

„Lehrergewerkschaft achtet zu sehr auf Standesdünkel"

JULIA NEUHAUSER 

Tobias Dörler, der Vertreter der Lehramtstudenten in der ÖH, über Versäumnisse der Regierung beim Dienstrecht, die zu große Macht der AHS-Gewerkschaft und den Lehrerberuf als familienfreundlichen Job.

Die Presse: Die Gewerkschaft hat es nicht eilig, sich auf ein neues Dienstrecht zu einigen. Die Leidtragenden
sind die jungen Lehrer, die weiterhin niedrige Einstiegsgehälter erhalten.

Tobias Dörler: Auf Dauer gesehen sind wir tatsächlich die Leidtragenden. Dennoch wäre es nicht sinnvoll, das Dienstrecht noch auf die Schnelle vor der Wahl zu beschließen. Danach muss es aber schnell gehen. Es sollte schon im Koalitionspapier einen Fahrplan geben.

 

Die ÖVP hat vorgeschlagen, eine Art Übergangsdienstrecht zu beschließen. Und ab 2019 – wenn die neue Lehrerbildung wirksam wird – ein neues Dienstrecht zu schaffen. Eine gute Idee?

Dieser ÖVP-Vorschlag zeigt eines: Und zwar, dass in den aktuellen Verhandlungen gar nicht darüber nachgedacht wurde, was mit den Lehrern passieren soll, die die neue Lehrerausbildung absolvieren. Sie werden einen Masterabschluss haben und sollten auch dementsprechend bezahlt werden.

 

Die Regierung war also zu kurzsichtig?

Ja. Es wurde stets behauptet, dass man beim Dienstrecht nicht Rücksicht auf die neue Ausbildung nehmen kann, da man nicht wisse, wie diese aussehen wird. Das stimmt so aber nicht. Das Grundlegende war schon seit zwei Jahren klar. Man wusste, dass es eine masterwertige Ausbildung geben wird.

 

Das Dienstrecht wird von Personen verhandelt, die nie davon betroffen sein werden. Wurden die Lehrer in Ausbildung um ihre Meinung gefragt?

Da liegt das Problem. Es gab Gespräche mit der Gewerkschaft. Was es gebracht hat, weiß ich aber nicht.

 

Wie attraktiv ist das Angebot der Regierung für die Junglehrer wirklich?

Es ist gut, dass die Junglehrer mehr verdienen sollen. Schlecht ist, dass der Verdienst über die Lebensarbeitszeit sinkt. Insgesamt finde ich, dass die Bezahlung von Lehrern im Vergleich zu anderen Berufsgruppen zu gering ist. Höhere Einkommen hätten positive Effekte. Sie könnten sowohl die Attraktivität des Berufs als auch die Anerkennung der Lehrer steigern.

 

Zur Anwesenheitszeit: Denkt die junge Generation hier anders? Glauben Sie, dass eine 38,5-Stunden-Woche in Zukunft möglich sein wird?

Das System kann mit einer neuen Generation sicher einmal umgestellt werden – vorausgesetzt die Arbeitsbedingungen werden besser. Ein Nachteil: Wenn Lehrer länger in der Schule sein müssen, dann wird es schwieriger, den Beruf mit der Familienbetreuung zu vereinbaren.

 

Haben sich Lehrer den Job bislang womöglich deshalb ausgesucht, um mehr Zeit für die Familie zu haben?

Das spielte sicher für viele eine Rolle. Aber: Im Sinne der Ganztagsschule wäre es gut, wenn Lehrer länger anwesend sein müssen.

 

Blockiert die Gewerkschaft zu sehr?

Es ist schön, dass die Lehrergewerkschaft stärker ist als andere Gewerkschaften. Leider achtet sie zu sehr auf Standesdünkel. Vor allem die AHS-Gewerkschaft hat – im Verhältnis dazu, wie viele Leute sie vertritt – zu viel Macht.

 

 

Die Presse – 19. Juni 2013

 

Sommerferien starten spät und sind eher kurz

Im europäischen Vergleich sind die Sommerferien in Bulgarien mit 16 Wochen am längsten. In puncto Ferienbeginn zählen die heimischen Schüler zu den Spätstartern.

Wien/Apa. Die österreichischen Kinder starten im europäischen Vergleich eher spät in die Ferien und liegen auch bei der Urlaubsdauer nur im unteren Durchschnitt. Das zeigt eine Aufstellung des Bildungsinformationsnetzwerks Eurydice. In Österreich beginnen die Sommerferien am 28.Juni (Wien, Niederösterreich, Burgenland) bzw. 5. Juli (andere Bundesländer) und dauern neun Wochen.

Die längste Auszeit gibt es in Bulgarien. Die Volksschüler haben dort 16 Wochen frei. Anders als in Österreich ist in vielen europäischen Staaten die Feriendauer je nach Schulstufe oder Region unterschiedlich lang. Längere Ferien als in Österreich gibt es in Lettland, der Türkei, Litauen, Italien, Estland, Malta, Portugal, Griechenland, Irland, Island, Serbien und Spanien. Strengere Regelungen gibt es beispielsweise in England und Wales. Dort haben die Kinder nur sechs Wochen Sommerferien. Das gilt auch für Teile Deutschlands und der Schweiz – wo die Ferien je nach Land bzw. Kanton unterschiedlich lang sind.

 

Später Ferienstart in Bayern

In puncto Ferienbeginn zählen die heimischen Schüler zu den Spätstartern. In Bulgarien, Lettland, Litauen, Estland, Portugal, Serbien, Ungarn, Schweden, Türkei, Kroatien, Norwegen und Finnland sind schon jetzt Ferien. Am spätesten beginnen die Sommerferien übrigens in Bayern – dort müssen die Schüler noch bis zum 31. Juli in den Klassenzimmern ausharren.

 

 

Österreich – 19. Juni 2013

 

Spindelegger greift Faymann an

Frontalattacke wegen Lehrern - Wahlkampf voll entbrannt. 

Michael Spindelegger meint es ernst: Er will Kanzler werden. Am Dienstag ritt der ÖVP-Obmann vor den Christgewerkschaftern beim ÖGB-Kongress Attacken gegen den Koalitionspartner, wie sie noch nicht zu hören waren. Bis zur Nationalratswahl am 29. September steht ein harter Wahlkampf bevor.

Lehrer-Dienstrecht ist de facto abgesagt
Worum geht's? Spindelegger nutzte die Chance vor der FCG – die ja durchwegs aus Beamten besteht –, um gegen das neue Lehrerdienstrecht mobil zu machen: „Ich bin entsetzt, dass der der Regierungspartner sagt, ich fahre über die Sozialpartner drüber."

Und dann direkt an Faymann: „Ist das wirklich ein Bundeskanzler für das Land? Nein." Gleichzeitig machte Spindelegger klar, dass er nichts dagegen habe, wenn man noch lange mit den Lehrern verhandeln müsse: „Kein Zwang, keine Gewalt." Wenn man sich jetzt nicht einigen könne, dann eben später. Zuvor hatte auch Innenministerin Johanna Mikl-Leiner betont, es sei „Zeit für einen Kanzlerwechsel".

VP blockiert Verlängerung der Bankenabgabe
Faymann nutzte seine Rede von den SPÖ-Gewerkschaftern nicht, um Spindelegger zu kontern – er beschwor lediglich den Zusammenhalt von Partei und Gewerkschaft. Dann forderte er – wie von ÖSTERREICH angekündigt – eine Millionärssteuer.

Zuvor hatte es aber in der Regierung aus einem anderen Grund gehörigen Ärger gegeben: Vor dem Ministerrat hatten Faymanns Vertraute einen Gesetzesentwurf zur Verlängerung der Bankenabgabe über das Jahr 2017 hinaus eingebracht – der Versuch scheiterte aber prompt am Veto der ÖVP.

ÖGB fordert Serie von neuen Steuern
Die Wiedereinführung der Reichen-, Erbschafts- und Schenkungssteuer ist einer der Kernpunkte, die der ÖGB auf seinem derzeit laufenden Bundeskongress im Austria Center Vienna fordert: Schon ab 150.000 Euro sollen Erbschaften und Schenkungen besteuert werden. Reiche müssen laut ÖGB ab einem Vermögen von 700.000 Euro zur Kasse gebeten werden.

Weitere Forderungen: Eine Milliarde Euro soll von den Arbeitgebern für eine Fachkräfteausbildung kommen. Der Beitrag der Unternehmer soll in der Höhe von 1% der Jahresbrutto-Lohnsumme liegen. Das Geld soll zur Ausbildung von Jugendlichen herangezogen werden. Ein Malus-System im Pensionssystem soll jene bestrafen, die wenig Ältere beschäftigen.

 

 

Der Standard – 19. Juni 2013

 

 

Die heilige Dreifaltigkeit der staatlichen Schule

Lisa Nimmervoll

Der Adler, ein Präsident in wechselnder Besetzung und das Kreuz: Diese Trinität hängt in Österreichs Schulen

Wien - Der Präsident muss gütig herunterblicken, der Adler seine Schwingen ausbreiten und dazu ein Kreuz: Dann ist die "Dreifaltigkeit", wie STANDARD-Kolumnist Gerfried Sperl als Moderator des STANDARD- Montagsgesprächs zum Thema "Das Kreuz in der Schule" sie nannte, in den öffentlichen Schulen in Österreich komplett.

Präsident (einmal pro Schule) und Wappen (einmal pro Klasse) regelt das Pflichtschulerhaltungs-Grundsatzgesetz von 1955, die Kreuzfrage das Unterrichtsgesetz von 1949. Demnach ist in Schulen, "an denen die Mehrzahl der Schüler einem christlichen Religionsbekenntnis angehört, in allen Klassenräumen vom Schulerhalter ein Kreuz anzubringen".

Von dieser Mehrzahl ist in vielen Schulen Österreichs mittlerweile nicht mehr automatisch auszugehen. Erst jüngst erkämpfte eine Mutter in einer Wiener Volksschule das Abhängen aller Kreuze, weil weniger als die Hälfte der Kinder als Christen gemeldet sind.

Die Muslime sollten aber nicht einfach "reingezählt" werden, wenn es darum gehe, eine numerische Mehrheit gegen das Kreuz zu finden, warnte Carla Amina Baghajati von der Islamischen Glaubensgemeinschaft vor einer Instrumentalisierung muslimischer Kinder in dieser Frage: "Ich spüre bei Muslimen kein Bedürfnis, das Kreuz abzunehmen." Im Gegenteil. Sie sei " für Sichtbarkeit religiösen Pluralismus, konsequenterweise auch für das Kreuz."

Pluralismus ja, Glaubens- und Gedankenfreiheit für alle, aber nicht in Form religiöser Symbole, die an einen "Gottesstaat" gemahnten, entgegnete der Vorsitzende der Initiative "Religion ist Privatsache", Heinz Oberhummer: "Der Staat soll neutral sein. Ich bin dagegen, dass gewisse Weltanschauungen in öffentlichen Gebäuden vom Staat bevorzugt werden." Applaus erntete der emeritierte Physikprofessor der TU Wien für seine Idee in Sachen Kreuz: "Der Religionslehrer könnte eines mitbringen und am Ende der Stunde wieder mitnehmen."

Als Verfechterin einer klaren "Trennung von Kirche und Staat" ist die Vorsitzende der Initiative "Bildung Grenzenlos", Heidi Schrodt, klar gegen das Kreuz in der Schule. Dafür aber jährlich zu Schulbeginn nachzuzählen, ob es noch eine Christenmehrheit gibt, und gegebenenfalls das Kreuz abzunehmen - "das tut sich niemand an", sagte die langjährige Direktorin der AHS Rahlgasse in Wien.

Ziel von Vandalismus

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass das Kreuz "in der Praxis ein eher unaufgeregtes Thema ist", allerdings auch immer wieder Ziel von jugendlichem Vandalismus.

In solchen Akten aber sieht Martin Jäggle, Professor für Religionspädagogik an der Uni Wien, auch pädagogisches Potenzial, das durch das simple Abhängen mitverräumt werde. Das Kreuz wäre in seiner Vieldeutigkeit "eine äußerst produktive Lernmöglichkeit", sagte der katholische Theologe. So könne es durchaus Situationen geben, "wo mit dem Kreuz eine kollektive Verletzungsgeschichte verbunden sei, da verdient dieser Schüler, dass - im Gespräch mit der Klasse erarbeitet - das Kreuz entfernt wird".

Auch Pater Johannes Paul Chavanne aus dem Stift Heiligenkreuz plädierte für eine "differenzierte Sicht: Ich sage nicht Kreuz um jeden Preis. Wenn es keine Mehrheit gibt, ist es absurd, es aufzuzwingen." Als Priester und Staatsbürger sei ihm aber wichtig, dass der demokratische Staat das Recht auf öffentliches religiöses Bekenntnis schütze, auch in der Schule - anstatt "die Religion in den Hinterhof abzuschieben".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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