Mittwoch, 26. Juni 2013

2013.06.26: Newsletter Unterricht

 

Die Presse – 26. Juni 2013

 

OECD-Studie: Hohe Lehrergehälter, teures Schulsystem

JULIA NEUHAUSER 

Die OECD stellt Österreich im Schul- und Uni-Bereich ein durchwachsenes Zeugnis aus. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen.

Wien. Studien können zumeist sehr unterschiedlich interpretiert werden. Und so sah Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) in der umfangreichen OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2013", die gestern präsentiert wurde, vor allem eines: eine Unterstützung für ihre Pläne zum neuen Lehrerdienstrecht. Denn die Studie zeigt: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als ihre Kollegen in anderen Industrienationen. Doch nicht in allen Ergebnissen konnten sich Schmied und ihr Kollege, Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), mit dem sie die Studie präsentierte, bestätigt fühlen. Ein Überblick über die wichtigsten Zahlen.

• Lehrerarbeitszeit, Gehalt: Im Vergleich zu Lehrern in anderen Ländern unterrichten Österreichs Pädagogen wenig. In der Volksschule ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr noch verhältnismäßig gering (Österreich: 779 Stunden, OECD: 790 Stunden). In der Sekundarstufe I sieht es schon anders aus: Hier beträgt der Unterschied 102 Stunden pro Jahr (Österreich: 607 Stunden, OECD: 709 Stunden). Ähnlich groß ist der Unterschied mit 75 Stunden in der Sekundarstufe II. Was auf den ersten Blick klar gegen die Lehrer spricht und damit der Regierung in den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht den Rücken stärkt, ist jedoch viel komplexer. Sieht man sich nämlich die Jahresarbeitszeit der Pädagogen an (diese wird in Österreich lediglich für Pflichtschullehrer definiert), dann zeigt sich ein völlig anderes Bild. Demnach arbeiten heimische Pädagogen nämlich mehr als ihre Kollegen im Ausland. In Österreich sind es jährlich 1776 Stunden, der OECD-Schnitt liegt in Volksschulen bei 1671 und in der Sekundarstufe I bei 1667 Stunden.

        

 

Auch was das Lehrergehalt (siehe Grafik) betrifft, spürt die Regierung Rückenwind für die Verhandlungen mit der Gewerkschaft. Die heimischen Pädagogen verdienen nämlich zu jedem Zeitpunkt mehr als Lehrer in anderen OECD-Ländern (Zahlen sind kaufkraftbereinigt). Besonders die Endgehälter sind hoch: 47.419 Euro verdienen österreichische Lehrer, 34.805 sind es im OECD-Schnitt.

• Bildungsausgaben: Einen Vorwurf kann sich Österreich nur bedingt gefallen lassen: wenig Geld in den Bildungsbereich zu investieren. Von der Volksschule bis zur Universität hat Österreich im Jahr 2010 nämlich pro Kopf durchschnittlich 9558 Euro ausgegeben (siehe Grafik unten). Damit lagen die Ausgaben in diesem Bereich weit über dem OECD-Schnitt von rund 7100 Euro. Was die Studie nicht beantwortet, ist, ob das Geld auch effektiv eingesetzt wird. Außerdem zeigt „Bildung auf einen Blick 2013", dass die Bildungsausgaben in Österreich zwar gestiegen sind, aber nicht im gleichen Ausmaß, wie das in zahlreichen anderen Ländern der Fall gewesen ist. Konkret sind Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung im Zehn-Jahres-Vergleich von 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2000 auf 5,8 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Allerdings konnten die anderen OECD-Länder diesen Anteil wesentlich stärker steigern – im Schnitt von 5,4 Prozent im Jahr 2000 auf 6,3 Prozent im Jahr 2010.

 

 

• Arbeitslosigkeit: Lob gab es für Österreich von OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger, die extra nach Wien reiste, für das hohe Ausbildungsniveau der Bevölkerung. Die Zahl der Personen, die mindestens die Sekundarstufe II abgeschlossen haben, ist in Österreich mit 82 Prozent überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich: In der OECD trifft das nur auf drei von vier Personen zu, innerhalb der EU-21 sind es 76 Prozent. Das verhältnismäßig hohe Ausbildungsniveau der Österreicher habe sich auch merklich auf die Arbeitslosigkeit in Österreich ausgewirkt, so Ischinger. Beachtlich sei, dass der Anteil der Nichtbeschäftigten in Österreich im Jahr 2011 auf 9,8 Prozent gesunken ist, während im OECD-Schnitt 15,8 Prozent ohne Beschäftigung waren, so Ischinger. Vor allem die gute berufsbildende Ausbildung in Österreich sei für den Erfolg verantwortlich.

 

 

• Studierendenzahlen: Auch Uni-Minister Töchterle interpretierte die Zahlen der OECD positiv. Besonders die steigenden Studierendenzahlen seien erfreulich, so der Minister. Im Jahr 2011 begannen in Österreich 68 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium (OECD-Schnitt: 79 Prozent). Schlechter fällt die Abschlussquote aus. Die liegt in Österreich nämlich lediglich bei 35 Prozent, im EU-Schnitt sind es 40.

•Private Bildungsausgaben: In seinen politischen Agenden fühlt sich Töchterle auch durch die Zahlen zu den öffentlichen Bildungsausgaben in Österreich unterstützt. Er betonte in der Vergangenheit stets, dass der private Anteil der Ausgaben im Hochschulbereich gesteigert werden müsse. Sowohl durch etwaige Studiengebühren als auch durch die Unterstützung von Mäzenen und Unternehmen. Die Zahlen zeigen: Im Jahr 2010 lagen die Ausgaben der Privathaushalte (etwa Studiengebühren) bei nur 2,6 Prozent, im OECD-Schnitt waren es 24,9 Prozent. Der staatliche Anteil ist in Österreich mit 87,8 Prozent hingegen deutlich höher als jener in den übrigen OECD-Ländern. Dort machen die staatlichen Ausgaben nur 68,4 Prozent aus.

 

 

 

Die Presse – 26. Juni 2013

 

Ministerin sagt Lehrerstudie ab: Fürchtet Schmied Ergebnisse?

JULIA NEUHAUSER

Die Ministerin untersagte, die Talis-Studie neuerlich durchzuführen. Die Ergebnisse hätten sie in den Dienstrechtsverhandlungen geschwächt.

Wien. Es steht viel auf dem Spiel: Sollten die Verhandlungen zum neuen Lehrerdienstrecht scheitern, dann wäre das nicht nur ein herber Rückschlag für Junglehrer, sondern auch für Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) selbst. Sie kann es sich wohl kaum leisten, die Verhandlungen nach knapp fünf Jahren ergebnislos abzubrechen – und das in einem Wahljahr. Und so arbeitet sie hart daran, die Gespräche zu einem positiven Abschluss zu bringen. Zu hart?

Für den Geschmack des ehemaligen Direktors des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Günter Haider, schon. Er warf Schmied in einem Gastkommentar im „Kurier" indirekt vor, kritische wissenschaftliche Daten, die der Gewerkschaft in den Verhandlungen den Rücken stärken könnten, bewusst zurückzuhalten bzw. deren Erhebung zu verbieten. Haider ist mit seinem Verdacht nicht allein, wie „Die Presse" nun erfahren hat.

Konkret geht es um die Talis-Studie (Teaching and Learning International Survey) der OECD, die auch die Arbeitsbedingungen der Lehrer erhebt. Und damit die Gewerkschaft in ihrer Forderung nach mehr Unterstützungspersonal (Psychologen, Sozialarbeiter, administratives Personal) stärken könnte. Österreich nahm an Talis bereits 2008 teil – mit einem wenig erbaulichen Ergebnis für das Unterrichtsministerium: Kein anderes Land hat weniger Psychologen, Sozialarbeiter und unterstützendes administratives Personal an den Schulen. Und genau diese Studie hätte heuer – inmitten der zähen Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht – noch einmal durchgeführt werden sollen. Doch Schmied sagte die neuerliche Teilnahme ab.

Keine Daten, keine Erklärungsnot

„Daten, die nicht entstehen, können später keinen Erklärungsnotstand für Politiker verursachen", kommentiert Haider Schmieds Entscheidung. Die Daten für die Talis-Studie wären von Februar bis April 2013 erhoben worden. Die erhobenen Talis-Rohdaten für den im Jahr 2014 erscheinenden Endbericht wären also womöglich noch in die derzeit laufenden Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht eingeflossen. Bei einem ähnlichen Ergebnis wie im Jahr 2008 hätten diese Daten der Lehrergewerkschaft Munition geboten.

Schon bisher pochte der Chefverhandler der Lehrer, Paul Kimberger, auf eine stärkere Entlastung der Pädagogen und forderte rund 13.000 zusätzliche Unterstützungsposten. Die Regierung nennt diese Zahl aber „illusorisch" – und setzt die Obergrenze bei 2000 Unterstützungsposten an. Im Vollausbau, versteht sich. Ein Streit, der bei den Verhandlungen zum neuen Lehrerdienstrecht noch eine entscheidende Rolle spielen könnte. Dazu kommt, dass die Lehrer ohnehin eine neue Arbeitszeitstudie fordern. Auch dem wäre mit einer Teilnahme an Talis 2013 wohl Genüge getan gewesen.

Offiziell untersagte die Unterrichtsministerin die Teilnahme aus Kostengründen und setzte sich damit auch gegen den wissenschaftlichen Beirat des Bifie durch, der die Teilnahme an Talis 2013 ausdrücklich empfohlen hat. Dass tatsächlich die Kosten das ausschlaggebende Kriterium für die vor rund eineinhalb Jahren erteilte Absage waren, bezweifeln nun auch mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen im Gespräch mit der „Presse".

„Rausgeschmissenes Geld"

Die Teilnahmegebühr hätte lediglich 15.000 Euro betragen. Und: Das Bifie habe in den Budgetverhandlungen mit dem Ministerium sogar angeboten, durch interne Umschichtungen für diesen Betrag aufzukommen. Extrageld vom Unterrichtsministerium wäre demnach also nicht einmal benötigt worden. Auch zusätzliches Personal hätte man nicht gebraucht. Auch das wäre Bifie-intern geregelt worden, hieß es auf Nachfrage der „Presse".

Im Ministerium weist man die Vorwürfe entschieden zurück. Es gebe lediglich pragmatische Gründe dafür, dass die Studie im Jahr 2013 nicht noch einmal durchgeführt wurde. Es habe sich seit dem Jahr 2008 nicht viel verändert. Das wisse man. Sowohl die Bezahlung als auch das Arbeitsumfeld der Lehrer sei gleich geblieben. An der Talis-Studie 2013 teilzunehmen, wäre demnach lediglich „rausgeschmissenes Geld" gewesen.

Auf einen Blick

Die Talis-Studie erhebt unter anderem die Arbeitsbedingungen der Lehrer. 2008 nahm Österreich an dieser Studie teil. Das Ergebnis war ernüchternd. Nirgends gibt es weniger Unterstützung für die Lehrer als in Österreich: Schulpsychologen und Sozialarbeiter sind Mangelware. Diese Informationen hätten die Gewerkschaft in den Dienstrechtsverhandlungen gestärkt. Schmied habe die Teilnahme an Talis 2013 deshalb nicht erlaubt, so der Vorwurf.

 

 

Die Presse – 26. Juni 2013

 

Bildungsexpertin Koenne: Jahresarbeitsmodell für Lehrer

JULIA NEUHAUSER

Bildungsexpertin Christa Koenne empfiehlt ein Jahresarbeitsmodell für Lehrer, um den Gordischen Knoten in den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht zu lösen.

Die Presse: Regierung und Gewerkschaft streiten über das Ausmaß der Unterrichtsverpflichtung sowie über die Anwesenheitszeit der Lehrer in der Schule. Wer hat recht?

Christa Koenne: Recht hat hier niemand. Das Ganze ist ein Gordischer Knoten geworden. Und Gordische Knoten kann man nicht dadurch lösen, dass der eine dort anzieht und der andere da. Und aufknüpfen kann man ihn auch nicht.

Wie kann man das Problem lösen?

Wir brauchen eine Lockerungsübung. Die Woche ist der falsche Zeitraum, um Lehrerarbeit zu bestimmen. Das Schuljahr ist so unterschiedlich in seinen Wochen: Da gibt es Skikurse, da sind die Ferien, da sind Schularbeiten und Maturazeiten. Deshalb haben andere Länder die Wochenarbeitszeit längst hinter sich gelassen.

Also was braucht es?

Wir müssen eine Jahresarbeitszeit für Lehrer definieren. Sobald wir von der Jahresarbeitszeit sprechen, wird die Frage, wer in der derzeitigen Diskussion recht hat oder nicht, unwichtig. Es ginge dann endlich darum, wie das Schuljahr zeitlich für die Lehrer und auch für die Schüler anders und sinnvoll gestaltet werden kann.

Bleiben wir bei den Lehrern: Wie könnte ein Ganzjahresarbeitsmodell ausschauen?

Was ich von Schweden weiß, muss man einfach anders an das Thema Arbeitszeit herangehen. Dort haben sie etwa gesagt, dass Schüler ein Recht auf Unterricht haben. Sie haben also etwa das Recht, eine bestimmte Anzahl an Chemiestunden zu erhalten. Das ist ein anderer Zugang, der dazu führt, dass die Wochenarbeitszeit aufgegeben wird. Es muss nicht alles im gleichen Rhythmus gemacht werden. Dadurch entfällt auch so viel Unterricht.

Das heißt, dass es nicht jede Woche den gleichen Stundenplan geben soll.

Genau. Heutzutage macht das ja der Computer. Das sollte zu einer Managementaufgabe gemacht werden, die jeder Schulleiter erledigen kann. Die Wochen dürfen dann nicht gleich ausschauen.

Es wird also fachliche Blocks geben?

Ja. Man muss von diesen läppischen Ein-Stunden-Fächern weggehen. So lernt doch sowieso kein Mensch. Das gibt es nur deshalb, weil es früher so eingeführt wurde.

Gäbe es dann eigentlich die neun Wochen Sommerferien noch?

Nein. Die neun Wochen Ferien wären anders aufgeteilt. Die Schule in Schweden ist zum Beispiel das ganze Jahr lang bespielt. Da gibt es das ganze Jahr lang etwas, was die Schüler tun können. Die Schüler können im Sommer etwa einmal ein Chemiesymposium besuchen. Bei uns liegt die Schule unentwegt brach.

Das heißt, dass sich Lehrer auch flexibler Urlaub nehmen können?

So ist es. Meine schwedischen Lehrerkollegen kommen mich etwa im Mai besuchen. Nicht weil die Schule zu ist, sondern weil sie sich frei genommen haben. Das ist auch für die Gewerkschaft interessant. Es ist für die Lehrer ebenfalls ein Vorteil, wenn sie nicht nur in der teuren Zeit auf Urlaub gehen können. Wann und wie der Lehrer seine Gesamtjahresarbeitszeit erledigt, das ist etwas, das die Schule mit den Lehrern und Schülern ausmachen muss. Dabei braucht die Schule eine gewisse Autonomie.

Glauben Sie, dass Sie mit diesem Vorschlag bei der Regierung bzw. bei der Gewerkschaft auf offene Ohren stoßen?

Ich glaube schon. Das ist ja nicht nur meine Idee. Da gibt es bereits viele Erfahrungswerte. Diese Umstellung haben auch schon andere Länder geschafft. Wir müssen bedenken: Je länger wir trödeln, desto mehr Ärger wird erzeugt. Es braucht so bald als möglich einen radikalen Schnitt, ab dem es eine Jahresarbeitszeit gibt.

Zur Person

Die Bildungsexperten Christa Koenne (70) ist an mehreren Universitäten wissenschaftlich tätig und war Mitglied der Vorbereitungsgruppe für die neue Pädagogenausbildung. Früher unterrichtete die mittlerweile pensionierte AHS-Direktorin Mathematik, Chemie
und Physik.

 

 

OÖN – 26. Juni 2013

Höhere Gehälter, weniger Stunden: Österreichs Lehrer im Vergleich

WIEN. Unsere Lehrer gehören im OECD-Vergleich zu den Besserverdienern, auch die Bildungsausgaben insgesamt sind in Österreich hoch.

Es war eine doppelte Premiere gestern im Bildungsministerium: Zum ersten Mal war Wien der Ort für die Präsentation der OECD-Studie „Bildung auf einen Blick". Und zum ersten Mal wurde der Vergleich der Bildungssysteme der 34 OECD-Länder und acht Partnerstaaten schon im Juni, und nicht wie üblich im September, vorgelegt.

Was insofern pikant ist, als die Ergebnisse (es handelt sich durchwegs um Daten aus dem Jahr 2011) der Regierung als Argumentationshilfe für die laufenden Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht liefern. Ein Überblick:

Österreichs Lehrer verdienen mehr: Vom Einstieg bis zum Ruhestand und an allen Schultypen verdienen Lehrer mehr als im OECD-Durchschnitt. So liegt das Einstiegsgehalt an Volksschulen bei 24.230 Euro pro Jahr (OECD-Schnitt: 22.231 Euro). Spitzenverdiener an Volksschulen kommen auf 47.769 Euro (OECD: 35.077).

Größer als im OECD-Vergleich ist in Österreich auch die Kluft zwischen Einstiegs- und Spitzengehalt: Lehrer am Ende der Gehaltsskala verdienen bei uns mehr als doppelt so viel wie Junglehrer, im OECD-Schnitt beträgt der Unterschied 60 Prozent. Einschränkung: Im Vergleich mit Akademikern schneiden Österreichs Lehrer schlechter ab. Oberstufenlehrer verdienen bei uns 64 Prozent eines durchschnittlichen Akademikergehalts, im OECD-Schnitt erreichen diese Lehrer 89 Prozent. OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger empfahl der Regierung angesichts der Pensionierungswelle bei den Lehrern „junge Kollegen mit attraktiven Gehältern" zu locken.

Weniger Zeit in der Klasse: Österreichs Lehrer unterrichten weniger als im OECD-Schnitt. An den Volksschulen sind es 779 Stunden pro Jahr (OECD: 790 Stunden), im Unterstufenbereich ist der Unterschied am größten (Österreich: 607 Stunden, OECD-Schnitt: 709).

Österreich gibt pro Schüler deutlich mehr aus als der OECD-Schnitt: Im Volksschulbereich liegen die Bildungsausgaben pro Schüler in Österreich bei 7880 Euro (OECD: 6133), im Sekundarbereich ist der Unterschied noch größer (Österreich: 9655 pro Kopf, OECD: 6933).

Die OECD sieht zwei Ursachen für die hohen Kosten: die Lehrergehälter und die vergleichsweise kleine Klassengröße in Österreich. Weiterer Kostenfaktor laut Bildungsministerin Claudia Schmied (SP): Das berufsbildende Schulwesen, das von der OECD gelobt wird.

Berufsbildende Ausbildung top, Aufholbedarf bei Akademikern: Lob gibt es von der OECD für den hohen Anteil von Maturanten und Lehrabsolventen in der Altersgruppe von 25 bis 34 (59 Prozent). Das starke berufsbildende Schulwesen sei mit ein Grund für die im OECD-Vergleich geringe Jugendarbeitslosigkeit in Österreich (zehn Prozent der 15- bis 29-Jährigen ohne Job und nicht in Ausbildung, OECD-Schnitt: 16 Prozent).

Aufholbedarf attestiert die OECD Österreich bei Uni-Absolventen: 19 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben einen Hochschulabschluss (OECD: 32 Prozent).

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 146 vom 26.06.2013              Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Alexandra Parragh

 

Österreich

 

Ganz gute Noten für Österreich

 

   „Bildung auf einen Blick". OECD-Direktorin Ischinger verrät, weshalb Österreich Muster- und Nachhilfeschüler ist.

 

   Alexandra Parragh Barbara Ischinger ist OECD-Direktorin für Bildung und Kompetenzen und daher für Bildungsstudien wie PISA oder TALIS zuständig. Erstmals präsentierte sie am Dienstag eine Studie in Wien: die aktuelle Ausgabe von „Bildung auf eine Blick".

 

   Sie leiten die OECD-Bildungsabteilung seit 2006. Hat sich Österreichs Bildungssystem in sieben Jahren verbessert?

 

   Barbara Ischinger: Durchaus. Bei den Beschäftigungszahlen, der Berufsbildungsquote, auch bei den Hochschulabsolventen hat es einen Zuwachs gegeben. Deshalb haben wir das österreichische Berufsbildungssystem auch in dieser Studie hervorgehoben. Das ist etwas, um das Sie Länder wie Spanien, Griechenland und Portugal nur beneiden können. Ein so integriertes System, bei dem die Bildung, die Ausbildung und der Wirtschaftssektor eng kooperieren, kennen diese Länder nicht. Es hat sicher auch zu der vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquote von Nichtakademikern in Österreich beigetragen. Junge Menschen lernen gern, wenn sie einen Bezug zum Alltag und zur praktischen Arbeit haben.

 

   Österreich gibt mit 5,5 Prozent des BIP viel Geld für sein Bildungssystem aus. Zu viel?

 

   Ischinger: Diese Schlussfolgerung sollte man nicht ziehen. Die hohen Kosten ergeben sich unter anderem durch die kleinen Klassen und die Lehrergehälter. Sie sagen aber nichts über die Effizienz eines Schulsystems aus. Darüber gibt der PISA-Test besser Auskunft. Die neueste Auswertung wird heuer am 3. Dezember vorliegen. In Österreich gab es ein Problem mit der Integration von Migranten und den Bildungschancen sozial benachteiligter Schüler. Wir werden sehen, inwieweit sich das geändert hat.

 

   Wie erklären Sie sich, dass in Österreich mehr Männer als Frauen einen Abschluss in der Sekundarstufe II (Oberstufe) haben, wo das sonst umgekehrt ist?

 

   Ischinger: Das liegt wahrscheinlich auch an den Berufsbildungswegen. Hierzulande gibt es viele berufsbildende Schulen mit technischem und naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, die typischerweise mehr Männer als Frauen ansprechen. Deshalb muss man überlegen, Schulen im Sozial- und Gesundheitsbereich auszubauen. Genauer untersucht haben wir dieses Gebiet aber noch nicht.

 

   Was sagen Sie dazu, dass Lehrer in Österreich weniger unterrichten, aber mehr verdienen als im OECD-Schnitt?

 

   Ischinger: Dass in Österreich so viele Lehrer bald das Pensionsalter erreichen, bedeutet, dass dringend junge Lehrer angeworben werden müssen. Das geht nur mit attraktiven Anfangsgehältern. Ich finde es aber begrüßenswert, dass die Politik sich hier um mehr Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Lehrergruppen (Primar-, Sekundarbereich) bemüht.

 

   Braucht es Studiengebühren?

 

   Ischinger: Wir haben mehrfach festgestellt, dass sehr wenig private Mittel in Österreichs Hochschulen fließen. Die Privathaushalte leisten sogar den geringsten Beitrag OECD-weit. Zugleich geht ein tertiärer Abschluss mit einem erheblichen Mehrverdienst einher. Daher muss die Diskussion um eine ausgewogene Uni-Finanzierung erlaubt sein. Studiengebühren sind nur sinnvoll und fair, wenn parallel dazu Studentendarlehen und Studienbeihilfen erhältlich sind. Bei beidem hat Österreich noch Nachholbedarf.

 

   Warum ist eine hohe Akademikerquote so wichtig? Österreich hätte sie ja, zählte man die Abschlüsse der berufsbildenden höheren Schulen dazu.

 

   Ischinger: Die Frage ist doch: Ist Österreich gut aufgestellt, um konkurrenzfähig Forschung und Wissenschaft zu betreiben? Im Jahr 2020 wird es in China allein mehr Akademiker geben als junge Leute in ganz Europa. Österreich tut also gut daran, die Hochschulbildung auszubauen, schlicht, um international weiter wettbewerbsfähig zu sein.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 146 vom 26.06.2013              Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

Die Lehrer verdienen gut

 

   Wien (SN-par). Selten hat eine OECD-Studie der Regierung derart in die Hände gespielt wie „Bildung auf einen Blick" 2013. Insbesondere die Kritik der OECD an den hohen Lehrergehältern sowie an der geringen Beteiligung der Privathaushalte an der Hochschulfinanzierung sind für Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) willkommene Munition im (Wahl-)Kampf um ein neues Lehrerdienstrecht und um Studiengebühren.Konkret stößt sich die OECD daran, dass Österreichs Lehrer weniger unterrichten als ihre Kollegen in anderen Industrienationen, dabei aber trotzdem zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser verdienen.

 

   Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn in zwei Drittel der OECD-Ländern wird die Lehrerarbeitszeit auch in Arbeitsstunden und nicht nur in Unterrichtszeit in der Klasse abgerechnet. In Österreich wird das bloß bei den Pflichtschullehrer gemacht, nicht aber bei den AHS- und BHS-Lehrer. Die Zeit, die sie (zu Hause) für andere Tätigkeiten, für die Stundenplanung, die Kontrolle der Hausaufgaben etc. verwenden, wird daher nicht berücksichtigt. Und das verzerrt den Vergleich.

 

   Das erklärt auch, warum die OECD zugleich feststellt, dass die Unterrichtszeit in Österreich im internationalen Vergleich niedrig ist, die Arbeitszeit von Pflichtschullehrern mit 1776 Arbeitsstunden pro Jahr dennoch über dem OECD-Schnitt liegt (1671 Stunden Volksschullehrer, 1667 Sekundarstufe I und II).

 

   Mit 779 Stunden pro Jahr unterrichten österreichische Volksschullehrer pro Jahr um elf Stunden weniger als der OECD-Schnitt (790 Stunden). In der Sekundarstufe I steigert sich diese Differenz auf 102 Stunden (Österreich: 607 Stunden, OECD: 709 Stunden), im Sekundarbereich II (Oberstufe, BMHS) liegt sie bei 79 Stunden (Österreich: 589, OECD: 664).

 

   Sehr wohl für bare Münze nehmen kann man den OECD-Befund, dass Österreichs Lehrer ihr ganzes Berufsleben lang besser verdienen als anderswo. Bereits das Einstiegsgehalt der Volksschullehrer von über 24.000 Euro pro Jahr liegt über dem OECD-Schnitt von knapp über 22.000 Euro. Umso mehr gilt das für Lehrer der Sekundarstufe I und II und Veteranen mit Höchstgehalt.

 

   Allerdings verdienen Österreichs Lehrer weniger als andere Akademiker. Das Gehalt eines Oberstufenlehrers, der selbst an der Uni studiert hat, beträgt 65 Prozent von dem eines Akademikers (OECD-Schnitt 89 Prozent).

 

 

Österreich – 26. Juni 2013

 

 

OECD bestätigt 

Lehrer: Viel Gehalt, aber wenig Arbeit

13.000 € mehr als Schnitt - 102 Stunden weniger Arbeit. 

Rückenwind für die Dienstrechtsverhandlungen um neue Lehrergehälter erhält Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) jetzt durch die neueste OECD-Bildungsstudie „Education at a Glance". Unsere Lehrer stehen im Vergleich mit anderen Industriestaaten vergleichsweise wenig in den Klassen. Besonders deutlich wird der Unterschied in der AHS-Unterstufe bzw. Hauptschule: Im OECD-Schnitt unterrichten Lehrer 709 Stunden im Jahr, in Österreich nur 607 Stunden, also über 100 Stunden weniger.

Österreichs Lehrer verdienen bis zu 13.200 Euro mehr
Bei den Gehältern zählen unsere Pädagogen allerdings zu den Spitzenverdienern: Am Ende der Karriere verdient ein AHS-Oberstufenlehrer 51.369 Euro und liegt damit 13.198 Euro über dem durchschnittlichen Gehalt von internationalen Kollegen (38.171 Euro). Am Ende der Gehaltsskala verdienen Lehrer in Österreich doppelt so viel wie zu Beginn, kritisiert die OECD.

Schmied: „Studie unterstreicht, dass unser Vorschlag fair ist"
Schmied, die die Unterrichtszeit von 20 bzw. 22 auf 24 Stunden anheben und die Gehaltskurve abflachen will, fühlt sich durch die Ergebnisse bestätigt: „Die Studie unterstreicht einmal mehr, dass der Regierungsvorschlag, den Gabriele Heinisch-Hosek, Finanzministerin Fekter und ich erarbeitet haben, ein sehr fairer ist."

Nur jeder Fünfte hat einen Universitäts-Abschluss
Prinzipiell stellt die OECD Österreich ein gutes Zeugnis aus, was den Bildungsstand betrifft. So haben 82 Prozent eine Matura oder Lehre abgeschlossen (OECD-Vergleich: 74 Prozent), was auf die große Auswahl an berufsbildenden Schulen zurückzuführen ist. Nachholbedarf haben wir dafür weiterhin bei der Akademikerquote: Nur jeder fünfte Österreicher zwischen 25 und 64 Jahren hat ein Studium abgeschlossen (19 Prozent). In der OECD sind es 32 Prozent.

»Brauchen mehr Studienangebot«
ÖSTERREICH:
Wie stehen wir im internationalen Vergleich bildungsmäßig da?
Claudia Schmied:
Wir werden von der OECD gelobt. Diese internationale Anerkennung tut Österreich gut und das haben wir uns auch verdient. Das berufsbildende Schulwesen ist Weltklasse und wir sind weltweit in der Oberliga, was die Jugendbeschäftigung betrifft.

ÖSTERREICH: Und wo haben wir noch Aufholbedarf?
Schmied:
Wir müssen sicher noch zulegen bei den Übergängen von der Schule in die Universität. Wir müssen schauen, dass beim Studienbeginn die eine oder ­andere Spezialkompetenz angerechnet wird, und wir brauchen ohne Zweifel mehr berufsbegleitende Studienangebote.

ÖSTERREICH: Stichwort Lehrergehälter: Die Studie verdeutlicht, dass diese im Vergleich sehr hoch sind.
Schmied:
Die Studie unterstreicht einmal mehr, dass der Regierungsvorschlag, den Gabriele Heinisch-Hosek, Finanzministerin Fekter und ich erarbeitet haben, ein sehr fairer ist und eine ­gute Grundlage, um die Verhandlungen sozialpartnerschaftlich weiterzuführen.

 

 

"Österreich" vom 26.06.2013                                  Seite 10

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich

 

Brief an Vertreter aller Parteien zu Schulpolitik

 

Bildung: Androsch wirft sich in den Wahlkampf

 

Nach dem Volksbegehren macht SPÖ-Mann Androsch jetzt im Wahlkampf mobil.

 

Wien. Der Stillstand beim Lehrerdienstrecht veranlasst Ex-Politiker Hannes Androsch, gemeinsam mit seiner Bildungsinitiative im Wahlkampf aktiv zu werden. "Da nichts weitergeht, werden wir das Thema in den Wahlkampf tragen", sagt Androsch zu ÖSTERREICH.

 

Wahlempfehlung. Als erste Aktion will er heute oder morgen Vertreter aller Parteien kontaktieren: "Wir werden einen Brief an alle Parteivorsitzenden, Klubobleute und Bildungssprecher schreiben." Mit den Antworten könne man transparent machen, "wer bildungsfeindlich und wer für die Zukunft ist". Das Ergebnis sei dann eine "implizite Wahlempfehlung".

 

Gewerkschafter, die ein neues Lehrerdienstrecht blockieren, nennt Androsch "Saboteure". (knd)

 

 

"Der Standard" vom 26.06.2013                                Seite: 9

Ressort: Inland

 

Lisa Nimmervoll

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Starke Berufsbildung, aber Defizite im Uni-Bereich

 

   Die berufliche Ausbildung in Österreich funktioniert bestens und war in der Krise ein stabiles Fundament. Im Hochschulsektor aber gibt es Defizite, für die nicht mehr viel Reparaturzeit bleibt, schlussfolgert die OECD aus einem neuen 34-Länder-Vergleich.

 

   Wien – Müsste Barbara Ischinger ein neues Lehrerdienst- und Besoldungsrecht verhandeln, dann hätte sie die internationalen Vergleichszahlen über Unterrichtsverpflichtung und Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer in den 34 OECD-Ländern prominent platziert, nämlich dass Lehrer in Österreich weniger unterrichten und auf allen Karrierestufen mehr verdienen als im OECD-Schnitt.

 

   Das muss sie als Bildungsdirektorin der OECD in Paris aber nicht, und so begann Ischinger am Dienstag – flankiert von Unterrichtsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle – bei der erstmals auch in Wien präsentierten Vergleichsstudie „Bildung auf einen Blick 2013" mit einem „Kompliment" an Österreich und sehr guten Nachrichten für „das gut ausgebaute Berufsausbildungssystem". Diesem (Berufsschule/Lehre, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS) sei es zu verdanken, dass Österreich die Wirtschaftskrise „relativ gut überstanden" habe mit vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenquoten und einem der niedrigsten Prozentsätze von Jugendlichen in Europa, die weder beschäftigt noch in Ausbildung sind.

 

   Die Weder-noch-Jugend

 

   Gerade die Jugend sei während der weltweiten Rezession in vielen Ländern besonders hart getroffen worden. Österreich gehöre neben Deutschland, Schweiz und Türkei aber zu den wenigen Ländern, in denen die Zahl dieser Weder-noch-Jugendlichen zwischen 15 und 29 trotz Krise sogar gesunken (auf rund zehn Prozent) oder fast unverändert geblieben ist (OECD 2011: 16 Prozent, 2008: 14).

 

   „Von einem starken Berufsbildungssystem ist anzunehmen, dass es seinen Absolventen gute Arbeitsmarktqualifikationen verspricht", sagte Ischinger und lobte die „soliden Grundlagen: Da ist Österreich Vorbild". Dann das Aber: „In einer modernen Wissensgesellschaft steigt die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitnehmern. Da kann Österreich noch aufholen." Da muss Österreich aufholen, denn im Tertiärbereich, also im Hochschulsektor, gebe es „Defizite", betonte Ischinger im Standard-Gespräch.

 

   Nicht nur, dass in einem System, das so stark auf Berufsbildung setze, Durchlässigkeit in den Hochschulsektor immer wichtiger werde und die (zwar gestiegene) Studienanfängerzahl, aber auch jene der Absolventen (nur 65 Prozent schließen ab, nur 19 Prozent der 25- bis 64-Jährigen bzw. nur 21 Prozent zwischen 25 und 34 haben einen Uni-Abschluss) gesteigert werden müsste – ein Blick in die Welt zeige die Dringlichkeit, dass da etwas zu tun sei, sagte Ischinger in Richtung Töchterle.

 

   Er hatte angesichts der „strengen Rechnung" der OECD auf andere Berechnungsarten der EU verwiesen, die Österreich eine üppigere Akademikerquote bescherten. Das überzeugte die schmunzelnd-stirnrunzelnde OECD-Direktorin nicht: „China wird 2020 mehr Absolventen im Tertiärbereich haben als Europa Jugendliche. Der Zug geht in diese Richtung. Wenn Österreich konkurrenzfähig bleiben will, müssen die Zahlen hochgefahren werden."

 

   Dem widersprach Töchterle nicht, betonte aber: „Sämtliche Parameter zeigen nach oben, Österreich ist auf einem guten Weg", wenngleich noch „Hausaufgaben" offen seien. Die OECD-Empfehlung für Studiengebühren samt Darlehenssystem nahm er gern auf.

 

   Schmied unterstrich die „herausragenden Beschäftigungseffekte des beruflichen Bildungssystems", das Österreich in die „Oberliga bei der Jugendbeschäftigung" gebracht habe. Es sei aber auch jener Schulbereich, der sehr kostenintensiv sei, was sich in hohen Bildungsausgaben pro Schüler/-in niederschlage, aber: „Das sind Ausgaben, die sich rechnen."

 

    Nachhilfekosten in Österreich Seite 10

 

    SchülerStandard Seite 12

 

    Kommentar Seite 40

 

 

"Der Standard" vom 26.06.2013                                Seite: 9

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Üppige Ausgaben, dürftige Ergebnisse und ihre dicken Folgen

 

   DIE WICHTIGSTEN ERGEBNISSE

 

   Q Bildungsausgaben Österreichs Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung sind im Zehnjahresvergleich leicht gestiegen (2000: 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), 2010: 5,8 Prozent). Die anderen OECD-Länder haben diesen Anteil viel stärker gesteigert – im Schnitt 6,3 Prozent 2010.

 

   Q Öffentlich/privat Der Anteil öffentlicher Bildungsausgaben hat sich seit 2000 leicht erhöht (von 10,7 auf 11,2 Prozent), ist aber nach wie vor hinter dem OECD-Schnitt (2010: 13 Prozent). Der Anteil privater Bildungsausgaben liegt in Österreich bei nur neun Prozent (OECD: 16,4), was aus dem Fehlen von Studiengebühren resultiert. Umgekehrt verlangt Österreich im Kindergarten viel mehr privates Geld (27,8 Prozent, OECD: 17,9).

 

   Q Ausgaben pro Schüler/Student In Österreich 2010 von der Volksschule bis zur Hochschule kaufkraftbereinigt pro Kopf durchschnittlich 12.507 US-Dollar (9558 Euro) – weit über OECD-Schnitt (7092 Euro).

 

   Q Bildungsbeteiligung Der Anteil der Drei- bis Vierjährigen im Bildungssystem liegt mit 76 Prozent knapp über OECD-Schnitt (74). Mehr als jeder fünfte 15- bis 19-Jährige ist nicht in Ausbildung (Österreich 22 Prozent, OECD 16). Auch weiter unter OECD-Schnitt liegt der Anteil der 20- bis 29-Jährigen im Bildungssystem (Österreich: 25; OECD: 28). In der Gruppe zwischen 15 und 29 ist fast jeder Zehnte (9,8 Prozent) weder in Ausbildung noch berufstätig (OECD: 15,8 Prozent).

 

   Q Bildungsniveau Der Anteil von Personen mit mindestens einem Abschluss der Sekundarstufe II (z. B. Matura, Lehre) an den 25- bis 64-Jährigen ist in Österreich seit 1997 von 74 Prozent (OECD: 64) auf 82 Prozent im Jahr 2011 (OECD: 74) gestiegen. Der Anstieg auf geht das Konto der Hochschulen.

 

   Q Studienanfängerquote 2011 begannen in Österreich 68 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium (OECD: 79 Prozent), exklusive internationaler Studenten sind es 56.

 

   Q Akademikerquote 2011 lag der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in Österreich bei 19 Prozent (OECD-Schnitt: 32 Prozent).

 

   Q Kilos Erstmals wurde der Zusammenhang zwischen Übergewicht (BMI > 30) und Bildung untersucht: Je weniger gebildet, desto dicker. 2006 waren 24 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer ohne Sekundarbereich-II-Abschluss extrem übergewichtig, gegenüber sieben Prozent der Frauen und zwölf Prozent der Männer mit Tertiärabschluss. (nim) p www.oecd-ilibrary.org/education

 

 

"Der Standard" vom 26.06.2013                                Seite 10

Ressort: ALL InlandChronik

 

Walter Müller

 

Bundesland, Wien

 

„Die ahnungslosen Politiker haben keinen Tau"

 

Österreichs Familien geben im Schuljahr rund 118 Millionen Euro für Nachhilfe aus. Ein neues Schulsystem mit Unterricht und Übungen am Nachmittag würde den Nachhilfebedarf schlagartig halbieren, sagt Bildungsexperte Bernd Schilcher.

 

Wien/ Graz – Am Ende jeden Schuljahres wird abgerechnet. In den Lehrerkonferenzen werden die Jahresnoten ermittelt, daheim am Küchentisch wird ausgerechnet, was die Zeugnisnoten diesmal wieder gekostet haben, wie viel für die Nachhilfe hingelegt werden musste. Im Schnitt – so hat die Arbeiterkammer jetzt vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut IFES erheben lassen – zahlten betroffene Familien im Schuljahr für Nachhilfe mehr als 600 Euro.

 

Hochgerechnet von den Angaben der 2901 befragten Eltern werden im Jahr in Summe gut 118 Millionen Euro für Nachhilfestunden gezahlt. Den Großteil des Kuchens holen sich – laut einer zusätzlichen Erhebung der AK Steiermark – die privaten Lernhilfeinstitute. Ein Drittel der Familien schickt ihre Kinder in eine dieser Privateinrichtungen.

 

25 Prozent der Eltern engagieren Studenten, in einem weiteren Viertel jener Familien, die Nachhilfe für ein Kind benötigen, kümmern sich Verwandte oder Geschwister um die Lernhilfe. 18 Prozent wenden sich an Lehrer oder Professoren. Wobei der Lehreranteil etwas trügt. Unterm Strich verdienen die Berufspädagogen natürlich mehr als den 18-Prozent-Anteil, da ihre Nachhilfehonorare in der Regel höher sind als jene der Studierenden.

 

Rund die Hälfte der befragten Eltern fühlt sich jedenfalls finanziell durch die Ausgaben für Nachhilfe „sehr stark" oder zumindest „spürbar" belastet. Es treffe besonders die sozial und finanziell schwächer gestellten Haushalte, sofern bezahlte Nachhilfe überhaupt leistbar ist, heißt es in der AK. Die hohen Nachhilfekosten sind laut Erhebung aber nur ein Teil des Problems: Mehr als drei Viertel der Befragten gaben zu Protokoll, dass sie zu Hause regelmäßig mit ihren Kindern lernen müssen. Dabei fühlt sich der Großteil der Eltern meist überfordert, was in jeder fünften Familie zu innerfamiliären Konflikten führt. Sechs von zehn Eltern tun sich generell schwer, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen und das Wissen vor Tests oder Schularbeiten zu überprüfen. Ebenso viele haben damit zumindest in einzelnen Fächern große Probleme (speziell in Mathematik und Fremdsprachen).

 

„Lernen wird privatisiert"

 

Bildungsexperte Bernd Schilcher hält das Problem der Nachhilfe „grundsätzlich für einen Skandal". Die Ursache, warum in Österreich nach wie vor hohe Summen von den Familien für Nachhilfe aufgebracht werden müssen, liegt laut Schilcher in der „viel zu kurzen Schulzeit". „Im Jahr wird nur noch 180 Tage in der Schule gearbeitet, das ist für den Lernstoff und die Schüler einfach viel zu wenig Zeit. Das Lernen wird dann sozusagen privatisiert und ausgelagert", sagt der ehemalige steirische Landesschulratspräsident im Gespräch mit dem Standard.

 

Den Schülerinnen und Schülern werde in der kurzen verbleibenden Zeit der Unterrichtsstoff komprimiert „hineingedrückt", was zur Folge habe, dass „viele nicht mehr mitkommen und Nachhilfe brauchen". Dass an Österreichs Schulen an 185 Tagen nicht gearbeitet werde, sei im OECD-Vergleich ein alarmierender Wert (OECD-Vergleichsstudie auch Seite 9).

 

Die Lösung des Nachhilfeproblems sei „relativ einfach", sagt Schilcher. Es funktioniere nur über verschränkte Ganztagsschulformen mit einem vermehrten Angebot an Unterricht und Übungen am Nachmittag. Der Nachholbedarf würde sich schlagartig um die Hälfte reduzieren. Mit den jetzt angedachten „Sechs-Euro-Jobs für Hilfskräfte, die nur auf die Schüler aufpassen, damit sie am Nachmittag nicht abhauen", sei jedenfalls nichts gerichtet.

 

Die „ideologische Verbohrtheit" seiner Partei verhindere hier aber Änderungen. „Die ahnungslosen Spitzenpolitiker haben keinen Tau von der Schule. Sie wissen nur eines, dass sie von ihrer Meinung nicht abrücken", sagt Ex-ÖVP-Politiker Schilcher.

 

WISSEN

 

Großteil der Eltern ist überfordert

 

Mehr als 600 Euro gibt eine Familie, die Nachhilfe benötigt, in Österreich im Durchschnitt im Jahr für eine private Lernhilfe aus. Zwölf Prozent der 2901 befragten Eltern geben in der von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebenen IFES-Studie an, dass ihnen von der Schule nahegelegt worden sei, für ihr Kind eine Lernhilfe zu organisieren. Drei Viertel der Eltern sehen sich laut Studie gezwungen, zu Hause mit ihren Kindern zu lernen, ein Drittel sogar täglich. Der Großteil der Eltern, sechs von zehn befragten, gibt aber zu, ganz oder teilweise überfordert zu sein, ihren Kindern bei Schulaufgaben zu helfen. Vor allem in Mathematik und in den Fremdsprachen. Ein Drittel der Eltern wendet sich auf der Suche nach Lernhilfe für ihre Kinder an private Lerninstitute, 18 Prozent an Lehrer und Professoren, 25 Prozent an Studenten. Um den Rest kümmern sich Verwandte oder Freunde. (mue)

 

 

"Der Standard" vom 26.06.2013                               Seite: 40

Ressort: Kommentar

 

Lisa Nimmervoll

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

OECD-Bildungsvergleich

 

Sandwich-Dilemma

 

   In der österreichischen Schuldiskussion gibt es eine Tendenz zum Schlechtreden, Schlechtmachen, Schlechtfühlen. Und es gibt ja auch vieles, das nicht (mehr) funktioniert, das echt schlecht ist. Aber: Wenn etwas schlecht ist, kann vieles im selben System auch gut sein.

 

   Ein schöner Beweis ist die jüngste OECD-Studie „Bildung auf einen Blick 2013", die bestätigt, dass sich das traditionell starke berufsbildende Schulsystem in Österreich in der Wirtschaftskrise als funktionierende Firewall bewährt hat. Es ist dieses Segment, dem es gelingt, einen im OECD-Vergleich herausragenden Anteil an Absolventen so weit zu bringen, dass diese ihr Dasein auf dem Arbeitsmarkt bestreiten können. Mit Blick auf die verheerenden, demokratiepolitisch gefährlichen Jugendarbeitslosigkeitszahlen in Südeuropa ist das nicht hoch genug zu schätzen.

 

   Mit Blick auf das Tempo der globalen Entwicklungen und die massiven bildungspolitischen Investitionen vor allem der asiatischen Staaten wird das aber nicht reichen. Noch ist Österreich in der glücklichen Lage, dass frühere Investitionen in das Bildungsniveau der Bevölkerung Ernteerträge abwerfen – aber eine starke Berufsbildung alleine wird die Defizite im Hochschulsektor und im Elementarbildungsbereich auf Dauer nicht ausgleichen können. Dort muss investiert werden – ohne den Mittelteil dieses bildungspolitischen Sandwichs zu vernachlässigen. Passiert das nicht, ist auch der Belag des Sandwichs in Gefahr.

 

 

"Der Standard" vom 26.06.2013                               Seite: 12

Ressort: Schüler

 

Fabian Kretschmer

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Bildungsstandards: Lehrer unter Erfolgsdruck?

 

Überprüfungen erstmals an Volksschulen: Beschwerde über ausgeschlossenen Schüler

 

   Wien – Als der elfjährige Michael (Name geändert) am 28. Mai betrübt vom Schulunterricht nach Hause kam, dachten die Eltern, sie hören nicht recht: Enttäuscht erzählte ihr Sohn, dass er diesen Morgen beim Bildungsstandardtest nicht teilnehmen durfte. Während alle anderen Viertklässler die Mathematik-Überprüfung schrieben, sollte er im Klassenraum für eine bevorstehende Schularbeit üben. Michael fühlte sich ausgegrenzt und als „dummer Schüler" stigmatisiert.

 

   Tatsächlich verlief Michaels Entwicklung nicht normgemäß, weshalb der Viertklässler noch bis Ende des Jahres als Integrationsschüler läuft. Doch bereits jetzt wird er in allen Fächern im Rahmen des regulären Volksschulplans unterrichtet – und wäre dementsprechend verpflichtet, auch an den Bildungsstandardtests teilzunehmen. Nur Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder mangelnden Deutschkenntnissen sind davon ausgenommen. Heuer wurden erstmals alle 79.000 Viertklässler der österreichischen Volksschulen in Mathematik getestet.

 

   Am nächsten Morgen stellte Michaels Vater die Lehrerin zur Rede. Unter vorgehaltener Hand erfuhr er, dass die Pädagogin Angst hatte, ein leistungsschwacher Schüler würde den Gesamtschnitt ihrer Klasse runterziehen. Dies wiederum könne negative Rückschlüsse auf ihre Arbeit nach sich ziehen – befürchtet zumindest die Volksschullehrerin.

 

   „Das ist klassische Exklusion. Solch eine Vorgehensweise führt die Bildungsstandards ad ad absurdum", meint der enttäuschte Vater. Michaels Mutter fügt an: „Seit den Bildungsstandards geht's in der Klasse nur noch darum, die Tests möglichst positiv zu bestehen. Da sind die schwächeren Schüler nur mehr im Weg." Die Lehrerin möchte sich dazu nicht äußern, die Eltern von Michael wollen anonym bleiben.

 

   Handelt es sich hier um einen Einzelfall, oder versuchen Lehrer gezielt, aus subjektiv gefühltem Leistungsdruck heraus die Testergebnisse mit allen Mitteln nach oben zu drücken?

 

   Exzessive Vorbereitung

 

   Dem Stadtschulrat in Wien sind keine weiteren Fälle bekannt. Es wird darauf verwiesen, dass alle Lehrer bereits im Vorfeld der Bildungsstandardtests vollständige Schülerlisten an das für die Erhebung zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung (Bifie) schicken müssen. Dies erschwere den Ausschluss einzelner Schüler.

 

   Beim österreichischen Dachverband der Elternvereine gingen insgesamt 36 Anrufe rund um die Bildungsstandardtests von klagenden Eltern und Elternvertretern ein, der häufigste Kritikpunkt war die Vorbereitung der Lehrer: In vielen Schulen wurden Unterrichtsstunden anderer Fächer gestrichen, um die Klasse gezielt auf den Bildungsstandardtest in Mathematik vorzubereiten – oder die Testergebnisse zu manipulieren, wie erboste Eltern vermuten.

 

   „Die Lehrer nehmen sich so die Chance, herauszufinden, wie gut ihre Arbeit tatsächlich ist. Das sind latente Versagensängste einiger weniger Lehrer, die sich da äußern", meint Andreas Ehlers vom Dachverband der Elternvereine.

 

   Allerdings sei eine solch überstürzte Vorbereitung nicht zielführend: „Grundsätzlich geht's bei den Bildungsstandardtests um nachhaltig verfügbare Kompetenzen, die man in den ersten vier Jahren aufbauen soll – die kann man sich nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen aneignen", erklärt Simone Breit vom Bifie.

 

   Die Verunsicherung der Lehrer würde vor allem im Umgang mit den Daten wurzeln, meint Paul Kimberger von der Lehrergewerkschaft. Die an sich anonymen Ergebnisse der Tests werden in den jeweiligen Schulforen veröffentlicht, was gerade bei kleineren Schulen Klassenresultate direkt auf den jeweiligen Lehrer zuordnen lässt. Lehrer könnten daher befürchten, an den Pranger gestellt zu werden.

 

   Generell warnt Kimberger davor, die Ergebnisse der Bildungsstandardtests als in Stein gemeißelte Weisheiten zu betrachten: „Es können zwar Indikatoren herausgelesen werden, in welche Richtung unser Schulsystem tendiert – aber in der Schule geht es um Menschenbildung, da ist nicht alles messbar."

 

 

Krone – 26. Juni 2013

Österreichs Lehrer: Viel Gehalt für wenig Arbeit

Im OECD-Vergleich

Im Streit um eine höhere Unterrichtsverpflichtung im geplanten neuen Lehrerdienstrecht hat die Regierung am Dienstag indirekt Verstärkung durch die OECD erhalten. Die Ergebnisse der jüngsten Ausgabe der Studie "Bildung auf einen Blick 2013"  ("Education at a Glance") zeigen erneut: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als ihre Kollegen in den meisten anderen Industrienationen.

Die Unterrichtsverpflichtung ist einer der wesentlichen Knackpunkte bei der Reform des Lehrerdienstrechts. Die Regierung will sie von derzeit 20 bis 22 Wochenstunden auf 24 erhöhen. Paul Kimberger, Chefverhandler der Pflichtschullehrer, lehnt das als "Arbeitszeiterhöhung" ab.

Im Vergleich zum OECD- Schnitt müssen Österreichs Pädagogen derzeit wenig unterrichten: In der Volksschule ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr noch gering, im Sekundarbereich I (AHS- Unterstufe, Hauptschule/Neue Mittelschule) beträgt er indes 102 Stunden pro Jahr und im Sekundarbereich II (AHS- Oberstufe, berufsbildende mittlere Schulen) 75 Stunden. Die Zahl der Arbeitstage liegt mit 180 ebenfalls unter dem OECD- Schnitt.

Jahresarbeitszeit bei heimischen Pädagogen höher

Betrachtet man die Jahresarbeitszeit, die in zwei Dritteln der OECD- Länder zusätzlich zur Unterrichtsverpflichtung definiert wird und die in Österreich nur für Pflichtschullehrer (Volks- , Haupt- , Neue Mittelschule, Sonder- , Berufs- , Polytechnische Schule) vorgegeben ist, arbeiten heimische Pädagogen wiederum mehr als Kollegen in anderen OECD- Ländern. "Dies könnte darauf hindeuten, dass die Lehrkräfte in Österreich mehr Zeit für andere Tätigkeiten verwenden können, zum Beispiel die Stundenplanung und die Korrektur von Hausaufgaben und Klassenarbeiten", heißt es im Österreich- Länderbericht zur Studie .

Lehrergehälter in allen Schultypen höher als OECD- Schnitt

Beim Einkommen sind Pädagogen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen bessergestellt als im OECD- Schnitt. Lagen 2011 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt (31.500 US- Dollar, kaufkraftbereinigt) und das Gehalt nach 15 Jahren (41.633 Dollar) über dem OECD- Schnitt (Einstieg: 28.900 Dollar, nach 15 Jahren: 38.136 Dollar), ist der Einkommensvorsprung beim Höchstgehalt mit rund 62.100 Dollar noch wesentlich größer (OECD: 45.600 Dollar).

Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (rund 33.000 Dollar Startgehalt, 45.105 Dollar nach 15 Jahren, rund 64.500 Dollar Endgehalt; OECD: 30.200 Dollar Startgehalt, 39.934 Dollar nach 15 Jahren bzw. 48.200 Dollar Endgehalt) und der Sekundarstufe II (Ö: 33.400 Dollar, 46.317 Dollar bzw. 67.400 Dollar; OECD: 31.300 Dollar, 41.665 Dollar bzw. 50.100 Dollar).

Vor allem Endgehälter sehr hoch

Dabei landet Österreich bei den Anfangsgehältern jeweils im Drittel mit den besten Lehrergehältern, das Endgehalt wird nur noch von wenigen Ländern wie Deutschland, Südkorea, Luxemburg und der Schweiz übertroffen. Auch beim Gehalt pro Unterrichtsstunde (nach 15 Berufsjahren) liegen österreichische Lehrer teils deutlich über dem OECD- Schnitt.

Unterstützung gibt es von der OECD für die Pläne, Einkommensunterschiede zwischen Pflicht- und Bundesschullehrern auch durch eine gleichwertige Ausbildung auszugleichen: "Die strukturellen und finanziellen Änderungen dürften auch dazu betragen, die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern, was in Anbetracht des hohen Anteils an Lehrern nahe dem Renteneintrittsalter besonders wichtig ist", heißt es in dem Papier. Gleichzeitig zeigt die Studie allerdings auf, dass in den meisten OECD- Staaten Lehrer höherer Schulstufen besser verdienen als Pädagogen im Volksschul- bzw. unteren Sekundarbereich.

Weiterhin Aufholbedarf bei der Akademikerquote

Die OECD- Studie beleuchtet auch den Bildungsstand in den untersuchten Ländern und zeigt, dass dieser in Österreich grundsätzlich hoch ist, bei der Akademikerquote aber nach wie vor Aufholbedarf besteht. Demnach haben 82 Prozent der Österreicher im Erwerbsalter mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe II (z.B. Matura oder Lehre), im OECD- Vergleich sind es nur 74 Prozent. Bei der tertiären Bildung sieht es schlechter aus: Nur 19 Prozent der Österreicher im Alter von 25 bis 64 Jahren verfügen über einen Hochschulabschluss, in der OECD sind es 32 Prozent.

 

 

"Kurier" vom 26.06.2013                                    Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Wi, Abend, Bgld, Länder, N.Ö., N.Ö./Industrieviertel, N.Ö./Mitte, N.Ö./Weinviertel, Oberösterreich, Wi, Morgen

 

bildungsstudie

 

Österreichs Lehrer unterrichten weniger

 

OECD.Pädagogen verdienen vergleichsweise gut

 

   Eine neue OECD-Studie gibt der Regierung Rückenwind für die Verhandlungen über das Lehrerdienstrecht: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als die meisten ihrer Kollegen in anderen Industrienationen. Die OECD kritisiert weiters, dass Österreichs Bildungssystem zu den teuersten weltweit zählt.

 

   ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger wird am Donnerstag mit den VP-Gewerkschaftern über das Dienstrecht verhandeln. Die Stimmung im Vorfeld ist schlecht. Bildungsministerin Claudia Schmied wirft der Gewerkschaft im KURIER-Interview Respektlosigkeit vor.

 

   POLITIK3

 

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Kurier - 26. Juni 2013

OECD: Lob für Österreich, Schelte für Lehrer. Laut OECD arbeiten heimische Lehrer im internationalen Vergleich nicht nur weniger, sie verdienen auch mehr als ihre Kollegen. Das kommt der Regierung im Dienstrecht-Streit gerade recht.

Es wirkt wie sehr viel Wasser auf die Mühlen der Regierung, was die OECD in einer aktuellen Studie beschreibt: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als die meisten ihrer Kollegen in anderen Ländern. Und damit nicht genug, kritisiert die OECD, dass Österreichs Bildungssystem zu den teuersten weltweit zählt, was die Kosten pro Schüler betrifft.

Überdurchschnittlich

Bei der Arbeitszeit heißt das konkret: In der Volksschule wird im OECD-Schnitt 790 Stunden unterrichtet, in Österreich nur 779 Stunden. Bei den 10- bis 14-Jährigen (Sekundarstufe I) ist der Unterschied mit 102 Stunden schon größer (Österreich 607 Stunden, OECD-Schnitt bei 709 Stunden). In der Sekundarstufe II (14- bis 19-Jährige) beträgt der Unterschied zum OECD-Schnitt 75 Stunden.

Ähnliches gilt beim Vergleich der Lehrer-Löhne: Die OECD vergleicht hier jeweils die Gehälter der Lehrer in Volksschulen, Unterstufen und Oberstufen, zu Beginn, nach 15 Jahren Arbeit und am Ende einer Lehrerkarriere. In allen Werten liegen die heimischen Pädagogen über dem (kaufkraftbereinigten) OECD-Schnitt. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass etwa im Nachbarland Deutschland die Lehrereinkommen deutlich über jenen der Österreicher liegen.

Bildungsministerin Claudia Schmied sieht sich durch die Studie in ihrer Haltung gegenüber der Gewerkschaft bestätigt (siehe Info unten). Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kontert via KURIER: „Wir werden dauernd konfrontiert mit Studien, man kann die immer deuten, wie man es haben möchte."

Generell ist der Bildungsstandard laut OECD-Studie in Österreich hoch. Dank der gut ausgebauten beruflichen Bildung hat Österreich die Wirtschaftskrise „relativ gut überstanden. Hier ein Kompliment an Österreich", lobt die Chefin der OECD-Bildungssparte, die Deutsche Barbara Ischinger, bei der Präsentation in Wien.

Dank der dualen Ausbildung in Österreich, also etwa über Berufsschulen und Lehre und den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, die mittlerweile ein Beispiel gebendes Modell für viele andere Staaten geworden sind, ist die Arbeitslosenquote unter den Nicht-Akademikern in Österreich vergleichsweise gering. 44 Prozent der 15- bis 29-Jährigen sind in Österreich berufstätig (im OECD-Schnitt nur 37 Prozent).

Die Zahl derer, die weder in Ausbildung noch in einem Job sind, ist trotz Krise gesunken. „Länder wie Spanien, Griechenland und Portugal können Sie da nur beneiden", sagt die OECD-Expertin.

Akademikerquote

Kritik gab es – wie jedes Jahr – an der niedrigen Akademikerquote Österreichs (19 Prozent zu 32 Prozent im OECD-Schnitt). Allerdings werden die Regeln, was als akademische Ausbildung zählt, gerade geändert. Österreich darf hier in Kürze einen statistischen Sprung erwarten, weil es sehr viele „mehrjährige post-sekundäre Ausbildungen" gibt, die bisher nicht dazu gezählt wurden. Außerdem, betonte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, bildet Österreich seit Jahren mehr Akademiker aus.

Nicht gelten lässt Ischinger das Argument, dass etwa in Spanien die Jugend sehr gut ausgebildet und dennoch zu einem großen Teil arbeitslos ist: „Selbst in Ländern wie Spanien ist die Arbeitslosenquote unter Akademikern nicht gestiegen. Auch dort gibt eine akademische Ausbildung mehr Sicherheit im Arbeitsleben. Diese Qualifikationen sind Sicherheitsnetze."

 

 

Kurier - 26. Juni 2013

OECD: Lob für Österreich, Schelte für Lehrer. Laut OECD arbeiten heimische Lehrer im internationalen Vergleich nicht nur weniger, sie verdienen auch mehr als ihre Kollegen. Das kommt der Regierung im Dienstrecht-Streit gerade recht.

Es wirkt wie sehr viel Wasser auf die Mühlen der Regierung, was die OECD in einer aktuellen Studie beschreibt: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als die meisten ihrer Kollegen in anderen Ländern. Und damit nicht genug, kritisiert die OECD, dass Österreichs Bildungssystem zu den teuersten weltweit zählt, was die Kosten pro Schüler betrifft.

Überdurchschnittlich

Bei der Arbeitszeit heißt das konkret: In der Volksschule wird im OECD-Schnitt 790 Stunden unterrichtet, in Österreich nur 779 Stunden. Bei den 10- bis 14-Jährigen (Sekundarstufe I) ist der Unterschied mit 102 Stunden schon größer (Österreich 607 Stunden, OECD-Schnitt bei 709 Stunden). In der Sekundarstufe II (14- bis 19-Jährige) beträgt der Unterschied zum OECD-Schnitt 75 Stunden.

Ähnliches gilt beim Vergleich der Lehrer-Löhne: Die OECD vergleicht hier jeweils die Gehälter der Lehrer in Volksschulen, Unterstufen und Oberstufen, zu Beginn, nach 15 Jahren Arbeit und am Ende einer Lehrerkarriere. In allen Werten liegen die heimischen Pädagogen über dem (kaufkraftbereinigten) OECD-Schnitt. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass etwa im Nachbarland Deutschland die Lehrereinkommen deutlich über jenen der Österreicher liegen.

Bildungsministerin Claudia Schmied sieht sich durch die Studie in ihrer Haltung gegenüber der Gewerkschaft bestätigt (siehe Info unten). Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kontert via KURIER: „Wir werden dauernd konfrontiert mit Studien, man kann die immer deuten, wie man es haben möchte."

Generell ist der Bildungsstandard laut OECD-Studie in Österreich hoch. Dank der gut ausgebauten beruflichen Bildung hat Österreich die Wirtschaftskrise „relativ gut überstanden. Hier ein Kompliment an Österreich", lobt die Chefin der OECD-Bildungssparte, die Deutsche Barbara Ischinger, bei der Präsentation in Wien.

Dank der dualen Ausbildung in Österreich, also etwa über Berufsschulen und Lehre und den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, die mittlerweile ein Beispiel gebendes Modell für viele andere Staaten geworden sind, ist die Arbeitslosenquote unter den Nicht-Akademikern in Österreich vergleichsweise gering. 44 Prozent der 15- bis 29-Jährigen sind in Österreich berufstätig (im OECD-Schnitt nur 37 Prozent).

Die Zahl derer, die weder in Ausbildung noch in einem Job sind, ist trotz Krise gesunken. „Länder wie Spanien, Griechenland und Portugal können Sie da nur beneiden", sagt die OECD-Expertin.

Akademikerquote

Kritik gab es – wie jedes Jahr – an der niedrigen Akademikerquote Österreichs (19 Prozent zu 32 Prozent im OECD-Schnitt). Allerdings werden die Regeln, was als akademische Ausbildung zählt, gerade geändert. Österreich darf hier in Kürze einen statistischen Sprung erwarten, weil es sehr viele „mehrjährige post-sekundäre Ausbildungen" gibt, die bisher nicht dazu gezählt wurden. Außerdem, betonte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, bildet Österreich seit Jahren mehr Akademiker aus.

Nicht gelten lässt Ischinger das Argument, dass etwa in Spanien die Jugend sehr gut ausgebildet und dennoch zu einem großen Teil arbeitslos ist: „Selbst in Ländern wie Spanien ist die Arbeitslosenquote unter Akademikern nicht gestiegen. Auch dort gibt eine akademische Ausbildung mehr Sicherheit im Arbeitsleben. Diese Qualifikationen sind Sicherheitsnetze."

 

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Claudia Schmied

"Gewerkschaft lässt Respekt vermissen"

Ministerin kritisiert Wahlkampftöne

Kommende Woche findet die bereits 29. Gesprächsrunde zwischen Regierung und Gewerkschaft zum Lehrerdienstrecht statt.

KURIER: Gibt Ihnen die OECD-Studie Rückenwind für die Dienstrecht-Verhandlungen?

Claudia Schmied: Ja. Die Studie bringt keine Argumente, um vom Regierungsvorschlag abzuweichen. Hat Ihnen Vizekanzler Spindelegger mit seiner Forderung nach 26 Präsenzstunden pro Woche für Lehrer für die Dienstrecht-Verhandlungen geholfen? Spindeleggers Aussagen beim Gewerkschaftskongress, wo er die Übereinstimmung mit den Lehrern signalisiert hat, waren andere als in der „Pressestunde". Die Regierungsarbeit wird bereits vom Wahlkampf überlagert. Das macht es nicht einfacher.

Spindelegger trifft morgen die Lehrergewerkschafter. Was erwarten Sie davon?

Wenn es ihm gelingt, an der sozialpartnerschaftlichen Kultur zu arbeiten, wäre das in meinem Sinn.

Was meinen Sie damit?

Die Sozialpartnerschaft ist ein hoher Wert in Österreich, es braucht aber auch eine konstruktive Kultur im Umgang miteinander. Die Aussagen mancher Lehrergewerkschafter lassen Respekt vermissen, wenn sie über Regierungsmitglieder sprechen.

Nur weil es Kritik gibt?Nein, ich orte da eine ziemliche Entwertungskultur. Außerdem schadet das Auf-die-lange-Bank-Schieben von Entscheidungen dem Ansehen des öffentlichen Sektors und begünstigt neoliberale Strömungen. Irgendwann könnte es dann heißen: Weniger Staat, mehr privat. Und das will ich bei der Bildung sicher nicht. Das wäre für den gesellschaftlichen Zusammenhalt fatal.

In drei Monaten wird gewählt, ein Dienstrecht ist noch immer nicht in Sicht. Geben Sie sich da eine Mitschuld?Nein. Wir haben im Mai 2012 den mit der ÖVP akkordierten Gesetzestext übermittelt, da war ausreichend Zeit.

Und bevor es ganz scheitert, vielleicht nur eine Punktation für die nächste Regierung, wie bei den Familienförderungen, statt einem Gesetz?Es geht immer weiter. Es wird auch das 62. Regierungsprojekt, das Dienstrecht, das Licht der Welt erblicken.

 

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Dienstrecht

Vizekanzler redet nur mit VP-Lehrern

Schlechte Stimmung vor dem Treffen mit Spindelegger

Am Donnerstag werden ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger und ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter mit den schwarzen Standesvertretern und Beamtenboss Fritz Neugebauer über das neue Lehrerdienstrecht reden. Die Voraussetzungen dafür, sich zu einigen, sind schlecht.

In der ÖVP ist man empört darüber, dass Lehrergewerkschaftschef Paul Kimberger sofort Nein gesagt hat – zu Spindeleggers Begehren, dass Pädagogen fortan 26 Stunden pro Woche an der Schule sein sollen. Kimberger zum KURIER: „Wenn man so etwas medial ausgerichtet bekommt, braucht man sich über die Reaktion nicht wundern. So etwas ist schlechter Stil. Guter Stil wäre gewesen, uns zu informieren, dass so ein Vorschlag kommt." Konter von ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch: „Es wird schon noch erlaubt sein, eigene Vorschläge zu bringen."

Dem roten Lehrergewerkschafter Heinrich Himmer missfällt Spindeleggers Tête-à-tête mit den Christgewerkschaftern: „Der Dienstgeber ist Ansprechpartner, nicht eine Partei." Das Ganze sei „ein wahltaktisches Manöver der ÖVP". Und was sagt er zu Spindeleggers 26-Schul-Stunden-Plan? „Es ist abwegig, über einen Vorschlag nachzudenken, der nicht konkretisiert ist."

Kanzler Werner Faymann bewertet Spindeleggers Vorstoß positiv: „Ich habe es als Unterstützung verstanden, dass sich der Herr Vizekanzler mehr Leistung an der Schule vorstellen kann." Die Regierung wolle ein Ergebnis, die Reform „nicht auf den St. Nimmerleinstag verschieben". Er will mit der Gewerkschaft erst reden, wenn Kimberger und SPÖ-Unterrichtsministerin Claudia Schmied auch bei der nächsten Verhandlung, am 3. Juli, nicht handelseins werden.

Danach sieht es aus: „Wir haben nach wie vor kein großes Reformpaket, wie versprochen, sondern ein Sparpaket auf dem Tisch", sagt Kimberger. Himmer hofft dennoch auf Konsens: „Beide Regierungsparteien wollen etwas zu Stande bringen. Nach der Wahl werden die Erfolgsaussichten nicht besser."

Bezahlung Die Regierung will die Gehaltskurve abflachen. Lehrer sollen anfänglich mehr und am Ende ihrer Dienstzeit weniger verdienen als heute. Die Gewerkschaft will vorerst aber nicht, dass alle Lehrer (Pflichtschule, AHS, BHS) gleich entlohnt werden. Erst wenn die Ausbildung vereinheitlicht sei, könne es auch eine einheitliche Bezahlung geben, sagen die Standesvertreter.

Arbeitszeit Die Unterrichtsverpflichtung sollte von 20 bis 22 auf 24 Wochenstunden steigen. Das lehnt die Gewerkschaft aber ab. Zuletzt hat ÖVP-Vizekanzler Michael Spindelegger 26 Stunden „Präsenzzeit" in der Schule vorgeschlagen. Auch das missfällt den Standesvertretern.

 

 

Heute - 26. Juni 2013

 

OECD bestätigt

Österreichs Lehrer unterrichten wenig, verdienen viel

Die Ministerinnen Schmied, Heinisch (beide SPÖ) und Fekter (ÖVP) können zum nächsten Termin mit der Lehrer-Gewerkschaft die druckfrische OECD-Studie mitnehmen.

 

Unser Schulsystem um 2.450 € über EU-Schnitt +++

Dort steht schwarz auf weiß, dass Österreichs Lehrer im Schnitt weniger arbeiten und mehr verdienen als international üblich! Die Gewerkschaft wehrt sich ja gegen eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer. Details, die Schmied und Töchterle (ÖVP) am Dienstag präsentierten:

·         Österreichs Pädagogen verdienen während der gesamten Laufbahn mehr als ihre ausländischen Kollegen.

·         Unsere Lehrer stehen bis zu 107 Stunden im Jahr weniger in der Klasse als im OECD-Schnitt – einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen um das Lehrerdienstrecht

 

 

Heute – 26. Juni 2013

 

So teuer sind Ausgaben/Schüler

Unser Schulsystem um 2.450 € über EU-Schnitt

 

Die jährlichen Ausgaben pro Schüler und Student liegen mit 9.550 Euro weit über den anderen Ländern mit 7.100 Euro. Die Bildungsausgaben seien sehr hoch.

Dank der gut ausgebauten beruflichen Ausbildung hat Österreich die Wirtschaftskrise "relativ gut überstanden". "Hier ein Kompliment an Österreich", lobte Barbara Ischinger vom OECD-Direktorat für Bildung bei der Präsentation des Österreich-Länderberichts zur aktuellen OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2013" (Education at a Glance) am Dienstag in Wien.

Gleichzeitig ortete sie Verbesserungsbedarf bei der Finanzierung der Hochschulbildung, wo die OECD für mehr Studiengebühren bei gleichzeitiger Einführung eines Systems von Zuschüssen und einkommensabhängigen Studiendarlehen plädiert.

Bei den Bildungsausgaben hob Ischinger hervor, dass Österreich eines der Länder mit dem geringsten Anteil privater Bildungsausgaben ist, wobei es dabei eine Schieflage gebe: Werden im Kindergarten 28 Prozent privat finanziert (OECD-Schnitt: 18), sind es im Tertiärbereich (Uni, FH etc.) zwölf Prozent (OECD: 32). Dabei stammen an den Hochschulen nur drei Prozent wirklich von privaten Haushalten, der Rest kommt aus anderen Quellen wie Unternehmen etc. Zurückzuführen sei dieses Bild größtenteils auf die nur von einem kleinen Teil der Studenten zu bezahlenden Studiengebühren, so Ischinger.

Wenig junge Arbeitslose
Die Arbeitslosenquote unter den Nicht-Akademikern sei in Österreich dank der starken Berufsausbildung (Berufsschule/Lehre, berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS) vergleichsweise gering, heißt es im Länderbericht. Gleichzeitig sind 44 Prozent der 15- bis 29-Jährigen berufstätig (OECD-Schnitt: 37) und die Zahl derer, die weder in Ausbildung noch am Arbeitsmarkt sind, ist trotz Krise gesunken. "Länder wie Spanien, Griechenland und Portugal können Sie da nur beneiden", lobte Ischinger das österreichische System, das eine "solide Grundlage" bilde und Vorbild für viele Länder sei.

 

 

Wiener Zeitung – 26. Juni 2013

 

Österreichs Lehrer unterrichten laut Studie weniger und verdienen besser

Österreich, das Lehrerparadies?

 

Von Petra Tempfer

 

  • Die Ergebnisse der internationalen OECD-Studie "Education at a Glance" wurden in Wien präsentiert.

 

 

Geht es nach Ministerin Schmied (l.), soll die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer auf 24 Stunden angehoben werden. Die Studienergebnisse, die sie gemeinsam mit Barbara Ischinger (M.) vom OECD-Direktorat und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle präsentierte, verbuchte sie als Rückenstärkung. apa/Robert Jäger

 

Wien. Im Streit um eine höhere Unterrichtsverpflichtung im geplanten neuen Lehrerdienstrecht hat die Regierung nun indirekt Verstärkung durch die OECD bekommen. Hat doch die aktuelle Studie "Education at a Glance 2013" (Bildung auf einen Blick) ergeben, dass Österreichs Lehrer im internationalen Vergleich weniger unterrichten, sich um weniger Schüler kümmern müssen - und dabei besser verdienen. Ganz so einfach ist die Rechnung laut Bildungsexperte Stefan Hopmann allerdings nicht. "Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen", sagt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", "die Berechnung der Unterrichtszeiten ist in den einzelnen Ländern komplett unterschiedlich." Die Studienergebnisse müssten daher differenziert betrachtet und relativiert werden.

Für Unterrichtsministerin Claudia Schmied sind sie indes "einmal mehr ein Beleg", dass am Regierungsvorschlag zum neuen Lehrerdienstrecht nichts geändert werden muss, wie sie am Dienstag betonte: Dieser sieht unter anderem vor, die Unterrichtsverpflichtung von derzeit 20 bis 22 auf 24 Stunden anzuheben; Vizekanzler Michael Spindelegger plädierte gar für eine 26-stündige Anwesenheitspflicht - die Gewerkschaft ist dagegen.

Blickt man auf die blanken Zahlen der OECD-Studie, ist man freilich versucht, in das Lehrer-Bashing miteinzustimmen: Demnach unterrichten Österreichs Pädagogen in der Volksschule um 11 Stunden, im Sekundarbereich I um 102 und im Sekundarbereich II um 75 Stunden pro Jahr weniger als der OECD-Schnitt. Beim Einkommen sind sie dafür zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen bessergestellt. Vor allem das Jahres-Endgehalt der Lehrer im Sekundarbereich II liegt um rund 17.000 US-Dollar (entspricht etwa 13.000 Euro) pro Jahr über dem OECD-Schnitt von 50.000 US-Dollar (38.000 Euro).

"Die OECD bedient sich dabei an den Eigendaten der Länder, was das Ergebnis verfälscht", lenkt Hopmann ein. Denn während Österreich die reinen Netto-Unterrichtszeiten angibt, sei es in anderen Ländern Usus, Pausen oder die Zeit für Verbesserungen in die Berechnungen miteinzubeziehen. Tatsächlich hat die Studie ebenfalls ergeben, dass Österreichs Pflichtschullehrer mehr Zeit mit unterrichtsfernen Tätigkeiten wie Bürokratie und Schulsozialarbeit verbringen als der OECD-Durchschnitt.

Administration statt Unterricht

Österreichs Lehrer scheinen daher nur auf den ersten Blick faul und überbezahlt, so Hopmann, der auch gleich eine Lösung parat hat: eine funktionale Arbeitsteilung zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern im Schulbereich. "In Österreich kommt auf 23 Lehrer eine administrative Arbeitskraft - in Norwegen ist das Verhältnis sieben zu eins", sagt er. Der Großteil der Industrienationen - außer Österreich - hätte bereits in den 80er Jahren damit begonnen, einen Teil der Pausen- oder Landschulwochen-Aufsicht auszulagern und an Nicht-Lehrkräfte zu übergeben. Denn: "Es gibt genug Aufgaben, für die man keine voll bezahlte Lehrkraft braucht, die viele Semester lang studiert hat." Gleichzeitig würden auf diesem Weg Lehrerkapazitäten fürs Unterrichten frei. Der Vorschlag der Regierung, Einkommensunterschiede zwischen Pflicht- und Bundesschullehrern durch eine gleichwertige Ausbildung anzugleichen, sei dadurch gerechtfertigt - Spindeleggers Anwesenheitspflicht hingegen "genau der falsche Weg".

Hohe Bildung, hohe Bildungsausgaben
Auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser forderte in einer ersten Reaktion auf die Studie eine administrative Entlastung der Lehrer und Entbürokratisierung des Schulsystems. Er kann sich Psychologen, Sozialarbeiter und Logopäden als fixe Arbeitskräfte einer Schule zur Unterstützung der Lehrer vorstellen.

Was den Bildungsstandard der Österreicher betrifft, so ist dieser laut Studie grundsätzlich hoch und über dem Durchschnitt. Auch die jährlichen Ausgaben pro Schüler respektive Student liegen mit rund 12.500 US-Dollar (9500 Euro) weit über dem OECD-Schnitt von 9300 US-Dollar (7100 Euro). Nur 19 Prozent der Österreicher im Alter von 25 bis 64 Jahren verfügen allerdings über einen Hochschulabschluss - in der OECD sind es 32 Prozent. Bedenklich? "Nein", so Hopmann, "auch hier muss relativiert werden." In den meisten anderen Ländern schließt man nämlich Berufsschulen mit einem akademischen Titel ab, was in Österreich nicht der Fall ist - und das Ergebnis verfälscht.

 

 

Wiener Zeitung – 26. Juni 2013

 

Gehälter liegen über dem OECD-Schnitt

Österreichs Lehrer unterrichten weniger und verdienen besser

 

 

  • Überdurchschnittliche Jahresarbeitszeit bei den Pflichtschullehrern.

 

Wien. Im Streit um eine höhere Unterrichtsverpflichtung im geplanten neuen Lehrerdienstrecht hat die Regierung am Dienstag indirekt Verstärkung durch die OECD erhalten. Die Ergebnisse der jüngsten Ausgabe der Studie "Bildung auf einen Blick 2013" (Education at a Glance) zeigen erneut: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als ihre Kollegen in anderen Industrienationen. Dabei haben laut Studie vor allem Lehrergehälter und Klassengröße großen Einfluss darauf, dass Österreichs Ausgaben pro Schüler zu den höchsten in der OECD gehören.

Die Unterrichtsverpflichtung ist einer der wesentlichen Knackpunkte bei der Reform des Lehrerdienstrechts. Die Regierung will sie von derzeit 20 bis 22 Wochenstunden auf 24 erhöhen, Gewerkschafts-Chefverhandler Paul Kimberger (FCG) lehnt das als "Arbeitszeiterhöhung" ab.

Im Vergleich zum OECD-Schnitt müssen Österreichs Pädagogen derzeit wenig unterrichten: In der Volksschule ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr noch gering (Ö: 779, OECD: 790), im Sekundarbereich I beträgt er indes 102 Stunden pro Jahr (Ö: 607, OECD: 709) und im Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, BMHS) 75 Stunden. Die Zahl der Arbeitstage liegt mit 180 ebenfalls unter dem OECD-Schnitt (185 in Primar- und Sekundarstufe I, 183 in AHS und BMHS).

Betrachtet man die Jahresarbeitszeit, die in zwei Drittel der OECD-Länder zusätzlich zur Unterrichtsverpflichtung definiert wird und die in Österreich nur für Pflichtschullehrer (Volks-, Haupt-, Neue Mittelschule, Sonder-, Berufs-, Polytechnische Schule) vorgegeben ist, arbeiten heimische Pädagogen wiederum mehr als Kollegen in anderen OECD-Ländern (Ö: 1.776 Stunden; OECD: 1.671 für Volks-, 1.667 für Sekundarstufe I). "Dies könnte darauf hindeuten, dass die Lehrkräfte in Österreich mehr Zeit auf andere Tätigkeiten verwenden können, z.B. die Stundenplanung und die Korrektur von Hausaufgaben und Klassenarbeiten", heißt es im Österreich-Länderbericht zur Studie.

Beim Einkommen sind Pädagogen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen bessergestellt als im OECD-Schnitt. Lagen 2011 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt (31.500 US-Dollar, kaufkraftbereinigt) und das Gehalt nach 15 Jahren (41.633 Dollar) über dem OECD-Schnitt (Einstieg: 28.900, nach 15 Jahren: 38.136) ), ist der Einkommensvorsprung beim Höchstgehalt mit rund 62.100 noch wesentlich größer (OECD: 45.600). Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (rund 33.000 Startgehalt, 45.105 nach 15 Jahren, rund 64.500 Endgehalt; OECD: 30.200 Startgehalt, 39.934 nach 15 Jahren bzw. 48.200 Endgehalt) und der Sekundarstufe II (Ö: 33.400, 46.317 bzw. 67.400; OECD: 31.300, 41.665 bzw. 50.100).

 

 

– 26. Juni 2013

Lehrerdienstrecht: Schmied setzt auf Sozialpartnerschaft

Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nimmt Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) beim Wort, was die Verhandlungen über ein neues Lehrerdienstrecht angeht.

Dessen Ankündigung, sich mit der ÖVP-dominierten Lehrergewerkschaft in Verhandlungen über eine Lösung noch vor der Wahl begeben zu wollen, begrüße sie sehr, sagte die Ressortchefin gestern in der ZIB24. Es brauche jetzt „dringend sozialpartnerschaftliche Kultur auch in der Lehrergewerkschaft".

Wenn sich Spindelegger nun „in Stellung bringt", sehe sie das als „große Chance, Bewegung in das Thema zu bringen". Sie hoffe sehr auf den Erfolg des Vizekanzlers, der ja auch ÖVP-Chef sei: Schmied verwies damit darauf, dass die Lehrergewerkschaft eben auch ÖVP-dominiert sei.

Gebremst wurde seitens der Unterrichtsministerin, was die Überlegungen von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) angeht, das Lehrerdienstrecht auch ohne Segen der Gewerkschaft umzusetzen. Faymann habe recht, dass das technisch möglich sei, auf der anderen Seite habe man aber in Österreich ein hohes Kulturgut der Sozialpartnerschaft, und daher plädiere sie dafür, auf dem Verhandlungsweg ins Ziel zu kommen.

 

 

– 26. Juni 2013

Gegen Trend zu kleinen Klassen

Im Streit um eine höhere Unterrichtsverpflichtung im geplanten neuen Lehrerdienstrecht hat die Regierung am Dienstag indirekt Verstärkung durch die OECD erhalten.

Die Ergebnisse der jüngsten Ausgabe der Studie „Bildung auf einen Blick 2013" („Education at a Glance") zeigen erneut: Österreichs Lehrer unterrichten im internationalen Vergleich weniger, müssen sich dabei um weniger Schüler kümmern und verdienen zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere besser als ihre Kollegen in anderen Industrienationen.

Dabei haben laut Studie vor allem Lehrergehälter und Klassengröße großen Einfluss darauf, dass Österreichs Ausgaben pro Schüler zu den höchsten in der OECD gehören. Die Unterrichtsverpflichtung ist einer der wesentlichen Knackpunkte bei der Reform des Lehrerdienstrechts. Die Regierung will sie von derzeit 20 bis 22 Wochenstunden auf 24 erhöhen, Gewerkschaftschefverhandler Paul Kimberger (FCG) lehnt das als „Arbeitszeiterhöhung" ab.

Größte Differenz im Sekundarbereich

Im Vergleich zum OECD-Schnitt müssen Österreichs Pädagogen derzeit wenig unterrichten: In der Volksschule ist der Unterschied mit elf Stunden pro Jahr noch gering (Ö: 779, OECD: 790), im Sekundarbereich I beträgt er indes 102 Stunden pro Jahr (Ö: 607, OECD: 709) und im Sekundarbereich II (AHS-Oberstufe, BMHS) 75 Stunden. Die Zahl der Arbeitstage liegt mit 180 ebenfalls unter dem OECD-Schnitt (185 in Primar- und Sekundarstufe I, 183 in AHS und BMHS).

Betrachtet man die Jahresarbeitszeit, die in zwei Drittel der OECD-Länder zusätzlich zur Unterrichtsverpflichtung definiert wird und die in Österreich nur für Pflichtschullehrer (Volks-, Haupt-, Neue Mittelschule, Sonder-, Berufs-, Polytechnische Schule) vorgegeben ist, arbeiten heimische Pädagogen wiederum mehr als Kollegen in anderen OECD-Ländern (Ö: 1.776 Stunden, OECD: 1.671 für Volks-, 1.667 für Sekundarstufe I). „Das könnte darauf hindeuten, dass die Lehrkräfte in Österreich mehr Zeit auf andere Tätigkeiten verwenden können, z. B. die Stundenplanung und die Korrektur von Hausaufgaben und Klassenarbeiten", heißt es im Österreich-Länderbericht zur Studie.

Bei Endgehältern im höchsten Bereich

Beim Einkommen sind Pädagogen in Österreich zu jedem Zeitpunkt ihrer Karriere und in allen Schultypen besser gestellt als im OECD-Schnitt. Lagen 2011 bei Volksschullehrern schon das Einstiegsgehalt (31.500 US-Dollar, kaufkraftbereinigt) und das Gehalt nach 15 Jahren (41.633 Dollar) über dem OECD-Schnitt (Einstieg: 28.900, nach 15 Jahren: 38.136), ist der Einkommensvorsprung beim Höchstgehalt mit rund 62.100 noch wesentlich größer (OECD: 45.600 Dollar).

Ähnlich verhält es sich in der Sekundarstufe I (rund 33.000 Startgehalt, 45.105 nach 15 Jahren, rund 64.500 Endgehalt; OECD: 30.200 Startgehalt, 39.934 nach 15 Jahren bzw. 48.200 Endgehalt) und der Sekundarstufe II (Ö: 33.400, 46.317 bzw. 67.400; OECD: 31.300, 41.665 bzw. 50.100).

Dabei landet Österreich bei den Anfangsgehältern jeweils im Drittel mit den besten Lehrergehältern, das Endgehalt wird nur noch von wenigen Ländern wie Deutschland, Südkorea, Luxemburg und der Schweiz übertroffen. Auch beim Gehalt pro Unterrichtsstunde (nach 15 Berufsjahren) liegen österreichische Lehrer teils deutlich über dem OECD-Schnitt (Volksschule: Ö: 53, OECD: 49 Dollar; Sekundarstufe I: Ö: 74, OECD: 58 Dollar, Sekundarstufe II: Ö: 79, OECD: 66 Dollar).

Verzerrung durch unterschiedliche Daten

Im Vergleich zu anderen Akademikern stehen Lehrer in Österreich allerdings weniger gut da: So verdient ein Lehrer in der Volksschule gerade einmal 57 Prozent des durchschnittlichen Akademikergehalts, in der Sekundarstufe I sind es 62 und in der Sekundarstufe II 64 Prozent (OECD: 82 bzw. 85 und 89 Prozent). Zu Verzerrungen des OECD-Vergleichs könnte führen, dass in Österreich mangels Daten nicht der Gesamtdurchschnitt der Lehrergehälter herangezogen wird, sondern der (geringere) Wert nach 15 Jahren.

OECD für Attraktivierung des Berufs

Unterstützung gibt es von der OECD für die Pläne, Einkommensunterschiede zwischen Pflicht- und Bundesschullehrern auch durch eine gleichwertige Ausbildung auszugleichen: „Die strukturellen und finanziellen Änderungen dürften auch dazu betragen, die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern, was in Anbetracht des hohen Anteils an Lehrern nahe dem Renteneintrittsalter besonders wichtig ist." Gleichzeitig zeigt die Studie allerdings auf, dass in den meisten OECD-Staaten Lehrer höherer Schulstufen besser verdienen als Pädagogen im Volksschul- bzw. unteren Sekundarbereich.

Kritisch kommentiert wird unterdessen der OECD-weite Trend zu kleineren Klassen, in die auch in Österreich seit Jahren investiert. So saßen 2011 in Österreichs Volksschulen im Schnitt 18,2 Kinder in einer Klasse (OECD: 21,2) - nur in Estland, Griechenland, Luxemburg, Russland und der Slowakei waren es noch weniger.

Im Sekundarbereich I (AHS-Unterstufe, Hauptschule/Neue Mittelschule) lag die durchschnittliche Klassengröße bei 21,3 Schülern pro Klasse (OECD: 23,3), damit liegt Österreich im Mittelfeld. Laut OECD gibt es allerdings nur „schwache" Hinweise darauf, dass kleinere Klassen die Lernerfolge verbessern oder dass mehr Zeit für Unterrichten und weniger für Ordnungsrufe verwendet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

 

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