Freitag, 28. Juni 2013

Neue Mittelschule: Grüne und Ex-Bifie-Chef Haider für Stopp

APA0271 II, XI 28.06.2013 12:47:46

 

Neue Mittelschule: Grüne und Ex-Bifie-Chef Haider für Stopp

Utl.: Kein Schritt zur Gesamtschule, keine Verbesserung der Leistungen - Unterrichtsministerium: Kommt überhaupt nicht infrage

Unterstufe/Die Grünen/Österreich

Die Grünen und der ehemalige Chef des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Günter Haider, fordern einen Stopp des Ausbaus der Neuen Mittelschule (NMS). Die NMS sei weder ein Schritt zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen noch ein attraktiver Schultyp und habe zumindest keine Verbesserung der Leistungen gebracht, so Haider bei einer Pressekonferenz am Freitag. Im Herbst 2013 sollen zwar noch Schüler normal eine NMS beginnen. Ob im Herbst 2014 das Projekt fortgesetzt wird, dürfe aber erst nach einer seriösen Evaluierung entschieden werden. Im Unterrichtsministerium lehnt man einen Stopp der NMS dagegen ab. Sämtliche Daten zeigten, dass sich die Bildungschancen der Schüler verbessert hätten.

Die ersten NMS wurden vor rund fünf Jahren gestartet. "Die Bedenken wachsen aber immer mehr, ob dieses Modell wirklich Vorteile bringt", so Haider. Der Bildungswissenschafter zeichnete unter anderem für die bisherigen PISA-Studien verantwortlich und war bis vor kurzem Direktor des Bifie. Sein Vertrag wurde von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nicht mehr verlängert.

Die NMS sei alles andere als eine Gesamtschule, betonte Haider. Und sie führe auch nicht zu einer solchen, ganz im Gegenteil. Die Anteile der Zehn- bis 14-Jährigen an den AHS-Unterstufen sei seit Einführung der NMS sogar gewachsen und werde bei gleichbleibender Entwicklung von 33 Prozent bis 2030 auf 42 Prozent steigen. "Die NMS ist kein Weg zur Gesamtschule." Bis 2030 würden die AHS rund 30.000 Schüler dazugewinnen, die der NMS "davonlaufen".

Auch leistungsmäßig habe die NMS zu keinen Verbesserungen geführt, meinte Haider. Zwar dürfe man die im Vorjahr erstmals österreichweit erhobenen Bildungsstandards wegen der geringen NMS-Stichprobe und des Modellcharakters der Schulen nicht eins zu eins heranziehen, eines sei aber klar: "Es wird zumindest nicht besser." Wenn man sich die Zahlen genauer anschaue, könne man sagen: "Da könnte ein zusätzliches Leistungsproblem auftauchen."

Dass die Zahl der AHS-Berechtigungen an den NMS gegenüber den Hauptschulen zugenommen hat, lässt Haider nicht als Argument für einen Leistungszuwachs gelten. "Wenn es nach objektiven Kriterien keine Verbesserungen gegeben hat, aber bessere Zeugnisse herauskommen, kann jeder seine eigenen Schlüsse ziehen." Um diesen Widerspruch zu klären, bedürfe es einer objektiven Untersuchung.

Insgesamt ist für Haider "völlig unklar, ob die NMS die Wirkungen erzielt hat, die intendiert waren". Daher solle der weitere Ausbau angehalten und müssten zunächst die Evaluierungsergebnisse abgewartet werden.

Auch Walser sieht bei der NMS "sämtliche Versprechungen nicht eingehalten". Diese sei vor allem kein geeignetes Mittel, die Bildungsarmut aufzuhalten, die Ungleichheit wachse weiter. "Wir sind auf einem falschen Weg." Für Walser ist klar, dass ab Herbst 2014 keine neuen Schüler mehr an NMS aufgenommen werden dürfen. Er will aber nicht zurück zur alten Hauptschule: "Wir müssen in Richtung gemeinsame Schule gehen."

Aus dem Büro Schmieds hieß es dagegen: "Eine Einstellung der Neuen Mittelschule kommt überhaupt nicht infrage. Das widerspricht sämtlichen Daten." Die Fakten würden für sich sprechen: Man habe die Chancen der Schüler auf einen höheren Bildungsabschluss nachweislich gesteigert. "Die echten Fakten zeigen, dass Haider und Walser auf dem Holzweg sind."

(schluss) aku;jle;jul

realisiert durch das SPÖ ITZ

 

 

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