Montag, 1. Juli 2013

2013.07.01/06.30.+29.: Newsletter Unterricht

 

Österreich – 1. Juli 2013

 

 

"Staatskunde" 

Kurz will heimische Werte als Schulfach

Integrations-Staatssekretär sieht "großen Bedarf." Schmied steuert gegen.

Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) fordert ein zusätzliches Pflichtfach "Staatskunde" ab der fünften Schulstufe. "Ich sehe einen großen Bedarf an Wertevermittlung. Viele, die hier geboren sind, haben dennoch wenig Bezug zu diesem Land", sagt Kurz. Im Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat man den Vorschlag des VP-Politikers aus den Medien erfahren und sieht keinen Bedarf für ein zusätzliches Pflichtfach.

"Dieser Wunsch ist nicht an uns herangetragen worden", sagte Schmieds Sprecher am Sonntag. Er verweist außerdem darauf, dass die politische Bildung der Schüler schon jetzt im Geschichtsunterricht am Programm steht: "Politische Erziehung ist Teil des Lehrplanes." Eine Änderung sei in dieser Legislaturperiode nicht mehr möglich.

Kurz' Sprecher betont, "Staatskunde" solle als neuer Pflichtgegenstand zusätzlich zum Geschichtsunterricht eingeführt werden. Die fünfte Schulstufe entspricht der ersten Klasse Hauptschule, Neue Mittelschule und Gymnasium. Der Staatssekretär sieht seinen Vorschlag in Zusammenhang mit der kommenden Donnerstag im Nationalrat anstehenden Novelle des Staatsbürgerschaftsrechts, die Erleichterungen bei der Einbürgerung gut integrierter Ausländer bringt.

 

 

Österreich – 1. Juli 2013

 

 

Kanzler schaltet sich ein  

Showdown im Lehrer-Chaos

Am Mittwoch treffen noch einmal die drei Ministerinnen mit den Lehrern zusammen.

Entscheidende Runde im Poker um ein neues Lehrer-Dienstrecht. Am Mittwoch treffen noch einmal die drei Ministerinnen Claudia Schmied, Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und Maria Fekter (ÖVP) mit den ÖVP-nahen Lehrer-Gewerkschaftern rund um Paul Kimberger zusammen.

Gewerkschaft will jetzt über Arbeitszeit-Studie reden
Schmied wird noch einmal versuchen, die Lehrer für ein neues Dienstrecht mit einer flacheren Gehaltskurve und mehr Unterstützungspersonal zu gewinnen. „Wir müssen aufs Tempo drücken", sagte sie zu
ÖSTERREICH. Dafür will sie ein nachgebessertes Angebot vorlegen.

Die Vorzeichen stehen aber denkbar schlecht. Kimberger hat den Entwurf bereits im Vorfeld zur
ückgeworfen: Das ist überhaupt nichts Neues", sagt er.

Die Gewerkschaft will am Mittwoch vor allem über die Arbeitszeit der Lehrer – sie sollen künftig 24 bis 26 Stunden unterrichten – sprechen und eine Studie dazu in Auftrag geben.

Faymann erhöht jetzt das Tempo bei Verhandlung

Um das Dienstrecht noch zu retten, schaltet sich jetzt auch SP-Kanzler Werner Faymann ein. „Ich appelliere an ÖVP und Gewerkschaft, ihre Blockade-Haltung aufzugeben", sagt er im ÖSTERREICH-Gespräch.

Sollten die Verhandlungen am Mittwoch scheitern, will die SPÖ nicht länger warten. Wie SP-Granden berichten, will Faymann Spindelegger einen fertigen Gesetzes-Entwurf übergeben.

Faymann: "Ich appelliere an VP, Blockade zu beenden"

ÖSTERREICH: Am Mittwoch findet noch eine Verhandlungsrunde der drei Ministerinnen mit der Lehrergewerkschaft statt. Da wird nichts rauskommen, oder?
Werner Faymann: Es ist mir ein Anliegen, dass wir ein neues Lehrerdienstrecht zustande kriegen. Die Bildung ist der Schlüssel dafür, dass wir als Land erfolgreich bleiben. Die Zeit drängt. Wir sind der Lehrergewerkschaft mit unseren Vorschlägen schon sehr weit entgegengekommen.

ÖSTERREICH: Wollen Sie dann ohne Gewerkschaft ein Gesetz beschließen?
Faymann: Wir möchten gemeinsam mit den Lehrern eine Lösung finden. Ich appelliere an Gewerkschaft und ÖVP, ihre Blockadehaltung aufzugeben.

 

 

Österreich – 1. Juli 2013

 

 

SP an VP: „Sagt Ja – oder Lehrer- Gesetz ohne Gewerkschaft!"

Der Geduldsfaden der SPÖ-Granden mit Beamtengewerkschaftsboss Fritz Neugebauer dürfte endgültig vor dem Zerreißen sein.

Poker. Der Geduldsfaden der SPÖ-Granden mit Beamtengewerkschaftsboss Fritz Neugebauer dürfte endgültig vor dem Zerreißen sein.

ÖSTERREICH-Recherchen ergeben, dass die Roten bereits einen fertigen Gesetzesentwurf für das neue Lehrerdienstrecht in der Schublade haben.
Sollte die „Lehrergewerkschaft bei der Verhandlungsrunde zwischen den drei Ministerinnen (Maria Fekter, Claudia Schmied und Gabi Heinisch-Hosek) am Mittwoch wieder nur blockieren, wird Werner Faymann Spindelegger den Gesetzesentwurf überreichen", berichtet ein hochrangiger SPÖ-Mann.

Druck. Rein formal könnte die Regierung freilich ohne Zustimmung der Lehregewerkschaft einen Gesetzesantrag noch im Sommer ins Parlament einbringen. Dass VP-Viezkanzler Michael Spindelegger gegen seinen Gewerkschaftsboss Neugebauer stimmt, ist freilich nicht anzunehmen

Strache: Training, Bäder-Tour – und mit Family nach Ibiza

Geheim. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache trainiert laut Eigenangaben dreimal die Woche, um im Wahlkampf „physisch und psychisch fit zu bleiben", wie er ÖSTERREICH bekannte. Beobachter wollen gar wissen, dass Strache mittlerweile täglich trainiert, um für seine Bädertour (ab Anfang August) fit zu sein. Davor fliegt er mit Kindern, Freundin und Mutter nach Ibiza.

Vor Treffen von "Eva & Spindi"

Flirt. Vergangenen Sommer war der rot-grüne Flirt angesagt. In diesem Sommer läuft die politische Romanze zwischen Schwarz und Grün. Und weil das Verhältnis zwischen Grünen-Chefin Eva Glawischnig und VP-Chef Michael Spindelegger bislang unterkühlt war, soll es demnächst ein Tête-à-Tête der beiden geben.

 

 

"Kurier" vom 30.06.2013                                    Seite: 6

Ressort: Innenpolitik

 

N.Ö., Morgen

 

Arbeitszeit

 

Lehrerdienstrecht: Schmied-Angebot an Lehrer spaltet die Gewerkschaft

 

   Zwist."Aufs Tempo drücken" will SP-Bildungsministerin Claudia Schmied bei den Verhandlungen zum Lehrerdienstrecht, auch Kanzler Werner Faymann fordert in der Sonntags-Krone die ÖVP auf, die Blockadepolitik bei den Lehrern zu beenden.

 

   Wie berichtet soll ein nachgebessertes Angebot an die Gewerkschaft bei den Verhandlungen kommenden Mittwoch Bewegung in die Sache bringen. Einsteiger sollen etwa vorerst zwischen den Dienstrechts-Modellen wählen können, Tätigkeiten als Klassenvorstand werden in der Lehrpflicht berücksichtigt, Sonderzahlungen wie Prüfungstaxen bleiben.

 

   In der Gewerkschaft ist man angesichts des Schmied-Angebots gespalten: "Die Regierung bewegt sich. Es gibt ein Interesse nachzubessern", gibt es Lob von SP-Gewerkschafter Heinrich Himmer. "Es ist klug, die viele Arbeit, die in das Lehrerdienstrecht investiert wurde, bald zum Abschluss zu bringen."Alter Hut VP-Gewerkschafter Paul Kimberger hingegen ist vom Schmied-Angebot nicht beeindruckt. "Das ist kein neues Angebot." Er ortet nur leichte Veränderungen "bei einem Angebot, das uns seit gut einem Jahr vorliegt." Auch er will am 3. Juli "dem großen Reformpaket einen Schritt näher kommen". Einen Abschluss erwartet er nicht.

 

   Streitpunkte seien neben der Arbeitszeit und dem Unterstützungspersonal vor allem das Geld: "Wenn der Entwurf in Vollausbau geht, erspart sich die Regierung 800 Millionen Euro pro Jahr. Und Schmied will uns erklären, dass das kein Sparpaket ist."

 

   Kimberger vermisst Konzepte, wie man das Unterstützungspersonal integrieren könne, auch fehle ein Plan für die Reduktion von Verwaltungs-Aufgaben. Kimberger: "Rechnet man die hinzu, liegen wir bei der Gesamtarbeitszeit deutlich über dem OECD-Durchschnitt."

 

 

"Kronen Zeitung" vom 30.06.2013                            Seite: 3

Ressort: politik

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Kanzler Faymann erhöht Druck bei Lehrerverhandlungen:

 

"Die ÖVP sollte sich endlich von Neugebauer entfesseln"

 

Wien. - Den Wahlkampfspruch von Vizekanzler Michael Spindelegger von der "Entfesselung der Wirtschaft" dreht Bundeskanzler Werner Faymann jetzt um und sagt: "Die ÖVP sollte sich endlich von Neugebauer entfesseln." Damit ist die Blockade des Lehrergewerkschafters gegen die Reformen gemeint.

 

   Denn vor der nächsten Verhandlungsrunde um das neue Lehrerdienstrecht am kommenden Mittwoch stehen die Zeichen weiter auf Reform-Blockade. Eine Haltung, die Bundeslanzler Faymann "ausgerechnet bei der wichtigen Bildungsfrage überhaupt nicht verstehen kann". Vor allem, weil den Lehrern jetzt auch ein sogenanntes "Optionsrecht" eingeräumt wird. Demnach könnten neu eintretende Lehrer künftig sogar fünf Jahre lang auswählen, nach welchem System sie ihren Dienstvertrag haben möchten. Dazu kommen, wie berichtet, deutlich höhere Einstiegsgehälter, mehr Unterstützungspersonal etwa für administrative Tätigkeiten, für die Sozialarbeit und zur Sprachförderung.

 

   Dennoch wird von Teilen der Lehrergewerkschaft weiter Ablehnung signalisiert. Es ist sogar das Gerücht aufgetaucht, dass einige Lehrergewerkschafter nach den neun Wochen Sommerferien streiken wollen.

 

 

"Der Standard" vom 29.06.2013                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

SPÖ verhandelt trotz ÖVP-Lehrer-Deals weiter

 

Heinisch-Hosek will gemeinsame Lösung

 

   Wien – Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) reagierte zwar „verwundert" über den für sie „nicht nachvollziehbaren" Schulterschluss zwischen der ÖVP und den schwarzen Lehrervertretern von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG), an einen Abbruch der Verhandlungen über ein neues Lehrerdienst- und Besoldungsrecht denkt sie, die neben Unterrichtsministerin Claudia Schmied für die SPÖ verhandelt, aber nicht: „Wir wollen gemeinsam zu einer Lösung kommen." Dieselbe Haltung erwarte sie auch von ihren Gesprächspartnern.

 

   ÖVP-Chef Michael Spindelegger hatte bei einem Treffen Donnerstagabend mit den Christgewerkschaftern vereinbart, dass nun – anders als im Regierungsentwurf vorgesehen – auf ein Jahresarbeitszeitmodell hingearbeitet werden soll. Dazu müsse aber zuerst eine Arbeitszeitstudie gemacht werden. Grünen-Bildungssprecher Harald Walser sprach von einem „erbärmlichen Schauspiel". (nim)

 

 

"Die Presse" vom 29.06.2013                              Seite: 129

 

red

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Bildungsstatus muss verteidigt werden

 

   Schule. Eltern üben immer mehr Leistungsdruck auf ihre Kinder aus. Sie wollen den Kindern damit keinesfalls schaden. Im Gegenteil: Sie sollen bessere Berufschancen haben.

 

   Von Julia Neuhauser

 

   Generation Stress - Wenn Schule krank macht", so titelte das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Und zwar nicht im Jahr 1977 (siehe Artikel links), sondern im April 2013. Das Problem ist heute wie damals dasselbe - Kinder und Jugendliche klagen über die zunehmende Belastung in der Schule. Allein der Auslöser ist ein anderer.

 

   Während man in Österreich in den Siebzigern die Auswirkungen der Umstellung auf eine Fünftagewoche in der Schule fürchtete, sorgt in Deutschland seit einiger Zeit die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre für einen Aufschrei von Eltern und Schülern. Steigt der Stresspegel in der Schule - grundsätzlich bzw. durch derartige Schulreformen - tatsächlich stetig an oder ist das nur das subjektive Empfinden der Betroffenen?

 

   "Sowohl als auch", sagt Stefan Hopmann, Bildungswissenschaftler an der Universität Wien. Die Klage, dass Schüler unter enormem Stress stehen, sei so alt wie das öffentliche Schulsystem selbst und koche immer wieder neu auf. "Ich würde einmal ganz frech behaupten, dass Gymnasiasten in den 1920-Jahren nicht weniger zu tun hatten", sagt Hopmann. Ähnlich sieht das Bildungspsychologin Christiane Spiel: "Menschen haben die Tendenz, die Vergangenheit positiver zu bewerten als sie tatsächlich war." Außerdem habe Stress heutzutage mehr Akzeptanz. "Wer heute nicht gestresst ist, gerät in den Verdacht, zu wenig zu leisten", so Spiel.

 

   Das Argument, dass die Schüler nun mehr Lehrstoff zu bewältigen haben, will Hopmann nicht gelten lassen. Dabei ist es nicht von der Hand zu weisen, dass immer mehr Bereiche in den Fächerkanon aufgenommen werden sollen. Informatik etwa, aber auch die Wirtschaft kämpft seit Jahren um einen höheren Stellenwert in den allgemein bildenden Schulen. Das sei nie anders gewesen, sagt Hopmann. Schule habe stets Neues aufgenommen und Altes ausgeschieden. Mindestens 80 Prozent des Lehrplans würden von derartigen Neuerungen aber unberührt bleiben, so der Bildungswissenschaftler.

 

   Leistungshysterie plagt die Kinder

 

   Was die Schüler tatsächlich immer mehr in Stress versetzt, ist die Leistungshysterie, die sich in Österreich entwickelt habe, sagt Hopmann. Dabei spielen vor allem die Eltern eine nicht unwesentliche Rolle. Sowohl die Ober- als auch die Mittelschicht ist bemüht, die eigenen Kinder zu fördern. Im Auge haben sie dabei die Zukunft der Kinder - ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt, ihre Einkommen, ihr Sozialprestige. Der deutsche Soziologe Heinz Bude beschrieb das in einem "Presse"-Interview zuletzt so: "Für Bildungsaufsteiger ist es völlig inakzeptabel, dass ihre Kinder einen niedrigeren Bildungsabschluss haben als sie selbst." Bildung sei eben das Einzige, was die Mittelschicht ihren Kindern vererben kann.

 

   Um dieses Ziel zu erreichen, überschreiten sie auch so manche Grenzen. Druck wird dabei schon lange nicht mehr nur auf die eigenen Kinder, sondern zunehmend auch auf die Lehrer ausgeübt. Jahre vor der Einschulung des eigenen Kindes besuchen sie Schulen und prüfen die Kompetenzen der Volksschullehrerinnen. Wenn es dann darum geht, dass das eigene Kind einen Platz im Gymnasium erhalten muss, wird schon mal versucht, auf die Notenvergabe in der vierten Klasse Volksschule Einfluss zu nehmen.

 

   Ganztagsschule als Belastung?

 

   Abgesehen vom Leistungsdruck rückte in der Diskussion um die Fünftagewoche übrigens auch ein anderer Aspekt ins Zentrum: die zeitliche Belastung. Es wurde schon 1977 davor gewarnt, dass die Abschaffung der Sechstagewoche auf direktem Weg zur Ganztagsschule führe. Eine Horrorvorstellung für viele. Auch heute scheiden sich noch die Geister. Tendenziell wird die Ganztagsschule aber nicht mehr als eine Belastung für die Kinder gesehen, sondern als Entlastung für deren Eltern.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 29.06.2013             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Lehrerdienstrecht: Scheitern in Etappen

 

   Bildungsministerin Schmied ringt um gemeinsame Regierungslinie

 

   Von Jasmin Bürger

 

   WIEN. Die Chancen auf eine Einigung auf das neue Lehrerdienstrecht noch vor der Wahl sind längst verspielt, die Debatte darüber geht auf Regierungsebene dennoch munter weiter.

 

   Wie berichtet hat Vizekanzler Michael Spindelegger (VP) nach einem Treffen mit den Vertretern der Lehrergewerkschaft Donnerstagabend erneut eine Linie für seine Partei ausgegeben: Statt der jüngsten Forderung, eine Anwesenheitszeit von 26 Stunden für alle neu eintretenden Lehrer in der Schule festzulegen, soll zunächst eine Studie über die tatsächlich von Lehrern geleistete Arbeit erstellt werden - und auf deren Basis dann für alle Lehrer ein Jahresarbeitszeitmodell, das Unterrichts-, aber auch Vor- und Nachbereitungszeiten genau fixiert.

 

   Bildungsministerin Claudia Schmied (SP) nahm Spindeleggers Forderung gelassen entgegen: Der gemeinsame Regierungsentwurf - von VP- und Gewerkschaftsseite zuletzt nur noch als "gescheitertes Schmied-Papier" bezeichnet - enthalte bereits ein Jahresarbeitszeitmodell. Konkret ist eine Arbeitszeit von 1776 Stunden vorgesehen, davon sollen 24 Wochenstunden Unterrichtszeit sein - mit den bereits bekannten Zeitabschlägen etwa für Klassenvorstände.

 

   Dieses Modell solle, so Schmied, "zügig, am besten bei der nächsten Verhandlungsrunde am 3. Juli" beschlossen werden. Die von Spindelegger angeregte Arbeitszeitstudie will Schmied nutzen, um über zusätzliches Unterstützungspersonal zu entscheiden - auch die Frage nach mehr Anwesenheit in der Schule soll die Studie klären.

 

 

"Kurier" vom 29.06.2013                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Länder, Morgen

 

Knackpunkte beim Dienstrecht

 

Regierung gegen Gewerkschaft.Was die Kontrahenten wollen

 

   Seit Mai 2012 finden regelmäßige Verhandlungsrunden für ein neues Lehrerdienst- und Gehaltsrecht statt. Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Scheitern. Warum eigentlich?

 

   Was sind die Knackpunkte der Novelle?

 

   Rund 25.000 Lehrer gehen bis 2020 in Pension, nachrückende Junglehrer sollen nach dem neuen Dienstrecht angestellt werden. Das sieht höhere Einstiegsgehälter, aber auch mehr Lehrverpflichtung und weniger Gehalt am Ende der Karriere vor. "Mehr Arbeit für weniger Geld wird es nicht spielen", kontert die Gewerkschaft.

 

   Was wollen die Lehrer?

 

   Grundsätzlich eine Verbesserung ihrer Arbeitssituation: Viel weniger administrativen Tätigkeit, echte Arbeitsplätze an den Schulen im Lehrerzimmer; eine auch gesellschaftliche Anerkennung ihrer teils extrem harten Arbeit. Besonders jene, die sehr engagiert sind, wollen nicht mehr mit "faulen Lehrern" in einen Topf geworfen werden; Unterstützungspersonal an Problemschulen, etwa Sozialarbeiter und Psychologen.

 

   Was will Bildungsministerin Claudia Schmied?

 

   Generell eine höhere Lehrverpflichtung für alle Lehrer (24 Wochenstunden in den Klassen); ein Ende des 2-Klassen-Systems AHS-(und BHS-)Lehrer und Pflichtschullehrer; bessere Bezahlung am Anfang und eine geringere am Ende der Karriere.

 

   Was will die ÖVP?

 

   Bis zuletzt jedenfalls wollte sie nicht wegen der Nähe zur ÖVP-dominierten Lehrergewerkschaft als Blockierer übrig bleiben. Der ÖVP-Chef hatte mehrmals seine Position gewechselt. Bei einem Treffen am Mittwoch unterstützte er die Position der Gewerkschaft.

 

 

"Kurier" vom 29.06.2013                                    Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Dienstrecht: SPÖ bessert Angebot an Lehrergewerkschaft nach

 

   von Bernhard GaulArbeitszeit-Streit.Minister rüsten für finale Verhandlung am 3. Juli: Höhere Zu- lagen, aber Beharren auf 24 Wochenstunden.Die SPÖ war am Tag nach dem ÖVP-Gipfel mit den Lehrervertretern zum Dienstrecht verwundert. "Die Zustimmung der ÖVP zum Gewerkschaftskurs kann ich nicht nachvollziehen", sagte Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Die SPÖ hält am Regierungsplan für ein neues Lehrerdienstrecht fest (24 statt 20 bis 22 Stunden Unterrichtspflicht). Sie bietet aber Nachbesserungen an.

 

   Dem KURIER liegt die überarbeitete Dienstrechtsnovelle vor.

 

   Sonderzahlungen wie etwa Prüfungstaxen bleiben.

 

   Direktoren bekommen höhere Zulagen.

 

   Besondere Tätigkeiten, etwa Arbeit als Klassenvorstand, werden in der Lehrpflicht berücksichtigt; es gelten 23 statt 24 Wochenstunden.

 

   Probelehrer (nicht fertig ausgebildet, dürfen aber unterrichten) erhalten doch volle Gage, nicht 85 Prozent davon, wie anfangs geplant.

 

   Einsteiger können in den ersten fünf Jahren zwischen Bezahlung nach altem und neuem Dienstrecht wählen.

 

   Letztgenanntes ist heikel, weil nach dem neuen Dienstrecht das Anfangsgehalt deutlich höher ist (14 mal 2420 bis 3161 Euro), es mit den Dienstjahren schneller steigt, dafür aber das Endgehalt niedriger ausfällt. Schmied gegenüber dem KURIER: "Wir wollen jetzt zügig verhandeln und aufs Tempo drücken." Sie will einen Beschluss noch vor der Wahl im Herbst."

 

   Erstaunt war man in der SPÖ auch ob der Position von Paul Kimberger. Der ist auch Chef der Pflichtschullehrer, die besser gestellt würden.

 

   Nicht restlos geklärt werden konnte, wie die ÖVP dazu steht. Kimberger hatte ja gemeint, das "Schmied-Papier" sei gescheitert. In der ÖVP wollte das niemand bestätigen. Der Sprecher von Finanzministerin Maria Fekter skizziert die VP-Position zur Arbeitszeit: Wissenschaftsminister Töchterle soll eine Arbeitszeitstudie in Auftrag geben, je nach Ergebnis soll festgelegt werden, wie viel Unterstützungspersonal (für administrative Tätigkeit) die Lehrer bekommen werden. Insgesamt, heißt es aus dem Büro Fekter, soll die Jahresarbeitszeit gleich bleiben. Wenn also Hilfskräfte den Lehrern Arbeit abnehmen, könnten Lehrer durchaus zu mehr Stunden in den Klassen verpflichtet werden.

 

   All das könne noch vor der Wahl in Form eines koalitionären Grundsatz-Beschlusses ("Punktation") wie jüngst bei der Familienförderung fixiert werden. Umsetzen müsste es die nächste Regierung. Im Übrigen: Vizekanzler Spindelegger und Staatssekretär Ostermayer haben einander gestern getroffen, dieses wichtige Thema aber ausgespart.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen