Donnerstag, 11. Juli 2013

2013.07.11: Newsletter Unterricht

 

Die Presse – 11. Juli 2013

 

 

Rechnungshof will Lehrer länger arbeiten sehen

Durch eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Unterrichtsstunden würden zwei Drittel der Kosten für Überstunden wegfallen. Außerdem würden die Bundeslehrer ohnehin bereit sein, mehr zu arbeiten, sagt der Rechnungshof.

Unterstützung im Ringen um eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer hat die Regierung am Mittwoch vom Rechnungshof (RH) bekommen: Da Personalmangel bei den Bundeslehrern derzeit im großen Stil durch Dauermehrdienstleistungen gedeckt wird, spricht sich der RH dafür aus, dass diese Gruppe länger in der Klasse stehen soll. Durch eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Wochenstunden würde zwei Drittel der Kosten für Überstunden wegfallen, argumentieren die Prüfer. Die aktuelle Praxis deute zudem darauf hin, "dass die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit waren".

Die Personalsituation bei den Bundeslehrern (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) ist angespannt, wie der Bericht zeigt: Allein zwischen 2008/09 und 2011/12 haben die Dauermehrdienstleistungen um zwölf Prozent zugenommen, auch die Überstunden pro Lehrer sind mehr geworden, wobei der AHS-Bereich traditionell weniger betroffen ist als die BMHS. Im Schuljahr 2011/2012 entsprachen fix eingeplante Überstunden der Arbeit von 5200 vollbeschäftigten Lehrern. In Wien, das neben Oberösterreich in dem Bericht gesondert untersucht wurde, wurden zudem 395 Personen eingesetzt, die noch nicht ihr Unterrichtspraktikum absolviert oder nur ein fachverwandtes Diplomstudium absolviert haben. Kaum ins Gewicht fällt unterdessen der medial viel diskutierte Einsatz bereits pensionierter Lehrer: Im November 2011 gab es österreichweit 15 Betroffene.

Lehrermangel wird größer werden

Für 2013/14 ist kurzfristig mit einem weiteren Anstieg des Lehrermangels durch die anstehende Verschärfungen der Hacklerregelung zu erwarten, warnt der RH in dem Bericht "Personalplanung im Bereich der Bundeslehrer": 3.088 Lehrer werden demnach benötigt. Neben dem Generationenwechsel - zwischen 2012/13 und 2025/26 müssen 19.677 Lehrer bzw. rund 55 Prozent der aktuellen Stellen nachbesetzt werden - haben personalintensive Schulreformen wie die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und die Einführung der Neuen Mittelschule die angespannte Personalsituation verschärft. Laut Prognosen besonders betroffen vom Personalmangel sind die Fächer Englisch, Deutsch, Mathematik, Turnen und Informatik. Regional haben Wien, Nieder- und Oberösterreich den größten Bedarf.

Mit der Personalplanung des Unterrichtsministeriums zeigt sich der RH insgesamt unzufrieden: "Ein koordinierender Maßnahmenplan des BMUKK zur Deckung des Lehrerpersonalbedarfs fehlte weitgehend. Auch fehlten Maßnahmen, das bestehende Lehrerpersonal länger im Aktivstand zu behalten", wird in dem Bericht bemängelt.

Neben der Forcierung eines neuen Dienstrechts und höherer Unterrichtsverpflichtung für Bundeslehrer empfiehlt der RH dem Ministerium gezielte regionale und nach Unterrichtsgegenständen aufgeschlüsselte Informationskampagnen, um mehr Personen für den Lehrerberuf zu interessieren. Außerdem solle es darauf "hinwirken", dass das bestehende Lehrerpersonal länger an den Schulen bleibt - dazu soll das Ressort auch für eine Änderung der Hacklerregelung für Bundeslehrer eintreten. Bei der neuen Lehrerausbildung wiederum müsse darauf geachtet werden, die derzeit hohe Dropout-Rate zu verringern. Vorgeschlagen werden dafür Aufnahmeverfahren, wie sie auch in der jüngst beschlossenen Reform vorgesehen sind.

Rechnungshof fordert Entlastung der Lehrer

Und auch das in den Lehrerdienstrechtsverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Regierung viel diskutierte Unterstützungspersonal kommt im Bericht zur Sprache: Der Rechnungshof fordert eine Entlastung der Lehrer von administrativen und sozialen Tätigkeiten. Umschichtungen wünscht er sich auch bei leitenden, administrativen und unterstützenden technischen Tätigkeiten (z.B. Direktoren, Administratoren bzw. Betreuung von IT-Arbeitsplätzen): Dafür wurden Schuljahr 2011/2012 rund 2500 Vollbeschäftigungsäquivalente vom Unterricht abgezogen - würden stattdessen Verwaltungsbediensteten eingesetzt, brächte das Einsparungen von rund 13 Millionen Euro pro Jahr. Für die Tagesbetreuung sollten aus RH-Sicht wiederum vermehrt Lehramtsstudenten eingesetzt werden: "Diese könnten dadurch Erfahrungen für den späteren Lehrerberuf gewinnen und das Ministerium könnte Kostenvorteile lukrieren."

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 11.07.2013             Seite: 3

Ressort: Politik

 

 

Rechnungshof: Lehrer unterrichten bis zu 26 Stunden

 

   WIEN. 20 Stunden beträgt die Lehrverpflichtung an Bundesschulen - viele Lehrer unterrichten aber schon jetzt mehr, wie ein aktueller Rechnungshof-Bericht zeigt.

 

   Über "Dauermehrdienstleistungen", also in der Fächerverteilung fix eingeplante Überstunden, wird so viel Unterricht abgedeckt, wie von 5200 regulär vollbeschäftigten Lehrern. "Rund 80 Prozent" jener Lehrer mit Überstunden, leisten diese im Ausmaß von "bis zu sechs Werteinheiten", schreibt der RH - das entspricht grob gesagt sechs Wochenstunden und damit einer Lehrverpflichtung von 26 Stunden.

 

   Der RH empfiehlt nun, die Unterrichtsverpflichtung zu erhöhen, die Praxis würde "darauf hin deuten, dass die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit waren". (jabü)

 

 

SN – 11. Juli 2013

 

Lehrer sollen mehr arbeiten

Wien (SN). Der Rechnungshof regt an, dass die Bundeslehrer an den AHS und berufsbildenden Schulen künftig 22 statt 20 Wochenstunden unterrichten sollen. Dadurch könnten zwei Drittel der Kosten für die Überstunden eingespart werden, argumentiert der Rechnungshof. Gerade die vielen geleisteten Überstunden würden zeigen, dass die Lehrer zu einer erweiterten Unterrichtstätigkeit bereit seien. Eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung würde freilich bedeuten, dass die Lehrer ihre Überstundenzuschläge verlieren. Seite 2

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SN – 11. Juli 2013

 

Rechnungshof: Lehrer sollen länger in der Klasse stehen

Die Regierung bekommt im Ringen um eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer Unterstützung vom Rechnungshof: Bundeslehrer sollen demnach länger in der Klasse stehen, damit Überstunden wegfallen.

Die aktuelle Praxis deute zudem darauf hin, "dass die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit wären". Die Personalsituation bei den Bundeslehrern (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) ist angespannt, wie der Bericht zeigt: Allein zwischen 2008/09 und 2011/12 haben die Dauermehrdienstleistungen um zwölf Prozent zugenommen, auch die Überstunden pro Lehrer sind mehr geworden, wobei der AHS-Bereich traditionell weniger betroffen ist als die BMHS.

Im Schuljahr 2011/2012 entsprachen fix eingeplante Überstunden der Arbeit von 5.200 vollbeschäftigten Lehrern. Für 2013/14 ist kurzfristig mit einem weiteren Anstieg des Lehrermangels durch die anstehende Verschärfungen der Hacklerregelung zu erwarten, warnt der RH in dem Bericht "Personalplanung im Bereich der Bundeslehrer": 3.088 Lehrer werden demnach benötigt.

Neben dem Generationenwechsel - zwischen 2012/13 und 2025/26 müssen 19.677 Lehrer bzw. rund 55 Prozent der aktuellen Stellen nachbesetzt werden - haben personalintensive Schulreformen wie die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und die Einführung der Neuen Mittelschule die angespannte Personalsituation verschärft. Laut Prognosen besonders betroffen vom Personalmangel sind die Fächer Englisch, Deutsch, Mathematik, Turnen und Informatik. Regional haben Wien, Nieder- und Oberösterreich den größten Bedarf.

 

 

Österreich – 11. Juli 2013

 

 

Unterrichtsverpflichtung 

Rechnungshof: Lehrer sollen mehr arbeiten

Der RH setzt sich für eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Wochenstunde ein.

Unterstützung im Ringen um eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer hat die Regierung am Mittwoch vom Rechnungshof (RH) bekommen: Da Personalmangel bei den Bundeslehrern derzeit im großen Stil durch Dauermehrdienstleistungen gedeckt wird, spricht sich der RH dafür aus, dass diese Gruppe länger in der Klasse stehen soll. Durch eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Wochenstunden würde zwei Drittel der Kosten für Überstunden wegfallen, argumentieren die Prüfer. Die aktuelle Praxis deute zudem darauf hin, "dass die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit waren".

Angespannte Situation
Die Personalsituation bei den Bundeslehrern (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) ist angespannt, wie der Bericht zeigt: Allein zwischen 2008/09 und 2011/12 haben die Dauermehrdienstleistungen um zwölf Prozent zugenommen, auch die Überstunden pro Lehrer sind mehr geworden, wobei der AHS-Bereich traditionell weniger betroffen ist als die BMHS. Im Schuljahr 2011/2012 entsprachen fix eingeplante Überstunden der Arbeit von 5.200 vollbeschäftigten Lehrern. In Wien, das neben Oberösterreich in dem Bericht gesondert untersucht wurde, wurden zudem 395 Personen eingesetzt, die noch nicht ihr Unterrichtspraktikum absolviert oder nur ein fachverwandtes Diplomstudium absolviert haben. Kaum ins Gewicht fällt unterdessen der medial viel diskutierte Einsatz bereits pensionierter Lehrer: Im November 2011 gab es österreichweit 15 Betroffene.

Personalplanung
Für 2013/14 ist kurzfristig mit einem weiteren Anstieg des Lehrermangels durch die anstehende Verschärfungen der Hacklerregelung zu erwarten, warnt der RH in dem Bericht "Personalplanung im Bereich der Bundeslehrer": 3.088 Lehrer werden demnach benötigt. Neben dem Generationenwechsel - zwischen 2012/13 und 2025/26 müssen 19.677 Lehrer bzw. rund 55 Prozent der aktuellen Stellen nachbesetzt werden - haben personalintensive Schulreformen wie die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und die Einführung der Neuen Mittelschule die angespannte Personalsituation verschärft. Laut Prognosen besonders betroffen vom Personalmangel sind die Fächer Englisch, Deutsch, Mathematik, Turnen und Informatik. Regional haben Wien, Nieder- und Oberösterreich den größten Bedarf.

Mit der Personalplanung des Unterrichtsministeriums zeigt sich der RH insgesamt unzufrieden: "Ein koordinierender Maßnahmenplan des BMUKK zur Deckung des Lehrerpersonalbedarfs fehlte weitgehend. Auch fehlten Maßnahmen, das bestehende Lehrerpersonal länger im Aktivstand zu behalten", wird in dem Bericht bemängelt.

Neben der Forcierung eines neuen Dienstrechts und höherer Unterrichtsverpflichtung für Bundeslehrer empfiehlt der RH dem Ministerium gezielte regionale und nach Unterrichtsgegenständen aufgeschlüsselte Informationskampagnen, um mehr Personen für den Lehrerberuf zu interessieren. Außerdem solle es darauf "hinwirken", dass das bestehende Lehrerpersonal länger an den Schulen bleibt - dazu soll das Ressort auch für eine Änderung der Hacklerregelung für Bundeslehrer eintreten. Bei der neuen Lehrerausbildung wiederum müsse darauf geachtet werden, die derzeit hohe Dropout-Rate zu verringern. Vorgeschlagen werden dafür Aufnahmeverfahren, wie sie auch in der jüngst beschlossenen Reform vorgesehen sind.

Und auch das in den Lehrerdienstrechtsverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Regierung viel diskutierte Unterstützungspersonal kommt im Bericht zur Sprache: Der Rechnungshof fordert eine Entlastung der Lehrer von administrativen und sozialen Tätigkeiten. Umschichtungen wünscht er sich auch bei leitenden, administrativen und unterstützenden technischen Tätigkeiten (z.B. Direktoren, Administratoren bzw. Betreuung von IT–Arbeitsplätzen): Dafür wurden Schuljahr 2011/2012 rund 2.500 Vollbeschäftigungsäquivalente vom Unterricht abgezogen - würden stattdessen Verwaltungsbediensteten eingesetzt, brächte das Einsparungen von rund 13 Mio. Euro pro Jahr. Für die Tagesbetreuung sollten aus RH-Sicht wiederum vermehrt Lehramtsstudenten eingesetzt werden: "Diese könnten dadurch Erfahrungen für den späteren Lehrerberuf gewinnen und das BMUKK könnte Kostenvorteile lukrieren."

 

 

Kurier – 11. Juli 2013

 

 

Empfehlung für höhere Lehrverpflich­tung.

Geleistete Überstunden würden die Bereitschaft der Pädagogen zeigen, mehr zu unterrichten.

Vier Jahre, nachdem Unterrichtsministerin Claudia Schmied erstmals Lehrer zu mehr Unterrichtszeit in den Klassen bewegen wollte, kommt ihr ein Rechnungshof-Bericht zur Hilfe.

Bei den rund 40.000 Bundeslehrern (AHS, BMHS) ist die Personalsituation „angespannt“, schreiben die Rechnungshof-Prüfer. Grund seien die vielen (Früh-)Pensionierungen, die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl (auf 25) und der Start der „Neuen Mittelschule“.

Damit sich der Personalmangel nicht auf den Unterricht auswirkt – die Schüler müssen schließlich in allen Fächern unterrichtet werden –, machen sehr viele Lehrer sehr viele extra bezahlte Überstunden. Wie die Prüfer errechnet haben, im Ausmaß von 5200 vollbeschäftigten Lehrern. Das Ministerium kommt die Bezahlung der Überstunden – immerhin 176,17 Millionen Euro – übrigens deutlich billiger als zusätzliche Lehrer, sagen die Prüfer.

Die Praxis der Überstunden deute jedenfalls darauf hin, dass „die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit waren“. Und da die Unterrichtszeiten der Bundeslehrer „deutlich unter dem OECD-Durchschnitt“ liegen, empfehlen die Experten, die Lehrverpflichtung zu erhöhen. Konkret heißt es dazu: Würde die Lehrverpflichtung (wie seit 30 Verhandlungsrunden über ein neues Lehrer-Dienstrecht von Schmied gefordert) um zwei Stunden erhöht, könnten zwei Drittel der Überstunden eingespart werden.

Verantwortungsgefühl

Paul Kimberger, Chef der Lehrergewerkschaft, und lautstarker Gegner einer höheren Lehrverpflichtung, will das so nicht hinnehmen. Mit dieser Argumentation machten es sich der „Rechnungshof und Ministerin Schmied zu leicht“. Keiner der Lehrer, die Überstunden leisten, tue das gern. Vielmehr handle es sich um ein „Verantwortungsgefühl“ den Schülern gegenüber, die nicht Opfer einer falschen Schulpolitik werden dürften.

Schmied selbst behagt offenbar der Rückwind der Rechnungshofprüfer, sie will sich dazu aber nicht äußern. Zurückgewiesen wird von ihrem Sprecher nur die ebenfalls geäußerte Kritik, wonach „ein koordinierender Maßnahmenplan des Ministeriums zur Deckung des Lehrerpersonalbedarfs“ weitgehend fehle. Dieses Problem wäre längst erkannt und behoben worden.

 

 

Krone – 11. Juli 2013

 

Auch RH will Lehrer zu mehr Unterricht verpflichten

Schützenhilfe

 

Im Ringen um eine höhere Unterrichtspflicht für Lehrer hat die Regierung am Mittwoch Unterstützung vom Rechnungshof bekommen: Auch der RH fordert eine Erhöhung der Wochenstunden der Bundeslehrer, da Personalmangel derzeit ohnehin durch Dauermehrdienstleistungen abgedeckt werde - und die Pädagogen demnach durchaus dazu bereit seien, länger zu arbeiten.

Durch eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Wochenstunden würden zwei Drittel der Kosten für Überstunden wegfallen, argumentieren die Prüfer. Die aktuelle Praxis deute darauf hin, "dass die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit" seien.

Die Personalsituation bei den Bundeslehrern ist angespannt, wie der Bericht bestätigt: Allein zwischen 2008/09 und 2011/12 haben die Dauermehrdienstleistungen um zwölf Prozent zugenommen, auch die Überstunden pro Lehrer sind mehr geworden, wobei der AHS- Bereich (Allgemeinbildende höhere Schule) traditionell weniger betroffen ist als die BMHS (Berufsbildende mittlere und höhere Schule).

Im Schuljahr 2011/2012 entsprachen fix eingeplante Überstunden der Arbeit von 5.200 vollbeschäftigten Lehrern. In Wien, das neben Oberösterreich in dem Bericht gesondert untersucht wurde, wurden zudem 395 Personen eingesetzt, die noch nicht ihr Unterrichtspraktikum absolviert oder nur ein fachverwandtes Diplomstudium absolviert hatten.

Wegen Hacklerregelung: 3.000 neue Lehrer benötigt

Für 2013/14 ist kurzfristig mit einem weiteren Anstieg des Lehrermangels durch die anstehenden Verschärfungen der Hacklerregelung zu erwarten, warnt der Rechnungshof im Bericht "Personalplanung im Bereich der Bundeslehrer": 3.088 Lehrer werden demnach benötigt.

Neben dem Generationenwechsel - zwischen 2012/13 und 2025/26 müssen 19.677 Lehrer bzw. rund 55 Prozent der aktuellen Stellen nachbesetzt werden - haben personalintensive Schulreformen wie die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und die Einführung der Neuen Mittelschule die angespannte Personalsituation verschärft. Laut Prognosen besonders betroffen vom Personalmangel sind die Fächer Englisch, Deutsch, Mathematik, Turnen und Informatik. Regional haben Wien, Nieder- und Oberösterreich den größten Bedarf.

Rechnungshof lässt kein gutes Haar an Ministerium

Mit der Personalplanung des Unterrichtsministeriums zeigt sich der Rechnungshof insgesamt unzufrieden. "Ein koordinierender Maßnahmenplan des Miniseriums zur Deckung des Lehrerpersonalbedarfs fehlte weitgehend. Auch fehlten Maßnahmen, das bestehende Lehrerpersonal länger im Aktivstand zu behalten", wird in dem Bericht bemängelt.

 

 

"Der Standard" vom 11.07.2013                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Niederösterreich, Wien

 

Kritik an Lehrer-Einsatz

 

Rechnungshof ortet zu viele Überstunden

 

   Wien – Am Montag wird über das Lehrerdienstrecht weiterverhandelt, ein Bericht des Rechnungshofs (RH) könnte die Gespräche neu anheizen. Der Rechnungshof kritisiert nämlich, dass der Personalmangel bei den Bundeslehrern derzeit zu einem großen Teil durch Dauermehrdienstleistungen abgedeckt werde. Im Schuljahr 2011/2012 entsprachen demnach fix eingeplante Überstunden der Arbeit von 5200 vollbeschäftigten Lehrern. Der Lehrermangel führt auch zum Einsatz von 395 Personen, die noch nicht fertig ausgebildet sind, kritisiert der Rechnungshof. Anstatt Lehrer mit administrativen Tätigkeiten zu überfrachten, sollte in diesem Bereich auf Verwaltungskräfte gesetzt werden – das Einsparungsvolumen liege bei 13 Millionen Euro. (red)

 

    Seite 6, Gastkommentar Seite 27, Kommentar Seite 28

 

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Der Standard – 11. Juli 2013

 

 

Lehrer machen zu viele Überstunden

Peter Mayr, Conrad Seidl

Die Personalplanung des Unterrichtsministeriums muss mit vielen Unwägbarkeiten auskommen

Wien - Am Montag wird wieder verhandelt. Der von der Regierung vorgelegte überarbeitete Entwurf für ein neues Lehrerdienstrecht wird gerade von den Lehrergewerkschaftern geprüft, noch will man sich daher nicht in die Karten schauen lassen.

Für beide Seiten - Regierung und Gewerkschaft - hat jedenfalls der neueste Rechnungshofbericht Argumente bereit, die die jeweiligen Standpunkte unterstützen.

Im Detail zeigt der Bericht auf, dass im Schuljahr 2011/2012 an Bundesschulen österreichweit 5200 Lehrer zu wenig eingestellt waren - dieser Zahl entsprachen die Dauermehrdienstleistungen (in der Lehrfächerverteilung fix eingeplante Überstunden). In Wien mussten sogar 395 Lehrkräfte eingesetzt werden, die noch gar nicht fertig ausgebildet waren. Der RH wörtlich: "Schulorganisatorische Maßnahmen - insbesondere die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und die Neue Mittelschule - verschärften die angespannte Personalsituation."

Ein Argument, das direkt von der Lehrergewerkschaft kommt, wird vom RH ebenfalls unterstützt: Es wäre notwendig, die Lehrer von administrativen Tätigkeiten zu entlasten und dafür eigene (minder qualifizierte und geringer bezahlte) Vertragsbedienstete einzusetzen. Mindestens 2500 solcher Verwaltungskräfte wären einzusetzen, die errechneten Einsparungen liegen bei 13 Millionen Euro.

Gewerkschaft optimistisch

Die Gewerkschaft wollte am Dienstag wenig zu den laufenden Verhandlungen sagen. Nur so viel lässt der Chefverhandler, Pflichtschullehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger, durchblicken: "Es geht einmal in die richtige Richtung", sagt er zum Standard. Der zuletzt nur noch von Bildungsministerin Claudia Schmied und Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (beide SPÖ) vertretene eigentliche Regierungsvorschlag sieht eine einheitliche Gehaltstabelle und 24 statt derzeit 20 Wochenstunden Unterrichtsverpflichtung vor. Klassenvorstände und Mentoren sollen sich eine Stunde ersparen, eine Beratungsstunde würde ebenfalls eingerechnet. Der Rechnungshofbericht zeigt, dass es schon jetzt gewaltige Unterschiede gibt, was eine Stunde Unterrichtsverpflichtung eigentlich ist. Berechnet werden nämlich sogenannte "Werteinheiten" - aufwändigere Unterrichtsfächer sind höher, weniger aufwändige niedriger bewertet. Das führt laut Rechnungshof dazu, dass die tatsächliche wöchentliche Unterrichtszeit eines vollzeitbeschäftigten Bundeslehrers zwischen 17,14 (etwa im Gegenstand Deutsch) und 26,67 (etwa im Gegenstand Hauswirtschaft) Unterrichtsstunden à 50 Minuten liegen kann. Weitere Beobachtungen der Prüfer:

·         Überalterung 15.484 der 36.528 Bundeslehrer werden nach aktueller Prognose bis 2016 in Pension gehen - das weist zwar einerseits auf eine Überalterung des Lehrpersonals hin, zeigt aber andererseits, dass der anstehende Personalaustausch eine gute Gelegenheit für das neue Dienstrecht bilden kann.

·         Mangelfächer Der höchste Bedarf an Junglehrern ergibt sich für die Unterrichtsgegenstände Englisch, Deutsch, Mathematik, Bewegung und Sport sowie Informatik. Durch die Neue Mittelschule steigt dieser Bedarf noch.

·         Ganztagsbetreuung Der Ausbau der schulischen Tagesbetreuung erforderte seit dem Schuljahr 2008/2009 zusätzlich 4610 Werteinheiten (entspricht 230 Lehrern). Durch den Einsatz von Lehramtsstudierenden in der Tagesbetreuung könnten diese Erfahrungen sammeln - und billiger wäre es auch.

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"Der Standard" vom 11.07.2013                               Seite: 27

Ressort: Kommentar der anderen

 

Daniel Landau

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Einsatz für eine visionäre Schule gefragt

 

   Nachspielzeit zur Debatte zum Lehrerdienstrecht im ORF-„Report“: Ein AHS-Lehrer, dem dort die Redezeit zu knapp wurde, wünscht sich mutigere Bildungspolitik und entsprechende Gewerkschafter.

 

   Dienstagabend im ORF-Report hat es auch mich selber erwischt – man tanzt im Rhythmus der letzten Jahrzehnte mit, im Kreis.

 

   Eine Live-Diskussion zum Dienstrecht der Lehrer, geführt mit Paul Kimberger, Chef der Mehrheitsfraktion (FCG) und damit oberster Gewerkschafter.

 

   Ich war gefangen im Dilemma zwischen Höflichkeit, der Realität von neun Minuten Sendezeit und dem Redefluss eines Gewerkschafters ...

 

   In der Nacht darauf wollte ich deshalb aufschreiben, was noch zu sagen wäre:

 

   Wir verlieren im Bildungssystem Jahr für Jahr etwa 10.000 Kinder und Jugendliche. Abertausende mehr können nicht sinnerfassend lesen oder haben in anderen grundlegenden Bereichen schwere Defizite. Hochtalentierte werden oft ebenso wenig gut weiter unterstützt.

 

   Das sind Dramen, und es war und ist für mich schwierig, ruhig zu bleiben, wenn davon gesprochen wird, dass man die Bildung jetzt nicht schlechtreden möge. Wie seit Jahrzehnten.

 

   Sie alle meinten und meinen vielleicht das Richtige? Denn ich stimme Ihnen, Herr Kimberger, zu, unsere LehrerInnen sind in überwiegender Mehrheit großartig. Unser Bildungssystem jedoch oftmals nicht.

 

   Verschränkte Schulformen

 

   Sie sprachen im Report von Chancengerechtigkeit, für die Sie sich einsetzen. Ich fordere dafür ganztägige, verschränkte Schulformen – als Angebot einer flächendeckenden Regelschule. Denn weitgehend unbestritten haben diejenigen Länder mit einem längeren gemeinsamen Unterricht, also späterer Trennung und längerem Zusammensein, Tag für Tag, weniger Probleme mit vererbter Bildung.

 

   Noch etwas dazu: Ihre Mehrheitsfraktion wiederholt routiniert den Mythos der Wahlfreiheit. Sie argumentieren damit an einem erheblichen Anteil der Bevölkerung vorbei. Mehr noch, dieses Märchen, erzählt auch von manchem Märchenonkel in der ÖVP, wurde in den letzten Jahren von einer beinharten Realität widerlegt. Österreich ist mittlerweile an letzter Stelle. Nur mehr bei uns wird Bildung in einem so hohen Ausmaß vererbt.

 

   Wahre Wahlfreiheit, die ich als hohes Gut erachte, müsste wohl anders aussehen. Jede einzelne Bildungsinstitution müsste dann bestausgestattet sein und individuell auf jedes Kind eingehen wollen und können.

 

   Anders gesagt: Solange Kinder unsere Schule nur mit Unterstützung ihrer Eltern (durch deren eigene Zeit, ihr Wissen oder „Zukauf“ von Nachhilfe) absolvieren können, bleibt Chancengerechtigkeit reine Utopie.

 

   Zum Abschluss eine ausführlichere Antwort auf die Frage von Susanne Schnabl, ob sich LehrerInnen denn noch gut von der (Mehrheitsfraktion, der FCG) Gewerkschaft vertreten fühlen?

 

   Viele wünschen sich die schwarze Lehrergewerkschaft an der Seite von Visionären. Visionäre, wie sie die Unabhängige Bildungsgewerkschaft (UBG) z. B. in der Person einer Margret Rasfeld bereits mehrfach eingeladen hat. Die SchülerInnen, mit denen sie arbeitet, erzählen vieles gleich mit leuchtenden Augen selbst – z. B. von den beiden Fächern „Ermutigung“ und „Verantwortung“.

 

   Auch wenn Martin Schenk von der Armutskonferenz schreibt, wie man durch den Einsatz eines Sozialindex auf die realen Bedürfnisse von SchülerInnen reagieren könnte, wünscht man sich Gehör durch die LehrervertreterInnen.

 

   KollegInnen erwarten einen Einsatz dafür, dass die Lernwerkstatt in Brigittenau auch woanders Realität werden kann. Mit ihren jahrgangsübergreifenden Klassen, dem Überwinden der problematischen Nahtstelle zwischen der Elementarpädagogik (dem Kindergarten), der Volksschule und der weiterführenden Schule – eine wahrgewordene Vision mit evaluierten, großartigen Leistungsnachweisen.

 

   Diese visionären Schulmodelle – und es gibt deren noch mehr – haben Gemeinsamkeiten.

 

   Q Kinder werden gefordert und gefördert. Sie werden nicht abgeschoben.

 

   Q Die traditionellen „Stunden“ und „Fächer“ werden neu gruppiert und zeitlich anders verteilt.

 

   Q LehrerInnen erhalten Unterstützung im Team.

 

   Q Raum sowie Arbeitsplätze für alle sind wichtig bzw. selbstverständlich

 

   Q und, wohl das wichtigste, alle Kinder haben überdurchschnittliche Motivation und Lern- bzw. Erfahrungszuwächse.

 

   Herr Kimberger, kommen Sie mit Ihrer Gewerkschaft auf die Seite der Visionäre!

 

   Modell Vorarlberg

 

   PS: Das „Vorarlberger“ Beispiel, welches ich im ORF aus Zeitgründen nicht mehr bringen konnte, meinte Folgendes:

 

   In Vorarlberg wurde in letzter Zeit im Bildungsbereich vieles diskutiert und geplant. Es gibt bereits erste Ergebnisse. Ab nächstem Schuljahr werden Volksschulen in Vorarlberg, als erstem Bundesland, mit pädagogischer sowie administrativer Unterstützung ausgestattet; schulautonom abrufbar. Eine reale Maßnahme gegen unsere Zweiklassenpädagogik, wo elementarpädagogischen Einrichtungen und Pflichtschulen noch immer weniger „Wert“ beigemessen wird als den Höheren Schulen. Wie das gelang? Initiiert von einer visionären Lehrergewerkschaft wurden Kräfte über alle Partei- und ideologischen Grenzen hinweg gemeinsam mobilisiert. Die Vorarlberger Regierung wurde tätig.

 

   In Vorarlberg, als wiederum einzigem Bundesland, trifft eine schwarze Regierung auf eine rote Mehrheitsfraktion in der Lehrergewerkschaft. Macht diese Kombination mobiler?

 

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"Der Standard" vom 11.07.2013                               Seite: 28

Ressort: Kommentar

 

Conrad Seidl

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Rechnungshof-Kritik an Schulen

 

Planung mit Unbekannten

 

   Ginge es nur nach den Zahlen, dann fänden sich leichte Lösungen: Lehrer machen zu viele Überstunden? Da bräuchte man ja nur 5200 zusätzliche Lehrer einzustellen und hätte das Problem gelöst. Oder: Lehrer machen zu viel Verwaltungskram? Man müsste bloß zusätzliche Verwaltungskräfte einstellen, und schon könnten die Lehrer mehr unterrichten. Und billiger wäre es auch noch!

 

   Solche Milchmädchenrechnungen wären schon unzulässig, wenn die Schule ein einziger Großbetrieb mit 36.528 Lehrern und 388.000 Schülern wäre – aber die Bundesschulen sind auf 1100 Standorte verteilt, jeder mit eigenen Besonderheiten. Da greift es zu kurz, die regelmäßigen Überstunden in 105.000 Werteinheiten (die ebenso wenig einer 60-minütigen Stunde entsprechen, wie das eine 50-minütige Schulstunde tut) und in 5200 Arbeitsplätze umzurechnen. Man wird auch nicht alle Lehrer von aller Bürokratie entlasten können – auch wenn das sowohl der Rechnungshof als auch die Gewerkschaft gerne hätten.

 

   Aber der Bericht des Rechnungshofs zeigt, dass der Staat bei den regelmäßigen Überstunden ebenso wie bei der Verwaltungstätigkeit massive Einsparungspotenziale nutzen könnte – wenn man denn wüsste, wie es mit der Schule generell weitergehen wird. Das aber steht weder dienstrechtlich noch schulorganisatorisch fest. Die Schulverwaltung plant mit vielen Unbekannten; das neue Lehrerdienstrecht sollte rasch einige davon ausräumen.

 

 

Heute – 11. Juli 2013

 

Mega-Kosten für Überstunden

Rechnungshof: Lehrer sollen länger unterrichten!

Im Ringen um eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer hat die Regierung am Mittwoch vom Rechnungshof (RH) Schützenhilfe bekommen: Durch eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Wochenstunden würde zwei Drittel der Kosten für Überstunden wegfallen, argumentieren die Prüfer.

 

Weniger Urlaub, längere Dienstzeiten. Sollen Lehrer künftig mehr arbeiten?

Ja. Das Unterrichten der Kinder sollte mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Nein. Lehrer sind in ihrer Freizeit mit Vorbereitungen und Korrigieren von Arbeiten schon genug beschäftigt.

 

Der RH zeigt sich mit der Personalplanung des Unterrichtsministeriums unzufrieden: "Ein koordinierender Maßnahmenplan des BMUKK zur Deckung des Lehrerpersonalbedarfs fehlte weitgehend. Auch fehlten Maßnahmen, das bestehende Lehrerpersonal länger im Aktivstand zu behalten", wird in dem Bericht "Personalplanung im Bereich der Bundeslehrer" bemängelt.

Der Bericht belegt: Die Personalsituation bei den Bundeslehrern ist angespannt: In den vergangenen drei Schuljahren haben die Dauermehrdienstleistungen um 12 % zugenommen, auch die Überstunden pro Lehrer sind mehr geworden - im Schuljahr 2011/2012 entsprachen Überstunden der Arbeit von 5.200 Lehrern.

 

Drastischer Lehrermangel
Durch die anstehende Verschärfungen der Hacklerregelung (sic!) ist für das kommende Schuljahr mit einem weiteren Anstieg des Lehrermangels zu rechnen, warnt der RH: 3.088 Lehrer werden demnach benötigt. Neben dem Generationenwechsel - zwischen 2012/13 und 2025/26 müssen 19.677 Lehrer bzw. rund 55 Prozent der aktuellen Stellen nachbesetzt werden - verschärfen die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl und die Einführung der Neuen Mittelschule die ohnehin angespannte Personalsituation zusätzlich. Besonders betroffen vom Personalmangel seien die Fächer Englisch, Deutsch, Mathematik, Turnen und Informatik. Regional haben Wien, Nieder- und Oberösterreich den größten Bedarf.

Der RH empfiehlt:

·         Höhere Unterrichtsverpflichtung für Bundeslehrer (von 20 auf 22 Wochenstunden)

·         Forcierung eines neuen Dienstrechts

·         Informationskampagnen, um mehr Personen für den Lehrerberuf zu interessieren.

·         Motivation des bestehenden Lehrerpersonals, länger an den Schulen zu bleiben - dazu soll das Ressort auch für eine Änderung der Hacklerregelung für Bundeslehrer eintreten.

·         Verringerung der derzeit hohen Dropout-Rate bei der Ausbildung

·         Entlastung der Lehrer von administrativen, technischen und sozialen Tätigkeiten. Dafür wurden im Schuljahr 2011/2012 rund 2.500 Vollbeschäftigungsäquivalente vom Unterricht abgezogen - würden stattdessen Verwaltungsbedienstete eingesetzt, brächte das Einsparungen von rund 13 Mio. Euro pro Jahr.

·         Vermehrte Einsetzung von Kehramtsstudenten für die Tagesbetreuung

 

Sollen Lehrern die Sommerferien gekürzt werden?

Ja, neun Wochen sind einfach viel zu lange und unfair gegenüber anderen

Nein, wenn sich Lehrer in den Ferien weiterbilden und Nachhilfe geben

9 Wochen sind vollkommen ok. Alles soll so bleiben, wie es ist

 

 

Wiener Zeitung – 11. Juli 2013

 

 

Rechnungshof will Lehrer länger in der Klasse sehen

 

 

Wien. Unterstützung im Ringen um eine höhere Unterrichtsverpflichtung für Lehrer hat die Regierung am Mittwoch vom Rechnungshof (RH) bekommen: Da Personalmangel bei den Bundeslehrern derzeit im großen Stil durch Dauermehrdienstleistungen gedeckt wird, spricht sich der RH dafür aus, dass diese Gruppe länger in der Klasse stehen soll.

Durch eine Anhebung von derzeit 20 auf 22 Wochenstunden würde zwei Drittel der Kosten für Überstunden wegfallen, argumentieren die Prüfer. Die aktuelle Praxis deute zudem darauf hin, "dass die Bundeslehrer über die Lehrverpflichtung hinausgehend zu weiteren Unterrichtstätigkeiten bereit waren".

Überstunden im Ausmaß vom 5200 Vollzeitstellen
Die Personalsituation bei den Bundeslehrern (AHS, BMHS) ist angespannt, wie der Bericht zeigt: Allein zwischen 2008 und 2012 haben die Dauermehrdienstleistungen um zwölf Prozent zugenommen, auch die Überstunden pro Lehrer sind mehr geworden, wobei der AHS-Bereich traditionell weniger betroffen ist als die BMHS. Im Schuljahr 2011/2012 entsprachen fix eingeplante Überstunden der Arbeit von 5200 vollbeschäftigten Lehrern. In Wien, das neben Oberösterreich in dem Bericht gesondert untersucht wurde, wurden zudem 395 Personen eingesetzt, die noch nicht ihr Unterrichtspraktikum absolviert oder nur ein fachverwandtes Diplomstudium absolviert haben.

Bis 2025 müssen rund 55 Prozent der Lehrer (19.677 Stellen) nachbesetzt werden. Alleine im kommenden Schuljahr werden 3088 neue Lehrer benötigt.

 

 

"News" Nr. 28/2013 vom 11.07.2013                         Seite: 32

Ressort: Standards

 

Politik

 

Gastkommentar

 

Der Neidreflex funktioniert immer

 

   Kurt Scholz, nach wie vor konkurrenzloser Wiener Ex-Stadtschulratspräsident, über Feriendebatten, Lehrer-Bashing und die Ratlosigkeit der Bildungspolitik.

 

   Seit mindestens 30 Jahren ist nachgewiesen, dass die Ferieneinteilung mit neun Wochen im Sommer für die Möglichkeiten des kindlichen Gedächtnisses zu lang ist. Man kann und soll also einen neuen Aufteilungsschlüssel finden. Aber nicht auf Kosten der Kinder und nicht auf dem Weg eines Lehrer-Bashings. Sondern indem die Politik ihren Aufgaben nachkommt und Lösungen findet. Die Lehrer werden das schon zähneknirschend mittragen, dennoch wünsche ich jedem, der sich an das Thema wagt, viel Glück: Denn die Ersten, die sich gegen jede Veränderung stellen werden, sind nicht etwa die Lehrer, sondern die Vertreter der Fremdenverkehrswirtschaft.

 

   So wie die Diskussion geführt wird, kommt sie mir seit 30 Jahren - denn so lange kenne ich sie - spaghettiförmig zu den Ohren heraus. Das gilt im Besonderen für die wieder virulente Lehrerdebatte. Ich kann diesen aus dem Neid gespeisten Diskurs nicht mehr hören: Kein Mensch fragt, ob die Burgtheaterschauspieler zu lange oder etwa zu kurz arbeiten. Kein Mensch fragt, ob die Rechtsanwälte oder Ärzte zuviel verdienen und zuwenig arbeiten. Man kann das reihum mit jeder Berufsgruppe anstellen, der Neidreflex wird immer funktionieren.

 

   Das Ganze lenkt nur vom Versagender Bildungspolitik ab, die sich über das Wozu der Schule nicht im Klaren ist. Ist sie eine Einrichtung der Sozialarbeit, zu der sie in den vergangenen 20 Jahren auch im Gefolge der Integrationsproblematik wurde? Oder ist sie eine Anstalt der Begabungsförderung? Sie ähnelt immer mehr einem Kind, das die Rechten am rechten Ohr nach rechts und die Linken am linken Ohr nach links ziehen. Und beide sind böse, wenn sich das Kind in der Mitte nicht rührt und schlechter Laune ist. Die Politik ist aufgerufen, über die Kernaufgaben der Schule einen Minimalkompromiss zu erzielen. Das halte ich für vordringlicher als populistische Debatten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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