Montag, 30. September 2013

2013.09.30: Unterricht

OTS0134 II 30.09.2013 15:07:17

 

Mayer: Ministerin Schmied hat Schulreformen mit großem Einsatz vorangetrieben

Utl.: Herzeigbare Leistungsbilanz - SPÖ-Bildungssprecher bedankt sich für ausgezeichnete Zusammenarbeit

SPÖ/Mayer/Bildung/Schule/Schmied

SPÖ-Bildungssprecher Elmar Mayer nimmt den Rückzug von Bildungsministerin Claudia Schmied aus der Politik mit Bedauern zur Kenntnis. "Ministerin Schmied hat mit großem persönlichen Einsatz und gegen viele Widerstände und Blockaden entscheidende Schulreformen vorangetrieben. Mit Ministerin Schmied ist frischer Wind und Aufbruchsstimmung in die Bildungspolitik gekommen, sie hat dafür gesorgt, dass unsere Schulen auf der Überholspur sind", sagte Mayer heute, Montag, gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

Der SPÖ-Bildungssprecher betonte weiters, dass viele Schulreformen ihre volle Wirkung erst mittel- und langfristig entfalten. "Vom Ergebnis der ausgezeichneten Arbeit von Bildungsministerin Schmied werden noch viele Schülerinnen und Schüler profitieren. 62 eingebrachte Gesetzesvorlagen im Bildungsbereich sprechen eine klare Sprache und sind ein deutlicher Beleg für eine herzeigbare Leistungsbilanz, bei der immer die beste Bildung für unsere Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stand", sagte Mayer.

Schulpolitische Meilensteine wie u.a. die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule, der kräftige Ausbau der Ganztagsschulen, die kleineren Klassen, das Erfolgsprojekt Lehre und Matura, die Bildungsstandards oder die massiven Investitionen in die Schulinfrastruktur hätten unser Land Schritt für Schritt weiter nach vorne gebracht, betonte Mayer. "Ministerin Schmied hat viele Reformschritte erst möglich gemacht und große Strukturprojekte auf Schiene gebracht, die nun zum Wohle des Landes und der Chancen unserer Kinder und Jugendlichen ins Ziel gebracht werden müssen", sagte Mayer, der sich bei Bildungsministerin Schmied für die ausgezeichnete und konstruktive Zusammenarbeit bedankte. (Schluss) mb/sn

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien,
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493


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OTS0135 II, XI 30.09.2013 15:07:45

 

PädagogInnenbildung: Pädagogische Hochschulen in Niederösterreich und Wien beschließen gemeinsamen Weg in der Umsetzung

Utl.: Zusammenwirken der vier Pädagogischen Hochschulen im "Regionalen Netzwerk Niederösterreich-Wien" mit gemeinsamem Positionspapier vereinbart

Bildung/Hochschulwesen/Niederösterreich/Universität

Die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, die Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems, die Pädagogische Hochschule Niederösterreich und die Pädagogische Hochschule Wien beschlossen am 30.9. die gemeinsame Umsetzung der neuen PädagogInnenbildung. Ziel des neuen Verbunds "Regionales Netzwerk Niederösterreich-Wien" ist es, neue gemeinsame Bildungsangebote auf qualitativ höchstmöglichem Niveau für alle pädagogischen Berufe zu entwickeln und zu realisieren.

Zwtl.: "Qualität vor Standort" ermöglicht Studierenden größtmögliche Flexibilität

"In Zukunft darf es keine Rolle mehr spielen, wo man studiert; es muss jedoch eine einheitlich hohe Qualität der PädagogInnenbildung im Rahmen des jeweiligen Angebots an allen Standorten garantiert werden", lautet einstimmig die Kernaussage der vier RektorInnen des neuen Hochschulverbunds. Wesentlich für die hohe Qualität sei insbesondere die optimale Verbindung von Theorie und Praxis, von Forschung, Lehre und Berufsfeld in allen Tätigkeiten und Angeboten der Pädagogischen Hochschulen.

Durch die enge Zusammenarbeit aller vier Pädagogischen Hochschulen in Niederösterreich und Wien mit kompatiblen Lehrplan-Strukturen werden künftig Studierenden neben einheitlicher hoher Qualität der Ausbildung auch ein Höchstmaß an Flexibilität in den Studien und die volle Anrechnung erbrachter Leistungen an allen Standorten gewährleistet.

Weitere Ziele des Netzwerks sind die Einrichtung von Verbundprofessuren, Kooperationen mit Universitäten im In- und Ausland sowie die enge Verschränkung von Erstausbildung, Fortbildung und Weiterbildung.

Der neue Hochschulverbund "Regionales Netzwerk Niederösterreich-Wien" hat mit insgesamt 7.500 Lehramtsstudierenden der Erstausbildung an den vier Pädagogischen Hochschulen die zweithöchste Studierendenzahl aller PädagogInnenbildungseinrichtungen Österreichs nach der Universität Wien.

Zwtl.: Gemeinsames Positionspapier des "Regionalen Netzwerks Niederösterreich-Wien"

Die Grundsätze, Zielsetzungen und Verbundstrukturen des "Regionalen Netzwerks Niederösterreich-Wien" sind in einem Positionspapier zusammengefasst, das von den vier RektorInnen der am Verbund beteiligten Pädagogischen Hochschulen am 30. September einstimmig verabschiedet wurde.

Rückfragehinweis:
Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik
Mag. Dr. Thomas Haase, Rektor
Tel.: 01/8772266
mailto:thomas.haase@agrarumweltpaedagogik.ac.at | www.agrarumweltpaedagogik.ac.at

Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems
Prof. Mag. Dr. Christoph Berger, Rektor
Tel: 01/29108-106
mailto:christoph.berger@kphvie.ac.at | www.kphvie.ac.at

Pädagogische Hochschule Niederösterreich
Univ.-Prof. HR MMag. DDr. Erwin Rauscher, Rektor
Tel: 02252/88570-101
mailto:erwin.rauscher@ph-noe.ac.at | www.ph-noe.ac.at

Pädagogische Hochschule Wien
Mag. Ruth Petz, Rektorin
Tel: 01/60118-2000
mailto:office@phwien.ac.at | www.phwien.ac.at


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APA0356 II, XI 30.09.2013 14:25:35

 

Schmied-Rückzug: AHS-Lehrer zurückhaltend, Grüne zollen Respekt

Utl.: Jubel bei Gesamtschul-Gegnern, Trauer bei Laizisten

Nationalrat/Wahlen/Politische Bewegungen/Österreich

Zurückhaltend haben die AHS-Lehrergewerkschafter den Rückzug von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) aufgenommen. Aus Sicht ihres Vorsitzenden Eckehard Quin (FCG) habe Schmied "viele offene Baustellen" hinterlassen, die noch zu einem guten Ende gebracht werden müssten. So würden bei der Zentralmatura noch immer die Durchführungsbestimmungen fehlen, es gebe keine nach Semestern eingeteilten Lehrpläne für die Modulare Oberstufe und die gesetzliche Klassenschülerhöchstzahl würde in den AHS-Unterstufen immer noch bei einem Drittel der Klassen überschritten, so Quin zur APA.

Von ihrem Nachfolger erhofft Quin sich, "dass er wieder zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Lehrern zurückfindet". Außerdem solle man sich in der nächsten Legislaturperiode auf jene Projekte konzentrieren, die nicht ideologisch umstritten sind wie etwa die Sprachförderung oder den Ausbau qualitativ hochwertiger ganztägiger Schulformen. Für das weitere Vorgehen bei der geplanten Reform des Lehrerdienstrechts, zu deren vehementesten Kritikern Quin gehört, erwartet er sich von Schmieds Rückzug vorerst keine Auswirkungen.

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hob seine gute Kooperation mit Schmied hervor. Trotz teils unterschiedlicher Ausgangspositionen habe er mit ihr gut zusammengearbeitet, "insbesondere bei unserem gemeinsamen Projekt 'PädagogInnenbildung neu', wo es uns gelungen ist, eine fundierte und qualitätsvolle Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer auf Schiene zu bringen", so Töchterle zur APA.

Respekt zollte der Grüne Bildungssprecher Harald Walser der scheidenden Ministerin: "Ich habe großen Respekt für diese Entscheidung, denn Claudia Schmied war engagiert, musste angesichts des großkoalitionären Ideologiestreits und der festgefahrenen Positionen aber scheitern", so Walser in einer Aussendung. "Eine Schulreform in der rot-schwarzen Koalition durchzuführen, ist nahezu eine mission impossible." Schmied sei von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und der SPÖ-Führungsriege "mehrfach im Regen stehen gelassen worden und die Blockadefraktion in der ÖVP hat sie von vornherein zum Feindbild erklärt." In den Diskussionen um ganztägige Schulformen, die neue Lehrerausbildung und das neue Dienstrecht sei Schmied richtig gelegen, allerdings seien Reformen so lange verwässert worden, bis nach der Beschlussfassung kaum mehr ein Fortschritt erkennbar gewesen sei.

Bedauern löst der angekündigte Rückzug Schmieds auch bei der "Initiative Religion ist Privatsache" aus. Für Initiative-Sprecher Eytan Reif war Schmied "eine der wenigen aufrichtigen Vertreterinnen des Ethik-für-ALLE-Modells": Ihr Abgang könne für die Trennung von Staat und Kirche im Schulbereich "schwerwiegende Folgen haben". Reif lobte insbesondere Schmieds "kompromisslose laizistische Haltung, die in krassem Kontrast zum rückgratlosen SPÖ-Parlamentsklub stand".

Jubel herrscht dagegen bei den Gesamtschul-Gegnern der Bildungsplattform "Leistung & Vielfalt". Vorsitzender Günter Schmid empfindet laut einer Aussendung "tiefe Befriedigung über die Entschärfung der gefährlichsten Zeitbombe für die Qualität des österreichischen Bildungswesens". Die Ministerin habe "endlich erkannt, dass ihre bildungspolitische Geisterfahrt zu beenden ist.“

Auch die VP-nahe Schülerunion freut sich auf "frischen Wind". Anerkennung zollte sie Schmied in einer Aussendung für die Aufwertung der Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen (NMS), die Senkung der Klassenschülerzahlen und deren Unterstützung für ein verpflichtendes Unterrichtsfach Politische Bildung. Bundesschulsprecherin Angi Groß hätte sich aber "insgesamt mehr Einbeziehung der Schulpartner bei den Projekten gewünscht".

(schluss) jle;aku;ham

OTS0111 II 30.09.2013 13:24:26

 

Schülerunion freut sich auf frischen Wind im BMUKK

Utl.: Bundesschulsprecherin Groß bedankt sich für Zusammenarbeit und hofft auf konstruktive Diskussionen und die Einbeziehung der Schulpartner durch den Nachfolger

Schule/Schülerunion/Groß/Schmied

Nach rund sieben Jahren an der Spitze des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zieht sich Claudia Schmied zurück und wird dieses Amt nicht mehr ausüben. "Ich bin mittlerweile die siebte Bundesschulsprecherin, die mit Claudia Schmied zusammengearbeitet hat. Es gab viele Diskussionen und Gespräche, aber wir hätten uns insgesamt mehr Einbeziehung der Schulpartner bei den Projekten erwünscht. Trotzdem bedanken wir uns für die Zusammenarbeit. Das Amt der Bildungsministerin ist sicherlich eines der schwierigsten in der Regierung." sagt Bundesschulsprecherin Angi Groß.

Bei der letzten Sitzung mit der Bundesschülervertretung sprach sich Schmied für das verpflichtende Unterrichtsfach "Politische Bildung" aus. "Als Bundesschülervertretung hoffen wir, dass sie diesen Punkt auch so an ihre Nachfolge weiterträgt. Es handelt sich dabei um unsere zentrale Forderung. Diese Zusage darf bei der Amtsübergabe auf keinen Fall verloren gehen", sagt Groß.

Für großes Aufsehen sorgte die geplante Abschaffung der schulautonomen Tage, als 2009 zehntausende Schüler in ganz Österreich auf der Straße standen. Erfolgreich waren aus Sicht der Schülerunion sicherlich die Aufwertung der Hauptschulen zu den Neuen Mittelschulen und die flächendeckende Einführung. Unter Ministerin Schmied wurde auch die Klassenschülerhöchstzahl reduziert und dadurch eine angenehmere Unterrichtsatmosphäre geschaffen.

"Wir wünschen Claudia Schmied weiterhin alles Gute und warten gespannt auf den Nachfolger. Auf jeden Fall müssen in Zukunft Eltern, Lehrer und Schüler bei der Bildungsdebatte noch stärker eingebunden werden. Die gesetzliche Verankerung eines Schulgemeinschaftsausschusses auf Bundesebene wäre der erste richtige Schritt in diese Richtung", fordert Thomas Gaar, Bundesobmann der Schülerunion.

Die Schülerunion ist die größte Interessensvertretungsorganisation für Österreichs Schüler. Über 30.000 Mitglieder vernetzen sich, um sich auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene für eine Verbesserung der Schule auf Basis der Schülerinteressen einzusetzen. Entsprechende Forderungen bringt die Schülerunion zusätzlich im Rahmen der Bundesschülervertretung (BSV) ein, in der sie in diesem Schuljahr 28 von 29 Mandaten stellt.

Rückfragehinweis:
Edin Kustura, Pressesprecher Schülerunion,
edin.kustura@schuelerunion.at, 0664/5201211


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APA0279 II, KI, XI 30.09.2013 13:11:10

 

Claudia Schmied - Rückzug vor der (neuen) Reifeprüfung

Utl.: "Fachministerin" und Gesamtschul-Befürworterin - BILD

Nationalrat/Wahlen/Politische Bewegungen/Österreich/Porträt

Ihr Rückzug aus der Politik hat sich angekündigt: Zumindest auf SPÖ-Seite galt Unterrichtsministerin Claudia Schmied nach fast siebenjähriger Amtszeit in den vergangenen Monaten als Rücktrittskandidatin Nummer eins der Regierung - auch Schmied selbst sprach am Montag davon, "keine Spontanentscheidung" getroffen zu haben.

Die bildungspolitische Causa Prima der vergangenen Monate, das neue Lehrerdienstrecht, verhandelte Schmied zwar mit. In der heißesten Phase im Sommer überließ sie aber Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die Federführung. Zuletzt gab sie auch ihre verbale Zurückhaltung gegenüber dem neuen Dienstrecht skeptisch eingestellten Lehrern auf, die sie als "Leidensgemeinschaft" bezeichnete.

Nicht mehr als Ministerin miterleben wird Schmied die Umsetzung einiger ihrer Herzensprojekte: Die erste komplette Neue Matura findet im Frühjahr 2014 statt, auch der Start der neuen Lehrerausbildung wird ohne sie über die Bühne gehen. Und ob das neue Lehrerdienstrecht tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich wohl frühestens im Zuge der Regierungsverhandlungen.

Politisch liebäugelte Schmied lange Zeit mit ihrer Eigendarstellung als aus der Wirtschaft kommende "Fachministerin", Entscheidungen sollten "faktenbasiert" getroffen werden. Dementsprechend servierte sie etwa dem damaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) den Außenseiter Dominique Meyer statt dessen Wunschkandidaten Neil Shicoff als neuen Staatsopern-Chef.

Gleichzeitig war Schmied aber auch die erste SPÖ-Politikerin seit langem, die die Umsetzung der klassischen sozialdemokratischen Idee einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen vorantrieb - mit der Neuen Mittelschule (NMS) als Einstieg und Appetizer für die ÖVP bzw. mit der gesamtschulkompatiblen Gestaltung der neuen Lehrerausbildung bzw. des geplanten neuen Dienstrechts. Spätestens mit ihrem nicht zuletzt an Gusenbauers Nachfolger Werner Faymann (SPÖ) gescheiterten Versuch, Lehrer zu zwei Stunden mehr Unterricht zu verpflichten, war Schmied aber in den zuvor möglichst gemiedenen Niederungen der Parteipolitik angelangt.

Politik wurde Schmied schon in die Wiege gelegt: Sie wurde am 10. Mai 1959 in Wien geboren - an diesem Tag fanden Nationalratswahlen statt. Der Vater, ein engagierter Sozialdemokrat, war Bereichsleiter für Finanzen in der OMV, die Mutter Schneiderin. Schmied studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität (WU). 1983, im Alter von 24 Jahren, trat sie einen Tag nach ihrer Promotion in die Investkredit Bank AG ein.

Es folgte ein stetiger Aufstieg auf der Karriereleiter in der Investkredit in verschiedenen Leitungsfunktionen, bis zum ersten Lockruf der Politik: 1997 wurde sie wirtschaftspolitische Beraterin im Finanzministerium unter Minister Rudolf Edlinger (S). 1999 kehrte sie als Abteilungsleiterin für Unternehmensfinanzierung in die Bank zurück und war dort für deren Internationalisierung und die Expansion nach Osteuropa verantwortlich. 2004 wurde sie schließlich in den Vorstand der Kommunalkredit Austria AG berufen.

Diese Zeit verfolgte sie auch noch in ihrer politischen Tätigkeit: Nach der Notverstaatlichung der Kommunalkredit wurden strafrechtliche Ermittlungen gegen Schmied geführt, nach rund fünf Jahren im Frühling 2013 aber wieder eingestellt.

Die Kunstliebhaberin war 1998/99 Vertreterin des Finanzministeriums im Kuratorium der Salzburger Festspiele, saß 1999 bis 2004 im Aufsichtsrat der Theaterservicegesellschaft "ART for ART". Von Jänner 2005 bis Juni 2006 war sie Vorstandsmitglied der Wiener Symphoniker. In welchen Sektor sie ihre berufliche Zukunft führen wird, ist laut Schmied noch offen: Sie habe sowohl Angebote aus der Wirtschaft als auch aus der Kultur.

(schluss) aku;cm;ham

OTS0100 II, CI 30.09.2013 12:59:02

 

Walser zu Schmied-Rücktritt: "Respekt, Frau Ministerin!"

Utl.: Grüne: SPÖ gibt Gemeinsame Schule schon vor Regierungsverhandlungen auf

Innenpolitik/Grüne/Walser/Schmied/Bildung

"Ich habe großen Respekt für diese Entscheidung, denn Claudia Schmied war engagiert, musste angesichts des großkoalitionären Ideologiestreits und der festgefahrenen Positionen aber scheitern", sagt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, zum Rücktritt von Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

"Eine Schulreform in der rot-schwarzen Koalition durchzuführen, ist nahezu eine mission impossible", resümiert Walser: "Die Ministerin wurde von Kanzler Werner Faymann und der SPÖ-Führungsriege mehrfach im Regen stehen gelassen und die Blockadefraktion in der ÖVP hat sie von vornherein zum Feindbild erklärt."

Walser erinnert an die heftigen Diskussionen um ganztägige Schulformen, eine neue LehrerInnen-Ausbildung oder das LehrerInnen-Dienstrecht: "In all diesen Fragen lag Schmied richtig, das Problem war, dass überfällige Reformen in den langwierigen Verhandlungen solange verwässert wurden, bis bei der Beschlussfassung im Parlament oft nur mehr sehr wenig oder gar kein Fortschritt zu erkennen war."

Verwundert zeigt sich der Grüne Bildungssprecher darüber, dass Bundeskanzler Faymann schon heute erklärt, er bestehe nicht darauf, dass das Unterrichtsressort in einer Koalition mit der ÖVP von seiner Partei besetzt werde, denn ein ÖVP-geführtes Ministerium wird in dieser Frage wohl kaum eine Reform durchführen: "Damit bricht die SPÖ schon am ersten Tag nach der Wahl das Versprechen, die Gemeinsame Schule sei eine Koalitionsbedingung. Faymann fällt in dieser Frage um, bevor er überhaupt einen Auftrag zur Regierungsbildung bekommen hat."

Rückfragehinweis:
Grüner Klub im Parlament
Tel.: +43-1 40110-6697
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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2013.09.30: Unterricht

Mittagsjournal - 30.9.2013

 

Schmied (SPÖ) verkündet Abschied

Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) im Gespräch mit Peter Daser

Unterrichts- und Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) verabschiedet sich aus der Politik. Sie hat Bundespräsident Heinz Fischer sowie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) über ihre Absicht informiert, "in nächster Zukunft keine politischen Funktionen wahrnehmen zu wollen". Sie wolle nun neue Dinge angehen, sagt Schmied im Ö1-Interview.

"Wollte nicht ablenken"

Ihre Entscheidung sei in den letzten Wochen gereift, erläutert Schmied. Bildungspolitik brauche sehr viel Kraft und Engagement, und sie wolle neue Dinge angehen. Ihre Entscheidung habe sie nicht vor der Wahl bekanntgeben wollen, um nicht vom Spitzenkandidaten abzulenken.

"Kein Spaziergang"

Auf die Frage, was sie am meisten Kraft gefordert habe, meint Schmied, "die Bildungspolitik ist kein Spaziergang". Konkret nennt sie "die stundenlangen Verhandlungen mit der Lehrergewerkschaft" und die "Zwänge des Föderalismus". Sie trage aber niemandem etwas nach, so Schmied: "Ich gehe mit großer Grandezza und Souveränität aus dem Amt."

Für die kommende Zeit habe sie mehrere berufliche Angebote, wolle sich aber auch Zeit für sich, ihre Familie und Freunde nehmen, so Schmied.

 

Mittagsjournal - 30.9.2013

 

"Pflichtenheft Bildung"

Barbara Herbst

Österreich gibt mehr Geld für Bildung aus als andere Staaten in Europa, mehr als elf Prozent der Wirtschaftsleistung. Allerdings kommen nur zwei von vier Euro beim Schulkind an, während es in Finnland drei von vier sind. Nicht die einzige Baustelle im Bildungsbereich, die die neue Bundesregierung in den kommenden fünf Jahren lösen muss.

Bildungssystem in den Kinderschuhen

In Österreich entscheidet das Elternhaus über den Bildungsstand und damit auch über die Karrierechance eines Kindes. Woanders ist es das Talent. Das bleibt nicht ohne Folgen, warnt OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger: "Hochschulabsolventen leisten den wirklich wichtigen Beitrag zur weiten Innovation, zu Forschungsarbeiten. Und Österreich wird da auch eine Notwendigkeit sehen, hier wettbewerbsfähig mit dem Ausland zu werden."

Schulform weniger wichtiger

Während sich SPÖ und ÖVP seit mehr 50 Jahren über die Schulform streiten, meinen Bildungsexperten, es komme weniger auf die Schulform - also Gymnasium oder Gesamtschule an, denn auf die Qualität des Unterrichts. Auf Talentförderung,
Kleingruppenunterricht für die schwachen und die starken Schüler, auf Teamunterricht mit Stützlehrern, Sozialpädagogen und Psychologen, sagt Sonja Dejanovic. Die Grazerin ist Jugendcoach und angehende Lehrerin: "Es fehlt dieser Coachingansatz. Auch beim Lehren. Wir als Jugendcoaches wir begleiten Schülerinnen und Schüler. Es ist so, dass Lehrer viele andere Beschäftigungen haben und das nimmt die Arbeit am Jugendlichen. Die Zeit fehlt dann."

Der Kindergarten wird in Zukunft zur wichtigsten Bildungseinrichtung. Denn mit zwei, drei Jahren können Sprach- und Entwicklungsdefizite noch ausgeglichen werden. Und die sind in Österreich vorhanden. 60 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien und jeder vierte Taferlklassler können nicht Deutsch. Das Bildungssystem steckt also sprichwörtlich in den Kinderschuhen.

 

 

- 30. September 2013

 

„Berufliche Angebote“ bekommen

Nach der Nationalratswahl hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Montag ihren Rückzug aus der Politik bekanntgegeben. Schmied leitete das Unterrichts- und Kunst- und Kulturressort seit 2007.

„Ich habe in den letzten Wochen berufliche Angebote bekommen, die ich prüfen werde, auch will ich meiner Familie und meinem Freundeskreis mehr Aufmerksamkeit widmen“, so Schmied in einer Aussendung. Sie habe Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Bundespräsident Heinz Fischer von ihrem Schritt bereits informiert. Schmied war immer wieder in die Kritik des Regierungspartners ÖVP geraten.

Dank an „Weggefährten“

Bis zur Angelobung der neuen Bundesregierung werde sie „in gewohnt professioneller Weise“ ihre Aufgaben als Bundesministerin wahrnehmen, so die Aussendung weiter. „Ich danke Bundeskanzler Werner Faymann und dem SPÖ-Bundesparteipräsidium für das mir entgegengebrachte Vertrauen. Meine Anerkennung gilt allen Weggefährten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre Loyalität. Der Sozialdemokratie und ihren Werten werde ich immer verbunden bleiben“, so Schmied.

Erste Bilanz gezogen

Unter den gegebenen Rahmenbedingungen sei sie sehr froh darüber, dass wichtige bildungspolitische Reformschritte gelungen seien, zog Schmied eine erste Bilanz. Sie nannte kleinere Klassen, die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule, den Ausbau der Ganztagsschulen, die Bildungsstandards, die Vorbereitung der neuen Matura, die Reform der Oberstufe, Investitionen in Bundesschulen, die Pädagogenbildung neu, die Verbesserung der Erwachsenenbildung mit dem Gratisnachholen der Bildungsabschlüsse Lehre und Matura.

Faymann „war informiert“

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) war eigenen Angaben zufolge schon über die Rückzugspläne von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) informiert. Vor dem SPÖ-Präsidium meinte der Parteichef Montagvormittag, Schmied habe „sehr viel weitergebracht“. Wie gut ihre Arbeit gewesen sei, werde man erst in einigen Jahren an den Ergebnissen der PISA-Tests ablesen können.

Dass Schmied wegen des Stillstands in Sachen Gesamtschule und den Problemen beim Lehrerdienstrecht schuld an den SPÖ-Verlusten bei der Nationalratswahl am Sonntag gewesen sei, wies Faymann zurück. Es wäre zu billig zu sagen, es sei da um eine Person gegangen. Ob die SPÖ wieder das Unterrichtsressort anstreben wird, ließ Faymann offen. Bildung sei ein sehr wichtiges Thema, aber Ressortfragen kämen bei Koalitionsverhandlungen erst am Schluss.

 

APA0230 II, XI 30.09.2013 12:21:46

 

Schmied-Rückzug: Lehrer hoffen auf "mehr Qualität, weniger Boulevard"

Utl.: Kimberger: "Es hat sich angekündigt und ich nehme es zur Kenntnis" - Nächster Ressortchef soll "auf die wahren Bildungsexperten" hören

Nationalrat/Wahlen/Politische Bewegungen/Österreich

"Mit großer Gelassenheit" hat der Chefverhandler bei der Reform des Lehrerdienstrechts, Paul Kimberger (FCG), am Montag auf den angekündigten Rückzug von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) reagiert. "Es hat sich angekündigt und ich nehme es zur Kenntnis", sagte er auf APA-Anfrage. Vom nächsten Unterrichtsminister erhofft Kimberger sich "mehr Bildungsqualität und weniger Boulevard, mehr Pragmatismus, weniger Ideologie".

Es brauche jemanden, der Erfahrung im Bildungsbereich habe und "auf die wahren Bildungsexperten" wie Lehrer höre. "Schilcher, Androsch und Salcher haben die Politik der Ministerin auch nicht professioneller gemacht", so Kimberger. Der nächste Unterrichtsminister solle außerdem "Reform mit den und nicht gegen die Betroffenen" machen. "Ministerin Schmied hat das mehrmals versucht und ist gescheitert."

So sei das Lehrerdienstrecht, über das seit Mai 2012 verhandelt wird, "so unprofessionell angelegt worden", dass man sich über den Status Quo nicht wundern dürfe. Besonders ärgerlich findet Kimberger dabei, dass Schmied trotz über 1.700 negativer Stellungnahmen betont hatte, dass an den Eckpunkten (u.a. Anhebung der Unterrichtsverpflichtung) nichts mehr geändert werde. "Man sollte dieses deutliche Zeichen ernst nehmen, sonst entspricht das nicht einer Demokratie." Geht es nach Kimberger, soll überhaupt ein neuer Dienstrechtsentwurf auf Basis einer Studie zur Lehrerarbeitszeit ausgearbeitet werden.

(schluss) jle;aku;ham

APA0203 II, XI 30.09.2013 11:57:21

 

Schmied-Rücktritt: 62 Projekte erledigt, große Brocken übrig

Utl.: Überblick über die großen Projekte der Ära von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) (Von Judith Lecher/APA)

Regierungspolitik/Bildung/Nationalrat/SPÖ/Österreich/Hintergrund

62 Regierungsprojekte hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2007 auf Schiene gebracht, darunter die flächendeckende Umstellung der Hauptschule auf die Neue Mittelschule (NMS) oder die Reform der Lehrerausbildung. Allerdings haben viele Projekte Schönheitsfehler, so mancher große Brocken ist unerledigt geblieben - großteils aufgrund des Widerstands von Koalitionspartner ÖVP und den Ländern. Im Folgenden ein Überblick über große Projekte der Ära Schmied:

LEHRERDIENSTRECHT: Am wohl deutlichsten gescheitert ist Schmied mit ihrem Ansinnen, Lehrer zu mehr Anwesenheit an den Schulen zu verpflichten. Schon 2009 war sie mit ihrem Plan, dass diese als Beitrag zur Bewältigung der Wirtschaftskrise zwei Stunden zusätzlich unterrichten sollen, am Widerstand der Gewerkschaft und der mangelnden Unterstützung durch die Regierung gescheitert. Auch der nächste Anlauf für eine Reform war kein Erfolg: Im Mai 2012 wurden Verhandlungen mit der Gewerkschaft begonnen, diesmal als "Regierungsprojekt" unter Einbindung von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). 33 Runden später gab es noch immer keine Einigung. Der Gesetzesentwurf, den die Regierung dennoch Mitte August in Begutachtung geschickt hat, wurde in rekordverdächtigen über 1.700 Stellungnahmen großteils harsch kritisiert und auch die ÖVP, die sich bereits davor wiederholt vom Regierungsentwurf distanziert hatte, ortet noch Verbesserungsbedarf.

LEHRERAUSBILDUNG: Nach mehr als vier Jahren Vorarbeit wurde die Reform beschlossen, aus der ursprünglich angekündigten gemeinsame Lehrerausbildung für alle wurde allerdings nichts. De facto wird es weiterhin unterschiedliche Wege zu verschiedenen Lehrämtern geben, die Zweiteilung der Ausbildung (Pflichtschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen, AHS- und BMHS-Lehrer an den Unis) bleibt großteils erhalten. Die Reform sieht vor, dass künftig jeder angehende Lehrer ein Aufnahmeverfahren bestehen und langfristig ein Masterstudium absolvieren muss, was für Pflichtschullehrer zu einer deutlich längeren Ausbildung führt. Kritik setzte es daran, dass die Ausbildung der Kindergartenpädagogen vorerst weiter kaum an Hochschulen stattfinden wird.

NEUE MITTELSCHULE: Als Kompromiss zwischen der von der SPÖ geforderten und der ÖVP abgelehnten Gesamtschule wurde eine flächendeckende Umwandlung der Hauptschule in Neue Mittelschule (NMS) beschlossen. Während Schmied die NMS als Zwischenschritt zu einer gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen sieht, wird das Projekt, bei dem in Deutsch, Mathematik und Englisch zwecks besserer Individualisierung zwei Lehrer gemeinsam in der Klasse stehen, von der politischen Konkurrenz als bloßes Austauschen von Türschildern kritisiert.

GANZTAGSSCHULE: Der angekündigte Ausbau ist Schmied gelungen, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie die SPÖ es sich gewünscht hätte. Zwar wurden die Mittel auf 160 Mio. Euro pro Jahr bis 2018 verdoppelt, mit der Forderung nach einer weiteren Aufstockung auf 320 Mio. Euro hat Schmied sich von der ÖVP allerdings eine Abfuhr geholt. Die Ansage, dass künftig jede zweite Pflichtschule auf ein ganztägiges Angebot umgestellt werden soll, wurde von der ÖVP als Kampf gegen die "Zwangstagsschule" in den Wahlkampf getragen.

ZENTRALMATURA: Die Einführung ist zwar fix, allerdings musste die Ministerin den Starttermin nach massiven Protesten von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretung um ein Jahr nach hinten verschieben. Der Vorwurf: Im Fach Mathematik sei die Zentralmatura unzureichend vorbereitet worden. Das Angebot, doch schon zum ursprünglichen Starttermin loszulegen, haben ganze zwei der fast 350 AHS wahrgenommen. Kritiker warnen außerdem vor einer Nivellierung durch die österreichweit einheitlichen Klausuren.

SPRACHFÖRDERUNG: Über Monate hinweg lieferte Schmied sich mit Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) einen medialen Schlagabtausch darüber, wie die Sprachförderung vor allem für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache verbessert werden kann. Das Ergebnis: Deutschkenntnisse sollen künftig größeren Einfluss darauf haben, ob Kinder als schulreif eingestuft werden. Darüber, ob Sprachförderung integrativ oder in von Schmied einst als "Ghettoklassen" verurteilten eigenen Klassen passieren soll, soll der jeweilige Schulleiter entscheiden.

OBERSTUFE NEU: Die von Schmied gewünschte "Abschaffung des Sitzenbleibens" ist es dann doch nicht geworden. Künftig können Schüler mit bis höchstens zwei mit "Nicht Genügend" beurteilten Modulen in die nächste Schulstufe aufsteigen, positive Noten bleiben in jedem Fall erhalten. Ein echtes Modulsystem mit der Möglichkeit einer Abwahl von Fächern bei gleichzeitiger Vertiefung in anderen Gegenständen ist aber nicht entstanden: De facto wurde nur der Jahresstoff in zwei Semester-Module unterteilt.

BILDUNGSGARANTIE: Hier wurden Gratis-Kurse zur Alphabetisierung bzw. zum kostenlosen Nachholen des Bildungsabschlusses geschaffen.

BILDUNGSSTANDARDS: Zum ersten Mal wurde unter Schmied flächendeckend erhoben, wie es um die Kenntnisse Zehn- bzw. 14-Jähriger in Österreich bestellt ist. Dass die Neue Mittelschule (NMS) bei den Ergebnissen nicht separat ausgewiesen wurde, sahen Kritiker als Beleg für ein Scheitern dieser Schulform.

SCHULVERWALTUNG: Die im Regierungsprogramm vereinbarte "Light"-Reform wurde zumindest großteils umgesetzt. Kurz vor Ende der Legislaturperiode wurde die Abschaffung der Bezirksschulräte samt der nach Proporz besetzten Kollegien beschlossen.

(schluss) jle;aku;bru

APA0175 II, XI, KI 30.09.2013 11:26:52

 

Schmied-Rückzug: Faymann lobt Arbeit der Ministerin

Utl.: Kanzler war über Rückzug "informiert"

Nationalrat/Wahlen/Politische Bewegungen/Österreich

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) war eigenen Angaben zu Folge schon über die Rückzugspläne von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) informiert. Vor dem SPÖ-Präsidium meinte der Parteichef Montagvormittag, Schmied habe "sehr viel weitergebracht". Wie gut ihre Arbeit gewesen sei, werde man erst in einigen Jahren an den Ergebnissen der PISA-Tests ablesen können.

Dass Schmied wegen des Stillstands in Sachen Gesamtschule oder den Problemen beim Lehrerdienstrecht Schuld an den SPÖ-Verlusten bei der gestrigen Nationalratswahl gewesen sei, wies Faymann zurück. Es wäre zu billig zu sagen, es sei da um eine Person gegangen.

Ob die SPÖ wieder das Unterrichtsressort anstreben wird, ließ Faymann offen. Bildung sei ein sehr wichtiges Thema, aber Ressortfragen kämen bei Koalitionsverhandlungen erst am Schluss.

(schluss) bei;ham

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
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2013.09.30: Unterricht

 

APA0052 II, KI, XI 30.09.2013 09:01:55

 

Nach NR-Wahl - Schmied nimmt den Hut

Utl.: Will "berufliche Angebote" prüfen - Bis zur Angelobung im Amt

Nationalrat/Wahlen/Politische Bewegungen/Österreich

Unterrichts- und Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat nach sechs Jahren genug von der Politik. Sie hat am Montag Bundespräsident Heinz Fischer sowie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) über ihre Absicht informiert, "in nächster Zukunft keine politischen Funktionen wahrnehmen zu wollen". Dies teilte sie Montagfrüh in einer Aussendung mit. Bis zur Angelobung der neuen Regierung werde sie ihre Aufgaben aber jedenfalls "in gewohnt professioneller Weise" wahrnehmen.

"Ich habe in den letzten Wochen berufliche Angebote bekommen, die ich prüfen werde, auch will ich meiner Familie und meinem Freundeskreis mehr Aufmerksamkeit widmen", erklärte Schmied. "Ich danke Bundeskanzler Werner Faymann und dem SPÖ-Bundesparteipräsidium für das mir entgegengebrachte Vertrauen. Meine Anerkennung gilt allen Weggefährten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre Loyalität. Der Sozialdemokratie und ihren Werten werde ich immer verbunden bleiben."

Schmied war 2007 unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) Ministerin für Unterricht, Kunst und Kultur geworden. In ihrer Aussendung zog sie eine positive Bilanz ihrer Arbeit. "Unter den gegebenen Rahmenbedingungen bin ich sehr froh darüber, dass wichtige bildungspolitische Reformschritte gelungen sind". Dazu zählt sie unter anderem "die kleineren Klassen, die flächendeckende Einführung der Neuen Mittelschule, der Ausbau der Ganztagsschulen, die Bildungsstandards, die Vorbereitung der neuen Matura oder die Reform der Oberstufe", weiters Investitionen in Bundesschulen, die neue Pädagogenausbildung, Verbesserungen der Erwachsenenbildung sowie die Vereinbarkeit von Lehre und Matura.

Im Kunst- und Kulturbereich seien "wichtige Personalentscheidungen" getroffen worden, "trotz schwierigster Budgetvorgaben" sei das Budget in den schwerpunktmäßig, etwa im Film, ausgeweitet worden. "Wichtige Schritte" habe sie auch in der Kunstvermittlung gesetzt, so die scheidende Ministerin, die unter anderem den freien Eintritt für Junge in die Bundesmuseen nannte. Und schließlich verwies sie auf Großprojekte wie Kunstkammer oder das 21er Haus und Maßnahmen für den künstlerischen Nachwuchs.

(schluss) ks;ham

 

 

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Donnerstag, 26. September 2013

27.9.: Pressespiegel - Unterricht

Standard, 27. Sep. 2013

 

Lehrerbildung: Fachkompetenz ist nicht genug

Kommentar der anderen | Wolfgang Kofler, 26. September 2013, 19:21

Die Ausbildung von Pädagogen verdient mehr Respekt. In modernen Schulen ist mit Fachwissen alleine nichts mehr zu reißen. Dazu gehören auch Didaktik und die vielgeschmähte Pädagogik

Zuletzt wurde immer wieder, auch auf diesen Kommentarseiten des STANDARD, der Niedergang der Lehrerbildung beklagt und die Schuld dafür der Politik in die Schuhe geschoben. Sie horche schon zu lange auf eine "Zunft von Pädagogikaposteln und Bildungsdateningenieuren" (Gerhard Ramharter am 1. 9. 2013) und beschleunige damit den Niedergang unserer Schule.

Ganz so einfach sollten wir es uns jedoch nicht machen. Zum einen wiederholen die Invektiven einen Topos, der uns aus der Bildungsgeschichte seit der Antike nur zu gut bekannt ist. Er besagt, dass die Jungen es immer schlechter machen als die Alten. Wäre dies tatsächlich wahr, würden wir längst schon wieder auf Bäumen leben oder in Höhlen hausen.

Mag sein, dass man früher einige Dinge besser konnte als heute. So stimmt es gerade mich als Geisteswissenschafter äußerst traurig, dass etwa die Lese- und Schreibkompetenz unter jungen Menschen immer stärker abnimmt und besonders unsere Muttersprache davon stark betroffen ist. Aber seien wir doch ehrlich: Dafür beherrschen sie vieles andere, was wir uns erst mühevoll und unter großem Zeitaufwand erarbeiten mussten. Und ich spreche hier nicht nur vom Umgang mit den neuesten Medien, sondern meine auch in einer globalen Welt so wichtige Kompetenzen wie Fremdsprachenkenntnisse.

Dass der Blick auf die gute alte Zeit dazu neigt, bestimmte Sachverhalte zu verklären und wieder andere auszublenden, zeigt sich auch an den gelegentlich beigebrachten Belegen für die These. Über den Superpädagogen, der die Hälfte eines Jahrgangs durch die Ausstrahlungskraft seiner Persönlichkeit dazu motiviert, in seine beruflichen Fußstapfen zu treten, vergessen wir jene zahlreichen Fälle, die mit ihrer Unfähigkeit, ihr Fachwissen anschaulich und altersgerecht weiterzuvermitteln, an Generationen von Schülern vorbeiunterrichtet haben.

Niemand stellt in Abrede, dass diese Kollegen in ihren Fächern exzellent ausgebildet und bis in die Fingerspitzen motiviert waren. Aber fachliche Expertise und Begeisterung sind keine Selbstläufer. Ein wirklich guter Lehrer muss nicht nur wissen, was er lehrt, sondern auch, wie er das tut und wen er vor sich hat. Ohne diese Kompetenzen bleibt er ein Dilettant.

Die Regelungen zur Pädagogenbildung neu entspringen nun gerade dem Bemühen um eine Professionalisierung des Lehrerberufs. Sie sehen im Übrigen keinen Kahlschlag der Fächer vor. Dadurch dass für die Ausbildung nun mehr Semester als bisher angesetzt werden, bleiben die dem Fachstudium vorbehaltenen Ressourcen erhalten. Zudem können die einzelnen Institutionen auch noch eigene Schwerpunkte setzen und nicht zuletzt auf fächerspezifische Erfordernisse reagieren.

Denn es ist schon klar, dass es Luft nach oben gibt. Dies gilt aber nicht nur für die Fächer, sondern auch für die Bildungswissenschaften, die zum Teil mitverantwortlich für die Attacken gegen den Status quo sind. Zu oft beklagen sich Studierende, dass sie in Lehrveranstaltungen aus dem Bereich der allgemeinen Pädagogik nichts lernen, sondern wie in Selbsthilfegruppen lediglich über ihr Rollenverständnis und ihre seelischen Befindlichkeiten reflektieren.

Gerade hier wird es in Zukunft darauf ankommen, dass die vom Gesetzgeber vorgesehenen Möglichkeiten effizienter genutzt werden. Der Ball liegt zunächst zweifellos bei den ausbildenden Institutionen, die besonders durch die Qualität der von ihnen angebotenen Studien in Wettbewerb zueinander treten sollten. Dabei ist natürlich zu hoffen, dass auch die Ministerien diese Linie verfolgen und den Erfolg der Universitäten und pädagogischen Hochschulen nicht allein an den Zahlen der "produzierten" Absolventen messen.

Nur die Besten

Wenn dies eintritt, ist auch die von den Reformgegnern beschworene Gefahr klein, dass die Sekundarstufe in Zukunft von Lehrern überschwemmt wird, die nur ein Jahr an einer Universität studiert haben. Denn lediglich die besten Absolventen eines Bachelors der pädagogischen Hochschulen werden ein von einer Universität alleine gestaltetes oder zumindest mitgetragenes Masterstudium erfolgreich meistern. Vor diesem Hintergrund ist auch nicht zu fürchten, dass mit dem neuen Gesetz die "gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen" gleichsam durch die Hintertür flächendeckend eingeführt wird.

Opfer der Gesamtschule

Das wäre in meinen Augen tatsächlich fatal, wobei ich mir dieses Urteil deshalb zutraue, weil ich in meiner Jugend ein Opfer der italienischen Gesamtschule Südtiroler Prägung war: Meine Lehrer waren zwar engagiert und kompetent, aber gegen die Nach- teile eines Systems, das die leistungsschwachen Schüler überfordert, die -starken langweilt und beide demotiviert, standen sie auf verlorenem Posten.

Für unsere Fächer gibt es in Summe also keinen Grund schwarzzusehen. Wachsamkeit ist sicher geboten, aber auch für diese ist gesorgt: Die Umsetzung der Pädagogenbildung neu wird von einem sechsköpfigen Qualitätssicherungsrat begleitet, dem ich selbst angehöre und dessen gesetzliche Aufgabe u. a. darin besteht, darauf zu achten, dass alle vier Säulen der Lehrerbildung (Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Pädagogik, Schulpraxis) zu ihrem Recht kommen. (Wolfgang Kofler, DER STANDARD, 27.9.2013)

WOLFGANG KOFLER (Jahrgang 1970) stammt aus Südtirol und lehrt klassische Philologie an der Universität Innsbruck. Er ist Mitglied des Qualitätssicherungsrates für Pädagogenbildung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2013.09.26: Unterricht

 

APA0291 II, XI 26.09.2013 12:52:03

 

Lehrerdienstrecht - Schmied: "Am Grundkonzept werden wir festhalten"

Utl.: "Begutachtungsprozess wie jeder anderer"

Lehrende/Öffentlich Bedienstete/Öffentliche Finanzen/Österreich

Mehr als tausend Stellungnahmen, der Großteil davon sehr kritisch, sind zum Begutachtungsentwurf für das neue Lehrerdienstrecht eingegangen. Diese werden nun laufend ausgewertet und "auf berechtigte Kritik wird eingegangen", betonte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Rande einer Pressekonferenz gegenüber der APA. Gleichzeitig sieht sie bei der Frage der höheren Unterrichtsverpflichtung und der neuen Gehaltskurve keinen Spielraum: "Am Grundkonzept werden wir festhalten."

Schmied rechnet damit, dass noch bis Dienstag fristgerecht per Post verschickte Stellungnahmen eingehen werden. Diese sollen dann "in einem Begutachtungsprozess wie jedem anderen" gesichtet werden. Danach sollen in der Regierung etwaige Änderungen besprochen werden.

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- 26. September 2013

 

Lehrerdienstrecht: Schmied will „am Grundkonzept“ festhalten

Mehr als tausend Stellungnahmen, der Großteil davon sehr kritisch, sind zum Begutachtungsentwurf für das neue Lehrerdienstrecht eingegangen. Diese werden nun laufend ausgewertet, und „auf berechtigte Kritik wird eingegangen“, betonte Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Rande einer Pressekonferenz gegenüber der APA.

Gleichzeitig sieht sie bei der Frage der höheren Unterrichtsverpflichtung und der neuen Gehaltskurve keinen Spielraum: „Am Grundkonzept werden wir festhalten.“

Schmied rechnet damit, dass noch bis Dienstag fristgerecht per Post verschickte Stellungnahmen eingehen werden. Diese sollen dann „in einem Begutachtungsprozess wie jedem anderen“ gesichtet werden. Danach sollen in der Regierung etwaige Änderungen besprochen werden.

 

 

 

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Mittwoch, 25. September 2013

2013.09.26: Newsletter Unterricht

 

Die Presse – 26. September 2013

 

 

Lehrer: Mehr als 1400 Dienstrecht-Stellungnahmen

Die Begutachtungsfrist des umstrittenen Entwurfs der Regierung für das neue Lehrerdienstrecht ist ausgelaufen. Junglehrer kündigen eine Demo an.

Wien. Die Kampagne der Lehrergewerkschafter hat offensichtlich gewirkt: Mehr als 1400 Stellungnahmen zum Entwurf für das neue Lehrerdienstrecht sind bis gestern, dem letzten Tag der Begutachtungsfrist, im Parlament eingelangt – viele davon von einzelnen Lehrern, die von ihren Vertretern im Vorfeld dazu aufgerufen worden waren, ihre Meinung zu dem umstrittenen Papier kundzutun, das die Regierung ohne den Segen der Gewerkschaft in Begutachtung geschickt hatte.

Den Lehrern und ihren Gewerkschaftern ist zunächst einmal die Erhöhung der Unterrichtspflicht ein Dorn im Auge. Laut Entwurf sollen alle Lehrer pro Woche 24 Stunden unterrichten (Klassenvorstände, Lernbegleiter oder Mentoren weniger), derzeit sind es zwischen 20 und 22 Stunden, bei vorbereitungsintensiven Fächern noch weniger. Noch ein Kritikpunkt der Lehrer: Anders als bisher sollen aufwendigere Fächer nicht mehr durch weniger Unterrichtsstunden, sondern durch finanzielle Zulagen abgegolten werden.

Was zu einem weiteren zentralen Kritikpunkt führt: dem Einkommen. Während die Regierung für fast alle Lehrertypen einen Zugewinn errechnet, geht die Gewerkschaft von Verlusten aus. Die Regierung vergleicht jeweils eine Unterrichtsverpflichtung von 22 Stunden und zinst die höheren Anfangsgehälter mit vier Prozent ab. Die Gewerkschaft lehnt das ab – und kommt beim Lebensverdienst auf ein Minus von bis zu einer halben Million Euro.

Sowohl Pädagogen als auch Uni-Vertreter kritisieren, dass Lehrer schon mit einem Bachelorabschluss an höheren Schulen unterrichten dürfen. Zwar müssten sie binnen fünf Jahren den Master machen – ob sie widrigenfalls gekündigt werden, liegt aber am Dienstgeber. Dass Lehrer vorübergehend auch Fächer unterrichten dürfen, für die sie nicht lehrbefähigt sind – in Hauptschulen und Neuen Mittelschulen ist das derzeit schon Usus –, lehnen praktisch alle Begutachter ab.

Weniger Zeit für Individualisierung

Ein häufiger Einwand betrifft den Umstand, dass die Erhöhung der Lehrverpflichtung der angekündigten Individualisierung widerspricht – weil Lehrer mehr Klassen übernehmen und weniger Zeit für einzelne Schüler haben. Dass parallel zur Stundenerhöhung kein substanzieller Ausbau des Unterstützungspersonals in Sicht ist – die Gewerkschaft fordert mehr Psychologen und Verwaltungspersonal – stört die Lehrer ebenfalls.

Eine Junglehrerinitiative kündigt inzwischen eine neue Demonstration gegen das Dienstrecht an. Wann dieses beschlossen wird (oder ob es überhaupt so weit kommt), liegt an der neuen Regierung. 

 

 

"Österreich" vom 26.09.2013                                  Seite 10

Ressort: Politik

 

Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich

 

1.000 Stellungnahmen gegen Dienstrecht

 

Nächste Lehrer-Demo fix

 

Am 7. Oktober gehen Junglehrer auf die Straße, um vor dem "Sparpaket"-Dienstrecht zu warnen.

 

Wien. Die Initiative Für ein faires LehrerInnendienstrecht trommelt über Facebook bereits Pädagogen für eine Großdemonstration am 7. Oktober zusammen. Ihr Anliegen: Der Entwurf zum neuen Lehrerdienstrecht sei ein "Sparpaket" und gehöre "fundamental überarbeitet".

 

Bis gestern waren Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf möglich. Über 1.000 Lehrer nutzten diese Möglichkeit -ein neuer Rekord.

 

 

"Der Standard" vom 26.09.2013                               Seite: 10

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

Mehr als 1470 potenzielle Lehrerdienstrechtsverhandler

 

Sehr viele Stellungnahmen – Hauptkritikpunkte: Arbeitszeit, Einkommen, Ausbildungsqualität, Unterricht

 

   Wien – Sicherheitshalber wurde im letzten Satz auf einen nicht unwesentlichen Punkt hingewiesen: „Der Begutachtungsentwurf ist mit der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst inhaltlich nicht in allen Punkten akkordiert“ stand am Ende des Begleitbriefs aus dem Beamtenministerium, mit dem vor sechs Wochen der Begutachtungsprozess für den Gesetzesentwurf der Regierung für die „Dienstrechts-Novelle 2013 – Pädagogischer Dienst“ versandt wurde. In den Erläuterungen zum Gesetz heißt es: „Aktuell entsprechen einige Bereiche im Dienst- und Besoldungsrecht nicht mehr den Anforderungen einer modernen (schulischen) Arbeitswelt und sind daher verbesserungswürdig.“

 

   Diese Novelle würde sieben Gesetze ändern, darunter einige recht alte, etwa das Gehaltsgesetz 1956 oder das Vertragsbedienstetengesetz 1948. Am Mittwoch lief die Begutachtungsfrist ab und bis zum Nachmittag sind mehr als 1470 Verbesserungsvorschläge oder Kritikversionen eingelangt. Zu Wort gemeldet haben sich, wie üblich, Interessenvertretungen wie die Lehrergewerkschaften, aber auch, weniger üblich, viele einzelne Lehrerinnen und Lehrer sowie, mehrere Kollegien, „Lehrkräfte“ und „Lehrkörper“ von Gymnasien.

 

   Die häufigsten Kritikpunkte: Arbeitszeit, Einkommen, Ausbildungsqualität und Unterricht. Vor allem die Lehrer und ihre Personalvertreter stört die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden für alle Lehrer (derzeit zwischen 20 und 22 Stunden; für Klassenvorstände, Mentoren, Lernbegleitung und Eltern- bzw. Schülerberatung gibt es bis zu zwei Abschlagsstunden). Die massive Aufstockung des Supportpersonals ist nicht in Sicht.

 

   Während die Regierung ein Plus bei der Lebensverdienstsumme der Lehrer errechnet, kommen die Gewerkschaften auf ein Minus, das sie für inakzeptabel halten.

 

   Kritik kommt auch an der Lehrerlaubnis bereits mit Bachelorabschluss und nicht erst mit Master, der binnen fünf Jahren gemacht werden muss.

 

   Unterricht in fachfremden Fächern, und sei er vorübergehend, lehnen praktisch alle Begutachter ab, auch wird bemängelt, dass die viel geforderte Individualisierung mit der ausgeweiteten Unterrichtsverpflichtung inkompatibel sei, weil mehr Unterrichtsstunden mehr Klassen und damit mehr Schüler hießen.

 

   Eine Junglehrerinitiative kündigte daher bereits eine neuerliche Demo Anfang Oktober an. Der „Sparpaket“-Entwurf sei „fundamental zu überarbeiten“. Sie bekommen Argumentationshilfe von ÖH und Universitätenkonferenz (Uniko), die vor allem in der „Induktionsphase“ eine Überlastung von Junglehrern befürchten.

 

   Die Stellungnahmen werden nun von Beamten der zuständigen Ministerien (Unterricht, Beamte, Finanzen) ausgewertet, hieß es auf Standard-Anfrage im Unterrichtsressort: „Danach wird die Bundesregierung entscheiden, ob es noch eine Verhandlung gibt, oder ob der Gesetzesentwurf unverzüglich dem Nationalrat zur Beschlussfassung vorgelegt wird.“ (nim, APA)

 

 

Kurier – 26. September 2013

 

AK hinter Schmied und kontra Neugebauer. Für die AK ist der Gesetzesentwurf „eine brauchbare Grundlage“, um weiterzukommen.

Die Zahl ist ein einmaliger Rekord: 1500 Stellungnahmen lagen Mittwoch am späten Nachmittag zum Entwurf des neuen, einheitlichen Dienstrechts für alle Lehrer im Parlament.

Darunter sind viele von Lehrern und Personalvertretern, die in wenigen Zeilen gegen das Projekt protestieren. Großen Ärger gibt es wegen der Vorgangsweise der Regierung, den Entwurf ohne Konsens mit der Gewerkschaft ausgeschickt zu haben.

Brauchbare Grundlage

Ganz anders liest sich die Position einer anderen Arbeitnehmervertretung, nämlich die der Arbeiterkammer, die dem KURIER vorliegt.

Gleich auf der ersten Seite steht im Fettdruck: „Die Bundesarbeitskammer sieht in den vorliegenden Gesetzesentwürfen eine brauchbare Grundlage und einen ersten wichtigen Schritt in Richtung eines modernen Dienst- und Besoldungsrechts, das für die Weiterentwicklung des Bildungswesens unerlässlich ist.“ Dass künftig höhere Einstiegsgehälter und im Verlauf des Verdienstes eine flachere Gehaltskurve geplant seien, hält die AK für richtig. Das werde zu einer Attraktivierung des Berufes führen.

Wenige Punkte werden negativ bewertet. So wird etwa kritisiert, dass Berufsein-steiger zwölf Jahre lang in der ersten Gehaltsstufe bleiben. Außerdem wird verlangt, dass auch Kindergartenpädagogen an Hochschulen ausgebildet werden und in der Folge in das neue Dienst- und Besoldungsrecht aufgenommen werden. Am Schluss der Stellungnahme heißt es, die AK gehe davon aus, dass die Bundesregierung noch Gespräche mit den Gewerkschaften führen werde, „um eine einvernehmliche Lösung zu erzielen“.

Auch die Stellungnahme der Industriellenvereinigung (IV) ist positiv. Das überrascht weniger, zumal die IV seit Jahren auf Reformen im Bildungssystem drängt.

Rasch in Kraft treten

Dennoch werden Details genannt, die bereinigt werden müssten.

Dazu zählen die Voraussetzungen für ein Dienstverhältnis an einer AHS. Für eine Anstellung reiche der akademische Grad eines Bachelor. Für den Einsatz in der Oberstufe sei aber ein Master Bedingung. Da bestehe Klärungsbedarf. Die IV fragt, ob es zwischen Unter- und Oberstufenlehrern künftig Unterschiede geben solle. Christian Friesl, IV-Bildungsexperte, lobt den Gesetzesentwurf trotzdem: „Das ist ein richtiger Schritt und die Gesetze sollten rasch in Kraft treten.“ All das, was jetzt nicht klar sei, könne leicht bereinigt werden.

Proteste

Wenig schmeichelhaft ist dafür das Urteil der Universitätenkonferenz und der Österreichischen Hochschülerschaft. Beide befürchten, dass Junglehrer beim Berufseinstieg überlastet werden und verlangen eine Reduktion der Unterrichtszeit.

Vor einem „massiven Qualitätsverlust“ warnt die „Initiative für ein faires LehrerInnendienstrecht“. Bei einer Demo Anfang Oktober wollen die in der Gruppe organisierten Junglehrer an die künftige Bundesregierung appellieren, das als Sparpaket bezeichnete neue Dienstrecht „fundamental zu überarbeiten“.

Die Stellungnahmen der Lehrergewerkschaften liegen schon seit zwei Wochen vor. Der Gesetzesentwurf wird darin sachlich und inhaltlich und somit als nicht praxistauglich abgelehnt.

Die Knackpunkte

Arbeitszeit Künftig sollen Lehrer 24 Stunden pro Woche unterrichten. Zwei Stunden Abschlag sind für Klassenvorstände, Lernbegleitung und Schüler- bzw. Elternberatung vorgesehen. Derzeit unterrichten Lehrer 22 Stunden, an höheren Schulen bei korrekturintensiven Fächern 17 bis 18 Stunden. Die Gesamtarbeitszeit steigt also. Die Lehrergewerkschaft verlangt eine Arbeitszeitstudie und ein Jahresarbeitsmodell.

Gehalt Derzeit verdienen Junglehrer zwischen 2000 und 2200 Euro brutto pro Monat. Künftig soll das Einstiegsgehalt 2400 Euro brutto betragen. Aufwendigere Fächer sollen nicht mehr mit weniger Unterrichtsstunden, sondern mit Zulagen abgegolten werden. Die Lehrergewerkschaften fürchten hohe Verluste beim Lebensverdienst, die Regierung geht von einem Zugewinn aus.

Unterstützungspersonal Das Versprechen, den Lehrern genug Unterstützungspersonal (etwa Schulpsychologen, Verwaltungskräfte) zur Seite zu stellen, hat die Regierung nicht eingehalten. Die Rede ist von 2000 Personen bis 2020, die Gewerkschaft will 13.500.

 

 

Wiener Zeitung – 26. September 2013

 

Unterrichtszeit, Einkommen, Ausbildungsqualität

Die häufigsten Kritikpunkte am Lehrerdienstrecht

 

 

Wien. Ungewöhnlich eifrige Leser hat der von der Regierung ausgesandte Begutachtungsentwurf zum Lehrerdienstrecht gefunden: Am heutigen letzten Tag der Begutachtungsfrist waren in der Früh auf der Parlaments-Homepage rund 450 Stellungnahmen abrufbar - Tendenz nach wie vor steigend. Die meisten Verfasser sind anders als üblich nicht Interessenvertretungen, Ministerien etc., sondern einzelne Lehrer. Im Anschluss die häufigsten Kritikpunkte der Begutachter.

   ARBEITSZEIT: Vor allem den Lehrern und ihren Personalvertretern ist die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung ein Dorn im Auge. Künftig sollen alle Lehrer 24 Stunden unterrichten (wobei bis zu zwei Abschlagsstunden für Klassenvorstände, Mentoren sowie für Lernbegleitung und Schüler- bzw. Elternberatung vorgesehen sind). Derzeit beträgt die Unterrichtsverpflichtung grundsätzlich - je nach Lehrergruppe - zwischen 20 und 22 Stunden. Wer an höheren Schulen besonders vorbereitungs- und korrekturintensive Fächer unterrichtet, kommt derzeit sogar nur auf eine Lehrverpflichtung von 17 bis 18 Stunden. Mit der zusätzlichen Unterrichtszeit steigt aber auch die Gesamtarbeitszeit, da Entlastung durch Supportpersonal in größerem Umfang noch nicht in Sicht ist.

  EINKOMMEN: Mit dem Thema Arbeitszeit eng verwoben sind die künftigen Gehälter. Aufwendigere Fächer sollen laut Entwurf nicht mehr durch weniger Unterrichtsstunden, sondern durch finanzielle Zulagen abgegolten werden. Während die Regierung für fast alle Pädagogengruppen einen Zugewinn bei der Lebensverdienstsumme errechnet, geht die Gewerkschaft von Verlusten aus. Dabei wird nach verschiedenen Modellen gerechnet: Die Regierung vergleicht jeweils eine Unterrichtsverpflichtung von 22 Stunden (im neuen System mit den zwei Abschlagsstunden für Klassenvorstände, Lernbegleitung etc. eine Vollbeschäftigung, im alten durch die Einrechnung der Vergütung der dafür nötigen Überstunden) und zinst die höheren Anfangsgehälter mit vier Prozent ab. Die Gewerkschaft wehrt sich gegen eine Abzinsung der zunächst höheren Gehälter und kommt durch andere Ansätze auf Verluste bis zu einer halben Mio. Euro beim Lebensverdienst.

  AUSBILDUNGSQUALITÄT: Sowohl Lehrer als auch Uni-Vertreter kritisieren, dass künftig Lehrer schon nach Abschluss des Bachelor-Studiums auch an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) unterrichten dürfen. Derzeit ist dafür der Abschluss eines Magisterstudiums nötig. Zwar sind die Bachelor-Lehrer verpflichtet, innerhalb von fünf Jahren ihren Masterabschluss nachzuholen - widrigenfalls droht die Kündigung. Allerdings ist die Kündigung nur ein Recht des Dienstgebers: Dieser könne darauf verzichten und so die eigentliche Notwendigkeit eines Masterabschluss umgehen, so ein Kritikpunkt.

   UNTERRICHT IN FACHFREMDEN GEGENSTÄNDEN: Der Entwurf sieht vor, dass Lehrer künftig vorübergehend aus wichtigen Gründen auch Fächer unterrichten dürfen, für die sie nicht lehrbefähigt sind. Das ist derzeit zwar schon in Haupt- und Neuen Mittelschulen Usus, wird aber trotzdem von praktisch allen Begutachtern abgelehnt.

  KEINE INDIVIDUALISIERUNG DES UNTERRICHTS:
Ein häufiger Einwand betrifft den Umstand, dass die Ausweitung der Lehrverpflichtung der immer wieder angekündigten Individualisierung des Unterrichts widerspricht: Wenn ein Lehrer zusätzliche Stunden unterrichten muss, bekommt er im Regelfall auch zusätzliche Klassen und muss damit mehr Schüler betreuen.

 

 

Wiener Zeitung – 26. September 2013

 

Erwin Wagenhofer über die Schule der Zukunft und seinen neuen Film "Alphabet"

"Bildung kann man nicht ranken"

 

Von Luiza Puiu, Mitarbeit: Elisabeth Gamperl

 

  • "Nicht die Analphabeten und Obdachlosen haben Geld verzockt und zur Krise geführt."

 

"Wiener Zeitung": Was funktioniert am österreichischen Bildungssystem nicht?
Erwin Wagenhofer: Mich interessierten in diesem Film nicht die kosmetischen Fehler der Haupt- oder Gesamtschule. Es ging mir darum, die Haltung zum Thema Bildung aufzuzeigen. Bildung ist ein schwammiger Begriff. Wir brauchen neue Begriffe. Erziehung sollte gegen das Wort Beziehung ausgetauscht werden. Wir glauben Kinder kommen leer zur Welt. Das stimmt aber nicht. Sie hätten aber unendlich viele Möglichkeiten. Werden sie positiv beeinflusst, dann blühen sie auf. Wie wir sie jetzt behandeln führt das dazu, dass unsere Kinder Geld, Effizienz und Wirtschaftlichkeit für das wichtigste im Leben halten.

Also ist die Bildung an vielem schuld?
Wagenhofer: Ja, es sind nämlich nicht die Analphabeten und Obdachlosen, die das Geld verzocken und zur Krise geführt haben. Das waren Leute, die vorher an den besten Universitäten der Welt studiert haben. Die haben die Finanzmärkte zu dem gemacht was sie heute sind, nicht die Arbeitslosengeldbezieher.

Was hat das mit Bildung zu tun?
Wagenhofer: Wir wollen, dass alle Kinder gleich sind. Die Gesellschaft stellt einen Bedarf fest. Etwa, dass wir 600.000 Programmierer brauchen. Dann produzieren wir sie. Ein paar Jahre später ändert sich der Bedarf und wir trimmen unsere Kinder dann darauf. Derzeit sollen alle Kinder auf Fächer wie Mathematik, Informatik spezialisiert sein. Wir achten nur auf Quantität, nicht auf Qualität. Wenn ich Kindern vorschreibe, was sie zu tun haben, verlieren sie die Lust am lernen. Wir treiben es ihnen aus und verbilden sie. Das was sie derzeit beigebracht bekommen, ist sehr wenig. Kinder verbringen zirka zwölf Jahre in der Schule. Wer weiß, was ihnen hängen bleiben würde, wenn sie in dieser Zeit das machen könnten, was sie wollen.

Der Film zeigt zwei Extreme: das strenge chinesische Schulsystem und den Drill bei der McKinsey Unternehmensberaterausbildung, dann wieder zeigt er positiv bewertetet Bildungsalternativen wie Rudolf-Steiner- oder Montessori-Schulen. Der klassische Bildungsweg, den viele in Österreich gehen, bleibt außen vor.
Wagenhofer: Der klassische Weg wird durch China abgedeckt.

 

 

Heute – 26. September 2013

 

Rache der Lehrer

1.500 Beschwerden zu Lehrer-Dienstrecht

Das ist absoluter Rekord: Bis Mittwochabend gingen beim Parlament 1.500 (!) Stellungnahmen zum Lehrerdienstrecht ein. Und: Für Anfang Oktober planen die Junglehrer Demonstrationen.

Normalerweise gehen im Parlament rund 40 Stellungnahmen ein, nachdem ein Gesetz in Begutachtung geschickt wurde. Beim neuen Lehrerdienstrecht ist aber alles anders. Zuerst hatte die Regierung den Entwurf ohne Gewerkschaftsbeschluss in Begutachtung geschickt – für die erboste Lehrergewerkschaft ein "einzigartiges" Vorgehen. Jetzt folgte die "Rache" der Lehrer: Das Parlament wurde mit Stellungnahmen regelrecht bombardiert.

+++ Junglehrer planen weitere Demo gegen "Sparpaket" +++

1.500 waren es Mittwochabend bereits. Grund dafür: Nicht nur Institutionen, Länder und Ämter legten ihre Sicht der Dinge dar, sondern Hunderte Lehrer selbst schickten ihre Beschwerden direkt ans Parlament. Tenor: Wie von der Regierung geplant, darf das Dienstrecht (es gilt nur für neu eintretende Lehrer) nicht kommen. Die Regierung ist gesprächsbereit, die Eckpunkte werden aber bleiben. Junglehrer wollen Anfang Oktober gegen das "Sparpaket" demonstrieren.

 

 

Heute – 26. September 2013

 

Lehrerdienstrecht

Junglehrer planen weitere Demo gegen "Sparpaket"

Die "Initiative für ein faires LehrerInnendienstrecht" warnte am Mittwoch anlässlich des Endes der Begutachtungsfrist, dass durch das neue Lehrerdienstrecht ein massiver Qualitätsverlust für die Schüler drohe. Die Junglehrer planen eine Demo Anfang Oktober, bei der sie die künftige Regierung dazu aufrufen, den als "Sparpaket" kritisierten Gesetzesentwurf "fundamental zu überarbeiten".

Es gehe nicht darum, dass Lehrer nicht zu zwei Stunden mehr Arbeit bereit wären. "Es geht um die Qualität der Bildung unserer Kinder." Und die sei durch die geplante Reform massiv bedroht - vor allem durch die höhere Unterrichtsverpflichtung, den Einsatz von Lehrern in Gegenständen, für die sie nicht ausgebildet wurden, und die neue Berufseinführung in der Induktionsphase, kritisierte Sprecherin Regina Bösch.

Der Ersatz des derzeitigen Unterrichtspraktikums durch die Induktionsphase werde zur massiven Überforderung junger Lehrer führen, warnte Bösch außerdem. Derzeit müssen Junglehrer maximal sieben Wochenstunden Unterricht in den Klassen ihrer Betreuungslehrer halten, zusätzlich den Unterricht anderer Lehrer beobachten und ein Begleitstudium an den Pädagogischen Hochschulen (PH) absolvieren. Künftig sollen Junglehrer 24 Stunden in eigenen Klassen unterrichten, den Unterricht vorbereiten sowie Konzepte und Beurteilungsschemata entwickeln, das Begleitstudium an der PH in der unterrichtsfreien Zeit kommt noch dazu.

Dienstrecht-Wahl eine Farce?
Verärgert sind die Junglehrer auch über die Darstellung der Regierung, wonach Junglehrer bis 2019/20 zwischen altem und neuem Dienstrecht wählen können. De facto würden nämlich alle, die bis dahin keinen unbefristeten Vertrag haben, zur Umstellung gezwungen - also auch Lehrer, die dann schon fünf Jahre lang mit den üblichen befristeten Ein-Jahres-Verträgen arbeiten oder einen Sondervertrag haben.

Künftig sollen alle Lehrer 24 Stunden in der Klasse stehen. Derzeit sind es an AHS und berufsbildenden mittleren Schulen (BMHS) 20 bis 22, wobei Stunden in betreuungsintensiven Fächern höher bewertet sind, was die Unterrichtsverpflichtung auf bis zu 17 Wochenstunden verringert. Die Anhebung auf 24 Stunden würde bedeuten, dass Lehrer zusätzliche Klassen und damit deutlich mehr Schüler betreuen müssen - ein Widerspruch zur von der Politik eingeforderten Individualisierung, so Bösch. "Die Qualität der Betreuung wird auf jeden Fall sinken." Verschärft werde das durch den Plan, dass künftig auch an den AHS und BMHS - wie schon jetzt an den Hauptschulen/Neuen Mittelschulen (NMS) - Lehrer auch zum Unterrichten in Fächern verpflichtet werden könnten, die sie nicht studiert haben.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 267 vom 26.09.2013               Seite: 12

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Viel Kritik am Lehrerdienstrecht

 

Zahlreiche Lehrer und Schulen waren dem Aufruf zu negativen Stellungnahmen gefolgt.

 

   Wien - Wer auch immer nach der Wahl am Sonntag auf Regierungsseite mit dem neuen Lehrerdienstrecht befasst ist, muss mit viel Arbeit rechnen: Gestern ist die Begutachtungsfrist für den Entwurf der rot-schwarzen Koalition zu Ende gegangen. Und zahlreiche Pädagogen waren dem Aufruf der Gewerkschaft der AHS-Lehrer gefolgt, persönlich ablehnende Stellungnahmen abzugeben.

 

   Skepsis gegenüber dem Entwurf war auch vonseiten der Regierungspartei ÖVP geäußert worden. Er sehe noch ?einigen Korrekturbedarf", sagte zuletzt am Dienstag Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der gleichzeitig zusagte, dass über niemanden ?drübergefahren" werden solle. Er wünsche sich zwar einen raschen Beschluss, lehne aber Zeitdruck dabei ab.

 

   Hauptkritikpunkt der Lehrer und Personalvertreter ist die neue Arbeitszeitregelung. Laut dem Entwurf sollen alle Lehrer 24 Stunden pro Woche unterrichten, wobei für die Tätigkeit als Klassenvorstand sowie für Eltern- und Schülerberatung je eine Stunde angerechnet würde.

 

   Damit wäre auf jeden Fall Mehrarbeit verbunden, so die Lehrer - und das bei gleichzeitigen Verlusten im Lebenseinkommen.

 

   Diese Darstellung wird freilich seitens der Regierung zurückgewiesen - sie kommt mit einer anderen Berechnungsmethode bei allen Lehrergruppen auf ein Plus.

 

   Die Österreichische Hochschülerschaft und die Universitätenkonferenz wiederum befürchten eine Überforderung der Junglehrer, wenn diese bereits in der so genannten ?Induktionsphase" am Beginn ihrer Pädagogentätigkeit eine volle Lehrverpflichtung erfüllen müssen. In dieser Eingangsphase müssen die Lehrer zusätzlich zum Unterricht auch noch Lehrveranstaltungen an den Universitäten bzw. den Pädagogischen Hochschulen absolvieren. (sabl, APA)

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
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