Freitag, 29. November 2013

2013.11.29: Bildung

 

APA0375 II, XI 29.11.2013 14:04:10

 

Koalition: Spindelegger will Gymnasium in vollem Umfang erhalten

Utl.: Grüne für, FPÖ und AHS-Gewerkschaft gegen angeblich von SPÖ und ÖVP paktierte Schulversuche "Gesamtschule light"

Koalition/Regierung/Politische Bewegungen/ÖVP/SPÖ/Österreich

ÖVP-Chef Michael Spindelegger besteht weiter darauf, dass das Gymnasium sowohl in der Unter- als auch der Oberstufe in vollem Umfang erhalten bleibt. "Wir geben das Gymnasium nicht auf, da muss sich niemand Sorgen machen", sagt er laut Vorabmeldung dem "Standard" (Samstagausgabe). Der Erhalt des achtjährigen Gymnasiums sei für die ÖVP ein zentraler Punkt in den Koalitionsverhandlungen.

Mehrere Medien haben unterdessen berichtet, dass SPÖ und ÖVP sich auf Schulversuche für eine "Gesamtschule light" mit zweijähriger "Orientierungsphase" nach der Volksschule verständigt hätten. Grünen-Bildungssprecher Harald Walser kritisierte in einer Aussendung zwar, dass es sich dabei statt um eine grundlegende Reform nur um einen "typisch österreichischen Kompromiss" handeln würde. Dennoch sei eine "Gesamtschule light" immer noch besser als die jetzige Situation.

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz reagierte fassungslos auf die "jüngste Hirngeburt bei Regierungsverhandlungen": "Mit diesem Vorschlag sollen wohl auch noch die Volksschulen nach Proporz aufgeteilt werden." Die ÖVP habe ihre bildungspolitischen Positionen dem Machterhalt geopfert, nun trete nur noch die FPÖ für den "Erhalt der AHS-Unterstufe und eines qualitativ hochwertigen Bildungssystems" ein.

Für Christgewerkschafter Eckehard Quin, Chef der AHS-Lehrergewerkschaft, würde sich die ÖVP im Falle einer Zustimmung zu einer "Gesamtschule light" von der Politik verabschieden. "Dem Gymnasium, der preiswertesten und beliebtesten Schulart, die ersten beiden Jahre zu rauben, dem achtjährigen Gymnasium also die beiden Unterschenkel zu amputieren, werden die WählerInnen den Regierungsparteien hoffentlich nicht verzeihen – und der ÖVP schon gar nicht, hat diese doch den Erhalt der AHS-Langform immer wieder versprochen – auch noch vor der letzten Nationalratswahl."

(schluss) jle;mk

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2013.11.29: Bildung

 

Mittagsjournal, 29.11.2013

 

Zentralmatura: Änderungen geplant

Stefan Kappacher

Die sogenannte Zentralmatura treibt die Schüler auf die Barrikaden: sie drohen mit Streik. Das Bundesinstitut für Bildungsforschung zeigt Verständnis für den Zorn der Schüler auf diese standardisierte kompetenzorientierte Prüfung und schlägt Verbesserungen vor: zum Beispiel mit einem Probe-Schularbeitsmodell nach den Regeln der neuen Matura im Problemfach Mathematik - das ist eine zentrale Forderung der Schülervertreter.

 

OTS0160 II 29.11.2013 12:27:05

 

Spindelegger im Standard-Interview: Gymnasien nicht opfern Differenziertes Schulsystem als Bedingung für Koalition mit der SPÖ

Utl.: von Michael Völker

Innenpolitik/Bildung/Bundesregierung/Pressestimmen/Vorausmeldung

ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger beharrt im Interview mit dem STANDARD (Ausgabe vom 30.11.2013) auf der Erhaltung der Gymnasien und weist alle Gerüchte zurück, seine Partei sei hier zum Nachgeben bereit. "Wir brauchen das Gymnasium auch in Zukunft. Es ist eine begehrte und erfolgreiche Schulform. Wieso sollte ich das aufgeben? Niemals. Kinder haben unterschiedliche Begabungen und Neigungen, das differenzierte Schulwesen muss erhalten bleiben." Der ÖVP-Chef besteht darauf, das Gymansium sowohl in der Unter- als auch in der Oberstufe in vollem Ausmaß zu erhalten. Spindelegger entgegen anderslautenden Gerüchten: "Wir geben das Gymnasium nicht auf, da braucht sich niemand Sorgen machen." Für die ÖVP sei das ein zentraler Punkt in den Verhandlungen. "Ich hielte es für völlig absurd, dass man das Gymnasium jetzt opfert."

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Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445


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APA0262 II, XI 29.11.2013 12:24:28

 

Zentralmatura: Bifie will mit Schülern "Missverständnisse" ausräumen

Utl.: Probeschularbeiten, Informationsoffensive an Schulen und auf Facebook und Veranstaltungen an den Schulen geplant - Streikdrohung der Schüler gilt weiter - Eltern würden Protest unterstützen

Schule/Oberstufe/Österreich

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) will gemeinsam mit der Bundesschülervertretung "Missverständnisse" und "Übersetzungsschwierigkeiten in das System" Schule bei der Zentralmatura ausräumen. Geplant sind eine Informationskampagne an Schulen und in Sozialen Netzwerken sowie Probeschularbeiten im neuen Testformat. Die Streikdrohung der Schüler ist damit aber noch nicht vom Tisch.

Auf Forderung der Bundesschülervertretung (BSV) wird es ab Anfang des zweiten Semesters erneut vom Bifie erstellte Probeschularbeiten geben, bei denen freiwillig die neuen Formate geübt werden können. Die Termine wollen Bifie und BSV gemeinsam koordinieren, wie am Freitag bei einer Pressekonferenz angekündigt wurde. Außerdem sollen umfangreiche Infopakete an die Schulen gehen, parallel dazu wird die BSV Informationen des Bifie über Facebook unter die Schüler bringen. Gemeinsam sollen außerdem Veranstaltungen an jenen Schulen organisiert werden, wo es Handlungsbedarf gibt.

"Die Diskussion der vergangenen Tage hat gezeigt, dass wir einen Zahn zulegen müssen", gab Bifie-Codirektor Martin Netzer zu. Peter Simon, Leiter des Zentralmatura-Departments am Bifie, betonte, dass das Bifie "insgesamt schon sehr, sehr weit bei der Informationsverbreitung" sei und es sowohl zahlreiche Bücher als auch Übungsmaterialien für die kompetenzorientierte teilzentrale Matura gebe. Nun gelte es aber, noch bestehende Lücken zu schließen. Außerdem sei "nicht alles in Stein gemeißelt, hier ist Bewegung in der ganzen Sache", versicherte Simon den Schülern die Bereitschaft zum Entgegenkommen. Die Entscheidung über etwaige Änderungen liegt freilich beim Unterrichtsministerium.

Die Bundesschülervertretung hatte wegen der angeblich drastischen Zunahme von "Nicht Genügend" bei den ersten Mathematik-Schularbeiten einen Streik angekündigt, sollten Ministerium und Bifie nicht auf ihre Kritik an der 2015 an den AHS und 2016 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) startenden Zentralmatura reagieren. Kritisiert wird etwa, dass an den AHS sowie teils auch an den BHS bei den Fremdsprachen-Prüfungen keine Wörterbücher verwendet werden dürfen, die Vorbereitungszeit zwischen schriftlicher und mündlicher Matura mit zwei Wochen zu kurz sei und Schüler aus dem Westen wegen des später startenden Schuljahrs eine Woche weniger Zeit zur Maturavorbereitung hätten.

AHS-Bereichssprecher Lukas Faymann zeigte sich prinzipiell zufrieden mit den vereinbarten Maßnahmen. Ob die Schüler auf die Straße gehen, werde aber erst am 6. Dezember entschieden. "Wenn unsere Forderungen bis dahin nicht Gehör gefunden haben, werden wir streiken", betonte Faymann. Unabhängig davon wird von Wiener Schülervertretern bereits eine Demonstration am 12. Dezember vorbereitet.

Netzer räumte "substanzielle Probleme in der Zusammenarbeit" mit den Lehrern, die die Auf- und Vorgaben des Bifie umsetzen müssen, ein. So hätten die Lehrer - vermutlich unter dem Druck, die Schüler rasch auf die Klausuren mit zentral vorgegebenen Aufgaben vorzubereiten - das neue Modell zu rasch und teilweise falsch eingesetzt.

So wurden laut Netzer etwa Multiple Choice-Aufgaben oder Beispiele in einer Komplexität aufgegeben, die es bei der Zentralmatura so nicht geben werde. Außerdem habe es "offenbar Missverständnisse bei der Beurteilung" gegeben. "Wir müssen die Aufgabenstellung und die Beurteilungssysteme besser kommunizieren. Da müssen wir in die Fortbildung gehen." Allerdings betonte er auch, dass es nur in Wien deutlich mehr negative Mathematikergebnisse gegeben habe.

Der Bundeselternverband der AHS- und BMHS (BEV) hat unterdessen angekündigt, einen möglichen Streik der Bundesschülervertretung "für eine faire neue Matura" zu unterstützen, wenn es keine schnellen Lösungen für die von den Schülern genannten Probleme gebe. "Es gab in den letzten Wochen vermehrt Rückmeldungen über verängstigte Jugendliche und unfaire Beurteilungskriterien, speziell in Mathematik und in den Fremdsprachen, so BEV-Präsident Theodor Saverschel in einer Aussendung.

(schluss) jle;aku;mk

OTS0137 II, CI 29.11.2013 11:55:21

 

FPÖ-Walter Rosenkranz: "Gesamtschule light" jüngste Hirngeburt bei Regierungsverhandlungen

Utl.: FPÖ verteidigt als einzige Partei AHS-Unterstufe

FPÖ/Rosenkranz/Bildung/Gesamtschule

Zum Vorschlag einer "Gesamtschule light", bei der es zwei Jahre "Orientierungsphase" und dann zwei offizielle Jahre Gesamtschule geben soll, äußert sich der freiheitliche Bildungssprecher NAbg. Dr. Walter Rosenkranz fassungslos: "Mit diesem Vorschlag sollen wohl auch noch die Volksschulen nach Proporz aufgeteilt werden. SPÖ und ÖVP arbeiten hier mit der pädagogischen Abrissbirne." Ob man nach der Volksschule eine 4-jährige Gesamtschule einführe oder 2 Jahre Orientierungsphase und dann zwei Jahre Gesamtschule, mache keinen Unterschied.

"Hoffentlich sehen aber nun endlich alle Bürger daran, wie die ÖVP ihre bildungspolitischen Positionen verkauft", so Rosenkranz weiter. Ein gutes Bildungssystem ist der ÖVP im Vergleich zum Machterhalt egal. "Die einzige Partei, die für einen Erhalt der AHS-Unterstufe und eines qualitativ hochwertigen Bildungssystems steht, ist die FPÖ", stellt Rosenkranz fest, "Bei dem, was aus den Regierungsverhandlungen an Bildungskonzepten an die Öffentlichkeit dringt, fehlen einem die Worte..."

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OTS0100 II 29.11.2013 10:44:13

 

AKS: Konstruktive Kritik, statt Panikmache!

Utl.: Bei den Vorbereitungen für die neue Reifeprüfung muss das Wohl der Schüler_innen im Vordergrund stehen

Bildung/AKS/Schule/Zentralmatura/Reifeprüfung

Die neue Reifeprüfung sorgt für Unmut und das zu Recht. In den Schulklassen herrscht Unbehagen, da von allen Seiten verschiedene Informationen weitergeben werden und Schüler_innen sich tagtäglich anhören können, dass sie die neue Matura nicht schaffen werden. Dieser Zustand muss sich dringend ändern. "Was es braucht, sind verpflichtende Lehrpersonenfortbildungen und eine Überarbeitung des Benotungsschlüssels in Mathematik. So werden die wahren Mängel behoben und es kann für die Schüler_innen gearbeitet werden", fordert die Bundesvorsitzende der Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) Claudia Satler. Von vornherein wurde dieses Projekt von den Schulpartnern abgelehnt, ohne sich über die Notwendigkeit der Anpassung an den europäischen Standard klar zu sein.

Wer wirklich zum Wohl der Schüler_innen agieren möchte, muss sich den echten Problemen annehmen und nicht neue heraufbeschwören. Dass viele Schüler_innen keinen anderen Ausweg mehr sehen, als einen Streik auszurufen, um auf die Missstände aufmerksam zu machen, ist vollkommen verständlich. Nur dass dies nun auch von Seiten der Schülerunion begrüßt und unterstützt, ist mehr als heuchlerisch. "Die Schülerunion verwehrt seit Jahren auf sämtlichen Schüler_innenparlamenten die AKS-Forderung nach Streikrecht für Schüler_innen. Nun rufen sie mit zum Streik auf, obwohl sie den Schüler_innen seit Jahren das Recht dazu absprechen!", kritisiert Satler.

Nun muss konstruktiv an der Lösung der noch bestehenden Probleme gearbeitet werden. Schüler_innen müssen mit ihren Anliegen ernst genommen und in die Lösung der Mängel einbezogen werden. "Panikmache zu betreiben ist kontraproduktiv, jetzt müssen wir nach vorne sehen und die letzten Steine auf dem Weg zur Neuen Reifeprüfung beseitigen", betont Satler abschließend.

Rückfragehinweis:
Claudia Satler
AKS Bundesvorsitzende
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OTS0091 II 29.11.2013 10:34:58

 

Walser: Gesamtschule light ist besser als jetzige Situation

Utl.: Grüne fordern einen nationalen Bildungsgipfel

Innenpolitik/Grüne/Walser/Bildung/Schule/Gesamtschule/NMS

"Es ist ein typischer österreichischer Kompromiss, der sich da abzeichnet", kommentiert Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, die aus Verhandlungsseite durchgesickerten Pläne einer Gemeinsame Schule bis zum 12. Lebensjahr. "Warum sind eigentlich die Befindlichkeiten der Parteien und nicht die Bedürfnisse von Kindern und ihren Eltern die Richtschnur für bildungspolitische Entscheidungen? Es ist schade, dass wir die jetzige Situation nicht für die von allen Expertinnen und Experten geforderte grundlegende Reform nutzen", sagt Walser. Dennoch sei eine "Gesamtschule light" immer noch besser als jetzige Situation.

SPÖ und ÖVP haben leider nicht die Kraft und den notwendigen Willen für eine wirkliche Richtungsentscheidung, erinnert Walser an die gleichzeitig bekannt gewordenen Pläne zur Kürzung der Ressourcen für die Neue Mittelschule. "Die Neue Mittelschule wurde ohne Evaluierung ins Regelschulwesen übernommen, nach nur einem Jahr werden wieder ohne jede Evaluierung anscheinend die Bedingungen verschlechtert. Es ist ein Trauerspiel", meint Walser.

Zudem warnt der Grüne Bildungssprecher davor, derartige Eingriffe ins Bildungssystem erneut im stillen Kämmerlein zu beschließen. "Mangelnde Transparenz ist für das Chaos in vielen Bereichen verantwortlich - von der Zentralmatura über die Lehrerausbildung bis zum neuen Dienstrecht. Ohne jedes Gesamtkonzept werden Einzelmaßnahmen gesetzt, die nicht aufeinander abgestimmt sind und sich teilweise sogar widersprechen. Das Ergebnis sind frustrierte Kinder, Eltern und Lehrkräfte", sagt Walser und ergänzt: "Es braucht einen nationalen Bildungsgipfel unter Einbeziehung aller relevanten gesellschaftlichen Kräfte, um die notwendigen Reformschritte breit abzusichern. Bildungspolitik muss raus aus den ideologischen Schützengräben!".

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Grüner Klub im Parlament
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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2013.11.29: Newsletter Bildung

 

"Die Presse" vom 29.11.2013                                Seite: 9

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Koalition plant "Gesamtschule light"

 

   Regierungsgespräche. SPÖ und ÖVP arbeiten an einem neuen Schulversuch: Nach der Volksschule soll es eine zweijährige "Orientierungsphase" geben. Erwin Pröll unterstützt diesen Kompromiss.

 

   VON JULIA NEUHAUSER, BERNADETTE BAYRHAMMER UND THOMAS PRIOR

 

   Wien. Gesamtschule oder Gymnasium? In den Regierungsverhandlungen zwischen SPÖ und ÖVP zeichnet sich beim Thema Bildung ein Kompromiss ab, mit dem beide Parteien ihr Gesicht wahren könnten. Die zuständige Gruppe, die von Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und dem Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer geleitet wird, plant einen Schulversuch, den man als "Gesamtschule light" umschreiben könnte.

 

   Das Konzept sieht eine zweijährige "Orientierungsphase" nach der Volksschule vor: Der Schüler soll sich nicht schon mit zehn Jahren zwischen den einzelnen Schultypen entscheiden müssen, sondern zwei weitere Schuljahre Zeit bekommen. Ein entsprechendes Gerücht, das der Blogger Andreas Unterberger am Donnerstag veröffentlicht hat, wurde der "Presse" in Koalitionskreisen bestätigt.

 

   Die Details zu diesem Schulversuch stehen allerdings noch aus. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste, eine Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre, ist unwahrscheinlich - allein schon deshalb, weil in den meisten Volksschulen zu wenig Platz wäre.

 

   Einfacher umzusetzen wäre eine andere Variante: Dabei würden die ersten beiden Jahre in Gymnasien und Neuen Mittelschulen als Orientierungsphase betitelt, der Wechsel zwischen den Schultypen würde erleichtert - je nach Begabung des Schülers. Damit soll die Durchlässigkeit zwischen Gymnasium und NMS in derselben Stadt bzw. in derselben Region verbessert werden, ohne dafür die jeweiligen Schultypen auflösen zu müssen. Die Orientierungsphase ist an das Konzept der Neuen Mittelschule angelehnt. Sprich: In den Hauptfächern werden zwei Lehrer eingesetzt.

 

   Widerstand innerhalb der ÖVP

 

   Ganz neu sind diese Überlegungen nicht. Der niederösterreichische Landeshauptmann, Erwin Pröll (ÖVP), sprach sich bereits im Jahr 2007 dafür aus, den Kindern mehr Zeit für ihre Schulentscheidung zu geben - eben bis zum Alter von zwölf Jahren. Gestern bekräftigte er diese Meinung. "Eine Trennung mit zehn Jahren ist nicht sinnvoll", sagte Pröll zur "Presse". Mit welchem Alter die Schüler in unterschiedliche Schultypen geschickt werden sollten, ließ der Landeshauptmann offen. Er betonte aber, wie wichtig "eine höhere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Schultypen" wäre.

 

   In der ÖVP ist dieser Vorschlag jedoch heftig umstritten. Während Haslauer und Pröll auf die Unterstützung ihrer Amtskollegen Günther Platter (Tirol) und Markus Wallner (Vorarlberg) hoffen dürfen, formiert sich im Raum Wien Widerstand. Erst vor Kurzem sollen hohe Funktionäre in einer internen Sitzung ihren Unmut über diesen Vorschlag kundgetan haben. "Das ist keine Lösung, sondern nur ein weiterer Schulversuch", sagte gestern ein ÖVP-Mitglied zur "Presse".

 

   Tatsächlich wird es zum Überbegriff Gesamtschule demnächst einige Schulversuche geben - und zwar in ÖVP-geführten Ländern. Platter startet nächsten Herbst eine Modellregion im Zillertal. Haslauer will in Salzburg nachziehen. Und Vorarlberg befragt rund 20.000 Lehrer, Eltern und Schüler zum Thema Gesamtschule.

 

   Finanzierung vorerst offen

 

   Der Schulversuch "Orientierungsphase" wäre wohl mit erheblichen Kosten verbunden. Das Problem dabei: Im Bundesbudget klafft bis 2018 eine Lücke von 24,2 Milliarden Euro. Deshalb muss das Projekt erst auf seine Leistbarkeit überprüft werden. Geben die Finanzverhandler von SPÖ und ÖVP grünes Licht, wandert das Papier auf den Tisch von Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger. Denn die Letztentscheidung liegt bei den Parteichefs.

 

 

Die Presse – 29. November 2013

 

 

Zwei gewonnene Jahre

Mutig ist die Schulidee nicht - aber eine Chance.

Es ist schön zu sehen, wie es die Große Koalition immer wieder schafft, die in sie gesetzten Erwartungen bloß nicht überzuerfüllen. So folgt die Idee, die SPÖ und ÖVP in Sachen Schulorganisation nun hegen, einer altbekannten Logik: Die SPÖ will eine vierjährige Gesamtschule, die ÖVP – oder besser gesagt: ein Teil ihrer Klientel – will sie nicht. Also machen wir doch, weil es so schön in der Mitte liegt, einfach eine Art zweijährige Gesamtschule. Fein, wie einfach Politik sein kann. Mutige Entscheidungen sehen anders aus.

Vielleicht sollte man aber auch sehen, was das Modell leisten könnte: Nämlich jenen Zeitpunkt um zwei wertvolle Jahre zu verschieben, zu dem die Eltern die oft folgenschwere Entscheidung über den Bildungsweg ihrer Kinder treffen müssen. Das sind zwei Jahre, in dem sich Talente und Interessen weiter ausbilden können. Jede Form von besserer Durchlässigkeit kann nur ein Gewinn für das Schulsystem sein.

Falls das Modell zusätzlich bewirken könnte, dass die soziale Selektion vermindert wird und die Menschen sehen, dass Bildungsverlierertum nicht vererbbar sein muss, hätte diese Koalition schon mehr geschafft, als man ihr in Schulbelangen bislang zutraute.

 

"Die Presse" vom 29.11.2013                                Seite: 9

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Lehrer sammeln Unterschriften

 

   Pflichtschullehrer wehren sich gegen das neue Dienstrecht.

 

   Wien. Das neue Lehrerdienstrecht ist auch den Pflichtschullehrern - also den Lehrern an Volks-, Hauptschulen und Neuen Mittelschulen - ein Dorn im Auge. Gestern, Donnerstag, hat deren Gewerkschaft deshalb zwei Protestmaßnahmen beschlossen: Ab 4. Dezember soll es nicht nur österreichweite Informationsveranstaltungen geben, sondern auch eine Unterschriftenaktion.

 

   Wie diese Informationsveranstaltungen genau ausschauen werden, soll in den Bundesländern entschieden werden. Die Bundesleitung der Gewerkschaft hat lediglich vorgegeben, dass an den Pflichtschulen kein Unterricht entfallen darf und dass alle Kinder durchgängig betreut werden müssen. Möglich sind so nur Veranstaltungen außerhalb der Unterrichtszeit.

 

   Die Unterschriftenaktion soll ab 4. Dezember rund zehn Tage laufen. Die Gewerkschaft stellt dabei sechs Forderungen: eine neue Lehrerarbeitszeitstudie, mehr Sozialarbeiter und Schulpsychologen, eine faire Bezahlung, Entlastung von Verwaltung, bessere Arbeitsplätze und mehr Förderlehrer. (j. n.)

 

OÖN – 29. November 2013

 

Dienstrecht: Vorerst milder Protest an Pflichtschulen

WIEN. Noch zurückhaltend geht die Pflichtschullehrer-Gewerkschaft gegen das von der Regierung geplante neue Lehrerdienstrecht vor.

"Wir haben zwei Maßnahmen ab 4. Dezember beschlossen: Informationsveranstaltungen und eine Unterschriftenaktion", sagt Paul Kimberger, Chef der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft. Allerdings fügt er an: "Das muss nicht der letzte Schritt sein."

Am heikelsten sind die Informationsveranstaltungen: Denn wie diese aussehen und ob sie während der Unterrichtszeit stattfinden, müssen jeweils die Gremien in den Bundesländern entscheiden. Insgesamt geht es um weit über 4000 Pflichtschulen (Volksschule, Neue Mittelschule, Hauptschule, Sonderschule, Polytechnische Schule etc.). "Wir empfehlen, die Treffen nicht während der Unterrichtszeit abzuhalten", sagt Kimberger. Im Übrigen könne er "garantieren", dass die Beaufsichtigung der Schüler in jedem Falle gesichert sei. "Wir tragen den Konflikt nicht auf dem Rücken der Kinder aus", sagt er.

Bei der zweiten gestern von den Pflichtschullehrern beschlossenen Maßnahme geht es um eine Unterschriftenaktion, mit der die Pflichtschullehrergewerkschaft Unterstützung für die Kernpunkte ihrer Position sammeln will: Es geht unter anderem um Unterstützungspersonal an Pflichtschulen, Lehrergehälter, Arbeitsplätze und mehr Stunden für die Schülerförderung. Zur Unterschrift aufgerufen sind rund 72.000 Pflichtschullehrer. "Ich weiß, dass die Eltern zumindest Teile unserer Forderungen unterstützen. Wer dies auch mit einer Unterschrift tun will, ist dazu gerne eingeladen", sagt Kimberger.

Auf diese Weise hofft seine Gewerkschaft, Druck machen zu können, damit die Regierung an den Verhandlungstisch zurückkehrt und ihr Gesetzesentwurf für das Lehrerdienstrecht im Parlament noch abgeändert wird.

Schärfer als die Pflichtschullehrer-Vertreter geht die Gewerkschaft der Lehrer an höheren Schule vor: An den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen ist der Entfall von Unterricht fix: Am 5. Dezember sind zumindest zweistündige Versammlungen geplant.

 

 

SN – 29. November 2013

Pflichtschullehrer sammeln Unterschriften

Mit Informationsveranstaltungen außerhalb der Unterrichtszeit und dem Sammeln von Unterschriften unter Pflichtschullehrern will die Gewerkschaft ihren Protest gegen die Reform des Lehrerdienstrechts ausdrücken.

Die Unterschriften sollen Druck für Änderungen im parlamentarischen Prozess erzeugen, so Gewerkschafts-Chef Paul Kimberger. "Das muss aber nicht der letzte Schritt sein", betonte Kimberger die prinzipielle Bereitschaft der Bundesleitung der Pflichtschullehrer zu weitergehenden Maßnahmen. "Da ist noch einiges vorstellbar." Ziel der nun geplanten Aktionen, die ab 4. Dezember rund zehn Tage laufen sollen, sei es, der Politik klarzumachen, dass wesentliche Qualitätsmerkmale im neuen Dienstrecht fehlen und dass "Änderungen im parlamentarischen Prozess eingebracht werden" müssten.

Die Regierung habe die Verhandlungen unterbrochen und mit der Sozialpartnerschaft gebrochen, nun müsse sie an den Verhandlungstisch zurückkehren, fordert Kimberger. Er rechnet mit einer breiten Unterstützung der Lehrer und kann sich auch vorstellen, dass Eltern sich solidarisch zeigen.

Der einstimmige Beschluss der Bundesleitung sieht vor, dass die Bundesländer über die Formate der Informationsveranstaltungen entscheiden, so Kimberger zur APA. Fest stehe dabei aber, dass diese außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden: "Kein Kind bleibt unbetreut, wir werden den Konflikt nicht auf dem Rücken der Kinder austragen."

Den Lehrern soll erklärt werden, welche Punkte beim von der Regierung gegen den Protest der Gewerkschaft verabschiedeten Gesetzesentwurf nicht akzeptabel sind und welche Änderungen die Lehrervertreter fordern. Kimberger fordert etwa ein Aufgabenprofil auf Basis einer Lehrerarbeitszeitstudie, 13.500 zusätzliche Kräfte beim Supportpersonal, Entlastung von Verwaltung und Bürokratie, bessere Arbeitsplätze und mehr Ressourcen für Förder- und Sonderpädagogik.

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 277 vom 29.11.2013              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

SPÖ und ÖVP planen die Gesamtschule „light“

 

   Kompromiss. Statt der Gesamtschule der Zehn- bis Vierzehnjährigen soll die Mittelstufe der Zehn- bis Zwölfjährigen kommen.

 

   Wien (SN-par). In den Koalitionsverhandlungen zeichnet sich das Ende eines jahrelangen Ideologiestreits ab. Wie Verhandlerkreise bestätigen, basteln SPÖ und ÖVP an einem Kompromiss bei der Gesamtschule. Er lautet: Zusätzlich zur Neuen Mittelschule (NMS) soll eine Mittelstufe als „Orientierungsphase“ für die Zehn- bis Zwölfjährigen eingeführt werden. Schon im kommenden Schuljahr 2014/2015 könnte mit entsprechenden Schulversuchen gestartet werden.

 

   Offen ist aber, an welchen Schulen diese zweite Mittelstufe installiert wird. Möglich wäre die Umsetzung an bestehenden NMS und AHS-Unterstufen in den ersten und zweiten Klassen. Oder man verlängert die Volksschulen um zwei Jahre und verkürzt dafür die AHS-Langform von acht auf sechs Jahre. So hatte es Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) 2010 als „Niederösterreichisches Modell“ vorgeschlagen.

 

   Die Folge wäre in beiden Fällen, dass Schüler erst mit zwölf Jahren entscheiden müssten, ob sie einen Hauptschul- oder AHS-Abschluss anstreben. Das würde der SPÖ, der Gesamtschulverfechterin, enorm entgegenkommen. Sie beklagt seit Langem, dass die erste Entscheidung, welchen Bildungsweg ein Kind einschlägt, nicht schon mit zehn Jahren fallen sollte. Für die ÖVP käme der Kompromiss der zweiten Mittelstufe hingegen einem Sinneswandel gleich. Sie hat sich den Erhalt der AHS-Langform regelrecht verschrieben.

 

   Das bedeutet aber umgekehrt, dass die SPÖ auch der ÖVP in den Koalitionsverhandlungen im Bildungsbereich deutlich entgegenkommen muss. Infrage kommt die Zustimmung der SPÖ, die Studiengebühren wieder einzuführen. Sie wurden stets als mögliches Tauschgeschäft mit der Gesamtschule gehandelt. Oder die SPÖ sagt Ja zu AHS-Aufnahmeprüfungen, wie sie der ÖVP-Bildungschefverhandler und Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer vorgeschlagen hat.

 

   Hingegen soll die kolportierte Verländerung der Schulverwaltung offenbar doch nicht kommen. Der Bund wird also weiterhin für die AHS- und BHS-Lehrer, die Länder für die Pflichtschullehrer zuständig sein.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 277 vom 29.11.2013              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Das Kind beim Namen nennen

 

    Eine Frau ist schwanger oder nicht. Sie kann nicht fast schwanger sein. Trotzdem versuchen SPÖ und ÖVP unaufhörlich, mit der Idee der Gesamtschule fast schwanger zu werden. Fünf Jahre nach dem Start der Neuen Mittelschule wollen sie nun eine zweite Mittelstufe für die Zehn- bis Zwölfjährigen einführen.

 

   Das ist der nächste Schritt in einem äußerst faulen Kompromiss. Wir wissen nicht, ob die Umwandlung der Hauptschulen in Neue Mittelschulen eine gute Idee war. Noch hat das Unterrichtsministerium das nicht evaluiert. Zu groß scheint die Angst, bestätigt zu bekommen, dass das Türschildwechseln und das viele Geld für Zweitlehrer kaum etwas bewirkt haben. Dazu kommt: Eltern, die in Städten leben, wollen die Hauptschule nicht. Dort ist sie zur Restschule für Bildungsverlierer verkommen. Das sehen die Gesamtschulbefürworter unter Experten genau so.

 

   Daran wird auch die neue Mittelstufe wenig ändern, solange sich die Regierung nicht zu ihrem Kind bekennt: Egal ob es Gesamtschule oder differenziertes Schulsystem heißt.

 

 

Österreich – 29. November 2013

 

 

Lehrer erhöhen jetzt den Druck

Ab 4. Dezember wird man mit Info-Veranstaltungen „ein Zeichen setzen.“

 

Paul Kimberger ist nicht nur Lehrer-Hauptverhandler, er ist auch Vertreter der Pflichtschul-Pädagogen (Volksschule, Neue Mittelschulen, AHS-Unterstufe). Und in dieser Funktion hat er am Donnerstag mit der Gewerkschaft die Schritte seiner 72.000 Lehrer im Dienstrechts-Streit beschlossen:

 

„Ab 4. Dezember werden Informationsveranstaltung in ganz Österreich abgehalten“, erklärt Kimberger gegenüber ÖSTERREICH. Das soll aber außerhalb der Unterrichtszeit ablaufen.

Den Druck will man auch mit einer Unterschriften-Aktion erhöhen. Alle Lehrer und Eltern seien aufgerufen.

 

 

"Österreich" vom 29.11.2013                                   Seite 8

Ressort: Politik

 

Wien, Steiermark, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg

 

Weitere Gespräche nächste Woche

 

Streik: Schüler verhandeln weiter

 

Wien. Kein endgültiges Ergebnis lieferte am Mittwoch das Treffen zwischen Schüler-Vertretern und dem für die Zentralmatura zuständigem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Weil es keine Einigung in der Benotungs-Frage gibt, bleibt die Streik-Drohung weiter aufrecht. Nächste Woche gibt es weitere Gespräche. Am 6. Dezember wird entschieden.

 

 

Der Standard – 29. November 2013

 

 

Pflichtschullehrer protestieren mit Unterschriftenlisten

Wien - Paul Kimberger schickt eines voraus: "Das ist der nächste, aber nicht zwangsläufig der letzte Schritt." Dass die Pflichtschullehrergewerkschaft sich als Reaktion auf das neue Lehrerdienstrecht fürs Erste entschlossen hat, am 4. Dezember an mehr als 4000 Schulstandorten "Informationsveranstaltungen" zu veranstalten und Unterschriften unter den 72.000 Pflichtschullehrern, aber auch Eltern, zu sammeln, um ihren Änderungswünschen an die Regierung Nachdruck zu verleihen, sei nur die erste Stufe des Protests, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende am Donnerstag zum STANDARD.

Zehn Tage lang wollen die Pflichtschullehrer mobilmachen gegen den Regierungsentwurf, mit zwei "Empfehlungen", sagte Kimberger: "Es soll kein Unterricht ausfallen, und es wird kein Kind unbeaufsichtigt bleiben." Die Forderungsliste der Pflichtschullehrergewerkschaft umfasst sechs Punkte: eine Arbeitszeitstudie, mehr Unterstützungspersonal (13.500 Posten mehr), faire Bezahlung, weniger Verwaltung, attraktive Arbeitsplätze und zusätzliche Lehrerressourcen für Förderungen und Sonderpädagogik.

 

 

"Der Standard" vom 29.11.2013                                Seite: 7

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Jugend fordert politische Bildung

 

Eigenes Lehramt für Unterricht schon in Pflichtschule

 

   Wien – In Österreich dürfen Jugendliche bereits mit 16 Jahren wählen. Bei der politischen Bildung, die sie darauf vorbereiten sollte, hapert es allerdings aus Sicht von Jugendvertretern derzeit. Am Donnerstag hat deshalb ein breites Bündnis von 34 Jugend- und Schülerorganisationen und Österreichischer HochschülerInnenschaft (ÖH) die Einführung eines eigenen Schulfachs Politische Bildung gefordert.

 

   Die Jugend sei keineswegs politikverdrossen, sagte Johanna Tradinik, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung. Man müsse den Jugendlichen aber das Rüstzeug mitgeben, damit sie lernen können, wie man Demokratie und Gesellschaft mitgestalten kann. „Es gibt hier Reformbedarf, und darauf muss die Politik reagieren.“

 

   Derzeit wird politische Bildung in verschiedenen Unterrichtsfächern, von Geschichte bis Recht, mitunterrichtet. Seit 1978 ist sie außerdem als eines von zwölf Unterrichtsprinzipien verankert. Dabei fehle es aber an Einheitlichkeit, es gebe kein eigenes Fach und dementsprechend auch kein eigenes Lehramtsstudium, kritisiert das Bündnis. Damit Lehrer der „großen Herausforderung“ gewachsen seien, das Interesse der Schüler zu wecken und ihnen möglichst unparteiisch politische Kompetenzen zu vermitteln, brauche es daher eine eigene Lehrerausbildung, forderte ÖH-Vorsitzender Florian Kraushofer (FLÖ).

 

   Mündige Bürger

 

   Die Jugendvertreter fordern die Einführung eines eigenen Fachs bereits in der Pflichtschule. Das werde auch von mehr als 80 Prozent der Schüler befürwortet, verwies Bundesschulsprecherin Angi Groß auf eine Umfrage. Ein solches Fach müsse mehr bieten als Institutionenwissen, es müsse zeigen, wie die Politik die Schüler als Staatsbürger betrifft und solle zur Partizipation motivieren.

 

   Ein Teil müsste auch Medienkunde sein, wo man lernt, Informationen zu finden und diese etwa in Bezug auf die Blattlinie einer Zeitung einordnen zu können. „Wir wollen mündige Bürger, die nicht nach dem Motto ‚Wer nichts weiß, muss alles glauben‘ anfällig für Populismus sind“, sagte Schülersprecherin Groß. (APA)

 

 

"Kronen Zeitung" vom 29.11.2013                            Seite: 3

Ressort: politik

 

Wi, Abend

 

Unterrichtsstunden entfallen Nicht alle wollen streiken

 

Die Lehrer rüsten zum Kampf: Protestwelle an Schulen rollt an

 

Wien. - Kommende Woche lassen die Lehrer an zahlreichen Schulen den Unterricht ausfallen, und das soll nur ein erster Schritt im Kampf gegen das Dienstrecht, das die Regierung im Alleingang beschlossen hat, sein. Auch die Pädagogen an Pflichtschulen protestieren - obwohl sie von der Reform kaum betroffen sind.

 

   "Es wird Maßnahmen geben, weil auch aus unserer Sicht der vorliegende Gesetzesentwurf nicht Realität werden darf", so Pflichtschul-Gewerkschafter Paul Kimberger. Tatsächlich jedoch ändert sich für diese Pädagogen kaum etwas. Die Unterrichtszeit erhöht sich nur wenig oder gar nicht. Die Lehrer-Vertreter kritisieren aber, dass für Pädagogen der vierten Klasse Volksschule keine Zulagen vorgesehen sind, obwohl es Schularbeiten gibt.

 

   Nun wurde nun fixiert, dass es ab 4. Dezember bundesweite Info-Veranstaltungen sowie eine Unterschriftenaktion geben wird. Unterrichtsstunden sollen nicht entfallen. "Das muss aber nicht der letzte Schritt sein", so Kimberger zur "Krone".

 

   Vorreiter der Protestwelle sind die AHS-Lehrer. SieDORIS VETTERMANNfordern am lautesten einen Streik, veranstalten am 5. Dezember Dienststellenversammlungen während der Unterrichtszeit und rufen zu Protest-Schreiben an die Regierung auf. Und sie rasseln mit den Säbeln: Dies sei nur der erste Schritt im Kampf gegen das Dienstrecht.

 

   Doch von vielen Pädagogen hagelt es Absagen an einen Streik, so wird etwa an den burgenländischen Pflichtschulen die Arbeit nicht niedergelegt.

 

 

Kurier – 29. November 2013

 

Entscheidung fürs Gymnasium erst mit 12?

Eine zweijährige „Orientierungsphase“ für 10-Jährige wird von SPÖ und ÖVP angedacht – als Schulversuch.

 

 

 

Die SPÖ möchte die „gemeinsame Schule“ der 10- bis 14-Jährigen, die ÖVP will die Gymnasien erhalten. Seit drei Wochen versuchen die koalitionären Bildungsverhandler, einen Kompromiss zu finden. Weil es sich spießte, wurde erwogen, das Ideologie-Thema zu vertagen. Mithilfe von Schulexperten könnte eine Lösung gefunden werden; dann, wenn die neue Regierung schon steht, hieß es. Gar eine Volksbefragung zur Causa wurde erwogen.

Das könnte sich erübrigt haben. Es zeichnet sich ein Kompromiss ab. Einer, der klassischer nicht sein könnte: Der SPÖ ist die Selektion mit 10 ja zu früh, der ÖVP mit 14 zu spät. Also könnte es für 10-Jährige eine zweijährige „Orientierungsphase“ geben. Erst dann soll entschieden werden, ob sie in eine „Neue Mittelschule“ oder in ein Gymnasium gehen. Erprobt werden soll das in einem Schulversuch. Eine logistische Herausforderung. „Es müssen zwei Jahrgänge zusätzlich in die Volksschulen rein“, wird erläutert. Würde flächendeckend umgestellt, müssten alle Volksschulen umgebaut werden. Und: Volksschullehrer bräuchten einen Lehrplan für sechs Jahre – sofern nicht AHS- oder NMS-Pädagogen die 10- bis 12-Jährigen unterrichten müssen.

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll hat schon vor Jahren für eine 6-jährige Volksschule plädiert. Seit 2009 gibt es „Modellschulen“ in seinem Land. Damals war diese Variante als möglicher Ausweg aus dem Schul-Dilemma genannt worden.

Protest-Front

Jene, die die Gesamtschul-Neuerung betreffen würde, waren am Donnerstag mit anderem beschäftigt: die Pflichtschullehrer. Deren Gewerkschafter berieten, in welcher Form die 72.000 Volksschul-, Hauptschul- und NMS-Pädagogen gegen das neue Lehrerdienstrecht protestieren: Es gibt österreichweit Informationsveranstaltungen „außerhalb der Unterrichtszeit“, sagt Gewerkschaftsboss Paul Kimberger. Zudem werden Unterschriften gesammelt. Zehn Tage lang, ab 4. Dezember, läuft die Aktion. „Das muss aber nicht der letzte Schritt sein.“

Obwohl künftige Pflichtschullehrer – mit 24 Stunden pro Woche – kaum mehr unterrichten müssen als jetzige (21 bzw. 22) und anfangs besser entlohnt werden, verwahren sich ihre Vertreter gegen die neuen Regeln – weil es für Pädagogen der 4. Klasse Volksschule keine Zulage für Schularbeitsarbeit gibt. Und die Regierung zu wenig Hilfspersonal zugesichert habe. Die AHS- und BMHS-Pädagogen toben, weil die Lehrpflicht von 18 auf 24 Stunden steigt. Am 5. Dezember gibt es Dienststellenversammlungen – „ein erster Schritt in unserem Kampf“, wie AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin sagt.

 

 

Wiener Zeitung – 29. November 2013

 

Lehrerdienstrecht

Pflichtschullehrer sammeln Unterschriften

 

 

 

 

 

 

 

 

Wien. Mit österreichweiten Informationsveranstaltungen und dem Sammeln von Unterschriften unter den 72.000 Pflichtschullehrern will die Gewerkschaft ab Mittwoc, 4. Dezember,. ihren Protest gegen die Reform des Lehrerdienstrechts ausdrücken. Die Unterschriften sollen Druck für Änderungen im parlamentarischen Prozess erzeugen, so Gewerkschafts-Chef Paul Kimberger.

"Das muss aber nicht der letzte Schritt sein", betonte Kimberger (FCG) die prinzipielle Bereitschaft der Bundesleitung der Pflichtschullehrer zu weitergehenden Maßnahmen. "Da ist noch einiges vorstellbar." Ziel der nun geplanten Aktionen, die ab 4. Dezember rund zehn Tage laufen sollen, sei es, der Politik klarzumachen, dass wesentliche Qualitätsmerkmale im neuen Dienstrecht fehlen und dass "Änderungen im parlamentarischen Prozess eingebracht werden" müssten.

Die Regierung habe die Verhandlungen unterbrochen und mit der Sozialpartnerschaft gebrochen, nun müsse sie an den Verhandlungstisch zurückkehren, fordert Kimberger. Er rechnet mit einer breiten Unterstützung der Lehrer und kann sich auch vorstellen, dass Eltern sich solidarisch zeigen.

Der einstimmige Beschluss der Bundesleitung, die am Donnerstagnachmittag getagt hat, sieht vor, dass die Bundesländer über die Formate der Informationsveranstaltungen entscheiden, so Kimberger zur APA. Fest stehe dabei aber, dass diese außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden: "Kein Kind bleibt unbetreut, wir werden den Konflikt nicht auf dem Rücken der Kinder austragen."

Den Lehrern soll erklärt werden, welche Punkte beim von der Regierung gegen den Protest der Gewerkschaft verabschiedeten Gesetzesentwurf nicht akzeptabel sind und welche Änderungen die Lehrervertreter fordern. Kimberger fordert etwa ein Aufgabenprofil auf Basis einer Lehrerarbeitszeitstudie, 13.500 zusätzliche Kräfte beim Supportpersonal, Entlastung von Verwaltung und Bürokratie, bessere Arbeitsplätze und mehr Ressourcen für Förder- und Sonderpädagogik.

Bundesschulsprecherin Angi Groß betonte am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz ihr Verständnis für Proteste der Gewerkschaft. "Ich würde einen Streik gerechtfertigt finden", sagte sie mit Verweis auf die Art, in der die Verhandlungen von der Regierung geführt wurden und die befürchtete Qualitätsverschlechterung. Eine Arbeitsniederlegung haben allerdings vorerst nur die Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ins Auge gefasst.

Der Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), Florian Kraushofer (Fachschaftslisten, FLÖ), ortet beim Dienstrecht ebenfalls eine "Verschlechterung in vielen Bereichen": Junglehrern werde etwa der Berufseinstieg deutlich erschwert, weil diese ab Tag eins eine volle Lehrverpflichtung von 24 Wochenstunden übernehmen und parallel ein Masterstudium absolvieren sollen. "Die ÖH ist auf jeden Fall solidarisch mit den Studierenden, die das neue Dienstrecht dann betreffen wird", betonte er. Ob die ÖH sich die Lehrergewerkschaft in Falle eines Streiks unterstützen würde, konnte Kraushofer noch nicht sagen. "Das wird von den Inhalten abhängen."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Donnerstag, 28. November 2013

2013.11.28: Lehrerdienstrecht

 

APA0449 II, XI 28.11.2013 15:41:42

 

Lehrerdienstrecht: Pflichtschullehrer sammeln ab 4.12. Unterschriften

Utl.: Informationsveranstaltungen in ganz Österreich außerhalb der Unterrichtszeit - Kimberger: "Kein Kind bleibt unbetreut" - Schülervertreter würden Streik unterstützen

Lehrende/Öffentlich Bedienstete/Öffentliche Finanzen/Österreich

Mit österreichweiten Informationsveranstaltungen außerhalb der Unterrichtszeit und dem Sammeln von Unterschriften unter den 72.000 Pflichtschullehrern will die Gewerkschaft ab Mittwoch (4. Dezember) ihren Protest gegen die Reform des Lehrerdienstrechts ausdrücken. Die Unterschriften sollen Druck für Änderungen im parlamentarischen Prozess erzeugen, so Gewerkschafts-Chef Paul Kimberger zur APA.

"Das muss aber nicht der letzte Schritt sein", betonte Kimberger (FCG) die prinzipielle Bereitschaft der Bundesleitung der Pflichtschullehrer zu weitergehenden Maßnahmen. "Da ist noch einiges vorstellbar." Ziel der nun geplanten Aktionen, die ab 4. Dezember rund zehn Tage laufen sollen, sei es, der Politik klarzumachen, dass wesentliche Qualitätsmerkmale im neuen Dienstrecht fehlen und dass "Änderungen im parlamentarischen Prozess eingebracht werden" müssten.

Die Regierung habe die Verhandlungen unterbrochen und mit der Sozialpartnerschaft gebrochen, nun müsse sie an den Verhandlungstisch zurückkehren, fordert Kimberger. Er rechnet mit einer breiten Unterstützung der Lehrer und kann sich auch vorstellen, dass Eltern sich solidarisch zeigen.

Der einstimmige Beschluss der Bundesleitung, die am Donnerstagnachmittag getagt hat, sieht vor, dass die Bundesländer über die Formate der Informationsveranstaltungen entscheiden, so Kimberger zur APA. Fest stehe dabei aber, dass diese außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden: "Kein Kind bleibt unbetreut, wir werden den Konflikt nicht auf dem Rücken der Kinder austragen."

Den Lehrern soll erklärt werden, welche Punkte beim von der Regierung gegen den Protest der Gewerkschaft verabschiedeten Gesetzesentwurf nicht akzeptabel sind und welche Änderungen die Lehrervertreter fordern. Kimberger fordert etwa ein Aufgabenprofil auf Basis einer Lehrerarbeitszeitstudie, 13.500 zusätzliche Kräfte beim Supportpersonal, Entlastung von Verwaltung und Bürokratie, bessere Arbeitsplätze und mehr Ressourcen für Förder- und Sonderpädagogik.

Bundesschulsprecherin Angi Groß betonte am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz ihr Verständnis für Proteste der Gewerkschaft. "Ich würde einen Streik gerechtfertigt finden", sagte sie mit Verweis auf die Art, in der die Verhandlungen von der Regierung geführt wurden und die befürchtete Qualitätsverschlechterung. Eine Arbeitsniederlegung haben allerdings vorerst nur die Lehrer an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ins Auge gefasst.

Der Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), Florian Kraushofer (Fachschaftslisten, FLÖ), ortet beim Dienstrecht ebenfalls eine "Verschlechterung in vielen Bereichen": Junglehrern werde etwa der Berufseinstieg deutlich erschwert, weil diese ab Tag eins eine volle Lehrverpflichtung von 24 Wochenstunden übernehmen und parallel ein Masterstudium absolvieren sollen. "Die ÖH ist auf jeden Fall solidarisch mit den Studierenden, die das neue Dienstrecht dann betreffen wird", betonte er. Ob die ÖH sich die Lehrergewerkschaft in Falle eines Streiks unterstützen würde, konnte Kraushofer noch nicht sagen. "Das wird von den Inhalten abhängen."

(schluss) jle;dru

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945