Mittwoch, 12. März 2014

2014.03.12: Bildung

 

OTS0084 II 12.03.2014 10:54:23

 

Walser zu Zentralmatura und Teststopp beim BIFIE: SchülerInnen und Lehrkräfte werden verunsichert

Utl.: Grüne fordern Durchführung der Testreihen für Bildungsstandards, PISA usw.

Innenpolitik/Grüne/Walser/Bildung/Schule/Zentralmatura/BIFIE/PISA

"Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek agiert unprofessionell und kontraproduktiv. Durch die Absage der Testreihen für PISA, die Bildungsstandards etc. und womöglich sogar der Zentralmatura verunsichert sie die SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen", ärgert sich Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen, über die Aussagen der Bildungsministerin.

"Es bleibt offen, warum durch einen Hackerangriff auf ein Übungs- und Evaluierungstool auf einem Server der Firma Kapsch BusinessCom die Sicherheit der erst zu erhebenden Daten von Bildungsstandards oder der Zentralmatura gefährdet sein soll", kündigt Walser entsprechende Nachfrage im heutigen Unterrichtsausschuss an. "Es handelt sich um gedruckte Testhefte, die von Hand ausgefüllt werden. Diese können auch aufbewahrt und erst dann elektronisch erfasst werden, wenn die Sicherheitsbedenken ausgeräumt werden konnten. Die Testabwicklung wäre auch zum geplanten Zeitpunkt völlig risikolos", wiederholt Walser seine Forderung nach einer vertrauenswürdigen Verwaltung der Daten aus Bildungsuntersuchungen.

Der Grüne Bildungssprecher verweist darauf, dass auch der internationale PISA-Koordinator Andreas Schleicher ausdrücklich festgehalten hat, dass es aus Sicht der OECD keinen Grund für die Absage der Testungen gibt und darauf hingewiesen, dass Österreich erst 2018 wieder in den PISA-Test einsteigen kann. "Damit ist gewährleistet, dass bis zu den nächsten Wahlen keine schlechten Ergebnisse mehr die biedermeierliche Selbstzufriedenheit in Österreich stören. Wir machen uns mit dieser Entscheidung international lächerlich", resümiert Walser bitter. Er verweist zudem darauf, dass man sich durch die Absage der Testungen zwar hinkünftig mehrere Millionen pro Jahr spart, dass aber allein für die fix und fertige Vorbereitung für die Bildungsstandards knapp zwei Millionen sinnlos investiert worden sind: "Die genauen Zahlen werde ich von der Ministerin in einer schriftlichen Anfrage einfordern."

"Mich erinnert die Vorgangsweise der Ministerin an das Desaster bei der Hypo-Alpe-Adria. Man verschließt die Augen vor dem Problem um dann in ein paar Jahren das Doppelte und Dreifache bezahlen zu müssen. Im Bildungsbereich zahlen wir in zehn bis 15 Jahren die Zeche dafür, dass jetzt die dringend notwendigen Reformen in unseren Schulen unterbleiben. Und diese Rechnung wird noch teurer als das Banken-Desaster", schüttelt Harald Walser den Kopf angesichts der abgesagten Bildungstestungen an unseren Schulen: "Ich fordere die Ministerin auf, den bereits entstandenen Schaden zu minimieren und umgehend sicherzustellen, dass die geplanten Testreihen ebenso wie die Zentralmatura stattfinden können."

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APA0121 II, XI 12.03.2014 10:30:39

 

Schülerdaten: Bifie warnte vor Teststopp

Utl.: Mails von Direktoren, Aufsichtsrat und wissenschaftlichem Beirat

Schule/Datenschutz/Österreich

Die Organe des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) haben unmittelbar nach der internen Mitteilung des heurigen Teststopps für Bildungsstandards, PISA- und TIMSS-Studie durch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) diese vor diesem Schritt gewarnt. Das zeigen der APA vorliegende Mails von Direktorium, Aufsichtsrat und wissenschaftlichem Beirat.

Demnach wurde dem Bifie das vorläufige Aus für die Bildungstests am Samstag (8. März) mitgeteilt. Bereits am Tag darauf reagierten die Bifie-Direktoren Christian Wiesner und Martin Netzer mit einem Schreiben an Heinisch-Hosek. "Als Verantwortliche des Bifie sehen wir es trotz der angespannten medialen Situation als unsere Pflicht, auf die Risiken und möglichen Konsequenzen hinzuweisen, die durch das Aussetzen oder auch Verschieben von Überprüfungen und Tests des Bifie entstehen können."

Die Verschiebung der Bildungsstandard-Überprüfungen sehen die Bifie-Chefs "mit großen organisatorischen Herausforderungen und zusätzlichem finanziellem Ressourcenbedarf, aber auch strategischen Risiken verbunden". Unter anderem müssten sämtliche Erhebungsmaterialien neu gedruckt werden, was allein knapp eine Mio. Euro koste. Dazu kämen erneute Datenmeldungen durch die Schulleitungen und nun vermutlich vergebliche Ausgaben für Testleiter-Trainer, Testleiter, Auswerter und Assessoren.

Durch die Absage der heurigen Standard-Testungen würde außerdem der erste Testzyklus mit Mathematik, Englisch und Deutsch nicht abgeschlossen. "Damit gibt es keine zusammengefassten Daten für den kommenden nationalen Bildungsbericht 2015. Auch kann ohne einen Abschluss eines Zyklus kein abschließender Bericht der Bildungsstandard-Überprüfung erfolgen, wodurch z. B. eine Ableitung von Kriterien für erfolgreiche 'gute' Schulen oder auch Brennpunktschulen erst mit Vorliegen eines ersten Zyklusberichts 2016/17 erfolgen kann." Sollten die heuer abgesagten Deutsch-Standarderhebungen im kommenden Jahr nachgeholt werden, fielen sie vom Arbeitsanfall her mit der Erhebung der Mathe-Standards in der vierten Klasse Volksschule zusammen. Dies würde das Bifie und seine Ressourcen 2016 "erheblich überlasten".

Auch für die PISA- und TIMSS-Feldstudien seien bereits Sachmittel von rund 300.000 Euro angefallen, argumentieren die Direktoren. Der nun abgesagte PISA-Feldtest sei darüber hinaus eine "notwendige Brückenstudie, welche die Basis bildet, damit zukünftige PISA-Ergebnisse mit früheren Ergebnissen im Trend verlinkt werden können".

Zusammenfassend betonen Netzer und Wiesner, "selbstverständlich" jede Entscheidung der Ministerin zu respektieren. "Als Direktoren betrachten wir es jedoch als unsere Pflicht, in aller Form auf die budgetären, organisatorischen und strukturellen Schwierigkeiten hinzuweisen, die sich durch eine kurzfristige Absage bzw. Verschiebung der seit langem vorbereiteten Testungen ergeben werden." Geschlossen wird das Schreiben mit einem hoffnungsfrohen Wunsch: "Ihnen wünschen wir viel Kraft und Erfolg in dieser äußerst schwierigen Situation. Wir sind überzeugt, das BMBF (Bildungsministerium, Anm.) und das Bifie können diese kritischen Wochen gemeinsam erfolgreich meistern."

Bifie-Aufsichtsrats-Vorsitzender Arthur Mettinger appellierte wiederum "nachdrücklich" an Heinisch-Hosek, "die Argumente der Bifie-Direktoren bei Ihrer Entscheidung über eine (Nicht)Verschiebung der Bildungsstandard-Überprüfung sowie der Internationalen Studien entsprechend zu würdigen ". Der wissenschaftliche Beirat sieht die "derzeitige Entwicklung sehr bedenklich".

(schluss) aku;cm;spu

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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