Mittwoch, 12. März 2014

2014.03.12: Bildung

Mittagsjournal, 12.3.2014

PISA: Faymann verteidigt Stopp von Bildungstests

Regina Pöll

PISA 2015 soll nicht ausgesetzt werden, so Experten im Ö1-Morgenjournal: Die Datensicherheit sei trotz des jüngsten Datenlecks am Bundesinstitut BIFIE gegeben, und wenn Österreich nicht teilnimmt, verliere es die Vergleichbarkeit mit Dutzenden anderen Schulsystemen. Die SPÖ-Riege im Ministerrat verteidigt die Entscheidung ihrer Ministerin Heinisch-Hosek. In der ÖVP ist man da schon kritischer.

ORF – 12. März 2014 

 

Reputationsverlust befürchtet

Die Diskussion über die Sicherheit von Schülerdaten beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) hat am Montag zur Absage sämtlicher für das Frühjahr geplanter Bildungstests geführt. Notwendige Vortestungen für PISA und auch die Studie TIMSS sind daher nicht möglich. Viele halten die Entscheidung für fragwürdig.

Ein Stopp der Bildungstests PISA, TIMSS und der Bildungsstandards wegen Bedenken zur Datensicherheit wäre für Bildungspsychologin Christiane Spiel (Universität Wien) „sehr bedauerlich“. Ohne solche Studien würden Daten als Korrektiv fehlen, „es ist auch wichtig, die Erfolge von Maßnahmen zu sehen.“ Der kontinuierliche Vergleich mit anderen Ländern, die sich ebenfalls weiterentwickeln, sei ebenfalls nötig.

„Wenn wir uns dem internationalen Vergleich nicht mehr stellen, ist das kein gutes Signal nach innen und nach außen“, so Spiel. Es könne nicht die Lösung sein, als Reaktion auf die Zunahme von Datenangriffen einfach keine Daten mehr zu erheben. Man müsse aber - etwa durch Anonymisierung der Daten - dafür sorgen, dass dem Einzelnen bzw. einzelnen Institutionen im Falle eines Lecks kein Schaden entstehen kann.

„Ruhig und sachlich abwägen“

Sie verstehe zwar die Nervosität von Eltern, Schülern und Lehrern in Bezug auf deren Daten. Gleichzeitig mahnt Spiel, nicht in „Überaufgeregtheit“ zu verfallen. „Man sollte ruhig und sachlich abwägen zwischen der Datensicherheit und den Konsequenzen eines Datenlecks auf der einen Seite und dem Nutzen der kontinuierlichen Teilnahme an Vergleichsstudien auf der anderen.“

Auf einem rumänischen Testserver einer Partnerfirma des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE), das für Bildungstests zuständig ist, waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) lässt deshalb eine Überprüfung der BIFIE-Datensicherheit durchführen, die mehrere Monate dauert und bis zu den geplanten Testzeitpunkten nicht abgeschlossen sein wird.

Grüne vermuten riesigen Skandal im Hintergrund

Der grüne Bildungssprecher Harald Walser forderte Heinisch-Hosek zur Besonnenheit auf. „Im Ministerium gehen offenbar Panikreaktionen ab. Entweder es steht ein riesiger Skandal an, oder die Vorgangsweise ist einfach nicht nachvollziehbar“, so Walser. Datensicherheitsprobleme habe es auf einem rumänischen Testserver gegeben.

„Von einem Datenleck bei zentralen Aufgaben des BIFIE kann bisher keine Rede sein.“ Er forderte die Ministerin auf, „zu kontinuierlicher Bildungspolitik zurückzukehren, die auch überprüft, wie es an unseren Schulen ausschaut“. Ansonsten falle Österreich um Jahre zurück. Dass Sparmaßnahmen für den Teststopp verantwortlich seien, wolle er gar nicht erst in Erwägung ziehen: „Sonst heißt’s wirklich ‚Gute Nacht, Österreich‘.“

„Tests mit Papier und Bleistift“

Für „verfrüht“ hält der Sprecher der ÖVP-Landesschulratspräsidenten, Fritz Enzenhofer (OÖ), die Absage. Laut Enzenhofer wäre es durchaus möglich gewesen, die Bildungsstandarderhebungen zunächst durchzuführen. Die Tests würden ja mit Papier und Bleistift geschrieben.

„Anschließend hätte man sie unter Verschluss halten und erst einspeisen können, wenn die Datensicherheit gegeben ist. Wenn ich das dann erst im November oder Dezember mache, wird halt die Auswertung um ein halbes Jahr verzögert. Und wenn die Sicherheitsprüfung negativ ausfällt, kann ich sie noch immer wegwerfen.“

Sorge um internationales Ansehen

In Sachen PISA und TIMSS gehe er davon aus, dass mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die für den PISA-Test zuständig ist, Kontakt aufgenommen worden sei. „Ansonsten würde ich mir eine solche Entscheidung nicht anmaßen“, so Enzenhofer. International verliere man enorm an Ansehen, wenn man nicht in der Lage sei, solche Studien durchzuführen. „Und natürlich wird es jetzt Stimmen geben, die sagen, dass wir das machen, weil die Ergebnisse nicht so gut ausgefallen sind.“

„Ich bin kein Freund dauernder Erhebungen“, meinte Enzenhofer. „Aber wenn ich datenbasierte Schulpolitik machen will, muss ich die Daten auch erheben.“ Keinesfalls dürfe man jetzt das BIFIE als Sündenbock hinstellen. „Nach meinen Informationen hat das BIFIE keinen Fehler gemacht.“

OECD versteht Absage nicht

In der OECD versteht man die Absage des PISA-Tests offenbar nicht: Die OECD sieht „keinen Grund, die PISA-Feldtestungen in Österreich abzusagen“. Das berichten die Tageszeitungen „Standard“ und „Presse“ in ihren Onlineausgaben. Ein Nachholen der eigentlich für April und Mai geplanten Vortestungen sei nur bis zum Sommer möglich. Ohne Teilnahme am Feldtest darf Österreich nicht beim eigentlichen PISA-Test im Frühjahr 2015 mitmachen. Österreich wäre laut OECD der erste Staat, der nach seiner Erstteilnahme an PISA einen Studiendurchgang auslässt.

Das Team Stronach (TS) wirft Heinisch-Hosek vor, die Probleme mit den Schülerdaten beim BIFIE dazu zu nutzen, sich vor den Tests zu „drücken“. „Hier wird nur verhindert, dass erneut schlechte Prüfungsergebnisse bekanntwerden“, so TS-Bildungssprecher Robert Lugar in einer Aussendung. „Plötzlich heuchelt man Sorgfältigkeit im Umgang mit vertraulichen Daten, nur um die Tests heuer zu verhindern und um ein Jahr zu gewinnen.“

Zustimmung der Lehrergewerkschafter

Die zuständigen Lehrergewerkschafter begrüßten am Montag den Schritt. „Solange die Datensicherheit nicht gewährleistet ist und wir nicht sicher sein können, was auf rumänischen Servern auftaucht, ist es eine richtige Entscheidung“, so der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD), Paul Kimberger (FCG). Anscheinend könne die Datensicherheit bei den Testungen nicht gewährleistet werden, meinte der Gewerkschafter. „Deshalb war unsere Forderung, die Tests zu stoppen, eine richtige.“

TV-Hinweis

Der ORF startet am Donnerstag den Schwerpunkt „Schule fürs Leben“ mit zahlreichen Sendungen - mehr dazu in kundendienst.ORF.at.

Ihm gehe es dabei nicht um die Schülertests an sich. Bildungsstandard-Erhebungen und Kompetenzmessungen seien durchaus sinnvoll, wenn man sie richtig einsetze. Auch Kimbergers Stellvertreter in der Pflichtschullehrergewerkschaft APS, Thomas Bulant (FSG), unterstützte die Verschiebung. „Es ist begrüßenswert, dass Ministerin Heinisch-Hosek die Datensicherheit als schützenswertes Gut sieht und die Zeitpläne für Bildungsstandards, PIRLS und PISA nicht als Prestigeobjekte verteidigt“, hieß es in einer Aussendung. Vertrauen gehe vor Tempo, so Bulant.

FPÖ sieht falsche Motive

Die FPÖ begrüßte die Absage der Teilnahme an der PISA- und TIMSS-Studie 2015 mit Einschränkungen. „Was an sich richtig ist, geschieht bei Ministerin Heinisch-Hosek aber leider aus den falschen Motiven“, so Bildungssprecher Walter Rosenkranz in einer Aussendung.

Als Grund für den Teststopp vermutet Rosenkranz nicht Datenschutzprobleme, sondern „leere Kassen“. Die FPÖ fordere „statt PISA und Konsorten, die wirklich enorme Summen verschlingen und bisher in Österreich ohne Folgen geblieben sind, aussagekräftigere Längsschnittstudien“.

OTS0108 II, XI 12.03.2014 11:18:33

 

PISA - Stronach/Lugar: Wegen veröffentlichter Patientendaten wird auch nicht die Diagnose gestoppt

Team Stronach/Lugar/Schule/PISA/Heinisch-Hosek

"Wenn Patientendaten an die Öffentlichkeit gelangen, stellen auch nicht alle Ärzte im Land auf Weisung des Gesundheitsministers ihre Diagnosearbeit ein", erklärt Team Stronach Bildungssprecher Robert Lugar in Bezug auf die "fadenscheinige" Absage der PISA-Tests. Wenn sogar das Bifie vor den negativen und langfristigen Folgen einer Absage warne, "dann muss Heinisch-Hosek auf ihre Experten hören, Datenlecks schließen und die Tests durchführen. Wenn sie aber dieser ihrer Aufgabe nicht nachkommen will - dann soll sie gehen und Experten Platz machen", so Lugar.

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