Mittwoch, 12. März 2014

2014.03.12: Newsletter Bildung

APA0624 II, XI 11.03.2014 18:30:36

 

Schülerdaten: OECD sieht keinen Grund für PISA-Absage

Utl.: Nachholen nur vor dem Sommer möglich

Schule/Datenschutz/Österreich

Die OECD sieht "keinen Grund, die PISA-Feldtestungen in Österreich abzusagen". Das berichten "Standard" und "Presse" in ihren Online-Ausgaben. Ein Nachholen der eigentlich für April und Mai geplanten Vortestungen sei nur bis zum Sommer möglich. Ohne Teilnahme am Feldtest darf Österreich nicht beim eigentlichen PISA-Test im Frühjahr 2015 mitmachen.

Österreich wäre laut OECD der erste Staat, der nach seiner Erstteilnahme an PISA einen Studiendurchgang auslässt. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat die Teilnahme Österreichs an allen Bildungstests der kommenden Monate gestoppt, da derzeit beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das die Erhebungen durchführt, die Datensicherheit nicht gewährleistet sei. Auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht. Die Ministerin lässt deshalb eine Überprüfung der Bifie-Datensicherheit durchführen, die mehrere Monate dauert und bis zu den geplanten Testzeitpunkten nicht abgeschlossen sein wird.

(schluss) aku;ham

Die Presse – 12. März 2014

 

 

Nächster PISA-Test frühestens 2018

Die Unterrichtsministerin zieht nach dem Datenleck Konsequenzen: Die PISA-Studie und die Bildungsstandardstests sind abgesagt. Künftig könnte es generell weniger Tests geben.

Wien. Das riesige Datenleck im österreichischen Schulsystem hat nun erste ernsthafte Konsequenzen: Bereits einen Tag nach dem exklusiven Bericht der „Presse" (siehe Faksimile) kündigte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) eine Testungspause an. Gestern, Dienstag, zog sie endgültig die Notbremse. Sie sagte nicht nur die für heuer geplanten Bildungsstandard-Testungen ab, sondern auch Österreichs Teilnahme am nächsten PISA-Test sowie an der Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie TIMSS. „Die Presse" hat sich angesehen, was das konkret bedeutet.

1 Warum betrifft der Teststopp den PISA-Test, der erst 2015 stattfindet?

Die Ministerin will die Datensicherheit beim zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) überprüfen. Das wird einige Monate dauern. Deshalb können die Vortestungen für PISA und TIMSS nicht wie geplant im Frühjahr 2014 stattfinden. Dabei würde überprüft, ob die international erstellten Testfragen auch für Österreich verwendbar sind. Länder, die die Vortests nicht innerhalb einer bestimmten Frist machen, dürfen automatisch nicht an den Studien teilnehmen. Den nächsten PISA-Test wird es für Österreich damit also frühestens im Jahr 2018 geben.

2 Die Bildungsstandards werden nicht online getestet. Warum die Panik?

Dass die Standards für das Fach Deutsch in der vierten bzw. achten Schulstufe auf Papier und nicht am Computer abgeprüft werden, ist für Heinisch-Hosek kein Argument, diese Tests vom Stopp auszunehmen. Es komme nicht infrage, die Tests durchzuführen und einfach mit der Auswertung der Ergebnisse so lange zu warten, bis die Datensicherheit gewährleistet ist. „Ich kann nicht mit Daten hantieren, wenn ich nicht sicher sein kann, dass diese Daten irgendwo sicher gelagert werden können", so die Ministerin.

3 Bringt der Teststopp Einsparungen? Oder entstehen zusätzliche Kosten?

Das Unterrichtsministerium sieht darin ein großes Einsparungspotenzial. Allein heuer spare man sich dadurch rund 3,6 Millionen Euro. Denn nicht nur die Durchführung und Auswertung der Tests hätte einiges gekostet, sondern auch die Teilnahme an den internationalen Vergleichstests selbst ist mit hohen jährlichen Mitgliedsbeiträgen verbunden. Durch die Absagen versickert aber auch viel Geld – wie viel, wird derzeit im Ministerium erhoben. Laut „Presse"-Informationen soll allein der bereits abgeschlossene Druck der Testbögen für die Bildungsstandards 900.000 Euro gekostet haben. Hinzu kommen Verträge mit Testleitern und Auswertern, die teilweise schon bestanden.

4 Was bedeutet der Teststopp für die Zentralmatura im Mai?

Die Schulversuche zur Zentralmatura sind vom Stopp vorerst einmal nicht betroffen. Bis Ende März soll geklärt sein, ob die Zentralmatura sicher ist. Ist sie das, kann sie wie geplant stattfinden. Findet TÜV Austria Sicherheitslücken, dann würde das Ministerium den Schulen Maturabeispiele zuschicken, die von ihren bzw. von Mitarbeitern des BIFIE neu erstellt wurden. Gestern Abend hat die Ministerin Lehrer, Eltern und Schüler jedenfalls zu einer Krisensitzung geladen.

5 Welche Auswirkungen sind im Schulsystem generell zu erwarten?

„Wir können ein Jahr Zwangspause vertragen", sagt die Ministerin mit Blick auf die vielen Bildungstests, die in der Vergangenheit stattgefunden haben. In der Testpause will sie überlegen, ob es künftig nicht überhaupt weniger zentral verordnete Tests geben soll. Auch für das BIFIE wird der Datenskandal Konsequenzen haben. Die Ministerin spricht von einer „Redimensionierung".

 

Die Presse – 12. März 2014

 

 

Das Datenleck darf nicht zur Ausrede werden

Ist das Stanzen aller Tests das gelindere Mittel? Die Bildungsstandards trotzdem zu erheben – und die (ohnehin schon gedruckten) Testbögen vorerst einfach nicht zu digitalisieren.

Bernadette Bayrhammer

Es ist durchaus wohltuend zu sehen, wenn heimische Politiker ausnahmsweise einmal mit Entschlossenheit agieren. Neben einem Kanzler und einem Vizekanzler, die angesichts von Hypo und anderen Desastern die Kunst des Versteckspiels perfektionieren, ist es erfrischend, dass sich eine Ministerin traut, (spät, aber doch) Konsequenzen zu ziehen.

Wenn man sich die Verunsicherung vor Augen führt, die das Datenleck bei Eltern, Lehrern und Schülern ausgelöst hat, scheint das radikale Stanzen aller Überprüfungen bis hin zu PISA erst einmal nur logisch. Immerhin geht es darum, das angeknackste Vertrauen aller Betroffenen wiederzugewinnen. Dass die Ministerin hier maximale Handlungsfähigkeit demonstrieren will, ist auch klar.

Man darf aber fragen, ob nicht versäumt wurde, das gelindere Mittel zu prüfen. Die Bildungsstandards trotzdem zu erheben – und die (ohnehin schon gedruckten) Testbögen vorerst einfach nicht zu digitalisieren. Oder sich für den PISA-Test einen anderen, verlässlicheren Partner zu suchen als das umstrittene BIFIE. Auch so könnte man der Verantwortung gerecht werden.

Nicht zuletzt darf eines nicht passieren: Das Leck darf nicht zur Ausrede werden, um künftig jede Evaluierung zu verweigern. Denn dass sich ein Schulsystem wie das österreichische, das mit Transparenz lange überhaupt nichts anfangen konnte, inzwischen einer Evaluierungskultur angenähert hat, ist – bei aller berechtigten Kritik im Detail – eine Errungenschaft, die man nicht leichtfertig aufgeben sollte.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 12.03.2014             Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

 

Heinisch-Hosek sagt PISA und alle Bildungstests ab

 

   Nach Datenleck gibt es vorerst keine Schülertests mehr

 

   Zentralmatura findet wie geplant statt, der Ablauf ist offen

 

   WIEN/LINZ. An Österreichs Schulen werden bis auf Weiteres keine Bildungstests mehr durchgeführt: Das hat Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) gestern bekannt gegeben. Damit reagiert sie auf ein vor zwei Wochen bekannt gewordenes Datenleck beim Bildungsforschungsinstitut (Bifie), das alle Bildungstests in Österreich durchführt. Heuer entfallen damit die Bildungsstandards in Deutsch (vierte und achte Schulstufe). Auch an der internationalen PISA-Studie und TIMSS (Mathematik-Kenntnisse von Volksschülern) nimmt Österreich 2015 nicht teil, weil die Vortests bereits im April stattfinden. Heinisch-Hosek hat die Überprüfung der Datensicherheit beim Bifie ausgeschrieben. Solange diese nicht garantiert sei, könne sie keine Tests mehr durchführen lassen, sagt sie. Die ebenfalls vom Bifie betreute Zentralmatura - als Schulversuch in vielen Schulen in zumindest einem Fach bereits Standard - soll für Schüler wie geplant stattfinden.

 

   Noch offen ist aber, ob die Aufgaben vom Bifie kommen. Das soll bis Monatsende entschieden werden, im Notfall soll es Beispielklausuren vom Ministerium geben. »Seite 21

 

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"Oberösterreichische Nachrichten" vom 12.03.2014            Seite: 21

Ressort: Land & Leute

 

 

PISA, Bildungsstandards: Ministerin stoppt alle Schülertests in Österreich

 

   Unterrichtsministerin reagiert auf Datenleck, keine Änderung für Schüler bei Zentralmatura

 

   Von Jasmin Bürger

 

   WIEN. Vor zwei Wochen war das Datenleck publik geworden, durch das Informationen zigtausender Schülertests vom Bildungsforschungsinstitut (Bifie) auf einen rumänischen Server geflossen sind (die OÖ-Nachrichten berichteten).

 

   Als Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) gestern Abend Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter in der Causa zur Aussprache empfing, hatte sie ihre Entscheidung über die Folgen bereits getroffen. Sie drückt die Stopptaste für sämtliche Bildungstests in Österreich, die allesamt vom Bifie durchgeführt werden: Die Bildungsstandards in Deutsch, zu denen im Mai rund 160.000 Schüler der vierten und achten Schulstufe angetreten wären, finden nicht statt. Abgesagt sind die für April geplanten Vortests zur PISA-Studie - damit kann Österreich auch an der Erhebung 2015 nicht teilnehmen. Gleiches gilt für TIMSS, den Mathetest an Volksschulen.

 

   "Ich kann keine Tests durchführen lassen, solange keine Datensicherheit beim Bifie gewährleistet ist", begründete Heinisch-Hosek ihren Schritt. Die Überprüfung der Abläufe im Bifie sei bis zum nächsten Test nicht möglich. Zum einen liegt die Sache bei der Staatsanwaltschaft, zum anderen hat das Ministerium eine Überprüfung der Datensicherheit ausgeschrieben.

 

   Einzig bei der Zentralmatura, die im Schulversuch an einem Großteil der Schulen bereits läuft und für deren Durchführung ebenfalls das Bifie verantwortlich ist, soll es zumindest im Prüfungsablauf keine Änderung geben. Ein Schnelltest durch TÜV Austria soll bis Ende März Auskunft geben, ob das Bifie hier Datensicherheit garantieren kann. Ist das nicht der Fall, sollen die Schulen vom Ministerium schriftlich - und nicht digital - zentrale Maturaaufgaben übermittelt bekommen.

 

   Heinisch-Hoseks Entscheidung stieß bei vielen Experten auf Kopfschütteln (siehe unten). Die Ministerin verteidigte ihr Vorgehen: "Ich muss das Vertrauen der Schüler und Lehrer zurückgewinnen."

 

   Kosten: Mehr oder weniger?

 

   Vom vorläufigen PISA-Ausstieg hat Heinisch-Hosek die OECD als Betreiber der Studie vorab nicht informiert, eine Pausierung ist aber möglich. Durch die Absage aller Tests fallen laut Ministerium 3,6 Millionen Euro für heuer budgetierten Ausgaben nicht an. Ob das tatsächlich eine Ersparnis ist, blieb offen. Denn wie viel Geld in Vorarbeiten geflossen ist, konnte das Ministerium gestern nicht sagen. Kolportiert werden allein 900.000 Euro Kosten für den Druck der Bildungsstandards-Aufgaben.

 

   Ich kann keine Tests durchführen lassen, solange keine Datensicherheit gewährleistet ist."

 

   Gabriele Heinisch-Hosek, Unterrichtsministerin (SP)

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 12.03.2014            Seite: 21

Ressort: Land & Leute

 

 

Enzenhofer: Aussetzen bedeutet, "alles zu vernichten"

 

   Komplettabsage der Bildungsstandards stößt im Landesschulrat und in Teilen der Gewerkschaft auf Kritik

 

   WIEN/LINZ. "Ich halte das Aussetzen der Bildungsstandards nicht für richtig": Oberösterreichs Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (VP) wendet sich im OÖNachrichten-Gespräch klar gegen die von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) getroffene Entscheidung (siehe oben).

 

   Die Vorbereitung der für heuer geplanten Bildungsstandard-Tests sei zu weit fortgeschritten, "jetzt auszusetzen bedeutet, alles zu vernichten", so Enzenhofer. Damit meine er nicht nur die bereits investierten Kosten, sondern auch "die Motivation". Eltern, Schüler und Lehrer müssten bei einer Wiederaufnahme der Tests von Neuem überzeugt werden. Zudem würden die Tests ohnehin auf Papier und mit Stift ausgefüllt, man hätte mit der Digitalisierung auch einfach bis zur Überprüfung der Datensicherheit warten können. Dieser Argumentation schloss sich auch AHS-Lehrergewerkschafter Eckehard Quin an. Paul Kimberger, Vorsitzender der ARGE Lehrer und der Pflichtschullehrergewerkschaft, begrüßte dagegen das Aussetzen ("richtige Entscheidung"). Enzenhofer kritisiert auch Heinisch-Hoseks Informationspolitik: "Es wäre angebracht gewesen, die Landesschulräte in die Entscheidung einzubinden."

 

   Auch bundespolitisch kam Gegenwind: Die Grünen sprachen von "Panikreaktionen", die FPÖ begrüßte zwar den PISA-Stopp, sieht das Datenleck aber nur als Vorwand für den Ausstieg "wegen leerer Kassen". (jabü)

 

 

"Kleine Zeitung" vom 12.03.2014                             Seite: 12

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

Österreich schwänzt den PISA-Test

 

Weil nötige Vorarbeiten wegen des Schultest-Datenlecks nicht stattfinden können, fehlt Österreich im nächsten Jahr bei allen Vergleichsstudien.

 

   SONJA HASEWEND

 

   Jetzt fällt sie einfach aus: Österreichs Schüler werden im nächsten Jahr nicht an der PISA-Studie teilnehmen. Der Grund ist das Datenleck im Dunstkreis des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), das auch für die Durchführung der internationalen Schülervergleichsstudie PISA verantwortlich ist. „Ich muss das Vertrauen der Schüler und Lehrer zurückgewinnen" – so erklärte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gestern die Maßnahme.

 

   Wie bereits angekündigt, werden auch die für das Frühjahr geplanten nationalen Bildungsstandards-Erhebungen für Deutsch heuer ausgesetzt. An der internationalen Mathematik- und Naturwissenschafts-Schülerstudie Timms 2015 wird sich Österreich ebenfalls nicht beteiligen. Denn bereits kommenden März hätten bei Feldtestungen für Timms, im April und Mai für PISA die Aufgabenstellungen für die tatsächlichen Erhebungen im Jahr darauf erprobt werden sollen. Diese sind Voraussetzungen, um an den Studien teilnehmen zu können.

 

   Der Hintergrund ist die Diskussion um die Sicherheit von Schülerdaten bei Bifie. Das Bildungsministerium hat, nachdem Daten der Informellen Kompetenzmessung (IKM) auf einem rumänischen Server aufgetaucht waren, eine Überprüfung in Auftrag gegeben. Diese werde bis zum Frühjahr nicht fertig. Priorität habe die Prüfung der Zentralmatura, hier soll es bis Ende März Klarheit geben. Sollte die Prüfung negativ ausgehen, würden den Schulen vom Ministerium zentrale Beispiele zur Verfügung gestellt, die nicht auf dem Bifie-Server liegen.

 

   Durch den Test-Stopp erspart man sich laut Ministerium heuer 3,6 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen bereits angefallene Kosten etwa für die Standard-Erhebungen, die nun nutzlos sind.

 

   Die steirische Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner (ÖVP) hat Verständnis für die Maßnahme: „Wenn es Datenunsicherheit gibt, müssen die Tests verschoben werden." Man arbeite schon mit Ergebnissen der letzten Erhebungen an einer Verbesserung der Schulqualität. Auch die Lehrergewerkschaft begrüßt das Aussetzen der Tests. Die OECD hingegen sieht keinen Grund für eine PISA-Absage in Österreich. Es wäre der erste Teilnehmer, der einen Studiengang auslässt.

 

   Denkzettel Seite 10

 

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"Kleine Zeitung" vom 12.03.2014                             Seite: 10

Ressort: Tribüne

 

Steiermark

 

DENKZETTEL

 

Auf dem Prüfstand

 

   Die Optik ist eigenartig. Da tauchen auf einem Server Daten aus einem alten Schülerkompetenztest auf. Und plötzlich steht nicht nur die Datensicherheit beim dem Unterrichtsministerium untergeordneten Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) auf dem Prüfstand, sondern alle Vergleichstests, denen sich Österreichs Schüler in den vergangenen Jahren regelmäßig unterziehen mussten.

 

   „Eine Zwangspause" hat die Ministerin angekündigt, in der neu beurteilt werden soll, ob so viele Schülerstudien nötig sind. Woher der Wind jetzt weht, ist unklar. An „Schüler-Leaks", wie die Datenaffäre von manchen genannt wird, liegt es wohl eher nicht. So eine Panne dürfte zu beheben sein, ohne gleich einiges grundsätzlich abzublasen.

 

   Böse Zungen behaupten ja jetzt, das sei ein willkommener Anlass, um mögliche schlechte Ergebnisse etwa bei der PISA-Studie gleich gar nicht erst zu produzieren.

 

   Diese Studien beschäftigen jedenfalls nicht nur Schüler und Lehrer, sie kosten auch Millionen. Das spart man sich jetzt. Doch viele fragen sich zu Recht: Wozu dann eigentlich der ganze Aufwand in den letzten Jahren? SONJA HASEWEND

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 59 vom 12.03.2014               Seite: 1

Ressort: Seite 1

 

Österreich

 

Wozu sind Bildungstests gut?Ministerin stoppt PISA & Co.

 

   Grundsatzdebatte. Experten begrüßen Diskussion über Sinn und Unsinn der Vergleichsstudien.

 

   Wien (SN). Ob der größte internationale Bildungstest PISA oder der Mathe- oder Naturwissenschaftstest TIMSS: Alle internationalen Schülertests sollen laut Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf den Prüfstand gestellt werden und zumindest kommendes Jahr gänzlich ausgesetzt werden.

 

    Auslöser für diese Entscheidung der Ministerin ist nicht die anhaltende Kritik renommierter Experten an der Sinnhaftigkeit der Vergleichsstudien, sondern das Datenleck beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie): Auf einem rumänischen Testserver waren informelle Ergebnisse von Schülertests aus 2011 und 2012 aufgetaucht. Heinisch-Hosek am Dienstag: „Ich kann keine Testungen durchführen lassen, solange keine Datensicherheit beim Bifie gewährleistet ist."

 

   Bildungsforscher Stefan Hopmann begrüßt zwar, dass es eine breite Debatte über Sinn und Unsinn der Vergleichsstudien geben soll. Das Problem in Österreich sei ja, dass die Testergebnisse „chronisch überbewertet" und ideologisch für die jeweiligen Zwecke missbraucht würden. Auch der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann hat wiederholt betont, dass er 90 Prozent der Vergleichstests für „verzichtbar" halte. Hopmann kritisiert im SN-Gespräch aber auch, dass die Tests in einer Art „Panikaktion" gestoppt worden seien und dies Österreichs internationaler Reputation schade. Seite 11

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 59 vom 12.03.2014              Seite: 11

Ressort: Innenpolitik

 

Maria Zimmermannanja Kröll

 

Österreich

 

Die Bildungstests machen Pause

 

   Datenleck. Bildungsforscher und Datenschützer halten den Stopp diverser Bildungstests für „panisch" und „lächerlich". Was das mit Datenlecks im Finanzministerium zu tun hat?

 

   MARIA ZIMMERMANN, ANJA KRÖLL Wien (SN). Keine Bildungsstandards, kein PISA-Test und auch keine sonstigen internationalen Schülervergleichstests: Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat wegen des vor Kurzem bekannt gewordenen Datenlecks beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) alle Testungen auf Eis legen lassen. Für wie lang? Jedenfalls bis kommendes Jahr, manche Tests könnten auch ganz abgeschafft werden, heißt es. Denn in der Testpause will sich die Ministerin mit Experten anschauen, an welchen Studien man überhaupt künftig noch teilnehmen wird.

 

   „LehrerInnen und SchülerInnen lehren und lernen teilweise nur mehr für diese Tests, das habe ich in vielen Gesprächen gehört", schreibt Gabriele Heinisch-Hosek auf ihrer Homepage.

 

   Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Universität Wien begrüßt zwar die grundsätzliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit der vielen Tests. Aber ad hoc alle mit der Begründung der Datensicherheit zu stoppen, hält er für eine „Überreaktion". „Das ist ganz schön panisch", sagt er. Schließlich gebe es keine Daten, die sicher seien – auch nicht nach der nun angekündigten monatelangen Untersuchung der Datensicherheit im Bifie. Zugleich beschädige der spontane Ausstieg auch Österreichs Glaubwürdigkeit im internationalen Kontext. Österreich gelte schon jetzt als unzuverlässig, weil es nur an jenen Tests teilnehme, die politisch gerade ins Konzept passten. Die Reaktion der Ministerin komme daher einer Vollbremsung auf der Autobahn gleich, um dann auszusteigen und sich die Frage zu stellen, ob man an die Adria oder doch in die Alpen wolle, sagt er.

 

   Ähnlich sieht es der Sprecher der ÖVP-Landesschulratspräsidenten, Fritz Enzenhofer. Er sei kein Freund dauernder Erhebungen, sagt Enzenhofer. Doch international verliere man enorm an Ansehen, wenn man nicht in der Lage sei, solche Studien durchzuführen. „Und natürlich wird es jetzt Stimmen geben, die sagen, dass wir das machen, weil die Ergebnisse nicht so gut ausgefallen sind." Er hält das Stoppen der Teilnahme an PISA und TIMMS jedenfalls für „verfrüht".

 

   Für Hans Zeger, Obmann der ARGE Daten, ist die Entscheidung, im kommenden Jahr weder an der PISA-Studie noch an der TIMSS-Studie teilzunehmen vor allem „lächerlich". Denn: „Es gab auch schon Datenlecks beim Finanzministerium. Da hat anschließend auch keiner gesagt, sie müssen ihre Steuererklärung jetzt nicht mehr abgeben. Das ist ein schäbiges Argument."

 

   Dass sich durch das Datenleck des Bifie, bei dem vertraulichen Testergebnisse von 400.000 Schülern an die Öffentlichkeit gekommen seien, künftig in Österreich etwas ändern werde, glaubt Zeger nicht. „Man muss hier über den konkreten Fall des Unterrichtsministeriums sprechen, und beim Unterrichtsministerium wird sich definitiv nichts ändern. Man muss sich Notfallszenarien überlegen. Zum Beispiel: Werden drei Tage vor der Matura die Fragen öffentlich, dann muss ich einen zweiten Satz Fragen in Reserve haben. 100.000 Firmen in Österreich gehen mit vertraulichen Daten ordentlich um, aber das Vorgehen des Unterrichtsministeriums ist nur dilettantisch, das geht schon ins Groteske."

 

   Dass der Angriff auf das Bifie von „Superhackern" (Zeger) durchgeführt wurde, glaubt der Datenschützer übrigens nicht. „Diese Daten interessieren in Wahrheit keinen Menschen. Wir haben uns das intern angeschaut. Die Datenverwaltung des Unterrichtsministeriums ist so zersplittert, fast schon chaotisch, weil es so viele Server gibt, auf denen etwas herumliegt, und dazu wird eine uralte Software verwendet. Dies zeigt eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Grundrecht des Bürgers, der darauf vertraut, dass seine Daten nicht überall herumkugeln."

 

 

Österreich – 12. März 2014

 

 

Schülerdaten-Panne 

Österreich nimmt nicht an PISA-Studie teil

Wegen Entfall der Feldtestungen. Auch keine Bildungsstandard-Tests.

Österreich wird im kommenden Jahr weder an der PISA-Studie noch an der TIMSS-Studie für Schüler teilnehmen. Das kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Dienstag vor Journalisten an. Aufgrund der Überprüfung der Datensicherheit beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) fänden heuer keine Vortestungen statt - diese sind Voraussetzung für eine Teilnahme an den Studien.

Die Feldtestungen für die Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie TIMSS hätten im März, jene für die PISA-Studie (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) im April und Mai über die Bühne gehen sollen. Dabei werden etwa Aufgabenstellungen für die für 2015 geplanten "echten" Datenerhebungen erprobt.

Das Bildungsministerium hatte nach einer Diskussion um die Sicherheit von Schülerdaten beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das auch PISA und TIMSS abwickelt, eine Überprüfung in Auftrag gegeben. Diese wird allerdings bis zum Termin der Feldtestungen nicht fertig.

Bildungsstandard-Erhebungen auch abgesagt
Die für das heurige Frühjahr geplanten Bildungsstandard-Erhebungen für das Fach Deutsch in der vierten und achten Schulstufe sind abgesagt worden. Das geht aus einer der APA vorliegenden Aussendung des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) an Mitarbeiter hervor. Grund ist die vom Bildungsministerium beauftragte Überprüfung der Datensicherheit, die bis zum Testtermin nicht fertig wird.

Auch die Landesschulratspräsidenten wurden vom Ministerium bereits informiert. "Der Daten-Sicherheits-Check kann vom zeitlichen Ablauf nicht so abgeschlossen werden, dass für die Durchführung der heurigen Bildungsstandard-Überprüfungen Unbedenklichkeit besteht", heißt es laut "Vorarlberger Nachrichten" (Dienstag-Ausgabe) in einem Mail des Ministeriums an die Vorarlberger Schullandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP). In Folge der Diskussion um ungeschützte Schülertest-Daten beim Bifie hatte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) eine Überprüfung der Datensicherheit in Auftrag gegeben.

Die Tests, an denen alle Schüler der 4. Klasse Volksschule und 4. Klasse AHS/Neue Mittelschule/Hauptschule teilnehmen, sollen 2015 nachgeholt werden. Die Zentralmatura ist davon vorerst unberührt - hier findet eine eigene Überprüfung statt, die bis Ende März abgeschlossen sein soll.

Gewerkschaft begrüßt Entscheidung
Der Vorsitzende der ARGE Lehrer in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, Paul Kimberger (FCG) hält das heurige Aussetzen der Bildungsstandard-Tests für richtig. "Solange die Datensicherheit nicht gewährleistet ist und wir nicht sicher sein können, was auf rumänischen Servern auftaucht, ist es eine richtige Entscheidung", so Kimberger.   Anscheinend könne die Datensicherheit bei den Testungen nicht gewährleistet werden, meinte der Gewerkschafter. "Deshalb war unsere Forderung, die Tests zu stoppen, eine richtige." Ihm gehe es dabei nicht um die Schüler-Tests an sich: Bildungsstandard-Erhebungen und Kompetenzmessungen seien durchaus sinnvoll, wenn man sie richtig einsetze.

Vorarlberger Schul-Landesrätin enttäuscht
Überrascht und enttäuscht zeigte sich dagegen die Vorarlberger Schul-Landesrätin Bernadette Mennel (ÖVP). "Ich finde das nicht gut. Die Testungen wären ja mit Papier und Bleistift erfolgt, und erst danach hätte es die elektronische Verarbeitung gegeben", so Mennel in den "Vorarlberger Nachrichten". Die Landesschulratspräsidenten seien in diese Entscheidung nicht mit eingebunden gewesen.

 

Der Standard – 12. März 2014

 

 

OECD: "Es gibt keinen Grund, den Pisa-Feldtest in Österreich abzusagen"

Lisa Nimmervoll

Die OECD reagiert verwundert auf die Absage der Pisa-Studie durch Ministerin Heinisch-Hosek

Wien - Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) stoppte am Dienstag nicht nur die heurigen Bildungsstandardtestungen in Deutsch in der vierten und achten Schulstufe, sondern auch Österreichs Teilnahme an der Pisa- und der TIMSS-Studie. Als Grund nannte sie die von ihr angeordnete Überprüfung der Datensicherheit am Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das diese Studien in Österreich organisiert und durchführt. Der mehrmonatige Datencheck sei bis zu den für die internationalen Studien notwendigen Feldtestungen im März für TIMSS bzw. April und Mai für die Pisa-Studie nicht abgeschlossen, daher die Absage.

"Datenloch" verschlingt drei Studien

Auslöser für Heinisch-Hoseks dreifaches Drücken auf die Teststopptaste war, dass im Vormonat auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma angeblich ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests von 2011 und 2012 aufgetaucht sind.

Österreich wäre erstes OECD-Land, das aussteigt

Die OECD in Paris sieht das anders. Auf STANDARD-Anfrage sagte OECD-Bildungsvizedirektor Andreas Schleicher nämlich: "Aus Sicht der OECD gibt es keinen Grund, den Feldtest in Österreich abzusagen." Dieser sei jedenfalls "zwingende Voraussetzung" für die Teilnahme an Pisa 2015. Sollte sich Heinisch-Hosek doch noch umentscheiden, dann könnte der Feldtest in Österreich "innerhalb des international dafür vorgesehenen Zeitfensters verschoben werden". Wenn nicht, könnte Österreich 2018 wieder einsteigen, da beginnt der nächste volle Testzyklus, allerdings: "Dann ohne Basisdaten für zukünftige Zeitreihen für die Bewertung der Naturwissenschaften". Schleicher wies au-ßerdem darauf hin, dass "bislang alle OECD-Staaten nach ihrer Erstteilnahme lückenlos an den folgenden Pisa-Studien teilgenommen haben". Österreich wäre somit das erste hochentwickelte Industrieland, das aus dieser internationalen Schülervergleichsstudie aussteigen würde.

Ministerin will "Vertrauen zurückgewinnen"

Heinisch-Hosek will "das Vertrauen der Schüler und Lehrer zurückgewinnen", sagte sie. Dienstagabend waren die Schulpartner geladen: "Ich kann keine Testungen durchführen lassen, solange keine Datensicherheit beim Bifie gewährleistet ist." In der "einjährigen Zwangspause" will sie überhaupt alle Studien überprüfen. Die Ministerin nannte TIMSS, die Mathe-Bildungsstandards würden das Gleiche testen. Auch eine "Redimensionierung" des Bifie will sie überlegen. Durch den Stopp von drei Studien erspare man sich heuer jedenfalls 3,6 Millionen Euro, hieß es.

10.000 Testbetreuer umsonst geschult

Allerdings fallen auch Kosten für die Nichtdurchführung der Bildungsstandardtests an, wie Insider im STANDARD-Gespräch monieren. Nach vier Jahren Vorbereitungszeit und millionenschweren Investitionen sei es unverständlich, diese Tests jetzt abzusagen, zumal damit auch der erste volle Testzyklus unterbrochen werde. An die 10.000 Mitarbeiter (Testadministratoren etc.) hängen an den Bildungsstandardtests dran und sind extra für den Apriltermin 2014 ausgebildet und dienstlich freigestellt worden. 

170.000 Testhefte einstampfen

Auch in den rund 4500 Schulen - es geht um 170.000 Schüler - ist alles dafür geplant und vorbereitet. Jetzt müssen alle auf konkrete Klassen zugeschnittenen Testhefte wieder vernichtet werden: "Das kostet ein Vermögen", kritisierte der Sprecher der ÖVP-Landesschulratspräsidenten, Fritz Enzenhofer aus Oberösterreich, im Gespräch mit dem STANDARD. Allein der Druck der einzustampfenden Aufgaben hat an die 900.000 Euro gekostet.

"Bifie nicht als Sündenbock hinstellen"

Enzenhofer hält die ganze Aktion für "falsch und verfrüht". Die Bildungsstandards könne man problemlos testen, da diese Tests händisch ausgefüllt und die Daten dann erst eingescannt werden müssten: "Man hätte, das hat das Bifie auch vorgeschlagen, die Hefte liegen lassen können, bis man sicher ist, dass die Daten sicher sind", sagt Enzenhofer, der betont: "Es wäre nicht seriös, das Bifie als Sündenbock hinzustellen. Nach meinen Informationen hat es keinen Fehler gemacht. "

Auch der Bundeselternverband an höheren Schulen reagierte mit "Befremden" auf den Teststopp und vermutet "politische Beweggründe".

 

 

"Der Standard" vom 12.03.2014                                 Seite 9

Ressort: Inland

 

Bundesland, Niederösterreich

 

WISSEN

 

Testen, testen, testen

 

Tests sind Schulalltag, seit einigen Jahren gehören auch solche für diverse Bildungsstudien dazu. Die wichtigsten sind: Q Pisa Das "Programme for International Student Assessment" der OECD testet seit 2000 im Dreijahresrhythmus die Lese-, Mathematik-und Naturwissenschaftskompetenz 15-/16-Jähriger, 2012 in 66 Ländern.

 

> PIRLS und TIMSS sind quasi die kleinen Geschwister der Pisa-Studie. PIRLS testet alle fünf Jahre die Lesekompetenz von Schülern der vierten Klasse Volksschule, TIMSS alle vier Jahre deren Mathe-und Naturwissenschaftskompetenz. Österreich nahm an PIRLS 2006 erstmals teil, an TIMSS 1995, 2007 und 2011,1999 und 2003 wurde darauf verzichtet. Diese zwei Studien werden von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) in Boston organisiert.

 

> Bildungsstandards testen seit 2012, was ein Schüler in der vierten (Deutsch, Mathe) bzw. achten Stufe (Deutsch, Mathe, Englisch) können soll. Abgewickelt werden alle Studien vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie).(nim)

 

 

"Kronen Zeitung" vom 12.03.2014                            Seite: 2

Ressort: Politik

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Wegen Datenleck alle Schülertests gestoppt Auch die Zentralmatura wackelt

 

Österreich sagt PISA-Studie ab

 

DORIS VETTERMANN

 

Wien. - Nach dem Skandal um Hunderttausende vertrauliche Daten, die im Internet aufgetaucht sind, zieht Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nun die Notbremse und stoppt für heuer alle Schülertests. Damit fallen auch die Bildungsstandards sowie die kommende PISA-Studie aus.

 

   Ministerin Heinisch-Hosek zieht die Notbremse und sagt die PISA-Studie ab. Erst wenn Datensicherheit herrsche, werde wieder getestet.

 

   Bereits Ende Februar wurde ein vorläufiger Teststopp ausgerufen, nun steht fest, dass sowohl die großen internationalen Studien wie PISA und TIMSS (Mathematik und Naturwissenschaften in der Volksschule) sowie auch die Bildungsstandards in Deutsch ausfallen. "Es wird erst wieder getestet, wenn volle Datensicherheit besteht", betont Ministerin Heinisch-Hosek.

 

   Und diese Sicherheit kann das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das mit dem jüngsten Datenleck einmal mehr ins Zwielicht geraten ist, ganz offensichtlich nicht gewährleisten. Personelle Konsequenzen gibt es derzeit (noch) nicht.

 

   Und auch die Zentralmatura, die wegen des Bifie-Chaos bereits einmal verschoben werden musste, wackelt. Für die vorgesehenen Schulversuche läuft nun bis Ende März die Überprüfung durch TÜV Austria. Schafft es das Bifie nicht, sichere Daten zu liefern, wird das Unterrichtsministerium eigene Beispielpakete zur Verfügung stellen.

 

   Heinisch-Hosek will die testfreie Zeit auch nutzen, um darüber nachzudenken, ob die unglaubliche Fülle an Schülertests überhaupt sinnvoll sei. "Wir haben genug aufzuarbeiten und können ein Jahr Zwangspause vertragen", so die Ministerin.

 

   Österreich kann nun gelassen in das kommende PISA-Jahr schauen. Denn: Kein Test heißt automatisch keine schlechten Noten und kein allgemeiner "Bildungskater". Wenn sich jedoch am System nichts ändert, wird der Fall bei der nächsten Studie umso tiefer.

 

 

"Kurier" vom 12.03.2014                                   Seite: 24

Ressort: Leben

 

Wi, Abend

 

PISA ist abgesagt

 

Wegen Datenleck.Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek stoppt kurzfristig alle zentralen Tests: PISA, TIMMS oder Bildungsstandards.

 

   vonUte BrühlundMartin BurgerÖsterreichs Schülern wird von ihrer obersten Chefin eine Pause verordnet. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat alle zentralen Tests für heuer und das kommende Jahr abgesagt: PISA, TIMMS ("Mathe-PISA für Volksschulen") oder die Bildungsstandards wird es also nicht geben.

 

   Als Grund für die Absage nennt die Ministerin das Datenleck beim Bildungsforschungsinstitut bifie. Hintergrund: Erst Ende Februar wurde bekannt, dass bifie-Daten auf einem rumänischen Server öffentlich einsehbar waren. Damals handelte es sich um die Ergebnisse der IKM, der Informellen Kompetenzmessung (der KURIER berichtete).

 

   Heinisch-Hosek begründete den radikalen Schritt damit, dass sie keine Testungen durchführen lasse, solange nicht gewährleistet sei, dass die Schülerdaten sicher seien. "Ich muss das Vertrauen der Schüler und Lehrer zurückgewinnen", sagt die Ministerin, die für Dienstagabend Eltern, Lehrer und Schüler ins Ministerium geladen hat, um das weitere Vorgehen mit ihnen zu besprechen. Vor allem Schüler und Eltern sind derzeit verunsichert, wie es mit der Zentralmatura weitergeht. Denn schon heuer läuft sie an vielen Schulen als Schulversuch. Jetzt könnte auch die Zentralmatura ein "Opfer" des bifie-Datenlecks sein.

 

   Die ersten Betroffenen der Testabsage sind alle Schüler der vierten und achten Schulstufe. Die hätten nämlich bereits im April die Bildungsstandards im Fach Deutsch ablegen sollen.

 

   Gedruckt und unterwegs Für Eckehard Quin, oberster AHS-Lehrervertreter, ist die Entscheidung, die Tests abzusagen, unverständlich: "Diese Tests sind schon gedruckt und auf dem Weg zu den Schulen. Lehrer haben sich stundenlang darauf vorbereitet. Die Kosten dafür gehen in die Millionen. Das Geld ist jetzt in den Sand gesetzt." Sein Vorschlag: "Die Bildungsstandard-Tests, die ja auf Papier sind, von den Schülern machen lassen und sie erst dann digitalisieren, wenn das Datenleck behoben ist."

 

   Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser forderte die Ministerin zur Besonnenheit auf. "Das ist offenbar eine Panikreaktion. Entweder es steht ein riesiger Skandal an, oder die Vorgangsweise ist einfach nicht nachvollziehbar." Sein Kollege Walter Rosenkranz (FPÖ) vermutet hinter der Entscheidung rein ökonomische Gründe: "Der eigentliche Grund für das Aussetzen der Prüfungen sind die leeren Kassen."

 

   Aus internationalen Tests, wie PISA oder TIMMS, könne man nicht so einfach aussteigen. Darauf weist Fritz Enzenhofer, Sprecher der VP-Landesschulratspräsidenten hin. "Ich hoffe, das Ministerium hat Kontakt mit der OECD aufgenommen. International verliert man enorm an Ansehen, wenn man nicht in der Lage ist, solche Tests durchzuführen."

 

   Nachdenkpause Heinisch-Hosek will die Zeit jedenfalls nutzen, um in der selbst auferlegten Testpause zu überlegen, welche zentralen Prüfungen überhaupt sinnvoll sind.

 

   Thomas Bulant, FSG-Pflichtschullehrervertreter sieht da vor allem im Umgang mit den Tests Diskussionsbedarf: "Die Bildungsstandards sind bei vielen Lehrern noch nicht als Evaluationsmechanismus angekommen." Im Klartext: Die Pädagogen sehen sich und ihre Arbeit durch die zentralen Tests kontrolliert. "So werden die Lehrer in eine Schülerrolle gedrängt", glaubt Bulant. Doch damit würden die Tests das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich sollten: Sie waren ursprünglich als Instrument gedacht, um den Unterricht zu verbessern. "Die Schulentwicklung - also wie der Unterricht am Standort verbessert werden kann - sollte immer in Augenhöhe mit der Schulaufsicht passieren." KURIER Schüleranwalt

 

 

"Kurier" vom 12.03.2014                                   Seite: 24

Ressort: Leben

 

Länder, Länder, Morgen

 

Kommentar

 

Klare Ansagen wären fein Die Schule ist ständig mit Kurswechseln...

 

   Klare Ansagen wären fein Die Schule ist ständig mit Kurswechseln konfrontiert.

 

   So wird sie garantiert nicht besser.Jahrzehntelang kannte das österreichische Bildungswesen keine zentralen Tests. Bis 2000, als die OECD uns PISA bescherte. Nach einer kurzen Schockstarre reagierten Bildungsverantwortliche auf das eher bescheidene Abschneiden der österreichischen Schüler. Durch zentrale Tests - so die Hoffnung - könne man die Schüler und Lehrer zu höherer Leistung anspornen.

 

   So kam es, dass plötzlich die Beamten im Bildungsministerium und in den Landesschulräten ihre Lust am Entwerfen zentraler Tests entdeckten. Die Schüler mussten sich immer häufiger standardisierten Prüfungen unterziehen. Ein Wiener Hauptschullehrer zählte einmal 17 (!) Tests auf, die seine Schüler machen sollten - angefangen vom Wiener Lesetest bis hin zu PISA, Bildungsstandards und informellen Kompetenzmessungen reichte die Palette. Das war zu viel des Guten. Die Schüler übten nur noch, wie man Tests möglichst gut übersteht.

 

   Doch der Weg von Ministerin Heinisch-Hosek, alle zentralen Tests abrupt auszusetzen, ist überstürzt und wenig durchdacht. So bringt sie Unruhe in die Schulen - Schüler und Lehrer sind verunsichert. Diese wissen jetzt erst recht nicht, woran sie sind.

 

   Heinisch-Hosek hat sich selbst eine Nachdenkpause verordnet. Keine schlechte Idee, ein paar Anregungen dazu: wie wär's mit einer verbesserten Lehreraus- und fortbildung sowie einer funktionierenden Schulaufsicht? ute.bruehl

 

 

"Kurier" vom 12.03.2014                                   Seite: 24

Ressort: Leben

 

Wi, Abend, Länder, Länder, Morgen

 

Endlich Zeit zum Geschichtenvorlesen

 

Teststopp. Nicht alle Experten sind enttäuscht über die ministerielle Absage

 

   Die Reaktionen auf die Heinisch-Hosek-Entscheidung reichen von "freudig" bis "schade drum". Eher auf der Freude-Seite daheim ist Heidi Schrodt, die meint, dass nun die Zeit der "unzähligen Multiple-Choice-Aufgaben zur Vorbereitung auf die 52 Teilkompetenzen" vorbei sei. Jetzt bleibe "endlich wieder Zeit, lange Texte ganz ohne Hintersinn zu lesen, einfach, weil es Freude bereitet. Es ist wieder Zeit zum Geschichten vorlesen und erzählen". Schrodt spricht wohl vielen Kindern und Deutschlehrerinnen aus der Seele, wenn sie meint, dass sich die Lesekompetenz trotzdem erheblich verbessern könnte - "oder vielleicht gerade deshalb".

 

   Eher auf der bedauernden Seite steht Christian Friesl, der in der Industriellenvereinigung für "Bildung & Gesellschaft" zuständig ist. Mit den Tests falle ein Vehikel zur Außendarstellung weg, "zumindest wurde über die Schule, und was sie leistet, gesprochen". Ein Ersatzprogramm brauche es nicht, "ich glaube nicht, dass den Lehrern jetzt fad ist". An den Schulen sollte man sich aber andere Wege überlegen, das Image aufzupolieren. Friesls Vorschlag: Kooperationen zwischen Schulen und Medien, ähnlich dem "IV-Teacher's Award" - Pädagogen werden von der Industriellenvereinigung für herausragende Leistungen ausgezeichnet, ein Sonderpreis wird für Kreativität vergeben.

 

   Milan Pakaski möchte in der frei werdenden Zeit die Schüler zum Schwitzen bringen, jeden Tag, "das wäre mir am liebsten". Pakaski bietet mit seinem Verein CAM (Creative Acrobatic Movements) Sportakrobatik und Trendsportarten wie "Freerunning" und "Tricking" für Volksschulen an, gemeinsam mit der Sportunion. Die Übungen stellen koordinative und konditionelle Anforderungen, "beste Voraussetzungen für die Entwicklung des Gehirns".

 

   Es steckt in allem eine Chance, meint Jörg Schielin, Leiter der Spar-Akademie in Wien. Auf dem Stundenplan seiner Lehrlinge stehen Theaterworkshops, sowie die Module "Auftreten und Wahrnehmung", "Sprache und Sprechtechnik", "Improvisation" und "Musik und Rhythmus". Ziel: Jugendliche sollen zu Persönlichkeiten heranreifen.

 

   Österreichs Schülervertreterin, Angi Groß, will Medienkompetenz vermittelt bekommen, und - hört, hört!, politische Bildung.

 

 

"Heute" vom 12.03.2014                                        Seite 4

Ressort: Politik

 

P. Reidinger

 

Heute Hauptausgabe, Heute Niederösterreich

 

Alle Schul-Tests abgesagt!

 

Liebe Schüler, nicht zu früh freuen: Es geht nicht um Tests für Schulnoten, sondern um PISA & Co. All diese Überprüfungen wurden abgesagt. Grund: das Bifie-Datenleck.

 

Hunderttausende Schüler müssen wegen Sicherheitsbedenken nicht an geplanten Testungen teilnehmen. Die Übersicht:

 

Die Bildungsstandard-Überprüfungen im Fach Deutsch (4. u. 8. Schulstufe) hätten im April und Mai stattfinden sollen, werden auf 2015 verschoben. Betroffen sind 160.000 Schüler an 4.500 Schulen.

 

Auch "Vortestungen" für PISA 2015 (sind Voraussetzung für die Teilnahme) bleibt 2.400 Schülern erspart. Ebenso fällt die Mathematik-und Naturwissenschaftsstudie TIMSS aus. Hier sind 1.500 Schüler betroffen.

 

Grund für den kurzfristigen Absagereigen: Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SP) hat nach dem Datenleck eine Überprüfung der Datensicherheit in Auftrag gegeben. Diese wird mehrere Monate dauern. "Wir haben genug aufzuarbeiten und können ein Jahr Zwangspause vertragen", sagt die Ministerin.

 

Ersparnis durch den Prüfungsausfall laut Ministerium: 3,6 Millionen €. Aber: Es wurde auch Geld in die Standardtests gesteckt, das jetzt verloren ist. Alleine der Druck der Aufgabenzettel soll 900.000 €gekostet haben, zudem wurden die Tests jahrelang vorbereitet

 

TÜV prüft Zentralmatura

 

Bis Ende März prüft der TÜV (machte laut Ministerium das beste Angebot) die Datensicherheit beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Dann gibt es laut Ministerium zwei Möglichkeiten: Entweder die Datensicherheit ist gewährleistet, dann kann die Zentralmatura als Schulversuch wie geplant stattfinden.

 

Wenn nicht, stellt das Ministerium den Lehrern Beispielpakete zur Verfügung, die von der Aufgabenstellung an die Zentralmatura angepasst sind (rep)

 

Morgenjournal, 12.3.2014

PISA: Experten wundern sich über Absage

Regina Pöll

Die Zeit, nach dem Datenleck beim Bildungsinstitut Bifie Datensicherheit zu gewährleisten, war offenbar zu kurz, im kommenden Jahr fällt Österreichs Teilnahme an den PISA-Tests aus. Expertinnen und Experten halten es jedoch für fragwürdig, dass ein großer internationaler Vergleichstest für Unter-15-jährige Schüler mit dem Argument der Datensicherheit abgesagt wird.

Spiel: Unterbrechung "bedauerlich"

Das Datenleck am österreichischen PISA-Institut Bifie müsse ernstgenommen werden, dass Österreich deshalb nächstes Jahr nicht mehr an PISA teilnimmt, gehe aber zu weit, sagt Bildungsforscherin Christiane Spiel von der Universität Wien: "Es ist zweifellos notwendig, eine Güterabwägung zu machen, das heißt, welche Risiken, welche Folgen können durch ein Datenleck entstehen. Umgekehrt haben wir nun einmal diesen Weg begangen, dass wir uns einem internationalen Vergleich stellen. Ich würde es daher sehr bedauerlich finden, wenn wir das aufgeben oder zumindest sehr stark unterbrechen."

Bei PISA würden sich Österreichs Schülerinnen und Schüler wieder mit knapp 70 Nationen messen - in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften. Österreich könnte daraus Schlüsse für die Bildungspolitik daraus ziehen, sagt Spiel. So wie schon bisher, als Beispiel nennt sie das sinnerfassende Lesen.

Hopmann: "Peinlich"

Seit 2000 nimmt Österreich alle drei Jahre an PISA teil. Dabei sollte man vorerst auch bleiben, sagt auch Bildungsforscher Stefan Hopmann. Er stellt PISA zwar schon seit Jahren generell infrage, die kurzfristige Entscheidung von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) kritisiert er aber scharf. Heinisch-Hosek will PISA zumindest bis 2018 auszusetzen. Hopmann: "Kurzfristig auf den Panik-Knopf zu drücken, wo viele Vorbereitungen schon gelaufen sind, macht uns national wie international einfach unglaubwürdig. Man kann sich bei solchen internationalen Untersuchungen nicht nach innenpolitischer Laune einfach rein- und rausmelden."

Für die PISA-Pause Österreichs hat Hopmann nur ein Wort: "Peinlich." Bei den vergangenen PISA-Durchgängen schnitt Österreich nur mäßig ab. Statt sich jetzt zurückzuziehen, solle man weiter an der Datensicherheit arbeiten, sagt Bildungsforscher Hopmann, damit Rückschlüsse auf einzelne Schüler und Lehrer unmöglich sind.

Unverständnis auch bei OECD

Die Datensicherheit betont man laut Medienberichten auch bei der OECD, sie leitet und koordiniert PISA international. Den PISA-Ausstieg Österreichs versteht man dort nicht. Auch die notwendigen PISA-Vortests des Bifie, die eigentlich für den Mai angesetzt waren, wären sicher, heißt es bei der OECD. Ministerin Heinisch-Hosek zweifelt das weiter an, sie sagte deshalb die Vortests ab, ohne sie darf PISA kommendes Jahr aber fix nicht stattfinden.

Auch die Bildungsstandard-Tests für die vierten und achten Schulstufen lässt Heinisch-Hosek heuer ausfallen. In die Vorbereitung der Tests floss nach Informationen des ORF-Radios am Bifie aber schon mehr als eine Million Euro, der Großteil davon in die Testhefte für die 10- und 14-jährigen Schüler, ein kleinerer Teil ans Personal. Das Bifie und seine Tests werden heute auch im Unterrichtsausschuss des Parlaments Thema sein. Ab 14 Uhr wird dort Ministerin Heinisch-Hosek den Abgeordneten Rede und Antwort stehen.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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