Montag, 17. März 2014

2014.03.17: Newsletter Bildung

"profil" Nr. 12/2014 vom 17.03.2014                 Seite: 38,39,40

Ressort: Extra

 

Franziska Dzugan und Ruth Reitmeier

 

Bildung

 

Defizitanalyse

 

   Internationale Tests stärken Elitendünkel und Bildungswettbewerb. Individualisierte Resultate bringen den Schülern hingegen nichts - weder bei geplanten Schulwechseln noch bei zukünftigen Arbeitgebern.

 

   Große Pause. Seit Dienstag der vergangenen Woche ist die Testlawine gestoppt. Wegen des Datenlecks beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek mit sofortiger Wirkung sämtliche weiteren geplanten Bildungstests ab. Bis 2015 soll nun Ruhe herrschen, ein günstiger Zeitpunkt, um grundsätzliche Fragen zu stellen. Was spricht für, was gegen die Überprüfungen im Namen der Qualitätskontrolle und inwieweit nützen sie den Schülerinnen und Schülern? Letztere werden sich diese Frage wohl selbst schon gestellt haben - mehr genervt, denn ernsthaft an einer Antwort interessiert. Dem vor wenigen Tagen überraschend erfolgten Test-Stop wird keiner der jungen Menschen eine Träne nachweinen.

 

   Die Volksschülerin Sabrina F. ist jedenfalls froh, dass der Bildungsstandardtest in Deutsch im April ausfällt, so hat sie eine Prüfung weniger, auf die sie sich vorbereiten muss. Besonders nervös war die Zehnjährige deswegen aber nicht: "Ich habe es mir wie eine normale Deutschschularbeit vorgestellt.“

 

   Die Anzahl der Bildungstests in Österreich ist beträchtlich (siehe auch Kasten). Ziel des intensiven Monitorings parallel zum schulischen Standardprogramm ist es, regelmäßig harte Fakten über die Kompetenzen der Schüler und den Output der Schulen im Lande auf den Tisch zu bekommen. "Man will vor allem das politische Kontrollbedürfnis befriedigen“, sagt Stefan Hopmann, Bildungsforscher an der Universität Wien und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Bifie. Bildung allein ist wohl ein zu schwammiger Begriff, um messbar zu sein, Fertigkeiten sind das schon eher. Seit die internationale Organisation OECD die Agenden vorgibt, ist Bildung keinesfalls reiner Luxus, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Danny Dorling, Professor für Geografie an der Universität Oxford und hochproduktiver Buchautor, sieht nicht zuletzt darin den Schönheitsfehler internationaler Vergleichsstudien: "Es wird damit dieser einseitige Leistungsgedanke gefördert und bereits den Kindern eingetrichtert.“ Den Testformaten wohne mitunter eine elitäre Grundhaltung inne, sie würden den Glauben an eine Crème de la Crème verfestigen, so Dorling weiter. Ungehörig werde es aber dann, wenn die Test-Architektur auch tatsächlich nach diesem Weltbild geformt wird. So geschehen in der PISA-Studie von 2007 zur Lernfähigkeit von 15-Jährigen - mit dem Resultat, dass im Schnitt nur zwei Prozent der Jugendlichen in den höchstentwickelten und reichsten Staaten der Welt echtes intellektuelles Potenzial attestiert wurde (siehe Interview).

 

   Statistische Kunststücke, kulturelle Unterschiede sowie Überinterpretation der Ergebnisse lassen Experten an der PISA-Studie und anderen Vergleichstests (ver-)zweifeln. "Dass etwa Finnland gut abschneiden würde, das wussten wir schon vor PISA. Und zwar nicht wegen der Gesamtschule, sondern wegen der ausgeprägten Lesekultur in diesem Land“, betont Bildungsforscher Hopmann. Hingegen ließe Österreichs bejubelter Zugewinn von zehn Punkten in Mathematik beim PISA-Test 2012 keine Rückschlüsse auf echte Qualitätsverbesserungen zu. Hopmann: "Eine Abweichung in dieser Größenordnung ist unter Zufall zu reihen. Sie kann auch aufs Wetter zurückzuführen sein.“

 

   Zwar lehnt der Experte gelegentliches diagnostisches Monitoring des Schulbetriebs nicht grundsätzlich ab. Für "unmoralisch“ hält er jedoch, dass punktuelle Ergebnisse wie jene des Wiener Lesetests individualisiert und dem Schüler übergeben werden. Diese Art von Tests eigne sich nicht für die Einzeldiagnose, die Rückmeldung sei viel zu kompliziert. "Der Schüler hat gar nichts davon“, betont Hopmann.

 

   Schüler Ömer F. aus Oberösterreich hat damit kein Problem. Sein Ergebnis hat der 15-Jährige nie erfahren, denn er hat den Code verloren, mit dem er seine Resultate im Internet nachschlagen hätte können. Er hat im Vorjahr den Bildungsstandardtest in Englisch absolviert. "Zuerst war ich genervt, zu den anderen Tests noch einen zusätzlichen schreiben zu müssen, doch dann ist es ganz gut gegangen.“ Viel wichtiger und motivierender war für ihn der internationale "Känguru der Mathematik“-Wettbewerb, an dem jährlich 100.000 österreichische Schüler von der dritten bis zur sechsten Schulstufe teilnehmen. "Ich wurde Zweitbester in meiner Schule und bekam Kinogutscheine zur Belohnung“, sagt Ömer F.

 

   Johann Bacher, Soziologe an der Johannes Kepler Universität Linz, ist ein ausdrücklicher Test-Befürworter. Die Ergebnisse dienten als Orientierungshilfe für die Schulen und lieferten wichtige Daten für die Forschung, etwa darüber, wie Schulen sozial zusammengesetzt sind. Denn das große Problem des österreichischen Schulsystems sei, so die Experten, nicht etwa die Zentralmatura oder das Lehrerdienstrecht - sondern die hohe Zahl an Risikoabgängern, die ihre Pflichtschulzeit ohne positiven Abschluss beenden und damit keine grundlegenden Kompetenzen erlernt haben, um an der Zivilgesellschaft teilzunehmen. Ein Lösungsweg liege laut Bacher darin, Problemschulen mehr Autonomie und Geld zu geben, damit diese bessere Mittel haben, um solchen Entwicklungen gegenzusteuern.

 

   Inwieweit nützen die Bildungstests den Schülern nun konkret? Bringt ihnen eine hohe Punkteanzahl bei den in der achten Schulstufe angesetzten Überprüfungen tatsächlich bessere Chancen für einen Platz in einer weiterführenden Schule oder eine gute Lehrstelle?

 

   Eveline Grubner, Direktorin der Vienna Business School in der Schönborngasse im achten Wiener Gemeindebezirk, beantwortete die Frage mit einem eindeutigen Nein: "Ich kann die Bildungsstandards für die achte Schulstufe gar nicht heranziehen, weil uns die Ergebnisse nicht gemeldet werden.“ Die Schulleiterin kritisiert zudem, dass die Bildungsstandards nicht nachhaltig genug seien - nachdem sie in der vierten Klasse Volksschule und dann erst wieder im letzten Jahr der Sekundarstufe I überprüft werden. Danach wechseln alle Volksschüler und auch sehr viele Jugendliche die Schule. Somit muss jedweder Nutzen, den die Schüler aus dem Test-Feedback ziehen könnten, verpuffen, zumal sie das Ergebnis nicht mehr verbessern können. "So hat das wenig Sinn“, sagt Grubner. Lediglich das Ergebnis aus dem Wiener Lesetest bekommt die Schulleiterin zu sehen. Es ist eine Information, mehr nicht: "Ich habe auch viele Schüler aus Niederösterreich an der Schule, die wiederum keinen Lesetest absolvieren müssen.“ Zudem hat Grubner den Eindruck, dass die Wiener Schüler wenig mit dem Lesetest anfangen können und ihn auch nicht wertschätzen.

 

   Rupert Corazza ist im Stadtschulrat für den Wiener Lesetest verantwortlich und sieht das freilich ganz anders. Er ist vom positiven Effekt der seit 2011 jährlich stattfindenden Überprüfung überzeugt: "Nun ist allen klar, dass die Lesekompetenz ein Kerngeschäft der Schule ist.“ Dennoch stellt sich die Frage nach dem Sinn der aufwendigen Aktion. Corazza räumt ein, dass die Testergebnisse zum Großteil nicht von den Deutschnoten der Schüler abweichen: "Das wichtigste Messinstrument ist für Lehrer und Schüler immer noch die Note.“

 

   Daran muss gezweifelt werden, zumal die Notwendigkeit zusätzlicher Überprüfungen nach der achten Schulstufe darin begründet liegt, dass auf Noten eben kein Verlass ist. "Zeugnisse sind untereinander nicht vergleichbar“, betont wiederum Grubner. Nicht zuletzt deshalb müssen sich die Neulinge an Handelsakademien und Handelsschulen einem "Diagnose-Check“ stellen, um Leistungsdefizite möglichst früh aufzuspüren.

 

   Und auch für jene, die in die Berufswelt eintreten wollen und sich um eine Lehrstelle bewerben, genügt ein positives Zeugnis nicht. Große Unternehmen führen routinemäßig hauseigene Kompetenzüberprüfungen durch. Mit Bildungsstandards oder dem Wiener Lesetest punkten die Bewerber bei den meisten Lehrherren nicht.

 

   Beim Lebensmittelhandelskonzern Spar etwa - laut Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann Österreichs größter Lehrlingsausbildner - spielen die Bildungsstandards keine Rolle im Bewerbungsprozedere für eine Lehrstelle. "Es sollte aber verlässliche Standards als Orientierungshilfe geben, und die Schulnoten sind das nicht. Es gibt enorme Unterschiede“, betont Jörg Schielin, Leiter der Spar Akademie in Wien. Spar Österreich führt deshalb hauseigene Einstellungstests durch, wo Deutschkenntnisse, Mathe-Basics und Allgemeinbildung der Bewerber erneut überprüft werden.

 

   Auch wer in die engere Auswahl für eine Lehrstelle bei Siemens Österreich kommt, muss den Siemens-Bewerbungstest bestehen, der die Kenntnisse in Mathematik, Deutsch, Englisch, logischem Denken sowie grundsätzliches technisches und kaufmännisches Verständnis erfassen soll. Lesetest-Ergebnisse hat Alexander Laznovsky, Koordinator für die technische Lehrlingsausbildung bei Siemens, in den Bewerbungsunterlagen von Wiener Jugendlichen bisher keine entdeckt.

 

 

"profil" Nr. 12/2014 vom 17.03.2014                       Seite: 39

Ressort: Extra

 

Bildung

 

Die Testlawine

 

   Die Anzahl der nationalen und internationalen Bildungstests in Österreich ist beachtlich - das Datenleck könnte nun ein Umdenken einleiten.

 

   Manche Schüler kann es ihn in ihrer neunjährigen Pflichtschullaufbahn fünf Mal treffen: In den vergangenen Jahren etablierte das Bildungsministerium eine wahre Flut an Bildungstests. Seit 2011 erhebt das Bifie die nationalen Bildungsstandards. Die Schüler der vierten und achten Schulstufe werden einmal jährlich im April oder Mai landesweit in jeweils einer Disziplin getestet. So war etwa für die 14- und 15-Jährigen vergangenes Jahr Mathematik an der Reihe, dieses Jahr wird wegen des Datenlecks am Bifie ausgesetzt, nächstes Jahr soll Deutsch folgen. Normalerweise müssen alle drei Jahre 5000 Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren außerdem zum von der OECD veranstalteten PISA-Rapport antreten, wobei abwechselnd Lesekompetenz, Mathematik oder Naturwissenschaften im Mittelpunkt stehen. Da die im heurigen Frühjahr geplanten Vorbereitungstests für die PISA-Studie mit 2400 Schülern ebenfalls ins Wasser fallen dürften, ist die Teilnahme Österreichs an der internationalen Überprüfung 2015 fraglich.

 

   Alle fünf Jahre ermittelt Pirls (Progress in International Reading Literacy Study) die Lesekompetenz der zehnjährigen Österreicher, alle vier Jahre müssen die Viertklässler zum Mathetest Timss (Trends in International Mathematics and Science Study) - auch dieser ist heuer aus Datenschutzgründen abgesagt. Alle Wiener Schüler müssen zudem in der vierten und der achten Schulstufe den Lesetest der Hauptstadt hinter sich bringen. Heuer wurde im Jänner getestet, die Ergebnisse liegen im Mai vor und sind laut Stadtschulrat vom Datenleck nicht betroffen.

 

 

"profil" Nr. 12/2014 vom 17.03.2014                    Seite: 40,41

Ressort: Extra

 

Bildung

 

"Kinder werden auf Test-Leistung getrimmt“

 

   Oxford-Professor Danny Dorling über Test-Interpretation, Mathe-Genies und wie zu viel Büffeln die Kindheit ruiniert.

 

   profil: Ihr Thema ist die wachsende Ungleichheit im 21. Jahrhundert. In Ihrem Buch "Injustice“ entlarven Sie die Architektur früherer PISA-Tests als elitär. Die Erhebungen zur Lernfähigkeit aus dem Jahr 2007 hat ergeben, dass in vielen reichen Industriestaaten im Schnitt nur zwei Prozent der 15-Jährigen als "fortgeschritten“ und damit des kritischen Denkens fähig eingestuft werden, während rund 60 Prozent zu Minderleistern abgestempelt werden. Diese Vorstellung schockiert wohl jeden, der junge Menschen dieser Altersgruppe kennt.

 

   Danny Dorling: PISA ist ein Test der OECD, die eine Wirtschafts-und keine Bildungsorganisation ist. Und das kommt eben dabei heraus, wenn man ein Modell der Welt im Kopf hat und dann Daten so erhebt, dass sie eine perfekte Normalverteilungskurve ergeben. Und dort ist, wie man weiß, nur sehr wenig Platz für die Besten. Die Resultate wurden manipuliert, und das war mies. Es wird seither nicht mehr so gemacht.

 

   profil: Allerdings zeigt sich in recht vielen Schulleistungsvergleichen: Es schneiden zumeist nur wenige hervorragend ab.

 

   Dorling: Das wird nur dann gefährlich, wenn Testergebnisse so interpretiert werden, dass Menschen, die besonders gut darin sind, sich dreidimensionale Objekte vorzustellen, auch in allen anderen Dingen gut sind. Das sind zwar jene, die auch bei IQ-Tests üblicherweise sehr gut abschneiden, deswegen will man aber nicht nur solche Menschen in Machtpositionen fördern. Meine Mathe-Professoren an der Uni waren wirklich nett, aber einige hatten ein Problem damit, mir in die Augen zu sehen und taten sich mit Sozialkontakt allgemein schwer.

 

   profil: Lehnen Sie Vergleichsstudien à la PISA grundsätzlich ab?

 

   Dorling: Ich habe dabei gemischte Gefühle. Ich denke, dass sie in Mathematik noch am ehesten funktionieren und durchaus interessante Resultate liefern können. Es sollte jedoch klar sein, dass Kinder darauf getrimmt werden können, dass sie bei diesen Tests überdurchschnittlich gute Leistungen erbringen.

 

   profil: Sie sprechen von China und Korea?

 

   Dorling: Man kann seinen Kindern freilich eine langweilige Kindheit bescheren, indem man sie Abend für Abend Mathe üben lässt. Man wird dann vermutlich später eine Erwachsenengeneration haben, die viele andere Dinge nur schlecht beherrscht. Kindheit bedeutet so viel mehr, als früh zu erlernen, wie man bei Tests punktet. Kinder sollten spielen und im Spiel soziales Verhalten wie etwa das Teilen erlernen.

 

   profil: Bei Vergleichsstudien geht es hingegen um Wettbewerb. Die PISA-Berichterstattung liest sich wie die Sportseiten.

 

   Dorling: Und das ist nicht zuletzt eines der Probleme mit PISA. Es wird damit dieser einseitige Leistungsgedanke gefördert und bereits den Kindern eingetrichtert. Dann ist es plötzlich ein Thema, wo man im Klassenranking steht. Und es geht primär um gute Ergebnisse, und nicht mehr darum, etwas zu lernen, zu verstehen.

 

   profil: Wäre es nicht einfacher, Tests einfach bleiben lassen?

 

   Dorling: Ich denke, wir werden nicht völlig ohne auskommen, aber es sollten nur wenige sein, und diese sollten positiv eingesetzt werden, um herauszufinden, welche Kinder und Schulen mehr Unterstützung brauchen - und dann dort mehr Geld zu investieren.

 

 

Die Presse – 17. März 2014

 

 

Heinisch-Hosek gibt OECD und Linz einen Korb

Ministerin Heinisch-Hosek schließt eine Teilnahme an PISA 2015 endgültig aus. Ein Beschluss im Aufsichtsrat des Bildungsinstituts gibt in der Zwischenzeit Rätsel auf.

 

Wien. „Ich schließe hier und heute aus, meine Entscheidung noch einmal zu verändern“, sagte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gestern in der ORF-„Pressestunde“. Damit ist PISA 2015 ein für alle Mal Geschichte. Die Ministerin lehnt mit dieser Aussage das Angebot der OECD, die notwendigen Vortests für PISA nach hinten zu verschieben, um eine Testteilnahme Österreichs zu ermöglichen, entschieden ab. Auch dem Land Oberösterreich erteilt sie erneut einen Korb. „Ich werde keinem einzelnen Bundesland zugestehen, im Alleingang an PISA teilzunehmen“, so die Ministerin.

Ihre umstrittene Entscheidung, alle Tests zu stoppen, verteidigt sie: „Ich muss prüfen, wie es zu dem Datenproblem gekommen ist. Dabei bleibe ich mit all den negativen Konsequenzen.“ Die Ministerin will während des Teststopps generell überlegen, ob es alle derzeit üblichen Tests auch künftig braucht. Gemeinsam mit Experten und den Landesschulräten will sie eine mögliche Reduktion der internationalen Tests besprechen. Aber: „PISA 2018 sollten wir auf jeden Fall machen.“

Wie die „Presse“ erfuhr, dürfte die Bildungsministerin den Teststopp ohne breite Unterstützung beschlossen haben – zumindest lässt das ein Beschluss im Aufsichtsrat des Bundesinstituts für Bildungsforschung (BIFIE) vermuten. In einem Sonderaufsichtsrat am 6.März wurde nämlich einstimmig beschlossen, dass das Bildungsinstitut „die gesetzlichen Kernaufgaben im beschlossenen Umfang und Zeitplan unter der Voraussetzung der Datensicherung durchzuführen“ hat. Soll heißen: Das BIFIE soll die Tests in geplanter Form weiterführen. Diesen Beschluss haben auch die Aufsichtsratsmitglieder Kurt Nekula und Augustin Kern unterstützt. Das Brisante dabei: Die beiden sind nicht nur Aufsichtsratsmitglieder, sondern auch hochrangige Beamte im Unterrichtsministerium. Nekula ist Chef der Sektion I, die für das allgemeinbildende Schulwesen zuständig ist. Kern ist sein Stellvertreter.

Meinungsumschwung im Ministerium?

Allerdings: Nur wenige Tage nach dem Beschluss des Aufsichtsrats, alle Tests wie gewohnt durchzuführen, waren es die beiden Herrn, die im Auftrag der Bildungsministerin den bundesweiten Teststopp kommunizierten: „Aufgrund des Angriffes auf die Datensicherheit des BIFIE hat die Ressortleitung einen Teststopp verfügt“, schrieben sie in einem E-Mail an die Landesschulratspräsidenten, das der „Presse“ vorliegt.

Das lässt zwei Vermutungen zu: Entweder haben Nekula und Kern ihre Meinung über die Sinnhaftigkeit eines Teststopps innerhalb nur weniger Tage radikal geändert. Oder die Bildungsministerin hat die Entscheidung ohne deren Zustimmung gefällt. Im Ministerium selbst interpretiert man die Vorgänge anders. „Die beiden sind natürlich einer Meinung mit der Ministerin. Der Punkt ist, dass die Datensicherheit nicht gewährleistet werden kann und das BIFIE seine Kernaufgaben deshalb nicht erfüllen kann“, heißt es auf Anfrage der „Presse“.

„Eine notenfreie Schule ist das Ziel“

Abseits des BIFIE-Datenlecks bekannte sich Heinisch-Hosek in der „Pressestunde“ zu ihrem Vorhaben, die Noten gänzlich abzuschaffen. „Eine notenfreie Schule ist das Ziel“, sagte die Ministerin. Diese Veränderung sei an den Volksschulen schon eingeläutet worden. Eine derartige Reform könne jedenfalls nicht von heute auf morgen stattfinden.

Die Ministerin kritisierte auch die eigene Partei. „Die SPÖ ist ein riesengroßer Tanker, der schon lange die Meere befährt“, meinte sie. „Es täte ihm gut, ordentlich renoviert zu werden.“ Auch was die Nachwuchspflege betrifft, ist Heinisch-Hosek nicht gänzlich zufrieden: Ein Generationenwechsel habe nicht stattgefunden. Die erfahrenen Funktionäre müssten verstärkt zulassen, dass auch Jüngere ihre Ideen einbringen – online, aber nicht nur. Man sollte auch niemanden sofort an eine Parteimitgliedschaft binden. Diese Zeiten seien vorbei.

 

KLZ – 17. März 2014

 

Heinisch-Hosek schließt PISA-Teilnahme aus

Österreich nimmt definitiv nicht am PISA-Bildungsvergleichstest im kommenden Jahr teil. Einen Meinungsumschwung schloss Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" aus. Angesichts offener Fragen im Zusammenhang mit einem vermeintlichen Datenleck wäre eine Teilnahme "fahrlässig". Die Grünen sprachen in einer Reaktion von einer "bildungspolitischen Bankrotterklärung".

Oberösterreich will ja auf eigene Faust bei PISA mitmachen, bräuchte dafür aber die Zustimmung des Ministeriums. Diese wird es jedoch nicht geben: "Wir werden das keinem Bundesland einzeln zugestehen", betonte Heinisch-Hosek.

Auch das Angebot der Uni Salzburg, die Vortestungen für PISA durchzuführen und im eigenen System zu speichern, ändert am Entschluss der Ministerin nichts: "Die Entscheidung wird nicht mehr geändert. PISA wird es nächstes Jahr nicht geben können."

Es handle sich ja heute nicht nur mehr um Papiertestungen sondern es werde auch mit USB-Stick und Laptop gearbeitet. Andere Institute hineinzuziehen wäre "verantwortungslos".

Dass man diesmal nicht teilnimmt, bedeutet für die Ministerin freilich nicht, dass man auch in Zukunft PISA fernbleibt. Jedenfalls will Heinisch-Hosek im kommenden Jahr die Bildungsstandards in Deutsch nachholen - und was die Zentralmatura angeht, versicherte die Ressortchefin einmal mehr, dass jene Schulen, die heuer schon teilnehmen wollten, dies auch tun könnten.

Zufrieden ist Heinisch-Hosek, wenn künftig auch in dritten Klassen Volksschulen auf eine Ziffernnote verzichtet bzw. diese durch eine verbale Beurteilung ergänzt werden kann. "Irgendwann" kann sich die Ministerin überhaupt eine notenfreie Schule vorstellen. Man solle vielleicht öfter auch die Schüler selbst über ihre Leistungen befragen. Diese könnten sich selbst gut einschätzen. Einmal mehr pries die Ministerin die Vorzüge der Gesamtschule, konzedierte aber, dass die Langform des Gymnasiums in dieser Legislaturperiode gemäß Koalitionspakt unangetastet bleibe.

Was ihr zweites Tätigkeitsfeld, das Frauenressort, angeht, pochte Heinisch-Hosek einmal mehr auf eine Frauenquote auch in der Privatwirtschaft - mit langer Vorlaufzeit: etwa bis 2020 eine 30-Prozent-Quote. Ein Bildbearbeitungsgesetz, dass geschönte Fotos von Models unterbindet, fände die Ministerin zwar unverändert nicht schlecht. Allerdings werde man hier nur auf europäischer Ebene vorgehen können, da es viele internationale Kampagnen gebe.

Wenig Anklang fand Heinisch-Hosek mit ihrem Auftritt in der "Pressestunde" den anderen Parteien gefunden. Kritik gab es etwa aufgrund des PISA-Teststopps, aber auch wegen ihrer Befürwortung der Gesamtschule sowie einer Frauenquote.

Selbst beim Koalitionspartner gefiel nicht allen, was die Ministerin von sich gab. Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner (ÖVP) ärgerte sich in einer Aussendung über den Wunsch der Ministerin nach einer Frauenquote auch in der Privatwirtschaft. "Mehr als irritierend" und "beispielhaft für das mangelnde SPÖ-Verständnis für die Klein- und Mittelbetriebe in Österreich" sei dies, befand er in einer Aussendung. Für eine gesetzliche Quote in Aufsichtsräten in der Privatwirtschaft sprach sich dagegen ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser aus. Team Stronach und FPÖ lehnen dies wie der Wirtschaftsbund ab.

Den freiheitlichen Bildungssprecher Walter Rosenkranz verstimmt, dass Heinisch-Hosek einmal mehr ihre Präferenz für die Gesamtschule kundtat und einer Abschaffung der Noten das Wort redete, was man in der FPÖ als "Gleichmacherei-Phantasie" geißelt. Das Team Stronach sprach sich ebenfalls für den Erhalt des Gymnasiums aus.

Auch bei den Grünen hatte man mit Henisch-Hosek wenig Freude. Dass sie beim Stopp aller Testungen bleibt, ist für Bildungssprecher Harald Walser eine "bildungspolitische Bankrotterklärung". Und dass die Ministerin die Hypo-Rettung verteidigte, sah Grünen-Vize Werner Kogler als "inkompetentes und unambitioniertes rotes Gerede".

 

 

OÖN – 17. März 2014

 

Konfrontationskurs bei PISA: Hummer will sich Tests nicht verbieten lassen

WIEN. PISA-Studie: Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SP) blockt Alleingang Oberösterreichs ab. "Österreich macht sich lächerlich", kontert Bildungslandesrätin Doris Hummer (VP).

Zweifel am Vorhaben Oberösterreichs, den PISA-Test 2015 notfalls im Alleingang durchzuführen, streute das Unterrichtsministerium schon am Freitag, gestern kam das endgültige Njet der Ministerin: "Wir werden das keinem Bundesland einzeln zugestehen", blockte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) in der ORF-Pressestunde den Plan ab. Ihr Argument: Mit dem vermeintlichen Datenleck wäre eine Teilnahme "fahrlässig".

"Billige Ausrede"

Hummer kontert im Gespräch mit den OÖNachrichten mit einem Frontalangriff: Das Datenleck sei eine "billige Ausrede, um sich vor einem transparenten Vergleich mit anderen Ländern zu drücken". Man könne doch nicht einen Test, die erst nächstes Jahr durchgeführt wird, schon jetzt mit dem Hinweis auf mangelnde Datensicherheit absagen. "Damit macht sich Österreich auf internationaler Bühne lächerlich", sprach Hummer von "einer untragbaren Aussage".

Grundsätzlich wäre die Teilnahme eines einzelnen Bundeslandes am PISA-Test laut OECD möglich – allerdings nur mit Zustimmung des Ministeriums.

Die oberösterreichische Bildungslandesrätin will trotz des Neins aus Wien nicht aufgeben. Ihr Ziel bleibe eine bundesweite Teilnahme am PISA-Test, sagt Hummer. Zumal die OECD die Frist für die PISA-Vortests bis September gestreckt habe. "Innerhalb eines halben Jahres muss es doch möglich sein, Datensicherheit zu gewährleisten", sagt Hummer. Bei der Behebung des Datenlecks könne Oberösterreich auch die Unterstützung von IT-Experten der Fachhochschule Hagenberg anbieten.

Gleichzeitig führe man aber weiter Gespräche mit der Universität Salzburg über die Abwicklung eines eigenen Tests im Land, sagt Hummer. Die Uni Salzburg hat angeboten, die bereits fertig ausgearbeiteten und spätestens bis September durchzuführenden PISA-Vortests durchzuführen und im eigenen System zu speichern.

Auch dieses Angebot aus Salzburg lehnt Heinisch-Hosek ab, weil es für sie "verantwortungslos" wäre, andere Institute als das (umstrittene, Anm.) Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) zu involvieren: "Die Entscheidung wird nicht mehr geändert. PISA wird es nächstes Jahr nicht geben", betonte die Ministerin. Das Aussetzen im kommenden Jahr bedeute aber nicht, dass Österreich auch in Zukunft PISA fernbleibe.

Nachgeholt werden im kommenden Jahr die für heuer gestrichenen Bildungsstandards in Deutsch. Schulen, die sich heuer für die Zentralmatura angemeldet haben, könnten auch daran teilnehmen, kündigte die Ministerin an.

"Eine Verschwendung"

Gerade wegen der bereits erledigten und bezahlten Vorbereitungen wäre es für Hummer aber "geradezu eine Verschwendung, jetzt nicht an PISA teilzunehmen". Damit gehe auch die Forderung der SP Oberösterreich ins Leere, das Geld für PISA doch in die Schulsanierung zu stecken.

Die anderen Bundesländer übten sich im PISA-Streit zunächst in Zurückhaltung. Rückendeckung für Hummer kam von Grünen-Bildungssprecher Harald Walser, für den das Aussetzen der Tests eine "bildungspolitische Bankrotterklärung" ist.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 17.03.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Frage der Ehre

 

   Kommentar

 

   Von Lucian Mayringer

 

   Die Bildungsministerin will also Österreichs Schülern im kommenden Jahr den PISA-Vergleich ersparen, weil sie die Sicherheit der dabei gespeicherten Daten bis dahin nicht garantieren kann. Dieses Argument von Gabriele Heinisch-Hosek (SP) klingt nach einem verspäteten Faschingsscherz.

 

   Ohne Ländern wie Kasachstan, Albanien oder Kolumbien, die sich alle dem Bildungsvergleich stellen, nahetreten zu wollen: Wenn Österreich nicht in der Lage ist, die Voraussetzung für eine Teilnahme an PISA herzustellen, bleiben grundsätzlichere Fragen als jene nach der Kompetenz der IT-Experten des Ministeriums. Es geht um Österreichs Selbstverständnis als hochentwickeltes Land im Zentrum Europas.

 

   VP-Bildungslandesrätin Doris Hummer ist sich offensichtlich dieser Verantwortung und des Nutzens von PISA bewusst. Ein Alleingang Oberösterreichs ist deshalb die richtige Antwort. Noch besser wäre es, wenn auch andere Bundesländer auf die Barrikaden steigen würden und so die Ministerin zum Einlenken zwingen.

 

   Kolumbien ist 2015 fit für PISA. Und Österreich?

 

   l.mayringer@nachrichten.at

 

 

"Österreich" vom 17.03.2014                                   Seite 5

Ressort: Politik

 

Isabelle Daniel

 

Wien, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol, Vorarlberg, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich

 

Politik-Insider »Nicht von Test zu Test schlittern«

 

Heinisch-Hosek überlegt, Mathe-Tests auszusetzen

 

Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek bleibt "definitiv" bei nichtteilnahme an PISA.

 

Wien. "PISA wird es nächstes Jahr nicht geben können, das schließe ich definitiv aus", bleibt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in der ORF-Pressestunde beim Teststopp. Außerdem überlegt sie weitere Tests, wie z. B. die internationale Mathe-Überprüfung TIMSS in der 4. Klasse Volksschule, abzusagen. "Kinder sollten nicht von einem Test zum anderen schlittern müssen." Darüber wolle sie mit Experten und Ländern nächstes Jahr reden.

 

Keine noten. Wie in ÖSTER-REICH angekündigt, will die Ministerin "irgendwann eine Schule ohne Noten". In der 1. bis 3. Klasse Volksschule kann man ab Herbst auf Ziffernoten verzichten.

 

 

"Der Standard" vom 17.03.2014                                Seite: 6

Ressort: Inland

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Schlechte Noten für die „Schule ohne Noten“

 

Ministerin Heinisch-Hoseks Visionen ernten rundum scharfe Kritik

 

   Wien – Man darf auch träumen in der Politik – etwa von einer Schule ohne Noten. Das ist eine der Visionen von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, sie hat sie am Sonntag in der ORF-Pressestunde klar ausgesprochen.

 

   Zeithorizont: „Irgendwann.“

 

   Aber jetzt schon ohne große Aufregung in den ersten drei Volksschulklassen. Man solle vielleicht öfter auch die Schüler selbst über ihre Leistungen befragen, sagte die Ministerin.

 

   Gut angekommen ist das nicht. „Österreichs Bildungsprobleme sind dermaßen schwerwiegend, dass die Ministerin einem externen Experten Platz machen sollte“, sagte Robert Lugar, Bildungssprecher des Team Stronach. Heinisch-Hoscheks Modell der Schulautonomie beschränke sich nur auf die Möglichkeit, „ob die Glocke läuten soll oder nicht“. Das Gymnasium müsse jedenfalls erhalten bleiben, denn das bloße Integrieren des Gymnasiums in die neue Mittelschule ohne strukturelle Reformen sei eine gefährliche Drohung, meint Lugar.

 

   Vision der Gesamtschule

 

   Tatsächlich hielt Heinisch-Hosek bei ihrem Fernsehauftritt an der Gesamtschulidee fest – auch wenn das nicht im Koalitionsübereinkommen festgehalten ist. Im Lauf von fünf Jahren könnten sich die Ansichten ja auch beim Koalitionspartner ändern, lautet ihr diesbezüglicher Traum.

 

   „Gleichmacherei-Phantasie“ nennt das dagegen der FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz. Und die Grünen verbeißen sich in das Beharren der Ministerin, die Pisa-Tests zu stoppen. „Der Stopp aller Testungen ist eine bildungspolitische Bankrotterklärung“, äußert sich der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, tief enttäuscht. Heinisch-Hosek verspreche einerseits volle Transparenz und lege zugleich keine nachvollziehbaren Gründe für diese Absage auf den Tisch. Die Bildungsministerin möge sich nicht beratungsresistent zeigen und auf die Stimmen der vielen Experten und Expertinnen hören, die eine Weiterführung der Standardüberprüfungen vehement einfordern. Auch in allen anderen Fragen, wie etwa zur gemeinsamen Schule vermisst Walser klare, verbindliche Ansagen. Er forderte die Bildungsministerin auf, eine Koalition der Vernunft zu bilden. Heinisch-Hosek beigesprungen sind nur sozialdemokratische Politiker – und auch die vor allem bei jenen Ideen, die die Frauenpolitik betreffen.

 

   Frauenquoten gefordert

 

   Die Ministerin hat in der Pressestunde nämlich eine gesetzliche Verpflichtung gefordert, in Aufsichtsräten von Unternehmen eine Frauenquote einzuhalten. ÖGB-Bundesfrauenvorsitzende Sabine Oberhauser begrüßte das ebenso wie die Ankündigung, dass Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden sollen, Vollzeitarbeitsplätze zuerst intern für bisherige Teilzeitbeschäftigte auszuschreiben. Der Koalitionspartner ÖVP bleibt skeptisch. (cs, APA)

 

    Kommentar der anderen Seite 19

 

 

"Der Standard" vom 17.03.2014                               Seite: 19

Ressort: Kommentar der anderen

 

Heidi Schrodt: Heidi Schrodt war langjährige Direktorin am Gymnasium Rahlgasse Wien und ist Vorsitzende von BildungGrenzenlos.

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Ohne Pisa-Korrektiv fehlt der Kompass

 

   Die Absage des nächsten Pisa-Tests ist trotz Kritik und Datenleck das falsche Signal: Die Bildungsforschung benötigt längerfristige internationale Vergleiche wie auch verbesserte Qualitätsstandards.

 

   Die Bildungsministerin hat nicht nur die Testungen der Bildungsstandards ausgesetzt, sondern auch die Teilnahme am nächsten Durchgang der internationalen Bildungsvergleichsstudien Pisa und TIMSS. Folge eines Datenlecks auf einem rumänischen Server? Sparmaßnahmen? Oder ein vernünftiger Schritt angesichts überhandnehmender Überprüfungen, die den LehrerInnen immer weniger Zeit für ihre Kerntätigkeiten lassen? Von allem etwas.

 

   Zur Erinnerung: Internationale Bildungsvergleichsstudien wie Pisa oder die OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ haben uns erstmals vor Augen geführt, wie es um die „gute österreichische Schule“ wirklich steht. Gar nicht gut, sondern sehr mittelmäßig, lautet der Befund, und was den Zusammenhang von Bildung und sozialer Herkunft betrifft, stehen wir sogar ganz schlecht da. Österreich nimmt inzwischen an weiteren internationalen Bildungsvergleichsstudien teil. Dass das Drumherum um die Veröffentlichung der jeweiligen Ergebnisse hierzulande den Charakter eines sportlichen Wettbewerbs angenommen hat, samt dem geradezu hysterischen Getue um die Rankings, liegt nicht an der Sache selbst, sondern am spezifisch österreichischen Umgang damit.

 

   Auf nationaler Ebene zeigt sich dasselbe wie auf schulischer Ebene: Uns fehlt sowohl eine Fehlerkultur als auch ein professioneller Umgang mit Feedback. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich seit 2000 wenig verbessert hat und dass die soziale Schieflage so ausgeprägt ist wie kaum anderswo? Gerade deshalb aber brauchen wir diese internationalen Korrektive. Sie sind unverzichtbar, nicht zuletzt, weil sie für die österreichische Bildungsforschung wichtige Daten liefern – Pisa etwa für die Grundkompetenzen unserer SchülerInnen im internationalen Vergleich. Auch ein einmaliges Ausklinken hätte Folgen, da die Daten nur im Längsschnitt aussagekräftig sind. Schließlich: Da Bildung weltweit eines der zentralen Zukunftsthemen ist, wird wohl niemand ernsthaft behaupten, Bildungspolitik könne heute noch vorrangig auf nationaler Ebene gemacht werden.

 

   Andere Entwicklungen seit der ersten Pisa-Studie sind eher kritisch zu sehen. Das trifft vor etwa auf die Bildungsstandards zu, die jetzt ausgesetzt wurden. Bildungsstandards an sich sind eine gute Sache, wenn sie Mindeststandards sind, die definieren, was jemand am Ende der Schulpflicht können und wissen muss. Das ist nicht nur international üblich, sondern wurde und wird auch in Österreich von Experten empfohlen, wie bereits in der „Zukunftskommission“ unter Ministerin Gehrer.

 

   Als Kompromiss mit der Lehrergewerkschaft, die sich vehement gegen Mindeststandards aussprach, wurden „Qualitätsstandards“ definiert, was dazu führte, dass es etwa für das Fach Deutsch jetzt 52 Teilkompetenzen gibt, auf die es bis zum Ende der achten Schulstufe hinzuarbeiten gilt. Gerade von DeutschlehrerInnen kommen vermehrt Klagen, dass jetzt kaum mehr Zeit für anderes bleibt. Warum außerdem die Ergebnisse so verschlüsselt werden, dass sie nicht einmal der eigenen Schule als Ausgangsmaterial für Qualitätsentwicklung zur Verfügung stehen, kann auch nicht nachvollzogen werden.

 

   Dafür sollten sie ja dienen – in einer autonomen Schule, wohlgemerkt, die wir auch nicht haben. Hier liegt die Schwäche des Systems, nicht am rumänischen Server! Dennoch: Schaffen wir nicht gleich die Standardüberprüfungen als Ganzes ab, sondern verbessern wir sie von Grund auf. Schließlich enthalten auch sie wertvolle Daten für die österreichische Bildungsforschung.

 

   Doch noch einmal zurück zur Basis. Wer den schulischen Alltag kennt, wird verstehen, dass die meisten LehrerInnen von den ständigen Überprüfungen mehr als genug haben. Zu den nationalen und internationalen Überprüfungen sind noch jede Menge Tests auf Länderebene dazugekommen, die großen administrativen Aufwand bedeuten.

 

   Unbewältigbare Aufgaben

 

   An österreichischen Pflichtschulen – ein weltweit einzigartiges Phänomen – gibt es nicht einmal SekretärInnen, von sonstigem administrativem Personal ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass sich für die Leitung vieler Schulen überhaupt keine BewerberInnen mehr finden. Die LehrerInnen wiederum haben, vor allem in den Städten, oft andere Sorgen als Standardüberprüfungen, denn sie sehen sich Aufgaben gegenüber, die kaum mehr zu bewältigen sind. Dazu bräuchte es viel- mehr zusätzliches Personal wie SozialarbeiterInnen, FörderlehrerInnen, Sprachförderlehrkräfte, BeratungslehrerInnen, SchulpsychologInnen.

 

   Sicher: Die österreichischen LehrerInnen sind es nicht gewohnt, ihre Arbeit regelmäßigen Überprüfungen zu unterziehen, aber wer verstehen will, warum externe Überprüfungen gar so unbeliebt sind, muss sich auch die Bedingungen ansehen, unter denen heute gearbeitet wird. Ohne zusätzliche Ressourcen wird es keine Verbesserung geben, und da sind wir am Schluss beim unangenehmsten Punkt angelangt: Ausgerechnet im Unterrichtsressort fallen die größten Budgeteinsparungen aller Ressorts an. Das sollte klar ausgesprochen werden. Woher das Geld kommen soll? Fangen wir bei der Reform der Schulverwaltung an!

 

 

Kurier – 17. März 2014

 

Heinisch-Hosek: PISA-Test erst ab 2018 wieder . Die Ressortchefin bleibt bei ihrem "definitiven" Nein.

Wie im KURIER berichtet, werden Abgänger der NMS in Wiener AHS benachteiligt. In zumindest vier Fällen gaben die Direktion bzw. Administratoren unumwunden zu, dass NMS-Schüler an der Schule nicht willkommen sind – trotz bester Noten. Am Sonntag wurde Heinisch-Hosek in der ORF Pressestunde mit den KURIER-Recherchen konfrontiert – und war alles andere als erfreut; unmittelbare Konsequenzen kündigte sie vorerst nicht an.

Beim zweiten großen Thema, dem mit dem Datenleck im bifie-Institut verbundenen Stopp des Bildungsvergleichstests PISA, bleibt die Ressortchefin bei ihrem "definitiven" Nein. Ohne Datensicherheit sei eine Teilnahme "fahrlässig". Die Ministerin hält auch nichts davon, dass einzelne Bundesländer die Tests im Alleingang machen oder dass – wie von der Uni Salzburg angeboten – Vortestungen für PISA an andere Institute ausgelagert werden. Der vorläufige Stopp bedeute nicht, dass man "künftig nicht wieder normal an PISA teilnimmt" – als Perspektive nannte Heinisch-Hosek das Jahr 2018. Was ihr zweites Arbeitsfeld, das Frauenressort, angeht, pochte Heinisch-Hosek einmal mehr auf eine auch in der Privatwirtschaft geltende Frauenquote. Als Vorbild gilt für sie Deutschland, das bis 2020 eine 30-Prozent-Quote einführen will.

 

Wiener Zeitung – 17. März 2014

 

Schüler-Daten

PISA endgültig abgesagt

 

 

 

 

 

Wien. Österreich nimmt definitiv nicht am nächsten PISA-Bildungsvergleichstest im kommenden Jahr teil. Einen Meinungsumschwung schloss Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" aus. Angesichts der noch offenen Fragen im Zusammenhang mit dem vor kurzem bekannt gewordenen Datenleck wäre eine Teilnahme "fahrlässig".

Oberösterreich will ja auf eigene Faust bei PISA mitmachen, bräuchte dafür aber die Zustimmung des Ministeriums. Diese wird es jedoch nicht geben: "Wir werden das keinem Bundesland zugestehen", betonte Heinisch-Hosek.

Dass man diesmal nicht teilnimmt, bedeutet für die Ministerin freilich nicht, dass man auch in Zukunft PISA fernbleibt. Was die Zentralmatura angeht, versicherte die Ressortchefin einmal mehr, dass jene Schulen, die heuer schon teilnehmen wollten, dies auch tun könnten.

Heinisch-Hosek kann sich "irgendwann" eine notenfreie Schule vorstellen. Sie zeigte sich erfreut, dass künftig auch in dritten Klassen der Volksschulen auf eine Ziffernnote verzichtet bzw. diese durch eine verbale Beurteilung ergänzt werden kann. Auch solle man öfter auch die Schüler selbst über ihre Leistungen befragen. Diese könnten sich selbst gut einschätzen. Einmal mehr pries die Ministerin die Vorzüge der Gesamtschule, konzedierte aber, dass die Langform des Gymnasiums in dieser Legislaturperiode gemäß Koalitionspakt unangetastet bleibe.

In ihrem zweiten Tätigkeitsfeld, dem Frauenressort, pochte Heinisch-Hosek einmal mehr auf eine Frauenquote auch in der Privatwirtschaft - mit langer Vorlaufzeit: etwa bis 2020 eine 30-Prozent-Quote. Ein Bildbearbeitungsgesetz, dass geschönte Fotos von Models unterbindet, fände die Ministerin zwar unverändert nicht schlecht. Allerdings werde man hier nur auf europäischer Ebene vorgehen können, da es viele internationale Kampagnen gebe.

Hoffnungsfroh ist Heinisch-Hosek, dass der Koalitionspartner ÖVP in gesellschaftspolitischen Fragen auf die  SPÖ zugeht. So spricht sich die Ministerin etwa für die völlige Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe aus: "Das müsste dann auch Ehe heißen." Beim Adoptionsrecht für Homosexuelle hat sich ja bereits Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) zustimmend geäußert. Mittlerweile habe er sich von dieser Position aber ein bisschen zurückgezogen, bedauerte Heinisch-Hosek. Ihr habe der Minister gesagt, er wolle sich nicht vereinnahmen lassen.

Kritik von allen Seiten
Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner (ÖVP) ärgerte sich in einer Aussendung über den Wunsch der Ministerin nach einer Frauenquote auch in der Privatwirtschaft. "Mehr als irritierend" und "beispielhaft für das mangelnde SPÖ-Verständnis für die Klein- und Mittelbetriebe in Österreich" sei dies, befand er in einer Aussendung. Für eine gesetzliche Quote in Aufsichtsräten in der Privatwirtschaft sprach sich dagegen ÖGB-Vizepräsidentin Sabine Oberhauser aus. Team Stronach und FPÖ lehnen dies wie der Wirtschaftsbund ab.

Den freiheitlichen Bildungssprecher Walter Rosenkranz verstimmt, dass Heinisch-Hosek einmal mehr ihre Präferenz für die Gesamtschule kundtat und einer Abschaffung der Noten das Wort redete, was man in der FPÖ als "Gleichmacherei-Phantasie" geißelt. Das Team Stronach sprach sich ebenfalls für den Erhalt des Gymnasiums aus.

Auch bei den Grünen hatte man mit Henisch-Hosek wenig Freude. Dass sie beim Stopp aller Testungen bleibt, ist für Bildungssprecher Harald Walser eine "bildungspolitische Bankrotterklärung". Und dass die Ministerin die Hypo-Rettung verteidigte, sah Grünen-Vize Werner Kogler als "inkompetentes und unambitioniertes rotes Gerede".

 

Heute – 17. März 2014

 

Ein Jahr Pause

Jetzt ist es fix: Österreich schwänzt PISA

Die Bildungsministerin will heuer keine Pisa-Studie.

Sie hätte die PISA-Studie gerne durchführen lassen, "aber nächstes Jahr wird es eine Pause geben müssen". Mit diesen Worten hat Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SP) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" klargemacht, dass es kein Zurück mehr gibt.

Eine klare Absage gab es für den Vorstoß aus Oberösterreich. Landesrätin Doris Hummer (VP) wollte den Test ja auf eigene Faust durchführen, hätte dazu aber die Zustimmung des Ministeriums gebraucht. "Wir werden das keinem Bundesland einzeln zugestehen", so Heinisch-Hosek.

Die Ministerin lehnte auch das Angebot der Uni Salzburg ab, die Vortests für PISA durchzuführen. Grund für das Aussetzen aller Bildungstests: ein Datenleck beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE).

 

 

ORF – 17. März 2014

 

Heinisch-Hosek will Linz Alleingang bei PISA-Tests verbieten

Österreich nimmt definitiv nicht am nächsten PISA-Bildungsvergleichstest im kommenden Jahr teil. Einen Meinungsumschwung schloss Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gestern in der ORF-„Pressestunde“ aus. Angesichts der noch offenen Fragen in Zusammenhang mit einem vermeintlichen Datenleck wäre eine Teilnahme „fahrlässig“.

Oberösterreich will auf eigene Faust bei PISA mitmachen, brauchte dafür aber die Zustimmung des Ministeriums. Diese wird es jedoch nicht geben: „Wir werden das keinem Bundesland einzeln zugestehen“, so die Ministerin. In den anderen Ländern hält sich die Lust auf die „Zeugnisverteilung“ für das Bildungssystem allerdings ohnehin in engen Grenzen.

Mehr dazu in Kritik an Ministerin, aber kein Widerstand

Zentralmatura bleibt

Auch das Angebot der Uni Salzburg, die Vortestungen für PISA durchzuführen und im eigenen System zu speichern, ändere am Entschluss der Ministerin nichts, so Heinisch-Hosek: „Die Entscheidung wird nicht mehr geändert. PISA wird es nächstes Jahr nicht geben können.“ Es gebe nicht mehr reine Papiertestungen, sondern es werde auch mit USB-Stick und Laptop gearbeitet. Andere Institute hineinzuziehen wäre „verantwortungslos“.

In Zukunft sei eine Teilnahme wieder möglich, so die Ministerin. Sie wolle im kommenden Jahr die Bildungsstandards in Deutsch nachholen. In Sachen Zentralmatura versicherte die Ressortchefin einmal mehr, dass jene Schulen, die heuer schon teilnehmen wollten, das auch tun könnten.

Kritik auch vom Koalitionspartner

Dass Heinisch-Hosek beim Stopp aller Testungen bleibt, ist für den grünen Bildungssprecher Harald Walser eine „bildungspolitische Bankrotterklärung“. Die ÖVP stieß sich wiederum an Heinisch-Hoseks in der „Pressestunde“ geäußerten Wünschen nach verbindlicheren Frauenquoten in wirtschaftlich bedeutenden Positionen. Die FPÖ kritisierte wiederum ihr Eintreten für die Gesamtschule und die Leistungsbewertung von Volksschülern ohne Noten.

Salzburg will Einsicht in Daten

Salzburger Daten aus Schülertests dürften nicht länger vom Bildungsministerium in Wien geheim gehalten werden. Das forderte der Salzburger Landtag nun einstimmig von Heinisch-Hosek. Befürchtet wird, dass es teils sehr schlechte Daten über einzelne Schulen gibt.

 

ORF – 17. März 2014

 

Kritik an Ministerin, aber kein Widerstand

Das Land Oberösterreich bleibt mit seiner Ankündigung, den bundesweit abgesagten PISA-Schülertest im Alleingang durchführen zu wollen, vorerst allein. Bei einem Rundruf der APA am Samstag kam aus keinem anderen Land Unterstützung. Die ebenfalls ÖVP-dominierten Länder Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg stellten sich klar dagegen, ebenso Kärnten, und das Burgenland zeigte sich zurückhaltend.

Nur in der Wiener ÖVP fand sich eine Stimme pro Oberösterreich: „Wien muss Oberösterreich werden“, meinte deren Bildungssprecherin Isabella Leeb, forderte damit aber freilich als Opposition die rot-grüne Stadtregierung zum Alleingang auf. Das Bildungsministerium hatte am Freitag erklärt, dass ein solcher nicht möglich wäre - weil der Bund der Vertragspartner der PISA-verantwortlichen OECD ist und nur der Bund die Schüler zur Teilnahme am Test verpflichten könnte.

Lautes Pochen auf die Nicht-Kompetenz

Unter Hinweis auf die Bundeskompetenz und die „enormen Kosten“ für ein Bundesland erachtete die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) denn auch den Vorstoß Oberösterreichs für „nicht sehr sinnvoll“. Einen Alleingang Tirols schloss sie aus. Sie halte es nicht für sinnvoll, „wenn Tirol etwa mit Finnland oder Südkorea verglichen wird“, räumte sie aber auch ein. Das Aussetzen der Bildungsstandard-Tests hält Palfrader aber „grundsätzlich für bedauerlich“.

Es sei wichtig, über eine „internationale Vergleichbarkeit“ zu verfügen, so Palfrader gegenüber der APA. Und es sei nicht nachvollziehbar, warum auch jene Testungen abgesagt wurden, die nicht digital, sondern händisch erfolgt wären. Auch Vorarlberg kritisierte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wegen deren „Ho-Ruck-Aktion, die mit den Bundesländern nicht abgesprochen war“, lehnt jedoch ebenfalls Tests in Eigenregie ab, ebenfalls mit Verweis auf Bundeskompetenz, Kosten und die organisatorische „Unmöglichkeit“.

Niederösterreich froh über Testpause

Niederösterreichs Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) schloss eine Allianz mit Oberösterreich in Sachen PISA noch kategorischer aus und nützte die Gelegenheit dazu, überhaupt ihr Missfallen über den Vergleich mit den Bildungssystem anderswo auszudrücken: Zum einen würde damit das Bildungssystem nicht wirklich weitergebracht, zum anderen wurde auf die Kostenfrage verwiesen. Das Geld sollte man besser in das österreichische Bildungssystem investieren.

Bei Heinisch-Hoseks Parteifreunden gab es am Samstag ebenso wenig Absicht, deren Pläne zu untergraben. Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) hält nichts von einem PISA-Alleingang. „Wir haben das nicht vor“, sagte er am Samstag, er halte nichts von einer „Verländerung“ der Bildungspolitik. Der burgenländische Landeshauptmann und Landesschulratspräsident Hans Niessl (SPÖ) will vorerst Fragen der Datensicherheit prüfen, und ob einzelne Bundesländer überhaupt einen eigenständigen PISA-Test machen können.

Heinisch-Hosek beharrt auf Ausstieg

Heinisch-Hosek insistierte indes gegenüber der Tageszeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe), dass Tests ein „Fehler“ wären, „bis hier nicht geklärt ist, wer dahintersteckt“. Hinter der Datenpanne stehe offenbar ein „krimineller Akt“ und kein „Hack oder ein Leck. Sondern dass offenbar jemand, eine Person, quasi mit einem Schlüssel ausgestattet, die Türe zu den Daten geöffnet hat“. Zu bisher vorgeschlagenen alternativen Möglichkeiten, die heimische Bildungslandschaft in internationalen Vergleichen zu halten, nahm sie nicht Stellung.

 

 

ORF – 17. März 2014

 

Bildung: Zehn Hauptschulen „katastrophal“

Salzburger Daten aus Schülertests dürften nicht länger vom Bildungsministerium in Wien geheimgehalten werden. Das fordert der Landtag nun einstimmig von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Befürchtet wird, dass es teils sehr schlechte Daten über einzelne Schulen gibt.

Das Regionalparlament fordert nun einstimmig die Wiener Zentralstellen zum Handeln auf

Nur mit den Testergebnissen könne die Salzburger Schulpolitik auf Schwächen des Systems reagieren und besonders leistungsschwache Schülerinnen und Schüler fördern.

Der Salzburger Bildungsexperte Günter Haider zeichnete vor kurzem im Landtagsausschuss ein katastrophales Bild über manche Schulen im Bundesland. Fast drei Viertel der Schüler dort würden nur sehr schlecht das Lesen, Schreiben oder Rechnen beherrschen.

Haslauer will Freigabe vom Bund

In den vergangenen Jahren wurden zigtausende Salzburger Schüler beider Geschlechter in drei verschiedenen Fächern ausgiebig getestet. Die Ergebnisse hält das Bundesbildungsinstitut BIFIE auf Anweisung des zuständigen Bundesministeriums unter Verschluss. Wie Schüler in einzelnen Salzburger Schulen abgeschnitten haben, und aus welchen sozialen Umfeldern sie kommen, das bleibt ein Geheimnis.

Debatte: Bildung: Wie wichtig ist die Qualitätskontrolle?

Landeshauptmann und Bildungsreferent Wilfried Haslauer (ÖVP) hat kein Verständnis für Geheimniskrämerei: „An diese regionalspezifischen Daten müssen wir herankommen. Bisher weigert sich das Ministerium, sie herauszugeben. Ich kann nur vermuten, warum das so ist. Es würde offenbar werden, wie es funktioniert mit Wien.“

Zehn Schulen offenbar mit beunruhigenden Daten

Der Salzburger Bildungsexperte Günter Haider war bis vor kurzem der Direktor des Bundesbildungsinstitutes BIFIE. Er plauderte im Landtagsausschuss vor kurzem ein wenig aus dem Nähkästchen: „In Salzburg haben wir zehn von 73 getesteten Hauptschulen, wo mehr als 70 Prozent der Schüler die Standards nicht erfüllen.“

Haider arbeitet nun wieder an der Universität und bietet der Bildungspolitik an, die Salzburger Schülerdaten auszuwerten. Voraussetzung sei natürlich, dass sie vom Bundesministerium freigegeben werden. Und das will der Salzburger Landtag bei der Bildungsministerin durch den einstimmigen Antrag aller im Regionalparlament vertretenen Parteien nun noch einmal versuchen.

 

Pressestunde vom 16.03.2014 11.05 Uhr

 

 

Pressestunde (11:05) - SPÖ-BM Gabriele Heinisch-Hosek - 3 - Vorläufiger Stopp der PISA-Tests

 

Sablatnig Wolfgang (Tiroler Tageszeitung)

   Ich möchte zu Ihrem unmittelbaren Ressort kommen. Ein bisschen im

   Windschatten der Hypo, dem zweiten politischen Aufreger der vergangenen

   Woche haben Sie geliefert mit dem Test der Pisa-Stopp, mit dem Stopp der

   Pisa-Tests. Sie haben dafür breite Kritik geerntet von Experten, aus den

   Schulen, aus den Ländern teilweise. War diese Entscheidung zu sagen, wir

   testen heuer nicht mehr, vielleicht etwas voreilig?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Sie musste getroffen werden, denn ich möchte klären, wie es zu dieser Sache,

   zu diesem Test-Stopp, den ich jetzt, zu dem ich stehe, bei dem ich auch

   bleibe, wie es dazu kam. Ich habe drei Tage nachdem klar war, dass hier

   größere Datenprobleme da sind, alles Landesschulratspräsidenten,

   Präsidentinnen informiert, dass bis auf weiteres, bis Datensicherheit

   wieder herrscht alle Testungen gestoppt werden. Also wenn die eine oder

   andere, der eine oder andere jetzt sagt: Das hat mich jetzt überrascht - so

   kann das eigentlich nicht sein. Warum ist jetzt Pisa 2015, warum findet

   Pisa nicht statt? Weil jetzt unmittelbar in den nächsten Wochen diese

   Vortestungen hätten sein müssen und alle Unterlagen dazu - es wird ja

   dieses Mal eine Mischung aus elektronischer Testung und schriftlicher

   Testung sein, auch schon bei den Feldtestungen - schon vorbereitet beim

   Bildungsforschungsinstitut liegen. Und genau um dieses geht es jetzt. Genau

   um die Datensicherheit in diesem Institut und daher wäre es fahrlässig, als

   Anwältin aller Kinder, aller Schülerinnen und Schüler, aller Lehrerinnen,

   Lehrer jetzt zu sagen, dann machen wir halt die Vortestungen und schauen,

   ob sich das ausgeht. Deswegen war es notwendig zu sagen: Keine Vortestungen

   - somit auch in der Folge keine Pisa-Testungen nächstes Jahr. Was nicht

   heißt, dass im Jahr 2018, wenn das nächste Mal der Turnus dran ist,

   Österreich wieder dabei sein wird. Das ist Unsinn, wenn jemand behauptet,

   das wird nie mehr stattfinden. Ich bin interessiert an internationalen

   Vergleichen. Aber dieses Vergleichsinstrument für das kommende Jahr muss

   leider ausfallen, solange nicht Datensicherheit herrscht.

 

Sablatnig Wolfgang (Tiroler Tageszeitung)

   Aber jetzt schon noch einmal zurückzukommen auf diese, auf diesen Vortest

   jetzt. Wäre es da nicht möglich, es gab ja auch Stimmen die gesagt haben,

   ja dann kann man das auf Papier einmal machen, man kann das ja alles einmal

   lagern, sicher lagern, sicher ablegen bis man es dann in ein Computersystem

   eintragen kann. Warum dieser radikale Schritt?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Weil, und ich möchte es noch einmal erklären, nicht nur Papiertestungen bei

   diesen Feldtests heuer sein werden, sondern auch schon mit USB-Stick und

   Laptop auch elektronische Testungen und alles ist vorbereitet, liegt im

   Bildungsforschungsinstitut. Und jetzt Datenverschnitte zu machen, andere

   Institute irgendwie herein zu ziehen, das wäre aus meiner Sicht

   verantwortungslos und das mache ich nicht. Das heißt, alles was beim Bifie

   liegt wird dort geprüft, untersucht, ob dort auch alles sicher ist. Und ich

   kann nicht so mir nichts, dir nichts sagen: Mach halt du Institut in

   Salzburg etwas, oder vielleicht kommen noch einige Anbieter, die sagen

   würden, Frau Ministerin, geben Sie mir die Bögen, wir füllen sie aus und

   dann sperren wir sie ein. So einfach geht es leider nicht. Ich bin

   verantwortlich allen Schülerinnen, Schülern, den Lehrerinnen, Lehrern und

   als dieses, als diese Datenproblematik offenkundig wurde, haben sehr viele

   gesagt: Sofort Stopp, aufhören, wir wollen, dass unsere SchülerInnen-Daten

   sicher sind. Das habe ich gemacht. Dabei bleibe ich jetzt auch mit all den

   leider negativen Konsequenzen, denn auch ich hätte gerne Pisa durchführen

   lassen, aber nächstes Jahr wird es eine Pause geben müssen.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Aber Tatsache ist schon, dass Sie mit dieser Position ziemlich alleine

   stehen. Also pikanterweise gerade die Lehrergewerkschaft, die mit Ihnen

   normalerweise ja nicht auf so gutem Fuß steht, die unterstützt diese

   Position, die hat sie auch gefordert. Aber ansonsten eigentlich auf weiter

   Flur Gegenstimmen. Also Leitl spricht von einer Blamage, weil wir uns

   abkoppeln von diesen internationalen Vergleichsmöglichkeiten. Auf Seiten

   des Koalitionspartners, Mikl-Leitner zum Beispiel hat gemeint, also sie hat

   die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Sie vielleicht doch noch Ihre

   Entscheidung revidieren. Auch die Experten-Stimmen sind eigentlich in die

   Richtung, dass man sagt, man braucht das eigentlich. Und es gibt eben viele

   Angebote, das doch noch zu retten. Warum sind Sie da überhaupt nicht

   eingestiegen und haben von vorne herein gesagt: Nein, ich mache das nicht

   und ich bleibe bei dieser Entscheidung?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Weil ich die Sicherheit gewährleisten muss. Noch einmal: Es geht nicht

   darum, ob ich mich nicht vergleichen möchte als Österreich mit anderen

   OECD-Staaten. Es geht darum, dass die, die auf der einen Seite gesagt

   haben, wieso hat sie nicht sofort einen Teststopp ausgerufen - den habe ich

   dann ausgerufen, jetzt kommen und sagen, ist ja alles nicht so sehr geheim

   und das könnten wir doch tun. Dieser Verantwortung entziehe ich mich nicht.

   Und dieser Verantwortung stelle ich mich auch. Und ich sehe mich als

   Anwältin der SchülerInnen, der LehrerInnen und daher bleibe ich auch dabei.

   Und gerade die Wirtschaftskammer, gerade wir alle haben ja im Moment

   größtes Interesse daran, unsere 15-Jährigen zum Beispiel von denen jedes

   Jahr tausende verloren gehen, wenn ich das so sagen darf, die nicht in eine

   Schule weitergehen, die keine Lehre beginnen, hier eine nationale

   Kraftanstrengung gemeinsam durchzuführen, damit wir diese Jugendlichen

   wieder bekommen, damit wir sie in das Bildungssystem einbringen. Hier

   einmal zu schauen, wie wir diese vielen tausenden jungen Leute ihrer

   Zukunft nicht berauben, wenn sie zuhause sitzen und warten auf eine

   Hilfstätigkeit. Das wollen wir ja alle nicht. Da sollten wir uns jetzt

   konzentrieren darauf und nicht ob wir uns einmal, so leid mir das auch

   wirklich tut, einer internationalen Vergleichstestung nicht stellen.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Jetzt hat es ja auch von Seiten der OECD, die das auch bedauert hat, dass

   Österreich da aussteigen will, hat es das Angebot gegeben, dass man

   gemeinsam darüber nachdenkt. Es gibt die Idee, dass die Fristen verlängert

   werden - von Seiten des oberösterreichischen Landesschulratspräsidenten hat

   es den Vorschlag gegeben, eine Taskforce einzusetzen, um das Ganze noch

   einmal zu überprüfen. Wenn ich Sie richtig verstehe, dann schließen Sie

   aber hier und heute definitiv aus, dass Sie diese Entscheidung noch ändern?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Ich schließe hier und heute definitiv aus - die Entscheidung wird nicht mehr

   verändert. Es kann kein Bundesland Alleingänge machen, denn Partner der

   OECD ist das zuständige Ressort, also das Bildungsressort. Und ich kann

   hier nicht fahrlässig handeln. Ich werde hier verantwortungsvoll handeln

   und werde keinem Bundesland das einzeln zugestehen, denn schauen, schauen

   wir was rauskommen würde. Pisa ist eine Stichprobe. Also es werden ja nicht

   alle Schülerinnen und Schüler hier miteinander verglichen aus den über 30

   OECD-Staaten, sondern es werden Stichproben gezogen. Und wenn ein

   Bundesland hier eine eigene Testung wünscht, dann wäre das die Stichprobe

   der Stichprobe. Da frage ich mich, wie aussagekräftig ist denn das? Und im

   Übrigen hat der Landesschulrat nicht gewusst, dass die Frau Landesrätin

   hier schon vermeldet hat, dass sie das im Alleingang mit Salzburg tun

   möchte, denn ich habe sofort Kontakt aufgenommen und da wurde noch

   nachgedacht wie man denn das handeln könnte. Das war offensichtlich noch

   gar nicht bekannt. Ich bleibe definitiv dabei: Pisa wird es nächstes Jahr

   nicht geben können, weil wir hier auf Datensicherheit schauen müssen.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Nur zum Verständnis der Zuschauer: Sie sprechen an, dass das Land

   Oberösterreich, die Bildungslandesrätin gemeint hat, man könnte oder

   Oberösterreich will diesen Test alleine durchführen, nur für das Land, und

   da schließen Sie eben aus, dass das möglich ist - Sie werden das nicht

   genehmigen.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Das muss ich ausschließen, weil ich die Daten, die im Bifie jetzt

   vorbereitet sind für diese Feldtestungen, nicht aus dem Bifie rausgeben

   kann, solange nicht Datensicherheit im Bifie - und da wird noch eine große

   Prüfung demnächst passieren und die wird über Monate dauern, das haben wir

   uns schon erkundigt - daher kann ich die Daten nicht ganz einfach zur

   Verfügung stellen, weil - und das muss man auch dazu sagen -, es geht nicht

   nur um diese Testbögen elektronisch oder auf Papier, es geht auch um

   Kontext-Fragebögen. Es werden auch persönliche Daten abgefragt und das ist

   in Zeiten wie diesen mehr als heikel und daher wird es das nicht geben

   können.

 

Sablatnig Wolfgang (Tiroler Tageszeitung)

   Vom Test betroffen sind ja auch die Bildungsstandards und da haben Sie ja

   schon vorher einmal angekündigt gehabt, also es wird nicht mehr jedes Jahr

   stattfinden, so wie es unter Ihrer Vorgängerin Claudia Schmied geplant war.

   Hat Ihre Vorgängerin zu sehr auf diese Tests gesetzt? Machen Sie da jetzt

   einen Paradigmenwechsel?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Mit Gründung dieses Bildungsforschungsinstitutes haben wir internationalen

   Bildungsforderungen, Benchmarks Rechnung getragen, zu schauen, wie stehen

   denn unsere Schüler und Schülerinnen am Ende einer Dekade einer vierten

   Klasse, am Ende einer achten Klasse - dazu stehe ich auch allgemein. Wir

   haben nur gesagt, wenn wir die Bildungsstandards für Deutsch, die jetzt

   auch dran gewesen wären, abgeschlossen haben, dann machen wir ein Jahr

   Pause. Das war schon vor diesem Datenproblem klar. Jetzt ist es so, jetzt

   kann ich diese Bildungsstandards für Deutsch auch nicht durchführen lassen,

   weil die würden auch schon demnächst beginnen - ich würde sie aber gerne

   nächstes Jahr nachziehen, wenn die große Prüfung, die große

   Datenüberprüfung erledigt ist, wenn sie fertig ist, dann können wir Deutsch

   nachholen. Ich stehe zu diesen Instrumenten, denn: Diese Instrumente sind

   keine Vergleichsinstrumente, wie die Stichprobe Pisa, sondern diese

   Instrumente sollen jedem Schulstandort, jeder Klasse, jeder Pädagogin

   selber auch Möglichkeiten geben in einer Feedback-Kultur, in einer

   Rückmelde-Kultur mit Unterstützung, was die Schulqualität anlangt, einfach

   zu überprüfen, läuft es gut, sind alle in etwa im Mittelfeld - welche sind

   drüber, welche sind darunter, was muss ich tun. Und das möchte ich nicht

   aufgeben. Das muss ich jetzt nur auch um ein Jahr verschieben und ob wir

   dann noch ein Jahr Testpause machen oder gleich wieder einsteigen in die

   Testungen, das müssen wir besprechen.

 

Sablatnig Wolfgang (Tiroler Tageszeitung)

   Aber es ist nicht so, dass Ihre Vorgängerin einfach zu sehr und zu stark auf

   diese Test gesetzt hat und Sie einfach sagen, das ist zu viel, das können

   wir den Lehrern nicht mehr zumuten?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Prinzipiell glaube ich, dass uns genau diese Tests am meisten weiterbringen.

   Und wir wissen ja, es gibt ja nicht nur diese Tests. Es gibt ja ganz viele

   Tests in Österreich. Ich habe mir, ich habe mir nur erzählen lassen

   Februar, Mai, Juni Lesetests, Deutsch, Mathematik, Bildungsstandards,

   Mehrstufenklassenevaluierungen: Das heißt, ich höre das schon auch von

   Lehrerinnen, die sich bei mir melden, die ich auch noch kenne von früher,

   die sagen, eigentlich proben, üben wir nur mehr für Testungen. Im

   Allgemeinen sollten wir glaube ich auch in Österreich schauen -

   Bundesländer machen eigene Tests, Universitäten wollen für irgendwelche

   Studien Testungen und brauchen Schulen oder Klassen, die sich zur Verfügung

   stellen. Kinder sollten nicht von einem Test zum anderen schlittern müssen.

   Die sollten sich einmal mit Freude auch auf das Lernen konzentrieren

   können. Daher die Testungslandschaft insgesamt die einmal anzuschauen, da

   bin ich sofort dabei und die Bildungsstandards halte ich für ein gutes

   Instrument, die möchte ich auch weiter fortführen.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Aber wenn wir da gleich dabei bleiben: Wenn Sie sich das anschauen, haben

   Sie da schon Überlegungen, worauf man verzichten könnte? Es gibt ja immer

   wieder Stimmen gerade bei den internationalen Vergleichstests, da gibt es

   ja Pisa, Timms, das sind die Mathematik- und Naturwissenschaftskenntnisse

   der Zehnjährigen, die da abgefragt werden - oder Pirls, die Zehnjährigen

   die Lesekompetenz. Können Sie sich vorstellen, dass man auf den einen oder

   anderen dieser Tests verzichtet?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Die Pisa-Pause jetzt ist von außen an uns herangetragen worden durch dieses

   Datenproblem. Pisa 2018 denke ich sollten wir auf jeden Fall als

   Vergleichsinstrument wieder machen. Die Frage, die sich für die Zukunft

   stellt, wenn Mathematik vierte Volksschule durch Timms, durch eine

   internationale Vergleichsstudie abgetestet wird und wir aber in unseren

   Bildungsstandards Mathematik in der vierten Klasse haben und wissen, wo

   unsere Kinder stehen, ist die Frage, ob man diese Vergleichstestung

   weiterführt oder nicht. Aber genau das möchte ich mit Experten, Expertinnen

   - da möchte ich auch niemanden etwas ausrichten, das möchte ich auch gar

   nicht alleine entscheiden, das möchte ich mit Expertinnen, Experten durch

   diskutieren - was denkt ihr davon - und natürlich auch mit den

   Bundesländern. Ich werde sie alle an einen Tisch holen, denn Länder lassen

   sich von mir zum Teil auch nicht vorschreiben, was sie testen wollen und

   was nicht. Und da gibt es, ich habe es vorher versucht zu erklären, zum

   Teil richtige Test-Batterien in einzelnen Bundesländern und die sollten wir

   gemeinsam auch hinterfragen - was können wir den Kindern zumuten und was

   ist nicht notwendig.

 

Sablatnig Wolfgang (Tiroler Tageszeitung)

   Vielleicht noch zum Abschluss dieser Test-Geschichte: Wissen Sie, können Sie

   den Maturantinnen und Maturanten des heurigen Jahres schon sagen, wie ihre

   Matura ablaufen wird? Fragen vom Ministerium oder doch vom Bifie? Gibt es

   schon Zwischenergebnisse?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Das wird sich jetzt Ende März ganz genau herausstellen. Ich kann aber allen,

   die im Schulversuch die neue Matura machen - ganz viele in Englisch, 376

   Schulen machen Englisch-Matura-Neu heuer schon, einige in Mathematik, in

   Deutsch und anderen Fremdsprachen - sollte nächste Woche diese Ersttestung

   bezüglich der Matura beim Bifie negativ ausgehen, so garantiere ich, dass

   Ersatzbeispiele auf gutem, sicheren Weg an die Schulen von meinem

   Ministerium übermittelt werden und alle die Matura nach der neuen Art, die

   sich angemeldet haben dafür, machen können. Für die Matura nächstes Jahr -

   also wenn alle AHS-Oberstufen die Matura nach der neuen Art machen, wenn

   alle berufsbildenden Schulen nächst, übernächstes Jahr das machen, da haben

   wir die große Prüfung längst abgeschlossen, da wird auch feststehen, sind

   die Daten im Bifie so sicher, müssen wir die Daten woanders sichern, aber

   da kann ich sagen, sollen alle schon die neue Matura machen können. Also

   keine Angst, keine Sorge, keine Probleme auch für heuer nicht.

 

Jungreuthmayer Harald (ORF)

   Nur noch eine ganz kurze Ergänzung: Bei den Bildungsstandards gibt es ja

   Überlegungen, die nicht mehr jährlich durchzuführen, sondern alle zwei

   Jahre. Könnte es da sein, dass es da auch weniger oft passiert die Testung?

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Nein, es sollen alle dran kommen. Aber der Rhythmus, das nicht sozusagen in

   einem Jahr mehrere Deutsch und Mathematik zum Beispiel geprüft werden, der

   wird ein anderer, sonst ist es auch ein Drei-Jahresrhythmus bei den

   Bildungsstandards und wir wollen den Rhythmus ändern, aber nicht die Tests

   reduzieren. Das haben wir im Moment nicht vor. Aber wie gesagt: Verschieben

   auf nächstes Jahr Deutsch das wird sein und dann haben wir einmal alle

   Standards durchgetestet, also alle Kinder in Mathematik vier, acht, in

   Englisch acht, weil Volksschule ist nicht, und alle Kinder in Deutsch

   vierte Volksschule und achte Schulstufe und dann kann man, glaube ich,

   gute, gute Rückschlüsse ziehen, wie entwickeln sich Standorte weiter - kann

   man auch Rückschlüsse auf Bundesländer ziehen, aber nicht als Konkurrenz

   und Vergleichsinstrument, sondern nur direkt für die Schulen selber.

 

Der gegenständliche Text ist eine Abschrift eines audiovisuellen Beitrags. Aufgrund der medienspezifischen Charakteristik von Radio- und Fernsehbeiträgen kann es bei der Transkription zu formalen Abweichungen in der sprachlichen Abbildung zwischen dem Text und dem audiovisuellen Original kommen.

 

Die inhaltliche Verantwortung liegt bei der

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ZIB 13 vom 16.03.2014 13.00 Uhr

 

 

ZIB 13 (13:00) - BM Heinisch-Hosek in ORF-Pressestunde

 

Fenderl Birgit (ORF)

   Österreich nimmt nächstes Jahr definitiv nicht am PISA-Test teil. Einen

   Meinungsumschwung schloss Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in

   der heutigen ORF-Pressestunde aus. 2018 soll es aber wieder PISA-Tests

   geben, meint sie. Als Frauenministerin kündigt Heinisch-Hosek einige

   Vorhaben an: Unter anderem will sie mehr Gleichstellung für

   gleichgeschlechtliche Paare erreichen.

 

Lyon Rosa (ORF)

   Einmal mehr verteidigt Heinisch-Hosek den Stopp der PISA-Tests:

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Es geht nicht darum, ob ich mich nicht vergleichen möchte als Österreich mit

   anderen OECD-Staaten, es geht darum, dass die, die auf der einen Seite

   gesagt haben, wieso hat sie nicht sofort einen Teststopp ausgerufen, den

   habe ich dann ausgerufen, jetzt kommen und sagen, ist ja alles nicht so

   sehr geheim und das könnten wir doch tun - dieser Verantwortung entziehe

   ich mich nicht, und dieser Verantwortung stelle ich mich auch, und ich sehe

   mich als Anwältin der SchülerInnen, der LehrerInnen - und daher bleibe ich

   auch dabei.

 

Lyon Rosa (ORF)

   Als Frauenministerin will sie mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Paare,

   etwa das Adoptionsrecht oder:

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Ich wünsche mir die Gleichstellung zur Ehe, wir sind hier schon viele

   Schritte gegangen.

 

Lyon Rosa (ORF)

   Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, die müsste dann auch "Ehe"

   genannt werden, so Heinisch-Hosek.

 

Der gegenständliche Text ist eine Abschrift eines audiovisuellen Beitrags. Aufgrund der medienspezifischen Charakteristik von Radio- und Fernsehbeiträgen kann es bei der Transkription zu formalen Abweichungen in der sprachlichen Abbildung zwischen dem Text und dem audiovisuellen Original kommen.

 

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Ö3 Mittagsjournal 12:00 vom 16.03.2014 12.00 Uhr

 

 

Ö3 Mittagsjournal 12:00 (12:00) - Alleingänge bei PISA-Tests: BM Heinisch-Hosek erteilt Absage

 

Pfeifer Barbara (ORF)

   Eine klare Absage gibt es von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek für

   das Land Oberösterreich. Oberösterreich hat ja gestern angekündigt, im

   Alleingang Pisa-Tests durchzuführen. In der ORF-Pressestunde sagte

   Heinisch-Hosek:

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Ich schließe hier und heute definitiv aus, die Entscheidung wird nicht mehr

   verändert, es kann kein Bundesland Alleingänge machen, denn Partner der

   OECD ist das zuständige Ressort, also das Bildungsressort, und ich kann

   hier nicht fahrlässig handeln. Ich werde hier verantwortungsvoll handeln

   und werde keinem Bundesland das einzeln zugestehen. Ich bleibe definitiv

   dabei. Pisa wird es nächstes Jahr nicht geben können, weil hier wir auf

   Datensicherheit schauen müssen.

 

Pfeifer Barbara (ORF)

   Sagt Heinisch-Hosek.

 

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ZIB 17 vom 16.03.2014 17.00 Uhr

 

 

ZIB 17 (17:00) - Heinisch-Hosek: Pisa-Stopp ist "definitiv"

 

Zimmermann Marie-Claire (ORF)

   Österreich nimmt nächstes Jahr definitiv nicht am Pisa-Test teil, sagt

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in der heutigen

   ORF-Pressestunde. Angesichts des ungeklärten Datenlecks sei eine Teilnahme

   zum jetzigen Zeitpunkt fahrlässig.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Was nicht heißt, dass im Jahr 2018, wenn das nächste Mal der Turnus dran

   ist, Österreich wieder dabei sein wird. Das ist Unsinn, wenn jemand

   behauptet, das wird nie mehr stattfinden. Ich bin interessiert an

   internationalen Vergleichen, aber dieses Vergleichsinstrument für das

   kommende Jahr muss leider ausfallen, solange nicht Datensicherheit

   herrscht.

 

Zimmermann Marie-Claire (ORF)

   Sagt Bildungsministerin Heinisch-Hosek.

 

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Ö1 Abendjournal 18:00 vom 16.03.2014 18.00 Uhr

 

 

Ö1 Abendjournal 18:00 (18:00) - PISA-Stopp und Frauenquote: Heinisch-Hosek in der ORF Pressestunde

 

Theiretzbacher Christian (ORF)

   Nach Österreich. Gast in der ORF-Fernsehpressestunde war heute

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ. Sie hat den von ihr

   angeordneten Stopp der Pisa-Tests nach dem Datenleck beim zuständigen

   BIFIE-Institut verteidigt. In ihrer Funktion als Frauenministerin hat

   Heinisch-Hosek neuerlich eine Frauenquote von 30 Prozent in den Chefetagen

   der Privatwirtschaft verlangt. Kritik dafür gibt es von den anderen

   Parteien. Petra Pichler fasst zusammen.

 

Pichler Petra (ORF)

   Es bleibt dabei. Österreich wird nächstes Jahr nicht am Pisa-Test

   teilnehmen, Alleingänge wie von Oberösterreich geplant will

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek nicht zulassen.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Es kann kein Bundesland Alleingänge machen, denn Partner der OECD ist das

   zuständige Ressort, also das Bildungsressort und ich kann hier nicht

   fahrlässig handeln. Ich werde hier verantwortungsvoll handeln und werde

   keinem Bundesland das einzeln zugestehen.

 

Pichler Petra (ORF)

   Heinisch-Hosek verweist auf die noch ungeklärten Fragen rund um ein

   Datenleck beim Bildungsforschungsinstitut.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Und daher wäre es fahrlässig als Anwältin aller Kinder, aller Schülerinnen,

   Schüler, aller Lehrerinnen, Lehrer jetzt zu sagen "Na, dann machen wir halt

   die Vortestungen und schauen wir, ob sich das ausgeht".

 

Pichler Petra (ORF)

   Kritik gab es für Heinisch-Hosek heute von allen Seiten. Ein "Nicht

   genügend" für die Ministerin ortet FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz,

   der die Pisa-Tests überhaupt abschaffen will. Der grüne Bildungssprecher

   Harald Walser sieht das Datenleck als Ausrede. Für ihn hat Heinisch-Hosek

   hingegen eine bildungspolitische Bankrotterklärung abgegeben. Frauenquoten

   für die Privatwirtschaft werden von FPÖ, Team Stronach, aber auch vom

   ÖVP-Wirtschaftsbund abgelehnt. Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter

   Haubner zeigt sich irritiert und spricht von mangelndem SPÖ-Verständnis für

   Klein- und Mittelbetriebe.

 

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Zeit im Bild 1 vom 16.03.2014 19.30 Uhr

 

 

Zeit im Bild 1 (19:30) - Heinisch-Hosek: PISA-Absage ist fix

 

Zimmermann Marie-Claire (ORF)

   Wir kommen nach Österreich, wo Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek

   heute in der ORF-Pressestunde bei der Absage des Pisa-Tests im kommenden

   Jahr bleibt. Auch für Oberösterreich, das alleine teilnehmen wollte, wird

   es keine Sonderregelung geben, sagt sie. Hintergrund ist, dass vor einigen

   Wochen tausende Ergebnisse anderer Tests im Internet publik geworden waren.

 

Lyon Rosa (ORF)

   Einmal mehr verteidigt Heinisch-Hosek den Stopp des Pisa-Tests. Angesichts

   des vermeintlichen Datenlecks sei eine Teilnahme, Zitat, "fahrlässig". 2018

   soll aber Österreich wieder teilnehmen.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Ich bin interessiert an internationalen Vergleichen, aber dieses

   Vergleichsinstrument für das kommende Jahr muss leider ausfallen, so lange

   nicht Datensicherheit herrscht.

 

Lyon Rosa (ORF)

   Die im Koalitionspakt festgelegte Langform des Gymnasiums will die

   Unterrichtsministerin nicht antasten. Dennoch preist sie einmal mehr die

   Vorzüge der Gesamtschule an. Die Neue Mittelschule, die habe bisher nicht

   alle Hoffnungen erfüllt.

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Das hätten wir uns gewünscht mit der Neuen Mittelschule, dass sich Kinder

   aller sozialen Herkünfte, auch aller Begabungen gemeinsam vier Jahre

   begleiten lassen.

 

Lyon Rosa (ORF)

   In Zukunft auch in der dritten Klasse Volksschule statt auf Noten auf

   verbale Beurteilung zu setzen, wünscht sich Heinisch-Hosek als

   Unterrichtsministerin. Als Frauenministerin spricht sie zum wiederholten

   Male von einer Frauenquote in der Privatwirtschaft nach deutschem Modell,

   also einer langen Vorlaufzeit, etwa bis zum Jahr 2020, und einer Quote von

   30 Prozent. Außerdem will sie mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Paare,

   etwa das Adoptionsrecht oder:

 

Heinisch-Hosek Gabriele (SPÖ)

   Also ich wünsche mir die Gleichstellung zur Ehe. Wir sind hier schon viele

   Schritte gegangen.

 

Lyon Rosa (ORF)

   Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, die müsste dann auch Ehe

   genannt werden, so Heinisch-Hosek.

 

Der gegenständliche Text ist eine Abschrift eines audiovisuellen Beitrags. Aufgrund der medienspezifischen Charakteristik von Radio- und Fernsehbeiträgen kann es bei der Transkription zu formalen Abweichungen in der sprachlichen Abbildung zwischen dem Text und dem audiovisuellen Original kommen.

 

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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