Donnerstag, 20. März 2014

2014.03.20: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 20. März 2014

 

 

Grüne und Neos halten Teststopp für rechtswidrig

Es gibt Zweifel daran, ob die Bildungsministerin überhaupt einen Teststopp anordnen kann. Diese ist aber anderer Meinung.

Die Grünen und die Neos zweifeln an der Rechtmäßigkeit des Stopps aller Bildungstests, der nach dem Datenleck angeordnet wurde: Es sei nicht klar, ob Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) den Stopp einfach per Weisung an das Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) erteilen kann.

Das Argument der beiden Parteien: Das BIFIE sei eine eigenständige Einrichtung mit drei Gremien - dem Direktorium, dem Aufsichtsrat und dem wissenschaftlichen Beirat. Das Arbeitsprogramm, zu dem die Durchführung der PISA-Studie zählt, werde in Dreijahresplänen fixiert. Die Ministerin sei aber nicht berechtigt, einen laufenden Dreijahresplan außer Kraft zu setzen. Sie habe laut Gesetz nur eine Aufsichtspflicht über das BIFIE. Sie Das Direktorium dürfe daher eine Weisung von ihr gar nicht annehmen, so die Rechtssicht der beiden Parteien.

Ministerin: Erhebungen als direkter Auftrag

Die Bildungsministerin verteidigt auf Anfrage von DiePresse.com ihr Vorgehen und bezieht sich auf § 24 des BIFIE-Gesetzes, der die staatliche Aufsicht über das BIFIE regelt. Demnach ist die Ministerin für "die Einhaltung der Gesetze und Verordnungen, insbesondere die Wahrung des Grundrechtes auf Datenschutz" zuständig sowie für "die Erfüllung der dem BIFIE nach diesem Bundesgesetz obliegenden Aufgaben".

Im § 6 des BIFIE-Gesetzes sei zudem geregelt, dass Forschungsprojekte zur Qualitätsicherung im Schulwesen - wie etwa die Bildungsstandardstestung - und andere genehmigte Erhebungen des BIFIE im direkten Auftrag der Ministerin durchgeführt werden. Insofern könne diese die Genehmigung derartiger Tests auch jederzeit zurückziehen - vor allem dann, wenn der Datenschutz nicht gewährleistet werden kann.

Experte: "Rechtlich nur schwer angreifbar"

Auch der Verfassungsjurist Heinz Mayer hält den Teststopp für rechtskonform: Das BIFIE sei eine Anstalt öffentlichen Rechts und habe Aufgaben des Ministeriums übernommen. Insofern sei das BIFIE ein nachgeordnetes Organ und unterliege damit eindeutig dem Weisungsrecht. "Der Teststopp ist rechtlich nur schwer angreifbar", sagt Mayer zu DiePresse.com.

In der Praxis dürften die rechtlichen Unklarheiten ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der BIFIE-Aufsichtsrat kann den Dreijahresplan nämlich jederzeit ändern. Und von neun Mitgliedern im Aufsichtsrat wurden fünf von der ehemaligen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) nominiert.

 

 

Die Presse – 20. März 2014

 

 

Wieder das übliche Gesudere der selbst ernannten Bildungsexperten

Das Aussetzen von PISA und aller anderen standardisierten Testverfahren, auf welch krude Namen sie auch immer getauft sein mögen, ist ein Befreiungsschlag.

RUDOLF TASCHNER  

Es war hart, aber zugleich wahr, was einst Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über Leute hat verlauten lassen, die sich berufen fühlen, mit guten Ratschlägen hausieren zu gehen: Das, was man in Österreich gewöhnlich zu hören bekommt, sei „das übliche Gesudere“ von notorischen Besserwissern. Bestätigt sieht man dies nach der Entscheidung der Bildungsministerin, in nächster Zeit die zentral gesteuerten Kompetenzprüfungen an den Schulen auszusetzen. Ein doppelbödiges Klagen darüber hat sie sich damit eingehandelt.

Doppelbödig deshalb, weil den meisten Klagenden mit der Entscheidung der Ministerin eben das weggenommen wurde, was sie am liebsten tun: anhand von Tests, bei denen Österreichs Kinder und Jugendliche – so wollen es die Miesepeter – per definitionem schlecht abschneiden, ihr Gejammer über die ach so schlechte Schule ertönen zu lassen. Selbst beim letzten PISA-Test, bei dem jedenfalls in Mathematik eine beachtliche Verbesserung erzielt worden war, hörte man man nicht auf, die Ergebnisse, wo es nur ging, madigzumachen. Und jetzt soll das plötzlich ein Ende haben? Umso mehr Anlass für die Defätisten, eine noch lautere Elegie anzustimmen.

So weit hergeholt der Anlass des Datenlecks beim famosen BIFIE dafür freilich sein mag, die Entscheidung des Aussetzens von PISA, TIMMS und aller anderen standardisierten Testverfahren, auf welch krude Namen sie auch immer getauft sind, ist ein Befreiungsschlag, der nur guttun kann. Dass der PISA-Macher Andreas Schleicher gereizt warnt, man könne moderne Bildungssysteme „nicht im Blindflug steuern“, zeigt nur, dass die OECD nervös wird, wenn ein Land vom PISA-Zirkus aussteigen will.

Würde das nämlich Schule machen, droht einer ganzen Truppe von selbst ernannten Experten der Verlust ihres schönsten Spielzeugs. Und dass Günter Haider, dem es einst gelang, sich durch PISA bekannt, ja sogar ministrabel gemacht zu haben, mit Verve seine Bereitschaft erklärt, von seinem Institut aus die Tests durchzuführen, zeigt nur: Bei diesem Trubel ist viel Geld im Spiel und einiges zu gewinnen. Nur die Schüler und die Lehrer, die bei den Tests eingespannt werden, ziehen keinen Nutzen daraus. Denn niemand erfährt, wie sie oder er persönlich abgeschnitten hat, ob sie oder er testkonform unterrichtet hat.

Österreich drücke sich, so hört man von den Meckerern, vor dem internationalen Vergleich. Natürlich stimmt das überhaupt nicht. Wir können uns gar nicht vor der Konkurrenz mit anderen Ländern drücken, weil der Erfolg unserer Wirtschaft allein auf dem Wissen und Können derer beruht, die – jedenfalls in der überwiegenden Zahl – in unseren Schulen gelernt haben.

Wenn die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich 8,9 Prozent beträgt, sie hingegen in Finnland mehr als doppelt so hoch ist und 19,4 Prozent beträgt, tröstet das Lob der OECD über Finnlands Schulsystem wenig. Nicht die Kompetenzprüfungen sorgen dafür, dass in Schulen gut unterrichtet wird, sondern die in ihnen tätigen Lehrer. Kann man sich auf sie verlassen, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen ihrer Aufgabe nachkommen, erübrigt sich die Fülle der Tests.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, lautet der Einwand. Er ist berechtigt. Doch es genügt, in einem angemessenen Maß zentral zu überprüfen, wie gut unterrichtet wird. Und es wäre besser, man zöge nicht internationale Formate dazu heran, die mehr kosten, als sie wert sind, sondern erstellte für unser Land zugeschnittene Vorlagen für Prüfungen. Am besten teilzentral: Basale Aufgaben kommen von außen, weiterführende vom Lehrer der Klasse.

Und jenen Schwarzmalern, die auch hier eine Quelle für ihr Klagen wittern und die monieren, dies sei provinziell, sei kühl erwidert: Selbstbewusst sollten wir den anderen Ländern der OECD zeigen, welche Aufgaben unseren Schülerinnen und Schülern gestellt werden, und dass die meisten von ihnen sie souverän zu lösen verstehen.

 

 

OÖN – 20. März 2014

 

Zu früh im Ruhestand: Rechnungshof rügt Pensionen bei Lehrern, Post, ÖBB

WIEN/LINZ. Rechnungshof rügt hohe Zahl an Frühpensionierungen. 99 von 100 Landeslehrern gingen 2012 vor der Zeit.

Früher Pensionsantritt, eine hohe Zahl an Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit – aber auch unklare Zahlungen: Der Bundesrechnungshof (RH) hat sich die "bundesfinanzierten Pensionen" des Jahres 2012 angesehen, konkret bei Landeslehrern in Oberösterreich und Salzburg, bei den ÖBB und bei der Post.

Was den Prüfern zunächst auffiel: Kaum jemand unter den Landeslehrern, bei der Post oder den ÖBB blieb bis zum Regelpensionsalter. Auffällig hoch sind in allen drei Gruppen die Zahlen der Frühpensionierungen und der Pensionen wegen Dienstunfähigkeit (siehe Kasten). "Die Bemühungen zur Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters wären zu intensivieren", merkt der RH "äußerst kritisch" an.

Landeslehrer in Frühpension

In Oberösterreich gingen bei den Landeslehrern nur 1,1 Prozent mit dem gesetzlichen Pensionsalter in den Ruhestand, 81 Prozent nutzten den Weg in die Frühpension. Damals konnte die "Hacklerregelung" voll genutzt werden, für Lehrer gab es auch ein Frühpensionierungsmodell.

Doch nicht nur dies kritisiert der Rechnungshof: Er stellt auch Ungereimtheiten bei Zahlungen und Abrechnungen fest. So heißt es: "Die Länder Oberösterreich und Salzburg gewährten pensionierten Landeslehrern ohne gesetzliche Grundlage Weihnachtsgaben und stellten den Aufwand hierfür dem Bund ohne gesonderten Ausweis in Rechnung." Der Bund habe "aufgrund fehlender Kontrollen jedoch keine Kenntnis davon". Überhaupt habe sich der Bund, der für die Pensionszahlungen aufkommen muss, "auf die Richtigkeit der von den Ländern gemachten Angaben verlassen" müssen. Die Pensionsauszahlungen für Lehrer sollten zentralisiert werden, fordert der RH als eine Konsequenz.

Bei der Post erfolgten jeweils fast die Hälfte der Pensionierungen wegen Dienstunfähigkeit oder Frühpension. Bei den ÖBB waren 54,4 Prozent der Pensionsantritte Frühpensionierungen, 41,7 Prozent erfolgten wegen Dienstunfähigkeit. Wegen einer fehlenden Verordnung konnte das Finanzministerium die monatlichen finanziellen Anforderungen nicht kontrollieren.

ÖBB wehren sich

Das Pensionsalter sei seit 2010 gestiegen, wehren sich die ÖBB gegen die Kritik. "Nicht beachtet" habe der RH auch, dass die ÖBB in den letzten Jahren "die niedrigste Zahl an Pensionierungen hatten". Auf Invaliditätspensionen habe man als Unternehmen keinen Einfluss, da die Sozialversicherungen die Entscheidungen treffen, so die ÖBB. Der Eisenbahnerberuf sei auch nicht "mit dem Berufsbild eines Bundesbeamten vergleichbar". (bock/eda)

Mehr als 80 Prozent der Landeslehrer in Frühpension

Landeslehrer: Nur 1,1 Prozent der oberösterreichischen Landeslehrer (das sind Lehrer, die an Pflichtschulen unterrichten), die 2012 in Pension gegangen sind, haben laut Prüfbericht des Rechnungshofes (RH) die Regelpension angetreten. 81,1 Prozent gingen in Frühpension, wobei die meisten davon (77,7 Prozent) die damals noch geltende Hacklerregelung nutzten. 17,8 Prozent traten ihren Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit an.

Bundeslehrer: Bei den Bundeslehrern (das sind Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie AHS) teilte sich der Pensionsantritt laut RH wie folgt auf: 15,8 Prozent traten die Regelpension an, 76,1 Prozent gingen in einen vorzeitigen Ruhestand. Nur halb so viele Bundes- wie Landeslehrer, nämlich 8,1 Prozent, gingen wegen Dienstunfähigkeit in Pension.

ÖBB: Bei den ÖBB haben im Jahr 2012 laut Rechnungshof 54,4 Prozent der Neo-Pensionisten einen vorzeitigen Ruhestand angetreten, 41,7 Prozent gingen wegen Dienstunfähigkeit in Pension. Die Regelpension haben nur 3,9 Prozent angetreten.

Post: Bei der Post gingen laut Rechnungshofbericht im Jahr 2012 gar nur 0,5 Prozent der angehenden Pensionisten in die Regelpension. 48,9 Prozent traten den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit an, 50,6 Prozent gingen in den vorzeitigen Ruhestand.

 

 

OÖN – 20. März 2014

 

PISA-Stopp: Schüler gegen "faule Ausreden"

LINZ. Für ihre Forderung, den PISA-Test trotz der Absage durch Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) durchzuführen, bekommt Landesrätin Doris Hummer (VP) weitere Unterstützung.

Die Landesschulsprecher der AHS, Florian Lietz, und BMHS, Kevin Gusztaf, wandten sich in einer gemeinsamen Aussendung mit Hummer gegen den PISA-Stopp und sprachen von "faulen Ausreden".

Auch bundesweit gab es Kritik an Heinisch-Hosek: Ihr Verweis auf Datensicherheit sei ein "fadenscheiniges Argument", der Test sei durchzuführen, so der Schulgemeinschaftsausschuss, in dem sich Elternvereine, AHS- und BMHS-Lehrergewerkschaft sowie die Bundesschülervertretung zusammengeschlossen haben. Der Bundeselternverband an den BMHS sprach in einer Aussendung von einer "Panikreaktion" Heinisch-Hoseks.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 66 vom 20.03.2014               Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Helmut Schliesselberger

 

Österreich

 

Extrovertiert und einfühlsam

 

   Lehrer lernen. Was muss einer, der Lehrer werden will, mitbringen, was kann er lernen? Und wovon hängt es schließlich ab, ob bei der Lehrerausbildung Fässerfüller oder Fackelentzünder herauskommen?

 

   Helmut Schliesselberger Nachdem er erste Konzepte zur „Lehrerbildung neu“ kritisiert hatte, wurde Bildungswissenschafter Roland Fischer in die Expertengruppe geholt. Und Fischer, der auch im Qualitätssicherungsrat für die Lehrerbildung neu sitzt, bleibt kritisch.

 

   Das Zitat klingt nach Elisabeth Gehrer, ist aber von Heraklit. „Lernen bedeutet nicht, Fässer zu füllen, sondern Fackeln zu entzünden.“ Kann man Lehrerbildung so anlegen, dass entweder Fasslfüller oder Fackelentzünder entstehen?

 

   Fischer: Das kann man. Es hängt davon ab, wie man die Ausbildung der Lehrer gestaltet, ob man hier Fackeln entzündet oder Fässer füllt. Ähnlich wie die Lehrer ihre eigene Ausbildung erlebt haben, verhalten sie sich dann in ihrem Unterricht. Wenn man neue Formen haben will, muss man die zunächst einmal in den Ausbildungsinstitutionen praktizieren.

 

   Welche Eigenschaften muss, wer sich für die Lehrerausbildung interessiert, mitbringen?

 

   Fischer: Das eine ist Empathiefähigkeit, also sich in andere Menschen hineinfühlen können. Die andere Komponente ist eine Breite der Interessen. Selbst wenn man nur ein Fach unterrichtet, ist es günstig, wenn man keinen engen Blick hat und in der Lage ist, das eigene Fach in größerem Zusammenhang zu relativieren.

 

   Wenn man die Empathie und die Breite der Interessen nicht hat, ist das ein Ausschlusskriterium?

 

   Fischer: Ja, obwohl die zweite Komponente verändert werden kann. Es kann schon im Laufe eines Studiums der Blick geweitet werden. Die Empathie, würd’ ich sagen, müsste aber bereits da sein.

 

    Muss ein Lehrer zwangsläufig auch extrovertiert sein?

 

   Fischer: Bis zu einem gewissen Grad ja. Er agiert auf einer Bühne.

 

   Berufung zum Lehrerberuf, braucht es die?

 

   Fischer: Nein, ich glaube, wir kriegen nicht genug, wenn wir nur auf die mit einem Berufungserlebnis warten. Es gibt sehr viele Menschen, die sehr früh mit jüngeren Menschen zu tun haben wollen und sich engagieren, das ist ein guter Anfang. Es kann auch sein, dass man über das Interesse am Fach dazu kommt, dass man sagt, das ist so wichtig und ich möchte, dass viele Menschen das lernen. Aber wie gesagt, der enge Blick kann ein Hindernis sein.

 

   Das Entscheidende ist also doch die Beziehungsebene?

 

   Fischer: Das ist die Schwierigkeit bei der Lehrerbildung. Sie ist ein komplexes Ding mit vielen Komponenten. Das eine ist die Beziehungsebene, das andere ist die Sachebene. Dem Lehrer muss es dann in seiner Tätigkeit gelingen, beidem gerecht zu werden. Eine Komponente kommt dazu: Im Unterschied zum traditionellen Lehrerbild ist das Bild des Lehrers, der in einem Team mit anderen arbeitet, die Zukunft. Wobei das nicht immer Teamteaching in der Klasse bedeuten muss, es geht auch um gemeinsame Planung und stärkere Kooperation.

 

    Schon lang aktiven Lehrern ist das schwieriger zu vermitteln?

 

   Fischer: Es muss gelingen, diese Form des Lernens für die Lehrer in ihrer Ausbildung herzustellen und zu zeigen, wie positiv das erlebt werden kann , und das dann schrittweise an die Schulen zu bringen– wobei ein ganz wichtiges Element Weiterbildung ist. Wie keine andere Profession brauchen Lehrer das ein Leben lang. Da gelingt Veränderung – auch wenn Lehrer schon altgedient sind.

 

   Muss man für den Lehrerberuf als Fachexperte und Minimanager nicht eigentlich Voraussetzungen haben, mit denen man auch gleich das Zeug zum Kanzler hätte?

 

   Fischer: Sie haben recht. Als ich die Kompetenzliste gesehen habe, die wir verabschiedet haben, dachte ich, wenn ich das am Beginn meines Lehramtsstudiums gesehen hätte, hätte ich vielleicht gesagt: „Danke, das ist zu viel.“ Deswegen ist der Teamgedanke so wichtig. Aber eine Intention der Reform ist schon, besonders qualifizierte und engagierte Menschen anzusprechen. Ob es gelingt, die Besten einer Kohorte zu gewinnen, werden wir erst sehen.

 

    Unter den Rahmenbedingungen, wie sie sich jetzt abzeichnen, wird man die nicht kriegen.

 

   Fischer: Das fürchte ich. Studentenzahlen fürs Lehramt sind zwar steigend, was ich auch im Kontext der Wirtschaftsentwicklung sehe – es ist ein relativ sicherer Job. Ob es gelingt, die wirklich Guten zu kriegen, wissen wir noch nicht.

 

    Länder, die reüssieren, suchen sich die Besten aus. Wir haben eine Pensionierungswelle und klare Tendenzen , auch in der Lehrerbildung neu an Unis alle zu nehmen – auch wenn Tests negativ sind.

 

   Fischer: Bisher gab es an Unis gar keine Auswahl. Jetzt wird es ein Eignungsfeststellungsverfahren geben, selbst wenn im ersten Erprobungsschritt nur der Student entscheidet. Er kann, wenn alle sagen, „Du bist nicht geeignet“, trotzdem studieren – nur wird er sich das gut überlegen. Selbstreflexion hat schon eine Wirkung.

 

   Und wer die Ausbildung absolviert hat, geht künftig dann ganz anders ins Klassenzimmer?

 

   Fischer: Er geht mit einem weiteren Blick als bisher, mit mehr Geübtheit im Handling ins Klassenzimmer. Ganz wichtig ist, dass in einem Teil der Ausbildung Praxis und Wissenschaft zusammenwirken – ein Herzstück der Reform.

 

   Zu dieser Induktionsphase samt berufsbegleitendem Master gibt es aber Kritik an der viel zu massiven Unterrichtsbelastung.

 

   Fischer: Das halte ich für Unsinn, ins Dienstrecht reinzuschreiben, dass die bis zu 22 Stunden unterrichten müssen. Ich würde das als Maximalrahmen interpretieren, bis zu dem Leute eingesetzt werden können, wenn Not am Mann ist. Unser Richtwert wäre 50 Prozent Einsatz gewesen.

 

   Wer aus dieser Ausbildung kommt, taucht nie mehr in den Kreislauf des Auswendiglernens, Abprüfens und Vergessens ein?

 

   Fischer: Garantie gibt es keine, aber ich bin sicher, es wird mehr gute Lehrer geben, die ein anderes Verständnis von ihrem Job haben und das technische Handwerk besser können, weil sie es eingeübt haben und zudem auch besser miteinander kooperieren können.

 

 

SN – 20. März 2014

Letzte Chance für eine schnelle Lehrerausbildung

Ab 2015 müssen Volksschullehrer fünf statt drei Jahre studieren. Bei Absolventen der Pädagogischen Hochschule fällt ein ganzer Jahrgang aus

thomas hödlmoser salzburg (SN). Die angehenden Studenten, die sich heute, Donnerstag, beim Tag der offenen Tür an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Salzburg informieren, sind die letzten, die nach drei Jahren Ausbildung schon an Volksschulen unterrichten können.

Künftig dauert das Studium deutlich länger. Ab Herbst 2015 braucht es mindestens vier Jahre bis zum Bachelorabschluss und ein weiteres Jahr für den Mastertitel. Volksschullehrer müssen in Zukunft also fünf statt drei Jahre studieren. Allerdings sollen sie schon nach vier Jahren parallel zum Masterstudium an Schulen unterrichten können. Das sei auch unbedingt nötig, sagt Elfriede Windischbauer, Rektorin an der PH Salzburg. Denn schon ein vierjähriges Bachelorstudium bedeute, dass beim Übergang zum neuen System ein ganzer Jahrgang von Absolventen wegfalle. „Bei einem fünfjährigen Studium würden zwei Jahrgänge ausfallen. Da würde das Bildungssystem zusammenbrechen.“

Die Hochschulen arbeiten derzeit mit Hochdruck an den neuen Studienplänen. Und sie bestimmen selbst die Schwerpunkte, die sie in der Ausbildung der Volksschullehrer setzen wollen. In Salzburg zum Beispiel werden die Pädagogen künftig mehr Naturwissenschaft lernen. Damit reagiert die PH Salzburg auf das schlechte Abschneiden österreichischer Schüler bei internationalen Vergleichstests. „Und wir wissen aus der Forschung, wie wichtig es ist, naturwissenschaftliches Interesse zu wecken, schon in der Volksschule“, sagt Windischbauer. Auch „ästhetische Bildung“ ( Bildnerische Erziehung, Musik, Werken) und gesellschaftliches Lernen werden forciert.

Bei der Ausbildung der Volksschullehrer habe bisher die Musik dominiert, sagt Windischbauer. „In Zukunft wird es im Pflichtteil der Ausbildung viel Deutsch und Mathematik und weniger Musik geben.“ Die Rektorin hofft, so auch mehr Männer für die Arbeit an Volksschulen gewinnen zu können. Bisher hätten sich viele von dem musikalischen Schwerpunkt in der Lehrerausbildung abschrecken lassen.

Neu ist auch, dass die Studierenden künftig Praktika außerhalb der Hochschule absolvieren werden – etwa in Unternehmen, Kultureinrichtungen oder Bibliotheken. In Salzburg wird zudem das selbstständige Lernen der Schüler forciert. Das erste Resümee der Studierenden fällt positiv aus. Das freie Lernen sei unglaublich motivierend, sagt Lisa Lindner, eine der Studentinnen, die an einem entsprechenden Studienversuch teilnehmen. „Man merkt in der Gruppe, dass die Motivation sehr hoch ist“, sagt ihr Kollege Johannes Köstler.

Die neue fünfjährige Ausbildung von Lehrern der Sekundarstufe (Hauptschulen, Neue Mittelschulen, AHS, BHS) startet dann im Herbst 2016.

 

 

Der Standard – 20. März 2014

 

 

"Pisa-Absage ist Armutszeugnis für marode Bildungspolitik"

Markus Rohrhofer

Das vorläufige Aus der Pisa-Tests bringt die heimische Bildungsdebatte endgültig in eine gewaltige Schieflage. Beim schwarzen Lehrertreff in Linz ist der rote Vorstoß auf jeden Fall klar durchgefallen

Linz - Musik macht gerne angespannte Menschen irrsinnig locker. Wohl der Grund, warum die Big Band des Borg Grieskirchen an diesem Mittwochmorgen ganz besonders beherzt in die Tasten greift. "You can dance, you can jive, having the time of your life ..." Gut, jetzt mag Abba vor dem zweiten Morgenkaffee etwas heftig sein, der Stimmung beim Bundeslehrertag der Fraktion Christlicher Gewerkschafter im Donauforum der Oberbank in Linz tat der Schweden-Pop jedoch keinen Abbruch.

Mit einem herzhaften "Dancing Queen, feel the beat from the Tambourine ..." starteten die rund 1500 FCG-Lehrer dann in einen durchaus brisanten Vormittag. Auf dem Lehrplan stand vor allem ein Thema: Die Pisa-Absage und der Wunsch nach einem Oberösterreich-Ableger. Zunächst nutzte Bildungslandesrätin Doris Hummer (ÖVP) die Gunst der Stunde und schrieb Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erneut ins "Klassenbuch", dass sie sich einen Alleingang beim Pisa-Test 2015 nicht verbieten lasse: "Da mach ich sicher nicht mit. Man kann sich nicht einfach von einem internationalen Gradmesser verabschieden. Wir schädigen damit das Ansehen unseres Landes enorm."

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) setzt nach: "Wir brauchen den Vergleich nicht zu scheuen." Und außerdem sei es "sowieso lächerlich, wenn man Monate braucht, um ein Datenleck zu schließen". Unter den versammelten Lehrern fällt das Testergebnis für das ministerielle Pisa-Veto entsprechend schlecht aus. Es sei "skandalös" und ein "Armutszeugnis für die ohnehin marode Bildungspolitik", lässt eine junge Lehrerin zwischen Grüntee und Mohnkrone ihrem Ärger freien Lauf.

"Reiner Populismus" sei es - und eine "PR-Masche, um die Ministerin bekannter zu machen", setzt eine Kollegin nach. Mit einer Oberösterreich-Teilnahme können beide aber "nichts anfangen".

Im Saal hat Bildungsforscher Stefan Hopmann das Podium erklommen und erntet für seine schonungslose und pointierte Analyse viel Applaus: "Kurzfristig auf den Panikknopf zu drücken macht uns national wie international unglaubwürdig."

Auf kein Verständnis trifft der verhängte vorläufige Stopp aller vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführten Schulleistungserhebungen auch bei der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen.

Doch es gibt auch Befürworter: Für Wolfmar Schauer, einen Lehrer an der Tourismusschule Bad Ischl, ist die Pisa-Absage ein "mutiger Schritt". Die Nachdenkpause müsse aber "ordentlich genutzt" werden. "Man muss umdenken, es fehlt die Leistungsbereitschaft. Schule macht nicht nur Spaß."

Roter Pädagogengipfel

Parallel zum schwarzen Lehrertreff lud am Mittwoch in Linz auch der Bund Sozialistischer Akademiker (BSA) zum Bundeslehrer-Event. 300 Pädagogen diskutierten im neuen Kulturtreff "Central" über rote Bildungskernthemen wie die Neue Mittelschule und eine ganztägige Schulform.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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