Mittwoch, 26. März 2014

2014.03.26: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 26. März 2014

 

 

Grossmann folgt Rudas: Gegen Provinzialismus

Die neue Bildungssprecherin der SPÖ fordert mehr Kompetenzen für den Bund. Die Steirerin Grossmann ist im Bildungsbereich keine Unbekannte. Immerhin hat sie in der Steiermark Erfahrungen als Bildungslandesrätin gesammelt.

Wien. Elisabeth Grossmann wird neue SPÖ-Bildungssprecherin. Die 45-Jährige folgt damit Laura Rudas nach, die ihren Parlamentssitz zugunsten eines Studiums in Stanford aufgegeben hat. Die Steirerin Grossmann ist im Bildungsbereich keine Unbekannte. Immerhin hat sie in der Steiermark Erfahrungen als Bildungslandesrätin gesammelt.

Zur Fürsprecherin der Länder will Grossmann in ihrer neuen Funktion aber wie es scheint nicht werden. „Wir müssen weg vom Provinzialismus. Es kann nicht sein, dass jedes Bundesland nur die eigenen Ideen umsetzen möchte“, so Grossmann im Gespräch mit der „Presse“. Sie wünscht sich ein „Bildungssystem aus einem Guss“. Was die Kindergärten betrifft, soll der Bund beispielsweise „mehr Verantwortung übernehmen“, sagt die SPÖ–Bildungssprecherin.

Gesamtschule als Ziel

Außerdem stärkt Grossmann ihrer Parteikollegin und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek den Rücken. Es sei „sehr verantwortungsbewusst“ gewesen, den Stopp aller Bildungstests zu veranlassen. Und: Es sei „unfair gegenüber der Ministerin“ zu sagen, dass dieser parteipolitisch motiviert war. Das sagt Grossmann übrigens nicht nur als neue SPÖ-Bildungssprecherin, sondern auch als Datenschutzsprecherin der Partei.

Die Gesamtschule ist für die Mutter zweier Söhne übrigens das klare politische Ziel. Sie werde als SPÖ-Bildungssprecherin in den kommenden Jahren Argumentationsarbeit leisten und versuchen, den Koalitionspartner ÖVP auf diese Weise umzustimmen. (j.n.)

 

 

Die Presse – 26. März 2014

 

 

Die Mängel der Neuen Mittelschule

Die Leistungen lassen zu wünschen übrig, das Teamteaching funktioniert nicht wirklich, und das Notensystem ist verwirrend: Die Rufe nach einer Reform der NMS werden immer lauter.

von Rosa Schmidt-Vierthaler Und Julia Neuhauser  (Die Presse)

Wien. Schönreden war gestern. Heute sieht man den Problemen bei der Neuen Mittelschule (NMS) ins Auge. Zumindest könnte man die Politiker-Aussagen in den vergangenen Tagen und Wochen mit etwas Optimismus so interpretieren.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gestand vor gut einer Woche, dass bei der NMS „nicht immer alles optimal funktioniert“. Und Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer (ÖVP) forderte vor wenigen Tagen sogar ein Korrekturpaket für die Neue Mittelschule. Konkrete Pläne blieben aber beide schuldig. Deshalb hat sich „Die Presse“ angesehen, warum das einstige Prestigeprojekt an Glanz verloren hat – und was verbessert werden muss.

1Das Prestigeprojekt: Startbonus ging verloren, Leistung mangelhaft.

Das Ziel war klar: Die Neue Mittelschule sollte besser sein als die Hauptschule – oder gar dem Gymnasium Konkurrenz machen. Daran ist der neue Schultyp, wie es scheint, vorerst gescheitert. Zumindest legen das die ersten Vergleiche nahe. Die Bildungsstandard-Testung im Fach Englisch zeigte nämlich nicht nur, dass Gymnasiasten klar bessere Leistungen erbringen als NMS-Schüler. Sie machte auch deutlich, dass die NMS nicht besser ist als die Hauptschule.

Einen umfassenden Leistungsvergleich zwischen den Schultypen gibt es aber (noch) nicht. Eigentlich sollte die NMS schon vor ihrer flächendeckenden Einführung evaluiert werden. Die Regierung sagte das allerdings ab. Nun gilt es, die Evaluierung schnell voran zu treiben und auf die Ergebnisse auch mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren.

2Das Teamteaching: Gemeinsames Unterrichten als Mogelpackung.

Der gleichzeitige Einsatz von zwei Lehrern unterschiedlicher Schultypen im Unterricht ist das Herzstück des neuen Schultyps. Die eigentlich gewünschte Wirkung hat das Konzept aber noch nicht erzielt.

Eigentlich sollten NMS-Lehrer von Lehrern höherer Schulen unterstützt werden. Gesetzlich verankert ist diese Zusammenarbeit aber nicht. Und in der Praxis finden sich derzeit zu wenig motivierte AHS- und BHS-Lehrer, die freiwillig an Neuen Mittelschulen unterrichten. Der zunehmende Lehrermangel erschwert die Situation zusätzlich. Dementsprechend stehen beim Teamteaching vielfach – etwa im Mangelfach Mathematik – einfach zwei NMS-Lehrer in der Klasse.

Außerdem sieht das Gesetz vor, dass das Teamteaching in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch stattfinden muss. Diese Vorgabe ist aber nicht nur schwer zu erfüllen, sie gefällt auch nicht jedem. Der oberösterreichische Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP), der gestern gemeinsam mit seinen Kollegen zum Gespräch bei der Ministerin geladen war, wünscht sich beispielsweise, dass Schulen selbst entscheiden können, in welchen Fächern sie die zwei Lehrer einsetzen.

Einerseits könnten damit bewusst Schwerpunkte gesetzt werden. Andererseits besteht die Gefahr, dass dann in Zeichnen und Musik zwei Lehrer unterrichten – nicht aber in zentralen Unterrichtsfächern wie Mathematik oder Deutsch. Das würde die ursprüngliche Idee konterkarieren.

3Der Weg in die AHS: NMS-Schüler werden häufig abgewiesen.

Mit dem Zitat „Wir nehmen keine Schüler aus der Neuen Mittelschule“ sorgte eine Wiener AHS kürzlich für Aufregung. Es machte eines deutlich: Das elementare Ziel der NMS, die Durchlässigkeit zwischen den Schultypen zu erhöhen, wurde (noch) nicht erreicht. Da hilft auch die gesetzliche Gleichstellung nur bedingt. Beim Übertritt in Oberstufengymnasien sind NMS-Absolventen jenen aus der AHS-Unterstufe bei entsprechenden Noten zwar rechtlich gleichgestellt. Ein Wechsel in ein achtjähriges Gymnasium ist aber immer noch schwierig.

4Der gemeinsame Schultyp: AHS weigern sich, zur NMS zu werden.

Das Türschild zu wechseln und zur Neuen Mittelschule zu werden, ist offenbar nur für Hauptschulen attraktiv. Die Gymnasien, die ursprünglich ebenso für das Projekt gewonnen werden sollten, waren nicht zu begeistern. Und so sind von mehr als 900 Neuen Mittelschulen, die es derzeit bereits in Österreich gibt, lediglich elf frühere Gymnasien. Dass das dem Image der neuen Schulform schadet, weiß auch Bildungsministerin Heinisch-Hosek. Sie kündigte bereits an, an den Gymnasien verstärkt für eine Umwandlung zur NMS zu werben.

5Die Noten: Zwei Systeme bei der Beurteilung stiften Verwirrung.

Auch am neuen Benotungssystem der NMS hagelt es Kritik – sowohl von Lehrern als auch von Eltern. Statt der Leistungsgruppen gibt es nun in den Hauptfächern zwei Beurteilungssysteme: Die besseren Schüler werden nach „vertieften“ Bildungszielen bewertet – hier gibt es die Noten „Sehr gut“ bis „Genügend“. Wer schlechter ist, wird in der „grundlegenden“ Bildung eingestuft. Hier können die Schüler nur „Befriedigend“ bis „Nicht Genügend“ erhalten.

Ein Wirrwarr: Wenn sich etwa ein schlechter Schüler von einem Vierer auf einen Zweier verbessert, rutscht er ins bessere Benotungssystem und erhält erst wieder einen Vierer. Die Erstellung von Schularbeiten und die Notenvergabe überfordern viele Lehrer. „Das wirre Notensystem untergräbt das Vertrauen“, sagt Bildungswissenschafter Stefan Hopmann. Die Gewerkschaft drängt nun darauf, zur Notenskala Eins bis Fünf zurückzukehren. Angesichts der Verwirrung dürfte das eine gute Idee sein.

 

 

Die Presse – 26. März 2014

 

 

Bringt Erlass Sprachreisen in Gefahr?

Reform bei den Freiplätzen für Lehrer könnte künftig Schulbudgets belasten. Die Lehrer befürchten, dass Schulveranstaltungen in Zukunft in Gefahr sind – und aus Kostengründen nicht mehr durchgeführt werden können.

Wien. Sprachreisen, Wien-Woche, Skikurse oder andere mehrtägige Schulausflüge: Die Lehrer befürchten, dass solche Schulveranstaltungen in Zukunft in Gefahr sind – und womöglich aus Kostengründen nicht mehr durchgeführt werden können. Grund dafür: ein Erlass, an dem im Bildungsministerium derzeit gearbeitet wird – und der vor dem Hintergrund von Änderungen im Korruptionsstrafrecht notwendig wird.

Wie „Die Presse“ erfahren hat, geht es um die kostenlosen Plätze, die den Schulen bei solchen Reisen oder längeren Ausflügen häufig vom Reiseveranstalter zur Verfügung gestellt werden. Bisher wurden diese Freiplätze an den höheren Schulen üblicherweise von begleitenden Lehrern in Anspruch genommen – was nicht zuletzt das Schulbudget schonte.

Wie künftig mit Freiplätzen umgegangen werden soll, ist noch unklar. Aus dem Bildungsministerium gibt es vorerst keine Details – man sei diesbezüglich in Kontakt mit dem Justizressort. AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin geht davon aus, dass Ermäßigungen, die durch die Freiplätze entstehen, in Zukunft auf alle Mitreisenden aufgeteilt werden könnten.

Ersparnis für Schüler

Für Schüler (und Eltern) wäre eine solche Lösung grundsätzlich positiv: Die Reisen würden so ein wenig billiger. Für die ohnehin knappen Schulbudgets könnte das aber zu einer Belastung werden. Die Lehrer zahlen solche Veranstaltungen ja nicht aus eigener Tasche – sondern stellen anfallende Reisekosten der Schule in Rechnung.

Lehrervertreter Quin fordert daher – sollte die Reform in der Form kommen – eine Aufstockung der Schulbudgets. Sonst bestehe nämlich die Gefahr, dass es in Zukunft deutlich weniger solche mehrtägige Schulveranstaltungen gebe. „Bei den anderen Budgetposten – von Strom über Heizung bis Toilettenpapier – kann eine Schule schlecht sparen.“ (beba)

 

 

Die Presse – 26. März 2014

 

 

Deutsche erkämpfen sich das 13. Schuljahr zurück

2004 wurde die Gymnasialzeit auf die anderswo üblichen acht Jahre verkürzt. Nach massiven Protesten droht das „Turbo-Abi“ nun zu scheitern. Niedersachsen kehrt zu „G9“ zurück.

Von Karl Gaulhofer  

Berlin. Wir haben es in Physik gelernt: Energie ist Masse mal Lichtgeschwindigkeit. Ein Experiment der deutschen Bildungspolitik zeigt vergleichbare Effekte schon bei weit geringerer Beschleunigung. Im Jahr 2004 startete der Westen Deutschlands die „G8“-Reform: Die Gymnasialzeit wurde von neun auf die international üblichen acht Jahre verkürzt. Weil die Umstellung überhastet erfolgte, blieb die Masse des Lernstoffs anfangs gleich. Die Schüler mussten also schneller lernen. Mehr Stress, weniger Freizeit, klagte man bald allerorten. Das setzte zeitverzögert sehr viel Energie bei zornigen Eltern frei. Heute reagiert die Politik.

Keine zehn Jahre nach der schwierigen Umstellung steht das „Turbo-Abi“ vor dem Scheitern. Als erstes Bundesland hat Niedersachsen die radikale Kehrtwende vollzogen. Vorigen Donnerstag verkündete die dortige Kultusministerin, ab dem Schuljahr 2015/16 alle Gymnasien des Landes das 13. Schuljahr wieder einzuführen. Die Verkürzung habe sich als „folgenschwerer Irrtum“ erwiesen. In Hessen können die Schulen schon länger zwischen den beiden Varianten wählen. Das Votum ist eindeutig: 80 Prozent der Gymnasien sind zu G9 zurückgekehrt. Rheinland-Pfalz hat die Reform erst gar nicht mitgemacht. In Bayern läuft ein Volksbegehren für die Wahlfreiheit. Und es wird wohl nicht lange dauern, bis Landesvater Seehofer, ein Seismograf des Volksempfindens, als Lokführer auf den Zug aufspringt.

Dabei war es sein Vorgänger Stoiber, der um die Jahrtausendwende Bayern als erstes Bundesland auf G8-Kurs gebracht hat. Wirtschaftsvertreter und Bildungsökonomen hatten die Verkürzung schon seit den 1980er-Jahren gefordert: Ein Jahr mehr Schule als überall anders, das sei zu teuer, halte die Jugendlichen vom Arbeitsmarkt fern und schade der Wettbewerbsfähigkeit. Heute klagen Eltern, ihre Kinder litten unter mehr Stress und hätten kaum noch Zeit für Muße. Für Feuilletonredakteure unterwirft G8 die selige Jugendzeit einer grausamen Ökonomisierung und Beschleunigung.

Mehr Unterricht in Österreich

Die Wirtschaft hält kaum noch dagegen. Denn durch das Ende der Wehrpflicht und das verschulte Bologna-Studium gelten Uni-Absolventen heute bei vielen Personalern als eher zu jung, unreif und unerfahren. Was aber ist dran an den Klagen? Die Lehrpläne sind mittlerweile gestrafft und entrümpelt. Bleibt die zeitliche Mehrbelastung: Die gleiche Gesamtstundenzahl wurde auf weniger Jahre aufgeteilt. Statt früher 30 müssen Gymnasiasten heute 33,1 Stunden pro Woche die Schulbank drücken. Und sie kommen im Schnitt erst eine Stunde später nach Hause.

Wie aber sieht es in Österreich aus, wo die AHS seit jeher acht Jahre dauert? Auf den ersten Blick kommen heimische Mittelschüler mit 31,2 Wochenstunden besser weg. Allerdings dauern ihre Schulstunden länger: 50 statt 45 Minuten. In echten Stunden gezählt, wird hierzulande sogar mehr unterrichtet: 26 statt 24,8 Stunden pro Woche. Berücksichtigt man Differenzen bei Ferien und Feiertagen, verbringen österreichische Gymnasiasten immer noch etwas mehr Zeit im Klassenzimmer als die deutschen. Wer freilich nichts anderes kennt, regt sich nicht auf – wie in den „neuen Ländern“, wo ein 13. Schuljahr nie Thema war. Denn auch in der DDR galten Schüler schon nach zwölf Jahren als hochschulreif.

 

 

KLZ– 26. März 2014

 

Grossmann neue Bildungssprecherin

Elisabeth Grossmann wird neue Bildungssprecherin der SPÖ und damit Nachfolgerin von Laura Rudas, die ihren Parlamentssitz zu Gunsten eines Studiums in Stanford aufgegeben hat.

Die Steirerin hat in ihrem Heimatbundesland bereits einschlägige Erfahrung als Bildungslandesrätin gesammelt.

Aufgesplittet werden die Wirtschaftsagenden. Christoph Matznetter ist in Zukunft Sprecher "für allgemeine Wirtschaftspolitik". Cornelia Ecker bleibt Sprecherin für den Bereich Wirtschaft mit dem Schwerpunkt KMU und EPU. Kai Jan Krainer hat für sich den Doppelposten des Finanz- und Budgetsprechers gerettet.

 

 

Kurier – 26. März 2014

 

 

Neue Mittelschule schaut alt aus.

Nach einem KURIER-Bericht will die Ministerin Diskriminierung von NMS-Schülern überprüfen

 

 

 

Alle neun österreichischen  Landesschulratspräsidenten mussten am Dienstag zum Rapport. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek wollte  wissen, in welchem Ausmaß Schüler der Neuen Mittelschule (NMS) benachteiligt werden, wenn sie einen AHS-Platz suchen.
Hintergrund ist ein Bericht des KURIER, dass viele  AHS-Direktoren Schüler aus der NMS grundsätzlich ablehnen. Und das, obwohl Ex-Unterrichtsministerin Claudia Schmied, die die NMS-Reform eingeleitet hatte, den Eltern  einst  genau das Gegenteil versprochen hatte, nämlich dass  die Kinder  nach vier Jahren mühelos ins Gymnasium wechseln könnten. Jetzt müssen die Eltern  feststellen, dass sie betrogen wurden und ihren Kindern eben nicht alle Wege offenstehen.

Ohne Ergebnis

Die Landesschulräte konnten gegenüber der Ministerin dieses Problem offenbar nicht bestätigen. Es gäbe beim Wechsel von Schülern der NMS in eine AHS soweit bekannt keine Probleme. Wenn es zu Abweisungen von NMS-Schülern komme, wurde Heinisch berichtet, dann nur, weil in den fünften Klassen der Gymnasien einfach keine Plätze mehr verfügbar seien. Und das sei fast nur  in den in Ballungsräumen beliebten AHS-Langformen der Fall. „Uns ist die Frage der Durchlässigkeit des Systems (die Möglichkeit zwischen den verschiedenen  Schultypen zu wechseln) exorbitant wichtig“, erklärte die Sprecherin von Heinisch-Hosek nach dem Treffen. „Wir werden uns jetzt die Antworten der Landesschulratspräsidenten genau ansehen.“ Ob, und wenn ja welche Konsequenzen die Ministerin für das Reformprojekt Neuen Mittelschulen ziehen will, blieb am Dienstag offen. 

 

Kurier – 26. März 2014

 

S.O.S. der NMS: Lehrer klagen über Reformfehler

Schulwechsel für 14-Jährige bleibt dramatische Hürde. „Aufnahmeprüfungen für alle wären gerechter“

Während die Politik über die aktuellen Probleme diskutiert, stehen Tausende Lehrer in den Klassenzimmern und müssen das beste aus der Situation machen. Dass Schüler am Ende der NMS (Neue Mittelschule), also mit 14 in der achten Schulstufe, gegenüber AHS-Schülern diskriminiert werden, wird immer wieder bestätigt. Für  die NMS-Lehrerin Alexandra Piringer  ist das „ein unerträglich Zustand. Die Politik muss das ändern“, fordert sie.   Piringer  lehrt in der Lerngemeinschaft 15 (LG15)  in Wien – einer Alternativschule, die Kinder von der  1. bis zur  8. Schulstufe unterrichtet.  Sie hat  in ihrem Berufsleben schon einige Schüler   auf dem Weg in die Oberstufe begleitet: „Wir setzen auf den Markennamen LG15,  denn mit einem reinen NMS-Zeugnis werden die  Schüler bei der Anmeldung in  höheren Schulen oft schlechter eingestuft als AHS-Schüler, obwohl sie genauso gut sind.“

Aufnahmeprüfungen

Besonders empöre sie, dass „unsere Schüler es sich  nicht leisten können, einen pubertären Durchhänger zu haben. Wer  einen Dreier oder  Vierer im Zeugnis hat, hat kaum Chancen auf einen Platz in höheren Schulen. Dieses Sorgen muss sich ein AHS-Schüler, der lauter Vierer hat, nicht machen.  Aufnahmeprüfungen für alle wären  gerechter“, fordert die erfahrene Lehrerin.
Dubiose NotenskalaBenachteiligt werden die Schüler etwa durch die Notengebung an den NMS. Dort gibt es in den Hauptfächern  eine siebenteilige Notenskala: „Sehr gut“ bis „ Genügend“ auf AHS-Niveau sowie „Befriedigend“ bis „Nicht Genügend“ auf Hauptschulniveau. Die Krux dabei: Während ein AHS-Kind mit einem Fünfer die Klasse wiederholen kann, wird ein NMS-Schüler auf Hauptschulniveau heruntergestuft.   Der Weg in  höhere Schulen bleibt ihm  damit so gut wie sicher  versperrt – auch wenn  der Schüler nur ein momentanes Leistungstief hat.
„Das  ganze  Konzept funktioniert nicht so einfach wie manche Politiker das meinen“, stellt Sissi Nielson fest. Prinzipiell, erklärt sie, befürwortet sie die Idee einer gemeinsame Schule. Sie unterrichtet an der Wiener  Theodor-Kramer-Straße  – eine AHS, die als NMS geführt wird –  und sieht darin  eine „Chance für Kinder aus bildungsfernen Familien“.

Dennoch gebe es große Probleme bei der NMS: „Es wird zu viel von oben vorgegeben. Wenn die Gesamtschule gelingen soll, braucht es  eine echte Autonomie für die Schulen. Denn wir Lehrer haben  viele Ideen und würden diese auch gut  umsetzen.“
Auch der  soziale Mix stimme an vielen NMS-Standorten nicht. „Ehemalige Hauptschulen werden nicht besser, nur weil dort ein paar  Professoren unterrichten.“  Das Problem sei, wie eine Klasse zusammengesetzt sei. „Die Schülergruppe hat einen größeren Einfluss auf den Lernerfolg als der Lehrer. Mehr als ein  Drittel schwacher Schüler sollten in keiner Klasse sitzen“, sagt Nielson.
Aus diesen Schulen werden dann in der Praxis auch kaum Schüler aufgenommen, obwohl das theoretisch möglich ist. „Als Direktor weiß man bald, an welchen Mittelschulen das Niveau passt und wo nicht“, sagt der ehemalige BORG-Direktor Michael Jahn. „Als Schulleiter reagiert man darauf.“

 

 

Wiener Zeitung – 26. März 2014

 

Neue Mittelschule

Krisengipfel zur Neuen Mittelschule

 

 

 

 

 

 

 

Von Petra Tempfer

 

·         Die Landesschulratspräsidenten konfrontierten Heinisch-Hosek mit Reformwünschen.

 

 

Wien. Um sich weitere negative Evaluierungsergebnisse für die Neue Mittelschule (NMS) zu ersparen, sei Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek das Bifie-Datenleck gelegen gekommen - so wurde gemunkelt. Denn bei der Bildungsstandardtestung, deren Ergebnisse im Jänner bekanntgegeben wurden, erreichten die Schüler der NMS trotz höherer Kosten dieser Schulform nur die gleichen Resultate wie jene der Hauptschulen. Ein Stopp sämtlicher Bildungstests war in Diskussion.

"Es müssten alle Alarmglocken läuten", sagte dazu Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) und forderte ein Korrekturpaket. Am Dienstag traten sämtliche Landesschulratspräsidenten geschlossen bei Heinisch-Hosek vor - die sechs Schwarzen unter ihnen drängten auf eine Reform der NMS. Der Chef der schwarzen Landesschulratspräsidenten, der Oberösterreicher Fritz Enzenhofer, sprach sich dafür aus, dass NMS "mehr Gestaltungsspielraum" beim Bilden von (Leistungs-)Gruppen bekommen. Konkret könne er sich vorstellen, dass es eine Gruppe für die besseren und eine für die schlechteren Schüler mit je einem Lehrer gebe, statt eine große Gruppe im Team zu unterrichten. Derzeit stehen an den NMS in Deutsch, Mathematik und Englisch zwei Lehrer gemeinsam in der Klasse.

Ruf nach mehr Autonomie
Generell wünschen sich die schwarzen Landesschulratspräsidenten mehr Autonomie. Enzenhofer plädierte dafür, dass die Schulen entscheiden dürfen, was an ihrem jeweiligen Standort gebraucht wird. Das Unterrichten im Team etwa soll in anderen Fächern ebenfalls möglich sein, zudem sollen Geld und Personal autonom eingesetzt werden dürfen.

Das Regierungsprogramm von SPÖ und ÖVP sieht zwar vor, dass künftig ein Drittel der Ressourcen auch in anderen Fächern eingesetzt werden darf. Das Bilden von (Leistungs-)Gruppen ist allerdings stark eingeschränkt und laut Gesetz nur "temporär" erlaubt.

Zu welchem Ergebnis die Beteiligten am Krisengipfel Dienstagnachmittag gekommen sind, war zu Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Vorab wollte sich das Unterrichtsministerium nicht dazu äußern, wie es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" hieß.

Die Neue Mittelschule ist seit 1. September 2012 Regelschule. Bis zum Schuljahr 2015/16 sollen sich mittels Stufenplan alle Hauptschulen zu Neuen Mittelschulen entwickeln. Die AHS-Unterstufen sind eingeladen, sich an diesem Projekt zu beteiligen.

Mit dem Schuljahr 2013/14 gibt es in Österreich 936 Neue Mittelschulen. Das sind um 245 Standorte mehr als im Schuljahr davor. Damit ist eine Flächendeckung von bereits 80 Prozent erreicht.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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