Freitag, 28. März 2014

2014.03.28: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 28. März 2014

 

 

Gratisnachhilfe für Wiener Schüler

Die Wiener SP plant, ab Herbst die Gratisnachhilfe für alle Pflichtschüler einzuführen, die sie brauchen. Kosten soll sie 18 bis 20 Mio. Euro, Eltern sollen sich 600 Euro pro Jahr ersparen.

Rust. Der Druck in der Schule steigt. Bereits ein Drittel der Kinder in österreichischen Gymnasien benötigt private Nachhilfe, an der Neuen Mittelschule sind es laut einer Studie der Arbeiterkammer 17Prozent. Aber nicht jeder, der Nachhilfe benötigt, bekommt sie auch. Denn private Nachhilfestunden sind teuer (laut AK-Studie durchschnittlich 600 Euro pro Jahr).

Viele Eltern würden sich das nicht leisten können, sagte Wiens Bürgermeister, Michael Häupl, am Donnerstag bei der SPÖ-Klubklausur in Rust. Deshalb werde Wien nach dem Gratiskindergarten ab dem kommenden Schuljahr die Gratisnachhilfe für Pflichtschüler (also auch AHS-Unterstufe) einführen: „Es geht um Chancengleichheit“, sagte Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch der „Presse“. Reiche Eltern würden sich Nachhilfestunden problemlos leisten können, sozial schwächere Familien nicht – es sei nicht akzeptabel, dass nicht alle Kinder dieselben Bildungschancen hätten, nur weil sie aus sozial unterschiedlichen Schichten kommen würden.

Wien investiert 20 Mio. Euro

Wie sieht das Modell konkret aus? Rund 400 Lehrer stellt die Stadt Wien für die Gratisnachhilfestunden zur Verfügung (derzeit arbeiten rund 13.000 Lehrer für die Stadt Wien). 200 der 400 Nachhilfelehrer werden neu aufgenommen (laut Oxonitsch gibt es dafür genügend Anwärter), 200 werden von Volkshochschulen bzw. aus dem bereits vorhandenen Lehrpersonal gestellt. Damit stellt erstmals ein Bundesland eigene Lehrer an bzw. bezahlt diese selbst. In den Klassen wird dann ermittelt, welches Kind Nachhilfe benötigt. Diese Kinder erhalten dann in Gruppen Nachhilfeunterricht an den Schulen bzw. Volkshochschulen. Durchschnittlich bekommt jede Schule 22 Nachhilfestunden pro Woche finanziert – diese Stunden werden in Gruppen bis zu circa 20 Kindern abgehalten. In der Praxis stehen vor allem Mathematik, Naturwissenschaften, Deutsch und Fremdsprachen im Mittelpunkt. Wie viele der 150.000 Wiener Pflichtschulkinder künftig die Gratisnachhilfe bekommen, ist derzeit noch offen.

„Mit dieser Förderung ersparen sich die Wiener Eltern rund 600 Euro pro Jahr“, erklärte Häupl, der darauf hinwies: Nicht nur sozial Schwache, sondern auch der Mittelstand profitiere von der neuen Gratisnachhilfe und werde damit finanziell entlastet. Die Stadt Wien selbst kostet die Einführung der Gratisnachhilfe geschätzte 18 bis 20 Millionen Euro pro Jahr. Das Projekt muss jetzt noch mit dem grünen Koalitionspartner akkordiert werden, Oxonitsch rechnet allerdings mit der vollen Unterstützung. Man sei in der Bildungspolitik auf derselben Ebene wie der Koalitionspartner.

Ein Grund für die Einführung der Gratisnachhilfe: Jährlich geben die Österreicher rund 100 Millionen Euro für die Nachhilfe ihrer Kinder aus – Tendenz sinkend, weil sich laut AK-Studie immer weniger Eltern die teuren Nachhilfestunden leisten können. Demnach versuchen Eltern dann oft selbst die Nachhilfe zu übernehmen (rund 80 Prozent gaben an, ihre Kinder gelegentlich bei Hausübungen zu unterstützen), eine effektive Nachhilfe erhalten aber wenige Kinder.

Weitere Details werden bis Herbst erarbeitet, etwa ob Kinder mit Förderbedarf während des Unterrichts aus der Klasse genommen oder nach dem Ende des regulären Unterrichts gefördert werden. Als Vorbild nennt Häupl auch die katholischen Schulen. Dort würden Kinder in Ganztagsschulen in Form eines verschränkten Unterrichts betreut und gefördert.

 

 

Die Presse – 28. März 2014

 

 

Ein PR-Gag - mit ein bisschen Potenzial

Grundsätzlich sind mehr Lehrer eine gute Idee.

Es ist zunächst erfrischend, wenn Ideen zur Schule einmal nicht an der lähmenden Frage nach dem besseren Schultyp hängen bleiben – Gymnasium oder Gesamtschule –, sondern in den Schulen ansetzen. Und es ist klar, dass jegliche Investition in heimische Schulen keine schlechte Idee ist – womöglich sogar eine dringend notwendige, besonders in Wien.

Was skeptisch macht, ist aber nicht allein, dass das Projekt ziemlich unausgegoren anmutet. Da ist etwa die Frage, woher man in Zeiten des Lehrermangels 200 Lehrer kriegen will. Es ist vor allem der Begriff „Gratis-Nachhilfe“. Erstens ist Nachhilfe eine Bankrotterklärung für die Schule. Zweitens liegt der Verdacht nahe, dass man vor allem Eltern betören will, die bisher hunderte Euro in Nachhilfe investieren mussten. Eine nachhaltige Verbesserung des Systems sieht anders aus, das hier ist maximal kosmetische Öffentlichkeitsarbeit. Hoffen wir, dass zumindest irgendetwas Positives daraus wird.

 

 

Der Standard – 28. März 2014

 

 

"Familie ist der vernachlässigtste Teil in der Schule"

Interview | Lisa Nimmervoll

Alfred S. Posamentier, Dekan der School of Education am Mercy College New York, über gute Direktoren und mittelmäßige Lehrer, sein "Bravo!" zu Österreichs Pisa-Stopp, schöne Mathematik und jenen Kurs am Mercy, der die Schulleiter aus Österreich überhaupt nicht interessiert hat

STANDARD: Worauf legen Sie als Dekan der Mercy College School of Education in New York bei der Lehrerausbildung besonderen Wert?

Posamentier: Die Lehrerausbildung fängt damit an, dass man die richtigen Kandidaten auswählt. Nicht jeder ist geeignet für diesen Beruf. Das Wichtigste ist, die Leute zu begeistern und ihnen zu vermitteln, dass sie eine große Verantwortung haben. Wenn Lehrer nicht nur das machen, was im Lehrplan steht, dann werden sie persönlich enthusiastisch, und das ist ansteckend.

STANDARD: Wie wählen Sie die "besten" Studierenden für Ihre Mercy College School of Education aus?

Posamentier: Erstens die Noten. Die Kandidaten müssen mindestens B plus haben. A ist die beste Note in den USA. Dann werden sie interviewt. Die letzte Phase im Studium ist jene, in der sie in Schulen quasi als Lehrlinge üben. Ich kenne einige Fälle, bei denen ein zukünftiger Lehrer ein super Student war, aber dann vor der Klasse eine Katastrophe. Da muss man leider sagen: Die müssen sich einen anderen Beruf aussuchen.

STANDARD: Sie haben seit Rudolf Scholten ab 1990 alle österreichischen Unterrichtsminister/-innen beraten und kennen das hiesige Bildungssystem sehr gut. Was würden Sie ändern, wenn Sie in Österreich Unterrichtsminister wären?

Posamentier: Ich würde keinen Schuldirektor ernennen, bevor er nicht eine Ausbildung hat, entweder in Leadership und Administration. Zweitens: Es ist nicht so schlimm wie vor 30 Jahren, aber was ich nie kapieren konnte, ist, dass ein Lehrer für einen Zehnjährigen die Entscheidung treffen kann, ob er später studiert oder einen Handwerksberuf erlernt. Das ist für mich unvorstellbar. Und, ehrlich gesagt: Wenn der Lehrer bei mir mit zehn Jahren über meine Schullaufbahn entschieden hätte, wäre ich jetzt bestimmt nicht Dekan, sondern Straßenkehrer (lacht).

STANDARD: Sehen Sie sonst noch Änderungsbedarf im österreichischen Bildungswesen?

Posamentier: Die Pädagogischen Hochschulen und die Lehrerbildung der Universitäten sollten sich zu Schools of Education zusammenschließen. Das muss geschickt gemacht werden, nicht dass die Uni-Professoren die Besten sind und die anderen auf einer niedrigeren Stelle stehen. Die Uniprofessoren machen Forschung, das bringt den Beruf weiter, das ist wichtig, aber sie müssen auch wissen, dass sie eine Verantwortung für die Ausbildung der Lehrer haben. Die Lehrerausbildung muss universitär sein, so wie die Ausbildung für Kindergartenpädagogik auch. So ist es in allen 50 US-Staaten.

STANDARD: Was ist der wichtigste Faktor in einer guten Schule?

Posamentier: Der Direktor! Ein guter Direktor kann auch einen mittelmäßigen Lehrer besser machen. Aber man muss ihm auch mehr Macht geben. Wir haben online und vor Ort in New York gerade 20 Schuldirektoren, die meisten aus Niederösterreich. Ein Kurs in diesem Programm ist über Schulfinanz, weil das in den USA wichtig ist. Aber in Österreich ist das kein Thema! Wir mussten das gegen eine andere Vorlesung austauschen, weil Schulfinanz für die Österreicher überhaupt nicht interessant war.

STANDARD: Sie haben am Mercy ein Elternzentrum gegründet. Warum?

Posamentier: Die einfachste Erklärung ist: Die Kinder, die zu Hause Unterstützung bekommen, sind besser in der Schule als jene, die das nicht bekommen. Es gibt viele Eltern, die selbst keine gute Bildung haben, die sehr jung sind, vielleicht mit Sprach- oder Kulturproblemen. Die müssen wissen, was sie mit den Kindern zu machen haben, wenn sie nur beim Computer sitzen oder Bullying erleben. Die Eltern sind sehr wichtig. Wir haben also ein Parent-Center in der Bronx gegründet, und das Schöne dabei ist, dass wir denen etwas anbieten, und zwar ehrenamtlich, obwohl es unserer Hochschule finanziell nichts bringt. Keiner unserer 45 Professoren wird für seine Veranstaltungen zur Leseunterstützung, für Mathematik, Sprachhilfe oder gegen Mobbing bezahlt.

STANDARD: In Österreich gibt es gerade große Aufregung darüber, dass Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek Österreichs Teilnahme an der nächsten Pisa-Studie abgesagt hat.

Posamentier: Bravo!

STANDARD: 2012 lag Österreich in Mathematik und Naturwissenschaften vor den USA, im Lesen sind die Amerikaner vorn. Ist die Pisa-Studie in Amerika umstritten?

Posamentier: Nein - sie wird ignoriert, und meine Meinung ist, dass die Vereinigten Staaten die Pisa-Studie auch nicht ernst nehmen sollten, weil, auf gut Englisch: You're comparing apples and oranges. Wir haben in den USA alle Schüler in einem Topf, da hat man Schwächere, da hat man Gute. Wer gerade teilnimmt, weiß man nicht. Aber weil wir so ein gemischtes Publikum haben - die US-Bundesstaaten sind sehr verschieden im Bildungsbereich - ist ein internationaler Vergleich nicht sehr bedeutsam. Es kommt noch etwas dazu: Wenn man sich die Kultur in Asien anschaut, die Kinder lernen dauernd. Ich sehe es bei den asiatischen Gruppen in den Vereinigten Staaten. Samstag, Sonntag kommen die zum Privatunterricht und zur Nachhilfe. Es ist die Familie! Schule ist eine Familiensache, und wenn man das nicht zur Kenntnis nimmt, macht man einen großen Fehler. Die Familie ist der vernachlässigtste Teil in der Schule und der Erziehungs- oder Bildungsgleichung.

STANDARD: Welche Bedeutung haben denn solche Schülervergleichstests - nationale und internationale - in den USA?

Posamentier: Man hört davon, aber es wird nicht so ernst genommen wie in Europa, wo es immer große Aufregung gibt. Ah, wir sind an zehnter Stelle? Fürchterlich! Das gibt es bei uns nicht. Was ich vielmehr als großes Problem empfinde, ist das "Teaching to the test". Das ruiniert den Unterricht, hat sich aber in den letzten Jahren etabliert, weil in den Schulen so viele Sachen geprüft werden. New York hat eine lange Testtradition seit 1866, als mit den jährlichen "Regents Exams" an den High Schools begonnen wurde, eine New-York-weite standardisierte Prüfung in zentralen Fächern. Früher hatte man Vertrauen in die Tests. Wenn man es richtig macht, klappt alles. Heutzutage mit den politischen Slogans "No child left behind" von George W. Bush und jetzt "Race to the Top" von Barack Obama stehen die Lehrer unter Testdruck. Wenn ihre Schüler schlecht abschneiden, schneiden sie schlecht ab. Also wird manchmal auch gemogelt, indem schwächere Kinder nicht getestet werden. Das ist schlimm. Obwohl es schön ist, zu wissen, wie gut man unterrichtet, aber wenn es als Strafe für die Lehrer benutzt wird, dann hat es keinen Sinn.

STANDARD: Sie haben im Jahr 2013 mit Ingmar Lehmann das Buch "Magnificent Mistakes in Mathematics" veröffentlicht. Was ist ihr liebster Mathematik-Fehler?

Posamentier: Ich will vor allem zeigen, dass Mathematik schön ist. Von Fehlern kann man gute Sachen lernen, und dann vergisst man sie auch nicht. Zum Beispiel wenn man den Fehler macht und durch null dividiert, dann kommen verschieden verrückte Ergebnisse heraus, wie zum Beispiel 1=2 (lacht).

ALFRED S. POSAMENTIER, geb. 1942 in New York als Sohn österreichischer Immigranten, ist Dekan der School of Education am Mercy College in New York. Davor war er 40 Jahre Professor für Mathematik und später Dekan der School of Education am City College der City University in New York. Seit 2003 ist er "Akademischer Ehrenbürger" der TU Wien, 2004 wurde ihm das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse" verliehen.

 

 

"Der Standard" vom 28.03.2014                               Seite: 10

Ressort: InlandChronik

 

Rosa Winkler-Hermaden David Krutzler

 

Bundesland, Bundesland Abend, Niederösterreich

 

Gratisnachhilfe für Wiens Pflichtschüler

 

   In jeder der rund 400 Wiener Pflichtschulen gibt es ab Herbst kostenlos22 Förderstunden pro Woche. Das kündigte Bürgermeister Michael Häupl bei der Klubklausur der SP an. Der grüne Partner wurde kritisiert.

 

   Rust – „Nicht in Details verlieren.“ Seine Mitarbeiter hatten Michael Häupl (SP) einen Zettel neben das Rednerpult gelegt. Zu viel sollte der Wiener Bürgermeister am Eröffnungstag der dreitägigen Zusammenkunft der Wiener SP im burgenländischen Rust noch nicht verraten über jene Reformen, die heute, Freitag, präsentiert werden. Mit der Verkündung, dass 400 Lehrer an Pflichtschulen künftig für kostenlosen Förderunterricht eingesetzt werden sollen, sorgte Häupl dann doch für politische Aufregung. Nach der Einführung des Gratiskindergartens soll beginnend ab Herbst 2014 eine weitere Bildungsmaßnahme umgesetzt werden.

 

   18 bis 20 Millionen Euro wird das Ressort von Stadtrat Christian Oxonitsch dafür pro Jahr in die Hand nehmen. Das Geld stellt die Stadt zur Verfügung. Für heuer sind wegen des Starts im Herbst sechs Millionen Euro eingeplant, die Oxonitsch auch durch Einsparungen im laufenden Budget erreichen will.

 

   600 Euro pro Familie

 

   Schüler der rund 400 Wiener Pflichtschulen – also Volksschule, Neue Mittelschule und AHS-Unterstufe – sollen also zusätzlich zum Unterricht Gratisnachhilfe erhalten. „Das erspart jeder betroffenen Familie etwa 600 Euro im Jahr“, sagte Häupl. „Das sind keine paar Nätsch, das ist für Familien schon eine ganze Menge.“

 

   Entstanden war die Idee laut Häupl bei der Tagung in Wildalpen, zu der sich die roten Mitglieder der Wiener Stadtregierung nach der Nationalratswahl zurückgezogen hatten. Theoretisch heißt die Maßnahme, dass jede Wiener Pflichtschule einen zusätzlichen Lehrer für 22 Wochenstunden Nachhilfeunterricht erhält. Im Fokus stehen Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen. Praktisch dürfte sich die Kopfzahl aber nur geringfügig erhöhen.

 

   Denn viele künftige Nachhilfelehrer sind bereits da. Einerseits haben einige der 13.000 Lehrer im Pflichtschulbereich Interesse an Mehrstunden – und damit mehr Bezahlung – signalisiert. Andererseits sollen Lehrer mit keiner vollen Lehrverpflichtung ihr Stundenkontingent aufbessern können.

 

   150.000 Schüler besuchen in Wien eine Pflichtschule. Anrecht auf kostenlosen Förderunterricht sollen aber nur jene Kinder und Jugendlichen bekommen, die dem Regelunterricht nicht folgen können und sonst zurückbleiben würden. Die Initiative der SP, die eine Ganztagesschule fordert, ist auch als Antwort auf eine verkorkste Schulpolitik der Bundesregierung zu verstehen. Das wird in Rust freilich nur hinter vorgehaltener Hand erzählt.

 

   Die Klubtagung unter dem Motto „Wien regieren. Österreich stärken. Europa verändern“ hatte mit Spitzen gegen den grünen Partner in der Stadtregierung begonnen. Klubobmann Rudi Schicker bekannte sich zwar zu grünen Kernthemen wie der Ausweitung des Parkpickerls sowie der Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße. „Aber wir hätten es wahrscheinlich professioneller gemacht. Im Programm hatten es auch wir.“

 

   Bundeskanzler Werner Faymann schwor die versammelten Roten danach auf die EU-Wahl im Mai ein, ehe er zum Hypo-Desaster überleitete. Vor allem Banken und nicht nur die Steuerzahler sollten zur Kasse gebeten werden. „Wir werden dafür sorgen, dass die Bankenabgabe einen Großteil finanziert“, sagte er. Diese Abgabe soll es, geht es nach Faymann, auch in der kommenden Legislaturperiode geben.

 

   p derStandard.at/Inland

 

 

Kurier – 28. März 2014

 

 

Gratis-Nachhilfe für alle Wiener Pflichtschüler.

Schon ab Herbst sollen 400 Lehrer Sechs- bis 14-Jährige beim Lernen unterstützen.

 

 

 

Schwache Schüler sollen in Wien kostenlose Nachhilfe bekommen. Das kündigte Bürgermeister Michael Häupl im Rahmen der SPÖ-Klubklausur im burgenländischen Rust an. "Nachhilfe ist für viele Familien bis weit in die Mittelschicht hinein nicht mehr finanzierbar", begründete Häupl den Vorstoß. Das Stadtoberhaupt rechnet damit, dass sich eine Wiener Familie im Schnitt knapp 600 Euro an Nachhilfekosten ersparen könnte.

Großer Bedarf

Der Bedarf ist in jedem Fall groß: Im vergangenen Schuljahr haben in Wien 17 Prozent eine bezahlte Nachhilfe bekommen, zeigt eine Studie der Arbeiterkammer. Das Wiener Angebot wird sich aber nur an förderungsbedürftige Schüler richten. "Es geht nicht darum, dass Kinder die einen Zweier haben, Nachhilfe für einen Einser bekommen, nur weil die Eltern sich das wünschen", sagt Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch. Und: "Das Angebot gilt nur für den Pflichtschulbereich, also nicht etwa für die Oberstufe im Gymnasium."

400 neue Lehrer sollen also ab Herbst auf die 397 Pflichtschulen aufgeteilt werden. Das bedeutet, dass jede Schule im Schnitt einen Lehrer oder 22 Stunden pro Woche Unterstützung erhält. Die benötigten Lehrer seien bereits vorhanden, da es bei Volksschulen bereits einen Überhang gebe, sagt Oxonitsch. Auch können vorhandene Lehrer zusätzliche Stunden übernehmen.

Am einfachsten ist die Aktion in Ganztagsschulen umzusetzen, wo der Nachhilfe-Unterricht am Nachmittag angeboten werden kann. "Bei Halbtagsschulen bleiben die Kinder einfach in der Schule", sagt Oxonitsch. Bei den AHS-Schulen soll vor allem mit den Volkshochschulen kooperiert werden.

Insgesamt wird die Förderaktion 18 bis 20 Millionen Euro pro Jahr kosten. Wie lange Wien die Förderungsaktion finanziert, ist offen.

"Wir haben lange auf Bundesebene mit dem Koalitionspartner über eine Bildungsreform gestritten. Wir starten jetzt die Aktion, hoffen aber , dass die dringende Bildungsreform bald kommt", sagt Oxonitsch.

 

Morgenjournal, 28.3.2014

 

Zentralmatura: Daten-Check "gespart"

Regina Pöll

Nach dem Datenskandal um das Bundesinstitut für Bildung (BIFIE) will Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) heute bekannt geben, ob die Zentralmatura wie geplant stattfinden kann. Jedenfalls hätte man sich den Ärger um die Datensicherheit sparen können, sagt jetzt der Grüne Harald Walser: Ausgerechnet Vertreter des Ministeriums hätten einen umfassenden Daten-Check bei der Zentralmatura verhindert.

Bei Sicherheit gespart?

Die BIFIE-Direktoren wollten bei der neuen Matura auf Nummer Sicher gehen: Im Herbst haben sie dem Aufsichtsrat des BIFIE vorgeschlagen, die Datensicherheit bei der Zentralmatura genau prüfen zu lassen. Die Mehrheit im Aufsichtsrat soll auch damit einverstanden gewesen sein, die Rede war damals von 400.000 Euro, die man für einen Daten-Check durch eine externe Firma bewilligen wollte. Aber ausgerechnet die beiden Vertreter des Unterrichtsministeriums im Aufsichtsrat hätten gebremst, empört sich der Grüne Bildungssprecher Harald Walser: "Sehr brisant ist die Tatsache - und da habe ich deutliche Hinweise und mehrere Hinweise aus dem Aufsichtsrat, dass man vom BIFIE aus selber versucht hat, die Datensicherheit zu erhöhen, und dass das ausgerechnet durch Vertreter des Ministeriums gestoppt wurde, und zwar aus Kostengründen."

Entscheidung heute

Beschlossen wurde dann eine abgespeckte Variante, aber selbst die ist nicht verwirklicht worden, denn vorher kam das Datenleck an die Öffentlichkeit. Und seither ist alles anders: Das Unterrichtsministerium lässt die Datensicherheit am BIFIE jetzt selbst prüfen. Ministerin Heinisch-Hosek hat solange Bildungstests ausgesetzt.
Auch die Zentralmatura in den 400 Testschulen im Mai stand auf der Kippe bis klar war, dass auch das Unterrichtsministerium die Fragen dafür bereitstellen könnte. Ob das jetzt wirklich notwendig ist oder diese doch - so wie geplant - vom BIFIE kommen, wird Heinisch-Hosek heute Vormittag bekannt geben.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen