Dienstag, 1. April 2014

2014.04.02: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 2. April 2014

 

 

Österreichs Schüler im Querdenken Mittelfeld

Das letzte PISA-Ergebnis für viele Jahre: Beim kreativen Lösen von Problemen sind wir Durchschnitt. Burschen übertrumpfen Mädchen.

Zum letzten Mal für längere Zeit wurden heute, Dienstag, österreichische PISA-Ergebnisse präsentiert. Das Ergebnis: Österreichs Schüler liegen beim Problemlösen im Mittelfeld. Untersucht wurde die Frage, inwieweit Kinder gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit in der Lage sind, komplizierte Probleme kreativ zu lösen.

Die 15- bis 16-Jährigen erreichten bei der Erhebung 506 Punkte und liegen damit praktisch genau im OECD-Schnitt (500) bzw. auf Rang 15 der 28 OECD-Länder. Die besten Ergebnisse wurden im Nicht-OECD-Staat Singapur (562) erzielt, gefolgt von Südkorea (561), Japan (552), Kanada (526) und Australien (523). Die OECD veröffentlichte heute die diesbezüglichen Resultate der letzten PISA-Erhebung, sie wurde 2012 durchgeführt.

Finnland führt Europa an

Die besten Ergebnisse in Europa lieferten Finnland (523), England (517) und Estland (515). Außerdem liegen noch Frankreich, die Niederlande (je 511), Italien (510), Deutschland, Tschechien (je 509), Belgien und die USA (je 508) signifikant über dem OECD-Schnitt.

Im OECD-Schnitt befinden sich neben Österreich noch Norwegen (503), Irland (498), Dänemark (497) und Portugal (494). Signifikant unter dem OECD-Schnitt liegen etwa Schweden (491), Russland ( 489), die Slowakei ( (483), Polen (481), Spanien (477), Slowenien (476), Ungarn (459) und die Türkei (454). Schlechtestes OECD-Land ist Chile (448), schlechtester EU-Staat Bulgarien (402) und schlechtester Teilnehmerstaat insgesamt Kolumbien (399).

Leistungen niedriger als erwartet

"In Österreich liegen die Leistungen im kreativen Problemlösen im OECD-Durchschnitt. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind allerdings etwas niedriger als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde", schreibt die OECD in ihrer Ländernote. "Dennoch gibt es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schülerinnen und Schüler im Bereich Problemlösen als in den meisten anderen OECD-Ländern."

In Österreich beträgt der Prozentsatz jener Schüler, die nicht einmal das Basisniveau erreichen, rund 18 Prozent (OECD-Schnitt: 21 Prozent). Zum Vergleich: In Südkorea und Japan sind es jeweils rund sieben Prozent, in Finnland 14 Prozent.

Burschen übertrumpfen Mädchen

Zu den Top-Performern zählen in Österreich wie im OECD-Schnitt elf Prozent der Schüler (Singapur: 29 Prozent, Finnland: 15 Prozent). Burschen schneiden in Österreich signifikant besser ab als Mädchen (plus zwölf Punkte). Die Problemlöse-Testaufgaben wurden im Unterschied zum Lesen, der Mathematik und den Naturwissenschaften ausschließlich am Computer durchgeführt.

"Problemlösen" wird bei PISA nur in unregelmäßigen Abständen getestet. Zuletzt war das 2003 der Fall - Österreich lag damals etwas über dem OECD-Schnitt. Anschließend wurden die Problemlöse-Tests eingestellt, da sie praktisch die gleichen Resultate brachten wie die anderen abgetesteten Bereiche. Die jüngsten Ergebnisse in den PISA-Hauptkategorien Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften waren bereits im Dezember 2013 vorgestellt worden. Österreich lag dabei in der Mathematik signifikant über dem OECD-Schnitt, in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt und im Lesen darunter.

Beispiel: Fahrscheinautomat bedienen

Beim Problemlösen geht es stärker um kognitive Prozesse des Problemlösens als um fachspezifisches Wissen. So mussten etwa an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets gekauft oder auf einer Straßenkarte die Dauer der schnellsten Route von einem Ort zum anderen herausgefunden werden.

Das von der OECD durchgeführte Programme for International Student Assessment (PISA) ist der größte internationale Schüler-Leistungstest. Für die aktuelle, fünfte Ausgabe wurden 2012 in 65 Ländern (u.a. alle 34 OECD-Staaten) rund 500.000 Schüler des Jahrgangs 1996 in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen getestet. In Österreich wurde dafür eine Zufallsstichprobe von rund 5000 Jugendlichen in knapp 200 Schulen untersucht. Pro Schule wurden maximal 35 Schüler getestet - den Computertest für das Problemlösen absolvierten lediglich höchstens 18 Jugendliche pro Schule, das heißt, dass die Stichprobe nur ca. halb so groß ist wie bei den PISA-Hauptdomänen.

Kein PISA-Test bis 2018

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat die Teilnahme an den im heurigen Frühjahr geplanten Feldtests für die nächste PISA-Studie 2015 wegen der nicht geklärten Datensicherheit beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das die PISA-Studie in Österreich abwickelt, abgesagt. Auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 02.04.2014                             Seite: 10

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

Im Mittelmaß sind wir besonders gut

 

Genau im Mittelfeld landen österreichische Schüler beim PISA-Test im Bereich „Probleme lösen“. Dafür gibt es hier weniger leistungsschwache Schüler als in anderen Ländern.

 

   In unregelmäßigen Abständen wird im Rahmen von PISA auch das „Problemlösen“ getestet, zuletzt, im Jahr 2003, lag Österreich etwas über dem OECD-Schnitt, diesmal, bei der Auswertung für das Jahr 2012, lagen wir mit 506 Punkten fast exakt am Schnitt (500 Punkte) und damit auf Rang 15 der 28 OECD-Länder.

 

   Bei den Testaufgaben, die 15- und 16-jährigen Schülern gestellt wurden, geht es nicht um fachspezifisches Wissen, sondern um so etwas wie „Hausverstand“. So mussten etwa an einem virtuellen Automaten ganz bestimmte Tickets gekauft oder auf einer Straßenkarte die Dauer der schnellsten Route von einem Ort zum anderen herausgefunden werden.

 

   Die besten Ergebnisse des Tests wurden vom Nicht-OECD-Staat Singapur erzielt (562 Punkte), gefolgt von Südkorea (561), Japan (552), Kanada (526) und Australien (523). Ganz vorne dabei sind auch die chinesischen Regionen Macao und Hongkong (je 540), Schanghai (536) sowie Taiwan (534). In Europa lieferten einmal mehr Finnland (523) sowie England (517) und Estland (515) die besten Ergebnisse. Schlusslicht in Europa ist Bulgarien (402), das schlechteste Ergebnis insgesamt gab es in Kolumbien (399).

 

   „Die Leistungen der österreichischen Schülerinnen und Schüler sind etwas niedriger, als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde“, kommentiert die OECD das Ergebnis. In diesen Hauptkategorien, die zuletzt im Dezember 2013 präsentiert wurden, lag Österreich zumindest in Mathematik signifikant über dem Schnitt. Dennoch, so heißt es weiter, gebe es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schüler beim Problemlösen als in fast allen anderen Mitgliedsländern (18 im Gegensatz zu 21 Prozent). In Südkorea und Japan sind es dafür bloß sieben Prozent, die nicht einmal das Basisniveau erreichen. Elf Prozent gehören zu den „Top-Performern“, in Singapur sind es 29 Prozent. Burschen schneiden in Österreich übrigens deutlich besser ab als Mädchen.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 02.04.2014                             Seite: 10

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

PISA, DER GROSSE SCHÜLER-LEISTUNGSTEST

 

Das von der OECD durchgeführte „Programme for International...

 

   Das von der OECD durchgeführte „Programme for International Student Assessment“ (PISA) ist der größte internationale Leistungstest.

 

   Für die aktuelle, fünfte Ausgabe, die im Dezember 2013 präsentiert wurde, wurden rund 500.000 Schüler in 65 Ländern (darunter alle 34 OECD-Staaten) des Jahrgangs 1996 in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und im Problemlösen getestet.

 

   In Österreich wurde dafür eine Zufallsstichprobe von 5000 Jugendlichen in 200 Schulen ausgewählt, maximal 35 Schüler pro Schule.

 

   Den Computertest für das Problemlösen absolvierten höchstens 18 Schüler pro Schule, die Stichprobe ist also nur halb so groß wie bei den Hauptdomänen.

 

 

SN – 2. April 2014

 

Mit durchschnittlichem Ergebnis in die PISA-Pause

WIEN. Beim "Problemlösen" liegen Österreichs Schüler erneut im Mittelfeld.

Die Hauptergebnisse der jüngsten PISA-Studie für Österreich in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen hatte noch die Vorgängerin von Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Claudia Schmied (beide SP), im Dezember persönlich bei einer Pressekonferenz präsentiert.

Als am Dienstag die OECD die Ergebnisse im Teilbereich "Problemlösen" freigab, sah Heinisch-Hosek keinen Grund für einen Auftritt ihrerseits. Viel Anlass zur Freude gibt das Abschneiden der heimischen 15-Jährigen nicht: Mit 506 Punkten landet Österreich im OECD-Schnitt, 19 der 44 teilnehmenden Länder schnitten besser ab, an der Spitze liegen Singapur und Korea. Der Anteil der Risikoschüler, die nicht einmal die einfachste Aufgabenstellung lösen können, ist mit 18 Prozent zwar hoch, aber unter dem OECD-Schnitt. (Details siehe Grafik.)

Gleiches Ergebnis wie 2003

Zuletzt wurde die Problemlösungs-Kompetenz, bei der es um das Verstehen und Lösen von "Alltagsaufgaben, bei denen eine Lösungsmethode nicht unmittelbar ersichtlich ist", geht, 2003 getestet. Damals erzielten Österreichs Schüler den exakt gleichen Durchschnittswert wie diesmal. Die nunmehrigen Leistungen sind laut OECD aber "etwas niedriger, als man angesichts der Ergebnisse" in den anderen Kategorien erwarten würde.

In Mathe lagen Österreichs Schüler zuletzt über dem OECD-Schnitt, beim Lesen darunter, die Naturwissenschafts-Ergebnisse entsprachen dem Durchschnitt.

Es ist das letzte Mal für längere Zeit, dass PISA-Ergebnisse für Österreich veröffentlicht werden. Die Teilnahme am nächsten Testdurchlauf 2015 hat Heinisch-Hosek bekanntlich wegen eines Datenlecks beim Bildungsforschungsinstitut, das PISA in Österreich durchführt, abgesagt – was von vielen Seiten kritisiert wird. Vielleicht mit ein Grund, warum die Ministerin auf eine Präsentation der Ergebnisse verzichtete.

 

 

SN – 2. April 2014

PISA: Österreich beim Problemlösen im Mittelfeld

Österreichs Schüler liegen mit ihren Leistungen beim kreativen Lösen von Problemen international im Durchschnitt. Das ergab der fünfte PISA-Test, aus dem neue Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht wurden.

Die österreichischen Schüler sind beim PISA-Test im Bereich Problemlösen im Mittelfeld gelandet. Die 15- bis 16-Jährigen erreichten bei der Erhebung 506 Punkte und liegen damit praktisch genau im OECD-Schnitt (500) bzw. auf Rang 15 der 28 OECD-Länder. Die besten Ergebnisse wurden im Nicht-OECD-Staat Singapur (562) erzielt, gefolgt von Südkorea (561), Japan (552), Kanada (526) und Australien (523).

Mädchen schneiden schlechter ab

"In Österreich liegen die Leistungen im kreativen Problemlösen im OECD-Durchschnitt. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind allerdings etwas niedriger als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde", schreibt die OECD in ihrer Ländernote. "Dennoch gibt es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schülerinnen und Schüler im Bereich Problemlösen als in den meisten anderen OECD-Ländern." In Österreich beträgt der Prozentsatz jener Schüler, die nicht einmal das Basisniveau erreichen, rund 18 Prozent (OECD-Schnitt: 21 Prozent). Zum Vergleich: In Südkorea und Japan sind es jeweils rund sieben Prozent, in Finnland 14 Prozent. Zu den Top-Performern zählen in Österreich wie im OECD-Schnitt elf Prozent der Schüler (Singapur: 29 Prozent, Finnland: 15 Prozent). Burschen schneiden in Österreich signifikant besser ab als Mädchen (plus zwölf Punkte).

Nächste PISA-Studie in Österreich abgesagt

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat die Teilnahme an den im heurigen Frühjahr geplanten Feldtests für die nächste PISA-Studie 2015 wegen der nicht geklärten Datensicherheit beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), das die PISA-Studie in Österreich abwickelt, abgesagt. Auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma waren im Vormonat ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht. Die Zentralmatura findet hingegen statt.

Das Ranking im Überblick

Im Spitzenfeld der 2012 durchgeführten Erhebung liegen auch die chinesischen Provinzen bzw. Regionen Macao, Hong Kong (je 540) und Shanghai (536) sowie das Nicht-OECD-Land Taiwan (534). Die besten Ergebnisse in Europa lieferten Finnland (523), England (517) und Estland (515). Außerdem liegen noch Frankreich, die Niederlande (je 511), Italien (510), Deutschland, Tschechien (je 509), Belgien und die USA (je 508) signifikant über dem OECD-Schnitt.

Im OECD-Schnitt befinden sich neben Österreich noch Norwegen (503), Irland (498), Dänemark (497) und Portugal (494). Signifikant unter dem OECD-Schnitt liegen etwa Schweden (491), Russland ( 489), die Slowakei ( (483), Polen (481), Spanien (477), Slowenien (476), Ungarn (459) und die Türkei (454), Schlechtestes OECD-Land ist Chile (448), schlechtester EU-Staat Bulgarien (402) und schlechtester Teilnehmerstaat insgesamt Kolumbien (399).

Österreich 2003 über dem Durchschnitt

"Problemlösen" wird bei PISA nur in unregelmäßigen Abständen getestet. Zuletzt war das 2003 der Fall - Österreich lag damals etwas über dem OECD-Schnitt. Anschließend wurden die Problemlöse-Tests eingestellt, da sie praktisch die gleichen Resultate brachten wie die anderen abgetesteten Bereiche. Die jüngsten Ergebnisse in den PISA-Hauptkategorien Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften waren bereits im Dezember 2013 vorgestellt worden. Österreich lag dabei in der Mathematik signifikant über dem OECD-Schnitt, in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt und im Lesen darunter.

Bei den Problemlösen -Testaufgaben ging es nicht um fachspezifisches Wissen. So mussten etwa an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets gekauft oder auf einer Straßenkarte die Dauer der schnellsten Route von einem Ort zum anderen herausgefunden werden.

5000 Jugendliche per Zufall gewählt

Das von der OECD durchgeführte Programme for International Student Assessment (PISA) ist der größte internationale Schüler-Leistungstest. Für die aktuelle, fünfte Ausgabe wurden 2012 in 65 Ländern (u.a. alle 34 OECD-Staaten) rund 500.000 Schüler des Jahrgangs 1996 in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen getestet. In Österreich wurde dafür eine Zufallsstichprobe von rund 5.000 Jugendlichen in knapp 200 Schulen untersucht. Pro Schule wurden maximal 35 Schüler getestet - den Computertest für das Problemlösen absolvierten lediglich höchstens 18 Jugendliche pro Schule, das heißt, dass die Stichprobe nur ca. halb so groß ist wie bei den PISA-Hauptdomänen.

Ergebnisse auf einen Blick

"SIEGER": Die besten Ergebnisse wurden im Nicht-OECD-Staat Singapur (562 Punkte) erzielt, gefolgt von Südkorea (561), Japan (552), den chinesischen Provinzen bzw. Regionen Macao, Hongkong (je 540) und Shanghai (536), Taiwan (534), Kanada (526) und Australien (523). Die besten Resultate in Europa lieferten Finnland (523), England (517) und Estland (515).

"VERLIERER": Schlechtestes OECD-Land ist Chile (448), schlechtester EU-Staat Bulgarien (402) und schlechtester Teilnehmerstaat insgesamt Kolumbien (399). Extrem schlechte Werte weisen außerdem die OECD-Länder Israel, Türkei (je 454) und Ungarn (459) auf.

RISIKOSCHÜLER: 18 Prozent der österreichischen Schüler fallen beim Problemlösen in die schwächste Gruppe. Das ist etwas besser als im OECD-Schnitt (21 Prozent). Zum Vergleich: In Südkorea und Japan sind es jeweils rund sieben Prozent, in Finnland 14 Prozent. Bester Nachbarstaat Österreichs ist Italien (16 Prozent), schlechtester Ungarn mit 35 Prozent.

SPITZENSCHÜLER: Zu den Spitzenschülern zählen in Österreich wie im OECD-Schnitt elf Prozent (Singapur: 29 Prozent, Finnland: 15 Prozent). Bester Nachbarstaat Österreichs ist Deutschland (13 Prozent), schlechtester erneut Ungarn mit sechs Prozent.

GESCHLECHTERDIFFERENZ: In Österreich schneiden die Burschen beim Problemlösen um zwölf Punkte besser ab als die Mädchen, in der OECD sind die Unterschiede etwas geringer (sieben Punkte). Am größten sind die Geschlechterdifferenzen zugunsten der Burschen in der Slowakei (22 Punkte), Japan (19) und Italien (18). Bessere Ergebnisse als die Burschen lieferten die Mädchen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (plus 26 Punkte) sowie in Bulgarien (17), Zypern (neun), Montenegro (sechs) und den skandinavischen Länder Finnland (sechs), Schweden (vier), Norwegen (drei) bzw. in Slowenien (vier).

COMPUTERBASIERTE MATHEMATIK UND LESEN ELEKTRONISCHER MEDIEN: Neben dem Problemlösen wurden am Computer außerdem noch die Kompetenzen in Mathematik und im Lesen elektronischer Medien erhoben. Ergebnisse: In der Mathematik erzielten die österreichischen Schüler praktisch die gleichen Resultate wie beim "traditionellen" PISA-Papier-Test und lagen damit signifikant über dem OECD-Schnitt. Beim Lesen elektronischer Medien schnitten sie dagegen deutlich schlechter ab (480 Punkte) als beim klassischen Lesen gedruckter Medien (490) und lagen signifikant unter dem OECD-Schnitt (497).

 

Österreich – 2. April 2014

 

 

Jeder 5. versagt bei Logik 

PISA: 20% nicht fit für den Alltag

Bevor wir ein Jahr bei der PISA-Studie pausieren, gibt es neue Test-Ergebnisse.

Wie funktioniert meine neue Klimaanlage? Wie komme ich am schnellsten von A nach B? Diese und ähnliche Fragen wurden 15- und 16-jährigen Schülern beim letzten PISA-Test im Kompetenzbereich „Problemlösen“ gestellt. Das Ergebnis: 18 Prozent, also jeder fünfte Schüler, scheitern an Alltagsaufgaben – der OECD-Schnitt liegt bei 21 Prozent. Insgesamt holte Österreich 506 Punkte, um 6 Punkte mehr als der Durchschnitt. Unter den 28 OECD-Staaten belegen wir den 15. Rang.

Singapur ist Spitzenreiter, Schlusslicht Kolumbien
Die besten Ergebnisse erzielten die Asiaten: Singapur holte sich mit 562 den ersten Platz, dicht gefolgt von Südkorea (561 Punkte) und Japan (552). Im OECD-Raum schnitt Chile am schlechtesten ab (448), der schlechteste EU-Staat ist Bulgarien (402), die wenigsten Punkte aller Teilnehmer erzielte Kolumbien (399).

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek: „Dieser neueste Bericht zeigt Licht und Schatten. Im Bereich Mathematik liegen wir gut, beim Problemlösen nur im Durchschnitt der OECD-Staaten.“ Mathe wurde bereits im Dezember vorgestellt – wir holten im Vergleich zu 2009 auf.

(kali)

Test: Diese Aufgaben mussten die Kids lösen

Die Fragen zum PISA-Test, bei dem die Schüler ihre Problemlöse-Fähigkeiten unter Beweis stellen mussten, waren ausschließlich am PC zu beantworten. Folgende Beispiele waren zu lösen:

  • Fahrkarte kaufen: Bei einem Fahrkartenautomaten kann man Schienennetz, Art des Fahrpreises und Fahrscheintyp (Einzelkarte oder Tageskarte) auswählen. Aufgabe: Kaufe eine Fahrkarte für den Regionalzug für zwei Einzelkarten zum Vollpreis.
  • Klimaanlage bedienen: Du hast keine Bedienungsanleitung für deine neue Klimaanlage. Finde für jeden Regler heraus, ob er Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflusst, wenn man die Schieber verstellt.
  • Fahrzeit berechnen: Eine Karte zeigt ein Straßennetz, das verschiedene Stadtteile miteinander verbindet. Peter ist in Sandberg und will nach Eishofen fahren. Welches ist die schnellstmögliche Fahrzeit?

 

 

Österreich – 2. April 2014

 

 

Neue OECD-Studie 

PISA: So lösen unsere Schüler Probleme

Alltags-Probleme werden nur mittelmäßig gelöst. Buben besser als Mädchen.

Das richtige Zugticket kaufen, schnellstmöglich mit den Öffis von A nach B kommen, eine Klimaanlage bedienen: Die neue PISA-Studie testete, wie gut Österreichs S´chüler alltägliche Problme lösen können. Das Ergebnis: mittelmäßig. Die 15- bis 16-Jährigen erreichten bei der Erhebung 506 Punkte und liegen damit praktisch genau im OECD-Schnitt (500) bzw. auf Rang 15 der 28 OECD-Länder.

"In Österreich liegen die Leistungen im kreativen Problemlösen im OECD-Durchschnitt. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind allerdings etwas niedriger als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde", schreibt die OECD in ihrer Ländernote.

Alltagsprobleme lösen
Bei den Problemlösen -Testaufgaben ging es nicht um fachspezifisches Wissen. So mussten etwa an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets gekauft oder auf einer Straßenkarte die Dauer der schnellsten Route von einem Ort zum anderen herausgefunden werden.

Buben signifikant besser als Mädchen
"Dennoch gibt es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schülerinnen und Schüler im Bereich Problemlösen als in den meisten anderen OECD-Ländern." In Österreich beträgt der Prozentsatz jener Schüler, die nicht einmal das Basisniveau erreichen, rund 18 Prozent (OECD-Schnitt: 21 Prozent). Zum Vergleich: In Südkorea und Japan sind es jeweils rund sieben Prozent, in Finnland 14 Prozent. Zu den Top-Performern zählen in Österreich wie im OECD-Schnitt elf Prozent der Schüler (Singapur: 29 Prozent, Finnland: 15 Prozent). Burschen schneiden in Österreich signifikant besser ab als Mädchen (plus zwölf Punkte).

"Problemlösen" wird bei PISA nur in unregelmäßigen Abständen getestet. Zuletzt war das 2003 der Fall - Österreich lag damals etwas über dem OECD-Schnitt. Anschließend wurden die Problemlöse-Tests eingestellt, da sie praktisch die gleichen Resultate brachten wie die anderen abgetesteten Bereiche. Die jüngsten Ergebnisse in den PISA-Hauptkategorien Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften waren bereits im Dezember 2013 vorgestellt worden. Österreich lag dabei in der Mathematik signifikant über dem OECD-Schnitt, in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt und im Lesen darunter.

500.000 Schüler getestet

Das von der OECD durchgeführte Programme for International Student Assessment (PISA) ist der größte internationale Schüler-Leistungstest. Für die aktuelle, fünfte Ausgabe wurden 2012 in 65 Ländern (u.a. alle 34 OECD-Staaten) rund 500.000 Schüler des Jahrgangs 1996 in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und Problemlösen getestet. In Österreich wurde dafür eine Zufallsstichprobe von rund 5.000 Jugendlichen in knapp 200 Schulen untersucht. Pro Schule wurden maximal 35 Schüler getestet - den Computertest für das Problemlösen absolvierten lediglich höchstens 18 Jugendliche pro Schule, das heißt, dass die Stichprobe nur ca. halb so groß ist wie bei den PISA-Hauptdomänen.

So schnitten die OECD-Länder ab:
Im OECD-Schnitt befinden sich neben Österreich noch Norwegen (503), Irland (498), Dänemark (497) und Portugal (494). Signifikant unter dem OECD-Schnitt liegen etwa Schweden (491), Russland ( 489), die Slowakei ( (483), Polen (481), Spanien (477), Slowenien (476), Ungarn (459) und die Türkei (454), Schlechtestes OECD-Land ist Chile (448), schlechtester EU-Staat Bulgarien (402) und schlechtester Teilnehmerstaat insgesamt Kolumbien (399).

Die besten Nicht-OECD-Länder:
Die besten Ergebnisse wurden im Nicht-OECD-Staat Singapur (562) erzielt, gefolgt von Südkorea (561), Japan (552), Kanada (526) und Australien (523). Im Spitzenfeld der 2012 durchgeführten Erhebung liegen auch die chinesischen Provinzen bzw. Regionen Macao, Hong Kong (je 540) und Shanghai (536) sowie das Nicht-OECD-Land Taiwan (534). Die besten Ergebnisse in Europa lieferten Finnland (523), England (517) und Estland (515). Außerdem liegen noch Frankreich, die Niederlande (je 511), Italien (510), Deutschland, Tschechien (je 509), Belgien und die USA (je 508) signifikant über dem OECD-Schnitt.
 

"Der Standard" vom 02.04.2014                                Seite: 1

Ressort: SEITE 1

 

Niederösterreich, Bundesland Abend

 

Alternativschulenlösen bei Pisa-Test Probleme besser

 

Grund: Fördernde Unterrichtsmethoden Geschlechterkluft in Österreich größer

 

   Wien – Österreichs Schülerinnen und Schüler landeten bei der neuen Pisa-Auswertung zum Kompetenzbereich „Problemlösen“ im Mittelfeld. Sie sind also nur mittelmäßige Troubleshooter und werden von Gleichaltrigen in Südostasien weit abgehängt, wenn es um schlussfolgerndes Denken und selbstständiges Lernen geht. In Europa liegt Finnland vorne.

 

   Ein Österreich-Detail steche aber besonders heraus, sagt Analytiker Franceso Avvisati im Interview mit dem Standard unter Verweis auf private Alternativschulen mit eigenem Lehrplan (z. B. Waldorf, Montessori): „Es ist interessant, dass in Österreich die Schüler in Statutschulen viel besser abschneiden, als man aufgrund ihrer Mathematikergebnisse erwarten könnte. Das könnte ein Hinweis dafür sein, dass die Unterrichtsmethoden in diesen Schulen die Problemlösungskompetenzen stärker fördern.“

 

   Die OECD-weite Geschlechterkluft, derzufolge Buben im Schnitt um sieben Punkte besser abschneiden als Mädchen, verschärft sich in Österreich auf zwölf Punkte mehr für die Buben. (red) Seite 6, Kommentar S. 32

 

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"Der Standard" vom 02.04.2014                                Seite: 6

Ressort: Inland

 

Lisa Nimmervoll

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Pisa macht Österreich wieder Probleme

 

   Mittelmäßige Troubleshooter: Das letzte Pisa-Zeugnis bis mindestens 2019, falls Österreich 2018 wieder teilnimmt, bringt noch einmal mäßige Noten für die österreichischen Schüler. Im Fach „Problemlösen“ landen die 15-Jährigen genau im OECD-Mittelfeld.

 

   Wien – Wenn österreichische Jugendliche an einem für sie neuen Fahrscheinautomaten herumhantieren müssen und virtuell ein Ticket lösen sollen, dann ist die Chance, dass sie es schaffen, den richtigen Schein zu lösen, nur mittelmäßig. Auch ein kaputtes elektronisches Gerät wird von 15- bis 16-Jährigen hierzulande mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum Funktionieren gebracht: Sie sind nur mittelmäßige Troubleshooter.

 

   Das zeigt die am Mittwoch präsentierte Auswertung des Pisa-Tests 2012 im Bereich „Problemlösen“. Österreichs Schüler landeten genau im OECD-Mittelfeld. Oder aber: Sie sind quasi in der „Durchschnittsfalle“ gefangen, denn sie erreichen exakt den Wert, den sie auch 2002 erzielten (506 Punkte, OECD-Schnitt 500). Damit liegt Österreich 56 Punkte hinter Siegernation Singapur und 17 Punkte hinter dem europäischen Top-Performer Finnland. Die ersten sieben Plätze gehören ostasiatischen Nationen.

 

   Warum eine Pisa-Studie „Problemlösen“ nach Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften? „In modernen Gesellschaften besteht das ganze Leben aus Problemlösen“, begründet die OECD dieses Kompetenzfeld. Permanente Veränderungen in Gesellschaft, Umwelt und Technologie machten Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft und den Mut zu Neuem zu „unerlässlichen Voraussetzungen“, um sich in einer „unvorhersehbaren Welt“ zu bewähren. Die entscheidende Frage sei, ob die Schule diese Kompetenzen auch vermittle – oder nicht (genug).

 

   Dazu wurden Testbeispiele entwickelt, die Situationen aus dem realen Leben simulieren – alle am Computer zu beantworten. Die Definition für „Problemlösen“ lautet: „Die Fähigkeit, Prozesse kognitiv zu verarbeiten, um Problemsituationen zu verstehen und zu lösen, in denen die Lösungsmethode nicht unmittelbar auf der Hand liegt.“

 

   Damit kamen die Schüler in Südostasien am besten klar. Mehr als die Hälfte von ihnen (56 Prozent), aber nicht einmal ein Drittel der Schüler in OECD-Ländern, schafften es, das kaputte Elektrogerät zu reparieren.

 

   Selbstständiges Lernen lernen

 

   Allerdings warnen die OECD-Analytiker generell, dass selbst in den am besten abschneidenden Ländern eine bedeutende Zahl der 15-Jährigen nicht über die grundlegenden Problemlösekompetenzen verfügt, die für ein „erfolgreiches Leben unerlässlich sind“.

 

   Den Erfolg der südostasiatischen Schüler erklärt die OECD damit, dass diese Jugendlichen über ein „hohes Maß an schlussfolgerndem Denken und selbstständigem Lernen verfügen“.

 

   Die Mittelfeld-Leistungen der österreichischen Schüler sind übrigens allgemein etwas niedriger, als man angesichts der Pisa-Ergebnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft erwarten würde, heißt es im Bericht.

 

   Allerdings gibt es ein herausragendes Beispiel: Die „Statutschulen“ schneiden deutlich besser ab, als ihre sonstigen Pisa-Leistungen erwarten lassen würden, erklärt der Hauptautor der neuen Pisa-Studie, Francesco Avvisati im Standard-Interview (siehe unten). Solche Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht, die keinem Typus einer öffentlich-rechtlichen Schule entsprechen und ein Organisationsstatut und eigenes Schulkonzept (Lehrplan etc.) genehmigen lassen müssen (z. B. Montessori-, Waldorf- oder Pestalozzi-Schulen), besuchen 0,3 Prozent der 15-jährigen Schüler in Österreich.

 

   Immerhin, ein positives Detail gibt es für Österreich: Die Zahl der leistungsschwachen Problemlöser (18,4 Prozent „low achievers“) ist etwas niedriger als im OECD-Schnitt (21,4 Prozent). In Südkorea und Japan gibt es nur sieben Prozent Risikoschüler. Österreichs „top performer“-Anteil (10,9 Prozent) entspricht ungefähr dem OECD-Mittel (11,4).

 

   Anders sieht es bei der Genderfrage aus: Da ist der Vorsprung der Buben in Österreich (zwölf Punkte) fast eineinhalbmal so groß wie im OECD-Schnitt (sieben Punkte). Allerdings sind die Leistungen der Buben auch breiter gestreut als jene der problemlösenden Mädchen.

 

   Der sozioökonomische Hintergrund ist beim „Problemlösen“ übrigens weniger prägend als bei den sonstigen Schülerleistungen. Problemlösefähigkeiten würden, so die OECD, offenbar auch in anderen, nicht schulbezogenen Kontexten erworben. Migrationshintergrund verursacht in Österreich – anders als in anderen Ländern – einen 32-Punkte-Nachteil. Kommentar Seite 32

 

   p Pisa-Beispiele für „Problemlösen“ auf:

 

   derStandard.at/Bildung

 

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"Der Standard" vom 02.04.2014                               Seite: 32

Ressort: Kommentar

 

Michael Völker

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Unser Platz im Mittelmaß

 

Von der Schule bis zur Regierung: Es werden Zustände verwaltet

 

   Österreich suhlt sich in der Mittelmäßigkeit, auch dieses Mal wieder: Im Kompetenzbereich „Problemlösen“ liegen die österreichischen Schüler im internationalen Mittelfeld. Das ist das Ergebnis einer Teilauswertung einer Pisa-Studie, die im Jahr 2012 durchgeführt und jetzt veröffentlicht wurde. Es ist nicht wirklich überraschend, manch einer wird sogar aufatmen. Wir sind nicht schlecht. Immerhin.

 

   Allerdings: Wir sind auch nicht gut. Wir sind Mittelmaß. Wie unsere Regierung. Die zeigt auch keine Ambition, duckt sich weg in der Mittelmäßigkeit. Statt aufzuzeigen und die Herausforderung zu suchen, werden Zustände verwaltet und Probleme kleingeredet.

 

   Der Pisa-Test ist sinnbildlich ein gutes Beispiel für die Bundesregierung, für die Verwaltung, für den Umgang mit Herausforderungen. Diesmal wurden nicht Disziplinen wie Mathematik oder Naturwissenschaften getestet, sondern der Kompetenzbereich Problemlösen. Ein Feld also, bei dem es nicht nur ums Lernen, ums Auswendiglernen, um fachspezifisches Wissen, um Fleiß und Eifer geht, sondern das lebensnah ist: Probleme erkennen, angehen und lösen. Dazu braucht man Verstand und Verständnis, Kreativität und vielleicht Erfindergeist, eigenständiges Denken. Wichtige Voraussetzungen nicht nur für die Schule, sondern für das Leben, für die Wirtschaft, für die Wissenschaft, für den Beruf. Simples Beispiel: So mussten an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets gekauft oder auf einer Straßenkarte die schnellste Route von einem Ort zum anderen identifiziert werden.

 

   Ganz typisch ist, wie die Regierung nun mit dem Pisatest verfährt, der innerhalb der OECD-Staaten koordiniert wird und alle drei Jahren stattfindet. Österreich will nicht besser werden. Österreich bemüht sich nicht, die Leistung zu verbessern, die Kompetenz zu erhöhen, Schüler und Lehrer zu fordern, Anreize zu setzen, das System zu verbessern, am Lehrplan zu arbeiten.

 

   Österreich steigt aus dem Pisa-Test aus. Österreich taucht sozusagen in der Mittelmäßigkeit unter und versucht sich bildungsmäßig unsichtbar zu machen. Keine Leistungstests mehr, keine Vergleiche. Lieber still und stumm weiterwursteln, ohne dass jemand zusieht und Noten vergibt.

 

   Das ist blamabel. Egal, ob man das aus einem nationalen Sichtwinkel betrachtet oder aus der internationalen Perspektive: Diese österreichische Form der Problemlösung ist nicht kreativ, diese Form der Verweigerungshaltung ist armselig.

 

   Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek steht für diese mutlose Art der Politik, und man kann sich nur wundern. Sie hat unter der fadenscheinigen Ausrede eines Datenlecks, das mit der Pisa-Studie in keinem Zusammenhang steht, die Teilnahme an dem internationalen Testverfahren aufgekündigt. Es ist überraschend, wie schnell Heinisch-Hosek in ihrer neuen Rolle als Unterrichtsministerin ihren Kredit als kompetente und problemlösungsorientierte Politikerin verspielt und ohne große Not der Überforderung Platz eingeräumt hat.

 

   Der Mut, den Heinisch-Hosek als Frauenministerin noch hatte, als sie Forderungen in den Raum stellen konnte, denen ohnedies nicht nachgekommen wurde, ist ihr in jenem Ressort, in dem es an die Machbarkeit und um Umsetzung geht, abhandengekommen. Sie richtet sich in der Mittelmäßigkeit ein. Die Verösterreicherung hat von ihr Besitz ergriffen.

 

 

Der Standard – 2. April 2014

 

 

Pisa-Analyst: "Schulen mit eigenem Lehrplan schneiden viel besser ab"

Interview | Lisa Nimmervoll

Francesco Avvisati, Hauptautor der "Problemlösen"-Pisa-Studie, erklärt, warum die ostasiatischen Schüler so gut abschneiden

derStandard.at: Was sind die Erfolgsfaktoren von Schulsystemen, die beim Pisa-Test „Problemlösen“ besonders gut abgeschnitten haben?

Avvisati: Allgemein zeigen die Ergebnisse im Problemlösen, dass es nicht möglich ist, als Land sehr gut abzuschneiden, wenn man nicht auch über gute Mathe- und Lesekompetenzen verfügt. Daher unterscheiden sich die wichtigsten Erfolgsfaktoren nicht groß von denen, die auch bei den Leistungen in den Kernfächern ins Spiel kommen. Dazu zählen hohe Erwartungen für den Bildungserfolg aller Schüler und Schülerinnen, gut vorbereitete Lehrkräfte - und eine attraktive Laufbahn für Lehrer - und der Wille, die besten Mittel dort einzusetzen, wo sie am meisten gebraucht werden.

derStandard.at: Welchen Zusammenhang zwischen den Ergebnissen in den Hauptfächern und dem Problemlösen gibt es?

Avvisati: Das gute Abschneiden eines Schülers in den Hauptfächern bedeutet nicht automatisch, dass er oder sie auch im Problemlösen leistungsstark ist. Manche Länder schneiden im Problemlösen unter den Erwartungen ab; und auch umgekehrt gibt es Länder, in denen Schüler und Schülerinnen bessere Leistungen im Problemlösen zeigen, als man auf Grund ihrer Mathematik und Lesekompetenzen hätte erwarten können. Wenn man sich diese Unterschiede näher ansieht, kann man feststellen, dass in diesen Ländern oft Lehrpläne und Unterrichtsmethoden so gestaltet sind, dass sie selbständiges Lernen, Beobachten und Erforschen fördern. Problemlösen wird dabei als übergeordnetes Ziel des Lernprogramms gesehen, das in allen Fächern aufgenommen wird.

derStandard.at: Was ist die Erklärung dafür, dass die Leistungen der österreichischen Schülerinnen und Schüler etwas niedriger sind als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde?

Avvisati: Für Österreich liegt die Leistung im Problemlösen unter den Erwartungen, wenn man sich auf die Matheleistung der österreichischen Schüler basiert; der Unterschied ist aber nicht mehr signifikant wenn man auch die Lese- und naturwissenschaftliche Kompetenz in Betracht zieht. Eine unter den Erwartungen liegende Leistung könnte bedeuten, dass Schüler nicht genug Gelegenheit haben, um im Rahmen des Unterrichts ihre Problemlösekompetenzen zu entwickeln. Dabei ist es interessant festzustellen, dass in Österreich die Schüler in Statutschulen (Anm. Privatschulen mit eigenem Lehrplan, die keiner öffentlichen Schulart entsprechen, z.B. Waldorf- oder Montessorischulen) viel besser abschneiden als man aufgrund ihrer Mathematikergebnisse erwarten könnte. Das könnte ein Hinweis sein dafür, dass die Unterrichtsmethoden in diesen Schulen die Problemlösekompetenzen stärker fördern.

derStandard.at: Was bedeutet es, dass die österreichischen Schülerinnen und Schüler „hinter den Erwartungen zurückbleibende Leistungen bei interaktiven Aufgaben“, aber „über den Erwartungen liegende Leistungen bei Wissenserwerbaufgaben“ liefern?

Avvisati: Das bedeutet, dass österreichische Schüler und Schülerinnen es besonders schwierig finden, Probleme zu lösen, wenn sie zu Beginn nicht alle benötigte Informationen dargelegt bekommen. Wenn sie also zum Beispiel intuitiv vorgehen müssen, um einen Lösungsansatz zu finden, und dabei Zweifel und Ungewissheit zulassen müssen. In der Schule sind die meisten Übungen und Aufgaben nicht interaktiv gestaltet; im realen Leben und in der Arbeit aber muss man beim Problemlösen meistens zuerst bereit sein, mit einer unklaren und nicht strukturierten Situation umzugehen, um die fehlenden Informationen aktiv zu suchen. Bei Wissenserwerbaufgaben ist der Österreichs Unterschied zum OECD-Schnitt nicht signifikant.

derStandard.at: Wie erklärt sich der deutliche Vorsprung der südostasiatischen Länder beim Problemlösen? Entkräftet das den alten „Drillvorwurf“ bei den wissensbasierten Pisa-Tests in Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften?

Avvisati: Die asiatischen Länder an der Spitze bauen ihren Vorsprung besonders bei Wissenserwerbaufgaben auf – also bei Problemen, wo die Lösung stark auf den Erwerb neuen Wissens basiert, zum Beispiel durch schlußfolgerndes Denken von den vorhandenen Daten aus und von der Verarbeitung des Feedbacks zur Wirkung der eigenen Aktionsschritte. Bei solchen Aufgaben liegen Abstraktionsfähigkeiten im Vordergrund. Die Ergebnisse zeigen auch, dass es unter den asiatischen Ländern an der Spitze große Unterschiede gibt in deren Leistungen bei interaktiven Aufgaben – auch wenn bei den nicht-interaktiven Aufgaben die Leistungen ähnlich sind. Insbesondere fällt auf, dass Schüler in Korea und Singapur sich sehr wohl mit Aufgaben befassen können, die – ungleich der typischen Textbuchübungen – ein aktives Erkunden der Problemsituation verlangen, um die nötige Information zur Lösung zu sammeln. Man kann sagen, dass Schüler in Korea, Singapur und Japan nicht nur das Fachwissen lernen; die Ergebnisse des letzten Pisa-Tests zeigen, dass sie auch bereit sind, selbständig aus den Problemen des Lebens zu lernen, und dass sie mit nicht vertrauten Situationen geschickt umgehen können.

Francesco Avvisati studierte Wirtschaftswissenschaften an der Scuola Superiore Sant’ Anna in Pisa, PhD an der Paris School of Economics, 2010 wechselte er vom französischen Arbeitsministerium zur OECD, wo er seit 2013 als Analyst im Pisa-Team für "Problem solving" zuständig ist.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 02.04.2014                            Seite: 2

Ressort: Politik

 

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Leistungen unter den Erwartungen

 

PISA-Test: Schüler lösen Probleme nur mittelmäßig

 

   Wien. - Die jüngsten Ergebnisse des vorerst letzten PISA-Tests in Österreich sind einmal mehr kein Grund zum Jubeln: Im Bereich kreatives Problemlösen liegen die heimischen Schüler nur im Mittelfeld und bleiben damit hinter den gesteckten Erwartungen. Die besten Ergebnisse erreichen Singapur und Südkorea, europäischer Spitzenreiter ist Finnland.

 

 

Kurier – 2. April 2014

 

 

Probleme beim Problemlösen.

Der letzte PISA-Test bis zur nächsten Wahl bescheinigt: Heimische Schüler bleiben Mittelmaß.

 

 

 

Es ist das letzte internationale Zeugnis für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek in dieser Legislaturperiode: Das PISA-Ergebnis zur Problemlösungskompetenz. Österreichs Schüler schneiden dabei nur mittelmäßig ab (siehe Grafik). Den PISA-Test 2015 wird Österreich schwänzen und erst 2018 wieder antreten. Wie dieser ausfällt, wird nach der Wahl publik.

Heinisch-Hosek erspart sich so auch Diskussionen um die Qualität des heimischen Schulsystems, speziell der Neuen Mittelschule. Und: Sie spart viel Geld. Denn das Ressort muss seine Ausgaben um 68 Mio. Euro reduzieren. PISA und bifie sind da ein großer Brocken. Harald Walser von den Grünen ortet ein Einsparungspotenzial von 23 Mio. Euro. Das Nein zu PISA nimmt er nicht als gegeben hin: "Ich kenne niemanden aus Industrie, Verbänden oder Forschung, der damit einverstanden ist." Wirtschaftskammerpräsident Leitl will den PISA-Test genauso wie die Bildungsforscherin Spiel: "Er hilft dabei, unser Schulsystem zu verbessern." Verbesserungsbedarf gibt es beim Fördern von Mädchen. Im Gegensatz zu Ländern wie Polen oder Finnland schaffen es unsere Schulen nicht, Schülerinnen in den Bereichen Mathematik oder "Problemlösung" zu stärken. Unter Letzterem versteht man die Fähigkeit, "Alltagsaufgaben zu lösen, wo eine Lösungsmethode nicht unmittelbar ersichtlich ist."

 

 

Wiener Zeitung – 2. April 2014

 

PISA

Österreichs Schüler beim Problemlösen im Mittelfeld

 

 

 

 

 

Wien. Die österreichischen 15- bis 16-jährigen Schüler sind bei einer Sonderauswertung des Pisa-Tests im Bereich Problemlösen im Mittelfeld gelandet. Die Leistungen der Schüler seien etwas niedriger als man angesichts der Ergebnisse in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erwarten würde, schreibt die OECD. Dennoch gebe es in Österreich anteilig weniger leistungsschwache Schülerinnen und Schüler im Bereich Problemlösen als in den meisten anderen OECD-Ländern. Bei den Problemlösen-Testaufgaben geht es nicht um spezielles Wissen, sondern um Lösungskompetenz; so mussten an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets gekauft werden.

 

 

Heute – 2. April 2014

 

Nur Mittelmaß!

PISA: Auch bei Problemlösen floppen unsere Schüler

Zwar hat Österreich die Teilnahme an PISA jüngst verschoben, doch die OECD veröffentlichte am Dienstag eine ältere Studie, bei der auch unsere Schüler teilgenommen haben. Demnach liegen diese im Kompetenzbereich "Problemlösen" nur im OECD-Mittelfeld - Mädchen schneiden signifikant schlechter ab als Buben - in Europa liegt Finnland vorn.

In der neuen und für längere Zeit letzten "Schulnachricht" der OECD an Österreich steht: Unsere Schüler sind nur mittelmäßige Troubleshooter. Das aktuelle Pisa-Zeugnis widmet sich dem Kompetenzbereich "Problemlösen", der bei der Pisa-Testung 2012 zum zweiten Mal nach 2002 (Rang 15) erhoben wurde und am Dienstag international präsentiert wurde.

Keine Verbesserung seit 12 Jahren
Die Problemlösefähigkeit der in Österreich getesteten 15-Jährigen brachten einen Punktewert von 506 (so wie im Jahr 2002!) ein, der liegt in unmittelbarer Nähe des OECD-Mittelwerts von 500 Punkten, was einem Rang zwischen Platz 13 und 22 von insgesamt 44 teilnehmenden OECD-Staaten und Partnervolkswirtschaften entspricht.

Fahrschein zwicken, Straßenkarte lesen
Die Definition für "Problemlösen" lautet: "Die Fähigkeit, Prozesse kognitiv zu verarbeiten, um Problemsituationen zu verstehen und zu lösen, in denen die Lösungsmethode nicht unmittelbar auf der Hand liegt." Dazu wurden Situationen aus dem realen Leben simuliert. Die Schüler mussten etwa an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets kaufen oder auf einer Straßenkarte die Dauer der schnellsten Route von A nach B herausfinden oder mit einem kaputten Elektrogerät zurandekommen.

Wer "kreatives Problemlösen" beim Test zeigen wolle, müsse "Neuem gegenüber offen sein, Zweifel und Ungewissheit zulassen und es wagen, intuitiv vorzugehen, um einen Lösungsansatz zu finden", heißt es in der OECD-Analyse.

Die Gewinnernationen
Die Siegernation Singapur liegt mit 562 Punkten einen Punkt vor dem ersten OECD-Mitgliedstaat Korea, gefolgt von Japan - alle weit über dem OECD-Schnitt. Vier weitere ostasiatische Partnervolkswirtschaften (Macau, Hongkong, Schanghai und Chinesisch Taipeh) rangieren auf den Plätzen vier bis sieben. Erst dahinter kommen Kanada, Australien, Finnland als erstes OECD-Land auf Platz 10 bzw. wenn man nur die OECD-Staaten nimmt, auf Rang fünf, dann England (United Kingdom), Italien, Tschechien, Deutschland, USA und Belgien, die noch über dem OECD-Durchschnitt landeten.

Getestet wurden weltweit rund 85.000 Schüler zwischen 15 und 16 Jahren, die Erhebung in diesem Bereich wurde - anders als bei Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften - am Computer durchgeführt. In Österreich nahmen repräsentativ für die rund 93.000 Jugendlichen, die im Testjahr 2012 15 Jahre alt waren, 4.756 Schüler teil. Mit seiner Landung im statistischen OECD-Mittelfeld teilt sich Österreich den Platz mit Norwegen, Irland, Dänemark und Portugal.

Das nächste Pisa-"Zeugnis" kommt frühestens in fünf Jahren, denn nach dem Pisa-Teststopp durch Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) gibt es die nächste Gelegenheit, sich der größten internationalen Schülervergleich zu stellen, erst wieder im Jahr 2018, mit Ergebnissen 2019.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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