Montag, 7. April 2014

2014.04.08: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 8. April 2014

 

 

Pädagogik, Psychologie, PISA: Eine nicht gehaltene Rede

Jahrelang war ich Ghostwriter. Ab und zu reizt es mich noch immer, ein Redemanuskript zu entwerfen. Hier ein ganz spezieller Vorschlag.

 

Was eine österreichische Bildungsverantwortliche vor der OECD sagen könnte und sagen sollte: „Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ziel Ihrer Organisation ist die Wirtschaftsentwicklung. In diesem Sinne finanzieren Sie die PISA-Studien. Dafür ist Ihnen zu danken. Österreich hat an diesen Bildungsvergleichen teilgenommen. Leider waren unsere Ergebnisse bescheiden. Dass wir den nächsten Durchgang versäumen, ist eine hausgemachte Blamage. Deshalb werden wir uns beim nächsten Testverfahren umso mehr anstrengen. Das verspreche ich.

Heute aber will ich Ihnen etwas anderes erzählen. Ich komme aus einem Land, das als Wiege der Tiefenpsychologie bezeichnet wird. Sigmund Freud entwickelte in Wien seine Seelenkunde. Sie war die letzte große geistige Bewegung, die von Österreich ausgehend die ganze Welt ergriffen hat.

Freud selbst hat sich zum Bildungswesen kaum geäußert. Einmal meinte er, dass jede Erziehung den Weg zwischen der ,Scylla des Gewährenlassens‘ und der ,Charybdis des Versagens‘, will heißen: des Verweigerns, zu suchen hat.

Der Individualpsychologe Alfred Adler hatte zur Schule mehr zu sagen: Sein Leitmotiv war die Gemeinschaftsfähigkeit des jungen Menschen – ein Anliegen, über dessen Aktualität angesichts der dramatischen sozialen Veränderungen in Europa kein Zweifel bestehen kann.

In Wien gründete Maria Montessori, gemeinsam mit der Lehrerin Anna Freud übrigens, Schulen, die auch architektonisch eine Abkehr von den ,Kinderkasernen‘ der Monarchie darstellten. Am Wiener Rudolfsplatz kann man ein solches Gebäude noch heute bewundern. Lange vor PISA war Wien ein Zentrum psychologischer Untersuchungen. Das Forscherehepaar der Bühlers führte sie durch, zu ihrer Schülergeneration gehörten Paul Lazarsfeld und Marie Jahoda.

Feuerköpfe wie Wilhelm und Anni Reich stellten in Wien die sexuelle Befreiung ins Zentrum ihrer Pädagogik, und selbst die Summerhill-Bewegung, die in den 1960er-Jahren zu weltweiter Popularität gelangte, hatte einen kurzen Frühling in Österreich.

Die Weltwirtschaftskrise und die Vertreibung und Vernichtung des jüdischen Wien bedeuteten menschliche Tragödien und einen intellektuellen Aderlass. Anderseits aber exportierten Emigrantinnen und Emigranten ihre Ideen in die ganze Welt. Anna Freud lehrte in London, die Bühlers wirkten in den USA, so wie die ,Wiener‘ Siegfried Bernfeld, Bruno Bettelheim, Erik Erikson, Peter Blos, die Reichs und Dutzende andere.

Selbst 1945 war die tiefenpsychologische Tradition Wiens nicht völlig unterbrochen. Der ,rassisch nicht belastete‘ August Aichhorn, Verfasser des Erziehungsklassikers ,Verwahrloste Jugend‘, lud Anna Freud in berührenden Briefen nach Österreich ein. Gekommen ist sie viel später. Ab den 1950er-Jahren schufen weltanschaulich so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Erwin Ringel, Hans Strotzka, Viktor Frankl und Harald Leupold-Löwenthal eine zweite Blüte der Tiefenpsychologie. Aus der ,Marienthal‘-Forschergeneration war Lotte Schenk-Danzinger geblieben.

Später kamen Rudolf Ekstein, Marianne Springer-Kremser, Max Friedrich, Ernst Berger dazu. Sie alle bauten zusammen mit Psychologen und Psychagogen ein Werk auf, dem tausende Kinder Anregungen und Hilfe verdanken.

Dieser Tradition fühle ich mich verpflichtet. Das bedeutet kein Nein zu den Momentaufnahmen Ihrer Organisation. Aber mir geht es um mehr. Worum, wollen Sie wissen? Als man Sigmund Freud einmal fragte, was die Psychoanalyse eigentlich wolle, meinte er: ,Ihr Ziel ist, den Menschen arbeits- und liebesfähig zu machen.‘ Arbeits- und Liebesfähigkeit sind die Ziele meiner Bildungspolitik. Für sie stehe ich. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

So weit mein Vorschlag für die Rede: Er steht zur freien Verfügung. Glauben Sie, dass ein solcher Vortrag jemals gehalten werden wird?

E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zum Autor:

Kurt Scholz war von 1992 bis 2001 Wiener Stadtschulratspräsident, danach bis 2008 Restitutionsbeauftragter der Stadt Wien. Seit Anfang 2011 ist er Vorsitzender des Österreichischen Zukunftsfonds.

 

OÖN – 8. April 2014

 

Drei-Parteien-Forderung für Teilnahme am PISA-Test

LINZ. ÖVP, Grüne und FPÖ planen Beschluss am Donnerstag im Landtag - Landes-SP überlegt noch ihr Vorgehen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) müsse die Durchführung des PISA-Tests 2015 und die damit verbundenen Vortests dieses Jahr garantieren und auch sämtliche anderen Bildungserhebungen an österreichischen Schulen wieder aufnehmen: dies ist der Inhalt eines dringlichen Antrages, den ÖVP und Grüne gemeinsam für die Sitzung des oberösterreichischen Landtags eingebracht haben. Unterstützung haben die Freiheitlichen angekündigt. Damit wird die offizielle Landtags-Aufforderung an Heinisch-Hosek zumindest ein Dreiparteienbeschluss. Die Landes-SP hat sich noch nicht entschieden, wie sie am Donnerstag reagieren wird. Sicher ist, dass sie den Antrag nicht mit einbringen wird. "Das Weitere wird in der Klubsitzung am Dienstag entschieden", hieß es aus dem SP-Landtagsklub: Man wolle prüfen, ob "es nicht nur eine Aktion gegen eine Ministerin ist".

Aus Oberösterreich war massive Kritik an der Absage des PISA-Tests gekommen. Heinisch-Hosek begründete sie mit dem Bifie-Datenleck, dessen Untersuchung nicht rechtzeitig abgeschlossen wäre. Auch dass die ebenfalls vom Bifie vorbereitete Zentralmatura wie geplant stattfinden kann, ändere laut Heinisch-Hosek daran nichts.

Bildungslandesrätin Doris Hummer (VP) hatte angekündigt, Oberösterreich werde den PISA-Test an seinen Schulen in Eigenregie durchführen. Auf ein Schreiben Hummers, der Test solle bundesweit durchgeführt oder dem Land sollten zumindest die Daten des Bifie zur Verfügung gestellt werden, antwortete die Ministerin bislang nicht. (bock)

 

 

Der Standard – 8. April 2014

 

 

SP-Bildungssprecherin will an Schulen mehr Feedback einholen

Ehemalige steirische Bildungslandesrätin will außerdem mehr praxisnahen Unterricht, Lehrer von Verwaltungstätigkeit entlasten und mehr Schulautonomie an den Neuen Mittelschulen

Wien - Die neue SP-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann will an den Schulen mehr Feedback-Kultur entwickeln, indem Schüler, Eltern und Lehrer per standardisierten Fragebögen rückmelden, wie es um die Schulqualität bestellt ist. Ziel der Maßnahme ist ein gezieltes Förderangebot - auch für Pädagogen. "Das muss hochsensibel angegangen werden, die Gewerkschaft sollte bei der Erarbeitung mitwirken."

Es soll nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die die altersadäquaten Fragebögen ausarbeitet, so die frühere steirische Bildungslandesrätin im Gespräch mit der APA. Grossmann, die sich in ihrer neuen Position aber nicht als Fürsprecherin der Länder versteht, sieht generell "abseits der Strukturfragen einiges zu tun."

Sie will u.a. Lehrer von Verwaltungsaufgaben entlasten, die derzeit mehr als 30 Prozent von deren Tätigkeit ausmachen. Die Schulgesetze, Verordnungen und Erlässe sollen durchforstet werden und ein kompaktes Werk entstehen, sodass gleichzeitig mehr autonom vor Ort geregelt werden kann. Bei den Lehrplänen wünscht sich Grossmann einen Schwerpunkt auf Wissensmanagement, bei dem die Schüler lernen, woher sie sich ihr Wissen holen können, und praxisnahen Unterricht. "Es muss den Schülern immer klar sein, wozu sie etwas lernen", betont sie. Als Konsumentenschutzsprecherin sei ihr außerdem Verbraucherbildung ein Anliegen, bei der Schüler lernen, mit ihren Finanzen hauszuhalten.

Mehr Bundesverantwortung bei Kindergärten

Im Kindergartenbereich plädiert die SP-Bildungssprecherin dafür, dass der Bund "sehr wohl mehr Verantwortung übernehmen sollte". Eine Kompetenzdebatte - derzeit gibt der Bund die Bildungsziele vor, die Länder bestimmen die Rahmenbedingungen, die Gemeinden sind bei 60 Prozent der Kindergärten Erhalter - will sie allerdings verhindern. "Dann kommen wir gleich wieder in ein Machtspiel hinein und damit wird die Diskussion im Keim erstickt." Dass Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer (ÖVP) die Gemeinden nur für die Betreuung, aber nicht für Bildung in den Kindergärten zuständig sieht, kritisiert die Bildungssprecherin. "Hier muss man sehr stark umdenken."

Im Gegensatz zu Mödlhammer ist für Grossmann auch weiterhin eine akademische Ausbildung für Elementarpädagoginnen und -pädagogen das Ziel, wobei es dafür zunächst ausreichend qualifizierte Lehrende brauche. Die Ausbildung an den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (Bakips), einer Art berufsbildender Schule mit Maturaabschluss, will Grossmann trotzdem nicht im Voraus infrage stellen. "Man muss zuerst genau analysieren, ob es durch ein Abziehen an Hochschulen in den Städten nicht zu Versorgungslücken im ländlichen Raum kommt."

Grossmann: Neue Mittelschule auf halben Wege stecken geblieben

Die Neue Mittelschule (NMS) verteidigt Grossmann: Diese sei ursprünglich nur als Zwischenschritt zur Gesamtschule gedacht gewesen, sei aber wegen des Widerstands der ÖVP auf halbem Weg stecken geblieben und das Problem der frühen Selektion bleibe weiterhin bestehen. "Natürlich können die Erwartungen von der NMS damit nicht erfüllt werden."

"Vielleicht sollte man mehr alternative Lern- und Lehrmethoden einsetzen und noch mehr Schulautonomie zulassen, damit die Ressourcen situationsabhängiger und zielgerichteter eingesetzt werden können." Dabei könnte es aus ihrer Sicht auch vereinzelt sinnvoll sein, dass in Deutsch, Mathe und Englisch nicht zwei Lehrer gemeinsam in der Klasse stehen, sondern je ein Lehrer eine stärkere und eine schwächere Gruppe unterrichtet. Leistungsgruppen wie an den Hauptschulen sollen dabei aber weiterhin nicht möglich sein - aus diesen sei man schwer herausgekommen und die Zuteilung sei zudem nicht nur nach Leistung, sondern auch nach pragmatischen Überlegungen passiert.

 

 

"Tiroler Tageszeitung" Nr. 96 vom 08.04.2014                Seite: 11

Ressort: Nachrichten1u2

 

 

Dienstrecht soll NMS pushen

 

   Wien - Die neue SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann will an den Schulen mehr Feedback-Kultur entwickeln. Schüler, Eltern und Lehrer sollen per Fragebögen rückmelden, wie es um die Schulqualität bestellt ist. Es soll nun eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die die altersadäquaten Fragebögen ausarbeitet, kündigte die frühere steirische Bildungslandesrätin an.

 

   Die geringe Beteiligung von Gymnasien an der Neuen Mittelschule (NMS) führt Grossmann auf die ?fast unüberwindliche Hürde" der Zustimmung von zwei Drittel der Eltern und Lehrer zurück. ?Damit hat der Koalitionspartner uns viele Probleme eingebrockt." Grossmann sieht das ?Klassensystem" zwischen AHS- und Pflichtschullehrern durch die Lehrerausbildung und das neue Dienstrecht aber abflachen. (APA)

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 08.04.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Überblick...

 

   Neue SP-Schulsprecherin für mehr Förderangebote

 

   Wien. Die neue SP-Bildungssprecherin im Nationalrat, Elisabeth Grossmann, will an Schulen mehr Feedback. Schüler, Eltern und Lehrer sollten durch standardisierte Fragebögen rückmelden, wie es um die Schulqualität bestellt ist. Ziel ist ein besseres Förderangebot, auch für Pädagogen. "Das muss sensibel angegangen werden, die Gewerkschaft bei der Erarbeitung mitwirken", betont Grossmann. Sie will außerdem die Lehrer von Verwaltungsaufgaben entlasten, die derzeit mehr als 30 Prozent der Tätigkeit ausmachen. Schulgesetze und Verordnungen sollen durchforstet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen