Mittwoch, 9. April 2014

2014.04.10: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 10. April 2014

 

 

Wiener ÖVP will Neue Mittelschule abschaffen

Die Wiener ÖVP will die "Wiener Mittelschule", eine Sonderform der NMS, bundesweit einführen. So soll ein "Einheitsbrei" vermieden werden.

Die Wiener ÖVP will die "Wiener Mittelschule", eine Sonderform der Neuen Mittelschule (NMS), bundesweit einführen. Dieses Modell soll die NMS künftig ersetzen, so der Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka im Ö1-"Morgenjournal". Das sei richtungsweisend, "weil man da nicht mit Teamteaching einen Einheitsbrei unterstützt, sondern mit Kurssystemen Leistungsanreize setzt".

Die Wiener Mittelschule wurde 2009 nach einem Kompromiss zwischen SPÖ und ÖVP als eine spezielle Variante der NMS eingeführt. Wichtigste Unterschiede zu den NMS in den anderen Bundesländern: In der Wiener Form wird in einem Kurssystem unterrichtet, an den anderen Standorten soll die Leistungsdifferenzierung durch zwei Lehrer in der Klasse (Teamteaching) funktionieren. Außerdem sind in der Bundeshauptstadt nicht nur ehemalige Hauptschul-Standorte, sondern auch einige AHS bei dem Modell mit dabei.

Dass sich die Wiener ÖVP eine Ausweitung dieses Schultyps wünscht, ist verwunderlich. Juraczka hat noch vor eineinhalb Jahren davor gewarnt, jede neue Schule in Wien als Wiener Mittelschule zu führen. Das sei eine "gefährliche Drohung gegenüber den Gymnasien", sagte er damals. Auch für seine Parteikollegin Landtagsabgeordnete Isabella Leeb hat die Wiener Mittelschule "nichts am System geändert und die Bildungserfolge nicht verbessert". Warum die Wiener ÖVP nun einen inhaltlichen Schwenk macht, erklärt Juraczka gegenüber "Ö1" so: Er wolle zur AHS, die er unbedingt für erhaltenswert erachte, eine "leistungsfähige Alternative" haben, die auch eine Durchlässigkeit im Schulsystem ermögliche.

Bundes-ÖVP lehnt Vorschlag ab

Bei der Bundes-ÖVP blitzte die Wiener ÖVP übrigens vorerst ab. ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank will zunächst die Evaluierung von NMS und WMS abwarten, sagte sie im Ö1-"Mittagsjournal".

Positiv hat hingegen Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf den Vorschlag des Wiener ÖVP-Chefs Manfred Juraczka reagiert. Sie lobte die WMS für deren echte Vielfalt unter den Schülern, da in dieser Schulform ehemalige Hauptschulen verpflichtend mit Gymnasien zusammenarbeiten. Eine bundesweite Umsetzung sei allerdings ohnehin schon jetzt möglich, sie werde nur von den Gymnasien wenig genutzt. Das von Juraczka gelobte Kurssystem mit Leistungs- und Förderkursen könne ebenfalls schon jetzt an den NMS umgesetzt werden.

Die Wiener SPÖ sieht in den Aussagen Juraczkas nur einen "halben ersten Schritt": Um mehr Wiener Mittelschulen zu führen, müssten auch mehr AHS-Standorte mitmachen können, so Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch und Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl in einer Aussendung. Deswegen wäre es nötig, die dort für eine Umstellung gesetzlich erforderliche Zweidrittel-Mehrheit der Schulgemeinschaft abzuschaffen. Juraczka solle sich daher auf Bundesebene für deren Ende einsetzen.

FPÖ: "Schwarze mascherln sich für die SPÖ auf"

Kritik setzte es von FPÖ und Grünen: Der Wiener FPÖ-Bildungssprecher Dominik Nepp vermutet in einer Aussendung, dass sich "die Stadtschwarzen für die SPÖ aufmascherln" und nach dem Motto "Mache alles, öffne nackt" nach "der sicherlich urwichtigen Homo-Ehe nun auch den Rest des Wiener SPÖ-Parteiprogramms ungefiltert übernehmen". Der Grüne Bildungssprecher Harald Walser ortete "bildungspolitische Chaostage in der ÖVP" - Juraczka habe immer noch nicht verstanden, dass das Problem nicht in der Ausgestaltung der NMS liege, sondern in der grundsätzlichen Trennung der Kinder mit zehn Jahren.

 

 

Die Presse – 10. April 2014

 

 

Warum gerade die Lehrerschaft an Ausgebranntsein leidet

Lasst von den Forderungen, die ihr unentwegt an die Schule stellt, endlich ab, möchte man den Verantwortlichen zurufen. Verfolgt eine ganz andere Strategie.

 (Die Presse)

Es ist jetzt amtlich: 37 Prozent aller Erwerbstätigen bestätigen, dass die folgende Aussage auf sie zutrifft: „Ich muss auch zu Hause an die Schwierigkeiten bei der Arbeit denken." Aber mit 63 Prozent als einzige Berufsgruppe weit den Durchschnitt übertreffend stimmen die Lehrer dieser bedenklichen und traurigen Aussage zu. Lehrer leiden häufiger als alle anderen Erwerbstätigen an Erschöpfung und dem Empfinden, ausgebrannt zu sein.

Die Zahlen wurden nicht hier bei uns in Österreich, sondern vom Aktionsrat Bildung unseres nördlichen Nachbarlandes im Gutachten „Psychische Belastungen und Burn-out beim Bildungspersonal" erhoben. Man darf davon ausgehen, dass nicht nur in Deutschland, sondern auch bei uns das Problem genauso besteht. Der Aktionsrat Bildung benennt eine Reihe von Faktoren, die Burn-out begünstigen. „Dabei spielen die ständigen Bildungsreformen eine erhebliche Rolle", beklagt das genannte deutsche Institut. „So leiden Schulleiter an einem Übermaß an Organisations- und Verwaltungsaufgaben. Vor allem das ,Umsetzen von Reformen des Schulministeriums' werde von den Schuldirektoren als stark belastend empfunden." Auch hier soll niemand meinen, das treffe zwar bei den anderen zu, nicht jedoch in Österreich. Das Gegenteil dürfte eher stimmen.

Der grundsätzliche Fehler dürfte wohl darin bestehen, dass man einerseits der Schule zu viel zumutet und andererseits auf permanente Kontrolle – oft euphemistisch mit den Unwörtern „Testkultur" und „Feedback-Kultur" umschrieben – nicht verzichten will. Die Aufgaben, denen sich die Lehrer gegenübersehen, nehmen ständig zu.

Die Kinder und Jugendlichen zu ihren Bildungs- und Ausbildungszielen zu beflügeln oder wenigstens ein Mindestmaß an Mitarbeit von ihnen abverlangen zu können ist gegenwärtig schwerer als noch vor Jahrzehnten. Und hinzu treten weitere Belastungen, die in der genannten Studie angesprochen werden.

Lasst von den Forderungen und Ansprüchen, die ihr unentwegt an die Schule stellt, endlich ab, möchte man den Verantwortlichen zurufen. Verfolgt eine ganz andere Strategie.

Erstens sollte der Staat darauf verzichten, Schulorganisation und Lehrpläne bis ins letzte Detail zu dekretieren. Es genügt, nur wenige Markierungen zu setzen, denen die Schule als Stätte der Bildung und Ausbildung folgt. Alles weitere soll man den einzelnen Schulen, ihren Direktoren und der Schulgemeinschaft, bestehend aus Lehrern, Schülern und Eltern, in Eigenverantwortung überlassen. Wenn der Lehrer – weiblich wie männlich, das ist ja selbstverständlich – das Gefühl hat, selbst für seinen Erfolg verantwortlich zu sein, gerät er seltener in die Falle des Ausgelaugt-Fühlens.

Zweitens sollte die Gesellschaft Schule nicht so tierisch ernst nehmen, wie es sich im Laufe der letzten Jahrzehnte leider eingebürgert hat – vor allem jetzt, da man von einem standardisierten Test zum nächsten hetzt und ein Aufschrei des Entsetzens ertönt, wenn man einen davon versäumen sollte.

Vor mehr als hundert Jahren maturierte Richard Engländer, der sich später Peter Altenberg nannte, erfolgreich in Deutsch, obwohl er zum Aufsatzthema „Welche kulturellen Errungenschaften verdanken wir Amerika?" nur das Wort „Erdäpfel" geschrieben hatte. Geschadet hat es weder ihm noch dem Staat. Heute scheint dies undenkbar.

Obwohl, es gibt einen Hoffnungsschimmer: Eben erschien „Vervollständige die Funktion", das amüsante Buch von Petra Cnyrim mit 222 genial schlagfertigen Antworten auf nervige Prüfungsfragen. Lehrer sind zu ermutigen, Kindern uneingeschränktes Lob auszusprechen, wenn sie so originell wie bei manchen Beispielen dieses Buches oder noch witziger reagieren. Bei einem zentralen Leistungstest fiele man zwar durch, aber die Frage „An welchem Tag starb Friedrich Schiller?" ist von jenem Schüler dennoch großartig beantwortet, der ganz richtig schrieb: „An seinem letzten".

E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zum Autor:

Rudolf Taschner ist Mathematiker und Betreiber des math.space im quartier 21, Museumsquartier Wien.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 10.04.2014                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

AKTUELL

 

   Wiener ÖVP prescht vor

 

   WIEN. Der Wiener ÖVP-Chef Manfred Juraczka will die „Wiener Mittelschule", eine Sonderform der Neuen Mittelschule (NMS), bundesweit einführen. Dieses Modell sei richtungweisend, „weil man da nicht einen Einheitsbrei unterstützt". Die Wiener Mittelschule wurde 2009 nach einem Kompromiss zwischen SPÖ und ÖVP als eine spezielle Variante der NMS eingeführt. Wichtigste Unterschiede zu den anderen Bundesländern: In der Wiener Form wird in einem Kurssystem unterrichtet, anderswo durch zwei Lehrer in der Klasse (Teamteaching). Die Bundes-ÖVP hat den Vorstoß bereits abgelehnt.

 

 

Österreich – 10. April 2014

 

 

Sparhammer für Heinisch 

128 Millionen bei unseren Schulen gekürzt

Trotz Sparpakets im Schulbereich soll es mehr Geld für Sprachförderung geben.

800 Millionen Euro müssen die Ministerien 2014 und 2015 einsparen – und den Bildungsbereich trifft es besonders hart: Wie Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Mittwoch im Interview mit ÖSTERREICH bestätigte, muss ihr Ministerium 2015 weitere 60 Millionen Euro einsparen. Ein Hammer, kommt doch das Ressort der SPÖ-Ministerin schon heuer ordentlich zum Handkuss.

Ministerin: Hauptsächlich in der Verwaltung sparen
68 Millionen soll sie 2014 bei den sogenannten Ermessensausgaben streichen – für zwei Jahre sind das dann also mit den 60 Millionen für 2015 sage und schreibe 128 Millionen Euro.

Gegenüber ÖSTERREICH versichert Heinisch-Hosek, dass Stundenpläne nicht zusammengestrichen werden und dass sie sich bemühen werde, in der Verwaltung einzusparen (siehe Interview).

Heinisch: 30 Millionen Förderung für Kleinkinder
Für manche Bereiche will sie sogar mehr Geld ausgeben: So forderte Heinisch-Hosek ihre Regierungskollegin Sophie Karmasin von der ÖVP dazu auf, mehr Geld für Sprachförderung bzw. Entwicklungsförderung der 4- bis 6-Jährigen auszugeben. Konkret soll es statt 15 Millionen (für 2015–2017) 30 Millionen geben. Das Geld soll aus jenem 350-Millionen-Topf kommen, der für die Kinderbetreuung vorgesehen ist und der an die Länder geht.

Die Lehrer sind angesichts der Kürzungspläne aufgebracht: „Ich habe wenig Verständnis für drastische Sparmaßnahmen, die Lehrer haben die Hypo nicht verursacht. Die schlechteste aller Möglichkeiten ist sparen auf Kosten unserer Kinder, so Lehrer-Gewerkschafter Paul Kimberger in ÖSTERREICH.

G. Schröder

Vorgabe für 2014 und 2015: Minister müssen 800 Mio. Euro sparen

Finanzminister Spindelegger setzt den Ministern Daumenschrauben an.
500 Millionen heuer – weitere 300 für 2015: Michael Spindelegger entwickelt sich zum großen Sparmeister der Regierung. Konkret geht es um Ermessensausgaben, also jene Teile des Budgets, die nicht gesetzlich gebunden sind. Während der Poker für 2014 abgeschlossen ist, geht es im Fall des Budgets für 2015 ans Eingemachte: Da die meisten Ministerien flugs ihre Rücklagen auflösen, ist für das kommende Jahr nicht mehr genug Geld da.

Heinisch-Hosek zum Sparkurs: "Den Kindern wird nichts genommen"

ÖSTERREICH: Die Regierung will 15 Millionen Euro für Sprachförderung …
G. Heinisch-Hosek: Ich will diese Summe für die nächsten drei Jahre verdoppeln, sodass 30 Millionen an die Länder ausgezahlt werden. Immerhin sind 350 Millionen für Kinderbetreuung vorgesehen – es ist also genug da.

ÖSTERREICH: Wofür soll das Geld verwendet werden?
Heinisch-Hosek: Wir müssen die Kinder schulfit machen: also für Sprachförderung sowie für Entwicklungsförderungen.

ÖSTERREICH: Zum Budget: Sie müssen heuer 68 Millionen sparen. Wie viel 2015?
Heinisch-Hosek: Nächstes Jahr werden es 60 Millionen Euro sein.

ÖSTERREICH: Können Sie sagen, wo Sie sparen?
Heinisch-Hosek: Noch nicht im Detail. Ich bemühe mich aber, hauptsächlich in der Verwaltung zu sparen. Sicher ist: Den Kindern werden keine Stunden weggenommen.

Lehrergewerkschafter Kimberger: "Kein Verständnis"

ÖSTERREICH: Den Bildungssektor trifft das Sparpaket am heftigsten …
Paul Kimberger: Ich habe wenig Verständnis für weitere drastische Sparmaßnahmen, die Lehrer haben die Hypo nicht verursacht. Die schlechteste aller Möglichkeiten ist sparen auf Kosten unserer Kinder.

ÖSTERREICH: Wird es Kampfmaßnahmen geben?
Kimberger: Das Bildungsbudget ist größtenteils personalgebunden. Deshalb ist es schwer machbar, 68 Mio. einzusparen, ohne die Lehrer zu treffen. Die Ministerin wird irgendwann sagen müssen, wann Maßnahmen schlagend werden. Dann werden wir weitersehen.

 

Der Standard – 10. April 2014

 

 

Wenn Lehrer "cool" sein wollen

Fabian Kretschmer

Selbstständig sollen Schüler lernen, gemeinsam und möglichst lebensnah: Bei der Jahrestagung des Impulszentrum für Cooperatives Lernen (Cool) entwickeln Lehrer einen ganzheitlichen Unterricht

Wien - "Mit 16 hatte ich meinen ersten Kosinus", sagt die Schülerin zur Begrüßung. Verdutzt ist gar kein Ausdruck, so wie die angesprochene Lehrerin vor der Eingangstür dreinschaut.

Bevor sie darüber nachdenken kann, auch richtig gehört zu haben, gesellt sich schon ein Bursche in Muskelshirt und "Swag-Kapperl" dazu: "Ich bin breiter als der Turnleher!" Und die Dritte im Bunde macht das Chaosorchester komplett: "Wenn die Direktorin ihre Glocken läutet, kommen alle Kinder."

Ein etwas ungewöhnlicher Empfang für einen Lehrerworkshop, doch Verwirrung zu stiften ist an diesem Nachmittag durchaus erwünscht: Ein "Blick über den Tellerrand" werfen, das verspricht die Jahrestagung des Impulszentrums für Cooperatives Offenes Lernen (Cool).

Seit 1996 haben sich österreichweit bereits über 70 Schulen der Bildungsinitiative angeschlossen, darunter hauptsächlich berufsbildende Schulen.

Deren Schüler schreiben etwa im Englischunterricht Drehbuchdialoge, buchen in Rechnungswesen Betriebskosten ab oder erstellen Touristenführer über ihren Heimatort. Eigenverantwortung, Teamfähigkeit und selbstständiges Planen lauten die Leitsätze der Cool-Didaktik. Frontalunterricht war gestern.

"Das fordert schon eine viel aufwändigere Vor- und Nachbearbeitung, der Unterricht selbst ist jedoch wesentlich entspannter", sagt eine HAK-Lehrerin, während sie einen kräftigen Löffel Krautsuppe zu sich nimmt.

Neue Pfade beschreiten heißt also auch: sich beim Suppenessen näherkommen statt der sonst auf Tagungen üblichen Kennenlernrunden mit Wurfbällen und Namenskärtchen.

"Schulopfer" unter sich

Über 200 Lehrer haben sich zur Auftaktveranstaltung des dreitägigen Seminars im Bildungszentrum der Arbeiterkammer Wien (AK) eingefunden, eingereiht zwischen Kürbis-, Gulasch- und Rübensuppen.

Fast alle Cool-Unterstützer eint dabei, ihr ganz eigenes Schulmartyrium hinter sich zu haben: Für Werner Muhm etwa, AK-Wien-Direktor und Gastgeber der Tagung, gehörten qualvolle Versagensängste zum Schulalltag wie das Läuten der Pausenglocke - hätte der Arbeitersohn nicht durch die Literaturempfehlungen seines Deutschlehrers das nötige Selbstbewusstsein getankt, Halt gefunden anhand der Bergarbeiterschicksale Émile Zolas und Gerhard Hauptmanns Weberaufstand, dann würde er laut Eigenaussage kein Jahr auf der AHS überstanden haben. Zu Hause hieß es nämlich stets: "Der Lehrer hat immer recht", oder: "Dafür bist du halt zu dumm!"

Auch Jugendforscher Bernd Heinzlmeier, geladen als Diskussionsgast, bezeichnet sich selbst als regelrechtes "Schulopfer". Einst wurde er gar zum Klassenvorstand zitiert, da er pornografische Schriften verteilt haben soll - tatsächlich handelte es sich um ein Textbuch der Beatles, auf dem eine halbnackte Frau abgebildet war.

Seine Rettung erfolgte ausgerechnet vom Vater: "Ich glaub, die erziehen unseren Sohn zu einem Trottel", soll er damals zu seiner Frau gesagt haben - und so den erlösenden Schulwechsel ermöglicht haben.

"Trotzdem: Die acht, neun Jahre gibt mir keiner zurück", sagt der Jugendforscher etwas verbittert.

Wie es auch anders geht, demonstriert die aus Berlin geladene Schulgründerin Margret Rasfeld: In ihren Klassen sitzen Hochbegabte neben Kindern mit Down-Syndrom, 14-Jährige lernen im Verbund mit 16-Jährigen, und Altenheimbesuche stehen genauso auf dem Stundenplan wie Bruchrechnen.

Der Unterricht der Zukunft müsse ganzheitlicher gedacht werden als bisher, meint Rasfeld. Auf die Herausforderungen des Lebens solle er vorbereiten, und die Schule dürfe kein luftleerer Raum mehr sein: "Was wir uns vorstellen, kostet wenig Geld, aber erfordert eine grundsätzliche Haltungsänderung."

 

 

"Der Standard" vom 10.04.2014                               Seite: 10

Ressort: InlandChronik

 

Bundesland, Bundesland Abend

 

Wiener VP-Wickel um Ausbau der Neuen Mittelschule

 

   Wien – Es war ein ungewöhnlicher Vorstoß, den Wiens VP-Chef Manfred Juraczka am Mittwoch im Morgenjournal wagte: Man solle doch das Modell der Wiener Mittelschule auf ganz Österreich ausrollen. Dieses sei deswegen besser als die Neue Mittelschule, „weil man da nicht mit Teamteaching einen Einheitsbrei unterstützt, sondern mit Kurssystemen Leistungsanreize setzt". Bei dem Wiener Modell sind nicht nur ehemalige Hauptschul-Standorte, sondern auch AHS involviert.

 

   Ausgerechnet Juraczkas Wiener Parteikollegen Brigitte Jank, ÖVP-Bildungssprecherin im Parlament, pfiff ihn wenige Stunden später zurück: Sie sagte, man müsse zuerst die Evaluierung beider Modelle abwarten. Offene Türen rennt Juraczka hingegen bei Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ein: Sie lobte die Wiener Mittelschule für deren „echte Vielfalt" unter den Schülern, die aus der verpflichtenden Zusammenarbeit von Hauptschulen und Gymnasien resultiert. Eine bundesweite Umsetzung sei ohnehin schon jetzt möglich, sie werde nur von den Gymnasien wenig genutzt.

 

   Abwartender gaben sich Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch sowie Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SP): Um mehr AHS-Standorte zum Mitmachen zu bewegen, müsste man die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Schulgemeinschaft abschaffen. Juraczka solle sich auf Bundesebene für deren Ende einsetzen.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 10.04.2014                            Seite: 2/3

Ressort: Politik

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Wi, Morgen

 

Überraschender Vorstoß Sonderform

 

Neue Mittelschule: Wiener ÖVP heizt Bildungsstreit wieder an

 

DORIS VETTERMANN

 

Wien. - Lange Zeit war es ruhig in der ÖVP in Sachen Bildung, nun heizen die Wiener Schwarzen den Streit um die Neue Mittelschule wieder an. Landesparteichef Manfred Juraczka will das Wiener Modell, für das sich vor allem die SPÖ starkgemacht hatte, österreichweit einführen. Die Bundes-ÖVP gibt sich zurückhaltend.

 

   Wiens ÖVP-Chef Manfred Juraczka.

 

   Noch vor eineinhalb Jahren war Juraczka von der Neuen Mittelschule gar nicht begeistert, er hatte davor gewarnt, jede neue Schule in Wien so zu führen. Jetzt klingt das ganz anders: "Bei der Wiener Neuen Mittelschule gab es eine Weiterentwicklung." Da wird nicht mit Teamteaching ein Einheitsbrei unterstützt, sondern im Kurssystem nach Stärken und Schwächen der Schüler differenziert", so Juraczka zur "Krone". "Wien ist Vorreiter, hier gibt es eine echte Durchmischung der Schüler. Die Schulen arbeiten eng zusammen", sagt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Sie betont jedoch auch, dass derzeit kaum AHS-Standorte als Neue Mittelschulen geführt werden. "Auch Herr Juraczka ist aufgefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten", so Heinisch-Hosek.

 

   ÖVP-Chef Spindelegger, der erst im Jänner eine "Bildungs-Revolte" der schwarzen Westachse bei einem nächtlichen Krisengipfel zerschlagen hatte, will sich nicht äußern. Aus seinem Büro heißt es: Man müsse nicht zu jedem "Randthema" etwas sagen. Er schickt Innenministerin Mikl-Leitner vor: "Es gibt mehrere Anregungen für eine Weiterentwicklung, das muss man sich genau ansehen."

 

 

"Kronen Zeitung" vom 10.04.2014                           Seite: 23

Ressort: Lokal

 

Wi, Abend, Wi, Vbg, Wi, Morgen

 

Eltern zahlen schon bis zu 47 Euro pro Einzelunterricht Der große AK-Test:

 

Nachhilfe so teuer wie noch nie

 

MICHAEL POMMER

 

Bürgermeister Michael Häupl versprach erst vor zwei Wochen: Für alle Sechs- bis 14-Jährigen wird es kostenlose Nachhilfestunden geben! Wie dringend das zur finanziellen Entlastung der Wiener Familien benötigt wird, zeigt ein großer Test der Arbeiterkammer. Demnach sind die Stunden derzeit so teuer wie noch nie.

 

   Man braucht keine Nachhilfe in Mathematik, um zu wissen: Bis zu 47 Euro pro Einzelunterricht sind viel zu viel. Die schulischen Probleme ihrer Kleinen kosten die Eltern in der Bundeshauptstadt ein Vermögen. Alle Ergebnisse der Untersuchung im Detail:

 

   Der Einzelunterricht verschlang 2013 noch durchschnittlich 31,73 Euro, heuer sind es 31,78. Das ist ein Plus von 0,2 Prozent. Hochgerechnet auf alle Schüler der Stadt, die Hilfe benötigen, kommt da ein Vermögen zusammen.

 

   Wesentlich teurer ist der Gruppenunterricht geworden. 2013 kostete ein solcher noch 15,27 Euro, 2014 sind es bereits 15,69 Euro. Immerhin ein Anstieg von 2,8 Prozent.

 

   Die Günstigsten: Einzelunterricht wurde bereits für 18 Euro und in der Gruppe für 6,23 Euro pro Stunde entdeckt, heißt es in der Arbeiterkammer-Studie.

 

   Die Teuersten: Pro Person 46,67 Euro im Solo-Unterricht und 33,33 Euro in der Gruppe pro Stunde sind nur für die wenigsten längerfristig leistbar.

 

   "In ganz Österreich werden jedes Jahr 100 Millionen Euro für Nachhilfe ausgegeben", erklärt AK-Expertin Manuela Delapina. Ihre Tipps für günstigere Angebote: Nachsehen, ob es eine Bindungsfrist gibt, eine ISO- oder TÜV-Zertifizierung, und in jedem Fall eine Probestunde vereinbaren.

 

 

"Österreich" vom 10.04.2014                                  Seite 17

Ressort:

 

Wien

 

Wien bietet lernhilfe an, denn:

 

Eltern können Nachhilfe nicht mehr bezahlen

 

Eine Stunde Einzel-Nachhilfeunterricht kostet in Wien zwischen 18 und 46,70 Euro.

 

Wien. die arbeiterkammer hat das angebot von 32 Wiener lerninstituten unter die lupe genommen. die preise für eine stunde einzel-nachhilfeunterricht sind erschreckend hoch. demnach reichen die Kosten von 18 bis 46,70 euro. im schnitt sind das 31,80 euro pro stunde.

 

die lernhilfe wird auch in Kleingruppen angeboten. Hier variieren die preise zwischen 6,20 und 33,30 euro -im schnitt sind es 15,70 pro stunde in einem lerninstitut. gegenüber 2013 sind die preise für einzelunterricht um 0,2 und bei Kleingruppen um 2,8 prozent gestiegen.

 

Gratis-Nachhilfe. Wie berichtet, hat Bildungsstadtrat Christian oxonitsch (spÖ) angekündigt, dass ab september in allen Volksschulen gratis nachhilfe angeboten wird. Für alle Unterstuf ler wird es das kostenlose angebot im laufe des schuljahres 2014/15 geben. dadurch sollen sich eltern bis zu 600 euro sparen. (mic)

 

Die AK-Tipps, um Geld zu sparen:

 

l Freunde nach guten Nachhilfelehrern fragen. l Mit Lehrer oder Institut über den Preis verhandeln. l Kurse mit vielen Unterrichtseinheiten sind meistens günstiger als einzeln vereinbarte Stunden. l Achtung: Institute bieten unterschiedlich lange Einheiten (45-100 Minuten) an.

 

 

"Kurier" vom 10.04.2014                                    Seite: 4

Ressort: Außenpolitik

 

Wi, Abend

 

ÜBERBLICK

 

 

   Neuer ÖVP-Streit über Schulreform

 

Mittelschule. Der Wiener ÖVP-Chef Manfred Juracka hat seine Meinung geändert und findet das Wiener Modell der Neuen Mittelschule nun so gut, dass man es in ganz Österreich einführen solle. Das "Wiener Modell" sieht Leistungs- und Fördergruppen in allen Unterrichtsfächern vor. Die Wiener ÖVP-Abgeordnete Brigitte Jank lässt Juracka jedoch abblitzen: Man solle "Evaluierungen abwarten".

 

 

Kurier – 9. April 2014

 

Kapsch will einen Neustart in der Bildungspoli­tik.

Kapsch fordert daher die Regierung auf, "endlich Reformen anzupacken".

 

 

 

 

 

 

Bildung und Wissenschaft sind wichtige Zukunftsinvestitionen. "Jeden Euro, den ich dafür aufwende, bekomme ich achtfach zurück", sagt Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV). "Der österreichische Staat investiert nur 27 Prozent in diese Bereiche. Das ist zu wenig."

Das habe Folgen, auch für die Wirtschaft: "Wir rutschen international im Bereich Forschung und Entwicklung ab. 2008 waren wir EU-weit noch auf Platz 6, mittlerweile sind wir auf Platz 10. Einst waren wir ,innovation leaders' – jetzt sind wir nur Mittelmaß."

Kapsch fordert daher die Regierung auf, "endlich Reformen anzupacken. Wir brauchen einen Neustart in der Bildungspolitik." Auch die IV will ihren Beitrag dazu leisten. Christian Friesl, IV-Bereichsleiter für Bildung und Gesellschaft: "Wir werden bis Herbst dieses Jahres konkrete Vorschläge auf den Tisch legen." Drei Bereiche stehen dabei besonders im Fokus:

Elementarpädagogik "Leider wird der Kindergarten immer noch aus dem Blickwinkel der Betreuung gesehen. Dabei ist er die wichtigste Bildungseinrichtung", sagt Kapsch. Zentrale Aufgaben des Kindergartens: "Sozialisation, Integration sowie Sprachförderung – auch für österreichische Kinder." Nötig seien daher Investitionen in die Qualität der Einrichtungen sowie eine bessere Ausbildung und Bezahlung der Elementarpädagogen.

Berufsbildende Schulen In Österreich sitzen drei Viertel einer Alterskohorte in berufsbildenden Schulen. Aufgrund der Demografie gibt es aber immer weniger Menschen, die sich in den MINT-Fächern ausbilden lassen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) Friesl will nun das Image der Lehre verbessern und mehr Frauen für diese Fächer gewinnen.

Tertiärer Sektor Die IV begrüßt das Vorhaben von Mitterlehner  in den Ausbau der Fachhochschulen und Universitäten zu investieren. Die zur Verfügung gestellten Mittel reichen allerdings nicht aus: „Wir  benötigen  500 bis 1000 neue FH-Plätze jährlich. Dafür müsste die Regierung Geld locker machen."

Lob gibt es von Kapsch für Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner: "Ihm ist die Wissenschaft offensichtlich ein Anliegen." Allerdings "hat er zu wenig Mittel zur Verfügung."

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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