Dienstag, 27. Mai 2014

2014.05.28: Bildung

Die Presse – 28. Mai 2014

 

 

„Was Lehrer machen, ist ehrenwert“

Der Lehrer David Schwarzbauer bloggt seit Kurzem für DiePresse.com. Er spricht über die richtigen und die falschen Themen in der Bildung – und erzählt, wie es ist, sich zu exponieren.

 (Die Presse)

Wien. Bildungspolitische Diskussionen werden allzu oft von Menschen bestimmt, die nie unterrichtet haben. Der AHS-Lehrer David Schwarzbauer bloggt unter dem Titel „Aus der Lernvollzugsanstalt“ seit kurzer Zeit für DiePresse.com und versucht, den Blickwinkel auf die Klassenzimmer zu lenken.

Die Presse: Herr Schwarzbauer, sind Sie ein guter Lehrer?

David Schwarzbauer: Meine Maxime ist, den Schüler in den Mittelpunkt zu stellen. Ich glaube schon, dass zumindest die Richtung eine gute ist.

Würden Sie sagen, dass Lehrer auch Bildungsexperten sind?

Wer ist schon wirklich ein Experte? Nach der Ausbildung ist man sicher noch keiner. Wichtig ist, eigene Erfahrungen zu sammeln. In der Bildung melden sich viele zu Wort, die zu wissen glauben, wie es geht. Und problematisch wird es, wenn dann Dinge umgesetzt werden, die irrelevant sind. Oder wenn viel Geld ausgegeben wird, das man andernorts viel besser brauchen könnte.

In der Politik wird zumeist über die Lehrerarbeitszeit und die Gesamtschule gestritten. Sind das die richtigen, wichtigen Themen?

Ich kann schon verstehen, dass Menschen diese Themen aufgreifen. Ich habe aber ein Problem damit, wie unreflektiert oft damit umgegangen wird. Bei der Arbeitszeit liest man immer wieder, dass der Lehrerjob ein Halbtagsjob ist. Das trifft nicht zu. Bei der Gesamtschule verstehe ich, dass eine Diskussion notwendig ist – aber sie sollte nicht als die Lösung für unser Bildungsproblem verkauft werden.

Was sind die richtigen Themen?

Wir sollten uns überlegen, wie unsere Kinder am besten lernen können und nicht, welche ideologische Schiene auf unsere Gesellschaft passt. Das vermisse ich oft. Die zentrale Frage muss immer sein: Hilft das dem Kind, um zu lernen und zu wachsen? Wenn es um PISA geht, sollte man darüber sprechen, welche positiven Auswirkungen eine Teilnahme darauf haben kann. Alle Bestrebungen der Bildungspolitik müssen letztlich auf das Lernen ausgerichtet sein. Aus der groß angelegten Bildungsstudie von John Hattie wissen wir, dass ganz viele Dinge, die bei uns stark diskutiert werden, nur einen geringen Effekt auf das Lernen haben.

Zentral ist laut dieser Studie dagegen der Lehrer.

Ja, in vielen Fällen ist das der Lehrer und seine Beziehung zu den Schülern. Und wie sehr der Schüler lernt, selbstreflektiert zu lernen.

Es gibt Lehrer, die aus Angst vor abschätzigen Kommentaren ihren Beruf verschweigen. Können Sie das nachvollziehen?

In Österreich tut mir jeder Lehrer leid, der das glaubt, was über ihn gesagt wird. Ich verstehe zwar Eltern, die sich über einen Lehrer ärgern, der nicht engagiert ist. Das ist aber eine sehr kleine Zahl. Und Lehrer haben es auch nicht einfach: Es sind immer mehr Aufgaben zu bewältigen, aber gleichzeitig stehen immer weniger pädagogische Mittel zur Verfügung. Man muss Schüler mittlerweile schon fast höflich fragen, ob man ihnen eine Hausübung geben darf.

Sie verschweigen den Beruf nicht, im Gegenteil: Sie bloggen auf DiePresse.com darüber. Wie ist es denn, sich so zu exponieren?

Bisher gut. Es ist mir schon bewusst, dass viel über das diskutiert werden wird, was ich schreibe, aber das ist ja auch der Sinn der Sache. Ich will meinen Input zu den Themen geben, die in einer Expertendiskussion nicht immer berücksichtigt werden. In der Öffentlichkeit zu stehen, hat immer den Vorteil, dass man Gehör findet. Die Herausforderung ist, dass man auf viel Gegenwind stößt.

Was erwarten Sie da?

Man ist als Lehrer natürlich auch sehr angreifbar. Mir wird genau auf die Finger geschaut. Und wenn ich einen Rechtschreibfehler mache, werden sicher manche die Nase rümpfen, weil ich es als Lehrer ja besser wissen sollte.

Gibt es etwas, was Sie besonders herausstreichen wollen?

Ich liebe es, in der Klasse zu stehen und möchte einfach den Beruf ein wenig beleuchten. Und meinen Teil dazu beitragen, dass die Leute verstehen, dass wir auch eine Daseinsberechtigung haben. Mehr noch: dass das, was wir machen, eigentlich ehrenwert ist.

Wie reagieren andere Lehrer und Eltern?

Ich habe schon viel positives Feedback und Anregungen bekommen. Viele finden es gut, dass sich ein Lehrer in die öffentliche Diskussion einbaut. Bisher war es überwiegend positiv. Ich hoffe, dass es so weitergeht.

Und was sagen Ihre Schüler?

Nur ein paar wissen es, und die haben noch nicht so viel gesagt. Lustig ist, dass sie bei ihrer Abschlussprüfung unter Umständen einen Blogeintrag schreiben müssen. Dann sitzen wir im selben Boot.

ZUR PERSON

David Schwarzbauerbloggt seit Mitte Mai ein- bis zweimal pro Woche unter diepresse.com/lernvollzugsanstalt über das Unterrichten und alles, was damit zusammenhängt. Die Beiträge reichen von der Frage der „unbezahlten Nachhilfe“ durch die Eltern bis zur Beurteilung der Ansprüche der Zentralmatura. Der 38-Jährige unterrichtet seit 2006 Englisch und Deutsch an verschiedenen Wiener Gymnasien, derzeit an der privaten Vienna International School.

 

 

Die Presse – 28. Mai 2014

 

 

Danke, Datenleck!

Kaum ein anderer Vorfall zeigte die Missstände im System besser auf.

 

Um alle Missverständnisse vorab auszuräumen: Nein, das Datenleck ist nicht per se gut. Im Gegenteil: Es hätte nie so weit kommen dürfen, dass hunderttausende Testergebnisse von Schülern unverschlüsselt und ungeschützt auf einem rumänischen Server landen. Dennoch ist es an der Zeit, Danke, Datenleck, zu sagen.

Denn kaum ein anderer Vorfall hat der Bevölkerung diverse Missstände im politischen System so schön vor Augen geführt. Beginnen wir chronologisch.

Missstand Nummer eins: Probleme werden erst aktiv angegangen, wenn die Öffentlichkeit Wind davon bekommt. Seit Mitte Dezember wusste man sowohl im BIFIE als auch im Bildungsministerium Bescheid. Für Letzteres wurde die Causa aber erst dann interessant, als die Probleme publik wurden: „Ich bin davon ausgegangen, die Sache sei erledigt“, sagte Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) im Nachhinein. War sie aber eben nicht.

Missstand Nummer zwei: Ist das Problem publik, muss ein politisches Zeichen gesetzt werden – wenn es auch jeder Sachlichkeit entbehrt. Der anfangs noch nachvollziehbare Teststopp (die Sicherheit musste ja überprüft werden) verkam mit der Zeit immer mehr zu einem politischen Justamentstandpunkt. Heinisch-Hosek wollte um jeden Preis hart bleiben und zog mit dem Slogan „PISA wird es 2015 nicht geben“ durch die Medien. Und zwar, obwohl schon lange klar war, dass das Datenleck absolut nichts mit PISA zu tun hat.

Missstand Nummer drei: Nach der Kehrtwende in Sachen PISA sitzt nun endgültig eine politisch unglaubwürdige Ministerin im Amt.

Wie gesagt: Danke, Datenleck! Das Ganze war entlarvend und demaskierend.

 

 

Die Presse – 28. Mai 2014

 

 

BIFIE-Datenleck: Staatsanwalt dürfte weiter ermitteln lassen

Das Bundeskriminalamt hat der Staatsanwaltschaft Salzburg den Abschlussbericht zum Datenleck beim Bildungsinstitut BIFIE vorgelegt. Ob gegen bisher zwei Verdächtige Anklage erhoben wird, ist derzeit noch offen. Wahrscheinlicher ist, dass vorerst weiter ermittelt wird.

 

Wien/Salzburg. Mehr als drei Monate lang hat das Bundeskriminalamt ermittelt, um die Verantwortlichen für das Datenleck beim Bildungsinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) zu finden. Nun liegt der Staatsanwaltschaft Salzburg – wie der „Presse“ bestätigt wurde – der Abschlussbericht vor.

„Wir haben diesen Bericht am Montag bekommen und können vorerst nur sagen, dass im Zuge der Ermittlungen zwei Personen vernommen wurden“, so Robert Holzleitner von der Staatsanwaltschaft Salzburg. Dabei handelt es sich nach „Presse“-Informationen um Stefan Fekonja, der als Chef der Firma Zoe Solutions GmbH lange Vertragspartner des BIFIE gewesen ist, und um eine BIFIE-Mitarbeiterin.

Ob gegen diese beiden Personen Anklage erhoben wird, ist derzeit noch offen. „Die Variante ,weitere Ermittlungen‘ schaut zumindest derzeit wahrscheinlicher aus als eine sofortige Anklageerhebung“, sagt Holzleitner.

Unklarheiten bleiben

Dass es sich bei dem von der „Presse“ aufgedeckten Datenleck – bei dem 37.000 E-Mail-Adressen von Lehrern und 400.000 Testergebnisse von Schülern auf einem rumänischen Server aufgetaucht sind – nicht um eine Schlamperei, sondern um einen Kriminalakt handelt, war rasch nach Bekanntwerden des Falls klar. Schnell rückte der Chef von Zoe Solutions ins Visier der Ermittlungen. Seine Firma hat die vom Datenleck betroffene Plattform zur Informellen Kompetenzmessung (IKM) für das BIFIE entwickelt. Der Vertrag ist aber im Jahr 2013 ausgelaufen. Ausschlaggebend dürften Streitigkeiten zwischen der Firma und dem BIFIE gewesen sein. Den Auftrag bekam dann die Firma Kapsch BusinessCom. Diese lagerte Teile an den rumänischen Partner der Kapsch-Tochter in Bukarest aus. Und dort wurde dann auch das Datenleck geortet.

Außerdem war Fekonja jene Person, die im Dezember 2013 das BIFIE und das Bildungsministerium via Brief über das Datenleck informierte. Die Hinweise wurden damals aber nicht sonderlich ernst genommen. Die BIFIE-Chefs fragten zwar bei Kapsch nach, ob es Probleme gebe. Von politischer Seite wurde aber nichts unternommen.

Im Abschlussbericht wird nun offenbar bestätigt, was Kapsch BusinessCom vor einiger Zeit schilderte. Demnach soll sich der Täter bzw. die Täterin Zugang zu dem Server verschafft haben – und zwar mit einem Mitarbeiter-Passwort. Dann soll er bzw. sie das sogenannte „PHP Shell“-Programm eingespielt haben. Ein Programm, das viele Hacker verwenden. Damit hat sich der Täter bzw. die Täterin Zugriff auf alle Verzeichnisse verschafft und konnte diese ungeschützt im Netz zugänglich machen. Als Tatzeitraum wird der 17.Juni 2013 bis 1.August 2013 ausgemacht.

Dass Fekonja der Täter ist und die BIFIE-Mitarbeiterin ihm dabei geholfen hat, kann derzeit aber keinesfalls bestätigt werden. Denn die Beweislage ist dünn. Es konnte nämlich nicht nachvollzogen werden, wer sich im Tatzeitraum auf dem Webserver eingeloggt hatte. So lange reichen die Logdateien des Servers nicht zurück. Diese werden nach einem bestimmten Zeitraum überschrieben. Dem Chef von Zoe Solutions soll lediglich nachgewiesen werden können, dass er sich zu einem späteren Zeitpunkt mittels Zugangsdaten der BIFIE-Mitarbeiterin eingeloggt hat. Und auch das wäre rechtswidrig.

Verdächtiger wehrt sich

Der Zoe-Solutions-Chef selbst wehrt sich jedenfalls: Er habe weder etwas manipuliert noch habe er sich mit den Zugangsdaten einer BIFIE-Mitarbeiterin unerlaubt eingeloggt, so Fekonja zur „Presse“. Außerdem habe er, um die Schüler- und Lehrerdaten zu sehen, gar keine Zugangsdaten gebraucht. Die gesamten Dateien seien ohnehin ungeschützt im Netz gelegen.

 

 

Die Presse – 28. Mai 2014

 

 

Bildung – Europas eigentliches Kapital im 21. Jahrhundert

Ein alternativer Zugang zur laufenden Debatte über Umverteilung.

 

Der jüngste Eintrag auf der Bestsellerliste der „New York Times“ ist durchaus eine Sensation: der 700-Seiten-Wälzer „Capital in the Twenty-First Century“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty (im österreichischen Buchhandel noch nicht erhältlich). Das Buch stimmt ein in die Kritik am Kapitalismus und huldigt dem von Karl Marx im Jahr 1867 geschriebenen Original.

Die von Piketty getroffenen Schlussfolgerungen verdienen jedenfalls Beachtung: Der Autor versucht nachzuweisen, dass in den vergangenen drei Jahrhunderten das Vermögen fast durchgängig in einer kleinen Gruppe konzentriert war. Ein zweiter wichtiger Punkt in Pikettys Beitrag ist die Hypothese, dass die Kapitalrendite schneller steigt als das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft und die Reallöhne. Dies, so Piketty, ist das fundamentale und daher zu kritisierende Charakteristikum des Kapitalismus.

Als Gegenrezept schlägt der Franzose politische Maßnahmen vor, die das Vermögen wieder umverteilen sollen, wie einen Spitzensteuersatz von 80 Prozent auf Einkommen zwischen 500.000 und einer Million Dollar, volle Transparenz bei Vermögen und eine globale Vermögensteuer. Aber ist die Forderung nach einer Konfiskation der Vermögenden – und nichts anderes ist eine Vermögensteuer – fast 150 Jahre nach Karl Marx immer noch der richtige Weg?

Man darf und soll diese Frage stellen, ohne im Fahrwasser der laufenden Umverteilungsdebatte in Österreich den x-ten Beitrag zur Frage der „Gerechtigkeit“ der Umverteilung abzuliefern.

Die anderen Faktoren

Österreich ist, gemessen an der Reduktion des Gini-Koeffizienten, bereits Spitzenreiter in der OECD. Kann daher eine weitere staatliche Umverteilung überhaupt noch einen Grenznutzen bringen? Oder sind es nicht andere Faktoren, die eine ungleiche Vermögensbildung fördern? Etwa der rasante technologische Fortschritt, die Globalisierung, die Ausweitung der Finanzmärkte, die überdurchschnittliche Renditen für jene ermöglichen, die neben dem Zutritt zu Kapital auch besondere Fähigkeiten haben? Und ziehen solch erfolgreiche Menschen nicht auch wieder internationale Spitzenleute in ein Land wie Österreich, mit seinem hohen Lebensstandard? Sind diese Entwicklungen nicht viel bedeutsamer, und bieten sie nicht mehr Möglichkeiten, eigenes Vermögen zu bilden?

„Gerechte“ Chancen

Erst wenn man auch diese Faktoren berücksichtigt, kommt man zu einem Gesamtbild und damit wohl zu völlig anderen Schlüssen als Piketty. Wenn der technologische Fortschritt und die Globalisierung die Wachstumstreiber sind, dann ist das entscheidende Kapital des 21. Jahrhunderts nicht das Kapitalvermögen (auch das brauchen wir gerade an unserem kleinen Wirtschaftsstandort), sondern etwas gänzlich anderes: Das Kapital des 21. Jahrhunderts in Europa ist die Bildung. Nur sie bietet Bürgern die Chance, eine „gerechte“, weil verdiente Umverteilung selbst in die Hand zu nehmen und nicht von staatlichen Zwangsmaßnahmen entmündigt zu werden.

„Bildungspolitik ist die Sozialpolitik des 21.Jahrhunderts“, meint auch Wolfgang Lutz, der österreichische Bevölkerungswissenschaftler. Recht hat er auch, genauso wie all jene, die sich im Rahmen des Bildungsvolksbegehrens für unsere Zukunft einsetzen. Österreich kann durch seine Bildungspolitik Armut schaffen oder aber die Chance auf Wohlstand sichern.

Eine Steuerreform braucht eine Strukturreform – und Strukturreformen brauchen Bildungsoffensiven zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. So schließt sich der Kreis.

MMag. Dr. Bernhard Gröhs ist Wirtschaftsprüfer, Managing Partner bei Deloitte Österreich, Herausgeber und Autor von Publikationen zum Steuer- und Gesellschaftsrecht.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 28.05.2014                             Seite: 16

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

VON MENSCH ZU MENSCH

 

Wenn Schüler einmal Lehrer beurteilen

 

Weit wichtiger als PISA wäre es, einmal alle Schüler über Unterricht und Lehrer urteilen zu lassen.

 

   Die SPÖ will nun also mit standardisierten Fragebögen für Lehrer, Eltern, Schüler die Qualität des Unterrichts beurteilen lassen. Manche Lehrer bekennen ja offen, dass sie eine Beurteilung begrüßen. Es sind Lehrer, die ihre blinden Flecken kennen wollen. Ja, es gibt auch andere, die eine Beurteilung bereits als grenzüberschreitende Anmaßung und Angriff empfinden.

 

   Aber muss es das sein? Was spricht gegen Fragen wie beispielsweise: Wie viel Wertschätzung bringt dir Lehrer Müller entgegen? Erfolgt die Wertschätzung unabhängig von der Note? Wird der Stoff interessant und spannend vermittelt? Hilft dir Lehrer Müller, deine Stärken zu erkennen?

 

   Die Konsequenzen, die aus diesen Antworten gezogen werden, könnten ja sogar weit wichtiger als jeder PISA-Test sein. Wie die Konsequenz, die ein Schweizer Kinderpsychiater fordert: dass die Wertschätzung eines Lehrers für ein Kind nicht von der Note abhängen darf. Aber wie oft hängt sie davon ab, wie oft wird Schülern vermittelt, weniger wert zu sein, selbst wenn sie trotz Bemühens nur in einem Gegenstand schwächer sind. Wie oft wird das Selbstwertgefühl verletzt, wie oft wird nur auf Schwächen geschaut. Kinder würden damit, sagt der Kinderpsychiater Rene Largo, bereits in der Schule dazu getrimmt, sich über Konkurrenz und Noten zu definieren und nicht über individuelle Fähigkeiten. Wie auch Lehrer meist das Normkind mit Normleistung als Maßstab nehmen und nicht die ureigensten Möglichkeiten, die ein Kind in sich trägt.

 

   Illusorisch? Mag sein, aber Fragebögen könnten ein Anfang sein – für den ein oder anderen blinden Fleck.

 

   Sie erreichen die Autorin unter carina.kerschbaumer@kleinezeitung.at

 

 

"Österreich" vom 28.05.2014                                  Seite 10

 

Wien

 

Bericht der Staatsanwaltschaft ist fertig

 

Datenleck: Justiz hat 2 Verdächtige im Visier

 

Das Datenleck im Bifie wird zum Kriminalfall: Die Justiz ermittelt gegen zwei Personen.

 

Salzburg. Knalleffekt im Datenskandal des Bildungsinstituts Bifie. Wie ÖSTERREICH berichtete, ist der Bericht der Staatsanwaltschaft Salzburg fertig -und laut Presse gibt es Ermittlung gegen zwei Verdächtige: Konkret sind eine Mitarbeiterin des Bifie sowie ein IT-Unternehmer, dessen Vertragsverhältnis zum Bifie gekündigt worden war, betroffen. Ob Anklage erhoben wird, ist unklar.

 

Als vor drei Monaten das Datenleck auff log -es fanden sich Tausende E-Mail-Adressen von Lehrern und Testergebnisse von Schülern auf einem Server in Rumänien -, war der Verdacht aufgekommen, dass es sich um einen Racheakt handeln könnte.

 

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hatte einen Teststopp verfügt -der gilt noch für das laufende Jahr. Am PISA-Test im Jahr 2015 nimmt Österreich allerdings sehr wohl teil.

 

 

Der Standard – 28. Mai 2014

 

 

Bifie-Daten: Ermittlungen "unter anderem" gegen Unbekannt

Täter hatte sich Mitte Jänner widerrechtlichen Zugriff verschafft

Wien – Wie aus dem Abschlussbericht des Bundeskriminalamtes hervorgeht, waren die Schülerdaten des Bundesinstituts für Bilungsforschung (Bifie) am rumänischen Server nicht öffentlich einsehbar. Vielmehr hatte sich Mitte Jänner "ein unbekannter Täter mittels Umgehung von Sicherheitsschranken“ widerrechtlich Zugriff verschafft, sagt Robert Holzleitner von der Staatsanwaltschaft Salzburg .

Im Zuge der Ermittlungen wurden zwei als Beschuldigte geführte Personen aus dem Bifie-Umfeld befragt. "Beide weisen die Schuld von sich“, sagt Holzleitner. Es sei wahrscheinlich“, dass in dieser Causa weiter ermittelt wird. Möglicherweise werde ein Sachverständiger bestellt. Die Ermittlungen würden "unter anderem gegen unbekannt“ lauten.

 

 

Heute – 28. Mai 2014

 

Bundeskriminalamt ermittelt

Datenleck beim Bifie: Zwei Verdächtige entlastet

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) war Anfang 2014 mit einem riesigen Datenleck konfrontiert: Auf einem Webserver in Rumänien tauchten vertrauliche Daten aus der Informellen Kompetenzmessung (IKM) auf - 400.000 Testergebnisse von Volks- und Hauptschülern waren öffentlich zugänglich. Nach drei Monaten liefen nun die Ermittlungen des Bundeskriminalamts vorerst ins Leere.

Die Ermittlungen ins Rollen brachte Kapsch BusinessCom, die das Bifie bei den betroffenen Tests betreute. "Das war kein Datenleck, sondern ein von langer Hand geplanter gezielter Angriff", so Geschäftsführer Franz Semmernegg. Er ließ damit aufhorchen, dass über einen Insider eine Schadsoftware eingespielt worden sei. Ein Hacker sei offenbar nicht am Werk gewesen, meinte Semmernegg.

Das Bundeskriminalamt nahm Ermittlungen auf, zwei verdächtige Mitarbeiter einer Bifie-Vertragsfirma wurden befragt. Nun liegt der Abschlussbericht des Bundeskriminalamts vor. Darin heißt es jedoch, dass doch nicht von einem "Insider" auszugehen sei und die beiden Mitarbeiter offenbar nicht verantwortlich seien. Vielmehr handle es sich um einen "Angriff über das Internet". Die Ermittlunge laufen weiter, derzeit gegen "Unbekannt".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2014.05.27: A-Unterricht

OTS0248 II 27.05.2014 20:36:15

 

Heinisch-Hosek: Schulische Inklusion sorgfältig vorantreiben

Utl.: Unterrichtsausschuss macht Verlängerung der Sprachförderung plenumsreif

Nationalrat/Unterrichtsausschuss/Heinisch-Hosek

Inklusion an Schulen bedürfe einer "Politik der kleinen Schritte", erklärte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek heute im Unterrichtsausschuss des Nationalrats. Sie wandte sich daher gegen eine Abschaffung der Sonderschulen "von heute auf morgen". Immerhin könnten Österreichs Regelschulen derzeit nicht allen sonderpädagogischen Bedürfnissen von SchülerInnen Rechnung tragen, gab sie zu bedenken, wiewohl sie Inklusion grundsätzlich klar befürwortete. Insgesamt waren auch alle Fraktionen im Ausschuss für eine Ausweitung des inklusiven Unterrichts an Österreichs Schulen, nicht einer Meinung waren sie allerdings, wie rasch sie erfolgen sollte. Während FPÖ und Grüne für die Abschaffung der Bezeichnung "Sonderschule" als erste wichtige Reformmaßnahme plädierten, hielten SPÖ, ÖVP und NEOS eine breitere gesellschaftliche Debatte über Inklusion für notwendig, ehe die Namen der betroffenen Schulen tatsächlich geändert werden können.

Auslöser dieser Inklusionsdebatte war zunächst eine Regierungsvorlage zur legistischen Übertragung des Aufgabenbereichs der Bezirksschulräte, die aufgelöst werden, an die Landesschulräte; darunter fällt auch die Bestimmung von Sonderschulen als Sonderpädagogische Zentren zur Unterstützung des inklusiven Unterrichts. Weiters ermöglicht die Regierungsvorlage eine Verlängerung der Sprachförderkurse an Pflichtschulen für die nächsten beiden Schuljahre. Während zwei Abänderungsanträge der Grünen dazu vom Ausschuss mehrheitlich abgelehnt wurden, erhielt der Gesetzesentwurf selbst die Zustimmung der Ausschussmehrheit.

Der heurige Strategiebericht des Bildungsressorts, der einstimmig zur Kenntnis genommen wurde, eröffnete darüber hinaus eine breite Diskussion über Bildung als Kern der EU-2020-Wachstumsstrategie und die Entwicklung des heimischen Bildungswesens. Oppositionsvorschläge für neue Strukturen im Schulbereich wurden zwar ebenfalls intensiv diskutiert, letztendlich vertagten SPÖ und ÖVP jedoch alle Anträge von FPÖ, Grünen und NEOS.

Ausschuss drängt auf mehr Inklusion im Schulunterricht

Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP nahm der Ausschuss die Regierungsvorlage an, durch die im ganzen Schulrechtsbestand die Aufgaben der Bezirksschulräte dem jeweiligen Landesschulrat übertragen werden. Einem Nationalratsbeschluss aus dem Vorjahr zufolge werden ja die Bezirksschulräte mit 1. August aufgelöst. Neben der deswegen anstehenden Rechtsbereinigung soll die Sammelnovelle auch dazu dienen, die heuer auslaufende Sprachförderung an allgemein bildenden Pflichtschulen bis 2015/16 zu verlängern. Ein Abänderungsantrag der Grünen, womit die unbefristete Verlängerung der Sprachförderkurse realisiert werden sollte, fand aber nur Unterstützung bei den NEOS und blieb daher in der Minderheit.

Allerdings führte auch FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz ins Treffen, die immer nur zweijährige Verlängerung der Sprachförderkurse gewährleiste den Schulen nicht die nötige Rechtssicherheit und biete nicht ausreichend Zeit, um die Methoden in diesen Kursen hinlänglich zu verbessern. Mit seinem Plädoyer für die Einrichtung eigener Klassenverbände zur speziellen sprachlichen Förderung stieß der Freiheitliche bei den Grünen aber auf Widerstand; Harald Walser (G) warnte vor einer Exklusion von SchülerInnen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch, wenn sie automatisch in eine "eigene Sprachklasse" gesetzt würden. Einig waren Grüne und FPÖ hingegen, in ganz Österreich würden weisungsfreie Schulombudsstellen für SchülerInnen und deren Eltern benötigt. In jedem Landesschulrat bzw. im Stadtschulrat sei eine solche Mediatoreninstanz für schulische Konflikte einzurichten, drängten die Bildungssprecher Harald Walser (G) und Walter Rosenkranz (F), damit Problemfelder unbürokratisch aus dem Weg geräumt werden können ((370/A[E]), (324/A[E])).

Die Regierungsvorlage initiierte auch die Debatte über inklusiven Unterricht in der heutigen Ausschusssitzung, da die Bestimmung von Sonderschulen als Sonderpädagogische Zentren zur Unterstützung des inklusiven Unterrichts zukünftig die Landesschulräte anstatt der Bezirksschulräte durchführen sollen. Das brachte wiederum die Grünen- Abgeordnete Helene Jarmer und ihren Parteikollegen Harald Walser dazu, mit einem Abänderungsantrag die Umbenennung der Sonderschulen zu verlangen. Ein positives Zeichen würde die Politik damit setzen und dadurch die notwendige Strukturänderung im Sinne eines wirklich inklusiven Unterrichts unterstützen, war Jarmer überzeugt. Anneliese Kitzmüller (F) brach ebenfalls eine Lanze für die Abschaffung der Bezeichnung "Sonderschule" und trat dafür ein, sonderpädagogische und andere Schulen in dienstrechtlichen Fragen auf eine Ebene zu stellen, darüber hinaus ist in ihren Augen ein Objektivierungsverfahren für LeiterInnen sonderpädagogischer Schulen hoch an der Zeit.

Franz-Joseph Huainigg (V) hielt demgegenüber fest, eine Namensänderung reiche für die dringend benötigte Reform im Sonderschulwesen nicht aus. Es gelte vielmehr, mit allen Betroffenen sowie mit ExpertInnen und mit den Bundesländern eingehende Gespräche über die Situation der Sonderschulen und über inklusiven Unterricht zu beginnen, unterstrich Huainigg. Problematisch erachtete er vor allem die Praxis, dass Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache häufig in Sonderschulen angemeldet würden, um die nötige Sprachförderung für diese SchülerInnen zu umgehen: "Das verbaut ihnen den Weg in den Arbeitsmarkt", kritisierte der ÖVP-Mandatar. Als erklärter "Fan der Inklusion" pflichtete NEOS-Bildungssprecher Matthias Strolz im Grunde allen VorrednerInnen bei, er mahnte aber die zufriedenstellende Abdeckung des sonderpädagogische Bedarfs im Regelschulwesen ein, bevor weitere Schritte der Inklusion folgen könnten.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek betonte, ihr liege die schulische Inklusion überaus am Herzen und sie verwies auf das Regierungsprogramm, in dem die Weiterentwicklung Sonderpädagogischer Zentren sowie Inklusive Modellregionen bzw. eine Steigerung der Inklusion in der Sekundarstufe II verankert seien. An einzelnen Pädagogischen Hochschulen erhielten angehende PädagogInnen schon Grundkompetenzen der Sonderpädagogik, merkte sie darüber hinaus an. Es dürften aber Kinder, die spezielle Bedürfnisse wie Kleingruppenunterricht haben, nicht durch eine plötzliche Abschaffung der Einrichtung Sonderschule überfordert werden, so die Ministerin. Deswegen plane sie mit allen Stakeholdern intensive Gespräche, um ab dem Schuljahr 2015/16 konkrete Inklusionsinitiativen setzen zu können.

Um dem tatsächlichen sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF) unter Österreichs SchülerInnen zu entsprechen, machte sich Walser (G) in einem Entschließungsantrag dafür stark, die derzeit gesetzlich mit 2,7% festgelegte SPF-Quote auf 5% anzuheben (435/A[E]). Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Finanzierung von Sonderschulen und von integrativem Unterricht wäre das ein erster Schritt zu einem inklusiven Schulsystem, betont er im Antrag, verdeutlichte aber zugleich, eigentlich sollte die Ressourcenzuteilung für sonderpädagogische Förderung je nach Bedarf der Schulstandorte erfolgen. Anneliese Kitzmüller (F) führte dazu ins Treffen, sonderpädagogische Förderung sei immer wichtiger an den Schulen, daher forderte sie deutlich mehr Lehrkräfte für diesen Bereich ein.

Diskussion über Reform der Schulverwaltung

Mit dem Hinweis auf den Hauptteil des Novellenentwurfs, die Verankerung des Wegfalls der Bezirksschulratsbehörden im gesamten Schulrecht, stellte Erwin Preiner (S) fest, damit ergebe sich eindeutig eine Effizienzsteigerung im Schulwesen. Die NEOS geben sich aber mit dem Wegfall einer Behördeninstanz in der Schulverwaltung nicht zufrieden. In zwei Entschließungsanträgen fordert Matthias Strolz vielmehr einen umfassenden Bürokratieabbau im Bildungsbereich (379/A[E]) sowie die Übertragung der gesamten Schulverwaltung an den Bund (380/A[E]). Bei Belangen des Dienstrechts, der Bestellung und Tätigkeit von SchulleiterInnen, der Personalsteuerung, der Aus- und Fortbildung, der Schulaufsicht und des Gebäudemanagements bestehe dringender Handlungsbedarf, um die Leistungszersplitterung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden endlich zu beseitigen, finden die NEOS. Die Oberhoheit bei Gesetzgebung und Vollziehung soll ihrer Meinung nach beim Bund liegen, dafür wäre den Schulen, speziell in der Personalverwaltung, mehr Autonomie einzuräumen. Abzuschaffen seien darüber hinaus der Parteienproporz in der Schulverwaltung und die Schulsprengel, so Strolz. Für Team Stronach-Bildungssprecher Robert Lugar war der angekündigte Wegfall von insgesamt 30 Planstellen durch die Einsparung der Bezirksschulräte gänzlich ungenügend. Ministerin Heinisch-Hosek hielt dem entgegen, im Mittelpunkt dieses Reformvorhabens stehe die Verwaltungsvereinfachung, wie die Bundesländer sie organisatorisch verwirklichen, liege in deren Zuständigkeitsbereich.

Mit der Erklärung, angesichts der laufenden Reformen im Schulbereich seien die erhobenen Forderungen zur Strukturänderung im Bildungswesen verfrüht, vertagten die Regierungsfraktionen mehrheitlich alle Entschließungsanträge der Opposition, die zusammen mit der Regierungsvorlage zur Debatte standen.

Heinisch-Hosek sieht Österreich bei Erasmus auf Erfolgskurs

Die Bildungsziele der EU als wesentlicher Bestandteil der Europa 2020-Strategie, die zu mehr Wachstum und Beschäftigung führen soll, waren ebenfalls Thema in der Ausschusssitzung. Begrüßt wurde dabei besonders die Mittelaufstockung für das neue EU-Bildungsprogramm Erasmus+, dessen AdressatInnenkreis auf Lehrlinge ausgeweitet wurde. Differenziert äußerten sich mehrere Ausschussmitglieder aber zur EU- Vorgabe einer höheren Akademikerquote.

Österreich nehme die für Erasmus+ bereitgestellten Mittel zur Gänze in Anspruch, informierte Heinisch-Hosek. Der Erfolg dieses Austauschprogramms, von dem jetzt auch Lehrlinge profitieren, sei also jedenfalls gegeben. Im neuen EU-Programm für Bildung sind nunmehr die Programme "Lebenslanges Lernen" und "Jugend in Aktion" sowie fünf internationale Programme und als neuer Bereich der Sport umfasst. Mit 14,7 Mrd. € werden dazu zwischen 2014 und 2020 um 40 % mehr als in der Finanzperiode 2007-2013 zur Verfügung stehen. Die österreichische Beteiligung an den EU-Bildungsprogrammen war bisher sehr erfolgreich, unterstrich Bundesministerin Heinisch-Hosek. Im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedern rangiere Österreich mit einer Inanspruchnahme von 100% der dafür vorgesehenen Mittel überdurchschnittlich hoch. Jährlich nützten rund 15.000 Jugendliche und auch Erwachsene aus Österreich die Mobilitätsmaßnahmen und Partnerschaftsprogramme, die Erasmus+ biete. Um die Sicherstellung der Qualität des Programms und damit seine Anerkennung europaweit zu gewährleisten, gebe es auf Ratsebene Überlegungen, unabhängige nationale Qualitätssicherungsagenturen mit der Überprüfung zu beauftragen, berichtete die Bildungsministerin. Generell seien Berufsbildung und Austausch von best practices, gerade auch bei Lehrlingen, zentrale Anliegen von Erasmus+, skizzierte sie auf Nachfrage der Bildungssprecherinnen Elisabeth Grossmann (S) und Brigitte Jank (V). Grossmann strich in diesem Zusammenhang den Wert von Erfahrungen im Ausland hervor, Jank regte an, auch im Rahmen der Donauraumstrategie den Austausch bei der dualen Ausbildung noch mehr zu forcieren.

Zum europäischen Ziel einer Senkung der Schulabbrecherquote auf unter 10 % sagte Heinisch-Hosek, Österreich habe dies bereits erreicht, da der entsprechende Wert 2013 nur 7,6 % betragen habe. Die seitens der EU angestrebte Erhöhung des Anteils der HochschulabsolventInnen auf mindestens 40 % sei praktisch in Österreich ebenso umgesetzt, wenn man etwa entsprechend der Maxime "lebenslanges Lernen" berufsbegleitende Studien hier mitberechne, hob Heinisch-Hosek hervor. In Verbindung mit der heimischen Akademikerquote thematisierte Grünen-Bildungssprecher Harald Walser die bislang unausgegorene tertiäre Ausbildungsmöglichkeit von ElementarpädagogInnen. Heinisch-Hosek erklärte daraufhin, zwar plane ihr Ressort in diesem Bereich derzeit keine großen Reformen, doch sehe die neue PädagogInnenausbildung durchaus eine masterwertige Ausbildung für Lehrende der Kindergartenpädagogik vor. Zudem gebe es in einigen Bundesländern diesbezügliche Colleges für MaturantInnen. Ihr angestrebtes Ziel, den Übergang vom Kindergarten in die Volksschule zu erleichtern, wolle sie in Pilotprojekten ab Herbst vorantreiben, führte Heinisch-Hosek weiter aus, ein Leitfaden dafür werde über den Sommer fertiggestellt.

FPÖ-Mandatar Wendelin Mölzer stellte überhaupt den Sinn einer obligatorischen Steigerung der Akademikerquote in Abrede, da doch die Wirtschaft eher FacharbeiterInnen benötige. Außerdem hinterfragte er wie auch Eva-Maria Himmelbauer (V) das EU-Bildungsziel, dass bis 2020 mindestens 50 % der 15-jährigen SchülerInnen in der ersten Fremdsprache das Kompetenzniveau "independent user" erreichen und in der Sekundarstufe I zumindest 75 % der SchülerInnen wenigstens zwei Fremdsprachen lernen. Letztendlich, meinte Mölzer, gebe es in vielen Klassen Österreichs schon ein Problem mit der Unterrichtssprache. Heinisch-Hosek versuchte derartige Bedenken mit dem Hinweis auf die erfolgte Streichung der EU-Vorgaben bezüglich Fremdsprachenkompetenz auszuräumen. Für das Nachholen von Pflichtschulabschlüssen werde auch 2015 genügen Geld zur Verfügung stehen, informierte die Ministerin schließlich Abgeordnete Barbara Rosenkranz (F), die notwendigen Verhandlungen mit den Bundesländern über die Mittel dafür würden gerade beginnen.

Den heurige Strategiebericht des BMBF, der das EU-Arbeitsprogramm als Grundlage hat, nahm der Ausschuss einstimmig an und enderledigte ihn damit.

Eingangs wählten die Abgeordneten Elisabeth Grossmann (S) zur dritten Obmannstellvertreterin des Ausschusses, sie löst in dieser Funktion Laura Rudas ab. (Schluss Unterrichtsausschuss) rei

Rückfragehinweis:
Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
mailto:pk@parlament.gv.at
http://www.parlament.gv.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/172/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0247 II 27.05.2014 20:06:13

 

BIFIE und Zentralmatura beschäftigen Unterrichtsausschuss

Utl.: Zahlreiche Initiativen der Opposition sowie Bürgerinitiativen vertagt

Nationalrat/Unterrichtsausschuss/Heinisch-Hosek

Konkrete Erwartungen der Bevölkerung an die Schulpolitik behandelte der Unterrichtsausschuss des Nationalrats heute anhand mehrerer Bürgerinitiativen, die mit Verweis auf entsprechende Gesetzesvorhaben vertagt wurden. Außerdem war einmal mehr die Zentralmatura bzw. das für die Organisation der standardisierten Reifeprüfung zuständige Bildungsforschungsinstitut BIFIE Thema im Ausschuss. Initiiert wurde die Debatte darüber durch Anträge von FPÖ, Grünen und NEOS, wobei die Regierungsfraktionen diese Vorstöße ebenfalls vertagten. Ebenso wurden die Entschließungsanträge der Grünen auf eine neue Landeslehrer-Controllingverordnung sowie auf bedarfsorientierte Mittelzuteilung an Schulen in die Warteschleife geschickt.

Schulen in freier Trägerschaft erhalten keine zusätzlichen Mittel

In einem Entschließungsantrag (421/A[E]) bezogen die Grünen in Anlehnung an die Bürgerinitiative "Gleichheit für alle Schulkinder" (2/BI) Position für die finanzielle Gleichstellung von Montessori- und Alternativschulen mit konfessionellen Privatschulen. In den Budgets für 2014 und 2015 seien für Schulen in freier Trägerschaft deutlich weniger Mittel als im Vorjahr budgetiert, kritisiert Harald Walser (G). Dabei würden diese Schulen das Budget sogar entlasten, da für SchülerInnen des Regelschulwesens der Bund weit mehr aufwenden müsse.

In der Diskussion wurde von allen Fraktionen die Arbeit der Schulen in freier Trägerschaft gewürdigt. Bundesministerin Gabriele Heinisch- Hosek bekräftigte, dass von ihnen viele Impulse für das öffentliche Schulwesen ausgingen. Der Bund wende für sie 4,5 Mio. € jährlich auf, es sei aber in der derzeitigen Budgetsituation nicht möglich, diese Mittel auszuweiten. Der Erhalt von Förderungen sei an klare Kriterien geknüpft, insofern gebe es keine Ungleichbehandlung, stellte sie fest. Antrag und Bürgerinitiative wurden von SPÖ und ÖVP vertagt.

Die Stärkung der Schulautonomie und mehr Mitbestimmungsrechte für SchülerInnen sowie die Einführung von Politischer Bildung als eigenständiges Fach waren zentrale Forderungen der Initiativen "Wir wollen mitbestimmen" (3/BI), "Demokratie macht Schule" (4/BI) sowie "Direktwahl der Landes- und Bundesschülervertretung durch OberstufenschülerInnen" (11/BI). Das Anliege der schulischen Demokratie wurde von allen Parteien positiv gesehen. Hier sprachen sich auch Grüne und Freiheitliche dafür aus, das Thema Schuldemokratie in einem noch einzurichtenden Unterausschuss weiter zu behandeln, und stimmten gemeinsam mit SPÖ und ÖVP für die Vertagung.

Im Fall der Initiative "Eigenständiges Unterrichtsfach Politische Bildung an allen Schulen ab der 7. Schulstufe" (19/BI), deren Behandlung mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP vertagt wurde, herrschte in der Debatte ebenfalls Einigkeit, dass politische Bildung gefördert werden müsse und der derzeitige Zustand nicht zufriedenstellend sei. Auffassungsunterschiede zeigten sich im Detail. So verwies unter anderem Ausschussobmann Walter Rosenkranz (F) auf derzeit schon teilweise überfrachtete Lehrpläne. Abgeordnete Elisabeth Grossmann (S) sah Bedarf für weitere Diskussion, auch hier sollte sich der geplante Unterausschuss weiter mit den Detailfragen befassen.

Abgeordneter Karlheinz Töchterle (V) meinte, politische Bildung habe sich als Unterrichtsprinzip in verschiedenen Fächern erfolgreich integriert, davon sollte man nicht abgehen. Diesen Gedanken betonte auch Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Im Rahmen der Erweiterung der Schulautonomie gebe es für verschiedene Schultypen die Möglichkeit, ein Unterrichtsfach "Politische Bildung" zu entwerfen, meinte sie. Sie hoffe, dass sich das Fach auf diese Weise entwickeln und etablieren werde.

Opposition: Zentralmatura und Bildungstests vom BIFIE auslagern

Nicht nur die heurige Pannenserie bei der Zentralmatura, auch die Kritik des Rechnungshofs in einem Prüfbericht zum BIFIE veranlassten Walter Rosenkranz (F), eine grundsätzliche Strukturänderung im Institut einzufordern (441/A[E]). Je nach Ergebnis der Evaluierungen könnte man sogar eine Schließung ins Auge fassen, sagt er. Bis dahin wolle er im Sinne der Sparsamkeit nur noch einen Direktor für das BIFIE bestellt wissen. Am besten sind nach Ansicht des Freiheitlichen die meisten Agenden des BIFIE dem Ministerium selbst zu übertragen. Die Forschungsaufgaben könnten Universitäten übernehmen. Diese Ansicht vertrat auch Abgeordneter Robert Lugar (T).

Mit einer völligen Schließung des BIFIE konnte sich Harald Walser dagegen nicht anfreunden, weil Bildungsforschung an sich durchaus sinnvoll sei. Spätestens ab dem Schuljahr 2015/16 solle das Bundesministerium für Bildung und Frauen (BMBF) aber die Zentralmatura wieder selbst durchführen, fand er (420/A[E]). Hoheitliche Aufgaben wie die Organisation der Reifeprüfung sollten grundsätzlich nicht an externe Institute abgegeben werden.

Bundesministerin Heinisch-Hosek verwies darauf, dass ihr Ressort auf verschiedene Schwierigkeiten, die sich in der Arbeit des BIFIE gezeigt hätte, rasch und gezielt mit entsprechenden Maßnahmen reagiert habe. Nach dem Vorliegen der Ergebnisse der Evaluierungen, die sie Ende des Jahres erwarte, werde eine Reorganisation stattfinden, die auch mit einer Redimensionierung einhergehen könnte. Sie ersuchte gleichzeitig um Verständnis, dass sie das Endergebnis zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorwegnehmen könne und wolle.

Zur effektiven Finanzierung des Schulwesens empfahl der Grünen- Bildungssprecher Harald Walser darüber hinaus eine bedarfsorientierte Mittelzuteilung (427/A[E]), sodass Schulen in sozialökonomisch benachteiligten Regionen vermehrt gefördert werden. Bildungsbenachteiligung aufgrund der sozialen Herkunft sei in Österreich noch immer stark ausgeprägt. Walser anerkannte, dass die Bildungsministerin hier bereits Initiative gezeigt habe. Abgeordneter Matthias Strolz (N) meinte, hier könnte auch ein Schritt zum Ausbau der Schulautonomie gesetzt werden.

Heinisch-Hosek hielt dazu fest, dass sie grundsätzliche für eine indexbasierte Mittelverteilung eintrete. Es gebe in anderen Ländern, etwa in Großbritannien, bereits gute Beispiele für Erfolge in benachteiligten Regionen. Allerdings sei ein Index erst sinnvoll, wenn durch ein Controlling der Landeslehrer auch sichergestellt sei, wie die Mittel des Bundes von den Bundesländern eingesetzt werden. Derzeit habe sie dieses Instrument noch nicht.

Freiheitliche und Grüne ließen sich von diesen Argumenten überzeugen, dass eine weitere Diskussion geführt werden müsse, und stimmten mit SPÖ und ÖVP dem Vertagungsantrag zu.

Die Aussagen der Ministerin nahm Abgeordneter Walser zum Anlass, um Unterstützung für seinen Antrag auf baldige Realisierung einer neuen Landeslehrer-Controllingverordnung zu werben (424/A[E]). Ziel dabei sollte es sein, dass die Bundesländer Stellenplanüberschreitungen in ihrem Lehrkörper dem Bund komplett refundieren, erläuterte Walser. Man unterstütze mit dem Antrag die Position der Bildungsministerin in ihren Verhandlungen mit den Ländern, meinten die Abgeordneten der Opposition. Ungeachtet dessen beharrten die Koalitionsparteien auf einer Vertagung. Abgeordnete Elisabeth Grossmann (S) verwies darauf, dass die Ministerin zu diesem Thema Gespräche mit den Bildungslandesräten führe und dem Ausschuss noch über die Fortschritte berichten werde, was Heinisch-Hosek auch zusagte.

Zum Abschluss wurden die Anträge von Grünen und NEOS an Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, eine Teilnahme Österreichs an den OECD-Bildungstestungen zu ermöglichen (286/A[E]), (381/A[E]) von SPÖ und ÖVP vertagt. Abgeordnete Brigitte Jank (V) meinte dazu, die Anträge hätten sich teils erübrigt, teils seien noch die Ergebnisse der Evaluierung des BIFIE abzuwarten. (Fortsetzung Unterrichtsausschuss) rei/sox

Rückfragehinweis:
Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
mailto:pk@parlament.gv.at
http://www.parlament.gv.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/172/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0226 II 27.05.2014 16:26:59

 

Unterrichtsausschuss - Grossmann: Verlängerung der Sprachförderung wichtig für gleichen Zugang zu Bildung

Utl.: Programm "Erasmus+" für Lehrlinge forcieren

SPÖ/Grossmann/Bildung/Sprachförderung/Erasmus+

Erfreut zeigt sich SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann über die Verlängerung der schulischen Sprachförderung um weitere zwei Jahre, die im heutigen Unterrichtsausschuss zur Beschlussfassung steht: "Das Programm für Sprachförderung ist besonders wichtig, um allen Kindern einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung und Entwicklung zu ermöglichen." Sprachförderung, Sprachverständnis und Kommunikationsfähigkeit seien wichtige Fähigkeiten, um in der Schule und im Leben zu reüssieren, sagt Grossmann heute, Dienstag. ****

Sehr positiv beurteilt Grossmann auch den Bericht von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek zum Programm "Erasmus+", dem EU-Programm für Bildung, Jugend und Sport, das durch eine Mittelaufstockung um 40 Prozent durch die Kommission jungen Menschen in Europa mehr Mobilität und damit mehr Chancen bringen soll. "Mit 'Erasmus+' haben jetzt auch Lehrlinge verstärkt die Möglichkeit, einen Auslandsaustausch zu machen und in einer fremden Firma für begrenzte Zeit zu arbeiten und dabei von der EU finanzielle Unterstützung zu erhalten. Das ist eine großartige Chance für Lehrlinge. Ich möchte alle dazu motivieren, dieses Programm in Anspruch zu nehmen", so Grossmann abschließend. (Schluss) sl/mb/mp

Rückfragehinweis:
SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien,
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/199/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

2014.05.27: Bildung

OTS0152 II, XI 27.05.2014 13:15:20

 

Jank: Wenn PISA stattfindet, warum nicht auch TIMMS?

Utl.: Heute Unterrichtsausschuss zur Verlängerung der Sprachförderung

Parlament/ÖVP/Bildung/PISA/Jank

So begrüßenswert es ist, dass die PISA-Testungen 2015 nun doch stattfinden können, so stellt sich schon die Frage, warum dann nicht auch die ursprünglich ebenfalls für 2015 geplante Volksschul-Vergleichsstudie TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) in der vierten Schulstufe bzw. auch die abgesagten Bildungsstandards stattfinden können. Nachdem PISA durchgeführt werden kann, gehe ich davon aus, dass kein Datenleck mehr besteht und die Datensicherheit gegeben ist, meinte heute, Dienstag, ÖVP-Bildungssprecherin Abg. Brigitte Jank.

Auch wenn PISA heuer das Hauptthema Naturwissenschaften habe, sei es doch durch den Ausfall von TIMSS für die Fachwelt schwierig festzustellen, ob ergriffene Maßnahmen zur Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts auch wirken, bedauert Jank. Denn gerade in den Naturwissenschaften würden viele wirtschaftliche Berufschancen liegen.

"Testungen sind wichtig, um Rückschlüsse auf den Leistungserfolg zuzulassen", so Jank, die dabei auf wichtige Ergebnisse verweist: "Nach PISA bzw. PIRLS belegen auch die Bildungsstandards, dass sich die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialen Background zur Gänze bis zum zehnten Lebensjahr, und nicht während der Sekundarstufe entwickelt. Das zeigt einmal mehr, dass wir früher, nämlich in der Volksschule, ansetzen müssen! Die Differenzierung auf der Sekundarstufe I führt zu mehr Chancengerechtigkeit und besseren Leistungen!"

Mehr Sprachförderung

Die ÖVP-Bildungssprecherin weist zudem auf einen Tagesordnungspunkt in der heutigen Sitzung des Unterrichtsausschusses am Nachmittag hin: Ziel einer Änderung des Schulorganisationsgesetzes (SchOG) ist es, die bestehenden Sprachförderkurse fortzuführen. "Sprachförderkurse stellen eine mittlerweile unverzichtbare Maßnahme zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache dar. Nachdem diese Maßnahme mit zwei Jahren befristet ist und mit Ende des Schuljahres 2013/2014 ausläuft, soll sie um weitere zwei Jahre verlängert werden", so Jank.

Adaptierungen gibt es auch hinsichtlich der bereits beschlossenen Auflösung der Bezirksschulräte, deren Aufgaben in Zukunft von den Landesschulräten wahrgenommen werden. "Das führt zu wesentlichen Vereinfachungen in der Schulorganisation", so Jank abschließend. (Schluss)

Rückfragehinweis:
Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel.: 01/40110/4436
http://www.oevpklub.at


Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/169/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Montag, 26. Mai 2014

2014.05.27: Newsletter Bildung

OÖN – 27. Mai 2014

 

PISA-Ergebnisse trotz Verschiebung vergleichbar

WIEN. Gabriele Heinisch-Hosek (SP) informierte am Montag über den Testablauf 2015.

Am Freitag hatte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) die Absage der PISA-Bildungsstudie zurückgezogen, am Montag informierte sie mit dem PISA-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher, über den geänderten Testablauf im nächsten Jahr.

Wie berichtet, werden Österreichs 15-Jährige ausnahmsweise im selben Jahr, 2015, Vor- und Haupttest absolvieren. Für die Durchführung zuständig ist weiter das in Turbulenzen geratene Bildungsforschungsinstitut (Bifie). Diesem streute Schleicher Rosen: "Die OECD hätte die Ausnahmeregelung nicht erteilt, wenn es irgendwelche Zweifel an der validen Durchführung gegeben hätte", sagte er. Heinisch-Hosek beteuerte, bis Jahresende ein neues Direktorium einsetzen zu wollen und auch die Strukturen des Bifie überprüft zu haben. "Dann haben wir immer noch zwei, drei Monate Zeit für eventuelle Reparaturen."

Haupttest im Oktober 2015

Stattfinden werden die Vortests zeitgleich mit dem Haupttest in den meisten anderen europäischen Ländern im März und April 2015, der Haupttest folgt in Österreich im Oktober. Dass es in den Teilnehmerländern unterschiedliche Testzeitpunkte gebe, sei nichts Neues, so Schleicher, in Ländern der südlichen Halbkugel werde immer im Herbst getestet. Geändert wurde von der OECD für Österreich die Schülerstichprobe: In Frage kommen nun zwischen Juli 1999 und Juni 2000 Geborene. Das gewährleiste auch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse mit früheren PISA-Tests, sagte Schleicher.

Budgetär "geht sich das aus", sagte Heinisch-Hosek auf Fragen, ob die nun doch geplante Teilnahme weitere Einsparungen in ihrem Ressort erfordere. (jabü)

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 122 vom 27.05.2014              Seite: 9

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

PISA-Test 2015 testet andere Schüler

 

   Vorspann

 

   Wien. „PISA-Erfinder“ Andreas Schleicher hat kein Problem damit, dass Österreich nun doch 2015 am gleichnamigen Schülertest teilnimmt. Er habe „vollstes Vertrauen“, dass dem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) die Abwicklung der Schülerstudie gelingen werde – trotz seiner Pannen und trotz des engen Zeitplans von einem halben Jahr. Schleicher: „Wenn es irgendwelche Zweifel gegeben hätte, hätte die OECD keine Ausnahmegenehmigung erteilt.“

 

   Die braucht es nach dem Sinneswandel von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auch. Sie hatte nach dem angeblichen Datenleck beim Bifie die Teilnahme Österreichs am PISA-Test 2015 und damit auch an den heuer im Frühjahr geplanten Feldtests abgesagt, sich aber vorige Woche plötzlich umentschieden. Deshalb bleibt nun für die Durchführung der Feld- und Haupttestungen nur mehr ein halbes Jahr Zeit. Schleicher: „Da wird sehr viel Arbeit auf die Behörden zukommen.“

 

   Aber nicht nur die Behörden, auch die Schulen werden sich umstellen müssen. Durch die Verschiebung des Haupttests auf Oktober wird nun eine andere Schülerpopulation getestet als ursprünglich geplant. Nun sind rund 5000 Schüler dran, die zwischen Juli 1999 und Juni 2000 Geburtstag haben, und nicht die, die ein halbes Jahr älter sind. Das sei für die Vergleichbarkeit der Schülerdaten notwendig, da PISA die Kompetenzen der 15- bis 16-Jährigen teste. Aus Zeitgründen sollen an den Feldtests im Frühjahr nur mehr 1050 statt 1950 Schülern teilnehmen. An der Qualität der Vergleichsdaten ändere sich nichts, sagt Schleicher. Auch die Datensicherheit sieht Schleicher in Österreich garantiert.

 

   „Wenig Substanz“ hat für ihn jener offene Brief von Forschern und Lehrern, der vor „negativen Folgen“ warnte, weil PISA nur wirtschaftlich verwertbares Wissen abfrage. Schleicher widerspricht: „Der Vorwurf kommt aus der oberflächlichen Betrachtung, dass die OECD eine Wirtschaftsorganisation ist.“, APA

 

 

Österreich – 27. Mai 2014

 

 

"Wohlwollende" Benotung 

Gütige Lehrer retten die Zentralmatura

Erste Ergebnisse der Zentralmatura: Die Noten sind besser als erwartet.

Das offizielle Ergebnis für die Zentralmatura kommt laut Unterrichtsministerium voraussichtlich Ende der Woche. Erste Ergebnisse sickern aber bereits durch: Die Zentralmatura dürfte besser ausgefallen sein als befürchtet . Die Gründe:

  • Nach der Aufregung um die Notenschlüssel in Englisch (positive Beurteilung erst bei 63 % statt bei 60 %) benoteten die meisten Schulen „wohlwollend“, ergab ein Rundruf. Das heißt: Das Gesamtbild einer Arbeit wurde einbezogen, es gab doch schon ab 60 % ein Genügend.
  • Jene Schulen, die in Mathematik die Zentralmatura absolvierten, bekamen eine besondere Betreuung. In diesem Fach soll die Matura besonders gut ausgefallen sein.
  • Gerüchte um eine Vorgabe, dass nur 7 % durchfallen dürfen, dementiert das Ministerium. (knd)

 

 

Der Standard – 27. Mai 2014

 

 

Trotz Pisa-Teilnahme: Volksschultest TIMSS bleibt abgesagt

Heinisch-Hosek lässt nur Pisa-Studie durchführen - Haupttest im Oktober

Obwohl Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) das Problem der Datensicherheit am Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) bis zum Jahr 2015 lösen will, bleibt der Volksschultest TIMSS abgesagt. Für die Pisa-Studie hat das Ministerium eine Lösung gefunden, die Feldtestungen werden auf das Frühjahr 2015 verschoben. Für TIMSS gibt es keine derartigen Bemühungen.

"Der Fokus liegt auf Pisa", erklärt eine Sprecherin im Gespräch mit derStandard.at. Bei TIMSS werden Schüler der vierten Klasse Volksschule in Naturwissenschaften und Mathematik getestet. Verantwortlich dafür ist die Forschungsgemeinschaft IEA. Ursprünglich hatte Heinisch-Hosek die Bildungstests aufgrund eines vermeintlichen Datenlecks beim Bifie abgesagt. Da Pisa nun doch stattfinden kann, kann die Datensicherheit eigentlich kein Grund für die Absage von TIMSS sein.

"Konzentration auf wichtige Tests"

Auch das knappe Budget ist laut der Sprecherin der Ministerin nicht dafür verantwortlich. Vielmehr geht es Heinisch-Hosek wohl darum, generell weniger Bildungstests durchzuführen. Es gebe einfach wichtige und weniger wichtige Tests, erklärt ihre Sprecherin: "Pisa gehört dazu, andere Tests nicht." Bei der jüngsten TIMSS-Studie aus dem Jahr 2011 haben sich die österreichischen Volksschüler in Mathematik leicht verschlechtert. Die Ministerin bekenne sich zu internationalen Bildungsstudien, die Pisa-Studie sei dabei die Benchmark, so die Sprecherin von Heinisch-Hosek. Bei Pisa würde auch umfassend getestet und etwa nicht nur Mathematik-Kenntnisse.

Pisa im Oktober

Die Pisa-Studie wird in Österreich im Oktober 2015 stattfinden. Die Durchführung der Studie ist nur möglich, weil die OECD zulässt, dass die dafür nötigen Feldtestungen nicht wie vorgesehen im April 2014, sondern erst im Frühjahr 2015 stattfinden. "Das ist eine auf Österreich zugeschnittene Lösung", erklärte Andreas Schleicher, Leiter der Pisa-Studie bei der OECD, bei einer Pressekonferenz mit Heinisch-Hosek.

Bereits seit dem Tag der Absage der Studie seien intensive Verhandlungen über eine andere Lösung geführt wurden, wie Schleicher und die Ministerin erklärten. Davon war allerdings in der Öffentlichkeit nie die Rede, Heinisch-Hosek hatte mehrmals in Interviews ausgeschlossen, dass die Pisa-Studie doch noch stattfinden kann.

"Vertrauen in Bifie"

Die OECD hat nun das Zeitfenster für die Feldtestungen in Österreich angepasst. Sie werden im März und April 2015 durchgeführt, der Haupttest findet im Oktober 2015 statt. Der Großteil der teilnehmenden Länder wird dann die Pisa-Studie schon abgeschlossen haben, dort findet der Haupttest bereits im Frühjahr statt, wie dies eigentlich auch für Österreich geplant war. "Österreich ist aber nicht das letzte Land, auch Großbritannien testet erst im Herbst", erklärte Schleicher.

Der Koordinator der Studie ist überzeugt davon, dass die kurze Zeit zwischen Feldtests und Haupttest ausreichen wird. "Das ist sehr anspruchsvoll, aber es ist möglich." Er habe völliges Vertrauen in das Bifie, das den Test durchführen wird. "Die OECD hätte auch keine Ausnahmegenehmigung erteilt, wenn es irgendwelche Zweifel daran gegeben hätte."

TÜV-Test bis Ende des Jahres

Das Bifie war nicht nur wegen eines angeblichen Datenlecks in die Kritik geraten, sondern auch deshalb, weil es Probleme bei den Schulversuchen zur Zentralmatura gegeben hat. Die Direktoren des Bifie sind deshalb vor rund zwei Wochen zurückgetreten. Das Bifie wird nun bis Ende des Jahres von Experten des TÜV-Austria überprüft. Die Zeit zwischen dem Ergebnis dieser Prüfung und den Feldtests zur Pisa-Studie reiche aus, versicherte Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek. Selbst wenn Probleme beim Bifie festgestellt würden, finde die Pisa-Studie "in jedem Fall" statt.

Neue Stichprobe

Wegen der Verschiebung des Tests wurde auch die Stichprobe geändert. Im Oktober 2015 werden andere Schüler getestet, als es bei einem Feldtest im Frühjahr der Fall gewesen wäre. Das Zeitfenster für den Geburtstag der Schüler wurde nach hinten verlegt, damit sie mit den Schülern der anderen Staaten vergleichbar sind. Durch den späteren Termin des Haupttests wären die Schüler der früheren Stichprobe schon länger im Schulsystem gewesen, als jene der anderen Länder. Außerdem wurde sichergestellt, dass kein Schüler sowohl am Feld- als auch am Haupttest teilnimmt.

Die neue Pisa-Studie wird im Dezember 2016 präsentiert. Die österreichischen Ergebnisse werden dann auch mit jenen der Vorjahre vergleichbar sein, versicherte Schleicher.

 

 

Wiener Zeitung - 27. Mai 2014

 

Bifie

Österreich nimmt 2015 doch an Pisa-Test teil

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Die abgesagten Feldtests werden im Frühjahr stattfinden.

 

Wien. Aufgeschoben statt aufgehoben: die heuer abgesagten Feldtestungen werden im Frühjahr 2015 stattfinden, die Haupttestungen im Herbst. Das hat das Bildungsministerium am Freitag bestätigt,nachdem zuvor die "Krone" berichtet hatte. Die Studie wird wie bisher vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) durchgeführt.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte im März die Teilnahme an den im heurigen Frühjahr geplanten Feldtestungen wegen eines angeblichen Datenlecks beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) abgesagt. Die Absolvierung dieser Vortests ist Voraussetzung für die Teilnahme an den Haupttests im Jahr 2015. Im Februar waren auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht.

Alle drei Jahre
Das Programme for International Student Assessment (Pisa) ist der größte internationale Schüler-Leistungstest. Bei der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführten Studie werden alle drei Jahre die Kenntnisse von 15- bis 16-Jährigen Schülern in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

Bei der aktuellsten Ausgabe 2012 haben rund 500.000 Schüler aus 66 Ländern teilgenommen, aus Österreich waren rund 5.000 Jugendliche dabei. Dabei lagen die Ergebnisse der 15- bis 16-jährigen Österreicher zuletzt in der Mathematik signifikant über, in den Naturwissenschaften im OECD-Schnitt und in Lesen darunter. Die nächste PISA-Studie steht 2015 an, die Ergebnisse werden im Dezember 2016 präsentiert.

OECD-Ausnahmeregelung für Österreich
Die OECD hat laut Bildungsministerium eine Ausnahmeregelung gewährt, durch die die PISA-Teilnahme doch noch möglich wird. Als einziges OECD-Land findet in Österreich der Feld-und der Haupttest im gleichen Jahr statt. Über die Details informieren Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und PISA-"Erfinder" Andreas Schleicher am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Für die Begründung der ursprünglichen PISA-Absage mit Datensicherheits-Problemen beim Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) war Heinisch-Hosek heftig kritisiert worden. Die Uni Salzburg bot an, für das Bifie einzuspringen. Das Bundesland Oberösterreich wollte sogar im Alleingang an PISA teilnehmen.

Mit der Verschiebung der Feldtestungen auf das Jahr 2015 löse die Ministerin ihr Versprechen ein, die Datensicherheit beim Bifie ernst zu nehmen, hieß es aus dem Ministerium. Derzeit läuft noch eine Sicherheitsüberprüfung durch den TÜV Austria. Man werde sich wie angekündigt dieses Jahr Zeit nehmen, das Bifie zu reformieren und neu aufzustellen.

Lob von den Grünen
Die Grünen zollten Heinisch-Hosek Respekt für ihre Entscheidung. "Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Ministerin eine falsche Entscheidung zurücknimmt", so Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung. Das könne aber nur der erste Schritt sein: Man müsse auch die Ergebnisse der Studie ernst nehmen.

 

 

Heute – 27. Mai 2014

 

TIMSS bleibt abgesagt

PISA-Studie: Termin für die Tests steht

 

Der Feldtest für die PISA-Studie 2015 wird im März und April 2015 stattfinden, der Haupttest im Oktober. Das sieht die Ausnahmeregelung der OECD für Österreich vor. Sie war nach der Absage der PISA-Teilnahme nötig geworden.

SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hatte im März die Teilnahme an den Feldtestungen wegen eines Datenlecks beim Bundesinstitut für Bildungsforschung abgesagt. Die Absolvierung dieser Vortests ist Voraussetzung für die Teilnahme an den Haupttests. Im Februar waren auf einem rumänischen Testserver einer Bifie-Partnerfirma ungeschützte Ergebnisse von informellen Schülertests aus den Jahren 2011 und 2012 aufgetaucht.

"Absage gerechtfertigt"
Den damals verhängten Teststopp verteidigt die Ministerin weiterhin: "Aufgrund der riesigen Datenprobleme war es nötig, das Vertrauen der Eltern, Lehrer und Schüler nicht zu erschüttern." Man arbeite nach wie vor an einer "konsequenten Neuaufstellung des Bifie", die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. Bis dahin soll der TÜV Austria auch alle Prozesse und Kommunikationswege, Server und Datenzugänge des Bifie überprüft haben. Für eventuelle "Reparaturarbeiten" ist dann noch zwei bis drei Monate bis zum PISA-Start Zeit.

TIMSS bleibt abgesagt
Damit könne PISA 2015 jedenfalls stattfinden, so Heinisch-Hosek, die finanzielle Belastung des Budgets werde sich in Grenzen halten. An der Absage der ebenfalls 2015 geplanten Volksschul-Vergleichsstudie TIMSS hält Heinisch-Hosek indes weiter fest.

Österreich ist übrigens nicht das einzige Land, das je bei PISA vor technischen Problemen gestanden ist.

Die Verschiebung des Haupttests führt jedenfalls zu einer neuen PISA-Population: Im Oktober 2015 wird eine andere Schüler-Stichprobe getestet, als es im Frühjahr der Fall gewesen wäre - nämlich mit einem anderen Zeitfenster für den Geburtstag, um die Vergleichbarkeit mit anderen Staaten zu gewährleisten. Außerdem soll durch die Stichprobenziehung sichergestellt werden, dass kein Schüler sowohl am Feld- als auch am Haupttest teilnimmt.

 

Wiener Zeitung – 27. Mai 2014

 

Dort, wo die Bildungseinsparungen am stärksten zu spüren sind

 

 

 

 

 

 

 

Von Saskia Blatakes

 

·         Schlechtes Ansehen, viel Engagement: Schüler und Lehrer der Handelsakademie Margareten sprechen sich für die Ganztagsschule aus.

 

 

Für viele Schüler ist die Schule eine Art Wohlfühlzone. Im Gegensatz zu den Eltern würden die Lehrer merken, wenn es dem Schüler schlecht geht, heißt es etwa. © Saskia Blatakes

 

Wien. "Wir müssen uns jetzt aussuchen, ob wir uns den rechten oder den linken kleinen Finger abschneiden", sagt der stellvertretende Direktor Rainer Bernhard. Es ist ein geschäftiger Morgen an der Handelsakademie (HAK) in Margareten: Prüfungen stehen an, Bewerber für das kommende Schuljahr warten auf persönliche Gespräche mit Lehrern. Trotzdem haben sich zahlreiche Schüler, Lehrer und die Schulleitung Zeit genommen, der "Wiener Zeitung" zu berichten, mit welchen Problemen sie schon jetzt täglich zu kämpfen haben und welche Schwierigkeiten noch auf sie zukommen werden, wenn die geplanten Kürzungen auch ihre Schule treffen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek wird nach den Vorgaben des Finanzministeriums schon 2014 insgesamt 87 Millionen einsparen müssen, im Jahr 2015 drohen gar Einschnitte in Höhe von 90 Millionen. Diese Summen werden nun nicht, wie zuvor angekündet durch größere Schulklassen erreicht, sondern durch ein Zurückrudern im geplanten Ausbau der Ganztagsschulen.

"Einschnitte sollen vor allem Verwaltung treffen"
In einem Brief wandten sich einige Lehrer der mit 1400 Schülern größten berufsbildenden Schule an die Öffentlichkeit. Von "Rasenmäher-Sparplänen des Finanzministers" ist die Rede und davon, wie enttäuscht sie von der Bildungsministerin seien. Gerade sozial benachteiligten Schülern werden Chancen genommen, dabei wisse man doch seit langem, dass sich jeder in die Bildung investierte Euro später wirtschaftlich rechne. Man werde jetzt erst einmal mit den einzelnen Ländern verhandeln, gerade, was die Einsparziele für 2015 betreffe, heißt es dazu auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" aus dem Bildungsministerium. Die Einschnitte sollen vor allem die Verwaltung betreffen, möglichst geringe Auswirkungen für Schulen und Klassen seien prioritär, hieß es weiter.

 

Enttäuscht waren die Lehrer auch von jenen Teilen der Lehrergewerkschaft, die es begrüßen, dass sich der Ausbau der Ganztagsschule nun doch verzögert. Man werde lediglich jene für die Ganztagsschule gedachten 50 Millionen Euro, die von den Ländern nicht "abgeholt" wurden, als Teil der Sparmaßnahme zurückbehalten, so das Ministerium.

Lehrer als auch Schüler der HAK sprechen sich hingegen sehr deutlich für die Ganztagsschule aus. "Als meine Eltern entschieden haben, dass ich die Ganztagsschule besuchen soll, war ich total dagegen. Sie arbeiten beide Vollzeit, die Alternative wäre für mich der Hort gewesen. Mittlerweile danke ich meinen Eltern dafür. Ich bin in Deutsch viel besser geworden. Außerdem wäre ich nie auf die Idee gekommen, selbst irgendwo Kunstkurse zu besuchen, aber durch die Zusatzangebote am Nachmittag kann ich mich kreativ entfalten, statt nur auswendig zu lernen, wie früher in der KMS (Kooperative Mittelschule, Anm.)", erzählt die Schülerin Dragana Putnik.

Ganztagsschule, eine Frage des Prestiges?
"Uns geht es darum, soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen", sagt Karl Pleyl, Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer. "Ganztagsschulen sind vor allem für Alleinerziehende wichtig oder für Familien, in denen beide Eltern arbeiten, und generell für alle, die ihren Kindern Nachhilfe oder andere teure Angebote nicht bieten können." Besser situierte Eltern hätten tendenziell weniger Interesse an Ganztagsschulen, weil sie die Nachmittage ihrer Kinder lieber selbst gestalten möchten. "Und sie haben möglicherweise die besseren Lobbys." Einer seiner Schüler, Petar Ljubic, sagt dazu: "Meine Mutter würde nie auf die Straße gehen und für die Ganztagsschule demonstrieren. Sie hat selbst keine gute Ausbildung. Schule ist für sie Schule." Eine Kollegin nickt: "Unsere Eltern können uns nicht helfen." Die Lehrer umso mehr. Pleyl ist überzeugt: "Wir sehen hier täglich die positiven Auswirkungen. Die Schüler haben bessere Noten, der Zusammenhalt und die Identifikation mit der Schule sind viel stärker als bei Halbtagsschulen."

Besseres Deutsch in der Gemeinschaft
"Man fühlt sich endlich einmal als Teil einer Gemeinschaft", bestätigt Anna Bogosavljevic, die vor zehn Jahren mit ihrer Familie aus Serbien nach Wien kam. Sie ist sich sicher, dass sie nur dank der Ganztagsschule heute perfekt Deutsch spricht: "Als ich nur sechs Stunden in der Schule war, habe ich halt auch nur sechs Stunden am Tag Deutsch gesprochen. Nachmittags und am Wochenende habe ich mich nur auf Serbisch unterhalten. So wird man nicht besser in Deutsch, man verlernt es sogar wieder. Ohne die Ganztagsschule hätte ich keine Chance gehabt." Vor allem die Deutsch-Matura ihrer Schüler habe sich sichtbar verbessert", bestätigt Peter Preisinger, der an der Schule Deutsch und Geschichte unterrichtet.

Einzige Handelsakademie, die Ganztagsschule anbietet
"Wir sind die einzige Handelsakademie, die eine Ganztagsschule anbietet. Gerade für den Wiener Raum ist das unglaublich wichtig. Alles, was von den Schülern gefordert wird, möchten wir ihnen auch anbieten können. Vor allem Zusammengehörigkeit und Identifikation mit der Schule", meint die Direktorin Helga Wallner. "Wir sind stolz auf unsere Schüler", sagt sie und man glaubt es ihr. "Es ist ein zynisches Spiel", findet Verena Pejic, Lehrerin für Politische Bildung und Zeitgeschichte. "Von der Wirtschaft werden Soft Skills verlangt. Doch wie mühsam es ist, diese zu vermitteln, wie viele Stunden, Wochen und Jahre es dauert, das sieht keiner. Es braucht viel Engagement, Zeit und vor allem Geld." Geld, das immer weniger wird.

"Große Klassen machen auch große Probleme"
Die geplanten Kürzungen werden die betreuten Hausaufgabenstunden am Nachmittag treffen, das ist bereits fix. Statt zuvor 15 Schüler werden sich ab Herbst bis zu 33 Schüler einen Lehrer teilen müssen. Das sei besonders fatal, sind sich Schüler und Lehrer einig. Denn gerade bei den "Lernstunden" sei die individuelle Betreuung enorm wichtig. So machen türkischsprachige Schüler andere Fehler als jene, die beispielsweise Serbokroatisch sprechen. "Ich habe schon in verschieden großen Klassen gesessen, von nur acht bis hin zu 33 Schülern. In großen Klassen ist es schwer mitzuarbeiten. Dafür sind die Niveaus, Vorstellungen und Wortschätze viel zu unterschiedlich. Nur lautere Schüler werden gehört, schüchterne gehen in der Masse unter. Und wenn du hinten sitzt, hast du überhaupt Pech", berichtet die engagierte Schülerin Mona Azz. Sie selbst lebt in einer Großfamilie mit vier Geschwistern, da ist Nachhilfe durch die Eltern nicht drin.

"In Österreich wird Bildung vererbt"
Von Pädagogik-Experten werde immer wieder gefordert, die Schüler in ihrer Individualisierung und Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. "Wie sollst du das mit über 30 Schülern machen?", fragt Peter Preisinger. "In Österreich wird Bildung vererbt. Unser Ziel ist, den Jugendlichen eine bessere Ausbildung zu bieten als jene ihrer Eltern. Teure Nachhilfe können sich unsere Schüler meist nicht leisten. Und viele Eltern können ihren Kindern auch nicht weiterhelfen, weil sie oft auch kein perfektes Deutsch beherrschen", sagt der ausgebildete Theaterpädagoge weiter, der zuletzt ein Theaterprojekt organisierte, das von Schülern selbst geschrieben und kürzlich mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Manche Eltern habe er erst überreden müssen, ihre Kinder überhaupt teilnehmen zu lassen.

Sprachtrainings werden von 20 auf vier Stunden reduziert
Doch nicht nur an den sogenannten Lernstunden am Nachmittag soll gespart werden. Sprachtrainings werden von 20 Stunden auf vier Stunden reduziert; bisher kostenlose, vorbereitende Kurse für Deutsch- oder Englisch-Zertifikate werden nicht mehr für alle Schüler drin sein. Auch einige Freigegenstände müssen weichen. "Ich verstehe nicht, warum man uns die Ressourcen kappt. Das Bildungsministerium verspricht beste Bildung und kürzt drastisch. Das ist wie bei einer Pflanze. Aus ihr kann kein Baum werden, wenn man sie nicht gießt", sagt Mona Azz.

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945