Montag, 5. Mai 2014

2014.05.05: Newsletter Bildung

OTS0160 5 II 0249 SPK0004 WI                          Fr, 02.Mai 2014

 

SPÖ/Grossmann/Bildung/Ganztagesbetreuung

 

Grossmann: 185 Millionen mehr an Budgetmitteln für die Bildung unserer Kinder =

 

Wien (OTS/SK) - Weil offenbar die Mythenbildung im Bildungsbereich nicht aufhört, stellt SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann erneut klar: "Mehr Geld für Kinder ist reserviert und wird direkt in den Klassenzimmern ankommen", so Grossmann am Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. Auch wenn manche "Bildungsexperten" noch immer behaupten, weniger Geld stehe den Schulen zur Verfügung, ist das Gegenteil richtig, insbesondere wenn es um das klare Bekenntnis seitens der SPÖ für den Ausbau der Ganztagesschulen geht. "Immerhin wird diese Bundesregierung 400 Millionen Euro zusätzlich in den Ausbau der Ganztagesschule investieren", so Grossmann und weiter: "Von einem Stopp kann daher keine Rede sein." Die geplante Verdoppelung der Mittel von 80 Mio. auf 160 Mio. Euro pro Jahr für Ganztagesschulen kommt, lediglich die 50 Millionen Euro, die von den Ländern bisher nicht verbraucht wurden, werden erst 2018 ausbezahlt. ****

 

Insgesamt stehen rund 185 Millionen Euro mehr für den Bildungsbereich zur Verfügung als 2013 geplant. Neben der Aufstockung der Personalförderung von 8.000 auf 9.000 Euro pro Gruppe und pro Jahr wird es künftig auch möglich sein mit bereits 12 statt bisher mit 15 SchülerInnen eine Gruppe zu fördern. "Im Klassenzimmer, bei den Schülerinnen und Schülern wird nicht gespart", so Grossmann, die an die Länder und Gemeinden für eine konstruktive Zusammenarbeit appelliert. "Doppel- und Mehrgleisigkeiten in der Schulverwaltung sollen künftig beseitigt, die Effizienz und das Niveau im Bildungswesen sollen erhöht werden", so Grossmann abschließend. (Schluss) sc/rm

 

~

Rückfragehinweis:

   SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien

   Tel.: 01/53427-275

   http://www.spoe.at/impressum

~

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/199/aom

 

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

 

OTS0160    2014-05-02/15:16

 

 

"profil" Nr. 19/2014 vom 05.05.2014  Seite: 20,21,22,23,24,25,26,27

Ressort: Titel

 

Ulla Kramar-Schmid und Eva Linsinger

 

 

Die Mär von …

 

   Österreich kam super durch die Wirtschaftskrise, hat die beste Familienpolitik und bald einen schlanken Staat. Sagt die Regierung. Doch wer soll ihr das noch glauben? Immer mehr Wähler fühlen sich verschaukelt. Und das mit Recht.

 

   Woran erkennt man Wutbürger? Wie wird Frustration im Volk vermessen? An Wahlergebnissen, der Wahlbeteiligung, an Umfragen? An der Tonalität von klassischen Kommentatoren oder an jenen der Blogger? Forcieren Medien die Wut auf Regierende oder spiegeln sie nur den Gemütszustand der Wähler wider? Und vor allem: Sind es nur Momentaufnahmen, oder wurzelt die Enttäuschung schon tief im Wählerempfinden?

 

   Die Österreicher haben eine hohe Frustrationstoleranz. Das Phlegma, mit dem sie über Jahrzehnte die immer gleichen Versprechen über sich ergehen haben lassen, sucht seinesgleichen. Von Wahlkampf zu Wahlkampf und über Legislaturperioden hinweg wurde ihnen weisgemacht, dass Bildung das höchste Gut ist. Dass die Wirtschaft globalisierungsfit gemacht werden muss, weil Arbeitsplätze oberste Priorität haben. Dass Dreifachgleisigkeiten in der Verwaltung beendet und Steuern gesenkt werden müssen. Und so weiter und so fort.

 

   Die Bilanz dieser Leerversprechen lässt sich im Budget ablesen: Die Staatsverschuldung erreicht mit 79,8 Prozent ein Rekordhoch und wird, wenn ab Sommer die Schulden von ÖBB und Gemeinden mitkalkuliert werden müssen, auf 84 Prozent steigen. Dennoch gaukelt die Regierung business as usual vor: Gekürzt wird dort, wo die Betroffenen den geringsten Widerstand leisten oder kein schlagkräftiges Lobbying hinter sich haben - Beispiel Ganztagsschule. Reformen werden, diesmal aber wirklich, für das Jahr 2016 versprochen.

 

   Die Effekte dieser Tatenlosigkeit können nicht mehr länger kaschiert werden: Die Löhne schrumpfen, die Arbeitslosigkeit steigt, die Steuerlast ebenso. Und an all dem soll nur die Hypo schuld sein? Für die Regierung sind die Milliarden für die notverstaatlichte Bank eine willkommene Ausrede, um Versäumnisse schönzureden.

 

   Die Steuerzahler aber sind am Ende ihrer Geduld. Der Wähler, die Wählerin glauben sich für dumm verkauft. Der über Jahrzehnte aufgestaute Frust bricht sich Bahn - in Internetforen, in sozialen Netzwerken, in Leserbriefen, in Umfragen. Noch nie hatte eine Regierung vier Monate nach ihrem Antritt derart viel Kredit verspielt: Die auf neuwal.com aufgelisteten Umfragen aller Meinungsinstitute weisen zwischen Dezember (Regierungsbildung) und Ende März (Andreas Mölzers Neger-Sager) die FPÖ auf Platz eins aus; aktuell liegen die Blauen mit der SPÖ Kopf an Kopf. In der aktuellen profil-Umfrage werden die Regierungschefs gerade noch mit "Minus befriedigend“ bewertet (siehe Seite 17).

 

   Wie tief der Unmut schon sitzt, zeigt eindrücklich die anschwellende Debatte innerhalb der Sozialdemokratie, deren Funktionäre Kritik an der Führung traditionell intern äußern und im Außenbild Disziplin wahren. Damit ist vorerst Schluss. Drei rote Schwerkaliber mucken auf: "Die Regierung hält Versprechen nicht ein“, grollt Rudolf Kaske, der Präsident der Arbeiterkammer. "Wir haben es so satt“, motzt Erich Foglar, der oberste Gewerkschafter. "Ich verstehe die Regierung nicht“, murrt Wiens Bürgermeister Michael Häupl in jenem Ton, der bei ihm einen Ausbruch ankündigt. Die ungestümen Jungsozialisten fordern gar das Ende der Koalition. In der ÖVP, die mit Fundamentalkritik an der eigenen Spitze mehr Routine hat, scheint sich Lethargie breitzumachen. Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und Landesgranden hatten schon vor Monaten Reformen urgiert. Vergeblich.

 

   Quer durch das Land wächst die Frustration. Und sie kommt nicht aus dem Nichts. Sie wurzelt in all den Märchen, die von der Regierung zum Vortrag gebracht werden. Doch der Wähler mag sie ihr nicht mehr abnehmen, die Mär von …

 

   … einem schlanken Staat

 

   "Es gibt viele Möglichkeiten, Geld beim Fenster rauszuwerfen. Die sinnloseste ist jene, für Ausgaben, die man selbst nicht bestellt hat, brav zu zahlen. Das nennt sich dann Föderalismus à l’autrichienne. Und weil beim Bund das Geld offenbar sehr locker sitzt, wurde der üppige Finanzausgleich zwischen Bund und Ländern, der 2007 unter Finanzminister Wilhelm Molterer vereinbart worden war, gleich bis 2016 verlängert. 2007 - das war vor der Pleite von Lehman Brothers, vor der Finanzkrise, vor der Wirtschaftsflaute, vor der Verstaatlichung von Kommunalkredit und Hypo Alpe-Adria. Doch die Länder agieren immer noch so, als ob sich die Welt nicht weitergedreht hätte.

 

   Das Burgenland meint, nicht ohne Militärkommandanten auskommen zu können, weil im Verteidigungsministerium im Ernstfall niemand das Telefon abhebe; Niederösterreich braucht zwischen Wien und Neunkirchen (Distanz: 65 Kilometer) vier (zum Teil neue) Spitäler; Wien leistet sich bis heute keine Pensionsreform bei den Landesbediensteten.

 

   Und erst die Gemeinden: In Oberösterreich und Salzburg zahlen Bürgermeister Müttern lieber eine "Herd-Prämie“, statt Krippenplätze bereitzustellen. Neun Jugendschutzgesetze, neun Bauordnungen, neun Wassermessprämien für Beamte: Die ausufernde Föderalismusbürokratie sucht sich Aufgaben. 99 Bezirke, 2357 Gemeinden, 64 Bundesräte, 77 Landesräte, 448 Landtagsabgeordnete, 141.000 Landes- und 74.000 Gemeindebeamte wollen beschäftigt werden.

 

  Hannes Androsch geißelt die Länder als "Geldvernichtungsmaschine“, von "Spendierföderalismus“ spricht VP-Parlamentspräsident Karlheinz Kopf. Expertise über Expertise wurde von Konventen und Rechnungshof produziert, wo der Wildwuchs zwischen Bund und Ländern gelichtet werden kann. Sie schlummern sanft in Schubladen.

 

   Und so ist jetzt wieder einmal ein Finanzminister angetreten, den "Staat schlank sparen“ zu wollen. Diesmal heißt er Spindelegger. 1992 hieß er Ferdinand Lacina, und schon dieser hatte das gleiche Vorhaben. Es darf davon ausgegangen werden, dass Spindelegger nicht der letzte Finanzminister ist, der seinen Worten keine Taten folgen lässt.

 

   … von der entfesselten Wirtschaft

 

   Wahlplakate sind geduldig. "Wirtschaft entfesseln“, "Keine neuen Steuern“, "400.000 neue Arbeitsplätze“. Also sprach jene ÖVP im Wahlkampf, die seit 1987 den Wirtschaftsminister stellt. Heute: Getränkesteuer. Tabaksteuer. Kfz-Steuer. Allesamt erhöht. Wirtschaft - weiterhin gefesselt: "Unternehmensgründungen sollen erleichtert werden, etwa durch die bereits geschaffene GmbH neu“, hieß es da etwa vor der Wahl - und nach der Wahl stand diese plötzlich auf der Kippe. Im renommierten Schweizer "World Competitive Yearbook“ 2013 räumt Österreich bei der Frage, ob die Wirtschaft frei von bürokratischen Hürden agieren kann, nur knapp 3,5 von zehn möglichen Punkten ab (siehe Grafik). Pikanterweise redet ausgerechnet Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl oft und gerne von Verwaltungsvereinfachung - wo es doch die Kammer ist, die etwa eine Vereinfachung der Gewerbeordnung hartnäckig verhindert. Auch die seit Jahren beschworene Verwaltungsbeschleunigung ist nicht auf Tempo ausgelegt: 25 Tage dauert es in Österreich, ein Unternehmen anzumelden. Laut den jährlichen Erhebungen der Weltbank belegt Österreich damit Platz 119 unter 170 Staaten. So schafft man keine Arbeitsplätze.

 

   … von der Millionärsteuer

 

   Es war ein zentraler Wahlkampfslogan der SPÖ: Reiche und Vermögen sollen stärker besteuert werden. Diese Forderung wirkte wie Balsam auf die Genossen - galt aber nur bis zum Wahltag. Schon bei der allerersten Gelegenheit fiel SPÖ-Vorsitzender Werner Faymann, sehr zum Unmut von Arbeiterkammer und Gewerkschaft, hochkant um: bei der Reform der Grunderwerbssteuer.

 

   Mit 620 Millionen Euro pro Jahr werden aus dieser Steuer mickrige 0,5 Prozent der Steuereinnahmen lukriert, im Schnitt der OECD-Staaten ist dieser Anteil sechs Mal so hoch. Kein Wunder: Blieben doch hierzulande die Einheitswerte seit dem Jahr 1973 unverändert. Für ein Haus, das um 1,5 Millionen Euro verkauft wird, sind nur Grundsteuern für den Einheitswert von 10.000 Euro zu bezahlen. Selbst dem Verfassungsgerichtshof schien diese vier Jahrzehnte alte Grundlage "Einheitswert“ reichlich verstaubt, weswegen er das Gesetz aufhob.

 

   Die Reparatur der Grundsteuer wäre die Gelegenheit zum Einstieg in Vermögenssteuern gewesen, noch dazu eine besonders überzeugende: Selbst hartnäckige Millionärsversteher empfinden die Einheitswerte als ungerecht, Steuern auf Grundbesitz treffen Vermögende stärker, zudem haben Grundsteuern den Vorteil, dass keine Fluchtgefahr droht und damit das Hauptargument gegen Vermögenssteuern wegfällt. Soweit zur Theorie.

 

   In der Praxis beschloss die SPÖ vergangene Woche im Ministerrat, dass die Grunderwerbssteuer weiter vom Einheitswert aus dem Jahr 1973 und nicht vom Marktwert der Grundstücke zu bezahlen ist. Womit der Wahlkampfslogan ein hohles Versprechen bleibt.

 

   … von der unfinanzierbaren Steuerreform

 

   Eine Steuerreform kommt, irgendwann, verspricht die Koalition. Rasant ist das Tempo nicht gerade: Die von der Regierung eingesetzte Steuerreformkommission hat sich bisher kein einziges Mal getroffen.

 

   Dabei gäbe es Anlässe genug, über Ungerechtigkeiten im Steuersystem zu reden. Einerseits ist Österreich ein Steuerparadies: Kümmerliche 0,16 Prozent tragen Steuern auf Privatvermögen zum Steuerkuchen bei, so wenig wie in keinem anderen Euro-Staat. Andererseits ist Österreich ein Hochsteuerland: Die Steuer- und Abgabenquote kletterte auf über 45 Prozent, allein die Einnahmen aus der Lohnsteuer steigen bis 2018 um 19,4 Prozent und damit deutlich stärker als die Löhne. Die logische Folge: Die Realeinkommen sinken. Selbst Spindelegger stellte dem Steuersystem in seiner Budgetrede den vernichtenden Befund aus: "Arbeiten lohnt sich nicht.“ Um sofort hinzuzufügen: Eine Steuerreform ist derzeit unleistbar.

 

   Das stimmt nur dann, wenn man entschlossen ist, Sparpotenziale nicht zu heben. Im völlig unübersichtlichen Fördersystem schlummern Milliarden, bei den 558 Steuer-Ausnahmen ebenso. Dazu kommen Absonderlichkeiten, die logisch nicht erklärbar sind: Die gesamte Familienförderung wird über die Lohnnebenkosten abgewickelt, ein guter Teil der Wohnbauförderung ebenso - mit ihr werden dann Güterwege und Co bezahlt.

 

   Die 300 Steuergesetze haben sich, gemeinsam mit den 800 unterschiedlichen Gruppen im Sozialversicherungsgesetz, zu einer Geheimwissenschaft aufgebläht, deren Verwaltung Millionenbeträge verschlingt. Der Effekt aus den komplizierten Sonderregelungen ist hingegen verblüffend einfach: Österreich hat eine Flat-Tax. Im Grunde liefern alle Einkommensgruppen den gleichen Prozentsatz ihrer Gehälter an Steuern und Abgaben ab - zwischen 37 und 40 Prozent. Umverteilung erfolgt also nicht über das Steuersystem, sondern ausschließlich über den Sozialstaat. Mit einem progressiveren Steuersystem wäre ein Teil der Sozialausgaben obsolet.

 

   Allein mit Vereinfachungen wäre ein guter Teil der Steuerreform finanzierbar, mit Vermögenssteuern sowieso. Allein die kleine Gruppe des reichsten Prozents der Österreicher, die 37.000 Haushalte umfasst, verfügt über ein Nettovermögen von 469 Milliarden Euro. Oder: In den kommenden drei Jahrzehnten wird jährlich ein Volumen von 25 Milliarden Euro vererbt werden. Selbst Staaten wie die USA oder die Schweiz, gemeinhin nicht als Horte der Umverteilung bekannt, haben Erbschaftssteuern. Österreich lässt hier jährlich Milliarden liegen - selbst bei generösen Ausnahmen für Erbschaften bis 500.000 Euro kalkuliert eine Studie vom Institut für Geldpolitik mit Einnahmen von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

 

   … der Schuld am Hypo-Debakel

 

   An der Hypo ist die FPÖ schuld, sagt die Regierung. Ja. Die bis 2006 im Eigentum der Kärntner Landesregierung stehende Hypo Alpe-Adria war einen Expansionskurs gefahren, der Töchter in Italien, Slowenien, Kroatien und Bosnien gebar, später auch in Serbien und Montenegro. Für diesen Expansionskurs musste die Bank Kredite aufnehmen, für die das blau/orange Land Kärnten geradestand.

 

   Die Haftungen, die daraus resultierten, schraubten sich bis 2006 auf sagenhafte 26 Milliarden Euro hoch - und das bei einem Landesbudget von vergleichsweise lächerlichen zwei Milliarden Euro pro Jahr. Der Wahnsinn hatte Methode: Musste doch die Hypo für die Haftungen dem Land Provisionen zahlen - und davon lebte wieder die von Jörg Haider geführte Landesregierung sehr gut. Laut Rechnungshof lukrierte das Land aus dem Titel "Haftungsprovisionen“ zwischen 2004 und 2008, Haiders Todesjahr, über 94 Millionen Euro. Millionen, die ein stetig sprudelnder Finanzierungsquell für die freiheitliche Party-Politik in Kärnten darstellte.

 

   Ja, am Hypo-Debakel ist die FPÖ schuld.

 

   Und nein. Wie das Gezerre um die Hypo-Abwicklung gezeigt hat, sieht die Verfassung keine Bestimmung für Bundesländer am Rande der Pleite vor. Eine Erkenntnis, aus der man durchaus neue Spielregeln ableiten hätte können. Etwa jene, dass der Bund (und somit die Steuerzahler) für Verbindlichkeiten der Länder künftig nicht geradesteht. Doch das Kräftemessen mit den Landeschefs scheuen Kanzler und Vizekanzler. Nicht nur die Kärntner Hypo, auch alle anderen Landesbanken operierten bis 2006, dann drehte die EU diese wettbewerbsverzerrende Praxis ab - mit der Sicherheit ihrer Länder im Hintergrund. Unter den Augen der Aufsicht, unter den Augen der amtierenden Finanzminister. Noch heute summieren sich die Haftungen der Länder für ihre Landesbanken auf 50 Milliarden Euro.

 

   Tatsache ist jedenfalls, dass 1,3 Prozent des Gesamtdefizits von 2,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts auf die Hypo Alpe-Adria entfallen. Mit ein Grund, warum die Koalitionsparteien eine Entscheidung über die Abwicklung der Bank auch über den Wahltag hinausgezögert haben.

 

   … dem EU-Wunsch Nulldefizit

 

   Nie wieder Griechenland - so schallt es seit fünf Jahren quer durch die EU. Auf unzähligen Krisengipfeln einigten sich die Eurostaaten auf ein Prinzip: Nie wieder sollte ein Mitgliedsland durch überbordende Defizite und Budgettricksereien die Gemeinschaftswährung Euro an den Rand des Abgrunds bringen. Das Resultat dieses Willens sind komplexe Regelwerke mit EU-Sprech-Namen - von Two-Pack über Six-Pack zu Fiskalpakt -, die im Grunde nur ein Ziel verfolgen: Die Euro-Staaten kontrollieren ihre Budgets und Staatsverschuldungen gegenseitig. In Österreich wurden all diese Spielregeln im Parlament beschlossen, vergangenen Sommer schließlich vereinbarte die damalige Finanzministerin Maria Fekter, dass Österreich bis 2015 das sogenannte strukturelle Nulldefizit vorlegt.

 

  Auch wenn Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger neuerdings gerne anderes behaupten: Österreich hat die Defizitziele (die je nach Mitgliedsstaat unterschiedlich sind) über Jahre mitdiskutiert und zugesagt. Es ist also nicht so, dass die EU plötzlich aus heiterem Himmel für 2015 ein Nulldefizit fordert.

 

   Ob die EU-Kommission akzeptiert, dass Österreich das Nulldefizit auf das Jahr 2016 vertagt, ist fraglich: Die heimische Regierung mag den Wählern vorgaukeln, dass die Milliardenzahlungen für die Hypo völlig überraschend kamen - der EU-Kommission sind sie lange bewusst, nicht umsonst warnte diese ab 2012 in eindringlichem Ton vor den Hypo-Kosten. Wie die EU-Kommission darauf reagiert, dass die Budgetzusagen nicht eingehalten werden, wird auch zum Praxistest, wie ernst die neuen Regeln genommen werden. Aber daran wird wohl auch wieder "die EU“ schuld sein - zumindest für die Regierungsspitze.

 

   … den Klassenbesten in Europa

 

   Es ist das Standardargument der Regierung: Österreich mag seine Probleme haben, steht aber viel besser da als andere Staaten. In der Tat steigt zwar die Arbeitslosigkeit auch hierzulande, zuletzt um über zehn auf 4,9 Prozent, von Arbeitslosenquoten wie 26,7 Prozent in Griechenland ist Österreich aber meilenweit entfernt. Allerdings ist diese Poleposition mit einer sehr niedrigen Erwerbsquote erkauft: Nur jeder fünfte Österreicher über 60 steht im Arbeitsleben, in Deutschland ist es jeder Zweite, in Schweden sind es sieben von zehn. Platz eins in der Arbeitslosenstatistik hat also seine Schattenseiten. Bei anderen Vergleichswerten sackt Österreich deutlich ab: Die Abgabenquote liegt deutlich über dem Schnitt (siehe Grafik), die Steuern auf Arbeit sind vergleichsweise extrem hoch. Das Resultat: In keinem anderen Euro-Land sind seit 2008 die Arbeitskosten so stark gestiegen wie in Österreich - um 18,9 Prozent. Auch das ist ein Spitzenwert.

 

   … den gesicherten Pensionen

 

   "Sichere Pensionen“ ließ die SPÖ im Wahlkampf plakatieren, und in der Budgetdebatte versicherte die ÖVP: Alles wird gut. Das Pensionsantrittsalter wird steigen, die "Trendwende“ ist auch bei den Pensionen da.

 

   Aus den Budgetzahlen lässt sich eine andere Botschaft ablesen: Die Pensionskosten steigen um fünf Milliarden Euro allein im ASVG-System, das über zwölf Milliarden Euro Zuschüsse braucht. Wie viel die Beamtenpensionen netto verschlingen, ist selbst für Seniorenvertreter wie Andreas Khol ein "Staatsgeheimnis“ - das wird erst ab dem Jahr 2015 erhoben. Ebenso gemächlich werden Pensionsparadiese in staatsnahen Bereichen, von der Nationalbank bis zu Energieversorgern, gerodet. Luxusrentner müssen sich noch Jahrzehnte nicht vor tiefen Einschnitten fürchten. Wie das Pensionsantrittsalter von derzeit 58,4 in Kürze auf 60,1 Jahre steigen soll, ist Experten ein Rätsel. Das Aus für die "Hacklerregelung“ und die Einschränkungen bei der Invaliditätspension werden kaum reichen, tut sich doch mit der "Schwerarbeiterregelung“ ein neues Schlupfloch auf. All die Probleme wird spätestens der nächste Bericht der Pensionskommission 2015 aufzeigen. Aber Hauptsache, 2014 waren die Pensionskosten "im Griff“.

 

   … der Großen Koalition

 

   Eine Regierung sollte die für das Land besten Entscheidungen treffen. Was aber, wenn sich Koalitionsparteien als Lobbyisten ihrer Klientel fühlen? Nur eine Große Koalition, so hieß es immer, könne die großen Probleme im Land lösen. Doch Große Koalition heißt immer: der kleinste gemeinsame Nenner. Wenn Abstriche gemacht werden müssen, dann dürfen diese nur ja nicht den Nerv des Stammwählers und der Vorfeldorganisationen treffen. Bauernbund (das Landwirtschaftsbudget blieb ungeschoren), Wirtschaftskammer (die Gewerbeordnung ist unantastbar), die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes (die Lehrergewerkschafter gelten als besonders renitent), Pensionistenvertreter: Sie reden bei allen Reformvorhaben mit, sie haben ihre Vertreter in den Parlamentsfraktionen sitzen, die notfalls damit drohen, eine Abstimmung zu kippen.

 

   Wissenschaft, Schüler, Studenten, Migranten, Junge - ihnen fehlt die schlagkräftige Organisation im Hintergrund. Und so ist das Budget auch ausgerichtet. Diese Strategie ist von enden wollendem Erfolg gekrönt: Seit 1990 hat die Große Koalition die gemeinsame Mehrheit von 74,9 auf 50,8 Prozent abgewirtschaftet. Viel Luft nach unten ist nicht mehr.

 

   … der Attraktivierung des Wehrdienstes

 

   60, 40, 80 - das sind die Eckzahlen einer Reform, die nie stattgefunden hat. 60, 8 Prozent der Wahlberechtigten stimmten am 21. Jänner des Vorjahres für die Beibehaltung der Wehrpflicht; 40 Millionen Euro werde die Reform des Wehrdienstes kosten, schätzten Kanzler und Vizekanzler im Juni darauf; 80 Millionen muss der amtierende Verteidigungsminister schlussendlich heuer und nächstes Jahr einsparen. Was war den Burschen nicht alles versprochen worden: Lähmende Leerläufe (sechs von zehn Rekruten werden als Systemerhalter in Küche, Werkstatt und Büro eingesetzt) sollten ein Ende finden, mehr Sport, mehr Übungen, verschiedene Ausbildungsmodule sollten den Grundwehrdienst zum Erlebnis werden lassen. Doch dafür bräuchte es besser ausgerüstete Sportstätten, mehr Trainer und Munition, mehr Personal für Übungen, womit wieder Überstunden anfallen. Das kostet Geld. Doch mit dem Heeresbudget geht es seit Jahren bergab, auch weil in den Zentralstellen hunderte Generalstabsoffiziere sitzen, deren Sold fast 70 Prozent des Ressortbudgets verschlingt (international sind durchschnittlich 40 Prozent gängig). Da bleibt nicht viel für den Sachaufwand oder neue Geräte. Schon gar nicht für die Grundwehrdiener. Wen kümmert es? Nach der Volksabstimmung ist das Wehrsystem ohnehin auf Jahre in Stein gemeißelt.

 

   … der besten Familienpolitik

 

   Die Allianz war ungewöhnlich, der Befund verheerend. Ausgerechnet Industriellenvereinigung und Arbeiterkammer, die normalerweise entgegengesetzte Positionen vertreten, taten sich vor zwei Jahren zusammen und verkündeten: Die Familienförderung ist sündteuer, wirkt aber nicht.

 

   Fast neun Milliarden Euro buttert Österreich jährlich in Familien, gemessen am Bruttoinlandsprodukt subventioniert nur das reiche Luxemburg üppiger. Der Effekt dieser Milliardenströme ist ernüchternd: Die Geburtenrate dümpelt bei 1,4 Kindern pro Frau dahin, niedriger als fast überall sonst in Europa.

 

   Daher lautete das einhellige Credo - eine Reform muss her. Doch dann kam Sophie Karmasin. Sie entsorgte all die Konzepte für die "Familienbeihilfe neu“ und erhöhte schlicht die Familienbeihilfe um vier Prozent oder 830 Millionen Euro. Das sind, pro Familie, je nach Rechnung, kümmerliche vier bis acht Euro.

 

   Dafür bleiben all die Probleme bestehen, die im Reformgerede vor zwei Jahren beklagt worden waren: Vom Babygeld bis zum Windelpaket gibt es ein Wirrwarr von 117 verschiedenen Familienleistungen, 47 vom Bund, 70 von den Ländern. Dennoch steht Nachwuchs auf der Liste der Armutsrisken ganz weit oben, die viel zitierte "Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bleibt Schimäre - Kindergärten sind bis zu 54 Tage pro Jahr geschlossen, nur knapp 20 Prozent der unter Dreijährigen haben einen Betreuungsplatz. Das Resultat: Österreich liegt in punkto Familienfreundlichkeit auf den hinteren Rängen.

 

   Denn auch wenn es die Regierung noch so oft betont: Österreich hat keinesfalls die beste Familienpolitik. Nur die teuerste.

 

   … der Chancengleichheit in der Bildung

 

   Österreichs Schüler liegen bei allen Bildungstests bestenfalls im Mittelfeld. Schlimm genug. Weitaus schlimmer ist freilich das Ergebnis, welches Österreich im Standortranking des renommierten Lausanner IMD-Instituts erreicht. Die Wertung ist eine Mischung aus harten Daten, erhoben von der OECD und der EU, und Managerinterviews. Bei der Frage, ob ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, landete Österreich im Vorjahr unter 60 Ländern nur auf Platz 52 (siehe Grafik). Auch in der Bewertung, ob das Bildungssystem den Anforderungen der Wirtschaft gewachsen ist, stürzte Österreich von Platz drei (2007) auf Platz 24 ab. René Siegl, Geschäftsführer der Austrian Business Agency, also jener Agentur, die für Betriebsansiedelungen im Land wirbt, sprach in der ORF-Sendung "Im Zentrum“ folgerichtig davon, dass sich Wettbewerbsfähigkeit an der Bildung entscheidet.

 

   Kann sich Österreich Pflichtschulabsolventen leisten, die Rechen-und Leseschwächen haben? Macht es Sinn, Studienplätze zu begrenzen, obwohl die Akademikerquote mit 19 Prozent weit unter dem OECD-Durchschnitt (32 Prozent) liegt? Darf Schule im 21. Jahrhundert immer noch als Halbtagseinrichtung verstanden werden?

 

   SPÖ und ÖVP verharren seit Jahrzehnten in einem Bildungs-Stellungskrieg - und die Lehrergewerkschaft achtet darauf, dass sich die Fronten nicht verschieben. An die Bundes-VP hat der Wähler, was Bildung betrifft, ohnehin nicht mehr viele Erwartungen - sogar schwarze Landeshauptleute und die Industriellenvereinigung verzweifeln an der Sturheit der Mutterpartei. Dass aber ausgerechnet eine rote Bildungsministerin, deren Partei vor jeder Wahl "beste Bildung“ verspricht, der Idee verfiel, den Sparstift bei der Klassenschülerhöchstzahl und bei den Zweitlehrern im roten Prestigeprojekt "Neue Mittelschule“ anzusetzen, grenzt an Wählerbetrug. Weil es an Förderung und somit Chancengleichheit fehlt, bleiben Kinder aus bildungsfernen Schichten und jene mit Migrationshintergrund Bildungsverlierer. Obwohl Österreich pro Schüler mehr Geld ausgibt als vergleichbare OECD-Länder.

 

   Kein Maß, kein Ziel. Nur Sonntagsreden. Österreichische Politik.

 

 

KLZ – 5. Mai 2014

 

Üben für die Zentralmatura

An fast allen steirischen AHS werden ab heute Kuverts für einheitliche schriftliche Maturaaufgaben geöffnet. Die "Hochsicherheitslogistik" hat den Test bestanden. Von Bernd Hecke.

Es ist zwar immer noch erst der Probegalopp, bevor im nächsten Jahr alle AHS-Schüler österreichweit in allen ihren Fächern die Zentralmatura - also Prüfungen nach bundesweit einheitlichen Aufgaben - absolvieren. Doch de facto gibt es heuer - bis auf die Modellschule und das Gymnasium für Berufstätige - an allen der 48 AHS in der Steiermark 118 Testläufe der standardisierten Reifeprüfung. Die meisten davon in Deutsch, das am heutigen Prüfungstag zur Eröffnung auf dem Programm steht, und Englisch, wo die Schulversuche schon am längsten laufen und am weitesten verbreitet sind. Zwischen 5. und 14. Mai stellen sich in unserem Bundesland rund 2800 Gymnasiasten den schriftlichen Maturaprüfungen.

Hochsicherheitslogistik

Wenn die Deutschprofessoren des Landes - vielleicht gerade in diesem Moment - in den Klassenzimmern die Prüfungskuverts öffnen, steht dieser Akt am Ende einer Hochsicherheitslogistik. Das - zuletzt wegen des Datenlecks mit Schülertestdaten in Verruf geratene - Bildungsinstitut Bifie hat die Pakete mit den Prüfungsbeispielen an bundesweit 318 AHS-Direktoren versendet. Die Schulleiter mussten das Versiegelungsband prüfen und die Sendung an die Lehrer übergeben. Diese haben die für jede Klasse exakt durchgezählten Kuverts ungeöffnet übernommen. Die korrekte Übergabe mussten die Direktoren per Unterschrift bestätigen. Bis zur Öffnung der Kuverts, was nur in Anwesenheit der Schüler geschehen darf, wurden die Beispiele sicher verwahrt. In der Klasse bekommt jeder Schüler auf seinen Arbeitsplatz ein Tischetikett geklebt, das dann mit der Nummer seines standardisierten Aufgabenheftes übereinstimmen muss.

Not-Download

Nicht nur die Maturanten, auch die Lehrer sehen erst in diesem Augenblick die Prüfungsaufgaben. Sollten Unterlagen fehlen oder CDs für Hörverstehensübungen bei Fremdsprachen nicht funktionieren, bietet das Bifie eine Hotline an. Bei Anruf gibt es eine sofortige Download-Möglichkeit, sodass die Prüfung ohne Probleme abgelegt werden kann.

Fakten

2014/2015 gibt es die Zentralmatura an den AHS flächendeckend, in den BHS erst 2015/16. Schulversuche laufen aber auch dort bereits.

91,06% der AHS-Schüler haben die Matura im Vorjahr bestanden. Experten rechnen damit, dass die Erfolgsquote auch bei der Zentralmatura gleich bleibt.

118 Schulversuche - also standardisierte Reifeprüfungen in zumindest einem Fach - gibt es heuer an 46 von 48 steirischen AHS.

2800 Schüler an steirischen AHS und 3000 an berufsbildenden höheren Schulen treten heuer zur Matura an.

Die Lehrer können mit einem schuleigenen Passwort am jeweiligen Prüfungstag um 15 Uhr die Lösungen der Klausur herunterladen. Auch die Korrektur der Prüfungen erfolgt standardisiert nach einem eigenen Schlüssel.

Die steirische Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner zeigt sich von der Logistik im Vorfeld positiv beeindruckt: "Ich habe überhaupt keine Meldung, dass es an Schulen Probleme oder Unklarheiten gegeben hat." Die Zentralmatura ist für sie "ein wichtiger Baustein für die Qualitätsentwicklung an den höheren Schulen". Da bleibe nur noch eines: "Den Schülerinnen und Schülern alles Gute zu wünschen!"

BERND HECKE

 

 

KLZ – 5. Mai 2014

 

Alles Gute!

Alles und alle sind gut vorbereitet. Gebetsmühlenartig versichern die Verantwortlichen vom Ministerium abwärts, dass die Hausaufgaben zur Zentralmatura gemacht sind. Trotzdem gibt es auch heuer, da die Testläufe für die standardisierte Reifeprüfung an fast allen steirischen AHS absolviert werden, jede Menge Nervosität. Die ist bei Lehrern wohl größer als bei Schülern. Denn sie sind es, die die Matura seit Jahren im alten Modus durchgeführt haben. Für die meisten Schüler kommt diese Prüfung - egal in welchem Modus - so oder so zum ersten Mal.

In Schulkreisen munkelt man, dass sich Maturanten heuer und 2015 die Hände reiben könnten. So leicht sei die Reifeprüfung noch nie zu schaffen gewesen . . . Denn hagelt es Fleck und sackt die Erfolgsquote ab, könne man das nicht den Schülern anlasten. Am Pranger stünden dann jene, die das Modell eingeführt, jene, die die Schüler darauf vorbereitet haben. Es ist die Lehrer-Leistung, die erstmals im Bundesvergleich am Prüfstand steht. Also, liebe Lehrer: Alles Gute!

 

 

OÖN – 5. Mai 2014

 

AHS: Auftakt für Generalprobe zur Zentralmatura

WIEN. Mit dem Fach Deutsch beginnt am Montag an 58 Gymnasien die Generalprobe für die ab dem Schuljahr 2015 verpflichtende schriftliche Zentralmatura an den AHS.

Im Rahmen von Schulversuchen verwenden sie die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegebenen Fragen. Bis zum 14. Mai folgen dann im Tagesabstand die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen.

Am verbreitetsten ist die Schulversuchs-Zentralmatura im Fach Englisch: Sie wird bereits an 318 (von insgesamt 344) AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. An 92 Prozent der Gymnasien werden in zumindest einem Maturafach die zentralen Bifie-Fragen verwendet. Die komplette neue Matura (inklusive neuer mündlicher Matura und vorwissenschaftlicher Arbeit) wird dagegen versuchsweise an nur zwei AHS - Stiftsgymnasium St. Paul/Lavanttal (Kärnten) und Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler Maria Enzersdorf (NÖ) - absolviert. Auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden zeitgleich Schulversuche statt - die Zentralmatura wird dort aber erst 2016 verpflichtend.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 05.05.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

"Besonders engagierte Lehrer sollten mit Prämien belohnt werden"

 

   Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer über Sparen und Motivieren im Schulbetrieb

 

   Von Anneliese Edlinger

 

   WIEN. Warum er trotz Kritik an seiner Doppelfunktion als Landesschulratspräsident und Chef des Christlichen Lehrervereins wieder als CLV-Obmann kandidieren will und welchen Beitrag der Landesschulrat zum Sparen leisten könnte, sagt Fritz Enzenhofer im Interview mit den OÖNachrichten.

 

   Viel Staub haben die Sparmaßnahmen im Bildungsressort aufgewirbelt. Der Großteil soll über den verschobenen Ausbau der Ganztagsschulen gehoben werden. Wo und wie aber in der teuren Schulverwaltung gespart werden soll, ist noch offen. Wo sehen Sie Potenzial?

 

   Wir könnten einiges sparen, wenn wir als Landesschulrat nicht nur für die Verwaltung der Pflichtschullehrer, sondern auch für die gesamte Personaladministration der Lehrer an Gymnasien und höheren Schulen, also die sogenannten Bundeslehrer, zuständig wären. Auch die dortige Leiterbestellung und die Bestellung der Schulaufsicht könnten wir sofort übernehmen, ohne auch nur einen Mitarbeiter mehr einzustellen.

 

   Das wird es aber nicht spielen. Denn Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek will nicht zulassen, dass noch mehr Macht an die Länder geht...

 

   Es geht nicht um Macht, sondern eine Vereinfachung der Abläufe. Und wenn der Bund um Macht fürchtet, könnte er sich ja ein Veto-Recht bei der Direktoren-Bestellung sichern.

 

   Und in Ihrem Landesschulrat sehen Sie kein Sparpotenzial?

 

   Ohne mich herausreden zu wollen. Wir in Oberösterreich haben die günstigste Schulverwaltung von ganz Österreich. Das behaupte nicht ich, die Zahlen stammen vom Ministerium. Demnach liegen die Verwaltungsausgaben pro Schüler in Oberösterreich bei 44 Euro pro Jahr, in Wien bei 64 Euro und im Burgenland gar bei 134 Euro. Und wie gesagt, die Verwaltung der Bundeslehrer würden wir ohne Mehrkosten sofort mitmachen.

 

   In Wien will Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl verbieten, dass Lehrer während der Schulzeit Fortbildungen machen, um teure Supplierstunden zu vermeiden. Wäre das nicht auch eine Idee für Oberösterreich?

 

   Faktum ist, dass bei uns 85 Prozent der Fortbildungen im Pflichtschulbereich schon jetzt während der unterrichtsfreien Zeit an den Pädagogischen Hochschulen stattfinden. Aber dass alle Kurse und Fortbildungen nur in den Ferien und während der Freizeit gemacht werden, ist technisch gar nicht möglich. Das geht sich weder räumlich noch zeitlich aus. Alleine in der letzten Schulwoche vor den Ferien und in der ersten Ferienwoche bilden sich in Oberösterreich 6000 Lehrer fort. Das heißt, dass jeder zweite Pflichtschullehrer in dieser Zeit eine Fortbildung macht.

 

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat sich mit der Absage des Pisa-Tests und ihren ursprünglichen Sparplänen viel Kritik eingehandelt. Wie beurteilen Sie ihre Performance?

 

   Sie ist sicher stark angeschlagen, hat bei unserem jüngsten Gespräch aber sehr offen gewirkt. Wenn sie diesen Stil jetzt beibehält, wird sie gute Entscheidungen zusammenbringen. Wenn sie wieder zu einsamen Beschlüssen zurückgeht, wird sie irgendwann sehr große Probleme haben.

 

   Sie werden wiederholt scharf dafür kritisiert, dass Sie als Landesschulratspräsident einerseits Arbeitgeber und als Chef des Christlichen Lehrervereins (CLV) gleichzeitig Arbeitnehmer-Vertreter sind. Heuer gibt es Neuwahlen beim CLV. Da hätten Sie Gelegenheit, das zu ändern.

 

   Also die klassischen Arbeitnehmervertreter sind die Gewerkschaft und die Personalvertreter. Aber es ist auch Aufgabe des CLV, pädagogische und gesellschaftspolitische Leitlinien zu setzen. Da sehe ich meine Aufgabe und nicht in der direkten Lehrervertretung. Aber es schadet nicht, wenn der oberste Chef der Lehrer beweist, dass er hinter seinen Lehrern steht. Und das tue ich damit. Und soweit ich gehört habe, werde ich von der Personalfindungskommission auch bei den heurigen Neuwahlen im CLV wieder vorgeschlagen. Und ich werde auch wieder kandidieren.

 

   Viele Lehrer sagen, dass sie zu ihren Anfangszeiten in den Schulen sehr motiviert waren, ihnen der Schulbetrieb das aber gründlich ausgetrieben hätte. Wie wollen Sie die Lehrer motivieren?

 

   Das Wichtigste ist, dass endlich mit dem Lehrer-Bashing Schluss gemacht wird. Das immer wieder erleben zu müssen, tut den Lehrern unheimlich weh. Eine andere Möglichkeit wäre, besonders fleißige und engagierte Kollegen für außergewöhnliche Leistungen mit Prämien zu belohnen. Es gibt zwar Belohnungen, aber die sind mit einmalig 50 oder 70 Euro mehr als bescheiden. Dieser Prämientopf sollte dringend höher dotiert werden, das wäre zumindest ein Anfang.

 

   Die Verwaltung der Bundeslehrer könnten wir sofort mitmachen, ohne auch nur einen Mitarbeiter mehr einzustellen."

 

 

SN – 5. Mai 2014

 

Auftakt für Generalprobe zur Zentralmatura an AHS

Mit dem Fach Deutsch beginnt am Montag an 58 Gymnasien die Generalprobe für die ab dem Schuljahr 2015 verpflichtende schriftliche Zentralmatura an den AHS. In anderen Gegenständen läuft das Modell bereits.

Im Rahmen von Schulversuchen verwenden sie die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegebenen Fragen. Bis zum 14. Mai folgen dann im Tagesabstand die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen.

Am verbreitetsten ist die Schulversuchs-Zentralmatura im Fach Englisch: Sie wird bereits an 318 (von insgesamt 344) AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. An 92 Prozent der Gymnasien werden in zumindest einem Maturafach die zentralen Bifie-Fragen verwendet. Die komplette neue Matura (inklusive neuer mündlicher Matura und vorwissenschaftlicher Arbeit) wird dagegen versuchsweise an nur zwei AHS - Stiftsgymnasium St. Paul/Lavanttal (Kärnten) und Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler Maria Enzersdorf (NÖ) - absolviert. Auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden zeitgleich Schulversuche statt - die Zentralmatura wird dort aber erst 2016 verpflichtend.

 

 

Österreich - 5. Mai 2014

 

 

An AHS 

Heute Generalprobe zur Zentralmatura

An 58 Schulen wird das neue Modell im Fach Deutsch angewendet.

Mit dem Fach Deutsch beginnt heute, Montag, an 58 Gymnasien die Generalprobe für die ab dem Schuljahr 2015 verpflichtende schriftliche Zentralmatura an den AHS. Im Rahmen von Schulversuchen verwenden sie die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegebenen Fragen. Bis zum 14. Mai folgen dann im Tagesabstand die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen.

Am verbreitetsten ist die Schulversuchs-Zentralmatura im Fach Englisch: Sie wird bereits an 318 (von insgesamt 344) AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. An 92 Prozent der Gymnasien werden in zumindest einem Maturafach die zentralen Bifie-Fragen verwendet. Die komplette neue Matura (inklusive neuer mündlicher Matura und vorwissenschaftlicher Arbeit) wird dagegen versuchsweise an nur zwei AHS - Stiftsgymnasium St. Paul/Lavanttal (Kärnten) und Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler Maria Enzersdorf (NÖ) - absolviert. Auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden zeitgleich Schulversuche statt - die Zentralmatura wird dort aber erst 2016 verpflichtend.
 

"Kurier" vom 05.05.2014                                   Seite: 20

Ressort: Leben

 

Wi, Abend

 

Je zentraler, desto ungerechter

 

Matura.Bildungsexperte Hopmann: "Jahresleistungen der Schüler zu berücksichtigen wäre fairer"

 

   vonute BrühlHeute startet der letzte Testlauf für die Zentralmatura: In 90 Prozent der AHS treten die Schüler in mindestens einem der Fächer Deutsch, Englisch oder Mathe zur neuen Reifeprüfung an. 2015 wird es für alle Maturanten der AHS, 2016 für die der BHS ernst. Dann sind alle schriftlichen Prüfungen zentral.

 

   Eine Neuerung, die vielen Schülern Sorge bereitet, wie Bundesschulsprecherin Angi Groß weiß: "Besonders unwohl ist uns in Mathe. Lehrer und Schüler fühlen sich nicht ausreichend vorbereitet. Und das Bewertungsschema ist noch nicht optimal."

 

   Nicht optimal. Das kann man auch über die geplante Zentralmatura sagen. Denn dass die Maturanote fast nur von einer einzigen zentralen Prüfung abhängt, ist in kaum einem Land so (siehe Grafik). Der Bildungsforscher Stefan Hopmann kennt viele Systeme und weiß: "Zentrale Elemente gibt es zwar sehr häufig. Doch deren Anteil an der Maturanote beträgt meist maximal 40 Prozent. Oft wird die Jahresleistung der Schüler miteingerechnet."

 

   Ursprünglich sollte es auch in Österreich eine teilzentrale Matura geben. "Leider wurde das schrittweise zu einer vollzentralen Veranstaltung", sagt Hopmann. Er stößt sich - wie die Schüler - auch am neuen Benotungssytem: "Auch wenn das bifie (formuliert Maturafragen, Anm.) argumentiert, dass es Testaufgaben vorbereitet, mit denen die Maturanten üben können - die Schüler haben über die Jahre eine Strategie entwickelt, wie sie zu guten Noten kommen. Sie können sich nicht so schnell umstellen." Da haben es französische Schüler leichter. Sie müssen sich während ihrer Schulzeit oft zentralen Prüfungen stellen. Die Reifeprüfung ist eine von vielen. Tester sind dort übrigens nicht die eigenen Lehrer.

Subjektive Urteile. Zentrale Tests führen laut Hopmann auch nicht zu besseren Schülerleistungen: "Das war noch nie auf der Welt so." Und sie sind auch nicht gerechter: "Natürlich sind die Urteile der Lehrer subjektiv. Aber zentrale Tests sind es genauso, weil Schüler einer Form der Mathematik gegenüberstehen, die vielleicht anders ist als die, die ihre Lehrer vermittelt haben." Schlimmer noch: "Je zentraler ein Test, desto ungerechter ist er. Das zeigt sich in Ländern mit zentrale Aufnahmeprüfungen. Je mehr Geld die Eltern dort in Nachhilfe investieren, desto erfolgreicher ist ihr Kind." Beispiel Japan: "Dort prognostiziert das Nachhilfeinstitut den Erfolg besser als die Schule, die ein Jugendlicher besucht." Ähnliches wird in Österreich wohl bald auch für die vorwissenschaftlichen Arbeiten gelten, die jeder Maturant schreiben muss: Wer Hilfe von außen bekommt, ist erfolgreicher. Sollte man also alle zentrale Tests abschaffen? "Nein", sagt Hopmann: "Bildung ist teuer. Es ist daher ein legitimes Bedürfnis des Staates zu schauen, dass alle Schüler ein Basiswissen haben." Sein Vorschlag: "Zentrale Bestandteile, aber eine ganzheitliche Beurteilung der Schüler. Diese muss auch die bisherige Schullaufbahn und eventuell andere Leistungsformate beinhalten. Denn gemischte Systeme erlauben am besten, Beurteilungsfehler zu justieren. "

 

 

---------------------------

 

"Kurier" vom 05.05.2014                                   Seite: 20

Ressort: Leben

 

Wi, Abend

 

Vorwissenschaftliche Arbeiten massenhaft abgelehnt

 

   Wenig Vorgaben.Alle AHS-Schüler, die im kommenden Jahr maturieren, müssen eine vorwissenschaftliche Arbeit schreiben. Diese ist Teil der Maturaprüfung. Schüler der jetzigen 7. Klassen mussten bis Ende März eine Kurzbeschreibung abgeben, in dem sie kurz das Thema umreißen, über das sie in ihrer vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) schreiben wollen.

 

   Doch offensichtlich gibt es zu wenig Vorgaben, wie diese Einreichung auszusehen hat. Denn jetzt haben viele Schüler erfahren, dass ihre Einreichung von den Landesschulinspektoren nicht angenommen wurde. Susanne Schmid, Elternvereinsobfrau im Burgenland, weiß von Gymnasien, "an denen die Hälfte der Schüler ablehnende Bescheide erhalten haben. Jetzt haben sie nicht einmal zwei Wochen Zeit, um ihre Einreichung umzuformulieren." Die Schüler wussten z. B. nicht, dass sie Literaturangaben machen sollten oder dass sie eine Begründung schreiben mussten, warum sie sich ein bestimmtes Thema ausgesucht haben.

 

   Die knappen Vorgaben aus dem Ministerium führten dazu, dass jedes Bundesland die Einreichungen anders bewertete:In Salzburg und Kärnten etwa wurden alle Arbeiten akzeptiert. In NÖ wurden Einreichungen häufig abgelehnt.

 

 

 

Wr. Zeitung – 5. Mai 2014

 

Zentralmatura

Premiere für eine Reifeprüfung

 

 

 

Am Montag fällt der Startschuss für die Generalprobe zur Zentralmatura. An diesem Tag findet im Rahmen von Schulversuchen die zentrale Reifeprüfung in Deutsch statt, am Dienstag folgt Englisch, usw. Zentraler Punkt: Die Matura findet an allen Schulen gleichzeitig statt.

Verpflichtend eingeführt wird die neue Matura an den AHS im Jahr 2015 und an den BHS im Jahr 2016. Aber schon heuer findet an 92 Prozent der AHS die Zentralmatura statt.

 

 

ORF – 5. Mai 2014

 

Termine per Verordnung

Am Montag fällt der Startschuss für die Generalprobe zur Zentralmatura. Im Rahmen von Schulversuchen findet als Erstes die zentrale Reifeprüfung im Fach Deutsch statt. Verpflichtend eingeführt wird die neue Matura an den AHS im Jahr 2015 und an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) im Jahr 2016.

Die österreichweit an denselben Tagen stattfindende schriftliche Zentralmatura ist der Kern der neuen Reifeprüfung. Die Fragen werden dabei vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) vorgegeben, die Korrektur erfolgt durch die Klassenlehrer nach einem vorgegebenen Schlüssel. Am Dienstag folgt die Zentralmatura im Fach Englisch, am Mittwoch steht Spanisch auf dem Programm, am Donnerstag Französisch, am Freitag Mathematik, am 12. Mai Italienisch, am 13. Mai Latein und zum Abschluss am 14. Mai Griechisch. Die Prüfungstermine werden jedes Jahr vom Bildungsministerium per Verordnung festgelegt.

An fast allen AHS

Bekanntschaft mit der zentralen Reifeprüfung machen dabei schon heuer fast alle AHS-Schüler. An 92 Prozent der AHS werden zumindest in einem Maturafach die zentral vorgegeben BIFIE-Fragen verwendet. Mit Abstand schon am weitesten verbreitet sind sie im Fach Englisch, wo seit Jahren Schulversuche stattfinden. Diesmal werden an 318 der 344 Gymnasien für die Englischmatura Aufgaben des BIFIE verwendet, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55. Zu den übrigen Fächern gab es vom BIFIE keine Zahlen. Noch nicht so lange und an weniger Standorten finden Probeläufe in Deutsch (58 AHS) und Mathematik (28 AHS) statt. Dieser Umstand trug auch dazu bei, dass heuer erst die Zentralmatura-Generalprobe und nicht schon der Ernstfall auf dem Programm steht.

Nach Protesten von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern wegen angeblich mangelhafter Vorbereitung hatte die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) den eigentlich für 2014 geplanten verpflichtenden Starttermin an den AHS um ein Jahr auf 2015 und jenen an den BHS um ein Jahr auf 2016 verschoben. Erst im vergangenen Dezember gab es Adaptierungen bei den Beurteilungskriterien in Mathematik und den lebenden Fremdsprachen.

Drei, vier Klausuren

Im Endausbau sieht die zentral vorgegebene schriftliche Matura so aus: Die Schülerinnen und Schüler müssen zwischen drei, vier schriftlichen Prüfungen wählen. An den AHS sind Deutsch, Mathematik und eine lebende Fremdsprache (Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch) Pflicht, die vierte Klausur kann eine weitere Fremdsprache, Darstellende Geometrie, Physik oder Biologie sein.

An den BHS müssen alle Schüler drei Klausuren aus den Gegenständen Deutsch, Englisch, angewandte Mathematik, lebende Fremdsprache oder Fachtheorie schreiben. Hier ist die Beteiligung an den Schulversuchen noch deutlich geringer: 48 der 309 BHS setzen schon heuer in Deutsch zentral vorgegebene Aufgaben ein, 44 in Englisch, 20 in angewandter Mathematik und sechs in Französisch.

„Vorwissenschaftliche Arbeit“

Neben der Zentralmatura besteht die neue „Standardisierte kompetenzorientierte Reife- und Diplomprüfung“ aus zwei weiteren Säulen, die ebenfalls 2015 (AHS) bzw. 2016 (BHS) verpflichtend starten. Schon im Vorfeld muss eine 40.000 bis 60.000 Zeichen lange vorwissenschaftliche Arbeit verfasst und vor einer Kommission präsentiert werden. Je nach Zahl der schriftlichen Klausuren müssen außerdem zwei bzw. drei mündliche Prüfungen abgelegt werden. Dafür stellen die Fachlehrer der Schule für jeden Gegenstand mindestens drei und maximal 24 Themen zusammen.

Die vollständige neue Reifeprüfung mit allen drei Säulen wird heuer nur an zwei AHS-Standorten erprobt, dem Stiftsgymnasium St. Paul/Lavanttal (Kärnten) und der Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler (Oberstufenrealgymnasium) in Maria Enzersdorf (Niederösterreich).

 

Morgenjournal, 5.5.2014

 

Generalprobe für die Zentralmatura

Peter Daser

Heute fällt der Startschuss zur Zentralmatura. Zwar nicht für alle Schülerinnen und Schüler im heurigen Maturajahrgang - aber zumindest an jenen Schulen, die an dem entsprechenden Schulversuch teilnehmen. Das heißt: die Maturafragen werden zentral vom Bundesinstitut für Bildung (BIFIE) vorgegeben. In den nächsten beiden Jahren soll die Zentralmatura an allen höheren Schulen kommen.

Reifeprüfung per Sicherheitstransport

5000 Schülerinnen und Schüler bekommen heute die Deutschmatura-Aufgaben nach einheitlichem Standard. Zugestellt wurden sie unter hohen Sicherheitsmaßnahmen - schließlich sollten keinesfalls Maturafragen schon vorher im Internet auftauchen. Peter Simon ist beim Bundesinstitut für Bildung für die Zentralmatura verantwortlich: "Sicherheit ist ein großes Thema in diesem Zusammenhang. Wir haben gut gesicherte Server, auf denen diese Aufgaben entstehen und zwischengelagert werden. Für den Haupttermin werden die Aufgaben in Papierform den Schulen schon zur Verfügung gestellt. Das müssen die Schulen also nicht mehr extra kopieren. Und das wird per Sicherheitstransport gemacht."

Neuer Anlauf

Im Vorjahr gab es heftigen Protest seitens der Schülervertretung gegen Aufgabenstellungen und Korrekturschlüssel - was letztlich zu einer Verschiebung der österreichweiten Zentralmatura geführt hat. Nach einer Informationskampagne in den letzten Monaten gebe es aber keine diesbezüglichen Probleme mehr, sagt Peter Simon. Die Maturafragen wurden im Auftrag des BIFIE ausgearbeitet: "Das ist das Prinzip nach dem gearbeitet wird: es arbeiten Lehrerinnen und Lehrer der betreffenden Schulen aus ganz Österreich zusammen, die betreut und gefördert werden, um solche Aufgaben erstellen zu können."

Einheitliche Beurteilung

400 Gymnasien und Berufsbildende Höhere Schulen werden an der einheitlichen Matura teilnehmen. Nach einheitlichen Kriterien, erklärt der BIFIE-Verantwortliche, erfolge auch die Korrektur der Aufgaben - aber nicht zentral, sondern an den jeweiligen Schulen selbst: "Es gibt eine einheitliche Korrektur, die allerdings von den Prüferinnen an Ort und Stelle gemacht wird, von den LehrerInnen der betreffenden Klassen. Einheitlich ist die Korrektur deswegen, weil verbindliche Korrektur- und Beurteilungsanleitungen mitgeliefert werden, die auch verwendet werden müssen. Das heißt, der Spielraum der Interpretation einer Leistung eines Kandidaten ist durch diese einheitlichen Unterlagen sehr stark eingeengt."

In den folgenden Tagen sind nach der Deutschprüfung weitere Maturafächer dran - am meisten Teilnehmerinnen an der Zentralmatura gibt es im Fach Englisch: 17.000, weil sich hier mehr Schulen am Schulversuch beteiligen, erklärt Peter Simon. Ab nächstem und übernächstem Jahr wird die Zentralmatura dann in allen Fächern an allen höheren Schulen stattfinden.

 

Morgenjournal, 5.5.2014

Sparkurs trifft Schulbau in Österreich

Sabine Oppolzer

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat zwei Bereiche festgelegt, wo sie sparen will: bei der Ganztagsschule und im Schulbau. Architekten fürchten, dass der Umbau und Ausbau der Schule, gerade begonnen, auch schon wieder gestoppt ist.

 

 

ORF – 5. Mai 2014

 

Bezirksschulräte werden abgeschafft

Das Land Salzburg macht jetzt Ernst mit dem Abbau der Schulbürokratie und schafft die Bezirksschulräte ab. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt bereits vor. Viel Geld lässt sich in Salzburg dadurch allerdings nicht einsparen.

Der Bezirksschulrat ist für alle Schulangelegenheiten im Bezirk zuständig - von sozialpädagogischem Förderbedarf bis Einhaltung der Schulpflicht oder Klassenschülerhöchstzahl oder Einteilung der Schulsprengel. Die Verwaltung ist in der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft angesiedelt. Das Verwaltungspersonal jedoch ist minimal. In Hallein etwa zahlt der Bund 5.000 Euro im Jahr Zuschuss für eine Bürokraft. Viel Geld lässt sich da also nicht einsparen.

Finanzielle Einsparung ist minimal

Weiters gibt es noch das Kollegium des Bezirksschulrates, das zum Beispiel über die Bestellung der Direktoren im Bezirk entscheidet. In Zell am See etwa sind das ein gutes Dutzend Menschen, Bezirkshauptfrau, Bezirksschulinspektorin, Vertreter von Parteien, Lehrern, Eltern, Kammern und Kirchen. Sie alle sitzen aber ehrenamtlich in diesem Gremuim. Das Sparpotenzial beschränkt sich auf Sitzungs- oder Kilometergeld, ist also minimal.

Auch die Bezirksschulispektoren, die pädagogischen Betreuer der Volks- Haupt und Sonderschulen, bleiben erhalten. Sie werden lediglich in Pflichtschulinspektoren umgetauft. Von Geldersparnis also kaum die Rede, das wird auch im Landesschulrat bestätigt. Allerdings erwartet man sich dort durch die Abschaffung der Bezirksschulräte schnellere Wege in der Bürokratie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen