Dienstag, 6. Mai 2014

2014.05.06: Newsletter Bildung

Die Presse – 6. Mai 2014

 

Zentralmatura-Generalprobe: Twitter und Traditionen

Mit Deutsch startet die Generalprobe für die neue Matura. Rund 5000 AHS- und BHS-Schüler bekamen dieselben Aufgaben.

Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft, neue Medien wie Smartphone und Twitter oder die Frage nach der Rückkehr zu traditionellen Werten: Zu je einem dieser drei Themen haben knapp 5000 Schüler an 106 Gymnasien und berufsbildenden höheren Schulen (BHS) am Montag Erörterungen, Empfehlungen, Reden und Kommentare verfasst. Die zentrale Deutschmatura ist der Auftakt für die Generalprobe zur neuen Reifeprüfung, die ab kommendem Jahr an allen Gymnasien und ein Jahr später auch an allen BHS verpflichtend durchgeführt wird. (Zu den Deutschklausuren, die das BIFIE nach der Matura veröffentlicht hat).

An 91 Prozent der AHS und 21 Prozent der BHS werden schon heuer in zumindest einem Maturafach die vom BIFIE-Institut erstellten zentralen Fragen verwendet. Bis 14. Mai werden die standardisierten Klausuren – je Fach jeweils am selben Tag – durchgeführt, es gibt sie neben Deutsch in Mathematik, lebenden Fremdsprachen, Latein und Griechisch. Heute folgt Englisch – das Fach, in dem die Teilnahme am verbreitetsten ist: 318 von 351 Gymnasien sind dabei sowie 44 von 344 BHS. Gering ist die Beteiligung in Mathematik mit 28 Gymnasien und 20 BHS. Es ist das Fach, bei dem mangelnde Vorbereitung heftig kritisiert wurde Ob all das stattfindet, war bis vor gut einem Monat übrigens unklar: Nach dem BIFIE-Datenleck gab das Bildungsressort erst Ende März Entwarnung.

Weiter mit Beurteilungsraster

Die Texte, die die Schüler für die Deutschmatura verfasst haben, werden nun von den Lehrern anhand eines ebenfalls vom BIFIE zur Verfügung gestellten Beurteilungsrasters benotet. Konkret geht es dabei um die vier Kompetenzen: Inhalt, Struktur, sprachliche Kompetenz sowie Rechtschreibung und Grammatik. Angekreuzt wird jeweils, zu welchem Grad (vollständig, überwiegend, zu wesentlichen Teilen, …) die Aufgabenstellung erfüllt wurde. Inklusive dieser Blätter und dem Beurteilungsvorschlag des Lehrers gehen die Klausuren dann an den Prüfungsvorsitzenden. Dieser muss – so, wie auch bei der klassischen Matura – dann sein OK geben.

Auch beim mündlichen Teil gibt es durch die neue Matura einige Änderungen. Die Fragen werden von den Lehrern der Schule gemeinsam erstellt, die Auswahl erfolgt aber zufällig: Die Schüler ziehen zwei Fragen-Pools, wählen davon einen. Welche Frage gestellt wird, das bestimmt schließlich der Prüfer. Dritte Säule der neuen Matura ist die sogenannte vorwissenschaftliche Arbeit, die jeder Schüler schreiben muss - an dem Vorgehen bei der Genehmigung der Themen gibt es derzeit aber Kritik.

 

 

Die Presse – 6. Mai 2014

 

 

Vorwissenschaftliche Arbeit: 6000 Exposés, sieben Inspektoren

Es gibt Kritik an der Genehmigung oder Ablehnung der Themen für die verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit.

Sie ist neben der zentralen schriftlichen Klausur und den darauffolgenden mündlichen Prüfungen die dritte Säule der neuen Zentralmatura: die vorwissenschaftliche Arbeit, die alle Maturanten künftig schreiben müssen. Und auch hier wurde zuletzt Kritik laut - nämlich an dem Genehmigungsprozedere.

So kritisiert die FPÖ, dass in manchen Bundesländern fast alle Exposés, die die Siebentklässler bereits ein Jahr vor der Matura einreichen mussten, genehmigt, in anderen zahlreiche von den Landesschulräten abgelehnt wurden. Diese müssen nach Lehrer und Direktion ihr OK zu den via Online-Plattform eingereichten Themenvorschlägen der Schüler geben. "Die 'vorwissenschaftliche Arbeit' ist chaotisch verlaufen", kritisiert FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz. Er will die Bedingungen, unter denen die Exposés angenommen oder abgelehnt wurden, mit einer parlamentarische Anfrage klären.

20 Prozent abgelehnt

Aus Wien heißt es, man habe rund 20 Prozent aller Vorschläge zur Überarbeitung an die Schüler zurückgeschickt, in Niederösterreich waren es zehn Prozent, in Oberösterreich nur 20 von knapp 1500 Exposés. Änderungen scheint das Ministerium aber nicht in Betracht zu ziehen. Überhaupt hat man dort andere Zahlen als die Landesschulräte: Insgesamt würden derzeit 500 Exposés überarbeitet.

Die Schulaufsicht führt die Genehmigungen übrigens ohne Extra-Personal durch. Das heißt: In Wien überfliegen sieben Schulinspektoren rund 6000 Exposés. In Niederösterreich waren zwei Inspektoren für 3200 Themenvorschläge zuständig.

 

 

KLZ – 6. Mai 2014

 

Die Zentralmatura fiel nicht durch

Die Generalprobe zur schriftlichen Zentralmatura glückte trotz einiger Bedenken: Nach dem Auftakt mit Deutsch folgen bis zum 14. Mai im Tagesabstand zentrale Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen.

Die Generalprobe zur schriftlichen Zentralmatura im Fach Deutsch ist am Montag ohne Probleme über die Bühne gegangen, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Alle 58 am Schulversuch beteiligten Gymnasien haben die richtigen Prüfungsunterlagen erhalten, es seien keine Pannen gemeldet worden. Ab kommendem Jahr sind die einheitlichen Klausuren an den AHS Pflicht.

Nach dem Auftakt mit Deutsch folgen bis zum 14. Mai im Tagesabstand die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen. Am verbreitetsten ist die Schulversuchs-Zentralmatura im Fach Englisch: Sie wird bereits an 318 (von insgesamt 344) AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. An 92 Prozent der Gymnasien werden in zumindest einem Maturafach die zentralen Bifie-Fragen verwendet.

Die komplette neue Matura (inklusive neuer mündlicher Matura und vorwissenschaftlicher Arbeit) wird dagegen versuchsweise an nur zwei AHS - Stiftsgymnasium St. Paul/Lavanttal (Kärnten) und Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler Maria Enzersdorf (NÖ) - absolviert. Auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden zeitgleich Schulversuche statt - die Zentralmatura wird dort aber erst 2016 verpflichtend.

 

KLZ – 6. Mai 2014

 

AHS-Direktorensprecher mit Vorbereitung zufrieden

"Bei der Premiere der aktuellen Schulversuchsrunde am Montag seien alle Unterlagen dagewesen, die Hilfe-Seite des Bifie funktionierte und auch im Vorfeld seien den Lehrern ausreichend Lehrunterlagen zur neuen schriftlichen Matura zur Verfügung gestellt worden", so AHS-Direktoren-Sprecher Zillner.

"Ordentlich und bemüht" nennt AHS-Direktoren-Sprecher Wilhelm Zillner die Vorbereitung des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) auf die schriftliche Zentralmatura, die auch an seiner Schule (BRG/ORG Kirchdorf an der Krems) in allen Fächern als Schulversuch durchgeführt wird. "Wir sehen dem Ganzen mit großer Gelassenheit entgegen", so Zillner am Montag zur APA.

Bei der Premiere der aktuellen Schulversuchsrunde heute, Montag, seien alle Unterlagen dagewesen, die Hilfe-Seite des Bifie funktioniere und auch im Vorfeld seien den Lehrern ausreichend Lehrunterlagen zur neuen schriftlichen Matura zur Verfügung gestellt worden. "Hier gibt es schon seit langer Zeit gutes Material", weist er sogar die Kritik zum Fach Mathematik zurück, wegen der der verpflichtende Start der einheitlichen schriftlichen Reifeprüfung um ein Jahr auf 2014/15 (AHS) bzw. 2015/16 (berufsbildende höhere Schulen/BHS) verschoben wurde.

Generell plädiert er dafür, die neue Reifeprüfung "nicht zu verteufeln": Wenn man für mehr Schulautonomie und damit mehr Freiheiten bei Lehrplan- und Unterrichtsgestaltung eintrete, sei es legitim zu überprüfen, ob auch an allen Schulen gewisse Ziele erreicht werden. Außerdem gebe es zentrale Vorgaben ohnehin nur bei den schriftlichen Klausuren und nicht bei den beiden anderen Säulen der neuen Matura: Bei der mündlichen Matura könne man durch den von den Fachlehrern erstellten Fragenpool immer noch schulische Schwerpunkte abbilden, und die einzelnen Schüler könnten bei der vorwissenschaftlichen Arbeit völlig frei nach ihren jeweiligen Interessen und Begabungen ein Thema bearbeiten.

An ebenjener vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) übt unterdessen FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz massive Kritik und kündigt einen Initiativantrag für deren Abschaffung an. Die Vorbereitung der VWA sei mangels klarer Vorgaben "chaotisch verlaufen", so Rosenkranz in einer Aussendung. So seien in manchen Bundesländern alle Exposees, die für die Genehmigung des Themas eingereicht werden müssen, angenommen worden, während es in anderen viele Ablehnungen gegeben habe. Bis Ende März der siebenten Klasse muss das Thema der VWA dem Landesschulrat vorgelegt werden, der bis Ende April entweder zustimmen oder ein neues Themas verlangen kann. Abgabe ist am Ende der ersten Unterrichtswoche des zweiten Semesters der achten Klasse.

Auch Zillner weiß von "durchaus unterschiedlichen Vorgaben", sieht darin allerdings kein Problem. Immerhin seien seines Wissens die Themen der Arbeiten nicht grundsätzlich zurückgewiesen, sondern nur Präzisierungen etwa bei der Literaturliste eingefordert worden. "Im Pilotdurchgang hätte ich mir etwas mehr Großzügigkeit gewünscht", forderte er mehr Gelassenheit ein.

Kritik an der Form der Zentralmatura kommt vom Bildungswissenschafter Stefan Hopmann (Uni Wien). Die Schüler, die diese heute bearbeiten müssten, seien "Versuchskaninchen für eine Idee, die nicht gut ist, pädagogisch unvertretbar ist", so Hopmann im Ö1-"Mittagsjournal". Er plädiert daher dafür, dass nicht alle Aufgaben vom Bifie vorgegeben werden, sondern der Großteil von der Schule kommt. "Hat mein Lehrer einen falschen Schwerpunkt erwischt, habe ich Pech gehabt." Und: "Je zentraler ein Test, desto ungerechter ist er", so Hopmann im "Kurier" (Montag-Ausgabe).

Differenziert sieht das die ehemalige AHS-Direktorin und Vorsitzende der Initiative BildungGRENZENLOS, Heidi Schrodt. Es sei grundsätzlich fragwürdig, dass nur die Leistung eines Tages für einen erfolgreichen Schulabschluss zähle. "Andererseits ist es genau das, was wir an den Universitäten haben", so Schrodt im "Mittagsjournal" - und auf diese bereite ja die Matura auch vor. Sie plädiert für eine Einbeziehung der Leistungen der beiden letzten Schuljahre in die Beurteilung. Aufgrund der Vergleichbarkeit der Leistungen positiv sieht die Zentralmatura die Bildungspsychologin Christiane Spiel.

 

 

KLZ – 6. Mai 2014

 

Üben für die Zentralmatura

An fast allen steirischen AHS werden ab heute Kuverts für einheitliche schriftliche Maturaaufgaben geöffnet. Die "Hochsicherheitslogistik" hat den Test bestanden. Von Bernd Hecke.

Es ist zwar immer noch erst der Probegalopp, bevor im nächsten Jahr alle AHS-Schüler österreichweit in allen ihren Fächern die Zentralmatura - also Prüfungen nach bundesweit einheitlichen Aufgaben - absolvieren. Doch de facto gibt es heuer - bis auf die Modellschule und das Gymnasium für Berufstätige - an allen der 48 AHS in der Steiermark 118 Testläufe der standardisierten Reifeprüfung. Die meisten davon in Deutsch, das am heutigen Prüfungstag zur Eröffnung auf dem Programm steht, und Englisch, wo die Schulversuche schon am längsten laufen und am weitesten verbreitet sind. Zwischen 5. und 14. Mai stellen sich in unserem Bundesland rund 2800 Gymnasiasten den schriftlichen Maturaprüfungen.

Hochsicherheitslogistik

Wenn die Deutschprofessoren des Landes - vielleicht gerade in diesem Moment - in den Klassenzimmern die Prüfungskuverts öffnen, steht dieser Akt am Ende einer Hochsicherheitslogistik. Das - zuletzt wegen des Datenlecks mit Schülertestdaten in Verruf geratene - Bildungsinstitut Bifie hat die Pakete mit den Prüfungsbeispielen an bundesweit 318 AHS-Direktoren versendet. Die Schulleiter mussten das Versiegelungsband prüfen und die Sendung an die Lehrer übergeben. Diese haben die für jede Klasse exakt durchgezählten Kuverts ungeöffnet übernommen. Die korrekte Übergabe mussten die Direktoren per Unterschrift bestätigen. Bis zur Öffnung der Kuverts, was nur in Anwesenheit der Schüler geschehen darf, wurden die Beispiele sicher verwahrt. In der Klasse bekommt jeder Schüler auf seinen Arbeitsplatz ein Tischetikett geklebt, das dann mit der Nummer seines standardisierten Aufgabenheftes übereinstimmen muss.

Not-Download

Nicht nur die Maturanten, auch die Lehrer sehen erst in diesem Augenblick die Prüfungsaufgaben. Sollten Unterlagen fehlen oder CDs für Hörverstehensübungen bei Fremdsprachen nicht funktionieren, bietet das Bifie eine Hotline an. Bei Anruf gibt es eine sofortige Download-Möglichkeit, sodass die Prüfung ohne Probleme abgelegt werden kann.

Fakten

2014/2015 gibt es die Zentralmatura an den AHS flächendeckend, in den BHS erst 2015/16. Schulversuche laufen aber auch dort bereits.

91,06% der AHS-Schüler haben die Matura im Vorjahr bestanden. Experten rechnen damit, dass die Erfolgsquote auch bei der Zentralmatura gleich bleibt.

118 Schulversuche - also standardisierte Reifeprüfungen in zumindest einem Fach - gibt es heuer an 46 von 48 steirischen AHS.

2800 Schüler an steirischen AHS und 3000 an berufsbildenden höheren Schulen treten heuer zur Matura an.

Die Lehrer können mit einem schuleigenen Passwort am jeweiligen Prüfungstag um 15 Uhr die Lösungen der Klausur herunterladen. Auch die Korrektur der Prüfungen erfolgt standardisiert nach einem eigenen Schlüssel.

Die steirische Landesschulratspräsidentin Elisabeth Meixner zeigt sich von der Logistik im Vorfeld positiv beeindruckt: "Ich habe überhaupt keine Meldung, dass es an Schulen Probleme oder Unklarheiten gegeben hat." Die Zentralmatura ist für sie "ein wichtiger Baustein für die Qualitätsentwicklung an den höheren Schulen". Da bleibe nur noch eines: "Den Schülerinnen und Schülern alles Gute zu wünschen!"

BERND HECKE

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 06.05.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Prüfungsstress

 

   Kommentar

 

   Von Christoph Kotanko

 

   Die wichtigste Institution der Gesellschaft "neben der Familie ist die Schule": Diese Erkenntnis stammt von Bill Gates, reichster Mann der Welt.

 

   Bei einer Einrichtung, durch die jeder durch muss, sorgen Veränderungen für breite Diskussionen. So auch bei der Zentralmatura, deren Generalprobe gestern begann.

 

   Die meisten Bedenken werden sich als übertrieben herausstellen. Der Grundgedanke der zentralen Reifeprüfung ist richtig: Alle Schüler sollen vergleichbares Wissen erwerben. Bisher konnte die Matura von Schule zu Schule, sogar innerhalb einer Schule von Klasse zu Klasse ein anderes Niveau haben. An der einen Schule machten es sich die Lehrer leicht, an der anderen war Strenge angesagt.

 

   In vergleichbaren Staaten ist die Zentralmatura längst eingeführt. Die wussten, was sie tun. Die Wehklage, alles sei auf eine Prüfung zugespitzt, ist Unsinn: Wer eine höhere Schule positiv abschließen will, sollte den Prüfungsstress aushalten. Das bleibt einem im späteren Leben auch nicht erspart - sei es an der Uni oder im Beruf.

 

   Schüler sollen vergleichbares Wissen erwerben

 

   c.kotanko@nachrichten.at

 

 

OÖN – 6. Mai 2014

 

Letzter Testlauf für die Zentralmatura

STEYR/WIEN. 321 Gymnasien und 71 Berufsbildende Höhere Schulen nehmen an der neuen Reifeprüfung teil.

Fast eine Woche lag das Paket mit den Deutsch-Maturafragen versiegelt im Tresor des BRG Michaelerplatz in Steyr. Gestern um Punkt acht Uhr wurde es vor den Augen der Schüler geöffnet – so wie in allen Gymnasien Österreichs, die an der Generalprobe für die Zentralmatura teilnahmen. Dann war das Geheimnis gelüftet: "Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft", "Neue Medien", "Rückkehr zu traditionellen Werten?". Zu einem dieser Themen mussten die Maturanten in fünf Stunden zwei unterschiedliche Texte schreiben.

Die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung erstellten Themen seien gut gestreut, sagte Direktor Harald Gebeshuber. "Da ist für jeden was dabei." Die Nervosität habe sich in Grenzen gehalten, die Schüler waren gut vorbereitet.

Es ist der letzte Testlauf für die AHS: Ab 2015 müssen an allen Gymnasien die Reifeprüfungen nach den neuen und für alle gleichen Regeln abgelegt werden. 92 Prozent der AHS lassen bereits heuer ihre Schüler zumindest in einem Fach die Zentralmatura erproben. An den Berufsbildenden Höheren Schulen ist die neue Reifeprüfung ab 2016 verpflichtend.

Die Zentralmatura baut auf drei Säulen auf. Der schriftliche Teil ist standardisiert, die Schüler erhalten österreichweit am selben Tag ihre Prüfungsaufgaben. Gestern legten die Schüler in Deutsch ihre Prüfungen ab, heute finden die Englisch-Klausuren statt, am Freitag folgt Mathematik. Die Aufgaben für die mündliche Matura stellen weiterhin die Fachlehrer zusammen. Zusätzlich müssen die Schüler eine vorwissenschaftliche Arbeit verfassen.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) lobte gestern die neue Zentralmatura: Diese bedeute eine bessere Vergleichbarkeit, das eigenständige Denken werde stärker gefördert. Auch Gebeshuber schätzt die Zentralmatura: "In Deutsch wird das strukturierte Schreiben forciert. Schüler, die nicht so kreativ sind, können besser trainieren."

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 06.05.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Prüfungsstress

 

   Kommentar

 

   Von Christoph Kotanko

 

   Die wichtigste Institution der Gesellschaft "neben der Familie ist die Schule": Diese Erkenntnis stammt von Bill Gates, reichster Mann der Welt.

 

   Bei einer Einrichtung, durch die jeder durch muss, sorgen Veränderungen für breite Diskussionen. So auch bei der Zentralmatura, deren Generalprobe gestern begann.

 

   Die meisten Bedenken werden sich als übertrieben herausstellen. Der Grundgedanke der zentralen Reifeprüfung ist richtig: Alle Schüler sollen vergleichbares Wissen erwerben. Bisher konnte die Matura von Schule zu Schule, sogar innerhalb einer Schule von Klasse zu Klasse ein anderes Niveau haben. An der einen Schule machten es sich die Lehrer leicht, an der anderen war Strenge angesagt.

 

   In vergleichbaren Staaten ist die Zentralmatura längst eingeführt. Die wussten, was sie tun. Die Wehklage, alles sei auf eine Prüfung zugespitzt, ist Unsinn: Wer eine höhere Schule positiv abschließen will, sollte den Prüfungsstress aushalten. Das bleibt einem im späteren Leben auch nicht erspart - sei es an der Uni oder im Beruf.

 

   Schüler sollen vergleichbares Wissen erwerben

 

   c.kotanko@nachrichten.at

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 104 vom 06.05.2014              Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

Zentralmatura wird auf ihre Reife geprüft

 

   Zwei Schulen trauen sich. Sie führen schon heuer die neue Matura durch, ein Jahr bevor sie an allen AHS startet. Die betroffenen Schüler nehmen die umstrittene Reform gelassen.

 

   Marian Smetana Maria Enzersdorf. Der Seufzer der Erleichterung ist der gleiche geblieben. Auch die verdrehten Augen sind dieselben und begleiten seit Jahrzehnten Schüler, die gerade eine schriftliche Matura hinter sich gebracht haben. Nur die Prüfung ist seit heuer in der niederösterreichischen Liese-Prokop-Privatschule eine andere. Als eine von zwei Schulen führt die AHS für Hochleistungssportler in der Gemeinde Maria Enzersdorf die neue Zentralmatura zur Gänze durch.

 

   Kurz nach der schriftlichen Deutschprüfung sind die Gedanken der 20 Schüler der Abschlussklasse andere – Zentralmatura hin oder her. Erleichterung macht sich breit, manche schütteln den Kopf. „Ich kann nicht sagen, was anders war, es war meine erste und hoffentlich auch meine letzte Matura“, sagt die 19-jährige Bernadette Witasek.

 

   Doch natürlich ist an dieser Reifeprüfung etwas anders. Sie ist eine Generalprobe für die Zentralmatura, die 2015 an allen AHS in Österreich eingeführt wird. Nach massiven Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern wurde ihr Start um ein Jahr nach hinten verlegt. Denn in Zukunft gibt das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) die Maturafragen vor und nicht mehr die Lehrer.

 

    Am Montag war Deutsch an der Reihe. Bis zum 14. Mai folgen dann im Tagesabstand die Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen. Am weitesten verbreitet ist die Zentralmatura im Schulversuch im Fach Englisch: Sie wird an 318 von insgesamt 344 AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. Die komplette neue Reifeprüfung (inklusive neuer mündlicher Matura und vorwissenschaftlicher Arbeit) wird dagegen versuchsweise an nur zwei privaten AHS abgehalten. Im Kärntner Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal und eben in der Liese-Prokop-Privatschule. Auch an berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden gleichzeitig Schulversuche statt – die Zentralmatura wird dort erst 2016 verpflichtend.

 

   „Es ist schon eigenartig, wenn man in der Früh im Radio hört, dass die Zentralmatura startet, wenn man gerade selbst hinfährt“, sagt Witasek. Dass halb Österreich mitfiebert, findet sie lustig. Auf ihre Note habe das keinen Einfluss. „Wir wurden gut vorbereitet. Ich denke, das wäre auch ohne Versuch so gewesen“, sagt ihre Schulkollegin Franziska Sottner (18).

 

   In der Schule, eine halbe Autostunde südlich von Wien, wird der Leistungsgedanke hochgehalten. „Alle unsere Schüler sind Hochleistungssportler. Das wirkt sich auch auf den Schulalltag aus“, erklärt Schulleiterin Isabella Hilzhofer. Disziplin und Ausdauer seien der Grund, warum man an dem Schulversuch teilnehme. Die Vorbereitungen für die neue Matura liefen längst, als die Unterrichtsministerin 2012 das Projekt wieder aufschob. „Wir wollten das Ganze nicht mehr stoppen.“

 

    Manche der Schüler, die sich auf dem Gang gerade von dem Schreibmarathon erholen, glauben, dass ihnen dadurch ein Vorteil entstanden ist. Daniel Stadler (18) glaubt, dass die Politik alles daran setzt, dass die neue Matura keine Katastrophe wird. „Man bekommt die Matura deshalb natürlich nicht geschenkt. Aber das Bifie wird nicht die schwierigsten Fragen senden.“

 

   Ob schwierig oder leicht, die Fragen sind streng geheim. Sie werden per Boten geschickt, die Kuverts dürfen erst direkt vor der Prüfung geöffnet werden. Eine der Fragen bezog bei der diesjährigen Prüfung auf zwei SN-Artikel.

 

   Auch das Stiftsgymnasium St. Paul erreichte zu Wochenbeginn die heikle Fracht. 28 Maturanten starteten hier ebenfalls in die schriftlichen Prüfungen. Der Schuldirektor Pater Thomas Petutschnig sieht im Vergleich zum Vorjahr keine großen Veränderungen: „Die Aufregung unter den Schülerinnen und Schülern ist nicht größer als früher.“ Einzig die mündlichen Prüfungen würden die Schule vor eine Herausforderung stellen. „Der Ablauf ist sehr kompliziert.“ Man brauche einen isolierten Warteraum für die Kandidaten, einen Prüfungsraum, einen Raum, in dem die Fragen gezogen würden, einen Raum, in dem man nach der Prüfung auf das Ergebnis warte und eventuell auch einen Computerraum. „Da könnte man noch etwas verbessern.“ In Maria Enzersdorf will man dagegen mit Verbesserungsvorschlägen noch warten. „Für ein Resümee ist es noch zu früh“, sagt die Schulleiterin.

 

   Doch es gibt Schüler, die sich durch die neue Matura benachteiligt fühlen. Markus Ruseks vorwissenschaftliche Arbeit, die neuer Bestandteil der Matura ist, wurde negativ benotet. „Ich weiß nicht warum, und ich finde es schade, dass man ein Dreivierteljahr an der Arbeit schreibt und dann einen Fünfer bekommt“, erklärt der 20-Jährige. Er müsse nun eine neue Arbeit schreiben und habe viel mehr Aufwand, als im alten System.

 

    Auch wer einen Fünfer auf die schriftliche Matura hat, muss den Stift nochmals in die Hand nehmen, um die Prüfung zu wiederholen. Denn die negative Note kann nicht mehr mit einer mündlichen Prüfung ausgebessert werden. Die Aufgaben finden Sie hier:

 

   www.salzburg.com/mehr/zmd2014

 

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"Salzburger Nachrichten" Nr. 104 vom 06.05.2014              Seite: 3

Ressort: Hintergrund/Seite 3

 

Österreich

 

7. Klasse ...

 

   7. Klasse

 

   Die vorwissenschaftliche Arbeit. Früher haben sich Maturanten aussuchen dürfen, ob sie eine Fachbereichsarbeit verfassen und sich eine Maturaprüfung ersparen wollen. Diese Wahl haben sie bei der Zentralmatura nicht mehr.

 

   Nun müssen alle Maturanten eine 40.000 bis 60.000 Zeichen lange Arbeit zu einem Thema ihrer Wahl verfassen und vor einer Kommission präsentieren. Das Thema der Arbeit muss bis zu Beginn des zweiten Semester in der siebten Klasse feststehen und spätestens ein Jahr darauf zu Beginn des zweiten Semesters in der achten Klasse abgegeben werden.

 

   8. Klasse

 

   Die schriftliche Zentralmatura. Anstelle der Klassenlehrer gibt das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) in den Hauptfächern die schriftlichen Maturafragen vor. Die Zentralmatura findet an allen Schulen zeitgleich statt. Gestern war sie in Deutsch an der Reihe, heute ist Englisch, morgen Spanisch, übermorgen Französisch und am Freitag Mathematik dran. Danach folgen Italienisch, Latein und Griechisch. Die Mathematik-Zentralmatura bereitete die meisten Kopfschmerzen. Schüler und Lehrer fühlten sich durch das Bifie schlecht vorbereitet, sie wurde um ein Jahr verlegt und startet 2015 an allen AHS und 2016 an allen BHS. Heuer halten sie 318 AHS in mindestens einem Fach ab, meist in Englisch.

 

   Die mündliche Zentralmatura. Die Liese-Prokop-Privatschule in Maria Enzersdorf und das Stiftsgymnasium St. Paul im Lavanttal wagen sich als Einzige heuer auch die mündliche Zentralmatura heran. Jeder Lehrer stellt für sein Fach mindestens drei, maximal 24 Themenbereiche zusammen und gibt die mit seinen Fachkollegen in einen Pool. Daraus zieht jeder Schüler zwei Themenbereiche, von denen er einen wählen muss. Zu diesem muss er eine Frage beantworten.

 

 

Österreich – 6. Mai 2014

 

 

Auftakt mit Deutsch  

Generalprobe für Zentralmatura gelungen

Start des letzten Schulversuchsdurchgangs an 58 Gymnasien in Deutsch.

Die Generalprobe zur schriftlichen Zentralmatura im Fach Deutsch ist am Montag ohne Probleme über die Bühne gegangen, hieß es aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Alle 58 am Schulversuch beteiligten Gymnasien haben die richtigen Prüfungsunterlagen erhalten, es seien keine Pannen gemeldet worden. Ab kommendem Jahr sind die einheitlichen Klausuren an den AHS Pflicht.

Nach dem Auftakt mit Deutsch folgen bis zum 14. Mai im Tagesabstand die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen. Am verbreitetsten ist die Schulversuchs-Zentralmatura im Fach Englisch: Sie wird bereits an 318 (von insgesamt 344) AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. An 92 Prozent der Gymnasien werden in zumindest einem Maturafach die zentralen Bifie-Fragen verwendet.

Die komplette neue Matura (inklusive neuer mündlicher Matura und vorwissenschaftlicher Arbeit) wird dagegen versuchsweise an nur zwei AHS - Stiftsgymnasium St. Paul/Lavanttal (Kärnten) und Liese Prokop Privatschule für Hochleistungssportler Maria Enzersdorf (NÖ) - absolviert. Auch an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) finden zeitgleich Schulversuche statt - die Zentralmatura wird dort aber erst 2016 verpflichtend.

 

Der Standard – 6. Mai 2014

 

 

Auftakt für Generalprobe zur Zentralmatura

Laut Bifie keine Pannen bei Deutsch-Matura gemeldet - Direktorensprecher zufrieden

Die Generalprobe zur schriftlichen Zentralmatura im Fach Deutsch ist am Montag ohne Probleme über die Bühne gegangen, hieß es auf Anfrage aus dem Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). Alle 58 am Schulversuch beteiligten Gymnasien haben die richtigen Prüfungsunterlagen erhalten, es seien keine Pannen gemeldet worden. Ab kommendem Jahr sind die einheitlichen Klausuren an den AHS Pflicht.

Mit dem Fach Deutsch hat am Montag an 58 Gymnasien die Generalprobe für die ab dem Schuljahr 2015 verpflichtende schriftliche Zentralmatura an den AHS begonnen. Im Rahmen von Schulversuchen verwenden sie die vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) vorgegebenen Fragen. Bis zum 14. Mai folgen dann im Tagesabstand die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen.

Am weitesten verbreitet ist die Schulversuchs-Zentralmatura im Fach Englisch: Sie wird bereits an 318 von insgesamt 344 AHS erprobt, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55 und in Mathematik 28. An 92 Prozent der Gymnasien werden in zumindest einem Maturafach die zentralen Bifie-Fragen verwendet. 

Fragen mit Kurier geschickt

Zwei Schulen wenden bereits die komplette neue Matura - also inklusive neuer mündlicher Matura - an. Eine davon ist das Stiftsgymnasium St. Paul in Kärnten. Die vom Bifie ausgearbeiteten Fragestellungen wurden in Papierform von einem Kurier-Unternehmen nach St. Paul gebracht, erklärte Schuldirektor Pater Thomas Petutschnig. Geöffnet wurde das Kuvert erst unmittelbar vor der Klausur vom Lehrer im Klassenzimmer.

Die Prüflinge haben in den vergangenen Wochen und Monaten vorwissenschaftliche Arbeiten verfasst. Nach den nun gestarteten zwei Wochen mit schriftlichen Prüfungen werden die Arbeiten einer Kommission präsentiert und müssen bei Bedarf auch im Gespräch verteidigt werden. Erst danach werden die Arbeiten benotet.

Mündliche Prüfung im Juni

Die schriftlichen Prüfungen werden in Deutsch, Mathematik, weiteren lebenden Fremdsprachen und je nach Zweig auch in darstellender Geometrie oder Latein abgelegt. Neben der vorwissenschaftlichen Arbeit und den schriftlichen Prüfungen bilden die mündlichen Prüfungen die dritte Säule der neuen Matura, für die 28 Maturanten in Kärnten wird es Mitte Juni so weit sein. Die Fragen für diese Prüfungen werden von den Fachlehrern der Schule selbst erstellt. Gemeinsam arbeiten sie Fragen zu gewissen Themenbereichen aus - für Geschichte zum Beispiel für die verschiedenen Epochen. Je nach Fach gibt es 24, 18 oder 12 solcher Fragen-Pools. Bei der Prüfung zieht der Kandidat dann per Los zwei Pools und kann sich anschließend für einen entscheiden. Der Prüfer wählt dann die Frage aus.

Ablauf "sehr kompliziert"

Anpassungsbedarf ortet der Pater noch beim Prozedere für die mündlichen Prüfungen. "Der Ablauf ist sehr kompliziert." So brauche man einen isolierten Warteraum für die Kandidaten, einen Prüfungsraum, einen Raum, in dem die Fragen gezogen werden, einen Raum, in dem nach der Prüfung auf das Ergebnis gewartet werde und unter Umständen auch noch einen Computerraum. "Wir haben jetzt fünf verschiedene Räume reserviert. Das ist ein erheblicher Aufwand, das geht vielleicht auch anders." Im Herbst ist ein Treffen mit Landesschulrat und Ministeriumsvertretern geplant, um über die Erkenntnisse der Zentralmatura-Premiere zu sprechen. 

Direktoren-Sprecher zufrieden

"Ordentlich und bemüht" nennt AHS-Direktoren-Sprecher Wilhelm Zillner die Vorbereitung des Bifie auf die schriftliche Zentralmatura, die auch an seiner Schule, dem Bundesrealgymnasium in Kirchdorf an der Krems, in allen Fächern als Schulversuch durchgeführt wird. "Wir sehen dem Ganzen mit großer Gelassenheit entgegen", so Zillner am Montag. Bei der Premiere der aktuellen Schulversuchsrunde seien alle Unterlagen dagewesen, die Hilfe-Seite des Bifie funktioniere und auch im Vorfeld seien den Lehrern ausreichend Lehrunterlagen zur neuen schriftlichen Matura zur Verfügung gestellt worden. "Hier gibt es schon seit langer Zeit gutes Material", erklärt er. 

"Neue Reifeprüfung nicht verteufeln"

Generell plädiert Zillner dafür, die neue Reifeprüfung nicht zu verteufeln: Wenn man für mehr Schulautonomie und damit mehr Freiheiten bei Lehrplan- und Unterrichtsgestaltung eintrete, sei es legitim zu überprüfen, ob auch an allen Schulen gewisse Ziele erreicht werden. Außerdem gebe es zentrale Vorgaben ohnehin nur bei den schriftlichen Klausuren und nicht bei den beiden anderen Säulen der neuen Matura: Bei der mündlichen Matura könne man durch den von den Fachlehrern erstellten Fragenpool immer noch schulische Schwerpunkte abbilden, und die einzelnen Schüler könnten bei der vorwissenschaftlichen Arbeit völlig frei nach ihren jeweiligen Interessen und Begabungen ein Thema bearbeiten.

FPÖ für Abschaffung der Vorwissenschaftlichen Arbeit

FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz kritisiert die Vorwissenschaftliche Arbeit jedoch massiv und kündigt einen Initiativantrag für deren Abschaffung an. Die Vorbereitung der Vorwissenschaftlichen Arbeit sei mangels klarer Vorgaben chaotisch verlaufen, so Rosenkranz in einer Aussendung. So seien in manchen Bundesländern alle Exposees, die für die Genehmigung des Themas eingereicht werden müssen, angenommen worden, während es in anderen viele Ablehnungen gegeben habe. Bis Ende März müssen die jetzigen Siebtklässer das Thema der Vorwissenschaftlichen Arbeit dem Landesschulrat vorgelegt werden, der bis Ende April entweder zustimmen oder ein neues Themas verlangen kann.

Auch Zillner weiß von durchaus unterschiedlichen Vorgaben, sieht darin allerdings kein Problem. Immerhin seien seines Wissens die Themen der Arbeiten nicht grundsätzlich zurückgewiesen, sondern nur Präzisierungen etwa bei der Literaturliste eingefordert worden. "Im Pilotdurchgang hätte ich mir etwas mehr Großzügigkeit gewünscht", erklärt er.

 

 

Der Standard – 6. Mai 2014

 

 

Eltern gegen Kirchenlieder im Musikunterricht

Rosa Winkler-Hermaden

In einer Volksschule in Niederösterreich werden im Musikunterricht Lieder für die Erstkommunion einstudiert. Die Eltern einer konfessionslosen Tochter beschweren sich beim Landesverwaltungsgericht

St. Pölten - Bereits im September, beim ersten Elternabend, haben die Klassenlehrerin und die Direktorin der Volksschule Atzenbrugg-Heiligeneich im Bezirk Tulln darauf hingewiesen, dass der Musikunterricht der Klasse 2b in diesem Schuljahr zum Teil auch dafür verwendet werden könnte, Lieder für die Erstkommunion zu proben. Walter S.*, der seine Tochter ohne Bekenntnis erzieht, sprach sich dagegen aus. Er wolle weder, dass seine Tochter "stigmatisiert" werde, indem sie nicht am Unterricht teilnehmen könne, noch, dass sie Religionsunterricht "gegen den Willen" der Eltern erhalte. Außerdem habe seine Tochter ein Recht auf den Musikunterricht.

Doch seine Beschwerde bewirkte nichts. In den vergangenen Monaten wurden zum Teil ganze Stunden des Musikunterrichts für das Erlernen der Kirchenlieder verwendet. Während die katholischen Kinder die Erstkommunionsmappen überreicht bekamen, wurden S.s konfessionsloser Tochter und einem muslimischen Mitschüler Arbeitsblätter gegeben. Sie sollten sich ruhig beschäftigen. Die anderen Kinder sangen Lieder mit eindeutig religiösen Texten (u. a. "Spür ich Gotte, Deine ganze Kraft").

Religiöse Werte im Unterricht

S. wandte sich zunächst an die Direktorin, beschwerte sich später auch beim Landesschulrat. Beide berufen sich jedoch auf Paragraf 2 des Schulorganisationsgesetzes. Dort heißt es: "Die österreichische Schule hat die Aufgabe, an der Entwicklung der Anlagen der Jugend nach den sittlichen, religiösen und sozialen Werten (...) mitzuwirken." Hermann Helm, Präsident des Landesschulrates in Niederösterreich, sagt zum Standard: "Das Gesetz wird eingehalten, ich sehe keinen Grund für die Beschwerde der Eltern."

Die Direktorin der Volksschule Atzenbrugg-Heiligeneich zieht zur Verteidigung außerdem den Lehrplan der Volksschule heran, der Querverbindungen zu verschiedenen Bildungsinhalten fordert. Diese sieht sie durch die Verknüpfung von Musik- und Religionsunterricht gegeben.

Dem gegenüber steht jedoch die Meinung des Leiters der Rechtsabteilung des Landesschulrates in Niederösterreich. Nach Prüfung des Falles kam er zu dem Schluss, dass sehr wohl "Liedgut hinsichtlich Werteerziehung" geübt werden dürfe, nicht jedoch Lieder und Texte für die Erstkommunion.

Auch das Bildungsministerium gibt den Eltern recht. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es, die Erstkommunion dürfe zwar im Rahmen des Gesamtunterrichts an Volksschulen behandelt werden, religiöse Inhalte seien aber ausschließlich "dem Religionsunterricht vorbehalten".

Probe im Rechenunterricht

Geprobt wurde weiter. In den vergangenen zwei Wochen wurden 24 Prozent des Unterrichts dafür aufgewandt, sagt S. Nicht mehr nur im Musikunterricht wurden die Lieder für die Erstkommunion Mitte Mai geprobt, sondern auch im Rechenunterricht.

Eytan Reif von der Initiative "Religion ist Privatsache" sagt: "Der vorliegende Fall zeigt, mit welcher atemberaubenden Selbstverständlichkeit öffentliche Schulen für kirchliche Zwecke missbraucht werden." Er kritisiert, dass der Landesschulrat politisch motiviert handle. Helm habe seine Meinung geändert, nachdem Landeshauptmann Erwin Pröll interveniert habe.

Die Eltern haben Beschwerde beim niederösterreichischen Verwaltungsgericht eingebracht.

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Der Standard – 6. Mai 2014

 

 

Kirchenlieder im Musikunterricht: Glaube soll nicht Pflicht sein

Kommentar | Rosa Winkler-Hermaden

Nicht vorstellbar, dass Feste einer anderen Religionsgemeinschaft mit derselben Intensität wie katholische vorbereitet werden

Die Volksschule in Atzenbruck-Heiligeneich in Niederösterreich ist mit ziemlicher Sicherheit nicht die einzige, in der kurz vor der Erstkommunion auch der Unterricht abseits der Religionsstunden zum Einüben der Lieder für das Kirchenfest verwendet wird. Gerade am Land fühlen sich die Lehrer immer noch verpflichtet, ihren Teil zum Gelingen der Erstkommunion beizutragen.

Beschwerden gibt es selten, dabei ist jene der Eltern in Niederösterreich, die nun zum Landesverwaltungsgericht gehen, mehr als nachvollziehbar. Sie haben sich dazu entschieden, ihre Tochter ohne Bekenntnis zu erziehen. Das sollte auch möglich sein, denn Kirche und Staat sind in Österreich bekanntlich getrennt. Nicht vorstellbar, dass Feste einer anderen Religionsgemeinschaft mit derselben Intensität wie katholische vorbereitet werden.

Doch gesetzlich befindet man sich zum Teil immer noch im Graubereich. Im Schulorganisationsgesetz, auf das sich Befürworter der Kirchenlieder nun berufen, steht, dass in der Schule religiöse Werte zu vermitteln seien. Ob die Befürworter - unter ihnen Landeshauptmann Erwin Pröll - das Gesetz missbrauchen, um religiöse Werte zu verteidigen, muss das Landesverwaltungsgericht entscheiden.

Wie bei der Debatte um Kreuze in den Klassenzimmern, wo viel im Unklaren ist, gehören gesetzliche Regelungen her. Kirche ist Kirche, Staat ist Staat, eine Vermischung nicht angebracht. Das sollte auch die ÖVP wissen.

 

 

Krone – 6. Mai 2014

 

Bei Schulreform

"Weg mit Privilegien, Koalition muss hart sein!"

 

Keine Lehrer- Seminare mehr während der Unterrichtszeit, Kuraufenthalte für Pädagogen künftig fast ausnahmslos in den Ferien: Noch heuer könnte eine Verordnung zum Lehrerdienstrecht teure Privilegien stoppen. "Das muss geregelt werden. Allerdings ist der Lehrerberuf auch aufzuwerten", unterstützt der Industrielle Hannes Androsch den Kurs des Kanzlers.

"Fallen die Tausenden Supplierstunden während der – sehr oft entbehrlichen – dienstlichen Seminarbesuche oder für die Kuraufenthalte der Lehrer weg, bleiben mehrere Millionen Euro für wirklich nötige Investitionen in die Zukunft unserer Kinder", wird in der SPÖ- Regierungsmannschaft bestätigt, dass noch heuer eine Verordnung gegen diese Lehrer- Privilegien erlassen wird.

Hannes Androsch, der schon wiederholt die Mängel in Österreichs Bildungssystem kritisiert hat, vermisst in diesem Zusammenhang weitere Reformschritte: "Wir haben nicht zu wenig Geld für die Bildung. Aber die Mittel kommen nicht in ausreichendem Umfang in den Klassen an. Die Bundesregierung kann sich einfach nicht gegen die Gewerkschaft oder auch nicht gegen die Länder durchsetzen – da fließt etwa eine Menge Geld in die Verwaltung der Pflichtschulen, aber es mangelt an der Kontrolle. Die Zuständigkeit für alle Schulen muss zum Bund."

Der Industrielle und Buchautor Androsch ("Das Ende der Bequemlichkeit. 7 Thesen zur Zukunft Österreichs") fordert aber auch eine Aufwertung des Lehrerberufs: "Die Ministerin muss die Lehrer in die Reformen einbinden. Dieser Berufsstand muss wieder mehr Anerkennung bekommen."

 

"Kronen Zeitung" vom 06.05.2014                            Seite: 2

Ressort: Politik

 

Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Schüler und Lehrer

 

"NeueZentralmatura nicht verteufeln"

 

Klagenfurt. - Problemloser Startschuss für die Generalprobe zur Zentralmatura am Stiftsgymnasium St. Paul im Kärntner Lavanttal. Am Montag hat im Rahmen von Schulversuchen die zentrale Reifeprüfung als Erstes im Fach Deutsch stattgefunden. Bis zum 14. Mai folgen die zentralen Reifeprüfungen in den anderen Gegenständen. Verpflichtend eingeführt wird die neue Matura an den AHS im Jahr 2015.

 

   Pater Thomas verteilte an seiner Schule die Zentralmaturafragen

 

   Schüler und Lehrer waren jedenfalls zufrieden, wird berichtet. "Es hat alles funktioniert, wir arbeiten seit vier Jahren an der Zentralmatura, die Kollegen sindTHOMAS LEITNERgut vorbereitet, die Schüler wussten genau, was auf sie zukommt", sagt eine Lehrerin vom Stiftsgymnasium im Lavanttal zur "Krone". Auch der Direktor der Schule, Pater Thomas Petutschnig, ist so weit zufrieden.

 

   Das Ministerium ist weit weg vom Schulalltag

 

   Die Vorbereitungsphase auf die Zentralmatura bezeichnet er aber als interessante Erfahrung, weil man als normaler Schulleiter keinen Kontakt zum Bildungsministerium hat. Pater Thomas in einem Interview: "Am Minoritenplatz 5 (Sitz des Bildungsministeriums, Anm. d. Red.) ist man ganz weit weg vom Schulalltag. Die denken sehr juridisch, wir denken sehr praktisch."

 

   Vorbereitungen waren "ordentlich und bemüht"

 

   Der Sprecher der AHS-Direktoren Wilhelm Zillner bezeichnet die Vorbereitungen für die Zentralmatura als "ordentlich und bemüht". Zillner plädiert auch dafür, die neue Matura "nicht zu verteufeln".

 

   Vereinzelte Kritik gibt es freilich auch. Etwa von FPÖ-Bildungssprecher Rosenkranz, der von einem "chaotischen Verlauf der Vorbereitungen" spricht. Auch der Bildungswissenschafter Stefan Hopman ist skeptisch und meint, die Schüler seien "Versuchskaninchen für eine Idee, die nicht gut und pädagogisch unvertretbar ist".

 

   Heute, Dienstag, geht es für die Schüler jedenfalls mit der Englisch-Matura weiter. Am Donnerstag ist Französisch an der Reihe, Freitag Mathematik. Die Fragen werden vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) vorgegeben, die Korrektur erfolgt durch die Klassenlehrer nach einem vorgegebenen Schlüssel.

 

   Bekanntschaft mit der zentralen Reifeprüfung machen dabei schon heuer fast alle AHS-Schüler. An 92 Prozent der AHS werden zumindest in einem Maturafach die zentral vorgegebenen BIFIE-Fragen verwendet. Mit Abstand schon am verbreitetsten sind sie im Fach Englisch, wo seit Jahren Schulversuche stattfinden.

 

   Diesmal werden an 318 der 344 Gymnasien für die Englisch-Matura Aufgaben des BIFIE verwendet, in Französisch sind 172 Standorte dabei, in Latein 55. Zu den übrigen Fächern gab es vom BIFIE keine Zahlen.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 06.05.2014                           Seite: 14

Ressort: Lokal

 

Ktn, Morgen

 

Showdown mit dem "Schreckgespenst" im Stiftsgymnasium

 

Tag der Wahrheit: Gute Noten für neue Zentralmatura!

 

Gespannt blicken die Bildungsverantwortlichen im Land auf das Stiftsgymnasium St. Paul (siehe auch Seiten 2/3). Am Montag um 8 Uhr fiel dort für die 28 Schüler der 8a als Erste der Startschuss für die neue Zentralmatura in allen Gegenständen. "Das Einzige, das uns erschreckt hat, war der Rückzieher im Ministerium", so eine Lehrerin. Bei der Matura habe dann alles funktioniert.

 

   Handys mussten während der Reifeprüfung abgegeben werden

 

   Erleichtert nach der Deutsch-Matura: Die Mädels der 8a in St. Paul

 

   Das Gymnasium nimmt eine Vorreiterrolle in Österreich ein

 

   Klassenvorstand Pollanz lüftet das Geheimnis um die Prüfungsfragen aus dem Bildungsinstitut.

 

   "Wir haben seit vier Jahren an den Vorbereitungen zur Zentralmatura gearbeitet. Die Schüler wurden drei Jahre lang darauf vorbereitet", erzählt Klassenvorstand Rosemarie Pollanz. Während der offizielle Start THOMAS LEITNERfür die Zentralmatura in Österreich ja verschoben worden ist, wollten es Direktor Pater Thomas Petutschnig, Lehrer, Schüler und deren Eltern trotzdem wissen.

 

   "Wir hatten schon Probeläufe. Die Deutsch-Zentralmatura ist auch für uns heute Premiere und ist mit einer Ungewissheit und Spannung verbunden", so der Direktor.

 

   Um 8 Uhr war es dann soweit! Das Geheimnis um die im Tresor verwahrten Kuverts mit den Maturafragen wurde endlich gelüftet, die Schüler konnten loslegen: Aus drei Themen durften sie wählen, eine Erörterung, eine Interpretation galt es zu verfassen.

 

   Stundenlang rauchten dann die Köpfe der 17 Mädels und elf Burschen der 8a, bis sie von der Pausenglocke erlöst wurden. "Die Zeit hat gereicht. Es gab keine bösen Überraschungen - im Gegenteil. Die Aufgaben waren so formuliert, wie wir darauf vorbereitet worden sind", erzählt ein Mädchen.

 

   Vergleiche zur "alten Matura" hätten sie zwar keine - der neuen würden sie zumindest diesen Montag aber gute Noten geben, so der Tenor in der Klasse.

 

   Heute, Dienstag, kann es wieder anders aussehen: Die "Schriftliche in Englisch" steht auf dem Stundenplan. Die Arbeiten werden nach einem bestimmten Raster korrigiert und gehen dann an die Maturavorsitzende. Die Schüler erfahren nach der Zwischenkonferenz ihre Noten. Neben den Schülern in St. Paul traten 100 weitere Kärntner Schüler Montag zur Zentralmatura in Deutsch an. Landesschulratschef Rudi Altersberger: "Es gab keine Probleme - von den Direktoren wurde bestes Gelingen gemeldet."

 

 

"Kronen Zeitung" vom 06.05.2014                           Seite: 18

Ressort: Lokal

 

O.Ö., Morgen

 

Vergleichsweise hohes Bildungsniveau in Oberösterreich hilft den Schülern Gute

 

"Noten durch die Zentralmaturabesser"

 

Ihren Schrecken hat die Zentralmatura in Oberösterreich verloren, denn offensichtlich ist bei uns das Bildungsniveau im Vergleich zu Restösterreich höher. Das belegen etwa Matura-Ergebnisse in Englisch - hier gibt's die einheitlichen Fragen schon seit vier Jahren. "Seither gab's bei uns keinen Fünfer mehr", weiß etwa Gottfried Jachs, Direktor des Europagymnasiums in Linz.

 

   Direktor Michael Schneider vom Linzer Hamerling-Gymnasium

 

   In Deutsch gibt's heuer die Premiere für die Zentralmatura: Zehn höhere Schule machen seit gestern, Montag, in OÖ mit. Bei Englisch gibt's die Einheits-Fragen in 47 Schulen, nur das Abend-Gymnasium in Linz ist nicht dabei. In Französisch sind es 29 und in Latein sieben Schulen, die in unserem Bundesland die Zentralmatura-Fragen ausgeben. Bei Mathematik sind es als Schulversuch heuer nur zwei - in Steyr und Kirchdorf. Nur zwei Schulen in ganz Österreich testen heuer schon die gesamte Zentralmatura - siehe Seiten 2/ 3.

 

   Auch im Linzer Hamerling-Gymnasium startete gestern die Deutschmatura. "Eine Klasse macht es auf die alte Art, die anderen drei absolvieren schon die Zentralmatura. Das haben die Lehrer nach Befragungen der Schüler so entschieden", berichtet Direktor Michael Schneider: "In Englisch klappt das schon seit drei Jahren völlig problemlos."

 

 

"Kronen Zeitung" vom 06.05.2014                           Seite: 14

Ressort: Lokal

 

Stmk, Morgen

 

Befürchtetes Chaos ausgeblieben Steirischer Schulrat zieht

 

Grünes Licht für zentrale Matura!

 

Gut is' 'gangen, nix is g'schehen: Erfolgreicher

Probelauf für die umstrittene Zentralmatura (siehe auch Seiten 2/3), an dem 46 von 48 steirischen AHS teilgenommen haben. Das befürchtete Chaos ist ausgeblieben, von einem Datenleck war weit und breit keine Spur. Heute geht es mit Englisch weiter - good luck!

 

   Elisabeth Meixner,

 

   Präsidentin des

 

   Landesschulrats

 

   In etlichen Klassen war die Spannung am Montag beinahe greifbar: Deutschmatura, häufig in einer österreich-einheitlichen Version. Die Schüler waren gut vorbereitet, das viel gescholtene Bildungsinstitut Bifie (es war für ein riesiges Datenleck bei Pisa-Tests verantwortlich gemacht worden) ebenso. Größere Pannen und Chaos blieben aus.

 

   "Die Klausuren aus Deutsch, für die sieben steirische AHS die standardisierte Form gewählt haben,GERALD SCHWAIGERverliefen reibungslos", zieht die steirische Landesschulrats-Präsidentin Elisabeth Meixner im "Krone"-Gespräch eine erste Bilanz. Die Rückmeldungen seien sehr positiv ausgefallen, für eine Abschlussbewertung sei es allerdings noch zu früh. Der Probelauf für 2015, wenn die Zentralmatura verpflichtend wird, ist aber geglückt. Durchschnaufen können unsere Maturanten trotzdem noch nicht: Heute stehen die Englisch-Klausuren auf dem Programm. "Auf sie entfallen die meisten der insgesamt 118 Schulversuche zur standardisierten Reifeprüfung", weiß Meixner.

 

   "Haben viel geübt"

 

   "Wir haben uns zwei bis drei Jahre auf die Englisch-Zentralmatura vorbereitet", erzählt Daniela Fulterer, die heute ihren "großen Tag" hat. "Wir werden in vier Bereichen geprüft: Es gibt einen Hörteil, einen Leseteil und dann zwei Texte zum Schreiben. Das finde ich sehr positiv", so die 18-jährige Schülerin der Grazer Ursulinen. Wir wünschen good luck, viel Glück!

 

   Die zentrale Reifeprüfung ist wichtig für die Qualitätsentwicklung an den höheren

 

   Schulen.

 

 

Morgenjournal, 6.5.2014

 

IHS: Mehr Geld für Problemschulen nötig

Regina Pöll

Die Ausgaben für die Bildung sollen trotz Sparkurs etwa bei den Ganztagsschulen auf rund acht Milliarden Euro im Jahr steigen. Doch Experten warnen: Wird das Geld so wie bisher aufgeteilt, und gibt es nicht mehr Geld für die Benachteiligten im Schulsystem, drohe dieses zu scheitern.

Nachteile ausgleichen

Schlechtes Deutsch der Schüler, Migrationshintergrund und niedrige Bildung der Eltern, außerdem kaum Job- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Region: solche Faktoren sollte der Bund stärker berücksichtigen, wenn er sein Budget auf die österreichischen Schulen aufteilt. So steht es in einer neuen Studie, die das Institut für Höhere Studien im Auftrag der Arbeiterkammer erstellt hat. Studienautor Hermann Kuschej: Es fehle im Finanzierungssystem die Rücksichtnahme auf Benachteiligungen. Statt dessen gebe es eine Kopfförderung ohne Berücksichtigung förderungswürdiger Hintergründe.

Solche Benachteiligungen müssten ausgeglichen werden, sagt auch Barbara Herzog-Punzenberger, Forscherin am Bildungsinstitut des Bundes (BIFIE). Österreich habe hier großen Nachholbedarf im Vergleich mit Ländern wie der Schweiz, Deutschland oder den Niederlanden. Dort erhielten die Schulstandorte je nach Zusammensetzung der Schülerschaft und der Familien je nach Zusammensetzung unterschiedliche Mittel. Konkret könnte das bedeuten, dass betroffene Schulen stundenweise mehr Lehrer und mehr Unterstützungspersonal bekommen.

Risiko für Schulsystem

Die jetzige Sprachförderung, die vor allem auf Migrantenkinder abzielt, reiche nicht, sagt Herzog-Punzenberger. Ihr geht es auch um die vielen Risikoschüler, also jene, die kaum lesen oder rechnen können. Und das seien vor allem solche, deren Eltern oft selbst höchstens einen Pflichtschulabschluss haben. Da hätten die Lehrer eben andere Aufgaben zu bewältigen.

Gibt der Bund den jeweiligen Schulen nicht mehr Geld, so IHS-Forscher Kuschej, dann lasse sich Österreich eine große Chance entgehen: "Man geht das Risiko ein, dass Schülerinnen oder Schüler vorzeitig aus dem System kippen und das Schulsystem auf den weiteren Bildungsverlauf überhaupt keinen Einfluss mehr nehmen kann."

Zusätzliche Mittel nötig

Als Regionen, in denen dringend mehr Geld an Schulen benötigt werde, nennt Kuschej einzelne Wiener Bezirke wie Hernals, wo viele Migranten mit schlechten Deutschkenntnissen wohnen, oder zum Beispiel auch den steirischen Bezirk Bruck an der Mur - dort gibt es besonders viele Pflichtschulabschlüsse und gleichzeitig besonders viele arbeitslose Jugendliche.

Geht es nach den Experten, dann kommen die höheren Fördermittel für einzelne Schulen nicht aus dem bereits veranschlagten Budget. Der Bund sollte lieber zusätzliche Mittel verteilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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