Dienstag, 6. Mai 2014

2014.05.07: Newsletter Bildung

 

Die Presse – 7. Mai 2014

 

 

Jeder sechste Volksschüler in Problemschule

Experten fordern neue Finanzierung und Extrageld für benachteiligte Schulen. Dafür bräuchte es 20 Prozent mehr Geld. Und mehr Autonomie für die einzelnen Schulen.

 

Wien. Um in Sachen Bildung weiterzukommen, muss sich Österreich der benachteiligten Schüler annehmen, fordern Experten. Genau in diesem Punkt stellen nationale wie internationale Tests Österreich regelmäßig ein schlechtes Zeugnis aus. Die Lösung wäre ein neues Finanzierungsmodell, wie es anderswo schon lange praktiziert wird: Je schwieriger die Bedingungen sind, unter denen eine Schule arbeitet, desto mehr Geld soll sie erhalten.

Derzeit hat die Zusammensetzung der Schüler so gut wie keine Auswirkung auf die Mittel, die eine Schule zur Verfügung hat. Egal, ob Brennpunkt oder nicht: Alle Schulen müssen mit den gleichen Mitteln auskommen – sieht man von den Ressourcen für die Sprachförderung ab. Ob Schüler – mit oder ohne Migrationshintergrund – womöglich aus sozial schwachen oder aus bildungsfernen Familien kommen, ist bei der Budgetverteilung völlig irrelevant.

In anderen Ländern wird das – teilweise bereits seit Jahrzehnten – anders gehandhabt: In den Niederlanden etwa gibt es für Schüler aus bildungsfernen Familien zwischen 30 und 120 Prozent mehr Geld. Mit Erfolg: PISA stellt dem Land immer wieder ein gutes Zeugnis aus, was Chancengerechtigkeit betrifft. Einige Schweizer Kantone und das deutsche Bundesland Hamburg finanzieren ihre Schulen ebenfalls teils nach sozialen Kriterien.

Schlechte Chancen

Auch für Österreich wäre so ein Modell sinnvoll, sagt der Bifie-Bildungsforscher Michael Bruneforth. Er hat die Daten der Bildungsstandards-Erhebungen analysiert, bei denen auch soziale Merkmale erhoben wurden. Demnach besucht jeder sechste Volksschüler eine Schule, die sozial sehr hoch oder hoch belastet ist, also einen hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund, anderer Muttersprache und wenig gebildeten Eltern mit schlechten Jobs (oder zumindest zwei dieser Faktoren) hat. In der Sekundarstufe eins sitzen 15 Prozent aller Schüler in einer solchen potenziellen Brennpunktschule.

Wer in einer solchen Schule ist, hat nochmals schlechtere Chancen. Egal, ob der eigene Hintergrund gut oder weniger gut ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schüler einer hoch belasteten Schule in Deutsch nicht einmal die Mindeststandards erreichen, ist doppelt bis vier Mal so hoch wie an einer nur gering belasteten Schule. „Das zeigt, dass die soziale Ungerechtigkeit nicht nur daher kommt, dass Kinder unterschiedliche Startbedingungen haben – sondern sie kommt auch daher, dass sie je nach Schule unterschiedliche Chancen haben.“

Doppelt so viel Geld

Ein Modell, um das auszugleichen, hat der Linzer Soziologe Johann Bacher entwickelt. Für einen Schüler mit Migrationshintergrund, mit einer anderen Muttersprache als Deutsch und Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss sowie einer schlechten Position am Arbeitsmarkt würde eine Schule doppelt so viel Geld erhalten wie für einen, auf den all das nicht zutrifft.

Eine Volksschule, an der alle Schüler derart benachteiligt sind, würde also statt der bisher üblichen 6600 Euro pro Jahr 13.200 bekommen – sind es weniger benachteiligte Schüler oder weniger Benachteiligungen, entsprechend weniger (aber immer mindestens die 6600 Euro). Klar ist: Nach dem Modell bräuchte es insgesamt mehr Geld – um 15 bis 20 Prozent mehr als das, was bisher an die Schulen fließt, so Bacher. Und es bräuchte mehr Eigenverantwortung für die Schulen (siehe auch Bericht unten). „Diese Form der Mittelverteilung ist nur dann sinnvoll, wenn sie mit mehr Autonomie verknüpft ist.“

Ob das Extrageld also für Förderunterricht, Sprachkurse, Talenteförderung, für die Bibliothek oder für mehr Unterstützungspersonal ausgegeben wird – oder überhaupt für etwas anderes – sollten die Schulen am Standort entscheiden, gemeinsam mit Schulpartnern, Gemeinden und regionalen Playern, also etwa Firmen. Ob die Ziele erreicht werden, könnte man über die Bildungsstandards evaluieren – realistischerweise würden Effekte aber wohl erst in vier, fünf Jahren auftreten, meint Bacher.

Ministerin offen für Modell

Nichtsdestotrotz gibt sich Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) offen, was eine solche indexbasierte Finanzierung betrifft – sie spricht aber vor allem von möglicher Umschichtung von Ressourcen. Bei Gesprächen mit den Ländern soll das in den kommenden Monaten Thema sein.

 

 

Die Presse – 7. Mai 2014

 

 

Landertshammer:„Die Schulverwaltung zertrümmern“

Die Wirtschaftskammer will die Länder entmachten und den Schulen mehr Autonomie geben. So könne man bis zu 700 Millionen Euro im Jahr sparen.

Wien. Einen radikalen Schnitt in der Schulverwaltung fordert die Wirtschaftskammer – und wählt dazu ebenso radikale Worte: Die Schulverwaltung müsse man „zertrümmern und dann komplett neu aufsetzen“, so Michael Landertshammer, Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKO. Das Modell, dass der WKO vorschwebt: Schulen sollen weitgehend autonom agieren und von einer unabhängigen Agentur evaluiert werden.

Demnach sollten die Schulen Personalhoheit über die Lehrer bekommen und ein Globalbudget erhalten. Über ihr eigenes Schulprofil mit entsprechenden Schwerpunkten dürften sie selbst entscheiden und mit dem Bund Zielvereinbarungen abschließen. Dass die Ziele erfüllt werden, dafür solle eine externe Agentur garantieren, so Landertshammer. Diese könne evaluieren, ob Rahmenlehrpläne eingehalten werden und wie viele Schüler die Schule absolvieren bzw. die Reife für die nächste Ausbildung erlangen. „Ich muss mich auch von Lehrern trennen können“, so Landertshammer. „Umgekehrt sollen jene, die sich überengagieren, auch etwas davon haben.“ Gleiches gelte für Direktoren – auch diese sollten abberufen werden können.

Bund soll Rahmen festlegen

Spätestens bei der Frage nach den Kompetenzen wird sich die ÖVP-dominierte Wirtschaftskammer in der Partei keine Freunde machen: Eine Verländerung des Schulwesen finde er „skurril“, so Landertshammer. „Ich kenne kein einziges Beispiel in der Geschichte Österreichs, dass irgendetwas billiger geworden wäre, wenn man es den Ländern übergeben hat.“

Die Rahmenbedingungen solle, so der Wunsch der WKO, daher der Bund vorgeben. Den Schulen käme eine hohe Autonomie zu, dazwischen sollten regionale Einrichtungen das Angebot steuern. Etwa auch, um Fehlentwicklungen in den Spezialisierungen der Schulen zu verhindern: „Im Waldviertel gibt es derzeit vier Handelsakademien, aber kaum Betriebe, die Absolventen dieser Schulform brauchen“, erzählt Landertshammer.

Eine solche Struktur würde ein hohes Einsparungs- bzw. Effizienzpotenzial bergen, ist Landertshammer überzeugt. Er stützt sich auf eine Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft und des Management Club. Demnach könne man bundesweit 100 Millionen Euro bzw. 600 Verwaltungsstellen einsparen, indem man Landes- und Bezirksschulräte, Schulämter der Landesregierungen sowie Landes- und Bezirksschulinspektoren abschaffe und stattdessen die besagte Evaluierungsagentur finanziere. Rechne man die Kosten dazu, die durch falsche Schülerströme und Fehlallokation der Mittel dazukommen, sei man bei einem Einsparungspotenzial von bis zu 700 Millionen Euro.

Die WKO fordert erneut „eine Art Konvent oder Klausur“ in Sachen Schulverwaltung, bei der alle Akteure die weiteren Reformschritte planen können.

 

 

Die Presse – 7. Mai 2014

 

 

Schulverwaltung: "Zertrümmern und neu aufsetzen"

Der Wirtschaftskammer ist kein Beispiel bekannt, "dass irgendetwas billiger geworden wäre, wenn man es den Ländern übergeben hat".

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hält eine Reform der Schulverwaltung in Österreich für unmöglich. "Die muss man zertrümmern und komplett neu aufsetzen", sagte der Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKÖ, Michael Landertshammer, am Dienstag. Der Kammer schwebt ein Modell mit einer weitgehenden Schulautonomie und einer unabhängigen Agentur zur Evaluierung vor.

Zielvereinbarungen für Schulen

Demnach sollten die Schulen Personalhoheit über die Lehrer bekommen, ein Globalbudget erhalten, über ihr Schulprofil mit Schwerpunkten entscheiden und Zielvereinbarungen abschließen. Diese würden durch eine externe Agentur überprüft, so Landertshammer - etwa dahin gehend, ob Rahmenlehrpläne eingehalten werden und wie viele Schüler die Schule absolvieren bzw. die Reife für die nächste Ausbildung erlangen. "Ich muss mich auch von Lehrern trennen können, umgekehrt sollen jene, die sich überengagieren, auch etwas davon haben." Gleiches gelte für Direktoren - auch diese sollten abberufen werden können.

Kompetenztechnisch würde der Bund dann die Rahmenbedingungen vorgeben, meinte Landertshammer. Den Schulen käme eine hohe Autonomie zu, dazwischen sollten regionale Einrichtungen das Angebot steuern. "Im Waldviertel gibt es derzeit vier Handelsakademien, aber kaum Betriebe, die Absolventen dieser Schulform brauchen." Die Länder müssten dagegen Kompetenzen abgeben - eine Verländerung des Schulwesens fände Landertshammer skurril: "Ich kenne kein einziges Beispiel in der Geschichte Österreichs, dass irgendetwas billiger geworden wäre, wenn man es den Ländern übergeben hat."

Wegfall von 6000 Verwaltungsstellen

Eine solche Struktur würde ein hohes Einsparungs- bzw. Effizienzpotenzial bergen, ist Landertshammer überzeugt. Eine Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) bzw. des management club habe ergeben, dass eine Auflösung von Landes- und Bezirksschulräten, Schulämtern der Landesregierungen sowie die Abschaffung von Landes- und Bezirksschulinspektoren bei gleichzeitiger Gegenrechnung von Kosten der Evaluierungsagentur und der regionalen Agenturen bzw. für Verwaltungspersonal für die Schulen einen Wegfall von 6000 Verwaltungsstellen bzw. 100 Mio. Euro pro Jahr bringe. Rechne man Kosten dazu, die durch falsche Schülerströme und Fehlallokation der Mittel dazukommen, sei man bei einem Potenzial von 600 bis 700 Mio. Euro pro Jahr, die in Schulbauten oder Lehreraus- und -weiterbildung gesteckt werden könnten.

Zum Thema Schule regt Landertshammer - "ich weiß nicht, der wievielte Anlauf das jetzt ist" - eine Art Konvent oder Klausur an, "bei dem die wesentlichsten Stakeholder in Ruhe überlegen, wie wir Schule mittel- und langfristig organisieren können": "Wenn nicht bald etwas passiert, haben wir irgendwann einmal ein Problem."

Potenzialanalyse für Teenager

Nägel mit Köpfen will die WKÖ auch beim Thema Bildungswegberatung sehen. "Jedes Kind soll mit spätestens 14 Jahren eine Potenzialanalyse und professionelle Berufsorientierung kriegen." Das funktioniere im Großen und Ganzen ganz gut, in der AHS-Unterstufe aber gar nicht: "Dort will man ja möglichst nur die Struktur aufrechterhalten und die Kinder an der Schule halten." Landertshammer plädiert daher dafür, Berufsorientierung vom reinen Unterrichtsprinzip zum eigenen Gegenstand zu machen. Dies sei ohne Zusatzkosten machbar: "Man braucht dafür auch kein anderes Fach zu opfern, weil es ja auch jetzt schon stattfinden sollte." Nötig sei nur eine andere Einteilung der Stunden: "Das sind genau die Dinge, die man im Sinne einer richtig verstandenen Autonomie umsetzen kann."

 

 

SN – 7. Mai 2014

 

Sozial schwache Schüler brauchen mehr Ressourcen

Regelmäßig zeigen Vergleichsstudien, dass Bildung in Österreich "vererbt" wird. Arbeiterkammer, Armutskonferenz und die Initiative "Bildung grenzenlos" fordern deshalb am Dienstag bei einer gemeinsamen Enquete mehr Geld für Problemschulen, um soziale Unterschiede besser auszugleichen. Munition bekommen sie durch eine von der AK beauftragte Untersuchung des Instituts für Höhere Studien.

Man könne mit dieser Methode die Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden zwar nicht aufheben, aber immerhin an den Schulen einiges verbessern, betont Martin Schenk von der Armutskonferenz. Es sei nachgewiesen, dass zusätzliche Ressourcen für Gruppen mit besonderem Förderbedarf zu besseren Lernbedingungen führen können, begründet AK-Bildungsexpertin Gabriele Schmid die Forderung.

"Es geht darum, nachteilige Hintergründe wie Migrationshintergrund oder Eltern mit lediglich Pflichtschulabschluss möglichst auszugleichen", erklärt Studienautor Hermann Kuschej das Prinzip der "formelbasierten Bildungsfinanzierung" im APA-Gespräch. In der Praxis würde das mehr Geld bzw. Personal für Schulen in sozial benachteiligten Bezirken bedeuten. Damit könnte man laut Kuschej eher verhindern, dass Jugendliche die Schule abbrechen und ganz aus dem System fallen.

Mehr Geld für Schulen in benachteiligten Regionen gibt es derzeit schon etwa in Australien, Teile des Budgets werden auch in Brasilien, den Niederlanden und Zürich nach sozialen Kriterien vergeben. Und auch in Österreich gibt es Beispiele, etwa die schon etablierten Sprachförderkurse für außerordentliche Schüler, für die es zusätzliches Personal gibt. Das System werde derzeit allerdings in den Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt, kritisiert Kuschej. "Ein Formelbudget würde einheitliche Kriterien bringen."

Das vom IHS entwickelte Modell sieht dabei nicht nur eine Berücksichtigung der individuellen Risiken (Migrationshintergrund, Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss) vor, sondern bezieht auch das Umfeld mit Wirtschaftslage bzw. (Jugend-)Arbeitslosigkeit in Bezirk und Region mit ein. Sind die Problembezirke identifiziert, können die Mittel nach Bedürfnissen der einzelnen Schulen verteilt werden. Solche Problemregionen sind neben einigen Wiener Bezirken (Margarethen, Rudolfsheim-Fünfhaus, Hernals) mit hohem Anteil an Migranten und Jugendarbeitslosigkeit etwa Landeck (Tirol) und Bruck an der Mur (Steiermark). Dort gibt es viele gering Gebildete, hohe Jugendarbeitslosigkeit und eine Branchenstruktur, die schlechte Arbeitsmarktchancen für gering gebildete Jugendliche erwarten lässt. Eine indexbasierte Finanzierung der Schulen könnte hier zu mehr Chancengerechtigkeit führen, mein Kuschej.

Er stellt allerdings auch klar: Eine Formelfinanzierung alleine könne nicht viel bewirken. Notwendig sei die Kombination mit einer Verwaltungsreform, um durch mehr Effizienz Geld freizuspielen, und ein Ende der frühen Aufteilung der Schüler in AHS und Hauptschulen/Neue Mittelschulen, wo Schüler mit Migrationshintergrund und Eltern mit geringer Bildung deutlich überrepräsentiert sind. Durch diese Segmentierung sei dem Einfluss der Schule, ein gleichmäßig hohes Kompetenzniveau zu vermitteln, nämlich "deutliche Grenzen gesetzt".

Bei Bildungsministerin Heinisch-Hosek stößt die Forderung nach indexbasierter Schulfinanzierung übrigens auf offene Ohren. Mit den Bildungsstandard-Testungen, bei denen auch Daten zum Hintergrund der Schüler erhoben werden, gehe man bereits in diese Richtung. Bei den Gesprächen mit den Ländern sollen in den kommenden Monaten mögliche Modelle einer solchen neuen Art der Finanzierung besprochen werden, hieß es auf Anfrage der APA aus dem Büro Heinisch-Hoseks.

 

Österreich – 7. Mai 2014

 

 

Englisch-Matura an 318 Schulen 

Letzter Test für die Zentralmatura

 Ministerin Heinisch Hosek sorgt sich um das neue Matura-Modell.

Verständnis, Lesefähigkeit und Textsicherheit. 28.518 Jugendliche mussten am Dienstag ihre Fähigkeiten in Englisch unter Beweis stellen. Der Großteil davon – 318 von 344 AHS-Standorten – erprobte dabei die neue Zentralmatura. Die Fragen werden dabei zentral vom Bund vorgegeben. 2015 will Bildungsministerin Heinisch-Hosek die Zentralmatura flächendeckend.

 

 

Der Standard – 7. Mai 2014

 

 

Lehrer der berufsbildenden Schulen drohen mit Boykott

Diensteinteilungen sollen ignoriert werde, solange Bildungsministerin Sparvorschläge nicht offiziell zurücknimmt

Wien - Die Lehrervertreter an den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) haben am Dienstag Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) aufgefordert, die Verordnungen zu ihren ursprünglichen Sparvorschlägen wie angekündigt zurückzunehmen. Die Personalvertretungen an den Schulen sollten vorher den Diensteinteilungen nicht zustimmen, hieß es in einer Aussendung.

Heinisch-Hosek hatte ursprünglich vorgehabt, die Sparvorgabe in ihrem Ressort (87 Millionen Euro im Jahr 2014, 90 Millionen im Jahr 2015) durch größere Gruppen in einigen Fächern bzw. in Werkstätten, weniger Lehrer an Neuen Mittelschulen und höhere Beiträge der Länder für über den Stellenplan angestellte Lehrer zu erfüllen. Nach massivem Protest von Betroffenen, Ländern und aus der eigenen Partei hat sie angekündigt, die betreffenden Verordnungen wieder zurückzunehmen. Passiert ist das allerdings bisher nicht, laut Rechtsinformationssystem sind sie weiterhin gültig.

Zeitdruck bei Einstellungen

Damit herrsche derzeit Rechtsunsicherheit, kritisiert BMHS-Gewerkschafter Jürgen Rainer (FCG). Die Folge: Bewerbern, die aus der Wirtschaft an die Schule wechseln wollen, könnten in den derzeit laufenden Einstellungsgesprächen keine Jobzusagen gemacht werden. Wegen der Kündigungsfristen in der Privatwirtschaft stünden die BMHS allerdings unter speziellem Zeitdruck. Die Personalvertreter sollen deshalb die Zustimmung zu Diensteinteilungen und zur Anstellung neuer Lehrer in den von den Verordnungen betroffenen Fächern für das kommende Schuljahr solange verweigern, bis die Verordnung tatsächlich zurückgenommen wird. Schlagend würde ein solcher Boykott allerdings erst am Ende der Sommerferien, wenn die endgültige Lehrfächerverteilung feststehen muss.

Heinisch-Hosek versichert Rücknahme

Zuversichtlich zeigt sich unterdessen AHS-Lehrervertreter Eckehard Quin (FCG): Er verstehe ebenfalls nicht, wieso die Verordnungen noch immer nicht zurückgezogen seien, denn prinzipiell könne der Vollzug auch im Schulbereich nur auf Basis der geltenden Rechtslage erfolgen. Er gehe aber stark davon aus, dass die Rücknahme tatsächlich erfolgen wird, noch bevor die tatsächliche Lehrfächerverteilung ansteht - andernfalls würde an den Schulen "Chaos ausbrechen". "Wenn Heinisch-Hosek das nicht tut, ist sie politisch tot."

Im Unterrichtsministerium versichert man auf Nachfrage, dass die betreffenden Verordnungen wie angekündigt zurückgezogen werden.

 

 

Der Standard – 7. Mai 2014

 

 

Experten fordern mehr Geld für Problemschulen

Schulen in bestimmten Bezirken seien klar benachteiligt, sagen Experten - Geldflüsse sollten das ausgleichen

Wien - Um in Sachen Bildung besser abzuschneiden, müsste Österreich Schulen in bestimmten Bezirken besser ausstatten als andere, fordern Experten. Es sei nachgewiesen, dass zusätzliche Ressourcen für Gruppen mit besonderem Förderbedarf zu besseren Lernbedingungen führen können, begründet Arbeiterkammer-Bildungsexpertin Gabriele Schmid die Forderung in einer Aussendung.

Man könne mit dieser Methode die Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden zwar nicht aufheben, aber immerhin an den Schulen einiges verbessern, betont Martin Schenk von der Armutskonferenz.

Weniger Schulabbrecher

Munition bekommen Armutskonferenz, Arbeiterkammer und die Initiative "Bildung grenzenlos" durch eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS). Es gehe darum, nachteilige Faktoren, die bei den Eltern vorhanden sind, bei den Kindern auszugleichen, sagt Studienautor Hermann Kuschej. Indem man Schulen in sozial benachteiligten Bezirken mehr Geld oder Personal zur Verfügung stelle, könne man vermeiden, dass viele Jugendliche die Schule abbrechen und ganz aus dem System fallen.

Problembezirke definieren

Das Modell, das etwa in Australien und den Niederlanden bereits angewendet wird, sieht dabei nicht nur eine Berücksichtigung der individuellen Risiken wie Migrationshintergrund oder Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss vor, sondern bezieht auch das Umfeld mit Wirtschaftslage bzw. Arbeitslosigkeit in Bezirk und Region mit ein. Sind die Problembezirke identifiziert, können die Mittel nach Bedürfnissen der einzelnen Schulen verteilt werden.

Solche Problemregionen sind neben einigen Wiener Bezirken wie Margarethen, Rudolfsheim-Fünfhaus und Hernals mit hohem Anteil an Migranten und Jugendarbeitslosigkeit etwa Landeck in Tirol und Bruck an der Mur in der Steiermark.

Frühe Aufteilung beenden

Kuschej stellt allerdings auch klar, dass eine geänderte Finanzierung alleine nicht viel bewirken könne. Notwendig sei die Kombination mit einer Verwaltungsreform, um durch mehr Effizienz Geld freizuspielen, aber auch ein Ende der frühen Aufteilung der Schüler in AHS und Neue Mittelschulen, wo Schüler mit Migrationshintergrund und Eltern mit geringer Bildung deutlich überrepräsentiert sind. Durch diese Segmentierung sei dem Einfluss der Schule, ein gleichmäßig hohes Kompetenzniveau zu vermitteln, nämlich "deutliche Grenzen gesetzt".

Ministerin offen

Bei Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) stößt die Forderung nach indexbasierter Schulfinanzierung übrigens auf offene Ohren. Mit den Tests der Bildungsstandards, bei denen auch Daten zum Hintergrund der Schüler erhoben werden, gehe man bereits in diese Richtung. Bei den Gesprächen mit den Ländern sollen in den kommenden Monaten mögliche Modelle einer solchen neuen Art der Finanzierung besprochen werden, hieß es aus dem Büro Heinisch-Hoseks.

Im Ö1-Mittagsjournal erklärte sich die Bildungsministerin bereit dazu, Problemschulen in Österreich "herauszufiltern", um sie dann mit mehr Mitteln auszustatten. Dafür steht allerdings kein neues Geld zur Verfügung, vielmehr müsste Heinisch-Hosek die Mittel innerhalb ihres Ministeriums umschichten.

Wirtschaft: "Schulverwaltung zertrümmern"

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hält eine Reform der Schulverwaltung in Österreich für unmöglich. "Die muss man zertrümmern und komplett neu aufsetzen", meinte der Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKÖ, Michael Landertshammer, am Dienstag vor Journalisten. Demnach sollten die Schulen Personalhoheit über die Lehrer bekommen, ein Globalbudget erhalten, über ihr Schulprofil mit Schwerpunkten entscheiden und Zielvereinbarungen abschließen. Diese würden durch eine externe Agentur überprüft, so Landertshammer - etwa dahin gehend, ob Rahmenlehrpläne eingehalten werden und wie viele Schüler die Schule absolvieren bzw. die Reife für die nächste Ausbildung erlangen. "Ich muss mich auch von Lehrern trennen können, umgekehrt sollen jene, die sich überengagieren, auch etwas davon haben." Gleiches gelte für Direktoren - auch diese sollten abberufen werden können.

Kompetenztechnisch würde der Bund dann die Rahmenbedingungen vorgeben, meinte Landertshammer. Den Schulen käme eine hohe Autonomie zu, dazwischen sollten regionale Einrichtungen das Angebot steuern. "Im Waldviertel gibt es derzeit vier Handelsakademien, aber kaum Betriebe, die Absolventen dieser Schulform brauchen." Die Länder müssten dagegen Kompetenzen abgeben - eine Verländerung des Schulwesens fände Landertshammer skurril: "Ich kenne kein einziges Beispiel in der Geschichte Österreichs, dass irgendetwas billiger geworden wäre, wenn man es den Ländern übergeben hat."

"Potenzialanalyse" mit 14 Jahren

Nägel mit Köpfen will die WKÖ auch beim Thema Bildungsberatung sehen. "Jedes Kind soll mit spätestens 14 Jahren eine Potenzialanalyse und professionelle Berufsorientierung kriegen." Das funktioniere im Großen und Ganzen ganz gut, in der AHS-Unterstufe aber gar nicht: "Dort will man ja möglichst nur die Struktur aufrechterhalten und die Kinder an der Schule halten." Landertshammer plädiert daher dafür, Berufsorientierung vom reinen Unterrichtsprinzip zum eigenen Gegenstand zu machen. Dies sei ohne Zusatzkosten machbar: "Man braucht dafür auch kein anderes Fach zu opfern, weil es ja auch jetzt schon stattfinden sollte." Nötig sei nur eine andere Einteilung der Stunden: "Das sind genau die Dinge, die man im Sinne einer richtig verstandenen Autonomie umsetzen kann."

 

 

Kurier – 7. Mai 2014

 

 

WKO: "Schulverwaltung zertrümmern".

Kammerfunktionär Landertshammer hält eine Schulverwaltungsreform für nicht machbar.

 

 

 

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hält eine Reform der Schulverwaltung in Österreich für unmöglich. "Die muss man zertrümmern und komplett neu aufsetzen", meinte der Leiter der bildungspolitischen Abteilung der WKÖ, Michael Landertshammer, am Dienstag vor Journalisten. Der Kammer schwebt ein Modell mit einer weitgehenden Schulautonomie und einer unabhängigen Agentur zur Evaluierung vor.

Demnach sollten die Schulen Personalhoheit über die Lehrer bekommen, ein Globalbudget erhalten, über ihr Schulprofil mit Schwerpunkten entscheiden und Zielvereinbarungen abschließen. Diese würden durch eine externe Agentur überprüft, so Landertshammer - etwa dahin gehend, ob Rahmenlehrpläne eingehalten werden und wie viele Schüler die Schule absolvieren bzw. die Reife für die nächste Ausbildung erlangen. "Ich muss mich auch von Lehrern trennen können, umgekehrt sollen jene, die sich überengagieren, auch etwas davon haben." Gleiches gelte für Direktoren - auch diese sollten abberufen werden können.

Rahmen vom Bund

Kompetenztechnisch würde der Bund dann die Rahmenbedingungen vorgeben, meinte Landertshammer. Den Schulen käme eine hohe Autonomie zu, dazwischen sollten regionale Einrichtungen das Angebot steuern. "Im Waldviertel gibt es derzeit vier Handelsakademien, aber kaum Betriebe, die Absolventen dieser Schulform brauchen." Die Länder müssten dagegen Kompetenzen abgeben - eine Verländerung des Schulwesens fände Landertshammer skurril: "Ich kenne kein einziges Beispiel in der Geschichte Österreichs, dass irgendetwas billiger geworden wäre, wenn man es den Ländern übergeben hat."

Eine solche Struktur würde ein hohes Einsparungs- bzw. Effizienzpotenzial bergen, ist Landertshammer überzeugt. Eine Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) bzw. des management club habe ergeben, dass eine Auflösung von Landes- und Bezirksschulräten, Schulämtern der Landesregierungen sowie die Abschaffung von Landes- und Bezirksschulinspektoren bei gleichzeitiger Gegenrechnung von Kosten der Evaluierungsagentur und der regionalen Agenturen bzw. für Verwaltungspersonal für die Schulen einen Wegfall von 6.000 Verwaltungsstellen bzw. 100 Mio. Euro pro Jahr bringe. Rechne man Kosten dazu, die durch falsche Schülerströme und Fehlallokation der Mittel dazukommen, sei man bei einem Potenzial von 600 bis 700 Mio. Euro pro Jahr, die in Schulbauten oder Lehreraus- und -weiterbildung gesteckt werden könnten.

Klausur

Zum Thema Schule regt Landertshammer - "ich weiß nicht, der wievielte Anlauf das jetzt ist" - eine Art Konvent oder Klausur an, "bei dem die wesentlichsten Stakeholder in Ruhe überlegen, wie wir Schule mittel- und langfristig organisieren können": "Wenn nicht bald etwas passiert, haben wir irgendwann einmal ein Problem."

Nägel mit Köpfen will die WKÖ auch beim Thema Bildungswegberatung sehen. "Jedes Kind soll mit spätestens 14 Jahren eine Potenzialanalyse und professionelle Berufsorientierung kriegen." Das funktioniere im Großen und Ganzen ganz gut, in der AHS-Unterstufe aber gar nicht: "Dort will man ja möglichst nur die Struktur aufrechterhalten und die Kinder an der Schule halten." Landertshammer plädiert daher dafür, Berufsorientierung vom reinen Unterrichtsprinzip zum eigenen Gegenstand zu machen. Dies sei ohne Zusatzkosten machbar: "Man braucht dafür auch kein anderes Fach zu opfern, weil es ja auch jetzt schon stattfinden sollte." Nötig sei nur eine andere Einteilung der Stunden: "Das sind genau die Dinge, die man im Sinne einer richtig verstandenen Autonomie umsetzen kann."

 

 

Heute – 7. Mai 2014

 

Angepasstes Niveau

Sprachen-Zentralmatura nicht für alle gleich

In 318 von 344 AHS fand gestern die Englisch-Matura statt. Geprüft wird, ob die Schüler das Niveau B2 erreichen. Morgen ist Französisch dran - zentral, aber nicht alle Schüler werden gleich getestet.

Hintergrund für die unterschiedlichen Tests bei Sprachen: Nicht alle Schüler haben vor der Reifeprüfung gleich lange Sprachunterricht. Beispiel Französisch: Hier werden bei der sechsjährigen Form Teile auf dem höheren Niveau B2 getestet, der Rest auf Niveau B1. In der vierjährigen Form hingegen ist die gesamte Zentralmatura auf Testniveau B1.

Auch in Englisch gibt es ab 2015 (dann ist die Zentralmatura Pflicht) diese Unterscheidung: Ist Englisch erste lebende Fremdsprache (wie an allen Schulen, an denen nun getestet wurde), wird entsprechend schwieriger gefragt, als wenn es 2. Fremdsprache ist. Die Schüler müssen jetzt jedenfalls zittern: In spätestens zwei Wochen gibt's Ergebnisse.

Blogs & Yoga: Die Englisch-Aufgaben

Auf acht Seiten wurden drei Aufgaben gestellt: Als Hotel- Mitarbeiter musste man dem Chef einen Bericht über Yoga- Kurse als neue Attraktion liefern (300 Wörter). Weitere Aufgaben: ein Blog-Eintrag zu Frauen in Führungspositionen (250 Wörter) und ein Bewerbungsschreiben für einen Job auf Jamaika (200 Wörter).

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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