Donnerstag, 8. Mai 2014

2014.05.08: Bildung

 

APA0422 II, XI 08.05.2014 14:25:19

 

Zentralmatura - Bifie: In knappen Fällen auf Gesamtleistung achten

Utl.: Zusätzlich zur vom Rechner vorgeschlagenen Note - Direktorensprecher: Kein sachliches, sondern kommunikatives Problem

Oberstufe/Österreich-weit

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) weist die Lehrer an, bei der Korrektur der Fremdsprachen-Zentralmatura vor allem im Falle knapper Ergebnisse und der Entscheidung über das Durchkommen nicht nur die vom Computer vorgeschlagene Note zu vergeben, sondern auf die "Gesamtleistung" zu achten. Entsprechende "Korrektur- und Beurteilungsanleitungen" gingen am Donnerstag an Schuldirektoren.

Bei der am Dienstag durchgeführten Englisch-Zentralmatura mussten für eine positive Beurteilung 63 Prozent der Punkte erreicht werden, bei den bisherigen Durchgängen waren es indes stets 60 Prozent gewesen. Dagegen protestierten Lehrer, Eltern und Schüler. Einmal mehr wird in dem auf der Bifie-Homepage abrufbaren Text die Vorgangsweise verteidigt. Lese- oder Hörtexte seien eben verschieden anspruchsvoll, "das wirkt sich selbstverständlich auf die Aufgabenschwierigkeit aus". Heuer seien etwas leichtere Aufgaben gestellt worden, daher mussten mehr Punkte erreicht werden. Als Notenschwellen für ein "Genügend" in den lebenden Fremdsprachen hätten sich daher je nach Fach zwischen 60 und 64 Prozent der möglichen Punkte bei der "Standardisierten schriftlichen Reife- und Diplomprüfung" (SRDP) ergeben.

Einen möglichen Ausweg für Grenzfälle skizziert das Bifie aber: "Insbesondere bei knappen Ergebnissen und bei der Entscheidung zwischen Genügend und Nicht genügend ist unter Bedachtnahme auf die Notendefinition der Leistungsbeurteilungsverordnung und auf die fachliche Expertise sowie die pädagogische Verantwortung der Prüferin/des Prüfers zusätzlich zu der vom SRDP-Rechner vorgeschlagenen Note die Gesamtleistung dahin gehend zu beurteilen, ob die Anforderungen in den wesentlichen Bereichen überwiegend erfüllt wurden."

Kritik an der bisherigen Vorgehensweise des Bifie kommt vom Wiener Direktorenverein (WDV): Die "testpsychometrische" Begründung des Bifie für die unterschiedlichen Notenschwellen sei wegen der besseren Vergleichbarkeit der Noten zwar nachvollziehbar. "Nicht nachvollziehbar für uns ist es jedoch, dass dieses nicht unwesentliche Detail nicht oder zumindest bei weitem nicht ausreichend rechtzeitig kommuniziert worden ist!" Lediglich einer Fußnote in einem Schreiben sei zu entnehmen gewesen, dass die Grenzen zum Nicht Genügend "leicht variieren" könnten. Änderungen in diesem Ausmaß seien aber weder von Stadtschulrat noch von Ministerium oder Bifie ausreichend kommuniziert worden. "Warum gerade bei der ersten flächendeckenden Aufgabenstellung ein Abweichen von den gewohnten und erprobten 60 Prozent stattfinden muss, ist uns auch nicht erklärlich."

Der Sprecher des gesamtösterreichischen Verbands der AHS-Direktoren, Wilhelm Zillner, sieht die Vorkommnisse differenziert: "Das Problem ist kein sachliches, sondern ein kommunikatives." Wenn man die Info-Materialien des Bifie im Nachhinein durchforste, seien natürlich Hinweise auf die Vorgehensweise vorhanden gewesen. Dass die Notenschwelle jetzt aber genau von 60 auf 63 Prozent hinaufgesetzt werde, sei explizit nie Thema gewesen. "Und daraus ergibt sich das Problem." Die Korrekturanleitung des Bifie werde man selbstverständlich umsetzen und sich die Grenzfälle ansehen: "Das würden wir aber auch tun, wenn die Grenze bei 60 Prozent liegt."

(schluss) aku;jle;spu

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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