Donnerstag, 8. Mai 2014

2014.05.08: Bildung

APA0301 II, XI 08.05.2014 12:49:42

 

Zentralmatura - Ministerium: Keine spontane Verschärfung

Utl.: Bifie hätte aber zeitnah nochmals über Beurteilungsschlüssel informieren müssen

Oberstufe/Österreich-weit

Das Bildungsministerium hält am von Lehrer- und Schülervertretern kritisierten Benotungsschlüssel für die Englisch-Zentralmatura fest. Dieser sei "nicht spontan verschärft worden", hieß es auf APA-Anfrage. Allerdings hätte das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) nochmals über die Bewertungskriterien informieren müssen.

Bei der am Dienstag durchgeführten Englisch-Zentralmatura mussten für eine positive Beurteilung 63 Prozent der Punkte erreicht werden, bei den bisherigen Durchgängen waren es dagegen stets 60 Prozent gewesen. Das habe allerdings einen Grund: "Man findet für die Matura keine Texte, die exakt gleich schwer sind", so eine Ministeriumssprecherin. Für die heurige Reifeprüfung sei ein Aufgabenpaket ausgewählt worden, das etwas leichter gewesen sei. Um die Vergleichbarkeit der Noten über mehrere Jahre zu gewährleisten, sei der Beurteilungsschlüssel angepasst worden. Dies wäre auch nicht im Nachhinein erfolgt, vielmehr sei diese Möglichkeit schon im Vorfeld bekannt gewesen.

Darüber seien sowohl Schülervertreter als auch AHS-Direktoren und Schulaufsicht informiert worden. In den der APA vorliegenden Bifie-Info-Materialien heißt es auch tatsächlich, dass für ein Genügend insgesamt "mindestens 60 Prozent" der Punkte zu erreichen sind - mit der Fußnote: "Dieser Wert kann in Abhängigkeit vom Schwierigkeitsgrad der Aufgaben geringfügig variieren." In den im April an die Direktionen versendeten "Erläuterungen zur Benotung" findet sich ebenfalls ein ähnlicher Passus: "Die Schwelle zwischen 'Nicht genügend' und 'Genügend' im Notenschlüssel beträgt ungefähr 60 (entspricht 60 Prozent bei einer maximal erreichbaren Anzahl von 100 gewichteten Punkten). Der tatsächliche Betrag der Notenschwellen unterliegt jedoch je nach Schwierigkeit der in den Klausurheften enthaltenen Aufgaben leichten Variationen."

Dieser Hinweis hat sich aber offenbar nicht bis zu den Englisch-Lehrern durchgesprochen. Der Passus gilt übrigens für alle Reifeprüfungen in den lebenden Fremdsprachen - also auch Französisch, Italienisch und Spanisch.

In einem Brief an die AHS-Direktoren versucht das Ministerium jetzt die Information nachzuholen. Dort heißt es etwa: "Für die Benotung der Matura in einer lebenden Fremdsprache gibt es daher einen flexiblen Beurteilungsschlüssel, da es schwer möglich ist, Aufgabenstellungen zu finden, die bei jedem Maturatermin den exakt gleichen Schwierigkeitsgrad aufweisen." Deshalb liege die Schwelle für eine positive Beurteilung diesmal bei 63 Prozent: "Das ist korrekt und entspricht dem neuen Benotungsprinzip, das Anforderungsniveau der Matura insgesamt ändert sich dadurch nicht."

Die FPÖ ortet in einer Aussendung wieder eine "Bifie-Panne", das Team Stronach fordert eine Auflösung des Instituts. Die NEOS orten "mangelnde Professionalität und Transparenz in der Schulentwicklung".

(schluss) aku;jle;spu

 

Mittagsjournal, 8.5.2014

Zentralmatura: Neue Aufregung, neue Proteste

Regina Pöll

Die neue Zentralmatura sorgt weiter für Aufregung. Diesmal geht es um die Benotungsschlüssel bei der Englisch-Matura. Der wurde ohne Vorankündigung vom Bildungsinstitut Bifie geändert. Die

Prozentsatz geändert

63 Prozent der Aufgaben müssen Schüler heuer bei der zentralen Englisch-Matura meistern, damit sie positiv abschließen - ausgegangen sind sie und ihre Lehrer aber von 60 Prozent, so wurde das in den Vorjahren auch gehandhabt. Das für die Zentralmatura zuständige Bundesinstitut Bifie rechtfertigt die kurzfristige Verschärfung: Die Aufgaben seien etwas leichter ausgefallen als ursprünglich geplant, deshalb fordere man nun 63 Prozent, die 60 Prozent seien auch immer nur ein Richtwert gewesen. Lehrer und Schüler sehen das alles nicht ein.

Elternvertreter fordert Rücknahme

Die Eltern haben nach dem Wirbel um die neue Englisch-Matura ein klares Ziel: Der Prozentsatz für eine positive Note müsse bleiben, so wie er schon in der Matura-Vorbereitung gegolten hat, sagt der oberste Elternvertreter an den mittleren und höheren Schulen, Theodor Saverschel: Die 63-Prozent-Marke müsse auf 60 zurückgenommen werden, denn das hätte vorher schon so definiert werden müssen.

Dass die 60 Prozent laut dem verantwortlichen Bundesinstitut Bifie immer nur ein Richtwert waren und jetzt offenbar wegen mehr verlangt wird, und zwar wegen etwas leichterer Aufgaben, das überzeugt den Elternvertreter nicht: "Es ist nicht nachvollziehbar, warum dieser Schlüssel variiert."

60 Prozent sollten bei der Matura immer gelten, so Saverschel. Dass es bei Englisch diese Woche anders war, verunsichere nur die Maturantinnen und Maturanten. Man müsse sich auf etwas verlassen können. Denn das wirke sich ja auf die Vorbereitung auf die Matura aus, sagt der Elternvertreter.

"Zu Gunsten der Schüler entscheiden"

Es brauche klare Spielregeln, so heißt es auch bei der größten Schülervertretung, der ÖVP-nahen Schülerunion. Mittelfristig könnte der erforderliche Prozentsatz bei der Matura schon je nach Schwierigkeit der Aufgaben variieren, findet Obmann Thomas Gaar, "allerdings muss im Vorhinein klar kommuniziert werden, wie viele Punkte benötige ich für eine positive Note."

Aktuell, bei der jüngsten Englisch-Matura, brauche es eine Lösung für Betroffene, die knapp unter 63 Prozent gelandet sind, sagt Gaar. So wäre ein Schüler mit 61 Punkten jetzt negativ, hätte aber geglaubt, dass er positiv sei. In dem Fall müsse zu Gunsten des Schülers entschieden werden.

Heinisch-Hosek: "Alles korrekt"

Gefordert sehen Schüler und Eltern jetzt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Sie teilte Ö1 bisher schriftlich mit, dass die 63 Prozent bei der Englisch-Matura keinesfalls eine nachträgliche Änderung seien. Es sei alles korrekt und entspreche dem neuen Benotungsprinzip, so Heinisch-Hosek.

 

Mittagsjournal, 8.5.2014

BIFIE-Direktor weist Vorwürfe zurück

Bifie-Direktor Martin Netzer im Gespräch mit Cornelia Vospernik

Es gebe kein Chaos am Bifie, betont der Direktor des Instituts, Martin Netzer, im Ö1-Gespräch. Man habe seit Monaten informiert, dass der Prozentwert für die Matura variabel sei. Daher seien die Standards auch nicht geändert worden. An einen Rücktritt denke er jedenfalls nicht.

Weniger Punkte zum Ausgleich

Netzer rechtfertigt die variablen Prozentwerte mit internationalen Vorgaben: Der entscheidende Bezugswert für die österreichische Matura sei der Europäische Referenzrahmen, und dort sei vorgesehen, dass die Lesetexte und Hörbeispiel authentische Texte sein sollen. Solche Texte, zum Beispiel Zeitungsartikel, könnten nicht genau gleich schwierig sein. Deshalb gebe es zum Ausgleich für schwierigere Texte die Vorgabe, dass dafür weniger richtige Lösungen notwendig sein sollen.

Netzer gibt aber zu, dass man den Wert von 63 Prozent nicht kommuniziert habe, und er will auch diskutieren, ob diese Werte wirklich bekanntgegeben werden sollen. Denn damit würde nur ein zusätzlicher Stressfaktor erzeugt. Den Vorwurf, dass die Schüler nicht erfahren, wie viele Punkte sie mit ihren Antworten erzielen, weist er zurück: Jede richtig beantwortete Frage bringe einen Punkt. Unklarer sei das beim Schreibteil, aber das sei auch schon bisher so gewesen. Da vertraue er auf die Kompetenz der Prüfer.

Projekt erfolgreich umsetzen

An Rücktritt denkt Netzer jedenfalls nicht: "Wenn ich zur Entscheidung käme, dass die Zentralmatura und alles wunderbar funktioniert, wenn's mich nicht gibt, wäre ich morgen weg." Er wolle alles tun, um das Projekt erfolgreich umzusetzen, weil ich glaube, dass das die bessere Matura für die Schülerinnen und Schüler ist."

 

 

"Kleine Zeitung" vom 08.05.2014                             Seite: 14

Ressort: Österreich

 

Steiermark

 

Gericht schiebt Werbeflut an den Volksschulen Riegel vor

 

Konsumentenschützer klagten gegen „Mitteilungsheft“, das an 800 Schulen in Österreich verteilt wurde.

 

   WIEN. Es war gratis und es war mit Werbung gespickt: jenes „Mitteilungsheft“, das an 800 der insgesamt 3000 heimischen Volksschulen verteilt wurde. Zwischen Alphabet, Landkarten und Stundenplan fand sich auf einem Drittel der 60 Seiten auch Reklame für Pudding, Spielwaren, Kinocenter und Zahnpasta.

 

   Eine Grenzüberschreitung, meinte der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und reichte beim Handelsgericht eine Verbandsklage ein. Das Gericht hat nun – nicht rechtskräftig – das Heft wegen „aggressiver Geschäftspraktik“ verboten. Allerdings stellte es auch klar, dass Volksschulen „generell keine werbefreien Zonen mehr darstellen“ – der VKI hatte ursprünglich auch verlangt, dass überhaupt keine werbefinanzierten Hefte mehr an den Volksschulen verteilt werden dürften. Das sei „realitätsfern“, so das Gericht. Im konkreten Fall sei jedoch das Maß überschritten worden, zumal sechs- bis zehnjährige Kinder leichter beeinflussbar seien als ältere Kinder.

 

   SPÖ-Bildungs- und Konsumentenschutzsprecherin Elisabeth Grossmann begrüßte das und sprach sich für eine bessere generelle Regelung aus. Auch das Werbeunternehmen äußerte sich positiv dazu, dass Werbung grundsätzlich erlaubt sei – den Werbeanteil der aktuellen Ausgabe habe man bereits reduziert.

 

Mittagsjournal, 8.5.2014

NÖ: Schulrats-Beamter zwangsversetzt

Stefan Kappacher

Nach Ostern ist in der katholischen Kirche die Erstkommunions-Zeit - und darauf fiebern nicht nur die betroffenen Kinder hin. Oft erfasst die Aufregung auch Lehrer und Politiker - zum Beispiel im katholischen Niederösterreich. Dort wird jetzt der Leiter der Rechtsabteilung das Landeschulrats gefeuert, weil er das Üben von Erstkommunionsliedern im Unterricht verboten hat.

Spür ich Gott, deine ganze Kraft - und: Gott du begrüßt uns mit offenen Armen, der seine Kinder liebt - solche nicht unbedingt gängigen religiösen Lieder wurden in der Volksschule Atzenbrugg-Heiligenreich im normalen Unterricht geübt. Zuerst mit der Erstkommunions-Mappe, jetzt können die Kinder es schon auswendig.

Eine konfessionslose Familie wollte nicht, dass ihre Tochter dabei mitmachen muss und beschwerte sich beim Landesschulrat. Der Leiter der Rechtsabteilung, Fritz Freudensprung, gab der Familie recht und wies die Direktorin an, das Üben für die Erstkommunion zu unterlassen, weil dies vom Lehrplan nicht gedeckt sei. Das sieht auch das Bildungsministerium so, aber nicht das Land Niederösterreich.

Der amtsführende Landesschulratspräsident Hermann Helm hat dem Chefjuristen mit der unbequemen Rechtsmeinung mit Versetzung gedroht und zieht das jetzt durch. Helm sagt, in seiner Abwesenheit habe Freudensprung seine Weisung revidiert. „Deshalb wird er für eine andere Funktion vorgesehen. Es geht nicht an, dass ein Jurist des Landesschulrates eine Rechtsmeinung vertritt und damit die Eltern verunsichert, die letzten Endes vorher hier eine sehr klare Position erfahren haben“.

In der Kronenzeitung, die sich wie die Niederösterreichischen Nachrichten - das sind die zwei dominierenden Printmedien des Landes - mit dem Fall beschäftigt hat, las sich das umgekehrt, dass nämlich Helm und Landeshauptmann Erwin Pröll den Erlass des Chefjuristen revidiert haben. Pröll garantiere jetzt, dass in der Volksschule Heiligenreich sehr wohl Erstkommunionslieder im Unterricht gesungen werden dürfen, schrieb die Krone am Ostersonntag. Was sagt der Landeschulrats-Präsident dazu? Hermann Helm: „es dürfen religiöse Lieder gesungen werden, genauso wie andere Lieder, die im Jahreskreis verankert sind, gesungen werden dürfen. Auch Gospel ist ein religiöses Lied, auch das darf gesungen werden. Hier geht es nicht um eine konkrete Vorbereitung, es ist keine Generalprobe im Rahmen des Unterrichts durchgeführt worden, sondern Lieder gesungen, die im Jahreskreis ihre Deckung finden“.

Spür ich Gott, deine ganze Kraft - ein Lied also für jede Jahreszeit. Fritz Freudensprung kann die Kraft gebrauchen. Er hat sich mit den Mächtigen des Landes angelegt. Morgen wird der untadelige Beamte erfahren, wo er in seinem verbleibenden Jahr bis zur Pension Dienst tun wird.

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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