Sonntag, 11. Mai 2014

2014.05.12: Newsletter Bildung

"profil" Nr. 20/2014 vom 12.05.2014                       Seite: 31

Ressort: Meinungen

 

Elfriede Hammerl

 

 

Sparen an Schulen

 

   Könnte es sein, dass auch in der SPÖ Chancengleichheit als bedrohlich empfunden wird?

 

   Zuerst wollte die Bildungsministerin die Klassenschülerhöchstzahlen an den AHS-Oberstufen und an den Berufsbildenden höheren und mittleren Schulen hinaufsetzen. Das scheiterte an parteienübergreifender Empörung. Gut so.

 

   Jetzt wird am Ausbau der Ganztagsschulen gespart. Das ist zwar gar nicht gut, fand aber ausreichend Zustimmung, auch bei den Elternvertretern. Damit könne man sich abfinden, wurden sie sinngemäß in den Medien zitiert.

 

   Was sagt uns das? Es sagt uns: Gerade die, die es am nötigsten hätten, haben keine Vertretung. Und: Immer noch wird die berufstätige Mutter hierzulande für eine wenig wünschenswerte Spezies gehalten.

 

   Am nötigsten hätten mehr schulische Förderung Kinder aus sogenannten bildungsfernen Schichten, mit denen niemand zu Hause lernen kann. Die Halbtagsschule reicht, man weiß es, nicht aus, diesen Mangel zu kompensieren. Die Ganztagsschule hingegen ist zumindest von der Idee her geeignet, einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Aber leider: Ausbau mehr oder weniger auf Eis gelegt.

 

   Nicht, dass überfüllte AHS-Klassen eine erträgliche Alternative gewesen wären. Doch es fällt auf: Verschlechterungen in den höheren Klassen höherer Schulen rufen Widerstand hervor, das Ausbremsen einer Schulform, die ansatzweise an Bildungsprivilegien kratzt, nicht.

 

   Die zitierten Elternvertreter - zwei Männer -, von denen angenommen werden darf, dass sie den bildungsnahen Schichten angehören, vertreten offensichtlich nur ein ganz bestimmtes Milieu. Eines, in dem die Halbtagsschule genügt (sofern sie andere Standards erfüllt) und wo Väter, wie es scheint, das Vereinbarkeitsdilemma für eine vernachlässigbare Theorie halten dürfen.

 

   Ärgerlich genug. Aber was ist mit der Politik? Anders gefragt: Warum lässt sich die SPÖ seit Jahrzehnten in der Schulpolitik von der ÖVP vorführen?

 

   Dass Konservative gesellschaftliche Hierarchien bewahren wollen und daher zufrieden sind, wenn sich diese Hierarchien im Schulbereich abbilden, ist nachvollziehbar. Aber weshalb gehen die Roten vor diesem Wunsch ständig in die Knie, obwohl sie doch angeblich Chancengleichheit auf ihre Fahnen geschrieben haben?

 

   Ja, Koalitionszwänge. Und, ja, die Lehrergewerkschaft. Muss man bedenken. Soll man nicht unterschätzen. Trotzdem stellt sich die Frage, welchen SPÖ-Granden ein egalitärer Bildungszugang wirklich am Herzen liegt. Bezeichnend erscheint mir, wie lahm die meisten von ihnen replizieren, wenn die Verfechter des Gymnasiums in TV-Debatten wieder einmal unser differenziertes Schulsystem loben, das nicht einer Einheitsschule geopfert werden dürfe. Da kommt kaum jemals ein fundierter Widerspruch. Aus Ahnungslosigkeit, was das Konzept der gemeinsamen Schule bis 15 Jahre (mit innerer Differenzierung) betrifft, oder weil auch so manche SP-Größe derart viel Gleichheit im tiefsten Inneren für bedrohlich hält?

 

   Dabei geht es ja längst nicht mehr darum, wie viele AkademikerInnen wir brauchen oder nicht brauchen können, sondern um die Frage, welches Ausmaß an Unbildung dieses Land aushält. Erschreckend viele SchulabgängerInnen können, wie wir gleichfalls wissen, weder sinnerfassend lesen noch halbwegs richtig schreiben noch einfachste Rechenaufgaben lösen. Das müsste uns doch entsetzen! Darin liegt die wahre Bedrohung! Was soll denn aus diesen jungen Menschen werden?

 

   Selbst wenn uns das Schicksal der BildungsverliererInnen emotional kaltlässt, sollte es uns im Interesse des sozialen Friedens nicht egal sein. Den aufs Spiel zu setzen, schadet nämlich langfristig auch den geförderten und behüteten Kindern in ihren Eliteschulen. Vielleicht könnten das die Elternvertreter in ihre Überlegungen aufnehmen.

 

   Themenwechsel: Kinder mit erheblichen Zahn- oder Kieferfehlstellungen bekommen ab Mitte nächsten Jahres Gratis-Zahnspangen. Das ist eine wichtige Neuerung, weil Zahnregulierungen viel Geld kosten. Für ärmere Familien waren sie bis jetzt oft nicht erschwinglich.

 

   Als einzige Partei stimmten die NEOS im Nationalrat gegen die kostenlose Zahnspange, weil so auch Millionäre in die Lage versetzt würden, die Zähne ihrer Kinder auf Kosten der Allgemeinheit reparieren zu lassen.

 

   Stimmt. Überhaupt können Spitzenverdiener auch Krankenkassenleistungen aller Art in Anspruch nehmen, und tun es. Ist das ungerecht? Oh ja. Aber nicht grundsätzlich, sondern deshalb, weil die am besten Verdienenden bei uns in der Relation am wenigsten in die Kassen einzahlen. Es steigen ja die Beiträge nur bis zur sogenannten Höchstbeitragsgrundlage, einem Monatseinkommen von rund 4500 Euro. Danach bleiben sie gleich.

 

   Wenn die NEOS also den Reichen am Zeug flicken wollen, dann sollten sie sich für die Aufhebung oder doch zumindest für eine Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage einsetzen. Das wäre nützlich und diente der Gerechtigkeit mehr, als dem Kind der Durchschnittsverdienerin die kostenlose Zahnspange verwehren zu wollen. Und den Einnahmen der Krankenkassen diente es auch. Ist sowieso ein schlechter Scherz, dass einem Versicherten, der zehn oder 15 Tausender im Monat casht, die Segnungen unseres Gesundheitssystems fürs gleiche Geld zur Verfügung stehen wie einer Person, die nicht einmal die Hälfte verdient.

 

   elfriede.hammerl@profil.at

 

   www.elfriedehammerl.com

 

 

"profil" Nr. 20/2014 vom 12.05.2014                    Seite: 32,33

Ressort: Österreich

 

Von Edith Meinhart

 

 

Brennpunktlandung

 

   Kommen die Kinder der Mittelschicht in die öffentlichen Schulen zurück, wenn die Problemschulen mehr Geld bekommen? Vielleicht.

 

   Als Erstes fällt die Ruhe auf. Andrea Köhler hütet sie wie etwas Zerbrechliches, denn sie hat mühsam darum gerungen, dass die Kinder im Stiegenhaus nicht mehr brüllen, dass sie sich nicht gegen Türen werfen, sondern die Schnalle hinunterdrücken, und dass sie erst artig grüßen, bevor sie ihre kleinen und großen Anliegen vortragen. Wenn es geht, in vollständigen Sätzen.

 

   In der Pantucekgasse 13 zog ein anderer Ton ein, als Köhler vor zwölf Jahren Direktorin wurde. Ihre "bunte Schule" liegt am Rand des Leberbergs in Wien-Simmering, in einer Gegend wirtschaftlicher und sozialer Nöte, in der Mädchen und Buben viel zu früh in die Rolle der Großen schlüpfen, statt beschützt und umsorgt zu werden.

 

   Köhler nahm es nicht hin, dass Väter ihr mit Fäusten drohten oder Mütter vor ihrem Konferenzzimmer einander an den Haaren rissen. Es sprach sich rasch herum, dass man der Neuen nicht rabiat kommen brauche: "Die wirft dich raus, wenn du schreist", hieß es im Grätzel.

 

   Vergangene Woche tagten in der Arbeiterkammer Wien Bildungsexperten zur Frage, wie Brennpunktschulen wie jener in der Pantucekgasse geholfen werden kann. Es geht um den Ausgleich sozialer Ungerechtigkeit, um faire Startbedingungen, um ein Ziel, das rasch abgenickt wird und praktisch oft unerreichbar scheint.

 

   In den USA der 1970er-Jahre wurden schwarze und weiße Kinder mit Bussen aus armen in reiche Wohngegenden gekarrt. Und umgekehrt. Was als Maßnahme für mehr Chancengleichheit gedacht war, schockierte die Mittelschicht so sehr, dass sie in panischer Eile die Koffer packte und in die Wohlstandsgürtel zog, die sich um die urbanen Zentren legten. In den Ballungsräumen blieben die "schwarzen" Schulen erst recht auf der Strecke.

 

   Seither gilt "Busing" unter Bildungsexperten als gescheitert. Man verlegte sich darauf, Geld statt Kinder durch die Gegend zu schicken. Für die schwierigen Umstände ihrer Arbeit sollten benachteiligte Schulen entgolten werden. Die Niederlande und Kanada gingen voran, die Schweiz zog nach, das von schlechten Pisa-Ergebnissen gepeinigte Deutschland folgte.

 

   Nun schwappt die Debatte mit Verspätung nach Österreich über, ein Land, das 5,8 Prozent seines Nationaleinkommens für Bildung ausgibt - mehr als der EU-Schnitt -, in dem der schulische Erfolg der Kinder aber nach wie vor stark vom sozialen Status der Eltern abhängt und selbst Politiker, die sich für gute, öffentliche Schulen starkmachen, ihren eigenen Nachwuchs gerne in Privatschulen geben.

 

   "Wenn wir die Mittel zu Brennpunkten umlenken, haben wir eine Chance, diesen Widerspruch zu lösen", glaubt Martin Schenk, Sozialexperte der Armutskonferenz. Stimmt das? Würde die aufstiegsorientierte Mittelschicht ihre Kinder in Schulen geben, wo alle Benachteiligungen anfallen, wenn dort die Umstände besser werden? Die Antwort lautet: vielleicht.

 

   Henk Beerten unterrichtete im niederländischen Nijmegen. 168.000 Menschen wohnen in der alten Hansestadt, viele Beamte, Polizisten, Militärs. Industrie gibt es kaum. Dennoch haben in den Volksschulen 40 Prozent der Kinder eingewanderte Eltern. Sie kommen aus der Türkei, Marokko und Surinam, zunehmend auch aus Afghanistan oder Somalia.

 

   1973, als Beerten als Begleitlehrer angestellt wurde, gab es für jedes eingewanderte Volksschulkind 90 Prozent mehr Geld. Inzwischen kommt die "Gewichte"-Regelung ohne das Migrationsmerkmal aus: "Die Bildung der Eltern ist der bessere Indikator, außerdem erspart man sich Debatten, ob für Ausländerkinder mehr getan wird als für einheimische Kinder."

 

   Das Thema brennt auch in Österreich unter den Nägeln. In heimischen Städten mit über 50.000 Einwohnern wächst jedes zweite Kind entweder nicht mit Deutsch als Muttersprache auf, hat Eltern, die nur eine Pflichtschule besucht oder bloß eine niedrige berufliche Stellung erreicht haben. Oft kommt alles zusammen. Finden sich diese Kinder in Brennpunktschulen wieder, was die Regel und nicht die Ausnahme ist, summieren sich die Bildungsrisken. Laut Michael Bruneforth, Forscher am Bifie, besucht jeder sechste Volksschüler eine "belastete" Schule und hat allein deshalb schlechtere Chancen als andere Gleichaltrige. In Wien sind es 51 Prozent.

 

   Wie sind die Belastungen einer Schule zu messen? Wie viel Geld soll es dafür geben? Woher soll es kommen? Und wer bestimmt am Ende, wie es verwendet wird? Der Soziologe Johann Bacher studierte die Schullandschaft in Linz und entwickelte ein Modell, das Brennpunktschulen besser ausstattet. Laut seinen Berechnungen brauche es 15 bis 20 Prozent mehr Mittel, was nicht heißt, dass das Gesamtbudget steigen muss: "Die Kosten pro Volksschulkind liegen bei 6000 Euro. Wie viel davon bei ihm ankommen, könnte nur eine genaue Aufschlüsselung der Bildungskosten zeigen."

 

   Darauf warten die Forscher bis heute vergeblich. Der Bund verteilt die Gelder auf die Bundesländer, danach verliert sich die Spur. Eine heimische Volksschule hat durchschnittlich 100 Kinder, im Burgenland sitzen in einem Drittel weniger als 25 Schüler, sagt Gabriele Schmid, Leiterin der Bildungsabteilung der Arbeiterkammer Wien: "Das ist natürlich sehr teuer." Soll man kleine Standorte zusammenlegen?

 

   Strittig ist auch, wie frei die Schulen bei der Verwendung der Gelder sein sollten. Bacher ist für hohe Autonomie. Einige seiner Kollegen warnen davor, auf vorschnelle Rufe nach mehr Personal hereinzufallen. Mitunter haben zusätzliche Lehrer an einem Standort keinerlei Effekte auf die Leistung der Kinder.

 

   Bevor eine Schule Geld in die Hand nimmt, sollte sie ihre Ausrichtung kennen. Mit der Initiative "Schulqualität Ausbildung" hält das Bildungsministerium Direktoren und Lehrer dazu an, Ziele zu entwickeln. So hofft man zu verhindern, dass Einzelne sich bloß nach Vorlieben weiterbilden und das Große und Ganze am Standort aus dem Blick verlieren.

 

   In der Wiener Pantucekgasse fliegen keine Sessel mehr durch die Luft, seit Direktorin Andrea Köhler vor einigen Jahren in den Sommerferien die Idee zu "Bunktis" hatte. Das Wort steht für "Bewegungs- und nachhaltiges Konzentrationstraining in der Schule" und soll die Kinder schulen, Langeweile und Aggressionen aufkommen zu spüren, ein Kärtchen zu heben, um der Lehrerin zu zeigen, dass es Zeit ist, in die Aula zu gehen und sich dort auszutoben, bevor sie die Beherrschung verlieren.

 

   Um diese kurzen Auszeiten wird wenig Aufhebens gemacht. Kinder, die innerlich in Bedrängnis geraten, verlassen die Klasse und müssen hinterher niemandem erklären, warum sie kurz weg waren. Insgeheim hofft Köhler, dass sich in diesen Momenten etwas einprägt: "Vielleicht gehen sie später von einem Würstelstand weg, bevor die Lage eskaliert." Was die Buben und Mädchen zu Hause und auf der Straße erleben, formt sie nicht weniger als die Zeit in der Klasse. Deshalb kommt eine Bildungspolitik nicht ohne Wohnpolitik aus, nicht ohne Jugendarbeit und Nachmittagsbetreuung - "und alles muss mit dem verknüpft sein, was in der Schule passiert", sagt Bildungsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger.

 

   Hinter der ausgebleichten 1970er-Jahre-Fassade der "bunten Schule" kümmern sich 24 Lehrer um 250 Kinder, von denen 50 zu Mittag heimgehen. Die anderen bleiben zum Essen und am Nachmittag. Eine Beratungslehrerin ist neun Stunden in der Woche für Krisen da. Es gibt Deutschunterricht für jenes Dutzend Erstklässler, die dem Unterricht nicht folgen konnten.

 

   Die größte Sorge der Direktorin aber sind nicht die Kinder der Zuwanderer, sondern die Härten des sozialen Umfelds. Das Gros der Eltern hat keine Arbeit, viele kämpfen sich mit Sozialhilfe durch. Ihre Kinder kommen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch emotional zu kurz: "Das betrifft viele österreichische Kinder." Um ihnen zu helfen, bräuchte es nicht mehr Personal, sondern weniger Kontrolle und "die Erlaubnis, über die Stunden, die wir bekommen, frei zu verfügen": "Wir setzen uns regelmäßig zusammen und wissen genau, was jedes Kind braucht. Aber oft können wir nicht reagieren, weil jede Stunde einen Zweck hat und für nichts anderes verwendet werden kann."

 

   Vor einigen Jahren wurden die Genossenschaftsbauten in der Thürnlhofstraße fertig. Etwa 3000 Menschen zogen hier ein, junge Mittelschichtfamilien, deren Kinder bald die Spielplätze füllten. Nun trudeln sie nach und nach in der "bunten Schule" ein und sorgen hier für soziale Durchmischung - so wie im niederländischen Nijmegen, wo der ehemalige Volksschullehrer und heutige Bildungsstadtrat Beerten herkommt: "Als wir begonnen haben, alte Häuser zu renovieren oder abzureißen und schöne, neue Quartiere zu bauen, hat sich die Stimmung im Viertel gedreht."

 

   Erst mussten freilich die Eltern gewonnen werden. In Nijmegen schlossen sich ein paar Dutzend, die ihre Kinder normalerweise nicht auf eine "schwarze" Schule mit 70 Prozent Migrantenkindern und 30 Prozent Kindern aus benachteiligten holländischen Familien geschickt hätten, zusammen, um die Schule in ihrem neuen Grätzel zu verändern.

 

   Was in Holland funktionierte, könnte auch in Österreich klappen, hofft AHS-Lehrer und Bildungsaktivist Daniel Landau: "Ich halte das für eine der spannendsten Maßnahmen gegen Bildungsarmut. Wir müssen sie nur umsetzen."

 

   Genug geforscht, findet auch Soziologe Bacher. Für die nächste Dekade seien zur sozialen Ungleichheit keine neuen Erkenntnisse zu erwarten: "Jetzt ist die Politik dran."

 

 

Die Presse – 12. Mai 2014

 

 

Rechnungshof will Lehrverpflichtung für Lehrer erhöhen

Präsident Moser sieht Budgetrisken bei Bildung und Pensionen. Er argumentiert, dass Österreich im internationalen Vergleich zwar viele Lehrer habe, diese aber vergleichsweise wenig Zeit in der Klasse verbrächten.

Wien. Rechnungshofpräsident Josef Moser sieht Nachbesserungsbedarf bei den Budgetplänen der Regierung. Im Bildungsbereich bezweifelt er, dass man mit den geplanten Steigerungen von 0,7 Prozent jährlich bis 2018 auskommen kann. „Das wird man nur mit Strukturreformen schaffen", sagte er im Gespräch mit der Austria Presseagentur.

Moser bringt eine Erhöhung der Lehrverpflichtung ins Spiel. Er argumentiert, dass Österreich im internationalen Vergleich zwar viele Lehrer habe, diese aber vergleichsweise wenig Zeit in der Klasse verbrächten. Es sei daher gerechtfertigt, „über eine Erhöhung der Lehrverpflichtung nachzudenken". Außerdem kritisiert er das Fehlen einer Arbeitszeitaufzeichnung für Lehrer.

Kritik übt Moser auch am geringen Beitrag der Länder für jene Lehrer, die sie über den mit dem Unterrichtsministerium vereinbarten Stellenplan hinaus anstellen. Die durchschnittlichen Kosten liegen demnach bei 56.000 Euro pro Lehrer, von den Ländern übernommen würden aber nur 39.000. „Die Differenz zahlt der Bund. Damit wird derjenige belohnt, der sich nicht an die Vorgaben hält."

Als Risikobereich sieht Moser auch die Kosten für das Pensionssystem. Diese sollen bis 2018 um 3,7 Prozent pro Jahr steigen. Dies liegt zwar schon jetzt deutlich über dem Wachstum der sonstigen Ausgaben (1,3 Prozent), kann aber nur gehalten werden, wenn der geplante Anstieg des Antrittsalters um 1,7 Jahre gelingt. Daher sei das Pensionsbudget „sehr, sehr optimistisch geplant", warnt Moser. Gelinge das höhere Antrittsalter nicht, drohe eine Mehrbelastung von bis zu 2,36 Mrd. Euro.

 

 

KLZ – 12. Mai 2014

 

"Kleine Zeitung" vom 12.05.2014                             Seite: 12

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

RH-Präsident zweifelt an Budgetvorgaben

 

Moser für Erhöhung der Lehrverpflichtung.

 

   WIEN. Rechnungshofpräsident Josef Moser schlägt Alarm. Er ortet massiven Nachbesserungsbedarf bei den Budgetplänen der Regierung. Als Risikobereiche sieht er die Budgets für Bildung und Pensionen. Die Ausgaben für Bildung, Forschung, Kunst und Kultur sind von 2009 bis 2013 um 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen, bis 2018 sollen es nur noch 0,9 Prozent sein. Für Bildung ist überhaupt nur ein Plus von 0,7 Prozent jährlich vorgesehen. Wie dies erreicht werden soll, ist aus Mosers Sicht unklar. Er schlägt eine Erhöhung der Lehrverpflichtung vor. Im internationalen Vergleich habe Österreich zwar viele Lehrer, diese würden aber vergleichsweise wenig Zeit in der Klasse verbringen. Moser geht daher davon aus, „dass es gerechtfertigt wäre, über eine Erhöhung der Lehrverpflichtung nachzudenken". Außerdem kritisiert er das Fehlen einer Arbeitszeitaufzeichnung für Lehrer und dass teures Lehrpersonal auch für Verwaltungstätigkeiten eingesetzt wird.

 

   Kritik übt Moser auch am geringen Beitrag der Länder für jene Lehrer, die sie über den mit dem Unterrichtsministerium vereinbarten Stellenplan hinaus anstellen. Die durchschnittlichen Kosten liegen demnach bei 56.000 Euro pro Lehrer, von den Ländern übernommen würden aber nur 39.000. „Die Differenz zahlt der Bund. Damit wird derjenige belohnt, der sich nicht an die Vorgaben hält", kritisiert der Rechnungshofpräsident. Als Risikobereich sieht Moser auch die Kosten für das Pensionssystem.

 

   Angesichts der Steuerreformdebatte plädiert er für eine Durchforstung der Ausnahmen im Steuersystem. Derzeit gibt es 558 Begünstigungen in der Lohn- und Einkommensteuer.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 12.05.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Mut

 

   Kommentar

 

   Von Jasmin Bürger

 

   Lehrer sollen mehr unterrichten: Mit dieser Forderung stößt Rechnungshof-Präsident Josef Moser wieder einmal die Debatte um die Arbeitszeit von Österreichs Pädagogen an. Er wird viel Kritik ernten, die Lehrergewerkschaft wird einwenden, dass mit dem neuen Dienstrecht bereits die Lehrverpflichtung auf 24 Stunden pro Woche erhöht wurde.

 

   Das stimmt - allerdings gilt diese Reform erst ab 2019, nur für Berufseinsteiger und es gibt etliche Ausnahmen, die dazu führen werden, dass nur ein kleiner Teil der Pädagogen mehr Zeit im Klassenzimmer verbringt. Zu mehr hat sich die Regierung angesichts des Widerstands der Lehrervertreter nicht durchringen können. Dass die Koalition hier plötzlich Mut beweist, ist zu bezweifeln.

 

   Andererseits hat die Unterrichtsministerin jüngst mit ihren ursprünglichen Sparplänen (Stichwort: größere Klassen) eine weit größere Klientel als nur Lehrer gegen sich aufgebracht. Gespart wird nun beim Ausbau der Ganztagsschulen. Bildungspolitisch auch kein gutes Signal - und ein Zeichen, dass die Zeit für eine tiefgreifende Reform im Bildungssystem doch längst gekommen ist.

 

   In der Bildungspolitik gäbe es viel zu reformieren

 

   j.buerger@nachrichten.at

 

 

OÖN – 12. Mai 2014

 

Rechnungshof-Chef: Lehrer sollen länger unterrichten

WIEN. Josef Moser sieht Budgetziele ohne Reformen unerreichbar.

Die Regierung hat ein klares Ziel, was den Staatshaushalt anlangt: 2016 soll zumindest ein strukturelles Nulldefizit erreicht werden. Rechnungshof-Präsident Josef Moser sieht auf dem Weg dorthin mehrere Risikofaktoren, die den Zieleinlauf gefährden könnten – auch abseits der hohen Kosten für die Abwicklung der Hypo Alpe Adria.

Vor allem im Bildungs- und Pensionsbereich könnte es zu Problemen kommen, warnte Moser gestern in einem APA-Interview. "Will man die Leistungen nicht kürzen, sind Reformen nötig." So seien die Ausgaben für Bildung, Forschung, Kunst und Kultur zwischen 2009 und 2013 um 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen, bis 2018 ist dagegen nur eine Ausgabensteigerung um 0,7 Prozent jährlich vorgesehen. "Diesen reduzierten Ausgabenanstieg wird man nur mit Strukturreformen schaffen", urteilt Moser.

Und der Chef der obersten Prüfbehörde liefert auch gleich Vorschläge: "Es wäre gerechtfertigt, über eine Erhöhung der Lehrverpflichtung nachzudenken." Österreich habe im internationalen Vergleich zwar viele Lehrer, die aber vergleichsweise wenig Zeit in der Klasse verbrächten.

Das bestätigt der aktuelle OECD-Vergleich "Bildung auf einen Blick 2013": Im Sekundarbereich I unterrichten Österreichs Pädagogen 607 Stunden pro Jahr, im OECD-Schnitt sind es 709 Stunden. Im Sekundarbereich II sind es 589 Stunden an Österreichs Schulen, OECD-weit 664.

Pensionsrisiko: 2,4 Milliarden

Zum Budgetrisiko könnte auch der Pensionsbereich werden, wenn die von der Regierung geplante Steigerung des faktischen Pensionsantrittsalters um 1,7 Jahre nicht gelingt. Denn nur unter dieser Voraussetzung würde das budgetierte Ausgabenplus von 3,7 Prozent für die Pensionen ausreichen. Andernfalls drohe, so Moser, eine Mehrbelastung von bis zu 2,36 Milliarden Euro.

Auch zur Debatte um eine Steuerreform, die zwar beide Koalitionspartner propagieren, gleichzeitig aber auf deren Unfinanzierbarkeit verweisen, liefert Moser einen Beitrag. Er empfiehlt die Durchforstung des Steuersystems auf Ausnahmen. In der Lohn- und Einkommenssteuer gebe es 588 Begünstigungen – darunter auch die Steuervorteile für das 13. und 14. Monatsgehalt – bei der Körperschaftssteuer sind es 110 Ausnahmen.

Die Ziele der diversen Begünstigungen seien unklar, so Moser. "Will man die Steuergerechtigkeit stärken, dann ist es notwendig, dass man das Steuersystem durchforstet, es einfacher macht und auf Wirkung ausrichtet", sagte der RH-Chef.

 

 

SN – 12. Mai 2014

Die Lehrer sollenlänger unterrichten

Wien. Rechnungshofpräsident Josef Moser sieht Nachbesserungsbedarf bei den Budgetplänen der Regierung. Moser warnt vor „Risiken" bei Einnahmen und Ausgaben und fordert rasche Strukturreformen. „Will man die Leistungen nicht kürzen, sind Reformen nötig", sagt Moser. Er empfiehlt das Durchforsten von Steuerausnahmen sowie, dass die Lehrer mehr Zeit in der Klasse verbringen sollen.

Als Risikobereiche macht Moser die Budgets für Bildung und Pensionen aus. Die Ausgaben für Bildung, Forschung, Kunst und Kultur sind von 2009 bis 2013 um 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen, bis 2018 sollen es nur noch 0,9 Prozent sein. Für Bildung ist überhaupt nur ein Plus von 0,7 Prozent jährlich vorgesehen. Wie dies erreicht werden soll, ist aus Mosers Sicht aber noch unklar: „Diesen reduzierten Ausgabenanstieg wird man nur mit Strukturreformen schaffen."

Moser bringt daher eine Erhöhung der Lehrverpflichtung ins Spiel. Er argumentiert, dass Österreich im internationalen Vergleich zwar viele Lehrer habe, diese aber vergleichsweise wenig Zeit in der Klasse verbrächten. Für Moser wäre es daher „gerechtfertigt, über eine Erhöhung der Lehrverpflichtung nachzudenken". Zudem kritisiert er das Fehlen einer Arbeitszeitaufzeichnung für Lehrer und dass teures Lehrpersonal auch für Verwaltungstätigkeiten eingesetzt wird.

Als Risikobereich sieht Moser die Kosten für das Pensionssystem. Diese sollen bis 2018 um 3,7 Prozent pro Jahr steigen. Dies liegt zwar deutlich über dem Wachstum der sonstigen Ausgaben (1,3 Prozent), kann aber nur gehalten werden, wenn der geplante Anstieg des Antrittsalters um 1,7 Jahre gelingt. Daher sei das Pensionsbudget „sehr, sehr optimistisch geplant", warnt Moser. Gelinge das höhere Antrittsalter nicht, drohe bis zu 2,36 Mrd. Euro Mehrbelastung.

 

 

Österreich – 12. Mai 2014

 

 

"Werde Konsequenzen ziehen"

Heinisch-Hosek will Matura-Chaos stoppen

Heinisch-Hosek hält an 63-Prozent-Hürde bei Zentralmatura fest & will Bifie neu organisieren.

 

Nachdem es an fünf Schulen bei der Zentralmatura zu Pannen kam, wie das Bifie – Bildungsinstitut – per Briefen veröffentlichte, ist „meine Geduld am Ende", sagt SPÖ-Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek im ÖSTERREICH-Interview.

Sie warte die interne Revision ab und will dann – in spätestens einem Monat – „Konsequenzen ziehen".

Die nächste Zentralmatura – im Mai 2015 – wird dann wohl das Bildungsministerium abwickeln. Das Bifie dürfte zudem auch personell abgespeckt werden.

 

Was die Ministerin jetzt für Schulen plant
An der 63-Prozent-Hürde für die Englisch-Zentralmatura – hier hatte es die Missverständnisse gegeben – hält die SPÖ-Ministerin nach den Pannen „fest", sagt sie erstmals klar im ÖSTERREICH-Gespräch. An Rücktritt denke sie nicht. Sie wolle „in meinem Ressort viel verändern", zeigt sie sich kampfeslustig.
 

"Werde Konsequenzen ziehen"

ÖSTERREICH: Nach den Pannen bei der Zentralmatura haben Sie bezüglich des Bifie gemeint, Sie hätten die „Nase voll". So angefressen?
Gabriele Heinisch-Hosek: Ja, ich bin sehr angefressen. Meine Geduld ist am Ende. Wir hatten seit Monaten mit dem Bifie ausgemacht, dass nach den letzten Pannen nur noch abgesprochen und mit einer Stimme mit unserem Ministerium gesprochen wird. Das Bifie hat diese Vereinbarung bewusst gebrochen und mit seinen missverständlichen Briefen nur zur Verunsicherung von Schülern und Schülerinnen beigetragen. Das kann nicht sein.

ÖSTERREICH: Sie haben eine interne Revision beauftragt. Wird das Bifie aufgelöst?
Heinisch-Hosek: Von 48 Schulen hat es bei fünf Schulen Ärger mit Fragen gegeben. Das Bifie agiert mit seiner missverständlichen Kommunikation kontraproduktiv. Sie stellen sich als Bildungsinstitut selber ins Eck. Ich werde alles lückenlos kontrollieren. Und nach Vorliegen des Berichts werde ich Konsequenzen ziehen.

ÖSTERREICH: Wäre es nicht sinnvoller, die Zentralmatura von Ihrem Ministerium abwickeln zu lassen?
Heinisch-Hosek: Es hat bezüglich der Zentralmatura jahrelange Vorarbeiten des Bifie gegeben. Da gibt es Know-how. Die Frage ist, ob die technische Durchführung der Zentralmatura doch in unser Ministerium rückgeführt werden könnte. Ich werde alles tabulos diskutieren. Auch die Frage, ob es wirklich 180 Mitarbeiter im Bifie braucht. Ich bin die Letzte, die Arbeitsplätze abbauen will, aber ich will eine Redimensionierung. In den kommenden 12 Monaten bis zur nächsten Zentralmatura werde ich alle Kritikpunkte am Bifie, die ich aus Schulen gehört habe, aufarbeiten. Da muss einiges passieren.

ÖSTERREICH: Werden Sie die 63-Prozent-Hürde für die positive Beurteilung bei der Englisch-Zentralmatura zurücknehmen?
Henisch-Hosek: Nein, ich bleibe bei der 63-Prozent-Hürde. Die Validität der Matura darf nicht gefährdet werden. Die verschiedenen Texte der Matura werden unterschiedlich bewertet. Der Schlüssel ist klar erklärt. Eine Expertengruppe hatte das genau evaluiert. Ich werde das wegen der Pannen vom Bifie nicht über den Haufen werfen. Das wäre den Schülern und Lehrern gegenüber unfair.

ÖSTERREICH: Waren die letzten Monate mit all den Troubles im Schulbereich nicht sehr mühsam für Sie?
Heinisch-Hosek: Natürlich war das eine mühsame Zeit. Aber ich werde diese Baustellen bewältigen.

ÖSTERREICH: Sie sollen in einem Gespräch mit dem Bundeskanzler Ihren Rücktritt angeboten haben?
Heinisch-Hosek: Das sind einfach Gerüchte. Ich denke nicht an Rücktritt. Ich werde bleiben und alles aufarbeiten. Ich führe täglich Gespräche mit meinem Bundeskanzler und freue mich über die Unterstützung, die ich von ihm erhalte. Ich will in meinem Ressort etwas verändern.

ÖSTERREICH: Ein sehr schwieriges Ressort, in dem Ihnen auch die Lehrergewerkschaft viele Hürden baut, oder?
Heinisch-Hosek: Natürlich ist es ein sehr heterogenes Ressort mit sehr unterschiedlichen Interessen. Ich komme aus dem Bildungsbereich und weiß, dass viele Lehrer nicht so denken wie jene, die sie in der Lehrergewerkschaft vertreten. Ich bin auch dabei, einen Prozess aufzusetzen, der Kostentransparenz zum Ziel hat. Auch da lasse ich mich nicht beirren.

ÖSTERREICH: Und wie geht es bezüglich der Sparpläne mit den Ländern weiter?
Heinisch-Hosek: Wir werden Anfang Juni den nächsten Gipfel dazu haben. Ich habe gezeigt, dass ich immer offen für gute Vorschläge bin. Mir geht es jetzt darum, dass wir absurde Mehrfachgleisigkeiten wegbekommen. Die Länder sind da durchaus bereit, ihren Beitrag zu leisten. Nach den kleineren und größeren Katastrophen der letzten Monate in unserem Bereich ist es jetzt Zeit für einen Neustart.

 

 

"Österreich" vom 12.05.2014                                   Seite 8

Ressort: Politik

 

Wien, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark, Kärnten, Tirol, Vorarlberg, Salzburg

 

Neuer Schul-Aufreger

 

Lehrer sollen länger arbeiten

 

Rechnungshof prescht vor

 

Wird es jetzt für die Lehrer doch ernst? Der Rechnungshof will ihre Arbeitszeit erhöhen.

 

Wien. Der Grund des Vorstoßes von Rechnungshof-Präsident Josef Moser ist leicht erklärt: Der Prüfer der Nation traut -wie übrigens auch die EU -den Budgetzahlen von Finanzminister Michael Spindelegger nicht: Es gebe "Risiken" bei Einnahmen und Ausgaben. Moser fordert deshalb rasche Strukturreformen. "Will man die Leistungen des Staates nicht kürzen, sind Reformen nötig", sagt er.

 

AHS-Lehrer arbeiten nur 607 Stunden im Jahr!

 

Lehrer: Der Rechnungshof fordert deshalb eine höhere Arbeitszeit für die Lehrer: Österreich habe im internationalen Vergleich zwar viele Lehrer -diese verbringen aber vergleichsweise wenig Zeit in der Klasse. So arbeiten laut einer OECD-Studie AHS-Lehrer etwa 607 Stunden im Jahr -der OECD-Schnitt liegt bei 709. Moser geht daher davon aus, "dass es gerechtfertigt wäre, über eine Erhöhung der Lehrverpflichtung nachzudenken". Moser kritisiert auch das Fehlen einer Arbeitszeitaufzeichnung für Lehrer und dass teures Lehrpersonal für Verwaltungstätigkeiten eingesetzt wird.

 

Moser will auch bei den Bundesländern sparen

 

Länder: Doch auch die Länder nimmt Moser jetzt ins Visier. Dabei geht es um jene Lehrer, die die Länder über den mit dem Unterrichtsministerium vereinbarten Stellenplan hinaus anstellen. Die Kosten liegen demnach bei 56.000 Euro pro Lehrer, von den Ländern übernommen würden aber nur 39.000. "Die Differenz zahlt der Bund. Damit wird derjenige belohnt, der sich nicht an die Vorgaben hält", kritisiert der RH-Präsident.

 

 

"Österreich" vom 12.05.2014                                   Seite 9

Ressort: Politik

 

Wien, Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland

 

 

Schulen: SPÖ ist gegen Verländerung

 

Reform. SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann spricht sich gegen eine Zersplitterung des Schulsystems aus.

 

 

Der Standard – 12. Mai 2014

 

 

Elternvertreter stellen Zentralmatura auch 2015 infrage

Nach Pannen bei Generalprobe heftige Kritik am Bifie und dem Unterrichtsministerium

Wien - Nach den in der Vorwoche aufgetretenen Pannen bei der "Generalprobe" zur Zentralmatura hegen Elternvertreter Zweifel, dass das Prestigeprojekt von Unterrichtsministerium und Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) im Jahr 2015 flächendeckend an allen AHS durchgeführt werden kann.

Alexandra Lugert, die als eine der beiden Vertreterinnen des Familienbunds im Elternbeirat des Ministeriums sitzt, sagte dem Standard: "Wir hatten immer Zweifel, dass das korrekt umgesetzt werden kann - deshalb hat sich der Elternbeirat ja dafür eingesetzt, dass die Zentralmatura um ein Jahr verschoben wird. Dabei hat man uns immer schöne Präsentationen gezeigt, und die damalige Ministerin Claudia Schmied hat erklärt, dass angeblich alles ganz toll läuft."

Ungewisse Zukunft

Schmieds Nachfolgerin Gabriele Heinisch-Hosek hat nach der Pannenserie im Bifie erklärt, die Nase voll zu haben (der Standard berichtete), wie die Zukunft der Zentralmatura aussehen wird, ist offen.

Lugert, deren Sohn heuer maturiert, kritisiert einen "großangelegten Versuch, bei dem unsere Kinder zu Versuchskaninchen gemacht werden". Die Verantwortlichen für den Versuch würden aber nicht zur Verantwortung gezogen, weil das Bifie "als ausgegliederter und viel zu teurer Apparat Zugriffsschutz genießt. Das Bifie schafft es ja nicht einmal für die paar Schulen, die heuer an der Generalprobe teilgenommen haben, die richtigen Aufgaben in die richtigen Kuverts zu stecken." Die Kritik des mehr als 34.000 Mitglieder starken Familienbunds macht sich aber nicht nur an der Durchführung fest, sondern auch an der Vorbereitung der Schüler auf die Zentralmatura: Zumindest der Lehrplan der ganzen Oberstufe, besser aber auch der der Unterstufe, müsse darauf abstellen.

 

 

Wiener Zeitung – 12. Mai 2014

 

Zentralmatura

Heinisch-Hosek hat "die Nase voll"

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Bildungsministerin verschärft Kritik an Bifie.

 

Innsbruck/Wien. Schwerwiegende Management- und Kommunikationsfehler lastet Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nach den jüngsten Pannen bei der Zentralmatura den Verantwortlichen des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) an. Sie kündigte eine interne Revision an.

"Ich habe die Nase voll und kann das nicht mehr länger akzeptieren", sagte Heinisch-Hosek am Freitag am Rande einer Veranstaltung der SPÖ-Frauen in Innsbruck. Man müsse nun "tabulos" diskutieren, damit die Zentralmatura kommendes Jahr ohne Probleme vonstattengehen könne. Mit Ergebnissen der internen Revision sei in zwei bis vier Wochen zu rechnen. "Dann entscheide ich", meinte die Ministerin.

Vor allem ein Dorn im Auge war Heinisch-Hosek die Kommunikationspolitik des Bifie. Es sei "sehr schlampig" und teilweise unabgesprochen mit dem Ministerium kommuniziert worden. Insbesondere bei der Englisch-Zentralmatura läge das Problem rein an diesen Kommunikations-Defiziten, so die Bildungsministerin.

Bezüglich der Bandbreite beim Beurteilungsschlüssel in den Fremdsprachen habe ihr eine Expertenkommission mitgeteilt, dass die Bewertung so stattfinden könne. Auf die Frage, ob die 63 Prozent-Hürde für eine positive Beurteilung ausgesetzt werde, meinte die Ministerin, dass man auch das in "aller Ruhe" zu entscheiden habe. Sie wolle aber die nun vorliegenden Ergebnisse nicht verfälschen, indem sie die Schlüssel jetzt ändere.

Einer kompletten Auflösung des Bifie wollte Heinisch-Hosek am Freitag nicht das Wort reden. Sie sei jedoch für eine "Redimensionierung" der Einrichtung. Schließlich hätten etwa die zwei vorhandenen Standorte für "Unübersichtlichkeit" gesorgt. Gegenüber der APA erklärte sie, dass die Frage einer möglichen Durchführung der Zentralmatura durch das Ministerium selbst - wie von den Grünen gefordert - im Zuge der "Redimensionierung" diskutiert werden solle. Dabei gelte es herauszufinden, wo das Ministerium selber tätig werden könne. Einen Rücktritt schloss die Ministerin kategorisch aus.

 

 

Heute – 12. Mai 2014

 

 

Grauzone bei Bewertung

Matura-Chaos: Wie die Lehrer benoten

 

Ab wie vielen Punkten ist die Englisch-Zentralmatura positiv? Nach dem Chaos um den Notenschlüssel beschäftigt diese Frage viele Schüler und Eltern.

"Heute" hat bei Paul Kimberger, dem Chef der Lehrergewerkschaft, nachgefragt. Er geht davon aus, dass "von 60 bis 63­ Prozent" die Lehrer entscheiden. "Wenn ein Schüler in diesem Bereich liegt, schaut man sich das genau an."

Nach Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SP) übt auch Kimberger scharfe Kritik am Bundesinstitut Bifie, das die Matura durchführt. "Die Pannenserie, die da passiert ist, ist unglaublich." Das Bifie arbeite "unprofessionell" und "dilettantisch". Man müsse sich überlegen, ob das Bifie weiter für die Matura zuständig sein sollte.

Am Freitag hatte Heinisch- Hosek nach einer Panne bei der Mathematik-Matura gesagt, sie habe "die Nase voll".

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 12.05.2014             Seite: 6

Ressort: Leserdialog

 

 

Ministerin hat die Nase voll...

 

   Ministerin hat die Nase voll

 

   Was sich diese "Experten" im BIFIE leisten, spottet jeder Beschreibung. Um weiteren Schaden abzuwenden, kann nur die Auflösung dieses Institutes empfohlen werden. Welchen Nutzen hat es gebracht, auf welche Erfolge kann es verweisen? Schade um die Millionen, die investiert wurden.

 

   Wer trägt die politische Verantwortung für dieses Desaster? Frau Schmied, die das BIFIE für ihre Bildungspolitik instrumentalisiert hat, zog sich aus der Politik zurück, Frau Heinisch-Hosek zeigt sich zwar über die Vorgänge empört und verlangt lückenlose Aufklärung, persönliche Konsequenzen schließt sie freilich aus.

 

   Wie war das in dem Zeitalter vor BIFIE? Hörte man von derartigen Pannen, als die Lehrer die Prüfungsaufgaben in sorgfältiger und seriöser Art und Weise unter begleitender Kontrolle von Direktion und Landesschulrat erstellten? Einmal mehr zeigt sich, das nicht jede Reform, jede Neuerung a priori zu einer Besserung führen müssen.

 

   Mag. Gerald Gruber, Seitenstetten

 

 

"Österreich" vom 11.05.2014                                   Seite 7

Ressort: Politik

 

INTERVIEW: Isabelle Daniel

 

Wien, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Burgenland, Tirol, Vorarlberg

 

Heinisch-Hosek: »Bin angefressen, Geduld am Ende«

 

ÖSTERREICH: Nach den Pannen bei der Zentralmatura haben Sie bezüglich des Bifie gemeint, Sie hätten die "Nase voll". So angefressen?

 

GaBRIElE HEInISCH-HoSEk: Ja, ich bin sehr angefressen. Meine Geduld ist am Ende. Wir hatten seit Monaten mit dem Bifie ausgemacht, dass nach den letzten Pannen nur noch abgesprochen und mit einer Stimme mit unserem Ministerium gesprochen wird. Das Bifie hat diese Vereinbarung bewusst gebrochen und mit seinen missverständlichen Briefen nur zur Verunsicherung von Schülern und Schülerinnen beigetragen. Das kann nicht sein.

 

ÖSTERREICH: Sie haben eine interne Revision beauftragt. Wird das Bifie aufgelöst?

 

HEInISCH-HoSEk: Von 48 Schulen hat es bei fünf Schulen Ärger mit Fragen gegeben. Das Bifie agiert mit seiner missverständlichen Kommunikation kontraproduktiv. Sie stellen sich als Bildungsinstitut selber ins Eck. Ich werde alles lückenlos kontrollieren. Und nach Vorliegen des Berichts werde ich Konsequenzen ziehen.

 

ÖSTERREICH: Wäre es nicht sinnvoller, die Zentralmatura von Ihrem Ministerium abwickeln zu lassen?

 

HEInISCH-HoSEk: Es hat bezüglich der Zentralmatura jahrelange Vorarbeiten des Bifie gegeben. Da gibt es Know-how. Die Frage ist, ob die technische Durchführung der Zentralmatura doch in unser Ministerium rückgeführt werden könnte. Ich werde alles tabulos diskutieren. Auch die Frage, ob es wirklich 180 Mitarbeiter im Bifie braucht. Ich bin die Letzte, die Arbeitsplätze abbauen will, aber ich will eine Redimensionierung. In den kommenden 12 Monaten bis zur nächsten Zentralmatura werde ich alle Kritikpunkte am Bifie, die ich aus Schulen gehört habe, aufarbeiten. Da muss einiges passieren.

 

ÖSTERREICH: Werden Sie die 63-Prozent-Hürde für die positive Beurteilung bei der Englisch-Zentralmatura zurücknehmen?

 

HEnISCH-HoSEk: Nein, ich bleibe bei der 63-Prozent-Hürde. Die Validität der Matura darf nicht gefährdet werden. Die verschiedenen Texte der Matura werden unterschiedlich bewertet. Der Schlüssel ist klar erklärt. Eine Expertengruppe hatte das genau evaluiert. Ich werde das wegen der Pannen vom Bifie nicht über den Haufen werfen. Das wäre den Schülern und Lehrern gegenüber unfair.

 

ÖSTERREICH: Waren die letzten Monate mit all den Troubles im Schulbereich nicht sehr mühsam für Sie?

 

HEInISCH-HoSEk: Natürlich war das eine mühsame Zeit. Aber ich werde diese Baustellen bewältigen.

 

ÖSTERREICH: Sie sollen in einem Gespräch mit dem Bundeskanzler Ihren Rücktritt angeboten haben?

 

HEInISCH-HoSEk: Das sind einfach Gerüchte. Ich denke nicht an Rücktritt. Ich werde bleiben und alles aufarbeiten. Ich führe täglich Gespräche mit meinem Bundeskanzler und freue mich über die Unterstützung, die ich von ihm erhalte. Ich will in meinem Ressort etwas verändern.

 

ÖSTERREICH: Ein sehr schwieriges Ressort, in dem Ihnen auch die Lehrergewerkschaft viele Hürden baut, oder?

 

HEInISCH-HoSEk: Natürlich ist es ein sehr heterogenes Ressort mit sehr unterschiedlichen Interessen. Ich komme aus dem Bildungsbereich und weiß, dass viele Lehrer nicht so denken wie jene, die sie in der Lehrergewerkschaft vertreten. Ich bin auch dabei, einen Prozess aufzusetzen, der Kostentransparenz zum Ziel hat. Auch da lasse ich mich nicht beirren.

 

ÖSTERREICH: Und wie geht es bezüglich der Sparpläne mit den Ländern weiter?

 

HEInISCH-HoSEk: Wir werden Anfang Juni den nächsten Gipfel dazu haben. Ich habe gezeigt, dass ich immer offen für gute Vorschläge bin. Mir geht es jetzt darum, dass wir absurde Mehrfachgleisigkeiten wegbekommen. Die Länder sind da durchaus bereit, ihren Beitrag zu leisten. Nach den kleineren und größeren Katastrophen der letzten Monate in unserem Bereich ist es jetzt Zeit für einen Neustart.

 

 

"Kronen Zeitung" vom 10.05.2014                            Seite: 2/3

Ressort: Politik

 

Vbg, Wi, Abend, Bgld, Ktn, Wi, N.Ö., O.Ö., Sbg, Stmk, Ti, Vbg, Wi, Morgen

 

Prüfung an einigen

 

Schon wieder Panne bei Zentralmatura

 

Wien. - Das Chaos rund um die Zentralmatura nimmt kein Ende. Nach dem Wirbel um den strengeren Notenschlüssel musste die Mathematik-Prüfung an einigen Schulen unterbrochen werden, da zwei Drittel der Aufgaben fehlten. Endlich reagiert Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek und kündigt Konsequenzen beim zuständigen Bildungsinstitut an.

 

   Schon wieder eine Panne bei der Zentralmatura: In einigen Schulen fehlten zwei Drittel der Mathematik-Aufgaben.

 

   Ausgerechnet in Mathematik, dem absoluten Angstfach der meisten Schüler, passierte die nächste Panne bei der Zentralmatura. In einigen Wiener Gymnasien musste die Prüfung unterbrochen werden, weilDORIS VETTERMANNnur ein Drittel der Aufgaben vorhanden war. Das verantwortliche Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) sprach von einem "Fehldruck in einigen Testpaketen". Die Direktoren mussten die restlichen Aufgaben aus dem Internet herunterladen und kopieren.

 

   Es war nicht der erste Schnitzer, den sich das BIFIE leistete - die Pannen reichen vom Datenleck bis zum Notenchaos bei der Englisch-Matura -, und so verwundert es auch nicht, dass die Kritik an dem Institut immer lauter wird und auch ein Köpferollen gefordert wird. Endlich reicht es jetzt auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek: "Ich habe es satt." Sie will nun nicht mehr länger zusehen und kündigt eine interne Prüfung sowie Konsequenzen an.

 

   FPÖ fordert nun Rücktritt von Heinisch-Hosek

 

   Die FPÖ verlangt den Rücktritt der Unterrichtsministerin sowie die Auflösung des "Millionen Euro teuren und unnötigen" BIFIE. Die Grünen orten eine "unfassbare Schlamperei" und fordern, dass dem in Verruf geratenen Bildungsinstitut die Durchführung der Zentralmatura entzogen wird.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 10.05.2014                             Seite: 10

Ressort: Tribüne

 

THOMAS GÖTZ

 

Steiermark

 

LEITARTIKEL

 

Wie sich eine wichtige Institution selbst ruiniert

 

Das Bifie braucht dringend eine Runderneuerung.

 

   Man kann die heftigen Reaktionen auf die jüngste Panne im Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) übertrieben finden. An fünf Wiener Schulen fanden die Maturanten acht statt 24 Mathematikbeispiele im Kuvert, das ihnen für die Zentralmatura ausgehändigt worden war. Die fehlenden Fragen konnten alsbald nachgeliefert werden. Soll nichts Schlimmeres passieren.

 

   Was solche Milde übersieht, ist die enorme Anspannung der jungen Leute, die auf dem Prüfstand stehen. Die Gedankenlosigkeit irgendeines Institutsmitarbeiters verlängert die ohnedies schon quälende Prüfungssituation unnötig und zeigt wieder einmal, dass in der ausgegliederten Bildungseinrichtung nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet wird.

 

   Für das Bifie könnte diese letzte Panne lebensbedrohlich sein. Die wütende Reaktion der Ministerin deutet darauf hin, dass die Grenzen ihrer Geduld ausgereizt sind. Nach den vorangegangenen Fehlern verheißt die Ankündigung „tabulosen" Vorgehens den Mitarbeitern des Instituts nichts Gutes. Der Kärntner Landesschulratspräsident fordert gar die Schließung des Hauses, detto die FPÖ. Die Grünen reden von „Redimensionierung".

 

   Die ersten Schwächen zeigte das Bifie schon unter Ministerin Claudia Schmied, der das Institut seine Existenz verdankt. Die Zentralmatura, eines der großen Prestigeprojekte der Ministerin, musste zur Freude all ihrer Gegner verschoben werden.

 

   Um die letzte Jahreswende herum sickerte die Nachricht vom Datenleck beim Bifie durch. Auf einem Server in Rumänien gelagerte Daten von Pisa-Testreihen österreichischer Schulen waren zum Schrecken der Direktoren frei zugänglich. Das ermöglichte theoretisch den direkten Vergleich von Schulen, Schülern und Klassen. Der Datenwust sagte in Wahrheit zwar nur Eingeweihten etwas, der Vertrauensverlust aber war passiert.

 

   Der Ärger um die Benotungskriterien für die zentrale Englischmatura frischte die Erinnerung an alte Fehlleistungen auf. Das Bifie konnte zwar auf Kleingedrucktes verweisen, eine angemessene Informationspolitik in einer so heiklen Frage wie der Grenze zwischen Sein und Nichtsein eines Maturanten sieht so nicht aus.

 

   Die Teilnahme am Pisa-Test auszusetzen, war eine erste Überreaktion der Ministerin. Die Idee, das Bifie überhaupt zu schließen, schießt noch weiter über das Ziel hinaus. Jemand muss die internationalen Vergleichstests ja durchführen. Also bleibt nur eines: neu gründen – gleich nach der Matura.

 

   Sie erreichen den Autor unter

 

   thomas.goetz@kleinezeitung.at

 

 

"Kleine Zeitung" vom 10.05.2014                              Seite: 4

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

„Ich habe die Nase voll"

 

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat genug von den Pannen des Bildungsforschungs-instituts Bifie und will es intern prüfen lassen.

 

   An fünf Wiener Schulen war am Freitag das Kuvert mit den Mathematik-Maturaaufgaben nur unvollständig bestückt. Statt der geplanten 24 Beispiele fanden die Prüflinge lediglich acht vor. Der Test musste unterbrochen werden, um die fehlenden Texte auszudrucken. Erst dann konnte die Prüfung fortgesetzt werden.

 

   Nach dieser dritten Panne des Bifie in relativ kurzer Zeit reagierte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek sehr gereizt. „Ich habe die Nase voll und kann das nicht mehr länger akzeptieren." Sie kündigte an, die Sache „tabulos" zu prüfen. In zwei bis vier Wochen rechne sie mit den Ergebnissen einer internen Revision.

 

   Unterdessen hagelte es bereits gute Vorschläge. Die Grünen schlagen vor, eine hoheitliche Aufgabe wie die Zentralmatura im Ministerium selbst abzuwickeln und nicht dem ausgelagerten Bifie anzuvertrauen. Die FPÖ ging noch weiter. Sie verlangt die Schließung des Bifie und den Rücktritt der Ministerin.

 

   In der Steiermark und Kärnten hat es – entgegen anderslautenden Gerüchten – keine Pannen gegeben. Dennoch ist Kärntens Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger schlecht auf das Bifie zu sprechen. „Zuerst der veränderte Notenschlüssel bei der Englisch-Matura und jetzt die Probleme in Mathematik in mehreren österreichischen Schulen, das ist zu viel", sagt Altersberger. „Solche Fehler bei so wichtigen Terminen auf Kosten der Schüler dürfen einfach nicht passieren." Wenn ein Lehrer so versagte, würde er vor die Disziplinarkommission gezerrt, sagt der Landesschulratschef. Altersberger fordert die Auflösung des Bifie. „Wenn eine Organisation am zuständigen Ministerium vorbei ein so fehlerhaftes Eigenleben entwickelt, muss man dessen Existenzberechtigung hinterfragen", sagt Altersberger.

 

   Die steirische Landesschulratspräsidentin, Elisabeth Meixner, zieht nach dem einwöchigen Probegalopp in Sachen Zentralmatura insgesamt eine positive Bilanz. „Das Bifie hat alles gut vorbereitet, im Vorfeld gut erklärt und informiert. An den steirischen Schulen ist alles reibungslos verlaufen."

 

   Verraucht ist auch der Ärger um die Leistungsbeurteilungsregelung in Englisch. Eltern, Lehrer und Schüler hatten sich ja empört, dass man 63 statt – wie zunächst angekündigt – 60 Prozent richtig haben musste, um positiv zu sein. Meixner: „Das hat das Bifie schlecht kommuniziert." Es sei aber gut, dass man hier eingelenkt habe und das nicht strikt mit den 63 Prozent durchziehe.JOCHEN HABICH, BERND HECKE

 

 

"Die Presse" vom 10.05.2014                                Seite: 6

Ressort: Inland

 

Österreich, Abend, Österreich, Morgen

 

Zentralmatura: BIFIE droht das Aus

 

   Pannenserie. Die Bildungsministerin kündigt nach den jüngsten Problemen mit der Mathematik-matura Konsequenzen an. Diese wird es auch brauchen, um das Projekt noch zu retten.

 

   von Bernadette Bayrhammer Und Christoph Schwarz

 

   Wien. Bei den Maturanten des Akademischen Gymnasiums im ersten Wiener Bezirk war die jüngste Panne des BIFIE bei der Mathematik-Zentralmatura rasch wieder vergessen. Als die Schüler zu Mittag die Schule verließen, überwog die Erleichterung darüber, dass sie eine der letzten großen Prüfungen ihrer Schullaufbahn hinter sich gebracht hatten. Dass die Matura erst mit 45 Minuten Verspätung starten konnte, weil das Bildungsinstitut BIFIE (wie auch an vier anderen Schulen) nur ein Drittel der Prüfungsaufgaben übermittelt hatte, war da kein Gesprächsthema mehr.

 

   Anders bei den Lehrern, die den Morgen damit verbracht hatten, Beispiele aus dem Internet herunterzuladen, Zettel auszudrucken und zu kopieren. "Die ganze Woche war von Pannen seitens des BIFIE geprägt", sagt Schuldirektorin Katalin Novotny-Török. Tatsächlich sorgten in den vergangenen Tagen bereits ein geänderter Benotungsschlüssel in den Fremdsprachen Englisch und Französisch sowie eine umstrittene Textauswahl bei der Deutschmatura für größere Aufregung.

 

   Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zeigte sich am Freitag weniger gnädig mit dem BIFIE als die Schüler. Ganz im Gegenteil: "Es ist genug, da ist zu viel passiert", sagte die Ministerin am Freitag. "Ich habe die Nase voll und kann das nicht mehr länger akzeptieren." Beim BIFIE seien "schwerwiegende Fehler" passiert. Es habe nicht zuletzt "sehr schlampig", teils unabgesprochen kommuniziert. Eine interne Untersuchung soll nun zutage bringen, was passiert ist. In zwei bis vier Wochen sei mit Ergebnissen der Revision zu rechnen. "Dann entscheide ich", so die Ministerin.

 

   Geschichte der Pannen

 

   Die jüngsten Fehler sind nur ein Kapitel mehr in einer pannenreichen Geschichte. So musste wegen der mangelhaften Vorbereitung des BIFIE die Zentralmatura bereits einmal um ein Jahr verschoben werden. Der Skandal um Schülerdaten, die auf einem öffentlich zugänglichen rumänischen Server landeten, war Anfang dieses Jahres einer weiterer unrühmlicher Höhepunkt.

 

   Die beiden BIFIE-Chefs könnten die gesammelten Vorfälle nun endgültig den Job kosten. Doch nicht nur die Spitze des Instituts dürfte zur Disposition stehen - die Konsequenzen könnten deutlich weiter gehen. So spricht Heinisch-Hosek von "Redimensionierung" und lässt anklingen, dass einer der beiden Standorte - Wien und Salzburg - eingestellt werden könnte. Sie will auch diskutieren, ob die Agenden rund um die Zentralmatura - so wie Grüne und Lehrer das fordern - dem BIFIE weggenommen und ins Ministerium eingegliedert werden könnten.

 

   Das wiederum könnte einen Schritt hin zu einem kompletten Aus für das Institut bedeuten. Nicht nur der Rechnungshof hat bereits Ende 2012 dessen Notwendigkeit infrage gestellt. In den vergangenen Monaten haben sich bereits andere Institutionen angetragen, die Aufgaben des BIFIE zu übernehmen. So wollte etwa die Uni Salzburg künftig den PISA-Test ausrichten. Die Evaluierung der Neuen Mittelschule ist dem BIFIE bereits vor einigen Monaten aus der Hand genommen worden.

 

   Vor einer Entscheidung sollen die Schüler nun noch die Möglichkeit haben, ihre Matura in Ruhe zu Ende zu bringen. Kommende Woche stehen die Prüfungen in Italienisch, Latein und Griechisch an. Die Zentralmatura als solche stellt die Ministerin derzeit nicht zur Debatte.

 

 

"Kurier" vom 10.05.2014                                   Seite: 27

Ressort: Leben

 

Länder, Morgen

 

Wieder Panne bei Zentralmatura

 

Mathematik.In Testheften fehlten Aufgaben. Heinisch-Hosek will jetzt eine "Überprüfung ohne Tabus"

 

   von Ute BrühlDas nennt man einen Lauf. Martin Netzer, der als bifie-Direktor für die Umsetzung der Zentralmatura verantwortlich ist, schießt derzeit ein Eigentor nach dem anderen. Anfang der Woche zog er sich den Unmut der Lehrer und Schüler zu, weil er den Notenschlüssel in den Fremdsprachen geändert hatte. Am Freitag passierte der nächste Patzer. Bei der Mathe-Prüfung befanden sich an fünf Wiener Schulen in den bifie-Testbögen nur acht von 24 Aufgaben.

 

   Die Matura wurde daraufhin unterbrochen und erst fortgesetzt, nachdem die Direktoren die restlichen Aufgaben aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt hatten.

 

   Für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) war dieser Zwischenfall ein Panne zu viel: "Ich habe die Nase voll und will jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Es wird sowohl die Reifeprüfung als auch das verantwortliche Bundesinstitut für Bildungsforschung (bifie) und dessen Management ohne Tabus überprüft." Allerdings will sie noch bis Mittwoch warten: "Jetzt soll erst einmal die Zentralmatura für die Schüler in Ruhe zu Ende gehen." Bis Mittwoch stehen noch Italienisch, Latein und Griechisch auf dem Prüfungsplan.

 

   Für die Schüler ist das alles wenig erfreulich: "Das sorgt für viel Unsicherheit und Aufregung", sagt Thomas Gaar von der Schülerunion. Deutlicher wird Elternvertreter Theodor Saverschel: "Die Schüler werden zu Versuchskaninchen. Das ist die größte Frechheit, die hier passiert." Nachsatz: "Gibt es denn beim bifie überhaupt keine Qualitätssicherung?"

 

   "Schlamperei"Kritik kommt nicht nur von den Schulpartnern, sondern auch von der Opposition. Harald Walser (Grüne) spricht von einer "unfassbaren Schlamperei. Jetzt ist endgültig klar, dass das bifie nicht länger mit der Reifeprüfung betraut werden kann. Dafür muss das Ministerium zuständig sein." Walser plädiert dafür, "dass bei der Beurteilung die erschwerenden Umstände berücksichtigt werden, unter denen die Prüfung stattgefunden hat."

 

   Süffisant kommentiert Walter Rosenkranz (FP) das Chaos: "Wären die Maturanten so ,gut' auf die Matura vorbereitet wie das bifie, müssten wir uns auf viele Wiederholungsantritte im Herbst einstellen."

 

   Die Schüler an den 48 Schulen, die schon heuer zur Mathe-Zentralmatura angetreten sind, fühlen sich jedenfalls von ihren Lehrern gut vorbereitet. Robert Szathmari, Schüler des Stiftgymnasium St. Paul in Kärnten, berichtet: "Wir haben die Grundkompetenzen im Unterricht oder in Online-Foren häufig wiederholt."

 

   Trotz aller Vorbereitung hat Miriam Sagmeister ihre Bedenken. Die Schülerin der AHS Klusemannstraße in Graz bestätigt zwar, "dass sich Direktion und Lehrer im Vorfeld sehr engagiert haben, damit die Mathe-Zentralmatura ein Erfolg wird". Doch wie die Prüfung verlaufen ist, sei für sie schwierig einzuschätzen: "Einige Teil-1-Aufgaben, die die Grundkompetenzen überprüfen, waren sehr leicht. Andere hingegen waren sehr knifflig. Zudem war die Zeit in diesem Teil sehr knapp. Anders im Teil 2 - da hatten alle ausreichend Zeit, so dass jeder vorzeitig abgegeben hat."

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 10.05.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Matura: Ministerin hat nach Pannen "die Nase voll"

 

   Testbögen bei Mathematik-Matura fehlten - Bifie-Prüfung kommt

 

   Von Jasmin Bürger

 

   WIEN. Eine Überraschung brachte die gestrige Mathematik-Matura für einige Prüflinge: Statt der erwarteten 24 Fragen fanden sie lediglich acht in ihrem Aufgabenheft. Kein Lehrerstreich, sondern eine weitere Panne bei der seit Montag laufenden Zentralmatura (die OÖNachrichten berichteten).

 

   Fünf Wiener AHS hatten unvollständige Testbögen bekommen. Zumindest ihre Aufgaben bekamen die Schüler rasch nachgeliefert - das Bifie übermittelte den Schulen die entsprechenden Blätter zum Ausdrucken. Wie die Schüler unter diesen Umständen abschnitten, wird sich zeigen.

 

   "Ich habe die Nase voll und kann das nicht länger akzeptieren": So reagierte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) gestern auf die neuerliche Panne. Nach Ende des Testlaufs (nächste Woche wird an einigen Schulen noch Latein, Italienisch und Griechisch geprüft) würden sowohl die Zentralmatura als auch das verantwortliche Bifie "ohne Tabus geprüft". In spätestens vier Wochen rechnet Heinisch-Hosek mit Ergebnissen dieser internen Revision. "Dann entscheide ich", sagte sie. Eine "Redimensionierung" des derzeit auf zwei Standorte verteilten Bifie sei möglich.

 

   Bifie-Direktor: Fehler gemacht

 

   Der zuständige Bifie-Direktor, Martin Netzer, zeigte sich gestern im OÖNachrichten-Gespräch geknickt: "Das darf eigentlich nicht passieren", sagte er zu den unvollständigen Test-heften. "Wir prüfen, wo der Fehler passiert ist." Es habe Probedrucke gegeben, die Beispielhefte seien vom Bifie nach sorgfältiger Prüfung freigegeben worden.

 

   Verständnis zeigte Netzer für die Aufregung um den Notenschlüssel in lebenden Fremdsprachen: "Das wurde nicht ausreichend kommuniziert." Wie berichtet, liegt in Englisch heuer die Grenze zu einer positiven Note bei 63 Prozent der Punkte, bei bisherigen Testdurchläufen hatten 60 Prozent genügt. Forderungen, einen fixen Wert festzulegen, wies Netzer zurück. Hör- und Lesebeispiele seien unterschiedlich schwer, das müsse man berücksichtigen. Wie hoch der Anforderungswert ist, könne den Lehrern künftig aber vorab kommuniziert werden, so Netzer.

 

   Die Causa wird für Heinisch-Hosek immer brenzliger. Nachdem im Februar ein mögliches Datenleck beim Bifie aufgedeckt worden war, hatte sie alle vom Institut betreuten Tests (PISA, Bildungsstandards) gestoppt. Nach einer Überprüfung der Datensicherheit gab Heinisch-Hosek vor Ostern aber grünes Licht zumindest für die Zentralmatura.

 

   Die AHS-Lehrergewerkschaft forderte die Auflösung des Bifie, die Grünen verlangten, dass das Ministerium die Durchführung der Zentralmatura übernehmen soll. Die FPÖ forderte die Ministerin zum Rücktritt auf.

 

   In Mathematik führten 48 Schulen die Reifeprüfung mit zentraler Aufgabenstellung durch, am höchsten war die Teilnahmequote an der Generalprobe in Englisch. Ab nächstem Schuljahr soll die Zentralmatura an den AHS flächendeckend stattfinden.

 

   Ein Porträt von Bifie-Direktor Netzer lesen Sie auf Seite 4

----------------------------------

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 10.05.2014             Seite: 4

Ressort: Meinung & Menschen

 

 

Martin Netzer

 

Angezählter Maturamacher

 

Von Jasmin Bürger

 

   Als Martin Netzer vor dreizehn Monaten die Nachfolge von "Mr. Zentralmatura" Josef Lucyshyn antrat, sollte alles ganz anders werden: Mit dem 50-Jährigen und seinem neuen Co-Direktor Christian Wiesner sollte wieder Ruhe am etwas in Verruf geratenen Bildungsforschungsinstitut (Bifie) einkehren - Lucyshyn war von der damaligen Unterrichtsministerin Claudia Schmied wegen finanzieller Turbulenzen abgesetzt worden, ein kritischer Rechnungshofbericht stellte dem Bifie ebenfalls kein gutes Zeugnis aus.

 

   Ein Jahr später ist auch der neue "Mr. Zentralmatura" angeschlagen: Die vielen Pannen um den Testlauf für die neue Reifeprüfung, die Netzer noch im Dezember als "pipifein" geplant sah, sind der bisherige Höhepunkt einer Fehlerserie. Immerhin drückt sich Netzer nicht: Er wolle "nichts schönreden", sagt er. Die Kommunikation mit den Schulen, die die neue Matura heuer absolvierten, hätte besser laufen können, sagt er, der mit dem Versprechen, mehr mit den Schulpartnern zu kommunizieren, angetreten war. Beim Antritt im Vorjahr wirkte Netzer auch offen - dass er das Sprachrohr nach außen sein würde, war klar.

 

   Netzer, gebürtiger Montafoner, kann durchaus als Bildungsexperte bezeichnet werden. Dreizehn Jahre war er im Unterrichtsministerium, zuletzt als stellvertretender Sektionschef, zuständig für Erwachsenenbildung, davor freilich in einer ganz anderen Rolle: Er war Büroleiter der früheren Ressortchefin Elisabeth Gehrer. Seine VP-Mitgliedschaft soll nicht unwesentlich für die Bestellung gewesen sein (Wiesner gilt als SP-nahe), Netzer sagt über sich selbst, politisch nicht engagiert zu sein. Lange war er als Erwachsenenbildner an einer Wiener Volkshochschule, einen MBA in Public Management hat er auch absolviert.

 

   Bei seiner Kür bezeichnete der ledige und kinderlose Netzer den neuen Posten als "Traumjob". Das sieht er auch heute noch so, Herausforderungen seien ohnehin das seine. Bestellt wurde Netzer auf fünf Jahre - diese zu erfüllen, wird gerade zur nächsten Herausforderung. Das Ministerium hat eine Prüfung des Bifie-Managements angekündigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen