Dienstag, 13. Mai 2014

2014.05.14: Newsletter Bildung

Die Presse – 14. Mai 2014

 

 

Sind größere Klassen weiter möglich?

Die Sparpläne im Bildungsbereich, die eigentlich zurückgenommen werden sollte, sind formal noch immer gültig.

Die Debatte um die Sparmaßnahmen in den heimischen Schulen flammt wieder auf. Der ursprüngliche Plan von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) – in einigen Fächern größere Gruppen zuzulassen und weniger Lehrer an den Neuen Mittelschulen einzusetzen – ist nämlich formal noch aufrecht.

Heinisch-Hosek hat die Verordnungen zwar bereits schriftlich zurückgenommen, doch aus dem Finanzministerium gibt es die nötige Zustimmung noch nicht. Warum, ist derzeit unklar. Im Finanzministerium war gestern vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die BHS-Direktoren schlagen jedenfalls "Alarm", wie es in einer Aussendung heißt: Es "hängt weiterhin das Damoklesschwert des Sparens auf Kosten der Schülerinnen und Schüler und der Qualität der Ausbildung über den Schulen", kritisieren sie. "Das ist auch deswegen inakzeptabel, weil die derzeitige Rechtsunsicherheit eine seriöse Planung für das nächste Schuljahr massiv behindert, die eigentlich schon abgeschlossen sein sollte."

 

 

Die Presse – 14. Mai 2014

 

 

NS-Ideologie: Heinisch-Hosek will Maturatext prüfen

Bei der Deutsch-Zentralmatura soll ein Text mit NS-Ideologie vorgelegt worden sein - allerdings ohne den geringsten Hinweis auf den Nationalsozialismus.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wird nach der Aufregung um einen Text aus den Deutsch-Aufgaben für die Zentralmatura, der NS-Ideologie rechtfertigen soll, mit dem zuständigen Bildungsforschungsinstitut BIFIE über die Sache reden. Sie werde dieses Woche - nicht nur wegen dieses Textes - mit den beiden Direktoren zusammentreffen, sagte sie am Dienstag am Rande des Ministerrates.

BIFIE gesteht Fehler ein

Sowohl in der Formulierung der Matura-Aufgaben als auch in der Kommentierung für die Lehrer habe das BIFIE "die auf der Hand liegenden Konnotationen" des 1947 entstandenen Textes Hausmanns, der immerhin unter anderem Mitarbeiter der NS-Wochenzeitung "Das Reich" gewesen sei, komplett ausgeklammert, kritisiert die IG Autorinnen Autoren.

Das BIFIE hat unterdessen laut Ö1-"Mittagsjournal" in einer Stellungnahme betont, dass man die Kritik ernst nehme. Eine Verdeutlichung des historischen Kontexts und insbesondere ein klarer Hinweis auf die Rolle Hausmanns im Nationalsozialismus hätten den problematischen biografischen Hintergrund des Autors transparent gemacht. Dies wäre sinnvoll und notwendig gewesen.

 

 

KLZ – 14. Mai 2014

 

Zentralmatura-Generalprobe wird abgeschlossen

Mit dem Fach Griechisch wird am Mittwoch die Generalprobe für die ab dem Schuljahr 2015 an den AHS verpflichtende Zentralmatura abgeschlossen. Insgesamt haben seit der Vorwoche mehr als 90 Prozent der Gymnasien an den Schulversuchen teilgenommen und in mindestens einem Maturafach die zentralen Aufgaben des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) verwendet.

Kritik von Schüler- und Lehrervertretern gab es vor allem am Beurteilungsschlüssel in den lebenden Fremdsprachen: Statt 60 Prozent wie bei den bisherigen Probeläufen mussten im Fach Englisch für eine positive Note 63 Prozent der Punkte erreicht werden, in Französisch mehr als 62 Prozent. Das Bifie begründete dies mit heuer leichteren Aufgaben. Im Fach Mathematik musste die Matura an fünf Wiener AHS wegen fehlender Angaben unterbrochen werden, die IG Autoren kritisierte die Auswahl des literarischen Texts im Fach Deutsch. Bildungsministerin Heinisch-Hosek kündigte an, in den kommenden Wochen sowohl Zentralmatura als auch Bifie auf den Prüfstand zu stellen.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 14.05.2014                              Seite: 6

Ressort: Politik

 

Steiermark

 

AKTUELL

 

   Gespräch mit dem Bifie

 

   WIEN. Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wird nach Kritik an einem Text der Deutsch-Zentralmatura, der NS-Ideologie rechtfertigen soll, mit dem Bildungsforschungsinstitut Bifie reden. Manfred Hausmanns Text „Die Schnecke“ von 1947 hätte damals von bestimmten Lesern als Pardonierung für Naziterror und Holocaust verstanden werden können, hatten Germanisten kritisiert.

 

   Kritik an Pisa-Studie

 

   WIEN. Internationale Bildungswissenschaftler, Lehrerausbildner, Lehrer und Elternvertreter haben in einem offenen Brief PISA-Erfinder Andreas Schleicher von der OECD vor den negativen Folgen der Bildungsvergleichsstudie auf die Schulsysteme gewarnt. Der Fokus der Studie auf wirtschaftlich verwertbarem Wissen verenge die Vorstellung von Bildung „in gefährlicher Weise“. In Wien unterzeichneten Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann und der Philosoph Konrad Paul Liessmann.

 

 

OÖN – 14. Mai 2014

 

Zentralmatura: Autoren kritisieren Text mit NS-Bezug

WIEN/LINZ. Zum Abschluss der neuen Matura zeigen Autoren eine weitere Panne auf. Konsequenzen stehen bevor..

Warum in Deutsch Schüler einen Text mit NS-Bezug ohne jegliche Erklärung vorgesetzt bekamen (siehe Kasten), warum in Mathematik bei einigen Schülern Aufgaben fehlten und warum in den Fremdsprachen über den neuen Bewertungsschlüssel nicht informiert wurde: Es ist eine lange Liste an Pannen bei der Zentralmatura, die Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) mit den Direktoren des zuständigen Bildungsforschungsinstituts Martin Netzer und Christian Wiesner zu besprechen hat.

Heinisch-Hosek will nun rasch handeln: Heute endet der Testdurchlauf für die schriftliche Zentralmatura mit der Griechisch-Prüfung, die nur wenige Schüler absolvieren. Schon morgen könnte die Ministerin verkünden, wie es nun mit dem Bifie weitergeht.

Die Zentralmatura soll im kommenden Schuljahr flächendeckend an allen AHS durchgeführt werden – ob vom Bifie oder durch das Ministerium selbst, ist mittlerweile mehr als fraglich. Bifie-Aufsichtsratsvorsitzender Arthur Mettinger, Rektor der FH Wien, warnte gestern im OÖNachrichten-Gespräch allerdings vor Schnellschüssen bei der Entscheidung: "Wir brauchen eine genaue Fehleranalyse sowohl was die Zentralmatura als auch was die Struktur des Bifie selbst betrifft."

Bei der von Heinisch-Hosek angekündigten Redimensionierung mahnt er ebenfalls zur Ruhe: "Dann müssen wir die Kernaufgaben neu definieren, das bedeutet eine Änderung der Bifie-Gesetze, das kann man nicht von heute auf morgen machen."

Akuten Handlungsbedarf an der Bifie-Spitze sieht Mettinger nicht: "Ja, ich habe noch Vertrauen in die beiden Leiter", sagt er.

Deutsch-Aufgabe

Bei der schriftlichen Deutsch-Zentralmatura mussten sich vergangene Woche die Schüler mit einem 1947 vom deutschen Autor Manfred Hausmann verfassten Text auseinandersetzen.

Der Essay mit dem Titel „Die Schnecke“ hätte damals von bestimmten Lesern als Pardonierung von Naziterror und Holocaust verstanden werden können, kritisieren Germanisten und die IG Autoren. Ein Hinweis auf diesen Hintergrund fehlte bei der Aufgabenbeschreibung der Matura.

 

 

SN – 14. Mai 2014

 

Für Bifie-Chefs stehen Zeichen auf Abschied

Morgen gibt Bildungsministerin Heinisch-Hosek bekannt, wie es mit dem Bifie weitergehen soll. Die Mitarbeiter zittern.

Alexandra Parragh Wien, Salzburg. Unter den 180 Mitarbeitern des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) geht die Angst um. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat nach dem Datenleck und den vielen Pannen bei der Zentralmatura Konsequenzen angekündigt. Sie präsentiert morgen, Donnerstag, einen „Fahrplan“, wie mit dem 2008 aus dem Ministerium ausgegliederten Institut umgegangen werden soll.

Die Bifie-Mitarbeiter befürchten Schlimmes. Cornelia Rieß, Bifie-Betriebsrätin und -Wissenschafterin, die im Bereich Evaluation, Bildungsforschung und Berichterstattung arbeitet, meint dazu: „Die aktuelle Situation bereitet uns allen große Sorgen. Wir, die Personalvertreter, wollen darauf hinweisen, dass die Erfüllung der Kernaufgaben, die in den vergangenen Jahren vom Bifie durchgeführt wurden, von der Sachkenntnis und dem Engagement der Mitarbeiter getragen war“, sagt sie. Das habe dazu beigetragen, „dass Reformprozesse dort ankommen, wo sie einen Beitrag zur Schulentwicklung leisten können, in Schulen. Die Bedeutung der bisherigen Arbeit für das Bildungssystem sollte losgelöst von der aktuellen Situation bewertet werden.“

Das sieht Bifie-Aufsichtsratschef Arthur Mettinger ähnlich. Er betont: „Man darf nicht vergessen, dass die Zentralmatura zum ersten Mal durchgeführt wurde. Die Fehler, die passiert sind, dürfen sich nächstes Jahr nicht wiederholen.“

Für die Panne bei der Deutsch-Zentralmatura, über die die SN exklusiv berichtet hatten, entschuldigte sich das Bifie am Dienstag. Ministerin Heinisch-Hosek will nun klären, wie es passieren konnte, dass Schülern ein Text mit NS-Bezug zur Bearbeitung vorgelegt wurde. Sie hat vor, das Bifie und seine Kernaufgaben zu durchforsten. Zusperren will Heinisch-Hosek das Bifie aber nicht. Aufsichtsratschef Mettinger befürwortet das. „Man muss überlegen, ob einzelne Aufgaben nicht besser eine andere Institution oder andere Personen übernehmen“, sagt er.

Was die Leitung des Bifie betrifft, könnte das schon am Donnerstag entschieden werden. Wie die SN erfuhren, denkt die Ministerin über eine Ablöse der beiden Direktoren – Christian Wiesner und Martin Netzer – nach. Dann wird auch klar, wie die „Redimensionierung“ des auf vier Standorte (Salzburg, Wien, Graz, Kärnten) verteilten Bifie aussehen könnte.

Naheliegend wäre, den Standort Wien zuzusperren. Er ist für die Zentralmatura zuständig. Die wollte Heinisch-Hosek nach dem Schülerdatenleck sowieso vom Ministerium selbst durchführen lassen. Die Zentrale in Salzburg zu schließen und ihre Aufgaben (v. a. Bildungsstandards) an die Universität Salzburg zu übertragen hält Mettinger hingegen nicht für sinnvoll.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 111 vom 14.05.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Aufstand der Wissenschafter gegen PISA-Test

 

   Prüfungen würden den Schulen und den Schülern „irreparable Schäden zufügen“.

 

   Wien. Internationale Bildungswissenschafter, Lehrerausbildner, Lehrer und Elternvertreter haben in einem offenen Brief PISA-Erfinder Andreas Schleicher von der OECD vor den negativen Folgen der Bildungsvergleichsstudie auf die Schulsysteme gewarnt. Der Brief wurde unter anderem von Bildungswissenschafter Stefan Hopmann und Philosoph Konrad Paul Liessmann (beide Uni Wien) unterzeichnet.

 

   Neben knapp 140 Erstunterzeichnern haben sich in einer Petition bisher rund 600 Personen dem von Heinz-Dieter Meyer von der State University of New York und Katie Zahedi, Direktorin der New Yorker Linden Ave Middle School, initiierten Schreiben angeschlossen. Darin kritisieren sie den Fokus der Studie auf wirtschaftlich verwertbares Wissen, wodurch die Vorstellung von Bildung „in gefährlicher Weise verengt“ worden sei. „Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden.“ Die Bildungspolitik habe im Gefolge von PISA ihre Aufmerksamkeit auf kurzfristige Maßnahmen verlagert, obwohl nachhaltige Veränderungen Jahrzehnte bräuchten; gleichzeitig sei die OECD Allianzen mit multinationalen, profitorientierten Unternehmen eingegangen, „die bereitstehen, um aus jedem von PISA identifizierten – realen oder nicht realen – Bildungsdefizit Profit zu schlagen“.

 

   PISA habe außerdem zu einem dramatischen Anstieg an Tests geführt, bei denen die Leistung von Schülern, Lehrern und Schulleitern aufgrund von Testergebnissen bewertet würde, „die weithin als ungenau bekannt sind“.

 

   Die Verfasser des Briefes fordern eine „Besinnungspause“, in der über Verbesserungsmöglichkeiten nachgedacht werden soll. Ihre Vorschläge: Alternativen zu Rankings, in denen Industrienationen mit Entwicklungsländern mit Kinderarbeit verglichen werden, Einbindung aller relevanten Akteure (Eltern, Lehrer, Wissenschafter), unabhängige internationale Beobachterteams sollen die Durchführung der Studie überwachen und die Kosten der Studie sollen veröffentlicht werden, sodass die Steuerzahler der Mitgliedsstaaten über eine weitere Teilnahme entscheiden und eine „alternative Verwendung der Millionenausgaben“ erwägen können.

 

    Zumindest Österreich dürfte eine solche „Besinnungspause“ 2015 bevorstehen: Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte nach einem Datenleck beim Bifie die Vortests zur PISA-Studie mit der Begründung gestoppt, dass die Datensicherheit nicht gewährleistet sei.

 

 

 

Österreich – 14. Mai 2014

 

 

Pannen-Serie 

"NS-Text" bei Zentralmatura verwendet

Ministerin Heinisch-Hosek kündigt anText mit NS-Ideologie zu erörtern.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wird nach der Aufregung um einen Text aus den Deutsch-Aufgaben für die Zentralmatura, der NS-Ideologie rechtfertigen soll, mit dem zuständigen Bildungsforschungsinstitut Bifie über die Sache reden. Sie werde dieses Woche - nicht nur wegen dieses Textes - mit den beiden Direktoren zusammentreffen, sagte sie am Dienstag am Rande des Ministerrates.

"Die Schnecke"
Bei dem kritisierten Text geht es um eine Aufgabe, für die ein 1947 verfasster Text des deutschen Autors Manfred Hausmann ausgewählt wurde. Der Text "Die Schnecke" hätte damals von bestimmten Lesern als Pardonierung für Naziterror und Holocaust verstanden werden können, hatten Germanisten und die IG Autoren kritisiert.

Sowohl in der Formulierung der Matura-Aufgaben als auch in der Kommentierung für die Lehrer habe das Bifie "die auf der Hand liegenden Konnotationen" des 1947 entstandenen Textes Hausmanns, der immerhin u.a. Mitarbeiter der NS-Wochenzeitung "Das Reich" gewesen sei, komplett ausgeklammert, kritisiert die IG Autorinnen Autoren.

 

 

Der Standard – 14. Mai 2014

 

 

Nazi-Vorwurf: Heinisch-Hosek will Text mit Bifie besprechen

Historischer Hintergrund des Texts "Die Schnecke" wurde Schülern nicht erklärt

Wien - Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) wird nach der Aufregung um einen Text aus den Deutsch-Aufgaben für die Zentralmatura, der in Zusammenhang mit der NS-Ideologie steht, mit dem zuständigen Bildungsforschungsinstitut Bifie über die Sache reden. Sie werde diese Woche mit den beiden Direktoren zusammentreffen, sagte sie am Dienstag am Rande des Ministerrats.

Bei der Deutsch-Matura sollten die Schüler einen Text von dem deutschen Autor Manfred Hausmann interpretieren und dabei vor allem auf den Umgang mit Natur und Leben eingehen. Der Text "Die Schnecke" wurde 1947 geschrieben, der Autor war unter anderem Mitarbeiter der NS-Wochenzeitung "Das Reich" gewesen, berichten die "Salzburger Nachrichten". Im Text geht es vordergründig um die Tötung einer Schnecke. Die IG Autorinnen Autoren hatte darauf aufmerksam gemacht, dass der schwülstige Text von Lesern - vor allem im Kontext der Zeit, in der er geschrieben wurde - als Verharmlosung des Naziterrors und des Holocaust verstanden werden kann.

Sowohl in der Formulierung der Maturaaufgaben als auch in der Kommentierung für die Lehrer habe das Bifie die auf der Hand liegenden Konnotationen komplett ausgeklammert, kritisiert die IG Autorinnen Autoren. Auch in der Info-Box zum Text werden die Schüler nicht über den Hintergrund des Texts oder des Autors aufgeklärt.

Bifie nimmt Kritik ernst

Das Bifie hat laut Ö1-"Mittagsjournal" in einer Stellungnahme betont, dass man die Kritik ernst nehme. Eine Verdeutlichung des historischen Kontexts und insbesondere ein klarer Hinweis auf die Rolle Hausmanns im Nationalsozialismus hätten den problematischen biografischen Hintergrund des Autors transparent gemacht. Dies wäre sinnvoll und notwendig gewesen.

 

 

Kurier - 14. Mai 2014

 

 

Spar-Stopp: Spindelegger gibt Heinisch grünes Licht.

Nach KURIER-Recherchen hektische Verhandlungen: Sparverordnungen fallen.

 

 

 

Im Unterrichtsministerium brach Hektik aus. Der Anlass: Der KURIER ging Dienstagnachmittag Beschwerden auf den Grund, wonach Ministerin Heinisch-Hosek ihre umstrittenen Sparverordnungen in der Bildung – anders als angekündigt (siehe unten) – bis dato nicht zurück genommen hat.  Das Finanzministerium hatte die Rücknahme der Verordnungen blockiert, weil den Budgetwächtern die alternativen Sparvorschläge des Unterrichtsministeriums nicht genügten. Das wurde dem KURIER in beiden Ministerien bestätigt.

Um 21 Uhr wurde der KURIER plötzlich informiert, dass sich Finanz- und Unterrichtsministerium doch noch geeinigt hätten.  „Wir  lösen die Blockade“, gibt ein Sprecher des Finanzministeriums bekannt. Von den 87 Millionen Euro, die Heinisch-Hosek 2014 einsparen muss, werden 50 Millionen aus dem geplanten Ausbau der Ganztagsschulen abgezweigt. Vorschläge für die restlichen 37 Millionen darf Heinisch im Lauf der nächsten Monate nachreichen, heißt es im Finanzministerium. Wie die 90 Millionen  2015 eingespart werden, bleibe vorerst ebenfalls offen.

Ursprünglich wollte Heinisch-Hosek in manchen Bereichen wieder die Schulklassen vergrößern und im Prestigeprojekt Neue Mittelschule die Anzahl der Zweitlehrer kürzen. Das scheint nun vom Tisch zu sein, dafür verzögert sich der Ausbau der Ganztagesbetreuung.

 

 

Wiener Zeitung – 14. Mai 2014

 

Bifie ist durchgefallen

 

 

 

 

 

 

 

 

·         Glaubt man, schlimmer geht’s nicht mehr, kommt ein NS-Text daher. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek reicht es nun endgültig mit dem Bifie. Am Donnerstag stellt sie die Weichen neu.

 

 

Wien. (neu) Stärke zeigen, durchgreifen, auf den Tisch hauen. Für Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist spätestens jetzt die Zeit gekommen, in diesen Modus zu schalten. Sie hat keine Alternative. Alles andere würde ihr als Schwäche ausgelegt und könnte ihr eigenes Amt gefährden. Also muss sie den Problembären Bifie bändigen. Aber wie?

Das Einfachste wäre, den Chef eines Instituts zu feuern, das keine Panne auszulassen scheint. Nach dem Leck bei den Schülerdaten und den Informationslücken bei der Englisch-Zentralmatura schaffte das Bifie jetzt auch noch das Kunststück, einen NS-Text in die Prüfungsbögen für die Deutschmatura zu platzieren, der nicht als solcher erkennbar war. Es handelt sich um "Die Schnecke": Laut IG Autoren eine Parabel zur Rechtfertigung des Holocaust, verfasst vom Blut-und-Boden-Literaten Manfred Hausmann. Der schrieb für das NS-Blatt "Das Reich". Ein Hinweis auf die braune Konnotation des Textes fehlte, woraufhin die Schüler "Die Schnecke" besprachen wie einen Text von Goethe.

Auch Doppelspitze schützt vor Pannen nicht
Den Chef also feuern? Nichts wäre unkreativer, nichts wäre weniger Befreiungsschlag als das. Denn die strukturellen Probleme in der Aufgabenteilung zwischen dem ausgelagerten Institut und dem Bildungsministerium wurzeln tief, am Kopf fängt dieser Fisch eher nicht zu stinken an. Sonst hätte der Rauswurf von Bifie-Direktor Josef Lucyshyn im März 2012 durch Claudia Schmied etwas geändert. Auf ihn folgte Günter Haider, auf diesen wiederum Martin Netzer und Christian Wiesner. Was würde deren Abgang ändern? Die Doppelspitze wurde gerade damit begründet, dass zwei Köpfe doppelte Kontrolle bedeuten. Dann kamen die Pannen. Das Beispiel Lucyshyn - er berief gegen die Entlassung und bekam recht - zeigt außerdem, dass Hire&Fire im Bundesdienst keine wirkliche Option ist.

D-Day für Bifie-Zukunft am Donnerstag
Das denkt sich wohl auch Heinisch-Hosek, die für Donnerstag einen "Prozess" zur generellen Neustrukturierung der Zusammenarbeit mit dem Bifie ankündigt hat. Schon morgen gibt es Treffen mit Direktoren, dann mit den Schulpartnern und am Donnerstag verkündet sie in einer Pressekonferenz die Neuausrichtung - ohne Köpferollen.

Wird das Bifie nun wieder direkt im Ministerium angesiedelt, um die Streuverluste zu minimieren, wie es Bildungsforscherin Christa Koenne in der "Wiener Zeitung" empfahl? Das Bifie war ursprünglich ausgelagert worden, weil im Ministerium ein Aufnahmestopp galt. Die ambitionierten Bildungsziele glaubte man aber nur mit weiteren Experten zu erreichen. So entstand die Kooperation mit dem Bifie, das fortan für die ureigensten Agenden der Bildungspolitik, nämlich dem Erstellen von Fragen und der Vorbereitung von Tests betraut war. "In den meisten EU-Ländern werden diese Aufgaben von den Ministerien gemacht", sagte Koenne.

Die Sprecherin von Heinisch-Hosek sagt zur möglichen Wiedereingliederung: "Das wäre schon das Endergebnis des Prozesses, aber den starten wir erst."

Im Streit um den Vergleichstest der Bildungssysteme im OECD-Raum, genannt Pisa-Test, wandten sich indes 600 Wissenschaftler, darunter der Philosoph Konrad Paul Liessmann, in einer Petition an Heinsch-Hosek. Sie warnten vor "irreparablen Schäden" durch das Aussetzen des Pisa-Tests. Wegen des Datenlecks beim Bifie hatte die Bildungsministerin den Pisa-Test für 2014 gestoppt und sich dafür viel Kritik eingehandelt. Auch darum wird es am Donnerstag gehen.

Wissen

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (Bifie) wurde 2008 vom Nationalrat errichtet. Es wurde mit dem Ziel gegründet, das österreichische Schulwesen innovativ zu entwickeln, um eine Steigerung des Umfangs und der Qualität bildungswissenschaftlicher Tätigkeiten zu erreichen.

Die Kernaufgaben sind

1) neben der Erstellung des Nationalen Bildungsberichtes

2) die Qualitätsentwicklung. Das Bifie konzipiert Schulprojekte und sorgt durch Lehrerausbildung und Unterrichtsmaterial für deren Umsetzung.

3) Bildungsmonitoring. Das Bifie entwickelt und überprüft neue Bildungsstandards in der vierten Schulstufe in Deutsch und Mathematik sowie in der achten Schulstufe in Deutsch, Mathematik und Englisch und ist für die Durchführung von internationalen Schülerleistungsstudien wie dem Pisa-Test zuständig. Dieser ist wegen eines Datenlecks ausgesetzt.

4) Die Zentralmatura: Das Bifie hat den gesetzlichen Auftrag, die Entwicklung, Implementierung, Auswertung und begleitende Evaluierung der standardisierten, kompetenzorientierten Reife- und Diplomprüfung an höheren Schulen durchzuführen.

 

 

Wiener Zeitung – 14. Mai 2014

 

Offener Brief

Experten fordern Alternativen zu PISA-Tests

 

 

 

 

Wien. Internationale Bildungswissenschafter, Lehrerausbildner, Lehrer und Elternvertreter kritisierten die PISA-Tests in einem offenen Brief an PISA-Erfinder Andreas Schleicher von der OECD. Die internationalen Vergleichstests fordern Alternativen zu den Rankings. Der Brief wurde u.a. von Bildungswissenschafter Stefan Hopmann und Philosoph Konrad Paul Liessmann (beide Uni Wien) unterzeichnet, wie die "Krone" berichtet.

Neben knapp 140 Erstunterzeichnern haben sich in einer Petition bisher rund 600 Personen dem von Heinz-Dieter Meyer von der State University of New York und Katie Zahedi, Direktorin der New Yorker Linden Ave Middle School, initiierten Schreiben angeschlossen. Darin kritisieren sie den Fokus der Studie auf wirtschaftlich verwertbares Wissen, wodurch die Vorstellung von Bildung "in gefährlicher Weise verengt" worden sei. "Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden."

Die Bildungspolitik habe im Gefolge von PISA ihre Aufmerksamkeit auf kurzfristige Maßnahmen verlagert, obwohl nachhaltige Veränderungen Jahrzehnte bräuchten; gleichzeitig sei die OECD Allianzen mit multinationalen, profitorientierten Unternehmen eingegangen, "die bereitstehen, um aus jedem von PISA identifizierten - realen oder nicht realen - Bildungsdefizit Profit zu schlagen". PISA habe außerdem zu einem dramatischen Anstieg an Tests geführt, bei denen die Leistung von Schülern, Lehrern und Schulleitern aufgrund von Testergebnissen bewertet würden, "die weithin als ungenau bekannt sind".

Die Verfasser des Briefes fordern eine "Besinnungspause", in der über Verbesserungsmöglichkeiten nachgedacht werden soll. Ihre Vorschläge: Alternativen zu Rankings, in denen Industrienationen mit Entwicklungsländern mit Kinderarbeit verglichen werden, Einbindung aller relevanten Akteure (u.a. Eltern, Lehrer, Wissenschafter), unabhängige internationale Beobachterteams sollen die Durchführung der Studie überwachen und die Kosten der Studie veröffentlicht werden, so dass die Steuerzahler der Mitgliedsstaaten über eine weitere Teilnahme entscheiden und eine "alternative Verwendung der Millionenausgaben" erwägen können.

Zumindest Österreich dürfte eine solche "Besinnungpause" 2015 ohnehin bevorstehen: Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hatte nach einem Datenleck beim zuständigen Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) die Vortests zur PISA-Studie mit der Begründung gestoppt, dass die Datensicherheit nicht gewährleistet sei. Die für das Frühjahr 2014 geplanten Vortests sind Voraussetzung für eine Teilnahme an der eigentlichen Studie. Allerdings hat die Ministerin zuletzt wiederholt betont, dass sie im Gespräch mit der OECD sei und großes Interesse an einer Lösung habe.

 

Morgenjournal, 14.5.2014

Pannenreiche Zentralmatura: Letzter Tag

Regina Pöll

Heute ist noch die Altgriechisch-Matura an zwei Gymnasien dran, dann ist die Zentralmatura für heuer zu Ende. Begonnen hat sie am 5. Mai an insgesamt 400 Schulen, und eigentlich sollte sie eine gelungene Generalprobe für die Zentralmatura ab dem nächsten Jahr sein, denn dann ist sie an allen Gymnasien Pflicht, ab 2015 auch an allen BHS. Geworden ist es aber eine Serie von Pannen.

NS-Text, Prozentstreit, Aufgabenpanne

Der jüngste Aufreger ist die Deutsch-Matura: Da hat das Bundesinstitut BIFIE den Maturantinnen und Maturanten einen Text mit NS-Ideologie vorgelegt. Über den historischen Kontext informiert wurden die Schüler aber mit keinem Wort.

Und auch sonst ist bei der Zentralmatura heuer einiges schief gelaufen: Bei der Englisch-Matura mussten die Teilnehmer mindestens 63 Prozent der Aufgaben richtig lösen. Bei den Übungs-Schularbeiten davor waren immer nur 60 Prozent notwendig. Das BIFIE rechtfertigte den strengeren Notenschlüssel damit, dass die Aufgaben bei der Matura etwas leichter gewesen seien. Inzwischen musste das Institut aber zurückrudern: Wer knapp unter 63 Prozent gelandet ist, dem darf der Lehrer doch noch einen Vierer geben.

Und in Mathematik waren die Testbögen an fünf Wiener Schulen nicht vollständig: Statt 24 Beispielen hat das BIFIE nur 8 geliefert, die Schulen mussten improvisieren und die ausständigen Aufgaben selbst organisieren.

BIFIE-Chefs bei Ministerin

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat nach der Pannenserie die beiden BIFIE-Chefs zu sich zitiert. Thema bei dem Treffen morgen wird angeblich nicht nur die Zentralmatura sein, sondern die Zukunft des BIFIE insgesamt. Die Ministerin hat schon von einer Verkleinerung des Instituts gesprochen und auch eine Ablöse der Direktoren nicht ausgeschlossen.

 

Morgenjournal, 14.5.2014

 

"Ministerinnen für Pannenserie verantwortlich"

Ex-BIFIE-Direktor und "Mr. PISA", Günter Haider, im Gespräch mit Cornelia Vospernik

Die Verantwortlichen für die Pannenserie bei der Zentralmatura stehen nach Ansicht des Bildungsexperten Günter Haider fest: der für die Zentralmatura zuständige Direktor des Bildungsforschungsinstituts des Bundes (BIFIE), Martin Netzer, aber auch die letzten Bildungsministerinnen seien politisch gesamtverantwortlich.

"Proporz rächt sich"

BIFIE-Direktor Netzer habe die Konsequenzen nun wohl persönlich zu tragen, so Haider, selbst fünf Jahre lang bis 2013 Direktor des BIFIE, im Ö1-Morgenjournal. Haider richtet aber auch Vorwürfe gegen die politisch Verantwortlichen: "Hier rächt sich auch, dass bei seiner Bestellung als Chef der Zentralmatura durch die (damalige SPÖ-Ministerin Claudia, Anm.) Schmied in erster Linie parteipolitische Gründe ausschlaggebend waren. Herr Netzer war ja Mitarbeiter des Ministeriums und Büroleiter von Ministerin Gehrer (ÖVP, Anm.). An dieser Stelle wäre aber vielleicht jemand mit Lehramt- und Schulerfahrung und wissenschaftlicher Qualifikation und Kompetenz und Praxis in der Organisation solcher Testungen erforderlich."

Haider weiter: "So rächt sich im Nachhinein dieser im Unterrichtsministerium allgegenwärtige Besetzungsproporz. Und natürlich haben die Ministerinnen Schmied und Heinisch-Hosek die Gesamtverantwortung für das Schlammassel, ohne Zweifel. Dass man jetzt als Ministerin so tut, als wäre das BIFIE irgendeine Firma, für die sie keine Verantwortung trägt und die man bei Pannen bequem als externen Sündenbock verwenden kann, das ist eine glatte Täuschung der Öffentlichkeit."

"Verantwortliche überfordert"

Die Zentralmatura sei ein wichtiges Projekt, und die Pannenserie werfe ein schlechtes Licht sowohl auf dieses Projekt als auch auf die Beteiligten. Im Prinzip sei das keine schwere Angelegenheit und das BIFIE habe zusammen mit dem Bildungsministerium in den letzten Jahren auch eine exzellente Aufbauarbeit geleistet. Die Pannen der letzten Monate seien eine Mischung aus Unprofessionalität und mangelnder Sensibilität, so Haider. "Hier hätte man einfach sorgfältiger vorgehen müssen." Die Verantwortlichen seien offenbar mit der speziellen Situation zu Beginn der Zentralmatura überfordert.

Das BIFIE selbst sei an sich nicht schlecht organisiert, so Haider. "Auch die Kritik, die der Rechnungshof damals nach drei Jahren Aufbauarbeit geäußert hat, war nur zum Teil akzeptabel." Beim BIFIE gebe es viele exzellente Mitarbeiter, auch die Organisation und Ausstattung würde völlig ausreichen, um Projekte wie die Bildungsstandardüberprüfung oder die Zentralmatura gut über die Bühne zu bringen. "Man müsste allerdings versuchen, den politischen Einfluss herauszuhalten und auch entsprechend qualifizierte Manager an die Spitze berufen, damit diese Pleiten-, Pech und Pannenserie aufhört und entsprechend professionelle Einstellung dort einzieht."

Günter Haider hatte auch die Grundzüge einer zukünftigen Zentralmatura ausgearbeitet. Derzeit arbeitet er an der Universität Salzburg. Weder die Unterrichtsministerin, noch jemand aus der derzeitigen Führungsmannschaft des BIFIE wollte gegenüber dem Morgenjournal eine Stellungnahme abgeben.

 

ORF – 14. Mai 2014

 

BIFIE räumt weiteren Fehler ein

Die Zentralmatura kommt aus den Turbulenzen nicht heraus - wobei die bisherigen Pannen, etwa die nachträgliche Verschärfung der Benotung und eine unvollständige Mathematikaufgabe, vergleichsweise harmlos wirken: Denn jetzt wurde bekannt, dass Schülern ein Text mit NS-Ideologie zur Interpretation vorgelegt wurde. Das zuständige Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) räumt Versäumnisse ein.

Das Problem am Text: Er tauchte in den Prüfungsbögen ohne jeglichen Hinweis auf den historischen Kontext auf - Hinweise auf Nationalsozialismus oder die dahingehend einschlägige Vergangenheit des deutschen Autors Manfred Hausmann fehlten. Dieser war unter anderem für die nationalsozialistische Propagandazeitschrift „Das Reich“ tätig. Germanisten und Autoren der IG Autorinnen Autoren schlugen Alarm und kritisierten das völlige Versagen der Aufgabensteller, wie die „Salzburger Nachrichten“ („SN“) berichteten.

Schnecke als „Schädling“

Dass der Prosatext „Die Schnecke“ selbst ohne Hinweise auf den zeitlichen Kontext problematisch ist, zeigt sich anhand kleiner Auszüge: Beschrieben wird ein Gärtner, der im Salatbeet eine Schnecke findet. Er nimmt sie in die Hand, betrachtet die Schönheit des Schneckenhauses und sinniert dann über „das Schöne und das Nützliche“.

Zitat: „Immer führen die Gegensätze, mag es sich um die Schnecke und das Salatblatt oder (...) um die Krankheit und den Arzt, mag es sich um das Blut und den Geist oder um das Schicksal und den Willen handeln, immer führen die Gegensätze auf die entscheidende Frage zurück, ob der Mensch, weil er ein Wissender und Wollender ist, an der Natur und also auch an sich selbst schuldig werden muss.“

Der Gärtner trifft in Hausmanns Text schließlich die Entscheidung: Die Schnecke als Schädling muss getötet werden, auch wenn das dem Gärtner nicht leichtfällt. Zitat: „Ein mythisches Grauen steigt in ihm auf. Ihm ist, als wäre er jetzt erst, in diesem Augenblick erst, verloren in Sünde und heilloser Zerrissenheit.“

Harte Kritik an Aufgabenstellung

Die Kritik der Germanisten und Autoren setzte jedoch nicht beim Text selbst an, sondern bei der Aufgabenstellung, in der Euthanasie und Holocaust nicht erwähnt waren: Schließlich sollte es nicht darum gehen, etwa über die nationalsozialistische Ideologie und den Wert des Lebens zu reflektieren. Auch nicht gefragt wurde nach einer Reflexion von Erklärungsmustern von NS-Tätern, eigene Verbrechen zu rechtfertigen bzw. zu entschuldigen. Gefragt war vielmehr Allgemeines über den „Umgang mit Natur und Leben“, wie es im Prüfungsbogen wörtlich heißt.

Auch die Biografie des Autors blieb weitgehend unerwähnt, die Maturanten erhielten in Form einer „Infobox“ nur Angaben aus einem Brockhaus- von 1995. Problem dabei ist offenbar auch das Alter der Quelle, schließlich stamme die kritische Forschung zu Hausmann erst aus der Zeit nach 1995, wie Germanist Karl Müller von der Uni Salzburg gegenüber den „SN“ sagte. Da bereits die Fragesteller den Text nicht verstanden hätten, so der Experte, seien auch die Maturanten mit Text und Aufgabenstellung völlig überfordert gewesen.

Hinweis wäre „sinnvoll und notwendig“ gewesen

Die zuständige Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) reagierte am Dienstag: „Ich werde diese Woche noch, nicht nur aufgrund dieses Textes - das habe ich auch jetzt erst erfahren -, sondern auch aufgrund der anderen Kommunikationsprobleme beide Direktoren bei mir haben und auch dieses Thema mit ihnen besprechen.“ Vom BIFIE selbst hieß es in einer Stellungnahme, man nehme die Kritik ernst.

Eine Darstellung des Kontexts und insbesondere ein klarer Hinweis auf die Rolle Hausmanns in der NS-Zeit hätten den problematischen Hintergrund des Autors transparent gemacht. Das wäre „sinnvoll und notwendig“ gewesen. Die IG Autorinnen Autoren hatte zuvor einen offenen Brief an die letztlich verantwortliche Unterrichtsministerin geschickt. Darin enthalten seien eine Analyse des Textes und Hinweise auf die eigentlich seit Jahren bekannte Tätigkeit Hausmanns in der nationalsozialistischen Propaganda, so die IG.

„Auf jeden Fall kein harmloser Text“

Die Kritik der Autoren: „Entweder sind die Aufgabensteller so naiv oder so unprofessionell, dass sie den unglaublichen Gehalt dieses Textes nicht begreifen“, wurde der Didaktiker Wolfgang Mühlbacher in den „SN“ zitiert. Der Text könne - im zeitlichen Kontext gelesen - „auf eine Art Rechtfertigung der Vernichtung hinauslaufen. Es ist auf jeden Fall kein harmloser Text.“ Ferner könne man Hausmann nicht unterstellen, begeisterter Nazi gewesen zu sein, er sei „aber jenen ideologischen Mustern verhaftet, aus denen sich der Nationalsozialismus speist“, so die IG Autorinnen Autoren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
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