Donnerstag, 15. Mai 2014

2014.05.15: Bildung

APA0315 II, XI 15.05.2014 12:05:29

 

Bifie: Geschichte voller Pannen und Polit-Streitereien

Utl.: Wiederholt Probleme mit Zentralmatura - RH kritisierte hohe Kosten und mangelnde Transparenz - Vorwurf politischer Einflussnahme - Eltern, Schüler und Lehrer beklagen mangelnde Sensibilität

Schule/Österreich/Hintergrund

Die Geschichte des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) ist geprägt von Pannen und Polit-Streitereien: Schon bei der Gründung gab es den Vorwurf politisch motivierter Postenbesetzungen, der Rechnungshof nannte das Institut teuer, ineffizient und intransparent. Wiederholt gab es Proteste von Schülern, Eltern, Lehrern gegen Bifie-Projekte - Folge war u.a. die Verschiebung der Zentralmatura.

Aufgaben des Bifie sind neben internationalen Studien wie PISA die Vorbereitung und Durchführung großer Bildungsprojekte wie die Bildungsstandards-Testungen und die Zentralmatura. Darüber gab es immer wieder Diskussionen - weitgehend unumstritten sind dagegen die vom Bifie erstellten Studien wie etwa der Nationale Bildungsbericht.

Kritik hat das Institut seit seiner Gründung begleitet: Laut Rechnungshof führte die Ausgliederung 2008 zwar zu hohen Kosten, eine Effizienzsteigerung im Vergleich zu den früher mit Bildungsforschung befassten, dem Ministerium unterstellten Forschungseinrichtungen gebe es hingegen nicht. Von Schüler-, Eltern- und Lehrervertretern wurde dem Institut in der Vergangenheit immer wieder mangelnde Sensibilität vorgehalten. So mussten nach Elternprotesten bei der Ausgangs-Testung für Bildungsstandards Fragen, die als zu intim empfunden wurden, aus den Fragebögen entfernt werden. Der Vorwurf der mangelnden Vorbereitung auf die Zentralmatura führte sogar zur Verschiebung der Einführung um ein Jahr. Und auch von Wissenschaftern wurde öfter angemerkt, dass man um viel Geld Daten sammle, die dann unter Verschluss gehalten würden. Einem offenen Brief zufolge soll es ein Verbot gegeben haben, im Wahljahr Studien zu veröffentlichen.

Ein Datenproblem der anderen Art hatte das Bifie im Frühjahr, als angeblich die Ergebnisse einer informellen Schüler-Kompetenzmessung und E-Mail-Adressen tausender Lehrer öffentlich zugänglich waren. Ermittlungen des Bundeskriminalamts dazu laufen noch. Die Ministerin ließ als Reaktion aus Sorge um die Datensicherheit alle Bildungstestungen 2014 stoppen, als indirekte Folge dürfte deshalb die Teilnahme an der PISA-Studie 2015 ausfallen. Kurzfristig war auch die Durchführung der Zentralmatura durch das Bifie in Frage gestanden, nach einem Sicherheitstest des TÜV-Austria gab es dann doch noch Grünes Licht.

Bei der Generalprobe zur Zentralmatura vor der verpflichtenden Einführung an AHS 2015 kam es heuer gleich zu mehreren Pannen: Zunächst wurden ohne breite Information die Notenschlüssel bei den Fremdsprachen nach oben korrigiert. So mussten etwa bei Englisch für ein "Genügend" 63 Prozent statt der von Schülern erwarteten 60 Prozent erreicht werden. Bei der Mathematik-Reifeprüfung erhielten die Schüler an fünf Wiener AHS in ihren Mathe-Testheften nur acht statt 24 Aufgaben. Bei der Deutsch-Matura geriet das Bifie schließlich in die Kritik, da nach Ansicht von Germanisten der ausgewählte Text "Die Schnecke" des Autors Manfred Hausmann als Pardonierung für Naziterror und Holocaust verstanden werden könnte. Der Wiener Stadtschulrat wiederum kündigte ebenfalls wegen Pannen und Mängeln wie zu spätem bzw. fehlerhaftem Druck von Testheften die Zusammenarbeit beim Wiener Lesetest.

Schon bei der Bestellung der ersten Direktoren des Instituts durch die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) kamen erste Vorwürfe der politischen Einflussnahme auf: Immerhin war "Mister PISA" Günter Haider selbst einst als SP-Kandidat für das Bildungsressort gehandelt worden, sein Co-Direktor Josef Lucyshyn wurde der ÖVP zugerechnet. Beide sollten Schmied wegen ihrer pointierten Kritik an der Bildungspolitik unbequeme Partner sein. Lucyshyn wurde schließlich (laut Disziplinarbehörde zu Unrecht) fristlos entlassen, Haider nicht wiederbestellt.

Die Nachfolger der beiden waren ebenfalls glücklos: Martin Netzer, Ex-Kabinettschef der früheren Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP), und sein der SPÖ zugerechneter Ko-Direktor Christian Wiesner müssen nach nur etwas mehr als einem Jahr nach Pannen bei der Zentralmatura vorzeitig den Hut nehmen.

(schluss) jle;bei

OTS0163 II 15.05.2014 11:49:38

 

FPÖ-Walter Rosenkranz: BIFIE steht für Parteipolitik im Bildungsbereich

Utl.: Wiesner und Netzer nur mehr durch einen Direktor nachbesetzen!

FPÖ/Rosenkranz/Bildung/BIFIE/Heinisch-Hosek/Netzer/Wiesner/SPÖ/ÖVP

"Die Probleme mit dem BIFIE sind repräsentativ für die gesamte Bildungsmisere in Österreich", kommentiert FPÖ-Bildungssprecher NAbg. Walter Rosenkranz den heute bekannt gegebenen Rücktritt der BIFIE-Direktoren Netzer und Wiesner. "Schon 2013 nach der Entlassung Günter Haiders durch die damalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat die FPÖ die parteipolitische Neubesetzung mit Martin Netzer und Christian Wiesner aufs Schärfste kritisiert. Unsere Befürchtungen, wonach die Höflinge von SPÖ und ÖVP für das BIFIE glatte Fehlbesetzungen seien, haben sich nun leider bewahrheitet."

Sollte die Ministerin den selben Fehler noch einmal wiederholen, so sei ein ähnliches Szenario bereits wieder vorprogrammiert, erwartet sich Rosenkranz. "In diesem Fall wird sich Ministerin Heinisch-Hosek dann nicht mehr so einfach der Verantwortung entziehen können", so Rosenkranz weiter. "Es sollte aber nun unbedingt die Gelegenheit ergriffen werden, Wiesner und Netzer ab August nur mehr durch einen einzigen Direktor zu ersetzen. Wir werden daher eine diesbezügliche Änderung des BIFIE-Gesetzes im Nationalrat beantragen." Dies sei angesichts des Bildungswillens im Ministerium auch Gebot der Stunde.

Interessant sei freilich auch noch, unter welchen Umständen nun Netzer und Wiesner mit ihrem Rücktritt einer Entlassung durch die Ministerin zuvorgekommen seien: "Auch hier werden wir noch durchleuchten, wie die 'Golden Handshakes' genau aussehen, immerhin wäre der Vertrag der beiden noch vier weitere Jahre lang gültig gewesen", schließt Rosenkranz.

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OTS0156 II 15.05.2014 11:42:30

 

BZÖ-Haubner: BIFIE - Skandal erfordert auch politische Konsequenzen

Politik/Bildung/Budget/Innenpolitik/Parlament/SPÖ

Nachdem die Pannen vom Bundesinstitut für Bildungsforschung ans Tageslicht gelangt waren, stellte sich heraus, dass das BIFIE nichts weiter als ein millionenschweres Bildungsgrab ist. "Es gehören nun ernsthafte Konsequenzen gezogen und die Frage gestellt, wer den nun die politische Verantwortung für dieses Desaster übernimmt", forderte heute BZÖ-Bildungssprecherin und Oberösterreichs Landesobfrau Ursula Haubner in einer Reaktion auf die Entlassung der beiden BIFIE-Chefs. "Wenn sich die Bildungsministerin für ihr Scheitern nur mit zwei Kündigungen aus der Affäre ziehen möchte, ist das zu wenig", so Haubner.

Nach den Skandalen im Bereich Datenschutz, Deutschmatura oder den fehlenden Aufgaben bei der Mathematikmatura ist es nun an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen und das BIFIE in dieser Form endgültig zu Grabe zu tragen: "Wir benötigen keine sündteure Bildungseinrichtung, die als Beweis bildungspolitischer Inkompetenz in die Geschichtsbücher eingehen wird. Die Aufgaben gehören kompetenzorientiert und nicht nach parteipolitischem Proporz aufgeteilt. Die sich aus der Auflösung des BIFIE ergebenden Millionen an Einsparungen, sind dort einzusetzen, wo sie tatsächlich Früchte tragen. So zum Beispiel in Unterrichtsmethoden, die den Lehrern ermöglichen, Schüler auf ihre individuellen Talente hin auszubilden", so Haubner abschließend.

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APA0291 II, XI 15.05.2014 11:41:43

 

Zentralmatura: Grüne wollen nur mehr einen Bifie-Standort

Utl.: Wiener Einrichtung soll nachgeordnete Dienststelle des Ministeriums werden und für Zentralmatura zuständig sein - ÖVP und Team Stronach für Neuausrichtung

Oberstufe/Grüne/Österreich-weit

Die Grünen sprechen sich für einen "behutsamen Neuaufbau" des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) aus. Von den beiden Standorten soll nur jener in Salzburg bestehen bleiben, die Wiener Niederlassung soll eine nachgeordnete Dienststelle des Ministeriums werden und künftig für die Durchführung der Zentralmatura zuständig sein, so Bildungssprecher Harald Walser bei einer Pressekonferenz.

"Die Zentralmatura muss mittel- bzw. langfristig vom Ministerium übernommen werden", so Walser am Donnerstag. "Hoheitliche Aufgaben muss die Republik durchführen." In Salzburg, wo die meisten Wissenschafter derzeit eine gute Arbeit verrichten würden, würden dann alle anderen Evaluierungen und Testungen durchgeführt. Die Datenverwaltung solle extern organisiert werden, etwa von der Statistik Austria. "Beim Neuaufbau ist auch klar, dass es möglich sein muss, so ein Institut zu führen, ohne dass es zu rot-schwarzen Proporzbesetzungen kommt." Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) hat diesbezüglich Bereitschaft gezeigt und betont, sie müsse dafür aber erst die Zustimmung des Koalitionspartners einholen.

Die Verantwortung für die Pannen bei der Zentralmatura sieht Walser zu einem großen Teil auch beim Bildungsministerium. Die aufgrund eines angeblichen, aber schließlich nicht vorhandenen Datenlecks angeordneten Überprüfungen beim Bifie hätten zu einem kurzfristigen Stopp der Zentralmatura-Vorbereitungen geführt. Deshalb wäre dann für den Druck und die Kontrolle der rund 94.000 Testbögen statt vier bis fünf Wochen nur die Hälfte der Zeit zur Verfügung gestanden. Folge waren fehlerhaften Drucke von rund 120 Testbögen bei der Mathe-Matura, die an fünf Wiener Schulen deshalb kurz unterbrochen werden musste.

ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank äußerte Verständnis für den Rückzug der beiden Bifie-Chefs. Es sei aber "nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die beiden Direktoren nun teilweise die Zeche für die Versäumnisse der Vergangenheit zahlen", hieß es in einer Aussendung. Die Verantwortung liege im zuständigen Ressort. Die Arbeit an einer Neuausrichtung des Bifie müsse sofort beginnen, auch eine Redimensionierung sei zu prüfen.

Eine Neuorganisation der Einrichtung samt Abschaffung des Proporzes fordert auch das Team Stronach. Sollte das Bifie in seiner jetzigen Struktur weiter bestehen bleiben, "dann müssen Fachleute aus dem Bildungsbereich die Leitung dieses sensiblen Bereiches übernehmen", so Bildungssprecher Robert Lugar in einer Aussendung. Als Kandidat brachte er Ex-Bifie-Chef Günter Haider ins Spiel.

(schluss) aku;jle;bei

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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