Donnerstag, 15. Mai 2014

2014.05.15: Bildung

APA0469 II, XI 15.05.2014 14:30:13

 

Zentralmatura-Pannen kosten Bifie-Chefs Job, Instituts-Zukunft offen

Utl.: Heinisch-Hosek hält an Zentralmatura fest, Zuständigkeit zur Durchführung wird erst geklärt - Bifie wird neu aufgesetzt - ÖVP: Abwälzung der Verantwortung wäre "schäbig" - BILD VIDEO

Oberstufe/Österreich-weit/Zusammenfassung

Die Probleme bei der Generalprobe für die ab 2015 an AHS verpflichtende Zentralmatura haben die beiden Direktoren des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), Martin Netzer und Christian Wiesner, ihre Jobs gekostet. Die Verträge der beiden werden mit Ende Juli einvernehmlich gelöst - wie es mit der Zentralmatura selbst und dem Bifie konkret weitergeht, soll dagegen erst geklärt werden.

An der flächendeckenden Durchführung einer zentralen schriftlichen Reifeprüfung hielt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Donnerstag zwar fest: Wer diese durchführen soll - also wie bisher das Bifie oder das Bildungsministerium selbst -, ist aber noch nicht klar. Zunächst wird einmal analysiert und geprüft. In einem Monat soll eine ministeriumsinterne Taskforce unter Mitwirkung des TÜV Austria einen Abschlussbericht über die Probleme bei der Matura vorlegen. Bis Herbst soll außerdem eine Stärken-Schwächen-Analyse des Bildungsinstituts vorliegen, die im kommenden Jahr zu einem neuen Bifie-Gesetz führen soll.

Am Ende des Bifie-Reformprozesses wird aber jedenfalls ein Bifie stehen: Eine komplette Schließung ist für die Ministerin kein Thema, gleiches gilt für eine komplette Reintegration ins Ministerium. Die Details sollen aber noch einerseits mit Schulpartnern, Aufsichtsrat und Experten geklärt und müssen wegen der nötigen Gesetzesänderung mit der ÖVP akkordiert werden. Eine neue Bifie-Führung wird erst nach einer Reform der Einrichtung bestellt. Bis dorthin wird nach dem Abgang der Direktoren eine interimistische Leitung die Führung übernehmen.

Der aufgrund seiner Tätigkeit als Kabinettschef von Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer der ÖVP zugerechnete Netzer stolperte vor allem über die Probleme bei der Zentralmatura: Kritik von Schüler- und Lehrervertretern gab es vor allem am Beurteilungsschlüssel in den lebenden Fremdsprachen: Statt 60 Prozent wie bei den bisherigen Probeläufen mussten im Fach Englisch für eine positive Note 63 Prozent der Punkte erreicht werden, in Französisch mehr als 62 Prozent. Im Fach Mathematik musste die Matura an fünf Wiener AHS wegen fehlender Angaben unterbrochen werden, die IG Autoren kritisierte die Auswahl eines angeblich NS-affinen literarischen Texts im Fach Deutsch. Der auf einem SPÖ-Ticket sitzende Wiesner war zwar für die Matura nicht zuständig - ihm wurde offenbar zum Verhängnis, dass das Bifie-Direktorium ein Kollegialorgan ist. Beide haben ein Rückkehrrecht in ihre ehemaligen Positionen im Ministerium bzw. im Wissenschaftsbereich.

Arthur Mettinger, Vorsitzender des Bifie-Aufsichtsrats, warnt im APA-Gespräch jedenfalls in Bezug auf eine Neuausrichtung des Bifie vor Schnellschüssen wie der Forderung, einen Standort zu schließen: "Das Bifie ist jetzt sechs Jahre alt. Da macht so etwas wie eine institutionelle Evaluation sicher Sinn um zu sehen, ob das, was man sich in der Gründungsphase vorgenommen hat, auch eingelöst werden kann und wie die Zukunft aussehen soll." Den Rückzug der Direktoren nennt er "anerkennenswert": "Im Hinblick auf die Handlungsfähigkeit des Direktoriums und den Ruf des Bifie war das vermutlich ein vernünftiger Schritt."

Die ÖVP forderte von Heinisch-Hosek die Übernahme von Verantwortung: Bei all den Vorkommnissen der vergangenen Zeit im Ministerium "wäre es wohl schäbig und einer Ministerin mit Führungsverantwortung unwürdig, sich selbst von jeglicher Verantwortung freizusprechen und die gesamte Verantwortung für alles, was nicht funktioniert hat, allein auf die beiden Direktoren des Bifie abzuwälzen", so Generalsekretär Gernot Blümel. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos lobte dagegen das Vorgehen Heinisch-Hoseks. Ihre Entscheidung, "reinen Tisch zu machen", sei "Zeichen politischer Konsequenz" und "durchaus richtig, wenn auch schmerzhaft", sagte er auf einer Pressekonferenz. Auf die Pannen beim Bifie und die politische Verantwortung dafür angesprochen meinte er: "Man hat nicht den 100-prozentigen Einfluss auf die Beamtenschaft." Als ehemaliger Verteidigungsminister spreche er da aus eigener Erfahrung.

Die FPÖ will als Konsequenz zur Vermeidung von Proporz nur mehr einen Bifie-Direktor bestellen. Die Grünen sprechen sich für einen "behutsamen Bifie-Neuaufbau" aus. Von den beiden Standorten soll nur jener in Salzburg bestehen bleiben, die Wiener Niederlassung soll eine nachgeordnete Dienststelle des Ministeriums werden und künftig für die Durchführung der Zentralmatura zuständig sein. Das Team Stronach will das Bifie neu organisieren und bringt als neuen Direktor Ex-Chef Günter Haider ins Spiel. Der Wiener Stadtschulrat beendete unterdessen die Zusammenarbeit mit dem Bifie beim Wiener Lesetest - auch bei diesem habe es Pannen und Mängel gegeben, begründete Präsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ).

(schluss) aku;ks;jle;bei

APA0397 II, XI 15.05.2014 13:20:58

 

Zentralmatura: FPÖ will nur mehr einen Bifie-Direktor

Utl.: IV für Neuverteilung der Aufgaben von Ministerium und Bifie

Oberstufe/Österreich-weit

Die FPÖ will künftig nur mehr einen Direktor im Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie). In der vorzeitigen Auflösung der Verträge der beiden aktuellen Institutschefs sieht Bildungssprecher Walter Rosenkranz seine Kritik an deren parteipolitischer Besetzung bestätigt. Die Industriellenvereinigung (IV) plädiert für eine Neuverteilung der Aufgaben zwischen Ministerium und Bifie.

"Unsere Befürchtungen, wonach die Höflinge von SPÖ und ÖVP für das Bifie glatte Fehlbesetzungen seien, haben sich nun leider bewahrheitet", so Rosenkranz in einer Aussendung. Außerdem will er "durchleuchten", welche "Golden Handshakes" die Direktoren für ihren vorzeitigen Abgang erhalten haben. Das BZÖ forderte auch politische Konsequenzen: "Wenn sich die Bildungsministerin für ihr Scheitern nur mit zwei Kündigungen aus der Affäre ziehen möchte, ist das zu wenig."

IV-Generalsekretär Christoph Neumayr bewertete den Probelauf zur Zentralmatura insgesamt als positiv. Dennoch habe sich gezeigt, dass "die Organisation des Bifie und die diesem bisher übertragenen Aufgaben überdacht werden müssen", hieß es in einer Aussendung. Der Austausch von Personal allein reiche sicher nicht: Vielmehr bedürfe es einer umfassenden Reform der Aufgaben, die im Schulsystem zu erfüllen seien. "Forschung, Qualitätsentwicklung, Monitoring und Beratung eines Systems gleichzeitig sind kaum in einer Organisation zu vereinen", so Neumayer. Daher seien hier unterschiedliche Zuständigkeiten erforderlich. "Es macht einen zentralen Unterschied, eine für individuelle Schulkarrieren so bedeutende Prüfung wie die Matura bundeseinheitlich durchzuführen oder eben Daten für evidenzbasierte Steuerung im Rahmen der Bildungsstandards zu erheben."

(schluss) aku;jle;bei

APA0379 II, WI, XI 15.05.2014 13:04:30

 

IHS-Studie mahnt Bildungsreformen und mehr Grundlagenforschung ein

Utl.: Experten fordern Aufarbeitung von "Reformrückstau" im Bildungssystem und "Wiederankurbelung der Dynamik im Bereich Forschung und Entwicklung"

Schule/Forschung/Wien

Damit Österreich bis 2050 konkurrenzfähig bleibt, müsse der "bildungspolitische Reformrückstau" aufgearbeitet und die Weiterentwicklung der Grundlagenforschung und der Forschungsaktivitäten an den Hochschulen forciert werden. Das attestieren Experten des Instituts für Höhere Studien (IHS) in der heute, Donnerstag, vorgestellten Studie "Vision 2050 - Chancen für Österreich".

Als Schlüssel zu einer positiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten nennen die Studienautoren um IHS-Chef Christian Keuschnigg einmal mehr das Bildungssystem. Vor allem die "unzureichende Integration bzw. Qualifikation des wachsenden Bevölkerungssegments der ImmigrantInnen" gebe zu denken. Um die Selektivität des Bildungssystems zu verringern und großen Unterschieden im Bildungsniveau vorzubeugen, sollte größeres Augenmerk auf die vorschulische Bildung gelegt werden, so eine der Empfehlungen. Bisher sei es nicht gelungen, unterschiedliche Startvoraussetzungen auszugleichen.

Auch seien die Leistungsunterschiede zwischen den Schulen zu hoch, wie die Studie festhält. Die Studie weist darauf hin, dass sich um das Jahr 2050 jene Jahrgänge in Richtung Pension bewegen, denen in den PISA-Tests ein hoher Anteil an Risikoschülern attestiert wird. Deshalb werde auch der Bereich der Erwachsenenbildung wichtiger, so die IHS-Experten. Sie haben sich bei ihren Schlussfolgerungen in der vom Rat für Forschung- und Technologieentwicklung (RFT) und dem Austrian Institute of Technology (AIT) in Auftrag gegebenen und bei einem ORF-Dialogforum im Parlament präsentierten Studie auf statistische Daten und Projektionen sowie wissenschaftliche Untersuchungen gestützt.

Um in den Bereichen Forschung, Technologieentwicklung und in der Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Wirtschaft am Ball zu bleiben, müsse vor allem im Bereich der Hochschulbildung vieles umgesetzt werden. Dazu gehören die Verbesserung der Betreuungsverhältnisse, die Aufwertung der Hochschullehre, die Steigerung der universitären Grundbudgets, die Erhöhung der kompetitiv vergebenen Mittel für Forschung oder die Schaffung von attraktiven Karrierewegen für Forscher.

2012 hat der Anteil von Forschern an der Zahl aller Beschäftigter 0,9 Prozent betragen und lag damit um 0,4 Prozentpunkte höher als 2000. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte sich die Zahl der Forscher bis 2050 auf das Doppelte erhöhen, wird in der Studie ausgeführt. Das alleine reiche aber nicht, um "einen wesentlichen Fortschritt in Wissenschaft und Forschung zu erzielen".

Österreich nimmt mit einer Forschungsquote von 2,81 Prozent aktuell den zwölften Platz im weltweiten Ranking ein. Vor dem Hintergrund der gebremsten Entwicklung seit der Wirtschaftskrise bedarf es einer "Wiederankurbelung der Dynamik im Bereich Forschung und Entwicklung", so die Experten. Nach dem erfolgreichen Aufholprozess in der Unternehmensforschung in den vergangenen zwei Jahrzehnten sollte Österreich nun "verstärkt den Fokus auf die Grundlagenforschung bzw. die Forschung im Hochschulsektor" legen.

Um den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Wirtschaft voranzutreiben, gelte es, Rahmenbedingungen für die Firmengründung zu verbessern. Gerade für junge Unternehmen "mit radikalen und riskanten Ideen ist der Zugang zu Kapital oft schwierig", konstatieren die Experten. Abhilfe könnten hier Initiativen für mehr Risikokapital schaffen.

Damit Unternehmen international konkurrenzfähig bleiben können, sollte neben der Verbesserung des Bildungs- und Forschungssystems auch der Abbau von Hindernissen bei der Zuwanderung hochgebildeter Menschen angestrebt werden. Was das Arbeitskräfteangebot insgesamt angeht, gehen die Experten trotz der ungünstigen demographischen Entwicklung von annähernd gleichem Niveau aus. Zwar werde der Anteil an Personen im erwerbsfähigen Alter weniger, das würde aber mit steigender "Erwerbsneigung" kompensiert.

(S E R V I C E - Internet: http://www.rat-fte.at/)

(schluss) nt;cm;jle;bei

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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