Donnerstag, 15. Mai 2014

2014.05.15: Bildung

Mittagsjournal, 15.5.2014

 

Matura-Konsequenzen: Bifie-Zukunft offen

Regina Pöll, Christian Williwald

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zieht nun Konsequenzen aus der Pannenserie bei der Zentralmatura. Fix ist, dass die Direktoren des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie)gehen müssen. Eine komplette Schließung des Bifie ist für Bildungsministerin Heinisch-Hosek kein Thema. Es soll bleiben, "aber in einer anderen Form", so Heinisch-Hosek. Offen ist auch, ob das Institut weiterhin die Zentralmatura durchführen wird.

"Taskforce" zur Überprüfung

Die ab 2015 an den AHS und ab 2016 an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) anstehende flächendeckende Umsetzung der neuen Reifeprüfung steht für die Ministerin außer Frage. "Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten." Es sei klar, dass bei der heurigen Generalprobe "gravierende Fehler" passiert seien: "Die gilt es jetzt zu analysieren und im nächsten Jahr zu minimieren oder noch besser gar nicht passieren zu lassen."

Eine interne Expertengruppe des Ministerium werde nun prüfen, welche Fehler passiert seien. Diese "Taskforce" soll in einem Monat einen Abschlussbericht vorlegen, so Heinisch-Hosek. Dafür werde wieder der TÜV Austria herangezogen, der bereits die Datensicherheit beim Bifie prüft.

Direktoren per Ende Juli weg

Der Vertrag mit den beiden Bifie-Direktoren Martin Netzer und Christian Wiesner werde einvernehmlich mit Ende Juli beendet, bekräftigte Heinisch-Hosek. Damit solle das Bifie vor weiterem Schaden und Imageverlust bewahrt werden. Anschließend werde aus dem Ministerium eine interimistische Führung bestellt. Netzer habe ein Rückkehrrecht ins Ministerium, Wiesner in sein Institut. Details der Vertragsauflösung habe man noch nicht besprochen.

"Es wird aber auch eine Neuausrichtung des Bifie geben", kündigte die Ministerin eine Organisationsreform des Instituts an. Dieser Prozess werde im Sommer gemeinsam mit dem Bifie-Aufsichtsrat, den Schulpartnern sowie Experten vor allem aus dem Inland, zum Teil aber auch aus dem Ausland gestartet. "Wir müssen analysieren, wie es mit der Bildungsforschung in Österreich überhaupt weitergeht." Viele hätten den Eindruck, es werde nur mehr getestet und kontrolliert. "Die Bildungsforschung braucht mehr Bodenhaftung in Österreich." Sie wolle "weniger Elfenbeinturm und mehr Praxistauglichkeit". Bis Herbst soll dann eine Stärken-Schwächen-Analyse stehen.

Neues Bifie-Gesetz?

Die von ihr zuletzt angekündigte Redimensionierung des Bifie ist dabei noch nicht fix, so Heinisch-Hosek: "Ich habe das angedacht, das wird aber nicht von mir alleine entschieden." Eine Verschlankung sei möglich, werde aber gemeinsam mit den "Stakeholdern" entschieden.

Ein neues Bifie-Gesetz könne sie außerdem nicht alleine beschließen, so die Ministerin. Dieser Prozess werde heuer vorbereitet und vermutlich 2015 abgeschlossen. Durchaus vorstellen kann sie sich dabei, dass künftig nur mehr ein Direktor das Institut leiten wird. Eines sei aber klar: Eine komplette Reintegration des Bifie ins Ministerium werde es nicht geben. "Ich stehe dazu, dass Bildungsforschung von einem eigenen Institut durchgeführt wird." Welche Aufgaben künftig vom Ministerium durchgeführt werden und welche vom Bifie, werde von dem Lenkungsausschuss geklärt: "Es kommen aber sicher nicht alle Agenden ins Ministerium."

Die Entscheidung des Wiener Stadtschulrats, die Zusammenarbeit mit dem Bifie komplett aufzukündigen, falle in dessen Kompetenz, meinte die Ministerin: "Ich habe Vertrauen ins Bifie." Kritik sei natürlich angebracht - "aber man kann einem Bildungsforschungsinstitut vertrauen".

 

Mittagsjournal, 15.5.2014

 

Bifie: Schulpartner wollen große Reform

Klaus Webhofer

Die Abberufung der Bifie-Direktoren ist fix, bis Herbst soll es Klarheit geben, wie es mit dem Bifie weitergeht. Für die Schulpartner, also Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler steht jedenfalls fest: Der Austausch der Chefs reicht nicht.

Bifie-Kompetenzen aufteilen

Der Elternvertreter für die Mittleren und Höheren Schulen, Theodor Saverschel, meint, das Problem sei, dass das Bildungsinstitut zu viel am Hals habe. Es sollte eine Trennung geben zwischen der Abwicklung der Tests und der Matura, was beim Ministerium liegen sollte, und der Forschung und Entwicklung, die weiterhin beim Bifie liegen sollte, so Saverschel. Konkret sollte die Durchführung der Zentralmatura und der Bildungstests nicht mehr Sache des Bifie sein, durchaus aber danach die statistische Auswertung und die Analyse.

Gegen "Innovationshysterie"

Lehrergewerkschafter Paul Kimberger vermisst generell einen Masterplan. Die Zentralmatura sieht er kritisch und möchte sie zu einer "teilzentralen" Matura weiterentwickeln. Das Bifie hält er für eher verzichtbar. "Die Pannenserie zeigt ganz klar, dass es so nicht weitergehen kann. Es hat auch ein bildungspolitisches Leben vor Bifie gegeben." Bildungswissenschaftler müssten das in den nächsten Tagen und Wochen klären, in Stein gemeißelt sein da nichts. Ganz verzichtbar sind für Kimberger übrigens die Bildungstests, er spricht von "Testungswahnsinn und Innovationshysterie", die er nicht mehr haben möchte.

Reparatur sofort

Die Zukunft des Bifie liegt Bundesschulsprecherin Angelika Gros nicht am Herzen. Jedenfalls müssten Matura und Testungen von kompetenten Leuten übernommen werden, "egal, ob sie im Bifie oder im Ministerium sind." Jetzt mit Fachleuten nach einer Lösung für das Schlammassel zu suchen, findet sie gut. Damit bis Herbst zu warten, das hat für Elternvertreter Saverschel aber keinen Sinn.

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Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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