Montag, 14. Juli 2014

2014.07.14: Newsletter Bildung

Kurier – 14. Juli 2014

 

 

Gewerkschaft will 3000 zusätzliche Sonderpädago­gen.

Bei der Ausbildung müsse diese Art von Lehrer erhalten bleiben, sagt Gewerkschaftschef Kimberger.

 

 

 

Lehrergewerkschaftschef Paul Kimberger schlägt Alarm. Bis zu 4,8 Prozent der Pflichtschulkinder bräuchten sonderpädagogische Förderung. Tatsächlich bekommen sie nur 2,7 Prozent. Das ist zwischen Bund und Ländern festgelegt – und gilt bis 2016. Österreichweit fehlten 2800 bis 3000 Sonderpädagogen, sagt Kimberger dem KURIER: "Hier wird auf Kosten der Schwächsten der Gesellschaft gespart."

Die Situation werde sich weiter verschärfen: "In der neuen Lehrerausbildung, mit der im Herbst begonnen wird, ist der Sonderpädagoge nicht mehr vorgesehen. Jeder macht nur ein Modul Sonderpädagogik." Das reiche nicht für qualitative Betreuung.

Viele Sonderschulen sind in den vergangenen Jahren geschlossen worden. Das Ziel: Die Kinder in andere Schultypen zu integrieren. In der Steiermark gibt es eine Modellregion für "Inklusion", wie das in der Fachsprache heißt. Jene, die wegen großer Handicaps nicht integriert werden können, werden in Spezialeinrichtungen geschult, etwa in der Linzer Lehranstalt für Hör- und Sehgeschädigte. Kimberger warnt Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek, solche Institutionen zu schließen: "Bei allem Bekenntnis zur Inklusion – auf sonderpädagogische Fördereinrichtungen können wir nicht verzichten. Wer die Realität kennt, wird das bestätigen. Hier dürfen nicht Ideologie und Sozialromantik im Mittelpunkt stehen, es geht um das Wohl des Kindes."

Verlangen nach Geld

Zudem müsse "sofort" Geld für die nötigen Sozialpädagogen her: "Es ist nach dem Bedarf zu dotieren." Ein Lehrerdienstposten kostet 45.000 Euro pro Jahr. 135 Millionen würden für 3000 zusätzliche Sonderpädagogen gebraucht. Wer soll das angesichts der Budgetprobleme bezahlen? Nicht nur der Bund, auch Länder und Gemeinden seien gefragt.

Ebenso begehrt Kimberger, dass von dem Modul Sonderpädagogik gelassen wird: "Wir brauchen hochspezialisierte Sonderpädagogen. Dieser Lehrertyp ist auch in der neuen Lehrerausbildung vorzusehen." Und: "Wir sollten uns ein Beispiel an Skandinavien nehmen. Dort werden nicht nur Kinder mit Defiziten sonderpädagogisch gefördert, sondern auch hochbegabte." Gäbe es das auch in Österreich, "würden wir die Stigmatisierung beim Förderbedarf wegbekommen".

 

 

Kurier – 12. Juli 2014

 

 

Wien für Reparatur der roten Bildungsreform.

SPÖ-Stadtschulrats-Präsidentin fordert das Aus für das Bifie und kritisiert das NMS-Modell.

 

 

 

Die Kritik am Bifie, am Bildungsforschungsinstitut für die Entwicklung des Schulwesens, will nicht verstummen. Zwar sind erst kürzlich die Chefs abgesetzt worden, doch die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) geht mit ihrer Kritik weiter: Errungenschaften wie die Bildungsstandards und die Zentralmatura findet sie grundsätzlich gut und richtig. "Meiner Vorstellung nach könnte das alles im Bildungsministerium bewerkstelligt werden. Ich glaube nicht, dass wir das Bifie unbedingt brauchen", sagt Brandsteidl im KURIER-Gespräch. Für sie hat das Bifie seinen Aufgaben nicht erfüllt: "Die Performance des Bifie etwa bei der Zentralmatura hat leider allen Gegnern recht gegeben." Sie selbst habe den Vertrag des Stadtschulrates mit dem Bifie für die Wiener Lesetests aufgekündigt: "Auch hier war die Durchführung schlecht, da sind grobe Fehler passiert. Wenn man solche Zweifel hat, muss man reagieren, weil ich mich ja auf die Ergebnisse des Lesetests verlassen können muss. Wenn das nicht klappt, muss man sich trennen."

Dennoch: Auch kommendes Schuljahr wird es einen Lesetest geben, allerdings mit einem anderen Partner.

WMS statt NMS

Brandsteidl sieht aber auch bei einer weiteren, wichtigen Bildungsreform der vergangenen Jahre massive Probleme. "Ich glaube, dass man das Konzept der NMS überdenken muss. Ich bezweifle, ob das so sinnvoll ist. Da herrscht dringend Handlungsbedarf."

Brandsteidl präferiert das seit einigen Jahren etablierte Model der "Wiener Mittelschule", das mit Kurssystemen und Trainingskursen grundsätzlich bessere funktioniere.

Als Priorität sieht Brandsteidl für die kommenden Jahre den Ausbau von ganztägigen Schulformen. "Die Bildungsdaten zeigen uns, dass Ganztagsschulen deutlich bessere Ergebnisse bringen als Halbtagsschulen."

So lange das Angebot für Halbtagsschulen bestehen bleibe, würden manche Eltern dazu tendieren, für ihre Kinder nur die minimalen Bildungschancen wahrzunehmen. "Dann sind die Kinder am Nachmittag nicht betreut und nicht gefördert. Mit Ganztagsschulen könnten wir solche Bildungsdefizite viel besser ausgleichen." Letztlich sei das aber ein rein ideologische Frage. "International sind wir dennoch die Ausnahme – mit Schulen, in denen Kinder kein Mittagessen bekommen."

Jetzt nötig sei gesellschaftliche Grundkonsens nötig, sagte Brandsteidl. "Dennoch denke ich, dass eine Ganztagsschule von Montag bis Freitag und 8 bis 16 Uhr der Standard der Zukunft sein muss."

Bildungsreform

bifie Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens wurde mit 1. Jänner 2008 gegründet. Erstellt werden u. a. der Bildungsbericht, aber auch die Bildungsstandards oder die Zentralmatura.

NMS Die Neue Mittelschule ist seit 2012 die Regelschule, die die Hauptschulen ersetzt. Nach Wunsch der SPÖ hätte sie auch AHS-Unterstufen ersetzen sollen, was am ÖVP-Widerstand gescheitert ist.

WMS Die Wiener Mittelschule ist eine spezielle Form der NMS, die etwa Kurssysteme und mehr Lernunterstützung bietet.

 

 

Die Presse – 12. Juli 2014

 

 

Brandsteidl kritisiert Neue Mittelschule und Bifie

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin will das Konzept der Neuen Mittelschule "überdenken" und glaubt nicht, "dass wir das Bifie unbedingt brauchen."

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) kritisiert das Modell der Neuen Mittelschule: "Ich glaube, dass man das Konzept der NMS überdenken muss. Ich bezweifle, ob das so sinnvoll ist. Da herrscht dringend Handlungsbedarf", erklärte sie gegenüber dem "Kurier" (Samstag-Ausgabe). Außerdem stellt Brandsteidl das Bifie infrage.

Brandsteidl ortet bei der Neuen Mittelschule massive Probleme und präferiert stattdessen das Modell "Wiener Mittelschule", das mit Kurssystemen und Trainingskursen besser funktioniere. Sie regt daher an, das Konzept der NMS zu überdenken.

Kritik übt die Stadtschulratspräsidentin auch am Bildungsforschungsinstitut Bifie, welches seine Aufgaben nicht erfüllt habe: "Die Performance des Bifie etwa bei der Zentralmatura hat leider allen Gegnern recht gegeben." Ihrer Meinung nach könnten die Bildungsstandards und die Zentralmatura "im Bildungsministerium bewerkstelligt werden". Der Wiener Stadtschulrat hat die Zusammenarbeit mit dem Bifie beim Wiener Lesetest beendet. Die Lesetests werden mit einem anderen Partner durchgeführt.

 

 

Die Presse – 14. Juli 2014

 

 

„Elternabende müssten verpflichtend sein“

Warum Kindergarten mit fünf Jahren zu spät ist, wie man die Eltern ins Boot holen kann, und warum manche Neue Mittelschulen mit dem verpflichtenden Zweitlehrer nichts anzufangen wissen.

 (Die Presse)

Die Presse: Es soll heute um das Thema Chancen gehen. Müssen wir unbedingt über Gesamtschule und Gymnasium diskutieren?

Heidi Schrodt: Wir müssen über Bildung als Ganzes diskutieren. Die Frage ist, wie es dazu kommt, dass vor allem in der Stadt ein hoher Prozentsatz der Schüler nach Ende der Schulpflicht die Grundkompetenzen nicht beherrscht. Da spielt die Schnittstelle mit zehn Jahren eine Rolle. Aber ich würde früher beginnen: Eine mögliche Benachteiligung fängt schon beim Übertritt von der Familie in den Kindergarten an. Kinder mit sprachlichen Defiziten kommen oft erst mit fünf Jahren, wenn der Kindergarten verpflichtend ist. Das ist zu spät.

Muss man die Kinder den Eltern früher wegnehmen?

Isabella Zins: Das ist überspitzt, aber die Unterschiede beginnen eben schon sehr früh. Wenn kleinen Kindern vorgelesen wird, haben sie in der Schule viel bessere Chancen. Es ist erschreckend, wie viele Familien in Österreich maximal zehn Bücher zu Hause haben. Das verpflichtende Kindergartenjahr war sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Man kommt aber nicht an alle Kinder heran.

Was kann man da tun?

Zins: Wir müssen auch die Eltern mehr in die Pflicht nehmen. Ich meine, dass Elternabende in Kindergärten und in Schulen verpflichtend sein müssten. Es kann nicht sein, dass man das Kind der Institution überantwortet und sagt: Die sollen das machen, und sie sind dann an allem schuld. Es muss eine Erziehungspartnerschaft geben.

Schrodt: Bei Erziehungspartnerschaft kann ich mich anschließen. Aber ich habe einen anderen Zugang zur Elternarbeit. Wir haben heute etwa relativ viele Mütter, die Analphabetinnen sind. Sie können ihren Kindern nichts vorlesen, weil sie selbst nicht lesen können. Da braucht es mehr Programme für Eltern, die direkt in der Schule angesiedelt sind.

Zins: Es gibt aber auch viele Familien, die sich einfach nicht kümmern. Sich einmal im Jahr an der Schule oder im Kindergarten blicken und informieren zu lassen, diese Verpflichtung ist zumutbar.

Was muss der Kindergarten wirklich bieten?

Schrodt: Ich bin dafür, den Kindergarten endlich als Bildungsinstitution zu begreifen. Das heißt nicht, dass man dort schulisch lernt – aber dass man lernt. Und ich plädiere sehr stark für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr. Es braucht auch eine Ausbildung der Elementarpädagoginnen auf tertiärem Niveau. Auch, wenn nicht alle Pädagoginnen so eine Ausbildung absolviert haben müssen.

Zins: Die Sprachförderung muss früher ansetzen. Damit die Kinder sowohl die eigene Muttersprache lernen als auch Deutsch. Es müsste in jedem Kindergarten speziell ausgebildete Pädagoginnen geben – zum Beispiel für die Sprachförderung.

Beim Kindergarten sind Sie sich also relativ einig. Was muss sich in der Schule ändern?

Zins: Ich glaube, dass es keine Systemänderung braucht, sondern mehr Gestaltungsspielraum innerhalb der Schule. Wir haben unsere zugeteilten Stunden, die für jeden Lehrer und jede Gruppe bestimmt sind. Ich kann nicht sagen: Diese zwei Englischklassen fassen wir für zwei Stunden zusammen, die schauen sich mit einer Lehrkraft einen Film an. Und die andere Kollegin ist freigespielt für eine Förderstunde zum Thema Passiv.

Schrodt: Ich würde so weit gehen zu sagen: Die Schule erhält ein Globalbudget, es muss einen Rechenschaftsbericht geben und eine Qualitätssicherung durch Überprüfungen – aber wie die Schule dieses Budget und vor allem die Lehrerressourcen einsetzt, soll ihr überlassen bleiben.

Zins: Ich bin gegen Globalbudgets, aber für mehr Freiheit am Standort. Die Starrheit ist auch bei der Neuen Mittelschule ein Problem. Die Direktoren müssen in Hauptfächern einen Zweitlehrer einsetzen, ob sie das für nötig halten oder nicht. Da wird schon viel Geld verschleudert.

Schrodt: Die Grundidee der NMS war sicher gut. Dass man nicht frei entscheiden kann, wo man zusätzliche Ressourcen bekommt, halte ich aber für problematisch. In ländlichen Hauptschulen braucht es vielleicht keinen zweiten Lehrer. Anderswo hätten die Schulen statt eines AHS-Lehrers vielleicht lieber einen Sozialarbeiter oder eine Psychologin, die mit traumatisierten Kindern umgehen kann.

Wie muss man vorgehen, damit alle bestmöglich gefördert werden können?

Schrodt: Zuerst muss man schauen, wo das Kind steht, was Stärken und Defizite sind. Dafür braucht es Diagnoseinstrumente, die wir leider nicht haben. Dann muss man sich fragen, was das Kind braucht, um sein Bildungsziel zu erreichen und das umsetzen. Dafür brauchen wir eine andere Organisation, man muss etwa Förderpläne im Team erarbeiten können.

Zins: Diese Diagnoseinstrumente fehlen uns im Moment.

Bei Chancen geht es oft nur um die Benachteiligten. Was braucht es eigentlich für die Begabten?

Schrodt: Die Begabtenförderung ist unterbelichtet.

Zins: Ich sehe das Gymnasium als die Schulform, die dafür gedacht ist. Das Gymnasium soll auf jede Art von Studium vorbereiten.

Schrodt: Ich sehe Begabtenförderung nicht unbedingt im Gymnasium, sondern in einem in sich differenzierten Schulsystem. Ich würde viel mehr jahrgangsübergreifend arbeiten. So, dass diejenigen, die in einem Bereich sehr begabt sind, schon mit den Schülern zwei Jahrgänge über ihnen arbeiten können – je nach Fach.

Zins: So breit aufgestellt halte ich das nicht für praktikabel. Es gibt ja schon jetzt keine homogenen Klassen. Damit würde sich die Bandbreite nochmals gewaltig erhöhen. Sinnvoller und finanzierbarer wäre es, wenn wir im Gymnasium wieder mehr Ressourcen für Spitzenförderung in Spezialkursen hätten.

Schrodt: Bei den jahrgangsübergreifenden Systemen rede ich von der Pflichtschule. Dann bin ich für eine große Ausdifferenzierung in der Oberstufe. Ich bin überhaupt nicht gegen das Gymnasium, aber eben für eines, das nur die Oberstufe umfasst.

Jetzt sind wir doch wieder beim Thema Gesamtschule.

Schrodt: Die Gesamtschule ist ein abstrakter Begriff ohne Inhalt. Aber ich gebe zu bedenken: Manche Kinder sind trotz Begabung am Ende der Volksschule sprachlich nicht in der Lage, die Hürde in das Gymnasium zu überspringen. Kinder kommen oft bereits mit Defiziten in die Volksschule. Und unser Schulsystem ist nicht so organisiert, dass sie diese Defizite aufholen können.

Zins: Ich halte die Gesamtschule nicht für eine Verbesserung, im Gegenteil. Zwar fehlt es beim Übergang mit zehn Jahren an Beratung und Potenzialanalysen. Aber ich finde, unser System hat keine Sackgassen, sondern es gibt immer wieder Entscheidungsmöglichkeiten. Diese sind nie so festgelegt, dass man nicht noch in eine andere Richtung wechseln könnte.

Veröffentlichen auch Sie ihre besten Ideen für Österreich: diepresse.com/99ideen

DIE IDEEN

Heidi Schrodt (*1950) war 19 Jahre lang AHS-Direktorin. Sie ist Vorsitzende von BildungGrenzenlos. Ihre Ideen: ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, Elementarpädagoginnen brauchen eine tertiäre Ausbildung, Schulen sollten über ein Globalbudget verfügen und Begabungen jahrgangsübergreifend fördern können, Neue Mittelschulen sollten flexibler entscheiden, welche zusätzlichen Ressourcen sie brauchen und in Anspruch nehmen wollen.

Isabella Zins (*1964) leitet das BORG Mistelbach und ist stellvertretende Vorsitzende der Bildungsplattform Leistung & Vielfalt. Ihre Ideen: Elternabende sollten verpflichtend sein, Schulen sollten zwar kein Globalbudget bekommen, aber mehr Gestaltungsspielraum, die Sprachförderung muss früher ansetzen, dafür braucht es speziell ausgebildete Pädagoginnen, Begabungen sollten in Spezialkursen im Gymnasium gefördert werden.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 14.07.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Lehrer werden

 

   Kommentar

 

   Von Anneliese Edlinger

 

   Jeder, der sich an die eigene Schulzeit erinnert, oder gerade Kinder an einer Schule hat, kennt sie: Jene Lehrer, die besser nie Pädagogen geworden wären, und diese Berufsbezeichnung auch nicht verdienen, weil ihnen jegliches Talent und Geschick für diesen Beruf einfach fehlt.

 

   Nun kann man sagen: In jedem Beruf gibt es mehr und weniger Talentierte. Das ist schon richtig. Nur macht es einen Unterschied, ob jemand ein mäßig begabter Mechaniker oder Buchhalter ist, oder ob er mehr schlecht als recht junge Menschen ausbildet.

 

   Insofern ist es erfreulich zu sehen, dass bei der Auswahl künftiger Lehrer schon vor Ausbildungsbeginn zunehmend mehr Wert auf deren Eignung gelegt wird. Doch nicht nur die Aufnahmeverfahren sind wichtig. Auch während der Ausbildung, in den ersten Semestern, muss ausgesiebt werden. Denn die größte Herausforderung im Lehrerjob ist, abgesehen vom Fachwissen, das Unterrichten. Nur wer in der Klasse steht, und diesen Probelauf auch gut besteht, soll Lehrer werden dürfen.

 

   Nur wer in der Klasse besteht, ist ein Pädagoge

 

   a.edlinger@nachrichten.at

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 14.07.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Ansturm auf Lehrer-Job: Ein Fünftel wurde ausgesiebt

 

   Rund 900 Studenten starten im Herbst ihre Ausbildung in Linz

 

   Von Anneliese Edlinger

 

   LINZ. Lehrer werden - für viele junge Menschen ein attraktiver Job in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Auch heuer wieder erleben die beiden Pädagogischen Hochschulen (PH) in Oberösterreich einen wahren Ansturm an Interessenten. Rund 1100 junge Frauen und Männer haben die Aufnahmetests an den Hochschulen absolviert, rund 900 von ihnen werden im Herbst ihr Studium in Linz beginnen können.

 

   Die Zeiten, wo die PHs den Ruf hatten, dass sie jeden Interessenten ausbilden, auch wenn mancher davon für den Lehrerberuf nicht unbedingt geeignet war, scheinen vorbei zu sein. Mittlerweile müssen die Anwärter ein umfangreiches, mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen, das ein Gutteil auch nicht schafft.

 

   Nicht jeder wird genommen

 

   So hat etwa die Pädagogische Hochschule Oberösterreich heuer 653 Interessenten getestet, knapp ein Fünftel davon, 123 Anwärter, bekam einen negativen Bescheid und wurde abgewiesen. Ähnlich die Situation an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz. Auch hier, so Rektor Franz Kepplinger, seien jene Bewerber, die für den Job begrenztes Talent mitbringen würden, ausgesiebt worden.

 

   Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie einen Ausbildungsplatz ergattern, melden sich jährlich etliche Bewerber an beiden Hochschulen an. So haben auch an der diözesanen Hochschule 700 Anwärter das Aufnahmeverfahren absolviert, "die besten 400 davon haben wir ausgewählt, die können im Herbst ihr Studium starten", sagt Kepplinger.

 

   An der öffentlichen Hochschule können rund 480 Interessenten das Studium starten, macht insgesamt knapp 900 künftige Pflichtschullehrer, die ab Herbst in Oberösterreich ihre Ausbildung beginnen.

 

   Studentenzahl verdoppelt

 

   Für die Hochschulen ist der Ansturm auf die Lehrerausbildung jedenfalls eine Herausforderung. "Vor fünf Jahren hatten wir noch 1000 Studenten, im Herbst werden es 2000 sein", sagt Vizerektorin Katharina Soukup-Altrichter von der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Um alle Studenten unterzubringen, müssten Räume angemietet werden, außerdem, so die Vizerektorin, "hoffen wir auf einen Zubau".

 

   Auch an der diözesanen PH hat sich die Zahl der Studierenden in den vergangenen Jahren von 650 auf 1100 im kommenden Herbst fast verdoppelt.

 

 

"Oberösterreichische Nachrichten" vom 14.07.2014             Seite: 2

Ressort: Politik

 

 

Traumberuf VS-Lehrer...

 

   Traumberuf VS-Lehrer

 

   An den Pädagogischen Hochschulen werden Pflichtschullehrer (Volks-, Neue Mittelschul- und Sonderschullehrer) ausgebildet. Ganz oben in der Beliebtheitsskala steht nach wie vor die Ausbildung zum VS-Lehrer. Dieses Fach wählten fast 500 (95 Prozent davon weiblich) der insgesamt 900 Studienanfänger. Bei der Ausbildung zum Mittelschullehrer liegt der Männeranteil bei 25 Prozent.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 160 vom 14.07.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

Androsch startet neuen Anlauf für die Bildung

 

   Hannes Androsch will sein Bildungsvolksbegehren reaktivieren. Zum Zustand der Regierung fallen ihm nur harte Worte ein.

 

   Wien. „Bei Philippi sehen wir uns wieder.“ Diese Drohung richtete, zumindest laut Shakespeare, der Geist Julius Cäsars an seine Mörder. Im SN-Gespräch nimmt der Industrielle und ehemalige Vizekanzler Hannes Androsch die geflügelten Worte in den Mund und richtet sie an die Regierenden. Und zwar im Zusammenhang mit dem Bildungsvolksbegehren, das Androsch mit etlichen Mitstreitern vor drei Jahren startete – und das von den Regierungsparteien im Parlament rückstandslos schubladisiert wurde. „Das Volksbegehren ist abgeschlossen, aber wir sind nicht tot“, sagt Androsch.

 

   Die Regierung, die neun Landeshauptleute und die Spitzen der Sozialpartner werden demnächst Post von Androsch erhalten. Darin wird er nochmals nachdrücklich die Forderungen des Volksbegehrens in Erinnerung rufen: Autonomie für die Schulen; mehr ganztägige Kinderbetreuungsangebote; bessere Qualifikation (und Bezahlung) für Kindergartenpädagogen; gemeinsame Ausbildung aller Pädagogen; moderne Arbeitsplätze für Lehrer in den Schulen; verschränkte Ganztagsschulen; Kurssysteme statt der starren Klassen; bessere Förderung der Migranten; Anhebung der Akademikerquote.

 

   Die Regierung hat in den vergangenen Monaten einige zaghafte Schritte in die von dem Bildungsvolksbegehren skizzierte Richtung unternommen, etwa bei der Kinderbetreuung. Die meisten Problemfelder blieben freilich unbeackert. „Dass wir mit den Ergebnissen zufrieden sind, wäre eine Untertreibung“, sagt Androsch.

 

   Die Unzufriedenheit des einstigen Vizekanzlers und Finanzministers erstreckt sich freilich nicht nur auf die Bildungspolitik. Vielmehr ortet der Ex-Politiker eine allgemeine Starre: „Es herrscht Reformzölibatismus und Veränderungsaversion“, sagt er. Die Regierung vollführe „feste Trippelschritte im Kreis“, der Finanzminister veranstalte „Budgetgemurkse ohne tatsächliche Beseitigung der Schieflage“. Seine Kritik macht Androsch an konkreten Punkten fest: Österreich habe „eine der höchsten Steuerbelastungen“, dennoch steigen die Staatsschulden. Einerseits weise Österreich „weltweit die höchste Transferleistungsquote und eine Spitzensozialquote“ auf, andererseits sei „für nichts mehr Geld vorhanden.“

 

    Androsch vermisst vor allem Investitionen in die Forschung und die Infrastruktur. Die Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden sei „ineffizient und kostenaufwendig“, die „politische Architektur verkrustet“, resümiert er. a. k.

 

 

"Salzburger Nachrichten" Nr. 160 vom 14.07.2014              Seite: 2

Ressort: Innenpolitik

 

Österreich

 

SPÖ zweifelt an Neuer Mittelschule

 

Wien. Die SPÖ beginnt offensichtlich von ihrem Konzept der Neuen Mittelschule abzurücken. „Ich bezweifle, ob das Konzept so sinnvoll ist“, sagte die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) in einem Interview. Die Neue Mittelschule war das Hauptprojekt der früheren Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

 

 

"Vorarlberger Nachrichten" vom 14.07.2014

Ressort: VN-A

 

 

Lehrerausbildung neu und die Zukunftsängste der Vorarlberger Lehrerschaft.

 

Schulleiter bangen um ihr Personal

 

   Bregenz. (VN-hk) Die Ausbildung der Vorarlberger Pflichtschullehrer wird sich schon ab 2015 nachhaltig verändern. Ab dann können die Lehramtsstudenten nicht mehr ihr ganzes Studium an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg absolvieren. Sie werden Teile der Ausbildung auch an der Universität Innsbruck und womöglich noch an anderen Bildungseinrichtungen in Tirol zu machen haben – die VN berichteten. Betroffen von diesen Veränderungen sind hauptsächlich Sekundarstufenlehrer.

 

   Gemeinsamer Brief

 

   In Lehrerkreisen stößt die Pädagogenausbildung neu auf einige Skepsis und einiges Misstrauen. Nicht weniger als 88 Direktoren im Pflichtschulbereich haben deshalb gemeinsam einen Brief verfasst und an Ministerien, Politik und Ausbildungseinrichtungen verschickt.

 

   Darin verleihen die Schulleiter ihrer Sorge Ausdruck, dass die Studienreform große Nachteile für die heimische Schullandschaft bringen könnte. „Die neue Ausbildung wird teurer und länger. Es ist zu befürchten, dass sich das negativ auf den Lehrermarkt auswirken wird“, formuliert Lehrervertreter Armin Rossbacher (59) seine Befürchtungen. „Wenn die Studenten nach Innsbruck müssen, ist zudem davon auszugehen, dass einige nicht mehr nach Vorarlberg zurückkehren. Dabei werden wir gerade in den kommenden Jahren aufgrund zahlreicher Pensionierungen viele neue Lehrer brauchen, bis zu 200 jährlich“, nennt Rossbacher auch Zahlen.

 

   Auch Positives

 

   Man wolle ja den Teufel nicht an die Wand malen, meint Rossbacher. „Schließlich gibt es künftig eine gemeinsame Grundausbildung für alle Sekundarlehrer und auch die Gehälter der Lehrer wurden angeglichen. Aber wir müssen andererseits den Lehrermarkt genau im Auge behalten. Und bei all dem, was in Zukunft kommt, sind die Sorgen berechtigt, dass wir weniger Lehrer haben werden.“ Ins selbe Horn stößt Pflichtschullehrergewerkschafter Gerhard Unterkofler (55). „Wir werden natürlich die Entwicklungen genau verfolgen und sehen, was herauskommt und wie das Studium künftig geregelt wird. Ich kann jedoch die Ängste der Direktoren durchaus nachvollziehen, auch wenn niemand sich gegen eine universitäre Ausbildung ausspricht.“

 

   Unterkofler hat sich vor Jahren schon für eine pädagogische Universität in Vorarlberg eingesetzt. Mittelschuldirektorin Gudrun Brunner (56) von der VMS Höchst hat wie viele ihrer Kollegen den Brief unterschrieben. Sie teilt nicht nur die bisher genannten Befürchtungen, sie glaubt zudem, dass die praktische Ausbildung in der neuen Studienform zu kurz kommt. „Es können dann nicht mehr so viele Praktika gemacht werden wie bisher. Der Kontakt des Lehramtsstudenten mit der Schule wird weniger“, ist sich Brunner sicher. Sie möchte in den kommenden Monaten genau verfolgen, was bei der Organisation des Lehramtsstudiums neu herauskommt.

 

   Klar sind bisher nur die Grundpfeiler der künftigen Studienform und die Verantwortlichkeiten. Für die Ausbildung der Sekundarstufenlehrer ist ab 2015 die Universität Innsbruck zuständig.

 

 

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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