Dienstag, 15. Juli 2014

2014.07.15: Newsletter Bildung

 

"Kleine Zeitung" vom 15.07.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland-Thema

 

Kärnten

 

Flotte Abfahrt zum „Lehrer neu“

 

Im Süden Österreichs ist man bei der Pädagogenausbildung neu vorne. Enge Kooperation zwischen Universität und PH.

 

   NORBERT SWOBODA, THOMAS MACHER

 

   Wer heuer noch ein Lehramtsstudium beginnen will, muss sich sputen: Heute endet die Frist für die Anmeldungen zu den Aufnahmeprüfungen. Erstmals gibt es auch an den Unis für Lehramtsstudien Aufnahmeverfahren.

 

   Während sich also Maturanten rüsten, um den dreistündigen Computertest (an den Unis) und das Aufnahmeverfahren an den Pädagogischen Hochschulen zu meistern, wird letzte Hand angelegt an der Lehrerausbildung neu. Im „Entwicklungsverbund Südost“ arbeiten acht Einrichtungen eng zusammen – von Kärnten über die Steiermark bis ins Burgenland. Marlies Krainz-Dürr ist stolz auf das Erreichte. „Das ist eine gleichwertige Ausbildung für alle Lehrer. Wir haben dafür sehr eng mit der Universität Klagenfurt zusammengearbeitet“, sagt die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Kärnten. Lob, aber auch Bedauern kam von Bildungsreferent und Landeshauptmann Peter Kaiser: „In der Lehrerausbildung sind wir jetzt österreichweit Vorreiter. Mir hätte aber gefallen, wenn auch die Kindergartenpädagogen miteinbezogen worden wären.“ Das Konzept gilt für Lehrer, die ab der Volksschule unterrichten. Umgesetzt werden soll die Ausbildung neu ab Herbst 2015. Die neue Lehrerausbildung im Detail:

 

   Die Elementarstufe

 

   Alle vier PHs (Pädagogische Hochschulen) bieten ein vierjähriges Bachelor- und einjähriges Masterstudium an. Volksschullehrer werden zwar nach wie vor zum Generalisten ausgebildet, erhalten aber zusätzlich noch eine Fachausbildung in einem der folgenden Schwerpunkte: Mehrsprachigkeit, Elementarpädagogik, Medienpädagogik, Inklusion, Gesundheitspädagogik, Religionspädagogik, Sozialpädagogik, naturwissenschaftlich-forschende und kulturell-kreative Bildung.

 

   Die Sekundarstufe

 

   Im Verbund der beteiligten Institutionen wird ein gemeinsames Studium angeboten, das 254 Fächer umfasst. Jede Institution bespielt mit den Partnern jene Fächer gemeinsam, die sie auch derzeit anbietet. Wie bisher wird der künftige Lehrer zwei Fächer studieren und kann dann in Neuen Mittelschulen, in Allgemeinbildenden Höheren Schulen und in Berufsbildenden Höheren Schulen unterrichten.

 

   Nach dem vierjährigen Bachelor folgt ein zweijähriges Masterstudium, das auch berufsbegleitend absolviert werden kann. Nach der neuen Lehrerausbildung kann also auch schon mit einem Bachelor unterrichtet werden. Für eine Fixanstellung ist aber ein Masterabschluss notwendig.

 

   Induktionsphase

 

   Zum Berufseinstieg gibt es die Induktionsphase, wobei in dieser Zeit die Lehrer von Mentoren begleitet werden und zugleich „reflexionsbezogene“ Lehrveranstaltungen besuchen.

 

   Zusammenarbeit

 

   Für alle acht beteiligten Institutionen gilt: Inskribiert man an einer Hochschule, ist man an den anderen automatisch mitinskribiert. Alle Prüfungen und Abschlüsse werden von allen Institutionen anerkannt. Ein Pendeln soll vermieden werden.

 

   Fallstricke

 

   Grundsätzlich ist man optimistisch, dass ab nächstem Herbst die Lehrerbildung neu endgültig steht. Allerdings ist die Finanzierung teilweise noch nicht gesichert – die Studien werden ja länger. Verschiedene gesetzliche Rahmenbedingungen passen zwischen Unis und PHs nicht ganz zusammen.

 

 

"Kleine Zeitung" vom 15.07.2014                             Seite: 14

Ressort: Bundesland-Thema

 

Kärnten

 

DREI FRAGEN AN . . .

 

1.Was halten Sie von der neuen Lehrerausbildung?...

 

   1.Was halten Sie von der neuen Lehrerausbildung?

 

   MANFRED JANTSCHER: Ich stehe ihr sehr skeptisch gegenüber. Die fachliche Qualifikation ist das Wichtigste in der Ausbildung. Früher hat ein zukünftiger Lehrer neun Semester an der Universität studiert. Jetzt wird das alles verkürzt. In den kommenden Jahren wird sich das rächen.

 

   2.Was ist mit dem neuen Aufnahmeverfahren? Dadurch könnten ja nicht geeignete Kandidaten ausgesiebt werden.

 

   JANTSCHER: Das kann nicht bestimmen, wie geeignet jemand für den Lehrberuf ist. Man entwickelt sich im Laufe des Studiums. Das ist ähnlich wie bei Schülern: Ein Aufnahmetest für Zehnjährige ans Gymnasium ist auch nicht sinnvoll.

 

   3.Wie würden Sie die Lehrerausbildung ändern?

 

   JANTSCHER: Das Image der Lehrer muss zunächst wieder verbessert werden, damit sich motivierte und intelligente Maturanten für diesen Beruf entscheiden. Dann braucht es eine fundierte universitäre Ausbildung, in der Wert auf die fachliche Qualifikation gelegt wird.

 

 

Manfred Jantscher, Vorsitzender der AHS-Lehrergewerkschaft KK

 

 

"Kurier" vom 15.07.2014                                    Seite: 3

Ressort: Innenpolitik

 

Wi, Abend, Länder, Morgen

 

Bildungspolitik

 

Bifie vor Radikalreform, neue Chefs nur interimistisch

 

   Schulreform. Nicht erst seit der Kritik von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl im KURIER ist klar, dass beim Bildungsinstitut Bifie Feuer am Dach ist. Brandsteidl hatte erklärt: "Ich glaube nicht, dass wir das bifie unbedingt brauchen. Das kann auch das Ministerium machen."

 

   Zwar war Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar - sie weilt derzeit anlässlich der Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag in Paris - doch laufe derzeit ein intensiver Reformprozess des bifie, hieß es aus dem Büro der roten Ministerin. Es gelte, das bifie "fit für 2015" zu machen. Ähnliches hatte Heinisch-Hosek auch im Bildungsausschuss erklärt, wonach das bifie-Gesetz über den Sommer von Grund auf novelliert werden soll.

 

   Gerüchteweise soll Christian Dorninger, Sektionschef im Ministerium, die bifie-Leitung interimistisch ab August übernehmen, bis klar ist, was die künftigen Aufgaben sein sollen. Diskutiert wird dem Vernehmen nach auch über ein Ende des Instituts. Die Zentralmatura dürfte aufgrund der groben Schnitzer des bifie im Frühjahr bei der Premiere ebenfalls vom Ministerium übernommen werden.

 

 

Die Presse – 15. Juli 2014

 

 

Bildungsreform: Neue Initiative für weißen Rauch statt Grabenkämpfe

"Jedes Kind" plant Auftakt im Herbst - Wertschätzung der Kinder als zentrales Thema

Aus fröhlichen Kindern in bunten Kleidern werden kleine Soldaten gemacht, die in Reih und Glied aus der Schule marschieren. Das Video der neuen Bildungsinitiative "Jedes Kind" wählt drastische Bilder, um auf die Notwendigkeit einer Bildungsreform in Österreich aufmerksam zu machen. In den österreichischen Schulen lernen die Kinder lediglich "lesen, schreiben, rechnen und gehorchen", heißt es im Video.

Auf der Homepage schreibt die Initiative: "Bildungspolitik erschöpft sich in ideologischen Grabenkämpfen. Es reicht! Wir brauchen keine kosmetischen Korrekturen eines kranken Systems, wir brauchen eine grundsätzliche Bildungswende." Die zentralen Forderungen: "Kein Kind darf beschämt werden, kein Kind darf zurückgelassen werden, und kein Kind darf verkümmern."

Bunter Vorstand

"Wir wollen jedes Kind ins Zentrum rücken, die Wertschätzung ist dabei ein zentrales Thema", erklärt Daniel Landau, Sprecher der Initiative im Gespräch mit derStandard.at am Montag. Landau ist AHS-Lehrer für Mathematik und Musik  und war schon bei mehreren Bildungsinitiativen aktiv, etwa bei "Bildung Grenzenlos" oder dem Bildungsvolksbegehren.

Die Initiative "Jedes Kind" bezeichnet sich selbst als "erste Bildungs-NGO Österreichs". Im Vorstand der Nichtregierungsorganisation sitzen die freie Journalistin und Buchautorin Sibylle Hamann, die Studentin und ehemalige Vorsitzende der SPÖ-Schülerorganisation "Aktion Kritische SchülerInnen" Eleonora Kleibel und Harald Mahrer, Unternehmer und Präsident der Julius-Raab-Stiftung. Obmann ist Klemens Riegler-Picker, Psychologe und Geschäftsführer des Thinktanks "Change Tank".

Finanzierung über Spenden

Finanzieren will sich die Initiative über Spenden. Bis zum August 2014 braucht die Initiative 20.000 Euro, um mit den Kampagnen starten zu können, bisher wurden 2.000 Euro gespendet. "Wir wollen einen unüberhörbaren Auftakt im Herbst liefern", sagt Landau. Bisher hätten im Bereich Bildung zwar schon viele Initiativen wertvolle Arbeit geleistet, die neue Initiative sei aber "gekommen, um zu bleiben". Das Ziel sei, dass die Mitarbeiter hauptberuflich für die Organisation tätig sind. Landau selbst hat sich für das nächste Schuljahr von seinem Beruf als Lehrer karenzieren lassen.

Bildungskonklave 2015

Geplant sind unter anderem drei Kampagnen. Zum einen will sich die Organisation dafür einsetzen, dass sich das Schulsystem mehr auf die Stärken der Kinder konzentriert und Talente gefördert werden. Zudem soll eine "Roadmap zu einer Bildungswende" erstellt werden. Dabei sollen am Anfang des Jahres 2015 alle Österreicher die Möglichkeit bekommen, "an dem Fundament für eine Bildungswende mitzubauen". Im Herbst 2015 soll die Spitzenpolitik dann ein "Bildungskonklave" einberufen, wo eine Bildungsreform bis zum Jahr 2020 diskutiert werden soll, bis "weißer Rauch" aufsteigt. Die Umsetzung der Reformen soll nach Vorstellungen der NGO Mitte 2016 realisiert werden.

 

 

 

 

Andrea Steiner
Büro Kurt Schober
SPÖ-Parlamentsklub
Tel.: 01/40110-3945

 

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