Mittwoch, 20. August 2014

Bildungs-Newsletter 20. August 2014

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OTS0045 II 20.08.2014 10:29:01

 

Renner: Schulbeginn - Preisvergleich beim ersten Schulstartpaket lohnt sich

 

Utl.: Nicht immer muss teurer auch besser sein

 

Aller Anfang ist nicht nur schwierig und herausfordernd, sondern kann leider auch teuer sein. Diese Erfahrungen machen dieser Tage Eltern von Taferlklasslern ebenso wie Eltern von Schülerinnen und Schülern, die in eine höhere Schule wechseln. Doch ein Vergleich der verschiedenen Produkte und Geschäfte beim Ersteinstieg für die Jüngsten in den Ernst des Lebens kann sich durchaus lohnen. Die Grundausrüstung, von der Schultasche bis zu den Malstiften, von Heften bis zum Radiergummi, kann bis zu rund 200 Euro kosten. Füllfeder, Tintenkiller, Bleistifte, Buntstifte, Federpennal und, und, und - die Ausstattung für einen Erstklässler geht ins Geld.

 

"Dabei gibt es einigen Tipps die Geld sparen helfen", rät Niederösterreichs Konsumentenschutzreferentin LHStv. Mag. Karin Renner zum aktiven, weil geldsparenden Preisvergleich. So muss die Qualität eines Nicht-Markenproduktes nicht unbedingt schlechter sein als die eines Markenproduktes. Sich im Fachhandel beraten zu lasse, spart Geld und auch später vielleicht so manchen Ärger. Weiters gilt es, auf die Qualität und Haltbarkeit der Produkte zu achten. Billig-Filzstifte trocknen nach kurzer Zeit aus und sind daher nicht ratsam, umweltfreundliche Produkte, wie etwa wiederbefüllbare Filzstifte auf Wasserbasis, schonen nicht nur die Umwelt, sie sind letztendlich auch günstiger. Gefüllte Federpennale sind meistens deutlich billiger als ungefüllte. "Was die Schultasche betrifft, sollte unbedingt auch darauf geachtet werden, dass man den Jüngsten nicht eine zu große Last aufbürdet. Die Schultasche von VolksschülerInnen sollte nicht schwerer als maximal ein Zehntel des Körpergewichts sein. Wichtig ist, dass die Schultasche auf dem Rücken getragen wird und nicht nur auf einer Schulter! Eine stabile Form, hohe Standsicherheit beim Bepacken, reißfestes und wasserundurchlässiges Material sowie die gute Erkennbarkeit im Straßenverkehr sind ebenso unbedingt einzuhaltende Standards. Letztendlich wollen wir alle unsere Jüngsten bestens ausgestattet und mit Freude in die ersten Schultage entlassen. Der Ernst des Lebens beginnt ja noch früh genug", so LHStv. Mag. Karin Renner. (Schluss) fa

 

Rückfragehinweis: SPNÖ-Landesregierungsfraktion/SPNÖ-Landtagsklub

Mag. Andreas Fiala

Pressesprecher

Tel.: 02742/9005 DW 12794, Mobil: 06642017137

mailto:andreas.fiala@noel.gv.at

www.noe.spoe.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/193/aom

 

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OTS0029 CI 20.08.2014 09:33:36

 

ARBÖ: Noch 12 Tage bis Schulbeginn, Zeit die Kinder "schulwegsicher" zu machen

 

Mehr als 300.000 VolksschülerInnen werden ab 1. September wieder tagtäglich - zu Fuß, mit Öffis, Rad oder Auto - zur Schule unterwegs sein. Um gefährliche Situationen zu vermeiden, präsentieren die Experten des ARBÖ die wichtigsten Tipps für das korrekte Verhalten im Straßenverkehr - für Erwachsene und Kinder. "Kinder haben eine andere Sinneswahrnehmung als Erwachsene, ihr Gesichtsfeld ist eingeschränkter und aufgrund ihrer Größe können sie nicht die Perspektive anderer Verkehrsteilnehmer wahrnehmen. Außerdem verarbeiten Kinder Sinnenseindrücke langsamer als Erwachsene und können Geschwindigkeiten noch nicht richtig einschätzen", so ARBÖ-Experte Mag. Kurt Sabatnig.

 

Der ARBÖ empfiehlt Eltern von Kindern im Volksschulalter in den verbleibenden Ferientagen noch die Grunderegeln für den sicheren Schulweg zu üben: - Üben Sie den Schulweg mit Ihrem Kind und lassen Sie sich den Schulweg samt Gefahrenstellen von Ihrem Kind erklären. - Nicht immer ist der kürzeste Schulweg der sicherste. Zebrastreifen, Ampeln und Verkehrsinseln helfen beim Überqueren der Straße. - Achten Sie darauf, dass Ihr Kind rechtzeitig das Haus verlässt. Wenn Ihr Kind in die Schule hetzt, erhöht sich die Unfallgefahr. - Frühstücken ist nicht nur gesund, sondern trägt auch zur Konzentration Ihres Kindes auf dem Schulweg bei. - Vor allem im Herbst und Winter sollte Ihr Kind am Schulweg helle oder reflektierende Kleidung tragen. Zusätzlich sollten an der Schultasche Reflektoren angebracht sein.

 

Auch für Eltern, die ihre Kinder mit dem Rad in die Schule bringen, hat der ARBÖ einige Tipps parat:

 

- Für Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr besteht eine Radhelmpflicht. Die Aufsichtsperson ist dafür verantwortlich, dass das Kind den Helm auch tatsächlich trägt. - Erst ab einem Alter von zwölf Jahren dürfen Kinder alleine mit dem Rad fahren. Kinder, die einen Fahrradausweis haben, dürfen ab einem Alter von 10 Jahren alleine unterwegs sein. Eine bestandene Radfahrprüfung garantiert nicht, dass sich Kinder im Straßenverkehr sicher und vorausschauend verhalten. - Vor allem im Herbst und Winter wird die Sicherheit auf der Straße durch Dunkelheit, Laub auf den Wegen, Nässe oder Glätte enorm beeinträchtigt. - Das Fahrrad Ihres Kindes muss selbstverständlich immer verkehrssicher sein.

 

"Auf allen Schulwegen gilt: Übung macht den Meister. Begleiten Sie Ihr Kind anfangs oder organisieren Sie eine "Abholkette", sodass Ihr Kind gerade am Anfang oder bei neuen Wegen nie ohne Begleitperson unterwegs ist", so Sabatnig abschließend.

 

Rückfragehinweis: ARBÖ Interessenvertretung, Kommunikation & Medien

 Mag. Cornelia Wild

 Tel.: 0043(0)1 89121205

 mailto:presse@arboe.at

 www.arboe.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/27/aom

 

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OTS0027 CI 20.08.2014 09:31:20

 

Volkshilfe NÖ: Schulstartaktion

 

Heute ist der Startschuss der vierten österreichweiten Volkshilfe-Schulstartaktion in Niederösterreich. Wenn nach den Ferien die Schule beginnt, ist die Freude bei den Kindern meist groß. Bei den Eltern sieht es oft ganz anders aus. Viele Familien geraten rasch an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten. Zur Unterstützung erhalten einkommensschwache Familien Gutscheine für den Kauf von Schulmaterialien.

 

"Gerade zu Schulbeginn wenden sich viele alleinerziehende Mütter und Väter sowie Familien mit drei oder mehr Kindern an uns, weil sie Unterstützung benötigen. Tendenz steigend", weiß der Präsident der Volkshilfe NÖ Prof. Ewald Sacher "auch in Niederösterreich." In Österreich gibt es 574.000 armutsbetroffene Haushalte mit Kindern. "Bildung ist maßgeblich, um den Teufelskreis Armut zu durchbrechen. Dort setzt unsere Schulstartaktion an. Wir helfen Familien mit Gutscheinen für dringend benötigte Schulartikel", so der Geschäftsführer der Volkshilfe NÖ Mag.(FH) Gregor Tomschizek, "verteilt werden diese von den Volkshilfe Bezirksvereinen."

 

Zwtl.: Sie wollen helfen?

 

Die Volkshilfe sammelt Spenden für armutsbetroffene Kinder und Jugendliche in Österreich. Die Spende ist steuerlich absetzbar! Spendenkonto: IBAN: AT77 6000 0000 0174 0400, Kennwort: "Schulstart"

 

Zwtl.: Sie benötigen Hilfe?

 

Wenn Sie Hilfe benötigen, unter www.noe-volkshilfe.at/schulstart-2014 finden Sie genaue Infos über Ausgabeorte und -zeiten der Gutscheine für Schulartikel. Wenn Sie keinen Internetzugang haben, dann rufen Sie uns an: 02622 / 82200-6210 (Mo-Fr 9-12 Uhr)

 

Rückfragehinweis: Volkshilfe NÖ / SERVICE MENSCH GmbH

Mag.(FH) Beatrix Dunkl, Tel.: 02622 / 82200-6920

E-Mail: beatrix.dunkl@noe-volkshilfe.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/533/aom

 

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Der Standard, Online, 20. August 2014

Rosa Winkler-Hermaden

 

Gemietete Klassenzimmer für steigende Schülerzahl

 

Bis 2025 wird es in Wien rund 25.000 mehr schulpflichtige Kinder geben. Die Stadt braucht zusätzliche Klassenräume und setzt unter anderem auf Schulcampus-Areale. Experten fürchten Intransparenz, da diese als Public-Private-Partnerships konzipiert sind

 

Wien - In weniger als zwei Wochen sind in Wien die Sommerferien vorbei. Das ist auch der Startschuss für den neuen Bildungscampus im Sonnwendviertel am Wiener Hauptbahnhof. Er ist das derzeitige Vorzeigeprojekt von Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SP): Statt Schiefertafeln gibt es Whiteboards, Klassenzimmer heißen Bildungsräume, und der Unterricht soll zum Teil im Freien stattfinden. Die Investitionskosten liegen bei 79 Millionen Euro, im Endausbau sollen 1100 Schülerinnen und Schüler am neuen Campus unterrichtet werden.

 

In den kommenden 15 Jahren wächst die Zahl der Wiener Bevölkerung um 250.000 Personen an (DER STANDARD berichtete). Auch die Zahl der schulpflichtigen Kinder wird deutlich steigen. Gab es 2014 noch rund 145.000 schulpflichtige Kinder in Wien, sind es Prognosen zufolge im Jahr 2025 bereits 170.000 Kinder.

 

Um sich für den Zuwachs der schulpflichtigen Kinder zu wappnen, muss die Stadt Wien zusätzliche Klassenräume schaffen. Berechnungen aus dem Büro des Bildungsstadtrats zeigen, dass der Mehrbedarf bis dahin alleine für die schulpflichtigen Kinder bei insgesamt rund 1000 Klassenzimmern liegt. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass ein Klassenzimmer 1,2 Millionen Euro kostet. Es ergibt sich laut der Stadt Wien ein jährlicher Investitionsbedarf von rund 100 Millionen Euro. Das betrifft Schulerweiterungen, Schulsanierungen, aber auch Schulneubauten.

 

Um die Neubauten finanzieren zu können, greift die Stadt auch auf Public-Private-Partnership-Modelle (PPP) zurück; darunter versteht man eine gemeinsame Finanzierung von öffentlicher Hand und privaten Investoren.

 

Zehn weitere Campus-Areale

 

Zwar ist der nun fertiggestellte Campus am Hauptbahnhof kein PPP-finanzierter. Der 2010 eröffnete Campus am Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs ist aber ein Beispiel dafür: Die Baufirma Porr und die Bank Austria waren an der Finanzierung beteiligt. Zehn weitere solcher Gebäude, wo Kindergarten und Pflichtschule zusammengefasst werden, sollen bis 2023 in ganz Wien entstehen, unter anderem in Stammersdorf, Aspern oder Favoriten.

 

Kritik kommt von der Architektenkammer. In erster Linie deshalb, weil die PPP-Verträge unter Verschluss bleiben. Das verursache Intransparenz, kritisiert die Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten. Präsident Peter Bauer sagt: "Wir haben die Sorge, dass durch komplizierte Verträge das öffentliche Interesse nicht berücksichtigt wird."

 

Alternative Modelle

 

Daher untersucht die Kammer alternative Modelle, die sowohl die Finanzierung, bildungspolitische Anliegen und Anforderungen, zeitgemäße Mitsprachemöglichkeiten als auch hochwertige Baukultur bestmöglich sicherstellen sollen. Die Kammer will die Ergebnisse ihrer Recherchen demnächst Oxonitsch übergeben.

 

Dem Bildungsstadtrat sind mehr oder weniger die Hände gebunden. Wegen der Maastrichtkriterien darf die Neuverschuldung pro Jahr eine gewisse Summe nicht überschreiten. "Es ist völlig unverständlich, warum eine Investition für Generationen in einem einzigen Jahr Maastricht-wirksam wird", beklagt er sich beim STANDARD.

 

Wie sich die Zusammensetzung der Schüler - Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, sozioökonomischer Hintergrund - in den kommenden 15 Jahren wandeln wird, ist derzeit noch schwer vorauszusehen.

 

Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund

 

Laut nationalem Bildungsbericht waren 2010/11 in Wien mehr als die Hälfte aller Volksschulkinder mit nichtdeutscher Alltagssprache. Nachdem die Zuwanderung - nicht nur aus Österreich, sondern auch aus dem (EU-) Ausland - steigen wird, ist davon auszugehen, dass auch die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund größer wird. (Rosa Winkler-Hermaden, DER STANDARD, 20.8.2014)

 

Mitreden: Wie soll Ihr Wien der Zukunft aussehen?

 

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Die Presse, 20.08.2014

Barbara Gasteiger-Klicpera 

 

Der Weg zu einer „Schule für alle“

 

Sonderschulen oder doch ein inklusives Bildungssystem? Entscheidend ist die Qualität der Förderung.

 

Alle wieder zurück in die Steinzeit“ ist das Motto, das Wiener Experten derzeit über die Medien zum Thema Sonderschule ausrufen. Es ist erstaunlich, mit welcher Kurzsichtigkeit die Bemühungen und Entwicklungen in den Bundesländern ignoriert werden. Wie kann es sein, dass man eine Frage, die vor allem empirisch zu klären wäre, ausschließlich mit emotional-politischen Argumenten zu beantworten versucht, ohne sich auch nur annähernd mit den wissenschaftlichen Befunden auseinanderzusetzen?

 

In der Steiermark gibt es seit 20 Jahren ein kontinuierliches Bestreben um die integrative Bildung von Kindern. Nachhaltige Bemühungen des Landesschulrats sowie Initiativen vieler engagierter Eltern und Pädagogen haben dazu geführt, dass etwa 84 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv unterrichtet werden.

 

Untersuchungen machen deutlich, dass sich die Leistungen dieser Schüler so besser, und die der anderen Kinder zumindest gleich gut entwickeln. Unsere eigenen Studien zeigen ebenfalls sehr eindeutig, dass Eltern sich eher für Inklusion entscheiden als für die Sonderschule, und dass sie die Entwicklung ihrer Kinder auch positiver einschätzen. Wichtig ist ihnen eine qualitativ hochwertige Förderung.

 

Anderes Rollenverständnis

 

Ein inklusives Bildungssystem setzt neue Rahmenbedingungen und Strukturen voraus. Beispielsweise wird eine Umstrukturierung der Sonderpädagogischen Zentren zu Kompetenzzentren für Inklusion notwendig sein. Dort muss die sonderpädagogische Kompetenz in Richtung Team- und Schulentwicklung vertieft und erweitert werden, damit sie flexibel und zeitnah für alle Schulen zur Verfügung gestellt werden kann. Dies wird ein verändertes Rollenverständnis der Sonder- bzw. Inklusionspädagogen zur Folge haben, und unter veränderten Rahmenbedingungen wird die Zusammenarbeit zwischen Klassenlehrern und Sonderpädagogen als wirkliches Ko-Teaching gelebt werden können.

 

Hochwertige Betreuung

 

Weil dies der einzige Weg ist, eine hochwertige Form von Betreuung und individualisierter Förderung an allen Schulen zu ermöglichen, sind mutige politische Entscheidungen gefragt. Inklusion kann auch nicht daran scheitern, dass einzelne Sonderschuldirektoren Angst um ihre Zulagen haben.

 

Dass der Ausbildung der zukünftigen Inklusionspädagogen ein hoher Stellenwert zukommt, ist ebenfalls längst klar. Die Universität Graz bietet als einzige Uni in Österreich bereits seit drei Jahren einen Masterstudiengang „Inklusive Bildung“ an. Zudem hat eine Arbeitsgruppe des Entwicklungsverbundes Süd-Ost ein Curriculum für Inklusive Pädagogik entwickelt, das diesen Herbst in die Begutachtung geht und 2015 starten wird.

 

Nicht nur pädagogisch, sondern auch ökonomisch klüger wäre es, die zweigleisige Ressourcenverteilung auf Sonderschulen und Inklusion aufzugeben, die derzeit im System verstreuten Mittel für die sonderpädagogische Förderung in die inklusive Bildung zu investieren und damit flächendeckend eine qualitativ hochwertige Betreuung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf zu realisieren.

 

Sicherlich sind weitere Initiativen nötig, um in Österreich wirklich eine „Schule für alle“ zu ermöglichen. Wichtig ist aber, dass sich das Schulsystem verändert – und zwar nicht zaghaft, sondern entschieden. Sonst werden wir 2020 noch am selben Punkt stehen wie heute und den Vorsprung, der mit den Anstrengungen von so vielen engagierten Pädagogen und Eltern erreicht wurde, wieder verspielt haben.

 

Univ.-Prof. Dr. Barbara Gasteiger-Klicpera leitet den Arbeitsbereich für Integrationspädagogik und Heilpädagogische Psychologie an der Universität Graz.

 

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Kleine Zeitung, Online, 20.8.2014

Heidi Scheucher

 

Ein "Danke" in 21 Sprachen

 

Direktorin Heidi Scheucher hat ihre Geidorfer Volksschule - gerade wegen des hohen Migrantenanteils - zum prämierten "Ort des Respekts" gemacht.

 

Wenn in der Volksschule Graz Geidorf vom "Ort des Respekts" die Rede ist, dann gewiss nicht im oft missbräuchlich gemeinten Sinn "Angst vor dem Lehrer haben". "Vielmehr geht's darum, dass unsere Schulkinder, die aus 21 Nationen kommen", anders als viele Erwachsene, das Gemeinsame vor das Trennende stellen, erklärt Direktorin Heidi Scheucher (59). Für ihren unermüdlichen Einsatz für ein vorurteilsfreies und friedfertiges Zusammenleben der 250 Schüler wurde ihr langjähriges Projekt "Menschenrechtsschule" nun ausgezeichnet. Unter 73 steirischen Bewerbern hat sie sich beim (von Uniqa und dem Verein Respekt.net durchgeführten) Bewerb "Orte des Respekts" durchgesetzt. Und das nicht nur, weil schon im Eingangsbereich der Schule unübersehbar das Wort "Danke" in allen nur möglichen Sprachen der Schüler plakatiert ist. Prämiert wurde u. a. ein mehrjähriges Projekt (zusammen mit der Forschungsstelle ETC), in dem man versucht, das Thema Menschenrechte im Alltagsunterricht stärker einzubauen.                                                          

 

Wie wirkt sich das aus? "Es ist nicht die heile Welt entstanden", räumt Scheucher, die seit fast 40 Jahrern Lehrerin und seit zehn Jahren Direktorin ist, mit Illusionen auf. "Aber Sätze wie ?Du bist ein Ausländerkind, ich bin von da' sind im Gegensatz zu vor fünf Jahren nicht mehr zu hören." Obwohl durch Schulversuche der Migrantenanteil auf 40 Prozent gestiegen sei - und das durchaus gewollt.

 

Islamische Nikoläuse

 

Denn Scheucher geht mit ihrer Volksschule bewusst den Weg zur Mehrsprachigkeit, der auch von Eltern honoriert werde. "Seit wir in jedem Jahrgang eine zweisprachige Klasse mit Kroatisch anbieten, sind die Schülerzahlen gestiegen statt gesunken." Auch in puncto Religion seien Kinder offener als viele Erwachsene. Das gehe sogar so weit, "dass islamische Kinder bei uns den Nikolaus spielen". Bei aller Toleranz: Kreuze in der Klasse und das Feiern des Weihnachtsfestes seien dennoch Pflicht: "Die Kinder sollen schon wissen, in welcher Umgebung sie leben." ULRICH DUNST

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

Dienstag, 19. August 2014

Bildungs-Newsletter 19. August 2014

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Die Presse

Rudolf Muhr 

 

Sprachliche Vielfalt − schulische Einfalt

 

Es ist bereits überfällig, das österreichische Schulsystem an die Mehrsprachigkeit unserer Gesellschaft anzupassen.

 

Vor Kurzem wurde der Integrationsbericht 2014 mit Empfehlungen für die bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern mit nicht deutscher Erstsprache vorgestellt. Dort ist von „Vorbereitungsklassen" die Rede, die eingerichtet werden sollen, „wenn eine entsprechende Nachfrage in einem schulischen Einzugsbereich vorhanden ist", vor allem für sogenannte Quereinsteiger, die während des Schuljahres nach Österreich kommen.

 

Die seither stattfindende erbitterte Diskussion über eigene „Ausländerklassen" verläuft exakt entlang der politischen Rechts/Links- Demarkationslinie.

 

FPÖ-Chef H.-C. Strache und seinesgleichen forderten eigene Ausländerklassen und die Begrenzung des sogenannten Ausländeranteils pro Klasse. Sie fanden damit die Zustimmung der einschlägigen Foren. Allerdings: Man stelle sich vor, Herr Strache müsste etwa ins geliebte Serbien emigrieren, seine Kinder wären dort in eine Ausländerklasse gesperrt und müssten dort ohne zusätzliche Hilfe dem Unterricht folgen und gleichzeitig Serbisch mit kyrillischer Schrift lernen. Wie wäre da wohl seine Reaktion? Dass Straches Forderung nach eigenen „Ausländerklassen" pädagogisch abwegig ist und dahinter eine Diskriminierungsabsicht steht, muss nicht extra betont werden.

 

Das Schulsystem versagt

 

Auf der Gegenseite lehnten verschiedene Linguistinnen und Linguisten sowie die Grünen das Ansinnen eigener Vorbereitungsklassen strikt ab. Sie sprechen von Segregation, die schädlich und kontraproduktiv sei, weil die Kinder ausgeschlossen würden und man Deutsch besser im Rahmen einer integrativen Lernsituation mit anderen deutschsprachigen Kindern lernen würde. Ihre Ablehnung der Vorbereitungsklassen ist ebenso abwegig, wenn man die schlechten schulischen Ergebnisse der Schüler mit nicht deutscher Erstsprache betrachtet. Die PISA-Tests zeigten, dass 60 Prozent der türkischen und 29Prozent der exjugoslawischen Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse der Pflichtschule beim Lesen der Risikogruppe angehörten.

 

Elf Prozent der in Österreich geborenen männlichen und 15Prozent der weiblichen Zuwanderer verlassen die Pflichtschule ohne einen Abschluss und sind ohne Beschäftigung. Das ist eindeutig nicht die Schuld der Schüler, sondern des österreichischen Schulsystems, dem es im Gegensatz zu anderen Ländern nicht gelungen ist, entsprechende Lernbedingungen zu schaffen, um den Kindern von Zuwanderern einen wenigstens durchschnittlichen Schulerfolg zu ermöglichen.

 

Es gibt in Österreich keinen Rechtsanspruch auf Deutschförderung. Das heißt, dass es im Wesentlichen vom guten Willen der jeweiligen Direktion und vom Engagement der Lehrerschaft der jeweiligen Schule abhängt, ob und wie viel die Schüler nicht deutscher Erstsprache zusätzlichen Sprachunterricht in Deutsch bekommen.

 

Wie die schlechten Ergebnisse im Rahmen der Bildungsstandardtests zeigen, ist das seit Anfang der 1990er-Jahre praktizierte Immersionsmodell, das von Grünen und Teilen der SPÖ vehement verteidigt wird, ebenso gescheitert. Die sprachliche Integration soll dabei auf der Basis von Immersion erfolgen. Schüler nicht deutscher Erstsprache sollen also in der Stammklasse mit den deutschsprachigen Schülern zusammen sein, mit und von diesen Deutsch lernen.

 

Das ist aber nur möglich, wenn höchstens ein Fünftel der Volksschulklasse Schüler nicht deutscher Erstsprache sind, da die jeweilige Lehrperson sonst hoffnungslos überfordert ist und zu wenig sprachlicher Input in der Zielsprache Deutsch erfolgt. Das an sich gut gemeinte Modell wurde durch die hohe Anzahl von Schülern nicht deutscher Erstsprache in städtischen Ballungszentren ins Gegenteil verkehrt.

 

Die richtigen Fragen stellen

 

In Wien gibt es sechs Stadtbezirke mit einem durchschnittlichen Anteil an Schülern nicht deutscher Erstsprache an Volksschulen von 61,2 bis 81,4 Prozent und 21 Volksschulen ohne deutschsprachige Schüler. Der Anteil von Schülern nicht deutscher Erstsprache beträgt in Wien in der Volksschule 50,6, in der Hauptschule 60,9, in der AHS-Unterstufe 40 Prozent.

 

Ähnlich ist die Situation in den Volksschulen anderer Städte – Wels: 48, Linz: 38, Stadt Salzburg: 36, St.Pölten: 30, Dornbirn: 29, Graz: 20, Innsbruck: 27 Prozent. Die derzeitige Situation hat also vielfach genau jene „Ausländerklassen" geschaffen, die man mit dem Immersionsmodell vermeiden wollte.

 

Fest steht: So kann es nicht weitergehen! Was also ist zu tun? Zuerst einmal gilt es, die richtigen Fragen zu stellen. Diese lauten: Welches Integrationsmodell ist für Schüler nicht deutscher Erstsprache angemessen und führt dazu, dass die Kinder von Zuwanderern in österreichischen Schulen denselben Schulerfolg wie die deutschsprachigen erreichen? Die konventionelle Antwort lautet: Diese Schüler müssen gut Deutsch lernen, damit sie in der Schule mitkommen. Das ist auch der Tenor des Integrationsberichts 2014.

 

Bereits 20 Prozent Zuwanderer

 

Die Antwort ist nicht falsch, sie ist aber verkürzt. Richtiger wäre es zu sagen, dass sich Österreichs Schulsystem an die Tatsache anpassen muss, dass bereits 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Zuwanderer und daher mehrsprachig sind und sich daraus geänderte schulische Anforderungen ergeben.

 

Die österreichische Schule agiert aber so, als ob es dieses Faktum nicht gäbe. Sie ist nach wie vor eine monolinguale Schule, die nur auf Deutsch ausgerichtet ist. Aus der jetzigen massiven Zuwanderungssituation ergibt sich jedoch zwingend, dass die Einrichtung zweisprachiger Schulen (oder zumindest einzelner Schulklassen) für die wichtigsten Zuwanderersprachen ein Gebot der Stunde und dies die einzige Möglichkeit ist, dass gute Deutschkenntnisse erworben werden und die Zuwanderersprachen erhalten bleiben.

 

Zugleich wird deutschsprachigen Schülern das Erlernen einer zweiten Sprache im Rahmen des Regelschulunterrichts ermöglicht. Weiters können diese Schulen als Erstaufnahmezentren für die jeweilige Herkunftssprache wirken.

 

Ein solches Schulsystem existiert bereits in Lettland, wo es elf anerkannte Sprachminderheiten und entsprechende zweisprachige Schulen gibt. Sie haben dazu geführt, dass Lettland unter den Ländern mit den besten PISA-Ergebnissen rangiert.

 

Die größten Opfer

 

In einem solchen System spricht auch nichts gegen Vorbereitungskurse von Schülern ab der dritten Volksschulklasse und erst recht für Schüler ab der fünften Schulstufe, wenn diese im Rahmen einer mehrsprachigen Schule von mehrsprachigen Lehrern durchgeführt werden. Das gilt besonders für Quereinsteiger. Sie sind die größten Opfer des derzeitigen Immersionsmodells, da sie ohne Deutschkenntnisse die Unterrichtszeit des ersten Schuljahrs meist sinnlos absitzen.

 

Die erfolgreiche Integration von Schülern mit nicht deutschsprachiger Erstsprache kann durch die Anpassung des Schulsystems an die Mehrsprachigkeit unserer Gesellschaft erreicht werden, nicht jedoch durch die Anpassung dieser Schüler an die monolingual ausgerichtete österreichische Schule.

 

DER AUTOR

Rudolf Muhr (*1950) ist Professor an der Karl-Franzens-Universität Graz und Leiter der dortigen Forschungsstelle Österreichisches Deutsch, Gründer des Universitätslehrgangs Deutsch als Fremdsprache an der Uni Graz. [ Privat

 

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APA0223 CI 18.08.2014 13:10:42

 

Schulwegunfälle: Unfallrisiko verdoppelt sich im zweiten Schuljahr

 

Utl.: Grazer Sicherheitsexperte: "Kinder kommen im Sommer aus der Übung"

 

Der Weg zur Schule endet für rund 500 Kinder jährlich in im Krankenhaus, weil sie in einen Verkehrsunfall verwickelt wurden. Die häufigsten Opfer seien jedoch nicht die Schulanfänger, die gut vorbereitet und oft noch begleitet in die Schule gehen, sondern die Altersgruppe ab sieben Jahren und Radfahranfänger, warnten die Kindersicherheitsexperten "Große schützen Kleine" in Graz am Montag.

 

"Üben sie nicht nur mit den Schulanfängern, sondern mit allen Volksschulkindern und den Zehnjährigen, wenn sie die Schule wechseln, den Schulweg", appellierte der Präsident von "Große schützen Kleine", Holger Till, an die Eltern. Das für die Vermeidung von Unfällen wichtige "vorhersehende Gefahrenbewusstsein" sei erst mit elf Jahren voll ausgebildet. Dann komme jedoch als neue Fortbewegungsart und zugleich Risikoquelle das Radfahren hinzu, erläuterte der Vorstand der Uniklinik für Kinder- und Jugendchirurgie. 57 Prozent der Kinder, die zwischen 2009 und 2012 verunglückten, waren laut "Große schützen Kleine" zu Fuß unterwegs.

 

Die wenigsten Unfälle erleiden nach den Analysen der Grazer Kindersicherheitsexperten die Taferlklassler. Sie werden von den Eltern im Sommer gut auf denn neuen Schulwegs vorbereitet und werden teils auch noch zur Schule begleitet. "Doch mit zunehmender Routine - und anscheinend nachlassender Aufmerksamkeit passieren mehr Unfälle", erläuterte der Grazer Unfallforscher Peter Spitzer. Dementsprechend sei der September mit rund neun Prozent beinahe der Monate mit den wenigsten Unfällen. Die unfallträchtigsten Monate seien Oktober und November mit zwölf und elf Prozent.

 

Nachlassendes Gefahrenbewusstsein ist offenbar auch für den Anstieg der Unfälle im zweiten Schuljahr verantwortlich: Hier sei eine Verdoppelung des Unfallrisikos zu verzeichnen. Kinder würden in diesem Alter über die Ferien "aus der Übung" kommen, seien nun aber alleine unterwegs, vermuten die Grazer Experten. "Problematisch ist, dass das Potenzial der Kinder in diesem Alter, die Verkehrssituation richtig einzuschätzen, überschätzt wird", betonte Spitzer.

 

Dass Eltern ihre Kinder aus Angst vor möglichen Unfällen mit dem Auto in die Schule führen, hält Spitzer für keine wohlüberlegte Alternative: "Wenn man weiß, wo und wie die gefährlichen Situationen ablaufen, kann man diese Situationen sicherer machen. Kinder müssen auch den Umgang mit der Gefahr lernen können", so Spitzer.

 

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OTS0030 CI 18.08.2014 10:01:17

 

Verkaufsstart für Top-Jugendticket: Auch im neuen Schuljahr günstig unterwegs

 

Utl.: Seit Montag, 18. August erhältlich in Wiener-Linien-Vorverkaufsstellen und im Online-Shop

 

Für die SchülerInnen neigen sich die Sommerferien dem Ende zu. In zwei Wochen beginnt für sie das neue Schuljahr. Seit heute, Montag, den 18. August, ist das Top-Jugendticket daher auch an allen Vorverkaufsstellen der Wiener Linien erhältlich. Mit dem Top-Jugendticket können SchülerInnen und Lehrlinge der Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland ein Jahr lang und um nur 60 Euro unterwegs sein. Wer sein Ticket über den Online-Shop der Wiener Linien (http://shop.wienerlinien.at) erwirbt, ist besonders bequem und sicher unterwegs: Gekaufte Tickets können bei Verlust einfach erneut ausgedruckt werden. Online sind die Tickets bereits seit Ferienbeginn erhältlich.

 

Zwtl.: Jugendtickets finden reißenden Absatz Über 216.000 Jugendtickets wurden im vergangenen Schuljahr alleine über die Vertriebskanäle der Wiener Linien verkauft. Das Top-Jugendticket erfreut sich dabei besonders großer Beliebtheit. Rund 85 Prozent all jener, die sich für ein Jugendticket entschieden haben, wählten dabei mit dem Top-Jugendticket die bequeme Lösung, die 185.000-mal verkauft wurde. Das herkömmliche Jugendticket um 19,60 Euro entspricht der ehemaligen SchülerInnen-Streckenkarte, während mit dem Top-Jugendticket alle SchülerInnen und Lehrlinge bis zum vollendeten 24. Lebensjahr auch in der Freizeit im gesamten Verbund-Verkehrsnetz von Wien, Niederösterreich und Burgenland frei unterwegs sein können.

 

Zwtl.: Top-Jugendticket: 60 Euro für drei Bundesländer ein ganzes Jahr lang Der Erfolg der neuen Jugendtickets liegt zum einen im unbürokratischen Angebot und zum anderen am hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis. "Junge Menschen sollen einfach und günstig unterwegs sein können. Mit dem Top-Jugendticket können SchülerInnen und Lehrlinge neben der Fahrt zur Schule oder zum Lehrbetrieb U-Bahn, Bim und Bus auch in ihrer Freizeit nutzen - ohne Zusatzkosten, rund um die Uhr und das ein ganzes Jahr lang", fasst Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer die Vorzüge des Angebots zusammen.

 

Rückfragehinweis:  Wiener Linien GmbH & Co KG

Kommunikation

Tel.: (01) 7909-14203

mailto:presse@wienerlinien.at

www.wienerlinien.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1269/aom

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

Donnerstag, 14. August 2014

Bildungs-Newsletter 14. August 2014

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Die Presse Online 12.08.2014

Bernadette Bayrhammer 

 

Migration und Schule: Von verschenkten Noten und Versagen

„Wer behauptet, der Migrationshintergrund per se führe zu Benachteiligung, irrt. Wer meint, diese Kinder hätten keine Probleme, irrt ebenfalls“, sagt Heidi Schrodt.

 

Heidi Schrodt hat ein Buch vorgelegt, das es eigentlich gar nicht geben sollte. Das viele Baustellen anführt. Aber immerhin auch zeigt, was gelingen kann.

 

Fast eindringlicher als Zahlen über fehlende Chancen und benachteiligte Kinder zeigt das Fünferverbot die Kapitulation des Schulsystems. Marissa N., Lehrerin an einer Neuen Mittelschule in Wien: „Meine Direktorin ist zu mir gekommen und hat gesagt: ,Es fällt keiner durch.‘“ Thomas O.: „Ich gebe kein Nicht genügend mehr. An meiner Schule macht das fast niemand mehr.“ Alexandra P.: „Es wird argumentiert: Das ist im Sinne der Kinder.“

 

Einzelfälle? Mitnichten, wie die Bildungsexpertin Heidi Schrodt in ihrem Buch „Sehr gut oder Nicht genügend – Migration und Schule in Österreich“ schreibt. „Eine Hilflosigkeit gegenüber dem versagenden System kommt hier ebenso zum Ausdruck wie Resignation [. . .]. Man glaubt, im Interesse der Kinder zu handeln, trägt aber dazu bei, das System in der derzeitigen Form am Leben zu erhalten.“

 

Ein System, das eines bekanntlich besonders schlecht kann: allen gleiche Voraussetzungen zu bieten, egal, woher sie kommen, ob die Eltern arm oder reich, gebildet oder ungebildet sind. In dem die Hauptschulen und Neuen Mittelschulen in den Städten zu „Restschulen“ verkommen. Und das mitunter so überfordert ist, dass Jugendliche ein positives Zeugnis bekommen – ohne ordentlich lesen, schreiben, rechnen zu können.

 

Heidi Schrodt, ehemalige AHS-Direktorin und umtriebige Bildungsexpertin, hat sich in ihrem Buch auf Spurensuche gemacht. Sie rezipiert Studien und Statistiken von PISA abwärts, sie spricht mit Forschern, Pädagogen und Schülern, besucht Kindergärten und Schulen. Um vor allem eines herauszufinden: Warum die Schule es derart schlecht schafft, mit Kindern mit Migrationshintergrund umzugehen.

 

Der Fokus auf die Migranten hebt das Buch einerseits ab von der Menge an kritischen Büchern, die zuletzt zum Thema Schule erschienen sind – von Andreas Salcher bis Bernd Schilcher. Doch er bringt auch eine gewisse Unschärfe mit sich: Immerhin treffen viele der geschilderten Problematiken nicht nur auf Migrantenkinder zu – oder besser gesagt: nur dann, wenn diese aus sozial schwachen oder bildungsfernen Familien kommen. Schrodt thematisiert das selbst wiederholt. „Wer behauptet, der Migrationshintergrund per se führe zu Benachteiligung, irrt nachweislich. Wer aber meint, Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch hätten in unseren Schulen keine Probleme, irrt ebenfalls.“

 

„Lost in Transition“

 

Der Befund, den Schrodt dem System ausstellt, ist jedenfalls so treffend wie trist: Dass die Politik bestenfalls halbherzig auf Herausforderungen reagiert hat, die längst nicht mehr neu sind. („Angesichts der enormen demografischen Umwälzungen der letzten Jahre sollte man meinen, dass sich in der Folge des Schulsystem entsprechend gewandelt hat. Davon kann keine Rede sein.“). Und so führt sie über mehrere Kapitel Baustellen auf – vom Kindergarten über Hauptschulen in der Stadt, Schnittstellen („Lost in Transition“), (fehlende) Notenwahrheit bis hin zu Mängeln bei der Sprachförderung.

Sie zeigt aber auch, was gelingen kann: anhand eines Kindergartens in Ottakring, der erfolgreich mit Vielfalt umgeht. Einer Neuen Mittelschule in Währing, in der die Lehrer trotz schwierigster Bedingungen motiviert sind. Oder eines Gymnasiums, das zwar nicht mit einem Vorzeigeprogramm aufwartet, aber mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund schlicht gut arbeitet. Ein Blick in den Norden, nach Schweden, rundet das Buch ab.

 

Für die österreichische Schule hinterlässt Schrodt einen Katalog an Forderungen: von einem zweiten Kindergartenjahr und mehr Sprachförderkräften über die Auflösung der Trennung mit zehn Jahren bis hin zu mehr Geld für Schulen in schwierigen Lagen und Türkisch als Maturafach. Reformvorschläge, die ein solches Buch zumindest in Zukunft obsolet machen könnten. Denn eigentlich, so Schrodt, sollte es dieses Buch gar nicht geben. Eigentlich sollten alle Kinder gleiche Chancen haben.

 

Auf einen Blick

 

Heidi Schrodt (* 1950) ist pensionierte AHS-Direktorin und Vorsitzende der Initiative BildungGrenzenlos. Ihr Buch „Sehr gut oder Nicht genügend – Schule und Migration in Österreich“ erscheint am 1. September 2014 im Styria Verlag. Vorbestellungen auf styriabooks.com.

 

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Der Standard Online 13. August 2014

Kommentar der anderen | Karl Heinz Gruber

 

Migrantenkinder: Deutsch ohne Tränen

 

Was ist daran auszusetzen, wenn Einwanderereltern dazu ermuntert werden, mit ihren Kindern Deutsch zu sprechen? Nichts. Die Furcht vor Attentaten auf die Mehrsprachigkeit im Lande ist unbegründet. Eine Replik auf die Replik

 

Einige der Reaktionen auf meinen Kommentar über das frühkindlichen Lernen von Deutsch in Migrantenfamilien erinnern mich an die Szene mit dem Ehepaar, das im Auto an einer roten Ampel hält. Sie sitzt am Steuer. Die Ampel wird grün. Er sagt: "Wir haben grün". Sie hört: "Du kannst noch immer nicht Auto fahren." (Okay, der Mann mag schon früher einmal etwas über den Fahrstil seiner Frau gesagt haben.) In meinem Falle haben manche Sprachwissenschaftler und Integrationsexpertinnen aus meinem Text Aussagen herausgelesen bzw. Vermutungen hineininterpretiert, die mir nicht im Traum einfallen würden. Da wird "Druck auf die Mütter, Deutsch zu reden" befürchtet oder gar die "Vernachlässigung der Familiensprache" . Davon kann keine Rede sein.

 

Meine "Vision" der sprachlichen Integration von Migrantenkindern ist "echte Zweisprachigkeit", die darin besteht, dass Kinder die identitätsstiftende Geborgenheit der Mutter/Familiensprache erfahren, zugleich aber und von frühester Kindheit an (also nicht erst vom Kindergarten an) AUCH Deutsch erlernen, spielerisch und ohne Zwang, gemeinsam mit ihren Müttern/Eltern, die dazu stärker als bisher ermächtigt und ermuntert werden sollen und denen eindringlicher als bisher klar gemacht wird, dass mangelhafte Deutschkenntnisse die Bildungs- und Berufschancen ihrer Kinder beeinträchtigen.

 

Diese Position erscheint mir nicht meilenweit entfernt von den Optionen, die Frau Herzog-Punzenberger in ihrem Beitrag im Nationalen Österreichischen Bildungsbericht 2012 präsentiert, nämlich die frühkindliche Sprachförderung von Migrantenkindern zu einer politischen Priorität zu erklären und wie in Deutschland jedem Migrantenkind ab dem ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu gewähren. Und ihre Idee eines "Portfoliosystems, in dem das Wissen über Entwicklungsstand und Förderung des Kindes gesammelt wird ... und dadurch der Sichtbarmachung und Wertschätzung individueller Mehrsprachigkeit (dient)", ist von meiner Anregung zur einschlägigen Nutzung des Mutter-Kind-Passes mit freiem Auge kaum zu unterscheiden.

 

Auch deutsche Reime

 

Ist es tatsächlich eine Zumutung, junge Migranteneltern zu ermuntern, gemeinsam mit ihren Kleinkindern nicht bloß türkische oder serbische, sondern AUCH deutsche Reime, Kinderlieder und Geschichtchen zu erlernen? Ich halte das für möglich - ohne Krampf, ohne Zwang und ohne Peinlichkeit. Frau Herzog-Punzenberger meint, sie wäre in Kanada nie auf die Idee gekommen, mit ihrer Tochter Englisch zu sprechen. Ohne persönlich zu werden: Für sie als temporäre Ausländerin war das kein "big deal". Jedoch für eine ukrainische oder syrische Immigrantin "für immer", die gerade einen "Leben in Österreich" Integrationssprachkurs macht, erscheint es mir nicht außerirdisch, das Kind am soeben Gelernten kindgemäß (!) teilhaben zu lassen.

 

Hans-Jürgen Krumm und Barbara Herzog-Punzenberger (der Standard vom 11. August 2014) scheinen aus meinem Text ein Plädoyer für ein "monolinguales Anpassungsmodell" herauszuhören. Big mistake. Ich betrachte nicht bloß Mehrsprachigkeit als eine kostbare persönliche wie gesellschaftliche Ressource, sondern auch die Beibehaltung regionaler Dialekte. Ich habe zeit meines Lebens mit großem Vergnügen meinen oberösterreichischen Dialekt beibehalten und bringe gerade meinem Wiener Enkel bei, was ein "Oadaxl" (eine Eidechse, Anm.) und eine "Mülipitschn" (eine Milchkanne, Anm.) ist und warum ich als Kind im Winter im Salzkammergut auf der Straße "Füzpotschn" getragen habe. (Karl Heinz Gruber, DER STANDARD, 14.8.2014)

 

Karl Heinz Gruber (Jahrgang 1942) lehrt Vergleichende Erziehungswissenschaft an der Universität Wien und ist Research Fellow an der Universität Oxford.

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APA0231 II, XI 14.08.2014 12:08:55

 

NEOS wollen überparteiliche "Bildungswende von unten" initiieren

 

Utl.: Suche nach Mehrheiten für mehr Schulautonomie - Standorte sollen finanzielle, pädagogische und Personalautonomie erhalten - "Buntbuch" für Mai, Gesetzesentwurf für Herbst 2015 angekündigt

 

Unter dem Motto "Talente blühen!" wollen die NEOS eine überparteiliche "Bildungswende von unten" initiieren. Dafür hat Parteichef Matthias Strolz die "Nationale Initiative: Autonome Schule" ins Leben gerufen, wie er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben hat. Derzeit wird sie stark von den NEOS finanziert und getragen, man wolle aber "stärker in die Überparteilichkeit kommen".

 

Ziel der Initiative sei eine Befreiung der Schulen vom "Bürokratie- und Regulierungswahn", von Misstrauens- und Weisungskultur. Zwei Drittel aller Erlässe im Schulbereich gehörten in den Schredder, so Strolz. Vorbild für die Reform sind dabei die Niederlande. Dort werden schon jetzt 86 Prozent der Entscheidungen an den Schulen getroffen. Zum Vergleich: In Österreich sind es 31 Prozent.

 

Geht es nach Strolz, sollen die Schulen künftig pädagogische, finanzielle und Personalautonomie erhalten, denn: "Eine echte Schulreform wird von unten kommen müssen, die Politik hat die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen." Deshalb will Strolz auch, dass die Schulen sich freiwillig für das neue Modell entscheiden müssen. Die anderen Parlamentsparteien sieht er prinzipiell auf seiner Seite: Auch dort sehe man Schulautonomie als Hebel für mehr Qualität, offen sei nur die Ausgestaltung.

 

Mehr Schulautonomie nach dem Modell der Initiative würde bedeuten, dass die Schulen selbst über die Verwendung der Mittel entscheiden und diese je nach Bedarf einsetzen. Dazu sollen Schulleiter entsprechend ausgebildete Führungskräfte werden. Direktoren sollen auch ihre Lehrer aussuchen und bei Problemen entlassen können, die Schule solle künftig "keine geschützte Werkstatt" mehr sein. Im Gegenzug sollen besonders engagierte Lehrer aber auch Aufstiegschancen erhalten. Über die pädagogische Ausrichtung des Standorts sollen Schüler, Eltern und Lehrer selbst bestimmen können. Die Qualitätssicherung erfolgt in dem Modell über die Mittlere Reife, bei der alle 15-Jährigen bei einem externen Test ihre Kompetenzen in den Hauptfächern, aber auch soziale Kompetenzen nachweisen sollen.

 

Die Finanzierung der Schulen soll künftig über einen Pauschalbetrag für jeden schulgeldfreien Schulplatz erfolgen, damit würden künftig auch konfessionelle und freie Privatschulen wie Montessorischulen finanziell gleichgestellt. Extramittel soll es geben, wenn es an einer Schule viele Kinder mit Migrationshintergrund oder aus bildungsfernen Elternhäusern gibt oder die Schule in der Peripherie liegt und schwer Lehrer findet. Anstelle der Schulbehörden soll außerdem ein Schulservice die Schulen bei Qualitätsentwicklung und -sicherung unterstützen.

 

Eine Bildungsreform sei nur mit einem nationalen Konsens umsetzbar, begründet Strolz die Suche nach Mehrheiten für ein Modell für Schulautonomie. Er will daher die Initiative mit dem Motto "Talente blühen!" am liebsten mit mehreren Parteien, Sozialpartnern und NGOs umsetzen und auch die Gewerkschaft ins Boot holen, außerdem sei man in Kontakt mit Bildungsexperten. Ab 9. September soll das Schulautonomie-Konzept österreichweit in mehreren Bildungsforen diskutiert werden. Bis Mai will Strolz dann ein "Buntbuch Schulautonomie" vorlegen, bis September ist ein konkreter Gesetzesvorschlag, der ähnlich schlank wie das Fachhochschulgesetz gehalten sein soll, geplant.

 

Eine mögliche Umsetzung würde dann allerdings noch gut 15 Jahre dauern, räumt Strolz ein. In der laufenden Legislaturperiode könne man nur eine Reform vorbereiten, erst ab 2018 wäre eine schrittweise Realisierung möglich. Aber: "Entweder man will eine grundsätzliche Reform, dann braucht man Zeit. Oder es wird nicht stattfinden."

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober

Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub

01/40110-3569

0664 / 44 45 005

kurt.schober@spoe.at

 

 

Mittwoch, 13. August 2014

Bildungs-Newsletter 13. August 2014

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OTS0064 II 13.08.2014 11:48:01

 

Grossmann ad Lopatka: Neue Mittelschule weiterentwickeln statt schlechtreden

 

Utl.: Evaluierungsergebnisse abwarten und konstruktiv diskutieren statt NMS-Konzept vorverurteilen - ÖVP-Attacken führen zu Verunsicherung bei Eltern, SchülerInnen und Lehrenden

 

Mit Kopfschütteln reagiert SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann heute, Mittwoch, auf die jüngsten Äußerungen von ÖVP-Klubobmann Lopatka in Sachen Neue Mittelschule (NMS). "Es ist eine Binsenweisheit, dass durch dauerndes Schlechtreden nichts besser wird. Umso unverständlicher ist es daher, dass Lopatka jetzt zum wiederholten Male über das gemeinsam von SPÖ und ÖVP erarbeitete Konzept der Neuen Mittelschule herzieht", sagte Grossmann. Die Neue Mittelschule setze auf Individualisierung und Förderung von Kompetenzen und habe einen Paradigmenwechsel hin zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung eingeleitet, so Grossmann, die betonte, dass "es nicht hingenommen werden darf, dass noch immer viel zu stark Einkommen und Herkunft der Eltern über die Chancen unserer Kinder entscheiden - und nicht ihre Talente und Begabungen".

 

Statt die Resultate der Evaluierung und eine konstruktive Diskussion darüber abzuwarten, ergehe sich Lopatka in Vorverurteilungen und stelle sogar einen Ausbaustopp der Neuen Mittelschule in den Raum. "Der ÖVP-Klubobmann sei daran erinnert, dass der Ausbau nicht nur voll auf Schiene ist, sondern auch zwischen SPÖ und ÖVP akkordiert ist", sagte Grossmann.

 

Für die SPÖ-Bildungssprecherin ist außerdem klar: "Die ständigen Angriffe von ÖVP-Klubobmann Lopatka auf die Neue Mittelschule sind alles andere als ein konstruktiver Beitrag in Sachen Bildung, sondern führen lediglich zu großer Verunsicherung von Eltern, SchülerInnen und Lehrenden." (Schluss) mb/bj

 

Rückfragehinweis: SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Löwelstraße 18, 1014 Wien,

 Tel.: 01/53427-275

http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/199/aom

 

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APA0362 CI, XI 13.08.2014 14:39:29

 

Grazer Forscher weisen Einfluss von Musikunterricht auf Gehirn nach

 

Utl.: Musikschüler sind u.a. besser beim Zuhören, Lesen und Schreiben - Hirnhälften arbeiten synchroner - Asynchronität bei Kindern mit ADHS und Lese-Rechtschreibdefizit wird geringer

 

ADHS, Lese-Rechtschreibschwäche und auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen treten häufig gemeinsam auf. Grazer und Heidelberger Psychologen, Neurowissenschafter und Musikologen haben entdeckt, dass in diesen Gruppen Teile des beiden Gehirnhälften asynchron reagieren, wie sie in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Neuroscience" publizierten.

 

Wie wirkt sich regelmäßiges Musizieren im Volksschulalter auf das Hörvermögen und möglicherweise auf außermusikalische Fähigkeiten wie Kreativität, Intelligenz, Aufmerksamkeit, Lesen, Rechtschreiben, Rechnen aus? Diesen Fragen gehen Forscher der Universitäten Heidelberg und Graz nach. Speziell wird untersucht, ob sich Lerneffekte auch über funktionelle und neuroplastische Veränderungen des Gehirns nachweisen lassen.

 

Dazu wurden in der AMseL-Studie ("Audio- und Neuroplastizität des musikalischen Lernens") rund 150 Schüler mit und ohne Instrumentalunterricht über mehrere Jahre hinweg mit psychoakustischen Messungen, psychologischen Tests und Kreativitätstest sowie Kernspintomografie und Magnetencephalografie untersucht. Es zeigte sich, dass Kinder, die ein Instrument lernen, beim Zuhören, Lesen und Rechtschreiben Vorteile haben und Hyperaktivität und Impulsivität besser kontrollieren können, schilderte Annemarie Seither-Preisler vom Institut für Psychologie der Uni Graz im Gespräch mit der APA. Darüber hinaus zeigte sich eine verbesserte Hörfähigkeit im Bezug auf Klangspektrum, Tonhöhe, Rhythmus und Tonlänge sowie neuroanatomische und funktionelle Besonderheiten der für Sprache und Musik besonders wichtigen Hörarealen des Gehirns.

 

Im Laufe ihrer jüngsten Untersuchung stellte das deutsch-österreichische Forscherteam fest, dass der rechte und linke Hörrinde (Hörkortex) bei musikalisch geübten Kindern praktisch synchron auf auditorische Reize reagierten. Bei untrainierten Kindern reagieren sie minimal zeitverschoben. Bei Kindern mit ADHS konnte jedoch eine markante Zeitverschiebung zwischen den beiden Hirnhälften festgestellt werden, erklärte Seither-Preisler.

 

"Diese Entdeckung könnte erklären, warum auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen, ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche häufig gemeinsam auftreten", vermutet die Grazer Forscherin: Einige der Probleme der Kinder dürften auf eine unzureichende Zusammenarbeit beider Hemisphären mit den negativen Folgen für Aufmerksamkeit, rasche Sprachverarbeitung sowie die Lese- und Rechtschreibfähigkeit zurückzuführen sein. In einer kleinen Folgestudie sei bereits sichtbar geworden, dass bei musizierenden Kinder mit ADHS die gesteigerte Asynchronität der Hirnhälften verringert werden konnte.

 

"Eine musikalische Ausbildung wirkt genau diesen Defiziten entgegen", betonte auch Peter Schneider von der Universität Heidelberg. "Es wäre daher förderlich, neue Formen für Musikerziehung für Kinder mit ADHS und Lese-Rechtschreib-Schwäche anzubieten", so die Studienautoren.

( S E R V I C E - Seither-Preisler, A., Parncutt, R. Schneider, P. (2014). Bilateral synchronization of auditory cortex promotes musical and attentional skills in children. Journal of Neuroscience. August 2014)

 

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OTS0041 II 13.08.2014 11:13:15

 

Bildungscampus Sonnwendviertel im Endspurt

 

Utl.: Innovative Schulmöbel und interaktive Whiteboards, 3,9 Mio Euro für die komplette Ausstattung

 

Der Start des neuen Bildungscampus "Sonnwendviertel" beim Hauptbahnhof Wien im Herbst rückt immer näher. Derzeit wird die komplette Ausstattung für den Volks- und Neuen Mittelschulbereich angeliefert und aufgebaut. Insgesamt werden mehr als 1.300 Sessel, 360 Tische und 180 Hocker für die Ausstattung des Bildungscampus geliefert. Die sechseckigen Tische sind Spezialanfertigungen aus einem Werk im Burgenland und bieten drei Kindern und - wenn notwendig - auch LehrerInnen Platz. Sie können noch flexibler eingesetzt werden und sollen vor Allem das Arbeiten in Gruppen und die Kommunikation miteinander fördern.

 

"Wir investieren hier rund 550.000 Euro in innovative Schulmöbel, um den Schülerinnen und Schülern optimale Rahmenbedingungen für ihren Schulalltag zu bieten", betonte heute Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch bei einem Rundgang durch das neue Gebäude. Die komplette Ausstattung des ganzen Campus (Kindergarten und Schule) kostet insgesamt 3,9 Mio Euro.

 

Zwtl.: Lernen "wie zu Hause"

 

Herzstück des Bildungscampus sind die sogenannten "Marktplätze" mit variablen Möbeln, die von allen Kindern gemeinsam genutzt werden können. Jeweils vier Klassen (auch "Bildungsräume" genannt), ein Projektraum und ein Teamraum für die Lehrer sind um einen Marktplatz angeordnet, der auch als zusätzliche Unterrichts- und Freizeitfläche für Projektarbeiten und freies Lernen zur Verfügung steht. Weiters gibt es auch eine sogenannte "Freiklasse" mit Sonnenschutz und einer Tafel im Freien. Auch der Garten ist von überall unmittelbar erreichbar.

 

Die klassische Tafel wird am Campus von modernstem High-Tech abgelöst: 35 interaktive Whiteboards ermöglichen eine neue Art der Informationsvermittlung. Bei den Sitzmöbeln im Innen- und Außenbereich wurde der Fokus auch auf die Erholungs- und Freizeitphasen gerichtet. Die Kinder und Jugendliche können sich beispielsweise in eigenen Rückzugsbereichen ("Nest") erholen und sollen sich ganz wie "zu Hause" fühlen.

 

Das Miteinander wird aber auch in gemeinsamen Räumen von Schule und Kindergarten wie einer zentralen Bibliothek, einem großen (teilbaren) Turnsaal und einem Gymnastikraum, einer großen zentralen Halle mit einer sogenannten "Theatertreppe" sowie weitläufigen Außenanlagen gelebt. Der Außenbereich wird bis Ende Oktober 2014 komplett fertig gestellt.

 

Um die Orientierung zu erleichtern, zieht sich durch das ganze Haus ein Farbcode, in dem die einzelnen Bildungseinrichtungen bestimmten Farben zugeordnet sind. Die verwendeten Zeichen sind nicht eindeutig, können verschieden gelesen und interpretiert und daher von den Kindern auch diskutiert werden.

 

"Die Architektur des Campus ist für eine Pädagogik konzipiert, die die Kinder bei ihrer natürlichen Neugier packt und die Freude am Lernen fördert", sagt Architektin Anna Popelka von PPAG architects.

 

Insgesamt geht der ganztägig und ganzjährig geführte, 20.000 m2 große Bildungscampus "Sonnwendviertel" am 1. September 2014 mit fünf Klassen Volksschule, fünf Klassen Mittelschule und sechs Kindergartengruppen in Betrieb, künftig soll er einen 11-gruppigen Kindergarten, eine 17-klassige Ganztagsvolksschule sowie erstmals eine 16-klassige Neue Mittelschule umfassen. "Es freut mich sehr, dass wir auch bei diesem Bildungscampus den Zeitplan so gut einhalten konnten und in rund zwei Jahren Bauzeit ein wirklich tolles Projekt realisiert haben", betont Christian Oxonitsch. Wien stellt für den neuen Campus im Sonnwendvierte rund 79 Millionen Euro zur Verfügung.

 

Zwtl.: Neuer Jugendtreff wird Campus-Nachbar

 

Neben dem Bildungscampus wird es vor Ort auch einen rund 200 m2 großen Jugendtreff für Kinder und Jugendliche geben, der ebenfalls im Herbst eröffnet wird. Neben direkten Anknüpfungen für 10- bis 14-jährige Schülerinnen und Schüler wird der Jugendtreff auch Angebote für ältere Jugendliche bieten.

 

Zwtl.: Campus Sonnwendviertel: Wichtiges Projekt für Stadtviertel-Entwicklung

 

Der Campus Sonnwendviertel wird nicht nur Favoritens modernste Bildungsadresse sein. Er spielt auch bei der weiteren Entwicklung des neuen Stadtteils rund um den Hauptbahnhof eine relevante Rolle. Insgesamt werden rund um den Bahnhof etwa 5.500 Wohnungen errichtet. Zusammen mit dem 7 Hektar großen Helmut-Zilk-Park, der bereits kommendes Jahr zu etwa 2 Drittel fertig gestellt sein wird (2017 folgt die völlige Fertigstellung), bietet das Sonnwendviertel hohe Wohn- und Lebensqualität.

 

Pressebilder demnächst unter http://www.wien.gv.at/pressebilder abrufbar.

 

Rückfragehinweis: Mag. Michaela Zlamal

Mediensprecherin StR Christian Oxonitsch

Mob.: 0676/8118 81930

E-Mail: michaela.zlamal@wien.gv.at

 

Ing. Patrick Timmelmayer

Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit

MA 56 - Wiener Schulen

Tel.: +43 59916 96057

E-Mail: patrick.timmelmayer@wien.gv.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/174/aom

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OTS0039 CI, WI 13.08.2014 11:07:42

 

Volkshilfe und LIBRO: Thomas Brezina bei Auftakt der Schulstartaktion

 

Utl.: Dreh-/Fototermin: Österreichweite Aktion unterstützt Familien mit dringend benötigten Schulartikeln

 

Volkshilfe und LIBRO unterstützen mit ihrer 4. Schulstartaktion erneut benachteiligte Familien zum Schulstart 2014/2015. Zum Auftakt der Aktion lädt die Volkshilfe zu einem Dreh-/Fototermin ins Wiener MuseumsQuartier mit Thomas Brezina, Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Erich Fenninger und Jakob Nalbant, Head of Category Management LIBRO

 

Auftakt der Volkshilfe Schulstartaktion mit Thomas Brezina Donnerstag, 21.08.2014 10:00 Uhr Innenhof MuseumsQuartier

 

Thomas Brezina, Gesicht der Schulstartaktion 2014, erzählt vor Ort eine von ihm für die Aktion geschriebene Geschichte über den Schulstart als "Die Tür in die Welt". Dazu wird ein übergroßes Kreidebild von Grafiker und Illustrator Lukas Philippovich (arteffekt) im Innenhof des MuseumsQuartiers gestaltet. Anwesende Kinder werden zu Akteuren, indem sie in das Bild einsteigen und Teil dessen werden.

 

In Österreich gibt es 574.000 armutsbetroffene Haushalte mit Kindern. "Gerade zu Schulbeginn wenden sich viele alleinerziehende Mütter und Väter und Familien mit Kindern an uns, weil sie dringend Hilfe benötigen. Wir sorgen für einen guten Schulstart und können 60.000,- Euro an benachteiligte Familien in Form von LIBRO Gutscheinen ausgeben. Das hat sich als direkte Unterstützung in den vergangenen Jahren sehr bewährt", erklärt Erich Fenninger. Im Jahr 2013 konnten rund 1.200 Familien durch die Schulstartaktion unterstützt werden.

 

Auch LIBRO KundInnen können durch den Kauf einer LIBRO-Tragtasche mithelfen, noch mehr Familien in Österreich zu unterstützen. Beim Erwerb einer Tragtasche gehen Euro 0,10 an die Schulstartaktion.

 

Mehr Infos zur Aktion: www.volkshilfe.at/schulstartaktion

Rückfragehinweis: Erwin Berger, MAS

 Leiter Kommunikation Volkshilfe Österreich

 Tel.: +43 (0) 676 83 402 215

 E-Mail: erwin.berger@volkshilfe.at

www.facebook.com/volkshilfe

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/334/aom

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
01/40110-3569

0664 / 44 45 005
kurt.schober@spoe.at

 

 

Freitag, 8. August 2014

Bildungs-Newsletter 8. August 2014

APA0286 II, XI 08.08.2014 12:58:35

 

Sonderschule: Heinisch-Hosek verweist auf Wahlfreiheit der Eltern

 

Utl.: Bildungsministerin verteidigt Zeitplan für Systemumstellung bis 2020 - Grüne planen Antrag auf Abschaffung

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verweist in der Debatte, wo Kinder mit Beeinträchtigungen unterrichtet werden sollen, auf die Wahlfreiheit der Eltern. Dieses könnten entscheiden, ob ihr Kind eine Sonderschule oder Integrationsklasse besucht. Entscheidend sei aber ohnehin, dass die Kinder bestmöglich gefördert werden, wird sie im Ö1-"Mittagsjournal" zitiert.

 

Einzelne Sonderschulen müssten jedenfalls auch künftig bestehen bleiben, heißt es in der Stellungnahme. "Es geht darum, fördernde individualisierte Angebote für alle Kinder möglichst wohnortnahe zur Verfügung zu stellen, an vielen Integrationsstandorten ist das schon möglich. Manche Unterstützungsangebote sind jedoch zurzeit nur an spezialisierten Einrichtungen verfügbar." Sie verteidigt, dass die Schaffung flächendeckender integrativer Angebote bis 2020 dauern soll: Neben den Schulen müssten auch Soziale Dienste, Jugendwohlfahrt und Gesundheitswesen eingebunden werden.

 

Die Grünen planen unterdessen Druck für die Reform: Im nächsten Unterrichtsausschuss im Parlament am 7. Oktober werden sie einen Antrag auf Abschaffung der Sonderschule einbringen, kündigte Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung an. "Österreich verschläft die internationale Entwicklung und gerät in Sachen inklusiver Pädagogik immer weiter ins Hintertreffen", begründet er seine Forderung nach "raschen, aber überlegten Schritten".

 

Sonderschulen seien bereits 2008 vom Monitoringausschuss zur Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention als menschenrechtswidrig kritisiert worden. Ziel müsse stattdessen eine inklusiv geführte Gemeinsame Schule aller Kinder bis 14 sein, die individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehe. Dazu brauche es allerdings entsprechende Rahmenbedingungen und mehr Personal, so Walser. Die derzeitigen Sonderschulen sollen nach Walsers Wunsch zu Kompetenzzentren umgebaut werden, die u.a. den Schulen bei der inklusiven Gestaltung des Unterrichts helfen, Weiterbildung anbieten, Schulplätze im Bezirk koordinieren und Eltern beraten.

 

 

 

Ö1 Mittagsjournal, 8.8.2014

Regina Pöll

 

Sonderschulen: Heinisch-Hosek wehrt sich

 

Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) weist die Kritik des Behindertenanwalts Erwin Buchinger über die zu hohe Zahl an Sonderschülern in Österreich zurück und verspricht Reformen.

 

Eltern wählen Schulform, nicht die Politik

 

Anstatt Kinder mit besonderen Bedürfnissen an besseren Regelschulen zu integrieren, stecke man diese in Sonderschulen, womit die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Österreichs Sonderschulen steige. So lautet die Kritik des Behindertenanwalts.

 

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ wehrt sich gegen die Vorwürfe. In einer schriftlichen Stellungnahme an das ORF-Radio schreibt Heinisch-Hosek:

Wesentlich ist, dass SchülerInnen mit Behinderungen beim Erwerb einer ihren individuellen Möglichkeiten entsprechenden Erziehung und Bildung unterstützt werden. Ob sie in eine Sonderschule gehen oder eine integrative Form der Beschulung gewählt wird, können Eltern („Wahlrecht“) wählen.

 

Damit sieht die Ministerin ihr Ressort nicht in der Pflicht und hält weiterhin an den Sonderschulen in Österreich fest - obwohl sich Österreich 2008 zur UN-Behindertenrechtskonvention bekannt hat und diese laut Experten Sonderschulen ausschließt. Dazu schreibt Heinisch-Hosek in ihrer Stellungnahme: Es geht darum, fördernde, individualisierte Angebote für alle Kinder möglichst Wohnort-nahe zur Verfügung zu stellen. An vielen Integrationsstandorten ist das schon möglich. Manche Unterstützungsangebote sind jedoch zur Zeit nur an spezialisierten Einrichtungen verfügbar.

 

Kein zu schneller Sonderschulabbau

 

Dass es mit einem flächendeckenden Angebot von Integrationsklassen noch bis 2020 dauern wird, das verteidigt die Ministerin. Denn immerhin müssten neben den Schulen etwa auch soziale Dienste, die Jugendwohlfahrt oder das Gesundheitswesen eingebunden und vorbereitet werden. Dass die Umstellung nicht überstürzt werden sollte, das sagen auch Experten wie der Wiener Bildungswissenschafter Stefan Hopmann. Denn es fehle vor allem noch an speziell ausgebildeten Lehrern für den gemeinsamen Unterricht von Kindern MIT und OHNE Beeinträchtigung.

 

 

Ö1 Morgenjournal, 8.8.2014

Regina Pöll

 

Auch Experten fordern: Weg mit Sonderschulen

 

Die gut 300 Sonderschulen in Österreich sollen rasch abgeschafft werden, genauso wie das Etikett "sonderpädagogisch förderwürdig" für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Dieser Forderung des Behindertenanwalts Josef Buchinger im gestrigen Mittagsjournal schließen sich heute Experten für Inklusion an: Sie fordern mehr Tempo von der Regierung.

 

Umstellung sofort möglich

 

2008 hat Österreich die UN-Behindertenrechts-Konvention unterschrieben. Und deshalb müssten die Sonderschulen endlich weg, sagt Marianne Schulze, die Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses, der die Einhaltung der Konvention überprüft: "Aus Sicht der Konvention gibt es keine Notwendigkeit für eine Sonderschule. Sie ist diskriminierend, weil sie einzig auf das Merkmal oder Kriterium der Beeinträchtigung abstellt, und das ist konventionswidrig."

 

Schulze sieht die Regierung am Zug. In ihren Augen kann es auch ganz schnell gehen mit einer Abschaffung der Sonderschulen: "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre. Damit erteilt die Expertin dem Zeitplan der Regierung eine Absage. Denn dieser sieht bis 2020 flächendeckend Modellregionen vor - ab dann soll es fast nur noch Schulen in Österreich geben, an denen Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam unterrichtet werden. Schulze meint hingegen, "wir brauchen keine Pilotprojekte mehr, Es gibt hinreichend Beispiele dafür, wie es in der Praxis geht." Jetzt gehe es um konkrete Schritte. Als Vorbilder nennt Schulze zum Beispiel Finnland und Südtirol, dort sei es gelungen, Sonderschulen von heute auf morgen abzuschaffen.

 

Umdenken bei Lehrerbildung und Schulbau

 

Beseitigt werden solle in Österreich auch das Kriterium des "sonderpädagogischen Förderbedarfs" - das sei ein Stigma und ein Widerspruch zu einer inklusiven Pädagogik, wo man von einem "individuellen Förderbedarf" spreche, sagt auch der Präsident der Lebenshilfe, Germain Weber. Die neue Lehrerbildung sei hier der richtige Weg, weil künftig alle Studentinnen und Studenten Basiswissen über Inklusion erwerben. Das reiche aber nicht, sagt Weber: Die angehenden Lehrer müssten auch besser auf spezielle Förderung in Fächern wie Mathematik oder Englisch vorbereitet werden.

 

Und viele Schulen müssten erst umgebaut werden, damit die Integration von Schülern mit besonderen Bedürfnissen wirklich funktioniert. Es gehe darum, dass Kinder zu mehr Chancen kommen, die bisher im Bildungssystem zu kurz gekomm,en sein, so Weber. Im vorigen Schuljahr wurden rund 30.000 Schüler und Schülerinnen als förderwürdig eingestuft, die Hälfte besuchte eine Sonderschule.

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OTS0090 II 08.08.2014 13:42:41

 

AKS: Sonderschulen abschaffen!

 

Utl.: Inklusion muss endlich Praxis werden

 

Die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) kritisiert das Integrationssystem in Österreich, in dem bei immer mehr Kindern sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) vorschnell diagnostiziert wird. Dies trifft vor allem Kinder mit Migrationshintergrund oder aus einer sozial schwächeren Schicht. "Diese häufige Praxis fördert die soziale Selektion in Österreich weiter und stigmatisiert viele Kinder von Anfang an. Vor allem, dass dies auch noch im Zeugnis angeführt wird, ist mir unverständlich", empört sich Christina Götschhofer, Bundesvorsitzende der AKS.

 

Pro Kind mit SPF bekommen Schulen einen gewissen Mehrbetrag an Budget. "Es kann nicht sein, dass bei Kindern SPF diagnostiziert wird, nur um das Budget der Schulen aufzubessern. Die Zukunft von niemandem darf für kapitalistische Ziele aufs Spiel gesetzt werden", sagt Antiklassimus und Antikapitalismus-Sprecherin Raphaela Jernej.

 

Für die AKS ist es nicht genug, den Abbau von Sonderschulen langsam durch Schulversuche umzusetzen. Auch der stetig höher werdende Leistungsdruck und das starre Schulsystem, in dem Individualität kaum möglich ist, beeinflusst die aktuellen Entwicklungen. "Es ist nicht überraschend, dass in einem System, in dem Leistung das einzige ist, was zählt, Kinder nicht mehr mitkommen. Diese sofort als förderbedürftig abzustempeln ist ein Schritt in die falsche Richtung", so Götschhofer. Die AKS fordert seit Jahren die Einführung der Gesamtschule, sowie eine bessere Ausbildung von Lehrpersonen. Außerdem wäre es dringend nötig, geschultes Personal zur Unterstützung der Lehrpersonen einzustellen, damit auch körperlich oder geistig beeinträchtigte Kinder optimal gefördert werden können.

 

Rückfragehinweis: Christina Götschhofer

AKS Bundesvorsitzende

Tel.: 0699/114 081 42

christina.goetschhofer@aks.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5430/aom

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DiePresse Online 08.08.2014

 

Sonderschule: Rückbau-Pläne "unrealistisch"

 

Das Bildungsministerium will Sonderschulen bis 2020 zur Ausnahme machen. Experten halten den Zeitrahmen für weltfremd.

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", meint Bildungswissenschafter Stefan Hopmann mit Verweis auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien).

 

Für die Steiermark kann sich Biewer, derzeit bundesweit einziger Professor mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik, eine Umstellung bis 2020 zwar vorstellen. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet. In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Biewer plädiert daher für eine schrittweise Umstellung: "Die Erfahrung hat gezeigt: Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten. Es braucht schon einen realistischen Zeitrahmen."

 

Eine Modellregion wäre für ihn eine gute Methode, um die Systemumstellung zu proben. Gleichzeitig könnte man ab nächstem Schuljahr damit beginnen, keine Kinder mehr in die ersten Jahrgänge der Sonderschule aufzunehmen und diese stattdessen inklusiv zu beschulen. Die Sonderschulpädagogen, die dadurch frei würden, sollten dann in den Regelschulen eingesetzt werden, um eine Förderung zu garantieren. "Dann hätte das Schulsystem Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten." Der schrittweise Umbau des Systems würde damit insgesamt neun Jahre dauern. In dieser Zeit müssten dann auch die entsprechenden Unterstützungsstrukturen aufgebaut und bei der neuen Lehrerausbildung Pädagogen mit der notwendigen Expertise ausgebildet werden.

 

Inklusionskompetenz bei Pädagogen gefordert

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

Für Bildungsforscher Hopmann wäre das Jahr 2030 für eine Umstellung wesentlich realistischer als 2020. "Aber dafür muss ich Inklusionskompetenz bei den Pädagogen schaffen." Würde die Umstellung auf inklusive Schulen trotz Mangel an qualifiziertem Personal durchgezogen, werde die Situation "eher schlechter als besser". Dabei spreche er aber nicht etwa von einer Verdoppelung der Kapazitäten, in weiten Teilen sie diese Kompetenz derzeit überhaupt nicht da.

 

Weitere Voraussetzung sei es, aus dem starren System mit "eine Klasse - ein Lehrer - ein Fach" herauszukommen. "Sonst ist Inklusion nicht machbar." Diese könne nur dann gut funktionieren, wenn es auch die personellen, fachlichen und räumlichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht gebe. "Sonst ist das weder für die Kinder mit der Diagnose noch für die anderen Kinder von Vorteil", warnt Hopmann. Das sei auch der Grund, wieso in manchen Fällen Eltern von Kindern in Sonderschulen gegen die Umstellung auf ein inklusives System auf die Barrikaden gingen.

 

Gar nicht schnell genug gehen kann es unterdessen Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der UN-Menschenrechtskonvention, in der auch der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung vorgesehen ist. "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre", sagt sie im Ö1-"Morgenjournal".

 

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Kleine Zeitung, 8. August 2014

 

Sonderschulen: Massiver Rückbau bis 2020 unrealistisch

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", erklärt etwa Inklusionsspezialist Gottfried Biewer.

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", verweist Bildungswissenschafter Stefan Hopmann auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien) zur APA.

                                                

Steiermark als Vorreiter

 

Für die Steiermark kann sich Biewer, derzeit bundesweit einziger Professor mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik, eine Umstellung bis 2020 zwar vorstellen. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet. In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Biewer plädiert daher für eine schrittweise Umstellung: "Die Erfahrung hat gezeigt: Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten. Es braucht schon einen realistischen Zeitrahmen."

 

Eine Modellregion wäre für ihn eine gute Methode, um die Systemumstellung zu proben. Gleichzeitig könnte man ab nächstem Schuljahr damit beginnen, keine Kinder mehr in die ersten Jahrgänge der Sonderschule aufzunehmen und diese stattdessen inklusiv zu beschulen. Die Sonderschulpädagogen, die dadurch frei würden, sollten dann in den Regelschulen eingesetzt werden, um eine Förderung zu garantieren. "Dann hätte das Schulsystem Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten." Der schrittweise Umbau des Systems würde damit insgesamt neun Jahre dauern. In dieser Zeit müssten dann auch die entsprechenden Unterstützungsstrukturen aufgebaut und bei der neuen Lehrerausbildung Pädagogen mit der notwendigen Expertise ausgebildet werden.

 

Für Bildungsforscher Hopmann wäre das Jahr 2030 für eine Umstellung wesentlich realistischer als 2020. "Aber dafür muss ich Inklusionskompetenz bei den Pädagogen schaffen." Würde die Umstellung auf inklusive Schulen trotz Mangel an qualifiziertem Personal durchgezogen, werde die Situation "eher schlechter als besser". Dabei spreche er aber nicht etwa von einer Verdoppelung der Kapazitäten, in weiten Teilen sie diese Kompetenz derzeit überhaupt nicht da.

 

Starres System

 

Weitere Voraussetzung sei es, aus dem starren System mit "eine Klasse - ein Lehrer - ein Fach" herauszukommen. "Sonst ist Inklusion nicht machbar." Diese könne nur dann gut funktionieren, wenn es auch die personellen, fachlichen und räumlichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht gebe. "Sonst ist das weder für die Kinder mit der Diagnose noch für die anderen Kinder von Vorteil", warnt Hopmann. Das sei auch der Grund, wieso in manchen Fällen Eltern von Kindern in Sonderschulen gegen die Umstellung auf ein inklusives System auf die Barrikaden gingen.

 

Gar nicht schnell genug gehen kann es unterdessen Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der UN-Menschenrechtskonvention, in der auch der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung vorgesehen ist. "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre", sagt sie im Ö1-"Morgenjournal".

 

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Kleine Zeitung, 8. August 2014

 

Lehrer mit inklusiver Kompetenz als Erfolgskriterium

 

Das Erfolgskriterium für die Umstellung auf ein inklusives Schulsystem, bei dem Schüler mit speziellen Bedürfnissen nicht mehr separat unterrichtet werden, sind aus Sicht der Experten Lehrer mit entsprechender Kompetenz in inklusiver Pädagogik. Diese sind allerdings laut Bildungswissenschafter Stefan Hopmann derzeit rar.                                      

 

Mit der neuen Lehrerausbildung müsse zwar ein Viertel der Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium Inklusive Pädagogik behandeln. Allerdings finde das zu drei Viertel in riesigen Vorlesungen statt. Für Übungen, Seminare und Praxisfälle in diesem Feld gebe es nämlich nicht einmal ausreichend qualifiziertes Personal an den Unis. Mit Gottfried Biewer an der Uni Wien habe man derzeit in Österreich nur eine einzige Professur auf diesem Spezialgebiet, es fehle einfach die Infrastruktur zur umfassenden Vermittlung inklusiver Pädagogik. Dazu komme, dass es noch gar keine Fachdidaktik für den Bereich Sonderpädagogik gebe. Die Ankündigung des Bildungsministeriums, dass die Lehrer durch die neue Ausbildung mehr Kompetenz für inklusive Pädagogik haben werden als die derzeitigen, an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Sonderschullehrer, seien deshalb "hohle Versprechungen".

 

Österreich im internationalen Mittelfeld

 

Biewer betont, dass es zusätzlich zu all jenen Lehrern, die im Rahmen des Bachelor künftig ein gewisses Basiswissen zu Inklusionspädagogik erhalten sollen, auch noch Pädagogen mit spezieller Expertise brauchen werde. Die Uni Wien verhandle deshalb derzeit mit der PH Wien, um künftigen Lehrern in der Ausbildung anstelle eines zweiten Fachs eine Spezialisierung in Inklusionspädagogik anbieten zu können. Diese Experten könnten dann an den jeweiligen Schulen die Fachleute für die Organisation der Inklusion sein. Die Umsetzung dieser Pläne sei allerdings auch eine finanzielle Frage: Derzeit hätten die Unis zwar eine Verpflichtung, inklusive Pädagogik zu lehren, es gebe aber trotz knapper Budget keine finanzielle Unterstützung. "Es muss für die Unis ein Anreiz gesetzt werden, da etwas zu machen."

 

Derzeit liegt Österreich bei der Inklusion im internationalen Mittelfeld. Im Schuljahr 2013/14 waren 61 Prozent der Schüler, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkungen Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde, in einer Klasse mit Schülern ohne Beeinträchtigung. Mit der Umstellung auf inklusive Schulen wäre aus Biewers Sicht auch die Zuteilung eines SPF obsolet. Dann gehe es nämlich nicht mehr darum, einzelne Kinder mit einem Etikett zu versehen, das den betreffenden Schulen zusätzliche Ressourcen bringt. Stattdessen müsse die Schule in die Lage versetzt werden, alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Entwicklungslagen im Regelschulwesen entsprechend zu fördern. Als Beispiel nennt Biewer ein Modell aus Hamburg, bei dem jene Schulen, die keine Schüler mit SPF ausgewiesen haben, mehr Geld für ihr inklusives Modell erhalten.

 

Die Diagnose SPF ist umstritten, der Anteil solcher Schüler variiert auch zwischen den Bundesländern sehr stark. Hopmann verweist auf schwedische Untersuchungen, die einen relativ engen Zusammenhang zwischen der Zahl der SPF-Diagnosen und der Verfügbarkeit von Sonderschullehrern bzw. anderen von der Diagnose unabhängigen Faktoren zeigen.

 

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DER STANDARD online, 8.8.2014

Katharina Mittelstaedt

 

Tägliche Turnstunde könnte sofort umgesetzt werden

 

Laut Unterrichtsministerium wird "mit Hochdruck" an der Umsetzung der täglichen Turnstunde gearbeitet. Ein bereits fertiges Umsetzungsprogramm hält man aber offenbar unter Verschluss

 

Wien - Österreichs Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig - auch in der Schule. Darüber sind sich im Grunde alle einig, es liegen zahlreiche Studien vor, es herrscht politischer Konsens über alle Parteigrenzen hinweg, es gibt eine fixe Ankündigung vom Kanzler und, wie der STANDARD nun erfahren hat, sogar längst ein konkret ausgearbeitetes Papier zur Umsetzung eines Zehn-Punkte-Programms inklusive fertiger Erlässe, einer Verordnung und einem Nationalratsantrag zur Änderung des Schulorganisationsgesetzes. Das Problem: Österreichs Kinder und Jugendliche bewegen sich noch immer nicht mehr als vor einigen Jahren - zumindest nicht in der Schule und auf politische Initiative.

 

Konkret sieht das ministerielle Papier, das dem STANDARD vorliegt, etwa eine tägliche Turnstunde in allen "ganztägig geführten Schulen" ab Herbst 2014 vor. Für die "verpflichtende Umsetzung" wurde bereits ein Erlass ausgearbeitet, der bloß noch amtlich gemacht werden müsste.

 

Was dem Projekt nun im Weg steht, kann dem STANDARD auf Nachfrage im Bildungsministerium nicht klar beantwortet werden. Man arbeite "mit Hochdruck" an dem Thema, sei aber eben "noch nicht im Finale". Herbst 2014 werde sich aber "wohl nicht mehr" ausgehen.

 

Kosten um 100 Millionen

 

Schon unter Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) seien konkrete Berechnungen angestellt worden, erfuhr DER STANDARD aus Insiderkreisen: Der stufenweise Ausbau auf mindestens vier "Bewegungsstunden" pro Woche in allen heimischen Volksschulen würde insgesamt zwischen 100 und 110 Millionen Euro kosten - die über vier Jahre verteilt jährlich eingesetzt würden. Dass das Projekt schlussendlich Budgeteinsparungen zum Opfer gefallen sei, will man im Bildungsministerium nicht bestätigen.

 

 

Ein weiterer Punkt des Papiers sieht Veränderungen in der Lehrerausbildung vor: Die Themen "Gesundheit, Ernährung und Bewegung" sollen demnach einen Schwerpunkt in der "PädagogInnenbildung neu" darstellen und Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich forciert werden. Dafür wurde ein "Kompetenzkatalog" erstellt, der Anforderungen an künftige Pädagogen enthält und somit als Leitfaden für neue Lehrpläne dienen soll.

 

"Bewegung als Bildungsziel"

 

Darüber hinaus wird in dem Zehn-Punkte-Programm etwa "Bewegung als Bildungsziel und Unterrichtsprinzip" definiert - auch hier gibt es bereits einen ausgearbeiteten Nationalratsantrag, der laut Papier "eingebracht werden" kann. Außerdem geplant: eine Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln, "Ausbau der Sportschwerpunktschulen" sowie eine Qualitätsverbesserung des Sportunterrichts.

 

"Das Einzige, an dem all diese Projekte scheitern, ist mangelnder politischer Wille", sagt Peter Kleinmann, Präsident des österreichischen Volleyballverbandes und Vorstandsmitglied des Olympischen Comités. Dem Ministerium lägen "zahlreiche wissenschaftliche Beweise" vor, die zeigen, dass Österreichs Kinder und Jugendliche durchschnittlich zu dick seien - und mehr Bewegung in der Schule ein Baustein zur Vermeidung von Adipositas und Diabetes sein könnte.

 

Forderung an Kanzler und Finanzminister

 

"Unsere Kinder bewegen sich nur noch halb so viel wie ihre Großeltern. Wenn sich nichts tut, werden sie immer schlechter in der Schule, weniger verdienen und nachweislich kürzer leben", sagt Kleinmann. "Kanzler und Finanzminister sind aufgefordert, endlich das nötige Geld zur Verfügung zu stellen."

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DER STANDARD Online Kommentar

Katharina Mittelstaedt

 

Tägliche Turnstunde: Bewegungslose Regierung

 

Tragisch ist, dass sich Kinder und Jugendliche in Österreich immer weniger bewegen und sich Politiker dafür vorrangig vor Wahlen interessieren

 

Erstmals in der parlamentarischen Geschichte waren sich sechs Parteien einig: Österreichs Schulen müssen sportlicher werden. Der Nationalrat forderte die Regierung bereits 2012 auf, eine tägliche Bewegungseinheit auf die Stundenpläne zu setzen. Der Kanzler selbst versprach während einer Wanderung vor einem Jahr, dass die tägliche Turnstunde kommt - ab Herbst 2014. Nun wurde sogar ein Konzept öffentlich, das bereits in der vergangenen Legislaturperiode ausgearbeitet wurde. Im Bildungsressort heißt es dagegen: Man arbeite "mit Hochdruck". Mit einer Umsetzung ab Schulbeginn wird es aber nichts mehr.

 

 

Tragisch ist daran nicht nur, dass sich Kinder und Jugendliche in Österreich immer weniger bewegen, dass sie immer dicker werden und weniger gesund sind - und sich Politiker dafür vorrangig vor Wahlen interessieren. Ebenso tragisch ist, dass, selbst wenn man sich einmal einig ist, alle Parteien an einem Strang ziehen, die Koalitionspartner ein gemeinsames Ziel verfolgen und ein Konzept auf dem Tisch liegt, offenbar nichts passiert.

 

Die längst ausstehende Umsetzung einer "täglichen Turnstunde" ist damit nicht mehr als ein letzter Beweis, dass diese Regierung ein Problem hat. Koalitionärer Wickel, weil sich die ehemaligen Großparteien nicht einig werden? Von wegen, selbst wenn man einmal einer Meinung ist, scheitert dann eine Umsetzung am notwendigen Tatendrang.

 

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DER STANDARD Online, 8. August 2014

 

Marianne Schulze: "Die Sonderschule ist konventionswidrig"

 

Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses fordert Abschaffung bis September 2015 und erteilt Regierungsplänen Absage

 

Die Sonderschulen in Österreich sorgen weiterhin für Kritik. Im Ö1-"Morgenjournal" fordert die Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses, Marianne Schulze, die Abschaffung der Schulform, weil diese der UN-Behindertenrechtskonvention widerspreche.

 

Schulze: "Aus der Sicht der Konvention gibt es keine Notwendigkeit für eine Sonderschule. Sie ist diskriminierend, weil sie einzig auf das Merkmal der Beeinträchtigung abstellt - und das ist konventionswidrig."

 

Nun sei die Regierung am Zug. Mit dem entsprechenden politischen Willen sei eine Abschaffung bis September 2015 möglich. Den Regierungsplänen, die Modellregionen bis 2020 vorsehen, erteilt die Menschenrechtsexpertin eine Absage: "Wir brauchen keine Pilotprojekte mehr." Es brauche konkrete Schritte. Auch in Finnland und Südtirol sei die Abschaffung von heute auf morgen möglich gewesen. (red, derStandard.at, 8.8.2014)

 

 

Die UN-Konvention ist ein internationaler Vertrag, in dem sich die Unterzeichnerstaaten verpflichten, die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten. Österreich ist diesem Übereinkommen beigetreten und hat es 2008 ratifiziert. Ebenso ratifiziert hat es ein Zusatzprotokoll, in dem es die Zuständigkeit des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen anerkennt, Beschwerden über eine Verletzung der Rechte entgegenzunehmen und zu prüfen. Österreich verpflichtet sich damit völkerrechtlich, die in der UN-Konvention festgelegten Standards durch österreichische Gesetze umzusetzen und zu gewährleisten.

 

Der Monitoringausschuss ist ein unabhängiger Ausschuss, der die Einhaltung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen durch die öffentliche Verwaltung für den Bereich der Bundeskompetenz überwacht.

 

Link: www.monitoringausschuss.at

 

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DER STANDARD Online, Kommentar der anderen 8.8.2014)

Paul Mychalewicz,

 

Eine moderne Schulverwaltung für alle

 

 

Die mittelbare Bundesverwaltung im Schulbereich könnte den ewigen Kompetenz- und Finanzierungsstreit zwischen Bundesländern und Bund entschärfen und zu mehr Flexibilität und besserer Organisation im Bildungsbereich führen

 

Die Nominierung von Maximilian Krauss für die Funktion des Vizepräsidenten des Wiener Stadtschulrats durch die FPÖ hat beträchtlichen Staub aufgewirbelt. Man sollte der genannten Person gar nicht so viel Publizität widmen, sie kann aber als Anlass dienen, grundsätzliche Überlegungen zur Organisation des österreichischen Bildungswesens anzustellen.

 

Derzeit gibt es in den Bundesländern Landesschulräte (in Wien den Stadtschulrat), aber auch ein Ressort in der Landesregierung, das für Schulen zuständig ist. Der Verdacht, dass dabei Doppelgleisigkeiten bestehen, ist berechtigt. So ist die Schulaufsicht für die verschiedenen Schultypen (Pflichtschulen, AHS, BHS) im Landesschulrat angesiedelt. Präsident ist nominell der jeweilige Landeshauptmann. Tatsächlich ausgeübt wird die Funktion von einem Amtsführenden Präsidenten. Das ist eine politische Funktion, daher gehören nomineller und Amtsführender Präsident praktisch immer derselben Partei an. In der Mehrheit der Bundesländer stellt die zweitstärkste Partei den Vizepräsidenten. Damit ist aber kein Recht auf eine Vertretung des Präsidenten verbunden, es ist also ein "Titel ohne Mittel". Die Funktion ist allerdings bezahlt, wenngleich geringer als die des Präsidenten. In Salzburg ist dieses Amt bereits kürzlich abgeschafft worden.

 

Zusammengelegt

 

Der Landesrat (in Wien Stadtrat) ist eigentlich nur für die Verwaltung der Pflichtschulen zuständig; die höheren Schulen sind Bundessache. In Vorarlberg und Tirol hat man die Leitung der beiden Schulbehörden zusammengelegt. So sind die derzeitigen Landesrätinnen zugleich Amtsführende Präsidentinnen des Landesschulrats. Vizepräsidenten gibt es in diesen beiden Bundesländern auch nicht. Somit bietet sich als erster Schritt für die anderen Länder an, zumindest diese letztgenannte Funktion abzuschaffen.

 

Eine große Lösung muss aber mehr Veränderungen bringen. Anzusetzen ist bei einem ständigen Zankapfel zwischen Bund und Ländern, nämlich der Finanzierung der Lehrkräfte in den Pflichtschulen. Diese werden wohl von den Bundesländern angestellt, die Kosten werden jedoch vom Bundesbudget getragen. Der Konflikt ist damit programmiert. Jahr für Jahr fühlen sich die Bundesbehörden über den Tisch gezogen und zweifeln die Berechnungen der Länder an. Die Lehrer an höheren Schulen sind direkt beim Bund angestellt. Der folgende Vorschlag nimmt nicht auf das verunglückte neue Lehrerdienstrecht Bezug, sondern es geht um eine effizientere Verwaltung.

 

Das Zauberwort heißt "mittelbare Bundesverwaltung". Was steckt dahinter? Es ist die Vollziehung von Bundesgesetzen durch Landesbehörden. Die oberste Zuständigkeit bleibt damit beim Bundesminister, der den Landeshauptleuten in letzter Konsequenz Weisungen erteilen kann. Die Basis dafür ist der Artikel 102 der österreichischen Bundesverfassung. Deren Urheber haben einen durchaus komplexen Bundesstaat geschaffen, der im Allgemeinen gar nicht so schlecht funktioniert. Ein Bereich, der 1920 und auch in den Jahren danach ungelöst geblieben ist, waren die Kompetenzen im Bildungswesen. Ein Kompromiss, mit dem man für die nächste Zeit als Basis leben konnte, wurde erst 1962 erzielt. Nun gilt es, die verfassungsrechtlichen Instrumentarien für eine sinnvolle Weiterentwicklung zu nützen.

 

Was macht die mittelbare Bundesverwaltung zur Lösung? Sie erlaubt Landeshauptleuten durchaus starke Einflussmöglichkeiten. Zur Veranschaulichung: Ein Bereich, mit dem schon jeder Staatsbürger zu tun gehabt hat, ist das Melde- und Passwesen. Wir bekommen unseren Pass von einer Bezirksbehörde, die dem Land untersteht. Weitere Angelegenheiten, die der mittelbaren Bundesverwaltung unterliegen, sind Fremdenpolizei, Vereinswesen und Denkmalschutz.

 

Warum könnte dieses rechtliche Instrumentarium die organisatorische Lösung für das österreichische Bildungswesen sein? Die letzten Jahre waren geprägt von diametral entgegengesetzten Forderungen, das Schulwesen entweder zur Gänze zur Bundessache oder eben vollständig zur Landessache zu machen. Die hier vorgeschlagene Lösung sollte beide Konfliktparteien zufriedenstellen. Der Grund liegt in der Art, wie dadurch Kompetenzen geregelt sind. Es wohl unbestritten, dass es in einem Land von der Größe Österreichs ein einheitliches Bildungswesen geben soll. Ebenso sind die regionalen Unterschiede offensichtlich. Die Erfordernisse in Städten, insbesondere Wiens, sind eben deutlich anders als in kleinen Landgemeinden.

 

Die mittelbare Bundesverwaltung sollte ein tragfähiges Netz auf Dauer sein. Es werden damit Strukturen geschaffen, die eine gesicherte Basis für eine kontinuierliche Weiterentwicklung darstellen. Nach einem richtig verstandenen Subsidiaritätsprinzip werden die Entscheidungen auf der Ebene getroffen, die dafür am besten geeignet ist.

 

Paul Mychalewicz ist Lehrer für Englisch und Geschichte an einem Gymnasium in Wien.

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II 08.08.2014 12:35:36

 

Walser für Bewegungstausender für Schulen in Österreich

 

Utl.: Grüne: Rasche Hilfe für Schulen nötig, um mehr Bewegung zu ermöglichen

 

"Bewegung wirkt bei Kindern wie Kraftfutter. Sie bringt nicht nur Energie, sondern hilft beim Lernen und generell bei der Entwicklung von Intelligenz", sagt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Es ist gut, dass Konsens darüber herrscht, dass sich unsere Kinder mehr bewegen müssen. Bis zur Umsetzung der täglichen Turnstunde dauert es aber zu lange", befürchtet Walser.

 

"Es muss in Schulen autonome Bewegungsangebote geben, der den jeweiligen Standortbestimmungen entsprechen. Dabei sind dem kreativen Potential keine Grenzen gesetzt. Beispiele etwa wären der "bewegte Pausenhof", bewegter Unterricht, Freizeit im Freien oder der Walking Bus, wo die Bewegung schon am Weg in die Schule beginnt. Als Anreiz soll jede Schule in Österreich bis 1000 Euro erhalten. Das Geld könnte dann zweckgebunden - aber autonom - in pädagogisches Material für den bewegten Unterricht eingesetzt werden", erläutert Walser seine Forderung nach einem "Bewegungstausender".

 

"Fakt ist, dass der Bewegungstausender den Schulen rasch und effektiv helfen würde. Die Zahlen zu den Sport- und Bewegungsverhalten unserer Kinder sind erschreckend. Deshalb muss endlich was passieren. Es hilft nicht, wenn immer nur die tägliche Turnstunde versprochen wird und dann nichts passiert", schließt Walser.

 

Rückfragehinweis: Grüner Klub im Parlament

Tel.: +43-1 40110-6697

mailto:presse@gruene.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/100/aom

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OTS0050 II 08.08.2014 10:49:11

 

Walser zur Sonderschule: Österreich verschläft Entwicklung

 

Utl.: Grüne bringen Antrag zur Abschaffung der Sonderschulen ein

 

"Österreich verschläft die internationale Entwicklung und gerät in Sachen inklusiver Pädagogik immer weiter ins Hintertreffen", unterstützt der Grüne Bildungssprecher Harald Walser die Forderungen von Behindertenanwalt Erwin Buchinger. "Ich verstehe die Ungeduld der Betroffenen, denn der UN-Monitoring-Ausschuss hat die Existenz von Sonderschulen schon 2008 als menschenrechtswidrig kritisiert und deren Abschaffung gefordert!", sagt Walser.

 

Walser betont, dass die Kritik an der Sonderschule keine Kritik an der Arbeit der Lehrkräfte ist: "Dank der engagierten Arbeit vieler Lehrkräfte sind Sonderschulen heute zum Glück nicht mehr triste Verwahrungsstätten für behinderte und schwierige Kinder, wie das früher oft der Fall war. Häufig gibt es Kleingruppen und eine Ausstattung, von der andere Schulen nur träumen können." Dennoch ist es eine Tatsache, dass häufig Kinder in Sonderschulen abgeschoben werden, nur weil sie schlecht deutsch sprechen. "In Österreichs Schulen haben etwa 18 Prozent der SchülerInnen nichtdeutsche Muttersprache, ihr Anteil in Sonderschulen liegt bei etwa 29 Prozent. Sie sind damit von höherer Bildung fast ausgeschlossen.", unterstreicht Walser.

 

Walser tritt seit Jahren für eine inklusiv geführte Gemeinsame Schule aller Kinder bis zum 14. Lebensjahr ein, die individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht: "Dazu braucht es allerdings entsprechende Rahmenbedingungen und mehr Personal!" Der Grüne Bildungssprecher kündigt für den nächsten Unterrichtsausschuss einen Antrag zur Abschaffung der Sonderschulen an. Sonderschulen sollen zu Kompetenzzentren für inklusiven Unterricht und Förderung umgebaut werden, wie zum Beispiel im Bezirk Reutte und in weiten Teilen der Steiermark bereits geschehen. "Kompetenzzentren helfen Schulen bei der Gestaltung des Unterrichts, bieten Weiterbildung für Lehrkräfte an, koordinieren die benötigten Schulplätze im jeweiligen Bezirk, organisieren Fahrtendienste und sorgen für die nötigen Ressourcen. Dort bekommen Eltern auch Hilfe und Beratung.", meint Walser.

 

"Wir brauchen einen geordneten Übergang vom jetzigen System der Aussonderung hin zu einer gemeinsamen Schule, in der alle Kinder Platz haben", mahnt Walser abschließend rasche, aber überlegte Schritte ein.

 

Rückfragehinweis:  Grüner Klub im Parlament

Tel.: +43-1 40110-6697

mailto:presse@gruene.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/100/aom

 

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APA0160 II, XI 08.08.2014 10:40:26

 

Experten 2 - Lehrer mit inklusiver Kompetenz als Erfolgskriterium

 

Utl.: Derzeit aber an den Unis zu wenige Lehrende mit entsprechenden Kompetenzen - Biewer sieht weiterhin Bedarf nach Inklusions-Spezialisten

 

Das Erfolgskriterium für die Umstellung auf ein inklusives Schulsystem, bei dem Schüler mit speziellen Bedürfnissen nicht mehr separat unterrichtet werden, sind aus Sicht der Experten Lehrer mit entsprechender Kompetenz in inklusiver Pädagogik. Diese sind allerdings laut Bildungswissenschafter Stefan Hopmann derzeit rar.

 

Mit der neuen Lehrerausbildung müsse zwar ein Viertel der Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium Inklusive Pädagogik behandeln. Allerdings finde das zu drei Viertel in riesigen Vorlesungen statt. Für Übungen, Seminare und Praxisfälle in diesem Feld gebe es nämlich nicht einmal ausreichend qualifiziertes Personal an den Unis. Mit Gottfried Biewer an der Uni Wien habe man derzeit in Österreich nur eine einzige Professur auf diesem Spezialgebiet, es fehle einfach die Infrastruktur zur umfassenden Vermittlung inklusiver Pädagogik. Dazu komme, dass es noch gar keine Fachdidaktik für den Bereich Sonderpädagogik gebe. Die Ankündigung des Bildungsministeriums, dass die Lehrer durch die neue Ausbildung mehr Kompetenz für inklusive Pädagogik haben werden als die derzeitigen, an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Sonderschullehrer, seien deshalb "hohle Versprechungen".

 

Biewer betont, dass es zusätzlich zu all jenen Lehrern, die im Rahmen des Bachelor künftig ein gewisses Basiswissen zu Inklusionspädagogik erhalten sollen, auch noch Pädagogen mit spezieller Expertise brauchen werde. Die Uni Wien verhandle deshalb derzeit mit der PH Wien, um künftigen Lehrern in der Ausbildung anstelle eines zweiten Fachs eine Spezialisierung in Inklusionspädagogik anbieten zu können. Diese Experten könnten dann an den jeweiligen Schulen die Fachleute für die Organisation der Inklusion sein. Die Umsetzung dieser Pläne sei allerdings auch eine finanzielle Frage: Derzeit hätten die Unis zwar eine Verpflichtung, inklusive Pädagogik zu lehren, es gebe aber trotz knapper Budget keine finanzielle Unterstützung. "Es muss für die Unis ein Anreiz gesetzt werden, da etwas zu machen."

 

Derzeit liegt Österreich bei der Inklusion im internationalen Mittelfeld. Im Schuljahr 2013/14 waren 61 Prozent der Schüler, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkungen Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde, in einer Klasse mit Schülern ohne Beeinträchtigung. Mit der Umstellung auf inklusive Schulen wäre aus Biewers Sicht auch die Zuteilung eines SPF obsolet. Dann gehe es nämlich nicht mehr darum, einzelne Kinder mit einem Etikett zu versehen, das den betreffenden Schulen zusätzliche Ressourcen bringt. Stattdessen müsse die Schule in die Lage versetzt werden, alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Entwicklungslagen im Regelschulwesen entsprechend zu fördern. Als Beispiel nennt Biewer ein Modell aus Hamburg, bei dem jene Schulen, die keine Schüler mit SPF ausgewiesen haben, mehr Geld für ihr inklusives Modell erhalten.

 

Die Diagnose SPF ist umstritten, der Anteil solcher Schüler variiert auch zwischen den Bundesländern sehr stark. Hopmann verweist auf schwedische Untersuchungen, die einen relativ engen Zusammenhang zwischen der Zahl der SPF-Diagnosen und der Verfügbarkeit von Sonderschullehrern bzw. anderen von der Diagnose unabhängigen Faktoren zeigen.

 

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APA0156 II, XI 08.08.2014 10:36:39

 

Experten: Massiver Rückbau der Sonderschule bis 2020 unrealistisch

 

Utl.: Inklusionsspezialist Biewer: "Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten" - Bildungsforscher Hopmann fürchtet Verschlechterung bei voreiliger Umstellung

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", verweist Bildungswissenschafter Stefan Hopmann auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien) zur APA.

 

Für die Steiermark kann sich Biewer, derzeit bundesweit einziger Professor mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik, eine Umstellung bis 2020 zwar vorstellen. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet. In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Biewer plädiert daher für eine schrittweise Umstellung: "Die Erfahrung hat gezeigt: Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten. Es braucht schon einen realistischen Zeitrahmen."

 

Eine Modellregion wäre für ihn eine gute Methode, um die Systemumstellung zu proben. Gleichzeitig könnte man ab nächstem Schuljahr damit beginnen, keine Kinder mehr in die ersten Jahrgänge der Sonderschule aufzunehmen und diese stattdessen inklusiv zu beschulen. Die Sonderschulpädagogen, die dadurch frei würden, sollten dann in den Regelschulen eingesetzt werden, um eine Förderung zu garantieren. "Dann hätte das Schulsystem Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten." Der schrittweise Umbau des Systems würde damit insgesamt neun Jahre dauern. In dieser Zeit müssten dann auch die entsprechenden Unterstützungsstrukturen aufgebaut und bei der neuen Lehrerausbildung Pädagogen mit der notwendigen Expertise ausgebildet werden.

 

Für Bildungsforscher Hopmann wäre das Jahr 2030 für eine Umstellung wesentlich realistischer als 2020. "Aber dafür muss ich Inklusionskompetenz bei den Pädagogen schaffen." Würde die Umstellung auf inklusive Schulen trotz Mangel an qualifiziertem Personal durchgezogen, werde die Situation "eher schlechter als besser". Dabei spreche er aber nicht etwa von einer Verdoppelung der Kapazitäten, in weiten Teilen sie diese Kompetenz derzeit überhaupt nicht da.

 

Weitere Voraussetzung sei es, aus dem starren System mit "eine Klasse - ein Lehrer - ein Fach" herauszukommen. "Sonst ist Inklusion nicht machbar." Diese könne nur dann gut funktionieren, wenn es auch die personellen, fachlichen und räumlichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht gebe. "Sonst ist das weder für die Kinder mit der Diagnose noch für die anderen Kinder von Vorteil", warnt Hopmann. Das sei auch der Grund, wieso in manchen Fällen Eltern von Kindern in Sonderschulen gegen die Umstellung auf ein inklusives System auf die Barrikaden gingen.

 

Gar nicht schnell genug gehen kann es unterdessen Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der UN-Menschenrechtskonvention, in der auch der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung vorgesehen ist. "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre", sagt sie im Ö1-"Morgenjournal".

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
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