Freitag, 8. August 2014

Bildungs-Newsletter 8. August 2014

APA0286 II, XI 08.08.2014 12:58:35

 

Sonderschule: Heinisch-Hosek verweist auf Wahlfreiheit der Eltern

 

Utl.: Bildungsministerin verteidigt Zeitplan für Systemumstellung bis 2020 - Grüne planen Antrag auf Abschaffung

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) verweist in der Debatte, wo Kinder mit Beeinträchtigungen unterrichtet werden sollen, auf die Wahlfreiheit der Eltern. Dieses könnten entscheiden, ob ihr Kind eine Sonderschule oder Integrationsklasse besucht. Entscheidend sei aber ohnehin, dass die Kinder bestmöglich gefördert werden, wird sie im Ö1-"Mittagsjournal" zitiert.

 

Einzelne Sonderschulen müssten jedenfalls auch künftig bestehen bleiben, heißt es in der Stellungnahme. "Es geht darum, fördernde individualisierte Angebote für alle Kinder möglichst wohnortnahe zur Verfügung zu stellen, an vielen Integrationsstandorten ist das schon möglich. Manche Unterstützungsangebote sind jedoch zurzeit nur an spezialisierten Einrichtungen verfügbar." Sie verteidigt, dass die Schaffung flächendeckender integrativer Angebote bis 2020 dauern soll: Neben den Schulen müssten auch Soziale Dienste, Jugendwohlfahrt und Gesundheitswesen eingebunden werden.

 

Die Grünen planen unterdessen Druck für die Reform: Im nächsten Unterrichtsausschuss im Parlament am 7. Oktober werden sie einen Antrag auf Abschaffung der Sonderschule einbringen, kündigte Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung an. "Österreich verschläft die internationale Entwicklung und gerät in Sachen inklusiver Pädagogik immer weiter ins Hintertreffen", begründet er seine Forderung nach "raschen, aber überlegten Schritten".

 

Sonderschulen seien bereits 2008 vom Monitoringausschuss zur Umsetzung der UN-Menschenrechtskonvention als menschenrechtswidrig kritisiert worden. Ziel müsse stattdessen eine inklusiv geführte Gemeinsame Schule aller Kinder bis 14 sein, die individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingehe. Dazu brauche es allerdings entsprechende Rahmenbedingungen und mehr Personal, so Walser. Die derzeitigen Sonderschulen sollen nach Walsers Wunsch zu Kompetenzzentren umgebaut werden, die u.a. den Schulen bei der inklusiven Gestaltung des Unterrichts helfen, Weiterbildung anbieten, Schulplätze im Bezirk koordinieren und Eltern beraten.

 

 

 

Ö1 Mittagsjournal, 8.8.2014

Regina Pöll

 

Sonderschulen: Heinisch-Hosek wehrt sich

 

Unterrichtsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) weist die Kritik des Behindertenanwalts Erwin Buchinger über die zu hohe Zahl an Sonderschülern in Österreich zurück und verspricht Reformen.

 

Eltern wählen Schulform, nicht die Politik

 

Anstatt Kinder mit besonderen Bedürfnissen an besseren Regelschulen zu integrieren, stecke man diese in Sonderschulen, womit die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Österreichs Sonderschulen steige. So lautet die Kritik des Behindertenanwalts.

 

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek von der SPÖ wehrt sich gegen die Vorwürfe. In einer schriftlichen Stellungnahme an das ORF-Radio schreibt Heinisch-Hosek:

Wesentlich ist, dass SchülerInnen mit Behinderungen beim Erwerb einer ihren individuellen Möglichkeiten entsprechenden Erziehung und Bildung unterstützt werden. Ob sie in eine Sonderschule gehen oder eine integrative Form der Beschulung gewählt wird, können Eltern („Wahlrecht“) wählen.

 

Damit sieht die Ministerin ihr Ressort nicht in der Pflicht und hält weiterhin an den Sonderschulen in Österreich fest - obwohl sich Österreich 2008 zur UN-Behindertenrechtskonvention bekannt hat und diese laut Experten Sonderschulen ausschließt. Dazu schreibt Heinisch-Hosek in ihrer Stellungnahme: Es geht darum, fördernde, individualisierte Angebote für alle Kinder möglichst Wohnort-nahe zur Verfügung zu stellen. An vielen Integrationsstandorten ist das schon möglich. Manche Unterstützungsangebote sind jedoch zur Zeit nur an spezialisierten Einrichtungen verfügbar.

 

Kein zu schneller Sonderschulabbau

 

Dass es mit einem flächendeckenden Angebot von Integrationsklassen noch bis 2020 dauern wird, das verteidigt die Ministerin. Denn immerhin müssten neben den Schulen etwa auch soziale Dienste, die Jugendwohlfahrt oder das Gesundheitswesen eingebunden und vorbereitet werden. Dass die Umstellung nicht überstürzt werden sollte, das sagen auch Experten wie der Wiener Bildungswissenschafter Stefan Hopmann. Denn es fehle vor allem noch an speziell ausgebildeten Lehrern für den gemeinsamen Unterricht von Kindern MIT und OHNE Beeinträchtigung.

 

 

Ö1 Morgenjournal, 8.8.2014

Regina Pöll

 

Auch Experten fordern: Weg mit Sonderschulen

 

Die gut 300 Sonderschulen in Österreich sollen rasch abgeschafft werden, genauso wie das Etikett "sonderpädagogisch förderwürdig" für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Dieser Forderung des Behindertenanwalts Josef Buchinger im gestrigen Mittagsjournal schließen sich heute Experten für Inklusion an: Sie fordern mehr Tempo von der Regierung.

 

Umstellung sofort möglich

 

2008 hat Österreich die UN-Behindertenrechts-Konvention unterschrieben. Und deshalb müssten die Sonderschulen endlich weg, sagt Marianne Schulze, die Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses, der die Einhaltung der Konvention überprüft: "Aus Sicht der Konvention gibt es keine Notwendigkeit für eine Sonderschule. Sie ist diskriminierend, weil sie einzig auf das Merkmal oder Kriterium der Beeinträchtigung abstellt, und das ist konventionswidrig."

 

Schulze sieht die Regierung am Zug. In ihren Augen kann es auch ganz schnell gehen mit einer Abschaffung der Sonderschulen: "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre. Damit erteilt die Expertin dem Zeitplan der Regierung eine Absage. Denn dieser sieht bis 2020 flächendeckend Modellregionen vor - ab dann soll es fast nur noch Schulen in Österreich geben, an denen Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam unterrichtet werden. Schulze meint hingegen, "wir brauchen keine Pilotprojekte mehr, Es gibt hinreichend Beispiele dafür, wie es in der Praxis geht." Jetzt gehe es um konkrete Schritte. Als Vorbilder nennt Schulze zum Beispiel Finnland und Südtirol, dort sei es gelungen, Sonderschulen von heute auf morgen abzuschaffen.

 

Umdenken bei Lehrerbildung und Schulbau

 

Beseitigt werden solle in Österreich auch das Kriterium des "sonderpädagogischen Förderbedarfs" - das sei ein Stigma und ein Widerspruch zu einer inklusiven Pädagogik, wo man von einem "individuellen Förderbedarf" spreche, sagt auch der Präsident der Lebenshilfe, Germain Weber. Die neue Lehrerbildung sei hier der richtige Weg, weil künftig alle Studentinnen und Studenten Basiswissen über Inklusion erwerben. Das reiche aber nicht, sagt Weber: Die angehenden Lehrer müssten auch besser auf spezielle Förderung in Fächern wie Mathematik oder Englisch vorbereitet werden.

 

Und viele Schulen müssten erst umgebaut werden, damit die Integration von Schülern mit besonderen Bedürfnissen wirklich funktioniert. Es gehe darum, dass Kinder zu mehr Chancen kommen, die bisher im Bildungssystem zu kurz gekomm,en sein, so Weber. Im vorigen Schuljahr wurden rund 30.000 Schüler und Schülerinnen als förderwürdig eingestuft, die Hälfte besuchte eine Sonderschule.

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OTS0090 II 08.08.2014 13:42:41

 

AKS: Sonderschulen abschaffen!

 

Utl.: Inklusion muss endlich Praxis werden

 

Die Aktion kritischer Schüler_innen (AKS) kritisiert das Integrationssystem in Österreich, in dem bei immer mehr Kindern sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) vorschnell diagnostiziert wird. Dies trifft vor allem Kinder mit Migrationshintergrund oder aus einer sozial schwächeren Schicht. "Diese häufige Praxis fördert die soziale Selektion in Österreich weiter und stigmatisiert viele Kinder von Anfang an. Vor allem, dass dies auch noch im Zeugnis angeführt wird, ist mir unverständlich", empört sich Christina Götschhofer, Bundesvorsitzende der AKS.

 

Pro Kind mit SPF bekommen Schulen einen gewissen Mehrbetrag an Budget. "Es kann nicht sein, dass bei Kindern SPF diagnostiziert wird, nur um das Budget der Schulen aufzubessern. Die Zukunft von niemandem darf für kapitalistische Ziele aufs Spiel gesetzt werden", sagt Antiklassimus und Antikapitalismus-Sprecherin Raphaela Jernej.

 

Für die AKS ist es nicht genug, den Abbau von Sonderschulen langsam durch Schulversuche umzusetzen. Auch der stetig höher werdende Leistungsdruck und das starre Schulsystem, in dem Individualität kaum möglich ist, beeinflusst die aktuellen Entwicklungen. "Es ist nicht überraschend, dass in einem System, in dem Leistung das einzige ist, was zählt, Kinder nicht mehr mitkommen. Diese sofort als förderbedürftig abzustempeln ist ein Schritt in die falsche Richtung", so Götschhofer. Die AKS fordert seit Jahren die Einführung der Gesamtschule, sowie eine bessere Ausbildung von Lehrpersonen. Außerdem wäre es dringend nötig, geschultes Personal zur Unterstützung der Lehrpersonen einzustellen, damit auch körperlich oder geistig beeinträchtigte Kinder optimal gefördert werden können.

 

Rückfragehinweis: Christina Götschhofer

AKS Bundesvorsitzende

Tel.: 0699/114 081 42

christina.goetschhofer@aks.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/5430/aom

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DiePresse Online 08.08.2014

 

Sonderschule: Rückbau-Pläne "unrealistisch"

 

Das Bildungsministerium will Sonderschulen bis 2020 zur Ausnahme machen. Experten halten den Zeitrahmen für weltfremd.

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", meint Bildungswissenschafter Stefan Hopmann mit Verweis auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien).

 

Für die Steiermark kann sich Biewer, derzeit bundesweit einziger Professor mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik, eine Umstellung bis 2020 zwar vorstellen. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet. In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Biewer plädiert daher für eine schrittweise Umstellung: "Die Erfahrung hat gezeigt: Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten. Es braucht schon einen realistischen Zeitrahmen."

 

Eine Modellregion wäre für ihn eine gute Methode, um die Systemumstellung zu proben. Gleichzeitig könnte man ab nächstem Schuljahr damit beginnen, keine Kinder mehr in die ersten Jahrgänge der Sonderschule aufzunehmen und diese stattdessen inklusiv zu beschulen. Die Sonderschulpädagogen, die dadurch frei würden, sollten dann in den Regelschulen eingesetzt werden, um eine Förderung zu garantieren. "Dann hätte das Schulsystem Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten." Der schrittweise Umbau des Systems würde damit insgesamt neun Jahre dauern. In dieser Zeit müssten dann auch die entsprechenden Unterstützungsstrukturen aufgebaut und bei der neuen Lehrerausbildung Pädagogen mit der notwendigen Expertise ausgebildet werden.

 

Inklusionskompetenz bei Pädagogen gefordert

 

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

Für Bildungsforscher Hopmann wäre das Jahr 2030 für eine Umstellung wesentlich realistischer als 2020. "Aber dafür muss ich Inklusionskompetenz bei den Pädagogen schaffen." Würde die Umstellung auf inklusive Schulen trotz Mangel an qualifiziertem Personal durchgezogen, werde die Situation "eher schlechter als besser". Dabei spreche er aber nicht etwa von einer Verdoppelung der Kapazitäten, in weiten Teilen sie diese Kompetenz derzeit überhaupt nicht da.

 

Weitere Voraussetzung sei es, aus dem starren System mit "eine Klasse - ein Lehrer - ein Fach" herauszukommen. "Sonst ist Inklusion nicht machbar." Diese könne nur dann gut funktionieren, wenn es auch die personellen, fachlichen und räumlichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht gebe. "Sonst ist das weder für die Kinder mit der Diagnose noch für die anderen Kinder von Vorteil", warnt Hopmann. Das sei auch der Grund, wieso in manchen Fällen Eltern von Kindern in Sonderschulen gegen die Umstellung auf ein inklusives System auf die Barrikaden gingen.

 

Gar nicht schnell genug gehen kann es unterdessen Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der UN-Menschenrechtskonvention, in der auch der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung vorgesehen ist. "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre", sagt sie im Ö1-"Morgenjournal".

 

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Kleine Zeitung, 8. August 2014

 

Sonderschulen: Massiver Rückbau bis 2020 unrealistisch

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", erklärt etwa Inklusionsspezialist Gottfried Biewer.

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", verweist Bildungswissenschafter Stefan Hopmann auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien) zur APA.

                                                

Steiermark als Vorreiter

 

Für die Steiermark kann sich Biewer, derzeit bundesweit einziger Professor mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik, eine Umstellung bis 2020 zwar vorstellen. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet. In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Biewer plädiert daher für eine schrittweise Umstellung: "Die Erfahrung hat gezeigt: Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten. Es braucht schon einen realistischen Zeitrahmen."

 

Eine Modellregion wäre für ihn eine gute Methode, um die Systemumstellung zu proben. Gleichzeitig könnte man ab nächstem Schuljahr damit beginnen, keine Kinder mehr in die ersten Jahrgänge der Sonderschule aufzunehmen und diese stattdessen inklusiv zu beschulen. Die Sonderschulpädagogen, die dadurch frei würden, sollten dann in den Regelschulen eingesetzt werden, um eine Förderung zu garantieren. "Dann hätte das Schulsystem Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten." Der schrittweise Umbau des Systems würde damit insgesamt neun Jahre dauern. In dieser Zeit müssten dann auch die entsprechenden Unterstützungsstrukturen aufgebaut und bei der neuen Lehrerausbildung Pädagogen mit der notwendigen Expertise ausgebildet werden.

 

Für Bildungsforscher Hopmann wäre das Jahr 2030 für eine Umstellung wesentlich realistischer als 2020. "Aber dafür muss ich Inklusionskompetenz bei den Pädagogen schaffen." Würde die Umstellung auf inklusive Schulen trotz Mangel an qualifiziertem Personal durchgezogen, werde die Situation "eher schlechter als besser". Dabei spreche er aber nicht etwa von einer Verdoppelung der Kapazitäten, in weiten Teilen sie diese Kompetenz derzeit überhaupt nicht da.

 

Starres System

 

Weitere Voraussetzung sei es, aus dem starren System mit "eine Klasse - ein Lehrer - ein Fach" herauszukommen. "Sonst ist Inklusion nicht machbar." Diese könne nur dann gut funktionieren, wenn es auch die personellen, fachlichen und räumlichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht gebe. "Sonst ist das weder für die Kinder mit der Diagnose noch für die anderen Kinder von Vorteil", warnt Hopmann. Das sei auch der Grund, wieso in manchen Fällen Eltern von Kindern in Sonderschulen gegen die Umstellung auf ein inklusives System auf die Barrikaden gingen.

 

Gar nicht schnell genug gehen kann es unterdessen Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der UN-Menschenrechtskonvention, in der auch der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung vorgesehen ist. "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre", sagt sie im Ö1-"Morgenjournal".

 

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Kleine Zeitung, 8. August 2014

 

Lehrer mit inklusiver Kompetenz als Erfolgskriterium

 

Das Erfolgskriterium für die Umstellung auf ein inklusives Schulsystem, bei dem Schüler mit speziellen Bedürfnissen nicht mehr separat unterrichtet werden, sind aus Sicht der Experten Lehrer mit entsprechender Kompetenz in inklusiver Pädagogik. Diese sind allerdings laut Bildungswissenschafter Stefan Hopmann derzeit rar.                                      

 

Mit der neuen Lehrerausbildung müsse zwar ein Viertel der Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium Inklusive Pädagogik behandeln. Allerdings finde das zu drei Viertel in riesigen Vorlesungen statt. Für Übungen, Seminare und Praxisfälle in diesem Feld gebe es nämlich nicht einmal ausreichend qualifiziertes Personal an den Unis. Mit Gottfried Biewer an der Uni Wien habe man derzeit in Österreich nur eine einzige Professur auf diesem Spezialgebiet, es fehle einfach die Infrastruktur zur umfassenden Vermittlung inklusiver Pädagogik. Dazu komme, dass es noch gar keine Fachdidaktik für den Bereich Sonderpädagogik gebe. Die Ankündigung des Bildungsministeriums, dass die Lehrer durch die neue Ausbildung mehr Kompetenz für inklusive Pädagogik haben werden als die derzeitigen, an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Sonderschullehrer, seien deshalb "hohle Versprechungen".

 

Österreich im internationalen Mittelfeld

 

Biewer betont, dass es zusätzlich zu all jenen Lehrern, die im Rahmen des Bachelor künftig ein gewisses Basiswissen zu Inklusionspädagogik erhalten sollen, auch noch Pädagogen mit spezieller Expertise brauchen werde. Die Uni Wien verhandle deshalb derzeit mit der PH Wien, um künftigen Lehrern in der Ausbildung anstelle eines zweiten Fachs eine Spezialisierung in Inklusionspädagogik anbieten zu können. Diese Experten könnten dann an den jeweiligen Schulen die Fachleute für die Organisation der Inklusion sein. Die Umsetzung dieser Pläne sei allerdings auch eine finanzielle Frage: Derzeit hätten die Unis zwar eine Verpflichtung, inklusive Pädagogik zu lehren, es gebe aber trotz knapper Budget keine finanzielle Unterstützung. "Es muss für die Unis ein Anreiz gesetzt werden, da etwas zu machen."

 

Derzeit liegt Österreich bei der Inklusion im internationalen Mittelfeld. Im Schuljahr 2013/14 waren 61 Prozent der Schüler, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkungen Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde, in einer Klasse mit Schülern ohne Beeinträchtigung. Mit der Umstellung auf inklusive Schulen wäre aus Biewers Sicht auch die Zuteilung eines SPF obsolet. Dann gehe es nämlich nicht mehr darum, einzelne Kinder mit einem Etikett zu versehen, das den betreffenden Schulen zusätzliche Ressourcen bringt. Stattdessen müsse die Schule in die Lage versetzt werden, alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Entwicklungslagen im Regelschulwesen entsprechend zu fördern. Als Beispiel nennt Biewer ein Modell aus Hamburg, bei dem jene Schulen, die keine Schüler mit SPF ausgewiesen haben, mehr Geld für ihr inklusives Modell erhalten.

 

Die Diagnose SPF ist umstritten, der Anteil solcher Schüler variiert auch zwischen den Bundesländern sehr stark. Hopmann verweist auf schwedische Untersuchungen, die einen relativ engen Zusammenhang zwischen der Zahl der SPF-Diagnosen und der Verfügbarkeit von Sonderschullehrern bzw. anderen von der Diagnose unabhängigen Faktoren zeigen.

 

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DER STANDARD online, 8.8.2014

Katharina Mittelstaedt

 

Tägliche Turnstunde könnte sofort umgesetzt werden

 

Laut Unterrichtsministerium wird "mit Hochdruck" an der Umsetzung der täglichen Turnstunde gearbeitet. Ein bereits fertiges Umsetzungsprogramm hält man aber offenbar unter Verschluss

 

Wien - Österreichs Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig - auch in der Schule. Darüber sind sich im Grunde alle einig, es liegen zahlreiche Studien vor, es herrscht politischer Konsens über alle Parteigrenzen hinweg, es gibt eine fixe Ankündigung vom Kanzler und, wie der STANDARD nun erfahren hat, sogar längst ein konkret ausgearbeitetes Papier zur Umsetzung eines Zehn-Punkte-Programms inklusive fertiger Erlässe, einer Verordnung und einem Nationalratsantrag zur Änderung des Schulorganisationsgesetzes. Das Problem: Österreichs Kinder und Jugendliche bewegen sich noch immer nicht mehr als vor einigen Jahren - zumindest nicht in der Schule und auf politische Initiative.

 

Konkret sieht das ministerielle Papier, das dem STANDARD vorliegt, etwa eine tägliche Turnstunde in allen "ganztägig geführten Schulen" ab Herbst 2014 vor. Für die "verpflichtende Umsetzung" wurde bereits ein Erlass ausgearbeitet, der bloß noch amtlich gemacht werden müsste.

 

Was dem Projekt nun im Weg steht, kann dem STANDARD auf Nachfrage im Bildungsministerium nicht klar beantwortet werden. Man arbeite "mit Hochdruck" an dem Thema, sei aber eben "noch nicht im Finale". Herbst 2014 werde sich aber "wohl nicht mehr" ausgehen.

 

Kosten um 100 Millionen

 

Schon unter Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) seien konkrete Berechnungen angestellt worden, erfuhr DER STANDARD aus Insiderkreisen: Der stufenweise Ausbau auf mindestens vier "Bewegungsstunden" pro Woche in allen heimischen Volksschulen würde insgesamt zwischen 100 und 110 Millionen Euro kosten - die über vier Jahre verteilt jährlich eingesetzt würden. Dass das Projekt schlussendlich Budgeteinsparungen zum Opfer gefallen sei, will man im Bildungsministerium nicht bestätigen.

 

 

Ein weiterer Punkt des Papiers sieht Veränderungen in der Lehrerausbildung vor: Die Themen "Gesundheit, Ernährung und Bewegung" sollen demnach einen Schwerpunkt in der "PädagogInnenbildung neu" darstellen und Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich forciert werden. Dafür wurde ein "Kompetenzkatalog" erstellt, der Anforderungen an künftige Pädagogen enthält und somit als Leitfaden für neue Lehrpläne dienen soll.

 

"Bewegung als Bildungsziel"

 

Darüber hinaus wird in dem Zehn-Punkte-Programm etwa "Bewegung als Bildungsziel und Unterrichtsprinzip" definiert - auch hier gibt es bereits einen ausgearbeiteten Nationalratsantrag, der laut Papier "eingebracht werden" kann. Außerdem geplant: eine Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln, "Ausbau der Sportschwerpunktschulen" sowie eine Qualitätsverbesserung des Sportunterrichts.

 

"Das Einzige, an dem all diese Projekte scheitern, ist mangelnder politischer Wille", sagt Peter Kleinmann, Präsident des österreichischen Volleyballverbandes und Vorstandsmitglied des Olympischen Comités. Dem Ministerium lägen "zahlreiche wissenschaftliche Beweise" vor, die zeigen, dass Österreichs Kinder und Jugendliche durchschnittlich zu dick seien - und mehr Bewegung in der Schule ein Baustein zur Vermeidung von Adipositas und Diabetes sein könnte.

 

Forderung an Kanzler und Finanzminister

 

"Unsere Kinder bewegen sich nur noch halb so viel wie ihre Großeltern. Wenn sich nichts tut, werden sie immer schlechter in der Schule, weniger verdienen und nachweislich kürzer leben", sagt Kleinmann. "Kanzler und Finanzminister sind aufgefordert, endlich das nötige Geld zur Verfügung zu stellen."

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DER STANDARD Online Kommentar

Katharina Mittelstaedt

 

Tägliche Turnstunde: Bewegungslose Regierung

 

Tragisch ist, dass sich Kinder und Jugendliche in Österreich immer weniger bewegen und sich Politiker dafür vorrangig vor Wahlen interessieren

 

Erstmals in der parlamentarischen Geschichte waren sich sechs Parteien einig: Österreichs Schulen müssen sportlicher werden. Der Nationalrat forderte die Regierung bereits 2012 auf, eine tägliche Bewegungseinheit auf die Stundenpläne zu setzen. Der Kanzler selbst versprach während einer Wanderung vor einem Jahr, dass die tägliche Turnstunde kommt - ab Herbst 2014. Nun wurde sogar ein Konzept öffentlich, das bereits in der vergangenen Legislaturperiode ausgearbeitet wurde. Im Bildungsressort heißt es dagegen: Man arbeite "mit Hochdruck". Mit einer Umsetzung ab Schulbeginn wird es aber nichts mehr.

 

 

Tragisch ist daran nicht nur, dass sich Kinder und Jugendliche in Österreich immer weniger bewegen, dass sie immer dicker werden und weniger gesund sind - und sich Politiker dafür vorrangig vor Wahlen interessieren. Ebenso tragisch ist, dass, selbst wenn man sich einmal einig ist, alle Parteien an einem Strang ziehen, die Koalitionspartner ein gemeinsames Ziel verfolgen und ein Konzept auf dem Tisch liegt, offenbar nichts passiert.

 

Die längst ausstehende Umsetzung einer "täglichen Turnstunde" ist damit nicht mehr als ein letzter Beweis, dass diese Regierung ein Problem hat. Koalitionärer Wickel, weil sich die ehemaligen Großparteien nicht einig werden? Von wegen, selbst wenn man einmal einer Meinung ist, scheitert dann eine Umsetzung am notwendigen Tatendrang.

 

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DER STANDARD Online, 8. August 2014

 

Marianne Schulze: "Die Sonderschule ist konventionswidrig"

 

Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses fordert Abschaffung bis September 2015 und erteilt Regierungsplänen Absage

 

Die Sonderschulen in Österreich sorgen weiterhin für Kritik. Im Ö1-"Morgenjournal" fordert die Vorsitzende des Monitoring-Ausschusses, Marianne Schulze, die Abschaffung der Schulform, weil diese der UN-Behindertenrechtskonvention widerspreche.

 

Schulze: "Aus der Sicht der Konvention gibt es keine Notwendigkeit für eine Sonderschule. Sie ist diskriminierend, weil sie einzig auf das Merkmal der Beeinträchtigung abstellt - und das ist konventionswidrig."

 

Nun sei die Regierung am Zug. Mit dem entsprechenden politischen Willen sei eine Abschaffung bis September 2015 möglich. Den Regierungsplänen, die Modellregionen bis 2020 vorsehen, erteilt die Menschenrechtsexpertin eine Absage: "Wir brauchen keine Pilotprojekte mehr." Es brauche konkrete Schritte. Auch in Finnland und Südtirol sei die Abschaffung von heute auf morgen möglich gewesen. (red, derStandard.at, 8.8.2014)

 

 

Die UN-Konvention ist ein internationaler Vertrag, in dem sich die Unterzeichnerstaaten verpflichten, die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten. Österreich ist diesem Übereinkommen beigetreten und hat es 2008 ratifiziert. Ebenso ratifiziert hat es ein Zusatzprotokoll, in dem es die Zuständigkeit des UN-Ausschusses für die Rechte von Menschen mit Behinderungen anerkennt, Beschwerden über eine Verletzung der Rechte entgegenzunehmen und zu prüfen. Österreich verpflichtet sich damit völkerrechtlich, die in der UN-Konvention festgelegten Standards durch österreichische Gesetze umzusetzen und zu gewährleisten.

 

Der Monitoringausschuss ist ein unabhängiger Ausschuss, der die Einhaltung der Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen durch die öffentliche Verwaltung für den Bereich der Bundeskompetenz überwacht.

 

Link: www.monitoringausschuss.at

 

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DER STANDARD Online, Kommentar der anderen 8.8.2014)

Paul Mychalewicz,

 

Eine moderne Schulverwaltung für alle

 

 

Die mittelbare Bundesverwaltung im Schulbereich könnte den ewigen Kompetenz- und Finanzierungsstreit zwischen Bundesländern und Bund entschärfen und zu mehr Flexibilität und besserer Organisation im Bildungsbereich führen

 

Die Nominierung von Maximilian Krauss für die Funktion des Vizepräsidenten des Wiener Stadtschulrats durch die FPÖ hat beträchtlichen Staub aufgewirbelt. Man sollte der genannten Person gar nicht so viel Publizität widmen, sie kann aber als Anlass dienen, grundsätzliche Überlegungen zur Organisation des österreichischen Bildungswesens anzustellen.

 

Derzeit gibt es in den Bundesländern Landesschulräte (in Wien den Stadtschulrat), aber auch ein Ressort in der Landesregierung, das für Schulen zuständig ist. Der Verdacht, dass dabei Doppelgleisigkeiten bestehen, ist berechtigt. So ist die Schulaufsicht für die verschiedenen Schultypen (Pflichtschulen, AHS, BHS) im Landesschulrat angesiedelt. Präsident ist nominell der jeweilige Landeshauptmann. Tatsächlich ausgeübt wird die Funktion von einem Amtsführenden Präsidenten. Das ist eine politische Funktion, daher gehören nomineller und Amtsführender Präsident praktisch immer derselben Partei an. In der Mehrheit der Bundesländer stellt die zweitstärkste Partei den Vizepräsidenten. Damit ist aber kein Recht auf eine Vertretung des Präsidenten verbunden, es ist also ein "Titel ohne Mittel". Die Funktion ist allerdings bezahlt, wenngleich geringer als die des Präsidenten. In Salzburg ist dieses Amt bereits kürzlich abgeschafft worden.

 

Zusammengelegt

 

Der Landesrat (in Wien Stadtrat) ist eigentlich nur für die Verwaltung der Pflichtschulen zuständig; die höheren Schulen sind Bundessache. In Vorarlberg und Tirol hat man die Leitung der beiden Schulbehörden zusammengelegt. So sind die derzeitigen Landesrätinnen zugleich Amtsführende Präsidentinnen des Landesschulrats. Vizepräsidenten gibt es in diesen beiden Bundesländern auch nicht. Somit bietet sich als erster Schritt für die anderen Länder an, zumindest diese letztgenannte Funktion abzuschaffen.

 

Eine große Lösung muss aber mehr Veränderungen bringen. Anzusetzen ist bei einem ständigen Zankapfel zwischen Bund und Ländern, nämlich der Finanzierung der Lehrkräfte in den Pflichtschulen. Diese werden wohl von den Bundesländern angestellt, die Kosten werden jedoch vom Bundesbudget getragen. Der Konflikt ist damit programmiert. Jahr für Jahr fühlen sich die Bundesbehörden über den Tisch gezogen und zweifeln die Berechnungen der Länder an. Die Lehrer an höheren Schulen sind direkt beim Bund angestellt. Der folgende Vorschlag nimmt nicht auf das verunglückte neue Lehrerdienstrecht Bezug, sondern es geht um eine effizientere Verwaltung.

 

Das Zauberwort heißt "mittelbare Bundesverwaltung". Was steckt dahinter? Es ist die Vollziehung von Bundesgesetzen durch Landesbehörden. Die oberste Zuständigkeit bleibt damit beim Bundesminister, der den Landeshauptleuten in letzter Konsequenz Weisungen erteilen kann. Die Basis dafür ist der Artikel 102 der österreichischen Bundesverfassung. Deren Urheber haben einen durchaus komplexen Bundesstaat geschaffen, der im Allgemeinen gar nicht so schlecht funktioniert. Ein Bereich, der 1920 und auch in den Jahren danach ungelöst geblieben ist, waren die Kompetenzen im Bildungswesen. Ein Kompromiss, mit dem man für die nächste Zeit als Basis leben konnte, wurde erst 1962 erzielt. Nun gilt es, die verfassungsrechtlichen Instrumentarien für eine sinnvolle Weiterentwicklung zu nützen.

 

Was macht die mittelbare Bundesverwaltung zur Lösung? Sie erlaubt Landeshauptleuten durchaus starke Einflussmöglichkeiten. Zur Veranschaulichung: Ein Bereich, mit dem schon jeder Staatsbürger zu tun gehabt hat, ist das Melde- und Passwesen. Wir bekommen unseren Pass von einer Bezirksbehörde, die dem Land untersteht. Weitere Angelegenheiten, die der mittelbaren Bundesverwaltung unterliegen, sind Fremdenpolizei, Vereinswesen und Denkmalschutz.

 

Warum könnte dieses rechtliche Instrumentarium die organisatorische Lösung für das österreichische Bildungswesen sein? Die letzten Jahre waren geprägt von diametral entgegengesetzten Forderungen, das Schulwesen entweder zur Gänze zur Bundessache oder eben vollständig zur Landessache zu machen. Die hier vorgeschlagene Lösung sollte beide Konfliktparteien zufriedenstellen. Der Grund liegt in der Art, wie dadurch Kompetenzen geregelt sind. Es wohl unbestritten, dass es in einem Land von der Größe Österreichs ein einheitliches Bildungswesen geben soll. Ebenso sind die regionalen Unterschiede offensichtlich. Die Erfordernisse in Städten, insbesondere Wiens, sind eben deutlich anders als in kleinen Landgemeinden.

 

Die mittelbare Bundesverwaltung sollte ein tragfähiges Netz auf Dauer sein. Es werden damit Strukturen geschaffen, die eine gesicherte Basis für eine kontinuierliche Weiterentwicklung darstellen. Nach einem richtig verstandenen Subsidiaritätsprinzip werden die Entscheidungen auf der Ebene getroffen, die dafür am besten geeignet ist.

 

Paul Mychalewicz ist Lehrer für Englisch und Geschichte an einem Gymnasium in Wien.

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II 08.08.2014 12:35:36

 

Walser für Bewegungstausender für Schulen in Österreich

 

Utl.: Grüne: Rasche Hilfe für Schulen nötig, um mehr Bewegung zu ermöglichen

 

"Bewegung wirkt bei Kindern wie Kraftfutter. Sie bringt nicht nur Energie, sondern hilft beim Lernen und generell bei der Entwicklung von Intelligenz", sagt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Es ist gut, dass Konsens darüber herrscht, dass sich unsere Kinder mehr bewegen müssen. Bis zur Umsetzung der täglichen Turnstunde dauert es aber zu lange", befürchtet Walser.

 

"Es muss in Schulen autonome Bewegungsangebote geben, der den jeweiligen Standortbestimmungen entsprechen. Dabei sind dem kreativen Potential keine Grenzen gesetzt. Beispiele etwa wären der "bewegte Pausenhof", bewegter Unterricht, Freizeit im Freien oder der Walking Bus, wo die Bewegung schon am Weg in die Schule beginnt. Als Anreiz soll jede Schule in Österreich bis 1000 Euro erhalten. Das Geld könnte dann zweckgebunden - aber autonom - in pädagogisches Material für den bewegten Unterricht eingesetzt werden", erläutert Walser seine Forderung nach einem "Bewegungstausender".

 

"Fakt ist, dass der Bewegungstausender den Schulen rasch und effektiv helfen würde. Die Zahlen zu den Sport- und Bewegungsverhalten unserer Kinder sind erschreckend. Deshalb muss endlich was passieren. Es hilft nicht, wenn immer nur die tägliche Turnstunde versprochen wird und dann nichts passiert", schließt Walser.

 

Rückfragehinweis: Grüner Klub im Parlament

Tel.: +43-1 40110-6697

mailto:presse@gruene.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/100/aom

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OTS0050 II 08.08.2014 10:49:11

 

Walser zur Sonderschule: Österreich verschläft Entwicklung

 

Utl.: Grüne bringen Antrag zur Abschaffung der Sonderschulen ein

 

"Österreich verschläft die internationale Entwicklung und gerät in Sachen inklusiver Pädagogik immer weiter ins Hintertreffen", unterstützt der Grüne Bildungssprecher Harald Walser die Forderungen von Behindertenanwalt Erwin Buchinger. "Ich verstehe die Ungeduld der Betroffenen, denn der UN-Monitoring-Ausschuss hat die Existenz von Sonderschulen schon 2008 als menschenrechtswidrig kritisiert und deren Abschaffung gefordert!", sagt Walser.

 

Walser betont, dass die Kritik an der Sonderschule keine Kritik an der Arbeit der Lehrkräfte ist: "Dank der engagierten Arbeit vieler Lehrkräfte sind Sonderschulen heute zum Glück nicht mehr triste Verwahrungsstätten für behinderte und schwierige Kinder, wie das früher oft der Fall war. Häufig gibt es Kleingruppen und eine Ausstattung, von der andere Schulen nur träumen können." Dennoch ist es eine Tatsache, dass häufig Kinder in Sonderschulen abgeschoben werden, nur weil sie schlecht deutsch sprechen. "In Österreichs Schulen haben etwa 18 Prozent der SchülerInnen nichtdeutsche Muttersprache, ihr Anteil in Sonderschulen liegt bei etwa 29 Prozent. Sie sind damit von höherer Bildung fast ausgeschlossen.", unterstreicht Walser.

 

Walser tritt seit Jahren für eine inklusiv geführte Gemeinsame Schule aller Kinder bis zum 14. Lebensjahr ein, die individuell auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht: "Dazu braucht es allerdings entsprechende Rahmenbedingungen und mehr Personal!" Der Grüne Bildungssprecher kündigt für den nächsten Unterrichtsausschuss einen Antrag zur Abschaffung der Sonderschulen an. Sonderschulen sollen zu Kompetenzzentren für inklusiven Unterricht und Förderung umgebaut werden, wie zum Beispiel im Bezirk Reutte und in weiten Teilen der Steiermark bereits geschehen. "Kompetenzzentren helfen Schulen bei der Gestaltung des Unterrichts, bieten Weiterbildung für Lehrkräfte an, koordinieren die benötigten Schulplätze im jeweiligen Bezirk, organisieren Fahrtendienste und sorgen für die nötigen Ressourcen. Dort bekommen Eltern auch Hilfe und Beratung.", meint Walser.

 

"Wir brauchen einen geordneten Übergang vom jetzigen System der Aussonderung hin zu einer gemeinsamen Schule, in der alle Kinder Platz haben", mahnt Walser abschließend rasche, aber überlegte Schritte ein.

 

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APA0160 II, XI 08.08.2014 10:40:26

 

Experten 2 - Lehrer mit inklusiver Kompetenz als Erfolgskriterium

 

Utl.: Derzeit aber an den Unis zu wenige Lehrende mit entsprechenden Kompetenzen - Biewer sieht weiterhin Bedarf nach Inklusions-Spezialisten

 

Das Erfolgskriterium für die Umstellung auf ein inklusives Schulsystem, bei dem Schüler mit speziellen Bedürfnissen nicht mehr separat unterrichtet werden, sind aus Sicht der Experten Lehrer mit entsprechender Kompetenz in inklusiver Pädagogik. Diese sind allerdings laut Bildungswissenschafter Stefan Hopmann derzeit rar.

 

Mit der neuen Lehrerausbildung müsse zwar ein Viertel der Lehrveranstaltungen im Bachelorstudium Inklusive Pädagogik behandeln. Allerdings finde das zu drei Viertel in riesigen Vorlesungen statt. Für Übungen, Seminare und Praxisfälle in diesem Feld gebe es nämlich nicht einmal ausreichend qualifiziertes Personal an den Unis. Mit Gottfried Biewer an der Uni Wien habe man derzeit in Österreich nur eine einzige Professur auf diesem Spezialgebiet, es fehle einfach die Infrastruktur zur umfassenden Vermittlung inklusiver Pädagogik. Dazu komme, dass es noch gar keine Fachdidaktik für den Bereich Sonderpädagogik gebe. Die Ankündigung des Bildungsministeriums, dass die Lehrer durch die neue Ausbildung mehr Kompetenz für inklusive Pädagogik haben werden als die derzeitigen, an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Sonderschullehrer, seien deshalb "hohle Versprechungen".

 

Biewer betont, dass es zusätzlich zu all jenen Lehrern, die im Rahmen des Bachelor künftig ein gewisses Basiswissen zu Inklusionspädagogik erhalten sollen, auch noch Pädagogen mit spezieller Expertise brauchen werde. Die Uni Wien verhandle deshalb derzeit mit der PH Wien, um künftigen Lehrern in der Ausbildung anstelle eines zweiten Fachs eine Spezialisierung in Inklusionspädagogik anbieten zu können. Diese Experten könnten dann an den jeweiligen Schulen die Fachleute für die Organisation der Inklusion sein. Die Umsetzung dieser Pläne sei allerdings auch eine finanzielle Frage: Derzeit hätten die Unis zwar eine Verpflichtung, inklusive Pädagogik zu lehren, es gebe aber trotz knapper Budget keine finanzielle Unterstützung. "Es muss für die Unis ein Anreiz gesetzt werden, da etwas zu machen."

 

Derzeit liegt Österreich bei der Inklusion im internationalen Mittelfeld. Im Schuljahr 2013/14 waren 61 Prozent der Schüler, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkungen Sonderpädagogischer Förderbedarf (SPF) attestiert wurde, in einer Klasse mit Schülern ohne Beeinträchtigung. Mit der Umstellung auf inklusive Schulen wäre aus Biewers Sicht auch die Zuteilung eines SPF obsolet. Dann gehe es nämlich nicht mehr darum, einzelne Kinder mit einem Etikett zu versehen, das den betreffenden Schulen zusätzliche Ressourcen bringt. Stattdessen müsse die Schule in die Lage versetzt werden, alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Entwicklungslagen im Regelschulwesen entsprechend zu fördern. Als Beispiel nennt Biewer ein Modell aus Hamburg, bei dem jene Schulen, die keine Schüler mit SPF ausgewiesen haben, mehr Geld für ihr inklusives Modell erhalten.

 

Die Diagnose SPF ist umstritten, der Anteil solcher Schüler variiert auch zwischen den Bundesländern sehr stark. Hopmann verweist auf schwedische Untersuchungen, die einen relativ engen Zusammenhang zwischen der Zahl der SPF-Diagnosen und der Verfügbarkeit von Sonderschullehrern bzw. anderen von der Diagnose unabhängigen Faktoren zeigen.

 

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APA0156 II, XI 08.08.2014 10:36:39

 

Experten: Massiver Rückbau der Sonderschule bis 2020 unrealistisch

 

Utl.: Inklusionsspezialist Biewer: "Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten" - Bildungsforscher Hopmann fürchtet Verschlechterung bei voreiliger Umstellung

 

Experten halten Pläne des Bildungsministeriums, bis 2020 Sonderschulen zur Ausnahme zu machen, für unrealistisch. "Das ist sehr unwahrscheinlich", verweist Bildungswissenschafter Stefan Hopmann auf enormen personellen, fachlichen und räumlichen Bedarf von Inklusionspädagogik. 2020 sei für einige Bundesländer "völlig weltfremd", so Inklusionsspezialist Gottfried Biewer (beide Uni Wien) zur APA.

 

Für die Steiermark kann sich Biewer, derzeit bundesweit einziger Professor mit Schwerpunkt Inklusionspädagogik, eine Umstellung bis 2020 zwar vorstellen. Denn schon derzeit werden hier 85 Prozent der Schüler mit Sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) in Regelschulklassen unterrichtet. In anderen Bundesländern wie Niederösterreich oder Tirol wird hingegen weniger als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, denen wegen körperlicher oder psychischer Einschränkung SPF attestiert wird, integrativ beschult. Biewer plädiert daher für eine schrittweise Umstellung: "Die Erfahrung hat gezeigt: Es gab immer Probleme in Ländern, die das System sehr schnell umstellen wollten. Es braucht schon einen realistischen Zeitrahmen."

 

Eine Modellregion wäre für ihn eine gute Methode, um die Systemumstellung zu proben. Gleichzeitig könnte man ab nächstem Schuljahr damit beginnen, keine Kinder mehr in die ersten Jahrgänge der Sonderschule aufzunehmen und diese stattdessen inklusiv zu beschulen. Die Sonderschulpädagogen, die dadurch frei würden, sollten dann in den Regelschulen eingesetzt werden, um eine Förderung zu garantieren. "Dann hätte das Schulsystem Zeit, um sich auf den Wechsel vorzubereiten." Der schrittweise Umbau des Systems würde damit insgesamt neun Jahre dauern. In dieser Zeit müssten dann auch die entsprechenden Unterstützungsstrukturen aufgebaut und bei der neuen Lehrerausbildung Pädagogen mit der notwendigen Expertise ausgebildet werden.

 

Für Bildungsforscher Hopmann wäre das Jahr 2030 für eine Umstellung wesentlich realistischer als 2020. "Aber dafür muss ich Inklusionskompetenz bei den Pädagogen schaffen." Würde die Umstellung auf inklusive Schulen trotz Mangel an qualifiziertem Personal durchgezogen, werde die Situation "eher schlechter als besser". Dabei spreche er aber nicht etwa von einer Verdoppelung der Kapazitäten, in weiten Teilen sie diese Kompetenz derzeit überhaupt nicht da.

 

Weitere Voraussetzung sei es, aus dem starren System mit "eine Klasse - ein Lehrer - ein Fach" herauszukommen. "Sonst ist Inklusion nicht machbar." Diese könne nur dann gut funktionieren, wenn es auch die personellen, fachlichen und räumlichen Voraussetzungen für den gemeinsamen Unterricht gebe. "Sonst ist das weder für die Kinder mit der Diagnose noch für die anderen Kinder von Vorteil", warnt Hopmann. Das sei auch der Grund, wieso in manchen Fällen Eltern von Kindern in Sonderschulen gegen die Umstellung auf ein inklusives System auf die Barrikaden gingen.

 

Gar nicht schnell genug gehen kann es unterdessen Marianne Schulze, der Vorsitzenden des Monitoring-Ausschusses zur Einhaltung der UN-Menschenrechtskonvention, in der auch der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Beeinträchtigung vorgesehen ist. "Mit dem entsprechenden politischen Willen sehe ich nicht, warum das nicht im September 2015 möglich wäre", sagt sie im Ö1-"Morgenjournal".

 

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Mit freundschaftlichen Grüßen

 

Kurt Schober
Klubsekretär

SPÖ-Parlamentsklub
01/40110-3569

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kurt.schober@spoe.at

 

 

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