Dienstag, 2. September 2014

2014.09.02.: Newsletter Bildung

ORF.at – 2. September 2014

 

 

Übergänge sollen sanfter werden

 

Volksschulen und Kindergärten sollen künftig stärker zusammenwachsen, der Übergang soll für die Kinder damit sanfter werden. Eine Arbeitsgruppe arbeitet derzeit daran, wie die Vernetzung konkret funktionieren soll und welche gesetzlichen Barrieren dafür abgebaut werden müssen, kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Montag an.

 

Im ersten Schritt kooperieren bei der Volksschulreform mit Beginn dieses Schuljahrs 35 Standorte mit einem oder mehreren Kindergärten. Möglich wäre, dass die Volksschulpädagogen bereits in den Kindergarten kommen und die Kinder kennenlernen, schilderte Heinisch-Hosek im Gespräch mit der APA mögliche Formen der Zusammenarbeit. Derzeit wäre ein solches Modell allerdings „ein Gesetzesbruch".

 

Kennenlernen schon vor dem ersten Schultag

 

Gleichzeitig sollen Kindergartenkinder schon in die Volksschule hineinschnuppern können und die Volksschullehrer sich - das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt - über Portfolios und Pensenbücher bereits ein Bild über Stärken und Schwächen der Kinder machen können. Umgekehrt wäre es wünschenswert, wenn zwei, drei Monate nach dem Wechsel die Kindergartenpädagogen hin und wieder in der Schule vorbeischauen und beobachten, wie die Kinder sich entwickeln, so Heinisch-Hosek. Diese würden damit die frühere Bezugsperson nicht von einem Tag auf den anderen verlieren.

 

„Unsere Netzwerkprojekte machen Vorschule praktisch überflüssig, weil man den Kindern mehr Zeit gibt", so Heinisch-Hosek. Die Kinder sollen möglichst als gemeinsame Gruppe aus dem Kindergarten in die Volksschule übertreten und dann bis zum Ende der zweiten Klasse Volksschule Zeit haben, auf dasselbe Bildungsniveau zu kommen.

 

Ein weiterer Punkt der Volksschulreform: Mit dem Schuljahr 2015/16 soll gesetzlich verankert werden, dass Volksschulen auch ohne Schulversuch bis zur dritten Klasse auf Ziffernoten verzichten können. Der Beschluss war eigentlich schon für diesen Sommer geplant, ist aber, wie Heinisch-Hosek sagt, aus Zeitgründen gescheitert.

 

Schulbeginn für 460.000 Schüler

 

In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland hat am Montag nach den neunwöchigen Sommerferien für rund 460.000 Schüler das neue Schuljahr begonnen. Eine Woche später starten die restlichen rund 649.000 Schüler in Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark ins neue Unterrichtsjahr. Rund 81.000 der insgesamt 1,1 Mio. Schüler sind heuer Taferlklassler.

 

Im Mai 2015 sollen an den vierten Volksschulklassen die Bildungsstandards in Deutsch getestet werden. An 35 Standorten wird heuer außerdem mit der Volksschulreform begonnen. Die Eckpunkte sind - neben der engen Kooperation mit dem Kindergarten - individuelle Förderung in der Schuleingangsphase, alternative Leistungsbeurteilung und umfassende Sprachförderung.

 

Förderoffensive an Wiener Volksschulen

 

In Wien wird es mit dem neuen Schuljahr Gratisförderkurse an den öffentlichen Volksschulen geben. Es soll je nach Klassenzahl Förderstunden geben, Standorte mit vielen sozial schwachen Schülern und Kindern mit Lernschwierigkeiten oder Sprachproblemen bekommen zusätzliche Kontingente. An Neuen Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufen sollen ab dem Sommersemester 2015 ebenfalls Gruppenkurse angeboten werden. Insgesamt will die Stadt Wien 20 Mio. Euro pro Jahr in die „Förderung 2.0" investieren.

 

Zentralmatura wird Realität

 

In den AHS wird mit dem neuen Schuljahr nach zehn Jahren Diskussion außerdem die Zentralmatura Realität: Von 5. bis 13. Mai 2015 müssen alle Maturanten dieselben zentral vorgegebenen Aufgaben lösen. Korrigiert werden sie aber vom jeweiligen Klassenlehrer nach einem standardisierten Raster. Neben der Zentralmatura besteht die neue „standardisierte kompetenzorientierte Reife- und Diplomprüfung" noch aus einer „vorwissenschaftlichen Arbeit" sowie ebenfalls leicht reformierten mündlichen Prüfungen. An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ist die neue Matura erst ab 2015/16 verpflichtend.

 

Heinsch-Hosek glaubt trotz der Pannen bei der Generalprobe an eine fehlerfreie Premiere der Zentralmatura: „Wir haben schon viele Vorarbeiten geleistet, damit alles glattgehen wird." Es gebe bereits Vorschläge der Taskforce wie ganz klare Regeln bei der Beurteilung, mehr Informationen der Schulen über die Abläufe, mehr Praxisnähe bei den Maturaaufgaben und eine Verbesserung der Logistik, damit alle Maturaaufgaben vollständig vorliegen, so Heinisch-Hosek am Montag.

 

Ob auch künftig das zuletzt umstrittene Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) für die Durchführung der Zentralmatura zuständig sein wird, lässt Heinisch-Hosek vorerst noch offen. Es sei Aufgabe der zur Reform des BIFIE eingesetzten Lenkungsgruppe mit heimischen und internationalen Experten zu schauen, welche Aufgaben das BIFIE übernehme.

 

Evaluierung der umstrittenen NMS

 

Mit der NMS erhält ein weiteres umstrittenes Thema neue Aktualität: Anfang 2015 soll die Evaluierung vorliegen, die von einem Universitätenkonsortium unter der Leitung des emeritierten Erziehungswissenschaftlers Ferdinand Eder (Uni Salzburg) durchgeführt wird. Eigentlich soll die NMS bis 2015/16 die Hauptschule ablösen, mit dem neuen Schuljahr sind bereits 96 Prozent der Standorte umgestellt.

 

Heinisch-Hosek forderte am Montag Zeit zur Entwicklung des Potenzials der NMS: „Es wäre viel zu kurz gegriffen, jetzt schon zu behaupten, ob diese Schulform pädagogisch viel oder wenig bringt. Im Prozess von Schulreformen sind immer gewisse Vorlaufzeiten notwendig, bis sich qualitätsvolle Ergebnisse zeigen."

 

90 Millionen müssen eingespart werden

 

Weniger Mittel wird es unterdessen auf Bundesebene für den Bildungsbereich geben: Ministerin Heinisch-Hosek muss den Vorgaben des Finanzministeriums zufolge 60 Mio. Euro im Jahr 2015 einsparen. Bis zum Ende dieses Jahres muss sie Pläne vorlegen, wie das gelingen soll. Die Ministerin hatte ihre ursprünglichen Sparpläne nach Protesten zurückziehen müssen.

 

Dazu kommen 30 Mio. Euro, die sie eigentlich jährlich einnehmen wollte, indem die Länder mehr für jene Landeslehrer bezahlen sollten, die sie über den mit dem Bund vereinbarten Stellenplan einstellen. Die bereits erlassene Verordnung wurde zwar nach Protesten der Länder zurückgezogen, Heinisch-Hosek hat allerdings angekündigt, für 2015 weiterhin deren Umsetzung anzustreben.

 

„Da werde ich intensive Gespräche mit dem Finanzminister führen und hoffe, dass die Deadline auch erstreckbar sein wird", sagte Heinisch-Hosek am Montag mit Verweis auf den Reformdialog mit den Bundesländern, eine Arbeitsgruppe zu Vereinfachungen in der Schulverwaltung und Abbau von Doppelgleisigkeiten. „Ich hoffe hier schon auf die Arbeitsgruppe Bund - Länder, dass wir die Sparvorgaben für nächstes Jahr gemeinsam erfüllen können."

 

 

 

 

ORF.at – 2. September 2014

 

 

„Inklusion ist kein Selbstläufer"

 

Vor sechs Jahren hat Österreich die UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert und sich damit zur Inklusion im Bildungsbereich verpflichtet. Das bedeutet, dass Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden. Alle sollen dabei nach ihren Bedürfnissen gefördert werden und nicht nur miteinander, sondern auch voneinander lernen.

 

Die Realität sieht aber anders aus: Nach wie vor wird rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigung separat in Sonderschulen unterrichtet, die andere Hälfte in speziellen Integrationsklassen an regulären Schulen. In beiden Einrichtungen werden Kinder und Jugendliche mit Behinderung als „anders" klassifiziert. Das Konzept der Inklusion hebt diese Trennung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung auf. Während bei der Integration Menschen mit Behinderung „dazukommen", geht es bei der Inklusion um ein selbstverständliches und gleichberechtigtes Miteinander von Anfang an.

 

„Es fehlt an politischem Mut"

 

Die Koalition kündigte in ihrem Regierungsprogramm zwar die Weiterentwicklung inklusiver Bildung an - vielen geht das aber zu langsam. Es fehle an politischem Mut, kritisiert Germain Weber, Dekan der Fakultät für Psychologie der Universität Wien und Präsident der Lebenshilfe, Österreichs größter Interessenvertretung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung.

 

Österreich gehöre bei Inklusion nicht zu den innovationsfreudigen Ländern, so Weber im Interview mit ORF.at. Auf Bundesebene sei man auf einem vorsichtigen Diskussionsweg. Auf Länderebene ist Inklusion in Kindergärten und Schulen laut Weber in der Steiermark mit 84 Prozent bereits sehr weit vorangeschritten, Niederösterreich ist mit 30 Prozent Schlusslicht.

 

„Wenn du dumm bist, kommst du in die Hilfsschule"

 

„Die größten Barrieren auf dem Weg zur Inklusion sind in den Köpfen der Menschen", sagte Friederike Pospischil, Vizepräsidentin der Lebenshilfe Niederösterreich bei einem runden Tisch im Rahmen des Kongresses „Wege zur Inklusion", der im Juli an der Universität Wien stattfand. In ihrer eigenen Schulzeit sei noch der Spruch „Wenn du dumm bist und nicht lernst, dann kommst du in die Hilfsschule" üblich gewesen.

 

Einer der großen Vorteile der Inklusion sei, dass man die Menschen dort lassen könne, wo sie zu Hause seien. Pospischil weiß, wovon sie spricht, ihr heute 34-jähriger Sohn konnte als Kind nicht einfach in den örtlichen Kindergarten und in die Volksschule gehen. Oft müssen Eltern weite Wege zurücklegen, um ihr Kind in eine Sonderschule oder eine Schule mit Integrationsklasse zu bringen.

 

Ohne Inklusion würden nicht nur Kinder, sondern ganze Familien aus der Gesellschaft ausgegrenzt, so Pospischil. Dass Inklusion höchst erfolgreich funktionieren kann, sieht sie nicht zuletzt in ihrer Heimatgemeinde Wiener Neudorf in Niederösterreich, wo alle Kinder gemeinsam in Kindergarten und Volksschule gehen können. Auch in Norwegen, Finnland und Südtirol haben inklusive Bildungsstätten eine lange Tradition.

 

Und auch der Kongress selbst zeigte, wie das gleichberechtigte und selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung funktionieren kann. Unter den 800 Teilnehmern waren zahlreiche Menschen mit Behinderung vertreten, die ebenso Vorträge hielten und sich an den Diskussionen beteiligten wie Wissenschaftler und Experten.

 

Buchinger: Guter Wille ist da, Ressourcen nicht

 

Auch Erwin Buchinger (SPÖ), vom Sozialministerium bestellter Anwalt für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderung, ist davon überzeugt, dass es „eine Schule der Vielfalt für alle" geben muss. Inhaltlich stehe das Schulwesen freilich noch am Anfang des Umbaus. Im Bildungsministerium fehle es nicht an gutem Willen, versichert Buchinger im Interview mit ORF.at. So seien etwa in der Lehrerbildung die erforderlichen Grundlagen bereits geschaffen worden.

 

Oft fehlten allerdings die erforderlichen Ressourcen, kritisiert der Behindertenanwalt. In den letzten Jahren seien etwa die Stellen von Hunderten Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen an Schulen abgebaut worden. Der Grund: Die Quote für sonderpädagogischen Förderbedarf an den Schulen wurde 1992 festgelegt und ist längst nicht mehr aktuell.

 

Konkrete Initiativen geplant

 

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sprach sich Ende Mai im Unterrichtsausschuss des Nationalrats im Hinblick auf Inklusion an Schulen für eine „Politik der kleinen Schritte" aus. Sie befürworte zwar ganz klar die Inklusion, wandte sich aber gegen eine Abschaffung der Sonderschulen „von heute auf morgen". Der Grund: Österreichs Regelschulen könnten derzeit nicht allen sonderpädagogischen Bedürfnissen von Schülern Rechnung tragen. Kinder, die spezielle Bedürfnisse wie Kleingruppenunterricht hätten, dürften nicht durch eine plötzliche Abschaffung der Einrichtung Sonderschule überfordert werden, so die Ministerin. Sie plane aber intensive Gespräche mit allen Beteiligten, um ab dem Schuljahr 2015/16 konkrete Inklusionsinitiativen setzen zu können.

 

Sonderschulen sollen überflüssig werden

 

Unterstützung erhält Heinisch-Hosek zumindest in diesem Punkt von Gottfried Biewer, Professor am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Auch er interpretiert die UNO-Konvention nicht so, dass alle Sonderschulen unmittelbar abgeschafft werden müssen. Die reguläre Schule müsse sich verändern, offen für Vielfalt sein und alle Kinder willkommen heißen, so Biewer im Gespräch mit ORF.at. Auf diese Weise sollten Sonderschulen letztlich überflüssig werden.

 

Bis dieser parallele Prozess - Sonderschulen ab- und Regelschulen umbauen - abgeschlossen sei, werde es nach Einschätzung Biewers aber noch dauern, denn: „Inklusion ist kein Selbstläufer." Man müsse die Politik immer wieder mit dem Thema konfrontieren, sonst werde es übersehen. Inklusion sei eben kein Thema, mit dem man Wählerstimmen gewinnen könne, so der Bildungswissenschaftler. Es gebe immer noch viele Vorbehalte. Um Dinge umzusetzen, brauche es mehr Anreize, aber auch mehr Druck vonseiten des Bildungsministeriums.

 

Paradigmenwechsel in der Lehrerbildung

 

Allerdings: Die Schule zu verändern sei Aufgabe einer ganzen Generation, so Biewer. Fortschritte seien bereits in der Lehrerbildung sichtbar. So finde sich ab dem kommenden Wintersemester für alle Lehramtsstudierenden - egal ob für Mathematik, Turnen oder Geografie - die Pflichtveranstaltung „Inklusive Schule und Vielfalt" im Studienplan.

 

Die weltweite Entwicklung im Schulsystem gehe zweifellos in Richtung Inklusion, so der Bildungswissenschaftler. Doch auf dem Weg dorthin habe Österreich ähnliche Probleme wie viele andere Länder - mit Ausnahme von Vorreitern der Inklusion wie Norwegen und Finnland -: Es gibt laut Biewer einen Widerspruch zwischen dem durch die UNO-Ratifizierung geltenden Gesetz und dem, was im Land passiert. Letzteres sei vor allem im Bereich der Regelschule in Österreich nicht ausreichend.

 

 

 

 

ORF.at – 2. September 2014

 

 

„Wir können nicht alles haben"

 

Inklusion, Genderthemen, Deutsch als Zweitsprache - gut ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen müssen heute immer mehr Wissen abseits ihres Unterrichtsfaches mitbringen. Im neuen Lehramtsstudium, das im Oktober an der Universität Wien startet, sollen die Studierenden nun noch mehr pädagogische Kompetenzen erwerben, als es bisher schon der Fall war.

 

Fachliches Wissen werde zwar weiter eine wichtige Rolle spielen, da Lehrer einfach „eine gewisse wissenschaftliche Kompetenz brauchen", die pädagogischen Inhalte, etwa über den Umgang mit Schülern mit Migrationshintergrund, sollen aber ausgebaut werden, so der Leiter des Zentrums für LehrerInnenbildung der Universität Wien, Lutz-Helmut Schön, bei der Eröffnung des Zentrums im vergangenen Oktober.

 

Im neuen Lehramtsstudium können die zukünftigen Lehrer und Lehrerinnen nach wie vor aus insgesamt 26 Unterrichtsfächern zwei auswählen - von Sprachen wie Englisch, Spanisch und BKS (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) über naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Physik und Chemie bis zu Geschichte und Geografie. Daneben müssen alle, ganz gleich welche Fächer sie wählen, das Fach „Allgemeine Bildungswissenschaftliche Grundlagen" belegen.

 

ÖH warnt vor „Leeramt" statt Lehramt

 

Während die einen etwa die nun fix verankerte Pflichtlehrveranstaltung „Inklusive Pädagogik" (in der die Grundlagen einer gemeinsamen Schule beispielsweise für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung vermittelt werden), als Meilenstein feiern, fürchten die anderen, dass die fachlichen Inhalte zugunsten der pädagogischen Kompetenzen auf der Strecke bleiben. Das Horrorszenario: Unsouveräne Lehrende, die Schüler und Schülerinnen nicht für ihr Fach begeistern können, weil ihr eigenes Wissen nicht über den Grundstoff hinausreicht.

 

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) kritisierte etwa im Juni, dass die fachlich-wissenschaftliche Ausbildung „massiv zusammengekürzt" werde. So studieren laut ÖH etwa zukünftige Mathematiklehrer nur noch zirka zwei Semester im Bereich „Mathematik". „Um schneller AbsolventInnen produzieren zu können, wurde die wissenschaftliche Ausbildung auf ein Minimum reduziert", warnte die ÖH: „Das Lehramt wird zum Leeramt."

 

Gegenseitiges Ausspielen „längst überholt"

 

„Wir können nicht alles haben", entgegnet Agnieszka Czejkowska, Professorin für LehrerInnenbildung und Schulforschung und Leiterin des Instituts für Pädagogische Professionalisierung der Universität Graz, der Kritik der ÖH. Faktum sei, dass durch das Lehramtsstudium weder Fachwissenschaftler noch Erziehungswissenschaftler ausgebildet werden sollten, „sondern Lehrerinnen und Lehrer, die in einer komplexen und sich ständig verändernden Welt bis zum Jahr 2060 kompetent und souverän Kinder und Jugendliche unterrichten, begleiten und unterstützen sollen", so Czejkowska im Gespräch mit ORF.at. Zum Lehrberuf gehöre ein wissenschaftlich gesichertes Wissen sowohl im pädagogischen als auch im fachlichen Bereich ebenso wie ein bestimmter berufliche Ethos. Das gegenseitige Ausspielen von Pädagogik und Fachwissen sei längst überholt.

 

Studienplan hat Platz für beides - aber „zu wenig"

 

Stefan Krammer, Lehrender am Institut für Germanistik der Uni Wien und Leiter des Fachdidaktischen Zentrums Deutsch räumt ein, dass es im Vergleich zum alten Lehrplan eine Reduktion des fachwissenschaftlichen Bereiches gibt. Das sei aber durch die klar vorgegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht anders möglich gewesen, so Krammer im Gespräche mit ORF.at. Es sei unbestritten beides wichtig, so Krammer, fundiertes Fachwissen und pädagogische Kompetenz. Ohne pädagogische Kompetenzen nütze die beste fachliche Ausbildung nichts und vice versa, wie auch Studien belegten.

 

Im neuen Lehramtsstudium sei zwar Platz für beides, so Krammer, allerdings „von beidem zu wenig". Was das Fachwissen betrifft, so könnten aufgrund der gesetzlichen Richtlinien nur die Grundlagen vermittelt werden. Und auch bei den pädagogischen Kompetenzen, die vom Ministerium stark eingefordert wurden, gebe es aufgrund des gesellschaftlichen Wandels immer noch mehr zu tun: Ein Geografielehrer, der zwar großes Fachwissen, aber keine Ahnung von Inklusionspädagogik oder Deutsch als Zweitsprache habe, sei als Pädagoge ungeeignet.

 

Positiv sei aber anzumerken, dass das Bachelor-Studium vier Jahre dauere (und nicht wie in anderen Studienrichtungen nur drei), außerdem komme mit dem Master danach noch ein Professionalisierungsschub. Und auch damit soll der Professionalisierungsprozess noch nicht abgeschlossen sein, denn das Studium schaffe lediglich die Basis für den Lehrberuf.

 

Feuer für das Unterrichtsfach muss brennen

 

Doch was macht einen guten Lehrer aus? Wirft man einen Blick in einschlägige Internetforen und Facebook-Gruppen, finden sich schnell zahlreiche Antworten auf die Frage, welches Unterrichtsfach - sowohl während des Studiums als auch später im Lehrerberuf - den geringsten Aufwand bedeutet. Liest man diese Diskussionen, scheint es fast, als ob es für viele gar keinen Unterschied macht, ob sie später vielleicht jahrzehntelang so unterschiedliche Fächer wie etwa Musikerziehung und Mathematik unterrichten.

 

Für Czejkowska steht fest: Es ist unbedingt beides notwendig - die Liebe für das Fach und die Liebe für den Lehrberuf. Krammer kann einerseits nachvollziehen, dass für Studierende bei der Entscheidung für ein Unterrichtsfach auch Aspekte wie diese eine Rolle spielen. Dennoch: „Wenn ich nicht für mein Fach brenne, dann werde ich das Feuer auch nicht an die Schüler und Schülerinnen weitergeben können", so Krammer. Und auch das Bewusstsein „Ich will Lehrer bzw. Lehrerin werden" sei wichtig und müsse in der Ausbildung vermittelt werden. Die Studierenden sollten wissen, wie sie sich ihren zukünftigen Alltag als Lehrperson vorstellen könnten.

 

Trennung zwischen Schulformen wird aufgeweicht

 

In der neuen Lehrerausbildung sollen die Studierenden sowohl wissenschaftlich als auch pädagogisch für den Lehrberuf vorbereitet werden. Sie erwerben fachwissenschaftliche Kenntnisse, pädagogisches Wissen und eine schulpraktische Ausbildung, wie es in der Broschüre der Uni Wien zur neuen LehrerInnenbildung heißt.

 

Jeder angehende Lehrende - egal ob er sich an einer Uni oder einer Pädagogischen Hochschule (PH) ausbilden lässt - muss ab dem Wintersemester ein Aufnahmeverfahren bestehen und ein vierjähriges Bachelor-Studium absolvieren. Die bisherige Trennung, nach der Pflichtschullehrer (Volksschule, Neue Mittelschule, Sonderschule) an den PH und Lehrer für allgemeinbildende höhere Schulen (AHS) und berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) an den Unis ausgebildet werden, soll dadurch aufgeweicht werden.

 

Deutliche Änderungen bringt das vor allem für die derzeit an den PH ausgebildeten Lehrer an Pflichtschulen: Ihre Ausbildungsdauer wird fast verdoppelt. Lehrer an AHS und BMHS mussten bisher ein neunsemestriges Diplomstudium mit dem Magister-Abschluss an Unis absolvieren.

 

 

 

 

ORF.at – 2. September 2014

 

 

2.000 kamen zu Aufnahmetest für Lehramt

 

Fast 2.000 Prüflinge sind am Montag in der Messe Wien beim erstmaligen Aufnahmetests für Lehramtsstudien der Uni Wien angetreten. Einfluss auf die Zulassung haben die Testergebnisse nicht.

 

Der Großteil der rund 2.400 Lehramtsinteressenten erschien zur Prüfung. Sie hatten bereits die erste Stufe des mehrteiligen Aufnahmeverfahrens absolviert und sich für den Test qualifiziert.

 

Nach Registrierung und Security-Check, durch den Schummeln verhindert werden soll, mussten die Wiener Kandidaten rund 150 Minuten lang per Multiple-Choice-Test ihr Wissen in den Bereichen Bildungswissenschaften und Textverständnis sowie ihre kognitiven Fähigkeiten beweisen. Die Ergebnisse erfahren die Prüfungsteilnehmer Mitte September per Mail, es gibt keine Platzbeschränkung.

 

Kein Einfluss auf Zulassung

 

Einfluss auf die Zulassung haben die Ergebnisse ohnehin nicht: Wer schlecht abschneidet, muss lediglich zu einem Informations- und Beratungsgespräch. Dieses ist für jene Prüflinge verpflichtend, die weniger als 30 Prozent der Punkte erreicht haben. In dem Gespräch sollen die Testergebnisse analysiert und Strategien besprochen werden, um die identifizierten Schwächen zu kompensieren.

 

Neben der Uni Wien testen heuer auch erstmals die Uni Graz, die Technische Uni Graz und die Uni Klagenfurt in einem gemeinsamen Verfahren die Lehramtsstudienanwärter. Anders als in Wien können sich dort allerdings nur jene einschreiben, die die Prüfung bestehen. Die Tests finden an der jeweiligen Uni von 8. bis 10. September statt.

 

 

 

 

ORF.at – 2. September 2014

 

 

Start für längstmögliches Schuljahr

 

Eine geballte Menge Schule kommt heuer auf Schüler, Eltern und Lehrer zu. Das Schuljahr startet zum frühestmöglichen Zeitpunkt (1. September in Wien, NÖ, Burgenland, 8. September im Rest Österreichs) und endet am spätestmöglichen Termin (3. bzw. 10. Juli 2015). Darüber hinaus fallen im Herbst fast alle möglichen Feiertage auf Wochenenden.

 

Laut Schulzeitgesetz startet das Schuljahr im Osten Österreichs am ersten Montag im September - der 1. September ist also der früheste Termin. Umgekehrt beginnen die Sommerferien „an dem Samstag, der frühestens auf den 28. Juni und spätestens auf den 4. Juli fällt" - letzter Schultag 2015 ist mit Freitag, dem 3. Juli, also auch der letztmögliche Tag. Damit ist 2014/15 das theoretisch längstdauernde Schuljahr perfekt.

 

Herbstferien nur in Vorarlberg

 

Darüber hinaus schaut der Herbst feiertagstechnisch ziemlich trüb aus: Der Nationalfeiertag (26. Oktober) fällt heuer auf einen Sonntag, in der Woche darauf Allerheiligen und Allerseelen (1. und 2. November) ebenfalls auf ein Wochenende. Für ein paar Tage Auszeit kann nur die Vergabe schulautonomer Tage sorgen. Die meisten Landesschulräte haben die von ihnen zentral festgelegten zwei „schulautonomen" Tage allerdings anderweitig verplant.

 

Wien, Niederösterreich, das Burgenland, Oberösterreich, die Steiermark, Kärnten und Tirol geben den 15. Mai und 5. Juni frei - die Freitage nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam. In Salzburg haben die Schüler am 3. November und 15. Mai frei. Mehr schulfreie Zeit im Herbst gibt es in Vorarlberg, das sich zwischen 27. Oktober und 2. November wieder eine Herbstferienwoche verordnet hat. Dafür werden alle schulautonomen Tage aufgebraucht, die restlichen Tage werden an den Dienstagen nach Pfingsten und Ostern (sonst überall schulfrei) eingearbeitet.

 

Durststrecke bis zum Dezember

 

Die erste Verschnaufpause auch für den Rest Österreichs gib es erst am 8. Dezember (Mariä Empfängnis), der auf einen Montag fällt. Die Weihnachtsferien beginnen heuer mit dem ersten Weihnachtstag am 24. Dezember (Mittwoch). Jedoch haben viele Schulen ihr eigenes Kontingent an schulautonomen freien Tagen dafür verwendet, um die zwei Tage davor freizugeben, womit die Weihnachtsferien de facto vielerorts bereits am Wochenende davor beginnen.

 

Die Semesterferien dauern heuer in Wien und Niederösterreich von 2. bis 7. Februar, in Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Salzburg und im Burgenland von 9. bis 14. Februar und in Oberösterreich und der Steiermark von 16. bis 21. Februar. Die Osterferien stehen von 28. März bis 7. April auf dem Programm. Die ferienlose Zeit im Herbst wird dann im Mai kompensiert: Der 1. Mai fällt auf einen Freitag, die meisten Länder haben nach Christi Himmelfahrt am 14. Mai auch den 15. Mai freigegeben, auch zu Pfingsten gibt es von 23. bis 26. Mai schulfrei.

 

Erstes Jahr mit verpflichtender Zentralmatura

 

Darüber hinaus wird auch gleich die erste Juni-Woche kurz - gleich am 4. ist Fronleichnam frei, der 5. ist in den meisten Bundesländern ein zentraler „schulautonomer" Tag. Weitere wichtige Termine im Schuljahr 2014/15: Der Stundenplan sollte planmäßig bereits mit dem zweiten Schultag stehen (2. bzw. 9. September), die Wahl der Klassensprecher muss bis 6. bzw. 13. Oktober erfolgen. Schülerbeihilfe muss bis spätestens 31. Dezember beantragt werden.

 

Die erste verpflichtende Zentralmatura an den AHS findet von 5. (Deutsch) bis 13. Mai (Latein/Griechisch) statt. An den BHS, die nicht an Zentralmatura-Schulversuchen teilnehmen, ist der 24. April (Wien, Niederösterreich, Burgenland) bzw. 2. Mai der frühestmögliche Maturatermin. Die Abschlusskonferenz, in der über die Aufstiegsberechtigung der Schüler entschieden wird, muss zwischen 24. und 26. Juni (Osten) bzw. zwischen 1. und 3. Juli (Westen) abgehalten werden.

 

 

 

 

Die Presse – 2. September 2014

 

 

Aufnahmetest für Lehrer: Durchfallen ist unmöglich

 

Angehende Lehramtsstudenten der Uni Wien mussten sich am Montag zum ersten Mal einem Aufnahmeverfahren stellen. 2000 Bewerber kamen. Schon vor dem Test war klar: Aufgenommen werden alle.

 

Wien. Vor der Messehalle A wehen die Fahnen der Universität Wien. Entlang dieser Fahnenmasten stehen hunderte junge Menschen. Sie alle warten auf den Einlass und wollen zu ihrem Uni-Aufnahmetest. Dieses Bild wird sich in den kommenden Tagen noch oft bieten. In der Messehalle werden nämlich die künftigen Lehrer, Psychologen, Publizisten, Biologen, Pharmazeuten und Ernährungswissenschaftler ausgesucht. Am gestrigen Montag waren die Lehramtsstudenten dran. Eine ungewöhnliche Premiere.

 

Zum ersten Mal mussten sich angehende Lehrer an einer Universität einem Aufnahmetest unterziehen. Bislang war das nur an Pädagogischen Hochschulen (PH) üblich. Fast 2000 der 2400 angemeldeten Studieninteressenten nehmen noch vor zehn Uhr in der Halle A Platz. Ihre persönlichen Sachen haben sie da bereits in der Garderobe abgegeben und den Security-Check hinter sich. Mitnehmen dürfen die Prüflinge – wie die Plakate eindringlich beschreiben – nur den Lichtbildausweis, die Einlassbestätigung, Speisen und Getränke in einem durchsichtigen Plastiksackerl und einen Kugelschreiber. Letzterer braucht allerdings eine schwarze Mine.

 

Zweieinhalb Stunden sitzen die künftigen Lehramtsstudenten dann vor dem Multiple-Choice-Test. Getestet werden dabei sowohl ihr logisches Denken als auch ihre verbalen und analytischen Fähigkeiten. Außerdem mussten sich die Kandidaten mithilfe einer vorgegebenen Prüfungsliteratur auf einen Wissenstest zum Thema Pädagogik vorbereiten. Fachwissen wird nicht geprüft. Immerhin sitzen hier Theologie-, Biologie-, Deutsch- und Chemiestudenten bunt gemischt. Sie alle haben denselben Test.

 

Auffallend ist: Richtig nervös ist hier kaum jemand. „Angst habe ich nicht, ich bin nur müde", sagt die 18-jährige Birgit. Angst wäre auch überflüssig. Die Prüflinge wissen: Aufgenommen wird hier jeder. Denn es gibt keine festgelegte Platzzahl. Viel eher sollten die Interessenten beim Test selbst feststellen, ob sie für ein Lehramtsstudium geeignet sind. Wer besonders schlecht abschneidet und weniger als 30 Prozent der Punkte erreicht, hat nur mit einer Konsequenz zu rechnen: Er bzw. sie wird zwischen 22. und 26. September von der Universität zu einem Beratungsgespräch eingeladen. „Wir lassen uns überraschen, ob hier fünf oder 500 Studieninteressenten kommen", sagt Vizerektorin Christa Schnabl. Auch die endgültige Entscheidung bleibt bei den Studierenden.

 

„Ich kann das besser"

 

Unter den 2000 Bewerbern gibt es wohl ebenso viele Studienmotive. Das Biologie- und Englischstudium ist etwa für die 20-jährige Feline Müller lediglich Plan B. Plan A war ein Zahntechnik- oder Physiotherapiestudium. In diesen Fächern scheiterte sie aber an den Aufnahmetests. Der 46-jährige Kolumbianer Libardo Díaz Serrano war wiederum schon in seiner Heimat Lehrer und möchte nun in Österreich von vorn beginnen. Und der 19-jährige Burgenländer Daniel Radakovits weiß schon seit fünf Jahren, dass er Lehrer werden will. Warum? „Da ich mich über meine Lehrer geärgert und mir immer gedacht habe: Ich kann das besser."

 

An der Uni Graz, der TU Graz und der Uni Klagenfurt findet der Aufnahmetest übrigens von 8. bis 10.September statt. Der Unterschied: Dort muss die Prüfung positiv absolviert werden.

 

 

 

 

Die Presse – 2. September 2014

 

 

Volksschullehrer sollen Kindergärten besuchen

 

Laut Bildungsministerin Heinisch-Hosek soll der Einstieg in die Schule sanfter werden. Dafür müssen gesetzliche Barrieren abgebaut werden.

 

Volksschulen und Kindergärten sollen künftig stärker zusammenwachsen und so der Übergang für die Kinder sanfter werden. Eine Arbeitsgruppe arbeitet daran, wie die Vernetzung konkret funktionieren soll und welche gesetzlichen Barrieren dafür abgebaut werden müssen, kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) am Montag an.

 

Im ersten Schritt kooperieren bei der "Volksschulreform" mit Beginn dieses Schuljahrs 35 Standorte mit einem oder mehreren Kindergärten. Möglich wäre, dass die Volksschulpädagogen bereits in den Kindergarten kommen und die Kinder kennenlernen, schildert Heinisch-Hosek mögliche Formen der Zusammenarbeit. Derzeit wäre ein solches Modell "ein Gesetzesbruch". Gleichzeitig sollen Kindergartenkinder schon in die Volksschule hineinschnuppern können und die Volksschullehrer sich - Einverständnis der Eltern vorausgesetzt - über Portfolios und Pensenbücher bereits ein Bild über Stärken und Schwächen der Kinder machen können.

 

Umgekehrt wäre es wünschenswert, wenn zwei, drei Monate nach dem Wechsel die Kindergartenpädagogen hin und wieder in der Schule vorbeischauen und beobachten, wie die Kinder sich entwickeln. Diese würden damit die frühere Bezugsperson nicht von einem Tag auf den anderen verlieren.

 

"Unsere Netzwerkprojekte machen Vorschule praktisch überflüssig, weil man den Kindern mehr Zeit gibt", erklärt Heinisch-Hosek die Idee. Die Kinder sollen möglichst als gemeinsame Gruppe aus dem Kindergarten in die Volksschule übertreten und dann bis zum Ende der zweiten Klasse Volksschule Zeit haben, auf das selbe Bildungsniveau zu kommen.

 

 

 

 

Die Presse – 2. September 2014

 

 

Schülerunion will Nachprüfungen vor Schulstart

 

Die Nachprüfungen sollten entweder in der letzten Ferienwoche stattfinden oder die Schule erst am Mittwoch starten.

 

Die Schülervertreter von der VP-nahen Schülerunion haben am Montag in einer Aussendung das System der parallel zum Schulbetrieb abgehaltenen Nachprüfungen kritisiert. Nachprüfungen sollten entweder in der letzten Ferienwoche oder, wie noch vor einigen Jahren, am Montag und Dienstag der ersten Schulwoche stattfinden, der erster gemeinsame Schultag aller Schüler wäre dann der Mittwoch.

 

Seit einigen Jahren findet der "Nachzipf" grundsätzlich an den ersten beiden Schultagen statt, per Extrabeschluss können die Nachprüfungen in die letzte Ferienwoche vorgezogen werden. Nachprüfungen parallel zum Schulstart führen jedoch aus Sicht der Schülervertreter dazu, dass Prüflinge bei einem negativen Ausgang direkt von der belastenden Prüfungssituation in eine neue Klasse geschickt werden und dazu wichtige administrative Angelegenheiten, die in den ersten beiden Schultagen besprochen würden, verpassen.

 

"Das Ministerium muss für die Lösung des Problems sorgen", fordert deshalb Schülerunion-Bundesobmann Felix Wagner: "Entweder Schulstart am Mittwoch oder Nachprüfungen in der letzten Ferienwoche."

 

 

 

 

Kronen Zeitung – 2. September 2014

 

 

Erste Aufnahmeprüfung für künftige Pädagogen Knapp 2000 Studenten in spe

Aufregung um Pseudotest für Lehrernachwuchs

 

Die erste Aufnahmeprüfung für Lehramtsanwärter ist vollbracht: Alleine in Wien nahmen 1949 Studenten in spe teil. Allerdings gab es am Hauptstadt-Modell schon im Vorfeld Kritik. Denn selbst der schlechteste Absolvent muss kein Zulassungsverbot fürchten. Wird es unseren künftigen Pädagogen nicht gar zu leicht gemacht?

 

   Aufsichtspersonal, Sitzordnung, Zeitlimit - bei dem Test wurde ein Aufwand betrieben, als würde es um etwas gehen.

 

    Die drei Prüflinge gaben sich ganz offen: "Wirklich gelernt haben wir nicht für diesen Test."

 

    Lehramt als Notlösung - so sehen das diese beiden Damen. Sie bekamen keinen FH-Platz.

 

   Der Aufnahmetest für Lehrer bestand aus drei Teilen: Abgefragt wurden logistisches Wissen, verbale Fähigkeiten und Didaktik.

 

   Aus ganz Österreich waren am Montagfrüh junge Frauen und Männer gekommen, um in der WienerBRIGITTE BLABSREITERMesse den zweieinhalbstündigen Test für das Lehramtsstudium zu absolvieren. Knapp 2000 Teilnehmer füllten die Testbögen zwar aus - ernsthaft vorbereitet dürften aber die wenigsten gewesen sein. Der Grund: Das Ergebnis ist völlig egal. Auch die schlechtesten Prüflinge müssen keine ernsthaften Konsequenten fürchten, wie berichtet, findet im schlimmsten Fall ein "Informationsgespräch" mit einem Berater statt.

 

   Doch warum dann der ganze Aufwand? Christa Schnabl, Vizerektorin der Uni Wien: "Das Aufnahmeverfahren dient zur Selbsteinschätzung - um ein Pädagoge zu werden, muss man sich im Studium bewähren."

 

   Indes machten beim "Krone"-Lokalaugenschein die wenigsten Teilnehmer den Eindruck, als wäre das Lehramtsstudium ernsthaft ihr Wunschtraum. Vielmehr erzählten viele, dass sie bereits (aber diesmal mit Folgen) durch Aufnahmeprüfungen wie Medizin gefallen sind oder schlichtweg keinen Platz auf einer Fachhochschule ergattern konnten

 

 

 

 

Kronen Zeitung – 2. September 2014

 

 

Lehrern vertrauen wir das Wichtigste an, das es gibt:unsere Kinder. Was sie und die Eltern sich vonden Pädagogen wünschen, hat die "Krone" abgefragt.

Der wichtigste Job der Welt

 

   Ich bin Wissensvermittlerin, Erzieherin, Feindbild, Freundin, Elternersatz, Psychologin, Streitschlichterin, Organisationstalent, Ansprechperson für Eltern und sogar Buchhalterin." So beschreibt die 31-jährige Ulla Mastny die vielen Rollen, in die sie als Pädagogin täglich schlüpft. Die Biologie- und Sportlehrerin am Wiener Gymnasium Billrothstraße ist eine von rund 124.000 Lehrkräften, die in Österreich den "wichtigsten Job der Welt" machen - sie begleiten unsere Kinder ein Stück weit ins Leben. Ihr Motto für den Schulalltag: "Wenn ich einmal pro Stunde gelacht habe, dann war mein Unterricht erfolgreich."

 

   Doch Wissensvermittlung ist nur eine von ganz vielen Anforderungen, die heute an die Lehrer gestellt werden. Immer mehr Eltern delegieren Erziehungsarbeit an die Schulen. Und hängen den Lehrern damit die Probleme um. Im Sportunterricht, erzählt Ulla Mastny, falle ihr schon sehr früh - vielleicht noch vor den Eltern - auf, wenn mit Kindern etwas nicht in Ordnung sei. "Wenn ein Mädchen plötzlich dünn geworden ist, wenn Kinder sich anders verhalten oder blaue Flecken haben, dann schlage ich Alarm." Dann spricht die engagierte Pädagogin das Kind darauf an und sucht den Kontakt mit den Eltern. "Man ist so vieles in einem", meint sie. 1800 Euro verdient Ulla Mastny netto; 100 Euro Zulage für den Klassenvorstand. 20 "Werteinheiten" verbringt sie pro Tag an der Schule.

 

   An diesen 50-Minuten-Takt ist in Österreich noch immer das Lehrergehalt gekoppelt. Anwesenheit von 8 bis 16 Uhr, wie von vielen Bildungsexperten seit Jahren gefordert, wäre für Ulla Mastny okay. "Aber dann hätte ich gerne auch einen Arbeitsplatz." Ihr jetziges "Büro" ist 50 mal 50 Centimeter groß - ein Fleckerl Tischfläche im Konferenzzimmer… Von einem Computer kann sie nur träumen.

 

   Motivation zahlt sich für die Lehrer nicht aus

 

   Wie viel ist dem Staat der Lehrerberuf wert? Volksschullehrer starten mit 2068 Euro, Pädagogen an höheren Schulen mit 2268 Euro brutto - je nach Schulgröße und Dienstalter gibt's Zulagen. Ein neues Gehaltsschema mit höheren Anfangs- und niedrigeren Endbezügen ist laut "Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrerinnnen" aber beschlossen. Netto bleiben da 1500 Euro (plus Zulagen).

 

   Dafür darf in Österreich jeder Lehrer werden - erst ab dem Wintersemester gibt es ein verpflichtendes Aufnahmeverfahren für das Lehramtsstudium. Und: Das Gehaltssystem ist nicht leistungsorientiert. Motivation zahlt sich für Pädagogen also nicht aus. Lehrer können auch - egal, wie schlecht oder ausgebrannt sie sein mögen - in Österreich nur sehr schwer versetzt, geschweige denn gekündigt werden.

 

   Ein erster Schritt Richtung Schulautonomie ist der Politik jetzt immerhin gelungen: "get your teacher" heißt ein Online-Tool, mit dem Schuldirektoren Einblick in die Bewerbungen von jungen Lehrern und somit ein gewisses Mitspracherecht bei der Frage bekommen, wer an ihrer Schule unterrichten soll.

 

   Und wie wünschen sich Kinder und Eltern ihre Lehrer? Die "Krone" hat in einer österreichweiten Umfrage 300 Schüler und 300 Eltern interviewt (siehe Grafik links unten). Schülern ist demnach die fachliche Kompetenz, also wie gut Lehrer Wissen und Stoff vermitteln können, am wichtigsten. Abweichend die Meinung der Eltern: Sie sehen Empathie als Haupteigenschaft eines guten Pädagogen. Schon an zweiter Stelle steht (für 26 Prozent der befragten Schüler) der Kernsatz: "Der Lehrer soll die Kinder mögen!" Ulla Mastny, die am Montag in ihr siebtes Schuljahr startete, hört das gern. Auf die Frage, was eine gute Lehrerin ausmacht, nennt sie als erstes: "Liebe zu den jungen Menschen, Verständnis, Geduld und eine große Portion Gelassenheit. Ich sag oft zu meinen Schülern: Ich seh euch öfter als meine Freunde… Man baut eine Beziehung auf."

 

   Sie sei sich immer mehr bewusst, welche Verantwortung sie habe, welchen Einfluss Lehrer auf den Lebensweg ihrer Schüler haben können. "Auch ich lerne in der Schule sehr viel, jeden Tag."

 

   Mehr Bezug zur Praxis hätte sie sich bei ihrer Ausbildung gewünscht, zum Beispiel, was Gruppendynamik oder Konfliktmanagement betrifft. Denn ohne Disziplin und Regeln kann Unterricht nicht gelingen. Ulla Mastny: "Mir ist es wichtig, auch Grenzen zu setzen und konsequent zu sein. Aber man soll versöhnlich bleiben, dem Kind nicht das Gefühl geben, dass man es nicht mehr mag. Wie sehr man sich auch ärgert."

 

 

 

 

Kronen Zeitung OÖ – 2. September 2014

 

 

Bildungslandesrätin Hummer will "duales Traineeprogramm"

Maturanten als Lehrlinge gefragt

 

Die heimische Wirtschaft schnauft unter dem Fachkräftemangel. Bildungslandesrätin Doris Hummer will unter dem Überbegriff "duales Traineeprogramm" Maturanten für eine Kurz-Lehre begeistern. Eine Umfrage zeigt gleichzeitig, dass nur vier Prozent der jährlich 7000 oö. Maturanten an einer Lehre interessiert sind.

 

   Drei Fünftel der oö. Maturanten wollen, wenig überraschend, an einer Uni oder Fachhochschule studieren. Ein Viertel will direkt ins Berufsleben einsteigen und jeder Zehnte will sich ohne Uni weiter ausbilden. Fast die Hälfte der Maturanten glaubt, dass man heutzutage ohne Matura keine beruflichen Chancen hat, besonders überzeugt davon sind die AHS-Schüler.

 

   Tatsächlich absolvieren derzeit in Oberösterreich nur 127 Maturanten eine Lehre, während heuer 2629 Lehrlinge neben der Arbeit für die Matura büffeln.

 

   Bildungslandesrätin Doris Hummer will nun mit einem runden Tisch der Branchenvertreter Betriebe suchen, die sich an ihrem "dualen Traineeprogramm" beteiligen. Dieses Projekt soll den Maturanten eine ein- bis zweijährige Kurz-Lehre ermöglichen: "Ich glaube, dass dieser Weg ein zukunftsweisendes Modell sein könnte."

 

 

 

 

Kleine Zeitung – 2. September 2014

 

 

Studium: Neue Hürden am Computer

 

In dieser Woche beginnen an den Universitäten die Aufnahmeverfahren. Erstmals müssen sich auch angehende Lehrer einem Test am Computer stellen – und ihn auch bestehen.

 

   Nach der Matura kommt die Matura: So könnte man die neue Realität an den österreichischen Universitäten beschreiben. Denn in immer mehr Fächern wird ein Aufnahmetest verlangt. So gibt es heuer erstmals Prüfungen für Lehramtsstudenten. Man darf gespannt sein, wie viele Anfang nächster Woche tatsächlich zum Test erscheinen; 1336 Anmeldungen gab es. An der Universität Wien, wo gestern die Prüfungen stattfanden, kniff jeder Sechste. Anstatt 2400 nahmen nur 2000 vor dem Computer Platz. Das ist auch überraschend, weil das Ergebnis keine Auswirkung hat: Jeder wird genommen.

 

   In Graz ist das anders; hier muss man den Test bestehen. Die Beispielfragen lassen allerdings nicht erwarten, dass man als Maturant große Probleme haben könnte. Es gibt auch keine Studienplatzbeschränkung; jeder, der die Computerhürde schafft, darf inskribieren.

 

   Ganz anders sieht das bei den Tests für die Fächer Psychologie, Biologie und Mikrobiologie aus, die ab heute abgeprüft werden. Heute hoffen 1471 Angemeldete auf einen der 230 Plätze für Psychologie. Im Gegensatz zu den anderen Fächern wird dieser Test noch auf Papier absolviert. Wie alle anderen Prüflinge wurden sie vorab genauestens informiert und bekommen in der Aula dann Detailinfos, in welchem Hörsaal sie sitzen müssen.

 

   Leicht „überbucht" sind die Fächer am Donnerstag: Für Biologie gibt es 458 Angemeldete für 268 Studienplätze, in Molekularbiologie hoffen insgesamt 628 Bewerber auf 428 Plätze. In diesem Fach ist auch die TU Graz beteiligt. Und am Freitag rittern dann noch die Pharmazeuten: Für 384 Plätze gibt es 620 Bewerber.

 

 

 

 

Kleine Zeitung Kärnten – 2. September 2014

 

 

Ein Aufstand der Lehrer

Streit an VS 2 in Feldkirchen: Sieben Klassenlehrer wollen versetzt werden.

 

   Jede Form von Entwicklung findet in einer Atmosphäre von Sicherheit, gegenseitiger Zuneigung und Vertrauen die beste Grundlage." So steht es auf der Homepage der Volksschule 2 Feldkirchen. Dahinter brodelt es allerdings gewaltig. Der gestrige Tag begann für die neue Pflichtschulinspektorin Barbara Bergner nämlich noch vor dem eigentlichen Schulstart mit einem Paukenschlag. Alle sieben Klassenlehrer der Volksschule haben um Versetzung angesucht.

 

   „Ich kenne bisher keinen einzigen ähnlichen Fall. Wenn es aber so viele auf einmal sind, ist das ein markantes Zeichen und es gilt auf alle Fälle, ohne Vorverurteilungen hinzuschauen", sagt Bergner. Aus Angst vor Konsequenzen wollte jedoch keine der betroffenen Lehrer Auskunft über die genauen Gründe geben. Eine ehemalige Lehrerin sagt aber: „Der Führungsstil der Direktorin passt einfach nicht. Unser Arbeitseinsatz wird gering geschätzt und wenn wir zum Beispiel zur alltäglichen Besprechung, die noch vor der Anwesenheitspflicht angesetzt war, nicht rechtzeitig erschienen sind, wurden wir ins Büro zitiert."

 

   „Sind um Lösung bemüht"

 

   Außerdem hätten administrative Arbeiten überwogen und die Pädagogik sei in den Hintergrund gerückt. Seit der Zusammenlegung der Volksschulen 2 und 3 haben sich in nur zwei Jahren mindestens zehn Lehrer aus der Schule verabschiedet – entweder, weil sie um Versetzung angesucht haben oder krankheitsbedingt wegen Burn-out. Dass es schon länger Kommunikationsschwierigkeiten sowie zwischenmenschliche Probleme zwischen Direktion und Lehrern gibt, bestätigt auch das Land. Bisher hätten Gespräche und eine Mediation aber nichts gebracht. Die Direktorin Karin Kanatschnig wollte zu den Vorwürfen nichts sagen, nur: „Mir liegt nichts vor."

 

   Die Anträge werden nun an die zuständige Stelle im Land weitergeleitet. „Wir sind weiterhin um eine Lösung im Sinne der Lehrer und Schüler bemüht", heißt es aus dem zuständigen Referat.

 

 

 

 

Kleine Zeitung – 2. September 2014

 

 

Abbruch muss keine Karrierebremse sein

Wie Jobchancen trotz Schulabbruch intakt bleiben. Berufsmatura ab Herbst in einem Jahr.

 

   GRAZ. Jeder dritte Schüler einer höheren Schule in der Steiermark bricht den Ausbildungsweg ab oder schlägt einen anderen ein. „Ich kenne keinen Fall, wo mangelnde Intelligenz der Grund gewesen wäre", stellt Toni Monsberger klar, Experte für Potenzialanalysen des Wifi Steiermark. Auch Peter Hochegger, Leiter des Wifi, betont, dass ein Schulabbruch oder ein Wechsel kein Makel sein müssen. „Es heißt nicht, dass man als Langzeitarbeitsloser endet. Unter den vielen Ausbildungsmöglichkeiten gibt es für jeden das richtige Angebot."

 

   Viele heimische Wirtschaftstreibende hätten auch ohne Hochschulausbildung Karriere gemacht, sagt Hochegger und plädiert für Individualität, Flexibilität und Weiterbildung: „Sie ist für 50-Jährige genauso wichtig wie für 15-Jährige."

 

   In den meisten Fällen sei die inhaltliche Ausrichtung der Schule der Grund für den Abbruch, erklärt Monsberger. Die Potenzialanalyse des Wifi hilft Schulabbrechern bei der richtigen Ausbildungs- und Arbeitsplatzwahl. Ein Drittel der Schulabbrecher an höheren Schulen steht laut Statistik Austria 18 Monate später wieder in einer Ausbildung, größtenteils berufsbegleitend. Ab Herbst ist es übrigens möglich, alle Vorbereitungskurse zur Berufsmatura am Wifi in einem Jahr zu absolvieren und somit eine Vollmatura zu erlangen. Auch das AMS Steiermark sieht einen Schulabbruch nicht unbedingt als Minuspunkt für den Karrierestart. Wichtig ist freilich, dass nach dem Abbruch ein neuer Ausbildungsweg eingeschlagen wird. „Im technischen und kaufmännischen Bereich haben Schulabbrecher gute Chancen auf eine Lehrstelle", weiß AMS-Chef Karl-Heinz Snobe. Er erinnert aber auch daran, dass Bildung eines der wirksamsten Mittel gegen Arbeitslosigkeit ist. Aktuell zeigt sich, dass fast die Hälfte aller Arbeitslosen keinen Abschluss oder maximal einen Pflichtschulabschluss vorweisen kann.

 

 

 

 

Salzburger Nachrichten – 2. September 2014

 

 

Zentralmatura wird verbessert

   Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat sich für dieses Schuljahr viel vorgenommen. Unter anderem soll Kindern der Eintritt in die Volksschule leichter gemacht werden.

 

   Alexandra Parragh Das ist Ihr erster echter Schulbeginn als Bildungsministerin seit Ihrer Angelobung im Dezember 2013: Irgendwelche Vorsätze? Gabriele Heinisch-Hosek: Ich will voll durchstarten und mich sehr um die Kleinen kümmern. Im Regierungsprogramm haben wir uns ja vorgenommen, das letzte Kindergartenjahr und die ersten beiden Volksschuljahre zur Einheit zu machen und sanftere Übergänge zu schaffen. Es gibt jetzt schon 35 Volksschulen mit je einem oder mehreren Kindergärten in der Nähe, die bei diesen Netzwerkprojekten mitmachen. Was heißt das konkret? Es gibt schon heute Schuleinschreibfeste, wo Kindergartenkinder und Volksschüler aufeinandertreffen. Diese Begegnungen wollen wir während des Schuljahres intensivieren. Die Ideen dazu sammeln und bündeln wir gerade. Dazu wird es eine Internetplattform geben. Ich kann mir vorstellen, dass sich Kindergartenkinder, die im nächsten Jahr in die Volksschule kommen, mit Kindern aus der 4. Klasse Volksschule stundenweise zusammentun. Auf diesem Weg lernen sie gleich ihre Volksschullehrer besser kennen. Umgekehrt müssen Volksschulpädagogen in den Kindergarten gehen können, ohne dass sie gleich einen Gesetzesbruch begehen. Diese Projekte lassen wir vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie), vom Charlotte-Bühler-Institut und von pädagogischen Hochschulen wissenschaftlich begleiten. Apropos Bifie: Wie soll es dort weitergehen nach den Turbulenzen (Datenleck) im Vorjahr? Wir haben viel getan. Eine Taskforce hat die Pannen bei der Zentralmatura untersucht. Eine zehnköpfige Lenkungsgruppe sieht sich das Bifie und seine Aufgaben gerade genau an und wird bis Jahresende ihre Vorschläge auf den Tisch legen. Ich sage gleich: Ich stehe zur Bildungsforschung und einem eigenen Institut dafür. Fraglich ist nur, ob das eine oder andere – wie das Durchführen der Zentralmatura – noch zur Gänze vom Bifie erledigt werden muss. Die Zentralmatura wird heuer an allen AHS durchgeführt. Wie garantieren Sie, dass es zu keinen Pannen mehr kommen wird? Wir arbeiten ganz verstärkt an der Kommunikation. Die Beispielangaben werden so angepasst, dass sie dem Schularbeitsniveau entsprechen. Der Benotungsschlüssel wird klargestellt und die Logistik umgestellt. Schulleiter werden einen Tag vor der Matura die Prüfungsbögen bekommen, damit sie kontrollieren können, ob sie vollständig sind. Erwarten Sie sich Bewegung in Sachen Schule mit dem neuen ÖVP-Chef? Ich habe bisher gute Erfahrungen mit meinem Kollegen Reinhold Mitterlehner, was den Ausbau der Kinderbetreuung, den Papamonat und die Frauenquote in Aufsichtsräten betrifft. Deshalb denke ich, dass es auch in mancher Schulfrage Bewegung geben wird. Aber ich werde ihn nicht daran messen, ob er Ja sagt zur Gemeinsamen Schule. Qualitätssteigerung ist das Gebot der Stunde. Ist die Neue Mittelschule eine solche Qualitätssteigerung? Davon bin ich überzeugt. Die Behauptung, dass die Neue Mittelschule nur ein bloßes Auswechseln der Türschilder von Hauptschulen sei, stimmt einfach nicht. Ich bin aber gerne bereit, über das eine oder andere zu diskutieren, sobald die Evaluierung unter der Leitung des Salzburger Bildungsforschers Ferdinand Eder abgeschlossen ist. Das Wichtigste wird aber sein, Überzeugungsarbeit bei den Eltern zu leisten. Wir müssen zeigen, was Teamteaching und innere Differenzierung bringen kann. Gibt es genügend Lehrer? Wir haben an sich genügend Menschen, die an Schulen unterrichten. Aber wir haben nicht überall genug Lehrer für ein Fach. Daher müssen wir heuer wieder jonglieren. Aber es geht sich aus. Hoffen Sie, mit dem neuen Finanzminister weniger bei Schulen einsparen zu müssen? Das ist eine Frage der Gesamtbetrachtung. Bisher waren alle Ressorts betroffen. Aber es wird sicher Gespräche mit dem Finanzminister geben. Zugleich tagt unsere Arbeitsgruppe, wie Doppelgleisigkeiten im Bildungsbereich beseitigt werden können.

 

 

 

 

Österreich – 2. September 2014

 

 

Quote: Heinisch sagt Reform an

Arbeitsgruppe soll Ruhe in SPÖ-Frauenstreit bringen

 

Die Senkung der Frauenquote soll durch Nachrückung in der SPÖ nicht mehr möglich sein.

 

Wien. Die roten Wellen wegen mangelnder Frauenquoten will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek jetzt glätten. Im ÖSTER-REICH-Interview macht sie klar, dass die Arbeitsgruppe, die zu dem Thema am Mittwoch startet, "möglichst rasch" eine Reform bringen muss. Ihr Ziel ist, dass am SPÖ-Parteitag im November eine neue Regelung beschlossen werden kann: "Es muss ein verändertes Statut mit Sanktionen geben, die bisher nicht vorgesehen waren, denn die Frauen sind hier zu Recht verärgert."

 

Nachträgliches Senken der Quote wird verboten

 

Anlass für die Arbeitsgruppe ist die Nachbesetzung des Nationalratsmandats von Barbara Prammer durch Walter Schopf und nicht durch Sonja Ablinger. Obwohl das Parteistatut die Nachbesetzung mit einer Frau verlangt hätte, wurde Schopf nominiert - die Frauenquote sinkt weiter. Der Zorn der SPÖ-Frauen ist groß. Für heute ist ein Protest-Flashmob vorm Burgtheater angekündigt.

 

Ihr Verhalten in der Abstimmung für Schopf und gegen Ablinger in der Bundespartei verteidigt sie: "Seine Landespartei hatte ihn nominiert, da kann man nicht von außen einfach dagegen entscheiden." (pli)

 

Frauenministerin Heinisch-Hosek:

 

Ergebnis bis November

 

ÖSTERREICH: Wie soll es im Streit um die interne Quote weitergehen?

 

GABRIELE HEINISCH-HOSEK: Die aktuelle Diskussion hat deutlich gemacht, dass wir zugunsten der Frauen weitere Änderungen im Parteistatut brauchen. Am Mittwoch tagt deshalb erstmals eine Arbeitsgruppe zu dem Thema. Ziel ist, dass die Wahlordnung nicht mehr die Quote schlagen kann. Also dass Frauen gleichberechtigt vertreten sind.

 

ÖSTERREICH: Wie schnell soll diese Statuten-Änderung kommen?

 

HEINISCH-HOSEK: Wir wollen das in möglichst wenigen Sitzungen der Arbeitsgruppe schaffen. Bis zum Parteitag der SPÖ im November soll es ein Ergebnis geben. Das ist nicht nur mein Wunsch als Frauenvorsitzende der SPÖ, sondern auch von meinem Parteichef.

 

 

 

 

Austria Presse Agentur – 1. September 2014

 

 

Volksschulen und Kindergärten sollen stärker zusammenwachsen

Utl.: Arbeitsgruppe für mehr Vernetzung gestartet, Pilot an 35 Volksschulen - Heinisch-Hosek hofft auf pannenfreie Zentralmatura-Premiere - Zu inhaltlichen Veränderungen bei NMS bereit

 

Volksschulen und Kindergärten sollen künftig stärker zusammenwachsen und so der Übergang für die Kinder sanfter werden. Eine Arbeitsgruppe arbeitet daran, wie die Vernetzung konkret funktionieren soll und welche gesetzlichen Barrieren dafür abgebaut werden müssen, kündigte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (S) am Montag im APA-Gespräch an.

 

Im ersten Schritt kooperieren bei der "Volksschulreform" mit Beginn dieses Schuljahrs 35 Standorte mit einem oder mehreren Kindergärten. Möglich wäre, dass die Volksschulpädagogen bereits in den Kindergarten kommen und die Kinder kennenlernen, schildert Heinisch-Hosek mögliche Formen der Zusammenarbeit. Derzeit wäre ein solches Modell "ein Gesetzesbruch". Gleichzeitig sollen Kindergartenkinder schon in die Volksschule hineinschnuppern können und die Volksschullehrer sich - Einverständnis der Eltern vorausgesetzt - über Portfolios und Pensenbücher bereits ein Bild über Stärken und Schwächen der Kinder machen können.

 

Umgekehrt wäre es wünschenswert, wenn zwei, drei Monate nach dem Wechsel die Kindergartenpädagogen hin und wieder in der Schule vorbeischauen und beobachten, wie die Kinder sich entwickeln. Diese würden damit die frühere Bezugsperson nicht von einem Tag auf den anderen verlieren. "Unsere Netzwerkprojekte machen Vorschule praktisch überflüssig, weil man den Kindern mehr Zeit gibt", erklärt Heinisch-Hosek die Idee. Die Kinder sollen möglichst als gemeinsame Gruppe aus dem Kindergarten in die Volksschule übertreten und dann bis zum Ende der zweiten Klasse Volksschule Zeit haben, auf das selbe Bildungsniveau zu kommen.

 

Ein weiterer Reformpunkt: Mit dem Schuljahr 2015/16 soll gesetzlich verankert werden, dass Volksschulen auch ohne Schulversuch bis zur dritten Klasse auf Ziffernoten verzichten können. Der Beschluss war eigentlich schon für diesen Sommer geplant, ist aber, wie Heinisch-Hosek sagt, aus Zeitgründen gescheitert.

 

Bis Jahresende muss die Ministerin außerdem ihre Pläne vorlegen, wie sie 2015 90 Mio. Euro einsparen will. "Da werde ich intensive Gespräche mit dem Finanzminister führen und hoffe, dass die Deadline auch erstreckbar sein wird", meint Heinisch-Hosek mit Verweis auf den Reformdialog mit den Bundesländern, eine Arbeitsgruppe zu Vereinfachungen in der Schulverwaltung und Abbau von Doppelgleisigkeiten. "Ich hoffe hier schon auf die Arbeitsgruppe Bund-Länder, dass wir die Sparvorgaben für nächstes Jahr gemeinsam erfüllen können."

 

In punkto Zentralmatura glaubt Heinsch-Hosek trotz der Pannen bei der Generalprobe an eine fehlerfreie Premiere im Frühjahr 2015 an den AHS: "Wir haben schon viele Vorarbeiten geleistet, damit alles glattgehen wird." Es gebe bereits Vorschläge der Task-Force wie ganz klare Regeln bei der Beurteilung, mehr Informationen der Schulen über die Abläufe, mehr Praxisnähe bei den Maturaaufgaben und eine Verbesserung der Logistik, damit alle Maturaaufgaben vollständig vorliegen.

 

Ob auch künftig das zuletzt umstrittene Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) für die Durchführung der Zentralmatura zuständig sein wird, lässt Heinisch-Hosek vorerst noch offen. Es sei Aufgabe der zur Reform des Bifie eingesetzten Lenkungsgruppe mit heimischen und internationalen Experten zu schauen, welche Aufgaben das Bifie übernehmen soll und welche auch das Bildungsministerium wahrnehmen könnte.

 

Für die Neue Mittelschule (NMS), deren Evaluierungsbericht im Frühjahr vorliegen soll, fordert Heinisch-Hosek Zeit zur Entwicklung ihres Potenzials: "Es wäre viel zu kurz gegriffen, jetzt schon zu behaupten, ob diese Schulform pädagogisch viel oder wenig bringt. Im Prozess von Schulreformen sind immer gewisse Vorlaufzeiten notwendig, bis sich qualitätsvolle Ergebnisse zeigen."

 

Sie denke, anders als von ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka gefordert, im Falle schlechter Ergebnisse keinesfalls daran, den bis 2016/17 geplanten Umbau der Hauptschulen zu NMS zu stoppen. Sie sei aber bereit, "in das System hineinzuschauen", wo mitunter in den Bundesländern etwa die Doppelbesetzung beim Teamteaching gar nicht umgesetzt worden sei. Für inhaltliche Veränderungen ist Heinisch-Hosek ebenfalls offen: So sollen etwa an Schulen mit Schwerpunkten nicht nur in den Haupt-, sondern eben auch in den Schwerpunktfächern (etwa Naturwissenschaften) zwei Lehrer eingesetzt werden können. "Ich würde das den Schulen gerne freistellen, die wissen selber am besten, welchen Schwerpunkt sie haben."

 

Positiv blickt die Ministerin auf die Zusammenarbeit mit der ÖVP unter ihrem neuen Chef Reinhold Mitterlehner: In seiner Eigenschaft als Familienminister habe sie mit Mitterlehner sehr gute Erfahrungen gemacht. "Ich bin hier sehr offen und auch gespannt, wie seine bildungspolitische Haltung ist und so wie ich ihn kenne, wird das eine gute Zusammenarbeit sein."

 

 

 

 

 

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